Mozarts "Große" c-moll-Messe - Stückwerk in Vollendung
Carola (09.07.2006, 18:34): Ob man nun mit Wolfgang Hildesheimer der Meinung ist, dass Mozart in seiner Kirchenmusik "so ganz bei der Sache nicht gewesen" sei oder mit Hans Küng von einer "zwar theologisch unreflektierten, doch hochsensiblen Vertonung" des liturgischen Messetextes spricht - eines dürfte feststehen: Mozarts "Große"-c-moll-Messe, KV 427 ist selbst als Fragment noch so bedeutend, dass sie ebenbürtig zwischen Bachs h-moll-Messe und Beethovens Missa solemnis gestellt werden kann.
http://users.swing.be/lionbrye/mozart.jpg
Mozart schrieb die Messe in den Jahren 1782/1783. In einem Brief an seinen Vater spricht er davon, er habe noch als Bräutigam seiner Braut Konstanze die Komposition einer Messe versprochen, die bei einem Besuch des Paares in Salzburg uraufgeführt werde solle. Die Messe wurde denn auch im Oktober 1783 dort aufgeführt. Konstanze Mozart wirkte dabei als Solo-Sopranistin mit.
http://www.andechserchoere.de/images/Basilika.jpg
Von einer vollständigen Vertonung des lateinischen Messetextes konnte bei der Uraufführung allerdings nicht die Rede sein, das Agnus Dei fehlte völlig, das Credo war nur teilweise auskomponiert, weitere Teile fehlten ganz. Mozart hat das Werk auch später nicht mehr vollendet, das Kyrie und das Gloria verwandte er für die italienische Kantate Davide penitente, KV 469.
Mir gefällt besonders das Kontrastreiche an dieser Messe. Diese Mischung aus strenger Fuge und überschäumender Arie, aus festlichem Glanz und intimer Fürbitte, das berührt mich sehr. Besonders erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang natürlich die Sopranarie "Et incarnatus est" aus dem Credo. Alfred Einstein sprach im Hinblick auf diese Arie von "überwältigender Süße und Naivität". Manche heutigen Ohren würden womöglich hier statt von überwältigender eher von unerträglicher Süße sprechen - manche aber auch nicht.
Wie auch immer, die Qualität der beiden Solo-Sopranistinnen ist für mich bei dieser Messe ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung einer Aufnahme. Aber dazu später mehr.
Wie steht Ihr zu diesem Werk? Welche Aufnahmen kennt Ihr? Welche hört Ihr am liebsten?
fragt Carola
Carola (09.07.2006, 21:32): Eine frühe, immer noch herausragende Aufnahme ist die 1959 in Berlin entstandene mit dem (Laien)Chor der St-Hedwigs-Kathedrale und dem Radio-Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Ferenc Fricsay. Es handelt sich um eine der ersten Stereo-Aufnahmen in Deutschland.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2182566.jpg
In ihrem majestätisch langsamen Tempo ist diese Aufnahme mit ihrem wuchtigen Chor- und Orchesterklang schlicht atemberaubend. Auch die Solisten, vor allem die beiden Sopranistinnen Maria Stader und Hertha Töpper singen so packend, so intensiv, so zart, so glühend... - einfach unglaublich.
Auch in technischer Hinsicht ist der Klang ist in Anbetracht des Alters der Aufnahme erstaunlich gut.
Wer sich für Mozarts c-moll-Messe interessiert, sollte auch nach fast 50 Jahren an dieser Aufnahme nicht vorbeigehen. Es muss ja nicht die einzige bleiben...
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (10.07.2006, 11:12): @Carola,
die "Große" c-oll Messe von Mozart höre ich von Zeit zu Zeit gerne, aber zugegeben eher selten.
Heute morgen habe ich mir nochmals die Aufnahme von J.E. Gardiner angehört mit dem English Baroque Solists und dem Monteverdi Choir.
Der Monteverdi Chor begeistert mich einfach immer wieder. Tolle Stimmen und tolles gemeinsamer Gesang.
Es wir übrigens auf Originalinstrumenten musiziert!
Sollte ich einmal das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme verspühren greife ich sicherlich zu F. Fricsay! :D
Carola (10.07.2006, 16:08): Original von Rachmaninov
Sollte ich einmal das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme verspühren greife ich sicherlich zu F. Fricsay! :D
Das solltest Du unbedingt tun! Und bedenke, die mir ansonsten leider unbekannte Zeitschrfit Diapason hat die Fricsay-Aufnahme immerhin für unverzichtbar erklärt (siehe Zelenkas Presseschau).
Aber auch die von Dir erwähnte Gardiner-Aufnahme von 1986 ist wirklich klasse. Wie man es von Gardiner kennt, natürlich im Chor- und Orchesterklang um einiges transparenter, prägnanter und flotter unterwegs als die gute alte Tante-Fricsay-CD.
Interessant finde ich, dass in der Gardiner-Aufnahme sowohl das Kyrie als auch das Sopran-Solo "Et incarnatus est" in ebenso langsamen Tempo genommen wird wie bei Friscay. Übrigens auch bei Gardiner sehr schön gesungen, hier von Sylvia McNair.
Mit Gruß von Carola
Zelenka (17.07.2006, 15:25): Liebe Carola:
Herzlichen Dank für Deine schöne Einführung in Mozarts Messe KV 427! Ich besitze leider nur zwei Aufnahmen, und keine davon gehört zu den Spitzenaufnahmen, die der Diapason für unverzichtbar hält. Zum einen habe ich Colin Davis auf Philips Duo, aufgenommen 1971:
Donath, Davies, Harper, Dean, London Symphony Choir, LSO, C. Davis ADD Philips Duo 4388002
Die Version steht in der unseligen Tradition der romantisierenden Mozart-Pflege, die u.a. durch schwerfällige Tempi charakterisiert ist. Inauthentisch ist weiterhin auch, daß im Chor Damen Sopran singen und nicht Knaben. Wenn man einen romantischen Mozart haben möchte, sollte man wohl eher zu Fricsay greifen (was ich vielleicht im großen Kölner Saturn noch tun werde, wenn der Preis noch richtig sein sollte ...).
Meine andere Aufnahme aus dem Jahr 1988, die historisch informiert ist und auch eine andere Edition verwendet, ist Hogwoods:
Augér, Dawson, Ainsley, Thomas, Winchester Cathedral Choir, Winchester College Quiristers, Academy of Ancient Music, Hogwood DDD Decca L'Oiseau-Lyre 4255282
Sie ist allein aufnahmetechnisch schon vorzuziehen - und hat den Vorzug, wenigstens vom Diapason zur vertiefenden Beschäftigung mit der Messe empfohlen worden zu sein. Die sängerische Leistung ist allgemein hier auf sehr hohem Niveau.
Gruß,
Zelenka
Carola (17.07.2006, 17:03): Original von Zelenka
Zum einen habe ich Colin Davis auf Philips Duo, aufgenommen 1971:
Donath, Davies, Harper, Dean, London Symphony Choir, LSO, C. Davis ADD Philips Duo 4388002
Die Version steht in der unseligen Tradition der romantisierenden Mozart-Pflege, die u.a. durch schwerfällige Tempi charakterisiert ist. Inauthentisch ist weiterhin auch, daß im Chor Damen Sopran singen und nicht Knaben.
Zelenka
Lieber Zelenka,
mich würde die Länge dieser Aufnahme interessieren. Fricsay ist 57.07, Gardiner 53.26
Was die "romantisierende Mozart-Pflege" angeht, so würdest Du mit der Fricsay-Aufnahme vermutlich ebenfalls Probleme haben. Der (Laien)chor klingt riesig, die Tempi sind langsam, wirken für mein Gefühl allerdings nie verschleppt, wenn man sich erst mal auf die Langsamkeit eingelassen hat. Für diese Aufnahme spricht vor allem ihre ungeheure Intensität, die freilich manchmal auch etwas opernhaftes hat. Aber ob das Mozarts Intentionen wirklich widerspricht?
Die DG-Originals kosten bei Saturn übrigens immer noch 5,55 €.
Velleicht würde die Gardiner Aufnahme Dir besser gefallen. Ein Knabenchor ist der Monteverdi Choir allerdings auch nicht. Außerdem: Da Konstanze Mozart bei der Uraufführung in der Salzburger Peterskirche eine der beiden Solo-Sopranistinnen war, scheint mir 1783 auch ein gemischter Chor nicht mehr ausgeschlossen gewesen zu sein.
Zelenka (17.07.2006, 17:21): Original von Carola Original von Zelenka
Zum einen habe ich Colin Davis auf Philips Duo, aufgenommen 1971:
Donath, Davies, Harper, Dean, London Symphony Choir, LSO, C. Davis ADD Philips Duo 4388002
Die Version steht in der unseligen Tradition der romantisierenden Mozart-Pflege, die u.a. durch schwerfällige Tempi charakterisiert ist. Inauthentisch ist weiterhin auch, daß im Chor Damen Sopran singen und nicht Knaben.
Zelenka
Lieber Zelenka,
mich würde die Länge dieser Aufnahme interessieren. Fricsay ist 57.07, Gardiner 53.26
Was die "romantisierende Mozart-Pflege" angeht, so würdest Du mit der Fricsay-Aufnahme vermutlich ebenfalls Probleme haben. Der (Laien)chor klingt riesig, die Tempi sind langsam, wirken für mein Gefühl allerdings nie verschleppt, wenn man sich erst mal auf die Langsamkeit eingelassen hat. Für diese Aufnahme spricht vor allem ihre ungeheure Intensität, die freilich manchmal auch etwas opernhaftes hat. Aber ob das Mozarts Intentionen wirklich widerspricht?
Die DG-Originals kosten bei Saturn übrigens immer noch 5,55 €.
Velleicht würde die Gardiner Aufnahme Dir besser gefallen. Ein Knabenchor ist der Monteverdi Choir allerdings auch nicht. Außerdem: Da Konstanze Mozart bei der Uraufführung in der Salzburger Peterskirche eine der beiden Solo-Sopranistinnen war, scheint mir 1783 auch ein gemischter Chor nicht mehr ausgeschlossen gewesen zu sein.
Liebe Carola:
Davis liegt mit 55'24'' zwischen Fricsay und Gardiner. Eventuell sagt dieses Faktum aber vielleicht garnicht soviel aus, Zeitunterschiede könnten auf die jeweils verwendete Ausgabe zurückgehen. Hogwood braucht nur 51'25'', benutzt aber eine andere Edition.
An Fricsay wäre ich interessiert, weil er wohl der bessere Dirigent ist und vielleicht im Falle der Solisten das bessere Personal hatte. Wenn schon romantisch, und ich habe auch Respekt vor vielen Leistungen dieser Tradition, dann wenigstens auch das beste Beispiel für sie.
Bin beruhigt, daß sich während meines Urlaubs bei Saturn hinsichtlich der Originals-Preise nichts getan hat. (Dafür sind die Brötchen bei mir wie oft in der Ferienzeit teurer geworden.)
Gruß,
Zelenka
Zelenka (19.07.2006, 14:39): Liebe Carola:
Ich kann mich Deinen Bemerkungen zu Fricsays Aufnahme weiter oben im wesentlichen nur anschließen. Sie ist, wohlgemerkt auf ihre Art, ein Glücksfall. Man muß eben alles beiseiteschieben, was man mittlerweile über eine möglichst authentische Mozart-Aufführungspraxis weiß, und einfach z.B. die Stimmern der von Dir schon herausgestellten Solistinnen Maria Stader und Hertha Töpper genießen. Die Qualität der Aufnahme ist besser als im Falle der anderen inauthentlischen Aufnahme, die ich besitze (C. Davis). Letztere wird gleich aus meinem Katalog gestrichen.
Gruß,
Zelenka
Carola (19.07.2006, 15:13): Lieber Zelenka,
ich freue mich, dass Dir die Fricsay-Aufnahme auch gefällt - authentisch hin oder her. Nicht wahr, die beiden Sopranistinnen sind einfach unglaublich in ihrer überbordenden Intensität.
Ganz anders dagegen diese Aufnahme mit Harnoncourt aus meiner neu erworbenen Box mit Mozarts geistlicher Musik.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4916514.jpg
Arnold Schönberg Chor und Concentus musicus Wien gefallen mir wirklich gut, die beiden Sopranistinnen dafür überhaupt nicht, ganz kleine und dünne Stimmen, ausgerechnet beim "et incarnatus est" zum Beispiel.
Leider kommt weder Dorothea Röschmann, noch Barbara Bonney, noch Elisabeth von Magnus, noch Chrstine Schäfer zum Einsatz, wie sonst auf den meisten der in der Box befindlichen Aufnahmen.
Die beiden Sopran-Soli der c-moll Messe singen zwei Damen namens Krisztina Laki und Zsuzsanna Denes. Beide Namen sagten mir vorher gar nichts. Und jetzt auch nur insofern, als dass ihr Auftauchen auf einem Cover für mich ab sofort ein Kauf-Hindernisgrund sein wird.
Mit Gruß von Carola
ab (19.07.2006, 18:09): Original von Carola
Ganz anders dagegen diese Aufnahme mit Harnoncourt aus meiner neu erworbenen Box mit Mozarts geistlicher Musik.
Arnold Schönberg Chor und Concentus musicus Wien gefallen mir wirklich gut, die beiden Sopranistinnen dafür überhaupt nicht
Ja, Harnoncourt hatte nicht immer das glücklichste Händchen bei seinen Solisten. Dafür kenne ich ich kaum ein anderes Dirigat, das die Musik derart ernst nimmt. Der Musikfluss ganz im Dienste der Klangrede ist schon etwas Geniales, das er zur Perfektion getrieben hat. Seine erste Requiem-Aufnahme ist - nebenbei - die einzige, die ich kenne, bei der die rekonstruierten Süssmayr-Stellen ebenfalls völlig ernst genommen werden, anstatt unter fernerliefen abzuhandeln.
Mime (26.12.2007, 13:38): Hallo,
kann Jemand eine gute DVD- Aufnahme der c-moll-Messe empfehlen?
Und wer kennt die Parallelen zu Davidde Penitente?
:hello
Carola (09.07.2006, 18:34): Ob man nun mit Wolfgang Hildesheimer der Meinung ist, dass Mozart in seiner Kirchenmusik "so ganz bei der Sache nicht gewesen" sei oder mit Hans Küng von einer "zwar theologisch unreflektierten, doch hochsensiblen Vertonung" des liturgischen Messetextes spricht - eines dürfte feststehen: Mozarts "Große"-c-moll-Messe, KV 427 ist selbst als Fragment noch so bedeutend, dass sie ebenbürtig zwischen Bachs h-moll-Messe und Beethovens Missa solemnis gestellt werden kann.
http://users.swing.be/lionbrye/mozart.jpg
Mozart schrieb die Messe in den Jahren 1782/1783. In einem Brief an seinen Vater spricht er davon, er habe noch als Bräutigam seiner Braut Konstanze die Komposition einer Messe versprochen, die bei einem Besuch des Paares in Salzburg uraufgeführt werde solle. Die Messe wurde denn auch im Oktober 1783 dort aufgeführt. Konstanze Mozart wirkte dabei als Solo-Sopranistin mit.
http://www.andechserchoere.de/images/Basilika.jpg
Von einer vollständigen Vertonung des lateinischen Messetextes konnte bei der Uraufführung allerdings nicht die Rede sein, das Agnus Dei fehlte völlig, das Credo war nur teilweise auskomponiert, weitere Teile fehlten ganz. Mozart hat das Werk auch später nicht mehr vollendet, das Kyrie und das Gloria verwandte er für die italienische Kantate Davide penitente, KV 469.
Mir gefällt besonders das Kontrastreiche an dieser Messe. Diese Mischung aus strenger Fuge und überschäumender Arie, aus festlichem Glanz und intimer Fürbitte, das berührt mich sehr. Besonders erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang natürlich die Sopranarie "Et incarnatus est" aus dem Credo. Alfred Einstein sprach im Hinblick auf diese Arie von "überwältigender Süße und Naivität". Manche heutigen Ohren würden womöglich hier statt von überwältigender eher von unerträglicher Süße sprechen - manche aber auch nicht.
Wie auch immer, die Qualität der beiden Solo-Sopranistinnen ist für mich bei dieser Messe ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung einer Aufnahme. Aber dazu später mehr.
Wie steht Ihr zu diesem Werk? Welche Aufnahmen kennt Ihr? Welche hört Ihr am liebsten?
fragt Carola
Carola (09.07.2006, 21:32): Eine frühe, immer noch herausragende Aufnahme ist die 1959 in Berlin entstandene mit dem (Laien)Chor der St-Hedwigs-Kathedrale und dem Radio-Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Ferenc Fricsay. Es handelt sich um eine der ersten Stereo-Aufnahmen in Deutschland.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2182566.jpg
In ihrem majestätisch langsamen Tempo ist diese Aufnahme mit ihrem wuchtigen Chor- und Orchesterklang schlicht atemberaubend. Auch die Solisten, vor allem die beiden Sopranistinnen Maria Stader und Hertha Töpper singen so packend, so intensiv, so zart, so glühend... - einfach unglaublich.
Auch in technischer Hinsicht ist der Klang ist in Anbetracht des Alters der Aufnahme erstaunlich gut.
Wer sich für Mozarts c-moll-Messe interessiert, sollte auch nach fast 50 Jahren an dieser Aufnahme nicht vorbeigehen. Es muss ja nicht die einzige bleiben...
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (10.07.2006, 11:12): @Carola,
die "Große" c-oll Messe von Mozart höre ich von Zeit zu Zeit gerne, aber zugegeben eher selten.
Heute morgen habe ich mir nochmals die Aufnahme von J.E. Gardiner angehört mit dem English Baroque Solists und dem Monteverdi Choir.
Der Monteverdi Chor begeistert mich einfach immer wieder. Tolle Stimmen und tolles gemeinsamer Gesang.
Es wir übrigens auf Originalinstrumenten musiziert!
Sollte ich einmal das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme verspühren greife ich sicherlich zu F. Fricsay! :D
Carola (10.07.2006, 16:08): Original von Rachmaninov
Sollte ich einmal das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme verspühren greife ich sicherlich zu F. Fricsay! :D
Das solltest Du unbedingt tun! Und bedenke, die mir ansonsten leider unbekannte Zeitschrfit Diapason hat die Fricsay-Aufnahme immerhin für unverzichtbar erklärt (siehe Zelenkas Presseschau).
Aber auch die von Dir erwähnte Gardiner-Aufnahme von 1986 ist wirklich klasse. Wie man es von Gardiner kennt, natürlich im Chor- und Orchesterklang um einiges transparenter, prägnanter und flotter unterwegs als die gute alte Tante-Fricsay-CD.
Interessant finde ich, dass in der Gardiner-Aufnahme sowohl das Kyrie als auch das Sopran-Solo "Et incarnatus est" in ebenso langsamen Tempo genommen wird wie bei Friscay. Übrigens auch bei Gardiner sehr schön gesungen, hier von Sylvia McNair.
Mit Gruß von Carola
Zelenka (17.07.2006, 15:25): Liebe Carola:
Herzlichen Dank für Deine schöne Einführung in Mozarts Messe KV 427! Ich besitze leider nur zwei Aufnahmen, und keine davon gehört zu den Spitzenaufnahmen, die der Diapason für unverzichtbar hält. Zum einen habe ich Colin Davis auf Philips Duo, aufgenommen 1971:
Donath, Davies, Harper, Dean, London Symphony Choir, LSO, C. Davis ADD Philips Duo 4388002
Die Version steht in der unseligen Tradition der romantisierenden Mozart-Pflege, die u.a. durch schwerfällige Tempi charakterisiert ist. Inauthentisch ist weiterhin auch, daß im Chor Damen Sopran singen und nicht Knaben. Wenn man einen romantischen Mozart haben möchte, sollte man wohl eher zu Fricsay greifen (was ich vielleicht im großen Kölner Saturn noch tun werde, wenn der Preis noch richtig sein sollte ...).
Meine andere Aufnahme aus dem Jahr 1988, die historisch informiert ist und auch eine andere Edition verwendet, ist Hogwoods:
Augér, Dawson, Ainsley, Thomas, Winchester Cathedral Choir, Winchester College Quiristers, Academy of Ancient Music, Hogwood DDD Decca L'Oiseau-Lyre 4255282
Sie ist allein aufnahmetechnisch schon vorzuziehen - und hat den Vorzug, wenigstens vom Diapason zur vertiefenden Beschäftigung mit der Messe empfohlen worden zu sein. Die sängerische Leistung ist allgemein hier auf sehr hohem Niveau.
Gruß,
Zelenka
Carola (17.07.2006, 17:03): Original von Zelenka
Zum einen habe ich Colin Davis auf Philips Duo, aufgenommen 1971:
Donath, Davies, Harper, Dean, London Symphony Choir, LSO, C. Davis ADD Philips Duo 4388002
Die Version steht in der unseligen Tradition der romantisierenden Mozart-Pflege, die u.a. durch schwerfällige Tempi charakterisiert ist. Inauthentisch ist weiterhin auch, daß im Chor Damen Sopran singen und nicht Knaben.
Zelenka
Lieber Zelenka,
mich würde die Länge dieser Aufnahme interessieren. Fricsay ist 57.07, Gardiner 53.26
Was die "romantisierende Mozart-Pflege" angeht, so würdest Du mit der Fricsay-Aufnahme vermutlich ebenfalls Probleme haben. Der (Laien)chor klingt riesig, die Tempi sind langsam, wirken für mein Gefühl allerdings nie verschleppt, wenn man sich erst mal auf die Langsamkeit eingelassen hat. Für diese Aufnahme spricht vor allem ihre ungeheure Intensität, die freilich manchmal auch etwas opernhaftes hat. Aber ob das Mozarts Intentionen wirklich widerspricht?
Die DG-Originals kosten bei Saturn übrigens immer noch 5,55 €.
Velleicht würde die Gardiner Aufnahme Dir besser gefallen. Ein Knabenchor ist der Monteverdi Choir allerdings auch nicht. Außerdem: Da Konstanze Mozart bei der Uraufführung in der Salzburger Peterskirche eine der beiden Solo-Sopranistinnen war, scheint mir 1783 auch ein gemischter Chor nicht mehr ausgeschlossen gewesen zu sein.
Zelenka (17.07.2006, 17:21): Original von Carola Original von Zelenka
Zum einen habe ich Colin Davis auf Philips Duo, aufgenommen 1971:
Donath, Davies, Harper, Dean, London Symphony Choir, LSO, C. Davis ADD Philips Duo 4388002
Die Version steht in der unseligen Tradition der romantisierenden Mozart-Pflege, die u.a. durch schwerfällige Tempi charakterisiert ist. Inauthentisch ist weiterhin auch, daß im Chor Damen Sopran singen und nicht Knaben.
Zelenka
Lieber Zelenka,
mich würde die Länge dieser Aufnahme interessieren. Fricsay ist 57.07, Gardiner 53.26
Was die "romantisierende Mozart-Pflege" angeht, so würdest Du mit der Fricsay-Aufnahme vermutlich ebenfalls Probleme haben. Der (Laien)chor klingt riesig, die Tempi sind langsam, wirken für mein Gefühl allerdings nie verschleppt, wenn man sich erst mal auf die Langsamkeit eingelassen hat. Für diese Aufnahme spricht vor allem ihre ungeheure Intensität, die freilich manchmal auch etwas opernhaftes hat. Aber ob das Mozarts Intentionen wirklich widerspricht?
Die DG-Originals kosten bei Saturn übrigens immer noch 5,55 €.
Velleicht würde die Gardiner Aufnahme Dir besser gefallen. Ein Knabenchor ist der Monteverdi Choir allerdings auch nicht. Außerdem: Da Konstanze Mozart bei der Uraufführung in der Salzburger Peterskirche eine der beiden Solo-Sopranistinnen war, scheint mir 1783 auch ein gemischter Chor nicht mehr ausgeschlossen gewesen zu sein.
Liebe Carola:
Davis liegt mit 55'24'' zwischen Fricsay und Gardiner. Eventuell sagt dieses Faktum aber vielleicht garnicht soviel aus, Zeitunterschiede könnten auf die jeweils verwendete Ausgabe zurückgehen. Hogwood braucht nur 51'25'', benutzt aber eine andere Edition.
An Fricsay wäre ich interessiert, weil er wohl der bessere Dirigent ist und vielleicht im Falle der Solisten das bessere Personal hatte. Wenn schon romantisch, und ich habe auch Respekt vor vielen Leistungen dieser Tradition, dann wenigstens auch das beste Beispiel für sie.
Bin beruhigt, daß sich während meines Urlaubs bei Saturn hinsichtlich der Originals-Preise nichts getan hat. (Dafür sind die Brötchen bei mir wie oft in der Ferienzeit teurer geworden.)
Gruß,
Zelenka
Zelenka (19.07.2006, 14:39): Liebe Carola:
Ich kann mich Deinen Bemerkungen zu Fricsays Aufnahme weiter oben im wesentlichen nur anschließen. Sie ist, wohlgemerkt auf ihre Art, ein Glücksfall. Man muß eben alles beiseiteschieben, was man mittlerweile über eine möglichst authentische Mozart-Aufführungspraxis weiß, und einfach z.B. die Stimmern der von Dir schon herausgestellten Solistinnen Maria Stader und Hertha Töpper genießen. Die Qualität der Aufnahme ist besser als im Falle der anderen inauthentlischen Aufnahme, die ich besitze (C. Davis). Letztere wird gleich aus meinem Katalog gestrichen.
Gruß,
Zelenka
Carola (19.07.2006, 15:13): Lieber Zelenka,
ich freue mich, dass Dir die Fricsay-Aufnahme auch gefällt - authentisch hin oder her. Nicht wahr, die beiden Sopranistinnen sind einfach unglaublich in ihrer überbordenden Intensität.
Ganz anders dagegen diese Aufnahme mit Harnoncourt aus meiner neu erworbenen Box mit Mozarts geistlicher Musik.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4916514.jpg
Arnold Schönberg Chor und Concentus musicus Wien gefallen mir wirklich gut, die beiden Sopranistinnen dafür überhaupt nicht, ganz kleine und dünne Stimmen, ausgerechnet beim "et incarnatus est" zum Beispiel.
Leider kommt weder Dorothea Röschmann, noch Barbara Bonney, noch Elisabeth von Magnus, noch Chrstine Schäfer zum Einsatz, wie sonst auf den meisten der in der Box befindlichen Aufnahmen.
Die beiden Sopran-Soli der c-moll Messe singen zwei Damen namens Krisztina Laki und Zsuzsanna Denes. Beide Namen sagten mir vorher gar nichts. Und jetzt auch nur insofern, als dass ihr Auftauchen auf einem Cover für mich ab sofort ein Kauf-Hindernisgrund sein wird.
Mit Gruß von Carola
ab (19.07.2006, 18:09): Original von Carola
Ganz anders dagegen diese Aufnahme mit Harnoncourt aus meiner neu erworbenen Box mit Mozarts geistlicher Musik.
Arnold Schönberg Chor und Concentus musicus Wien gefallen mir wirklich gut, die beiden Sopranistinnen dafür überhaupt nicht
Ja, Harnoncourt hatte nicht immer das glücklichste Händchen bei seinen Solisten. Dafür kenne ich ich kaum ein anderes Dirigat, das die Musik derart ernst nimmt. Der Musikfluss ganz im Dienste der Klangrede ist schon etwas Geniales, das er zur Perfektion getrieben hat. Seine erste Requiem-Aufnahme ist - nebenbei - die einzige, die ich kenne, bei der die rekonstruierten Süssmayr-Stellen ebenfalls völlig ernst genommen werden, anstatt unter fernerliefen abzuhandeln.
Mime (26.12.2007, 13:38): Hallo,
kann Jemand eine gute DVD- Aufnahme der c-moll-Messe empfehlen?
Und wer kennt die Parallelen zu Davidde Penitente?