Mozart - Opern in Referenzaufnahmen

Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 10:55):
Guten Tag zusammen.


W. A. Mozart und seine Opern ! Ein unerschöpfliches Thema !
Hier soll es einzig um Tonträger - Aufnahmen gehen, die bis in unser Jahrhundert, und vielleicht darüber hinaus für hunderttausende Musikliebhaberin aller Welt das Optimum beeinhalten, was die daran beteiligten Interpreten geleistet haben.


Es geht um sogenannte unsterbliche Gesamtaufnahmen. Oder eben um Referenzeinspielungen derselben.


Seit Mitte der dreissiger Jahre wurden einzelne Opern Mozarts aufgenommen. Fritz Busch in Glyndebourne schuf Modellinszenierungen. Und liess zwei davon auf Platten aufzeichnen. " Cosi fan tutte " und Figaro" schrieben Schallplattengeschichte. Bis heute.

Oder der grosse Sir Thomas Beecham. Er nahm mit bedeutenden Künstlern in Berlin die " Zauberflöte "auf. Auch heute noch ein Dauerbrenner.

Anfang der 50 er Jahre kam H. von Karajan nach Wien. Dort entstanden zweifellos seine besten Einspielungen der Mozart Opern, die er je gemacht hatte. Mit den besten Kräften des damaligen Ensembles der Staatsoper und E. Schwarzkopf. " Zauberflöte " Cosi " und " Figaro ". Leider kein " Giovanni ". Weshalb, das wusste nur er.


Interessanterweise hat die " Entführung " keine so lange Schallplattengeschichte. Erst Beecham erstellte 1956 eine Gesamtaufnahme, noch in Mono. Mit dem unvergleichlichen Gottlob Frick und dem Kanadier Leopold Simoneau. Die Frauenrollen weniger spektakulär.


Mit Rudolf Moralt erstellte die PHILIPS eine Serie mit dem Staatsopernensemble aus Wien. Grosse Namen finden sich hier. George London !


Erich Kleiber und Joseph Krips schufen auf das Mozart - Jahr 1956 zwei legendäre Schallplattenaufnahmen des " Figaro " und des " Don Giovanni.
Beide Aufnahmen sind nun schon seit 50 Jahren im DECCA - Katalog.

Unvergängliche Meisterleistungen von den daran Beteiligten !


Ferenc Fricsay bei DGG , ein besessener Präzisionsfanatiker nahm einige der grossen Opern auf. Mit seinen bevorzugten Sängern, die in vielen seiner Produktionen eingesetzt wurden.


Von den frühen 60er Jahren bis heute werden immer wieder die unsterblichen Meisterwerke seiner Opern aufgenommen und weltweit verkauft. Immer mehr auch seine weniger populären wie " La Clemenza di Tito " Lucio Silla " oder " Idomeneo ".


" La Finta Gardiniera " " Mitridate " werden öfters auf die Bühne gebracht. Und von allen seinen Bühnenwerken gibt es Gesamtaufnahmen in herausragender Qualität.

Ich brauche hier nicht zu sagen , dass ich diese seine Opern seit Jahrzehnten besitze und immer höre. Diese Musik ist wie das tägliche Brot. Sie kann nie verleiden. Wenigstens bei mir ist es so.


Die Liebhaber der Opern Mozarts möchte ich nun fragen :
Von den zahllosen Gesamtaufnahmen seiner Bühnenschöpfungen, welche würdet Ihr als herausragend in jeder Beziehung bezeichnen ?


Welch dürfen das Prädikat " DIE REFERENZ " schlechthin bekommen ?


Das würde die Mozartfreunde hier im Klassikforum sehr interessieren !


Danke fürs Mitmachen.

Gruss.

Rolf.
Mime (21.04.2006, 15:30):
Es gibt eine Gesamteinspielung (Life-Mitschnitt italienisch) des Don Giovanni mit H.v.Karajan aus der Wiener Staatsoper vom 22.Juni 1963 mit den Solisten
Eberhard Waechter-Don Giovanni
Walter Kreppel-Commendatore
Leontyne Price-Donna Anna
Fritz Wunderlich-Don Ottavio
Hilde Güden-Donna Elvira
Walter Berry-Leporello
Graziella Sciutti-Zerlina und
Rolando Panerai-Masetto.

Diese Aufnahme besticht durch die glänzende Verfassung des Titelhelden und seines Dieners sowie durch die dramatischen Akzente Anna-Ottavio,die einen echten Gegenpol zum Protagonisten darstellen.

Verona 27065/67 (3 CDs)

Um bei Don Giovanni zu bleiben:Die Salzburger Furtwängler-Aufnahme mit Cesare Siepi,Grümmer,Dermota (leider ohne Dalla sua Pace),Edelmann,Schwarzkopf,Berger,Berry ist ebenfalls ein Juwel dank Siepi.
Rolf Scheiwiller (21.04.2006, 16:15):
Original von Ganong
Lieber Rolf ,
die Interpretationen der Mozart-Opern sind eine tatsächlich faszinierende Geschichte .
Von meine drei Lieblingsopern halte ich folgend eAufnahmen für überragend .
Le Nozze di Figaro:
Carlo Maria Giulini ( EMI )
Erich Kleiber ( Universal )
Riccardo Muti , der in Sesto Bruscantini einen exzellenten Figaro hat ( EMI )

Don Giovanni :
Josef Krips (Decca )
Carlo Maria Giulini ( n i c h t die EMi-Aufnahme )
Erich Leinsdorf mit Siepi , Nilsson u.a ( Universal)

Die Zauberflöte
Otto Klemperer ( EMI ).

Die Aufnahmen mit Busch und Bruno Walter sind sicherlich herausragende Interpretationen . Sie "leiden" aber an ihren technischen Mängeln . Aber : ich möchte nicht auf sie verzichten .
Viele grüsse , Frank

@ Frank.
Ich bin fast mit deinen identisch.
Aber Giulini NICHT EMI ? Kenn ich nicht. Live ?
Leinsdorf prima !
Die andern die Klemperer eingespielt hat sind für mich genauso wertvoll wie seine Zauberflöte. Die Sängerleistungen sind hervorragend. Seine Tempi schätzte ich schon immer. Hätte er nur 10 Jahre länger gelebt. Was hätte er noch für Einspielungen geschaffen !

PS.
Aber was ist mit den andern grossen Opern Mozarts ?
Liebst Du die weniger ?

Gruss.
Rolf.
Telramund (21.04.2006, 21:36):
Original von Rolf Scheiwiller
Aber Giulini NICHT EMI ? Kenn ich nicht. Live ?


Hallo Rolf,

es gibt noch eine Live-Aufnahme von und mit Giulini:


U.a. singt auch noch Gundula Janowitz mit. Allerdings handelt es sich um eine Mono-Aufnahme
Rolf Scheiwiller (22.04.2006, 10:07):
Original von Telramund
Original von Rolf Scheiwiller
Aber Giulini NICHT EMI ? Kenn ich nicht. Live ?


Hallo Rolf,

es gibt noch eine Live-Aufnahme von und mit Giulini:


U.a. singt auch noch Gundula Janowitz mit. Allerdings handelt es sich um eine Mono-Aufnahme

Guten Morgen Telramund.
Ja mit unbekannten Sängerinnen ist es halt reine Platzverschwendung, wenn solche, wie eine uns allen unbekannte Gundula Janowitz auch noch auf dem Cover erwähnt werden müssten !

Gruss.
R.
Rolf Scheiwiller (22.04.2006, 14:54):
Wer kennt die " Cosi fan tutte " die Guido Cantelli in Mailand aufgenommen hat ? Ich sah mal 1989 eine CD - Ausgabe.
Seitdem nie mehr.

Gruss.

Rolf
nubar (22.04.2006, 21:24):
Lieber Rolf,

ich bin zwar kein Opernfreund, aber vielleicht kann ich dir ja weiterhelfen. Ich habe mal eine Dokumentation über Cantelli gesehen, in der diese Aufnahme als legendär bezeichnet wurde. Neben Cantellis Dirigat, insbesondere auch seine feinfühlige Beherrschung des Orchesters, wurde auch das Sänger-Ensemble gelobt. Eher unbekannte, aber sehr gute Sänger, nur ein Name stach heraus: Elisabeth Schwarzkopf. Es soll eine hervorragende Darbietung von ihr gewesen sein. Ich bin aber zu inkompetent, als dass ich die damals gezeigten Ausschnitte aus Live-Aufführungen gut bewerten hätte können.

MfG :hello
nubar
Rachmaninov (27.04.2006, 19:24):
Hallo Opernfreund,

hoffe es ist mir erlaubt auch als "greenhorn" hier auf eine Aufnahme hinzuweisen die mir "referenzverdächtig" erscheint, obwohl ich wahrscheinlich eine derartige Aussage wohl kaum im Bereich Opern treffen kann / sollte:

Für mich gehört jedenfalls in die Riege der Referenzaufnahmen von Mazart Opern jene von Arnold Östman mit Streit - Booney - Jo - Cachmaille - Sigmundsson.



Und ja, ich besitze sie in der schönen L'oseau - Lyre Ausgabe :D
Rolf Scheiwiller (28.04.2006, 11:24):
Original von Rachmaninov
Hallo Opernfreund,

hoffe es ist mir erlaubt auch als "greenhorn" hier auf eine Aufnahme hinzuweisen die mir "referenzverdächtig" erscheint, obwohl ich wahrscheinlich eine derartige Aussage wohl kaum im Bereich Opern treffen kann / sollte:

Für mich gehört jedenfalls in die Riege der Referenzaufnahmen von Mazart Opern jene von Arnold Östman mit Streit - Booney - Jo - Cachmaille - Sigmundsson.



Und ja, ich besitze sie in der schönen L'oseau - Lyre Ausgabe :D

Guten Tag Rachmaninov.

Diese Geamtaufnahme aus Drottnigholm ist tatsächlich eine der hervorragendsten Einspielungen, im Digitalzeitalter. Auch ich hab die Originalausgabe seit Erscheinen.

Diese Einspielung ist die Beste der Mozartopern, die Oestman realisierte.


Erstklassige Sängerleistungen, perfekt gesprochene Dialoge.


Und die " Zauberflöte " ohne Dialoge bleibt eine halbherzige Sache. Ohne Leben !

P. Wadland , der dafür verantwortlich war, wie in den allermeisten Produktionen dieses Sublabels, ist leider jung gestorben.

Das Label gibt es nicht mehr, wie Du sicher weisst.

Gruss.

R.
Rachmaninov (28.04.2006, 12:21):
Original von Rolf Scheiwiller

Das Label gibt es nicht mehr, wie Du sicher weisst.


@Rolf,

ja, dieses "Sonderlabel" gehörte ja immer zur Decca aber es wird in dieser Form leider nicht mehr aufgelegt! :I
Karsten (09.05.2006, 20:18):
Original von Rachmaninov






Wie auch alle anderen Drottningholmer Moarztopernaufnahmen mit Arnold Östman, der inzwischen verstorben sein dürfte (?), von ausnehmend hoher musikalischer Qualität sind.
Mime (21.04.2006, 15:30):
Es gibt eine Gesamteinspielung (Life-Mitschnitt italienisch) des Don Giovanni mit H.v.Karajan aus der Wiener Staatsoper vom 22.Juni 1963 mit den Solisten
Eberhard Waechter-Don Giovanni
Walter Kreppel-Commendatore
Leontyne Price-Donna Anna
Fritz Wunderlich-Don Ottavio
Hilde Güden-Donna Elvira
Walter Berry-Leporello
Graziella Sciutti-Zerlina und
Rolando Panerai-Masetto.

Diese Aufnahme besticht durch die glänzende Verfassung des Titelhelden und seines Dieners sowie durch die dramatischen Akzente Anna-Ottavio,die einen echten Gegenpol zum Protagonisten darstellen.

Verona 27065/67 (3 CDs)

Um bei Don Giovanni zu bleiben:Die Salzburger Furtwängler-Aufnahme mit Cesare Siepi,Grümmer,Dermota (leider ohne Dalla sua Pace),Edelmann,Schwarzkopf,Berger,Berry ist ebenfalls ein Juwel dank Siepi.
Rolf Scheiwiller (21.04.2006, 15:48):
Original von Mime
Es gibt eine Gesamteinspielung (Life-Mitschnitt italienisch) des Don Giovanni mit H.v.Karajan aus der Wiener Staatsoper vom 22.Juni 1963 mit den Solisten
Eberhard Waechter-Don Giovanni
Walter Kreppel-Commendatore
Leontyne Price-Donna Anna
Fritz Wunderlich-Don Ottavio
Hilde Güden-Donna Elvira
Walter Berry-Leporello
Graziella Sciutti-Zerlina und
Rolando Panerai-Masetto.

Diese Aufnahme besticht durch die glänzende Verfassung des Titelhelden und seines Dieners sowie durch die dramatischen Akzente Anna-Ottavio,die einen echten Gegenpol zum Protagonisten darstellen.

Verona 27065/67 (3 CDs)

Um bei Don Giovanni zu bleiben:Die Salzburger Furtwängler-Aufnahme mit Cesare Siepi,Grümmer,Dermota (leider ohne Dalla sua Pace),Edelmann,Schwarzkopf,Berger,Berry ist ebenfalls ein Juwel dank Siepi.

@ Mime.
Merci für die Erwähnung des Furtwängler " Giovannis ". Den hatte ich vergessen. Obwohl ich ihn auch besitze. Die einzige Furtwängler überhaupt.
Schade, dass es in diesem Film keine einzige Nahaufnahme gibt.
Publikum war auch nicht da. Du weisst sicher, dass die Filmaufnahmen nachts durchgeführt wurden.
Aber Dalla sua pace gibt es von Dermota bei Krips. DECCA.

Gruss.
R.
Ganong (21.04.2006, 15:55):
Lieber Rolf ,
die Interpretationen der Mozart-Opern sind eine tatsächlich faszinierende Geschichte .
Von meine drei Lieblingsopern halte ich folgend eAufnahmen für überragend .
Le Nozze di Figaro:
Carlo Maria Giulini ( EMI )
Erich Kleiber ( Universal )
Riccardo Muti , der in Sesto Bruscantini einen exzellenten Figaro hat ( EMI )

Don Giovanni :
Josef Krips (Decca )
Carlo Maria Giulini ( n i c h t die EMi-Aufnahme )
Erich Leinsdorf mit Siepi , Nilsson u.a ( Universal)

Die Zauberflöte
Otto Klemperer ( EMI ).

Die Aufnahmen mit Busch und Bruno Walter sind sicherlich herausragende Interpretationen . Sie "leiden" aber an ihren technischen Mängeln . Aber : ich möchte nicht auf sie verzichten .
Viele grüsse , Frank
Mime (21.04.2006, 18:54):
Neben der erwähnten Klemperer-Zauberflöte möchte ich die 1963er von Böhm nicht missen.Trotz des gewöhnungsbedürftigen Papagenos von Herrn Fischer-Dieskau.Aber wegen Franz Crass(Sarastro) und in erster Linie wegen dem überragenden Fritz Wunderlich als Prinz.
:engel
Ganong (22.04.2006, 17:11):
...und einer überragenden Senna Jurinac . Die Aufnahme enstand 1970 und ist ein echter Live-Mitschnitt .
Ich werd eden "Giovanni" hier besprechen . Diese Aufnahm eist herrlich .
Grüsse , Frank
Ganong (22.04.2006, 17:14):
Lieber Rolf ,
ich liebe sie nicht weniger . Aber ich habe mich nie wirklich intensiv mit ihnne auseinandergesetzt . Die letzt egrosse INszenierung , die ich kenne war die des Nozze di Figaro in Zürich c.a 1994 mit Harnoncourt . Das war wirklich toll gemacht . Alles stimmte . Meines Wissens gint es die Aufnahme nleider nicht als Mitschnitt - oder ?
Viele Grüsse , Frank
Rolf Scheiwiller (23.04.2006, 10:16):
Original von nubar
Lieber Rolf,

ich bin zwar kein Opernfreund, aber vielleicht kann ich dir ja weiterhelfen. Ich habe mal eine Dokumentation über Cantelli gesehen, in der diese Aufnahme als legendär bezeichnet wurde. Neben Cantellis Dirigat, insbesondere auch seine feinfühlige Beherrschung des Orchesters, wurde auch das Sänger-Ensemble gelobt. Eher unbekannte, aber sehr gute Sänger, nur ein Name stach heraus: Elisabeth Schwarzkopf. Es soll eine hervorragende Darbietung von ihr gewesen sein. Ich bin aber zu inkompetent, als dass ich die damals gezeigten Ausschnitte aus Live-Aufführungen gut bewerten hätte können.

MfG :hello
nubar

@ nubar

Vielen Dank für Deine interessanten Anmerkungen.

Irgendwann, wenn mehr Opernfreaks dazukommen, werd ich vielleicht noch mehr erfahren.

Tschau.

R.
Rachmaninov (27.04.2006, 19:24):
Hallo Opernfreund,

hoffe es ist mir erlaubt auch als "greenhorn" hier auf eine Aufnahme hinzuweisen die mir "referenzverdächtig" erscheint, obwohl ich wahrscheinlich eine derartige Aussage wohl kaum im Bereich Opern treffen kann / sollte:

Für mich gehört jedenfalls in die Riege der Referenzaufnahmen von Mazart Opern jene von Arnold Östman mit Streit - Booney - Jo - Cachmaille - Sigmundsson.



Und ja, ich besitze sie in der schönen L'oseau - Lyre Ausgabe :D
Rolf Scheiwiller (28.04.2006, 11:24):
Original von Rachmaninov
Hallo Opernfreund,

hoffe es ist mir erlaubt auch als "greenhorn" hier auf eine Aufnahme hinzuweisen die mir "referenzverdächtig" erscheint, obwohl ich wahrscheinlich eine derartige Aussage wohl kaum im Bereich Opern treffen kann / sollte:

Für mich gehört jedenfalls in die Riege der Referenzaufnahmen von Mazart Opern jene von Arnold Östman mit Streit - Booney - Jo - Cachmaille - Sigmundsson.



Und ja, ich besitze sie in der schönen L'oseau - Lyre Ausgabe :D

Guten Tag Rachmaninov.

Diese Geamtaufnahme aus Drottnigholm ist tatsächlich eine der hervorragendsten Einspielungen, im Digitalzeitalter. Auch ich hab die Originalausgabe seit Erscheinen.

Diese Einspielung ist die Beste der Mozartopern, die Oestman realisierte.


Erstklassige Sängerleistungen, perfekt gesprochene Dialoge.


Und die " Zauberflöte " ohne Dialoge bleibt eine halbherzige Sache. Ohne Leben !

P. Wadland , der dafür verantwortlich war, wie in den allermeisten Produktionen dieses Sublabels, ist leider jung gestorben.

Das Label gibt es nicht mehr, wie Du sicher weisst.

Gruss.

R.
Rachmaninov (28.04.2006, 12:21):
Original von Rolf Scheiwiller

Das Label gibt es nicht mehr, wie Du sicher weisst.


@Rolf,

ja, dieses "Sonderlabel" gehörte ja immer zur Decca aber es wird in dieser Form leider nicht mehr aufgelegt! :I
Karsten (09.05.2006, 20:18):
Original von Rachmaninov






Wie auch alle anderen Drottningholmer Moarztopernaufnahmen mit Arnold Östman, der inzwischen verstorben sein dürfte (?), von ausnehmend hoher musikalischer Qualität sind.
ar (19.08.2012, 11:53):
Meine Referenzliste sieht wohl ein bisschen gewöhnungsbedürftig aus:

Le Nozze di Figaro: Hier kann ich mich unmöglich entscheiden.

Harnoncourt (sowohl Zürich, mit dem Concergebouw oder Salzburg) hat wie immer einige geniale Sänger.
In Zürich Eva Mei als Gräfin, mit dem Concertgebouw Hampson als Graf, Moll als Bartolo und in Salzburg immerhin Schäfer als Cherubino, Netrebko als Susanna (ich habe lieber lyrische Susannas, wie die Netrebko), Röschmann als Gräfin und D'Arcangelo als Figaro.

Jacobs wartet dafür mit Keenlyside als Graf, Gens als Gräfin, Regazzo als Figaro und Kirchschlager als Cherubino auf.

Don Giovanni:

Harnoncourt unter anderem wegen C.Bartoli als Elvira und R.Gilfry als Don Giovanni.

Jacobs dank einer gegen den Strich gebürsteten Besetzung: J.Weisser als junger Don Giovanni, mehr Cherubino als dämonischer Verführer, trifft jedenfalls meinen Nerv mit einer jungen, lyrischen Stimme besser, als ein alter, sexy Bass (btw: der Giovanni der UA war ein Mitzwanziger). Die CD überzeugt mich mehr, als die mit fast identischer Besetzung aufgenommene DVD.

Und dann wäre noch Giulini, der immerhin mit Taddei, Wächter und Schwarzkopf (die einzige Aufnahme, in welcher mir die Schwarzkopf gefällt) eine tolle Besetzung bietet und obwohl er wohl kein HIP-Dirigent war, nicht zu sehr die romantische Seite des Stückes betont.

Così fan tutte:

Ohne Konkurenz, hat hier Jacobs die Referenzaufnahme geliefert. Das Orchester und er spielen ziemlich emotional und zum Teil auch ironisch kommentierend auf. Dazu kommen Sänger, welche allesamt ziemlich top sind (herausragend: Gens als Fiordiligi und Oddone als Despina).

Hier gefällt mir auch Welser-Möst, weil er eben auch kein HIP-Dirigent ist, trotzdem seinen Mozart nicht mit überzuckertem, fettem, schrecklichem Streicherklang zudeckt und zum Beispiel in Dorabellas ersten Arien auch Dissonanzen hervorhebt.

Die Zauberflöte:

Harnoncourt aus Zürich. Tolle Inszenierung, tolles Dirigat, ausser Strehl als Tamino und Schasching als Monostatos tolle Sänger (Kleiter, Mosuc und Drole :down).

Mitridate:

Minkowski aus Salzburg. Abartig gute Sänger: Croft als Mitridate, Persson als Sifare und Mehta als Farnace (ihm gebührt die Krone als Darsteller). Tolles und packendes Dirigat, einzig Ivor Bolton in München auf gleichem Niveau.

Idomeneo:

Again Jacobs. Croft als Idomeneo, Im als Ilia, Pendatchanska als Elettra (nur ein Wort: wow!), das Freiburger Barockorchester... Was will man da mehr?

Tito:

Harnoncourt aus Salzburg. Weil er die Wiener Philharmoniker zu Höchstleistungen antreibt. Spezielle Besetzung: Kasarova bereits mit einigen Manierismen, hier aber noch im erträglichen Rahmen (heisst: Mein Referenz-Sesto), Röschmann irgendwo zwischen leichter Überforderung in den Tiefen und genialer Darstellung, Pisaroni ist eine Übersetzung als Publio, Bonney als Servillia, Garanca als Annio (!) und ein indisponierter Schade als Tito, was man ihm nicht anmerkt (anscheinend haben im Jahr der Aufnahme die anderen Abende Kaufmann und Streit gesungen).

Jacobs: Pendatchanska als Vitellia. Das reicht schon.

Gardiner: Varady als Vitellia und vonOtter als Sesto. Auch das reicht völlig aus.

Liebe Grüsse
ar
ar (19.08.2012, 11:59):
Noch eine kurze und sehr subjektive Anti-Referenz:

Furtwänglers Don Giovanni (ich kann nicht verstehen, wie man anderenorts diese Aufnahme so feiern kann und gleichzeitig das "böse" Regietheater ausrotten möchte. Was Furtwängler macht steht leider auch nirgends in der Partitur oder im Libretto).

Levines Tito. Für mich ein an Spannung armes und langweiliges Dirigat. Dafür Top Regie (Ponnelle) und tolle Sänger (Troyanos als Sesto).
:hello
stiffelio (19.08.2012, 15:12):
Hallo ar,

ich muss gestehen, dass ich mir Furtwänglers Commendatore-Szene auch kaum anhören kann ohne ein kribbelndes Gefühl im ganzen Körper zu bekommen - als ob man einen Film eines Wimbledon-Finales in Zeitlupe ablaufen lässt :wink.

VG, stiffelio
ar (19.08.2012, 16:28):
Und dabei nicht mit Tennis-, sondern mit Basketbällen spielt...
Karolus Minus (19.08.2012, 16:37):
Original von stiffelio
Hallo ar,

ich muss gestehen, dass ich mir Furtwänglers Commendatore-Szene auch kaum anhören kann ohne ein kribbelndes Gefühl im ganzen Körper zu bekommen - als ob man einen Film eines Wimbledon-Finales in Zeitlupe ablaufen lässt :wink.

VG, stiffelio

1953 haben sie noch mit Holzschlägern gespielt und weicherer Bespannung, da ging auch Wimbledon langsamer :wink
ar (27.09.2012, 20:54):
La Finta Giardiniera

Harnoncourt:
Die DVD mit Harnoncourt besticht durch die (IMO) gute Inszenierung Tobias Morettis. Harnoncourts Dirigat ist typischer „Spät-Harnoncourt“. Mutwillige Temporückungen, eher von der langsamen Seite kommend, sowohl auf Schönklang als auch auf „kratzige“ Streicher achtend. Ich mag’s. Was ich nicht mag, sind die vielen Striche. Die Sänger sind grösstenteils sehr gut: Eva Mei als Sandrina und Kleiter als Serpetta sind erstklassig. Bermudez (Nardo), Nikiteanu (Ramiro), Rey (Arminda) und Strehl (Belfiore) sind gut. Schlecht ist wieder einmal mehr Rudolf Schasching. NUR Sprechgesang gehört sich IMO bei Mozart nicht.

Ivor Bolton:
und Doris Dörrie haben nicht für meine Lieblingsproduktion, aber eine gute gesorgt. Dies istteils den Sängern geschuldet, teils aber auch der Inszenierung, die manchmal einfach nur toll ist und manchmal nervt sie mich nur (zum Beispiel Podestas Vergewaltigungsversuch geht meines Erachtens nicht wirklich auf). Toll finde ich die "Little Shop of Horrors"-Anleihen. Alexandra Reinprecht ist jetzt wirklich nicht meine Lieblings-Sandrina, macht ihre Sache aber gut. Für mich klingt sie ein bisschen spröde. John Graham-Hall ist jetzt auch nicht wirklich DER Mozarttenor, im Vergleich zu Schasching singt er aber und zwar meistens auch auf Linie. Dazu verkörpert er den Podesta sehr gut, nicht zu klischeehaft. Ruxandra Donose singt de Ramiro sehr gut (sie darfihn als „Darkboy“ spielen, mit einem schönen Emotouch). Adriana Kucerová sehr gut als Serpetta. Markus Werba als Nardo ebenfalls sehr gut (ich glaube, dass die Stimme perfekt zu den frühen Mozartbaritonen passt. Die liegen alle nämlich in der Tessitur ein bisschen höher). John Mark Ainsley ist wie Reinprecht nicht „my cup of tea“. Mir liegen diese eher weissen britischen Tenöre nicht so (Bostridge, Padmore, Ainsley). Ebenfalls nicht objektiv bin ich bei Veronque Gens. Ich mag die einfach (auch wenn ich die Tricks (nananana-Texte in schnellen Höhen) natürlich auch höre, mit welchen sie ihre begrenzte Höhe zu kaschieren versucht. Aber niemand sonst lässt der Arminda diese verletzliche Seite bei „Vorrei punirti indegno“ (alle anderen Sängerinnen werden dort zu Furien).

Hier ein Ausschnitt mit Reinprecht und Werba (der zum Beispiel am Ende seiner Arie eine zum Singen nervige, chromatische Linie bis ins e' hat):
http://www.youtube.com/watch?v=TfR0jXa5KdU&feature=relmfu

Und meine Favoriten sind:

Östman (gute, ausgeglichene Sängerschar aus der Richard Croft herausragt) und einmal mehr

Jacobs:
Er spielt die Prager Fassung, bei welcher man nicht weiss, wer dafür verantwortlich ist. Diese überzeugt mit anderen Bläserstimmen und raffinierteren Kontrapunkten in den Streicherstimmen (also typisch „Spät-Mozart“). Die vielen Striche öffnet er und musste dafür die neuen Instrumentierungen dort auch hinzufügen.
Die Sänger wirklich ALLE toll. Sunhae Im, Sophie Karthäuser, Alexandrina Pendatchanska (die sich seit neuem Alex Penda nennt), Jeremy Ovenden, Marie-Claude Chappuis und Nicolas Rivenq (in der Tenorpartie des Podesta) sind allesamt toll (man muss aber bei Mozart „leichte“ Stimmen mögen, um auch so zu empfinden), aber überragt werden sie meines Erachtens von Michael Nagy als Nardo/Roberto. Mit welcher Leichtigkeit er Verzierungen einfügt und wie leicht ihm die höhen gelingen, das soll ihm erst einmal einer nachmachen!
Das Jacobs und das Freiburger Barockorchester sowieso schon eine Nummer für sich sind, muss ich ja nicht erwähnen.
ar (20.01.2013, 20:04):
In den letzten beiden Wochen habe ich mir sehr viele der neueren Zauberflöten auf dem Markt angehört.

Muti, Salzburg:
Ich mag die Inszenierung. Aber noch mehr die Sänger: Frau Kühmeier ist in dieser Rolle nicht zu toppen (das geht nicht besser, jedenfalls nicht wen man die Pamina so anlegt wie sie es tut). Pape ist sehr gut als Sarastro (manchmal drückt er mir hier ein bisschen zu sehr, nur um eine Phrase später wieder wunderbar zu singen). Paul Groves überzeugt als Tamino, die Damen sind gut, die Knäblein auch, sogar der Monostatos singt einmal. Aber am besten sind Diana Damrau als Königin (welche die Partie krank sang) und Christian Gerhaher als Papageno. Der liefert jedenfalls keinen Dödelpapageno, sondern ein ehrliches und tiefgründiges Rollenportrait, so wie ich es mag. Dass er das beinahe fehlerfrei singt, muss man nicht erwähnen. @ Billy: Grudnheber macht hier einen guten Sprecher!

Welser-Möst, Zürich:
Hier überzeugen vorallem der Papageno von Scharinger, die guten Damen, die Hartelius als Pamina und die Mosuc als Königin. Mit Beczala kann ich im Mozartfach nichts anfangen (was aber ganz alleine mein Problem ist, nicht das seine).

Ivan Fischer, Paris:
Rancatore als Königin, schon wieder Beczala, Salminen wie immer auf gutem Niveau. Aber hier sticht besonders Röschmann als Pamina hervor. Das ist zusammen mit Kühmeier und Kleiter nicht zu toppen. Ebenfalls sehr gut: Roth als Papageno. Wie Gerhaher singt er die Partie sehr gut.

Sir Colin Davis, London:
Hartmann ist so gar nicht mein Fall, das ist auch nicht wirklich gut gesungen(extrem angestrengt in der Höhe). Wieder die Röschmann als Pamina, hier ein bisschen bemühter. Die Damrau ist hier völlig gesund (wirkt jedenfalls so) und ist einfach nur unschlagbar! Spitzenklasse (auch sehr gut gespielt). Wie sie die einzelnen Koloraturen ihrer ersten Arie variiert, um verschiedene Ausdrücke zu bekommen. Wow! Ebenfalls super: Keenlyside als Papageno, auch er wieder völlig entfernt vom Klischee-Papageno.
stiffelio (25.01.2013, 21:54):
Hallo ar,

das ist lustig, da haben wir uns überschnitten: ich habe in den letzten 2-3 Wochen auch alles an Zauberflöte konsumiert, was ich greifen konnte. Und das, obwohl ich kurz vorher noch dachte, diese Oper für dieses Leben genug gehört zu haben.

Deine vier Versionen waren auch dabei, wobei mich erst dein Beitrag auf die von Welser-Möst aufmerksam gemacht hat - danke dafür! Ich teile dein Lob für den Papageno von Scharinger, obwohl er es an manchen Punkten mit der Darstellung ja fast übertreibt. Aber dennoch, eine sehr schöne Stimme, für den Papageno ungewohnt tief timbriert, was einen besonderen Reiz hatte. Die Inszenierung war auch überdurchschnittlich interessant und gut gemacht.

Ebenfalls Zustimmung, dass Gerhaher und noch mehr Keenlyside einen ganz anderen Papageno darstellen. Beide sehr gut gemacht - ich frage mich nur, ob diese Rolle wirklich so tiefsinnig gemeint war (was kein Plädoyer für reine Blödel-Papagenos sein soll).

Frau Damrau soll in Salzburg krank gewesen sein?? Unglaublich, ihre Spitzentöne, aber auch die gesamte Rolle kommen mit einer Power und Schärfe bei mir an, dass ich mich sekundenweise nach Oropax gesehnt habe. Beeindruckend, aber fast schon zuviel für mich.

Ansonsten waren u.a. noch Solti, Salzburg (1991), Levine, MET (1991 mit Araiza), Sawallisch, München (1983, wieder mit Araiza) und meine gute alte Ponnelle-Aufführung unter Levine, Salzburg (1982) mit dabei. Und natürlich der Zauberflöten-Film von Ken Branagh, der das Ganze angestoßen hat.
Bist du etwa auch durch Rideamus letztes Rätsel wieder auf die Zauberflöte aufmerksam geworden?

VG, stiffelio