Meyerbeer, Les Huguenots, UA 29.2.1836

palestrina (22.02.2017, 20:17):
Ein GRANDIOSES Werk Meyerbeers, ich denke sogar das größte, eine Grand Opéra mit allen Zutaten, Liebe, Verzweiflung, Mord und Totschlag, Glaube, die Bartholomäusnacht in ihrer ganzen blutigen Auseinandersetzung!

Les Huguenots Wiki deutsches Libretto

Personen der Handlung :
Raoul de Nangis, protestantischer Edelmann (dramatischer Tenor)
Marcel, dessen Diener (Bass)
Marguerite de Valois, Königin von Navarra (Koloratursopran)
Urbain, Page der Königin (leichter Sopran)
Graf de Saint-Bris, ein katholischer Edelmann (Bariton)
Valentine, seine Tochter (lyrischer Sopran mit guter Höhe)
Graf Nevers (Bariton)
Bois Rosé, protestantischer Soldat (Tenor)Maurevert, katholischer Edelmann (Bass)Edelleute, Soldaten, Volk (Chor)

seinen HUGENOTTEN brachte Giacomo Meyerbeer 1836 eines der größten Massaker der europäischen Geschichte auf die Opernbühne: Der Versuch der französischen Katholiken, in der Bartholomäusnacht des Jahres 1572 alle Protestanten des Landes zu ermorden, ist bis heute eines der furchtbarsten Beispiele für die Auswirkungen von religiösem Fanatismus. Dass DIE HUGENOTTEN zu Meyerbeers berühmtester Oper wurden, liegt jedoch nicht nur am spektakulären Thema, sondern ebenso an der Unerbittlichkeit, mit der er diesen Stoff erzählt: Vom brüchigen Frieden zwischen den Konfessionen über vergebliche Schlichtungsversuche und die Organisation des Verbrechens in der berühmten „Schwerterweihe“ bis zum wahllosen Abschlachten der Hugenotten zeigt die Oper exemplarisch die Entwicklung einer Katastrophe.Eine Oper in 5 Akten kann nur mit einer sehr dramatischen Handlung leben, sie muss die großen Leidenschaften des Herzens und mächtige historische Interessen ins Spiel bringen, diese dramatische Handlung muss indessen mit den Augen zu verstehen sein.
Die Chöre müssen eine leidenschaftliche Rolle spielen und sozusagen eine der interessanten Personen des Stücks sein. Jeder Akt muss Kontraste in Dekor, Kostüm und vorallem geschickt vorbereitete Situationen bieten.
Louis Véron 1858

Hintergrund : Bartholomäusnacht

Das erstenmal gehört habe ich die Oper 2X konzertant, dann On Stage in Berlin, Brüssel und Strassburg, das war Liebe auf den ersten Ton.
Auch die Hintergrundgeschichte hat mich damals in ihren Bann gezogen.

Highlights :
Im ersten Akt:

Rezitativ und Romanze des Raoul, begleitet von einer Viola d’amore: Ah! Quel spectade enchanteur ... Plus blanche que la blanche hermine
Hugenottenlied des Marcel mit Chor: Pif, paf, pif, paf! Pour les couvents, c’est fini!
Rezitativ und Arie des Nevers: En ce château que cherchez-vous, beau page?
Rezitativ und Arie des Urbain: Nobles seigneurs, salut! Une dame noble et sage

Im zweiten Akt:

Arie der Königin: O beau pays de la Touraine und die sich unmittelbar anschließende Szene mit Urbain, den Ehrendamen und dem ChorRezitativ Duett Marguerite/Raoul: Ah! Si j’étais coquette

Im dritten Akt:

Septett Raoul, Marcel, Saint-Bris, Cossé, Tavannes, de Retz, Méru: En mon bon droit j’ai confiance

Im vierten Akt:

Szene Saint-Bris, Valentine, drei Mönche: Qu’en ce riche quartier mit dem Schwur und der berühmten Schwerterweihe

Im fünften Akt:

Liebesduett Valentine/Raoul: Tu l’as dit: oui, tu m’aimes *
Schlussszene mit Quintett Saint-Bris, Valentine, Raoul, Marcel, Urbain und Chor: Par le fer et par l’incendie

* Dieses große Grand Duo ist der Höhepunkt der Oper, dazu braucht es zumindest ;) einen verdammt guten Tenor, ich habe es auch schon anders gehört, leider!
Die Rolle der Marguerite erfordert indessen einen versierten gestandenen Koloratursopran.


LG palestrina
palestrina (22.02.2017, 20:35):
Dame Joan Sutherlands Farewell Gala 2.10.1990
Sydney Opera House



The Australian Opera Orchestra
Cond.Richard Bonynge
Marguerite de Valois / Joan Sutherland
Raoul de Nangis / Anson Austin
Marcel / Clifford Grant
Valentine / Amanda Thane
Urbain / Suzanna Johnston
Le Comte de Nevers / John Pringle
Le Comte de Saint Bris / John Wegner

Das ist der Wahnsinn !

Sutherland hat sich den strahlenden Glanz ihrer Stimme bewahrt, mit der sie noch immer in die Trickkiste Schwindel erregender vokaler Gewandtheit greift. (The Observer)

Man könnte sagen, Dame Joan glühte förmlich, und hätte damit Recht. An diesem außergewöhnlichen Abend, ihrem Abend, bot der Star Sutherland eine erstaunliche stimmgewaltige Performance, die man für die mageren Jahre, die folgen werden, in Erinnerung behalten sollte. (The Age)

Nicht nur Sutherland ...
...nein auch das restliche Ensemble ist außerordentlich gut, wahrscheinlich weil es um Joan Sutherlands Farewell Gala an diesem Abend ging und die singen, als wenn es kein Morgen gibt, sich quasi die Seele aus dem Leib !!!!
Der letzte Abend an der Sydney Opera für Joan Sutherland! Was für eine Performance, und zum guten Schluss singts Joan noch
„ Home Sweet Home ",( ich liebe diesen Song von Bishop sehr, aber keine singt das so inbrünstig wie Dame Joan )und wer dann nicht überwältigt ist, dem ist nicht mehr zu helfen.
Der Tenor Anson Austin, vorher nie gehört, ist einfach der Oberhammer, aber auch Amanda Thane lässt sich nicht lumpen und geizt nicht mit Spitzentönen, und dann die beiden in dem Grand Duo im vierten Akt da geht so richtig die Post ab, dann noch im Finale Kanonendonner, Schüsse und das ganze drumherum. Eine ganz DICKE Empfehlung!

Leider ist die Aufnahme stark gekürzt, jedoch sind alle Highlights enthalten!
Davon gibt es auch eine DVD...



LG palestrina
palestrina (22.02.2017, 21:45):
Die idiomatischste und vollständigste GA ist jene aus Montpellier!



Hier sind fast alle Beteiligten einsame Spitze, mit einem alles überragenden Tenor in Person von Richard Leech, der ebensolche Spitzentöne aus der Kehle zaubert wie Anson Austin, nur Frau Raphanel hängt als Marguerite ein klein wenig hinterher, da gibt es keinen Vergleich mit Dame Joan.
Auch mit dem Orchester zaubert Cyril Diederich eine klangschöne Grand Opéra!

LG palestrina
Waldi (22.02.2017, 22:39):


Richard Leech ist ein ausgezeichneter Raoul, aber Nicolai Gedda war in dieser von Marcel Prawy betreuten konzertanten Aufführung (die im Studio etwas nachgebessert wurde) eine ideale Verkörperung des jungen Ritters. Ernst Märzendorfer, lange Jahre der gute und stille Geist der Wiener Staatsoper, war ebenfalls in Höchstform und das Ensemble voll bei der Sache. Der einzige Nachteil sind die Kürzungen, ansonsten ist das eine maßstäbliche Wiedergabe. Joan Sutherland hatte zwar sicher die virtuosere Kehle, aber die Shane macht ihre Sache sehr gut und ist keineswegs so extrem virtuos-kalt wie die Sutherland in der Aufnahme an der Seite von Anastasios Vrenios als Raoul (dabei konnte sie es doch besser...).
palestrina (22.02.2017, 23:39):
Natürlich lieber Waldi, ist diese Aufnahme ein Volltreffer, bei Leech und Austin ist das Ganze in der Höhe voll ausgesungen, bei Gedda hört man aber auch die Kopfstimme, das ist zwar typisch für den franz.Gesang, aber er konnte das ja auch anders, vielleicht ist das ja so auch richtiger, wer weiß! ?


Dame Joan Sutherland, Martina Arroyo, Huguette Tourangeau, Anastasios Vrenios, Nicola Ghiuselev, Gabriel Bacquier
New Philharmonia Orchestra
Richard Bonynge

Die Stimme der Sutherland habe ich nie und nimmer als kalt empfunden, ich weiß nicht woher das kommt, vielleicht empfinden manche Hörer das so, (man hört es allenthalben, aber meistens von Leuten die eh die Stimme der Sutherland nicht mögen), weil sie perfekt in den Koloraturen war!
Es gibt keine bessere Marguerite!
Warum diese Aufnahme nicht den Status erreicht den sie haben sollte, ist allein dem Tenor A.Vrenios zu verdanken, der fast nur in der Höhe mit der Kopfstimme singt (da gegen wäre ja erstmal nichts einzuwenden) nein, er macht das auch noch schlecht und hat dazu auch noch mit den Noten zu kämpfen und kein Gefühl für Meyerbeer. Das hätte die perfekte Aufnahme werden können, denn das restliche Ensemble ist außerordentlich gut. Gerade das herrliche Duett Raoul/Valentine im letzten Akt zerstört Vrenios komplett, da kann einem die Arroyo leid tun, und Bonynge standen bestimmt die Haare zu Berge! :D
Wenigstens ist die Oper komplett eingespielt, und zu der damaligen Zeit war man dankbar für diese Stereo Aufnahme.

LG palestrina
Waldi (23.02.2017, 11:03):
Lieber palestrina,

Gleich Dir empfinde ich die Sutherland sonst keineswegs als geläufige Gurgel und sonst nichts, im Gegenteil, aber gerade in den Vrenios-Hugenotten ist sie - für mein Empfinden - von einer perfekten Abgehobenheit, die zwar sehr royal sein mag, aber Meyerbeer hat dieser Marguerite auch eine Seele gegeben. Die kommt zu kurz. Daß Dame Joan Humor, Gefühl, Romantik besaß, hat sie in "Lakmé", der "Fledermaus" und anderen Opern/Operetten zur Genüge bewiesen. Mag sein, daß sie sich vielleicht damit an den für uns sicher ungewohnt klingenden Herrn Vrenios anpassen wollte. der liegt stilistisch aber vielleicht gar nicht sooo daneben, auch wenn mir persönlich natürlich die Interpretationen à la Gedda, Leech etc. lieber sind. Doch das Zart-Künstliche hat in der Ästhetik der Entstehungszeit sicher seine Berechtigung. Ob auch im konkreten Fall, wage ich nicht endgültig zu entscheiden, aber möglich ist es jedenfalls. Die Aufnahme hat jedenfalls ihre Meriten, gar keine Frage. Diejenige mit Austin habe ich leider noch nie gehört (oder kann mich zumindest nicht erinnern), sie ist vorgemerkt.

:hello Waldi
Falstaff (23.02.2017, 21:43):
bei Leech und Austin ist das Ganze in der Höhe voll ausgesungen
Lieber Palestrina, bist du dir da bei Leech sicher?

Ich habe ihn als jemanden in Erinnerung, der wunderbar in der Höhe die 'voix mix' einsetzt (wie heutzutage z.B. Brian Hymel) und damit idiomatisch die französische Oper korrekt singt.

Unabhängig davon ist die Diederich-Aufnahme wirklich hervorragend.

LG Falstaff
palestrina (23.02.2017, 22:19):
bei Leech und Austin ist das Ganze in der Höhe voll ausgesungen
Lieber Palestrina, bist du dir da bei Leech sicher?
Ich habe ihn als jemanden in Erinnerung, der wunderbar in der Höhe die 'voix mix' einsetzt (wie heutzutage z.B. Brian Hymel) und damit idiomatisch die französische Oper korrekt singt.

Unabhängig davon ist die Diederich-Aufnahme wirklich hervorragend.

LG Falstaff
Ja lieber Falstaff, da bin ich mir ziemlich sicher, und Hymel macht das auch nicht generell!

LG palestrina
Falstaff (23.02.2017, 22:27):
Ich hör noch mal rein. Ich will das auch gar nicht bestreiten. Leech habe ich lange nicht gehört. Hymel kenne ich allerdings im französischen Fach nur relativ stilsicher. Allerdings habe ich ihn mit den Hugenotten och nicht gehört, weiß auch gar nicht, ob da eine Aufnahme existiert.

LG Falstaff
Falstaff (23.02.2017, 22:33):
Ich habe noch nicht in die Gesamtaufnahme hineingehört. Aber hier singt er durchaus auch mit der 'voix mix'.

https://www.youtube.com/watch?v=7wfVkGnNnxI
palestrina (23.02.2017, 23:07):
Das ist die Aufnahme aus Berlin mit Pilar Lorengar, da war ich selbst dabei! :)

Mittelstimme oder voix mixte stellt eine klangliche Mischung aus Brust- und Falsett - bzw. Kopfstimme dar. Die Mittelstimme hat bezüglich des Registerausgleiches als „Vermittlerin“ zwischen den Registern eine besondere Bedeutung.
Kraus, Gedda, Lance und Vanzo z.B. sangen mit der „ voix mixte " , und das hört man auch !

Also, ich verstehe das zumindest so, bei Kraus in seiner Meisterklasse hat er das toll demonstriert und er sagte man muss das auch hören!

LG palestrina
Falstaff (23.02.2017, 23:15):
Das ist die Aufnahme aus Berlin mit Pilar Lorengar, da war ich selbst dabei!
Neid, Neid, Neid!!! =O ;( =O
und er sagte man muss das auch hören!
Also, ehrlich gesagt, ich höre das hier. :|

LG Falstaff
palestrina (23.02.2017, 23:28):
Das ist die Aufnahme aus Berlin mit Pilar Lorengar, da war ich selbst dabei!
Neid, Neid, Neid!!! =O ;( =O und er sagte man muss das auch hören!
Also, ehrlich gesagt, ich höre das hier. :|
LG Falstaff
Mein lieber, ich höre das nicht so, aber auf jedenfall ist er super in der Rolle des Raoul! ;)

LG palestrina
Falstaff (23.02.2017, 23:41):
aber auf jedenfall ist er super in der Rolle des Raoul!
Und das, mein Lieber, ist ja die Hauptsache. ;)

LG Falstaff