Möchstest Du als Monostatos und Mime wirklich eine "schöne" Stimme hören?

Heike (26.01.2012, 07:53):
Ich klaue mal diese Frage aus einem Berichte-Thread und stelle sie zur allgemeinen Diskussion, weil ich das interessant finde:

Stimme und Rolle - was passt? Was nicht?

Überhaupt, was sind für euch unschöne Stimmen? Brauchen manche Rollen besonders schöne Stimmen und für andere ist das vielleicht sogar eher kontraproduktiv?
Dies als kurzen Einstieg am frühen Morgen in eine vielleicht interessante Diskussion.
Heike
ar (26.01.2012, 13:44):
Um mich kurz zu fassen: Ja, eigentlich schon! Jedenfalls bei einem Monostatos erwarte ich eigentlich einen Spieltenor mit schöner (!) Stimme, was es ja auch gibt (denke da an Norbert Ernst).

Bei Mime kann ich damit leben, wenn die Stimme nicht das überzeugendste Element der Darstellung ist, aber auch dort kann man die vorgesehenen Noten SINGEN.

Prinzipiell muss ich aber auch sagen, dass ich bei Stimmen nicht so sehr auf die Schönheit achte, sondern auf "Was macht der Sänger aus seiner Stimme?".

Liebe Grüsse
Severina (26.01.2012, 19:44):
Eine sehr interessante, aber ungemein schwierig zu beantwortende Frage! Das Entscheidende für mich ist, dass mich eine Stimme berührt, dass sie also nicht nur mein Ohr, sondern auch mein Herz erreicht. Aber warum das der eine Sänger schafft und der andere nicht, diese Frage stelle ich mir selber oft, ohne eine Antwort darauf zu finden. Es ist eben das gewisse Etwas, das man nicht erklären, sondern nur fühlen kann. Angela Gheorgiu z.B. verfügt zweifellos über eine sehr schöne Stimme, aber sie lässt mich völlig kalt. Andererseits berührt mich Edita Gruberova, die von vielen als singender Gefrierschrank ohne Emotionen bezeichnet wird, sehr - erklären kann ich weder das eine, noch das andere.

Ein paar Parameter versuche ich einmal:

* Ich mag vibratoarme Stimmen (besonders bei Frauen), daher auch mein Faible für Barockmusik und meine Abneigung gegenüber den meisten historischen Stimmen.
* "Stimmritzenprotzerei"(copyright Leo Slezak) beeindruckt mich gar nicht, daher ist mein persönlicher Gradmesser auch ein tragfähiges Piano und weniger eine bombige Höhe. Ein verhautes C bei der Cabaletta verzeihe ich einem Alfredo, nicht aber ein derbes, beiläufiges "Parigi, o cara..."
* Im Belcantofach bevorzuge ich helle Tenöre (Beispiel Flórez), ansonsten liebe ich die baritonal eingefärbten (Domingo, Kaufmann, Villazón), aber natürlich nicht nur, denn meine momentane Nummer 1, wenn es nur um die Stimme geht, ist Piotr Beczala, und der liegt irgendwo in der Mitte.
* Ein Bariton soll samtweich, einschmeichelnd klingen (Beispiel Keenlyside)
* Frauen dürfen in der Höhe nicht schrill klingen, weshalb mein bevorzugtes Stimmfach auch nicht Sopran, sondern Mezzosopran ist.

Interessant ist natürlich die Wechselwirkung Rollencharakter - Stimme: Darf ein Bösewicht mit betörender Stimme gesungen werden, oder passt da nicht viel eher ein hässliches Timbre?
Auch da komme ich zu keiner eindeutigen Lösung.

Wo mich eine (zu) schöne Stimme wirklich stört, ist die Lady Macbeth, weshalb die bisher unerreichte Interpretin dieser Rolle für mich Mara Zampieri ist. Sie hat eine harte, eher unflexible und wirklich nicht schön timbrierte Stimme, aber sie passt perfekt zum Charakter der Lady und ist bis dato die Einzige, bei der mir wirklich das Gruseln kommt. Die Briefszene mit der expressiven Stimme und in der Interpretation der Zampieri zählt zum Packendsten, was ich je auf der Opernbühne erleben durfte.

Auch bei Mime stimme zu, dass der nicht "schön" gesungen werden sollte, der muss etwas Greinendes, Widerliches transportieren, deshalb gebe ich Billy recht, dass Herwig Pecoraro mit seinem blechernen Timbre dafür eine optimale Besetzung ist.

Andererseits ist auch Conte di Luna (Trovatore) keine Lichtgestalt, trotzdem wünsche ich mir bei "Un balen del suo sorriso" nur edlen Wohlklang, ebenso bei Jagos Credo. Da sollte zwar die Schwärze des Charakters mitschwingen, aber es sollte trotzdem "schön" klingen.

Umgekehrt würde ich Agnes Baltsas Stimme nicht als schön bezeichnen, auch technische Probleme (Registerwechsel) waren bei ihr nicht selten, und trotzdem hat sie mich in jeder ihrer Rollen fasziniert und führt immer noch meine persönliche Carmen-Hitliste an.

Das ist jetzt alles ziemlich ungeordnet und unausgegoren (Bin heute etwas im Stress), aber ich wollte doch zumindest einmal auf Heikes interessante Fragestellung eingehen.

lg Sevi :hello
Heike (27.01.2012, 11:47):
Liebe Sevi,
Ich mag vibratoarme Stimmen (besonders bei Frauen), daher auch mein Faible für Barockmusik und meine Abneigung gegenüber den meisten historischen Stimmen.
Das geht mir ähnlich. Ganz besonders schlimm finde ich starkes Vibrato bei Oratorien und Messen, da kann ich es fast nicht ertragen Wenn z.B. sogar die Schlusstöne wallen und wabern, das tut mir richtiggehend weh.
ist mein persönlicher Gradmesser auch ein tragfähiges Piano
Das ist auch was, was mich außerordentlich anspricht. Oft spürt es dann (v.a. wenn es gekonnt von Orchester begleitet ist) auch der ganze Saal und solche Momente von atemloser Stille entstehen dann, die in Erinnerung bleiben.

Aber hier geht es ja eher um die unschönen Stimmen, also: Mich stört es außerdem sehr, wenn jemand so gepresst oder gestresst singt, es also mehr nach Anstrengung klingt als nach Fluss. Besonders bei barocken Verzierungen oder Koloraturen trübt es meinen Genuss doch arg, wenn das so dahingehechelt wird, oder jemand am Rande seines Atemvolumens singt und das auch deutlich hörbar ist (ich denke dann manchmal, oh Giott, jetzt japst sie gleich nach Luft). Am meisten, noch mehr als eine nur mittelmäßige Stimme, stören mich aber in der Oper schlechte Aussprache (z.B. ein deutlicher Akzent oder Lispeln) und auch sehr gekünsteltes, überbetontes Singen, also, ich meine, wenn man so Silben unmotiviert akzentuiert oder herzzerreizend schluchzt oder sowas. Ich hab's lieber natürlich.

Und was die Rollenkompatibilität angeht: Ich sehe es auch so, dass bestimmte Rollen durchaus eine etwas weniger schöne Stimme vertragen. In den KOB-Karmelitinnen z.B. sang Christiane Oertel (deren Stimme ich nicht mag und die auch, glaube ich, nicht mehr so ganz auf der Höhe ihres Könnens ist) eine äußerst packende sterbende Madame de Croissy. Das könnte ich mir mit schöner, makelloser Stimme fast nicht vorstellen.

Mime ist natürlich auch ein sehr gutes Beispiel, der braucht was schrilles, brüchiges, was mich irgendwie gleichzeitig abstoßen und anziehen muss. Auch bei hysterischen Frauenrollen passt es meines Erachtens oft weniger gut, wenn jemand ganz stilvoll und gepflegt ohne Makel singt. Da haben mir manchmal schon Sängerinnen gut gefallen, die von Kritikern total verrissen wurden.

Heike

p.s. herzlich willkommen, ar!
Severina (27.01.2012, 12:36):
Liebe Heike,
da hast Du einen ganz wichtigen Punkt angesprochen: Auch ich hasse jede außermusikalische Effekthascherei, also die berühmten Schluchzer, die speziell Tenöre oft zum Unterstreichen ihrer abgrundtiefen Verzweiflung so gern einsetzen. Ich will die Verzweiflung in der Stimmfärbung spüren, aber nicht in aufgesetztem Pathos. Ein Rodolfo, der theatralisch über seiner Mimi zusammenbricht und die wunderbar ausklingende Musik zerschluchzt, geht für mich gar nicht. Leider neigt auch mein Liebling Villazón zu derartigen "Zugaben", obwohl ich glaube, dass das bei ihm nicht Kalkül ist, sondern echtes Empfinden. Trotzdem: Ein Sänger sollte seine Gefühle unter Kontrolle haben. Ich weiß jetzt nicht genau, welcher Tenor sinngemäß in einem Interview gesagt hat: "Weinen soll mein Publikum, nicht ich!"
Außerdem kann man sich natürlich mit einem Schluchzer zur rechten Zeit geschickt um Töne herumschummeln, die man nicht mehr so wirklich drauf hat. Cura beherrscht diesen Trick perfekt....
Dabei stört es mich nicht, wenn ein paar echte Tränen rollen, das berührt mich sogar sehr, aber bitte ohne Geschluchze! (Auch das stört mich bei vielen historischen Aufnahmen, diese aufgesetzte Theatralik.)

Und gepresstes Singen macht mich auch nervös, besonders wenn die Spitzentöne derart gestemmt werden, dass ich den Eindruck gewinne, dem Bedauernswerten platzt jeden Moment irgendeine Ader im Gehirn.
Deshalb stört es mich auch nicht, wenn ein Tenor/Sopran transponiert - ein schöner "falscher" Ton ist mir zehnmal lieber als ein "richtiger", der klingt, als sei er/sie einer Katze auf den Schwanz gestiegen. Domingo z.B. hat live das hohe C nur in absoluten Sternstunden erreicht (Manche sagen, überhaupt nie...), trotzdem zählt er zu den größten Tenören unserer Zeit.

lg Sevi :hello
Solitaire (27.01.2012, 12:46):
Ich mag bei Jungmädchenrollen (Gilda, Mimì, Butterfly etc.) eher vibratoarme Stimmen mit sehr hellem Timbre. Daher habe ich z.B. auch kein Problem damit wenn Erna Berger die Butterfly singt. Heute würde man solch eine Stimme vermutlich als Ännchen besetzen, aber ganz sicher nicht als Cio-Cio-San oder gar Violetta, was ich persönlich ein bißchen schade finde. Ob solche Rollen solchen Stimmen gut tun steht auf einem anderen Blatt und ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann.

Eine eher üppige Stimme wie sie z.B. Reneé Fleming hat gefällt mir in solchen Rollen hingegen gar nicht. Ich fand sie als Mimí schauderhaft :ignore
Allerdings muß ich fairerweise zugeben, daß ich sie nur in Auszügen in dieser Rolle gehört habe. Auch der Stimmklang einer Anna Netrebko ist mir für diese fragilen Rollen viel zu robust und gesund, obwohl ihre Stimme wirklich mag.

Bei Mozart kann ich keine dunkel timbrierten Tenöre ertragen, jeder hier weiß, wie sehr ich Rolando Villazón mag, aber ein Mozarttenor wird er in meinen Ohren niemals sein. Ebenso wenig wie Jonas Kaufmann. Und jetzt dürfen die Kaufmann-Fans auf mich einschlagen, ich nehme die Strafe auf mich :beer

Wichtig ist für mich aber vor allem, daß die einzelne Stimme sich ins Gesamtensemle einfügen kann. Was nutzt die schönste Stimme der Welt, wenn Ensembleszenen immer nach "Solist mit Chor" klingen.

Und da ich so böse über den Jonas gesprochen habe und Sevi "Parigi o cara" erwähnt hat: ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals ein schöneres "Parigi" gehört habe als dieses klick (ist mir allenfalls einen Tacken zu langsam, aber sonst... :down)
Und das, obwohl ich kein ausgewiesener Kaufmann-Fan bin.

Später vielleicht mehr zu diesen spannenden Thema.
Solitaire (27.01.2012, 12:48):
Original von Severina
L Ich weiß jetzt nicht genau, welcher Tenor sinngemäß in einem Interview gesagt hat: "Weinen soll mein Publikum, nicht ich!"

Domingo hat mal erzählt, daß er bei seinem ersten Alfredo in der Sterbeszene so geheult hat, daß er kaum weitersingen konnte.
Sehr sympathisch beim erstenmal, aber hat dann doch einsehen müssen, daß es so nicht geht :)
Severina (27.01.2012, 13:08):
Original von Solitaire

Bei Mozart kann ich keine dunkel timbrierten Tenöre ertragen, jeder hier weiß, wie sehr ich Rolando Villazón mag, aber ein Mozarttenor wird er in meinen Ohren niemals sein. Ebenso wenig wie Jonas Kaufmann. Und jetzt dürfen die Kaufmann-Fans auf mich einschlagen, ich nehme die Strafe auf mich :beer

Wichtig ist für mich aber vor allem, daß die einzelne Stimme sich ins Gesamtensemle einfügen kann. Was nutzt die schönste Stimme der Welt, wenn Ensembleszenen immer nach "Solist mit Chor" klingen.


Später vielleicht mehr zu diesen spannenden Thema.

Liebe Mina,

bei Mozart sind wir uns völlig einig, obwohl ich sagen muss, dass ich Kaufmanns Idomeneo (in Zürich) klasse gefunden habe. Aber generell ist er sicher von der Stimmfarbe her kein Mozarttenor, ebenso wenig wie unser gemeinsamer Liebling. (Den ich mir aber wahrscheinlich trotzdem im Mai in der Finta anhören werde :D)

Ensembles sind oft eine Qual, wenn die Einzelstimmen vom Timbre her nicht zusammenpassen, das gilt aber auch für so manches Duett....

lg Sevi :hello
Schweizer (27.01.2012, 20:05):
Hallo Heike, hallo Severina,
ich finde das Thema interessant, es hat mich sehr angeregt.
Generell gesprochen ist das bestimmt wieder ein Frage bei der der persönliche Geschmack eine nicht unwichtige Rolle spielt, was man wie gewichtet, auch was man zu "tolerieren" bereit ist.
Genau wie Severina kann ich nicht erklären warum mich eine gewisse Sängerin und deren Stimme nicht nur per Ohr sondern auch emotional erreicht und die nächste eben nicht. Beispiele: Joan Sutherland war für mich während langer Jahre (in meinen Ohren gab es damals eben Vergleiche zu Callas, Tebaldi und Caballé) ausdrucksmässig ein Kühlschrank, ich bewunderte aber selbstverständlich die Technik der *La Stupenda*! In späteren Jahren, als nicht mehr alles so unglaublich leicht gelang, hat sie sich für mein Empfinden weiterentwickelt und dann allmählich mein Herz erreicht.
Mit Edita Gruberova geht es mir umgekehrt: die war bei mir jahrelang hoch im Kurs, ich freute mich auf jede ihrer Rollen am Opernhaus Zürich. Doch der Faden riss bei mir als sie die Norma und Lukrezia Borgia anging, beides Rollen (ihre Fans werden mich lynchen), denen sie stimmlich nicht gewachsen ist; da wird vor allem unten gemogelt, Unliebsames herausgestrichen, vieles mit manieriertem Gesäusel cachiert wo Dramatik angesagt ist und mit Interviews im eigenen Sinn legitimiert. Ganz plötzlich hörte ich ihr mit kritischen Ohren zu.
Eine heute hoch im Kurs stehende Elina Garanca ist zwar mit einer technisch hervorragend geführten Stimme gesegnet, darstellerisch ist sie für mich aber das Gefrierfach des Kühlschranks: für mich völlig unverständlich wie man sie als Ideal-Carmen empfinden kann, ich glaub ihr die heissblütige Zigeunerin nicht eine Sekunde lang!
Nun aber zu gewissen Partien, ich beginne mit Monostatos: den habe ich vom Tenor-Buffo (das war derjenige, der damals in Operetten den zweiten Tenor zu spielen/tanzen/singen hatte) bis zum Charakter-Tenor (Herodes in Salome) vorgesetzt/interpretiert bekommen; das geht für mich beides auf wenn der Kontext stimmt.
Zur Lady Macbeth: meine erste war Grace Bumbry in Basel und das war ein überwältigendes Belcanto-Vollbad, die hat mich mit ihrer Präsenz, Ausstrahlung und Stimme schlicht umgeworfen. Erst Jahre später, bei Josephine Veasey und Mara Zampieri, habe ich mich vom geworfenen Schatten der Bumbry befreien können und gelernt/erfahren, dass man das auch mit grossem Gewinn "unschön-fahl" singen kann/darf/muss.
Zu Jago: dessen Credo, sorry Severina, passt mir nicht wenn schön-belcantesk daherkommend, ein Beispiel: Lucic in Berlin sang das mühelos, aber er war in seiner leicht molligen Körperlichkeit für mich als Charakter eher ein lieber Saufkumpel am Bierstammtisch aber kein Intrigen spinnender Drahtzieher. Hampson in Zürich hingegen hat das im Nov11 weniger toll gesungen, aber das Gesamtpaket stimmte für mich, der Charakter war getroffen.
Genauso stimmt für mich ein total schön gesungener Mime eben auch nicht, weil es nicht zum Charakter der Partie passt.
Gruss vom Schweizer
Maggie (27.01.2012, 20:11):
:DOriginal von Severina
Original von Solitaire

Bei Mozart kann ich keine dunkel timbrierten Tenöre ertragen, jeder hier weiß, wie sehr ich Rolando Villazón mag, aber ein Mozarttenor wird er in meinen Ohren niemals sein. Ebenso wenig wie Jonas Kaufmann. Und jetzt dürfen die Kaufmann-Fans auf mich einschlagen, ich nehme die Strafe auf mich :beer

Wichtig ist für mich aber vor allem, daß die einzelne Stimme sich ins Gesamtensemle einfügen kann. Was nutzt die schönste Stimme der Welt, wenn Ensembleszenen immer nach "Solist mit Chor" klingen.


Später vielleicht mehr zu diesen spannenden Thema.

Liebe Mina,

bei Mozart sind wir uns völlig einig, obwohl ich sagen muss, dass ich Kaufmanns Idomeneo (in Zürich) klasse gefunden habe. Aber generell ist er sicher von der Stimmfarbe her kein Mozarttenor, ebenso wenig wie unser gemeinsamer Liebling. (Den ich mir aber wahrscheinlich trotzdem im Mai in der Finta anhören werde :D)

Ensembles sind oft eine Qual, wenn die Einzelstimmen vom Timbre her nicht zusammenpassen, das gilt aber auch für so manches Duett....

lg Sevi :hello

Also, weder Kaufmann noch Villazón sind für mich Mozarttenöre. Darüber streite ich mit Euch auf keinen Fall. Aber! Wie Severina auch, könnte ich nicht widerstehen einen von beiden live in einer Mozartrolle zu hören. (Egal in welche.) :D

LG

Maggie
Severina (27.01.2012, 20:32):
Original von Schweizer
Zu Jago: dessen Credo, sorry Severina, passt mir nicht wenn schön-belcantesk daherkommend, ein Beispiel: Lucic in Berlin sang das mühelos, aber er war in seiner leicht molligen Körperlichkeit für mich als Charakter eher ein lieber Saufkumpel am Bierstammtisch aber kein Intrigen spinnender Drahtzieher. Hampson in Zürich hingegen hat das im Nov11 weniger toll gesungen, aber das Gesamtpaket stimmte für mich, der Charakter war getroffen.
Genauso stimmt für mich ein total schön gesungener Mime eben auch nicht, weil es nicht zum Charakter der Partie passt.
Gruss vom Schweizer

Lieber Schweizer,
ich hab mich vielleicht falsch ausgedrückt: Natürlich muss ein Jago mehr bieten als Schöngesang, aber es stört mich bei ihm keineswegs, wenn er eine angenehm timbrierte Stimme hat. Er muss es nur schaffen, mit ihr einen "bösen" Charakter zu zeichnen. Und genau das ist das (oder besser: mein) Problem mit Lucic: Er ist mit einer wahrhaft balsamischen Stimme gesegnet, aber er kann leider nur wenig mit ihr ausdrücken. Egal ob Rigoletto, Germont, Simon Boccanegra - alles klingt bei ihm gleich "schön", aber eben nicht unter die Haut gehend.

Ob Du's glaubst oder nicht, aber die Grubsi hab ich als Norma noch nie gehört - instinktiv habe ich da immer einen Bogen um sie gemacht, wohl völlig zu recht, wenn ich Deine Analyse lese.

Hampsons Stimme hat in den letzten Jahren leider gelitten - das sag ich mit einer Träne im Knopfloch als großer Fan von ihm - aber das stört beim Jago sicher weniger als z.B. bei Germont, wo ich ihn wirklich nicht mehr hören kann.

lg Severina :hello
Zefira (27.01.2012, 20:56):
Hat eigentlich niemand hier Villazón als Ottavio gehört? Ich nämlich leider auch nicht, aber er soll toll gewesen sein. Kürzlich habe ich eine Kritik gelesen, in der es hieß, er hätte Ottavio sehr zum Gewinn der Aufführung (es war eine konzertante) aus dem Warmduscher-Image befreut.

Grüße von Zefira

/edit: "befreut" ist zwar ein Tippfehler, aber den finde ich jetzt so schön, dass ich ihn stehen lasse.
Schweizer (27.01.2012, 21:09):
Hallo Zefira,
wann soll denn dieser fabelhaft-gute Don Ottavio von Villazon stattgefunden haben? Ich habe Villazon vergangenen Juli in Zürich in Mozart's "il re pastore" gehört und das war kein Ruhmesblatt!
Der beste Ottavio den ich je gehört habe ist Piotr Beczala.
Gruss vom Schweizer
Zefira (27.01.2012, 21:12):
Ich bezog mich auf die konzertante Aufführung in Baden-Baden mit Ildebrando d'Arcangelo in der Titelrolle. Hier habe ich eben einen Clip gefunden, allerdings ´mieser Ton, wahrscheinlich illegal gemacht (Handy o.ä.).
Severina (27.01.2012, 22:00):
Ja, ich habe auch gehört, dass Villazón in Baden-Baden einen sensationellen Don Ottovio gsungen haben soll, und zwar von Freunden, die alles andere als Fans von ihm sind und im Vorfeld gemeint hatten, "diese Krot" (nämlich Villazón) halt schlucken zu müssen bei der ansonsten tollen Besetzung. Leider haben sie nicht mitgeschnitten :(.

Lieber Schweizer,

ich verstehe Eure (also der Schweizer Opernfans) Vorbehalte gegen Villazón sehr gut, denn Eure erste Live-Begegnung mit ihm war in der "Traviata", und - ich hab's jetzt schon ein paarmal geschrieben - das waren die schlimmsten zwei Vorstellungen, die ich je mit ihm gehört habe. Und dann singt er als zweite Partie Mozart, also bei Gott nicht sein Fach - kein Wunder, dass sich die Villazón-Begeisterung in Zürich in Grenzen hält. Hätte ich ihn so kennen gelernt, würde ich mich wahrscheinlich auch fragen, was alle Welt an diesem Tenor findet. (Noch dazu, wo die Züricher ja durch die vielen Jahre mit Beczala und Kaufmann etc. im tenoralen Paradies leben durften :wink)

Aber ich wurde eben in seiner tollen Zeit vor 2006 zum Villazónfan, und die Erinnerung an so manche Sternstunde ist natürlich ein Bonus, der im Unterbewusstsein Spuren hinterlässt.

Trotzdem lockt mich in erster Linie Beczalas Riccardo nach Zürich, aber dass ich dabei auch noch eine Finta mit Villazón mitnehmen kann, freut mich natürlich sehr :D!

lg Severina :hello
Fairy Queen (27.01.2012, 22:02):
Interessantes Thema, in der Tat! Viels was schon gesagt wurde, gilt auch für mich.
Ich môchte in Allem, was nur annâhernd mit Belcanto zu tun, hat schône Stimmen hören- ansosnten ist der Belcanto eher ein Bell-Canto und straft sich selbst Lügen. Also quasi vom Barock bis zum früihen Verdi gehen für mich hâssliche Stimmen überhaupt nicht, allenfalls in einigen komischen Rollen wie etwa Dominique Visse (dessen Stimme ich grässlich kreischend finde) als Nireno im Giulio Cesare oder ähnliche Kaliber. Bei den "bösen Rollen" dagegen finde ich das Ganze noch subtiler wenn die Stimme schön udn der Charakter mies ist. So wie Polanskis Idee der Lady Macbeth, die im Film aussieht wie en Unschulds-Engel.
Monostatos kann meinetwegen ein potentieller Tamino sein- ich habe eh Mitleid mit dem armen Schwein udn finde Sarastros Vorgehen unangemessen. Er sollte ihm leber, so wie dem Papageno, eine Monostata besorgen, dann wird das schon wieder. :cool
Ab dem spâten Verdi, im Verismo und insbesondere im grossen deutschen Fach (Strauss, Wagner) isses mir egal wie die singen, ich mag sie eh nicht hören...... :D
Nein, das ist schamlos übertrieben: ein wirklich schônstimmig besetzter Tristan würde mcih evtl noch zum Fan machen! :engel
Wenn ich es mir so recht überlege: je mehr ich die Musik liebe desto wichtiger ist mir, dass mir das Timbre der Sänger gefällt oder zumindest das, was sie mit ihrer Stimme machen. Beverly Sills Timbre mag ich z.B. nciht sonderlich, aber was sie damit gemacht hat, war shcon oft grandios. Dasselbe gilt für Gruberova, die einfach ein Phänomen ist. Allerdings fidne ich auch , dass sie sich mit den dramatisch gefärbten Rollen übernimmt und dann einfach nicht mehr schön sondern nur noch virtuos singt. Mir hat sie als Anna Bolena jedenfalls überhaupt nciht gefallen, da war Netrebko weitaus besser geeignet.
Aber all das ist ein so weites feld, das ich hier shcon vom Hölzechen aufs Stöckchen komme und dann lieber aufhöre.... :ignore

F.Q.
Billy Budd (27.01.2012, 22:11):
Ich werde mich demnächst hier zu Wort melden, da ich meine Gedanken erst ein wenig ordnen muss, denn das Thema ist zwar interessant, aber nicht leicht zu beantworten.

Dennoch verwundet mich folgender Satz in Fairys Posting doch ein wenig:

Original von Fairy Queen
Monostatos kann meinetwegen ein potentieller Tamino sein- ich habe eh Mitleid mit dem armen Schwein udn finde Sarastros Vorgehen unangemessen. Er sollte ihm leber, so wie dem Papageno, eine Monostata besorgen, dann wird das schon wieder. :cool

Ich sehe das nämlich ganz anders, möchte aber nicht hier darauf eingehen, sondern in diesem Thread.

Billy :hello
Schweizer (27.01.2012, 22:34):
Hallo Severina,
ganz richtig: Villazon's Alfredo in Zürich war penibel, allerdings habe ich auch mal von Kaufmann einen relativ unbeteiligt-lustlosen Geliebten Violettas bei uns hören müssen!
Vielleicht hatte ich ja in der Vorstellung vom 7.Juli 2011 schlicht Pech und Villazon zog "einen mageren Abend" ein? Ich wünsch Dir einen tollen "Ballo" und auf dass der "Re pastore" Dir auch gefallen möge obwohl die Regie in ihrer konservativen Ponelle-Abkupferung wohl nicht nach Deinem Gusto sein wird.
Habe mir den Ausschnitt von Villazon's Baden-Badener "il mio tesoro" angehört: die Tonqualität lässt wie schon richtigerweise erwähnt zu wünschen übrig, aber das Gehörte verdient nun meiner Meinung nach bestimmt nicht das Prädikat toll. Da wurde wieder für das Billett eine Stange Geld auf den Tisch geblättert und aus diesem Grund musste der Star ja einfach gut sein, mich überzeugt er schon wieder nicht.
Gruss vom Schweizer