Gesehen habe ich Sie noch nie! Es war ja die erste Oper, mit der Mozart in Wien wirklich Erfolg hatte! Leider auch die einzige! Wien hat seine Größe nicht erkannt! :I Wie wenig Erfolge hat Mozart denn überhaupt gefeiert? Ich meine in seinen späteren Jahren !! Kein Ruhm zu Lebzeiten, außer in früheren Jahren! Wien hat seinen "größten" Komponisten nicht erkannt! :I
Gruß Daniel
manrico (07.09.2007, 00:06): Ich kenn nicht sehr viele "Entführungen" - es ist nicht unbedingt meine Lieblingsoper. Ich glaube aber, dass Wunderlich der strahlendste aller Belmontes ist.
Lg
Werner
uhlmann (07.09.2007, 09:17): ich höre am liebsten fricsays entführung:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8285449.jpg
diese lebt von einem geschlossenen sängerensemble (haefliger, stader, streich, greindl) und vor allem von fricsays zupackendem, aus heutiger sicht fast hip zu nennenden dirigat.
Jürgen (07.09.2007, 11:00): http://ec1.images-amazon.com/images/I/5174RXP7EZL._AA240_.jpg
Ich habe diese Aufnahme, und sie gefällt mir wegen Wunderlich recht gut.
Ausserdem habe ich noch diese aus der Brilliant-Box:
Jimi (07.09.2007, 11:46): Original von Jürgen http://ec1.images-amazon.com/images/I/5174RXP7EZL._AA240_.jpg
Ich habe diese Aufnahme, und sie gefällt mir wegen Wunderlich recht gut.
Jürgen
Hallo Jürgen,
schön diplomatisch ausgedrückt, mit Wunderlich bin ich ganz deiner Meinung. Die Entführung ist neben der Zauberflöte die einzige Mozart-Oper von der eine Studiogesamtaufnahme mit Wunderlich existiert und ich finde ihn als Belmonte fast noch besser als Tamino. :down Allerdings wie in der Zauberflöte singt er auch hier nicht in allerbester Gesellschaft. Bei der Entführung ist die Konstanze von Erika Köth IMO die Schwachstelle, ganz vorsichtig formuliert würde ich sagen, das sie zum Zeitpunkt der Aufnahme ihre stimmlich besten Zeiten hinter sich hat. :( Es gibt ältere Aufnahmen von ihr( auch Ausschnitte aus der Entführung) wo sie deutlich besser ist.
Darum meine Empfehlung : Unbedingt vor dem Kauf mal reinhören
Ich kann euch nur beipflichten. Wunderlich ist einer der wenigen, dessen Herz nicht nur ängstlich sondern tatsächlich auch feurig schlägt. Viele Sänger haben sogar so viel angst, dass sie die Baumeisterarie gleich ganz weglassen (im Hinblick auf die technischen Schwierigkeiten sicher keine unrichtige Entscheidung). Wunderlich stellt sich dieser Aufgabe und meistert sich beeindruckend. Der Rest des Ensembles kann auch für meinen Begriff nicht an diese Leistung anknüpfen. Kennt jemand eigentlich den Live-Mitschnitt aus München mit Wunderlich und kann darüber was erzählen?
Lg
Werner
Zelenka (07.09.2007, 18:14): Zwei neuere Aufnahmen der Oper sollten vielleicht noch genannt werden:
Reichmann, Kenny, Watson, Schreier, Gamlich, Salminen, Chor des Opernhauses Zürich, Widl, Mozart O des Opernhauses Zürich, Harnoncourt Teldec 0630100252 Schäfer, Petibon, Bostridge, Paton, A. Ewing, Löw, Les Arts Florissants, Christie Erato 3984254902
Bei Harnoncourts Einspielung sind mir die echt-osmanischen Klangeffekte im Ohr geblieben und eine gewisse Ruppigkeit, bei Christies vor allem Christine Schäfers Konstanze und insgesamt eine ungeheure Leichtigkeit.
Gruß, Zelenka
Jimi (05.10.2007, 15:01): Original von Zelenka Zwei neuere Aufnahmen der Oper sollten vielleicht noch genannt werden:
Reichmann, Kenny, Watson, Schreier, Gamlich, Salminen, Chor des Opernhauses Zürich, Widl, Mozart O des Opernhauses Zürich, Harnoncourt Teldec 0630100252 Schäfer, Petibon, Bostridge, Paton, A. Ewing, Löw, Les Arts Florissants, Christie Erato 3984254902
Bei Harnoncourts Einspielung sind mir die echt-osmanischen Klangeffekte im Ohr geblieben und eine gewisse Ruppigkeit, bei Christies vor allem Christine Schäfers Konstanze und insgesamt eine ungeheure Leichtigkeit.
Gruß, Zelenka
Hallo Zelenka,
ich schätze William Christie und "Les Arts Florissants" sehr für seine Einspielungen franz. Barockmusik, zb Werke von Lully, Rameau oder Charpentier um nur mal die Bekannten zu nennen. Mozart habe ich allerdings von ihm noch nicht gehört.
Meine Frage in dem Zusammenhang: wie kommen denn die englisch-/französischsprachigen Sänger mit der Aussprache in den Dialogen zurecht?
Original von manrico
Kennt jemand eigentlich den Live-Mitschnitt aus München mit Wunderlich und kann darüber was erzählen?
Lg
Werner
Hallo Werner,
über die Münchner Liveaufnahme hab ich nur mal gelesen das sie gut sein soll, die würde mich auch sehr interessieren, falls du sie mal anhören kannst schreibe bitte darüber(mach ich natürlich auch).
:hello Jimi
Zelenka (05.10.2007, 16:40): Lieber Jimi:
Die nicht-muttersprachlichen Sänger kommen leidlich zurecht. Bostridge ist z.B. auch hier kein begnadeter Linguist ... Ich würde sicher auch lieber durchgehend "akzentfreies" Deutsch hören, aber man kann nicht alles haben.
Gruß, Zelenka
Mime (24.12.2007, 16:36): Original von manrico Hallo Jimi, hallo Jürgen!
Ich kann euch nur beipflichten. Wunderlich ist einer der wenigen, dessen Herz nicht nur ängstlich sondern tatsächlich auch feurig schlägt. Viele Sänger haben sogar so viel angst, dass sie die Baumeisterarie gleich ganz weglassen (im Hinblick auf die technischen Schwierigkeiten sicher keine unrichtige Entscheidung). Wunderlich stellt sich dieser Aufgabe und meistert sich beeindruckend. Der Rest des Ensembles kann auch für meinen Begriff nicht an diese Leistung anknüpfen. Kennt jemand eigentlich den Live-Mitschnitt aus München mit Wunderlich und kann darüber was erzählen?
Lg
Werner
Hallo Werner,
ich kenne den Live- Mitschnitt aus Salzburg (L'Orfeo d'Or) von 1965 aus Salzburg mit Rothenberger, Wunderlich, Christ, Unger und Corena unter der Leitung von Mehta. Die Schwachstelle hier ist der Osmin, der kaum über Tiefe verfügt und sehr schlampig gesungen wird. Das Protagonistenpaar und die Buffopartien lassen dagegen kaum Wünsche offen. Im Vergleich zur etwas sterilen Studio-Aufnahme unter Jochum hört man hier Mozarts Atem besser. :hello
ab (07.08.2006, 18:11): Mozart, DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL: welche Aufnahme sollte man jedenfalls kennen? Welche gefällt euch am besten? Und warum?
ab (06.09.2007, 18:29): Ein Jahr her und immer noch keine Antwort? ?(
daniel5993 (06.09.2007, 18:41): Hallo ab!
Ich geb gern Antwort!
Ich kenne diese Oper und liebe Sie! Kenne allerdings "nur" die Aufnahme unter Böhm!
Gesehen habe ich Sie noch nie! Es war ja die erste Oper, mit der Mozart in Wien wirklich Erfolg hatte! Leider auch die einzige! Wien hat seine Größe nicht erkannt! :I Wie wenig Erfolge hat Mozart denn überhaupt gefeiert? Ich meine in seinen späteren Jahren !! Kein Ruhm zu Lebzeiten, außer in früheren Jahren! Wien hat seinen "größten" Komponisten nicht erkannt! :I
Gruß Daniel
manrico (07.09.2007, 00:06): Ich kenn nicht sehr viele "Entführungen" - es ist nicht unbedingt meine Lieblingsoper. Ich glaube aber, dass Wunderlich der strahlendste aller Belmontes ist.
Lg
Werner
uhlmann (07.09.2007, 09:17): ich höre am liebsten fricsays entführung:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8285449.jpg
diese lebt von einem geschlossenen sängerensemble (haefliger, stader, streich, greindl) und vor allem von fricsays zupackendem, aus heutiger sicht fast hip zu nennenden dirigat.
Jürgen (07.09.2007, 11:00): http://ec1.images-amazon.com/images/I/5174RXP7EZL._AA240_.jpg
Ich habe diese Aufnahme, und sie gefällt mir wegen Wunderlich recht gut.
Ausserdem habe ich noch diese aus der Brilliant-Box:
Jimi (07.09.2007, 11:46): Original von Jürgen http://ec1.images-amazon.com/images/I/5174RXP7EZL._AA240_.jpg
Ich habe diese Aufnahme, und sie gefällt mir wegen Wunderlich recht gut.
Jürgen
Hallo Jürgen,
schön diplomatisch ausgedrückt, mit Wunderlich bin ich ganz deiner Meinung. Die Entführung ist neben der Zauberflöte die einzige Mozart-Oper von der eine Studiogesamtaufnahme mit Wunderlich existiert und ich finde ihn als Belmonte fast noch besser als Tamino. :down Allerdings wie in der Zauberflöte singt er auch hier nicht in allerbester Gesellschaft. Bei der Entführung ist die Konstanze von Erika Köth IMO die Schwachstelle, ganz vorsichtig formuliert würde ich sagen, das sie zum Zeitpunkt der Aufnahme ihre stimmlich besten Zeiten hinter sich hat. :( Es gibt ältere Aufnahmen von ihr( auch Ausschnitte aus der Entführung) wo sie deutlich besser ist.
Darum meine Empfehlung : Unbedingt vor dem Kauf mal reinhören
Ich kann euch nur beipflichten. Wunderlich ist einer der wenigen, dessen Herz nicht nur ängstlich sondern tatsächlich auch feurig schlägt. Viele Sänger haben sogar so viel angst, dass sie die Baumeisterarie gleich ganz weglassen (im Hinblick auf die technischen Schwierigkeiten sicher keine unrichtige Entscheidung). Wunderlich stellt sich dieser Aufgabe und meistert sich beeindruckend. Der Rest des Ensembles kann auch für meinen Begriff nicht an diese Leistung anknüpfen. Kennt jemand eigentlich den Live-Mitschnitt aus München mit Wunderlich und kann darüber was erzählen?
Lg
Werner
Zelenka (07.09.2007, 18:14): Zwei neuere Aufnahmen der Oper sollten vielleicht noch genannt werden:
Reichmann, Kenny, Watson, Schreier, Gamlich, Salminen, Chor des Opernhauses Zürich, Widl, Mozart O des Opernhauses Zürich, Harnoncourt Teldec 0630100252 Schäfer, Petibon, Bostridge, Paton, A. Ewing, Löw, Les Arts Florissants, Christie Erato 3984254902
Bei Harnoncourts Einspielung sind mir die echt-osmanischen Klangeffekte im Ohr geblieben und eine gewisse Ruppigkeit, bei Christies vor allem Christine Schäfers Konstanze und insgesamt eine ungeheure Leichtigkeit.
Gruß, Zelenka
Jimi (05.10.2007, 15:01): Original von Zelenka Zwei neuere Aufnahmen der Oper sollten vielleicht noch genannt werden:
Reichmann, Kenny, Watson, Schreier, Gamlich, Salminen, Chor des Opernhauses Zürich, Widl, Mozart O des Opernhauses Zürich, Harnoncourt Teldec 0630100252 Schäfer, Petibon, Bostridge, Paton, A. Ewing, Löw, Les Arts Florissants, Christie Erato 3984254902
Bei Harnoncourts Einspielung sind mir die echt-osmanischen Klangeffekte im Ohr geblieben und eine gewisse Ruppigkeit, bei Christies vor allem Christine Schäfers Konstanze und insgesamt eine ungeheure Leichtigkeit.
Gruß, Zelenka
Hallo Zelenka,
ich schätze William Christie und "Les Arts Florissants" sehr für seine Einspielungen franz. Barockmusik, zb Werke von Lully, Rameau oder Charpentier um nur mal die Bekannten zu nennen. Mozart habe ich allerdings von ihm noch nicht gehört.
Meine Frage in dem Zusammenhang: wie kommen denn die englisch-/französischsprachigen Sänger mit der Aussprache in den Dialogen zurecht?
Original von manrico
Kennt jemand eigentlich den Live-Mitschnitt aus München mit Wunderlich und kann darüber was erzählen?
Lg
Werner
Hallo Werner,
über die Münchner Liveaufnahme hab ich nur mal gelesen das sie gut sein soll, die würde mich auch sehr interessieren, falls du sie mal anhören kannst schreibe bitte darüber(mach ich natürlich auch).
:hello Jimi
Zelenka (05.10.2007, 16:40): Lieber Jimi:
Die nicht-muttersprachlichen Sänger kommen leidlich zurecht. Bostridge ist z.B. auch hier kein begnadeter Linguist ... Ich würde sicher auch lieber durchgehend "akzentfreies" Deutsch hören, aber man kann nicht alles haben.
Gruß, Zelenka
Mime (24.12.2007, 16:36): Original von manrico Hallo Jimi, hallo Jürgen!
Ich kann euch nur beipflichten. Wunderlich ist einer der wenigen, dessen Herz nicht nur ängstlich sondern tatsächlich auch feurig schlägt. Viele Sänger haben sogar so viel angst, dass sie die Baumeisterarie gleich ganz weglassen (im Hinblick auf die technischen Schwierigkeiten sicher keine unrichtige Entscheidung). Wunderlich stellt sich dieser Aufgabe und meistert sich beeindruckend. Der Rest des Ensembles kann auch für meinen Begriff nicht an diese Leistung anknüpfen. Kennt jemand eigentlich den Live-Mitschnitt aus München mit Wunderlich und kann darüber was erzählen?
Lg
Werner
Hallo Werner,
ich kenne den Live- Mitschnitt aus Salzburg (L'Orfeo d'Or) von 1965 aus Salzburg mit Rothenberger, Wunderlich, Christ, Unger und Corena unter der Leitung von Mehta. Die Schwachstelle hier ist der Osmin, der kaum über Tiefe verfügt und sehr schlampig gesungen wird. Das Protagonistenpaar und die Buffopartien lassen dagegen kaum Wünsche offen. Im Vergleich zur etwas sterilen Studio-Aufnahme unter Jochum hört man hier Mozarts Atem besser. :hello
peter337 (05.01.2010, 21:30): Eine der besten Aufnahmen ist diese, die in verschiedenen Covers erschiene ist:
9626120
mit der blutjungen Wilma Lipp als Konstanze.
es war dies die erste Operngesamtaufnahme die au 33er LPs gemacht wurde.
Liebe Grüße Euer Peter aus Wien. :hello :hello
Rideamus (06.01.2010, 10:11): Lieber Peter,
es wäre doch zu schön, wenn man in allen Foren auf die gleiche Art Bilder einstellen könnte.
Hier geht es leider nicht über die jpc-Nummer, sondern über die URL des Bildes. Das ist die Nummer, die ganz oben in der Adresszeile erscheint, wenn Du ein Bild aufrufst. Das ist bei Amazon leichter als bei jpc, aber die haben von dieser speziellen Aufnahme leider kein Bild.
Hier also ersatzweise die URL der jpc-Aufnahme, die man aufrufen kann: http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Wolfgang-Amadeus-Mozart-Die-Entf%FChrung-aus-dem-Serail/hnum/9626120
Eine andere sehr gute und extrem günstige Aufnahme ist diese hier, mit der ich vor Jahrzehnten die Oper kennen lernte. Mindestens Fricsay und Haefliger sind für mich bis heute maßstabsetzend:
:hello Rideamus
Fairy Queen (06.01.2010, 11:16):
Das war meine erste Entführung und ich liebe sie nicht nur wegen nostalgischer Erinnerungen, sondern vor allen Dingen, weil ich die Stimmen immer noch mag. Als ich Anneliese Rothenberger und Lucia Popp als unbedarftes junges Mâdel zum ersten Mal gehört habe, war das für mich die Offenbarung des Schönklangs. Heute weiss ich , dass es bessere Konstanzes gibt und dass auch Gedda nicht der einzige Tenor auf der Welt ist, aber die Stimmen an sich haben mich damals wirklich bezaubert. Es gab in den letzten Jahren serh interessante Neu-Inszenierungen der Entführung, die allerdings nichts für Gegner des Regieteaters sind, in Zürich und in Berlin. diese Geschichte gibt sehr viel mehr her, als man glauben mag und ist nciht nur ein nettes harmlose Orient-Mârchen.
Lieber Wiener Peter, ich freue mich sehr, dass du da bist! Leider ist das mit der Technik überall anders und mir musste man auch erst lang und breit erklären, wie's geht. In Ermangelung unseres gemeinsamen Lieblingssmilies, denk ihn Dir bitte dazu! Ich bin jetzt zur Fee Loreley auf dem Felsen über dem Rhein, in dessen Nähe ich geboren bin, geworden(siehe Avatar) bleibe also in gewisser Weise weiter die, die ich war :leb :engel
Sarastro (06.01.2010, 11:21): Die "Entführung" war immer eine meiner drei Lieblingsopern von Mozart, und zwar in jeder Beziehung: musikalisch sowieso, aber auch geistig (Humanitäs- und Toleranzideal der Aufklärung) und nicht zuletzt auch hinsichtlich des hohen Unterhaltungswerts. Die umwerfende Komik eines Osmin ist nun mal etwas außerordentlich Köstliches; sein Part stellt für jeden Baß eine Herausforderung dar. Schon sehr lange nicht mehr gehört, aber in bester Erinnerung habe ich die Aufnahme mit Harnoncourt aus dem Jahr 1985. Ich habe sie noch als LP-Album, es gibt sie aber jetzt natürlich auch als CDs:
Erst kürzlich habe ich die Einspielung mit dem Bruckner Orchester Linz unter Martin Sieghart und dem Chor des Landestheaters Linz kennengelernt (1997), da sie auf der Mozart-GA bei Brilliant enthalten ist (Vol. 9, CD 29-30). Das "orientalisierende" Klangbild in Ouverture, Marsch der Janitscharen etc. wird schön farbig entfaltet, und Franz Kalchmair gibt durchaus einen, finde ich, überzeugenden Osmin ab. Andere Forumsmitglieder werden aber sicher noch präzisere und detailliertere Informationen und Eindrücke liefern können.
Schöne Grüße, Sarastro
Peter Brixius (06.01.2010, 11:21): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4032250085731.jpg
Wahrscheinlich hast Du nicht mich gemeint, jedoch antworte ich trotzdem.
Bei der Erstgenannten mit Wilma Lipp als Konstanze da mag ich, dass die Dialoge auch von den Sängern gesprochen werden.
Die zweite Aufnahme mit Maria Stader als Konstanze stört mich,
das die Dialoge von Schauspielrn gesprochen werden, wo ein gewisses Durcheinander entsteht.
Übrigens gibt es von der DG auch eine Zauberflöte, die ebenfalls so aufgenmmen wurde.
Es war wohl ein Versuch, der meiner Meinung, nicht ganz so gelang.
Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :hello :hello
PS.: Wie bekomme ich denn die Covers da rein???????
Peter Brixius (06.01.2010, 14:42): Original von Rachmaninov @Peter,
was schätzt Du an diesen Aufnahmen?
Lieber Rachmaninov,
in diesem Fall fällt es mir sehr leicht zu antworten, bei beiden Aufnahmen ist es das mozartideomatische Dirigat. Ich glaube, dass es ungeheuer schwer ist, Mozart zu dirigieren. Während Beethoven viele Zugriffe auf sein Werk zulässt, fordert Mozart etwas schwer zu Verwirklichendes - aber spricht man einmal seine Sprache, kann man immer Neues entdecken. "Zu leicht für Kinder, zu schwer für Erwachsene" (Rubinstein über Mozart) - Karajan und Toscanini haben mE keinen überzeugenden Mozart präsentieren können, aber Krips und Fricsay verstehen ihn in beglückende Weise.
Ich will nicht zuviel verspechen, aber sollte ich mal mit meiner Pilgerschaft durch den Freischütz zu Ende kommen :D packe ich gerne die "Entführung" an. Jetzt fängt erst mal morgen wieder die Uni an ... und dann wird die Zeit wieder knapper.
Liebe Grüße Peter
Amadé (06.01.2010, 21:23): Liebe Mozart-Freunde,
der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass es mit Fricsay wie auch mit Krips 2 Aufnahmen gibt, einmal die allseits bekannte der DGG von 1955:
und dann noch diese, die nicht für die Schallplatte, sondern vom RIAS Berlin für den Rundfunk produziert wurde, und das war bereits 1949, als Fricsay gerade das Orchester übernommen hatte und formte. Im letzten Jahr hat sie audite klanglich gut restauriert herausgebracht. 1949 waren schon Rita Streich und Josef Greindl dabei. Anton Dermota sang damals den Belmonte. Die 55er-Aufnahme ist sicher ausgereifter als die frühere, in der wir ein großes Versprechen gerade im Hinblick auf den Dirigenten sehen müssen.
Eine andere, noch nicht erwähnte Aufnahme, fügte Sir Thomas Beecham die Diskographie dieser Meisteroper zu, ich besitze sie leider nicht, gedoch einen Probenmittschnitt mit Frick, Marshall und Simoneau. Im Hermes Operlexikon ist zu dieser Aufnahme vermerkt:
Sir Thomas zelebriert Mozart mit der Würde und Weißheit des Alters. Nicht so vital wie Krips, nicht so intensiv wie Fricsay - eher abgeklärt, als Rückblick auf eine wunderschöne Vergangenheit der Oper. Es ist eine große Liebe in dieser Darstellung spürbar - und auch, daß sie sich auf das vorzüglich Ensemble überträgt.
interessant an Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" ist, dass die Rolle des "Bassa Selim" als Sprechrolle angelegt ist. In einem anderen Forum wurde daher mal nachgefragt, warum das so ist. In diesem Zeitungsausschnitt hier vom Berliner Tagesspiegel ist nachzulesen, dass Mozart diese Rolle ursprünglich als Tenorpartie anlegte. Der Kaiser soll dann aber kurz vor der Uraufführung den für diese Rolle vorgesehenen Sänger entlassen haben und Mozart hat wohl in Ermangelung eines adäquaten Ersatzsängers die Partie in eine Sprechrolle umgearbeitet.
Nun, falls dies wirklich stimmen sollte, so bleibt die Frage, was mit der ursprünglichen Tenor-Partie des "Bassa Selim" passiert ist. Wenn dieser Sänger so kurz vor der Uraufführung entlassen wurde, muss diese Partie ja fertig komponiert worden sein. Was ist dann damit passiert ? Schlummern die Noten in irgendeinem verstaubten Archiv und warten auf ihre Entdeckung oder war Mozart über die Entlassung des Sängers so verärgert, dass er diese Noten vernichtete ?
Vielleicht hat ja einer der Forianer noch eine Idee dazu.
Armin
ab (07.01.2010, 15:01): Original von Rideamus
Eine andere sehr gute und extrem günstige Aufnahme ist diese hier, mit der ich vor Jahrzehnten die Oper kennen lernte. Mindestens Fricsay und Haefliger sind für mich bis heute maßstabsetzend:
:hello Rideamus
In der Tat, ganz herrliche diese Fricsay-Produktion! :times10
Fairy Queen (07.01.2010, 15:10): Lieber armin, das ist ja interessant! Ich kann mir den Bassa aber beim besten Willen nciht als Tenor vorstellen, denn da die Rolle des "guten" Tenors schon vergeben ist an Belmonte, müsste er ja dann in einer Reihe mit Monostatos oder dem eseligen Don aus dem Figaro den "bösen" Tenor geben. Ob sich Mozart das so gedacht hat? Für mich ist der Bassa eher eine positive Figur und in neuester Zeit gab es sogar eine Interpretation, in der sich Constanze in ihn verliebte, was gar nicht so total abwegig ist. Zwei positiv besetzte nicht buffoneske Tenöre in derselben Mozartoper gibt es aber eigentlich nciht oder irre ich mich da?
Euphonia
peter337 (07.01.2010, 21:00): Liebe Euphonia!
Nun welche Stimmlage wollen wir denn Bassa Selim geben, da denke ich eher es is so besser wie es ist,
denn höchstens Bass aber der ist von Osmin schon besetzt , aber nein hier fange ich nicht zu blödeln an. :haha :haha Sonst schmeißt man mich hier raus?
Liebe Grüße und Handküsse sendet Dir Peter aus Wien. :hello :hello
Peter Brixius (07.01.2010, 23:09): Von dem österreichischen Musikwissenschaftler Gerhard Croll (übrigens eine Kapazität in Sachen Gluck) gibt es eine ausführliche Behandlung dieses Themas in dem Vorwort der von ihm herausgegebenen Partitur von Mozarts "Entführung"mit dem Titel "Auftrag, Buch, Besetzung und Komposition von Mozarts 'Entführung aus dem Serail'" (1981). Seitdem sollte die Legende, die in dieser Zeitungsnachricht kolportiert wurde, vom Tisch sein.
Ausgangspunkt von Libretto und Komposition war Bretzners "Bellmont und Konstanze". Schon da ist der Bassa eine Sprechrolle. Dass Mozart eine dritte Tenorrolle in die "Entführung" einführen wollte, ist nur durch eine missverständliche Nennung des Tenors Walther vermutet worden, ist aber schon vom Musikdramatischen her nicht wahrscheinlich. Eine Komposition einer Singstimme für den Bassa hat es auf jeden Fall nie gegeben, d.h. Mozart war sich der Wirkung einer Sprechstimme für den Bassa von vorneherein bewusst.
Liebe Grüße Peter
Armin70 (08.01.2010, 01:38): Hallo Peter,
danke für Deine Ausführungen. Ehrlich gesagt kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die Rolle des "Bassa Selim" ursprünglich eine Tenorpartie gewesen sein soll. Wenn, dann eher vielleicht ein Bariton. Man kennts halt auch nicht anders und wenn es diese Tenorpartie wirklich geben und man diese finden würde, dann würde es vielleicht gar nicht gefallen, wenn man diese dann in die Oper einfügen würde, weil eben dann die gewohnten Höreindrücke ins Wanken geraten.
Mich würde mal interessieren, welcher Quelle man sich in dem Zeitungsbericht bediente, so dass man dann zu dieser angeblichen Erkenntnis kam.
Andererseits wärs schon spannend sich vorzustellen, wenn in irgendeinem Archiv wirklich eine verschollene Singstimmen-Partie aus einer Mozart-Oper herumliegen würde.
Gruß Armin
Peter Brixius (09.01.2010, 22:50): Lieber Arnim70,
die Missdeutung kam mit dem ersten "Entführungsbrief" von Mozart (vom 1.8.1781, zwei Tage nach dem Empfang des Librettos) zu Stande. Dabei gab er die von Stephanie vorgeschlagene Besetzungsliste an (die sich übrigens mit dem gerade laufenden ErfolgSstück von Gluck "Die Pilger von Mekka" teilweise deckte). Dabei war für den Bassa Selim der tenor Joseph Walther genannt. Daraus hatte etwa Preisinger (Mozarts Urbassa, 1965) geschlossen, dass Walther als Sänger für den Bassa vorgesehen war. Da ausgerechnet in der Zeit der Kaiser die Entlassung von Joseph Walther anordnete, hat man daraus geschlossen, dass diese kaiserliche Entscheidung die Planung der Oper beeinflusste. Nun wäre der Ersatz von Walther als Tenor kein Problem gewesen, weil im Ensemble ein weiterer Tenor zur Verfügung stand (Joseph Matthias Souter). Insofern ist die Indizienkette als nicht ausreichend eingeschätzt worden (zuerst Eibl). Eine Gesangspartie für den Bassa hat es ohnedies nie gegeben. Mozart sah die Bretznerische Entscheidung, den Bassa als Sprechrolle zu besetzen, wohl als die musikdramatisch richtige an. Sie macht aus dem Bassa eine Figur sui generis - einen Fremdling wie den überlegenen Sprecher der aufklärerischen Botschaft - ein singender Tenor hätte weit weniger gewirkt.
Liebe Grüße Peter
Armin70 (09.01.2010, 23:16): Hallo Peter,
ja das erscheint mir auch sehr logisch und plausibel. Nochmals danke für Deine Erklärungen.
da gestern diese vor einiger Zeit bestellte DVD ankam, habe ich mir einen Abend Faust-Pause verordnet und in Mozarts Musik geschwelgt. Ich liebe die ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL, habe aber bis heute keine DVD gefunden, mit der ich ganz 100%ig glücklich bin. Auch diese hier landet nicht ganz oben. Malin Hartelius singt die Konstanze zwar zum Niederknien, aber die anderen - na ja (das betrifft Gesang ebenso wie Darstellung). Selbst von Klaus Brandauer als Selim hatte ich mir eigentlich mehr versprochen. Ich bin auch bis zum Schluss nicht dahintergekommen, ob er eigentlich die Rolle ernst nimmt oder nicht (beides wäre ja o.k., aber das Schwanken irritiert mich). Zudem finde ich die Kameraführung an vielen Stellen merkwürdig, wenn sie während des Singens Ewigkeiten auf dem Gesicht eines der Mitspieler oder (noch schlimmer) auf dessen Kleidung verweilt. Auch Backstage-Aufnahmen kann ich während der Oper nicht ausstehen, weil sie für mich das Spiel auf der Bühne zerstören. Das Dirigat empfinde ich manchmal als etwas getragen, aber meistens ist das "Mozartische" für mein Empfinden sehr gut eingefangen.
Ansonsten kenne ich bisher diese DVDs:
wenn ich in ernsthafter Stimmung bin, ist diese meine Lieblings-Entführung. Bis heute die Fassung, die ich am meisten ernst nehmen kann, zudem mit durchweg wunderbaren Sängern, die gleichzeitig gute Schauspieler sind (das "war es ein Traum?" in "O wie ängstlich, o wie feurig" hat niemals jemand so gesungen wie Hans Peter Blochwitz :down) und einem überragend spielenden Matthias Habich als Selim. Fast das einzige "Manko": Konstanze und Belmonte müssen ihr Duett "Ha, du solltest für mich sterben" gefesselt und mit Strick um den Hals, daher ziemlich bewegungslos singen. Das schränkt gerade in diesem wunderbaren Duett ihre schauspielerischen Möglichkeiten natürlich deutlich ein. Manchmal scheinen die Sänger mit ihren Stimmen die eher kleine Schwetziner Bühne auch fast zu sprengen (oder sind die Mikrophone zu nah dran oder packen meine Computerlautsprecher die Akustik nicht?).
diese hier sehe ich am liebsten, wenn ich in lockerer Stimmung bin. Ich liebe das Bühnenbild (sehr schön gestaltet, aber ohne zuviel Firlefanz) und in entsprechender Stimmung auch die Inszenierung, von einigen allzu albernen Stellen (Osmin füttert ein Krokodil anstatt Feigen zu pflücken) mal abgesehen. Dirigat und Sänger sind ebenfalls durchweg sehr gut, mit dem Selim hab ich ein bisschen Probleme. Einiges empfinde ich überzeugend, anderes z.B. die Gerichtsszene zu "aufgesetzt". Eva Mei singt so wunderbar ("Traurigkeit ward mir zum Lose" fasziniert mich bisher am meisten auf dieser DVD), da nehme ich auch in Kauf, dass sie dabei relativ stark grimassiert. Absolutes Highlight das Ende des zweiten Aktes, angefangen von "Wenn der Freude Tränen fließen" bis zum Ende des wunder-wundervollen Quartetts. Da schwanke ich immer zwischen literweise vergossenen Tränen :I, absoluter Begeisterung über diese himmlisch schöne Musik :down und herrlichem Vergnügen, wenn Belmonte und Pedrillo wie die begossenen Pudel dastehen :D. (Übrigens lieben auch meine Kinder diese DVD)
auch diese DVD habe ich oft gesehen, aber heute zählt sie nicht mehr zu meinen ersten Lieblingen. Die Inszenierung hat für meinen Geschmack ein bisschen zuviel Klamauk. Und obwohl ich mich das kaum zu schreiben traue: mir gefällt Edita Gruberova als Konstanze nicht sonderlich, ich empfinde ihren Gesang zu "kühl". Einzelne Szenen liebe ich allerdings immer noch sehr. Das "mit wonnevollen Blicken verlässt man da die Welt" im oben schon genannten Duett empfinde ich in der Tat als nicht mehr von dieser Welt. :down
hier bin ich in erster Linie von Kurt Moll als Osmin begeistert. Die ganz tiefen Töne hat für mein Ohr kein anderer so herrlich gesungen wie er, trotz des hervorragenden Kurt Rydl in meinen beiden Lieblings-DVDs. Ansonsten ist diese Aufführung von 1988 (kommt mir aber viel älter vor) selbst mir zu staubig.
Hat jemand noch andere Tipps für mich?
VG, stiffelio
Severina (19.04.2012, 17:53): Liebe Stiffelio,
ich besitze nur die von Dir erwähnten DVDs aus Schwetzingen und München, wobei als Geamtpaket mir die erste auch deutlich besser gefällt. Vor allem begeistert mich immer wieder die Spielfreude des gesamten Ensembles.
Die Züricher Produktion kenne ich live, da hängt es natürlich von der Tagesverfassung der einzelnen Sänger ab. (DVDs sind ja immer ein Best-of von mehreren Aufzeichnungstagen, und notfalls wird im Studio noch etwas nachgebessert...) Als Beczalafan fand ich ihn natürlich stimmlich toll, schauspielerisch wie immer mit starkem Verbesserungsbedarf. Von Malin Hartelius bin ich beinahe immer begeistert. Was Brandauer betrifft, so bist nicht nur du Dir nicht im Klaren, wie er den Bassa nun eigentlich anlegt - er selbst war es sich nämlich auch nicht. Meine Freunde von der Oper schilderten mir köstliche Szenen von den Proben, wo der Regisseur verzweifelt versuchte, dem großen Mimen die richtigen Betonungen einzubleuen, weil er einzelne Passagen absolut sinnfrei sprach und sich mit dem Bassa spürbar nichts anzufangen wusste.
Das mit den Backstageaufnahmen ist scheinbar ein Modetrend in letzter Zeit und nervt mich tierisch!!! Selbst die MET, doch eher konservativ, ist auf diesen Zug aufgesprungen, wie ich mich bei "Romeo et Juliette" am letzten Sonntag auf ATV überzeugen konnte. Obwohl es da nicht ganz so pentrant war wie beim "Werther" aus Paris, wo der Bildregisseur offensichtlich mit der Absicht angetreten ist, den Zusehern jedes Sich-Versenken in diese Oper unmöglich zu machen. Scheinbar lautet da die Botschaft:" Ihr doofen Leute, schaut doch her, das ist alles nur Theater!"
lg Severina :hello
stiffelio (19.04.2012, 22:05): Liebe Severina,
Original von Severina ich besitze nur die von Dir erwähnten DVDs aus Schwetzingen und München, wobei als Geamtpaket mir die erste auch deutlich besser gefällt. Vor allem begeistert mich immer wieder die Spielfreude des gesamten Ensembles. Ja, spielerisch gibt es aus meiner Sicht keinen einzigen Ausfall bei dieser Aufführung. Ich hatte auch vergessen zu erwähnen, dass ich Manfred Fink für einen ganz außergewöhnlich guten Pedrillo halte - gesanglich und hier auch spielerisch. Malin Hartelius als Blondchen ist sowieso super und Kurt Rydl als Osmin auch - wobei mich bei ihm auch immer der Vergleich mit meiner anderen Lieblingsinszenierung in Florenz fasziniert. In Florenz ist er in erster Linie einfach nur ulkig, hier ist er trotz aller Komik streckenweise ja auch wirklich zum Fürchten. Die Bandbreite an Interpretation, die er da abrufen kann, finde ich enorm. Und wie auch in der McVicar-Inszenierung vom Figaro ist es einfach umwerfend, wie gut das ganze Team miteinander harmoniert. Findest du Matthias Habich als Selim auch so klasse? Hast du die gleiche DVD (EuroArts) oder ist deine von einer anderen Firma? Empfindest du den Ton auch manchmal als zu "knallig"?
Die Züricher Produktion kenne ich live, da hängt es natürlich von der Tagesverfassung der einzelnen Sänger ab. (DVDs sind ja immer ein Best-of von mehreren Aufzeichnungstagen, und notfalls wird im Studio noch etwas nachgebessert...) Als Beczalafan fand ich ihn natürlich stimmlich toll, schauspielerisch wie immer mit starkem Verbesserungsbedarf. Was mir bei Beczala außer dem Spielerischen vor allem fehlte, waren die leisen Töne. Es gibt einige Stellen, an denen ich es sehr liebe, wenn Belmonte seine Stimme zurücknimmt, da blieb Beczala immer im Forte. Ich kenne ihn (wissentlich) nur in dieser Aufzeichnung, wie ist das sonst bei ihm, auch in anderen Rollen?
Von Malin Hartelius bin ich beinahe immer begeistert. :beer Was Brandauer betrifft, so bist nicht nur du Dir nicht im Klaren, wie er den Bassa nun eigentlich anlegt - er selbst war es sich nämlich auch nicht. Meine Freunde von der Oper schilderten mir köstliche Szenen von den Proben, wo der Regisseur verzweifelt versuchte, dem großen Mimen die richtigen Betonungen einzubleuen, weil er einzelne Passagen absolut sinnfrei sprach und sich mit dem Bassa spürbar nichts anzufangen wusste. Wie kann das denn sein, bei einem an sich guten Schauspieler?! ?( Der Bassa ist doch nun wahrlich keine schwierig zu verstehende Rolle. Brandauer hat tatsächlich bei völlig unpassenden Stellen gelächelt oder sie durch den Tonfall ins Lächerliche gezogen. Ich bin richtig zusammengezuckt, als das Publikum dann auch noch gelacht hat. Vermutlich kann man ja sogar, wenn man das will, aus der ENTFÜHRUNG eine einzige Gaudi machen, dann muss sich das aber durch das Stück durchziehen und insbesondere Osmin da mitspielen. Und diese Inszenierung war eben m.E. nicht so angelegt.
Das mit den Backstageaufnahmen ist scheinbar ein Modetrend in letzter Zeit und nervt mich tierisch!!! Selbst die MET, doch eher konservativ, ist auf diesen Zug aufgesprungen, wie ich mich bei "Romeo et Juliette" am letzten Sonntag auf ATV überzeugen konnte. Obwohl es da nicht ganz so pentrant war wie beim "Werther" aus Paris, wo der Bildregisseur offensichtlich mit der Absicht angetreten ist, den Zusehern jedes Sich-Versenken in diese Oper unmöglich zu machen. Scheinbar lautet da die Botschaft:" Ihr doofen Leute, schaut doch her, das ist alles nur Theater!" Wenn das tatsächlich ein Modetrend ist, kann ich nur beten, dass er möglichst schnell vorbei geht. Ich kann es ja noch aushalten, wenn zwischen den Akten Backstage gezeigt wird und man das auf der DVD überspringen kann (wie z.B. beim Simon Boccanegra der ROH mit Domingo). Aber in den Szenen geht das GAR NICHT! X(
VG, stiffelio
stiffelio (29.05.2014, 18:50): Konstanze - Anneliese Rothenberger Blondchen - Judith Blegen Belmonte - Werner Krenn Pedrillo - Gerhard Stolze Osmin - Oskar Czerwenka Bassa Selim - Peter Pasetti Dirigent: Sir Georg Solti Radio-Symphonieorchester Berlin
Hallo Ihr Lieben,
mit Hilfe eines wertvollen Tipps und eines erstaunlich findigen WDR-Archivdienstes konnte ich mir vor wenigen Tagen einen langjährigen Traum erfüllen und einen Mitschnitt dieser ENTFÜHRUNG von 1969 erwerben. Ich muss diesen Studio-Opernfilm Anfang der 80er Jahre im Fernsehen gesehen haben (oder evtl. eine etwas aufpolierte Fassung - die Farben hatte ich wesentlich weniger braunstichtig in Erinnerung) und es hat schon etwas Merkwürdiges, >30jährige Erinnerungen zu überprüfen. Darstellerisch ist gemessen an der Gegenwart natürlich noch Luft nach oben, aber es gibt auch gegenwärtige Aufführungen mit wesentlich mehr Statik. Wieviel damals schon an der Tontechnik geschraubt wurde, kann ich nicht beurteilen, aber geschadet hat es höchstens Gerhard Stolze als Pedrillo, der als einziger in dem stimmlich makellosen Team seinen Part nicht mit scheinbar müheloser Leichtigkeit bewältigt. Wieviel Eindruck dieser Erstkontakt mit der ENTFÜHRUNG bei mir hinterlassen hat, war für mich aber vor allem daran erkennbar, dass ich den von Gerhard Reutter verkürzten und ans 20. Jh. angepassten Sprechtext in vielen Passagen wörtlich in Erinnerung behalten hatte. Bewusst oder unbewusst ist dieser Text und auch die damit verknüpften Charaktere für mich immer Referenz geblieben, an der ich jede andere ENTFÜHRUNG messe. Ich weiß noch, wie enttäuscht ich war, als ich entdecken musste, dass dieser Text keineswegs deckungsgleich mit dem Libretto ist und daher in keiner anderen Aufführung verwendet wird. Fazit: mit Nostalgiefaktor eine Sternstunde. Mozart bleibt eben Mozart. Und im Abspann gab es dann noch als Überraschung einen bekannten Namen unter den Bühnenbildnern: Jan-Pierre Ponelle.
VG, stiffelio
stiffelio (30.05.2014, 22:25): Ergänzung im Detail:
Werner Krenn leistet sich nur sehr sparsame Gestik und Mimik, macht das aber mit ganz viel Schmelz in der Stimme wieder wett. Und wenn man ganz genau hinschaut, bemerkt man auch nicht nur in der Stimme Gestaltung. Anneliese Rothenberger meistert die artistische Partie der Konstanze ohne erkennbare Schwierigkeiten. Darstellerisch passt sie sich gut an das senkrecht Edle von Belmonte an. Märchenprinz und Märchenprinzessin - um sich eine Hochzeitsnacht zwischen den beiden vorzustellen, braucht man zwar viel Fantasie, aber das ist wohl auch nicht die Aufgabe eines Märchens. Judith Blegen und Gerhard Stolze füllen ihre Rollen ihrem Buffo-Part gemäß mit etwas mehr Aktion aus. Bei Judith Blegen begeistert mich vor allem die kristallklaren, präzisen schnellen Passagen. Generell wird Präzision in den Ensembles in dieser ENTFÜHRUNG ganz groß geschrieben. Wie oben schon erwähnt, war Gerhard Stolze der einzige im Team, bei dem ich hin und wieder den Eindruck hatte, er müsse forcieren. Dafür spielt er umso engagierter. Dieser Pedrillo hat Anklänge an einen Tausendsassa à la Barbier von Sevilla, der immer eine gute Idee parat und die Fäden in der Hand hat. Oskar Czerwenka geht darstellerisch am meisten aus sich heraus. Vom Typus her eher ein Rydl-Osmin als ein Talvela- oder Moll-Osmin. Ein bisschen von allem: schlitzohrig und trottelig, schmierig und misstrauisch, prahlerisch, missgünstig und auch ein bisschen feige. Wirklich Angst müssen hier weder Pedrillo noch Blonchen vor ihm haben, und eher hat Osmin unter den beiden zu leiden als umgekehrt.. Peter Pasetti gehört für mich in die allererste Riege aller Bassas, auch im Vergleich mit modernen Darstellern. Hier zeigt sich die schauspielerische Kunst, mit wenig "Action" viel Botschaft zu transportieren. Pasetti beherrscht jeden einzelnen Gesichtsmuskel und schauspielert vor allem mit seinen Blicken, aber mit welcher Meisterschaft er das macht, verdient höchste Bewunderung.
Insgesamt eine reine Orient-Märchen-Entführung, von allen Stolpersteinen gesäubert, perfekt für Kinder. Aber zumindest ich schlüpfe immer mal wieder gerne in meine Kindheit zurück und dafür gibt es kaum etwas Schöneres als diese ENTFÜHRUNG.
VG, stiffelio
palestrina (30.05.2014, 22:55): Hallo Stiffelio,
haben sich die "Freudentränen" geklärt !? :)
Zu deinen DVDs kann ich leider nichts beitragen, wie du weißt schaue ich mir keine an. Wenn ich mir etwas aufgenommen habe von Classica, dann schaue ich es mir 1x, wenn es gut war auch 2x an, dann wird gelöscht ! :D So hat jeder seine Vorlieben , sich etwas anzuhören, oder schauen !
Herzliche Grüße palestrina
stiffelio (30.05.2014, 23:23): Hallo palestrina,
ja, zumindest die grobe Bedeutung dieser Stelle. Vielen Dank für deine Antwort bei Capriccio.
VG, stiffelio
Peter Brixius (21.08.2015, 11:22): Liebe Opernfreundinnen und Opernfreunde,
ich habe heute Morgen die diesjährige Glyndebourne Produktion der "Entführung" gesehen, dann mit einiger Verwunderung gelesen, was bislang dazu geschrieben wurde. Ich habe mich entschlossen, nicht unmittelbar zu antworten, sondern auf diesen Thread zurückzugehen, der mir die Möglichkeit gibt, mich grundsätzlicher über die Oper und ihre Rezeption zu äußern. Eigentlich habe ich hier in einem früheren Statement schon den zentralen Punkt geäußert, der für das Verständnis der Oper nötig ist, aber auch ein erstes - und zwar das wichtigste - Kriterium bildet, die Oper zu erleben und eine erlebte Oper zu beurteilen.
Es sind damals eine Reihe von Einspielungen genannt worden, inzwischen sind einige Produktionen dazu gekommen, doch hat sich bei mir in der Wertschätzung der ersten Krips-Einspielung nichts geändert. Sie ist noch weiterhin maßstab setzend. Ihr "Manko" ist, dass es keine DVD ist, also Inszenierungsideen uns weder beflügeln noch hemmen. Aber bei Oper geht es zunächst um anderes:
Die interpretatorischen Probleme von Mozarts Singspiel "Die Entführung aus dem Serail" stellen sich nicht grundsätzlich anders dar als bei den anderen großen Opern des Komponisten. Auch hier entscheiden primärTempofragen über das Gelingen oder Misslingen einer Aufnahme. (Csampai in Hrsg. Attila Csapai. Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail. Reinbek bei Hamburg 1983, S. 214)
Ich habe eine größere Anzahl von Kritiken der Aufführung in Glyndbourne gelesen, nur wenige setzen bei dem musikalischen Aspekt an (in der TV-Kritik kommt das Musikalische nur in Sängerleistungen zum Ausdruck, was ein Witz ist, aber ein schlechter). Die erste Feststellung hätte allgemein sein sollen (und müssen): Es ist ein Aufführung auf historischen Instrumenten von dem erfahrenen Orchestra of the Age of Enlightenment, die allerdings dazu neigt, im Tempo zu sehr anzuziehen. Statt dessen steigen die meisten Rezensionen in die Bebilderung durch McVicar ein, eine absolute Nebensächlichkeit gegenüber der musikalischen Realisation. Dass man da einen Osmin mit geflochtenem Wikingerbart unter normal abhakt, will mir nicht einleuchten.
Noch einmal Csampai:
Die absolute Priorität der richtigen Tempowahl erklärt sich aus dem genuin dramatischen Wesen der Mozartschen Musik. Ihrer besonderen Eigenschaft wegen, das ganze dramatische Geschehen in sich, in ihrer Struktur zu bergen, muss Mozarts Musik, um ihren Sinn zu erfüllen, bereits in ihrer Klanggestalt das Theatergeschehen realisieren - quasi als geister Akt. Hierin unterscheidet sich Mozarts Opernkonzeption von denen aller anderen Komponisten, bei denen die Musik zum Theater hinzutritt und ästhetisch autonomer Teilbereich des Gesamtkomplexes Theater ist, darum auch losgelöst vom Theater rein musikalisch aufgefasst und genossen werden kann. Mozarts Musik allein erfasst das Theater vollständig und dient nur dem Zweck, in Tönen menschliches Handeln und Empfinden zu erfassen. Dieses ästhetische Ziel kann aber nur in einem dem menschlichen Lebenspuls entsprechenden musikalischen Tempo plausibel realisiert werden, auf der Grundlage einer gleichmäßigen, vital-pulsierenden (dem menschlichen Herzschlag ähnlichen) Zeitgestaltung. Mit anderen Worten: Das vom Interpreten gewählte Tempo muss eine bestimmte Impulsdichte und -folge von musikalischen Einzelereignissen, eine Art musikalischer Grundfrequenz, gewährleisten, die freies menschliches Handeln ermöglicht bzw. dem Tempo des normalen Lebensd entspricht. (S. 214)
1950 hatte Wien ein fantastisches Ensemble, über Jahre zusammengewachsen, eine jahrzehntelange Mozarttradition und mit Krips einen Mozartspezialisten am Pult. Er war ja durchaus nciht der einzige, Busch, Erich Kleiber, aber auch Furtwängler und der junge Karajan wussten in dieser Tradition zu musizieren. Dazu kommt, dass in der Literatur immer verzweifelt nach einer idealen Konstanze gesucht wird. Es werden da eine Reihe Namen - zu Recht - genannt, der Star unter den Stars ist Wilma Lipp. Sie sollte man wenigstens gehört haben, bevor man irgendeiner Sängerin Lob für ihre Konstanze-Darstellung ausspricht. Was ich von der Konstanze in Glyndebourne gehört habe, war aber bestenfalls unbefriedigend. mangelhafte Sprachbeherrschung, starkes Vibrato, ungenügende Höhe - gerade für ein Singspiel ist das zu wenig.
Um es noch einmal herauszustreichen: die notengerechte, mozartische Tempogestaltung ist der entscheidende Prüfstein, ob eine "Entführung" gelungen ist oder nicht. Übrigens gilt das auch weitgehend allgemein für Mozart: bei Beethoven kann man beschleunigen oder verlangsamen, gewinnt in der Regel sogar neue Aspekte, bei Mozart gibt es nur ein Tempo, das richtige. Manchmal möchte man sagen, das kann man (wie Colin Davis) oder man kann es nicht. Ticciati gelingen eine ganze Anzahl schöner Momente, aber der Gesamteindruck ist - leider - ungenügend.
Dass übrigens in einer Rezension noch nicht einmal darauf hingewiesen wird, dass musikalisch (und womit musikalisch) ergänzt wurde, finde ich schon blamabel. Aber damit bin ich auch meinen ersten Ärger los und werde in den Folgebeiträgen weiter auf die Oper eingehen (und dabei Glyndebourne 2015 immer noch im Auge und im Ohr behalten).
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (22.08.2015, 11:25): "Die Entführung aus dem Serail" ist "ein Singspiel in drey Aufzügen", so steht es auf dem Theaterzettel der Uraufführung. Dieser Singspielcharakter hat sicher wesentlich zu ihrem Erfolg damals beigetragen, trägt aber die Problematik für heutige Aufführung in sich - und für Glyndebourne 2015 ist es tatsächlich ein zentrales Problem.
Der Begriff des Singspiels - nicht nur zur Mozartzeit - ist nicht einheitlich gebraucht worden. Zum einen finden sich eine Anzahl anderer Bezeichnungen (etwa auch "Operette") für die gleiche Form, auf der anderen Seite sind Werke, die als "Singspiele" bekannt wurden, strukturell unterschiedlich. Wenn ich hier mit einer einfachen Definition beginne, stelle ich fest, dass schon diese umstritten ist:
Das Singspiel ist eine Produktion des Sprechtheaters, in die einzelne Gesangstücke eingestreut sind. Nun standen unterschiedliche Vorbilder zur Verfügung, deren Nachahmung das Singspiel mal an die eine, mal an die andere Grenze zogen. Vaudeville und opéra comique waren für Gluck die Ausgangspunkte, Stücke der Wanderbühnen waren der andere Orientierungspunkt. Und in der Praxis konnte sich eine Oper wie "Le rencontre imprévue" flugs in ein solches Bühnenstück verwandeln, "Die Pilger von Mekka". Diese Verwandlung geschah - wie bei populären Opern, etwa dem Don Giovanni - dadurch, dass die Rezitativtexte nur noch gesprochen wurden. Von der "Finta giardiniera" existiert eine Opernfassung und eine als Singspiel.
Natürlich war der Dialog nicht das einzige Kriterium, die Vaudevilles, auf die Gluck aufbaute, hatte sangbare Melodien, sangbar eben auch für singende Schauspieler. Und so wird man die Anforderungen an die Sänger sicher als eine Abgrenzungsmöglichkeit sehen.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass es gut singende Schauspieler gab oder dass sich Schauspieler auch durch Eingriffe in die Noten Partien singbar sind.
Sicher kann man allerdings feststellen, dass Singspiele auf Deutsch waren, d.h. für ein Leben außerhalb der höfischen Bühne konzipiert waren. Also Sprache ud Publikum unterschieden sich von der Opéra comique (oder der Buffa).
"Die Entführung aus dem Serail" steht da irgendwie in der Mitte: deutsche Sprache und die gesprochenen Dialoge qualifizierten die Oper für die eine, die in der Regel doch kunstvollen Arien für die andere Seite. Die Bandbreite der Gesangsstücke ist ja beträchtlich, von Belmontes Auftrittslied bis zur "Marterarie".
Nimmt man nun die "Entführung" als "Singspiel" werden die Dialoge ein wichtiger Bestandteil des Theaterstückes. Eben dazu hat man sich in Glyndebourne entschlossen. Die Folge war eine halbe Stunde länger und die Dialoge, gesprochen von Sängern, die des Deutschen nicht mächtig waren.
In DACH pflegt man die "Entführung" eher als Oper zu sehen und kürzt die Dialoge auf ein Minimum, wenn man sie nicht ganz auslässt.
Was die Kritik dazu meinte, dazu im nächsten Beitrag.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (28.08.2015, 20:00): Am 16. Januar 1778 wurde auf Anregung von Joseph II. mit dem Singspiel Die Bergknappen ein deutschspachiges Musiktheater in Wien eröffnet. -am 23. März 1776 hatte der Kaiser das Burgtheater zunächst als Nationalbühne bestimmt, die auch über ein Orchester verfügte. Am 17. Dezember beauftragte der kaiser Johann Heinrich Friedrich Müller mit der Einstudierung des neuen Singspiels. Der Komponist war Ignaz Umlauf.
Als Mozart in Mannheim davon erfuhr, wandte er sich umgehend an seinen Vater:
Ich weiß | ganz gewis | das der kaiser im sinn hat in Wien eine teutsche opera aufzurichten, und daß er einen jungen kapelnmeister, der die teutsche sprache versteht, genie hat, und im stande ist etwas neues auf die welt zu bringen, mit allem ernste sucht; ich glaube, das wäre so eine gute sache für mich; aber gut bezalt, das versteht sich, wenn mir der kaiser Tausend gulden giebt, so schreibe ich ihm eine teutsche opera (1.11.1778)
Es dauerte seine Zeit, bis Mozart seine Chance erhielt, das Fragment der "Zaide" kann man als einen Versuch verstehen, für den Mozart keinen Auftrag hatte, der also unabgeschlossen blieb. Doch das Bemühen von Mozart führte zum Ziel, Graf Orsini-Rosenberg, der von Mozart seinen "Idomeneo" kannte, erteilte Ende Mai/Anfang Juni den Auftrag, Mozart mit der Komposition eines National-Singspiels zu betreuen, am 30. Juli 1781 erhielt er vonStephanie das Libretto.
Die für die das National-Singspiel bestimmten Texte waren nur zum Teil Originalstücke in deutscher Sprache, zum größeren Teil waren es Übersetzungen französischer Opéras comiques und italienischer Opere buffe. Es gab zwar im norddeutschen Raum Singspiele, doch diese gefielen in Wien nicht:
Die Musik, die wir hier aus Berlin, Sachsen und dem übrigen Norden erhalten, gefällt hier durchaus wenig. (Bericht aus Wien, zit. in der Einleitung von Ignaz Umlauf: Die Bergknappen, hrs. von Joseph Haas)
Stephanies Libretto war kein eigenes und kein ganz "Neues stück". Es war das Libretto Belmont und Constanze von C. F. Bretzner, komponiert von Johann André. Mit der Komposition begann auch eine Umarbeitung des Librettos durch den Komponisten. Ziel war es auf der einen Seite das Libretto den institutionellen Bedingungen und Erwartungen in Wien anzupassen, andererseits war es die Formgebung Mozarts, die dem Werk seinen Charakter gab.
Ich will nun im folgenden das Stück unter besonderer Aufmerksamkeit auf die Änderungen Mozarts durchgehen, weil die Intention des Komponisten dabei sehr deutlich zu erkennen ist.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (03.09.2015, 19:14): Nachdem ich mich in den letzten Tagen wieder fleißig in die Geschichte des deutschen Singspiels vertieft habe (nicht zuletzt Hans-Albrecht Koch: Das deutsche Singspiel, in der Sammlung Metzler als Band 133 erschienen, führte mich kundig durch das Labyrinth), will ich zumindest die gefundenen Antworten in Hinsicht auf "Die Entführung aus dem Serail" kurz vorstellen.
Singspiel im allgemeinsten Sinne wurde bis zum 19. Jahrhundert für die deutsche Oper gebraucht. Unter dem Genre verbargen sich eine Anzahl von unterschiedlichen Erscheinungsformen, die bezeugten, dass eine deutsche Oper erst im Entstehen war und ihr Publikum suchte.
Da gab es zum einen die Wanderbühnen, im Süden mit italienischen Wurzeln (der commedia dell'arte mit dem Arlequino), im Norden mit englischen Wurzeln (und dem Pickelhering, einer deutlich gröberen Version seines italienischen Anverwandten), dem entsprach dann der deutsche Hanswurst und der französische Arlequin.
Die Wanderbühnen suchten ihr Publikum auf den Märkten, sie waren volkstümlich und boten ein Minimum an künstlerischer Verarbeitung. Gesungenes war (volks-)liedhaft, die Handlung derb-komisch.
Wenn man nun aus der Perspektive der "Entführung" schaut, so war das Reformbemühen Joseph II. und seine Vorstellung eines deutschen Nationaltheaters die entscheidende Abregung. Die Vorstellung unterschied sich allerdings deutlich von der Bühnenwirklichkeit der Wanderbühnen. Joseph II. wollte ein repräsentatives Kulturinstitut, das zugleich eine erzieherische Aufgabe hatte und die moralische Bildung fördern sollte, ein Kompromiss zwischen bürgerlichem Bildungstheater und volkstümlicher Bühne. Wolfgang Ruf: Die Rezeption von Mozarts "Le nozze di Figaro" bei den Zeitgenossen. Wiesbaden 1977 legt dazu eine analytische Betrachtung der sozialen und historischen Bedingungen vor. Er fasst zusammen
Das seiner sozialen Bestimmung nach breiter angelegte Singspiel stand von vorneherein unter dem Zwiespalt einer Demokratisierung der Kunstpflege und einer ihr entgegengesetzten kulturellen Ambition der sich exklusiv verhaltenden Hörerschaft. Gerade weil im Singspiel das Ideal der josephinischen Bühne am ehesten erfüllt wurde - inhaltlich durch seine volkstümliche Milieuschilderung, seine gutbürgerliche Moral der belohnten Tugend und der bestraften Sünde und seiner vorsichtigen Feudalismuskritik, formal durch seine unprätentiöse sprachliche und musikalische Simplizität - widersprach es dem Drang des bürgerlichen Theaterpublikum nach einem die eigene Vornehmheit und Wichtigkeit erhöhenden Lebensstil. (S. 39f.)
Die "Entführung" war wohl die große Ausnahme, wo sich kaiserliche Intension und Publikumserwartung trafen. 1783 wurde das Singspiel wieder geschlossen, pointiert könnte man meinen, es wurde für die "Entführung" gegründet und war danach überflüssig.
Will man nun von der "Entführung" her Singspiel definieren, so bleibt es bei bei der komischen deutschen Oper mit gesprochenen Texten. Abert hatte im MGG (1. Aufl., Stichwort Oper) definiert
Spielt sich die Handlung einer Oper im gesprochenen Dialog ab, in den in kurzen Abständen an entscheidenden Stellen musikalische Nummern (Lieder, Arien, Ensembles, Chöre, Instrumental-Sätze) oder Szenen-Komplexe (Introduktionen, Finali) eingefüpgt sind, bezeichnet man das Werk auch als Singspiel.
Schletterer kommt in seinem Buch "Das deutsche Singspiel von seinen ersten Anfängen bis auf die neueste Zeit" (1863) zu folgender Definition
Mit dem Wort "Singspiel" wird jedes dramatische Werk bezeichnet, in welches Musikstücke, vornehmlich Gesänge, sei es in überwiegender, oder auch nur untergeordneter Weise eingewebt sind. (S. 1)
Bei allen anderen Eingrenzung kann man sofort treffende Gegenbesispiele nennen. Am ehesten trifft die Wahl eines heiteren Stoffes zu (was schon mal den "Fidelio" und den "Freischütz" außen vor lässt). Doch ein Kriterium "ländlich-einfaches Milieu" würde gerade die "Entführung", für die Zeitgenossen der Protyp eines Singspiels, ausschließen. "Aufführung durch singende Schauspieler" ist sicher auch für die "Entführung" nicht wirklich machbar, auch "Vorrang des gesprochenen Textes vor den Gesangseinlagen" gilt schon für einen "Doktor und Apotheker" nicht.
Doch mit einer Festlegung möchte ich meine Überlegung beenden: Der Dialog ist für mich konstitutiv, schon mit dem Wegfall der Sprechstimme, des Sprachrhythmus, des sprachlichen Agierens zerstört man den Zusammenklag eines Kunstwerks "Singspiel".
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (28.11.2016, 00:44): Bei Harnoncourts Einspielung sind mir die echt-osmanischen Klangeffekte im Ohr geblieben Ich weiß, dass Zelenka mir nicht mehr antworten kann, möchte diesen Teil dennoch zitieren, weil ich die Aufnahme ebenfalls besitze und mir das gleiche gedacht habe. Besonders bei "Vivat Bacchus" hört man diese "Schnalzer" und die große Trommel besonders gut.
In dem Harnoncourt-Buch spricht er auch kurz über diese Aufnahme.
In Krips´ Wiener Aufnahme der Entführung aus dem Serail von 1966 wird die meiste Zeit auf einem gleichmäßigen dynamischen Niveau musiziert. In Ihrer Zürcher Aufnahme aus dem jahr 1985 fliegt einem schon nach wenigen Takten die Janitscharenmusik um die Ohren.
Ich habe mir eigens für diese Entführung in Hessen Tschinellen gießen lassen, weil Mozart da zwei verschieden gestimmte Tschinellen verlangt. Und das wird normalerweise missachtet. Meine Frage war: Warum ist in der Ouvertüre diese türkische Musik? Die besteht aus einer großen Trommel, die mit einer Keule und einer Peitsche oder Birkenrute auf das Fell geschlagen wird. Die Janitscharenmusik meint hier einen schweren Keulen - oder Faustschlag in den Bauch und Peitschenhiebe auf den nackten Rücken. Wenn Mozart das in die Ouvertüre der Entführung schreibt, dann heißt das für mich: "Da, wo Menschen geschlagen werden." Und das erste, was der Belmonte dann singt, ist "hier", bezogen auf das, was man in der Ouvertüre gehört hat. Das ist nicht einfach nette türkische Musik, kling-kling-kling, und jetzt sagt er: "Hier soll ich dich denn sehen." Nein! "Hier, wo Menschen geschlagen werden, soll ich dich sehen. ich würde dich viel lieber auf einer schönen Wiese in der Toskana sehen." Da finde ich die Aussage sehr stark.
Ich habe wegen der Tschinellen in die Partitur gesehen, finde da aber auf die Schnelle keine diesbezügliche Anweisung. Weiß da jemand mehr? Interpretiert Harnoncourt hier zu viel in die Musik hinein?