Mozart: Dissonanzen-Quartett

satie (16.06.2006, 21:40):
Mozart:
KV 465
Streichquartett (Nr. 19) C-Dur, "Dissonanzen-Quartett"

Meine Lieben,
dieses wohl berühmteste der Mozart'schen Haydn-Quartette wurde bisher nicht besprochen, daher will ich hier mal einen Einstieg versuchen. Gehört haben es sicherlich viele schon einmal, und wer es zum ersten Mal hört, der wird auch heute noch einen ziemlichen Schrecken kriegen, wenn die erste Violine einsetzt. Diesen Einsatz fanden denn auch die Zeitgenossen sehr verwegen und nannten Mozart deswegen auch einen Dissonanzenjäger. Es geschieht dort auch tatsächlich etwas, was eigentlich nicht wirklich stubenrein ist: Das Cello beginnt mit Achteln auf dem tiefen c, die Bratsche spielt ein As dazu, die zweite Violine ein Es. Und darüber setzt die erste Violine mit einem A ein, während die Bratsche ins G hinunter geht. Für jene, die von Harmonik und Stimmführung nichts wissen, weil sie es auch nicht brauchen: das ist ein sogenannter Querstand. Eigentlich muss die Auflösung eines Tons in derselben Stimme erfolgen, also müsste das As ins A gehen, in der Bratsche. Daher klingt die Violine sehr seltsam, ja geradezu falsch im ersten Moment. Dann gibt es einige weitere verwegene Sachen, einige Vorhalte etc., die die Harmonik nicht so einfach nachvollziehen lassen und daher dissonant klingen. Das alles geschieht in der Introduction des Quartetts, die sehr langsam ist, in c-moll. Daher hat das Quartett seinen Namen erhalten.
Diese Einleitung ist etwas musiktheoretisch hochinteressantes, und man könnte darüber endlos reden. Wichtig ist, dass der Charakter dieses Anfangs anders ist als das, was danach kommt. Mozart benutzt als Gerüst einen relativ einfachen Topos, einen Lamentobass (chromatisch absteigender Bass bis zur Quinte, sehr traurig) und zwar so wie es meistens vorkommt, als Fauxbourdon-Satz (Sextakkord-Kette). Alles was dissonant klingt, sind Erweiterungen durch Vorhalte und zwischengeschaltete Akkorde.
Wenn man es hört ist es so, als wüsste man nicht genau, wohin sich das bewegt. Wenn man auf den Bass hört, kann man aber die logische Entwicklung wahrnehmen.
Soviel zur Theorie dieser tollen Einleitung. In den Haydn-Quartetten zollte Mozart dem großen Vorbild Haydn Tribut. Dementsprechend lange hatte er daran gearbeitet, wenn ich mich recht erinnere zwei Jahre (für Mozart elend lang).
Ich finde dieses Werk grandios. Nun die Frage: wem gefällt es auch? Welche schönen Aufnahmen gibt es? Wer hat weitere Infos zum Werk?

Herzlichst
Satie
ab (16.06.2006, 23:13):
Zusammen mit dem d-moll (KV421) und dem D-dur (KV575) Quartett gefällt mir das Dissonazenquartett - von Amateurmusikern wegen der Melodie des Andante cantabile gerne auch als "Karolinen-Quartett" bezeichnet - von Mozarts Quartett-Werk am besten.

Ich freue mich zu hören, dass es heute noch tatsächlich Menschen gibt, die "einen ziemlichen Schrecken kriegen, wenn die erste Violine einsetzt"! Ich selbst habe mir die Epoche der Klassik erst von der modernen und avantgardistischen Musik herkommend erschlossen und daher ist mir ein solches Erlebnis stets verschlossen geblieben und ist mir wohl für immer verbaut.

Auch fasziniert es mich, wenn Musiker oder Musikliebhaber einen so großen Genuss daraus ziehen können, aus dem Erfassen harmonischer Strukturen, seien sie geradezu ideal oder womöglich nicht ganz "stubenrein" komponiert, einen solchen Genuss verspüren können. Mir scheint für solchen Genuss der Sinn zu fehlen, leider...
(Mich selbst interessieren - sowohl praktisch als insbesondere auch theoretisch - die dazu komplementären Ausdrucksgehalte persönlich viel mehr - wofür mir nicht nur von Formalisten und Musikwissenschftlern Empörung entgegenschlägt. Aber genauso wie es unerwartete harmonische Wendungen gibt, können (davon unabhängig) auch unerwartete Ausdrucksänderungen auftreten. Ich verstehe einfach nicht (und habe bislnag statt eines Arguments dafür bloß Beteuerungen gehört), weshalb nur die ersteren von Interesse sein sollten.)

Was Aufnahmen betrifft, so kann ich nur wiederum eine Lanze für das Hagen Quartett brechen:


und auf meinen Beitrag über das Hagen Quartett verweisen.

Gerade das Dissonanzen Quartett kann aber auch zum Schmalzen verleiten. Sehr gut hat mir daher auch immer das Amadeus Quartet gefallen, dass in seiner kernig-geradlienigen und zupackenden Art dieser Verlockung zu widerstehen versteht.
Carola (17.06.2006, 17:47):
Maarten´t Hart schreibt in "Mozart und ich" über KV 465: "Die langsame Einleitung des Dissonanzen-Quartetts - man traut seinen Ohren nicht. Alles, was danach kommt, verblaßt angesichts dieses unglaublichen Anfangs".

Das ist - typisch Hart - stark übertrieben. Trotzdem, diese Klänge sind schon sehr ungewöhnlich. Ich jedenfalls habe ebenfalls meinen Ohren nicht getraut, als ich diese Takte zum ersten Mal gehört habe. Weniger, weil sie grundsätzlich so fremd klangen, als vielmehr, weil sie nicht meiner Hörerwartung "Mozart" entsprachen.

Ich höre dieses Streichquartett sehr gerne, vor allem die ersten beiden Sätze. Es war für mich der Einstieg in das Genre Streichquartette überhaupt, das ich bis dahin eher gemieden hatte, weil mir das Klavier fehlte.

Zum ersten Mal gehört habe ich das Stück in dieser Einspielung mit dem Emerson String Quartett.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000012VQ.03.LZZZZZZZ.gif

Das prägt für´s Leben! Vor allem, was die Einleitung angeht. Die will ich am liebsten so und nicht anders hören!

Dann habe ich noch die in anderem Zusammenhang bereits mehrfach erwähnte EMI-Box Kammermusik mit dem Alban-Berg-Quartett; ; die Aufnahme von KV 465 ist von 1988.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000BWTKL.03.LZZZZZZZ.jpg


Mir gefällt deren Art das zu spielen, ebenfalls sehr gut.

Noch eine Bitte an Satie oder wen auch immer: Ich würde sehr gerne mal die Noten der Einleitungstakte sehen. Wie viele Takte sind das überhaupt? Vielleicht kann man das einscannen, im Netz habe ich es jedenfalls nicht gefunden.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (17.06.2006, 19:37):
Vielen Dank an Satie für die harmoniegelehrte Einführung! Wie ab empfinde auch ich leider keinen Schrecken mehr, wenn ich den Anfang des Dissonanzen-Quartetts höre. (Auch leider nicht mehr zu Beginn des ersten Klavierkonzerts von Brahms, in dem ein ganzes Orchester erst im 25. Takt zur angekündigten Tonart findet.)

Der Zufall wollte, daß ich ausgerechnet heute im Presse-Faden die Empfehlungen eines englischen Kritikers eingerückt habe, was Aufnahmen des Quartetts angeht. Meine Lieblinge sind ebenfalls das Quatuor Mosaiques (Naive) und die analogen Alban-Berg-Aufnahmen (Teldec). Das oftgelobte Quartetto Italiano (Philips) war mir vorhin beim Wiederhören gleich wegen der Aufnahme- oder Transfertechnik verleidet, die mir baßlastig schien, während der Ton der Geigen eher schrill und dünn war. Vielleicht ist es unfair die Quartetto-Italiano-Aufnahme schon deshalb abzuwerten, aber dies ist ein Beispiel dafür, wie das Handwerk leider in die Kunst hineinpfuschen kann. Eine ältere Aufnahme mit dem (sehr) britischen Griller Quartett (jetzt Dutton), die ich auch noch besitze, ist nur von historischem Interesse.

Gruß,

Zelenka
satie (17.06.2006, 22:13):
Ich habe leider zur Zeit keinen Scanner, daher habe ich auch mal im Netz geschaut. Eine richtige Partitur habe ich nicht gefunden, aber hier sieht man den Anfang schon ganz gut:

http://www.mutopiaproject.org/ftp/MozartWA/KV465/k465/k465-preview.png


Satie
Carola (17.06.2006, 22:37):
Klasse, vielen Dank!

Wenn das so weiter geht, gebe ich bald mehr Geld für Klaviernoten und Partituren aus als für neue Aufnahmen. Nimmt sehr viel Platz weg all das Papier, mehr als CD´s. Aber ist einfach toll, das mitzulesen.

Mit Gruß von Carola
nikolaus (18.06.2006, 12:40):
Da werde ich ja schon wieder ganz blaß vor Neid.
Also: ich muß unbedingt Noten lesen lernen, dazu noch Klavier, und eigentlich wollte ich noch Italienisch lernen und mein Französisch seit der Schulzeit mal wieder auffrischen - und dazu muß der Tag 48h haben :(
Alternative: ich gewinne im Lotto! :haha

Nikolaus. :hello
Carola (18.06.2006, 13:12):
Mensch Nikolaus! Wer ein Medizinstudium erfolgreich bewältigt, für den sind die paar Noten nun wirklich ein Klacks!!! Geh´s an!

sagt Carola :hello
nikolaus (18.06.2006, 14:13):
Wer ein Medizinstudium erfolgreich bewältigt, für den sind die paar Noten nun wirklich ein Klacks!!!

Äh, das kommentiere ich jetzt lieber nicht...! :ignore

Nikolaus. :wink
cellodil (10.12.2006, 15:42):
Auch, wenn ich - anders als bei Beethovens Großer Fuge - beim Dissonanzen-Quartett den Schock eher erahne, als wirklich empfinde, ist das Dissonanzen-Quartett doch eines der Stücke, das bei mir nicht nebenbei läuft, sondern eines, das ich lieber konzentriert und am allerliebsten im Konzert anhöre.

Wenn ich doch auf die Konserve zurückgreife, dann gehört die von ab erwähnte Aufnahme des Hagen-Quartetts auch zu meinen Lieblingseinspielungen. Die andere folgt der aber unmittelbar nach: die des Guarneri-Quartets...

Herzliche Grüße

Sabine
Sarastro (23.12.2007, 00:01):
Auch mir gefällt das Dissonanzenquartett mit seiner genialen Einleitung sehr gut, wenngleich der "Schrecken" bzw. "Schock" heutzutage von den meisten, wie Cellodil schrieb, ja tatsächlich mehr erahnt als wirklich gefühlt werden kann. Das Besondere ist hier eben nicht etwa eine schrille Dissonanz - wie sie die schroffen, schneidenden Sekundreibungen in der langsamen Einleitung der Es-Dur-Symphonie (KV 550) sowie im zweiten Satz der g-Moll-Symphonie nun tatsächlich darstellen! -, sondern der harmonisch höchst subtile Aufbau, den Satie hier so schön analysiert hat (freilich ist auch mein persönlicher Favorit in Mozarts Quartettschaffen, das nur vier Tage vorher komponierte bzw. fertiggestellte A-Dur Quartett KV 464, wenngleich auf andere Weise, äußerst subtil und anspruchsvoll).

Mit weihnachtlichen Wünschen,
Sarastro
satie (16.06.2006, 21:40):
Mozart:
KV 465
Streichquartett (Nr. 19) C-Dur, "Dissonanzen-Quartett"

Meine Lieben,
dieses wohl berühmteste der Mozart'schen Haydn-Quartette wurde bisher nicht besprochen, daher will ich hier mal einen Einstieg versuchen. Gehört haben es sicherlich viele schon einmal, und wer es zum ersten Mal hört, der wird auch heute noch einen ziemlichen Schrecken kriegen, wenn die erste Violine einsetzt. Diesen Einsatz fanden denn auch die Zeitgenossen sehr verwegen und nannten Mozart deswegen auch einen Dissonanzenjäger. Es geschieht dort auch tatsächlich etwas, was eigentlich nicht wirklich stubenrein ist: Das Cello beginnt mit Achteln auf dem tiefen c, die Bratsche spielt ein As dazu, die zweite Violine ein Es. Und darüber setzt die erste Violine mit einem A ein, während die Bratsche ins G hinunter geht. Für jene, die von Harmonik und Stimmführung nichts wissen, weil sie es auch nicht brauchen: das ist ein sogenannter Querstand. Eigentlich muss die Auflösung eines Tons in derselben Stimme erfolgen, also müsste das As ins A gehen, in der Bratsche. Daher klingt die Violine sehr seltsam, ja geradezu falsch im ersten Moment. Dann gibt es einige weitere verwegene Sachen, einige Vorhalte etc., die die Harmonik nicht so einfach nachvollziehen lassen und daher dissonant klingen. Das alles geschieht in der Introduction des Quartetts, die sehr langsam ist, in c-moll. Daher hat das Quartett seinen Namen erhalten.
Diese Einleitung ist etwas musiktheoretisch hochinteressantes, und man könnte darüber endlos reden. Wichtig ist, dass der Charakter dieses Anfangs anders ist als das, was danach kommt. Mozart benutzt als Gerüst einen relativ einfachen Topos, einen Lamentobass (chromatisch absteigender Bass bis zur Quinte, sehr traurig) und zwar so wie es meistens vorkommt, als Fauxbourdon-Satz (Sextakkord-Kette). Alles was dissonant klingt, sind Erweiterungen durch Vorhalte und zwischengeschaltete Akkorde.
Wenn man es hört ist es so, als wüsste man nicht genau, wohin sich das bewegt. Wenn man auf den Bass hört, kann man aber die logische Entwicklung wahrnehmen.
Soviel zur Theorie dieser tollen Einleitung. In den Haydn-Quartetten zollte Mozart dem großen Vorbild Haydn Tribut. Dementsprechend lange hatte er daran gearbeitet, wenn ich mich recht erinnere zwei Jahre (für Mozart elend lang).
Ich finde dieses Werk grandios. Nun die Frage: wem gefällt es auch? Welche schönen Aufnahmen gibt es? Wer hat weitere Infos zum Werk?

Herzlichst
Satie
ab (16.06.2006, 23:13):
Zusammen mit dem d-moll (KV421) und dem D-dur (KV575) Quartett gefällt mir das Dissonazenquartett - von Amateurmusikern wegen der Melodie des Andante cantabile gerne auch als "Karolinen-Quartett" bezeichnet - von Mozarts Quartett-Werk am besten.

Ich freue mich zu hören, dass es heute noch tatsächlich Menschen gibt, die "einen ziemlichen Schrecken kriegen, wenn die erste Violine einsetzt"! Ich selbst habe mir die Epoche der Klassik erst von der modernen und avantgardistischen Musik herkommend erschlossen und daher ist mir ein solches Erlebnis stets verschlossen geblieben und ist mir wohl für immer verbaut.

Auch fasziniert es mich, wenn Musiker oder Musikliebhaber einen so großen Genuss daraus ziehen können, aus dem Erfassen harmonischer Strukturen, seien sie geradezu ideal oder womöglich nicht ganz "stubenrein" komponiert, einen solchen Genuss verspüren können. Mir scheint für solchen Genuss der Sinn zu fehlen, leider...
(Mich selbst interessieren - sowohl praktisch als insbesondere auch theoretisch - die dazu komplementären Ausdrucksgehalte persönlich viel mehr - wofür mir nicht nur von Formalisten und Musikwissenschftlern Empörung entgegenschlägt. Aber genauso wie es unerwartete harmonische Wendungen gibt, können (davon unabhängig) auch unerwartete Ausdrucksänderungen auftreten. Ich verstehe einfach nicht (und habe bislnag statt eines Arguments dafür bloß Beteuerungen gehört), weshalb nur die ersteren von Interesse sein sollten.)

Was Aufnahmen betrifft, so kann ich nur wiederum eine Lanze für das Hagen Quartett brechen:


und auf meinen Beitrag über das Hagen Quartett verweisen.

Gerade das Dissonanzen Quartett kann aber auch zum Schmalzen verleiten. Sehr gut hat mir daher auch immer das Amadeus Quartet gefallen, dass in seiner kernig-geradlienigen und zupackenden Art dieser Verlockung zu widerstehen versteht.
Carola (17.06.2006, 17:47):
Maarten´t Hart schreibt in "Mozart und ich" über KV 465: "Die langsame Einleitung des Dissonanzen-Quartetts - man traut seinen Ohren nicht. Alles, was danach kommt, verblaßt angesichts dieses unglaublichen Anfangs".

Das ist - typisch Hart - stark übertrieben. Trotzdem, diese Klänge sind schon sehr ungewöhnlich. Ich jedenfalls habe ebenfalls meinen Ohren nicht getraut, als ich diese Takte zum ersten Mal gehört habe. Weniger, weil sie grundsätzlich so fremd klangen, als vielmehr, weil sie nicht meiner Hörerwartung "Mozart" entsprachen.

Ich höre dieses Streichquartett sehr gerne, vor allem die ersten beiden Sätze. Es war für mich der Einstieg in das Genre Streichquartette überhaupt, das ich bis dahin eher gemieden hatte, weil mir das Klavier fehlte.

Zum ersten Mal gehört habe ich das Stück in dieser Einspielung mit dem Emerson String Quartett.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000012VQ.03.LZZZZZZZ.gif

Das prägt für´s Leben! Vor allem, was die Einleitung angeht. Die will ich am liebsten so und nicht anders hören!

Dann habe ich noch die in anderem Zusammenhang bereits mehrfach erwähnte EMI-Box Kammermusik mit dem Alban-Berg-Quartett; ; die Aufnahme von KV 465 ist von 1988.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000BWTKL.03.LZZZZZZZ.jpg


Mir gefällt deren Art das zu spielen, ebenfalls sehr gut.

Noch eine Bitte an Satie oder wen auch immer: Ich würde sehr gerne mal die Noten der Einleitungstakte sehen. Wie viele Takte sind das überhaupt? Vielleicht kann man das einscannen, im Netz habe ich es jedenfalls nicht gefunden.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (17.06.2006, 19:37):
Vielen Dank an Satie für die harmoniegelehrte Einführung! Wie ab empfinde auch ich leider keinen Schrecken mehr, wenn ich den Anfang des Dissonanzen-Quartetts höre. (Auch leider nicht mehr zu Beginn des ersten Klavierkonzerts von Brahms, in dem ein ganzes Orchester erst im 25. Takt zur angekündigten Tonart findet.)

Der Zufall wollte, daß ich ausgerechnet heute im Presse-Faden die Empfehlungen eines englischen Kritikers eingerückt habe, was Aufnahmen des Quartetts angeht. Meine Lieblinge sind ebenfalls das Quatuor Mosaiques (Naive) und die analogen Alban-Berg-Aufnahmen (Teldec). Das oftgelobte Quartetto Italiano (Philips) war mir vorhin beim Wiederhören gleich wegen der Aufnahme- oder Transfertechnik verleidet, die mir baßlastig schien, während der Ton der Geigen eher schrill und dünn war. Vielleicht ist es unfair die Quartetto-Italiano-Aufnahme schon deshalb abzuwerten, aber dies ist ein Beispiel dafür, wie das Handwerk leider in die Kunst hineinpfuschen kann. Eine ältere Aufnahme mit dem (sehr) britischen Griller Quartett (jetzt Dutton), die ich auch noch besitze, ist nur von historischem Interesse.

Gruß,

Zelenka
satie (17.06.2006, 22:13):
Ich habe leider zur Zeit keinen Scanner, daher habe ich auch mal im Netz geschaut. Eine richtige Partitur habe ich nicht gefunden, aber hier sieht man den Anfang schon ganz gut:

http://www.mutopiaproject.org/ftp/MozartWA/KV465/k465/k465-preview.png


Satie
Carola (17.06.2006, 22:37):
Klasse, vielen Dank!

Wenn das so weiter geht, gebe ich bald mehr Geld für Klaviernoten und Partituren aus als für neue Aufnahmen. Nimmt sehr viel Platz weg all das Papier, mehr als CD´s. Aber ist einfach toll, das mitzulesen.

Mit Gruß von Carola
nikolaus (18.06.2006, 12:40):
Da werde ich ja schon wieder ganz blaß vor Neid.
Also: ich muß unbedingt Noten lesen lernen, dazu noch Klavier, und eigentlich wollte ich noch Italienisch lernen und mein Französisch seit der Schulzeit mal wieder auffrischen - und dazu muß der Tag 48h haben :(
Alternative: ich gewinne im Lotto! :haha

Nikolaus. :hello
Carola (18.06.2006, 13:12):
Mensch Nikolaus! Wer ein Medizinstudium erfolgreich bewältigt, für den sind die paar Noten nun wirklich ein Klacks!!! Geh´s an!

sagt Carola :hello
nikolaus (18.06.2006, 14:13):
Wer ein Medizinstudium erfolgreich bewältigt, für den sind die paar Noten nun wirklich ein Klacks!!!

Äh, das kommentiere ich jetzt lieber nicht...! :ignore

Nikolaus. :wink
cellodil (10.12.2006, 15:42):
Auch, wenn ich - anders als bei Beethovens Großer Fuge - beim Dissonanzen-Quartett den Schock eher erahne, als wirklich empfinde, ist das Dissonanzen-Quartett doch eines der Stücke, das bei mir nicht nebenbei läuft, sondern eines, das ich lieber konzentriert und am allerliebsten im Konzert anhöre.

Wenn ich doch auf die Konserve zurückgreife, dann gehört die von ab erwähnte Aufnahme des Hagen-Quartetts auch zu meinen Lieblingseinspielungen. Die andere folgt der aber unmittelbar nach: die des Guarneri-Quartets...

Herzliche Grüße

Sabine
Sarastro (23.12.2007, 00:01):
Auch mir gefällt das Dissonanzenquartett mit seiner genialen Einleitung sehr gut, wenngleich der "Schrecken" bzw. "Schock" heutzutage von den meisten, wie Cellodil schrieb, ja tatsächlich mehr erahnt als wirklich gefühlt werden kann. Das Besondere ist hier eben nicht etwa eine schrille Dissonanz - wie sie die schroffen, schneidenden Sekundreibungen in der langsamen Einleitung der Es-Dur-Symphonie (KV 550) sowie im zweiten Satz der g-Moll-Symphonie nun tatsächlich darstellen! -, sondern der harmonisch höchst subtile Aufbau, den Satie hier so schön analysiert hat (freilich ist auch mein persönlicher Favorit in Mozarts Quartettschaffen, das nur vier Tage vorher komponierte bzw. fertiggestellte A-Dur Quartett KV 464, wenngleich auf andere Weise, äußerst subtil und anspruchsvoll).

Mit weihnachtlichen Wünschen,
Sarastro