Mozart? Sinfonia Concertante für 4 Bläser und Orchester

Joe Dvorak (16.05.2022, 04:38):
Nachdem ich in den letzten Wochen und Monaten viel von meiner Zeit mit Mozarts 4-Bläser-Concertante in Es-Dur verbracht habe, fuehle ich mich bemuessigt, ein paar Zeilen dazu loszuwerden. In der meist gespielten Fassung ist das Werk mit Solisten fuer Klarinette, Oboe, Horn und Fagott besetzt. Daneben gibt es eine "Rekonstruktion" mit Solostimmen fuer Oboe, Floete, Horn und Fagott.

Um dieses Werk ranken sich zahlreiche Mysterien. Man kann ganz tief in die verwirrende Geschichte einsteigen oder die Zeit nutzen, um es immer wieder mit viel Freude zu hoeren. Die Frage, ob es von Mozart ist oder welche Teile davon, bleibt ungeklaert. Robert Levin hat dem Thema ein fast 500 Seiten starkes Buch gewidmet. Eine abschliessende Antwort hat auch er nicht gefunden. Aber immerhin schenkte er uns eine Alternativfassung, welche versucht, die in Briefen an den Vater erwaehnte Original-Besetzung, die nicht mit dem spaeter aufgetauchten Manuskript ueberstimmt, zu rekonstruieren. Die Herausgeber des Koechelverzeichnis haben mit der 6. Ausgabe ihres Katalogs ein Machtwort gesprochen und das Werk in den Anhang C zu den zweifelhaften oder untergeschobenen Werken verbannt. Dort traegt es jetzt die schmucklose Nummer K. Anh. C14.01. Im Konzertbetrieb und bei Aufnahmen wird zwecks der leichteren Identifikation meist K. 297b beibehalten. Damit erkennt der Kenner auch gleich, dass es in der Nachbarschaft zur Pariser Sinfonie entstanden ist.

Warum sollte man sich ueberhaupt mit diesem Nebenwerk von zweifelhafter Echtheit beschaeftigen, wo es doch genug authentisches und hoeherwertiges Konzertantes vom Amadeus gibt? Fuer diese Frage bin ich nicht der richtige Ansprechpartner, denn mein Mozart-Gusto weicht deutlich vom Standard ab. Ich ziehe die Violinkonzerte den Klavierkonzerten (Ausnahme: K. 466) klar vor und schatze die Blaeserkonzerte, vor allem die Trias K. 313 - 315 und die Hornkonzerte noch mehr. Ich liebe den Klang der Instrumente und das mozartsche Musizieren, da kann ich in Kombination gar nicht genug davon bekommen. Mit K. 279b bekomme ich gleich vier Konzerte in einem und dank der Levin-Fassung wird das gesamte traditonelle Blaeserquintett mit einem weiteren Werk bedacht. Da schreckt mich die ungeklaerte Echtheit ebenso wenig wie die nach Lehrmeinung fehlende allerletzte Tiefgruendigkeit. Es muss nicht immer Existenz verhandelt werden. Die investierte halbe Stunde bester Oberhaltung wird durch einen Kick an guter Laune mit einem Schuss "Seligkeit" verguetet - immer.

Wer kennt das Werk? Was halten die Komponisten, Musiker und Liebhaber im Forum davon? Welche Fassung bevorzugt ihr? Welche Aufnahmen sagen euch zu?
In meiner Sammlung (von beim Streaminganbieter gespeicherten Alben) befinden sich 45 Interpretationen. Die Ruedheit der Koechler konnte dem Werk weder bei den Spielenden noch bei den Hoerenden die Popularitaet vermiesen. Ich werde hier nach und nach einige des Bemerkens werten und des Merkens wuerdigen Aufnahmen in bewaehrter Knappheit besprechen.
Joe Dvorak (18.05.2022, 02:50):
Die Aufnahmen von Originalklang-Ensembles kann man an der Hand eines mehrfach verunfallten Saegewerkers abzaehlen. Das ist eingermassen frustrierend, wenn man sich die Aufnahmen der anderen Blaeserkonzerte von Hogwoods Academy of Ancient Musik, Bruggens Orchestra of the 18th Century oder Koopmans Amsterdam Baroque Orchestra anhoert. Da kommt der Wunsch nach Zusammenklang auf, doch der bleibt von diesen Gruppen unerfuellt. Der Versuch einer Erklaerung koennte sein, dass auf Authentizitaet bedachte Ensembles bei Werken von zweifelhafter Echtheit naturgemaess mehr Zurueckhaltung walten lassen. Jedenfalls machen auch juengere HIP-Kapellen einen Bogen darum und so konnte ich bislang gerade eine einzige Aufnahme auftreiben:



Martin Sauer (Fagott), Tobias Lehmann (Horn), Erwin Wieringa (Floete), Mara Galassi (Oboe), Freiburger Barockorchester, Gottfried Von Der Goltz

Es handelt sich hier um die Levin-Fassung, bei der die Oboenstimme fuer Floete und die Klarinettenstimme fuer Oboe transkribiert wurde. Letzteres ist ohne Anderungen im Text nicht moeglich, was weiteres Futter fuer die Gegner jeglicher Mozart-Zuschreibung liefert. Levin hat auch die Hornstimme gegenueber dem Nachlass-Manuskript veraendert, damit sie besser zum Stil des fuer die geplante Erstauffuehrung vorgesehenen Solisten passt. Es ist schon richtig, dass man das alles anzweifelen kann, aber es ist nicht richtig, das Werk deswegen nicht zu spielen. Es ist zu gut, um ignoriert werden. Originalklang-Ensembles der Welt erbarmt euch!

(Sollte ich weitere Aufnahmen mit Originalinstrumenten uebersehen haben, verspreche ich fuer jeden Fund ein Lobessternchen ;) )
Andréjo (18.05.2022, 13:19):
Die folgende Einspielung gehört zu den wenigeren rekonstruierten (Pseudo-)Originalen.



Ist sie hip? Wahrscheinlich nicht.

Irgendwie kenne ich diesen Problem-Mozart seit unerdenklichen Zeiten und irgendwie finde ich nur diese CD und so lange ist es auch nicht her, dass ich sie gekauft habe. Das Werk hat auch mich aus der Erinnerung heraus stets überzeugt und mir gefallen.

Bezüglich KV 297b oder 297B (1) oder etc: Ich müsste mal genauer nachsehen. Auf Kassette gibt es das Werk bei mir auf jeden Fall auch noch. Kassette wird selten nur noch gehört, hat manchmal Aussetzer.

Gegen obige Einspielung habe ich keine Einwände. Vielleicht wäre Joe kritischer, vielleicht auch ich im Vergleichsfall und bei aktuellem Erkenntnisstand.

Früher wusste ich ohnehin nicht, was es mit der Problematik der Komposition auf sich hat, aber vor einiger Zeit habe ich mich damit eher theoretisch befasst. Joes Thread mag jetzt als weitere Anregung dienen. Die unechte Version mit der Klarinette sollte jedenfalls nachgekauft werden - sollte ich sie nicht doch noch finden auf CD.

(1) Ja, dieser Unterschied wird diskutiert, aber spontan habe ich schon wieder vergessen, was ich dazu gelesen habe - ich glaube, ich habe es auch gar nicht wirklich begriffen.

Soll ich mir die Einspielung des Freiburger Barockorchesters zulegen? Quasi aus Prinzip?

:) Wolfgang
Andréjo (18.05.2022, 14:15):
Noch ein paar Bemerkungen:

Woran liegt es, dass die Musik selten gespielt wird offenbar, selten aufgenommen wird? Ich weiß nicht recht. Am ehesten kann ich noch verstehen, dass man besonders gerne die von Mozart wohl weiter entfernte Nach-Komposition mit der Klarinette wählt. Da gibt es quasi nichts zu rekonstruieren, das ist halt nicht wirklich von Mozart, aber es ist quasi verbindlich. Außerdem war die Klarinette Mozarts Instrument schlechthin - die Flöte war es nun wirklich nicht.

Andererseits werden doch Problemfragmente wie Mozarts Requiem oder Schuberts Unvollendete oder Bruckners Neunte nach Herzenslust nicht nur untersucht, sondern eben auch gespielt, häufig gespielt. Gut - das sind sehr weitläufige, sozusagen fast vollständige Fragmente, mehr als nichts oder recht wenig eben allenthalben.

Und es dürfte doch kein Zweifel daran bestehen, dass die Sinfonia Concertante nicht nur schöne und formvollendete Musik ist, sondern auch typischer Mozart. Für "typischer" halte ich eigentlich auch das Requiem nicht.

Oder habe nur ich keine Zweifel?

:) Wolfgang
Joe Dvorak (19.05.2022, 03:47):
Die folgende Einspielung gehört zu den wenigeren rekonstruierten (Pseudo-)Originalen.



Ist sie hip? Wahrscheinlich nicht.

(...)

Gegen obige Einspielung habe ich keine Einwände. Vielleicht wäre Joe kritischer, vielleicht auch ich im Vergleichsfall und bei aktuellem Erkenntnisstand.

(...)

Soll ich mir die Einspielung des Freiburger Barockorchesters zulegen? Quasi aus Prinzip?
Ich habe gegen die Einspielung der Basler ueberhaupt nichts einzuwenden - im Gegenteil. Sie gehoert zu denen, die sich fuer ein Wiederhoeren aufgedraengt haben und ich habe dem Drang mehrfach nachgegeben, was auch am Begleitprogramm liegt. Diese Scheibe ist von vorne bis hinten eine quicklebendige, gleichsam einnehmende wie mitreissende und klangsinnliche Angelegenheit. Und ja, die Basler sind Switcher und spielen normalerweise auf dem zum Repertoire passenden Instrumenten - aber hier meine ich, moderne -vibratofreie- Streicher und modernes Holz zu vernehmen, so dass nur noch die Hoerner als Original uebrig bleiben. In allen anderen Belangen ist das allerdings klares HIP.

Ich weiss nicht, ob ich das FBO empfehlen wuerde, wenn es Alternativen mit alten Instrumenten gaebe. Um eine Aufnahme -rein subjektiv geschmaecklerisch- zu beurteilen, frage ich mich einfach, wie oft ich sie hoere. Wenn ich sie immer und immer wieder hoeren will, dann muss sie 'gut' sein, sonst wollte ich sie nicht immer und immer wieder hoeren. Das FBO hoere ich so gut wie nie.

Ganz anders diese, die regelmaessiger Gast in meinem Datenstrom ist:


Werner Tast (Floete), Andreas Lorenz (Oboe), Sebastian Weigle (Horn), Eckart Konigstedt (Fagott)
Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen

Wenn ich versuche, das Gemeinsame der mir ganz besonders gut gefallenden Interpretationen von Werken der Klassik i.e.S. zu finden, dann laueft es meistens darauf hinaus, dass eine perfekte Balance zwischen Spritzigkeit auf der einen und Profundness auf der anderen Seite besteht, dass es nicht vor lauter sinnierender Ernsthaftigkeit schwerfaellig und nicht vor lauter spielfreudiger Unbeschwertheit oberflaechlich wird, dass bei allem Vorwaertsdrang die Details ausgekostet werden und nicht das eine auf Kosten des anderen geht. Wer sich -was ich mir gut vorstellen kann- hinter diesen Worten wenig vorstellen kann, hoere diese Aufnahme. Die ist eine Blaupause fuer diesen Interpretationsstil, das gilt auch nachdruecklich fuer K. 315, das die Concertante auf der ersten Disk begleitet. Da gibt es fuer mich null, nichts und nada dran rumzumaekeln. Ist die Stunde rum, dann fange ich einfach wieder von vorne an.

Wenn die Frage lautet: FBO oder CPEB, dann ist die Antwort klar. Wenn die Frage lautet: welche, wenn es nur (noch) eine sein soll, dann ist CPEB auf jeden Fall in meiner allerengsten Auswahl.
Andréjo (19.05.2022, 11:45):
Danke Dir! Ich habe Haenchen schon mal geparkt. :)

:hello Wolfgang
Armin70 (21.05.2022, 23:26):
Es gibt noch diese Aufnahme mit Originalinstrumenten. Es spielt das Collegium Aureum unter der Leitung von Franzjosef Maier.

Die Aufnahme stammt aus den 1970er Jahren, d. h. ca. 1973 (KV 297b) und ca. 1979 (KV 447). Die Sinfonia Concertante wird in der Fassung für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott gespielt.
Andréjo (22.05.2022, 00:00):
Danke Dir, Armin!

Dann hätte ich noch die Version mit Klarinette, die mir wahrscheinlich gefehlt hat.

Gebraucht ein Schnäppchen - neu kommt allerdings nicht in Frage.

:) Wolfgang
Amadé (22.05.2022, 09:59):
Noch nicht erwähnt wurde die Aufnahme (Levin-Fassung) mit Neville Marriner und seiner Academy, Solisten sind hier Aurele Nicolet, Heinz Holliger, Klaus Thunemann und Hermann Baumann,
früher hier veröffentlicht:
oder hier: heute hier billigst:


bei den Violinkonzerten ist Henryk Szeryng im Einsatz. Marriners Mozart-Qualitäten sind bekannt.


Gruß Amadé
Andréjo (22.05.2022, 12:04):
Dank auch an Amadé! Ich sehe schon, dass sich etwas genaueres Umsehen lohnt. Mein erster, flüchtiger Eindruck vor einigen Monaten war halt recht sparsam - ein wenig liegt es an den Suchsystemen gewisser Anbieter. :whistling:

:) Wolfgang
Joe Dvorak (23.05.2022, 04:58):
Marriner mit der Rekonstruktion gehoert auch zu meinen Favoriten, allerdings gefaellt mir seine Aufnahme (Normalfassung) aus dem Jahr 1972 noch besser. Da atmete die Academy noch richtig revolutionaeren Geist (nachzuhoeren auch auf den zu dieser Zeit eingespielten Brandenburger Konzerten von J.S. Bach). Auch die Aufnahme, die der Brite 2004 mit dem Orquestra de Cadaqués gemacht hat, ist hoerenswert, vor allem wegen der sorgfaeltigen Detailtiefe in Orchesterteil (hier glaenzte der spaete Marriner als Mozart-Begleiter ganz besonders - etwa mit Rachel Barton Pine bei den Violinkonzerten).



Neil Black (Oboe), Jack Brymer (Klarinette), Alan Civil (Horn), Michael Chapman (Fagott), ASMF, Neville Marriner



Picture Source: Webpage of the Orquestra de Cadaqués - A Unique Orchesta

Christopher Cowie (Oboe), Joan Enric Lluna (Klarinette), Susan Dent (Horn), David Tomàs (Fagott), Orquestra de Cadaqués, Neville Marriner
Joe Dvorak (24.05.2022, 08:08):


Svatopluk Čech (Fagott), František Bláha (Klarinette), Jan Adamus (Oboe), Zdeněk Divoký (Horn), Dvořák Chamber Orchestra, Jiří Bělohlávek

Das ist eine ganz exquisite Scheibe, die meinem bei Haenchen beschriebenen Interpretationsideal nahekommt. Als USP (Alleinstellungsmerkmal) bietet sie noch das Oboenkonzert Nr. 2 F-Dur, op. 52 von Franz Krommer. Das ist ein schoener Nebeneffekt dieser eingentlich unsinnigen Sammelei. Man macht die eine oder andere Neuentdeckung, weil sie halt mit drauf ist - in diesem Fall ein Oboenkonzert, das dem von Mozart in keinerlei Hinsicht nachsteht.
Joe Dvorak (24.05.2022, 08:59):


John de Lancie (Oboe), Bernard Garfield (Fagott), Anthony Gigliotti (Klarinette), Mason Jones (Horn), The Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy

Ormandy kommt einem als Mozart-Dirigent selten in den Sinn, aber Hoeren geht vor Urteilen und ich finde, er macht das gut. Schon old school, aber scheon geschmeidig. Der USP heisst hier Mason Jones. Der Name dieses Hornisten brannte sich in mein Gedaechtnis, als er auf der legendaeren Aufnahme des 1. Violoncellokonzerts von Shostakovich (mit dem gleichem Orchester und Dirigenten) auf dem CD-Cover gleichrangig mit Mstislav Rostropovich als Solist genannt wurde. Zurecht... was fuer ein Ton! Fuer die Hornkonzerte von Mozart ist der vielleicht zu gross, aber was solls, ich finde das grandios.
Joe Dvorak (30.05.2022, 03:25):


Radek Baborák (Horn), Clara Dent-Bogányi (Oboe), Walter Auer (Floete), Bence Bogányi (Fagott), Baborák Ensemble

Hier hat Baborák selbst Hand angelegt, um das Werk fuer die Originalbesetzung zu arrangieren. Auch an den Soloteilen wurde kraeftig gearbeitet, so dass jeder der Spieler die Möglichkeit erhalten , seine Virtuosität und die Möglichkeiten der jeweiligen Instrumente zu präsentieren (naeheres hier). Das ist nichts fuer musikwissenschaftliche Puristen, erst recht nicht, wenn Baborák auf diesem Doppelalbum noch ein 'neues' Hornkonzert, das er aus Fragmenten und dem transkribierten Satz eines unvollendeten Klarinettenquintetts zusammengestoepselt hat, praesentiert. Dieses 'Konzert' wird in Quintettbesetzung (Horn & Streichquartett) gespielt, so wie die echten Hornkonzerte, die Baborák zuvor in derselben Besetzung aufgenommen und veroeffentlicht hat. Wichtig noch: Bei den 12 Duos ist Radovan Vlatkovic sein Partner.
Joe Dvorak (30.05.2022, 03:59):


Emmanuel Pahud (Floete), François Leleux (Oboe), Gilbert Audin (Fagott), Radovan Vlatkovic (Horn), Orchestre de Chambre de Paris, François Leleux

Welche Version sich auf einem Album, das unter dem Namen eines Floetisten veroffentlicht wurde, findet, kann man erraten. Hier klingt das -insbesondere nach den zuvor gehoerten quirligen Baboráks- mehr nach einem Werk einer spaeteren Schaffensperiode Mozarts. Das Album hat einige Attraktionen zu bieten. Zuerst: Radovan Vlatkovic! Dann die Unterteilung des 3. Satzes in Einzeltracks fuer jede Variation. Und schliesslich gibt es eine ganze CD als Zugabe. Der (Mozart & Flute) in Paris gelesene Titel ist distributiv auszuklammern und meint (Mozart in Paris) & (Flute in Paris), d.h. Saint-Saëns, Poulenc, Faure und andere sind auch mit drauf.
Andréjo (30.05.2022, 12:20):
Das ist mit Sicherheit eine reizvolle Einspielung, aber ich muss gestehen, dass es mir auf die Nerven geht, wenn Stars so hervorgehoben werden wie hier erneut im Falle Pahud. Eine Seltenheit ist das allerdings nicht.

Denn Pahud hat nun mal keine Position inne, die ihn kompositorisch herausheben würde.

EDIT: Ich will jetzt mal so ehrlich sein und mein Gschmarri stehen lassen. Vielleicht ist es auch trotzdem kein bloßes Geschwätz. Ich war zu schnell und habe nicht darauf geachtet, worum es auf der Doppel-CD als ganzer geht.

Überdies hätte ich mich gewundert, dass die Herren Leleux. Meyer und Vlatkovic sich von Pahud zurückdrängen lassen, ginge es nur um die Sinfonia Concertante. :P

:) Wolfgang
Joe Dvorak (31.05.2022, 10:05):
Pahud mag grosse Genugtuung empfunden haben, musste er doch auf Andreas Ottensamers New Era selbst das grausame Los erdulden, ins Reich des Kleingedruckten verbannt zu werden.
Ich stehe dem Thema gutes/schlechtes (oder gar hochkulturwuerdiges/-unwuerdiges) Marketing mittlerweile recht indifferent gegenueber. Das mag daran liegen, dass Stromer, bzw. Stroemer (ich bin in meinem jungen Alter noch beides :D ) am Schlaufon in ihren Trefferlisten eh nur einen 10mmx10mm grossen Klecks sehen. Erst wenn man draufklickt sieht man die Details, aber der Abspielknopf (dt. Play Button) ist unmittelbar darunter und da das durch Entrichten des Jahresobulus schon bezahlt ist, laesst man sich anders als bei einer Kaufentscheidung von einem bloeden Cover nicht mehr abhalten. Naja, fast immer. Ottensamer habe ich wieder weggeklickt.
Joe Dvorak (08.06.2022, 03:12):


Ramón Ortega Quero (Oboe), Sebastian Manz (Klarinette), Marc Gruber (Horn), Theo Plath (Fagott), Württembergische Philharmonie Reutlingen, Ola Rudner

Ich hege grosse Sympathie fuer die Unterhunde aus der 3. Reihe und hier kommt noch Lokalkolorit dazu. Ganz ohne internationales Zugpferd geht es allerdings nicht. Es an der Oboe zu Startum zu bringen, muss Ortega Quero erstmal jemand nachmachen, wobei ich den Verdacht hege, dass das nicht alleine an den musikalischen Qualtiaeten liegt. Die Aufnahme kann es locker mit allen anderen am Markt aufnehmen, aber reicht das? Warum soll ich mich mit drei Keinnamesolisten, einem Keinnameorchester und einem Keinnamedirigenten abgeben? Weil sie es sind, die in der Provinz Konzerte fuer ueberschaubares Geld in hoechster Qualitaet bieten und daher mehr unterstuetzt gehoeren als die Orchester aus den grossen Zentren samt Supergaststars, die fuer ihre Lebend-Darbietungen einen dreistelligen Obolus abfragen, aber schlicht und ergreifend nicht um soviel besser sind, wenn ueberhaupt.
Andréjo (08.06.2022, 12:42):
Wenn ich mich jetzt nicht sehr täusche, habe ich das Orchester aus Reutlingen bei einem Konzert im hohenlohischen Weikersheim gehört und wüsste nicht, was mich damals gestört hätte oder hätte stören sollen.

Wir sind alle Unterhunde. (Schlagertext von mir; unveröffentlicht)

PS: Meinst Du jetzt mit dem Nononamesolisten Quero oder Manz? Ich muss gestehen, dass mir Manz geläufiger ist und sich im Gegensatz zu Quero auch im Regal findet. Natürlich soll das gar nichts heißen außer dem, was exakt dort steht. :D

:) Wolfgang
Joe Dvorak (09.06.2022, 04:08):
Da kannste mal wieder sehen... Manz war mir absolut kein Name und ich habe daraus voreilig geschlossen, dass er keinen hat. Da er u.a. eine CD mit Werken von CMvW gemacht hat, wurde er hier im Forum garantiert schon gesichtet, aber vom Falschen beworben und deshalb von mir gleich wieder und fuer ewig aus dem Hirn -wie wir heute auf Deutsch sagen- gecancelt.

HIer kommt ein weiterer aus meinem Favoritenkreis:



Alfred Tolksdorf (Oboe), Karl Schutte (Klarinette), Günter Schaffrath (Horn), Heinz Wappler (Fagott), Staatskapelle Dresden, Otmar Suitner

Klar, das ist schon old school. Aber egal, absolut bewundernswert ist eine hier vermittlelte - ich nenne es in Ermangelung eines besseren Begriffs einfach mal- natuerliche Groesse des Werks. Diese Staerke von Suitner ist mir schon bei fruehen Schubert-Sinfonien aufgefallen.