Miniaturen - mehr als nur das kleine Schmankerl zwischendurch
Jeremias (14.09.2006, 08:07): Zu den heimlichen favoriten der Forianer dürften mit Sicherheit auch immer wieder die sog. "Miniaturen" zählen, also kleine Einzelwerke, die oftmals als Zugabestücke dargeboten werden. dass es davon unzählige gibt, ist mir auch klar, es sollen hier Highlights abseits des gängigen Repertoires vorgestellt werden! ich mache einmal den Anfang mit der Mazurek op.49 von Dvorak, einem gut 6-minütigen Konzertstück, welches ich einst mit Midori erstmals hörte. Die einzige bekannte Künstlerin, die es auf CD einspielte, ist Akiko Suwanai unter Ivan Fischer. Dieses Stück ist eine Hommage Dvoraks an seine Heimat in e-moll. Das Stück ist doch von viel Temperament geprägt, im Mittelteil findet sich eine wunderschöne böhmische Melodie. Interessanterweise soll dieses Stück zu den anspruchsvollsten gehören, welches Dvorak für die Geige schrieb....
Jürgen (14.09.2006, 09:54): Bei einem Klavierabend von A.Gavrilov gab es als Zugabe von Prokoview:
Suggestion diabolique
Ein kleines, furioses Stückchen, auch optisch unterhaltsam.
Von dem Pianisten habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Jürgen
Rachmaninov (14.09.2006, 10:00): Original von Jürgen Bei einem Klavierabend von A.Gavrilov gab es als Zugabe von Prokoview:
Suggestion diabolique
Ein kleines, furioses Stückchen, auch optisch unterhaltsam.
Von dem Pianisten habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Jürgen
Er hat sich ja nach Sieg bei Tchaikovsky Wettbewerb und Hype um seine Person zurück gezogen. (Lass ich mal irgendwo in einem Interview mit ihm!)
Jeremias (14.09.2006, 17:47): Mit eben demselben Prokofiev hörte ich ihn auch mal. einige Jahre sah ich ihn nochmal, er machte einen verstörten, ja fast psychisch kranken eindruck!
satie (19.11.2006, 14:19): Meine Lieben,
ich bin etwas überrascht, dass zu diesem Tema nicht mehr geschrieben wurde. Daher will ich etwas auffrischen. Nicht nur Einzelstücke sind nennenswert, sondern auch Zyklen von Miniaturen wie etwa Beethovens Bagatellen (die alles andere als solche sind...) oder auch das gänzlich aus Miniaturen bestehende Oeuvre von Webern (am extremsten in den kurzen Stücken für Cello und Klavier und für Violine und Klavier). Generell ist aber interessant, dass die muskalische Miniatur eine rein abendländische Erscheinung ist. Das Durchschnitts(klavier)stück hat eine Dauer von 3 bis 5 Minuten, und wirklich lange Stücke finden sich eher bei Wagner und Bruckner, davor kaum. Eine Oper dauert zwar insgesamt länger, besteht ja aber meist auch nur aus Reihungen kurzer Einzelstücke. Im Osten hingegen ist Musik in aller Regel eher "endlos" und improvisatorischer geprägt. Selbst in Japan, wo wir mit dem Haiku die kürzeste denkbare Gedichtform haben, existieren keine muskalischen Miniaturen soweit ich weiss. Die Miniatur ist also vielleicht die letzte Verdeutlichung eines westlichen Komponierens, ein an Dichte nicht zu übertreffendes Konzentrat. Miniaturen sind bei Webern so gestaltet, dass nichts weggenommen oder hinzugefügt werden kann, bei Beethovens Bagatellen habe ich denselben Eindruck (wenn diese auch teilweise gar nicht so kurz sind). Kürze ist für eine Miniatur vielleicht auch nicht unbedingt notwendig, da das minimale sich auch im Material finden lassen kann. So ist vielleicht Chopins Berceuse mit ihrem fast unveränderlichen Ostinato der linken Hand ebenfalls eine Miniatur, obwohl nicht wirklich kurz. Definitiv sind einige der Preludes (etwa c-moll und A-Dur) sicher als Miniaturen zu bezeichnen. Möglicherweise ist die Miniatur sogar am besten geeignet, den Komponisten darzustellen, da er auf kleinstem Raum oder mit reduziertem Material (oder beidem) seine unverwechselbare Handschrift zeigen muss. Miniaturen können aber auch Kleinigkeiten sein, so etwa häufig bei Tanzsätzchen von Haydn oder Mozart, wo sie meiner Ansicht nach nicht diese verdichtete Qualität haben müssen (die kleine Gigue von Mozart hingegen hat diese Qualität). Bei Schuberts Walzern findet man ebenfalls den ganzen Schubert (vielleicht nicht immer). Beethovens Ecossaisen halte ich hingegen nicht für ein Abbild des ganzen Beethoven in komprimierter Form. Tanzmusik war oft genug einfache, schnell geschriebene Gebrauchsmusik, an der nicht viel gefeilt wurde. Welche Komponisten aber haben denn noch wirkliche Miniaturen komponiert? Im 20. Jahrhundert finden sich etliche, aber wie sieht es davor aus?
S A T I E
Jeremias (14.09.2006, 08:07): Zu den heimlichen favoriten der Forianer dürften mit Sicherheit auch immer wieder die sog. "Miniaturen" zählen, also kleine Einzelwerke, die oftmals als Zugabestücke dargeboten werden. dass es davon unzählige gibt, ist mir auch klar, es sollen hier Highlights abseits des gängigen Repertoires vorgestellt werden! ich mache einmal den Anfang mit der Mazurek op.49 von Dvorak, einem gut 6-minütigen Konzertstück, welches ich einst mit Midori erstmals hörte. Die einzige bekannte Künstlerin, die es auf CD einspielte, ist Akiko Suwanai unter Ivan Fischer. Dieses Stück ist eine Hommage Dvoraks an seine Heimat in e-moll. Das Stück ist doch von viel Temperament geprägt, im Mittelteil findet sich eine wunderschöne böhmische Melodie. Interessanterweise soll dieses Stück zu den anspruchsvollsten gehören, welches Dvorak für die Geige schrieb....
Jürgen (14.09.2006, 09:54): Bei einem Klavierabend von A.Gavrilov gab es als Zugabe von Prokoview:
Suggestion diabolique
Ein kleines, furioses Stückchen, auch optisch unterhaltsam.
Von dem Pianisten habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Jürgen
Rachmaninov (14.09.2006, 10:00): Original von Jürgen Bei einem Klavierabend von A.Gavrilov gab es als Zugabe von Prokoview:
Suggestion diabolique
Ein kleines, furioses Stückchen, auch optisch unterhaltsam.
Von dem Pianisten habe ich schon lange nichts mehr gehört.
Jürgen
Er hat sich ja nach Sieg bei Tchaikovsky Wettbewerb und Hype um seine Person zurück gezogen. (Lass ich mal irgendwo in einem Interview mit ihm!)
Jeremias (14.09.2006, 17:47): Mit eben demselben Prokofiev hörte ich ihn auch mal. einige Jahre sah ich ihn nochmal, er machte einen verstörten, ja fast psychisch kranken eindruck!
satie (19.11.2006, 14:19): Meine Lieben,
ich bin etwas überrascht, dass zu diesem Tema nicht mehr geschrieben wurde. Daher will ich etwas auffrischen. Nicht nur Einzelstücke sind nennenswert, sondern auch Zyklen von Miniaturen wie etwa Beethovens Bagatellen (die alles andere als solche sind...) oder auch das gänzlich aus Miniaturen bestehende Oeuvre von Webern (am extremsten in den kurzen Stücken für Cello und Klavier und für Violine und Klavier). Generell ist aber interessant, dass die muskalische Miniatur eine rein abendländische Erscheinung ist. Das Durchschnitts(klavier)stück hat eine Dauer von 3 bis 5 Minuten, und wirklich lange Stücke finden sich eher bei Wagner und Bruckner, davor kaum. Eine Oper dauert zwar insgesamt länger, besteht ja aber meist auch nur aus Reihungen kurzer Einzelstücke. Im Osten hingegen ist Musik in aller Regel eher "endlos" und improvisatorischer geprägt. Selbst in Japan, wo wir mit dem Haiku die kürzeste denkbare Gedichtform haben, existieren keine muskalischen Miniaturen soweit ich weiss. Die Miniatur ist also vielleicht die letzte Verdeutlichung eines westlichen Komponierens, ein an Dichte nicht zu übertreffendes Konzentrat. Miniaturen sind bei Webern so gestaltet, dass nichts weggenommen oder hinzugefügt werden kann, bei Beethovens Bagatellen habe ich denselben Eindruck (wenn diese auch teilweise gar nicht so kurz sind). Kürze ist für eine Miniatur vielleicht auch nicht unbedingt notwendig, da das minimale sich auch im Material finden lassen kann. So ist vielleicht Chopins Berceuse mit ihrem fast unveränderlichen Ostinato der linken Hand ebenfalls eine Miniatur, obwohl nicht wirklich kurz. Definitiv sind einige der Preludes (etwa c-moll und A-Dur) sicher als Miniaturen zu bezeichnen. Möglicherweise ist die Miniatur sogar am besten geeignet, den Komponisten darzustellen, da er auf kleinstem Raum oder mit reduziertem Material (oder beidem) seine unverwechselbare Handschrift zeigen muss. Miniaturen können aber auch Kleinigkeiten sein, so etwa häufig bei Tanzsätzchen von Haydn oder Mozart, wo sie meiner Ansicht nach nicht diese verdichtete Qualität haben müssen (die kleine Gigue von Mozart hingegen hat diese Qualität). Bei Schuberts Walzern findet man ebenfalls den ganzen Schubert (vielleicht nicht immer). Beethovens Ecossaisen halte ich hingegen nicht für ein Abbild des ganzen Beethoven in komprimierter Form. Tanzmusik war oft genug einfache, schnell geschriebene Gebrauchsmusik, an der nicht viel gefeilt wurde. Welche Komponisten aber haben denn noch wirkliche Miniaturen komponiert? Im 20. Jahrhundert finden sich etliche, aber wie sieht es davor aus?