Maurice inaktiv (12.04.2013, 00:04): Ich habe jetzt einmal versucht,das Thema hier unter zubringen,was wir im Rolando Villanzon-Thread bereits intensiv begonnen haben,hier zu ordnen und einzubringen.
Ob es mir wirklich gelingt,weiß ich gerade noch nicht so recht,aber ich gebe mein Bestes,wie auf der Bühne auch.
Begonnen hat es hiermit,also werde ich damit anfangen,das Wichtigste hier mit rüber zu bringen :
Diese Kritik ist absolut vernichtend und müsste eigentlich zur sofortigen Absage aller Konzerte führen.Den Besuchern müsste man ebenfalls die Hälfte des Eintrittspreises erlassen,bzw. zurück erstatten. Wenn wir mit unserer Band so spielen würden,wäre das das Aus der Band.Ich würde mich auch schämen für eine solche Darbietung. Ebenso eine Unverschämtheit ist,dass am Vormittag Aufnahmen stattfinden,aber dann am Abend der "Starsänger" seinen Part nicht einmal ansatzweise mehr SINGEN kann,geschweige das Programm adäquat bis zum Ende durchzusingen. Sorry,aber solche Leute müsste man von der Bühne buhen und jagen,dass sie Schlappen und Hut verlieren.Da gibt jeder Hobbymusiker,egal wo und was sie spielen/singen mehr,als dieser abgewrackte Möchtegern-Sänger.
Sorry,aber mir ist das jetzt mal völig egal,ob Herr V. eigentlich "arbeitsunfähig" ist,oder nun "sangesunfähig",so etwas ist eine Zumutung für die Ganze Musiker-und Sängergarde schlechthin!!! Ich beschreibe mal kurz eine wahre Geschichte,wie sie sich im Jazzbereich einmal zugetragen hatte vor vielen Jahren. Der Weltklasse-Trompeter Arturo Sandoval wurde einmal im voraus entschuldigt,er hätte eine Fischvergiftung am Vortage erlitten,wolle aber unbedingt für seine Fans spielen.Er trat damals mit der HR-Bigband auf,und ich bekam durch viel Glück eine Karte. Das Publikum,fast nur Trompeter,die weit gereist waren,applaudierten um so heftiger-und Sandoval spielte sich für SEINE Fans die Seele aus dem Leib!!!Der Mann war an diesem Abend genau so gut,wie man ihn auf seinen ganzen Alben her kennt!!!Es war einer jener legendären Abende,die man niemals mehr im Leben vergessen wird.Vielen Dank,Arturo!!DU hattest nicht nur Charakter,sondern auch den Willen,Deinen Fans zu zeigen,was Du einfach perfekt kannst-musikalische Spitzenleistung bringen,wenn man Dir auch bei Krankheit den Rücken stärkt!!!WOW!!!!!!!!!!!!!!!
Oh weia. Jetzt klärt mich als absoluten Nicht-Sänger und Nur-Genießer auf: Ist denn da niemand, der den Mann bremst?? Und wenn er seine Verfassung selbst nicht wahrhaben will, ihm das klarmacht? Mich macht das etwas fassungslos.
as Problem ist,dass solche Leute Vertäge über Jahre abgeschlossen haben,dazu Manager der Plattenindustrie,Impressarios,sein Manager,usw... Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran.Er hat ja wohl schon lange kapiert,dass er nicht mehr wirklich auf dem Niveau ist,auf welches er zu oft gehoben wurde. Es mag auch sein Geltungsbedürfnis sein,was ihn an seinem Handeln festhält.Und bei Barenboim ist er ja dabei in den "besten" Händen. Das Musikgewerbe ist grausam,und der reine Hörer wird auch nicht annähernd das Ganze verstehen,wenn man kein Insiderwissen hat,bzw. dieses "Geschäft",denn genau DAS ist es,nicht kennt. Ich möchte nicht deutlicher werden,ich gehöre diesem "Geschäft" selbst ab,wenn auch auf einer anderen Ebene.Doch ich kenne und kannte Leute,die darin sind oder waren,und deren "Geschichten" sind stellenweise sowas von unglaublich,aber sie sind wahr. Nur mal ein Beispiel,was durch die Presse ging,aber auf einmal wieder verschwunden war.Es geht hier nicht um klassische Musik,hängt aber irgendwie doch damit zusammen. Es war da mal ein Trompeter namens Stefan M......Schon damals,als dieser Herr M. seinen "Grand Prix der Volksmusik" gewann,waren einem anerkannten Profitrompeter,den ich sehr gut privat kannte,und mit dem ich auch selbst gespielt habe,und ich überzeugt von,dass Herr M. niemals habe das Stück so spielen können.Jahre später kam heraus,dass u.a. meinem Kollegen sein Satzkollege und weitere hervorragende Profitrompeter,für ihn die Stücke eingespielt hatte.Angeblich nicht wissend,wofür diese Einspielungen gedacht waren..... Es ist alles nur eine Sache des Geldes,des Schmierens und des berühmten Vitamin B.....
Ja, was d sagst, ist mir schon geläufig, die allmächtige Musikindustrie. Ich kann es nur immer nicht fassen, daß Sänger, deren Gesundheit letztlich von einem bedachten Einsatz abhängt, so blind durchs Leben rennen ... Die Sache mit dem Trompeter ist schon ein starkes Stück - aber wohl kaum ein Einzelfall. *seufz* Manchmal bin ich ja doch froh, daß es bei mir mit der Pianistenkarriere nichts wurde.
Nein,das ist der völlig normale Wahnsinn!!Und daran sind nahezu perfekte CD-Einspielungen genauso schuld wie der Zuschauervolk,dass ja wegen diesen Stars" zu den Aufführungen kommt,und nicht wegen dem Sänger XY,der irgend eine Nebenrolle singen darf oder muss. Hinzu kommen unfähige Korrepetitoren,Dirigenten,die das Orchester nicht richtig zum Leisespielen auffordern können oder wollen,oder Tempi falsch wählen. Dazu natürlich auch,dass man viel zu früh Rollen singt,die man besser sein lassen würde,usw. Das Problem ist,dass man gewisse Angebote einfach annehmen MUSS,sei es,weil man dazu gedräbnt wird,oder auch einfach nur,weil die Gage so hoch ist,dass man schlecht absagen kann. Schaue doch mal,wer jetzt in Wien für Welser-Möst einspringen muss.Das sind ja keine Flaschen,sondern das Beste,was gerade verfügbar ist.Diese Leute hätten eigentlich frei,sprich Erholung,und diese auch bestimmt nötig. Die "alte Garde" wie Maazel,Muti,Boulez,Dohnanyi,Eschenbach,Neeme Järvi.Levine,Barenboim ist ja auch nicht mehr gesund,muss aber noch dauernd herumreisen.Wenn man sieht,dass Maazel für Muti auf Tournee geht (!!!),fragt man sich,wo der Nachwuchs da bleibt? Und ein "Villanzon" macht eben die Bude voll,alleine schon wegen seinem Namen....
Hm, aber so eine "Medaille" hat ja bekanntlich zwei Seiten: Die eine fordert, sprich: das Publikum, also letztlich wir, will hören und sehen, und das so perfekt wie möglich - die andere leistet/muss leisten und das Geld fließt dann entsprechend und bildet keinen geringen Anreiz. Von Ruhm und Glanz mal abgesehen ... Siehe nur die Berichte nebenan im Opern-Bereich - wer von uns ist schon geneigt, heute dauerhaft sogenanntes Mittelmaß zu ertragen? Ich erwähne das deswegen, weil mir eine Kritik über die "Tote Stadt" in Lübeck vorliegt, die sich auf eine Art und Weise äußert, die ich daneben finde. Schlussendlich wird Perfektionismus erwartet - das kann möglicherweise noch eine MET (annähernd) leisten, ein kleines Provinztheater schon finanziell nicht. Aber die dortigen Sänger werden mit solchen Kritiken unter Druck gesetzt ... Ich finde das ein sehr schwieriges Thema, bei dem mir trotz aller Hintergründe hin und wieder der sachliche Menschenverstand fehlt. Ich habe genügend Kontakte zu Musikern, Sängern, Dirigenten, die oft genug an ihrem Dasein verzweifeln - um im nächsten Moment himmelhoch jauchzend nichts anderes zu wollen. Manche, wenige hören hin, wenn ihnen gesagt wird "Schraub dich mal runter!", die meisten eben nicht. Denn die Komplettmaschinerie steht ja immer dahinter ...
Da ich sowohl ein ausführender Künstler,aber auch Zuschauer bin,versuche ich Dir mal meine Meinung dazu mitzuteilen.Das wird jetzt ziemlich umfangreich sein,bitte nicht böse werden dann. Ich finde die Kritik der "Toten Stadt" doch mehr als nur positiv,oder siehst Du das anders? Wir haben in Deutschland eindeutig zu viele Theater und Opernhäuser,was folge dessen mehr Masse,aber nicht unbedingt mehr Klasse bedeutet. Man mag mich für diese Äußerung hier scharf angehen,aber da ist meine Meinung. Die Klassische Musik wird mit viel Geld vor allem staatlich subvensioniert,also mit Steuergeldern.Wenn man nun die Anzahl der Besucher hochrechnet,stellt mir sich die Frage,ob man das SO überhaupt machen sollte,oder ob man es nicht,wie z.B. in den USA,über Privatspenden oder Stiftungen abwickeln sollte. Sicher,würde unser Staat nicht mit vollen Händen das Geld zum Fenster werfen,wäre für die Kunst und Kultur mehr vorhanden,aber gemessen an der Bevölkerungszahl steht der Neubau eines Theaters oder einer Oper nicht mehr im rechten Verhältnis zur Nutzung durch die Bevölkerung. Wenn ich sehe,wie in Hamburg für die "Elbphilharmonie" geradezu Unsummen verschwendet werden,könnte ich echt k........!!!Sorry!!
Zurück zum Ausgangspunkt!! Die deutschen Orchester,auch in der Provinz,sind qualitativ auf sehr hohem Niveau,da es zum Glück genug Hochschulen und Konservatorien mit sehr guten Lehrern gibt. Ich kann nur wenig über Sänger sagen,aber es wird seit runden 30 Jahren gejammert,dass der Nachwuchs im Gesang sehr zu wünschen lässt.So sehen auch die Laienchöre oftmals aus,was denn Altersdurchschnitt angeht-selten findet man dort Sänger unter 50,55 oder 60 Jahren. Bei den Musikern ist das oftmals anders.Viele Musikvereine bilden zu Dutzenden Nachwuchs aus,und kümmern sich auch um die jungen Leute. Es gibt aber immer wieder Lücken in diversen Instrumentenbereichen,und das nicht nur bei den selten gebräuchlichen Instrumenten,sondern auch bei den Trompeten. Ich selbst habe mich damals entschieden,meinem Berufswunsch "Musiker" (ich schreibe bewusst dieses nur allgemeine Wort) letztendlich zu wählen,weil ich schon damals erkannt habe,dass ich eines Tages Probleme haben werde,die Du bereits kurz angedeutet hast. Wer sich als Musiker in dieses "Haifisch-Becken" begibt,muss mit allen Konsequenzen leben müssen,denn das ist sein Job.Das bedeuet in den meisten Fällen Zeitverträge haben,Aushilfstätigkeiten bekommen,jede "Mucke" annehmen,die Geld bedeutet,Unterricht erteilen zum Überleben,ständig von der Hand im Mund leben,usw. Hinzu kommt der Druck,bei dem ersten Fehler weg vom Fenster zu sein. Es gibt selbst bei den Rundfunk-Sinfonie-Orchestern immer mehr nur noch Einstellungen über Zeitverträge,was aber den Vorteil hat,dass "Beamtendenken" in den Köpfen der Musiker solcher Anstalten immer weniger vorherrscht. Wer heute in die Sinfonie-Orchester möchte,muss sich nicht nur den brutal harten Auswahlverfahren stellen,sondern muss erst einmal eine Qualität erreichen,die selbst begabte Musiker nicht immer erreichen werden. Um an Solo-Stellen zu kommen,sind erfolgreiche Wettbewerbserfolge z.B. bei "Jugend Musiziert",dem "ARD-Wettbewerb",usw. Pflichtbestandteil.Ohne solche Auszeichnungen braucht man erst garnicht seine Bewerbung abzusenden.Diese Leute werden schnell ihr Studium auf "Musikschul-Lehrer" oder "Musiklehrer Schwerpunkt Schulmusik" oder "Musikwissenschaft",usw. ausrichten. Bei den Sängern heißt das dann "Popularmusik","Musical","Chorgesang",usw.
Hinzu kommt die Unfähigkeit vieler Dirigenten damals,was ich selbst erleben durfte.Hier werden dann Musiker im Grunde zu Faulheit und zum Nichtstun fast schon genötigt.Außerdem war es damals kurze Zeit so,dass es kein abgeschlossenes Studium mehr gegeben hätte,und man bis zum Abschluss hätte selbst die Kosten tragen müssen und ständig vom Standort zur Hochschule hätte fahren müssen. So viel mal die Sicht des Musikers,was er erst einmal auf sich nehmen müsste,um überhaupt einen Job zu bekommen. Ich weiß,das ist jetzt sehr ausführlich,aber vielleicht bekommt man so eine gewisse Einsicht,um diese Meute zu verstehen.
So,nun die Sichtweise eines Zuhörers: Jemand,der Eintritt entrichtet hat,hat selbstverständlich das Recht Kritik jeder Art zu äußern.Ob diese Kritik dann fundiert ausfällt,oder nur "dummes Geschwätz" herauskommt,ist eine ganz andere Geschichte. Diesen Leuten sind Laienmusiker genau so ausgesetzt wie Profis.Ob man auf die Meinungen dieser Leute was geben sollte,möge jeder ausübende Künstler für sich alleine entscheiden. Ich sage es mal so : Man hört nach spätestens drei Sätzen heraus,wer Ahnung von der Sache hat und wer nicht!! Viel wichtiger sind die Journalisten,die in den eingängigen Fachzeitungen berichten,oder die für die wichtigen Tageszeitungen berichten.Wichtig sind hier nicht unbedingt nur die überregionalen Zeitungen,sondern die Heimatzeitung,gerade für die kleineren Bühnen. Auch nicht gerade einfach sind die Musikerkollegen,die aus Eifersucht oder bekannter Feindschaft ihren Senf ebenfalls dazugeben müssen. Es ist aber völlig normal,dass es Musiker gibt,die sich bei den Konzerten untereinander besuchen,um zu hören,was der Kollege anders macht als man es selbst spielt. Taucht ein neuer Musiker im "erlauchten Kreise" auf,wird dieser natürlich besonder genau beäugt,oder er wird,wie im Jazz üblich,zur Session gebeten. Hier wird dann jeder Musiker versuchen,seinen Stellenwert dem Anderen Gegenüber schnell klar zu machen.Man könnte auch sagen,der Kollege wird "ausgespielt" oder "ausgeblasen". Dieses "Ausblasen" findet selbstverständlich auch im Hobbymusik-Bereich statt.Das wird um so härter,je weiter es nach Oben geht.
Dieses "Ausblasen" findet natürlich an Konzerten statt.Hier kommt nun wieder das Publikum mit ins Spiel.Es merkt oftmals überhaupt nicht,was da gerade auf der Bühne passiert.Es erfreut sich an diesem Wettkampf,wo es am Ende nur noch "Schneller,Lauter,Höher" heißt,aber nur noch selten "Künstlerisch wertvoll","Geschmackliches Spielen","Qualitativ hochwertiges Spielen".... Das ist jetzt sicher kein direkter Beitrag zum Thema "Rolando Villanzon",es soll auch nicht von mir mit dem berühmten "erhobenen Zeigefinger" gedeutet werden. Ich selbst gebe dabei gerne zu,auch schon Kollegen ausgespielt zu haben,um meine Stellung zu festigen oder weil ein Kollege es umgekehrt bei mir probiert oder bereits getan hatte. Das ist menschlich,aber im Haifischbecken leider manchmal unumgänglich.Die Jobs werden immer weniger,die Anforderungen immer höher. Wer als Künstler noch keine Depri-Phase hinter sich hatte,ist kein Künstler!!!Diesen Spruch müsste jeder Kollege von mir so sagen,wenn er ehrlich zu sich selbst ist. ich selbst habe mich auch einmal für vier ganze Jahre fast vollständig aus der aktiven Musik zurück gezogen,weil ich einfach innerlich ausgebrannt war. Vielleicht kann jetzt der Ein oder Andere hier in etwa fühlen,wie sich Herr V. eigentlich fühlen MUSS,wenn er mehr Show und Clownereien macht als Musik.Innerlich geht er zugrunde,aber sagen und zeigen darf er es nicht!!!
PS: Selbst wenn man man mit RV absolut nichts anfangen kann, aber ihn mit einem Volksmusikheini wie M. in einen Topf zu werfen, hat er nun wirklich nicht verdient. (Er hat in guten wie in schlechten Tagen mit seiner Stimme gesungen ) Und Show hat er immer schon gemacht, das ist ein Teil seiner Persönlichkeit, bloß dass er es jetzt besonders forciert, um von seinem stimmlichen Dilemma abzulenken.
Ich habe Herrn V. nicht mit Herrn M. in einen Topf geworfen,sondern an Hand eines realen Beispiels versucht aufzuzeigen,wozu die Musikindustrie in der Lage ist,wenn es darum geht,Leute nach Oben,aber auch ganz schnell wieder nach Unten heben,bzw. fallen zu lassen. Und mein Beispiel ging so offen durch die Presse,dass ich es herangezogen habe.
Zitat: Original von Maurice André Da ich sowohl ein ausführender Künstler,aber auch Zuschauer bin,versuche ich Dir mal meine Meinung dazu mitzuteilen.Das wird jetzt ziemlich umfangreich sein,bitte nicht böse werden dann. Um Himmels Willen, warum sollte ich? Zitat: Ich finde die Kritik der "Toten Stadt" doch mehr als nur positiv,oder siehst Du das anders? Nein, sehe ich genauso - auch wenn mir gerade was richtig Bescheuertes an Kritik in die Hände gefallen ist - nicht weil es wenig positiv war, sondern glatt in das Klassikhandbuch von Satie, Kapitel "Wie werde ich Kritiker?" passt - als Paradebeispiel. Zitat: Wir haben in Deutschland eindeutig zu viele Theater und Opernhäuser,was folge dessen mehr Masse,aber nicht unbedingt mehr Klasse bedeutet. Ich will nicht unbedingt sagen zuviel - sowie sie angenommen werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung, aber wenn wir schon so viele Häuser haben, können wir nicht erwarten, dass alle eine Qualität allererster Sahne bieten. Nicht bei den Geldern, die in der Oberliga fließen ... Da sind wir uns glaub ich einig. Andererseits geben Hamburg und Lübeck gerade ein wunderbares Beispiel dafür ab, dass eins der großen Häuser mit seinem derzeitigen Management die Zuhörer weniger begeistert als das kleine Theater Lübeck. Zitat: Man mag mich für diese Äußerung hier scharf angehen,aber da ist meine Meinung. Die ich auf jeden Fall interessant finde. Jedem seine Meinung. Zitat: Ich weiß,das ist jetzt sehr ausführlich,aber vielleicht bekommt man so eine gewisse Einsicht,um diese Meute zu verstehen. Ich habe mir die Freiheit genommen, das jetzt etwas abzukürzen. Ja, das ist im Grunde bekannt, was du sagst. Ich lebe hier in einer niedersächsischen Kleinstadt, wo ich diese Entwicklungen auf der untersten Stufe, also bei den Kindern bereits beobachten kann. Wer mehr will, als ein bisschen vor sich hinklimpern, muss von Anfang an "ran". Und dahinter stehen in den allermeisten Fällen die Eltern, die ihre Kinder zum Üben, Vorspielen und nochmal Üben anhalten. Die Eltern haben Vorbilder, selten die Kinder. Selbst die Musikschulen sind heute anders organisiert als damals zu meiner Zeit. Der Leistungsdruck ist gestiegen und nur, wer bereits in jungen Jahren Erfolg hat, kann auf mehr hoffen. Das Künstlerdasein und der Erfolg gründet sich letztlich nicht auf gottgegebenes Talent, das von sich aus strahlt, sondern Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz, die richtigen Verbindungen und sicher auch eine gehörige Portion Glück, Geschick und Durchsetzungskraft. Zitat: Vielleicht kann jetzt der Ein oder Andere hier in etwa fühlen,wie sich Herr V. eigentlich fühlen MUSS,wenn er mehr Show und Clownereien macht als Musik.Innerlich geht er zugrunde,aber sagen und zeigen darf er es nicht!!! Genau das ist ja der Punkt, der mich so aufstört: dass das offenbar so sein muss. Warum? Ich wehre mich trotz allem Gesagten - das ich kenne und nachvollziehen kann, zwar nicht am eigenen Leib, aber in der eigenen Familie - dagegen. Es ist nicht nur die Musikbranche, es sind viele viele Bereiche, wo es immer noch höher, schneller, besser, weiter - noch perfekter sein muss. Auf Kosten der Einzelnen, die eigentlich die breite Masse nicht mehr sehen/hören will, wenn sie nicht mehr dem Perfektionsanspruch genügen. Und Villazon ist ein gutes Beispiel dafür - von ganz oben nach weiter unten. Anders herum von unten nach vielleicht niemals ganz oben meinte ich das Beispiel der kleineren Häuser: Häufig werden diese niemals die verlangte und (scheinbar) in großen Häusern erzielte Perfektion erlangen können, aber muss das wirklich sein? Ich kann diese Frage nicht beantworten.
Hallo,Allegra!! Schön,dass Du dich so intensiv hier mit einbringst,danke!! Ich versuche mal,hier zu antworten : Zitat: Wir haben in Deutschland eindeutig zu viele Theater und Opernhäuser,was folge dessen mehr Masse,aber nicht unbedingt mehr Klasse bedeutet. Ich will nicht unbedingt sagen zuviel - sowie sie angenommen werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung, aber wenn wir schon so viele Häuser haben, können wir nicht erwarten, dass alle eine Qualität allererster Sahne bieten. Nicht bei den Geldern, die in der Oberliga fließen ... Da sind wir uns glaub ich einig. Andererseits geben Hamburg und Lübeck gerade ein wunderbares Beispiel dafür ab, dass eins der großen Häuser mit seinem derzeitigen Management die Zuhörer weniger begeistert als das kleine Theater Lübeck. Das sehe ich anders!!Mir fehlt ein wirklich durchdachtes Programmkonzept in vielen Häusern,egal ob groß oder klein. Wir führen so oft die gleichen Werke auf,große Künstler gehen oftmals nur mit dem Standardprogramm auf Tourneen,oder es wird eine völlig bescheuerte Uraufführung mit einem Gassenhauer gemixt,damit die Leute überhaupt zu dem Konzert kommen. Ich gebe zu,mich mit der zeitgenössischen Musik mehr als nur schwer zu tun,aber dafür gibts ja auch Spezialisten,die das besser können und verstehen als ich. Ich würde mir gerade in den kleinen Häusern die seltenen Werke der verschiedenen Epochen wünschen,anstatt das man mit aller Gewalt einen "Ring" durchboxen will,der sündhaft teuer ist,aber keine Qualität bietet am Ende. Man sollte dabei erwähnen,dass kleine Häuser auch kleinere Orchester nur zur Verfügung haben,und nicht 100 oder 120 Musiker,die Richard Strauss,Gustav Mahler oder Richard Wagner erfordern teilweise.
Zitat: Ich habe mir die Freiheit genommen, das jetzt etwas abzukürzen. Ja, das ist im Grunde bekannt, was du sagst. Ich lebe hier in einer niedersächsischen Kleinstadt, wo ich diese Entwicklungen auf der untersten Stufe, also bei den Kindern bereits beobachten kann. Wer mehr will, als ein bisschen vor sich hinklimpern, muss von Anfang an "ran". Und dahinter stehen in den allermeisten Fällen die Eltern, die ihre Kinder zum Üben, Vorspielen und nochmal Üben anhalten. Die Eltern haben Vorbilder, selten die Kinder. Selbst die Musikschulen sind heute anders organisiert als damals zu meiner Zeit. Der Leistungsdruck ist gestiegen und nur, wer bereits in jungen Jahren Erfolg hat, kann auf mehr hoffen. Das Künstlerdasein und der Erfolg gründet sich letztlich nicht auf gottgegebenes Talent, das von sich aus strahlt, sondern Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz, die richtigen Verbindungen und sicher auch eine gehörige Portion Glück, Geschick und Durchsetzungskraft. Das ist auch absolut ok,so lange es eben NICHT übertrieben wird.Ich stamme selbst aus einem musikalischem Elternhaus.Meine Eltern haben immer hinter mir gestanden,haben mir in dieser Hinsicht alles ermöglicht,und dabei natürlich auch einen gewissen Druck ausgeübt. Doch ohne Druck,der sich im Rahmen hielt,und nie übertrieben wurde,wäre ich heute nicht hier sondern vielleicht ohne Instrument im Niemandsland hängen geblieben. Es war für sie ein Schock,als ich dann nicht Musik studiert habe,sondern Kaufmann gewordne bin,aber niemals habe ich ein Wort der Klage gehört. Selbst,als ich für vier Jahre weitgehend komplett mit dem Spielen aufgehört hatte,wurde das akzeptiert,weil ich es ihnen erklärt habe.Sie waren beide hellauf begeistert,als ich dann wieder richtig angefangen habe und heute immer noch voller Freude zu den meisten Veranstaltungen hinfahre und meine Musik spiele. So viel mal zu den Eltern,die weder eigene Ziele,noch eigene Wünsche auf die Kinder abwälzen.Es sind in der Masse auch wirklich eher wenige als zu viele,das ist meine Erfahrung,gerade in den Hobby-Orchestern. Die Musikschulen mussten sich neu erfinden,weil auch dort die Zuschüsse geringer wurden.Sie bestehen heute nur deshalb noch,weil Spenden sie am Leben erhalten,und viele Musiklehrer nicht mehr fest angestellt sind,sondern auf Honorarbasis arbeiten. Durch diesen Weg ist der Unterricht aber auch bedeutend besser geworden als es früher war.Ich habe dort selbst am Klavier als Kind angefangen und später ein Praktikum an einer Musikschule absolviert,ich kenne also die alten Muster noch zu gut. Heute gibt es dort oftmals recht fähige Lehrer mit tollen Ideen,wenn die Leitung es denn zulässt.Davon hängt halt auch viel ab. Das Ganze könnte noch verbessert werden,wenn die Musikschulen endlich erkennen würden,dass man die Zusammenarbeit mit den Vereinen suchen muss,und nicht auf Eigenständigkeit und Selbstarroganz mehr Wert als auf die Ausbildung der Schüler legt. Dieses "elitäre Gehabe" findet man leider im Opernhaus genauso vor wie im Jazzclub oder in der Musikschule.Auf der Strecke bleiben letztendlich die Jugendlichen,die Vereine und damit der Nachwuchs und die Kultur. Immerhin hat man das Problem erkannt,und es werden immer mehr Jugendreihen in der Oper eingebaut,da man sonst bald keine Karten verkaufen wird,da die Generation Oper immer weniger wird. Konzerte sind da weniger betroffen,denn man muss keine Handlung folgen oder stundenlang ruhig sitzen bleiben.Alleien deshalb bin ich auch kein Operntyp.Mir dauert das einfach zu lange,und verstehen tue ich auch oftmals nur Bahnhof. Heute gibt es für Jugendliche so viele Angebote,doch sie nehmen letztendlich nur das Angebot war,was mehr "fun" bringt,weniger Arbeit macht und unter sich ist. Ein weiters Manko ist das Instrumentarium,was in der Oper verwendet wird.Musicals haben das Problem nicht,da hier der "Sound" rockiger,zeitgemäßer und mit zeitgemäßen Instrumenten gearbeitet wird.
Zitat: Genau das ist ja der Punkt, der mich so aufstört: dass das offenbar so sein muss. Warum? Ich wehre mich trotz allem Gesagten - das ich kenne und nachvollziehen kann, zwar nicht am eigenen Leib, aber in der eigenen Familie - dagegen. Es ist nicht nur die Musikbranche, es sind viele viele Bereiche, wo es immer noch höher, schneller, besser, weiter - noch perfekter sein muss. Auf Kosten der Einzelnen, die eigentlich die breite Masse nicht mehr sehen/hören will, wenn sie nicht mehr dem Perfektionsanspruch genügen. Und Villazon ist ein gutes Beispiel dafür - von ganz oben nach weiter unten. Anders herum von unten nach vielleicht niemals ganz oben meinte ich das Beispiel der kleineren Häuser: Häufig werden diese niemals die verlangte und (scheinbar) in großen Häusern erzielte Perfektion erlangen können, aber muss das wirklich sein? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Das ist ganz einfach.Weil der Zuhörer es so fordert!!!Man hört eine perfekt abgemischte CD,es wird versucht,alle für jeden HÖRBARE Fehlerquelle hinaus zu retuschieren,fertig ist die perfekte Konserve für den Konsumenten. Und,Du wirst es jetzt nicht glauben,aber weil im TV fast nur noch im Playback-Verfahren gearbeitet wird!!Du siehst nie den Aufwand,der eigentlich für ein Live-Konzert erforderlich ist.Das beginnt schon bei den Kabelsteckern bei den Gitarren oder Keyboards bei der Popmusik,und endet an fehlenden Mikrofonen und der dazugehörigen Kabel. Wir,die Zuschauer un Zuhörer,erwarten für ihr teures Eintrittsgeld eine perfekte Darbietung,bekommen aber oftmals als reine "Verarsche" bestenfalls ein Halb-Playback-Verfahren. Singt mal jemand "live",wird das noch deutlich herausgestellt,ist doch lächerlich,was?Und passiert dann man so eine gravierende Panne,wie bei Sarah Connors Textfehler bei der Nationalhymne,wird man das in 10 Jahren der armen Frau immer wieder unter die Nase reiben. Im reinen Jazz ist das mit dem Playback schon wieder weitegehend ausgeschlossen,bei Bigband-Musik hingegen schon wieder möglich,so lange keine Soli gespielt werden. In der Klassik ist es auch schwer,weil man 100 Mann kaum dazu bringen kann,sich dem Playback perfekt anzupassen.Auch kann der Dirigent kaum so perfekt nachdirigieren,wie es dann erforderlich wäre.Und so müssen auch die Sänger selbst singen,was wiederum zur Zeit Herr V.s Pech ist.....
Allegra (12.04.2013, 22:44): Gefunden! Dann kann's ja weitergehen. :wink
Hallo Maurice! Und alle anderen natürlich …
Schön,dass Du dich so intensiv hier mit einbringst,danke!! Immer gern! :beer
Mir fehlt ein wirklich durchdachtes Programmkonzept in vielen Häusern,egal ob groß oder klein. Das wird sicher für viele, viele Häuser stimmen – aber, und damit greif ich mal vor in deinem Text – auch das liegt an uns, den „Kunden“, die nur dann kommen, wenn's was „Nettes“ zu hören gibt.
Und trotzdem gibt es auch die andere Seite – erwähne ich deshalb, weil ich gerade aus einem Konzert des delian::quartetts komme. Purcell, Haydn, Schostakovitch, wahrlich keine leichte Kost, zumindest der letzte. Und der eine oder andere Zuschauer schien auch deutlich überfordert, aber was mich dann doch begeistert, ist die Reaktion so mancher hinterher, die sich drauf einlassen und das Neue, Unbekannte wirken lassen und dann feststellen, es war ein tolles, sehr aufwühlendes Konzert. Das am Rande …
Ganz gruselig finde ich die Tatsache, daß Konzerte wie diese Filmmusikkonzerte riesige Hallen füllen und die Leute der Ansicht sind, „Haute Culture“ genossen zu haben ...
Ich würde mir gerade in den kleinen Häusern die seltenen Werke der verschiedenen Epochen wünschen,anstatt das man mit aller Gewalt einen "Ring" durchboxen will,der sündhaft teuer ist,aber keine Qualität bietet am Ende.
Hm, bezogen auf Lübeck muss ich sagen, sie bemühen sich dort sehr wohl um weniger Bekanntes (zuletzt mit der „Toten Stadt“ und der Lübecker Ring hat sogar Preise eingeheimst und ist auf ein beachtliches Echo gestoßen.
Du scheinst ähnlich gesegnet zu sein mit deinen Eltern wie ich. :wink
Heute gibt es für Jugendliche so viele Angebote,doch sie nehmen letztendlich nur das Angebot war,was mehr "fun" bringt,weniger Arbeit macht und unter sich ist.
Ja, leider. Aber hin und wieder überraschen sie einen dann doch: Gestern gab's bei uns Pflichtveranstaltung für die Gymnasien – Kafkas „Die Verwandlung“. Puh, Kafka hat mich noch nie begeistert, auch die jungen Leute taten sich streckenweise schwer, aber die Diskussionen, die sie hinterher führten, waren beeindruckend! Und da ging es bei weitem nicht um blanke Ablehnung, sondern Nachgrübeln, Verstehen wollen.
Mein absoluter Lieblingssatz stammt von meiner Tochter, damals 13 Jahre alt und per se gegen alles, nach einer „Boheme“ in Braunschweig: „Das war das Geilste, was ich je gesehen habe.“ Lässt doch hoffen, oder? :D
Und,Du wirst es jetzt nicht glauben,aber weil im TV fast nur noch im Playback-Verfahren gearbeitet wird!!Du siehst nie den Aufwand,der eigentlich für ein Live-Konzert erforderlich ist.Das beginnt schon bei den Kabelsteckern bei den Gitarren oder Keyboards bei der Popmusik,und endet an fehlenden Mikrofonen und der dazugehörigen Kabel.
Doch! Glaub ich, weiß ich sogar. :tongue: Bekomme ich von meinem Bruder (Singer-Songwriter) hautnah mit. Aber diese perfekten CDs sind tatsächlich gefährlich ... Sie gaukeln einem etwas vor, was es häufig so gar nicht geben KANN.
Im reinen Jazz ist das mit dem Playback schon wieder weitegehend ausgeschlossen,bei Bigband-Musik hingegen schon wieder möglich,so lange keine Soli gespielt werden.
Deswegen gehe ich mittlerweile echt gern in Jazz-Konzerte, zum Glück werden hier reichlich geboten. Aber auch hier: wenig junge Leute …
Maurice inaktiv (13.04.2013, 00:58): Ich freue mich,dass jemand den Weg hierher gefunden hat!!!Sehr gut!!!
Deswegen gehe ich mittlerweile echt gern in Jazz-Konzerte, zum Glück werden hier reichlich geboten. Aber auch hier: wenig junge Leute …
Ja,der Jazz hat die gleichen Probleme wie die Klassik.Es liegt aber auch hier am elitären Verhalten und Klüngelwirtschaft.
Ganz gruselig finde ich die Tatsache, daß Konzerte wie diese Filmmusikkonzerte riesige Hallen füllen und die Leute der Ansicht sind, „Haute Culture“ genossen zu haben ...
Vergesse bitte nie,dass viele Komponisten davon gut gelebt haben....Und ich sehe die Leute lieber dort im Konzert als zuhause auf dem Sofa.
André Previn,Erich Wolfgang Korngold,Ralph Vaughan Williams.....Im Jazz Count Basie,Klaus Doldinger und Duke Ellington...Die Liste ist also mit interessanten Namen gespickt...
Ja, leider. Aber hin und wieder überraschen sie einen dann doch: Gestern gab's bei uns Pflichtveranstaltung für die Gymnasien – Kafkas „Die Verwandlung“. Puh, Kafka hat mich noch nie begeistert, auch die jungen Leute taten sich streckenweise schwer, aber die Diskussionen, die sie hinterher führten, waren beeindruckend! Und da ging es bei weitem nicht um blanke Ablehnung, sondern Nachgrübeln, Verstehen wollen. Mein absoluter Lieblingssatz stammt von meiner Tochter, damals 13 Jahre alt und per se gegen alles, nach einer „Boheme“ in Braunschweig: „Das war das Geilste, was ich je gesehen habe.“ Lässt doch hoffen, oder?
Na,ja...Ich habe es nicht mit der Oper,aber erstaunlich ist die Aussage trotzdem.Als Jazzer freut es mich aber,dass Du dort auch zu finden bist.
Hm, bezogen auf Lübeck muss ich sagen, sie bemühen sich dort sehr wohl um weniger Bekanntes (zuletzt mit der „Toten Stadt“ und der Lübecker Ring hat sogar Preise eingeheimst und ist auf ein beachtliches Echo gestoßen.
Ich freue mich ja,das Du dort Oben Glück hast,aber wenn ich sehe,was so manchmal geboten wird,ist mir klar,dass auf Dauer auch die Musiker keinen Bock mehr haben auf den ganzen Kram.
Wir haben hier zum Glück das ein oder andere Haus,was kreative Programme gestaltet.Ich muss aber eingestehen,dass ich für Konzerte einfach zu wenig Zeit habe (im Moment gibts andere Gründe für),doch nächsten Donnerstag bin ich dann doch mal im Konzert.
So,jetzt sage ich mal Gute Nacht,denn später ruft die Musikmesse nach mir,und das wird laut und stressig.
Immer gern!
Danke,ebenso..... :thanks :hello
VG,Maurice
Heike (13.04.2013, 12:11): der Artikel passt sehr gut zum Thema: Was ist bloß mit den Starsängern los? WELT 12.4.2013 Zitat: "... große Opern-Tempel nur mit teuren big names lukrativ zu führen"
Maurice inaktiv (13.04.2013, 12:48): Der Artikel trifft die Situation auf dem Kopf.Ich werde versuchen,mal einige Passagen daraus hier zu postieren.
Der Betrieb frisst seine Kinder. Und die beißen zurück. Kurzfristige Sängerabsagen, Gagengeschacher und ein außer Kontrolle geratendes Star-Gewese machen den Opern zurzeit die Geschäfte schwer.
Juan Diego Florez etwa sollte in London sein Rollen-Debüt in Giacomo Meyerbeers "Robert le Diable" geben – und entschied sich kurzfristig dagegen. Ebenso Jonas Kaufmann in der Killer-Partie des Énée in Berlioz' "Les Troyens". Auch Mezzo-Sopranistin Elina Garanca cancelte kürzlich ihr Cassandra-Debüt an der Deutschen Oper Berlin – mit der Begründung, die Rolle käme für sie nun doch nicht zur rechten Zeit. Anna Netrebko zog sich in Baden-Baden von der – eigentlich leichten – Partie der "Figaro"-Gräfin wieder zurück, weil sie, wie sie jetzt gemerkt habe, doch nicht zur eigenen Stimme passe. Hatte sie die Rolle zuvor nicht einmal angesehen?
Beide Zitate stammen aus "Die Welt",Opernkrise-Was ist bloß mit den Starsängern los?
Aus meiner Sicht spricht das nicht gerade für die Sänger,die Verträge unterschrieben haben,diese aber schlichtweg ingnorieren.
Auch frage ich mich,warum sie Rollen annehmen,denen sie offensichtlich nicht gewachsen sind.Das sind völlig unprofessionelle Einstellungen,die sich kein Orchestermusiker erlauben würde.
Da frage ich mich schon,ob die überhaupt vor der Vertragsunterschrift schon einmal ihre Parts gesehen haben.
Orchestermusiker bekommen ihre Proben auch nicht bezahlt,im eigentlichen Sinne.Das ist mit den von ihnen unterschriebenen Verträgen bereits abgegolten.
Diese Musiker müssen ihre Passagen auch außerhalb der herkömmlichen Dienstzeiten einstudieren,wenn sie es nicht in regulären Proben können sollten.So etwas wird als selbstverständlich und Eigeninteresse auch erwartet.
Künstler zu sein,heißt eben auch,zu arbeiten ohne feste Arbeitszeiten,arbeiten an Wochenenden,oder einfach total flexibel sein zu müssen.So etwas weiß ich aber BEVOR ich diesen Beruf überhaupt ausüben möchte.
Wer das nicht will,muss sich dann für den Bereich "Schulmusik" entscheiden,dann hat man regelmäßigen Urlaub,halbwegs vernünftige Arbeitszeiten und ein festes Gehalt.
Wer glaubt,nur mit dem Geld zu überleben,was man durch Wunschauftritte erwirtschaftet hat,hat meiner bescheidenen Meinung einige Probleme mit der Realität.Das soll bei Künstlern leider öfter vorkommen als man glaubt...
Ich kenne genug wirklich gute Musiker,die jede "Mucke" annehmen,die sie kriegen können.Das geht mit Musik für Hochzeiten oder Beerdigungen los und hört mit Bierzeltmusik auf.
Die Musiker (oder Sänger),die völlig frei wählen können,was sie annehmen,sind äußerst selten zu finden.Meist hat jemand einen Lehrauftrag fest,so dass er immerhin einigermaßen frei entscheiden kann,was er annimmt und was nicht.
So ist es,und nicht anders!!!!
Ich stand selbst vor der Entscheidung,meinen Beruf zu teilen.Dies hätte bedeutet,Teilzeitarbeit plus Teilselbstständigkeit.Letztendlich hat sich das Thema für mich aus gesundheitlichen Gründen aber erledigt.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (13.04.2013, 20:02): Der Besuch der Musikmesse hat mich nicht gerade vom Hocker gerissen,aber die wunderbaren Fachzeitschriften,die man kostenlos mitnehmen kann,dafür um so mehr.
Hier einmal einige von mir nun zitierte Sätze aus der Zeitschrift "das Orchester",Ausgabe März 2013 :
Die "Deutsche Orchestervereinigung (DOV) stellte auf einer Pressekonferenz in Berlin die "Aktuelle Konzertstatistik" vor,die alle zwei Jahre bundesweit bei den deutschen Kulturorchestern und Rundfunk-Klangkörpern erhoben wird :
Das Gesamtangebot ist mit über 12.500 Veranstaltungen stabil.Die Zahl der Sinfoniekonzerte ist von zuletzt 5902 auf eine Spitzenzahl von 6158 Konzerten weiter gestiegen.Dies bedeutet eine Angebotserweiterung von über 4 Prozent.
Überraschend deutlich angezogen hat das Auslandsgeschäft: 646 Konzerte wurden auf Auslandsreisen gespielt.Dies ist eine Steigerung innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent.
Positiv ist die kontinuierliche Steigerung von Kinder-,Jugend-,und Schülerkonzerten,deren Zahl sich in sieben Jahren von 1498 (Spielzeit 2005/2006) auf 2066 (Spielzeit 2011/2012) massiv erhöht hat.
Die Orchester nehmen damit ihren Bildungsauftrag für das junge Publikum immer stärker wahr.
Leider konnte ich das Ganze nicht aus dem I-Net rausziehen,sonst hätte ich es getan.
Ich lasse diesen Abschnitt mal unkommentiert.Mal schauen,was ihr dazu schreiben zu gedenkt....
VG,Maurice
Allegra (13.04.2013, 20:35): Maurice, was du weiter oben zu dem Artikel sagst, ist, fürchte ich, nur eine Seite der Medaille. Wir kommen mal wieder zurück auf die "Masse, die wünscht", sicher nicht zuletzt angehalten dazu von perfekten CD-Einspielungen, vor allem aber den überall steigenden Erwartungen höher, schneller, lauter, besser - perfekter. Da gibt es Knebelverträge, viel zu viele Aufführungen in zu kurzer Zeit, möglicherweise nicht besonders angenehme Arbeitsbedingungen. Frech finde ich ehrlich gesagt auch, Geld für Zuschauerkarten zu Proben zu verlangen, bei denen die Sänger nicht bezahlt werden - wie der Artikel erwähnt.
Ja, Singen ist ihr Job und ich bezweifle wirklich, daß egal welcher Sänger nicht von Anfang an genau weiß, was auf ihn zu kommt, will er wirklich ganz oben singen. Dazu ist das alles viel zu bekannt. Da hat einer/eine eine hübsche Stimme und die Welt träumt davon, ihn oder sie in möglichst vielen, ach so geliebten Rollen zu sehen und zu hören. Was auch nicht vergessen werden darf, sind die Agenturen, von denen sich die meisten Sänger managen lassen. Wir haben es in der Bekanntschaft erlebt: Hast du die falsche Agentur, nämlich die, die nicht ihre Finger in den größten Häusern hat, kannst du eine große Karrierehoffnung getrost begraben. Hast du gar keine Agentur, wirst du auch kaum die Möglichkeiten bekommen, dort zu singen oder zu spielen, wo es wichtig wäre, um oben anzukommen und "bemerkt" zu werden. Der Abschied von einer guten Agentur kann einen sofortigen Abfall in der Karriere bedeuten - sprich: es gibt weniger bzw. schlechtere Engagements. Agenturen sind vor allem eins: Wirtschaftsunternehmen, die möglichst viel Geld machen wollen. Ich glaube kaum, dass die sich vorrangig mit der Gesundheit der Sänger befassen ....
Letztendlich sehe ich die Dinge immer wieder auf eins zusammenlaufen: Die große Masse will die perfekte Oper, das perfekte Konzert etc. Und dieser (zahlenden!!) Masse muss entgegengekommen werden. Und dann dreht sich doch alles im Kreis: Ein Betrieb wie eine Oper braucht verdammt viel Geld, um bestehen zu können. Inszenierung, Orchester, Sänger sind ja nur ein Teil des Ganzen. Die ja bezahlt werden wollen. Schonung ist bei solchen Abläufen nicht vorgesehen, geht nicht, die Masse der Zuhörer lässt das doch gar nicht zu. Aber wen kümmerst, wenn ein - da wir das Beispiel ja nun diskutiert haben - Rollando Villazon eben nur ein paar Jahre singt, der nächste kommt bestimmt, den man umjubeln kann.
Grenzwertig finde ich auch häufig die Fragen der Öffentlichkeit, "macht der denn "nur" Klassik?" Kein Crossover, Rock, was auch immer? Das spricht nämlich noch mehr Massen an ... die Geld ausgeben dafür, und Konzertsäle füllen. Ja, und wenn sie dann das auch noch singen, ist die Stimme bald im Eimer. Beispiele gibt es dafür ja reichlich.
Irgendwie sehe ich dafür keine Lösung, wenn nicht ALLE etwas zurückschrauben - und mit "Alle" meine ich auch die Rezipientenseite. Das Prinzip ist doch ähnlich wie die leidige Bankengeschichte - wo es was zu holen gibt, da holt man es sich, ohne Rücksicht auf Verluste. :(
Maurice inaktiv (13.04.2013, 21:31): Hallo,Allegra!!
Ich werde gleich zur Sache kommen :
Da gibt es Knebelverträge, viel zu viele Aufführungen in zu kurzer Zeit, möglicherweise nicht besonders angenehme Arbeitsbedingungen
Dann hat der Künstler die falsche Agentur,sorry!!Vor allem ist der Künstler dann einfach unfähig,sich durchzusetzen oder dümmlich-naiv,sorry!!!
Ja, Singen ist ihr Job und ich bezweifle wirklich, daß egal welcher Sänger nicht von Anfang an genau weiß, was auf ihn zu kommt, will er wirklich ganz oben singen.
Hier frage ich mich,was Eltern und Lehrer (oder sollte ich das schöne Wort Pädagoge verwenden?) ihrem Sprössling beigebracht haben.Mein Trompetenlehrer,der 20 Jahre als Solo-Trompeter an einem großen Opernhaus tätig war,hat mich sehr früh über die Bedingungen aufgeklärt,und zwar schonungslos ehrlich und offen!!!!
Dafür bin ich ihm heute noch zu sehr großem Dank verpflichtet.Ich hatte ihn,als ich vor Jahren in der Nähe war,einfach überraschend besucht.Obwohl er,auch rein zufällig,gerade frisch aus dem Krankenhaus entlassen worden war,nahm er sich die Zeit mit mir ein tolles Gespräch zu führen.Vor diesem Mann ziehe ich den Hut bis an das Ende meiner Tage!!!! :down
Grenzwertig finde ich auch häufig die Fragen der Öffentlichkeit, "macht der denn "nur" Klassik?" Kein Crossover, Rock, was auch immer?
Ja,diese Frage würde ich doch auch stellen.Meine Antwort ist klar udn deutlich : Es gibt keine gute oder schlechte Musik,nur gut oder schlecht bezahlte Jobs!!!!
Ich bin Musiker,genauer gesagt,Trompeter.Also kann ich ein breites Feld der Musik abdecken.Warum sollte ich das nicht nutzen?Es ist doch mein Job!!!!Man darf die Nase nicht zu hoch tragen,sonst fällt man verdammt schnell verdammt tief!!!!
Um das aber gleich hier klar zustellen : Ich bin KEIN Berufsmusiker,aber ausübender Musiker,mit gründlicher Ausbildung in Harmonielehre und anderer Musiktheorie,dazu war mein erstes Instrument das Klavier,spiele auch ein ganz klein wenig diverses Schlagwerk.
Wenn ich z.B. etwas angeboten bekomme,es für ok finde und Zeit dazu habe,werde ich es annehmen und spielen.Das kann im Festzeit sein,aber auch Jazz (den ich im Grunde für 4 Bands praktiziere) oder Symphonische Blasmusik,auch mal eine Hochzeit oder Beerdigung.Das ist nämlich der Sinn,wenn man sich als MUSIKER fühlt und nicht als "Künstler mit Star-Allüren.
Und glaube mir,ich versuche jeden dieser Termine ordentlich und gut zu machen!!!Das ist für mich selbstverständlich,denn ich werde dafür bezahlt,und das manchmal nicht mal schlecht.
Alleine durch diese Vielfalt,das entsprechend dosiert,würde gerade einem Sänger doch die Stimme viel länger erhalten.Dazu wäre er (oder sie) finanziell weniger von den großen Häusern abhängig.
Ist jemand von Beginn an flexibel,wird er nicht in eine bestimmte Ecke gedrängt.Dazu kommt,dass er viel glaubwürdiger rüberkommt,als wenn,wie z.B. Herr Quasthoff es gemacht hat,auf einmal "Jazz" (ich lache mich kaputt!!!!Sorry!!!) "singen" will.....
Immerhin hat er sich rechtzeitig zurück gezogen,bevor es nur noch lächerlich wird.So kann man sich auch einen Namen kaputt machen...
Wenn sich hier jetzt jemand fragt,warum ich hier so brutal hart Dinge beschreibe,werde ich auch das gerne beantworten.
Man sollte sich einmal die Mühe machen,in die Orchester von Großbritannien oder den USA genauer hinein zu schauen.Dort findet man oftmals die Vita der einzelnen Orchestermitglieder,bzw. de Solo-Musikern.
Man wird dort genau DAS vorfinden,was man hier erst langsam beginnt zu kapieren.Nämlich,dass Musiker in verschiedenen Bereichen tätig sind.
Hier im deutschsprachigen Raum kommen die wenigsten Musiker auf die Idee,aus der Klassik-Ecke mal rüber ins Musical zu springen und dort zu spielen.Ein Musiker,der studiert hat,sollte das doch können und zur eigenen Horizont-Erweiterung doch tun,oder nicht?
Warum soll ein Streicher nicht eine Tourneé unter James Last machen?Natürlich,der Streicher spielt das mal locker runter,aber Last zahlt mehr als nur anständig.
So könnte ich immer wieder Beispiele bringen....
Übrigens : Ich wollte nicht mein Leben lang immer nur den gleichen Kram auf dem Notenpult liegen haben.Da bin ich froh,wenn ich mal wieder unters Volk komme und jazzen kann (was seit 2 Jahren mein Hauptbetätigungsfeld ist),doch ich bin mir nicht zu schade,mich an freien Abenden oder Tagen in die Blaskapelle zu setzen und 3.Trompete zu spielen,wenn dort mal wieder keine Leute da sind.Das dann sogar ohne Gage,weil ich den Dirigenten sehr schätze.
VG,Maurice
Allegra (14.04.2013, 11:30): Original von Maurice André
Dann hat der Künstler die falsche Agentur,sorry!!Vor allem ist der Künstler dann einfach unfähig,sich durchzusetzen oder dümmlich-naiv,sorry!!! Da gibt es einen kleinen Haken: Es gibt weltweit, soweit ich weiß, kaum mehr als drei vier wirklich gute fundierte Agenturen. Und da kann niemand einfach hingehen und sagen "nehmt mich mal, ich bin toll". Man muss empfohlen werden. Sonst heißt es bei vielen kleineren Agenturen - ab in die Provinz.
Hier frage ich mich,was Eltern und Lehrer (oder sollte ich das schöne Wort Pädagoge verwenden?) ihrem Sprössling beigebracht haben.Mein Trompetenlehrer,der 20 Jahre als Solo-Trompeter an einem großen Opernhaus tätig war,hat mich sehr früh über die Bedingungen aufgeklärt,und zwar schonungslos ehrlich und offen!!!! Jetzt hast du mich , glaub ich, missverstanden. Ich meinte, daß jeder angehende Sänger, der den Drang zu höheren Weihen hat, von Anfang an Bescheid weiß über das, was auf ihn zukommt. Denn das ist wahrlich kein Geheimnis mehr heute.
Ich bin Musiker,genauer gesagt,Trompeter.Also kann ich ein breites Feld der Musik abdecken.Warum sollte ich das nicht nutzen?Es ist doch mein Job!!!!Man darf die Nase nicht zu hoch tragen,sonst fällt man verdammt schnell verdammt tief!!!! Mit Verlaub: ES gibt aber einen Unterschied zwischen einem Instrumenten-Musiker und einem Sänger, der als Instrument "nur" seine Stimme, sprich, zwei kleine Muskel hat. Trainiere einen Muskel falsch und das kann lebenslange Auswirkungen haben. Die Anforderungen der verschiednen Musikrichtungen sind nunmal unterschiedlich - deshalb wirst du auch nie einen reinen Popsänger mal eben in der Oper hören können. Umgekehrt vielleicht schon. Mich erinnert das Stimmtraining ein bisschen an Ballett: Du kannst nicht zwischendurch einfach eine andere Sportart ergreifen, die Muskeln auf eine andere Weise trainieren und dann ins Ballett zurückkehren. Das erfordert wiederum exorbitantes Training. Und dummerweise werden wir alle älter und nicht unbedingt frischer mit den Jahren, womit ein ständiges Hin und Her nicht mehr unbedingt ausgebügelt werden kann.
Um das aber gleich hier klar zustellen : Ich bin KEIN Berufsmusiker,aber ausübender Musiker,mit gründlicher Ausbildung in Harmonielehre und anderer Musiktheorie,dazu war mein erstes Instrument das Klavier,spiele auch ein ganz klein wenig diverses Schlagwerk.
Wenn ich z.B. etwas angeboten bekomme,es für ok finde und Zeit dazu habe,werde ich es annehmen und spielen.Das kann im Festzeit sein,aber auch Jazz (den ich im Grunde für 4 Bands praktiziere) oder Symphonische Blasmusik,auch mal eine Hochzeit oder Beerdigung.Das ist nämlich der Sinn,wenn man sich als MUSIKER fühlt und nicht als "Künstler mit Star-Allüren. Find ich toll, daß es Leute wie dich gibt! Die höre ich ja auch zu gern. Aber wie gesagt, da gibt es doch Unterschiede gerade zu den Sängern. Ich will sie nicht völlig in Schutz nehmen, sicher gibt es da - bekannte - Auswüchse, die nicht sein müssten.
Und glaube mir,ich versuche jeden dieser Termine ordentlich und gut zu machen!!!Das ist für mich selbstverständlich,denn ich werde dafür bezahlt,und das manchmal nicht mal schlecht. Das setze ich im Normalfall auch bei jedem Sänger voraus. Ich habe mir gestern aus Interesse mal ein Schedule eines Sängers für das nächste Jahr angesehen - und mich gefragt, wann der Mann eigentlich mal im eigenen Bett schläft ... Und bei dem Jetset-Leben sollst du noch fröhlich, bescheiden, fleissig und bitte mit 150%igem Einsatz singen? Quer durch Europa, Russland, USA, Asien? Ich wäre nach spätestens drei Wochen am Rande eines Nervenzusammenbruchs! Von erwarteter Leistung mal ganz abgesehen.
Ist jemand von Beginn an flexibel,wird er nicht in eine bestimmte Ecke gedrängt. Genau das kommt eben nicht so ganz hin, wegen der unterschiedlichen Anforderungen. Ich erinnere mich da sehr wehmütig an Peter Hofmann, um nur ein Beispiel zu nennen. Interessant dazu ist auch das Interview mit Jonas Kaufmann, auf seiner HP zu finden. Sie singen alle auch "etwas anderes" - warum auch nicht. Die Frage ist, worauf die eigentliche Konzentration liegen sollte und was ich als Sänger will im Leben. Singen, egal, was di eLeute wollen? Oder DIE Rolle in XY verkörpern und dafür den roten Teppich zu betreten?
Hier im deutschsprachigen Raum kommen die wenigsten Musiker auf die Idee,aus der Klassik-Ecke mal rüber ins Musical zu springen und dort zu spielen.Ein Musiker,der studiert hat,sollte das doch können und zur eigenen Horizont-Erweiterung doch tun,oder nicht? Warum soll ein Streicher nicht eine Tourneé unter James Last machen?Natürlich,der Streicher spielt das mal locker runter,aber Last zahlt mehr als nur anständig. Sei mir nicht bös - ich sehe das nicht ganz so einfach. Leider herrscht immer noch das elitäre Denken vor (wobei die Frage offen bleibt, wer letztlich die Verantwortung dafür trägt), daß du als Musiker eines renommierten Orchesters dir schon vertraglich nicht einfach so die Freiheit nehmen kannst, mit James Last durch die Lande zu ziehen, um bei dem Beispiel zu bleiben. Ich sehe da auch ein reines Zeitproblem ... :wink
Allegra (14.04.2013, 11:31): Noch was: Ist hier eigentlich kein Sänger, der mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern könnte?? :P
Maurice inaktiv (14.04.2013, 12:40): Mit Verlaub: ES gibt aber einen Unterschied zwischen einem Instrumenten-Musiker und einem Sänger, der als Instrument "nur" seine Stimme, sprich, zwei kleine Muskel hat. Trainiere einen Muskel falsch und das kann lebenslange Auswirkungen haben. Die Anforderungen der verschiednen Musikrichtungen sind nunmal unterschiedlich - deshalb wirst du auch nie einen reinen Popsänger mal eben in der Oper hören können. Umgekehrt vielleicht schon. Mich erinnert das Stimmtraining ein bisschen an Ballett: Du kannst nicht zwischendurch einfach eine andere Sportart ergreifen, die Muskeln auf eine andere Weise trainieren und dann ins Ballett zurückkehren. Das erfordert wiederum exorbitantes Training. Und dummerweise werden wir alle älter und nicht unbedingt frischer mit den Jahren, womit ein ständiges Hin und Her nicht mehr unbedingt ausgebügelt werden kann.
Ach,gibt es den?Der Instrumenalist könnte mit den Zähnen Probleme kriegen,oder sich durch welche Gründe auch immer andere Verletzungen/Krankheiten zuziehen,z.B. wie damals Jaqueline Du Pré.
Muss ein Instrumenalist nicht ebenso sich damit befassen um in anderen Stilen Fuß zu fassen?Weißt Du,wie groß alleine der Unterschied alleine nut stilistisch zwischen einer New Orleans-Band und einer Swing-Band ist?Etwa so groß wie zwischen der Interpretation eines Barock-Stückes und einem Stück aus der Spätromantik....
Das setze ich im Normalfall auch bei jedem Sänger voraus. Ich habe mir gestern aus Interesse mal ein Schedule eines Sängers für das nächste Jahr angesehen - und mich gefragt, wann der Mann eigentlich mal im eigenen Bett schläft ... Und bei dem Jetset-Leben sollst du noch fröhlich, bescheiden, fleissig und bitte mit 150%igem Einsatz singen? Quer durch Europa, Russland, USA, Asien? Ich wäre nach spätestens drei Wochen am Rande eines Nervenzusammenbruchs! Von erwarteter Leistung mal ganz abgesehen.
Das hat ein Instrumental-Solist ebenfalls....Allerdings kenne ich das Leben aus dem Koffer noch zu meiner Bundeswehr-Zeit im Musikkorps.Ich wollte das nicht mein Leben lang machen....
Sei mir nicht bös - ich sehe das nicht ganz so einfach. Leider herrscht immer noch das elitäre Denken vor (wobei die Frage offen bleibt, wer letztlich die Verantwortung dafür trägt), daß du als Musiker eines renommierten Orchesters dir schon vertraglich nicht einfach so die Freiheit nehmen kannst, mit James Last durch die Lande zu ziehen, um bei dem Beispiel zu bleiben. Ich sehe da auch ein reines Zeitproblem ...
Falsch!!Das geht ganz ausgezeichnet.So etwas wird vorher alles vertraglich festgehalten.Der Last oder Udo Jürgens bekommt genau die Leute,die er haben will.Man sollte aber erwähnen,dass natürlich für jede Position mehrere Optionen zur Verfügung stehen.Dafür wird schon gesorgt.
Der betreffende Musiker wird dann freigestellt,sein Gehalt wird quasi an die Aushilfe weitergeschoben,und der freigestellte Musiker wird für die Tournee entsprechend bezahlt.....
Wer ist denn für "elitäres Danken" verantwortlich?Am wenigsten der Künstler selbst....
Ich möchte nicht wissen,wie viele Leute in die Oper gehen,aber überhaupt keine Ahnung haben,was sie dort überhaupt sollen.Wenn ich sehe,wer in Bayreuth da immer einfährt,lache ich mich kaputt.Die könnten auch den Nachwuchs aus der Opernschule auf die Bühne schicken,die meisten "Zuhörer" würden nicht mal den Unterschied hören zu einem Elite-Ensemble....
Ich weiß,das ist wieder starker Tobak auf die empfindlichen Klassikerseelen,aber das ist im Jazz heute auch nicht mehr viel besser....
Ich möchte auch betonen,dass ich natürlich extrem überspitzt hier schreibe,und damit durchaus ein wenig provozieren möchte.
Natürlich gibt es auch in allen Bereichen Leute,die sich tatsächlich dafür interessieren und entsprechend "präpariert" ins Konzert oder in die per gehen.
VG,Maurice
golioni (28.04.2013, 11:00): Original von Maurice André
Juan Diego Florez etwa sollte in London sein Rollen-Debüt in Giacomo Meyerbeers "Robert le Diable" geben – und entschied sich kurzfristig dagegen. Ebenso Jonas Kaufmann in der Killer-Partie des Énée in Berlioz' "Les Troyens". Auch Mezzo-Sopranistin Elina Garanca cancelte kürzlich ihr Cassandra-Debüt an der Deutschen Oper Berlin – mit der Begründung, die Rolle käme für sie nun doch nicht zur rechten Zeit. Anna Netrebko zog sich in Baden-Baden von der – eigentlich leichten – Partie der "Figaro"-Gräfin wieder zurück, weil sie, wie sie jetzt gemerkt habe, doch nicht zur eigenen Stimme passe. Hatte sie die Rolle zuvor nicht einmal angesehen?
Beide Zitate stammen aus "Die Welt",Opernkrise-Was ist bloß mit den Starsängern los?
Aus meiner Sicht spricht das nicht gerade für die Sänger,die Verträge unterschrieben haben,diese aber schlichtweg ingnorieren.
Auch frage ich mich,warum sie Rollen annehmen,denen sie offensichtlich nicht gewachsen sind.Das sind völlig unprofessionelle Einstellungen,die sich kein Orchestermusiker erlauben würde.
Da frage ich mich schon,ob die überhaupt vor der Vertragsunterschrift schon einmal ihre Parts gesehen haben.
VG,Maurice
Mich erstaunt es ein wenig,dass in der "Welt" so unseriös recherchiert wird. Wenn man sich nicht ganz doof anstellt ist es mit Google eine Sache von nicht mal 5 min das hier zu finden: I was contacted by the Royal Opera House for Robert Le diable as early as 2007 (Report, 14 March). During 2008 (four years before the premiere), I received the score, took a close look and decided that the role was a bit heavy for me, all in 2008. I told the ROH I was not going to do it. I did not have any contract nor agreement with the ROH to do Robert le diable and was out of the picture four years before this production took place. Juan Diego Flórez Vienna, Austria
Das Zitat ist ein Brief an den Guardian vom 15.3, also fast ein Monat vor dem fragwürdigen Artikel in der Welt.
ar (28.04.2013, 17:43): Es gibt doch den Unterschied, dass man als Sänger nur EIN Instrument hat und dieses Teil des Körpers ist. Es zweifelt niemand daran, dass sich auch ein Instrumentalist ein Köroerteil zur Sau machen kann und dann ist der Beruf futsch. Aber das Instrument per se kann bei einem Instrumentalist kaput gehen, während wir Sänger eigentlich dann aufhören könnnen. Zudem ist es so, dass wir Sänger eine Verkrampfung im Fuss bereits auf der Stimme hören und bemerken (das ist bewusst spitz formuliert) und das ist in etwa damit vergleichbar, wie wenn sich dein Instrument als Geiger an einem Rag konsequent nicht stimmen lässt (wie gesagt, überspitzt). Dies entschuldigt meines Erachtens aber wirklich nich das Verhalten eines Villazon oder bedingt auch einer Natalie Dessay: diese Stimmen sind nun einmal irreparabel beschädigt und ein Geiger geht auch nicht jahrelang mit einem beschädigten Instrument auf die Bühne. Noch zu den Absagen: nun ja, du kannst als Sänger nicht voraussagen wie du in 5 Jahren singst und musst da wirklich ein bisschen raten. Das finde ich genauso blöd wie du auch, Maurice, aber du kannst soche Angebote nicht ablehnen. Und eine zeitige Absage finde ich jetzt nicht sooo schlimm. Ich nehme der Netrebko die Contessa-Absage nicht übel (übrigens ne sauschwere Partie) LG ar
Maurice inaktiv (28.04.2013, 20:34): Noch zu den Absagen: nun ja, du kannst als Sänger nicht voraussagen wie du in 5 Jahren singst und musst da wirklich ein bisschen raten.
Ein Bläser weiß auch nicht,ob er/sie in fünf Jahren noch Zähne oder bereits ein Gebiss hat,was nur Probleme macht....
Ich nehme der Netrebko die Contessa-Absage nicht übel (übrigens ne sauschwere Partie
Da die Kartenpreise mit Sicherheit deshalb nicht sinken,ICH dann schon.Die Leute kommen ja nicht wegen des Ersatzsängers,sondern weil SIE dort angekündigt worden ist.
Das gab es früher im Jazz auch,wenn man wieder mal eine All Star-Band mit gewissen Musikern angesagt war,aber dann davon ein Teil nicht mit dabei ist,und das Ganze nicht mehr so harmonisch klingt,bekomme ich keinen Cent zurück,aber muss fast immer Einbußen in der Qualität machen.Sowas mag ich als Zuhörer überhaupt nicht.
Fairy Queen (29.04.2013, 08:08): Lieber Maurice, die Tatsache dass du die Figaro-Gräfin als ziemlich leichte Partie bezeichnest, spricht nciht gerade für eine profunde Kenntnis in Sachen Gesang und ohne eine solche solltest du vielleicht ab und an ein bisschen vorsichtiger mit deinen Urteilen sein. Provokation hin oder her. AR hat vollkommen Recht: ein Sânger hat im Gegensatz zum Instrumentalisten kein Instrument sondern er IST sein Instrument und das ist ein gewaltiger Unterschied. Ein Sänger ist gleichzeitig sein eigenes Instrument und der Stimmer und Interpret dieses Instruments . Und dabei geht es nicht nur um zwei Muskel, die Stimmbänder, die sind lediglich die Vibratoren wie die Saiten einer Gitarre sondern um den gesamten Ventilations- und Resoanzapparat, sprich den ganzen Körper. Um den "Ausdrucks- und Intepretationsapparat" sprich die Psyche und um die geistige Kapazitât und Präsenz. (Auswendiglernen der Rollen, Sprachen lernen etc.) Der Gesang umschliesst den gesamten Menschen und das macht ihn gleichzeitig so interessant und jede Stimme unverwechselbar aber auch leider auch so anfällig für jedwede Störung in irgendeinem der Bereiche. Man hat als Sänger überhaupt keine Distanz zu seinem Instrument und kann das Instrument nciht abends in seinen Kasten sperren wie eine Trompete! Die Trompete bekommt deine Hormonschwankungen und deine diversen Neurotransmitter nicht ab, wenn Du den ganz normalen Wahnsinn des Künstlerlebens lebst, die Stimme bekommt dagegen alles in voller Dröhnung mit. Und bei besonderen Erieignissen positiver oder negativer Art ist die Dröhnung dann noch mal potenziert. Vom Jetlag bis zum Lampenfieber, vom liebeskummer bis zur Schwangerschaft. Ich weiss nicht, wie man in diversen psychosomatischen oder emotionalen Zuständen trompetet, aber ich weiss wie man damit singt bzw nicht singt. Bei Blasinstrumenten ist die Atmung ja ebenfalls entscheidend und das ist zumindest ein gemeinsamer Punkt mit dem Gesang, den Du gewiss gut nachempfinden kannst. Das entschuldigt kein unprofessionnelles oder gar kapriziöses Verhalten diverser Divas oder Divos, aber kônnte evtl etwas Verständnis für kurzfristige Absagen wecken. Absagen können sich im Sängergeschâft eh nur die Stars leisten, alle die zu den niedrigeren Klassen gehören sind sofort ersetzt und kônnen froh sein, wenn sie wieder gebucht werden, so sie nciht in einem festen Ensemble sind. Die Konkurrenz in der Opernbranche ist erschlagend und ausser im Falle der Stars verzeiht diese Branche heute keinerlei Schwäche. Der Druck ist ganz enorm und ich würden niemandem, der nicht eine sehr robuste physische und seelische Gesundheit mitbringt, raten, den Beruf "Opernsänger" zu ergreifen. Es sei denn er/sie ist überdruchschnittlich hochbegabt und oder hat beste Beziehungen. Natürlich ist es entäuschend, nciht den Star zu hören, für den man gekommen ist, aber manchmal sind die Ersatzmänner oder -frauen sogar besser...... :engel Netrebko als Contessa zu verpassen wird jedenfalls kein unersetzlicher Verlust sein :D
F.Q.
Maurice inaktiv (29.04.2013, 10:41): Lieber Maurice, die Tatsache dass du die Figaro-Gräfin als ziemlich leichte Partie bezeichnest, spricht nciht gerade für eine profunde Kenntnis in Sachen Gesang und ohne eine solche solltest du vielleicht ab und an ein bisschen vorsichtiger mit deinen Urteilen sein.
Wo habe ich jemals irgend eine Partie eines Sängers als "leicht" beschrieben?Dann zitiere das bitte,denn das tue ich in der Regel nicht.
Meine "produnde Unsachkenntnis" in Sachen Gesang habe ich nie abgestritten,im Gegenteil.
Allerdings ist die Grundbasis der Atemtechnik die eines Bläsers gleich.
Vielleicht solltest Du,Fairy Queen,erst einmal selbst schauen,dass Du nicht über Deine eigenen Sachen stolperst,die Du gerade hier versuchst mir unter die Weste zu schieben?
Das entschuldigt kein unprofessionnelles oder gar kapriziöses Verhalten diverser Divas oder Divos, aber kônnte evtl etwas Verständnis für kurzfristige Absagen wecken
NEIN,tut es deshalb trotzdem nicht!!Absagen kurzfrsitiger Natur kann ich nur akzeptieren,wenn es rein gesundheitliche Gründe sind,wobei diese leider bei einem Künstler sehr weit dehnbar sind.BESSER macht es die Absage dann aber auch nur begrenzt,wenn man weiß,dass Sänger/in X oder Y dafür bekannt ist,so etwas zu tun.
Wenn ich jedes Mal absagen würde,egal ob kurzfristig oder langfristig,spricht sich das verdammt schnell herum,und ich wäre innerhalb kurzer Zeit als nicht mehr zuverlässig in der Branche unten durch.
Die Trompete bekommt deine Hormonschwankungen und deine diversen Neurotransmitter nicht ab, wenn Du den ganz normalen Wahnsinn des Künstlerlebens lebst
Das ist SO nicht ganz richtig.Die Auswirkungen sind durchaus ähnlich,da das Instrument sich nicht von selbst spielt,wie das beim Klavier z.B. der Fall wäre,da die Tonerzeugung hier völlig anders ist.
Schwangere würden als Bläser vermutlich sofort aufhören müssen mit dem Spielen,gerade bei Blechbläsern,was ich von Kolleginnen bestens kenne.
Hier frage ich mich gerade,wer Anderen keine Ahnung unterstellt,aber selbst von einer Nullnummer in die nächste stolpert.
Sorry,aber wer mir so schräg ankommt,muss mit entsprechenden Gegenantworten rechnen.
Provokation hin oder her
Die ist manchmal nötig,wobei ich nicht unter die Gürtellinie ziele,aber dadurch gerne zur Diskussion auffordere.Du bist dem nachgekommen,das ist doch prima.Sonst wirds hier doch langweilig und eintönig.
Völlig konträre Meinungen sind es doch gerade,die ein Forum lebhaft machen und damit eine Musik am Leben erhalten,die schon so oft als "totgesagt" immer wieder neue Talente und Stars hervorbringt.
Dass diese Stars teiweise eigentlich nur "Sternchen" sind,sich aber wie Diven in bester Hollywood-Manier verhalten,finden wir vermutlich alle als ein großes Ärgernis.
VG,Maurice
satie (29.04.2013, 10:54): Original von Maurice André da das Instrument sich nicht von selbst spielt,wie das beim Klavier z.B. der Fall wäre
Ähm, also das wäre dann ein PIANOLA... :ignore
Maurice inaktiv (29.04.2013, 10:57): Ähm, also das wäre dann ein PIANOLA..
Eine Juke-Box spielt auch von selbst,kleiner Scherzkeks.....
:rofl
Fairy Queen (29.04.2013, 12:59): Anna Netrebko zog sich in Baden-Baden von der – eigentlich leichten – Partie der "Figaro"-Gräfin wieder zurück, weil sie, wie sie jetzt gemerkt habe, doch nicht zur eigenen Stimme passe. Hatte sie die Rolle zuvor nicht einmal angesehen?
Wenn ich Dich damit falsch zitiert habe entschuldige ich mich dafür. Ich habe nicht rechtzeitg erkannt dass das ein Zitat im Zitat war. Pardon. Mea culpa. Davon abgesehen, môchte ich als " von einer Nullnummer zur nächsten Stolpernden" Identifizierte aber nicht weiter mit Dir in diesem Thread diskutieren.
F.Q.
Maurice inaktiv (29.04.2013, 14:18): Wenn ich Dich damit falsch zitiert habe entschuldige ich mich dafür
Kein Ding,geht in Ordnung!!
Davon abgesehen, môchte ich als " von einer Nullnummer zur nächsten Stolpernden" Identifizierte aber nicht weiter mit Dir in diesem Thread diskutieren
Das ist ganz alleine Deine Sache.Doch wer Andere angeht,muss mit deren Kontra rechnen.Und mit Samthandschuhen bist DU auch nicht gerade umgegangen,aber mir macht das nicht viel aus,damit muss ich rechnen.
Schade,dass DU dann aber in der Lage bist,damit nicht umgehen zu können.Also weniger die "Fairy Queen",als die sangesfreudige Diva.
Sollte ich zu heftig ausgeteilt haben,möchte auch ich mich dafür entschuldigen.Doch lese mal durch,was Du geschrieben hast,dafür würdest Du auch nicht gerade den Friedenspreis bekommen.
Schade,dass Madame dann gleich eingeschnappt ist.....
ar (29.04.2013, 15:29): Hm... Und trotzdem bist du nicht dein Instrument. Aber ich sage nicht, dass dein Körper nicht auch intakt sein muss, um deine Topleistung zu erbringen und ich will damit auch nicht sagen, dass es schwerer ist Sänger zu sein, als Instrumentalist (einfach anders). Ich führe solche Diskussionen immer mit Jazz-Trompetern ;)
Um zu deiner Ausgangsfrage zurück zu kommen: leider ja (und das kann ich als Gesangsstudent auch schon beurteilen und das ist eigentlich traurig).
Maurice inaktiv (29.04.2013, 17:22): Um zu deiner Ausgangsfrage zurück zu kommen: leider ja (und das kann ich als Gesangsstudent auch schon beurteilen und das ist eigentlich traurig).
Stimmt.....Schon traurig....Da werden Menschen wie Vieh hin-und her geschoben,man kann auch "verkauft" sagen,ohne dass diese sich wirklich wehren können.
Ich führe solche Diskussionen immer mit Jazz-Trompetern ;)
:beer :hello
Herrlich,Du hast Humor....Schweizer eben.....
Immerhin mit klassischer Ausbildung und Klavier mal ganz am Anfang.Damit kann ich aber nur noch ganze Säle leer spielen.... :D
VG,Maurice
Solitaire (29.04.2013, 18:09): Original von Maurice André Da die Kartenpreise mit Sicherheit deshalb nicht sinken,ICH dann schon.Die Leute kommen ja nicht wegen des Ersatzsängers,sondern weil SIE dort angekündigt worden ist.
Das ist dann aber das Problem der Leute :ignore Natürlich ist es toll, den Lieblingskünstler in einer Partie zu hören, in der man ihn schon lange hören wollte (ich träume seit einiger Zeit von Bryn Terfel als Hans Sachs), dennoch sollte der erste Blick beim Kartenkauf dem Werk, nicht dem Besetzungszettel gelten. Ich zahle im Zweifelsfall für "Figaro", nicht für Anna Netrebko. Mit dieser Haltung setzen Teile des Publikums Sänger noch mehr unter Druck als das ohnehin der Fall ist, und das ist ganz sicher ein Grund, warum Künstler häufig genug NICHT absagem obwohl sie es besser täten. Ich bin nicht vom Fach, aber einer Welle von Absagen geht in vielen Fällen eine lange Zeit vorraus, in der ein Künstler eben nicht klug oder mutig genug war rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Wenn jemandem der Figaro verdorben wäre nur weil Frau Netrebko nicht singt, dann ist das jammerschade, den der "Star" ist immer noch das Werk. Selbst wenn Anna eine Jahrhundertgräfin wäre. Fairys Ausführungen zum Thema der Sänger als sein eigenes Instrument kann ich mich nur anschließen. Ich singe nicht professionell, sondern nur auf Laienniveau, aber selbst hier weiß jeder der es einmal versucht hat, wie sehr Freud, Leid und körperliche Verfassung die Stimme beeinflussen. Selbst als Hobbysopran im Kirchenchor, wieviel mehr dann in der dünnen Luft der Spitzenstars. EDIT Am Karfreitag habe ich nach unserer Schütz-Passion den Evangelisten und Christus (den Sänger :cool ) zufällig dabei belauscht, wie sie sich über die Gegebenheiten an deutschen (Provinz)Opernhäusern unterhalten haben, was sie von befreundeten Kollegen gehört haben und wie froh sie sind, sich für einen Weg außerhalb des Musiktheaters entschieden zu haben. Es klang doch arg nach Haifischbecken...
Solitaire (29.04.2013, 18:16): Sorry, Doppelpost.
Maurice inaktiv (29.04.2013, 18:52): Am Karfreitag habe ich nach unserer Schütz-Passion den Evangelisten und Christus (den Sänger ) zufällig dabei belauscht, wie sie sich über die Gegebenheiten an deutschen (Provinz)Opernhäusern unterhalten haben, was sie von befreundeten Kollegen gehört haben und wie froh sie sind, sich für einen Weg außerhalb des Musiktheaters entschieden zu haben. Es klang doch arg nach Haifischbecken...
Leider ist es auch bei den Instrumentalisten so.......Es gibt natürlich,wie überall,Ausnahmen.
Ich habe am Mittwoch das Vergnügen,mit so einem Kollegen zusammen zu spielen.Hier sind aber die Aufgaben klar verteilt,da gibts dann auch keinen "Futterneid".
Natürlich ist es toll, den Lieblingskünstler in einer Partie zu hören, in der man ihn schon lange hören wollte (ich träume seit einiger Zeit von Bryn Terfel als Hans Sachs), dennoch sollte der erste Blick beim Kartenkauf dem Werk, nicht dem Besetzungszettel gelten.
Das würde ich bedingt gelten lassen.Wenn jemand für einen bestimmten Komponisten ein gewisses Feeling hat,dann aber,warum auch immer,mit einen anderen Ausführenden konfrontiert werde,ist doch logisch,dass man Grund zur Ärgernis hat.
Wenn man damals Louis Armstrong sehen wollte,aber Harry James bekommen hätte,wäre das zwar ebenfalls ein hervorragender Musiker und Trompeter,aber letztendlich auch stilistisch kein Louis Armstrong.
Das ist dann aber das Problem der Leute
Finde ich nicht!!Wer mit gewissen Namen Werbung macht,erwartet dann auch entsprechend diese Leute im Konzert.Ob der Ersatz letztendlich "besser" ist,sei mal dahin gestellt jetzt.
Ich möchte hier die Hobbysänger in keinster Weise schlecht reden.Wir haben hier durchaus ebenfalls sehr gute Sänger,die wunderschöne Stimmen haben und auch singen können.
VG,Maurice
Solitaire (29.04.2013, 19:30): Wenn man damals Louis Armstrong sehen wollte,aber Harry James bekommen hätte,wäre das zwar ebenfalls ein hervorragender Musiker und Trompeter,aber letztendlich auch stilistisch kein Louis Armstrong.
Naja, aber kann man den Unterschied zwischen zwei Jazztrompetern und zwei klassischen Sängern in dieser Form wirklich gleichsetzen? Ich frage aus wirklich Interesse, da ich mich im Jazz nicht besonders gut auskenne. Will sagen: wenn ich (um bei meinem Hans Sachs zu bleiben) Terfel will, aber Pape kriege kann ich sicher sein, daß Pape dem Stil des Komponisten ebenso gerecht wird wie der Kollege. Ich muß also i.d.R. keine Angst haben, einen stilistisch VÖLLIG anderen Hans Sachs zu hören. (Individuelle Vorlieben für ein bestimmtes Stimmtimbre und Art der Darstellung klammere ich jetzt mal aus.) Jazzmusiker stecken nach meiner Vermutung aber nicht in dem strengen stilistischen Korsett eines klassischen Sängers, daher kann der Unterschied hier zwischen zwei Trompetern tatsächlich viel größer sein. Ist klar was ich meine oder rede ich wirr? :wink Und ist das so im Jazz oder oute ich micht gerade in meiner ganzen grenzenlosen Ahnungslosigkeit? :I :wink
Maurice inaktiv (29.04.2013, 21:59): Jazzmusiker stecken nach meiner Vermutung aber nicht in dem strengen stilistischen Korsett eines klassischen Sängers, daher kann der Unterschied hier zwischen zwei Trompetern tatsächlich viel größer sein.
Damit hast Du absolut recht.Ahnungslosigkeit ist kein Problem.Woher soll man das auch wissen,wenn man sich damit nie beschäftigt hat?
In meinem Beispiel ist es so,dass Harry James von Louis Armstrong beeinflusst wurde,natürlich gepaart mit anderen Einflüssen.Letztendlich kommt er aber stilistisch von Armstrong her.
Würde Harry James jetzt quasi einen auf "Armstrong" machen,wäre das dann eher eine Parodie und rein zu Show-Zwecken.Er hätte das übrigens perfekt gekonnt,da Harry James de vermutlich beste WEISSE Jazztrompeter war der späten 1930-er Jahre.
Die Hautfarbe spielte damals eine sehr große Rolle.Wenn ein "Weißer" Jazzmusiker nach "Armstrong" klang,der bekanntlich schwarz war,so war das damals ein sehr großes Kompliment.
Ich wollte das nur erwähnen,weil die Hautfarbe HEUTE völlig egal ist.Damals,im prüden Amerika aber bekanntermaßen ein großes Problem.
So,um den Bogen wieder zu Hans Sachs zu bekommen : In der Klassik steht logischerweise der Komponist weitaus mehr im Mittelpunkt als im Jazz.
Hier versucht man natürlich,sich der Figur so gut als möglich zu nähern,aber auch hier gibt es natürlich durchaus Unterschiede,die dem Fachmann/der Fachfrau sofort auffallen würden.
Es ist übrigens recht interessant,dass der Jazzmusiker sich auch eher auf der Klassiker einstellen kann als umgekehrt.Ein klassischer Musiker ist weitaus unflexibler was Improvisation und Jazzphrasierung angeht.
In Großbritannien oder den USA ist das übrigens ziemlich anders.Dort sind die Musiker weitaus flexibler und besser ausgebildet.Dort spielen die Klassiker oftmals auch in der Bigband oder im Musical mit.
Wenn ich mir da einen Thomas Quasthoff als Jazzsänger vorstelle,graut es mir immer wieder.
VG,Maurice
Ulrica (30.04.2013, 14:37): Hallo, Maurice,
genau mit deinem letzten Satz über T. Q. sagst du etwas, worin ich einen Widerspruch zu Äußerungen vorher sehe.( Abgesehen davon fand ich seinen Jazz - Ausflug gar nicht soo schlecht, da tun sich manche anderen KlassiksängerInnen schwerer, besonders was den stilechten Klang betrifft)
Aber zurück: Vorher sagst du, wenn ich dich richtig verstanden habe, dass SängerInnen wie InstrumentalistInnen in den Stilen flexibel sein sollen. Da meine ich aber, dass die Trompeter weniger Probleme haben dürften als SängerInnen. Ich habe mich dazu vor einem halben Jahr mit einem unterhalten, der auch mehrere Stile abdeckt und auch Beispiele gehört. Dass er das Instrument anders handhaben muss, war weder zu hören noch hat er das gesagt. Armstrongs Form war sicher eine eigene, die nicht so leicht nachzuahmen sein dürfte (auch sein Gesang), aber muss man das? Dabei bekäme sicher kaum einer einen Fuss auf den Boden.
Quasthoff, was immer man zu ihm sagen mag, ist nun in den Stilen weit gefächert gesprungen (als Bariton durchaus kompatibler als ein Sopran i.d.R) und nun bemägelst du genau das?
Bei uns SängerInnen ist es eben anders. Pop/Rock und bis zu einem gewissen Grad Musical erfordern andere Techniken, die nicht unbedingt kompatibel sind. Man kann sich leicht einen Weg in die Klassik zurück verbauen, wenn man sich entschließt, Pop zu machen. Das kann man natürlich, aber die Entscheidung sollte m. E. überlegt sein und der Weg dann konsequent beibehalten werden.
@all Es ist leider wahr, dass es weltweit nur ganz wenige fähige Agenturen gibt, die eben nicht mit Hinspazieren und Vorsingen erreichbar sind. DerAbstand, der zwischen den Stars und den dicht folgenden breiteren Schichten von Sängern/innen, die wahrlich nicht weniger können, aber für mickriges Geld, wenn sie Glück haben, in einem Ensemble mittlerer oder kleiner Größe unterkommen, vom Bussiness m. E. künstlerisch nicht gerechtfertigt hergestellt wurde, ist viel zu groß.
Was sich auf dem Agenturenmarkt sonst tummelt, ist von so unterschiedlicher Qualität und wer oft am meisten lockt, ist gelegentlich gar nicht interessiert, die Leute zu vermitteln, sondern hauptsächlich für die Vorsingen abzukassieren. Dafür übernehmen die durchaus hoffnungsvollen Talente oft Reisen um die ganze Welt in Kauf. Bodenlos! Es fehlt ein roter Faden für die BerufsanfängerInnen.
Der Artikel hat in zwei Punkten Rrecht: Ensemblepflege, die m. E. für einen soliden künstkerischen Guss eines Hauses gut ist, wird zunehmend durch Spardiktate erschwert (wer will schon von 1100,-€ höchstens im Monat leben und dabei so gut wie toujours für alles Möglcihe bereitsstehen? - Sie machen es trotzdem) und dem Vergleich mit historischen Gegebenheiten, die einen soliden Karriereaufbau mehr begünstigt haben, indem man der Entwicklung einer Stimme mehr Raum gab und dann langhaltende Karrieren mit einem Entwicklungsende oft im schweren Fach hatte, die letzteres dann auch durchstehen konnten.
Zu früh zu schwer ist ein absoluter Killer, jedoch achtet das schnellebige Bussiness darauf nicht. Da quälen sich einige, die sonst wirklich klasse sind, viel zu früh oder überhaupt unpassend durchs Wagnerfach und sind vorzeitig niedergesungen. Frage man hier nach der Krise im Verdi - und Wagnergesang.
Ich weiß zumindest, wie sich eine Ortrud-Partie und (in Teilen) Brünhilden - Passage anfühlt und kann nur sagen: Wenn das nicht auf Anhieb schmerzlos klappt, erstmal wochenlang liegenlassen. Ich denke, dass es sich heute kaum mehr jemand leisten kann, diese Zeit aus dem Beruf heraus sich zu gewähren.
LG Ulrica
Maurice inaktiv (30.04.2013, 16:08): Quasthoff, was immer man zu ihm sagen mag, ist nun in den Stilen weit gefächert gesprungen (als Bariton durchaus kompatibler als ein Sopran i.d.R) und nun bemägelst du genau das?
Nein,ich habe das Ergebnis kritisiert.Man sollte nicht zu schnell sich ins Studio bewegen,um Sachen aufzunehmen,die für ihn einfach viel zu früh kamen.Quasthoff selbst habe ich als KLASSISCHEN Sänger absolut geschätzt,als JAZZSÄNGER ist er aber mMn so fehl am Platze wie Louis Armstrong als Wagner-Sänger.
Ich habe mich dazu vor einem halben Jahr mit einem unterhalten, der auch mehrere Stile abdeckt und auch Beispiele gehört. Dass er das Instrument anders handhaben muss, war weder zu hören noch hat er das gesagt.
Er wird als Jazzer viel "dreckiger" spielen,denn als Klassiker.Man würde sonst sofort hören,dass hier ein eher klassisch spielender Trompeter zu hören ist.
Das ist jetzt mal ganz grob vereinfacht geschrieben.Ich versuche einmal zwei Beispiele zu bringen :
Der großartige Trompeter Wynton Marsalis,ein in New Orleans geboren und aufgewachsen,sein Vater und Brüder sind alle Jazzmusiker-und Lehrer geworden (sein Vater ein führender Pädgoge),wurde 1982 als bester KLASSISCHER und JAZZTROMPETER ausgezeichnet.
Die Jazzer fanden und finden ihn heute aber oftmals zu "akademisch" spielend beim Jazz (er ist in der Lage,verschiedene Jazzstile perfekt zu spielen).
Die Klassiker haben es bedauert,dass er sich dann weitaus mehr dem Jazz zugewandt hat.
Für MICH ist er einfach ein absoluter Ausnahmemusiker,über den man sicher im Jazzbereich gewisse Vorbehalte haben kann,aber die sind,im Gesamtumfang betrachtet,einfach nur Erbsenzählerei.
Dann gibt es noch den Ausnahme-Trompeter aus Kuba,Arturo Sandoval,der so perfekt Trompete spielen kann,dass er die ganze Bandbreite das Jazz beherrscht,darüber hinaus ein modernes klassisches Trompetenkonzert geschrieben und eingespielt hat,dazu weitere bekannte Trompetenkonzerte.
Doch bei ihm hört man an seinem Ton,der letztendlich "schärfer" ist als der eines rein klassischen Trompeters,dass er in diesem Bereich eben NICHT sein Geld verdient,sondern einfach diese Musik ebenfalls sehr schätzt.
Hier die beiden von mir erwähnten Alben dazu,damit man sich wenigstens optisch einen Eindruck verschaffen kann :
Hier die preisgekrönte Aufnahme von,glaube ich,1982 auf Sony. Wynton Marsalis spielt Trompetenkonzerte von Joseph Haydn,Leopold Mozart und Johann Nepomuk Hummel.
Hier Arturo Sandoval mit seiner Klassik-CD.Mit Leopold Mozart und Johann Nepomuk Hummel finden man zwei Stücke,die man als Vergleich dieser beiden Musiker anhören kann.Dazu kommt das modernere Arutiunian-Trompetenkonzert und sein eigenes Trompetenkonzert.
Ich habe letztere CD auch erst seit eher kurzer Zeit,so dass ich selbst noch keinen Vergleich habe machen können.
Zu früh zu schwer ist ein absoluter Killer, jedoch achtet das schnellebige Bussiness darauf nicht
Wozu auch?Heute zählt nur das "amerikanische System".Machts der Eine nicht,kommt der Nächste dran.Wir haben ja genug in der Ausbildung. :S
Ich habe den bösen Smiley extra dazu gesetzt,bevor man mich hier falsch versteht.
Bei uns SängerInnen ist es eben anders. Pop/Rock und bis zu einem gewissen Grad Musical erfordern andere Techniken, die nicht unbedingt kompatibel sind. Man kann sich leicht einen Weg in die Klassik zurück verbauen, wenn man sich entschließt, Pop zu machen. Das kann man natürlich, aber die Entscheidung sollte m. E. überlegt sein und der Weg dann konsequent beibehalten werden.
Das ist beim Jazz auch nicht ganz so einfach.Ok,hier ist der Sprung hin zum Musical weniger das Problem,aber ich merke es schon sehr,wenn ich nach einem Jazz-Auftritt (oder umgekehrt) einem Orchesterauftritt auf Kommando "umschwenken" soll.
Ich würde mir auch niemals ein Haydn-Trompetenkonzert mehr zumuten als Ausführender.Rein TECHNISCH ist das weniger das Problem,aber TONLICH würde es grausam klingen,obwohl ich mir meinen relativ "klassischen" Ton erhalten habe.
VG,Maurice
Severina (01.05.2013, 00:45): Lieber Maurice,
ich habe mir jetzt Fairys Beitrag dreimal durchgelesen, um einen Grund für Deinen aggressiven Ton ihr gegenüber zu finden, bin aber jetzt so ratlos wie zuvor. In ihrem ersten Satz bezeichnet sie Dich fälschlicher Weise als Urheber eines Zitats, dafür hat sie sich entschuldigt, der Rest ist eine sehr sachliche Darlegung, warum ein Sänger eben nicht 1:1 mit einem Instrumentalisten verglichen werden kann. Du sagst selber wiederholt (in diversen Threads), dass Du mit Oper nicht viel am Hut und vom Singen nicht viel Ahnung hast, gerätst aber sofort in Harnisch, wenn dann jemand mit etwas mehr Ahnung Deine diesbezüglichen Behauptungen in Frage stellt oder kritisiert. Fairy ist weder ein Sensibelchen, noch eingeschnapt, sie sieht nur auf dieser Basis wenig Sinn in einer Fortsetzung dieser Debatte, und das kann ich gut nachvollziehen.
Natürlich besteht ein Unterschied, ob Du selber das Instrument bist oder es "nur" spielst - Du siehst hoffentlich an den Anführungszeichen, dass damit keine Wertung verbunden ist - beides erfordert eine lange Ausbildung, Können, Professionalität. Aber: Wenn ein Instrumentalist krank antritt, erbringt er wahrscheinlich nicht seine übliche Leistung (also nur passabel anstatt sehr gut), aber seine Geige/Trompete oder was auch immer geht deswegen nicht kaputt und wenn er seine Grippe/Kehlkopfentzündung etc. ausgeheilt hat, spielt er genauso gut wie vorher. Stimmbänder hingegen können irreparabel geschädigt werden, wenn der Sänger trotz einer Erkrankung auf die Bühne geht (Siehe Villazón), er kann sich nicht neue Stimmbänder kaufen so wie Du eine neue Trompete, wenn die alte unbrauchbar geworden ist.
Du sagst, dass Du auch nicht weißt, ob Du in 5 Jahren noch Deine Zähne hast und somit in der Lage sein wirst, Dein Instrument optimal zu spielen. Nur ist die natürliche Veränderung einer Stimme nicht gleichbedeutend mit einer Katastrophe, die Dich generell an der Ausübung des Berufs hindert. Man kann ja immer noch singen, nur halt nicht die ursprünglich anvisierte Partie. Musst Du auch Verträge 5 Jahre im Voraus abschließen? Musst Du auch jetzt schon wissen, welches neue Stück Du in 5 Jahren fehlerfrei spielen kannst? Verändert sich Dein Mund (Sorry, ich weiß, dass das blöd klingt, aber als Laie weiß ich nicht, wie ich das bezeichnen soll: Lippenansatz o.ä.??) innerhalb von 5 Jahren in dem Maße, wie sich eine Stimme verändert? (Das frage ich nicht provokativ, sondern ganz ernsthaft - ich weiß es nämlich nicht!) Ein Sänger kann nur ahnen, wie sich seine Stimme weiter entwickeln wird, und oft erweist sich diese Ahnung als falsch. Man sagt z.B., dass mit ca. 35 Jahren die Koloraturfähigkeit, die Leichtigkeit in der Höhe abnimmt, aber das ist ein Richtwert. Bei manchen beginnt dieser Abbau schon viel früher, bei manchen sehr viel später, auch das Ausmaß ist ganz verschieden.
Schließlich noch zu Deiner Meinung, ein Musiker/Sänger müsse/solle alle Genres bedienen. Entschuldige, aber das erscheint mir mehr als realitätsfern. Ein klassischer Opernsänger mit Mikroport auf einer Musicalbühne? Ein Bläser der Wr. Philharmoniker als Konzertbegleiter von Udo Jürgens? Wieso sollte er das überhaupt wollen? Erwartest Du von einem akademischen Maler auch, dass er zwischendurch Verkehrsschilder malt oder Deine Türen streicht? (Das wäre in etwa der Unterschied zwischen einem Opernsänger und einem Schlagerfuzzi im Bierzelt!)
Was die in der Tat sich häufenden Absagen betrifft, so habe ich schon oft gesagt, dass für mich ein wesentlicher Grund dafür bei youtube zu suchen ist. Ein Sänger darf sich heute keinen Fehler erlauben, denn der verkrachte Ton ist noch gar nicht richtig verklungen, wird er schon durchs www gejagt, hämisch kommentiert und das baldige Karriereaus prophezeit. Wenn ich als Sänger spüre, dass ich das C heute wahrscheinlich nicht drauf habe - und das hängt in der Tat oft von der Tagersverfassung ab - würde ich auch sicherheitshalber absagen, bevor ich mich weltweit zerreißen und verhöhnen lasse. Früher ging ein Sänger das Risiko, eine eher suboptimale Leistung zu erbringen, meist ein (Professionalität vorausgesetzt!), weil die Resonanz auf sein Scheitern regional begrenzt war. Wenn die Callas an der MET einen schlechten Abend hatte, interessierte das in Mailand oder London keinen Menschen, weil man es meist auch gar nicht erfuhr. Wenn heute ein Sänger versagt, weiß das zwischen hier und Timbuktu jeder, der es wissen will, und vor seinem nächsten Auftritt lauert das gesamte www gebannt (und ein erklecklicher Teil schadenfroh!), ob er's diesmal bringt. Da braucht man wohl Nerven wie Drahtseile, um diesem Druck standzuhalten. Das ist auch ein Grund, warum ich youtube weitgehend ignoriere - diesem Voyeurismus will zumindest ich nicht Vorschub leisten.
Den Rest hat Solitaire auf den Punkt gebracht: Mit dem Kauf einer Eintrittskarte erwirbst Du Dir das Recht auf ein bestimmtes Werk, aber nicht auf bestimmte Sänger. Natürlich ist es traurig, wenn man sich auf Künstler freut und die dann absagen, aber das ist das Risiko eins Opernfans. Und MIR ist es ehrlich gesagt lieber, mein "Liebling" sagt ab, als dass ich den ganzen Abend mitzittern und mitleiden muss. Eine Vorstellung kann nämlch zur Qual werden, wenn man schon bei den ersten Tönen von XY deutlich spürt, dass das heute eine Tour de force werden wird und man vor jeder heiklen Passage ein Stoßgebet zum Himmel schickt.
lg Severina :hello
Maurice inaktiv (01.05.2013, 07:51): Stimmbänder hingegen können irreparabel geschädigt werden, wenn der Sänger trotz einer Erkrankung auf die Bühne geht
Das ist sicher das Hauptargument,was ich vermutlich unterschätzt habe.Da gebe ich Dir recht.Musst Du auch Verträge 5 Jahre im Voraus abschließen? Musst Du auch jetzt schon wissen, welches neue Stück Du in 5 Jahren fehlerfrei spielen kannst?
Da ich kein Profi bin-NEIN!!!Letzteres ist im Unterhaltungsbereich (wo ich den Jazz jetzt mal hinstelle) weitaus schwieriger als in der Klassik.Ich bekomme oftmals die Stücke auf dem Podium das erste Mal in die Hand.Wenn ich viel Glück habe,kenne ich es,wenn nicht,muss ich mich am Harmoniegerüst orientieren.
In der Unterhaltungsmusik wird oftmals perfektes Blattspiel als selbstverständlich vorausgesetzt.Und wenn Du Sänger begleiten musst,bekommst Du irgendwelche handgeschrieben Arrangements,die kein Mensch lesen kann,Du sollst das aber sofort spielen können.
Man bekommt maximal eine Verständigunsprobe,wo kurz und knapp die wichtigsten Stellen angespielt werden,das wars dann.
Verändert sich Dein Mund (Sorry, ich weiß, dass das blöd klingt, aber als Laie weiß ich nicht, wie ich das bezeichnen soll: Lippenansatz o.ä.??) innerhalb von 5 Jahren in dem Maße, wie sich eine Stimme verändert?
Das klingt nicht blöde,aber so etwas ist möglich.Nicht extrem,aber möglich.In der Regel wird einem Bläser das nicht passieren,denn die Muskulatur ist entsprechend aufgebaut.
Würde man nun das Mundstück anders ansetzen,ginge das in etwa so aus,wie wenn der Sänger Stimmbandprobleme haben würde.
Mir ist einmal notgedrungen passiert,dass ich das Ansetzen unfreiweillig verändern musste,als ein minimales Stück Zahn abgebrochen ist,ich es aber zunächst nicht festgestellt habe.
Durch das fehlende Teilchen konnte ich nicht mehr so ansetzen,wie ich es gewohnt war.Ich hatte dann einige Zeit damit zu kämpfen,den Ansatz so auszurichten,dass ich wieder wie zuvor spielen konnte.
Man sagt z.B., dass mit ca. 35 Jahren die Koloraturfähigkeit, die Leichtigkeit in der Höhe abnimmt, aber das ist ein Richtwert
Man könnte dies bei einem Bläser ähnlich beschreiben,hier würde ich aber das Alter auf ca. 40-45 Jahre setzen.Ab diesem Zeitpunkt beginnt es eventuell wehzutun,beginnend mit der schwerer erreichbaren Höhe,der Ausdauer,usw.
Hier wird sich dann zeigen,wer zuvor so überlegt geübt und gelebt hat,dass er dieses Abnehmen an Kraft oder Ausdauer nach Hinten wegschieben kann.
Hier kommt man dann an seine Grenzen.Wer dann 10,20 Jahre Solo-Trompeter an einem Opernhaus war,versucht dann,sich auf die zweite Stimme zurück zu ziehen,um einem Jüngeren Platz zu machen.
Das ist natürlich nur sehr grob beschrieben jetzt.Als bestes Gegenbeispiel könnte man jetzt den kürzlich verstorbenen Adolph "Bud" Herseth erwähnen,der beim Chicago Symphony Orchestra noch 2001 mit knappen 80 Jahren Solo-Trompeter war.Damals war er mit Daniel Barenboim hier in Deutschland unterwegs,wo man Mahlers Fünfte aufführte.
Durch Youtube kann man sehen und hören,wie er selbst in diesem Alter seinen Solopart noch immer vorzüglich spielen konnte.
Ein Bläser der Wr. Philharmoniker als Konzertbegleiter von Udo Jürgens? Wieso sollte er das überhaupt wollen?
Nur mal an Rande erwähnt : Gerade Udo Jürgens konnte es sich erlauben,die besten Musiker für seine Tourneen zu verpflichten!!Da hatten Musiker aus bekannten Rundfunkanstalten Verträge,die ihnen ermöglichten,bei allen Tourneen dieses übrigens in meinen Augen und Ohren ganz hervorragenden Künstlers,zu spielen.
Warum sie das machen?Weil man dort ein Vielfaches von dem verdienen kann,was man sonst als Gehalt in die Tasche steckt,gerade bei Rundfunkanstalten.
Bei James Last ist das ähnlich.Auch er hat einen Pool an Musikern,aus dem er schöpfen kann.
Hugo Strasser,den man durchaus noch kennen könnte,hat z.B. seine Leute auf "selbstständiger Basis" verpflichtet,was ich von seinem ehemaligen ersten Trompeter direkt weiß.Damit konnte der sehr gut leben.....
Den Rest hat Solitaire auf den Punkt gebracht: Mit dem Kauf einer Eintrittskarte erwirbst Du Dir das Recht auf ein bestimmtes Werk, aber nicht auf bestimmte Sänger
Da bin ich völlig anderer Meinung.Wenn man mit berühmten Künstlern Werbung macht,dazu entsprechende Eintrittspreise verlangt,sollten dann auch diese Künstler spielen und singen.
Extrem formuliert,müsstest Du,nach Deiner Aussage,auch dann zustimmen,wenn anstatt der Wiener Philharmoniker das Jugend-Sinfonie-Orchester ders Bundeslandes Niederösterreich auftauchen würde.Na,da möchte ich DICH mal erleben!!!
Sorry,der Vergleich ist natürlich jetzt von mir besonders extrem geschrieben,aber Deinen Worten nach,wäre das ja in Odnung,weil die dann eben Beethovens Dritte spielen würden....
Erwartest Du von einem akademischen Maler auch, dass er zwischendurch Verkehrsschilder malt oder Deine Türen streicht?
Wenn er damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann,mit seiner Malerei aber nicht,würde ich das durchaus befürworten.Wenn man aber zu elitär denkt,wird der Maler zu stolz dafür sein,und lieber in Armut sterben,als sich auf diese ach so seichte Niveau herunter zu begeben.
Natürlich wird der Maler daran keine Freude haben,aber immerhin ein gesichertes Einkommen und ein sicheres Dach über dem Kopf.
Weißt Du,wie viele hervorragende Musiker in den Staaten für fast nichts in einer Kneipe Dinnermusik spielen,um was zu Essen im Magen zu haben?Vermutlich nicht....Ich auch nicht,bis mir das jemand gesagt hat,der immer so 3-4 Monate drüben ist,weil er dort in dieser Zeit studiert und sein Leben finanzieren muss.
Schließlich noch zu Deiner Meinung, ein Musiker/Sänger müsse/solle alle Genres bedienen.
Ich schrieb nicht von ALLEN Bereichen,sondern von Flexibilität.Allerdings fällt das doch bei vielen Künstlern weg,weil sie es weder wollen noch können.
Was meinst Du,was ein Bigband-Trompeter alles für Felder abdecken muss?Das geht von der Begleitung diverser Faschings-Sitzungen bis hin zum Avantgarde-Projekt mit Rappern oder Therd Thream-Music a la Steve Reich,Musical a la Andrew Lloyd Webber (was wirklich grauenhaft ist).
An solchen Aufgaben würden einige Orchestermusiker der Klassik mit Pauken und Trompeten scheitern,glaube mir das mal jetzt.
Das wäre in etwa der Unterschied zwischen einem Opernsänger und einem Schlagerfuzzi im Bierzelt!)
Ob Du es nun glaubst oder nicht : Der "Schlagerfuzzi" muss im Bierzelt letztendlich das Gleiche tun wie ein Opernsänger auf der großen Bühne : Er muss "sein" Publikum begeistern,es zum Kochen bringen und das Volke befriedigen.Schafft er es nicht,ist er genau so schnell wieder verschwunden wie der Opernsänger auf der gehobenen Bühne.
So mancher "Schlagerfuzzi" hat übrigens ein abgeschlossenes Musikstudium hinter sich,Karel Gott seines mit "summa cum laude" abgeschlossen,Udo Jürgens ebenso,und selbst die "Wildecker Herzbuben" haben beide ein abgeschlossenes Musikstudium,einer davon ebenfalls mit "summa cum laude"....
Allerdings findet man hier auch noch genug "Fallobst",was man einfach nur als grausam bezeichnen kann....
Eine Vorstellung kann nämlch zur Qual werden, wenn man schon bei den ersten Tönen von XY deutlich spürt, dass das heute eine Tour de force werden wird und man vor jeder heiklen Passage ein Stoßgebet zum Himmel schickt.
Dieses Stoßgebet hat auch bei einem Bläser noch seinen Sinn,so ist es mal nicht.Live kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren,selbst einem Streicher kann die Saite reißen....
VG,Maurice
Ulrica (01.05.2013, 10:28): Dass hinter vielen erfolgreichen Schlagerproduktionen handwerkliche Qualtität steckt, werde ich nie leugnen. Wer genau hinhört, wird ein Arrangement mit Udo Jürgens und irgendwelches Ballermann - Gejaule wohl zu unterscheiden wissen. Gerade in der "Blütezeit" des deutschen Schlagers war hier einiges an Perfektion gefragt: Musiker, Background - Chor, Ballett, Show - Arrangement. Und den Ton treffen sollten die Stars auch und dazu brauchte es Ausbildung. Das muss professionell ablaufen und "einfach" war das sicher nicht, es fiel nur nicht auf, denn man hat ja seinen Schmalzbubi zum Anhimmeln. Obwohl selbiger nur seine Rolle spielt und ihn das Ganze persönlich oft mit der Zeit ankotzt. Gabs ja auch nicht selten (z- B. Roy Black).
Dass ich trotz aller Perfektion bei diesem Genre die Flucht ergreife, liegt daran, dass mir das Ganze einfach nicht gefällt, die Klientel, die Plastikwelt, der Schmalz. Qualtität oder nicht ist ein anderer Punkt.
Max Raabe hat sich mal dahingehend geoutet, dass er seinen Weg in der Musik u.a. dadurch gefunden hat, weil es "für einen Opernsänger nicht gereicht hat". Klasse, diese Alternative. Der reisst dank seiner Kreativität wahrscheinlich wesentlich mehr mit seiner Nische, als wenn er auf der Klassikschiene geblieben wäre. Und dass er was kann, ist unbestreitbar.
Tatsache ist, wie schon angeklungen: SängerInnen sind ihr Instrument (intrinsisch). Der Mensch selbst, der eben keine Maschine ist und der letztendlich nur selbst beurteilen kann, ob gerade jetzt das Instrument so einsatzfähig ist, dass es der Anforderung gerecht wird, der abschätzen muss, ob die Erkältung in Relation zur geforderten Partie vernachlässigber ist oder Schaden anrichten könnte. Im meinem Beruf kann ich mit Erkältung wesentlich stabiler noch weiterarbeiten obwohl ich schon lange nicht mehr bühnenfest singen kann.
Instrumentatisten, die mit ihrem Atem das Instrument in Gang setzen, haben möglicherweise Schnittpunkte im körperlichen Anforderungsprofil mit den Sängern, die Koordinationsfähigkeit von Atem, Klangbildung und Kognition. Andere wieder weniger, jedoch bleibt der trainierte Körpereinsatz allen, wenn auch jeweils anders und somit sind auch die empfindlichen Körperteile andere. Pianisten achten z. B. verstärkt auf die Gesundheit der Hände. Wer sich einen Finger bricht, ist zumindest nur eingeschränkt einsatzfähig (habe das schon erlebt). Korrepetition für Proben gehen vielleicht, das große Liszt - Konzert wahrscheinlich nicht.
Ich wäre vorsichtig damit, Absagen zu verurteilen, vor allem dann, wenn man den Hintergrund nicht genau weiß. Auch die Berühmtesten haben nur sich als Instrument, das auch bei hohen Gagen nur bis zu einer Grenze mobilisierbar ist. Beim Singen kann man kaum was erzingen, das geht oft nach hinten los, sprich: eine vermurkste Aufführung. Und das will man dem Publikum, das zahlt, nun wirklich nicht bieten (Flausen und Ausnahmen inbegriffen)
LG
satie (01.05.2013, 13:40): Original von Ulrica Instrumentatisten, die mit ihrem Atem das Instrument in Gang setzen, haben möglicherweise Schnittpunkte im körperlichen Anforderungsprofil mit den Sängern, die Koordinationsfähigkeit von Atem, Klangbildung und Kognition. ... Pianisten achten z. B. verstärkt auf die Gesundheit der Hände. Wer sich einen Finger bricht, ist zumindest nur eingeschränkt einsatzfähig (habe das schon erlebt). Korrepetition für Proben gehen vielleicht, das große Liszt - Konzert wahrscheinlich nicht.
Mich erstaunt ein wenig, dass inn puncto Instrumentalisten hier so wenig ganzheitlich gedacht wird. Gerade die letzten Sätze - nichts gegen Dich, Ulrica, es ist nur gerade so beispielhaft - zeigen das auf eine für mich etwas erschütternde Weise. Das klingt ein wenig so, als ob man zur Not ja die Chopin-Nocturne auch mit dem kleinen Finger allein spielen könnte, sooo sehr merkt man das dann schon nicht. Also ganz klar: mit gebrochenem Griffel spielt eigentlich kein Pianist mehr ein Solo-Konzert (und ich möchte jetzt nicht als Widerspruch von Leuten wie dem Pianisten Horace Parlan hören, der ohnehin kaum mit der rechten Hand spielen kann). Das geht in Richtung "die Kiste spielt von alleine, solange man noch die richtige Tasten trifft, den Rest hört man eh nicht". Die Tatsache, dass da ein Übersetzungsmechanismus ist, spricht viel eher noch dafür, dass man viel mehr mit dem Instrument verwachsen sein muss, weil die Tonerzeugung gerade wegen dieser Übersetzung sehr schwierig ist! Hat daran noch niemand gedacht? Ich wage jetzt einfach mal die Theorie, dass bei einem indisponierten Sänger einfach auch die Leute etwas merken, die sonst Glenn Miller nicht von Karlheinz-Stockhausen unterscheiden können, auch weil ihnen einfach die Art der Tonerzeugung auch viel näher ist (sofern sie selbst kein Instrument spielen). Worauf ich hinaus will: es ist nicht so, dass sich bei Sängern gesundheitliche Probleme stärker auswirken, sondern dass Hinz und Kunz das einfach dort eher hören, wenn die Sänger exponiert sind. Geschultere Hörer aber würden auch einen fibrigen Anschlag bei Pollini erkennen, und ich glaube, dass auch Giora Feidman mit Magen-Darm-Grippe weniger entspannt spielt, als wenn er fit ist und man den Unterschied hören kann. Ich war immerhin mit einer Sängerin verheiratet und weiß, dass es dort verschiedenste Charaktere gibt, bis hin zu jenen, die stets mit gestützter Stimme und Schal herumlaufen und sich niemals vor ein geöffnetes Fenster setzen. Eine schwere Partie einer Oper ist was anderes, als wenn man irgendwo zwischen den zweiten Geigen sitzt, und da kann ich schon verstehen, wenn man aus gesundheitlichen Gründen passen muss. Genauso, wie auch ein Pianist keine Solo-Rezitals gibt, wenn er einen Bandscheibenvorfall hat. Ich plädiere dafür, hier einmal von einer derart mechanistischen Sicht der Dinge wegzukommen und auch Instrumentalisten als ganze Musiker zu sehen.
Ach ja, a propos Horace Parlan: http://www.youtube.com/watch?v=L7b9UOAk_O4 ab 7:53...
Herzlich, S A T I E
Severina (01.05.2013, 18:52): Lieber Satie, ich kann jetzt natürlich nicht für Ulrica antworten, glaube aber nicht, dass sie das in dem Sinne gemeint hat, den Du verstanden hast. Ich denke, niemand behauptet hier, dass Instrumentalisten weniger können oder leisten müssten als ein Sänger. Es geht darum, dass viele oft nicht verstehen, welch sensibles Organ Stimmbänder sind und wie leicht man sie nachhaltig schädigen kann. Das sollte man bedenken, wenn man Sängern vorwirft, einfach aus Jux oder einer Laune heraus abzusagen. Das mag vorkommen, ist aber ganz bestimmt nicht die Regel, schließlich bedeuet eine Absage ja auch eine Nullrunde im Geldbörsel!
Aber während niemand ernsthaft erwarten wird, dass ein Pianist mit gebrochenem Finger zu seinem Konzert antritt - das versteht wohl jeder, dass das nicht geht - wird Sängern oft unterstellt, sie seien ja gar nicht sooooo krank, mit ein "bisschen Halsschmerzen" könne man doch ohne weiteres singen, wenn man nur will, usw. Nur ist das mit den Halsschmerzen wie mit der gebrochenen Hand: Heilen der Bruch/die Stimmbänder nicht richtig, kann der Künstler seinen Beruf an den Nagel hängen. Das Problem ist einfach, dass die gebrochene Hand jeder sieht, die Stimmbandschwellung hingegen nur der HNO-Arzt, das kann man also glauben oder auch nicht. Wenn man viel Geld hingeblättert hat, um just die Diva X zu hören, wird man eher dazu neigen, es nicht zu glauben.... Es geht also um die möglichen Folgeschäden einer Krankheit, nicht darum, ob man den betreffenden Abend irgendwie über die Runden bringen kann. Klar geht das meistens mit der üblichen Routine, aber ob es das wert ist, wenn man damit seine Stimme nachhaltig ruiniert?
Anders ist es bei Deinem Beispiel mit der Magen-Darmgrippe: Das ist für Instrumentalist und Sänger gleich unlustig, nur hat das keine negativen Folgewirkungen: Wenn die Sache ausgestanden ist, können beide wieder Leistungen auf ihrem üblichen Niveau erbringen. Da kann also ein Sänger das Risiko unbesorgt eingehen, trotzdem aufzutreten. (Das tat Jonas Kaufmann unlängst bei seiner "Schönen Müllerin" an der WSO: Er warnte das Publikum vor, dass er möglicherweise blitzartig hinaus oder auch kurz unterbrechen müsse, weil er seit zwei Tagen keinerlei Nahrung bei sich behalten könne und daher auch entsprechend geschwächt sei. Er hielt zwar tapfer durch und erbrachte eine anständige Leistung, aber natürlich wurde es keine Sternstunde. Aber in diesem Fall konnte es Kaufmann verantworten, trotz Einschränkung zu singen und das Publikum nicht zu enttäuschen, bei einer Kehlkopfentzündung geht das nicht, deshalb musste er den Parsifal dann absagen.
Es geht hier also wirklich nicht darum, Sänger und Instrumentalisten gegeneinander auszuspielen, sondern um ein bisschen mehr Verständnis für die "Vokalisten", denen sehr viel eher unprofessionelles Verhalten unterstellt wird.
lg Severina :hello
Ulrica (01.05.2013, 19:03): Lieber Satie,
offensichtlich hast du da was missverstanden. Meine Absicht war eigentlich zu unterstreichen, dass bei allen Musizierenden Beeinträchtigungen verschiedener Art Einfluss auf die Ausübung haben. Da ist insgesamt keiner mehr oder weniger betroffen, aber vielleicht eben anders in manchen Punkten. Und ausserdem habe ich keineswegs in die Richtung geschrieben, dass ein Klavierkonzert locker mit irgendwas zu spielen sist, sondern genau das Gegenteil, dass es eben auch nicht ohne Abstriche bei Krankheit/Verletzung möglich ist. Ausserdem gründen meine Beobachtungen auf den Fakten, die ich von den MusikerInnen selbst erfahren habe.
Irgendwelche Kapriolen und Kapriziositäten können bei jeder Sparte wohl auch gelegentlich dahinterstecken, aber weiß man das immer? Und sicher nicht nur bei den SängerInnen.
Das Problem, das du nun hier siehst, sehr ich beim besten Willen gar nicht. Und was ist an meinen Ausführungen gar erschütternd?
Im Orchester melden sich sicher auch mal Leute krank. Bringt ja nix, wenn man so beeinträchtigt ist, dass man sich eventuell nicht konzentrieren kann und gar falsche Töne riskiert. Die Verantwortung bezüglich der Leistungsfähigkeit hat jede und jeder letztlich irgendwo selbst. In musikalischen und in anderen Berufen.
Mehr fällt mir hierzu nun nicht mehr ein.
LG
Ulrica (01.05.2013, 19:22): Gerade sehe ich den gleichzeitig geschriebenen Beitrag von Severina und kann den nur unterstreichen. Ich würde sagen, dass Kaufmann hier mehr als tapfer war. Ich frage mich halt, was für ein Gezeter oder auch Spott da gekommen wäre, wenn wirklich zum Zwecke des plötzlichen .... die Aufführung unterbrochen würde (in der Hoffnung, er kommt noch rechtzietig raus).
Falls es ggf. den möglciherweise einzigen Fagottisten erwischt, wäre es auch blöd, den der Einsatz würde wegen Klogang wahrscheinlich fehlen.
Für alle im wahrsten Sinne des Wortes: Sch...
Ausserdem ist der Körper geschwächt mit der Folge, dass die Stimmgebung eben auch schwächelt. Wird dem Solotrompeter wohl ähnlich gehen.
Erkältung ist ein Sammelbegriff mit mehreren Nuacen. Ein kleiner Schnupfen ist meistens überwindbar, wenn man mit den Eigenheiten der Stimmgebung vertraut ist (für Laienchorsänger oft auch schon unüberwindlich). Wenn aber Halsschmerzen, Rachenrötung oder Bronchitis dabei sind, dann wird die Sache meist gefährlich oder du kannst bei einem Hustenreiz auch unterbrechen. Es kommt hier manchmal auch auf den Umfang des Einsatzes an, denn Erkältungen haben die Eigenheit, dass mit zunehmender Dauer des Gesangs die Lage schlechter wird, was durchaus bei denen, die sich auch nach Ansage tapfer durchschlagen, hörbar wird.
Weil Erkältungen sicher zurecht nicht als schwere Krankheit an sich eingestuft wird, gibt es auch viele, die damit weiter arbeiten. Für das Arbeitsorgan der SängerInnen sieht es eben ein wenig anders aus.
Nun fiel mir doch noch was ein:-)
LG
Maurice inaktiv (01.05.2013, 19:55): (und ich möchte jetzt nicht als Widerspruch von Leuten wie dem Pianisten Horace Parlan hören, der ohnehin kaum mit der rechten Hand spielen kann
Der hatte Kinderlähmung,und kann deshalb kaum mit de rechten Hand spielen.Diese bekam er aber erst im Erwachsenenalter.Zuvor konnte er völlig normal beidhändig spielen.Das nur mal zur Info,Satie.
Falls es ggf. den möglciherweise einzigen Fagottisten erwischt, wäre es auch blöd, den der Einsatz würde wegen Klogang wahrscheinlich fehlen.
Seit wann sind Fagottisten wichtig!!!! :D
Wird dem Solotrompeter wohl ähnlich gehen
Das ist ein echtes "Sch.....gefühl"......Und wenn man dann noch 70 % der Sympthome von Morbus Crohn hat,wird jeder Einsatz bereits zuvor schon zum Abenteuertripp ins Ungewisse.....
Pianisten achten z. B. verstärkt auf die Gesundheit der Hände. Wer sich einen Finger bricht, ist zumindest nur eingeschränkt einsatzfähig
Das ist doch mal eine ganz neue Feststellung!! :wink
Was machen wir jetzt mit dem Hornisten,der ja immerhin nur drei Ventile drücken muss.Muss der jetzt die andere Hand nehmen,oder darf der absagen?
Was passiert mit Dirigenten,die einen Gipsarm haben?Soll der jetzt noch dirigieren,oder ist er deshalb "arbeitsunfähig"? :ignore
Sorry,aber ohne Ironie gehts nicht jetzt.....
:hello
Ulrica (01.05.2013, 20:15): Auch Dirigenten haben schon abgesagt und andere sind tot vom Podest gekippt. War wohl was los da.
Im Übrigens sind wir ja eh gepflegt bei einem Sch...thema gelandet...
Viel Spass in Ironie
:rofl :rofl :D
Maurice inaktiv (01.05.2013, 20:35): Auch Dirigenten haben schon abgesagt und andere sind tot vom Podest gekippt.
Das ist vielleicht für einen Dirigenten das Höchste was möglich ist,aber erleben möchte man so etwas mit Sicherheit nicht.Und DAS war bestimmt nicht ironisch gemeint.
Ich mit dem Mist :D nicht angefangen.... :rofl
Mit dem Thema schon.... :)
Es muss auch mal ein wenig Ironie und Unsinn erlaubt sein.Schließlich soll ja "der musikalische Spaß" im Mittelpunkt stehen,manchmal auch der Komponist.... :D
Ich wünsche noch einen schönen Abend,
Maurice
Severina (01.05.2013, 20:43): Lieber Maurice,
danke für Deine ausführliche Antwort und interessante Einblicke in eine Musikwelt, mit der ich mich zugegeben noch nie so wirklich beschäftigt habe. Ich wollte auch nie behaupten, das U-Musiker ihr Handwerk nicht beherrschen müssten, ohne Können gelangen die sicher auch nicht an die Spitze.
Probleme habe ich nach wie vor mit Deiner Position, dass ein Künstler, der angekündigt ist, gefälligst auch zu singen hat, egal welche Folgen das für ihn respektive seine Stimme hat. Genau wegen dieses Drucks, der heute von Agenturen, Veranstaltern ausgeübt wird, gibt es ja so viele vorzeitig verschlissene Sänger (Natürlich nicht NUR deshalb, viele sind schon auch selber Schuld an ihrem Abstieg!) Ein Sänger hat wie jeder andere Arbeitnehmer auch das Recht, krank zu sein und demgemäß nicht an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen. Es ist dann Sache der Direktion, für einen adäquaten Ersatz zu sorgen, was natürlich nicht immer leicht ist, denn Sopranistinnen von der Güte einer Netrebko, die dann an diesem Abend auch zufällig frei haben, gibt es nicht wie Sand am Meer. Aber wer statt Jonas Kaufmann als Parsifal Christopher Ventris oder statt Elina Garanca Vesselina Kasarowa als Charlotte vorgesetzt bekommt, darf zwar immer noch traurig sein, hat aber wenig Grund zum Meckern. Leider ist der Ersatz eben selten gleichwertig, aber damit muss man als Opernfan leben.
Was Dein Orchesterbeispiel betrifft: Nun, dass ein gesamtes Orchester von einer Krankheit dahingerafft wird und deshalb nicht auftritt, ist wohl eher unwahrscheinlich :D, und wenn dann der Veranstalter statt der Philis nichts Besseres als das NÖ Jugendorchester aufzubieten hätte, wäre er vermutlich seinen Job ganz schnell los! Aber im Fall der Fälle statt der Philis z.B. das NÖ Tonkünstlerorchester - warum nicht? Mir passiert es z.B. bei meinem heurigen ABO im Musikverein, dass zwei der angekündigten Orchester aus finanziellen Gründen ihre Tourneen streichen müssen. Da kann man halt nichts machen, aber der Ersatz gehört in etwa der gleichen Liga an, auf das Bruckner Orchester freue ich mich sogar mehr als ursprünglich vorgesehene.
Menschen sind nun einmal keine Maschinen, sie funktionieren nicht auf Knopfdruck. ZUmindest ich nicht, daher verlange ich das auch nicht vo anderen.
lg Severina :hello
Maurice inaktiv (01.05.2013, 21:07): Probleme habe ich nach wie vor mit Deiner Position, dass ein Künstler, der angekündigt ist, gefälligst auch zu singen hat, egal welche Folgen das für ihn respektive seine Stimme
Langsam,Severina!!!
Ich werde mich hüten,generell von jemandem zu erwarten,dass diese Person bei Krankheit (und damit meine ich Krankheit,nicht Divengehabe!!) auftritt oder überhaupt arbeitet!!!
Ich kann einen GLEICHWERTIGEN Ersatz absolut nachvollziehen,und hätte damit kein wirkliches Problem.Das Problem beginnt bei mir damit,dass man durch Werbung und Preisgestaltung viel Geld für etwas hinblättern muss,was zum Schluss nicht singt,spielt,oder was auch immer.
Mein Beispiel mit den Wienern war ganz bewusst so gewählt,weil MIR es nicht egal wäre,ob nun die Philharmoniker oder das als Gegenbeispiel Orchester XY auftritt.
Es gibt eben nun mal nur DIE Wiener Philharmoniker,ein Welt-Klangkörper der Extra-Klasse,hier gibts eben kaum wirklichen "Ersatz".Wen willst Du denn da auf die Bühne bringen mal schnell,bitte sehr?
Das soll jetzt weiß Gott,nichts gegen die anderen durchaus sehr guten Wiener Orchester sein (ich finde das Bruckner-Orchester Linz durchaus mehr als ansprechend in ihrem Bruckner-Zyklus unter Dennis Russell Davies),aber sie sind eben nicht in der Philharmoniker-Klasse,sorry.
Menschen sind nun einmal keine Maschinen, sie funktionieren nicht auf Knopfdruck
Nein,das ist mir schon absolut klar.Doch auf Grund der modernen technischen Einrichtungen und CDs wird es einem nicht einfach gemacht,das sich einmal zu verinnerlichen.
Ich bin kein Unmensch,keine Sorge.Überhaupt nicht,auch wenn ich hier jetzt so schreibe und auch ankomme.
danke für Deine ausführliche Antwort und interessante Einblicke in eine Musikwelt, mit der ich mich zugegeben noch nie so wirklich beschäftigt habe
Gerne geschehen.Ich bin ja bemüht darum,das Thema auszudiskutieren und mit Argumenten auch meine Sichtweise darzulegen.
Was Dein Orchesterbeispiel betrifft: Nun, dass ein gesamtes Orchester von einer Krankheit dahingerafft wird und deshalb nicht auftritt, ist wohl eher unwahrscheinlich
Nun,im Fußball wurden schon Spiele wegen Virus-Erkrankungen abgesagt und später nachgeholt.Bei einem Kammerorchester wäre das also durchaus möglich.
Mal eine kleine Anekdote aus dem Buch des Dirigenten Josef Krips :
Dieser hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Wiener Ph.O. ja sofort leiten dürfen.Bei einem Auftritt ist er mit dem Orchesternachwuchs und dem Konzertmeister (der zufällig frei hatte an diesem Abend) aufgetreten,obwohl das Orchester der Wiener Staatsoper zu spielen hatte.Das waren aber auch noch andere Zeiten.....
VG,Maurice
satie (01.05.2013, 21:28): Original von Maurice André (und ich möchte jetzt nicht als Widerspruch von Leuten wie dem Pianisten Horace Parlan hören, der ohnehin kaum mit der rechten Hand spielen kann
Der hatte Kinderlähmung,und kann deshalb kaum mit de rechten Hand spielen.Diese bekam er aber erst im Erwachsenenalter.Zuvor konnte er völlig normal beidhändig spielen.Das nur mal zur Info,Satie.
Hey Maurice, nur mal so zur Info: ich weiß! Parlan finde ich schlicht genial. Vielleicht sollte ich einfach verschachtelte Sätze vermeiden... Also: Parlan find ich gut. Ich möchte noch anmerken, dass "nur mal zur Info" auf der Liste meiner meist gehassten Floskeln ganz weit oben rangiert. Ich stelle fest, dass ich heute schlechte Karten habe, mich klar auszudrücken, deshalb lasse ich es jetzt wieder.
Maurice inaktiv (01.05.2013, 21:39): Ich möchte noch anmerken, dass "nur mal zur Info" auf der Liste meiner meist gehassten Floskeln ganz weit oben rangiert.
Damit musst Du leben...... :D
Ich stelle fest, dass ich heute schlechte Karten habe, mich klar auszudrücken, deshalb lasse ich es jetzt wieder.
Ich bin heute nach einem stressigen Tag auch nicht mehr so wirklich aufnahmefähig.Es kann auch durchaus daran liegen....
VG,Maurice
Severina (01.05.2013, 22:04): Original von Maurice André
Ich kann einen GLEICHWERTIGEN Ersatz absolut nachvollziehen,und hätte damit kein wirkliches Problem.Das Problem beginnt bei mir damit,dass man durch Werbung und Preisgestaltung viel Geld für etwas hinblättern muss,was zum Schluss nicht singt,spielt,oder was auch immer.
Mein Beispiel mit den Wienern war ganz bewusst so gewählt,weil MIR es nicht egal wäre,ob nun die Philharmoniker oder das als Gegenbeispiel Orchester XY auftritt.
VG,Maurice
Lieber Maurice,
ich kann jetzt natürlich nur für Wien sprechen, aber an der WSO bist Du auch bei einer Frau Netrebko um 13€ dabei, wenn Du fit genug für einen Stehplatz bist, sogar um 3€. Ich habe für meinen wirklich guten Platz im "Eugen Onegin" mit der Netrebko 50€ hingeblättert, das ist meine absolute Schmerzgrenze für meine Lieblinge, für "normale" Vorstellungen gebe ich höchstens 30€ aus. Natürlich kosten die teuersten Karten 250€, aber es ist ja niemand gezwungen, in der ersten Reihe Parkett zu sitzen :wink
Wesentlich teurer sind Karten für Arienabende im Konzerthaus oder Musikverein, daher gehe ich da auch eher selten hin, vor allem seit die meisten Sänger ohnehin nur ihre letzte CD ausschnittsweise zu Gehör bringen. Da kaufe ich mir gleich die CD, zahle mindestens die Hälfte weniger als für die Karte und kann sie mir beliebig oft gemütlich daheim auf der Couch anhören. Ich weiß schon, live ist live, aber in diesem Falle denke ich oft ökonomisch :haha ABER: Wenn der Sänger eines Recitals absagt, gibt es entweder einen Ersatztermin oder Geld zurück, denn in diesem Fall "kaufst" Du natürlich einen bestimmten Künstler und musst keine "Mogelpackung" befürchten.
Außerdem gibt es genügend Opernbesucher, denen es in erster Linie um das Werk geht und denen es daher nicht so wichtig ist, ob jetzt X, Y oder Z singt. Gut, zu denen gehöre ich nicht, das gebe ich ehrlich zu, ich habe schon meine Lieblinge und freue mich, wenn ich sie auf der Bühne erleben darf, aber ich kündige ihnen nicht die "Freundschaft" auf, wenn sie denn einmal absagen.
Was wirklich fies ist, aber leider immer wieder vorkommt, wenn Sänger in der Jahresvorschau angeführt werden, obwohl sie für die betreffenden Vorstellungen gar keinen Vertrag haben. Die fallen oft aus allen Wolken, wenn sie von Fans auf angebliche Auftritte angesprochen werden, von denen sie keine Ahnung haben. Pereira in Zürich machte das sehr gerne, um den Kartenvorverkauf anzukurbeln... Da kann aber dann der Künstler nichts dafür, man müsste sich am Intendanten schadlos halten.
lg Severina :hello
Maurice inaktiv (01.05.2013, 22:51): Was wirklich fies ist, aber leider immer wieder vorkommt, wenn Sänger in der Jahresvorschau angeführt werden, obwohl sie für die betreffenden Vorstellungen gar keinen Vertrag haben. Die fallen oft aus allen Wolken, wenn sie von Fans auf angebliche Auftritte angesprochen werden, von denen sie keine Ahnung haben. Pereira in Zürich machte das sehr gerne, um den Kartenvorverkauf anzukurbeln... Da kann aber dann der Künstler nichts dafür, man müsste sich am Intendanten schadlos halten.
Dann gehört Herrn Pereira im Grunde jedes Mal eine Strafe,dass es ihm richtig weh tut!!!!Das ist doch Betrug im Grunde.HIER trifft logischerweise den Künstler keine Schuld-aber das weiß leider der Kartenkäufer nicht unbedingt....
ich kann jetzt natürlich nur für Wien sprechen, aber an der WSO bist Du auch bei einer Frau Netrebko um 13€ dabei, wenn Du fit genug für einen Stehplatz bist, sogar um 3€
Ich würde nicht einmal bei einem Fußballspiel stehen,bei einer Oper erst recht nicht!!!Ok,die Preise hören sich dann zumindest einigermaßen brauchbar an.Aber sieht man da auch was für 13 €?Kann ich mir nicht so recht vorstellen....
VG,Maurice
Billy Budd (01.05.2013, 22:54): Hallo Maurice, ich bin zwar nicht Severina, würde aber gerne wirklich wissen, was Du gegen die Stehplätze hast. Auf die Galerie kommst Du übrigens auch mit 1,60 Euro.
Und was die Frage nach den billigen Plätzen betrifft, kann ich Dir antworten, dass es da sowohl sehr gute, als auch sehr schlechte gibt. Erstere sind natürlich schnell weg, weil auch andere wissen, wo sich die befinden. Billy :hello
Maurice inaktiv (01.05.2013, 23:08): ich bin zwar nicht Severina, würde aber gerne wirklich wissen, was Du gegen die Stehplätze hast.
Ich bin in dieser Hinsicht "wohlfühlorientiert"..... :D
VG,Maurice
Jürgen (02.05.2013, 09:31): Original von Billy Budd ich bin zwar nicht Severina, würde aber gerne wirklich wissen, was Du gegen die Stehplätze hast.
Nun, es gibt auch Leute, denen es aus gesundheitlichen Gründen Schmerzen bereitet, längere Zeit zu stehen. Die besorgen sich dann lieber einen Sitzplatz, ohne irgendewas gegen Stehplätze oder Besucher von Stehplätzen zu haben.
Grüße Jürgen
Allegra (02.05.2013, 12:49): Stehplätze? - Genial!! Ich habe fast mein ganzes Studium in München "durchgestanden" und der "Ring" war auf jeden Fall dabei. Beste Akustik, gute Sicht, den Rettungsbalken zum Drüberhängen direkt vor mir, in der Pause war ich die erste auf dem Sofa draußen - und für den schmalen Geldbeutel eine Wohltat. :D Würd ich auch heute noch machen - man muss ja nicht auf Highheels anrücken ... :haha
Maurice inaktiv (02.05.2013, 13:03): Würd ich auch heute noch machen - man muss ja nicht auf Highheels anrücken ...
Nee,bei Männern auch eher selten anzutreffen....Aber ich möchte auch nicht mit Plattfüßen wieder nach Hause gehen müssen.... :ignore
:leb
VG,Maurice
Allegra (05.05.2013, 19:20): Aus aktuellem Anlass: Rechte der Sänger
Das Video ist auf Deutsch.
Maurice inaktiv (05.05.2013, 20:23): Das Video ist sehr interessant und nachvollziehbar....Ob es was bringt,wird man sehen.
VG,Maurice
Allegra (21.05.2013, 17:27): Dieser Artikel ist sehr interessant zu lesen und fasst das derzeitige Dilemma des an anderer Stelle so heftig kritisierten Regietheaters ganz nett zusammen.
Maurice inaktiv (21.05.2013, 18:29): Der Artikel trifft den Nagel auf dem Kopf.Im Grunde hat er das Gesamtproblem der Wirtschaft in diesem Artikel beschrieben.