Music that changed me !

Ganong (23.03.2006, 19:09):
Liebe Mitglieder des Forums ,
seit Jahren gibt es im BBC Music Magazine eine feste Einrichtung mit diesem Titel .
Darin äussern sich verschiedenen Künstler zu ihren wichtigsten , in der Regel fünf , musikalischen Schlüsselerlebnissen .
Der Geiger G. Kremer schloss seine Zusamenstellung mit dem Hinweis , dass ihn Jacques Brels Chansons berührt und inspiriert hätten wie kaum ein anderer Künstler und ein anderes Werk .
Habt Ihr auch solche musiklaischen Schlüsselerlebnisse gehabt . Und falls ja , welche ?
Meine eigenen waren : 1. Ein Livekonzert mit einem reinen Beethoven-Programm , darunter die unerreichte Interpretation der "Les Adieux" - Sonate durch Emil G i l e l s ; 2. Alexis Weisenbergs legendäres Solrecital am 2. Dezember 1970 in der New Yorker "Carnegie Hall" : 3. Mein persönliches, längers Gespräch mit Maestro Carlo Maria Giulini nach seinem Konzert mit dem Concertgebouw Orkest in Düsseldorf ( Brahms und eine herrliche Interpretation von Beethovens "Pastorale" ; 4. Piero Cappuccilli als Rigoletto mehrfach live im Sommer 1966 in der Arena di Verona . Ein unglaublich natürlicher Mann .
Viele Grüsse , Ganong
Walter (24.03.2006, 13:04):
Ja, ich finde, dass das eine interessante Frage ist:

Bei mir fing es an mit Musik aus der Werbung - ich kaufte mir die CD und kämpfte mich Stück für Stück voran.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001G5X.03.LZZZZZZZ.jpg

Weil ich bis dahin noch keinen wirklichen Kontakt mit klassischer Musik hatte - klar, die Gassenhauer die man so hört - musste ich doch eine gewisse Leistung einbringen.

Da gab es einen Satz eines Lehrers, der mich immer wieder aktiviert:

"Um die Schönheit einer mathematischen Formel zu erkennen, muß man sich zumindest eine Weile mit Mathematik beschäftigen - in der Kunst will jeder einfach so entscheiden ob Gut oder nicht!"

Der Einsatz hat sich auf alle Fälle gelohnt! Die Aufnahme gehört immer noch zu meinen Favourits.

Etwas später bin ich dann auf die GBV von Gould gekommen. Auch hier musste ich mir die Musik wieder richtiggehend erarbeiten. Bis heute ist die Aufnahme deswegen auch Einzigartig geblieben - wenn ich die GBV von anderen Interpreten höre bleibt sozusagen als Basis immer Gould mit der Aufnahme von 1981 bestehen.

Die Bedeutung der Interpretation wurde mir dann mit einem geradezu lustigen Vergleich der Klaviersonaten von Mozart klar:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025DBU.03.LZZZZZZZ.jpg

Brendel gegen Gould
für mich wurde mit dieser Gegenüberstellung schlagartig klar, wie unterschiedlich Aufnahmen sein können/dürfen und die spannende Suche nach dem - und was gefällt mir am besten - begann.

Walter
Ganong (25.03.2006, 17:31):
Lieber Walter ,
wenn wir das "gegen" in einer vergleichenden Hörweise und Besprechung versucht , möglist unvoreingenommen zu schreiben , unter Umständen sogar eine kleine Provokation zum Disput darin sieht , dann möchte ich auf ein Grundsätzliches hinweisen : Kein Pianist ( Geiger , Cellist , Sänger , Dirigent usw. ) spielt oder interpretiert alle Werke eines Komponisten gleich "gut" oder "richtig" .
Bei Mozarts Klaviersonaten möchte ich dann dennoch auf die berühmte Einspielung durch Walter Gieseking ( EMI ) hinweisen und Lily Kraus .
Und da Du die Luzidität im durchgeistigten Spiel des späten (!) Brendel erwähnst , sei auf Frau Uchida hingewiesen , die mir persönlich als Interpretein immer besser gefällt . Interessant sind die Aufnahmen durch Aldo Ciccolini aus seiner "Brüsseler Zeit" .
Der Satz Deines Lehrers ist sicherlich nicht unbegründet im zweiten Teil ( was mathematische Formeln anbelangt , so habe ich diese gottlob einfach schnell vergessen ) . W e r kann schon objektive Kriterien aufstellen ? Auf der anderen Seite wandelt sich der berüchtigte "Teitgeist" , der "Geschmack einer ganzen Epoche" .
Der wohl immer noch provokanteste Pianist unserer Tage bezüglich seiner Polarisation wegen seiner Deutungen bleibt für mich Ivo Pogorelich , der seit Jahren keine Neueinspielung mehr herausgebracht hat ( und bei der DG ist auch keine vorgesehen ) . Pogorelichs Spiel hat in mir jedenfalls eines jetzt schon seit seiner ersten LP ( Schumann : Symphonische Etüden und Beethoven : opus 111 ; DG ) eines bewirkt : Mich mit zum Teil fast Routine gewordenen Hörgewohnheiten , zum Teil erschrocken , neu auseinanderzusetzen . Etwa auch seiner Mozartsicht und Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" .
Viele Grüsse , Ganong
Carola (27.03.2006, 10:39):
Für mich war besonders prägend das Mozart-Requiem, dass ich als Schülerin eines musischen Gymnasiums selber mitsingen durfte. Dieses "voca me" zum Beispiel werde ich nie vergessen. Ich glaube, damals wurde mir zum ersten Mal bewusst, welch große Wirkung Musik haben kann, welche Freude es macht, näher mit ihr in Kontakt zu kommen - selbst bei einem Requiem.

Es grüßt Euch Carola :)

P.S. Wäre es nicht besser, diesen Thread in den Bereich "Allgemeine Klassikthemen" zu verschieben? Wenn ich das Thema richtig verstanden habe, soll die Frage doch nicht auf Vokalmusik beschränkt sein, oder?
Rachmaninov (27.03.2006, 11:36):
Bei mir ware es 2 Erlebnisse:

- Eine TV-Übertragung von BAch BWV 1043 in belgischen oder niederländischenFernseh im Rahmen einer Sendung zu einem Wettbewerb.

- Bei einer Wochenendreise wurde ich, und einige anderen, von Mozarts Requiem geweckt. Die meisten fanden es nicht so toll, mir hat es gefallen! Also die Musik, nicht das Wecken an sich :rofl
Carola (27.03.2006, 14:36):
Original von Rachmaninov
Bei mir ware es 2 Erlebnisse:

- Eine TV-Übertragung von BAch BWV 1043 in belgischen oder niederländischenFernseh im Rahmen einer Sendung zu einem Wettbewerb.

- Bei einer Wochenendreise wurde ich, und einige anderen, von Mozarts Requiem geweckt. Die meisten fanden es nicht so toll, mir hat es gefallen! Also die Musik, nicht das Wecken an sich :rofl


Für alle, die das Bachwerkeverzeichnis (BWV) noch nicht auswendiggelernt haben:

Rachmaninovs musikalisches "Erweckungserlebnis" bestand im Konzert in d-moll für 2 Violinen, Streicher und Basso Continuo von Johann Sebastian Bach, BWV 1043 - soviel Zeit muss sein... :D

Und so sehr ich das Mozart/Süßmayr Requiem liebe - diese Totenklänge ausgerchnet zum Wecken einzusetzten - nun ja, ein Humor der etwas anderen Art

findet Carola :)