"Mit Herz und Mund" - Bachs Kantatenwerk

Carola (16.04.2006, 11:49):
http://www.altstadtherbst.de/2005/img/programm/Bach.jpg


Im Bachwerkeverzeichnis stehen die Kantaten Johann Sebastian Bachs sicher nicht ohne Grund am Anfang - sie sind ein herausragender Bestandteil seines Gesamtwerks. Die geistlichen Kirchenkantaten finden sich unter BWV 1 - 200, die weltlichen folgen unter Nr. 201 - 224.


http://www.kb.dk/elib/noder/MH-4.jpg


Den überwiegenden Teil dieser Kantaten schuf Bach in seiner Zeit als Thomaskantor in Leipzig ab 1723. Dort gehörte es zu seinen Aufgaben, für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres eine Kantate zu komponieren und im Gottesdienst aufzuführen. Davon erhalten sind insgesamt drei Jahrgänge.

Bei den weltlichen Kantaten handelt es sich meistens um Huldigungen für Fürsten und Persönlichkeiten des städtischen Lebens. Einige dieser Gelegenheitswerke hat Bach später teilweise in geistliche Musik umgearbeitet, (sog. Parodien), beispielweise für das Weihnachtsoratorium BWV 248.


Welche Bach Kantaten kennt Ihr, welche gefallen Euch besonders gut und warum?

Was die Fülle der Aufnahmen angeht, so möchte ich zunächst nur exemplarisch einige Namen aufzählen: Richter, Harnoncourt, Rilling, Herreweghe, Suzuki, Koopman, Gardiner. Von diesen Dirigenten liegen teilweise bereits Gesamtaufnahmen vor, teilweise entstehen sie gerade.

Besitzt Ihr eine dieser Gesamtaufnahmen? Oder zieht Ihr von Fall zu Fall unterschiedliche Interpreten vor? Und was ist mit den Chören? Gemischter Chor, Knabenchor oder gar solistische Besetzung? Und was mit den Orchestern, ihren Instrumenten und ihrer Spielweise? Historisch oder modern?

Gespannt auf Eure Antworten grüßt Euch

Carola
Carola (18.04.2006, 18:21):
Na gut, dann führe ich hier eben Selbstgespräche. :D

Frage: Was sind Deine drei liebsten Bachkantaten?

Antwort:

1. Wie schön leuchtet der Morgenstern, BWV 1


http://www.jpc.de/image/middle/front/0/8974437.jpg


In der neuen Gardiner Aufnahme


2. Aus der Tiefe rufe ich, BVW 131

Mit Suzuki, Bach Collegium Japan

leider kein Cover mehr zu finden, so ähnlich wie dies hier:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/1351488.jpg



3. Ich habe genug, BWV 82 (Solokantate)


In der Aufnahme mit Thomas Quasthoff

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/4307673.jpg


Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (19.04.2006, 09:34):
Guten Tag Carola.

Soeben sah ich diesen schönen Artikel von Dir (war drei Tage abwesend, im Tessin ) und sage dazu gerne etwas.

Also, eine Gesamtaufnahme hab ich nicht und werde mir auch keine leisten.

Ich bekam vor 12 Jahren 5 Boxen mit Aufnahmen Karl Richters geschenkt.

Aber noch nie hab ich auch nur eine Kantate daraus gehört. Es sind total 60 davon.
Allerdings hab ich zahlreiche mit Gardiner, Hereweghe u. a. Die gefallen mir sehr gut.

Countertenöre in Passionen und den Kantaten Bachs sind mir nicht symphatisch..Manchmal grenzt es an Karikatur.( Hab eine DVD mit der Matth. Passion und M. Chance, ) Nicht aber bei Händel in seinen Opern. Da sind Counter richtig eingesetzt.

Ich kann Knabenchöre nicht leiden. Und Knaben, wenn sie solistisch eingesetzt werden, erst recht nicht. Sowas kauf ich nie.


Ich kenne von seinen über 200 Kantaten gut etwa 15. Mehr nicht.

" Jauchzet Gott in allen Landen "

" Mein Herze schwimmt... "

" Kreuzstabkantate "

" Ich habe genug "

" Wie schön leuchtet... " etc.


Von seinen weltlichen eine der schönsten und berühmtesten ist die


" Jagdkantate " " Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd "

Mit der berühmten Arie für Sopran : " Schafe können sicher weiden... "
mit obligater Blockflöte.

Auch seine andern weltlichen Kantaten hab ich schon lange.

Soviel für jetzt. Fortsetzung folgt!

Gruss.

Rolf
Mime (19.04.2006, 09:52):
Ich besitze das komplette Bach-Werk und somit auch sämtliche Kantaten.Ob der überaus großen Musikfülle ist es mir nicht möglich,3 als Favoriten zu bezeichnen.
Aber ich möchte eine Interpretation der Jagdkantate erwähnen,bei welcher Fritz Wunderlich den Endymion singt.Das erste Rezitativ besticht durch eine einmalige Atemtechnik und Koloratursicherheit.
Davon sind die sonst immer hochgelobten Herren Schreier und Co. Lichtjahre entfernt.Wirklich hörenswert! :engel
Rolf Scheiwiller (26.04.2006, 13:55):
@ Carola.

Noch einige Kantaten, die ich in meiner Bachsammlung habe.



" Gott ist mein König " Die sog. Ratswahlkantate.

Die Advents - und Weihnachtskantaten höre ich auch immer gerne an diesen Tagen.

Sodann verschiedene Solokantaten wie

" Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust "

" Widerstehe doch der Sünde "

" Geist und Seele wird verwirret "

Alle mit Hereweghe.


Das berühmte Duett " Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten... " ist das aus der Kantate " Jesu der Du meine Seele " ? Hab die CD nicht in der Nähe.



Kennst Du die Lieder aus dem " Schemelli Gesangbuch ". Da hab ich eine Gesamtaufnahme unter Rilling. Und eine amerikanische mit erstklassigen amerik. Sängern unter Rifkin. Schon vor fast 25 Jahren gekauft.


Gruss


Rolf.


Fortsetzung folgt in Kürze.
Carola (26.04.2006, 16:10):
Original von Rolf Scheiwiller

Das berühmte Duett " Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten... " ist das aus der Kantate " Jesu der Du meine Seele " ? Hab die CD nicht in der Nähe.

Kennst Du die Lieder aus dem " Schemelli Gesangbuch ". Da hab ich eine Gesamtaufnahme unter Rilling. Und eine amerikanische mit erstklassigen amerik. Sängern unter Rifkin. Schon vor fast 25 Jahren gekauft.

Gruss

Rolf.

Fortsezung folgt.

Guten Tag, Rolf

dieses Duett kenne ich bisher noch gar nicht. Ich besitze erst etwa die Hälfte der geistlichen Kantaten und "Jesu, der Du meine Seele" ist nicht darunter. Ist aber jetzt vorgemerkt!

Dafür habe ich aber eine schöne Aufnahme vom Bach/Schemelli Gesangbuch. Sie ist ebenfalls schon etwas älter, von 1974, 1994 als Doppel-CD erschienen. Es singt Georg Jelden, Bariton.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000260WX.03.LZZZZZZZ.gif


Einige der Lieder finde ich wunderschön, ob sie nun vollständig von Bach stammen oder nicht. Damit mich die anderen, deren Texte teilweise meine Toleranzgrenze doch überschreiten, nicht zu sehr stören, habe ich hinter jedes "schöne" ein Sternchen gemacht und springe dann entsprechend durch die CD.

Mein liebstes ist "Brunnquell aller Güter", aber auch die "Abendlieder" finde ich tief berührend.

Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (27.04.2006, 15:36):
Schönen Nachmittag Carola.


Ich hab mir jetzt einige der Karl Richter Einspielungen, die ich bis jetzt noch nie im Player hatte, doch mal angehört. Sicher, man muss eben die Entstehung damals in den 60 er und Anfang der 70 er Jahre berücksichtigen.
Als Harnoncourt und Co. noch in den Startlöchern waren.


Ich möchte diese Aufnahmen trotzdem nicht hergeben. Auch wenn ich mich an die historisierenden Einspielungen gewöhnt habe.


Einen ganz grossen Vorteil hatte Karl Richter. Er bekam immer die besten Oratoriensänger die zu haben waren. Rilling zum Teil auch.


Fritz Werner, der vor Richter etwa 60 Kantaten für Erato produzierte, musst mit zweit - und drittklassigen Kräften auskommen. Von der grossen Konzertsängerin Agnes Giebel natürlich abgesehen.




Weil ich nicht weiss, was Du bereits hast , eine Empfehlung :

" Wachet auf, ruft uns die Stimme " BWV 140

Mit der berühmten Tenorarie " Zion hört die Wächter singen", die Bach in einem der Schüblerchoräle wiederverwendet hat.



" Nun komm der Heiden Heiland " zum 1. Advent BWV 61



Wie ich schon sagte, kenn ich bis jetzt nur sehr wenige seiner geistlichen Kantaten.

Was ich Dir empfehlen kann, falls Du es nicht bereits hast, ist :

Das " Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach "
Eine prächtige Sammlung kleinerer Stücke von Suiten, Tänzen, Arien und Chorälen, die im Laufe der Zeit von Bachs zweiter Frau gesammelt und aufgezeichnet wurden.

Daraus überaus populär die Aria : " Willst du dein Herz mir schenken " , sowie " Bist du bei mir ". Die berühmtesten Sopranistinnen haben diese im Programm. ( Barbara Hendricks, Elly Ameling, Edith Mathis, Arleen Auger).

Oder die Choräle wie " Dir, dir Jehova will ich singen ".

Nicht alles wurde von Bach selber vertont.

So, genug für heute.

Gruss.

Rolf.

PS. Und wie findest Du die H - moll Messe ? Hast Du schon eine Aufnahme ?
Carola (28.04.2006, 15:56):
In dem vor einigen Jahren erschienenen Buch "Bach und ich" hat Maarten´t Hart den Kantaten breiten Raum eingeräumt. Das entsprechende Kapitel enthält ein "kleines Kompendium", in dem etwa 130 dieser Werke mehr oder weniger ausführlich angesprochen werden.


http://images-eu.amazon.com/images/P/3492232965.03.LZZZZZZZ.jpg


Auch in anderen Teilen des Buches bezieht der Autor sich immer wieder auf die Kantaten und kommt dabei aus dem Schwärmen oft gar nicht mehr heraus - was auf die Dauer allerdings eher ermüdend als ansprechend wirkt.

Als Beispiel ein Zitat aus dem einleitenden 1. Kapitel:

"Ich kann nur über Johann Sebastian Bach schreiben, der mich als Kind mit der Bearbeitung des Chorals "Wohl mir, daß ich Jesum habe" aus der Kantate BWV 147 (Herz und Mund und Tat und Leben) in seine Obhut genommen hat und den ich über alles liebe mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und all meiner Kraft".

Diese schon deutlich religiöse Züge tragende Bach-Verehrung stört mich, ansonsten ist das Buch aber als Einstieg in die Kantaten gut geeignet - und auch die beiliegende CD bietet einen guten Querschnitt.


@ Rolf: Danke für den Hinweis auf das "Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach" - mir war bisher nie klar, was es mit diesem "Büchlein" eigentlich auf sich hat.

Auch die anderen von Dir erwähnten Kantaten finde ich allesamt sehr schön.

Und zur H-Moll Messe, die ich sehr liebe, machen wir am besten bald mal einen eigenen Thread.

Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (28.04.2006, 16:08):
@ Carola.

Mach DU bitte einen gesonderten Thread zur h - moll Messe.

Danke.
R.
Carola (28.04.2006, 18:11):
In Ordnung, kann ich gerne machen.

Aber erst, wenn sich mehr als zwei Leute dafür interessieren.

sagt Carola
Karsten (07.05.2006, 09:22):
Original von Carola

Und zur H-Moll Messe, die ich sehr liebe, machen wir am besten bald mal einen eigenen Thread.

Mit Gruß von Carola



Ich würde mich gleichfalls sehr freuen, wenn Du liebe Carola, und da schließe ich mich Rolf an, einen Thread zur h-moll-Messe eröffnen würdest.


:hello
Rolf Scheiwiller (19.04.2006, 14:05):
@ Carola.
Die Kantate " Ich habe genug " höre ich auch hin und wieder mit einer Sopranstimme gesungen. Z. B. Elly Ameling oder Agnes Giebel.
Aber die Version für die männliche Stimme gefällt mir weit besser.
Hermann Prey und Th. Quasthoff und noch einige andere bei mir im Gestell.

Von der berühmten Virtuosenkantate "Jauchzet Gott ... " bei mir natürlich Maria Stader, Agnes Giebel , B. Hendricks.

Kennst Du die Bach zugeschriebene Arie " Schlage doch gewünschte Stunde " ? Original viell. von M Hoffmann. Sehr schön, mit kleinen Glöckchen wird der Stundenschlag imitiert.

Meist als Füller auf den CDs.

Gruss.
R.
Carola (19.04.2006, 16:12):
@ Mime:

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von den weltlichen Kantaten bisher nicht eine einzige CD habe - mir liegt das "Weltliche" irgendwie nicht so. :D

Aber vielleicht hast Du ja Lust, noch die ein oder andere dieser Kantaten hier vorzustellen?

Darf ich fragen, was das für eine Bach-Gesamtaufnahme ist, die Du hast? Die von Brilliant Classics?

@ Rolf:

"Jauchzet Gott in allen Landen" habe ich in einer Aufnahme mit Emma Kirkby, ist auf der Gardiner-CD des Magnificats mit drauf - leider kann sie das "chz" von "Jauchzet" nicht aussprechen, man hört immer nur "Jauet" oder bestenfalls "Jauset" - so etwas stört mich.

Klar kenne ich "Schlage doch gewünschte Stunde" - soo erpicht bin ich aufs Sterben zwar nicht aber das mit den Glöckchen zur Veranschaulichung hat durchaus etwas. :D

Ich habe eine Müller-Brühl CD mit Geistlichen Solokantaten, da ist das drauf, sehr schön gesungen von der Altistin Marianne Beate Kielland.


http://www.jpc.de/image/middle/front/0/2110601.jpg


Und wie kommt es, dass du die Aufnahmen mit Richter nach 12 Jahren noch nicht mal angehört hast?

fragt Carola
Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 15:29):
@ Carola.
Nun muss ich noch schnell Carola Auskunft geben, betreffend Karl Richter, bevor ich für heute Schluss mit Schreiben mache.

Also, weshalb ich diese 60 Kantaten wirklich noch nie angehört habe, weiss ich selber nicht. Ich lese nur immer, dass sein Aufführungsstil völlig veraltet sei. Das kann es von den heutigen Interpreten in 40 Jahren, oder noch früher natürlich auch heissen. Kaufte und hörte immer Gardiner, Jacobs und besonders gerne Hereweghe. Seine Einspielungen sind nicht so gehetzt wie Gardiner.

Obwohl ich von Karl Richter seine Matth. Passion und das Weihn. Oratorium immer gerne höre.

Gar nichts hab ich von Harnoncourt betr. Kantaten. Gefallen mir nicht.

Aber seine neue Matth. Passion ist sehr gut gelungen.

Mit freundlichem Gruss.
Rolf.
Carola (21.04.2006, 15:59):
In der "Eloquence"-Reihe der Deutschen Grammophon sind einige der Bach Kantaten mit dem Münchner Bach-Chor und - Orchester unter Leitung von Karl Richter wieder aufgelegt worden,

Gerade erschienen ist diese Aufnahme mit "Actus tragicus", BWV 106, der Kreuzstabkantate, BWV 56 und "Ein feste Burg ist unser Gott", BWV 80.



http://www.jpc.de/image/middle/front/0/1791808.jpg


Für mich war es nach Jahrzehnten die erste Wiederbegegnung mit dem Bach-Klang der Sechziger und Siebziger - eine gewisse nostalgische Rührung läßt sich da nicht vermeiden.

Das klingt schon sehr anders als die modernen Aufnahmen, die ja eigentlich "historische" Aufnahmen heißen während die alten Aufnahmen die modernen sind - oder war es umgekehrt? :D

Wie auch immer, wenn man den ersten Schock des langsamen Tempos und der enormen Klangfülle, vor allem des Chores, überwunden hat, sich einfach mal auf diese Langsamkeit und den üppigen Klang einläßt, hat das durchaus etwas. Es klingt - würdig, ein bisschen wie kühler, schöner, erhabener Marmor. "Durchhörbar" oder gar schlank ist da gar nichts, am wenigstens das Orchester, das sehr kompakt und massig klingt. Trotzdem ist das auf ihre eigene Art eine sehr gute Interpretation. Und in jedem Fall ein wichtiger Meilenstein in der Rezeptionsgeschichte Bachs, den ich nicht missen möchte.

Außerdem: Vor Raserei und Countertenören ist man jedenfalls sicher.

Es grüßt Euch Carola
Mime (21.04.2006, 19:02):
Hallo Carola,

das Gesamtwerk ist von Brillant Classics.Nicht alles ist Gold,was glänzt,doch bei dem Preis von 89 Euro für 160 CDs mußte ich zugreifen.Es lassen sich auch interessante Vergleiche verschiedener Interpretationen machen,die Passionen,h-moll-Messe und Weihnachtsoratorium und versch.Orchesterwerke hatte ich vorher auch schon.
Viele Grüße Mime
Rolf Scheiwiller (26.04.2006, 13:55):
@ Carola.

Noch einige Kantaten, die ich in meiner Bachsammlung habe.



" Gott ist mein König " Die sog. Ratswahlkantate.

Die Advents - und Weihnachtskantaten höre ich auch immer gerne an diesen Tagen.

Sodann verschiedene Solokantaten wie

" Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust "

" Widerstehe doch der Sünde "

" Geist und Seele wird verwirret "

Alle mit Hereweghe.


Das berühmte Duett " Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten... " ist das aus der Kantate " Jesu der Du meine Seele " ? Hab die CD nicht in der Nähe.



Kennst Du die Lieder aus dem " Schemelli Gesangbuch ". Da hab ich eine Gesamtaufnahme unter Rilling. Und eine amerikanische mit erstklassigen amerik. Sängern unter Rifkin. Schon vor fast 25 Jahren gekauft.


Gruss


Rolf.


Fortsetzung folgt in Kürze.
Carola (26.04.2006, 16:10):
Original von Rolf Scheiwiller

Das berühmte Duett " Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten... " ist das aus der Kantate " Jesu der Du meine Seele " ? Hab die CD nicht in der Nähe.

Kennst Du die Lieder aus dem " Schemelli Gesangbuch ". Da hab ich eine Gesamtaufnahme unter Rilling. Und eine amerikanische mit erstklassigen amerik. Sängern unter Rifkin. Schon vor fast 25 Jahren gekauft.

Gruss

Rolf.

Fortsezung folgt.

Guten Tag, Rolf

dieses Duett kenne ich bisher noch gar nicht. Ich besitze erst etwa die Hälfte der geistlichen Kantaten und "Jesu, der Du meine Seele" ist nicht darunter. Ist aber jetzt vorgemerkt!

Dafür habe ich aber eine schöne Aufnahme vom Bach/Schemelli Gesangbuch. Sie ist ebenfalls schon etwas älter, von 1974, 1994 als Doppel-CD erschienen. Es singt Georg Jelden, Bariton.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000260WX.03.LZZZZZZZ.gif


Einige der Lieder finde ich wunderschön, ob sie nun vollständig von Bach stammen oder nicht. Damit mich die anderen, deren Texte teilweise meine Toleranzgrenze doch überschreiten, nicht zu sehr stören, habe ich hinter jedes "schöne" ein Sternchen gemacht und springe dann entsprechend durch die CD.

Mein liebstes ist "Brunnquell aller Güter", aber auch die "Abendlieder" finde ich tief berührend.

Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (27.04.2006, 15:36):
Schönen Nachmittag Carola.


Ich hab mir jetzt einige der Karl Richter Einspielungen, die ich bis jetzt noch nie im Player hatte, doch mal angehört. Sicher, man muss eben die Entstehung damals in den 60 er und Anfang der 70 er Jahre berücksichtigen.
Als Harnoncourt und Co. noch in den Startlöchern waren.


Ich möchte diese Aufnahmen trotzdem nicht hergeben. Auch wenn ich mich an die historisierenden Einspielungen gewöhnt habe.


Einen ganz grossen Vorteil hatte Karl Richter. Er bekam immer die besten Oratoriensänger die zu haben waren. Rilling zum Teil auch.


Fritz Werner, der vor Richter etwa 60 Kantaten für Erato produzierte, musst mit zweit - und drittklassigen Kräften auskommen. Von der grossen Konzertsängerin Agnes Giebel natürlich abgesehen.




Weil ich nicht weiss, was Du bereits hast , eine Empfehlung :

" Wachet auf, ruft uns die Stimme " BWV 140

Mit der berühmten Tenorarie " Zion hört die Wächter singen", die Bach in einem der Schüblerchoräle wiederverwendet hat.



" Nun komm der Heiden Heiland " zum 1. Advent BWV 61



Wie ich schon sagte, kenn ich bis jetzt nur sehr wenige seiner geistlichen Kantaten.

Was ich Dir empfehlen kann, falls Du es nicht bereits hast, ist :

Das " Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach "
Eine prächtige Sammlung kleinerer Stücke von Suiten, Tänzen, Arien und Chorälen, die im Laufe der Zeit von Bachs zweiter Frau gesammelt und aufgezeichnet wurden.

Daraus überaus populär die Aria : " Willst du dein Herz mir schenken " , sowie " Bist du bei mir ". Die berühmtesten Sopranistinnen haben diese im Programm. ( Barbara Hendricks, Elly Ameling, Edith Mathis, Arleen Auger).

Oder die Choräle wie " Dir, dir Jehova will ich singen ".

Nicht alles wurde von Bach selber vertont.

So, genug für heute.

Gruss.

Rolf.

PS. Und wie findest Du die H - moll Messe ? Hast Du schon eine Aufnahme ?
Carola (28.04.2006, 15:56):
In dem vor einigen Jahren erschienenen Buch "Bach und ich" hat Maarten´t Hart den Kantaten breiten Raum eingeräumt. Das entsprechende Kapitel enthält ein "kleines Kompendium", in dem etwa 130 dieser Werke mehr oder weniger ausführlich angesprochen werden.


http://images-eu.amazon.com/images/P/3492232965.03.LZZZZZZZ.jpg


Auch in anderen Teilen des Buches bezieht der Autor sich immer wieder auf die Kantaten und kommt dabei aus dem Schwärmen oft gar nicht mehr heraus - was auf die Dauer allerdings eher ermüdend als ansprechend wirkt.

Als Beispiel ein Zitat aus dem einleitenden 1. Kapitel:

"Ich kann nur über Johann Sebastian Bach schreiben, der mich als Kind mit der Bearbeitung des Chorals "Wohl mir, daß ich Jesum habe" aus der Kantate BWV 147 (Herz und Mund und Tat und Leben) in seine Obhut genommen hat und den ich über alles liebe mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und all meiner Kraft".

Diese schon deutlich religiöse Züge tragende Bach-Verehrung stört mich, ansonsten ist das Buch aber als Einstieg in die Kantaten gut geeignet - und auch die beiliegende CD bietet einen guten Querschnitt.


@ Rolf: Danke für den Hinweis auf das "Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach" - mir war bisher nie klar, was es mit diesem "Büchlein" eigentlich auf sich hat.

Auch die anderen von Dir erwähnten Kantaten finde ich allesamt sehr schön.

Und zur H-Moll Messe, die ich sehr liebe, machen wir am besten bald mal einen eigenen Thread.

Mit Gruß von Carola
Rolf Scheiwiller (28.04.2006, 16:08):
@ Carola.

Mach DU bitte einen gesonderten Thread zur h - moll Messe.

Danke.
R.
Carola (28.04.2006, 18:11):
In Ordnung, kann ich gerne machen.

Aber erst, wenn sich mehr als zwei Leute dafür interessieren.

sagt Carola
Karsten (07.05.2006, 09:22):
Original von Carola

Und zur H-Moll Messe, die ich sehr liebe, machen wir am besten bald mal einen eigenen Thread.

Mit Gruß von Carola



Ich würde mich gleichfalls sehr freuen, wenn Du liebe Carola, und da schließe ich mich Rolf an, einen Thread zur h-moll-Messe eröffnen würdest.


:hello
Carola (30.06.2008, 12:18):
Soll es nur ein Buch zu Bachs Kantaten sein, so empfehle ich dieses hier:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783761814765.jpg

Dieses mehr als 1000 Seiten starke Handbuch von Alfred Dürr ist erstmals 1971 bei Bärenreiter erschienen und seitdem immer wieder neu aufgelegt worden. 1995 wurde es für die 6. Auflage auch aktualisiert.

Neben einer circa 80 Seiten umfassenden Einführung enthält das Buch zu jeder der geistlichen und weltlichen Kantaten Bachs eine mehrseitige Erläuterung. Als Grundinformation wird zunächst der vollständige Text der Kantate wiedergegeben und es werden Angaben zu Besetzung und Aufführungsdauer gemacht. Die Aufführungsdauer wird oft allerdings etwas zu lang geschätzt, jedenfalls für die neueren Aufnahmen. Anschließend wird, auch anhand von Notenbeispielen, über durchschnittlich zwei bis drei Seiten die Kantate selbst vorgestellt, wobei die Kantaten dem Kirchenjahr folgend angeordnet sind. Diese Werkeinführung ist immer gut verständlich und nachvollziehbar und bezieht neben den musikalischen Aspekten auch die theologischen mit ein, wenngleich diese natürlich nicht im Vordergrund stehen. Im Anhang des Buches befindet sich neben einem nützlichen Wort- und Sachregister auch ein Verzeichnis, über welches man jede Kantate und die dazu gehörenden Erläuterungen sowohl alphabetisch unter ihrem Titel als auch unter ihrer Werkverzeichnisnummer leicht auffinden kann - leider keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wie das 2006 erschienene Handbuch von Schulze zeigt; dazu später mehr.

Auch wenn nach dem Dürr noch eine Menge weiterer Literatur zu den Bachkantaten erschienen ist, bliebt dieses Buch dennoch das Standardwerk. Zudem ist es bei einem Preis von knapp 30 € vergleichsweise günstig. Mein einziger Kritikpunkt: Gerade ein Handbuch wie dieses, das man nicht einmal durchliest sondern in dem man immer wieder blättert und nachschlägt, sollte zumindest auch in einer gebunden Ausgabe vorliegen. Ich wäre bestimmt nicht die Einzige, die gerne bereit wäre, dafür notfalls auch das Doppelte zu zahlen.

Mit Gruß von Carola
Kantate (30.06.2008, 12:51):
Habe nicht alle Beiträge gelesen. - Aber die Kantate "Gott der Herr ist Sonn' und Schild" ist fantastisch!

Ich habe eine Aufnahme mit einem Profi-Knabenchor (Kruzianer?) mit Günther Ramin. Die Aufnahmetechnik ist miserabel! Dafür sind die Solopartien von Knaben gesungen, was mir besonders gut gefällt.

Die Musik ist so eingängig und leicht einprägsam, dass man sie schon beim zweiten Hören fast auswendig kann.

Dann gibt es noch eine tolle Kantate: "Wir eilen mit schwachen doch emsigem Schritten oh Jesu zu helfen zu dir.." Oder so ähnlich.

Sehr sehr schön! Und auch leicht einprägsam.

Sangesfreudige Grüße,

Kantate :wink
Carola (30.06.2008, 15:55):
Mein Haupteinwand gegen das von Hans-Joachim Schulze im Jahre 2006 bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig veröffentlichte Buch zu Bachs Kantaten ließe sich in einem Satz zusammen fassen: Eine Radiosendung ist eine Radiosendung ist eine Radiosendung. Will sagen: Was als Radiovortrag funktioniert, muss in gedruckter Form noch lange nicht überzeugen, kann vielmehr als allzu leichtes Geplauder erscheinen.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783374023905.jpg

An mangelnder Kenntnis des Autors liegt es gewiss nicht, dass dieses Buch mich eher enttäuscht hat, denn Schulze war immerhin langjähriger Leiter des Leipziger Bach-Archivs. So löblich es ist, dass der MDR zwischen 1991 und 1994 eine von Schulze verfasste Vortragsreihe zu sämtlichen Kantaten Bachs ausgestrahlt hat, zu einem Handbuch gehört nach meiner Auffassung doch etwas mehr, als diese Radiovorträge einfach hintereinander zu hängen. Das fängt mit dem fehlenden Sachregister an und geht mit der ebenso fehlenden allgemeinen Einführung in die Kantaten weiter. Auch Notenbeispiele gibt es keine. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass mit der "Nacherzählung" von Kantaten- und dazugehörigem Bibeltext ein großer Teil der Sendezeit bei einigen Kantaten schon erschöpft war, denn was danach noch kommt, ist mir oft einfach zu wenig und zu oberflächlich.

Auch die vergleichsweise komplizierte Erschließbarkeit der einzelnen Kantaten durch das angehängte Register stört mich. Weiß ich nämlich lediglich den Titel einer bestimmten Kantate, so erfahre ich zwar, welche Nummer im Bachwerkeverzeichnis diese hat, nicht aber, auf welcher Seite im Buch ich etwas zu dieser Kantate finde. Hierfür muss ich erst umständlich in einem weiteren Verzeichnis, "Konkordanz" genannt, nachschlagen. Ziehe ich zudem den doch recht saftigen Preis von 44 € für die knapp 760 (allerdings und immerhin gebundenen) Seiten in Betracht, so kann mein Fazit nur lauten: Bedingt empfehlenswert, keine echte Alternative, allenfalls eine Ergänzung zum Dürr.

Mit Gruß von Carola

PS. Die Produktbeschreibung bei amazon und jpc bezieht sich offenbar auf ein anderes Buch Schulzes und zwar dieses

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783374022991.jpg