Mendelssohn Oktett für Streicher (Emerson String Quartet)

cellodil (15.10.2006, 11:21):
Weil ich heute den ganzen Tag arbeiten muss, habe ich (zur Verbesserung meiner Stimmung - siehe auch "Musikalische Hausapotheke") gerade das Mendelssohn Oktett für Streicher aufgelegt.

Und zwar in der Einspielung des Emerson String Quartets, in der die vier Herren alle acht Parts übernehmen (das ist eine Bonus-CD bei der Gesamtaufnahme der Streichquartette, Deutsche Grammophon, 2005).

Das ist - auch vom Emerson Quartet - wohl als eine Art Experiment gemeint, mit Aufnahmetechniken, die in anderen Musikrichtungen normal sind, bei Klassikaufnahmen zu experimentieren.

Meiner Meinung nach klingt das zwar schön und homogen, aber irgendwie nur halblebendig.

Ich hatte das Stück letzte Woche mal wieder im Konzert gehört - selbstverständlich mit zwei Quartett-Besetzungen (Henschel Quartett und Quatour Danel). Und fand dabei vor allem die Interaktion der verschiedenen Stimmen und Musikercharaktere mal wieder höchst spannend (in diesem Falle haben die Franzosen und der Cellist des Henschel Quartetts die ansonsten an diesem Abend etwas zurückhaltenden Henschel-Geschwister wirklich mitgerissen).


Langer Rede...

Mich würde interessieren

1) ob von Euch jemand die Oktett Einspielung des Emerson Quartets kennt und was er/sie davon hält

und/oder

2) ob Ihr ähnliche Aufnahme-Experimente kennt und wie Ihr die einschätzt.

Ich werde jetzt mal meine andere Einspielung vom Ensemble Explorations auflegen und mich dann an die Vorbereitung meiner Sitzung morgen machen.

Grüße

cellodil
cellodil (21.10.2006, 15:50):
:hello:hello:hello
... weil bislang keine Antworten gekommen sind (und ich ja auch noch nicht so lange dabei bin...), möchte ich doch mal nachfragen:

- Kennt Ihr die Aufnahme nicht? :A

- Interessiert Euch das Thema nicht? :haha

oder:

- Ist das hier der falsche Platz für dieses Thema? :ignore

oder...

Interessiert

Cellodil :)
nikolaus (21.10.2006, 15:59):
Also, du sollst natürlich nicht leer ausgehen.
Aber leider kenne ich die Aufnahme nicht. Ich besitze eine Aufnahme mit dem Auryn- und Minguet-Quartett; auch sehr schön.

Solche Art von "Experimenten" kenne ich allerdings, z.B. vom Pianisten Juan José Chuquisengo, der eine Klavierversion des allegretto aus Beethovens 7.Sinfonie spielt, zwar bearbeitet von Franz Liszt, aber zusätzlich enthält es eine Passage für 4 Hände. Aber wer hat die schon, und so spielt Chuquisengo vierhändig in multichannel Technik. Ich muß allerdings zugeben, daß ich das nicht wirklich heraushöre :(.

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (22.10.2006, 11:35):
Es gibt ein weiteres Experiment mit dem türkischen Pianisten Fazil Say. Er hat Stravinsky's "Sacre du printemps" für Klavier 4-händig eingespielt. dabei hat er einen Flügel präpariert, zunächst den unteren part eingespielt und liess diesen dann laufen, während er den obersten spielte. Das hat er sogar im Konzert aufgeführt, ich habe ihn in D'dorf damit mal live erlebt
cellodil (15.10.2006, 11:21):
Weil ich heute den ganzen Tag arbeiten muss, habe ich (zur Verbesserung meiner Stimmung - siehe auch "Musikalische Hausapotheke") gerade das Mendelssohn Oktett für Streicher aufgelegt.

Und zwar in der Einspielung des Emerson String Quartets, in der die vier Herren alle acht Parts übernehmen (das ist eine Bonus-CD bei der Gesamtaufnahme der Streichquartette, Deutsche Grammophon, 2005).

Das ist - auch vom Emerson Quartet - wohl als eine Art Experiment gemeint, mit Aufnahmetechniken, die in anderen Musikrichtungen normal sind, bei Klassikaufnahmen zu experimentieren.

Meiner Meinung nach klingt das zwar schön und homogen, aber irgendwie nur halblebendig.

Ich hatte das Stück letzte Woche mal wieder im Konzert gehört - selbstverständlich mit zwei Quartett-Besetzungen (Henschel Quartett und Quatour Danel). Und fand dabei vor allem die Interaktion der verschiedenen Stimmen und Musikercharaktere mal wieder höchst spannend (in diesem Falle haben die Franzosen und der Cellist des Henschel Quartetts die ansonsten an diesem Abend etwas zurückhaltenden Henschel-Geschwister wirklich mitgerissen).


Langer Rede...

Mich würde interessieren

1) ob von Euch jemand die Oktett Einspielung des Emerson Quartets kennt und was er/sie davon hält

und/oder

2) ob Ihr ähnliche Aufnahme-Experimente kennt und wie Ihr die einschätzt.

Ich werde jetzt mal meine andere Einspielung vom Ensemble Explorations auflegen und mich dann an die Vorbereitung meiner Sitzung morgen machen.

Grüße

cellodil
cellodil (21.10.2006, 15:50):
:hello:hello:hello
... weil bislang keine Antworten gekommen sind (und ich ja auch noch nicht so lange dabei bin...), möchte ich doch mal nachfragen:

- Kennt Ihr die Aufnahme nicht? :A

- Interessiert Euch das Thema nicht? :haha

oder:

- Ist das hier der falsche Platz für dieses Thema? :ignore

oder...

Interessiert

Cellodil :)
nikolaus (21.10.2006, 15:59):
Also, du sollst natürlich nicht leer ausgehen.
Aber leider kenne ich die Aufnahme nicht. Ich besitze eine Aufnahme mit dem Auryn- und Minguet-Quartett; auch sehr schön.

Solche Art von "Experimenten" kenne ich allerdings, z.B. vom Pianisten Juan José Chuquisengo, der eine Klavierversion des allegretto aus Beethovens 7.Sinfonie spielt, zwar bearbeitet von Franz Liszt, aber zusätzlich enthält es eine Passage für 4 Hände. Aber wer hat die schon, und so spielt Chuquisengo vierhändig in multichannel Technik. Ich muß allerdings zugeben, daß ich das nicht wirklich heraushöre :(.

Gruß, Nikolaus.
Jeremias (22.10.2006, 11:35):
Es gibt ein weiteres Experiment mit dem türkischen Pianisten Fazil Say. Er hat Stravinsky's "Sacre du printemps" für Klavier 4-händig eingespielt. dabei hat er einen Flügel präpariert, zunächst den unteren part eingespielt und liess diesen dann laufen, während er den obersten spielte. Das hat er sogar im Konzert aufgeführt, ich habe ihn in D'dorf damit mal live erlebt
Carola (27.06.2008, 17:41):
Bei YouTube gibt es eine zweiteilige Dokumentation der Deutschen Grammophon zur Aufnahme des Mendelssohn-Octets zu sehen.

Teil 1

Teil 2

Leider ist mein Englisch nicht gut genug, um alles zu verstehen, aber interessant ist es allemal. Glenn Gould wäre sicher begeistert gewesen...

Gruß, Carola
cellodil (03.10.2008, 13:00):
Original von Jeremias
Es gibt ein weiteres Experiment mit dem türkischen Pianisten Fazil Say. Er hat Stravinsky's "Sacre du printemps" für Klavier 4-händig eingespielt. dabei hat er einen Flügel präpariert, zunächst den unteren part eingespielt und liess diesen dann laufen, während er den obersten spielte. Das hat er sogar im Konzert aufgeführt, ich habe ihn in D'dorf damit mal live erlebt

... und hat das nicht etwas Gespenstisches?

... kürzlich bin ich übrigens über Gidon Kremer, der mit sich selbst im Doppel Bach spielt, gestolpert. Habe das allerdings nur im (Auto-)Radio gehört. Ist wohl eine neuere Einspielung, in die ich eigentlich mal reinhören wollte... Naja.

Herzliche Grüße

Sabine

P.S.
@ Carola
:thanks für den Hinweis auf die Videos. Bei der Gesamteinspielung der Mendelssohn Quartette ist das als Bonus-DVD dabei.
Amadé (03.10.2008, 14:39):
Hallo Cellodill!
Gerade stoße ich auf diesen älteren Thread. Ich habe auch die Emerson Version, aber noch nicht gehört.:down Ehrlich gesagt, in Vergleich zu den Quartetten gefällt mir das Oktett nicht besonders, im 1.Satz immer wieder die dasselbe Themenmaterial, etwas langweilig. Aber nach diesem Hinweis werde ich die Emersons demnächst mal auflegen.

Ich kenne jedoch noch eine weitere Aufnahme, die wohl nicht als Experiment, sondern eher als Demonstration seiner Möglichkeiten gedacht war: Jascha Heifetz spielt das Doppelkonzert d-moll BWV 1043 von Bach, beide Solopartien. Später hat er es nochmals aufgenommen, jetzt mit Erik Friedman als 2. Geiger.

Grüße Amadé
cellodil (04.10.2008, 20:52):
Lieber Amadé,

ich mag das Oktett eigentlich ganz gerne (hebt - fast - immer meine Laune), finde diese Doppelungs-Variante aber doch etwas eindimensional. Den Kremer habe ich zu beiläufig (im Auto) gehört, um darüber etwas sagen zu können.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was Du zu der Emerson-Aufnahme sagst.

Ich frage mich auch, was Musiker dazu bewegt, sich zu doppeln. Ich habe die Vermutung, dass das, was dabei herauskommt, meistens etwas lau ist. Vielleicht liegt es auch an der Technik, aber ich denke, dass es auch etwas damit zu tun haben könnte, dass die Spannung, der wirkliche "Gegenpart" fehlt.

Liebe Grüße

Sabine
ab (06.10.2008, 11:21):
Original von cellodil
... kürzlich bin ich übrigens über Gidon Kremer, der mit sich selbst im Doppel Bach spielt, gestolpert. Habe das allerdings nur im (Auto-)Radio gehört. Ist wohl eine neuere Einspielung, in die ich eigentlich mal reinhören wollte... Naja.


Das ist eine wohl die alte Aufnahme des Bach-Doppel-Konzerts aus den 80ern gewesen als er noch (zu) extrem die Saiten gerupft hat.

Das Mendelssohn-Oktett gibts auch auf s.g. Alten Insturmenten gespielt von Archibudelli (sony) (auch in der billigen Anner Bylsma-Edition enthalten). Jüngst aber auch von Daniel Hope in seinem DG-Debut mit der Violinkonzert-Ur-Fassung. Beim kurzen Reinhören hat mir letztere besser als die Emersons gefallen.

Die Streichquartette Mendelssohns schätze ich mehr als sein Oktett oder seine Quintette. Sonst hätte ich mir schon längst die mit den Minguet Quartett :times10 und dem Auryn Quartett angehört...
cellodil (06.10.2008, 15:14):
Lieber ab,

Danke für die Korrektur in Sachen Kremer, dann kann man das Doppelspiel ja unter "Jugend(sünden?)" verbuchen.

Beim Mendelssohn-Oktett mag ich diese Aufnahme ganz gerne:

http://static.rateyourmusic.com/album_images/808642.jpg
Mendelssohn
Octuor op. 20
Romance sans paroles
- Ensemble Explorations
- Roel Dieltiens
- Rank Braley (Piano)

Liebe Grüße

Sabine
jünter (09.10.2008, 18:49):
Liebe Sabine,

ich habe mir vor einiger Zeit - allerdings ohne vorher große Vergleiche anzustellen - diese

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947577164.jpg

in einem anderen Forum lobend erwähnte, sehr schöne Aufnahme zugelegt.

Das Oktett, welches Mendelssohn übrigens im Alter von 16 Jahren (!) geschrieben hat, ist auch für mich (fast) immer ein Launeheber.

Schöne Grüße, Wolfgang
cellodil (10.10.2008, 11:57):
Original von jünter
Liebe Sabine,

ich habe mir vor einiger Zeit - allerdings ohne vorher große Vergleiche anzustellen - diese

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947577164.jpg

in einem anderen Forum lobend erwähnte, sehr schöne Aufnahme zugelegt.

Das Oktett, welches Mendelssohn übrigens im Alter von 16 Jahren (!) geschrieben hat, ist auch für mich (fast) immer ein Launeheber.

Schöne Grüße, Wolfgang

Lieber Wolfgang,

ich habe das Oktett in einer halbwegs grauenhaften Variante gestern mal wieder im Konzert gehört... Die Aufnahme, die Du besitzt, die kenne ich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass die Academy-Version ihren Reiz hat. Vielleicht höre ich mal rein, wenn der CD-Händler meines Vertrauens die Einspielung vorrätig haben sollte.

Herzliche Grüße

Sabine
Jeremias (26.11.2008, 16:18):
Ich lernte das Oktett einst durch die legendäre Einspielung von Jascha Heifetz kennen. Diese sprüht nur so vor jugendlicher Frische und Energie, ich habe es nie wieder so lebendig gehört!
Gerion (26.11.2008, 18:46):
Ich kenne das Werk in einer Einspielung des Ensemble Hausmusik, dort ist es in einer Box sozusagen mit mehreren "Kammermusikwerken für 5+ Stimmen" enthalten, die es auch derzeit noch für wenig geld (16,99 für fünf CDs...) bei jpc gibt:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724356235229.jpg

Ich kann mangels Vergleichsquellen nicht viel dazu sagen, aber den Kauf habe ich bis dato nicht bereut. Ich legte mir die Box wegen des Oktetts und des Beethoven-Septetts zu, welches ich auch sehr liebe. Die "mitgelieferte" Einspielung des Forellenquintetts gefällt mir auch gut.

Also, als Vergleichsanschaffung bzw. zum Reinhören würde ich eine Verkaufsempfehlung aussprechen wollen.

Herzlichst,
Gerion
kreisler (03.02.2009, 23:01):
Original von Jeremias
Ich lernte das Oktett einst durch die legendäre Einspielung von Jascha Heifetz kennen. Diese sprüht nur so vor jugendlicher Frische und Energie, ich habe es nie wieder so lebendig gehört!

Jeremias,

dein Beitrag ist zwar schon eine eine ganze weile her :hello,
aber kannst du mir zufällig sagen, wo ich diese Aufnahme (im Internet?) herbekomme und auf welchem Label? Ich hab viel begeistertes über dieses Oktett gehört, und will mir nun endlich auch mal eine Aufnahme davon zulegen. "Jugendliche Frische und Energie" - das ist ja genau das richtige für den 16 jährigen Mendelssohn. Ansonsten würde ich vielleicht auch mit der "Academy-Version" keine schlechte Wahl treffen, auch wenn diese sicher andere Qualitäten besitzt...

Danke schonmal im Voraus:)

Außerdem will ich an dieser Stelle mal noch diesen anderen Beitrag von dir hervorkramen der leider hier etwas untergegangen ist:
Original von Jeremias
Es gibt ein weiteres Experiment mit dem türkischen Pianisten Fazil Say. Er hat Stravinsky's "Sacre du printemps" für Klavier 4-händig eingespielt. dabei hat er einen Flügel präpariert, zunächst den unteren part eingespielt und liess diesen dann laufen, während er den obersten spielte. Das hat er sogar im Konzert aufgeführt, ich habe ihn in D'dorf damit mal live erlebt

Ich hatte mir schon überlegt, einen eigenen Thread zu diesem Thema und insbesondere diesem Experiment zu eröffnen. ICh finde es ziemlich genial, da das Ergebniss, festgehalten auf dieser CD ziemlich gut klingt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/610RS26XBFL._SL500_AA240_.gif

Es hat mir ganz neue Perspektoven zu diesem Werk eröffnet, da es Say unglaublich versteht, die verschiedenen Klangfarben perfekt auf dem Klavier darzustellen.
Umbedingt zu empfehlen, auch wenn ich sonst kein Freund von vielen Experimenten bin :times10
Ich bin sowieso ein großer "Fan" dieses echt originellen Pianisten!

Grüße,
Kreisler