obwohl ich keine große Anhängerin von Mozart bin, meine ich doch, dass ich meine Sammlung gelegentlich um einige seiner Symphonien erweitern könnte. Eventuell sind mir ja bislang ungeahnte und unglaubliche Hörerlebnisse entgangen. Gesamtaufnahmen mag ich generell nicht, einige wenige Einzelaufnahmen besitze ich bereits. Als da wären:
Nr. 36 – C. Kleiber Nr. 39 – Furtwängler Nr. 40 – Böhm, Toscanini Nr. 41 – Böhm
Das war es schon.
Welche seiner Symphonien sollte man also unbedingt gehört haben? In welchen Einspielungen erscheinen sie Euch besonders gelungen?
Gruß, Cosima
Jack Bristow (07.07.2006, 16:00): Meine Lieblingssinfonie ist #38 "Prager". Außer dieser und den von Dir schon genannten, sollte man m.E. kennen:
Falls die wider Erwarten gefallen sollten, vielleicht noch
#32 (eher eine Ouverture) #26 dito #28 C-Dur
(#37 gibt es nicht; hier hatte Mozart eine Einleitung für eine Sinfonie von Michael Haydn geschrieben)
Ich gehöre zu der signifikanten Minderheit, die die häufig genannten Mozart-Interpreten wie Boehm, Krips, Marriner, massiv überschätzt mit einer Tendenz zu gepflegter Langeweile, findet. Harnoncourts Aufnahmen mit dem Concertgebouw sind in macher Hinsicht provokant, aber sehr spannen und hörenswert (außerdem preiswertes Reinhören möglich, elatus u.ä. 5-7 EUR), einige andere highlights (teils historisch, teils nicht so leicht oder nur in Sammelboxen zu finden):
#41 Fricsay, Szell (Immerseel für HIP) #40 E. Kleiber, Schuricht (Furtwängler in der Version ohne Klarinetten) #38 Markevitch #36 Klemperer #35 Fricsay, Markevitch, Szell #34 Markevitch, Szell #31 Klemperer #25 Klemperer
Bei Fricsay sind #29, 35, 41 mono, 39,49 und die Füller (Nachtmusik, Maurer. Trauermusik, Adagio&Fuge c-moll) stereo. Seine #40 ist sehr langsam, sagt mir nicht so zu, aber durchaus ergreifend (wenn man weiß, dass er todkrank war). 41 und 35 gehören zu den m.E besten Mozartinterpretationen überhaupt. Bours 4-CD-Box mit 10 Sinfonien (25, 28, 29, 33, 35-41) für 4,99 ist nicht nur zum Kennenlernen erstklassig: geradlinige, schnörkellose, transparente Aufnahmen, vielleicht etwas "neutral". Klang einwandfrei (vermutlich vom SWF, ca. 1970)
viele Grüße
J. Bristow
Cosima (07.07.2006, 17:03): Hallo Jack,
danke Dir für Deine interessanten Vorschläge. Besonders der Hinweis auf Fricsay freut mich, da ich einige seiner Aufnahmen (Beethoven, Dvorák, Smetana) sehr schätze. Ich glaube, der wäre etwas für mich, zumal auch vom Preis her gut erschwinglich.
Harnoncourt hatte ich auch schon ins Auge gefasst. „Provokant und spannend“ klingt gut, zumal ich mit meinen Böhm-Aufnahmen auch nicht so recht glücklich bin. Die „Prager“ würde ich mir also eventuell mit Harnoncourt zulegen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6930828.jpg
Die weiterhin enthaltene Symphonie Nr. 39 ist auf der Rondo-Seite sehr positiv besprochen worden: "http://www.rondomagazin.de/fuehrer/mozart/wam12.htm"
Ich denke, hier kann man nicht viel falsch machen (sie kostet zudem nur 4,99 Euro).
Soweit meine momentanen Überlegungen. Vielleicht melden sich ja noch andere Mitglieder, um ihre Eindrücke kundzutun.
Gruß, Cosima
Cosima (07.07.2006, 17:48): Meine Recherche eben ergab, dass bzgl. der „Prager“ die Mackerras-Aufnahme vielleicht eine gute Alternative wäre. Kennt sie jemand?
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5089987.jpg
Ein Glücksfall aber, wenn zu fundierten Kenntnissen über Fragen des Stils auch das Talent eines Vollblutmusikers hinzukommt wie bei Charles Mackerras. Seine Aufnahme der "Prager" Sinfonie hat unglaublichen Drive und sichert der Musik scharf umrissene Konturen. Außerdem erinnert das Cembalo daran, daß zu Mozarts Zeit immer noch eine Continuo-Gruppe im Orchester mitspielte. (Rondo-Seite)
Was ist eigentlich mit Sándor Vegh? Gilt er nicht als Mozart-Experte?
Gruß, Cosima
Jack Bristow (07.07.2006, 18:13): Original von Cosima danke Dir für Deine interessanten Vorschläge. Besonders der Hinweis auf Fricsay freut mich, da ich einige seiner Aufnahmen (Beethoven, Dvorák, Smetana) sehr schätze. Ich glaube, der wäre etwas für mich, zumal auch vom Preis her gut erschwinglich.
Ja, 12-15 EUR für 2 randvolle CDs. Die #29 ist die einzige, die ich nicht so gelungen finde (auch klanglich sehr trocken)
Harnoncourt hatte ich auch schon ins Auge gefasst. „Provokant und spannend“ klingt gut, zumal ich mit meinen Böhm-Aufnahmen auch nicht so recht glücklich bin. Die „Prager“ würde ich mir also eventuell mit Harnoncourt zulegen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6930828.jpg
Ich denke, hier kann man nicht viel falsch machen (sie kostet zudem nur 4,99 Euro).
Die Prager ist eine extreme Interpretation; Harnoncourt läßt alle Wiederholungen spielen und nimmt im Kopfsatz ein recht gemäßigtes Tempo, so dass der ca. 19 min dauert, da würde ich empfehlen mal eine "normalere" Version als Alternative zu hören. Die 39 mag auch manchen verprellen, aber die finde ich grandios. Man hört schon Beethovens Eroica heraus (ebenso macht er m.E. durch seine Tempowahl den Zusammenhag der Einleitung mit dem Rest des Hauptsatzes deutlicher als die meisten andern). Welche Sinfonien mit Vegh zu haben sind, weiß ich nicht; es gibt massenhaft Serenaden und Divertimenti in einer Box. Er wäre vermutlich aus der "leicht und spritzig"-Richtung meine erste Wahl. Mackerras kenne ich nicht; scheint aber eine ordentliche Version in kleiner Besetzung (moderne Instrumente) zu sein.
viele Grüße
J. Bristow
Carola (07.07.2006, 19:00): Nun, dass ich in Sachen Mozart Sinfonien nicht zu Jacks "signifikanter Minderheit" gehöre, dürfte ja hier allgemein bekannt sein.
Ich besitze diese Gesamtaufnahme der Sinfonien mit Karl Böhm und den Berliner Philharmonikern aus den Sechzigern
Ich finde diese Aufnahmen nach wie vor wunderbar. Damit meine ich vor allem ganz naiv, dass sie so klingt, wie Mozart für mich nun mal in erster Linie klingen muss - schön. Das FonoForum bezeichnete die Aufnahmen übrigens kürzlich als "pomadig" - das haben sie vor 30 Jahren sicher noch ganz anders gesehen. Und auch ich finde das nicht, sondern würde eher Vokabeln wie Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit benutzen.
Einzig bei ganz den frühen Sinfonien muss man wohl Abstriche machen, die sind denn doch auch für meinen Geschmack etwas zu schwerfällig musiziert. Da nehme ich lieber die Aufnahmen mit Macckeras und dem Prager Kammerorchester zur Hand, die sind leichtfüßiger.
Von den frühen Sinfonien höre ich besonders gerne die "kleine"g-moll-Sinfonie, Nr. 25. Aber auch Nr. 14, 19, und 24 gefallen mir gut. Und ab Nr. 29 dann sowieso alles.
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (07.07.2006, 19:03): Hallo,
kennt jemand die Aufnahmen unter Hogwood aus der, von mir sehr geschätzten L'oiseau_Lyre Serie?
Würde mich sehr über eine Meinung freuen :hello
fohlenfanatiker (07.07.2006, 23:31): Die Böhm-Gesamteinspielung habe ich auch und ich habe ein etwas gespaltenes Verhältnis dazu. Es gibt Tage, da find ich sie auch richtig schön. Dann wiederum recht langweilig, wie ein Uhrwerk: Tick, tick tick. Keine Tempo variationen, nur präzise und gleichmäßig. Mir ist wohl klar, dass sie mehr als nur präzise und gleichmäßig sind, aber manchmal langweilen mich diese Aufnahmen einfach.Das ist bei mir sehr stimmungsabhängig.
An Cosima, Die Mackerrasaufnahmen find ich ausgesprochen gelungen, insbesondere auch die 38. Dynamisch und mitreissend würde ich sie bezeichnen. Ich meine, dass diese Reihe auch überhaupt eine gute Anschaffung ist. Ich besitze von Mackerras die Sinfonien von 24-41. Die früheren Werke muss ich nicht häufiger als einmal haben. Aber wie ich sehe, ist deine Sammlung wohl noch recht ausbaufähig.
Von Harnoncourt besitze ich die Sinfonien mit dem Concertgebouw Nr. 31, 33 34, 35, 40, 41. Harnoncourt ist halt Geschmacksache, ich mag sie auch, mir gefällt aber der Mackerras besser.
Cosima (08.07.2006, 10:31): Original von Carola Ich finde diese Aufnahmen nach wie vor wunderbar. Damit meine ich vor allem ganz naiv, dass sie so klingt, wie Mozart für mich nun mal in erster Linie klingen muss - schön. Das FonoForum bezeichnete die Aufnahmen übrigens kürzlich als "pomadig" - das haben sie vor 30 Jahren sicher noch ganz anders gesehen. Und auch ich finde das nicht, sondern würde eher Vokabeln wie Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit benutzen.
Pomadig, ausgewogen – so würde ich Böhms Mozart-Interpretation auch bezeichnen. Und das ist genau der Grund, warum ich ihn weniger schätze, ja sogar eher als langweilig bezeichnen würde. „Schön“ ist zwar relativ, aber eigentlich war ich genau mit diesem Vorurteil belastet: Dass Mozart nämlich einfach nur „schön“ klingen müsse. Das mag der Grund sein, weshalb ich mich so lange gegen Mozarts Musik sperrte. Erst Interpretationen, die andere Seiten Mozarts aufzeigen, haben mich ein wenig mehr für diesen Komponisten geöffnet.
Sei’s drum, jedem seine Vorlieben.
Gruß, Cosima
Cosima (08.07.2006, 10:40): Original von fohlenfanatiker Die Mackerrasaufnahmen find ich ausgesprochen gelungen, insbesondere auch die 38. Dynamisch und mitreissend würde ich sie bezeichnen.
Hallo Günter,
schön, dass sich noch ein Fürsprecher der Mackerras-Aufnahme gefunden hat (Carola erwähnte ihn ja auch). Die Prager sollte ich wohl wirklich gehört haben. Ich bin gespannt, ob sie mir gefallen wird. Harnoncourt würde mich aber auch sehr reizen, gerade weil er so kontrovers beurteilt wird.
Was ist eigentlich mit Gardiner? Auch sehr gelobt - vielleicht eine Alternative?
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7977084.jpg
Gruß, Cosima
Carola (08.07.2006, 15:44): Zu Gardiner kann ich leider in diesem Zusammenhang nichts sagen. Seine Einspielung von Mozarts c-moll-Messe ist jedenfalls großartig.
Gerade gesehen: Die Gesamtaufnahme der Sinfonien mit Macckeras, Prager Kammerorchester aus den Achtzigern
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6176881.jpg
kostet bei jpc jetzt nur noch knapp 50 Euro, bisher waren es 65 Euro (10 CDs), Amazon will immer noch den alten Preis (über Marketplace)
Wer die Sinfonien auf modernen Instrumenten hören möchte, aber spritziger und leichtfüßiger als die Böhm-Aufnahme, ist mit Macckeras sicher gut bedient.
Was ich mich frage: Jetzt zum Mozartjahr 2006 hätte doch eigentlich eine neue Gesamtaufnahme (von wem auch immer) nahegelegen. Ich weiß allerdings von keiner. Ihr?
fragt Carola
Tangua (08.07.2006, 18:34): Hallo Cosima, wenn Du Alternativen zu dem von Dir als zu pomadig empfundenen Böhm-Mozart suchst, solltest Du neben Mackerras, den ich auch wegen seiner luftig-transparenten Herangehensweise und der kleineren Orchesterbesetzuing sehr mag, unbedingt Szell in Erwägung ziehen. Das ist ein von Böhm völlig unterschiedlicher Mozart, quasi die sportliche Mozart-Version, kraftvoll, dynamisch und mit Ecken und Kanten. Es gibt eine Sony-CD mit der 35.,40. und 41 zum Spottpreis, deren Anschaffung sich unbedingt lohnt!
Cosima (08.07.2006, 20:29): Original von Tangua Das ist ein von Böhm völlig unterschiedlicher Mozart, quasi die sportliche Mozart-Version, kraftvoll, dynamisch und mit Ecken und Kanten. Es gibt eine Sony-CD mit der 35.,40. und 41 zum Spottpreis, deren Anschaffung sich unbedingt lohnt!
Das klingt sehr gut! Vielen Dank für den Hinweis auf Szell, den ich auch sehr schätze. Die CD ist notiert.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (09.07.2006, 10:00): Original von Rachmaninov Hallo,
kennt jemand die Aufnahmen unter Hogwood aus der, von mir sehr geschätzten L'oiseau_Lyre Serie?
Würde mich sehr über eine Meinung freuen :hello
Was die Hogwood Aufnahme angeht habe ich festgestellt, daß sie doch durchaus sehr positive Besprechungen und Kommentare bekommen hat.
Es handelt sich, wie erwartet, um eine HIP Aufnahme!
Neben den kompletten Sinfonien sind noch weiter 27 ochestrale Werke eingespielt :beer
Cosima (10.07.2006, 21:10): Hallo allerseits,
die o.g. Harnoncourt-Aufnahme der „Prager“ und der 39. Symphonie habe ich nun also gehört. Ich hatte es mir fast gedacht nach den Beschreibungen, die ich las: Sie ist für mich ein echter Volltreffer! Harnoncourt lässt gut durchhörbar, frisch, lebendig und kontrastreich spielen - in der Tat spannend anzuhören! Ohne Vergleich kann ich nun natürlich nicht beurteilen, inwiefern die Interpretation der Prager extrem ist, wie Jack oben schrieb. Sicher kann ich aber sagen, dass mir Harnoncourts „entschlackte“ und forsche Herangehensweise sehr gut gefällt.
Die Symphonie an sich mag ich auch sehr. Sie ist sehr abwechslungsreich; ich mag ihre bedrohlich wirkenden Elemente, ihre Melancholie und auch ihre Rastlosigkeit und Unruhe (letzter Satz). Ein wirklich schönes Werk! Soweit meine ersten Eindrücke.
Nun überlege ich, ob ich als nächstes Szell, Fricsay oder Mackerras angehen sollte.
Gruß, Cosima
Jack Bristow (10.07.2006, 22:46): Original von Cosima die o.g. Harnoncourt-Aufnahme der „Prager“ und der 39. Symphonie habe ich nun also gehört. Ich hatte es mir fast gedacht nach den Beschreibungen, die ich las: Sie ist für mich ein echter Volltreffer! Harnoncourt lässt gut durchhörbar, frisch, lebendig und kontrastreich spielen - in der Tat spannend anzuhören! Ohne Vergleich kann ich nun natürlich nicht beurteilen, inwiefern die Interpretation der Prager extrem ist, wie Jack oben schrieb. Sicher kann ich aber sagen, dass mir Harnoncourts „entschlackte“ und forsche Herangehensweise sehr gut gefällt.
Es freut mich, dass sie Dir gefällt! Harnoncourt neigt zum Polarisieren, daher bin ich mit allzu vollmundigen Empfehlungen hier gern etwas vorsichtig...
Die Symphonie an sich mag ich auch sehr. Sie ist sehr abwechslungsreich; ich mag ihre bedrohlich wirkenden Elemente, ihre Melancholie und auch ihre Rastlosigkeit und Unruhe (letzter Satz). Ein wirklich schönes Werk! Soweit meine ersten Eindrücke.
Sie ist m.E. von den beiden g-moll-Werken abgesehen die mit Abstand düsterste und dramatischste Mozart-Sinfonie, der Kopfsatz ist einfach gigantisch :down :down :down Ich war mal in den USA einige Wochen unterwegs, ohne "richtige" Musik hören zu können; dann bin ich mit jemandem im Auto mitgefahren und im Radio erklang ein Stück des ersten Satzes dieser Sinfonie; ich war ohne weiteren Anlaß am Schlucken...Das Seitenthema, das so zwischen Dur und Moll changiert, mit dieser Gegenstimme in den Fagotten ist für mich eine unglaublich ergreifende Stelle.
Nun überlege ich, ob ich als nächstes Szell, Fricsay oder Mackerras angehen sollte.
Wenn die "Prager" Priorität haben soll, bleiben wohl nur Mackerras oder Gardiner (ich glaube die hole ich mir auch noch, solange sie preiswert ist, hat viel Lob geerntet)
viele Grüße
J. Bristow
Cosima (11.07.2006, 07:32): Original von Jack Bristow Wenn die "Prager" Priorität haben soll, bleiben wohl nur Mackerras oder Gardiner (ich glaube die hole ich mir auch noch, solange sie preiswert ist, hat viel Lob geerntet)
Hallo Jack, hallo allerseits,
ja, eine alternative Einspielung der "Prager" hätte ich schon noch gerne, u.a. auch, um die Harnoncourt-Aufnahme besser einschätzen zu können.
Ich warte hier jetzt aber ab, was z.B. Zelenka nach seinem Urlaub noch schreiben wird, der wohl beide kennt - also Mackerras und Gardiner. Oder vielleicht meldet sich ja sonst noch jemand zu Wort, der hier eine Einschätzung abgeben kann.
Fricsay hätte ich aber trotzdem gern, Du hast ja sehr von der 41. geschwärmt.
Ich frage einfach noch einmal in die Runde: Welches sind denn Eure Lieblings-Symphonien von Mozart? Und warum?
Gruß, Cosima
Cosima (13.07.2006, 12:19): Original von Cosima Was ist eigentlich mit Gardiner? Auch sehr gelobt - vielleicht eine Alternative?
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7977084.jpg
Nun beantworte ich mir meine Frage selber. :)
Weil ich die Prager-Sinfonie inzwischen sehr liebe, habe ich mir doch noch die Gardiner-Aufnahme zugelegt. Es bleibt für mich dabei: Harnoncourt bietet die spannendere Interpretation. Dennoch meine ich, dass die Einspielung unter Gardiner (auf Originalinstrumenten) ihre Reize hat: Mir gefallen die Klarheit und eine gewisse Strenge und Kantigkeit. Ich würde sagen, dass sie „schöner“ ist als die Harnoncourt-Aufnahme – aber nicht im plüschigen Sinne, sondern im Sinne von „erhaben/edel“. Obwohl ich überhaupt keine Mozart-Expertin bin, würde ich den Gardiner rein vom Gefühl her als Mozart-näher bezeichnen. Vielleicht weiß jemand, wie ich es meine. Auf jeden Fall eine tolle Alternative!
Ich merke schon: Langsam werde ich doch noch zur Mozart-Anhängerin.
Gruß, Cosima
Carola (13.07.2006, 12:44): Original von Cosima
Ich merke schon: Langsam werde ich doch noch zur Mozart-Anhängerin.
Gruß, Cosima
Das lese ich gerne, liebe Cosima!!!! :beer
Die "Pager"-Sinfonie ist aber auch wirklich klasse. Und was Harnoncourt angeht: Bei den Sinfonien sind und bleiben unsere Geschmäcker einfach verschieden, aber - ganz unter uns: Seine Aufnahmen mit Mozarts geistlicher Musik gefallen auch mir. :)
Mit Gruß von Carola
Cosima (13.07.2006, 12:50): Original von Carola Das lese ich gerne, liebe Cosima!!!! :beer
Ich glaube, dass es in Sachen Mozart noch mehr als bei anderen Komponisten darauf ankommt, dass ich die "richtige" Interpretation erwische, damit ich mich überhaupt erst einmal für das Werk begeistere. Das bedeutet für mich: Bloß nicht süßlich, plüschig, verzärtelt usw. Aber die Auswahl ist ja für jeden Geschmack groß genug.
Gruß, Cosima :beer
Cosima (13.07.2006, 17:04): Original von Jack Bristow Ich war mal in den USA einige Wochen unterwegs, ohne "richtige" Musik hören zu können; dann bin ich mit jemandem im Auto mitgefahren und im Radio erklang ein Stück des ersten Satzes dieser Sinfonie; ich war ohne weiteren Anlaß am Schlucken...Das Seitenthema, das so zwischen Dur und Moll changiert, mit dieser Gegenstimme in den Fagotten ist für mich eine unglaublich ergreifende Stelle.
Ich muss das jetzt einfach mal sagen, weil ich die letzten Tage so oft diese Symphonie gehört habe: Das von Jack Geschriebene kann ich jetzt gut verstehen! Insbesondere der 1. Satz (ich glaube ich weiß, welche Stelle Jack meint, ich hörte sie eben) ist wunderschön! Ich bin nun richtig froh, diese Symphonie entdeckt zu haben! Harnoncourt und Gardiner haben aufgeräumt mit meinem Vorurteil gegenüber Mozarts Symphonien. Was für eine großartige Komposition diese Prager doch ist! :down
Gruß, Cosima
Nachtrag:
Gerade fiel mir beim Hören ein, wie man die Gardiner-Aufnahme noch beschreiben könnte. Ich bezeichnete sie ja bereits als „schön“ im Sinne von „erhaben und edel“. Eben dachte ich, dass sie so etwas wie „schlichte Größe“ besitzt. „Schlicht“ im positiven Sinne eben wegen ihrer Klarheit, Reinheit und Transparenz, "Größe" wegen ihrer Stringenz und Schnörkellosigkeit. Dagegen erscheint mir Harnoncourt fast etwas überfrachtet, überinterpretiert… oder wie immer man das bezeichnen möchte. Vielleicht auch deshalb mein Eindruck, dass sie Mozart-gerechter oder - näher sei.
Schade, dass sonst scheinbar niemand diese Aufnahme kennt. Ich wüsste gerne, wie sie auf andere Hörer wirkt.
Carola (14.07.2006, 14:56): Ich habe mir jetzt den ersten Satz der "Prager"-Sinfonie Nr. 38 im Vergleich von Gardiner und Harnoncourt angehört.
Den Unterschied, vor allem im Klang der Bläser, merkt man schon bei dem Fanfaren-Auftakt. Bei Harnoncourt klingt das sehr krass, als sollte es um jeden Preis ein richtiger "Knalleffekt" werden. Auch bei Gardiner wirkt der Anfang im Vergleich zu Böhm noch sehr knackig, dennoch längst nicht so hart und forciert wie bei Harnoncourt. Gerade diesen harten Klang der Bläser mag ich bei Harnoncourt überhaupt nicht - vor allem in Kombination mit dem dürren, "verhungerten" Streicherklang. Das mag auch daran liegen, dass 1981, zum Zeitpunkt der Harnoncourt-Aufnahme, die digitale Aufnahmetechnik noch in den Kinderschuhen steckte. Die Gardiner-Aufnahme ist von 1988.
Gardiners Interpretation scheint mir insgesamt nicht so ruppig, nicht so forciert wie bei Harnoncourt, dafür geradliniger, flüssiger, eleganter. Oder wie Cosima es ausgedruckt hat - edler.
Innerhalb des "HIP"-Ansatzes (historische Spielweise und Instrumente) ist Gardiner nach meiner Auffassung also Harnoncourt klar vorzuziehen.
Mit Gruß von Carola
Cosima (14.07.2006, 15:25): Original von Carola Gardiners Interpretation scheint mir insgesamt nicht so ruppig, nicht so forciert wie bei Harnoncourt, dafür geradliniger, flüssiger, eleganter. Oder wie Cosima es ausgedruckt hat - edler.
Schön, dass sich nun doch noch jemand gefunden hat, der diese Aufnahme gehört hat und etwas dazu schreiben mag. :)
Ähnlich wie Carola (geradlinig und elegant) würde ich die Gardiner-Aufnahme auch bezeichnen. Den Harnoncourt mag ich aber trotzdem, bemerke aber auch, dass ich Gardiner inzwischen etwas vorziehe. Harnoncourt strengt auf Dauer etwas mehr an beim Zuhören.
Gruß, Cosima
Zelenka (14.07.2006, 15:32): Original von Carola Ich habe mir jetzt den ersten Satz der "Prager"-Sinfonie Nr. 38 im Vergleich von Gardiner und Harnoncourt angehört.
Gardiners Interpretation scheint mir insgesamt nicht so ruppig, nicht so forciert wie bei Harnoncourt, dafür geradliniger, flüssiger, eleganter. Oder wie Cosima es ausgedruckt hat - edler.
Innerhalb des "HIP"-Ansatzes (historische Spielweise und Instrumente) ist Gardiner nach meiner Auffassung also Harnoncourt klar vorzuziehen.
Mit Gruß von Carola
Liebe Carola:
Vielleicht ein Missverstaendnis meinerseits, aber Harnoncourt ist hier mit dem Concertgebouw nicht HIP!
Gruss,
Zelenka
Carola (14.07.2006, 16:16): Original von Zelenka
Liebe Carola:
Vielleicht ein Missverstaendnis meinerseits, aber Harnoncourt ist hier mit dem Concertgebouw nicht HIP!
Gruss,
Zelenka
Hm, ich spreche in der Tat von dieser Aufnahme
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9974901.jpg
Die war mich immer der Inbegriff des "HIP" - vor allem, wie die Bläser klingen. Aber unabhängig von den Instrumenten auch die Spielweise, dieses ruppige, harte, um keinen Preis schön klingen wollende - was immer es ist - ich mag es nicht
Mit Gruß von Carola
Zelenka (14.07.2006, 16:21): Original von Carola Original von Zelenka
Liebe Carola:
Vielleicht ein Missverstaendnis meinerseits, aber Harnoncourt ist hier mit dem Concertgebouw nicht HIP!
Gruss,
Zelenka
Hm, ich spreche in der Tat von dieser Aufnahme
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9974901.jpg
Die war mich immer der Inbegriff des "HIP" - vor allem, wie die Bläser klingen. Aber unabhängig von den Instrumenten auch die Spielweise, dieses ruppige, harte, um keinen Preis schön klingen wollende - was immer es ist - ich mag es nicht
Mit Gruß von Carola
Liebe Carola:
Im Prinzip ist das Concertgebouw nicht HIP, aber vielleicht haben die Blaeser in HIP-Manier spielen muessen. Ich mag die Aufnahme auch nicht im uebrigen und habe sie vor Jahren ausgesondert. :D Mehr vielleicht demnaechst.
Gruss,
Zelenka
Carola (14.07.2006, 16:42): Original von Zelenka
Liebe Carola:
... Ich mag die Aufnahme auch nicht im uebrigen und habe sie vor Jahren ausgesondert. :D ...
Gruss,
Zelenka
Genau das habe ich gerade auch getan. :D
Aber von Gardiners Mozart-Sinfonien will ich mehr hören. Also morgen noch mal zu Zweitausendeins ....
Mit Gruß von Carola
Zelenka (14.07.2006, 16:46): Original von Carola Original von Zelenka
Liebe Carola:
... Ich mag die Aufnahme auch nicht im uebrigen und habe sie vor Jahren ausgesondert. :D ...
Gruss,
Zelenka
Genau das habe ich gerade auch getan. :D
Aber von Gardiners Mozart-Sinfonien will ich mehr hören. Also morgen noch mal zu Zweitausendeins ....
Mit Gruß von Carola
:beer
J.D.Z.
Zelenka (25.07.2006, 17:32): (Ich hoffe, Cosima verzeiht mir, daß ich mich erst so spät etwas ausführlicher in ihrem Faden zu Wort melde.) Ich habe vor ein paar Jahren begonnen, meinen Bestand an Mozart-Symphonien umzukrempeln. Eher etwas spät habe ich mich der historisch-informierten Richtung zugewandt, die ich für die Barockzeit immer schon bevorzugt habe. Ausgesondert habe ich außer den Symphonien 35-41 alle Böhm-Einzel-CDs, die ich besaß.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7287440.jpg
Völlig trennen konnte ich mich von Böhm eben nicht, wenigstens ein Beispiel für die romantisierende Tendenz der Mozart-Aufführungspraxis mußte bleiben. Die frühen Symphonien unter Böhm galten schon lange als ein wenig schwerfällig, die Trennung von ihnen fiel mir also nicht weiter schwer. Gehen mußte auch alles, das Harnoncourt (Teldec) mit dem Concertgebouw-Orchester eingespielt hat, wie schon weiter oben im Faden von mir angedeutet. (Die "kalte" Aufnahmequalität hat sicher einiges zu meiner Antipathie beigetragen.) Wenn schon inauthentisches Romantisieren mit zu großen Orchestern und teils merkwürdigen Tempi, dann lieber mit etwas mehr Charme wie bei Böhm und vor allem im bei Bernstein und den Wiener Philharmonikern (DG, teils Live-Aufnahmen), die ich erst vor zwei Wochen in diesem Repertoire kennengelernt habe und die mich immer noch wegen ihrer erstaunlichen Leichtigkeit sehr beeindrucken.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8878036.jpg
Etwas Harnoncourt ist allerdings noch geblieben: die Symphonien 12, 19 und 24 mit seinem eigenen Concentus musicus Wien (Teldec), die ähnlich charmelos wie die Amsterdamer Aufnahmen sind und letzteren bald folgen werden. Immer noch da sind auch die Nummern 39 und 41, die Harnoncourt mit dem Chamber O of Europe eingespielt hat (Teldec). Auch hier ist H. eher ein Problem als seine Lösung, und ich weiß im Moment nicht einmal zu sagen, welche Sentimentalitäten mich davon abhalten, nicht auch sie endlich auszusondern. Wenigstens wird hier ein Kammerorchester eingesetzt.
Eben weil ich Mozart nicht mehr so hören wollte als ob eine mit tiefer Bedeutung überfrachtete Bruckner- oder Mahler-Symphonie gegeben würde, habe ich mich für eine Radikalkur entschieden und als erstes Trevor Pinnocks Gesamteinspielung angeschafft, die zwischen 1993 und 1995 erschienen ist (DG Archiv).
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6139094.jpg
Auch diejenigen, die der HIP-Richtung skeptisch gegenüberstehen, werden hier bestens bedient, dies ist kein dogmatisch-authentischer Mozart, der charmelos daherkommt. (Puristen sollten sich wohl eher Hogwoods Einspielung zuwenden (Decca L'Oiseau-Lyre).) Bleibt die andere Gesamteinspielung (die Gesamtaufnahmen differieren ein wenig, je nachdem welches zusätzliche Material über die Symphonien 1-41 hinaus aufgenommen ist), die ich seit kurzem vollständig besitze, nämlich die äußerst ansprechende und idiomatische von Mackerras (Telarc). Sie verwendet keine historischen Instrumente, das Orchester hat allerdings eine Größe, mit der Mozart selbst in etwa vertraut gewesen wäre.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6176881.jpg
Ansonsten besitze ich immer noch das eine oder andere Bruchstück aus anderen Zyklen, z.B. Krivine (Denon) in Nos. 30, 31 und 34 und Marriner (EMI) in Nos. 24, 25 und 27. Krivine ist ganz ausgezeichnet mit seinem polnischen Orchester, die Aufnahmen mit dem Abgang von Denon in Europa aber wohl vergriffen. Marriner ist fast ebenso gut, und ich verstehe Jack Bristows Abneigung gegen ihn nicht so recht. Seinen Zyklus bei Philips, der in der großen Mozart-Ausgabe des Labels enthalten ist, kenne ich leider überhaupt nicht. Einzelnes und nur zufällig Vorhandenes unter Furtwängler und Reiner z.B. soll hier nicht weiter zur Debatte stehen.
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (26.07.2006, 13:05): Original von Zelenka (Telarc). Sie verwendet keine historischen Instrumente, das Orchester hat allerdings eine Größe, mit der Mozart selbst in etwa vertraut gewesen wäre.
wie "40 violin, 10 bassi und die Bläser alle doppelt"? :P
Ansonsten besitze ich immer noch das eine oder andere Bruchstück aus anderen Zyklen, z.B. Krivine (Denon) in Nos. 30, 31 und 34 und Marriner (EMI) in Nos. 24, 25 und 27. Krivine ist ganz ausgezeichnet mit seinem polnischen Orchester, die Aufnahmen mit dem Abgang von Denon in Europa aber wohl vergriffen. Marriner ist fast ebenso gut, und ich verstehe Jack Bristows Abneigung gegen ihn nicht so recht.
Ich hege kein Abneigung gegen Marriner. Es ist zwar ewig her, dass ich diese Sachen (da LP oder überspielte MC oder gar nicht mehr da) gehört habe, aber sein munter-spritzig-schlanker Zugang sagt mir vermutlich mehr zu als der bieder-gemütliche Böhms und ist bei den frühen Sinfonien wohl eine sehr gute Wahl. Indes finde ich, dass Esprit, Charme und Eleganz nur ein (und bei den großen ein sehr zweitrangiger) Aspekt dieser Werke sind. Mein Problem mit fast allen "traditionellen" Interpretationen (z.B. NICHT Furtwängler, Klemperer oder Reiner), besonders Päpsten wie Böhm, ist dass alles diesem Aspekt untergeordnet wird. Man mag Harnoncourt vorhalten, dass er die Stücke teils "zu ernst" nimmt. Das Ergebnis, gerade etwa auch bei der kürzlich erschienenen Doppel-CD mit frühen Sinfonien finde ich jedoch faszinierend, weil hier eben Merkmale deutlich werden, die man sonst einfach nicht wahrnimmt. (Der harte Klang der Concergebouw-Aufnahmen dürfte zum guten Teil auf die frühe Digitaltechnik zurückgehen, meines Wissens wurden dort nur moderne Instrumente verwendet.)
viele Grüße
J. Bristow
ab (26.07.2006, 16:17): Original von Cosima Die „Prager“ würde ich mir also eventuell mit Harnoncourt zulegen.
Meine Mozart-Lieblingssinfonie mit Harnoncourt ist die Linzer wegen des langsamen Satzes! Auch den dritten Satz der Haffner-Sinfonie habe ich in Tempo und Spannung noch nie überzeugender gehört wie von ihm. (Ganz allgemein finde ich sonst seinen Mozart durchwachsen. Oft höre ich mir dies nicht an.)
ab (26.07.2006, 16:21): Original von Carola Ich habe mir jetzt den ersten Satz der "Prager"-Sinfonie Nr. 38 im Vergleich von Gardiner und Harnoncourt angehört.
Gardiner empfinde ich immer etwas oberflächlich. Bei Harnoncourt - auch da, wo er mir gar nicht gefällt - habe ich das noch nie gehabt!
ab (26.07.2006, 16:24): jedenfalls sollte man versuchen, die Aufnahmen von Josef Krips zu bekommen:
Zelenka (26.07.2006, 17:43): Original von Jack Bristow
wie "40 violin, 10 bassi und die Bläser alle doppelt"? :P
"40 Violin haben gespielt – die blaß-Instrumente doppelt – 10 Bratschen – 10 Contre Bassi, 8 violoncelli und 6 fagotti.“ Diese starke Besetzung wohl bei der Aufführung der No. 34 in Wien war 1781 für Mozart so außergewöhnlich, daß er davon ausgiebig und begeistert seinem Vater berichten mußte. Die Norm war das sicher nicht. (Bei der Erstaufführung des "Don Giovanni" spielten 3 erste Geigen.)
Gruß,
Zelenka
Zelenka (26.07.2006, 18:11): Original von Jack Bristow
Ansonsten besitze ich immer noch das eine oder andere Bruchstück aus anderen Zyklen, z.B. Krivine (Denon) in Nos. 30, 31 und 34 und Marriner (EMI) in Nos. 24, 25 und 27. Krivine ist ganz ausgezeichnet mit seinem polnischen Orchester, die Aufnahmen mit dem Abgang von Denon in Europa aber wohl vergriffen. Marriner ist fast ebenso gut, und ich verstehe Jack Bristows Abneigung gegen ihn nicht so recht.
Ich hege kein Abneigung gegen Marriner. Es ist zwar ewig her, dass ich diese Sachen (da LP oder überspielte MC oder gar nicht mehr da) gehört habe, aber sein munter-spritzig-schlanker Zugang sagt mir vermutlich mehr zu als der bieder-gemütliche Böhms und ist bei den frühen Sinfonien wohl eine sehr gute Wahl. Indes finde ich, dass Esprit, Charme und Eleganz nur ein (und bei den großen ein sehr zweitrangiger) Aspekt dieser Werke sind. Mein Problem mit fast allen "traditionellen" Interpretationen (z.B. NICHT Furtwängler, Klemperer oder Reiner), besonders Päpsten wie Böhm, ist dass alles diesem Aspekt untergeordnet wird. Man mag Harnoncourt vorhalten, dass er die Stücke teils "zu ernst" nimmt. Das Ergebnis, gerade etwa auch bei der kürzlich erschienenen Doppel-CD mit frühen Sinfonien finde ich jedoch faszinierend, weil hier eben Merkmale deutlich werden, die man sonst einfach nicht wahrnimmt.
viele Grüße
J. Bristow
Lieber Jack:
Ich glaube, daß auch Böhm nicht alles dem Aspekt "Esprit, Charme und Eleganz" unterordnet, genausowenig wie ich empfinde, daß Pinnock etwa in den letzten beiden Symphonien nur vordergründig musizieren läßt. Daß Mozart besonders zu der Zeit, als er seine letzten Symphonien schrieb, zur Darstellung tiefster menschlicher Emotionen fähig war, kann man mit letzter Deutlichkeit seinen gleichzeitig entstandenen Opern entnehmen. Andererseits sollte man vielleicht doch nicht die Symphonien interpretatorisch überfrachten, sondern die Musik ein wenig mehr für sich selbst sprechen lassen. Im Falle Harnoncourt z.B. ist für mich die Grenze zur Karikatur deutlich überschritten. Das ist sicherlich ein anderer Mozart, den man unter Umständen wenigstens einmal gehört haben sollte, aber nicht etwas, das auf Dauer in meiner Sammlung verweilen müßte. Daß wir uneins sind über verschiedene Interpretationsansätze, das hätte Mozart selbst kaum für möglich gehalten. Es gab ja praktisch kein Repertoire, und eine Symphonie hörte man einmal, für das nächste Konzert wurde eben eine neue geschrieben. Wie schwer wir es heute doch haben ...
Gruß,
Zelenka
Zelenka (26.07.2006, 18:16): Original von ab jedenfalls sollte man versuchen, die Aufnahmen von Josef Krips zu bekommen:
Lieber ab:
Ich schätze zwar Krips' Don Giovanni, aber was zeichnet denn seine Symphonie-Interpretationen aus?
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (27.07.2006, 13:23): Original von Zelenka Ich glaube, daß auch Böhm nicht alles dem Aspekt "Esprit, Charme und Eleganz" unterordnet, genausowenig wie ich empfinde, daß Pinnock etwa in den letzten beiden Symphonien nur vordergründig musizieren läßt. Daß Mozart besonders zu der Zeit, als er seine letzten Symphonien schrieb, zur Darstellung tiefster menschlicher Emotionen fähig war, kann man mit letzter Deutlichkeit seinen gleichzeitig entstandenen Opern entnehmen. Andererseits sollte man vielleicht doch nicht die Symphonien interpretatorisch überfrachten, sondern die Musik ein wenig mehr für sich selbst sprechen lassen. Im Falle Harnoncourt z.B. ist für mich die Grenze zur Karikatur deutlich überschritten.
Gegen die Karikatur spricht m.E der positive Eindruck einer vergleichsweise wenig Mozarterfahrenen Hörerin wie Cosima. Ich bin auch lange nicht mit allem einverstanden, was Harnoncourt macht (ich finde z.B.die Kopfsätze besonders der Jupiter und auch der Prager deutlich zu langsam), aber welchen Satz, welche Stelle würdest Du als Karikatur bezeichnen? (Nachvollziehen kann ich den Karikaturvorwurf zB in einigen Sätzen von Glenn Goulds Mozartsonaten) Ich will nicht über den grünen Klee loben, aber es gibt wie ich wohl schon erwähnte, Dinge, die fraglos da sind, die Harnoncourt besser herausbringt als die meisten anderen, z.B. gewisse Zusammenhänge von Einleitung und Hauptsatz in 39 oder insgesamt den "heroisch-militärischen" (Proto-Eroica) Aspekt dieses Werks. Mancher Hörer empfindet das tempo des Menuetts als bizarr schnell; das z.B. ist aber historisch recht gut belegt.
Das ist sicherlich ein anderer Mozart, den man unter Umständen wenigstens einmal gehört haben sollte, aber nicht etwas, das auf Dauer in meiner Sammlung verweilen müßte. Daß wir uneins sind über verschiedene Interpretationsansätze, das hätte Mozart selbst kaum für möglich gehalten. Es gab ja praktisch kein Repertoire, und eine Symphonie hörte man einmal, für das nächste Konzert wurde eben eine neue geschrieben. Wie schwer wir es heute doch haben ...
Tja. Das kann man aber nunmal nicht ändern, wir leben eben in eine randern Musikkultur als Mozart. Anders als einige andere HIP-Vertreter macht Harnonocurt (jedenfalls seit den späten 70ern) nicht den Fehler zu glauben, man könne völlig unbedarft, jegliche Tradition ignorierend "die Musik für sich selbst sprechen lassen". Letzeres geht sowieso nicht. Das die Ergebnisse kontrovers sind, ist unbestritten. Aber besser kontrovers als langweilig oder eindimensional...
viele Grüße
J. Bristow
Zelenka (27.07.2006, 16:36): Original von Jack Bristow Original von Zelenka Ich glaube, daß auch Böhm nicht alles dem Aspekt "Esprit, Charme und Eleganz" unterordnet, genausowenig wie ich empfinde, daß Pinnock etwa in den letzten beiden Symphonien nur vordergründig musizieren läßt. Daß Mozart besonders zu der Zeit, als er seine letzten Symphonien schrieb, zur Darstellung tiefster menschlicher Emotionen fähig war, kann man mit letzter Deutlichkeit seinen gleichzeitig entstandenen Opern entnehmen. Andererseits sollte man vielleicht doch nicht die Symphonien interpretatorisch überfrachten, sondern die Musik ein wenig mehr für sich selbst sprechen lassen. Im Falle Harnoncourt z.B. ist für mich die Grenze zur Karikatur deutlich überschritten.
Gegen die Karikatur spricht m.E der positive Eindruck einer vergleichsweise wenig Mozarterfahrenen Hörerin wie Cosima. Ich bin auch lange nicht mit allem einverstanden, was Harnoncourt macht (ich finde z.B.die Kopfsätze besonders der Jupiter und auch der Prager deutlich zu langsam), aber welchen Satz, welche Stelle würdest Du als Karikatur bezeichnen? (Nachvollziehen kann ich den Karikaturvorwurf zB in einigen Sätzen von Glenn Goulds Mozartsonaten) Ich will nicht über den grünen Klee loben, aber es gibt wie ich wohl schon erwähnte, Dinge, die fraglos da sind, die Harnoncourt besser herausbringt als die meisten anderen, z.B. gewisse Zusammenhänge von Einleitung und Hauptsatz in 39 oder insgesamt den "heroisch-militärischen" (Proto-Eroica) Aspekt dieses Werks. Mancher Hörer empfindet das tempo des Menuetts als bizarr schnell; das z.B. ist aber historisch recht gut belegt.
Das ist sicherlich ein anderer Mozart, den man unter Umständen wenigstens einmal gehört haben sollte, aber nicht etwas, das auf Dauer in meiner Sammlung verweilen müßte. Daß wir uneins sind über verschiedene Interpretationsansätze, das hätte Mozart selbst kaum für möglich gehalten. Es gab ja praktisch kein Repertoire, und eine Symphonie hörte man einmal, für das nächste Konzert wurde eben eine neue geschrieben. Wie schwer wir es heute doch haben ...
Tja. Das kann man aber nunmal nicht ändern, wir leben eben in eine randern Musikkultur als Mozart. Anders als einige andere HIP-Vertreter macht Harnonocurt (jedenfalls seit den späten 70ern) nicht den Fehler zu glauben, man könne völlig unbedarft, jegliche Tradition ignorierend "die Musik für sich selbst sprechen lassen". Letzeres geht sowieso nicht. Das die Ergebnisse kontrovers sind, ist unbestritten. Aber besser kontrovers als langweilig oder eindimensional...
viele Grüße
J. Bristow
Lieber Jack:
Ich werde natürlich nicht weiter darüber spekulieren (ich bin da sehr ängstlich), warum genau Cosima Harnoncourts Versionen schätzen könnte. Sie schien sich zuletzt auch ein wenig Gardiner genähert zu haben, der ganz anders ist und von "ab" schon als "etwas oberflächlich" gebrandmarkt worden ist … Weiter zu Harnoncourt: Ich ärgere mich im Moment, daß ich seine Symphonien mit dem Concertgebouw-Orchester vor ein paar Jahren ausrangiert habe. Ich wußte einfach nicht, daß ich ein paar Jahre später in einem Klassikforum Rede und Antwort stehen müßte. Ich kann im Moment keine Details nach einem Wiederhören aufzählen. Du hast den zu langsamen ersten Satz der Jupiter-Symphonie angeführt, ich erinnere mich, daß ich derlei für eine Verfälschung und eine Karikatur im romantischen Geiste gehalten habe und auch noch halte. (Karikaturen können, wie wir alle wissen, sehr interessant sein.) Harnoncourt wollte offenbar ganz konkret hier die Symphonie "schwerer" machen als vom Komponisten intendiert. Ich finde, man sollte sich an die Spielregeln halten und auch die historische Forschung beachten. Es gibt dann immer noch genug Platz für interpretatorische Höhenflüge. Auch die HIP-Vertreter selbst wissen, daß nach aller historischer Forschung weiter interpretiert wird und werden muß, sie sind nicht naiv. Harnoncourts schnelle Menuette sind historisch sicher berechtigt, seine langsamen Trios nicht, wie wohl die Forschung sagen würde z.B. Auch wenn pedantisch jede Reprise gegeben wird, die sonst in "romantischen" Versionen oft unterschlagen werden, ein insgesamt stimmiges interpretatorisches Konzept kommt einfach nicht zustande. Ich mag wie Du auch keine Langeweile, aber das künstliche Hinzufügen von anderen Dimensionen mag mir auch nicht so recht gefallen.
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (28.07.2006, 14:51): Original von Zelenka Original von Jack Bristow Gegen die Karikatur spricht m.E der positive Eindruck einer vergleichsweise wenig Mozarterfahrenen Hörerin wie Cosima. Ich bin auch lange nicht mit allem einverstanden, was Harnoncourt macht (ich finde z.B.die Kopfsätze besonders der Jupiter und auch der Prager deutlich zu langsam), aber welchen Satz, welche Stelle würdest Du als Karikatur bezeichnen? (Nachvollziehen kann ich den Karikaturvorwurf zB in einigen Sätzen von Glenn Goulds Mozartsonaten)
Ich werde natürlich nicht weiter darüber spekulieren (ich bin da sehr ängstlich), warum genau Cosima Harnoncourts Versionen schätzen könnte.
Warum genau ist ja auch egal. Eine echte (visuelle) Karikatur erkennt man sofort als Karikatur, auch wenn man die dargestellte Person noch nie wirklich gesehen hat. (so etwas geht mit Musik schonmal gar nicht, weil es keine Sinfonie unabhängig von ihren Realisierungen gibt, so wie es H. Kohl unabhängig von Witzzeichungen gibt) Cosima reagierte nach ihrer Schilderung als relativ erfahrene, aber mit Mozarts Musik (und eher gängigen Interpretationen) nicht so vertraute Hörerin auf Harnoncourts Interpretation keinswegs befremdet o.ä. Aus so einem Einzelfall kann man natürlich nicht so viel schließen, aber es gibt ja noch ein paar Leute, denen diese Interpretationen zusagen (von denen die meisten wie auch ich eher mit Böhm, Krips etc. aufgewachsen sein dürften).
Harnoncourt wollte offenbar ganz konkret hier die Symphonie "schwerer" machen als vom Komponisten intendiert. Ich finde, man sollte sich an die Spielregeln halten und auch die historische Forschung beachten. Es gibt dann immer noch genug Platz für interpretatorische Höhenflüge. Auch die HIP-Vertreter selbst wissen, daß nach aller historischer Forschung weiter interpretiert wird und werden muß, sie sind nicht naiv. Harnoncourts schnelle Menuette sind historisch sicher berechtigt, seine langsamen Trios nicht, wie wohl die Forschung sagen würde z.B. Auch wenn pedantisch jede Reprise gegeben wird, die sonst in "romantischen" Versionen oft unterschlagen werden, ein insgesamt stimmiges interpretatorisches Konzept kommt einfach nicht zustande. Ich mag wie Du auch keine Langeweile, aber das künstliche Hinzufügen von anderen Dimensionen mag mir auch nicht so recht gefallen.
Wie gesagt, ich halte die meisten der Sinfonien in dieser Lesart für sehr schlüssig, gewiß extrem, aber auch auf ihre Art konsequent (ähnlich Klemperer, auch bei dem bin ich nicht mit allem einverstanden und manches mutet extrem, aber es ist doch schlüssig). Wir müssen uns da keineswegs einigen, aber natürlich höre ich keine "künstliche hinzugefügten" Dimensionen, sondern latente Aspekte, die anderswo meist überspielt werden usw.
Was der Komponist intendierte wissen wir eh nicht. Wir wissen, dass er meistens eher kleinbesetze Ensembles zur Verfügung hatte, anscheinend aber gemäßt dem oben zitierten Brief gerne große Orchester gehabt hätte. Und bei Gelegenheit besetzte man ja auch entsprechend stark (Haydns Pariser Sinfonein wurden ebenfalls mit verdoppelten Bläsern und entsprechender Menge Streicher in Paris uraufgeführt). Wir wissen auch, dass Mozarts Musik für die Zeitgenossen nicht als leicht beschwingte, klassisch ausgewogene Götterlieblingsklänge galten, sondern als extravagant, kühn und sehr schwierig für Zuhörer und Interpreten. Der Zeitgenosse Dittersdorf verglich Mozarts Musik mit Klopstocks Dichtung. Lies Dir mal (ich kannte das vorher auch nicht) bei Gutenberg ein paar Seiten Klopstock durch....und du wirst sehen, wie schwer es uns heute fällt, diesen Vergleich nachzuvollziehen.
viele Grüße
J. Bristow
Zelenka (28.07.2006, 18:16): Lieber Jack:
Es mag sein, daß der Begriff Karikatur hier nichts zu suchen hat. Es gibt aber durchaus vor jeder Realisierung durch ein Orchester und seinen Dirigenten einen Notentext und darüber hinaus allerlei Zeugnisse, wie dieser Text umgesetzt worden sein könnte. Mozarts Vater hat z.B. den "Versuch einer gründlichen Violinschule" verfaßt, dem man u.a. entnehmen kann, daß ein Andante etwa doppelt so schnell gespielt wurde wie heute. Etc. Ganz woanders in diesem Forum habe ich schon gegen Afanassievs Schumannspiel gewettert. Der Pianist hält sich immer wieder nicht an die vom Komponisten vorgegebenen Spielregeln (sprich den Notentext und konkret seine Tempovorgaben), überarbeitet also die Komposition und produziert Dinge, die man natürlich auch für sehr interessant halten könnte. Es ist dann eben nur Schumann/Afanassiev analog zu Bach/Busoni. (Mozart selbst hat Händel aktualisiert und dem Zeitgeschmack angepaßt.)
Möglicherweise klingt Harnoncourt eben reizvoll, wenn man sich vom 19. Jahrhundert her auf Mozart zubewegt. Sein Amsterdamer Orchester ist von der Größe, wie es am Ende des vorletzten Jahrhunderts üblich wurde. (Brahms war noch an das gewöhnt, was man heute Kammerorchester nennen würde.) Das eine oder andere an seiner Interpretation (natürlich längst nicht alles) entspringt überraschend einer ahistorischen, romantischen Sichtweise. Kommt man vom Barock her, wird man vielleicht vieles anders sehen wollen und mit weniger dickaufgetragenen Effekten auskommen können. Wir werden uns sicher nicht einigen, und das ist sicher auch gar nicht erforderlich. Wie ich in einem anderen Beitrag weiter oben geschrieben habe, habe ich auch immer noch einigen oder sogar großen Respekt vor verschiedenen romantischen Interpretationen. Ich will mich da selbst überhaupt nicht dogmatisch festlegen. Es gibt Tage, da gefällt mir Böhm z.B. ganz außerordentlich. Ob das bei Harnoncourt der Fall wäre, müßte ich fast ernsthaft neu überprüfen.
Gruß,
Zelenka
Zelenka (01.08.2006, 17:27): Gestern stieß ich kurz vor dem Einschlafen in einem alten Heft des International Record Review (6/2004, p. 30) noch auf eine kurze Rezension einer Box mit wiederveröffentlichten Concertgebouw/Harnoncourt-Mozartsymphonien. Weil sie so negativ ist, gebe ich sie hier gerne wieder. :D (In der gleichen Überblicksrezension von Robert Matthew-Walker wird auch eine Neuausgabe von Mozart-Symphonien unter Jane Glover (Sanctuary) besprochen.)
A similarly entitled four-CD set comes from Teldec, which plays for four hours 23 minutes, not the misleading four hours 40 minutes the company claims is the total duration. Teldec overstates the playing time of the first disc by about 18 minutes – perhaps it meant to include another symphony, but didn't. This is Mozart – 'Les Plus Belles Symphonies' – nine symphonies (Nos. 25, 26, 28, 35, 36, 38, 39, 40 and 41) against Glover's 17, played by the Royal Concertgebouw under Nikolaus Harnoncourt, who is more generous with repeats than Glover. This is a mixed blessing, for although the playing is anything but routine, in these performances Mozart suffers from too beefy a style (in the first movement of No. 25, for example, much of the thematic detail is smothered, and there are also intermittent studio clunks). Harnoncourt's hurried tempo for the second movement rarely permits the players to phrase musically, and his habit of prolonging tutti rests is equally insipid. Nor am I convinced by Harnoncourt taking the Minuet at one-in-a-bar (by 1773?) and the Trio very much slower – there is no musical or historical justification for such unnecessary subjectivity in performing this movement. The finale suffers badly from inorganic tempos, and his final cadence makes Glover almost a model of classical rectitude. Not all of these readings can be too strongly criticized, however; the first movement of the underrated No. 28 is excellent, although the odd studio clunk is again in evidence, but in the second movement this conductor insists on getting in between Mozart and the listener, and note-lenghths are cut short in the finale. Throughout this set, Harnoncourt is unconvincing – 'interesting' though his approach may be, I doubt very much if these essentially superficial performances will wear at all well. He judges the pulse of the first movement of No. 26 to a nicety, despite brusque playing, and produces an intelligent lead-in to the second movement, but he too often barges his way bad-temperedly through this music, with little genuine sensitivity or elegance, and almost no refinement – or do I mean almost no humour? Much of K 550 is, at times, deplorable. Not recommended.
Meine eigenen Concertgebouw/Harnoncourt-Bestände waren schon vor 2004 der Axt zum Opfer gefallen.
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (01.08.2006, 17:40): Auch wenn die Rezension nicht aus dem Pengraphone stammt, ist es leider sehr ähnlich deren typisches "Let the music speak for itself"/getting between the composer and the music"-Gewäsch, in Kombination mit offenbar panischer Angst vor Ausdruck und Extremen in der Musik (reiß dich zusammen, we're British), einer Bevorzugung von Zurückhaltung, Eleganz und Durchschnittlichkeit und -natürlich- dem Eintreten für weniger bekannte britische Interpreten wie die gute Miß Glover. This review speaks for itself, unfortunately...
Wen man diese Präferenzen nicht teilt, kann man deren Empfehlungen meistens vergessen
Für viel lustige Stiilblüten dieser Art empfehle ich eine Google-Suche in rec.music.classical.recordings nach "ltmsfi" (manche der dortigen Teilnehmer nehmen bestimmte Typen von Pengraphone-Verrissen als Empfehlungen, würde hier auch passen)
viele Grüße
J. Bristow
Zelenka (01.08.2006, 20:28): Original von Jack Bristow Auch wenn die Rezension nicht aus dem Pengraphone stammt, ist es leider sehr ähnlich deren typisches "Let the music speak for itself"/getting between the composer and the music"-Gewäsch, in Kombination mit offenbar panischer Angst vor Ausdruck und Extremen in der Musik (reiß dich zusammen, we're British), einer Bevorzugung von Zurückhaltung, Eleganz und Durchschnittlichkeit und -natürlich- dem Eintreten für weniger bekannte britische Interpreten wie die gute Miß Glover. This review speaks for itself, unfortunately...
Wen man diese Präferenzen nicht teilt, kann man deren Empfehlungen meistens vergessen
Für viel lustige Stiilblüten dieser Art empfehle ich eine Google-Suche in rec.music.classical.recordings nach "ltmsfi" (manche der dortigen Teilnehmer nehmen bestimmte Typen von Pengraphone-Verrissen als Empfehlungen, würde hier auch passen)
viele Grüße
J. Bristow
Lieber Jack:
In typisch britischer Fairness bekommt Jane Glover auch ihr Fett weg ("uch of the playing rarely rises above the routine"), keine Angst! Mit Vorurteilen tun wir uns wohl keinen Gefallen. Bei Konzerten von mehreren britischen Kammerorchestern (ASMF, ECO, SCO, Northern Sinfonia) im letzten Monat hatte ich übrigens nicht den Eindruck, daß nur routiniert und ohne Mut zum Risiko gespielt würde.
Ansonsten soll hier E.T.A. Hoffmann kurz das Wort in Sachen Mozart haben (geschrieben 18 Jahre nach Mozarts Tod):
"In die Tiefen des Geisterreichs führt uns Mozart. Furcht umfängt uns: aber, ohne Marter, ist sie mehr Ahnung des Unendlichen. Liebe und Wehmut tönen in holden Stimmen, die Macht der Geisterwelt geht auf in hellem Purpurschimmer, und in unaussprechlicher Sehnsucht ziehen wir den Gestalten nach, die freundlich uns in ihre Reihen winken, im ewigen Sphärentanze durch die Wolken fliegen. (Zum Beispiel Mozarts Symphonie in Es-Dur , unter dem Namen des "Schwanengesanges" bekannt.)"
Gesammelte Werke in Einzelausgaben vol. 9, Berlin: Aufbau, 1988
Eben ohne Marter à la Harnoncourt! Hold!!!
Gruß,
Zelenka
Cosima (02.08.2006, 16:40): Hallo Zelenka und Jack,
ich habe interessiert Eure Diskussion (die sich ja auch um meine Person rankte) verfolgt. Ich bin noch zu keinem Schluss gekommen, da ich in Sachen Mozart noch immer unerfahren bin. In Kürze werde ich die Mackerras-Aufnahme hören, vielleicht bringt sie mir neue Erkenntnisse. Zu Harnoncourt vielleicht dies: Ich empfinde seine Interpretation keinesfalls als Karikatur, denke aber, dass die eher dunklen Aspekte in seinen Interpretationen mir gefühlsmäßig sicher entgegen kommen und die Symphonien für mich aus diesem Grund einfach interessanter machen.
Ich bleibe am Ball und melde mich zu gegebener Zeit wieder.
Gruß, Cosima
Jack Bristow (02.08.2006, 19:26): Konkret nochmal zu der Rezension. Das andante in #25 ist recht flott bei Harnoncourt (aber Klemperer, der das Stück offenbar in einer manischen Phase einspielte, ist ebensoschnell!), ich halte das aber für vertretbar. Der Satz ist nervös und kein wirklicher Ruhepunkt. Ob ein Menuett in ganzen Takten zu nehmen ist, hat wenig mit 1773 oder 1793 zu tun, es gab im gesamten 18. Jhd. ganztaktig zu zählende Menuettsätze. In diesem Fall bin ich das Menuett auch langsamer (eher in 3) gewohnt (ich lernte diese Sinfonie und #29 in einer sowohl energischen als auch eleganten Einspielung mit C. Davis kennen, die ab erwohl nie auf CD erschienen ist), dennoch funktioniert m. E. auch das rasche Tempo. Im Falle der g-moll-Sinfonie KV 550 finde ich dagegen Harnoncourts "in 1 Menuett" völlig überzeugend und kann langsame traditionelle Aufnahmen kaum noch ertragen.
Ich halte die Diskussion für fruchtlos, so lange man meint, irgendeinen Zugang als absolut falsch/richtig zu erweisen. Das ist so ähnlich wie Furtwängler vs. Toscanini: Aus einer Perspektive unterwirft Furtwängler die Musik willkürlichen Verzerrungen, aus der anderen ist Toscanini ein rigider, oberflächlicher Taktschläger. Beides nachvollziehbar, aber offenbar nicht die ganze Wahrheit. Ähnlich ETA Hoffmann sprach Schumann von der "griechisch schwebenden Grazie" der g-moll Sinfonie KV 550. Das kann man so sehen. Wenn die Zeitgenossen Mozarts Musik eher als analog den düsteren und teils kryptischen Versen Klopstocks empfanden, scheint mir die Grazie aber eine einseitige Sichtweise, mit Tendenz zur Verharmlosung.
@Cosima, vielen Dank für den Kommentar, ich hoffe Du verzeihst die vorübergehende Instrumentalisierung deiner Person :wink
viele Grüße
J. Bristow
Cosima (03.08.2006, 14:28): Original von Jack Bristow @Cosima, vielen Dank für den Kommentar, ich hoffe Du verzeihst die vorübergehende Instrumentalisierung deiner Person :wink
Kein Problem, ich stelle mich gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung. :D
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Liebe Mozart-Freunde!
Die Mackerras-Aufnahme der Prager-Sinfonie habe ich zwar nun mehrfach gehört, aber sie bringt mir keine neuen, grundsätzlichen Erkenntnisse in Bezug auf Mozart. Oder vielleicht gerade, denn ich beobachte ein seltsames Phänomen: Diese Sinfonie kenne ich nun fast auswendig, ich habe sie zwei Wochen lang mindestens einmal täglich gehört. Dennoch ist es so, dass ich nicht sagen kann, welche Einspielung ich favorisiere. Ich meine, dass alle drei Sichtweisen (Harnoncourt, Mackerras und Gardiner) dem Werk gerecht werden, jede auf ihre eigene Art. Über Harnoncourt und Gardiner schrieb ich bereits meine Eindrücke nieder. Der Mackerras ist auch sehr schön, in der Tat mit viel Temperament und gut durchhörbar, mit viel Sinn für die Details gespielt, sehr klangschön auch. Harnoncourt betont die düsteren Aspekte, klingt etwas exzentrisch, aber spannend; Gardiner betont die streng-klassischen, wirkt sehr erhaben; Mackerras lässt am frischesten und sehr packend aufspielen.
Normalerweise ist es so, dass ich bezüglich eines bestimmten Werkes schnell spüre, welche Art der Interpretation ich bevorzuge. Die drei Aufnahmen sind so unterschiedlich, dass es eigentlich ein Leichtes sein sollte, zu einer bestimmten Sichtweise zu tendieren. So ist es aber nicht. Gottlob kommt keine der Einspielungen plüschig-süßlich-verschnörkelt daher (was mich stören würde), ich halte sie dennoch allesamt für angemessen und gut.
Als nächste Sinfonie werde ich mir wohl die 40. vornehmen, von der ich mittlerweile auch drei Aufnahmen besitze: Böhm, Toscanini und neu hinzugekommen ist Pinnock (The English Concert).
Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 15:31): Hallo allerseits,
ich fahre nun fort mit meinen Eindrücken der 40. Sinfonie (KV 550). :down
Auch wenn das Thema des 1. Satzes schon oft missbraucht wurde: Es ist großartig! Vor allem hat es mir aber der 4. Satz angetan! Unbeschreiblich, mit welcher Kunstfertigkeit und Eleganz Mozart das Thema hierin abwandelt! Ich bin mir schon jetzt sicher, dass die 40. – neben der Prager – eine meine Lieblingssinfonien bleiben wird.
Zu Böhm: Ich stelle auch nach erneutem und intensiverem Hören fest, dass mir Böhms Sichtweise nicht sehr zusagt. Zelenka sprach weiter oben von „romantisierender Tendenz der Mozart-Aufführungspraxis“. Damit wäre das Problem umrissen.
Zu Toscanini: Nein, das muss nicht sein. Erscheint mir zu dick aufgetragen und zudem eher grob und ruppig.
Zu Pinnock: Auf Originalinstrumenten, was mir bei Mozart gut gefällt, wie ich mehr und mehr feststelle (siehe Gardiner). Leichtfüßige und ausgewogene Interpretation, klar und klassisch.
Ich tendiere hier also zu Pinnock und bin fast erleichtert, dass ich dieses Mal nicht auf die gleichen Probleme treffe wie bei der Prager (ich begann bereits, an meinem Urteilsvermögen zu zweifeln).
Nun hätte ich gerne eine weitere Aufnahme, zu welcher würdet Ihr mir raten? Tangua wies bereits auf die Szell-Aufnahme hin, ich bin mir jedoch nicht mehr sicher, ob die „sportliche Mozart-Version“ wirklich das ist, was ich mir wünsche (Toscanini erscheint mir auch recht „sportlich“ und kraftvoll). Vielleicht fällt Euch - abseits der üblichen Verdächtigen - speziell zu dieser Sinfonie noch ein Dirigent ein.
Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 16:23): Zu KV 550: Es darf ja ruhig etwas Neueres sein (bei sinfonischen Werken achte ich stärker auf die Klangqualität). Ich wusste gar nicht, dass Zoltán Kocsis auch dirigiert. Kennt jemand diese Aufnahme?
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8948681.jpg
Symphonien Nr. 25 & 40 Hungarian National PO, Kocsis
Eine Rezension: "http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=9789"
Als Referenz wird übrigens dies angegeben: K. 550: Szell (Sony). Die 5 Euro werde ich wohl doch investieren. Tangua... :hello
Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 17:11): Noch eine HIP-Scheibe, die positive Rezensionen erhielt und neueren Datums ist (aus 2001):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8395427.jpg
Symphonien Nr. 40 & 41 Anima Eterna, Immerseel
Gibt es Meinungen dazu?
Ich weiß nicht, in wie viele Anfänge des 4. Satzes ich eben reinhörte. Himmel, ist das schwierig! Es scheint ja unendlich viele Aufnahmen zu geben. Ein bisschen liebäugle ich - neben Szell - wieder mit Gardiner. ?(
Gruß, Cosima
Jack Bristow (07.08.2006, 13:38): Original von Cosima Noch eine HIP-Scheibe, die positive Rezensionen erhielt und neueren Datums ist (aus 2001):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8395427.jpg
Symphonien Nr. 40 & 41 Anima Eterna, Immerseel
Ich habe die zwar, aber noch nicht bewußt gehört (es gibt auch eine Doppel-CD mit 39-40 und dem Fagottkonzert), Szell habe ich auch, aber aus dem Stand kann ich nicht so viel sagen; diese preiswerte CD lohnt aber ohnehin für d00ei Haffner und Jupiter. Zumindest den Immerseel werde ich demnächst mal anhören und berichten. Ansonsten natürlich Harnoncourt, wenn er Dir bei 38&39 gefallen hat; historisch E. Kleiber (aber leider wohl nur in einer Sammelbox erhältlich)
natürlich freue ich mich über weitere Eindrücke von Deiner Seite, möchte aber gleich betonen, dass ich Szell und Harnoncourt einstweilen für diese Sinfonie ad acta gelegt habe. Erstens bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich leichtere und transparentere Interpretationen vorziehe, auch am liebsten zu HIP-Einspielungen greife. All die schönen Details in Mozarts Musik kommen m.E. in derlei Aufnahmen am Besten zur Geltung. Harnoncourt merke ich mir jedoch als den Mann fürs Extreme vor. In den Szell habe ich heute im Laden reingehört. Wie ich bereits vermutete: Die kraftvolle und sportliche Variante sagt mir hier nicht zu.
Zweitens habe ich mir bereits heute die oben gezeigte Immerseel-Aufnahme zugelegt. Ich verglich sie eben mit der Einspielung unter Pinnock. Beide Aufnahmen sind m.E. gleich stark und rundum empfehlenswert! Beide sind leichtfüßig, klar und ästhetisch, mit viel Sinn für die Details interpretiert. Die Unterschiede sind marginal: Der Pinnock ist etwas runder und ausgewogener, der Immerseel dafür eine Spur frischer und frecher.
Ich bin gespannt, wie Dein Eindruck von Immerseel ist.
Als nächste Sinfonie wollte ich mir die „Haffner“ vornehmen, sehe jedoch gerade, dass ich gar keine Aufnahme davon besitze. Jack zählte sie nach der „Prager“ zu seinen Lieblings-Sinfonien, d.h. ich würde sie auch gern kennen lernen, wobei sich nun wieder Frage nach dem Dirigenten stellt. Es wird wohl auf Gardiner hinauslaufen, weil auf der CD auch die „Linzer“ enthalten ist. Mit Pinnock scheint es hier keine Einzel-CD zu geben. Oder hat jemand eine andere Idee? Mackerras wäre auch eine Alternative, aber mit diesem Dirigenten besitze ich inzwischen vier CDs mit anderen Mozart-Sinfonien. Etwas Abwechslung wäre demnach schön.
Gruß, Cosima
Cosima (07.08.2006, 19:05): In Sachen „Haffner“ fand ich dies gerade. Ich frage ohne große Hoffnung, ob die Aufnahme jemand kennt.
Es handelt sich zwar nicht um eine HIP-Aufnahme, aber immerhin spielt ein kleineres Orchester HIP-orientiert. Die kurzen Höreindrücke erscheinen mir viel versprechend.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9706356.jpg
Eine euphorische Rezension von Freund Hurwitz: "http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=9334"
Gruß, Cosima
Cosima (27.08.2006, 23:17): Original von Cosima Es handelt sich zwar nicht um eine HIP-Aufnahme, aber immerhin spielt ein kleineres Orchester HIP-orientiert. Die kurzen Höreindrücke erscheinen mir viel versprechend.
Die o.g. CD mit dem Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek habe ich inzwischen gehört. Orchester und Dirigent sind sicherlich einigen von Euch von den Dvorák-Scheiben mit Isabelle Faust & Co. bekannt. Die Aufnahme der Haffner (mit der Linzer-Sinfonie habe ich mich noch nicht weiter beschäftigt) rangiert in meiner Favoritenliste nun ganz oben, noch vor Mackerras und Pinnock. Ein herrliches Orchester, das sehr sauber und differenziert aufspielt. Eine tolle, transparente und m.E. sehr ausdrucksvolle Interpretation, die meiner Vorstellung von einer Mozart-Sinfonie perfekt entspricht – sie ist einfach „schön“, in einer sehr anmutigen und erfrischenden Art und Weise. Sehr empfehlenswert!
Carola schrieb über die Mozart Symphonien unter Karl Böhm:
Ich finde diese Aufnahmen nach wie vor wunderbar. Damit meine ich vor allem ganz naiv, dass sie so klingt, wie Mozart für mich nun mal in erster Linie klingen muss - schön. Das FonoForum bezeichnete die Aufnahmen übrigens kürzlich als "pomadig" - das haben sie vor 30 Jahren sicher noch ganz anders gesehen. Und auch ich finde das nicht, sondern würde eher Vokabeln wie Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit benutzen.
Carola spricht mir hier aus der Seele! Auch ich bevorzuge, nach langem Suchen die Symphonien unter Karl Böhm! Auch entgegen vieler negativen Äußerungen, welche ich immerzu höre! Die Wörter Wohlklang, Ausgewogenheit, Eleganz, wie Carola Sie beschrieben hat, sehe ich genauso bei Böhms Interpretation! Dem schließe ich mich an! Auch eine "Geheimnisvolle" Note lese ich aus Böhms Interpretationen der Großen Symphonien immer wieder herraus. Auch ich, sehe Mozarts Symphonien unter der Leitung Böhms so, wie ich mir den Mozart vorstelle, für mich sollte er so gespielt werden!
Ein großes Lob, an unseren Herrn Böhm! :thanks Die 39 unter Böhm ist für mich der absolute Höhepunkt und in meinen Augen nicht besser zu machen! Übrigens meine Lieblingssymphonie :down :down :down!
Auch ich bevorzuge andere Einspielungen der "Früheren Symphonien", andere Einspielungen, z.B bei der 23, 25, 29. Ein bisschen zu langsam und ein Hauch schwerfälliger, wie hier auch schon gennant wurde! Schön zu hören, das Böhm's Mozart nicht von allen niedergetrampelt wird! Ist schön! :)
Derjenige, der noch am nächsten an Böhms Interpretationen rankommt ist Josef Krips, da ist manchmal eine verblüffende Ähnlichkeit vorhanden. Ich habe von beiden die Symphonien 1-41(46). Und die lohnt es sich auch zu haben.
Gruß daniel
Amadé (04.05.2007, 15:15): Hallo Daniel,
danke für Deinen Hinweis auf den Mozart-Dirigenten Josef Krips. Meines Wissens hat Krips mit dem Concertgebouworchester aber nur 20 Sinfonien aufgenommen, beginnend mit A-dur KV134, nicht 41 oder mehr! Die frühen Sinfonien wurden von Marriner und seiner Academy eingespielt und im CD-Zeitalter in der Mozart-Edition in einer Box angeboten. Marriner seinerseits spielte später, war es anders zu erwarten?, auch noch die restlichen Sinfonien ein. Einige davon nochmals für die EMI, die brauchte sie auch noch unbedingt mit Sir Neville, da der Musikfreund und CD-Käufer doch schon längst auf neune Sichtweisen wartete.
Die Begeisterung für den Mozart-Konzertdirigenten, nicht den Operndirigenten, Karl Böhm hält sich bei mir in Grenzen. Kennst Du meine Homepage?
Gruß Amadé
daniel5993 (04.05.2007, 15:25): Hallo Amade!
Du hast recht! Ich habe die Phillips-Box (alle Mozart-Symphonien) und da hat die erste hälfte Neville Marriner dirigiert! Krips hat da nur die größeren dirigiert! Und nein, ich kenne deine Website nicht! Wie komm ich da hin?
Gruß daniel
Amadé (04.05.2007, 19:46): Hallo Daniel,
ganz einfach, bei meinen Beiträgen hier im Forum unten in der Leiste www. anklicken und schon bist Du drin.
Ich fühle mich gezwungen, diese Thread wieder zum Leben zu erwecken!
http://i6.ebayimg.com/03/i/000/a3/ca/fad4_1_b.JPG
Gestern habe ich Bruno Walters "Mozart" 36,38,39,40,41 (Columbia Symphonie Orchestra) bekommen! Und ich muss echt den Spruch benutzen: "Ich kippe aus den Latschen" Ein soo reiner Mozart ist mir selten untergekommen :engel :down! Einfach herrlich! :down
Ich bin überaus begeistert und empfehle diese "Großen Symphonien Mozarts" unter Bruno Walter jedem! 38, 40, 41 sind schon geprüft! Die Stellungnahme über Symphonie 36, 39 gebe ich auch noch ab! Kennt zufällig jemand diese Aufnahmen?
Gruß Daniel
:engel
Amadé (08.07.2007, 17:42): Hallo Daniel, ich bin wieder zurück. Die Mozart-Sinfonien mit Walter und dem extra für ihn zusammengestellten Columbia-Orchester kenne ich schon mindestens 40 Jahre. Sie wurden kurz vor seinem Tode 1962 in den Jahren 1959/60 in stereo produziert. Vorangegangen waren mono-Aufnahmen zwischen 1953-55 sowohl mit dem Columbia Symphony Orchestra als auch den New Yorker Philharmonikern. In DEutschland erschienen sie damals unter dem Philips-Label, da CBS noch keinen deutschen Vertrieb besaß. Die älteren Aufnahmen sind etwas schneller und auch unverzärtelter als die letzteren, die durch ihre Wärme bestechen. Ich habe Walters Mozart-Sinfonien immer geschätzt und sie vor die von dir bevorzugten Böhn-Einspielungen gestellt.
Gruß Bernd
daniel5993 (08.07.2007, 22:53): Hallo Bernd!
Ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub!
Böhms Mozart ist in Kombination mit Walters Mozart "Vollkommen geworden"!!! Mein fester Eindruck ist, dass diese beiden mit Ihren Interpretation sehr, sehr nahe beieinander liegen!
Gruß daniel :beer
karajan (09.07.2007, 08:28): Für mich sind nach wie vor die Aufnahmen mit Böhm und den Philharmonikern aktuell. Die langsamen gespielten Sätze finde ich immer wieder sehr schön.
Die Symphonie Nr.40 +41 unter Herbert von Karajan von 1960 erschienen bei Decca sind auch erste Sahne mir gefallen sie immer besser. Die letzten Symphonien Nr.29-35-36-38-39-40+41 unter Karajan von EMI sind sehr gut gespielt und ausgewogen. Die Philharmoniker wunderten sich damals bei den Proben das der Maestro so lange und bis ins Detail probte.
Mit Sicherheit gibt es noch weitere sehr gute Aufnahmen aber diese genügen mir da Mozart nicht ganz mein Favorit ist. Ich höre ihn aber liebe ihn nicht unbedingt.
Gruß Andreas
daniel5993 (09.07.2007, 18:16): Hallo Andreas :hello!
Karajans Original: Mit Sicherheit gibt es noch weitere sehr gute Aufnahmen aber diese genügen mir da Mozart nicht ganz mein Favorit ist. Ich höre ihn aber liebe ihn nicht unbedingt.
Ich dagegen, liebe Mozarts Musik über alles andere hinaus! Beethovens Symphonien, Klavierkonzerte, Mahlers Symphonien, Teile von Bruckners Symphonien, Brahms, Tschaikowski sind wunderschön! Aber letztendlich zieht es mich immer wieder zu dieser leichten und unglaublich "seelig" machenden Musik Mozarts zurück!
Stücke wie das Klarinnettenquintett,-konzert usw, seine Symphonien, Klavierkonzerte, sind so herrlich tiefgehend und für mich "Weltentrückend" Einfach "MEINE" Musik! In Mozarts Musik finde ich echten Frieden! :engel
Immer mehr lerne ich auch die Oper zu schätzen, welche bei mir immer mehr in den Vordergrund rückt! Nach dem "Figaro", "ZAuberflöte" erforsche ich gerade "die Entführung"! Für mich sind die Mozarts Opern einfach mit der wichtigste Teil seiner Kompositionen überhaubt, welchen er uns hinterlassen hat! Unbeschreiblich schön!
Ich spreche gern über Mozart! Habe bereits sämtliche Biographien, Bücher von Ihm "verschlungen"!
Gruß Daniel :rofl
Amadé (27.10.2007, 22:26): Hallo Forianer,
die Sinfonie C-dur KV 425, genannt "Linzer", wird immer nur am Rande erwähnt, wenn über Mozarts Sinfonien geschrieben wird. Steht sie etwa nicht auf dem Niveau wie die benachbarten, die Haffner-, Prager-, oder die drei letzten Sinfonien? Weit gefehlt! Mozart hat sie zwar in aller Eile, wie so oft, während eines Aufenthalts in Linz für das dortige Orchester komponiert, das nach zeitgenössischen Ohrenzeugen sehr gut gewesen sein soll. Mit diesem gab er am 4. Nov 1783 im Linzer Theater eine Akademie. Nicht alle Tage war es ihm vergönnt, auf solch geschulte und aufeinander eingespielte Musiker zurückgreifen zu können. Diese günstigen Voraussetzungen stellten für ihn eine Herausforderung dar und es entstand ein Werk von höchster Konzentration und Kunstfertigkeit, bis ins kleinste Detail ausgereift. Darin übertrifft sie bei Weitem seine bisherigen Sinfonien und zum ersten Mal beginnt er eine Sinfonie mit einer langsamen Einleitung. Eingentlich unverständlich, dass dieses Meisterwerk neben den Sinfonien Nr.35 und 38-41 ein Schattendasein fristen muss. Meine LIeblingseinspielung entstand 1960 unter der Leitung von Bruno Walter mir dem Columbia Symphony Orchestra bei CBS.
Sehr hörenswert ist auch der Probenmitschnitt, der vor der Aufnahme gemacht wurde, Sony hat ihn dankenswerterweise im Rahmen der Bruno Walter Edition wiederveröffentlicht.
Kennt Ihr die Sinfonie und welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?
Cosima (27.10.2007, 23:02): Mir war gar nicht bewusst, dass die Linzer weniger populär als die benachbarten Sinfonien sein soll; ich empfinde sie als gleichwertig.
Ich liebe diese Aufnahme unter Belohlávek sehr. Keine HIP-Aufnahme, aber ein kleineres Orchester HIP-orientiert. Sehr schön transparent, erfrischend und anmutig gespielt:
Ansonsten kenne ich noch die Kleiber-Aufnahme mit den Wienern und Mackerras.
Gruß, Cosima
daniel5993 (27.10.2007, 23:20): Original von Amadé Hallo Forianer,
die Sinfonie C-dur KV 425, genannt "Linzer", wird immer nur am Rande erwähnt, wenn über Mozarts Sinfonien geschrieben wird. Steht sie etwa nicht auf dem Niveau wie die benachbarten, die Haffner-, Prager-, oder die drei letzten Sinfonien? Weit gefehlt! Mozart hat sie zwar in aller Eile, wie so oft, während eines Aufenthalts in Linz für das dortige Orchester komponiert, das nach zeitgenössischen Ohrenzeugen sehr gut gewesen sein soll. Mit diesem gab er am 4. Nov 1783 im Linzer Theater eine Akademie. Nicht alle Tage war es ihm vergönnt, auf solch geschulte und aufeinander eingespielte Musiker zurückgreifen zu können. Diese günstigen Voraussetzungen stellten für ihn eine Herausforderung dar und es entstand ein Werk von höchster Konzentration und Kunstfertigkeit, bis ins kleinste Detail ausgereift. Darin übertrifft sie bei Weitem seine bisherigen Sinfonien und zum ersten Mal beginnt er eine Sinfonie mit einer langsamen Einleitung. Eingentlich unverständlich, dass dieses Meisterwerk neben den Sinfonien Nr.35 und 38-41 ein Schattendasein fristen muss. Meine LIeblingseinspielung entstand 1960 unter der Leitung von Bruno Walter mir dem Columbia Symphony Orchestra bei CBS.
Sehr hörenswert ist auch der Probenmitschnitt, der vor der Aufnahme gemacht wurde, Sony hat ihn dankenswerterweise im Rahmen der Bruno Walter Edition wiederveröffentlicht.
Kennt Ihr die Sinfonie und welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?
Hallo Amade!
Oh, ich kenne Walters Mozart mit dem Columbia Symphonie Orchestra nur zu gut und das ist der einzige "Mozart", neben Karl Böhm, der mich wirklich überzeugt hat! Aber nicht nur die Linzer, für alle weiteren hat Walter auch ein Händchen!
Und wie gut, dass du das angesprochen hast, ich war auf der Suche nach dieser Ausgabe und hab sie nicht gefunden! Jetzt weiß ich zumindest, wie die "Hülle" aussieht!
Gruß Daniel
Cetay (inaktiv) (11.11.2007, 14:49): Ich möchte hier noch eine Lanze für zwei bislang nicht genannte Interpreten brechen. Da ist zunächst der von der Rezeption weitgehend ignorierte Emmauel Krivine zu nennen. Seine Aufnahmen für Denon sind sehr zügig und spannungsreich geraten. Die oft als Quadratur des Kreises bezeichnete Ausgewogenheit zwischen mitreißendem Schwung auf der einen und emotionaler Tiefe auf der anderen Seite finde ich hier exemplarisch gelöst. Besonders die Jupiter-Symphonie hat es mir angetan. Ich habe viele andere Aufnahmen dieses Werks im Regal (Harnoncourt, Gardiner, Bernstein, Böhm, Vegh), kehre aber immer wieder zu Krivine zurück.
Dann muss - aller ätzenden Kritik zum Trotz - Roger Norrington mit den London Classical Players genannt werden. Die extrem zügigen Tempi in den langsamen Sätzen sind sicher gewöhnungsbedürftig, ich finde es jedoch erstaunlich, welch subtile, so vorher nicht gehörten Klangwirkungen durch die unglaubliche Transparenz (die von dem vermeintlich "dünnen" Orchesterklang herrührt) entstehen. Besonders die Prager halte ich für sehr gelungen:
Karajan im Zusammenhang mit Mozart zu nennen, erfordert heutzutage fast schon Mut. Ich gestehe aber, dass mir seine späte, sehr wuchtige Aufnahme der Nr. 39 mit den Berlinern ausgesprochen gut gefällt.
Zelenka (11.11.2007, 16:36): Original von Dox Orkh Ich möchte hier noch eine Lanze für zwei bislang nicht genannte Interpreten brechen. Da ist zunächst der von der Rezeption weitgehend ignorierte Emmauel Krivine zu nennen. Seine Aufnahmen für Denon sind sehr zügig und spannungsreich geraten. Die oft als Quadratur des Kreises bezeichnete Ausgewogenheit zwischen mitreißendem Schwung auf der einen und emotionaler Tiefe auf der anderen Seite finde ich hier exemplarisch gelöst. Besonders die Jupiter-Symphonie hat es mir angetan. Ich habe viele andere Aufnahmen dieses Werks im Regal (Harnoncourt, Gardiner, Bernstein, Böhm, Vegh), kehre aber immer wieder zu Krivine zurück.
:D Krivine ist hier schon am 25.7.2006 von mir lobend erwähnt worden ...
Gruß, Zelenka
Cosima (07.07.2006, 15:14): Hallo allerseits,
obwohl ich keine große Anhängerin von Mozart bin, meine ich doch, dass ich meine Sammlung gelegentlich um einige seiner Symphonien erweitern könnte. Eventuell sind mir ja bislang ungeahnte und unglaubliche Hörerlebnisse entgangen. Gesamtaufnahmen mag ich generell nicht, einige wenige Einzelaufnahmen besitze ich bereits. Als da wären:
Nr. 36 – C. Kleiber Nr. 39 – Furtwängler Nr. 40 – Böhm, Toscanini Nr. 41 – Böhm
Das war es schon.
Welche seiner Symphonien sollte man also unbedingt gehört haben? In welchen Einspielungen erscheinen sie Euch besonders gelungen?
Gruß, Cosima
Jack Bristow (07.07.2006, 16:00): Meine Lieblingssinfonie ist #38 "Prager". Außer dieser und den von Dir schon genannten, sollte man m.E. kennen:
Falls die wider Erwarten gefallen sollten, vielleicht noch
#32 (eher eine Ouverture) #26 dito #28 C-Dur
(#37 gibt es nicht; hier hatte Mozart eine Einleitung für eine Sinfonie von Michael Haydn geschrieben)
Ich gehöre zu der signifikanten Minderheit, die die häufig genannten Mozart-Interpreten wie Boehm, Krips, Marriner, massiv überschätzt mit einer Tendenz zu gepflegter Langeweile, findet. Harnoncourts Aufnahmen mit dem Concertgebouw sind in macher Hinsicht provokant, aber sehr spannen und hörenswert (außerdem preiswertes Reinhören möglich, elatus u.ä. 5-7 EUR), einige andere highlights (teils historisch, teils nicht so leicht oder nur in Sammelboxen zu finden):
#41 Fricsay, Szell (Immerseel für HIP) #40 E. Kleiber, Schuricht (Furtwängler in der Version ohne Klarinetten) #38 Markevitch #36 Klemperer #35 Fricsay, Markevitch, Szell #34 Markevitch, Szell #31 Klemperer #25 Klemperer
Bei Fricsay sind #29, 35, 41 mono, 39,49 und die Füller (Nachtmusik, Maurer. Trauermusik, Adagio&Fuge c-moll) stereo. Seine #40 ist sehr langsam, sagt mir nicht so zu, aber durchaus ergreifend (wenn man weiß, dass er todkrank war). 41 und 35 gehören zu den m.E besten Mozartinterpretationen überhaupt. Bours 4-CD-Box mit 10 Sinfonien (25, 28, 29, 33, 35-41) für 4,99 ist nicht nur zum Kennenlernen erstklassig: geradlinige, schnörkellose, transparente Aufnahmen, vielleicht etwas "neutral". Klang einwandfrei (vermutlich vom SWF, ca. 1970)
viele Grüße
J. Bristow
Cosima (07.07.2006, 17:03): Hallo Jack,
danke Dir für Deine interessanten Vorschläge. Besonders der Hinweis auf Fricsay freut mich, da ich einige seiner Aufnahmen (Beethoven, Dvorák, Smetana) sehr schätze. Ich glaube, der wäre etwas für mich, zumal auch vom Preis her gut erschwinglich.
Harnoncourt hatte ich auch schon ins Auge gefasst. „Provokant und spannend“ klingt gut, zumal ich mit meinen Böhm-Aufnahmen auch nicht so recht glücklich bin. Die „Prager“ würde ich mir also eventuell mit Harnoncourt zulegen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6930828.jpg
Die weiterhin enthaltene Symphonie Nr. 39 ist auf der Rondo-Seite sehr positiv besprochen worden: "http://www.rondomagazin.de/fuehrer/mozart/wam12.htm"
Ich denke, hier kann man nicht viel falsch machen (sie kostet zudem nur 4,99 Euro).
Soweit meine momentanen Überlegungen. Vielleicht melden sich ja noch andere Mitglieder, um ihre Eindrücke kundzutun.
Gruß, Cosima
Cosima (07.07.2006, 17:48): Meine Recherche eben ergab, dass bzgl. der „Prager“ die Mackerras-Aufnahme vielleicht eine gute Alternative wäre. Kennt sie jemand?
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5089987.jpg
Ein Glücksfall aber, wenn zu fundierten Kenntnissen über Fragen des Stils auch das Talent eines Vollblutmusikers hinzukommt wie bei Charles Mackerras. Seine Aufnahme der "Prager" Sinfonie hat unglaublichen Drive und sichert der Musik scharf umrissene Konturen. Außerdem erinnert das Cembalo daran, daß zu Mozarts Zeit immer noch eine Continuo-Gruppe im Orchester mitspielte. (Rondo-Seite)
Was ist eigentlich mit Sándor Vegh? Gilt er nicht als Mozart-Experte?
Gruß, Cosima
Jack Bristow (07.07.2006, 18:13): Original von Cosima danke Dir für Deine interessanten Vorschläge. Besonders der Hinweis auf Fricsay freut mich, da ich einige seiner Aufnahmen (Beethoven, Dvorák, Smetana) sehr schätze. Ich glaube, der wäre etwas für mich, zumal auch vom Preis her gut erschwinglich.
Ja, 12-15 EUR für 2 randvolle CDs. Die #29 ist die einzige, die ich nicht so gelungen finde (auch klanglich sehr trocken)
Harnoncourt hatte ich auch schon ins Auge gefasst. „Provokant und spannend“ klingt gut, zumal ich mit meinen Böhm-Aufnahmen auch nicht so recht glücklich bin. Die „Prager“ würde ich mir also eventuell mit Harnoncourt zulegen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6930828.jpg
Ich denke, hier kann man nicht viel falsch machen (sie kostet zudem nur 4,99 Euro).
Die Prager ist eine extreme Interpretation; Harnoncourt läßt alle Wiederholungen spielen und nimmt im Kopfsatz ein recht gemäßigtes Tempo, so dass der ca. 19 min dauert, da würde ich empfehlen mal eine "normalere" Version als Alternative zu hören. Die 39 mag auch manchen verprellen, aber die finde ich grandios. Man hört schon Beethovens Eroica heraus (ebenso macht er m.E. durch seine Tempowahl den Zusammenhag der Einleitung mit dem Rest des Hauptsatzes deutlicher als die meisten andern). Welche Sinfonien mit Vegh zu haben sind, weiß ich nicht; es gibt massenhaft Serenaden und Divertimenti in einer Box. Er wäre vermutlich aus der "leicht und spritzig"-Richtung meine erste Wahl. Mackerras kenne ich nicht; scheint aber eine ordentliche Version in kleiner Besetzung (moderne Instrumente) zu sein.
viele Grüße
J. Bristow
Carola (07.07.2006, 19:00): Nun, dass ich in Sachen Mozart Sinfonien nicht zu Jacks "signifikanter Minderheit" gehöre, dürfte ja hier allgemein bekannt sein.
Ich besitze diese Gesamtaufnahme der Sinfonien mit Karl Böhm und den Berliner Philharmonikern aus den Sechzigern
Ich finde diese Aufnahmen nach wie vor wunderbar. Damit meine ich vor allem ganz naiv, dass sie so klingt, wie Mozart für mich nun mal in erster Linie klingen muss - schön. Das FonoForum bezeichnete die Aufnahmen übrigens kürzlich als "pomadig" - das haben sie vor 30 Jahren sicher noch ganz anders gesehen. Und auch ich finde das nicht, sondern würde eher Vokabeln wie Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit benutzen.
Einzig bei ganz den frühen Sinfonien muss man wohl Abstriche machen, die sind denn doch auch für meinen Geschmack etwas zu schwerfällig musiziert. Da nehme ich lieber die Aufnahmen mit Macckeras und dem Prager Kammerorchester zur Hand, die sind leichtfüßiger.
Von den frühen Sinfonien höre ich besonders gerne die "kleine"g-moll-Sinfonie, Nr. 25. Aber auch Nr. 14, 19, und 24 gefallen mir gut. Und ab Nr. 29 dann sowieso alles.
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (07.07.2006, 19:03): Hallo,
kennt jemand die Aufnahmen unter Hogwood aus der, von mir sehr geschätzten L'oiseau_Lyre Serie?
Würde mich sehr über eine Meinung freuen :hello
fohlenfanatiker (07.07.2006, 23:31): Die Böhm-Gesamteinspielung habe ich auch und ich habe ein etwas gespaltenes Verhältnis dazu. Es gibt Tage, da find ich sie auch richtig schön. Dann wiederum recht langweilig, wie ein Uhrwerk: Tick, tick tick. Keine Tempo variationen, nur präzise und gleichmäßig. Mir ist wohl klar, dass sie mehr als nur präzise und gleichmäßig sind, aber manchmal langweilen mich diese Aufnahmen einfach.Das ist bei mir sehr stimmungsabhängig.
An Cosima, Die Mackerrasaufnahmen find ich ausgesprochen gelungen, insbesondere auch die 38. Dynamisch und mitreissend würde ich sie bezeichnen. Ich meine, dass diese Reihe auch überhaupt eine gute Anschaffung ist. Ich besitze von Mackerras die Sinfonien von 24-41. Die früheren Werke muss ich nicht häufiger als einmal haben. Aber wie ich sehe, ist deine Sammlung wohl noch recht ausbaufähig.
Von Harnoncourt besitze ich die Sinfonien mit dem Concertgebouw Nr. 31, 33 34, 35, 40, 41. Harnoncourt ist halt Geschmacksache, ich mag sie auch, mir gefällt aber der Mackerras besser.
Cosima (08.07.2006, 10:31): Original von Carola Ich finde diese Aufnahmen nach wie vor wunderbar. Damit meine ich vor allem ganz naiv, dass sie so klingt, wie Mozart für mich nun mal in erster Linie klingen muss - schön. Das FonoForum bezeichnete die Aufnahmen übrigens kürzlich als "pomadig" - das haben sie vor 30 Jahren sicher noch ganz anders gesehen. Und auch ich finde das nicht, sondern würde eher Vokabeln wie Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit benutzen.
Pomadig, ausgewogen – so würde ich Böhms Mozart-Interpretation auch bezeichnen. Und das ist genau der Grund, warum ich ihn weniger schätze, ja sogar eher als langweilig bezeichnen würde. „Schön“ ist zwar relativ, aber eigentlich war ich genau mit diesem Vorurteil belastet: Dass Mozart nämlich einfach nur „schön“ klingen müsse. Das mag der Grund sein, weshalb ich mich so lange gegen Mozarts Musik sperrte. Erst Interpretationen, die andere Seiten Mozarts aufzeigen, haben mich ein wenig mehr für diesen Komponisten geöffnet.
Sei’s drum, jedem seine Vorlieben.
Gruß, Cosima
Cosima (08.07.2006, 10:40): Original von fohlenfanatiker Die Mackerrasaufnahmen find ich ausgesprochen gelungen, insbesondere auch die 38. Dynamisch und mitreissend würde ich sie bezeichnen.
Hallo Günter,
schön, dass sich noch ein Fürsprecher der Mackerras-Aufnahme gefunden hat (Carola erwähnte ihn ja auch). Die Prager sollte ich wohl wirklich gehört haben. Ich bin gespannt, ob sie mir gefallen wird. Harnoncourt würde mich aber auch sehr reizen, gerade weil er so kontrovers beurteilt wird.
Was ist eigentlich mit Gardiner? Auch sehr gelobt - vielleicht eine Alternative?
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7977084.jpg
Gruß, Cosima
Carola (08.07.2006, 15:44): Zu Gardiner kann ich leider in diesem Zusammenhang nichts sagen. Seine Einspielung von Mozarts c-moll-Messe ist jedenfalls großartig.
Gerade gesehen: Die Gesamtaufnahme der Sinfonien mit Macckeras, Prager Kammerorchester aus den Achtzigern
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6176881.jpg
kostet bei jpc jetzt nur noch knapp 50 Euro, bisher waren es 65 Euro (10 CDs), Amazon will immer noch den alten Preis (über Marketplace)
Wer die Sinfonien auf modernen Instrumenten hören möchte, aber spritziger und leichtfüßiger als die Böhm-Aufnahme, ist mit Macckeras sicher gut bedient.
Was ich mich frage: Jetzt zum Mozartjahr 2006 hätte doch eigentlich eine neue Gesamtaufnahme (von wem auch immer) nahegelegen. Ich weiß allerdings von keiner. Ihr?
fragt Carola
Tangua (08.07.2006, 18:34): Hallo Cosima, wenn Du Alternativen zu dem von Dir als zu pomadig empfundenen Böhm-Mozart suchst, solltest Du neben Mackerras, den ich auch wegen seiner luftig-transparenten Herangehensweise und der kleineren Orchesterbesetzuing sehr mag, unbedingt Szell in Erwägung ziehen. Das ist ein von Böhm völlig unterschiedlicher Mozart, quasi die sportliche Mozart-Version, kraftvoll, dynamisch und mit Ecken und Kanten. Es gibt eine Sony-CD mit der 35.,40. und 41 zum Spottpreis, deren Anschaffung sich unbedingt lohnt!
Cosima (08.07.2006, 20:29): Original von Tangua Das ist ein von Böhm völlig unterschiedlicher Mozart, quasi die sportliche Mozart-Version, kraftvoll, dynamisch und mit Ecken und Kanten. Es gibt eine Sony-CD mit der 35.,40. und 41 zum Spottpreis, deren Anschaffung sich unbedingt lohnt!
Das klingt sehr gut! Vielen Dank für den Hinweis auf Szell, den ich auch sehr schätze. Die CD ist notiert.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (09.07.2006, 10:00): Original von Rachmaninov Hallo,
kennt jemand die Aufnahmen unter Hogwood aus der, von mir sehr geschätzten L'oiseau_Lyre Serie?
Würde mich sehr über eine Meinung freuen :hello
Was die Hogwood Aufnahme angeht habe ich festgestellt, daß sie doch durchaus sehr positive Besprechungen und Kommentare bekommen hat.
Es handelt sich, wie erwartet, um eine HIP Aufnahme!
Neben den kompletten Sinfonien sind noch weiter 27 ochestrale Werke eingespielt :beer
Cosima (10.07.2006, 21:10): Hallo allerseits,
die o.g. Harnoncourt-Aufnahme der „Prager“ und der 39. Symphonie habe ich nun also gehört. Ich hatte es mir fast gedacht nach den Beschreibungen, die ich las: Sie ist für mich ein echter Volltreffer! Harnoncourt lässt gut durchhörbar, frisch, lebendig und kontrastreich spielen - in der Tat spannend anzuhören! Ohne Vergleich kann ich nun natürlich nicht beurteilen, inwiefern die Interpretation der Prager extrem ist, wie Jack oben schrieb. Sicher kann ich aber sagen, dass mir Harnoncourts „entschlackte“ und forsche Herangehensweise sehr gut gefällt.
Die Symphonie an sich mag ich auch sehr. Sie ist sehr abwechslungsreich; ich mag ihre bedrohlich wirkenden Elemente, ihre Melancholie und auch ihre Rastlosigkeit und Unruhe (letzter Satz). Ein wirklich schönes Werk! Soweit meine ersten Eindrücke.
Nun überlege ich, ob ich als nächstes Szell, Fricsay oder Mackerras angehen sollte.
Gruß, Cosima
Jack Bristow (10.07.2006, 22:46): Original von Cosima die o.g. Harnoncourt-Aufnahme der „Prager“ und der 39. Symphonie habe ich nun also gehört. Ich hatte es mir fast gedacht nach den Beschreibungen, die ich las: Sie ist für mich ein echter Volltreffer! Harnoncourt lässt gut durchhörbar, frisch, lebendig und kontrastreich spielen - in der Tat spannend anzuhören! Ohne Vergleich kann ich nun natürlich nicht beurteilen, inwiefern die Interpretation der Prager extrem ist, wie Jack oben schrieb. Sicher kann ich aber sagen, dass mir Harnoncourts „entschlackte“ und forsche Herangehensweise sehr gut gefällt.
Es freut mich, dass sie Dir gefällt! Harnoncourt neigt zum Polarisieren, daher bin ich mit allzu vollmundigen Empfehlungen hier gern etwas vorsichtig...
Die Symphonie an sich mag ich auch sehr. Sie ist sehr abwechslungsreich; ich mag ihre bedrohlich wirkenden Elemente, ihre Melancholie und auch ihre Rastlosigkeit und Unruhe (letzter Satz). Ein wirklich schönes Werk! Soweit meine ersten Eindrücke.
Sie ist m.E. von den beiden g-moll-Werken abgesehen die mit Abstand düsterste und dramatischste Mozart-Sinfonie, der Kopfsatz ist einfach gigantisch :down :down :down Ich war mal in den USA einige Wochen unterwegs, ohne "richtige" Musik hören zu können; dann bin ich mit jemandem im Auto mitgefahren und im Radio erklang ein Stück des ersten Satzes dieser Sinfonie; ich war ohne weiteren Anlaß am Schlucken...Das Seitenthema, das so zwischen Dur und Moll changiert, mit dieser Gegenstimme in den Fagotten ist für mich eine unglaublich ergreifende Stelle.
Nun überlege ich, ob ich als nächstes Szell, Fricsay oder Mackerras angehen sollte.
Wenn die "Prager" Priorität haben soll, bleiben wohl nur Mackerras oder Gardiner (ich glaube die hole ich mir auch noch, solange sie preiswert ist, hat viel Lob geerntet)
viele Grüße
J. Bristow
Cosima (11.07.2006, 07:32): Original von Jack Bristow Wenn die "Prager" Priorität haben soll, bleiben wohl nur Mackerras oder Gardiner (ich glaube die hole ich mir auch noch, solange sie preiswert ist, hat viel Lob geerntet)
Hallo Jack, hallo allerseits,
ja, eine alternative Einspielung der "Prager" hätte ich schon noch gerne, u.a. auch, um die Harnoncourt-Aufnahme besser einschätzen zu können.
Ich warte hier jetzt aber ab, was z.B. Zelenka nach seinem Urlaub noch schreiben wird, der wohl beide kennt - also Mackerras und Gardiner. Oder vielleicht meldet sich ja sonst noch jemand zu Wort, der hier eine Einschätzung abgeben kann.
Fricsay hätte ich aber trotzdem gern, Du hast ja sehr von der 41. geschwärmt.
Ich frage einfach noch einmal in die Runde: Welches sind denn Eure Lieblings-Symphonien von Mozart? Und warum?
Gruß, Cosima
Cosima (13.07.2006, 12:19): Original von Cosima Was ist eigentlich mit Gardiner? Auch sehr gelobt - vielleicht eine Alternative?
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7977084.jpg
Nun beantworte ich mir meine Frage selber. :)
Weil ich die Prager-Sinfonie inzwischen sehr liebe, habe ich mir doch noch die Gardiner-Aufnahme zugelegt. Es bleibt für mich dabei: Harnoncourt bietet die spannendere Interpretation. Dennoch meine ich, dass die Einspielung unter Gardiner (auf Originalinstrumenten) ihre Reize hat: Mir gefallen die Klarheit und eine gewisse Strenge und Kantigkeit. Ich würde sagen, dass sie „schöner“ ist als die Harnoncourt-Aufnahme – aber nicht im plüschigen Sinne, sondern im Sinne von „erhaben/edel“. Obwohl ich überhaupt keine Mozart-Expertin bin, würde ich den Gardiner rein vom Gefühl her als Mozart-näher bezeichnen. Vielleicht weiß jemand, wie ich es meine. Auf jeden Fall eine tolle Alternative!
Ich merke schon: Langsam werde ich doch noch zur Mozart-Anhängerin.
Gruß, Cosima
Carola (13.07.2006, 12:44): Original von Cosima
Ich merke schon: Langsam werde ich doch noch zur Mozart-Anhängerin.
Gruß, Cosima
Das lese ich gerne, liebe Cosima!!!! :beer
Die "Pager"-Sinfonie ist aber auch wirklich klasse. Und was Harnoncourt angeht: Bei den Sinfonien sind und bleiben unsere Geschmäcker einfach verschieden, aber - ganz unter uns: Seine Aufnahmen mit Mozarts geistlicher Musik gefallen auch mir. :)
Mit Gruß von Carola
Cosima (13.07.2006, 12:50): Original von Carola Das lese ich gerne, liebe Cosima!!!! :beer
Ich glaube, dass es in Sachen Mozart noch mehr als bei anderen Komponisten darauf ankommt, dass ich die "richtige" Interpretation erwische, damit ich mich überhaupt erst einmal für das Werk begeistere. Das bedeutet für mich: Bloß nicht süßlich, plüschig, verzärtelt usw. Aber die Auswahl ist ja für jeden Geschmack groß genug.
Gruß, Cosima :beer
Cosima (13.07.2006, 17:04): Original von Jack Bristow Ich war mal in den USA einige Wochen unterwegs, ohne "richtige" Musik hören zu können; dann bin ich mit jemandem im Auto mitgefahren und im Radio erklang ein Stück des ersten Satzes dieser Sinfonie; ich war ohne weiteren Anlaß am Schlucken...Das Seitenthema, das so zwischen Dur und Moll changiert, mit dieser Gegenstimme in den Fagotten ist für mich eine unglaublich ergreifende Stelle.
Ich muss das jetzt einfach mal sagen, weil ich die letzten Tage so oft diese Symphonie gehört habe: Das von Jack Geschriebene kann ich jetzt gut verstehen! Insbesondere der 1. Satz (ich glaube ich weiß, welche Stelle Jack meint, ich hörte sie eben) ist wunderschön! Ich bin nun richtig froh, diese Symphonie entdeckt zu haben! Harnoncourt und Gardiner haben aufgeräumt mit meinem Vorurteil gegenüber Mozarts Symphonien. Was für eine großartige Komposition diese Prager doch ist! :down
Gruß, Cosima
Nachtrag:
Gerade fiel mir beim Hören ein, wie man die Gardiner-Aufnahme noch beschreiben könnte. Ich bezeichnete sie ja bereits als „schön“ im Sinne von „erhaben und edel“. Eben dachte ich, dass sie so etwas wie „schlichte Größe“ besitzt. „Schlicht“ im positiven Sinne eben wegen ihrer Klarheit, Reinheit und Transparenz, "Größe" wegen ihrer Stringenz und Schnörkellosigkeit. Dagegen erscheint mir Harnoncourt fast etwas überfrachtet, überinterpretiert… oder wie immer man das bezeichnen möchte. Vielleicht auch deshalb mein Eindruck, dass sie Mozart-gerechter oder - näher sei.
Schade, dass sonst scheinbar niemand diese Aufnahme kennt. Ich wüsste gerne, wie sie auf andere Hörer wirkt.
Carola (14.07.2006, 14:56): Ich habe mir jetzt den ersten Satz der "Prager"-Sinfonie Nr. 38 im Vergleich von Gardiner und Harnoncourt angehört.
Den Unterschied, vor allem im Klang der Bläser, merkt man schon bei dem Fanfaren-Auftakt. Bei Harnoncourt klingt das sehr krass, als sollte es um jeden Preis ein richtiger "Knalleffekt" werden. Auch bei Gardiner wirkt der Anfang im Vergleich zu Böhm noch sehr knackig, dennoch längst nicht so hart und forciert wie bei Harnoncourt. Gerade diesen harten Klang der Bläser mag ich bei Harnoncourt überhaupt nicht - vor allem in Kombination mit dem dürren, "verhungerten" Streicherklang. Das mag auch daran liegen, dass 1981, zum Zeitpunkt der Harnoncourt-Aufnahme, die digitale Aufnahmetechnik noch in den Kinderschuhen steckte. Die Gardiner-Aufnahme ist von 1988.
Gardiners Interpretation scheint mir insgesamt nicht so ruppig, nicht so forciert wie bei Harnoncourt, dafür geradliniger, flüssiger, eleganter. Oder wie Cosima es ausgedruckt hat - edler.
Innerhalb des "HIP"-Ansatzes (historische Spielweise und Instrumente) ist Gardiner nach meiner Auffassung also Harnoncourt klar vorzuziehen.
Mit Gruß von Carola
Cosima (14.07.2006, 15:25): Original von Carola Gardiners Interpretation scheint mir insgesamt nicht so ruppig, nicht so forciert wie bei Harnoncourt, dafür geradliniger, flüssiger, eleganter. Oder wie Cosima es ausgedruckt hat - edler.
Schön, dass sich nun doch noch jemand gefunden hat, der diese Aufnahme gehört hat und etwas dazu schreiben mag. :)
Ähnlich wie Carola (geradlinig und elegant) würde ich die Gardiner-Aufnahme auch bezeichnen. Den Harnoncourt mag ich aber trotzdem, bemerke aber auch, dass ich Gardiner inzwischen etwas vorziehe. Harnoncourt strengt auf Dauer etwas mehr an beim Zuhören.
Gruß, Cosima
Zelenka (14.07.2006, 15:32): Original von Carola Ich habe mir jetzt den ersten Satz der "Prager"-Sinfonie Nr. 38 im Vergleich von Gardiner und Harnoncourt angehört.
Gardiners Interpretation scheint mir insgesamt nicht so ruppig, nicht so forciert wie bei Harnoncourt, dafür geradliniger, flüssiger, eleganter. Oder wie Cosima es ausgedruckt hat - edler.
Innerhalb des "HIP"-Ansatzes (historische Spielweise und Instrumente) ist Gardiner nach meiner Auffassung also Harnoncourt klar vorzuziehen.
Mit Gruß von Carola
Liebe Carola:
Vielleicht ein Missverstaendnis meinerseits, aber Harnoncourt ist hier mit dem Concertgebouw nicht HIP!
Gruss,
Zelenka
Carola (14.07.2006, 16:16): Original von Zelenka
Liebe Carola:
Vielleicht ein Missverstaendnis meinerseits, aber Harnoncourt ist hier mit dem Concertgebouw nicht HIP!
Gruss,
Zelenka
Hm, ich spreche in der Tat von dieser Aufnahme
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9974901.jpg
Die war mich immer der Inbegriff des "HIP" - vor allem, wie die Bläser klingen. Aber unabhängig von den Instrumenten auch die Spielweise, dieses ruppige, harte, um keinen Preis schön klingen wollende - was immer es ist - ich mag es nicht
Mit Gruß von Carola
Zelenka (14.07.2006, 16:21): Original von Carola Original von Zelenka
Liebe Carola:
Vielleicht ein Missverstaendnis meinerseits, aber Harnoncourt ist hier mit dem Concertgebouw nicht HIP!
Gruss,
Zelenka
Hm, ich spreche in der Tat von dieser Aufnahme
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9974901.jpg
Die war mich immer der Inbegriff des "HIP" - vor allem, wie die Bläser klingen. Aber unabhängig von den Instrumenten auch die Spielweise, dieses ruppige, harte, um keinen Preis schön klingen wollende - was immer es ist - ich mag es nicht
Mit Gruß von Carola
Liebe Carola:
Im Prinzip ist das Concertgebouw nicht HIP, aber vielleicht haben die Blaeser in HIP-Manier spielen muessen. Ich mag die Aufnahme auch nicht im uebrigen und habe sie vor Jahren ausgesondert. :D Mehr vielleicht demnaechst.
Gruss,
Zelenka
Carola (14.07.2006, 16:42): Original von Zelenka
Liebe Carola:
... Ich mag die Aufnahme auch nicht im uebrigen und habe sie vor Jahren ausgesondert. :D ...
Gruss,
Zelenka
Genau das habe ich gerade auch getan. :D
Aber von Gardiners Mozart-Sinfonien will ich mehr hören. Also morgen noch mal zu Zweitausendeins ....
Mit Gruß von Carola
Zelenka (14.07.2006, 16:46): Original von Carola Original von Zelenka
Liebe Carola:
... Ich mag die Aufnahme auch nicht im uebrigen und habe sie vor Jahren ausgesondert. :D ...
Gruss,
Zelenka
Genau das habe ich gerade auch getan. :D
Aber von Gardiners Mozart-Sinfonien will ich mehr hören. Also morgen noch mal zu Zweitausendeins ....
Mit Gruß von Carola
:beer
J.D.Z.
Zelenka (25.07.2006, 17:32): (Ich hoffe, Cosima verzeiht mir, daß ich mich erst so spät etwas ausführlicher in ihrem Faden zu Wort melde.) Ich habe vor ein paar Jahren begonnen, meinen Bestand an Mozart-Symphonien umzukrempeln. Eher etwas spät habe ich mich der historisch-informierten Richtung zugewandt, die ich für die Barockzeit immer schon bevorzugt habe. Ausgesondert habe ich außer den Symphonien 35-41 alle Böhm-Einzel-CDs, die ich besaß.
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Völlig trennen konnte ich mich von Böhm eben nicht, wenigstens ein Beispiel für die romantisierende Tendenz der Mozart-Aufführungspraxis mußte bleiben. Die frühen Symphonien unter Böhm galten schon lange als ein wenig schwerfällig, die Trennung von ihnen fiel mir also nicht weiter schwer. Gehen mußte auch alles, das Harnoncourt (Teldec) mit dem Concertgebouw-Orchester eingespielt hat, wie schon weiter oben im Faden von mir angedeutet. (Die "kalte" Aufnahmequalität hat sicher einiges zu meiner Antipathie beigetragen.) Wenn schon inauthentisches Romantisieren mit zu großen Orchestern und teils merkwürdigen Tempi, dann lieber mit etwas mehr Charme wie bei Böhm und vor allem im bei Bernstein und den Wiener Philharmonikern (DG, teils Live-Aufnahmen), die ich erst vor zwei Wochen in diesem Repertoire kennengelernt habe und die mich immer noch wegen ihrer erstaunlichen Leichtigkeit sehr beeindrucken.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8878036.jpg
Etwas Harnoncourt ist allerdings noch geblieben: die Symphonien 12, 19 und 24 mit seinem eigenen Concentus musicus Wien (Teldec), die ähnlich charmelos wie die Amsterdamer Aufnahmen sind und letzteren bald folgen werden. Immer noch da sind auch die Nummern 39 und 41, die Harnoncourt mit dem Chamber O of Europe eingespielt hat (Teldec). Auch hier ist H. eher ein Problem als seine Lösung, und ich weiß im Moment nicht einmal zu sagen, welche Sentimentalitäten mich davon abhalten, nicht auch sie endlich auszusondern. Wenigstens wird hier ein Kammerorchester eingesetzt.
Eben weil ich Mozart nicht mehr so hören wollte als ob eine mit tiefer Bedeutung überfrachtete Bruckner- oder Mahler-Symphonie gegeben würde, habe ich mich für eine Radikalkur entschieden und als erstes Trevor Pinnocks Gesamteinspielung angeschafft, die zwischen 1993 und 1995 erschienen ist (DG Archiv).
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6139094.jpg
Auch diejenigen, die der HIP-Richtung skeptisch gegenüberstehen, werden hier bestens bedient, dies ist kein dogmatisch-authentischer Mozart, der charmelos daherkommt. (Puristen sollten sich wohl eher Hogwoods Einspielung zuwenden (Decca L'Oiseau-Lyre).) Bleibt die andere Gesamteinspielung (die Gesamtaufnahmen differieren ein wenig, je nachdem welches zusätzliche Material über die Symphonien 1-41 hinaus aufgenommen ist), die ich seit kurzem vollständig besitze, nämlich die äußerst ansprechende und idiomatische von Mackerras (Telarc). Sie verwendet keine historischen Instrumente, das Orchester hat allerdings eine Größe, mit der Mozart selbst in etwa vertraut gewesen wäre.
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Ansonsten besitze ich immer noch das eine oder andere Bruchstück aus anderen Zyklen, z.B. Krivine (Denon) in Nos. 30, 31 und 34 und Marriner (EMI) in Nos. 24, 25 und 27. Krivine ist ganz ausgezeichnet mit seinem polnischen Orchester, die Aufnahmen mit dem Abgang von Denon in Europa aber wohl vergriffen. Marriner ist fast ebenso gut, und ich verstehe Jack Bristows Abneigung gegen ihn nicht so recht. Seinen Zyklus bei Philips, der in der großen Mozart-Ausgabe des Labels enthalten ist, kenne ich leider überhaupt nicht. Einzelnes und nur zufällig Vorhandenes unter Furtwängler und Reiner z.B. soll hier nicht weiter zur Debatte stehen.
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (26.07.2006, 13:05): Original von Zelenka (Telarc). Sie verwendet keine historischen Instrumente, das Orchester hat allerdings eine Größe, mit der Mozart selbst in etwa vertraut gewesen wäre.
wie "40 violin, 10 bassi und die Bläser alle doppelt"? :P
Ansonsten besitze ich immer noch das eine oder andere Bruchstück aus anderen Zyklen, z.B. Krivine (Denon) in Nos. 30, 31 und 34 und Marriner (EMI) in Nos. 24, 25 und 27. Krivine ist ganz ausgezeichnet mit seinem polnischen Orchester, die Aufnahmen mit dem Abgang von Denon in Europa aber wohl vergriffen. Marriner ist fast ebenso gut, und ich verstehe Jack Bristows Abneigung gegen ihn nicht so recht.
Ich hege kein Abneigung gegen Marriner. Es ist zwar ewig her, dass ich diese Sachen (da LP oder überspielte MC oder gar nicht mehr da) gehört habe, aber sein munter-spritzig-schlanker Zugang sagt mir vermutlich mehr zu als der bieder-gemütliche Böhms und ist bei den frühen Sinfonien wohl eine sehr gute Wahl. Indes finde ich, dass Esprit, Charme und Eleganz nur ein (und bei den großen ein sehr zweitrangiger) Aspekt dieser Werke sind. Mein Problem mit fast allen "traditionellen" Interpretationen (z.B. NICHT Furtwängler, Klemperer oder Reiner), besonders Päpsten wie Böhm, ist dass alles diesem Aspekt untergeordnet wird. Man mag Harnoncourt vorhalten, dass er die Stücke teils "zu ernst" nimmt. Das Ergebnis, gerade etwa auch bei der kürzlich erschienenen Doppel-CD mit frühen Sinfonien finde ich jedoch faszinierend, weil hier eben Merkmale deutlich werden, die man sonst einfach nicht wahrnimmt. (Der harte Klang der Concergebouw-Aufnahmen dürfte zum guten Teil auf die frühe Digitaltechnik zurückgehen, meines Wissens wurden dort nur moderne Instrumente verwendet.)
viele Grüße
J. Bristow
ab (26.07.2006, 16:17): Original von Cosima Die „Prager“ würde ich mir also eventuell mit Harnoncourt zulegen.
Meine Mozart-Lieblingssinfonie mit Harnoncourt ist die Linzer wegen des langsamen Satzes! Auch den dritten Satz der Haffner-Sinfonie habe ich in Tempo und Spannung noch nie überzeugender gehört wie von ihm. (Ganz allgemein finde ich sonst seinen Mozart durchwachsen. Oft höre ich mir dies nicht an.)
ab (26.07.2006, 16:21): Original von Carola Ich habe mir jetzt den ersten Satz der "Prager"-Sinfonie Nr. 38 im Vergleich von Gardiner und Harnoncourt angehört.
Gardiner empfinde ich immer etwas oberflächlich. Bei Harnoncourt - auch da, wo er mir gar nicht gefällt - habe ich das noch nie gehabt!
ab (26.07.2006, 16:24): jedenfalls sollte man versuchen, die Aufnahmen von Josef Krips zu bekommen:
Zelenka (26.07.2006, 17:43): Original von Jack Bristow
wie "40 violin, 10 bassi und die Bläser alle doppelt"? :P
"40 Violin haben gespielt – die blaß-Instrumente doppelt – 10 Bratschen – 10 Contre Bassi, 8 violoncelli und 6 fagotti.“ Diese starke Besetzung wohl bei der Aufführung der No. 34 in Wien war 1781 für Mozart so außergewöhnlich, daß er davon ausgiebig und begeistert seinem Vater berichten mußte. Die Norm war das sicher nicht. (Bei der Erstaufführung des "Don Giovanni" spielten 3 erste Geigen.)
Gruß,
Zelenka
Zelenka (26.07.2006, 18:11): Original von Jack Bristow
Ansonsten besitze ich immer noch das eine oder andere Bruchstück aus anderen Zyklen, z.B. Krivine (Denon) in Nos. 30, 31 und 34 und Marriner (EMI) in Nos. 24, 25 und 27. Krivine ist ganz ausgezeichnet mit seinem polnischen Orchester, die Aufnahmen mit dem Abgang von Denon in Europa aber wohl vergriffen. Marriner ist fast ebenso gut, und ich verstehe Jack Bristows Abneigung gegen ihn nicht so recht.
Ich hege kein Abneigung gegen Marriner. Es ist zwar ewig her, dass ich diese Sachen (da LP oder überspielte MC oder gar nicht mehr da) gehört habe, aber sein munter-spritzig-schlanker Zugang sagt mir vermutlich mehr zu als der bieder-gemütliche Böhms und ist bei den frühen Sinfonien wohl eine sehr gute Wahl. Indes finde ich, dass Esprit, Charme und Eleganz nur ein (und bei den großen ein sehr zweitrangiger) Aspekt dieser Werke sind. Mein Problem mit fast allen "traditionellen" Interpretationen (z.B. NICHT Furtwängler, Klemperer oder Reiner), besonders Päpsten wie Böhm, ist dass alles diesem Aspekt untergeordnet wird. Man mag Harnoncourt vorhalten, dass er die Stücke teils "zu ernst" nimmt. Das Ergebnis, gerade etwa auch bei der kürzlich erschienenen Doppel-CD mit frühen Sinfonien finde ich jedoch faszinierend, weil hier eben Merkmale deutlich werden, die man sonst einfach nicht wahrnimmt.
viele Grüße
J. Bristow
Lieber Jack:
Ich glaube, daß auch Böhm nicht alles dem Aspekt "Esprit, Charme und Eleganz" unterordnet, genausowenig wie ich empfinde, daß Pinnock etwa in den letzten beiden Symphonien nur vordergründig musizieren läßt. Daß Mozart besonders zu der Zeit, als er seine letzten Symphonien schrieb, zur Darstellung tiefster menschlicher Emotionen fähig war, kann man mit letzter Deutlichkeit seinen gleichzeitig entstandenen Opern entnehmen. Andererseits sollte man vielleicht doch nicht die Symphonien interpretatorisch überfrachten, sondern die Musik ein wenig mehr für sich selbst sprechen lassen. Im Falle Harnoncourt z.B. ist für mich die Grenze zur Karikatur deutlich überschritten. Das ist sicherlich ein anderer Mozart, den man unter Umständen wenigstens einmal gehört haben sollte, aber nicht etwas, das auf Dauer in meiner Sammlung verweilen müßte. Daß wir uneins sind über verschiedene Interpretationsansätze, das hätte Mozart selbst kaum für möglich gehalten. Es gab ja praktisch kein Repertoire, und eine Symphonie hörte man einmal, für das nächste Konzert wurde eben eine neue geschrieben. Wie schwer wir es heute doch haben ...
Gruß,
Zelenka
Zelenka (26.07.2006, 18:16): Original von ab jedenfalls sollte man versuchen, die Aufnahmen von Josef Krips zu bekommen:
Lieber ab:
Ich schätze zwar Krips' Don Giovanni, aber was zeichnet denn seine Symphonie-Interpretationen aus?
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (27.07.2006, 13:23): Original von Zelenka Ich glaube, daß auch Böhm nicht alles dem Aspekt "Esprit, Charme und Eleganz" unterordnet, genausowenig wie ich empfinde, daß Pinnock etwa in den letzten beiden Symphonien nur vordergründig musizieren läßt. Daß Mozart besonders zu der Zeit, als er seine letzten Symphonien schrieb, zur Darstellung tiefster menschlicher Emotionen fähig war, kann man mit letzter Deutlichkeit seinen gleichzeitig entstandenen Opern entnehmen. Andererseits sollte man vielleicht doch nicht die Symphonien interpretatorisch überfrachten, sondern die Musik ein wenig mehr für sich selbst sprechen lassen. Im Falle Harnoncourt z.B. ist für mich die Grenze zur Karikatur deutlich überschritten.
Gegen die Karikatur spricht m.E der positive Eindruck einer vergleichsweise wenig Mozarterfahrenen Hörerin wie Cosima. Ich bin auch lange nicht mit allem einverstanden, was Harnoncourt macht (ich finde z.B.die Kopfsätze besonders der Jupiter und auch der Prager deutlich zu langsam), aber welchen Satz, welche Stelle würdest Du als Karikatur bezeichnen? (Nachvollziehen kann ich den Karikaturvorwurf zB in einigen Sätzen von Glenn Goulds Mozartsonaten) Ich will nicht über den grünen Klee loben, aber es gibt wie ich wohl schon erwähnte, Dinge, die fraglos da sind, die Harnoncourt besser herausbringt als die meisten anderen, z.B. gewisse Zusammenhänge von Einleitung und Hauptsatz in 39 oder insgesamt den "heroisch-militärischen" (Proto-Eroica) Aspekt dieses Werks. Mancher Hörer empfindet das tempo des Menuetts als bizarr schnell; das z.B. ist aber historisch recht gut belegt.
Das ist sicherlich ein anderer Mozart, den man unter Umständen wenigstens einmal gehört haben sollte, aber nicht etwas, das auf Dauer in meiner Sammlung verweilen müßte. Daß wir uneins sind über verschiedene Interpretationsansätze, das hätte Mozart selbst kaum für möglich gehalten. Es gab ja praktisch kein Repertoire, und eine Symphonie hörte man einmal, für das nächste Konzert wurde eben eine neue geschrieben. Wie schwer wir es heute doch haben ...
Tja. Das kann man aber nunmal nicht ändern, wir leben eben in eine randern Musikkultur als Mozart. Anders als einige andere HIP-Vertreter macht Harnonocurt (jedenfalls seit den späten 70ern) nicht den Fehler zu glauben, man könne völlig unbedarft, jegliche Tradition ignorierend "die Musik für sich selbst sprechen lassen". Letzeres geht sowieso nicht. Das die Ergebnisse kontrovers sind, ist unbestritten. Aber besser kontrovers als langweilig oder eindimensional...
viele Grüße
J. Bristow
Zelenka (27.07.2006, 16:36): Original von Jack Bristow Original von Zelenka Ich glaube, daß auch Böhm nicht alles dem Aspekt "Esprit, Charme und Eleganz" unterordnet, genausowenig wie ich empfinde, daß Pinnock etwa in den letzten beiden Symphonien nur vordergründig musizieren läßt. Daß Mozart besonders zu der Zeit, als er seine letzten Symphonien schrieb, zur Darstellung tiefster menschlicher Emotionen fähig war, kann man mit letzter Deutlichkeit seinen gleichzeitig entstandenen Opern entnehmen. Andererseits sollte man vielleicht doch nicht die Symphonien interpretatorisch überfrachten, sondern die Musik ein wenig mehr für sich selbst sprechen lassen. Im Falle Harnoncourt z.B. ist für mich die Grenze zur Karikatur deutlich überschritten.
Gegen die Karikatur spricht m.E der positive Eindruck einer vergleichsweise wenig Mozarterfahrenen Hörerin wie Cosima. Ich bin auch lange nicht mit allem einverstanden, was Harnoncourt macht (ich finde z.B.die Kopfsätze besonders der Jupiter und auch der Prager deutlich zu langsam), aber welchen Satz, welche Stelle würdest Du als Karikatur bezeichnen? (Nachvollziehen kann ich den Karikaturvorwurf zB in einigen Sätzen von Glenn Goulds Mozartsonaten) Ich will nicht über den grünen Klee loben, aber es gibt wie ich wohl schon erwähnte, Dinge, die fraglos da sind, die Harnoncourt besser herausbringt als die meisten anderen, z.B. gewisse Zusammenhänge von Einleitung und Hauptsatz in 39 oder insgesamt den "heroisch-militärischen" (Proto-Eroica) Aspekt dieses Werks. Mancher Hörer empfindet das tempo des Menuetts als bizarr schnell; das z.B. ist aber historisch recht gut belegt.
Das ist sicherlich ein anderer Mozart, den man unter Umständen wenigstens einmal gehört haben sollte, aber nicht etwas, das auf Dauer in meiner Sammlung verweilen müßte. Daß wir uneins sind über verschiedene Interpretationsansätze, das hätte Mozart selbst kaum für möglich gehalten. Es gab ja praktisch kein Repertoire, und eine Symphonie hörte man einmal, für das nächste Konzert wurde eben eine neue geschrieben. Wie schwer wir es heute doch haben ...
Tja. Das kann man aber nunmal nicht ändern, wir leben eben in eine randern Musikkultur als Mozart. Anders als einige andere HIP-Vertreter macht Harnonocurt (jedenfalls seit den späten 70ern) nicht den Fehler zu glauben, man könne völlig unbedarft, jegliche Tradition ignorierend "die Musik für sich selbst sprechen lassen". Letzeres geht sowieso nicht. Das die Ergebnisse kontrovers sind, ist unbestritten. Aber besser kontrovers als langweilig oder eindimensional...
viele Grüße
J. Bristow
Lieber Jack:
Ich werde natürlich nicht weiter darüber spekulieren (ich bin da sehr ängstlich), warum genau Cosima Harnoncourts Versionen schätzen könnte. Sie schien sich zuletzt auch ein wenig Gardiner genähert zu haben, der ganz anders ist und von "ab" schon als "etwas oberflächlich" gebrandmarkt worden ist … Weiter zu Harnoncourt: Ich ärgere mich im Moment, daß ich seine Symphonien mit dem Concertgebouw-Orchester vor ein paar Jahren ausrangiert habe. Ich wußte einfach nicht, daß ich ein paar Jahre später in einem Klassikforum Rede und Antwort stehen müßte. Ich kann im Moment keine Details nach einem Wiederhören aufzählen. Du hast den zu langsamen ersten Satz der Jupiter-Symphonie angeführt, ich erinnere mich, daß ich derlei für eine Verfälschung und eine Karikatur im romantischen Geiste gehalten habe und auch noch halte. (Karikaturen können, wie wir alle wissen, sehr interessant sein.) Harnoncourt wollte offenbar ganz konkret hier die Symphonie "schwerer" machen als vom Komponisten intendiert. Ich finde, man sollte sich an die Spielregeln halten und auch die historische Forschung beachten. Es gibt dann immer noch genug Platz für interpretatorische Höhenflüge. Auch die HIP-Vertreter selbst wissen, daß nach aller historischer Forschung weiter interpretiert wird und werden muß, sie sind nicht naiv. Harnoncourts schnelle Menuette sind historisch sicher berechtigt, seine langsamen Trios nicht, wie wohl die Forschung sagen würde z.B. Auch wenn pedantisch jede Reprise gegeben wird, die sonst in "romantischen" Versionen oft unterschlagen werden, ein insgesamt stimmiges interpretatorisches Konzept kommt einfach nicht zustande. Ich mag wie Du auch keine Langeweile, aber das künstliche Hinzufügen von anderen Dimensionen mag mir auch nicht so recht gefallen.
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (28.07.2006, 14:51): Original von Zelenka Original von Jack Bristow Gegen die Karikatur spricht m.E der positive Eindruck einer vergleichsweise wenig Mozarterfahrenen Hörerin wie Cosima. Ich bin auch lange nicht mit allem einverstanden, was Harnoncourt macht (ich finde z.B.die Kopfsätze besonders der Jupiter und auch der Prager deutlich zu langsam), aber welchen Satz, welche Stelle würdest Du als Karikatur bezeichnen? (Nachvollziehen kann ich den Karikaturvorwurf zB in einigen Sätzen von Glenn Goulds Mozartsonaten)
Ich werde natürlich nicht weiter darüber spekulieren (ich bin da sehr ängstlich), warum genau Cosima Harnoncourts Versionen schätzen könnte.
Warum genau ist ja auch egal. Eine echte (visuelle) Karikatur erkennt man sofort als Karikatur, auch wenn man die dargestellte Person noch nie wirklich gesehen hat. (so etwas geht mit Musik schonmal gar nicht, weil es keine Sinfonie unabhängig von ihren Realisierungen gibt, so wie es H. Kohl unabhängig von Witzzeichungen gibt) Cosima reagierte nach ihrer Schilderung als relativ erfahrene, aber mit Mozarts Musik (und eher gängigen Interpretationen) nicht so vertraute Hörerin auf Harnoncourts Interpretation keinswegs befremdet o.ä. Aus so einem Einzelfall kann man natürlich nicht so viel schließen, aber es gibt ja noch ein paar Leute, denen diese Interpretationen zusagen (von denen die meisten wie auch ich eher mit Böhm, Krips etc. aufgewachsen sein dürften).
Harnoncourt wollte offenbar ganz konkret hier die Symphonie "schwerer" machen als vom Komponisten intendiert. Ich finde, man sollte sich an die Spielregeln halten und auch die historische Forschung beachten. Es gibt dann immer noch genug Platz für interpretatorische Höhenflüge. Auch die HIP-Vertreter selbst wissen, daß nach aller historischer Forschung weiter interpretiert wird und werden muß, sie sind nicht naiv. Harnoncourts schnelle Menuette sind historisch sicher berechtigt, seine langsamen Trios nicht, wie wohl die Forschung sagen würde z.B. Auch wenn pedantisch jede Reprise gegeben wird, die sonst in "romantischen" Versionen oft unterschlagen werden, ein insgesamt stimmiges interpretatorisches Konzept kommt einfach nicht zustande. Ich mag wie Du auch keine Langeweile, aber das künstliche Hinzufügen von anderen Dimensionen mag mir auch nicht so recht gefallen.
Wie gesagt, ich halte die meisten der Sinfonien in dieser Lesart für sehr schlüssig, gewiß extrem, aber auch auf ihre Art konsequent (ähnlich Klemperer, auch bei dem bin ich nicht mit allem einverstanden und manches mutet extrem, aber es ist doch schlüssig). Wir müssen uns da keineswegs einigen, aber natürlich höre ich keine "künstliche hinzugefügten" Dimensionen, sondern latente Aspekte, die anderswo meist überspielt werden usw.
Was der Komponist intendierte wissen wir eh nicht. Wir wissen, dass er meistens eher kleinbesetze Ensembles zur Verfügung hatte, anscheinend aber gemäßt dem oben zitierten Brief gerne große Orchester gehabt hätte. Und bei Gelegenheit besetzte man ja auch entsprechend stark (Haydns Pariser Sinfonein wurden ebenfalls mit verdoppelten Bläsern und entsprechender Menge Streicher in Paris uraufgeführt). Wir wissen auch, dass Mozarts Musik für die Zeitgenossen nicht als leicht beschwingte, klassisch ausgewogene Götterlieblingsklänge galten, sondern als extravagant, kühn und sehr schwierig für Zuhörer und Interpreten. Der Zeitgenosse Dittersdorf verglich Mozarts Musik mit Klopstocks Dichtung. Lies Dir mal (ich kannte das vorher auch nicht) bei Gutenberg ein paar Seiten Klopstock durch....und du wirst sehen, wie schwer es uns heute fällt, diesen Vergleich nachzuvollziehen.
viele Grüße
J. Bristow
Zelenka (28.07.2006, 18:16): Lieber Jack:
Es mag sein, daß der Begriff Karikatur hier nichts zu suchen hat. Es gibt aber durchaus vor jeder Realisierung durch ein Orchester und seinen Dirigenten einen Notentext und darüber hinaus allerlei Zeugnisse, wie dieser Text umgesetzt worden sein könnte. Mozarts Vater hat z.B. den "Versuch einer gründlichen Violinschule" verfaßt, dem man u.a. entnehmen kann, daß ein Andante etwa doppelt so schnell gespielt wurde wie heute. Etc. Ganz woanders in diesem Forum habe ich schon gegen Afanassievs Schumannspiel gewettert. Der Pianist hält sich immer wieder nicht an die vom Komponisten vorgegebenen Spielregeln (sprich den Notentext und konkret seine Tempovorgaben), überarbeitet also die Komposition und produziert Dinge, die man natürlich auch für sehr interessant halten könnte. Es ist dann eben nur Schumann/Afanassiev analog zu Bach/Busoni. (Mozart selbst hat Händel aktualisiert und dem Zeitgeschmack angepaßt.)
Möglicherweise klingt Harnoncourt eben reizvoll, wenn man sich vom 19. Jahrhundert her auf Mozart zubewegt. Sein Amsterdamer Orchester ist von der Größe, wie es am Ende des vorletzten Jahrhunderts üblich wurde. (Brahms war noch an das gewöhnt, was man heute Kammerorchester nennen würde.) Das eine oder andere an seiner Interpretation (natürlich längst nicht alles) entspringt überraschend einer ahistorischen, romantischen Sichtweise. Kommt man vom Barock her, wird man vielleicht vieles anders sehen wollen und mit weniger dickaufgetragenen Effekten auskommen können. Wir werden uns sicher nicht einigen, und das ist sicher auch gar nicht erforderlich. Wie ich in einem anderen Beitrag weiter oben geschrieben habe, habe ich auch immer noch einigen oder sogar großen Respekt vor verschiedenen romantischen Interpretationen. Ich will mich da selbst überhaupt nicht dogmatisch festlegen. Es gibt Tage, da gefällt mir Böhm z.B. ganz außerordentlich. Ob das bei Harnoncourt der Fall wäre, müßte ich fast ernsthaft neu überprüfen.
Gruß,
Zelenka
Zelenka (01.08.2006, 17:27): Gestern stieß ich kurz vor dem Einschlafen in einem alten Heft des International Record Review (6/2004, p. 30) noch auf eine kurze Rezension einer Box mit wiederveröffentlichten Concertgebouw/Harnoncourt-Mozartsymphonien. Weil sie so negativ ist, gebe ich sie hier gerne wieder. :D (In der gleichen Überblicksrezension von Robert Matthew-Walker wird auch eine Neuausgabe von Mozart-Symphonien unter Jane Glover (Sanctuary) besprochen.)
A similarly entitled four-CD set comes from Teldec, which plays for four hours 23 minutes, not the misleading four hours 40 minutes the company claims is the total duration. Teldec overstates the playing time of the first disc by about 18 minutes – perhaps it meant to include another symphony, but didn't. This is Mozart – 'Les Plus Belles Symphonies' – nine symphonies (Nos. 25, 26, 28, 35, 36, 38, 39, 40 and 41) against Glover's 17, played by the Royal Concertgebouw under Nikolaus Harnoncourt, who is more generous with repeats than Glover. This is a mixed blessing, for although the playing is anything but routine, in these performances Mozart suffers from too beefy a style (in the first movement of No. 25, for example, much of the thematic detail is smothered, and there are also intermittent studio clunks). Harnoncourt's hurried tempo for the second movement rarely permits the players to phrase musically, and his habit of prolonging tutti rests is equally insipid. Nor am I convinced by Harnoncourt taking the Minuet at one-in-a-bar (by 1773?) and the Trio very much slower – there is no musical or historical justification for such unnecessary subjectivity in performing this movement. The finale suffers badly from inorganic tempos, and his final cadence makes Glover almost a model of classical rectitude. Not all of these readings can be too strongly criticized, however; the first movement of the underrated No. 28 is excellent, although the odd studio clunk is again in evidence, but in the second movement this conductor insists on getting in between Mozart and the listener, and note-lenghths are cut short in the finale. Throughout this set, Harnoncourt is unconvincing – 'interesting' though his approach may be, I doubt very much if these essentially superficial performances will wear at all well. He judges the pulse of the first movement of No. 26 to a nicety, despite brusque playing, and produces an intelligent lead-in to the second movement, but he too often barges his way bad-temperedly through this music, with little genuine sensitivity or elegance, and almost no refinement – or do I mean almost no humour? Much of K 550 is, at times, deplorable. Not recommended.
Meine eigenen Concertgebouw/Harnoncourt-Bestände waren schon vor 2004 der Axt zum Opfer gefallen.
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (01.08.2006, 17:40): Auch wenn die Rezension nicht aus dem Pengraphone stammt, ist es leider sehr ähnlich deren typisches "Let the music speak for itself"/getting between the composer and the music"-Gewäsch, in Kombination mit offenbar panischer Angst vor Ausdruck und Extremen in der Musik (reiß dich zusammen, we're British), einer Bevorzugung von Zurückhaltung, Eleganz und Durchschnittlichkeit und -natürlich- dem Eintreten für weniger bekannte britische Interpreten wie die gute Miß Glover. This review speaks for itself, unfortunately...
Wen man diese Präferenzen nicht teilt, kann man deren Empfehlungen meistens vergessen
Für viel lustige Stiilblüten dieser Art empfehle ich eine Google-Suche in rec.music.classical.recordings nach "ltmsfi" (manche der dortigen Teilnehmer nehmen bestimmte Typen von Pengraphone-Verrissen als Empfehlungen, würde hier auch passen)
viele Grüße
J. Bristow
Zelenka (01.08.2006, 20:28): Original von Jack Bristow Auch wenn die Rezension nicht aus dem Pengraphone stammt, ist es leider sehr ähnlich deren typisches "Let the music speak for itself"/getting between the composer and the music"-Gewäsch, in Kombination mit offenbar panischer Angst vor Ausdruck und Extremen in der Musik (reiß dich zusammen, we're British), einer Bevorzugung von Zurückhaltung, Eleganz und Durchschnittlichkeit und -natürlich- dem Eintreten für weniger bekannte britische Interpreten wie die gute Miß Glover. This review speaks for itself, unfortunately...
Wen man diese Präferenzen nicht teilt, kann man deren Empfehlungen meistens vergessen
Für viel lustige Stiilblüten dieser Art empfehle ich eine Google-Suche in rec.music.classical.recordings nach "ltmsfi" (manche der dortigen Teilnehmer nehmen bestimmte Typen von Pengraphone-Verrissen als Empfehlungen, würde hier auch passen)
viele Grüße
J. Bristow
Lieber Jack:
In typisch britischer Fairness bekommt Jane Glover auch ihr Fett weg ("uch of the playing rarely rises above the routine"), keine Angst! Mit Vorurteilen tun wir uns wohl keinen Gefallen. Bei Konzerten von mehreren britischen Kammerorchestern (ASMF, ECO, SCO, Northern Sinfonia) im letzten Monat hatte ich übrigens nicht den Eindruck, daß nur routiniert und ohne Mut zum Risiko gespielt würde.
Ansonsten soll hier E.T.A. Hoffmann kurz das Wort in Sachen Mozart haben (geschrieben 18 Jahre nach Mozarts Tod):
"In die Tiefen des Geisterreichs führt uns Mozart. Furcht umfängt uns: aber, ohne Marter, ist sie mehr Ahnung des Unendlichen. Liebe und Wehmut tönen in holden Stimmen, die Macht der Geisterwelt geht auf in hellem Purpurschimmer, und in unaussprechlicher Sehnsucht ziehen wir den Gestalten nach, die freundlich uns in ihre Reihen winken, im ewigen Sphärentanze durch die Wolken fliegen. (Zum Beispiel Mozarts Symphonie in Es-Dur , unter dem Namen des "Schwanengesanges" bekannt.)"
Gesammelte Werke in Einzelausgaben vol. 9, Berlin: Aufbau, 1988
Eben ohne Marter à la Harnoncourt! Hold!!!
Gruß,
Zelenka
Cosima (02.08.2006, 16:40): Hallo Zelenka und Jack,
ich habe interessiert Eure Diskussion (die sich ja auch um meine Person rankte) verfolgt. Ich bin noch zu keinem Schluss gekommen, da ich in Sachen Mozart noch immer unerfahren bin. In Kürze werde ich die Mackerras-Aufnahme hören, vielleicht bringt sie mir neue Erkenntnisse. Zu Harnoncourt vielleicht dies: Ich empfinde seine Interpretation keinesfalls als Karikatur, denke aber, dass die eher dunklen Aspekte in seinen Interpretationen mir gefühlsmäßig sicher entgegen kommen und die Symphonien für mich aus diesem Grund einfach interessanter machen.
Ich bleibe am Ball und melde mich zu gegebener Zeit wieder.
Gruß, Cosima
Jack Bristow (02.08.2006, 19:26): Konkret nochmal zu der Rezension. Das andante in #25 ist recht flott bei Harnoncourt (aber Klemperer, der das Stück offenbar in einer manischen Phase einspielte, ist ebensoschnell!), ich halte das aber für vertretbar. Der Satz ist nervös und kein wirklicher Ruhepunkt. Ob ein Menuett in ganzen Takten zu nehmen ist, hat wenig mit 1773 oder 1793 zu tun, es gab im gesamten 18. Jhd. ganztaktig zu zählende Menuettsätze. In diesem Fall bin ich das Menuett auch langsamer (eher in 3) gewohnt (ich lernte diese Sinfonie und #29 in einer sowohl energischen als auch eleganten Einspielung mit C. Davis kennen, die ab erwohl nie auf CD erschienen ist), dennoch funktioniert m. E. auch das rasche Tempo. Im Falle der g-moll-Sinfonie KV 550 finde ich dagegen Harnoncourts "in 1 Menuett" völlig überzeugend und kann langsame traditionelle Aufnahmen kaum noch ertragen.
Ich halte die Diskussion für fruchtlos, so lange man meint, irgendeinen Zugang als absolut falsch/richtig zu erweisen. Das ist so ähnlich wie Furtwängler vs. Toscanini: Aus einer Perspektive unterwirft Furtwängler die Musik willkürlichen Verzerrungen, aus der anderen ist Toscanini ein rigider, oberflächlicher Taktschläger. Beides nachvollziehbar, aber offenbar nicht die ganze Wahrheit. Ähnlich ETA Hoffmann sprach Schumann von der "griechisch schwebenden Grazie" der g-moll Sinfonie KV 550. Das kann man so sehen. Wenn die Zeitgenossen Mozarts Musik eher als analog den düsteren und teils kryptischen Versen Klopstocks empfanden, scheint mir die Grazie aber eine einseitige Sichtweise, mit Tendenz zur Verharmlosung.
@Cosima, vielen Dank für den Kommentar, ich hoffe Du verzeihst die vorübergehende Instrumentalisierung deiner Person :wink
viele Grüße
J. Bristow
Cosima (03.08.2006, 14:28): Original von Jack Bristow @Cosima, vielen Dank für den Kommentar, ich hoffe Du verzeihst die vorübergehende Instrumentalisierung deiner Person :wink
Kein Problem, ich stelle mich gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung. :D
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Liebe Mozart-Freunde!
Die Mackerras-Aufnahme der Prager-Sinfonie habe ich zwar nun mehrfach gehört, aber sie bringt mir keine neuen, grundsätzlichen Erkenntnisse in Bezug auf Mozart. Oder vielleicht gerade, denn ich beobachte ein seltsames Phänomen: Diese Sinfonie kenne ich nun fast auswendig, ich habe sie zwei Wochen lang mindestens einmal täglich gehört. Dennoch ist es so, dass ich nicht sagen kann, welche Einspielung ich favorisiere. Ich meine, dass alle drei Sichtweisen (Harnoncourt, Mackerras und Gardiner) dem Werk gerecht werden, jede auf ihre eigene Art. Über Harnoncourt und Gardiner schrieb ich bereits meine Eindrücke nieder. Der Mackerras ist auch sehr schön, in der Tat mit viel Temperament und gut durchhörbar, mit viel Sinn für die Details gespielt, sehr klangschön auch. Harnoncourt betont die düsteren Aspekte, klingt etwas exzentrisch, aber spannend; Gardiner betont die streng-klassischen, wirkt sehr erhaben; Mackerras lässt am frischesten und sehr packend aufspielen.
Normalerweise ist es so, dass ich bezüglich eines bestimmten Werkes schnell spüre, welche Art der Interpretation ich bevorzuge. Die drei Aufnahmen sind so unterschiedlich, dass es eigentlich ein Leichtes sein sollte, zu einer bestimmten Sichtweise zu tendieren. So ist es aber nicht. Gottlob kommt keine der Einspielungen plüschig-süßlich-verschnörkelt daher (was mich stören würde), ich halte sie dennoch allesamt für angemessen und gut.
Als nächste Sinfonie werde ich mir wohl die 40. vornehmen, von der ich mittlerweile auch drei Aufnahmen besitze: Böhm, Toscanini und neu hinzugekommen ist Pinnock (The English Concert).
Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 15:31): Hallo allerseits,
ich fahre nun fort mit meinen Eindrücken der 40. Sinfonie (KV 550). :down
Auch wenn das Thema des 1. Satzes schon oft missbraucht wurde: Es ist großartig! Vor allem hat es mir aber der 4. Satz angetan! Unbeschreiblich, mit welcher Kunstfertigkeit und Eleganz Mozart das Thema hierin abwandelt! Ich bin mir schon jetzt sicher, dass die 40. – neben der Prager – eine meine Lieblingssinfonien bleiben wird.
Zu Böhm: Ich stelle auch nach erneutem und intensiverem Hören fest, dass mir Böhms Sichtweise nicht sehr zusagt. Zelenka sprach weiter oben von „romantisierender Tendenz der Mozart-Aufführungspraxis“. Damit wäre das Problem umrissen.
Zu Toscanini: Nein, das muss nicht sein. Erscheint mir zu dick aufgetragen und zudem eher grob und ruppig.
Zu Pinnock: Auf Originalinstrumenten, was mir bei Mozart gut gefällt, wie ich mehr und mehr feststelle (siehe Gardiner). Leichtfüßige und ausgewogene Interpretation, klar und klassisch.
Ich tendiere hier also zu Pinnock und bin fast erleichtert, dass ich dieses Mal nicht auf die gleichen Probleme treffe wie bei der Prager (ich begann bereits, an meinem Urteilsvermögen zu zweifeln).
Nun hätte ich gerne eine weitere Aufnahme, zu welcher würdet Ihr mir raten? Tangua wies bereits auf die Szell-Aufnahme hin, ich bin mir jedoch nicht mehr sicher, ob die „sportliche Mozart-Version“ wirklich das ist, was ich mir wünsche (Toscanini erscheint mir auch recht „sportlich“ und kraftvoll). Vielleicht fällt Euch - abseits der üblichen Verdächtigen - speziell zu dieser Sinfonie noch ein Dirigent ein.
Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 16:23): Zu KV 550: Es darf ja ruhig etwas Neueres sein (bei sinfonischen Werken achte ich stärker auf die Klangqualität). Ich wusste gar nicht, dass Zoltán Kocsis auch dirigiert. Kennt jemand diese Aufnahme?
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8948681.jpg
Symphonien Nr. 25 & 40 Hungarian National PO, Kocsis
Eine Rezension: "http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=9789"
Als Referenz wird übrigens dies angegeben: K. 550: Szell (Sony). Die 5 Euro werde ich wohl doch investieren. Tangua... :hello
Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 17:11): Noch eine HIP-Scheibe, die positive Rezensionen erhielt und neueren Datums ist (aus 2001):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8395427.jpg
Symphonien Nr. 40 & 41 Anima Eterna, Immerseel
Gibt es Meinungen dazu?
Ich weiß nicht, in wie viele Anfänge des 4. Satzes ich eben reinhörte. Himmel, ist das schwierig! Es scheint ja unendlich viele Aufnahmen zu geben. Ein bisschen liebäugle ich - neben Szell - wieder mit Gardiner. ?(
Gruß, Cosima
Jack Bristow (07.08.2006, 13:38): Original von Cosima Noch eine HIP-Scheibe, die positive Rezensionen erhielt und neueren Datums ist (aus 2001):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8395427.jpg
Symphonien Nr. 40 & 41 Anima Eterna, Immerseel
Ich habe die zwar, aber noch nicht bewußt gehört (es gibt auch eine Doppel-CD mit 39-40 und dem Fagottkonzert), Szell habe ich auch, aber aus dem Stand kann ich nicht so viel sagen; diese preiswerte CD lohnt aber ohnehin für d00ei Haffner und Jupiter. Zumindest den Immerseel werde ich demnächst mal anhören und berichten. Ansonsten natürlich Harnoncourt, wenn er Dir bei 38&39 gefallen hat; historisch E. Kleiber (aber leider wohl nur in einer Sammelbox erhältlich)
natürlich freue ich mich über weitere Eindrücke von Deiner Seite, möchte aber gleich betonen, dass ich Szell und Harnoncourt einstweilen für diese Sinfonie ad acta gelegt habe. Erstens bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich leichtere und transparentere Interpretationen vorziehe, auch am liebsten zu HIP-Einspielungen greife. All die schönen Details in Mozarts Musik kommen m.E. in derlei Aufnahmen am Besten zur Geltung. Harnoncourt merke ich mir jedoch als den Mann fürs Extreme vor. In den Szell habe ich heute im Laden reingehört. Wie ich bereits vermutete: Die kraftvolle und sportliche Variante sagt mir hier nicht zu.
Zweitens habe ich mir bereits heute die oben gezeigte Immerseel-Aufnahme zugelegt. Ich verglich sie eben mit der Einspielung unter Pinnock. Beide Aufnahmen sind m.E. gleich stark und rundum empfehlenswert! Beide sind leichtfüßig, klar und ästhetisch, mit viel Sinn für die Details interpretiert. Die Unterschiede sind marginal: Der Pinnock ist etwas runder und ausgewogener, der Immerseel dafür eine Spur frischer und frecher.
Ich bin gespannt, wie Dein Eindruck von Immerseel ist.
Als nächste Sinfonie wollte ich mir die „Haffner“ vornehmen, sehe jedoch gerade, dass ich gar keine Aufnahme davon besitze. Jack zählte sie nach der „Prager“ zu seinen Lieblings-Sinfonien, d.h. ich würde sie auch gern kennen lernen, wobei sich nun wieder Frage nach dem Dirigenten stellt. Es wird wohl auf Gardiner hinauslaufen, weil auf der CD auch die „Linzer“ enthalten ist. Mit Pinnock scheint es hier keine Einzel-CD zu geben. Oder hat jemand eine andere Idee? Mackerras wäre auch eine Alternative, aber mit diesem Dirigenten besitze ich inzwischen vier CDs mit anderen Mozart-Sinfonien. Etwas Abwechslung wäre demnach schön.
Gruß, Cosima
Cosima (07.08.2006, 19:05): In Sachen „Haffner“ fand ich dies gerade. Ich frage ohne große Hoffnung, ob die Aufnahme jemand kennt.
Es handelt sich zwar nicht um eine HIP-Aufnahme, aber immerhin spielt ein kleineres Orchester HIP-orientiert. Die kurzen Höreindrücke erscheinen mir viel versprechend.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9706356.jpg
Eine euphorische Rezension von Freund Hurwitz: "http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=9334"
Gruß, Cosima
Cosima (27.08.2006, 23:17): Original von Cosima Es handelt sich zwar nicht um eine HIP-Aufnahme, aber immerhin spielt ein kleineres Orchester HIP-orientiert. Die kurzen Höreindrücke erscheinen mir viel versprechend.
Die o.g. CD mit dem Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek habe ich inzwischen gehört. Orchester und Dirigent sind sicherlich einigen von Euch von den Dvorák-Scheiben mit Isabelle Faust & Co. bekannt. Die Aufnahme der Haffner (mit der Linzer-Sinfonie habe ich mich noch nicht weiter beschäftigt) rangiert in meiner Favoritenliste nun ganz oben, noch vor Mackerras und Pinnock. Ein herrliches Orchester, das sehr sauber und differenziert aufspielt. Eine tolle, transparente und m.E. sehr ausdrucksvolle Interpretation, die meiner Vorstellung von einer Mozart-Sinfonie perfekt entspricht – sie ist einfach „schön“, in einer sehr anmutigen und erfrischenden Art und Weise. Sehr empfehlenswert!
Carola schrieb über die Mozart Symphonien unter Karl Böhm:
Ich finde diese Aufnahmen nach wie vor wunderbar. Damit meine ich vor allem ganz naiv, dass sie so klingt, wie Mozart für mich nun mal in erster Linie klingen muss - schön. Das FonoForum bezeichnete die Aufnahmen übrigens kürzlich als "pomadig" - das haben sie vor 30 Jahren sicher noch ganz anders gesehen. Und auch ich finde das nicht, sondern würde eher Vokabeln wie Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit benutzen.
Carola spricht mir hier aus der Seele! Auch ich bevorzuge, nach langem Suchen die Symphonien unter Karl Böhm! Auch entgegen vieler negativen Äußerungen, welche ich immerzu höre! Die Wörter Wohlklang, Ausgewogenheit, Eleganz, wie Carola Sie beschrieben hat, sehe ich genauso bei Böhms Interpretation! Dem schließe ich mich an! Auch eine "Geheimnisvolle" Note lese ich aus Böhms Interpretationen der Großen Symphonien immer wieder herraus. Auch ich, sehe Mozarts Symphonien unter der Leitung Böhms so, wie ich mir den Mozart vorstelle, für mich sollte er so gespielt werden!
Ein großes Lob, an unseren Herrn Böhm! :thanks Die 39 unter Böhm ist für mich der absolute Höhepunkt und in meinen Augen nicht besser zu machen! Übrigens meine Lieblingssymphonie :down :down :down!
Auch ich bevorzuge andere Einspielungen der "Früheren Symphonien", andere Einspielungen, z.B bei der 23, 25, 29. Ein bisschen zu langsam und ein Hauch schwerfälliger, wie hier auch schon gennant wurde! Schön zu hören, das Böhm's Mozart nicht von allen niedergetrampelt wird! Ist schön! :)
Derjenige, der noch am nächsten an Böhms Interpretationen rankommt ist Josef Krips, da ist manchmal eine verblüffende Ähnlichkeit vorhanden. Ich habe von beiden die Symphonien 1-41(46). Und die lohnt es sich auch zu haben.
Gruß daniel
Amadé (04.05.2007, 15:15): Hallo Daniel,
danke für Deinen Hinweis auf den Mozart-Dirigenten Josef Krips. Meines Wissens hat Krips mit dem Concertgebouworchester aber nur 20 Sinfonien aufgenommen, beginnend mit A-dur KV134, nicht 41 oder mehr! Die frühen Sinfonien wurden von Marriner und seiner Academy eingespielt und im CD-Zeitalter in der Mozart-Edition in einer Box angeboten. Marriner seinerseits spielte später, war es anders zu erwarten?, auch noch die restlichen Sinfonien ein. Einige davon nochmals für die EMI, die brauchte sie auch noch unbedingt mit Sir Neville, da der Musikfreund und CD-Käufer doch schon längst auf neune Sichtweisen wartete.
Die Begeisterung für den Mozart-Konzertdirigenten, nicht den Operndirigenten, Karl Böhm hält sich bei mir in Grenzen. Kennst Du meine Homepage?
Gruß Amadé
daniel5993 (04.05.2007, 15:25): Hallo Amade!
Du hast recht! Ich habe die Phillips-Box (alle Mozart-Symphonien) und da hat die erste hälfte Neville Marriner dirigiert! Krips hat da nur die größeren dirigiert! Und nein, ich kenne deine Website nicht! Wie komm ich da hin?
Gruß daniel
Amadé (04.05.2007, 19:46): Hallo Daniel,
ganz einfach, bei meinen Beiträgen hier im Forum unten in der Leiste www. anklicken und schon bist Du drin.
Ich fühle mich gezwungen, diese Thread wieder zum Leben zu erwecken!
http://i6.ebayimg.com/03/i/000/a3/ca/fad4_1_b.JPG
Gestern habe ich Bruno Walters "Mozart" 36,38,39,40,41 (Columbia Symphonie Orchestra) bekommen! Und ich muss echt den Spruch benutzen: "Ich kippe aus den Latschen" Ein soo reiner Mozart ist mir selten untergekommen :engel :down! Einfach herrlich! :down
Ich bin überaus begeistert und empfehle diese "Großen Symphonien Mozarts" unter Bruno Walter jedem! 38, 40, 41 sind schon geprüft! Die Stellungnahme über Symphonie 36, 39 gebe ich auch noch ab! Kennt zufällig jemand diese Aufnahmen?
Gruß Daniel
:engel
Amadé (08.07.2007, 17:42): Hallo Daniel, ich bin wieder zurück. Die Mozart-Sinfonien mit Walter und dem extra für ihn zusammengestellten Columbia-Orchester kenne ich schon mindestens 40 Jahre. Sie wurden kurz vor seinem Tode 1962 in den Jahren 1959/60 in stereo produziert. Vorangegangen waren mono-Aufnahmen zwischen 1953-55 sowohl mit dem Columbia Symphony Orchestra als auch den New Yorker Philharmonikern. In DEutschland erschienen sie damals unter dem Philips-Label, da CBS noch keinen deutschen Vertrieb besaß. Die älteren Aufnahmen sind etwas schneller und auch unverzärtelter als die letzteren, die durch ihre Wärme bestechen. Ich habe Walters Mozart-Sinfonien immer geschätzt und sie vor die von dir bevorzugten Böhn-Einspielungen gestellt.
Gruß Bernd
daniel5993 (08.07.2007, 22:53): Hallo Bernd!
Ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub!
Böhms Mozart ist in Kombination mit Walters Mozart "Vollkommen geworden"!!! Mein fester Eindruck ist, dass diese beiden mit Ihren Interpretation sehr, sehr nahe beieinander liegen!
Gruß daniel :beer
karajan (09.07.2007, 08:28): Für mich sind nach wie vor die Aufnahmen mit Böhm und den Philharmonikern aktuell. Die langsamen gespielten Sätze finde ich immer wieder sehr schön.
Die Symphonie Nr.40 +41 unter Herbert von Karajan von 1960 erschienen bei Decca sind auch erste Sahne mir gefallen sie immer besser. Die letzten Symphonien Nr.29-35-36-38-39-40+41 unter Karajan von EMI sind sehr gut gespielt und ausgewogen. Die Philharmoniker wunderten sich damals bei den Proben das der Maestro so lange und bis ins Detail probte.
Mit Sicherheit gibt es noch weitere sehr gute Aufnahmen aber diese genügen mir da Mozart nicht ganz mein Favorit ist. Ich höre ihn aber liebe ihn nicht unbedingt.
Gruß Andreas
daniel5993 (09.07.2007, 18:16): Hallo Andreas :hello!
Karajans Original: Mit Sicherheit gibt es noch weitere sehr gute Aufnahmen aber diese genügen mir da Mozart nicht ganz mein Favorit ist. Ich höre ihn aber liebe ihn nicht unbedingt.
Ich dagegen, liebe Mozarts Musik über alles andere hinaus! Beethovens Symphonien, Klavierkonzerte, Mahlers Symphonien, Teile von Bruckners Symphonien, Brahms, Tschaikowski sind wunderschön! Aber letztendlich zieht es mich immer wieder zu dieser leichten und unglaublich "seelig" machenden Musik Mozarts zurück!
Stücke wie das Klarinnettenquintett,-konzert usw, seine Symphonien, Klavierkonzerte, sind so herrlich tiefgehend und für mich "Weltentrückend" Einfach "MEINE" Musik! In Mozarts Musik finde ich echten Frieden! :engel
Immer mehr lerne ich auch die Oper zu schätzen, welche bei mir immer mehr in den Vordergrund rückt! Nach dem "Figaro", "ZAuberflöte" erforsche ich gerade "die Entführung"! Für mich sind die Mozarts Opern einfach mit der wichtigste Teil seiner Kompositionen überhaubt, welchen er uns hinterlassen hat! Unbeschreiblich schön!
Ich spreche gern über Mozart! Habe bereits sämtliche Biographien, Bücher von Ihm "verschlungen"!
Gruß Daniel :rofl
Amadé (27.10.2007, 22:26): Hallo Forianer,
die Sinfonie C-dur KV 425, genannt "Linzer", wird immer nur am Rande erwähnt, wenn über Mozarts Sinfonien geschrieben wird. Steht sie etwa nicht auf dem Niveau wie die benachbarten, die Haffner-, Prager-, oder die drei letzten Sinfonien? Weit gefehlt! Mozart hat sie zwar in aller Eile, wie so oft, während eines Aufenthalts in Linz für das dortige Orchester komponiert, das nach zeitgenössischen Ohrenzeugen sehr gut gewesen sein soll. Mit diesem gab er am 4. Nov 1783 im Linzer Theater eine Akademie. Nicht alle Tage war es ihm vergönnt, auf solch geschulte und aufeinander eingespielte Musiker zurückgreifen zu können. Diese günstigen Voraussetzungen stellten für ihn eine Herausforderung dar und es entstand ein Werk von höchster Konzentration und Kunstfertigkeit, bis ins kleinste Detail ausgereift. Darin übertrifft sie bei Weitem seine bisherigen Sinfonien und zum ersten Mal beginnt er eine Sinfonie mit einer langsamen Einleitung. Eingentlich unverständlich, dass dieses Meisterwerk neben den Sinfonien Nr.35 und 38-41 ein Schattendasein fristen muss. Meine LIeblingseinspielung entstand 1960 unter der Leitung von Bruno Walter mir dem Columbia Symphony Orchestra bei CBS.
Sehr hörenswert ist auch der Probenmitschnitt, der vor der Aufnahme gemacht wurde, Sony hat ihn dankenswerterweise im Rahmen der Bruno Walter Edition wiederveröffentlicht.
Kennt Ihr die Sinfonie und welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?
Cosima (27.10.2007, 23:02): Mir war gar nicht bewusst, dass die Linzer weniger populär als die benachbarten Sinfonien sein soll; ich empfinde sie als gleichwertig.
Ich liebe diese Aufnahme unter Belohlávek sehr. Keine HIP-Aufnahme, aber ein kleineres Orchester HIP-orientiert. Sehr schön transparent, erfrischend und anmutig gespielt:
Ansonsten kenne ich noch die Kleiber-Aufnahme mit den Wienern und Mackerras.
Gruß, Cosima
daniel5993 (27.10.2007, 23:20): Original von Amadé Hallo Forianer,
die Sinfonie C-dur KV 425, genannt "Linzer", wird immer nur am Rande erwähnt, wenn über Mozarts Sinfonien geschrieben wird. Steht sie etwa nicht auf dem Niveau wie die benachbarten, die Haffner-, Prager-, oder die drei letzten Sinfonien? Weit gefehlt! Mozart hat sie zwar in aller Eile, wie so oft, während eines Aufenthalts in Linz für das dortige Orchester komponiert, das nach zeitgenössischen Ohrenzeugen sehr gut gewesen sein soll. Mit diesem gab er am 4. Nov 1783 im Linzer Theater eine Akademie. Nicht alle Tage war es ihm vergönnt, auf solch geschulte und aufeinander eingespielte Musiker zurückgreifen zu können. Diese günstigen Voraussetzungen stellten für ihn eine Herausforderung dar und es entstand ein Werk von höchster Konzentration und Kunstfertigkeit, bis ins kleinste Detail ausgereift. Darin übertrifft sie bei Weitem seine bisherigen Sinfonien und zum ersten Mal beginnt er eine Sinfonie mit einer langsamen Einleitung. Eingentlich unverständlich, dass dieses Meisterwerk neben den Sinfonien Nr.35 und 38-41 ein Schattendasein fristen muss. Meine LIeblingseinspielung entstand 1960 unter der Leitung von Bruno Walter mir dem Columbia Symphony Orchestra bei CBS.
Sehr hörenswert ist auch der Probenmitschnitt, der vor der Aufnahme gemacht wurde, Sony hat ihn dankenswerterweise im Rahmen der Bruno Walter Edition wiederveröffentlicht.
Kennt Ihr die Sinfonie und welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?
Hallo Amade!
Oh, ich kenne Walters Mozart mit dem Columbia Symphonie Orchestra nur zu gut und das ist der einzige "Mozart", neben Karl Böhm, der mich wirklich überzeugt hat! Aber nicht nur die Linzer, für alle weiteren hat Walter auch ein Händchen!
Und wie gut, dass du das angesprochen hast, ich war auf der Suche nach dieser Ausgabe und hab sie nicht gefunden! Jetzt weiß ich zumindest, wie die "Hülle" aussieht!
Gruß Daniel
Cetay (inaktiv) (11.11.2007, 14:49): Ich möchte hier noch eine Lanze für zwei bislang nicht genannte Interpreten brechen. Da ist zunächst der von der Rezeption weitgehend ignorierte Emmauel Krivine zu nennen. Seine Aufnahmen für Denon sind sehr zügig und spannungsreich geraten. Die oft als Quadratur des Kreises bezeichnete Ausgewogenheit zwischen mitreißendem Schwung auf der einen und emotionaler Tiefe auf der anderen Seite finde ich hier exemplarisch gelöst. Besonders die Jupiter-Symphonie hat es mir angetan. Ich habe viele andere Aufnahmen dieses Werks im Regal (Harnoncourt, Gardiner, Bernstein, Böhm, Vegh), kehre aber immer wieder zu Krivine zurück.
Dann muss - aller ätzenden Kritik zum Trotz - Roger Norrington mit den London Classical Players genannt werden. Die extrem zügigen Tempi in den langsamen Sätzen sind sicher gewöhnungsbedürftig, ich finde es jedoch erstaunlich, welch subtile, so vorher nicht gehörten Klangwirkungen durch die unglaubliche Transparenz (die von dem vermeintlich "dünnen" Orchesterklang herrührt) entstehen. Besonders die Prager halte ich für sehr gelungen:
Karajan im Zusammenhang mit Mozart zu nennen, erfordert heutzutage fast schon Mut. Ich gestehe aber, dass mir seine späte, sehr wuchtige Aufnahme der Nr. 39 mit den Berlinern ausgesprochen gut gefällt.
Zelenka (11.11.2007, 16:36): Original von Dox Orkh Ich möchte hier noch eine Lanze für zwei bislang nicht genannte Interpreten brechen. Da ist zunächst der von der Rezeption weitgehend ignorierte Emmauel Krivine zu nennen. Seine Aufnahmen für Denon sind sehr zügig und spannungsreich geraten. Die oft als Quadratur des Kreises bezeichnete Ausgewogenheit zwischen mitreißendem Schwung auf der einen und emotionaler Tiefe auf der anderen Seite finde ich hier exemplarisch gelöst. Besonders die Jupiter-Symphonie hat es mir angetan. Ich habe viele andere Aufnahmen dieses Werks im Regal (Harnoncourt, Gardiner, Bernstein, Böhm, Vegh), kehre aber immer wieder zu Krivine zurück.
:D Krivine ist hier schon am 25.7.2006 von mir lobend erwähnt worden ...
Gruß, Zelenka
Cetay (inaktiv) (13.05.2008, 12:47): Ich habe nochmal die interessanten Diskussionen in diesem Thread verfolgt. Da fallen allerlei Begriffe, mit denen die Forianer versuchen, zu beschreiben, wie sie ihren Mozart hören wollen: "transparent, erfrischend und anmutig"; "Eleganz, Wohlklang und Ausgewogenheit"; "leichtfüßig, klar und ästhetisch, mit viel Sinn für die Details interpretiert"; "ausgewogene Interpretation, klar und klassisch."; "Esprit, Charme und Eleganz"; "Gewicht"; "Tiefe". Unter diesen Gesichtspunkten ist für mich die Gesamteinspielung von Erich Leinsdorf die absolute Krux, aber es brauchte genaues Hinhören, um das herauszufinden.
Das Auffallende an dieser Aufnahme ist, dass nichts auffällt. Das mag nach gepflegter Langeweile klingen, deshalb will ich eine Analogie aus dem HiFi-Bereich heranziehen, um zu zeigen, dass das nicht zwangsläufig so sein muss: Kenner wissen, dass man in der Boxenvergleichswand, die vielversprechendsten Kandidaten zunächst kaum heraushört. Da gibt es eine mit knackigen Bässen, eine andere zeichnet sich durch besondere Transparenz aus, während die dritte mit Schnelligkeit und Direktheit glänzt. Der vermeintlich grauen Maus fehlen alle diese Dinge nicht etwa, sondern sie sind in einem stimmigen (ausgewogenen, neutralen) Verhältnis zueinander vorhanden, weshalb in Einzelkriterien immer eine "bessere" Box gefunden wird, die eben diesen Part überbetont. Insgesamt gesehen ist das Mäuschen deswegen die "beste" Box, weil die vermeintlich langweiligen Kriterien wie Ausgewogenheit und Neutralität in Wirklichkeit der Originaltreue am nächsten kommen Um jetzt wieder die Brücke zu Mozart zu schlagen: Leinsdorf ist die graue Maus im Interpreten-Vergleichfeld. Aber eben eine vom Kaliber einer Spendor BC 1/69. Darfs etwas spritziger sein? Dann wäre Krivine zu bevorzugen - allerdings wird das mit einem Verlust an "Eleganz und Wohlklang" bezahlt. Oder lieber etwas mehr "Gewicht": das gibt es bei Klemperer, aber von "ausgewogen, klar und klassisch" kann dann keine Rede mehr sein. So könnte man mit allen möglichen Kriterien fortfahren; Leinsdorf bleibt das Zentrum der "Ausgewogenheit und Neutralität".
Das heisst nicht, dass er weder spitzig noch gewichtig wäre, sondern dass alles in einem perfekten Verhältnis steht. Und wie bei der ausgewogenen Lautsprecherbox, merkt man das vor allem beim Langzeithören. Während Krivine und Klemperer sehr viel Spass bereiten können, ist es für mich schwer vorstellbar, mir mehr als eine CD mit den beiden am Stück anzuhören. Bei Leinsdorf geht das ohne Probleme, weil es keine Eigenwilligkeiten gibt, die am Anfang vielleicht faszinieren aber mit der Zeit vordergründig wirken und nerven. Ich beschäftige mich beim Hören dieser GA nicht mit Leinsdorf, sondern mit den Sinfonien von Mozart. Auch wenn es ein tausenfach verwendeter Textbaustein ist: Hier erfahre ich sozusagen einen vom Interperten unverstellten Blick auf die Werke. Und genau dadurch ist die Aufnahme so packend und zieht mich total in ihren Bann.
Der Preis, der dafür zu bezahlen ist, ist MONO für die Nummern 21-41. Ein leicht verschmerzbarer Obulus, denn das produzierende Westmister-Label war immer an der Vorderfront der Hifi-technischen Entwicklung und so sind auch die Mono-Aufnahmen sehr klangfarbenreich und transparent geraten. Und die Ausgewogenheit (schon wieder) der Instrumentengruppen würde ich als exemplarisch bezeichnen.
:hello Gruß Jochen
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947758471.jpg Mozart, Die Sinfonien (Gesamteinspielung); RPO; Erich Leinsdorf AD: 1955/Mono (21-41) und 1956/Stereo (1-20)
Wenn man nur lange genug wartet, dann kommt doch noch eine Rezension des Wegs, die einem aus der Seele spricht. Ich hatte die Begeisterung, die Mackerras' neue Einspielung der letzten Mozart-Symphonien (Linn) allgemein ausgelöst hatte, nie verstehen können. Die Erwartungen waren hoch bei mir, beim ersten Hören war ich dann fast entsetzt. Im aktuellen Juniheft des "Diapason" trifft Piotr Kaminski endlich ins Schwarze: Mackerras und sein schottisches Kammerorchester bekommen nur drei Stimmgabeln zuerkannt. (Die technische Qualität der Aufnahme bekommt auch nur 6 von 10 möglichen Punkten, eher peinlich für ein audiophiles Label.) Der Rezensent hält die Veröffentlichung der Doppel-CD ganz zu Recht für überflüssig, Mackerras hat die Symphonien sehr viel besser vor Jahren mit dem Prager Kammerorchester aufgenommen (Telarc), das schottische Orchester erreicht einfach nicht die Farbigkeit und Spontaneität seiner Prager Kollegen. Der Rezensent schließt seine Besprechung mit einer Gemeinheit aus dem Mund von Beecham: England habe die besten zweiten Violinen der Welt aufzuweisen. Auch wenn das Orchester ein schottisches ist, wird der Sachverhalt hier – mutatis mutandis – genau getroffen …
Gruß, Zelenka
Amadé (29.05.2008, 20:16): Hallo Zelenka,
teilweise einen ähnlichen Eindruck hatte ich bei der Lektüre seiner neuen Beethoven-Gesamtaufnahme mit dem Scottish Chamber Orchestra bzw. POL bei der 9. Lediglich die Sinfonien Nr.1, 2 und 8 sind empfehlenswert geraten, falls man da noch was anderes sucht.
Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (26.10.2008, 15:41): Der Name Josef Krips ist hier schon häufiger mit wechselnden Urteilen gefallen. Er scheint heute etwas in Vergessenheit geraten zu sein, aber diejenigen die ihn kennen und schätzen, tun dies oft mit erfurchtsvoller Verehrung. Ich habe mir unlängst seine halbe Mozart-GA (Nr. 21-41) angeschafft und geselle mich, nachdem ich bislang die Nr. 26-29, 32 und 38-41 gehört habe, bereits zu den Verehrern. Der Sound ist einmalig: Voll, warm, voluminös, rund und mit satten, dunklen Klangfarben (betörende Holzbläser!), aber dabei kein bisschen träge, sondern im Gegenteil fast von einer ätherischen Schwerelosigkeit. Die Tempi sind sehr gemäßigt, dennoch gibt es Innenspannung und Dramatik satt - was nie aufgesezt wirkt, sondern behutsam, aus einer fast meditativen Ruhe "von innen heraus" aufgebaut wird. Für Krips kam Mozart direkt vom Himmel und er versucht diesen Eindruck mit einer ganz persönlichen Vision weiterzugeben. Mit HIP hat das bestimmt nichts zu tun, eine solche Darbietung deswegen als altmodisch abzutun, halte ich aber für verfehlt. Das bei modernen Kapellen zu hörende (und von mir durchaus geschätzte) Brimborium um jeden einzelnen Ton und jede einzelne Phrase herum sucht man vergebens, aber vielleicht steckt hier mehr von Mozarts Geist als in so mancher aktuellen Deutung.
Abbados neue Doppel-CD mit dem Orchestra Mozart, gegründet 2004 in Bologna, einem ad hoc Orchester (in Kammerorchester-Stärke), wurde von der Archiv-Produktion der DGG veröffentlicht. Also sollte man eine historisch informierte Ausgabe erwarten. Dies ist sie im Hinblick auf den verwendeten Notentext der Neuen Mozart-Ausgabe von Bärenreiter, vom verwendeten Instrumentarium jedoch nicht. Abbado scheint zwischen den extremen Positionen, etwa eines Hogwood, Pinnock, Harnoncourt und herkömmlicher Aufführungstradition vermitteln zu wollen. Das gelingt m.E. recht gut. Abbado lichtet das Stimmengeflecht, setzt kräftige Akzente, ohne zu übertreiben wie z.B. Norrington, lässt seine Musiker rhythmisch akzentuiert spielen, ohne die lyrischen Abschnitte zu vernachlässigen. Die Tempi sind recht frisch, aber nicht forciert.
Sinfonie A-dur KV 201, eher eine Streichersinfonie mit obligaten Bläsern (2.Ob u.2 Hrn.). I Die Kontrabässe ragen aus dem Streicherkörper etwas mehr heraus als üblich, dies stört mich jedoch nicht. II Schöne Streichersequenzen, klingt wie Kammermusik. III Frisch akzentuierter Rhythmus. IV Spritziger Kehraus. KV 201 klingt oft recht glatt exekutiert, hier keineswegs. Die Bässe klingen hier etwas mulmig, nicht so differenziert. (30’32)
Sinfonie B-dur KV 319: HIP wird hier mehr spürbar, Mozarts knapp umrissene Themen erscheinen dem Hörer noch kürzer, gepresster(?). Zügige Tempo, aber nicht gehetzt. Insgesamt klingt das Werk eher wie ein Divertimento denn wie eine Sinfonie. (20’48)
Sinfonie D-dur KV 385 „Haffner“: I letzter Ton des Themas etwas abgerissen, II etwas zu zügig, hätte ich gern etwas langsamer. Ansonsten aber sehr gutes Gespür für Mozarts Partitur, leicht und locker serviert. III vor dem Trio zweimal eine Tonleiter in den Violinen eingefügt, vergleichbar einer Verzierungen in Soloparts bei Konzerten, persönliche Note Abbados. IV spritziges Finale. Insgesamt sehr nahe bei Mozart. (20’39)
Sinfonie D-dur KV 504 „Prager“: I das Fagott müsste in der Einleitung viel bedrohlicher klingen. II für mich auch etwas hurtig. Sehr durchsichtiges Klangbild, Holzbläser-freundlich. (36’54)
Noch nicht gehört: Jupiter-Sinfonie, von mir hoch geachtet, jedoch nicht richtig geliebt, da etwas zuviel Konstruktion.
Mozart-Abbado: CDs für den neugierigen Mozart-Freund, die keineswegs enttäuschen.
Grüße Amadé
kreisler (19.02.2009, 22:33): Klingt ja, gerade bei den früheren beiden Symphonien ganz gut! Ich liebe die A-dur Symphonie. Scheint hier ja recht gelungen zu sein. Ist vielleicht eine Anschaffung wert. Ich bin gewiss ein neugiriger Mozart-Freund:)
Freilich muss die Prager (meiner Meinung nach) sehr dramatisch gespielt werden...
Bei der Jupitersymphonie geht es mir auch ein ganz klein wenig wie dir. Aber wenn ich dann das Finale anhöre bin ich glaube ich so sprachlos wie bei keiner anderen Symphonie...
ich finde auch, dass die 29. hier besonders gelungen ist. Für mich der absolute Höhepunkt dieser Aufnahmen. Meine Einschätzung: Eine Aufnahme mit extremen dynamischen Kontrasten und "HIP"-gemäßer Artikulation. Besonders auffallend und ungewohnt ist, dass alle Stimmen absolut gleichberechtigt erscheinen, so dass einige "neue" Details ans Tageslicht kommen. Trotz der kammermusikalischen Transparenz und dem flotten Tempo haftet dieser Interpretation etwas Monumentales und Erhabenens an. passt besonders gut für die 29, die ich für meine Ohren noch nie besser gehört habe. Bei der Prager und Jupiter fällt mir dann doch die eine oder andere Einspielung ein, die ich bevorzuge.
Beim Durchlesen verschiedener älterer Beiträge bin ich wieder einmal auf diesen Faden gestoßen: Ja, die Symphonie KV 201 A-Dur ist seit jeher mein ganz besonderes Lieblingswerk unter Mozarts Symphonien der Salzburger Zeit, noch vor der berühmteren KV 183, der "kleinen" g-Moll-Symphonie, und anderen Werken dieser Gattung und dieser Zeit (von denen mir viele freilich ebenfalls gefallen)!
Warum? Das von der ersten Violine piano(!) vorgetragene markante und von den anderen Streichern ruhig begleitete Hauptthema (s. hier) wird bereits ab Takt 13, forte, aber völlig unaufdringlich und wie selbstverständlich kanonartig von Viola und Cello wiederholt - daraus ergibt sich eine gewisse Spannung und Reibung, die aber so subtil ist, daß sie der Hörer möglicherweise nicht sofort merkt, aus der aber der ganze Satz bis in die Coda hinein seine Substanz gewinnt. Herrlich auch das beglückende D-Dur-Andante, indem auch wieder still und unaufdringlich kontrapunktische Arbeit zum Einsatz kommt. Hier liebe ich auch sehr - ohne genau sagen zu können, warum; es ist einfach die Wirkung – die Takte 27ff. und 86ff. Ich höre diese Symphonie zuletzt wieder in der Einspielung der Mozart Akademie Amsterdam mit Jaap ter Linden (in der Brilliant –Mozart GA, aber auch in diversen anderen Ausgaben enthalten) und bin mit dieser Aufnahme durchaus zufrieden. Positiv ist auch, daß die Wiederholungen ernstgenommen werden; man hat dadurch einfach länger was vom Hören.
Wer Mozart "nur" von seinen späteren Symphonien (sagen wir, aber der Prager Symphonie) kennt, aber vor der früheren Werken kapituliert, sollte sich KV 201 unbedingt vornehmen. Auch dieses Werk ist schon sehr reif und besitzt viel Tiefe, wenngleich natürlich auf ganz andere und vergleichsweise einfachere Weise als KV 550 oder gar KV 551 (in der ich freilich das absolute non plus ultra in Mozarts Symphonienschaffen erblicke - und "zuviel Konstruktion" gibt es bei Mozart nur scheinbar, weil auch der komplexeste Satz - und ich kann mir keine Steigerung über das Finale der Jupitersymphonie hinaus vorstellen - bei Mozart ungezwungen und ungekünstelt auftritt ...).
Schöne Grüße, Sarastro
uhlmann (24.12.2011, 09:01): ich kopiere das mal aus dem gerade-hör-thread hier rüber, ist hier imo besser aufgehoben:
Original von Cetay http://ecx.images-amazon.com/images/I/513-1IQhlQL._SL500_AA300_.jpg Mozart; Sinfonien 1-41; Jaap ter Linden
Was ich aus dieser sehr kontrovers diskutierten GA bisher gehört habe (Nos 1, 25, 29, 31, 38, 40, 41), ist für meine Hörpräferenzen alllererste Sahne. Originalklang ohne übertriebene Mikrodynamik und -phrasierung, frisch und lebendig musiziert, aber mit interpretatorischer Nüchternheit, die Ohren auf das Werk statt auf die Interpreten lenkend
ich besitze obige ga schon lange, höre sie auch hin und wieder ganz gerne, würde sie aber nicht als "allererste sahne" bezeichnen - eher als ordentlicher durchschnitt. mit der einschätzung "originalklang ohne übertriebene mikrodynamik und -phrasierung" bin ich voll bei dir. allerdings ist hier für meine begriffe etwas zu wenig dynamik drinnen, viele passagen geraten (zu) brav, (zu) wenig akzentiert, einfach drüber gespielt. es muss ja nicht gleich knattern, aber etwas mehr "innenleben" hätten sich die werke schon verdient. klingt irgendwie wie böhm, nur mit alten instrumenten.
Cetay (inaktiv) (24.12.2011, 14:31): Ich würde statt Durchschnitt eher Mittelmaß sagen und gleich ergänzen, dass der Mittelweg der beste ist, wenn man sich auf einem schmalen Grat befindet. Der Absturz droht auf die Seite der gepflegten Behäbigkeit (Böhm) oder auf die der nervösen, überakzentuierten Spielweisen, wie bei Rene Jacobs oder jüngst Adam Fischer. Für mich ist Jaap ter Lindens GA eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Mozart-Diskographie. In vielen Haushalten dürfte die herumstehen, ohne jemals gehört worden zu sein - nämlich als Teil der 170 CD Mozart-Komplett-Box, die für ein paar Cents pro CD den Besitzer gewechselt hat. Sicher, manchmal erscheint das in der Tat "brav" und gar langatmig, aber dann auch mal wieder mitreißend und aufregend. Könnte es nicht sein, dass das an den Kompositionen liegt? Gerade weil ter Linden wenig Innenleben hineininterpretiert, nivelliert er nicht, sondern zeichnet die Entwicklung des Sinfonikers Mozart nach. Es gibt unter den frühen Sinfonien einige Geniestrieche -den Konsens, dass erst mit Nr. 25 und 29 die Vorgipfel erklommen wurden, teile ich nicht. Die Ausnahmestellung von KV 73, 114 und 134 kommt hier viel besser heraus, als etwa bei Hogwood, der versucht, auch aus lahmen und erfindungsarmen Kompositionen wie KV 110 und 112 mit Gewalt etwas zu machen. Das ist für das Hörvergnügen recht einträglich, aber für das Erhören des gesamten Mozart'schen Sinfonienkosmos bevorzuge ich die neutralere Leseart von ter Linden.
Neutral heißt: Mit den HIP-Tugenden wie Transparenz, Akzentstärke und Non-Legato gesegnet, aber nicht auf letzte röntengraphische Druchhörbarkeit angelegt, mit flüssiger Phrasierung und die großen Linien nachzeichnend. Alleinseligmachend ist das nicht, vor allem für die späten Sinfonien gibt es Besseres (Krivine bleibt meine Top-Empfehlung), aber als Gesamteinspielung ist die billige Briliant-Box für mich erste Wahl. In diesem Monat ist sie übrigens mit anderem Cover neu aufgelegt worden:
Rachmaninov (24.12.2011, 18:36): Original von Cetay Ich würde statt Durchschnitt eher Mittelmaß sagen und gleich ergänzen, dass der Mittelweg der beste ist, wenn man sich auf einem schmalen Grat befindet. Der Absturz droht auf die Seite der gepflegten Behäbigkeit (Böhm) oder auf die der nervösen, überakzentuierten Spielweisen, wie bei Rene Jacobs oder jüngst Adam Fischer. Für mich ist Jaap ter Lindens GA eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Mozart-Diskographie. In vielen Haushalten dürfte die herumstehen, ohne jemals gehört worden zu sein - nämlich als Teil der 170 CD Mozart-Komplett-Box, die für ein paar Cents pro CD den Besitzer gewechselt hat. Sicher, manchmal erscheint das in der Tat "brav" und gar langatmig, aber dann auch mal wieder mitreißend und aufregend. Könnte es nicht sein, dass das an den Kompositionen liegt? Gerade weil ter Linden wenig Innenleben hineininterpretiert, nivelliert er nicht, sondern zeichnet die Entwicklung des Sinfonikers Mozart nach. Es gibt unter den frühen Sinfonien einige Geniestrieche -den Konsens, dass erst mit Nr. 25 und 29 die Vorgipfel erklommen wurden, teile ich nicht. Die Ausnahmestellung von KV 73, 114 und 134 kommt hier viel besser heraus, als etwa bei Hogwood, der versucht, auch aus lahmen und erfindungsarmen Kompositionen wie KV 110 und 112 mit Gewalt etwas zu machen. Das ist für das Hörvergnügen recht einträglich, aber für das Erhören des gesamten Mozart'schen Sinfonienkosmos bevorzuge ich die neutralere Leseart von ter Linden.
Neutral heißt: Mit den HIP-Tugenden wie Transparenz, Akzentstärke und Non-Legato gesegnet, aber nicht auf letzte röntengraphische Druchhörbarkeit angelegt, mit flüssiger Phrasierung und die großen Linien nachzeichnend. Alleinseligmachend ist das nicht, vor allem für die späten Sinfonien gibt es Besseres (Krivine bleibt meine Top-Empfehlung), aber als Gesamteinspielung ist die billige Briliant-Box für mich erste Wahl. In diesem Monat ist sie übrigens mit anderem Cover neu aufgelegt worden:
Frage, sind die Sinfonien jeweil gänzlich auf einer CD oder wurde der Platz genutzt und übergreifend Werke auf mehrere CD's verteilt?
Cetay (inaktiv) (24.12.2011, 19:18): Es gibt keine Schnitte über CDs hinweg, allerdings auch keine streng chronologische Ordnung, z.B. muss man von 23-27 jedes mal die CD wechseln.
Cetay (inaktiv) (10.09.2012, 21:34): Einen habe ich noch: Stephan Frucht hat in Berlin KV 183, 201 und 550 bei Sony eingespielt. Ich schleiche mich mal in die Gedanken der Leser: "Wozu soll das gut sein? Es herrscht ja nicht gerade ein Mangel an hochkarätigen Aufnahmen." Noch schlimmer wird es, wenn man den Dirigenten ergoogelt. Unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist eine CD "Adagio im Auto" zur Senkung von Aggressivität am Steuer und Reduzierung stressbedingter Unfälle entstanden. Frucht, Kulturreferent in der Bundestagsfraktion dirigiert. Alles klar, oder? Mitnichten! Zum einen nenne man mir eine wirklich voll und ganz zufriedenstellende Aufnahme von KV 550. Ich warte... Aha! Zum anderen bewahren weder ein fehlender Name noch unsinnige Projekte vor großen Leistungen im Ernstfall. Damit haben wir es hier ganz zweifellos zu tun - und nicht etwa mit einer Interpretation, die sich "durchaus in der Oberliga ", wie in der einzigen Kritik, die ich mit vertretbarem Zeitaufwand finden konnte, zu lesen ist. Das ist fast noch vernichtender als ein Totalveriss; der könnte wenigstens interessant sein, während unsere Regale vor lauter ungehörten Oberligaaufnahmen überquellen. Wir suchen die Championsleague und wenn es geht bitte die Finalisten. Also weggeklickt und vergessen. Ich übertreibe? Und warum kennt das dann kein Schwein? Lange Rede, gar kein Sinn: Für mich ist das der Weltpokal. Natürlich werden hier die Errungenschaften der historisch-informierten Bewegung verarbeitet; das ist heute selbstverständlich und geht gar nicht mehr anders. Wenn man sich erst mal an die korrekten Tempi gewöhnt hat, kann man selbst den seinerzeit als recht flott geltenden Böhm nicht mehr hören, ohne verstört nach dem Geschwindigkeitsregler zu suchen. Dauer-Legato? Natürlich nicht. Akzentstärke geht auch klar. Transparenz? Sicher, auch wenn Nebenstimmen eben Nebenstimmen sind, wollen wir sie trotzdem klar und deutlich hören. Dass das alles ohne eine ruppige Spielweise und ohne klangliche Härten gehen kann, haben die historisch informierten Ensembles der 2. Generation bewiesen, ganz zu schweigen von den Hybriden, die das historisch informierte Konzept mit modernem Instrumentarium und dem falschen (erst zu Zeiten der Romantik hochgestimmten) Kammerton umsetzen. Aber: noch kein Ensemble hat dies geschafft, ohne den graziös-eleganten Mozart-Sound zu opfern, wie er von Böhm oder Krips geschaffen wurde und der sich für mich immer "richtig" angehört hat. Damit ist das Geheimnis gelüftet. Bei Frucht gibt es genau das. Krips auf Speed sozusagen. Oder Böhm mit einer Pepperoni im ... ich führe das besser nicht weiter aus. Oder anders herum: Das Concerto Köln mit Zuckerguss, die Academy of Ancient Music in Farbe... Ich denke die Botschaft ist rübergekommen. Sind das die besten Aufnahmen am Markt? Sicher nicht: Partitur-Detektive werden Fehler bei der Umsetzung des Notentextes finden, Fledermausohren die eine oder andere Unsauberkeit bemängeln und überhaupt ist Frucht halt nicht . Sind das für mich die besten Aufnahmen am Markt? Ganz sicher und ganz besonders KV 201!
Cetay (inaktiv) (15.10.2017, 15:09): Welche seiner Symphonien sollte man also unbedingt gehört haben? In welchen Einspielungen erscheinen sie Euch besonders gelungen? 5 Jahre liegt er nun brach, dieser Faden. Gibt es eigentlich irgend ein Fazit, bezüglich der Ausgangsfrage? Es scheint, dass man bei Mozart viel weiter weg von einem wenigstens angenäherten Konsens ist, als bei Beethoven. Dort läuft es letztlich immer auf die selbe Handvoll von Gesamteinspielungen und ein paar Einzeleinspielungen hinaus, die man kennen "muss" - auch wenn es immer Wichtigtuer (ich gehöre auch zu denen) gibt, die einem weismachen wollen, der heilige Gral läge ganz woanders vergraben. Aber bei Mozart sehe eine solche Verdichtung nicht. Böhm -einst Referenz- ist m.E. zurecht aus der Mode, Krips nie so richtig ins allgemeine Bewusstsein gedrungen, die alte Titanen-Riege konnte Mozart nicht wirklich, Karajan und Bernstein auch nicht, Szell never sells, die Hipster der ersten Stunde waren dünn und blutleer oder haben es mit dem gegen-den-Strich-bürsten übertrieben, von der 2. Generation der OPIs oder den HIP/OMIs ist kaum jemand unumstritten. Wer sind denn nun bitte die unangefochtenen Autoritäten in Sachen Mozart-Sinfonien: Walter, Mackerras, Gardiner, Pinnock, Tate - oder am Ende doch Harnoncourt? Unter unangefochten stelle ich mir etwas anderes vor. Liegt es daran, dass den Sinfonien im Schaffen Mozart nicht die allergrößte Bedeutung zugemessenen wird? Gibt es die perfekten Aufnahmen möglicherweise noch gar nicht? Also jetzt mal Butter bei die Fische: ich wünsche mir von den Forianern eine gemischte Einspielung der Sinfonien 25, 29, 31 & 34-41. Wenn ich mir die aus Einzelaufnahmen zusammenstückeln müsste, welche wären das?
Amadé (16.10.2017, 09:57): Lieber Cetay, ohne lange Vorrede nenne ich Dir meine augenblicklichen Lieblingsaufnahmen, jedoch: nichts für die Ewigkeit.
Nr. 25 g-moll KV 183: KLemperer-EMI, KLemperer-RIAS (audite), siehe auch meine homepage klassik-prisma Nr. 29 A-Dur KV 201: Abbado-Orch.Mozart Nr. 33 B-Dur KV 319: Colin Davis-St.Kap.Dresden Nr. 35 D-Dur KV 385: Krips-COA, Szell-Clev.O, siehe auch meine homepage klassik-prisma Nr. 36 C-Dur KV 425: Walter Nr. 38 D-Dur KV 504: Markevitch, Schuricht, KLemperer-RIAS, siehe auch meine homepage klassik-prisma Nr. 39 Es-Dur KV 543: Fricsay Nr. 40 g-moll KV 550: da kann ich kaum zwei/drei-CDs nennen, siehe auch meine homepage klassik-prisma Nr. 41 C-Dur KV 551: Fricsay-WS
Cetay (inaktiv) (16.10.2017, 10:07): Hallo Amadé,
vielen Dank für diese Hinweise. Sehr interessant finde ich, dass du dich schwer tust, eine hervorragende Einspielung von KV 550 zu nennen. Ich schrieb weiter oben halb-satirisch, aber doch mit ernstem Hintergrund: (man) nenne mir eine wirklich voll und ganz zufriedenstellende Aufnahme von KV 550. Ich warte... Aha! Mir geht es also ganz genau so.
Cetay (inaktiv) (16.10.2017, 18:22): Lieber Amadé, nachdem ich jetzt die Seite besucht habe, glaube ich, dass ich das missverstanden habe und es dir schwer fällt, dich auf 2-3 zu beschränken, denn da hagelt es ja Bestnoten in Serie?!
Don Perlimplin (16.10.2017, 20:25): ohne lange Vorrede nenne ich Dir meine augenblicklichen Lieblingsaufnahmen Da mache ich gerne mit:
Nr. 25 g-moll KV 183: Krips, COA (Philips), Klemperer (EMI) Nr. 28 C-dur KV 200: Szell (CBS), Colin Davis, Staatsk.Dresden (Philips) Nr. 29 A-dur KV 201: Fricsay, Wiener Symph. (DGG), Karajan, Berliner Philh. (EMI, 1960) Nr. 33 B-dur KV 319: Szell (CBS), Klemperer (EMI) Nr. 34 C-dur KV 338: Klemperer (EMI), Böhm (DGG) Nr. 35 D-dur KV 385: Klemperer (EMI), Szell (CBS), Nr. 36 C-dur KV 425: Krips (Philips), Klemperer (EMI) Nr. 38 D-dur KV 504: Klemperer (EMI), Bruno Walter (CBS) Nr. 39 Es-dur KV 543: Karajan (EMI), Klemperer (EMI) Nr. 40 g-moll KV 550: Furtwängler (EMI), Giulini, NPO (Decca) Nr. 41 C-dur KV 551: Fricsay, Wiener Symph. (DGG), Beecham (EMI)
Abendroth (17.10.2017, 00:20): Merkwürdig, dass niemand Frans Brüggen nennt. Ich besitze die Aufnahmen nicht, aber habe sie in sehr guter Erinnerung. Ansonsten ist für mich immer noch Bruno Walter 1. Wahl.
Amadé (17.10.2017, 09:36): Brüggen hat sicher bei Mozart gute Arbeit geleistet und man kann sich ihm anvertrauen. Cetay wollte aber die persönlich besten Aufnahmen wissen. Das ist nicht immer leicht, oft gibt es mehrere davon. Gerade mit der HIP-Bewegung ist oft eine neue, erweiterte Sicht auf die Sinfonien eingetreten und hat ältere, einst hoch gelobte Platten, verblassen lassen. Aber auch bei HIP muss man die Spreu vom Weizen trennen.
Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (21.10.2017, 08:51): Vielen Dank für die Tips und Hinweise.
Auf Klemperer bei einer der früheren Sinfonien wäre ich sicher nicht gekommen, aber da seine Aufnahme der Nr. 25 gleich doppelt genannt wurde, muss ich doch mal ein Ohr riskieren.
Cetay (inaktiv) (19.06.2019, 15:39): Ich pflege desöfteren heftig den virtuellen Kopf zu schütteln, über die unheilvolle Allianz zwischen Labels und Konsumenten, die dazu führt, dass immer wieder dieselben ausgewrungenen Lumpen eingespielt werden, auch wenn es unter den 2882 bereits verfügbaren Aufnahmen genügend perfekte für jeden Interpretationsgusto geben müsste. Eine Werkgruppe ist hier allerdings ausgenommen. Ich begrüße auch die 2883 Neuerscheinung der drei letzten Sinfonien von Mozart, weil es hiervon keine auch nur annähernd befriedigende Trias auf Tonträger gibt. Dass das ausgerechnet der von mir bislang wenig geliebte Jordi Savall richten soll, ist schwerlich zu erwarten, aber man soll dem verurteilen das Hören vorausgehen lassen. Gedacht, getan... und der einzige Grund dafür, dass es mir nicht die Haare von Kopf geweht hat, ist der, dass ich keine habe. Das rockt wie Amadeus.
Ich weiß nicht, wie das Ensemble diesen Sound hinbekommt. Da ist kammermusikalische Transparenz gepaart mit tief gesättigten Farben, auf einem wuchtigen Bassfundament, wie ich es von keiner HIP-Truppe zuvor gehört habe. Obwohl die Bläser im Vordertreffen zu sein scheinen, ist die Balance beim genaueren Hinhören perfekt. Die inflationär verwendete Aussage, dass hier nie gehörte Details hörbar werden was in der Regel nichts anderes heisst, als dass vorher nicht richtig hingehört wurde - hier trifft sie endlich mal zu. Und dieses Mehr ist der Baustein, der die Architektur zum klingen bringt und das ist es, worauf es (mir) ankommt, auch wenn es nicht immer wie gewohnt oder erwartet klingt.
Auch Savall hängt irgendwelchen zeitgeistigen esoterischen Ideen hinter dieser Werkgruppe an und meint, sie müsse am Stück erklingen, deswegen hat man die 40. gleich zweimal auf die Doppel-CD gepresst. Die Logik will sich mir nicht recht erschließen, ausser als Beweis, dass das Medium antiquiert ist. Beim Strömen kann man wirklich alle drei am Stück hören. Egal, ob einzeln oder am Stück: Diese Aufnahmen sind höchst hörenswert.
Wolfgang Amadeus Mozart; Sinfonien Nr. 39-41 Es-Dur, g-Moll & C-Dur, K. 543, 550 & 551 Le Concert des Nations, Jordi Savall
Guenther (20.06.2019, 10:10): Die Logik will sich mir nicht recht erschließen, ausser als Beweis, dass das Medium antiquiert ist Vor allem, wenn man den "Stream" mit einem völlig anderen Stück unterbricht...
Ansonsten: Welche Details hört man denn "sonst" nicht?
Amadé (20.06.2019, 10:23): Vermutlich hat Savall, ich kenne die Aufnahme nicht, die Nr.40 deshalb zweimal gebracht, weil er beide Fassungen - ohne und mit Klarinette - berücksichtigt, wie längst vor ihm schon Hogwood in seiner Gesamt-Aufnahme. Gruß Amadé
Nicolas_Aine (20.06.2019, 16:58): in der Brilliant Mozart GA mit Jaap ter Linden und der Mozart Akademie Amsterdam ist die 40. aus genau diesem Grund auch zweimal enthalten.
Cetay (inaktiv) (23.06.2019, 15:49): Es handelt sich hier um ein und die selbe Version. Dadurch soll eine "kontinuierliche Hörerfahrung" ermöglicht werden, aber wie man es auch dreht und wendet, irgendwann muss man die CD wechseln, ob nun nach der Es-Dur oder nach der g-Moll.