Musik- Ihr Ansehen in Schule, Freizeit und Politik
Musicien92 (19.09.2010, 15:44): Aufgrund eigener Erfahrungen habe ich einen kleinen Aufsatz geschrieben, der sich mit genau diesem Thema befasst. Freue mich als Forum-Neuling über Feedback
und herzlich willkommen hier im Forum. Als einer der Ältesten hier im Forum stehe ich ziemlich ratlos da, wenn ich den Link öffne, es fehlt mir das knowhow, da weiterzukommen. Ich bitte um Rat oder um eine andere Möglichkeit, um an den Aufsatz zu gelangen.
Gruß Amadé
Musicien92 (24.09.2010, 22:41): Original von Amadé Hallo Musicien92,
und herzlich willkommen hier im Forum. Als einer der Ältesten hier im Forum stehe ich ziemlich ratlos da, wenn ich den Link öffne, es fehlt mir das knowhow, da weiterzukommen. Ich bitte um Rat oder um eine andere Möglichkeit, um an den Aufsatz zu gelangen.
Gruß Amadé
Hallo Amadé vielen Dank für deine Rückmeldung. Das glaub ich dir, dass du da Probleme hast :P Ich nämlich selbst auch ein bisschen :P
Kennst du ne Möglichkeit den irgendwo reinzustellen? Hast du ne Email-Adresse? dann schick ich ihn dir gerne auch persönlich
Gruß Musicien92
Heike (26.09.2010, 09:08): Hallo, ich hatte es auch vor einigen Tagen vergeblich versucht - und nach Betrachten der völlig unübersichtlichen Seite aufgegeben. Du kannst die Datei hier kostenlos hochladen http://www.file-upload.net/ und dann den direkten link zur Datei hier ins Forum stellen. Der bleibt meines Wissens ca. ein Jahr benutzbar. Heike
Musicien92 (26.09.2010, 11:14): Hallo Heike, vielen Dank für den Tipp. Habe die Datei jetzt hochgeladen.
Heike (26.09.2010, 13:36): Also, ich hab das jetzt runtergeladen (kleinen !! grünen Downloadbutton klicken) und gelesen. Ich muss sagen, ganz so resigniert wie du sehe ich das gar nicht. Ich habe z.B. auch den Eindruck, dass in den letzten Jahren wieder mehr Kinder Instrumente lernen als vor 20 Jahren (du gibst leider keine Quelle für deine Aussage an). Wie alt bist du wenn ich fragen darf? Was machst du für Musik?
Ich würde dir vorschlagen, den Text zu kopieren und einfach hier reinzustellen, dann bekommst du vielleicht noch mehr Feedback. Das sind ja nur 1,5 Wordseiten, das müsste man eigentlich hier reinkopieren können (evt. in 2 Teilen). Heike
Holger (01.10.2010, 10:24): Hallo,
ich denke, es gibt nur einen einzigen Weg, sich selbst (und anderen) die Klassik zu erschließen: Emotion. Solange diese ausbleibt oder nicht vermittelt wird, wird selbst ein vom Staat optimal geförderter Musikunterricht immer kontraproduktiv bleiben, also das Gegenteil des Intendierten bewirken. Noch heute assoziiere ich mit dem Fach Musik sterbenslangweilige, vergeudete Stunden, zu denen namentlich die im Text erwähnte Theorie beitrug. Wer ausgemachte Langweiler zu Lehrern hat, den wird auch die bestens ausgestattete Schule nicht für die Klassik begeistern. Und sehen wir den Tatsachen ins Auge: Daß die musizierenden Klassenkameraden, die ihre obskuren, uncoolen Instrumente gramgebeugt in sargähnlichen Kästen mit sich herumtragen, die Ausstrahlung todtrauriger, schwarzer Vögel haben, macht die Sache nicht eben besser. Ebensogut könnten sie Schilder mit der Aufschrift "Schlag mich! Ich bin ein Nerd!" präsentieren.
Nebenbei bemerkt, mögen die im Text erwähnten Bushido, Sarah Connor, Linkin Park und Peter Fox in der Außenbetrachtung zwar gleichermaßen "in" sein, doch jeder dieser Namen steht für ein bestimmtes Image, ist eine Marke für sich. Ein Bekenntnis zu Sarah Connor kann bei den Freunden von Linkin Park vernichtender wirken als eines zu Richard Wagner. Denn Jugendliche sind, wie wir aus eigener Erinnerung wissen :wink, die unerbittlichsten Dogmatiker schlechthin.
Für mich jedenfalls hat Udo Lindenberg mit "Cello" mehr bewirkt als 10 Jahre Musikunterricht - nämlich das Bewußtsein für den wundervollen, warmen Klang dieses Instruments. Ähnlich die Beatles mit "Eleanor Rigby" oder "Yesterday", die Rolling Stones mit "Ruby Tuesday" oder "As tears go by". Noch besser wäre natürlich eine bildschöne Musiklehrerin mit sehr, sehr viel Verständnis für die Leiden des jungen Holger gewesen, stets Hörbeispiele aus dem Bereich der Klassik nebst wundersamem persönlichen Trost zur Hand. :engel War mir leider nicht vergönnt. Aber irgendwas ist ja immer!
Liebe Grüße von Holger
Cetay (inaktiv) (05.10.2010, 08:04): Original von Holger Hallo,
ich denke, es gibt nur einen einzigen Weg, sich selbst (und anderen) die Klassik zu erschließen: Emotion
Ich denke, es gibt nur den individuellen Weg und damit so viele Wege wie es Individuen gibt.
Severina (05.10.2010, 11:20): Nun ja, ehrlich gesagt wünschte ich mir, mir wäre im Musikunterricht ein wenig Theorie vermittelt worden, dann müsste ich mir nicht jetzt immer noch mühsam das kleine ABC der Musik beibringen. Wir haben in 8 Jahren absolut NICHTS gelernt, als ich mit 25 begann in die Oper zu gehen, wunderte ich mich, warum es drei verschieden große "Geigen" gibt, und dass nicht alles, wo man hineinbläst, eine Blockflöte oder Trompete ist, erfüllte mich ebenfalls mit großer Verblüffung.
Wir hatten zwei Musiklehrer: Die erste war eine verhinderte Sängerin, die uns permanent erklärte, dass sie bei uns nur Perlen vor die Säue werfe, weil ihre wahre Berufung das Konzertpodium sei. Bei der sangen wir jahrelang in erster Linie Schubert - es dauerte zwei Jahrzehnte, bis ich dieses Trauma überwunden hatte - aber auch mit Felix Mendelssohn-Bartholdy quälte sie uns unbarmherzig. Noch heute kann ich das wundervolle "Hebe deine Augen auf..." nicht ohne bitteren Beigeschmack hören. Musikgeschichte? Musiktheorie? Das war natürlich unter der Würde von Madame, sie war ja ein verkanntes Gesangsgenie und begab sich nicht in diese Niederungen.
Der zweite war ein philharmonischer Geiger, der wegen Arthritis nicht mehr spielen konnte und halt in die Schule gesteckt wurde, um hier sein Pensionsalter abzuwarten. Dass der gute Mann keine Ahnung von Lehrplänen und Pädagogik hatte, darf man ihm nicht übel nehmen, er war eine wirklich tragische Gestalt und froh, wenn wir ihn nicht allzu sehr ärgeten. Aber wenigstens konnten wir seine Stunden sinnvoll nützen, indem wir Hausübungen erledigten oder Schifferl versenkten......
Ich kann also sagen, dass 8 Jahre Musikunterricht außer einer abgrundtiefe Aversion gegen Liedgesang jeder Art keine Spuren bei mir hinterlassen haben, ich also als musikalische Analphabetin die Schule verlassen habe, und das anno 1972. Und ich bin immer noch dabei, mühsam buchstabieren zu lernen.....
lg Severina :hello
Armin70 (05.10.2010, 13:17): Hallo,
ich denke mit Grausen an den Musikunterricht in meiner Schule zurück: Wenn mal gemeinsam gesungen wurde, dann handelte es sich um solche musikalische Kleinodien wie "Die Affen rasen durch den Wald" oder ähnliche "Kostbarkeiten", die aus vollem Halse geschmettert wurden oder wenns dem Lehrer in der Klasse zu laut wurde, spielte er auf einem alten Plattenspieler den Beginn vom Finale aus Bruckners 8. Sinfonie, das dann aus scheppernden Lautsprechern dröhnte. Immerhin erreichte der Lehrer damit seinen Zweck, das es ruhig wurde.
Meiner Meinung nach hat der traditionelle Musikunterricht ausgedient. Ich denke, man kann junge Leute in der Schule eher mit aktivem Musizieren in Verbindung bringen, indem man irgendwelche Musik-AG`s anbietet, die sich den verschiedensten Musiksparten widmet, d. h. von Rock/Pop, Klassik bis hin zu Jazz. Das können dann Chorgruppen und eben auch Instrumentalgruppen sein.
Das scheitert vermutlich aber oft am Geld, weil das voraussetzt, dass die Schulen entsprechende Instrumente zur Verfügung stellen. Ein weiteres Problem ist vermutlich, dass die Schulen dafür auch genügend einsatzbereite und vor allem motivierte Lehrer/innen haben, die solche AG`s betreuen.
Da ich selbst keine schulpflichtigen Kinder habe, bin ich nicht so bewandert in der aktuellen Schul- bzw. Bildungspolitik aber ich denke (befürchte), dass es da dringendere Probleme gibt, die es anzupacken gilt bevor man darüber "lamentieren" kann, dass es mit der musikalischen Bildung "bergab" geht.
Ich persönlich verdanke mein Interesse für die klassische Musik zum einen meinem Elternhaus und eben einem sehr engagierten Lehrer, der damals zu Beginn der 5. Klasse in der Schule eine Blechbläser-AG für "blutige" Anfänger anbot und zu der ich mich meldete (ohne Druck oder Antrieb der Eltern) und das hatte so einen Spass gemacht, dass ich immerhin 20 Jahre aktiv Musik in diversen Posaunenchören machte, bevor ich das aus beruflichen Gründen leider aufgeben musste. Das Spektrum der Posaunenchor-Literatur umfasst übrigens weit mehr als lediglich Choralvorspiele und Choralbegleitungen. Wir hatten sehr viele Bearbeitungen von diversen klassischen Musikwerken gespielt, z. B. Ausschnitte aus Bachs "Kunst der Fuge" oder Orgelvorspiele von Brahms oder Bearbeitungen von Bruckner-Motetten.
Gruß Armin
Fairy Queen (05.10.2010, 15:46): Liebe Sevi, sowas kann es auch nur in Wien geben!!!! :D Verhinderte Diven und an Krankheit gescheiterte Geiger in der Schule..... Wobei ich sicher bin, dass es auch heute noch etliche Musiker gibt, die mangels Konzert-Karriere Chancen dann den sichereren Schuldienst wählen. Nicht Jeder muss aber seinen Frust an den Schülern auslassen, es gibt auch reife Menschen unter den verhinderteten Künstlern- hoffe ich- die dann aus dem Lehren eine neue Leidenschaft machen- das kann nämlich äusserst befriedigend sein. Mein prägender Musiklehrer war im Dresdener Kreuzchor und wir mussten ebenfalls gnadenlos singen- allerdings eher deutsches Volksliedgut. Ich liebe es noch heute und kann massenweise Lieder bis heute auswendig. Also voller Präge-Erfolg. :engel Er war ausgesprochen engagiert aber serh unfair gegen Alle, die unmusikalisch waren. war man halbwegs musikalishc, wurde man gefördert. Ihm verdanke ich meinen allerersten Gesangsuntericht mit 11 Jahren, der leider ein sehr frühes tragische Ende nahm(die Lehrerin, die mich umsonst unterrichtete starb) und dann- mangels Gesangslehrern- kostenlosen Violinuntericht. Notenlernen, Quintenzirkel und Sonatenhauptsatzform waren Pflicht, da gab es kien Entrinnen und das ist bis heute mein Glück! Mein Musikunterricht in der Schule, inclusive Chor und Orchester, war wirklich solide, wenn auch die Unmusiklaischen oder uninteressierten eher gelitten haben, denn diesem Musiker aus Leidenschaft war es vollkommen unbegreiflich, wie jemand falsch singen oder klassische Musik nciht lieben konnte. Ich glaube, er verstand das als persönlichen Affront. In Frankreich ist der Musikunterricht an den Schulen eine ziemliche Katastrophe, wer irgendetwas lernen will, geht zur Musikschule, die hier ausgesproochen billig aber auch total verschult ist. Ehe man ein instument anfassen darf, muss man erst solfège lernen (Noten, Rythmus etc...) und es gibt jedes Jahr Prüfungen/Vorspielen. Die frz. Kinder sind den Drill ja von klein an gewohnt, aber ich finde das ziemlcih heavy neben der Schule, die ja eh bis nachmittags geht.
F.Q.
Heike (05.10.2010, 21:12): Ich hatte (im damaligen Osten) richtig schönen Musikunterricht bei einer jungen und sehr netten Musiklehrerin - mit durchaus anständiger Theorievermittlung, Lust am Chorsingen und altersgerechtem Hör-Repertoire. Immerhin wurde ich so im sehr zarten Alter für Beethovens Fünfte, Die Moldau, Schwanensee, Die Zauberflöte, My Fair Lady und Tschaikowskis Klavierkonzert begeistert. :haha
Das einzige, woran ich mich negativ erinnere, ist das schulische Liedgut der DDR, dass doch sehr dem Klassenkampf verschrieben war. Und dass wir immer sehr viele und sehr lange Liedtexte auswendig lernen mussten. Wiederum erinnere ich mich auch an sehr lustige Stunden mit Rhythmus-Klatschen und -trommeln, Kanon-Chaos und Lästereien über Jungs im Stimmbruch.
Also, ich mochte den Musikunterricht und war immer sauer, wenn mal eine Stunde ausfiel. Heike
ab (05.10.2010, 22:07): Mir scheint, die Diagnose, dass "die klassische Musik immer weiter im Strudel der Neumoderne, welche ausschließlich nur noch von Begriffen wie Vermarktung und Prestige geprägt ist, zu versickern droht" einfach nicht richtig ist, sondern viel mehr deren Gegenteil: Im Klassikmarkt wird ein ungeheuers Wachstumspotenzial gesehen! (Selbst Amazon arbeitet schon an einem Klassikradio, um den Leuten Appetit zu machen, auch solche Musik zu kaufen.) Immer mehr Leute hören viel Musik - und wer viel höret, möchte noch mehr kennen lernen. Alle jungen Musiker, die mit einem Instrument aufwachsen, hören auch andere Musik. Ich bekomme den Eindruck, heute findet die Jugend Klassische Musik weit weniger "langweilig, alt, uncool, peinlich, ätzend", wie es noch zu meiner Zeit war. Heute wird auch das gehört, neben all dem anderen, das inzwischen so viele Namen hat, die nicht einmal mir mehr geläufig sind. Abgenzung vom maistream gehört für viele eher zur eigenen Identitätsfindung. ('Was natürlich nicht leugenen soll, dass viele ausgegrenzt werden.)
Rückläufig - scheint mir - ist nicht das Hören von Klassik (CDs sind viel billiger geworden, Konzerte - anders als für frühere Generationen - durch Schüler- und Studenten und Senorenangebote für jeden erschwinglich - wohingegen bei Popkonzerte dreiste Eintrittspreise verlangt werden), wohl aber das Lernen eines Instruments oder das eigene Singen. Mittlerweile ist auch die Bezahlung so schlecht, dass der Stand des Musiker fast schon zu einem Frauenberuf geworden ist, (die ja nach wie vor in unserer Gesellschaft fest alle jene Berufe in der Hand haben, die schlechter bezahlt und auch mit viel Mühe verbunden sind).
Ein Unterricht in der Schule in "Musiktheorie, Harmonielehre und ein allgemeines musikalisches Grundwissen" alleine wird da wohl zuwenig sein: grau ist alle Theorie, bunt nur das Leben. Musihören, Musikmachen - warum nicht vielleicht auch Musikbasteln am Computer? - würde wohl mehr Interese erwecken. Nur (höchstens) da, wo Theorie an eigene Erfahrungen anknüpfen kann, ist sie nicht von vornherein vergeblich! Sonst geht sie beim einen Ohr rein, und beim anderen hinaus.