angeregt durch folgende Passage in einem Konzertbericht von Jeremias:
Im 3. Lied "Morgen", welches aufgrund der leisen dynamik horrend schwer ist, liess sie sich nichtmal durch ein klingelndes Handy, welches das Anfangsmotiv aus Beethovens 5. hervorbrachte und für ein Raunen im Publikum sorgte, aus der Fassung bringen. DAfür folgte nach dem ersten Strauss-Block eine Ansage. Für sie als Neuseeländerin sei es schon wahnsinnig schwer auf Deutsch zu singen und dann an der schwierigsten Stelle das Handy... sie kommentierte es mit den Worten "I could have killed you!!!", was ihr gesonderten Beifall einbrachte. Sollte noch ein weiteres Handy klingeln, dann würde ein Mord geschehen!.
Das bringt mich zu der allgemeineren Frage, ob und wie Musiker bei der Ausübung ihrer Berufung das Publikum wahrnehmen und womöglich darauf reagieren, insbesondere auf Störungen vonseiten desselben.
Die meisten kennen die Geschichte von Brendel, der sein Spiel unterbricht und erst weiterspielt, als das Publikum ruhig ist. Pogorelich habe ich erlebt, wie er ostentativ in Richtung Publikum zurückhustet. Nach Zimermans Chopin-Recital in der Royal Festival Hall im Februar wurde berichtet, er habe minutenlang mit Blicken wie Messern ins Parkett gestarrt (ohne sein Spiel zu unterbrechen), und man fragte sich, was das ausgelöst habe. (Er soll wohl ein kleines rotes Licht wie von einem Aufnahmegerät entdeckt und sogar die Polizei gerufen haben.) Von Hermann Prey heißt es, er sei bei einem Liederabend von einem Notenblätterer in der ersten Reihe irritiert worden, weil der eine andere Ausgabe hatte und an den falschen Stellen umblätterte, was Preys Gedächtnis durcheinanderbrachte; er hat ihn in der Pause bitten lassen, sich entweder woanders hinzusetzen oder das Blättern zu unterlassen.
Bei anderen habe ich den Eindruck, daß sie aus dem einen oder anderen Grunde das Publikum gar nicht wahrnehmen.
Was gibt es da noch für Geschichten?
Grüße, Gamaheh
Christian Neumann (10.05.2010, 22:36): Gustav Mahler war dafür bekannt, Zuspätkommenden seinen gefürchteten strengen Blick zuzuwerfen, sodass sie quasi offiziell abgestraft waren und sich gut überlegten, den Maestro ein zweites Mal zu verärgern. Ich will gar nicht wissen, was Mahler bei klingelnden Mobiltelefonen gemacht haben würde...
Außerdem wurde mir mal eine amüsante Geschichte erzählt: Jedesmal, als das Orchester zu spielen beginnen sollte, setzte beim Publikum wohl das Husten ein, was den Dirigenten derart störte, dass er sich schlussendlich umwandte und die Hustgeräusche der Zuhörer dirigierte. :D
Sofern diese Geschichte wahr ist - weiß hier zufällig jemand, wer dieser Dirigent war? Es ist mir leider entfallen.
Heike (10.05.2010, 23:37): Das hab ich mal gelesen und jetzt fiel es mir wieder ein:
eine kleine Fundgrube für derlei Geschichten z.B. (Zitate von der o.g. Seite) "András Schiff hat einmal eine umfassende Liste der Dinge publiziert, die ihn stören (Husten, Handys, Kindergeräusche etc.). Keith Jarrett startete 2007 in Frankfurt nach einem Huster eine seiner gefürchteten Publikumsbeschimpfungen. Simon Rattle appellierte bei Mahlers 9. Sinfonie an die Einsicht der Zuhörer: «Diese Musik kommt aus der Stille und geht in die Stille. Bitte machen Sie das möglich.»
Interessantes Thema! Heike
Christian Neumann (11.05.2010, 08:31): Ich muss sagen, dass jegliche Zuschauergeräusche im Konzert mich sehr stören. Klingelnde Telefone sind grundsätzlich unverzeihlich; ich würde den Schuldigen direkt aus dem Saal führen lassen und fortan mit Hausverbot belegen. Dasselbe gilt für Menschen wie die Dame in einem meiner letzten Konzertbesuche: Sie hatte an ihrem rechten Arm, auf den sie ihr Kinn stützte, drei große Goldreifen, die ihr immer wieder bis zum Ellbogen hinabrutschten und von ihr jedesmal aufs Neue bis zum Handgelenk emporgeschoben wurden, um dann abermals hinabzurasseln...
Das ständige Husten ist schwerer zu ahnden; man muss auf den gesunden Menschenverstand der Masse hoffen, was meistens schiefgeht. Dabei sollte es jedem, der in der Lage ist, sich eine Eintrittskarte zu kaufen, doch eigentlich einleuchten, dass Reizhusten vor dem Konzert auch während des Konzerts aufzutreten droht. Dennoch geht jeder zur Vorstellung, egal wie verschnupft oder sonstwie erkältet er ist. Diese Rücksichtslosigkeit ist mir unbegreiflich.
Jeremias (11.05.2010, 15:31): Wie Künstler mit Störungen umgehen, hier ein paar Beispiele:
für mich kann ich sagen, dass mir als Ausübende Störgeräusche, Unruhe und dergl. weniger ausmachen als ich mal dachte. Ich nehme das alles zwar wahr, denke mir in irgendeiner Form sogar meinen Teil, aber mein Tun verändert sich dadurch nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass eine Stimme eine sehr dominante geräuschquelle ist, gegen die ein Handy nicht wirklich ankann.
Probleme hätte ich bei einem Kirchengesang fast mal mit einem Schrei - Baby bekommen. ich habe mir durchaus innerlich die Frage gestellt: Was jetzt? Der oder ich?, bis Muttern letztlich mit dem Schreihals entschwand.
Aber grundsätzlich: Als Konsumentin eines Konzertes stört es mich viel mehr.
:hello
Severina (12.05.2010, 16:46): Original von Ulrica Hallo,
für mich kann ich sagen, dass mir als Ausübende Störgeräusche, Unruhe und dergl. weniger ausmachen als ich mal dachte. Ich nehme das alles zwar wahr, denke mir in irgendeiner Form sogar meinen Teil, aber mein Tun verändert sich dadurch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass eine Stimme eine sehr dominante geräuschquelle ist, gegen die ein Handy nicht wirklich ankann.
Probleme hätte ich bei einem Kirchengesang fast mal mit einem Schrei - Baby bekommen. ich habe mir durchaus innerlich die Frage gestellt: Was jetzt? Der oder ich?, bis Muttern letztlich mit dem Schreihals entschwand.
Aber grundsätzlich: Als Konsumentin eines Konzertes stört es mich viel mehr.
:hello
Liebe Ulrica, was mich da interessieren würde, ob das nur für eine Opernaufführung gilt oder auch für einen LA oder Arienkonzert? Bei einer Oper kann ich mir schon denken, dass die Störgeräusche von unten durch das doch dominantere Orchester weitgehend kaschiert werden und man durch das Bühnengeschehen auch genügend abgelenkt ist, aber bei einem intimen Liederabend müssen einen Sänger die Hustkaskaden im Zuschauerraum doch tierisch nerven.
Mich nerven sie ungemein und ich hatte schon so manche leicht cholerisch geführte Pausendiskussion deswegen. Bei den meisten Hustern hat man nämlich das Gefühl, dass sie gar ncht zwingend sind, und gegen Reizhusten kann man bekanntlich etwas unternehmen. Ich z.B. schlucke da immer vor der Vorstellung Codeintropfen, die wirken prima, und habe immer meinen dicksten Wollschal dabei, der im Fall des Falles einen Huster sehr gut dämpft. Außerdem wickle ich Lutschbonbons schon zuhause aus ihrer knisternden Umhüllung und stecke sie in ein weiches Plastiksackerl, das absolut geräuschlos geöffnet werden kann. Bei einer schweren Verkühlung verschenke ich meine Karte lieber, bevor ich meiner gesamten Umgebung die Vorstellung durch ständige Nies- und Hustenanfälle vermiese. Was mich auch nervt sind die Leute, die bis zur letzten Sekunde quatschen und dann während der Ouvertüre geräuschvoll ihr Opernglas hervorkramen.
lg Severina :hello
Gamaheh (13.05.2010, 22:30): Liebe Forenser,
hier sollte es mir eigentlich darum gehen, ob Musiker auf der Bühne während eines Konzerts Störungen aus dem Publikum wahrnehmen und ob und wie sie darauf reagieren. Darüber, was wir von sowas halten, haben wir ja schon ausgiebig anderswo gesprochen, z.B. im Faden "Gestern im Konzert". Aber wir können ja gerne einen eigenen Faden dazu aufmachen. Auch eine Probensituation ist etwas anderes - ich glaube nicht, daß Pollini so im Konzert reagieren würde. Aber der Clip ist nett - wir hatten ihn schon mal woanders.
Ich bin übrigens mit aller Vorsicht und ohne Verbindlichkeit (falls ich mal meine Meinung ändern sollte) der Meinung, daß ein Musiker, der ganz bei der Musik ist, sowas gar nicht wahrnimmt. Ich habe z.B. mal ein Recital von Jean-Frédéric Neuburger in einem Saal gehört, der sehr in der Nähe von einem anderen war, in dem irgendwann im langsamen Satz der 2. Brahms-Sonate ein Punk-Konzert begann (oder jedenfalls richtig dröhnig wurde) - und das zusätzlich zu den knarrenden Sitzen bei uns. Für die meisten im Publikum war das unerträglich, und ich denke, daß viele damit rechneten, er würde die Sonate abbrechen. Als ihn jemand hinterher dazu befragte, meinte er, er hätte nichts davon gemerkt, wahrscheinlich sei er zu konzentriert gewesen ...
Grüße, Gamaheh
Zefira (14.05.2010, 01:40): Bei Rolando Villazons Händel-Konzert in Baden-Baden unlängst klingelte mittendrin ein Handy. Ich hätte dessen Besitzer den Hals umdrehen können, und mit Sicherheit ging es nicht nur mir so. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass Rolando oder einer der Ochestermusiker auf der Bühne etwas davon gemerkt hat. Möglicherweise hörte man es oben auf der Bühne weniger.
Ich fand es übrigens sehr amüsant, dass im Baden-Badener Festspielhaus eine besondere Theke mit Hustenbonbons aufgebaut war.
Nachtgruß von Zefira
Fairy Queen (14.05.2010, 06:50): Liebe Zefira, ich habe zwar nciht so ein mächtiges Organ wie Ulrica, neben der man wirklich keine Geräusche mehr hört :D, aber ich stimme trotzdem damit überein, dass man beim Musizieren selbst in der Regel so konzentriert ist, dass man nur am Rande mitbekommt, was sich drumrum abspielt. Natürlich ist das bei Liedprogrammen nochmal ein bisschen differenzierter zu sehen und es kommt auch drauf an, an welcher Stelle betroffen ist.Wenn ich gerade im vollen Brahms Von ewiger Liebe an der dramatischsten Höhepunktstelle ein Rascheln höre, macht das wenig aus. Wenn ich aber bei Schubert: "Du bist die Ruh" in der eintaktigen Pause kurz vor Liedende, die ich extra lang mache in diese Stille gehustet bekomme, bin ich "not amused".
Liedgesang und Kammermusik mit wenigen Ausführenden sind m.E. besonders anfällig für Störungen, weil die leisen Details eine serh grosse Rolle spielen. Je mehr Volt und je "grober" es auf der Bühne zugeht, desto weniger stört Nebenvoltiges.
F.Q.
ab (14.05.2010, 09:15): Von der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz wurde mir einst vom Schlagzeuger berichtet, dass Anfang der 90er einmal von den Plätzen überhalb des Orchesters Jungendliche zwecks Gemütsergötzung eine Münze auf seine Paukte habe fallen lassen, und zwar in der leisesten Stelle, was einen ungeheueren Knall verursacht haben soll. Haydn hätte womöglich seine Freude damit gehabt... :D
Severina (14.05.2010, 10:46): Ich habe eigentlich den Eindruck, dass Dirigenten auf Störgeräusche sensibler reagieren als die Künstler auf der Bühne. Denn während Sänger ungerührt weitersingen, auch wenn ein Scheinwerfer explodiert oder die halbe Kulisse zusammenkracht (so geschehen bei Domingos 40jährigem WSO-Jubiläum), drehen sich die Männer am Pult schon einmal genervt um, wenn z.B. ein Handy klingelt. Welser-Möst kann das besonders gut, und dass unter seinem Blick noch niemand tot umgefallen ist, wundert mich wirklich :cool :D
lg Severina :hello
Michael Schlechtriem (14.05.2010, 22:51): Je älter ich werde, umso ruhiger werde ich, was dieses Problem angeht.
Natürlich sind Störgeräusche aus dem Publikum lästig und können die Konzentration beeinträchtigen.
Aber man sollte nicht alles zu persönlich nehmen.
Früher sind mir allerdings einige Klöpse passiert, welche ich mir heute nicht mehr herausnehmen würde:
Da war z.B. ein Konzert so um 1985 herum, wir hatten gerade mit dem langsamen Satz der Sonate von John Ireland angefangen. Dieser Satz beginnt mit einem hauchzarten pp und auf einmal geht die Tür auf, ein kleiner Junge tappt in den Saal und setzt sich in die erste Reihe. Er war wohl auf dem Klo und das hat etwas länger gedauert.
Ich habe direkt abgebrochen und dem Publikum mitgeteilt, daß dies ja wohl das letzte sei und wir deshalb den Satz neu von vorne beginnen.
Soweit, so gut....aber der kleine Kerl war so verdattert, daß er zu heulen anfing. Also habe ich wieder aufgehört zu spielen und bin runter von der Bühne, um Ihn zu trösten.....Mannomann, das war mehr Stress, als wenn ich einfach weitergespielt hätte.
Es gibt zwei Tageszeitungen in Leverkusen, wo dies passierte, und tatsächlich gab es in beiden Zeitungen nachher Leitartikel. In der einen Zeitung pro, und in der anderen kontra mich............Fand ich nicht so dolle.
Vor ein paar Wochen hat hier in Münster ein Paar während eines sehr leisen Werkes von Mompou den Saal verlassen.Ich war während des Spielens wie vom Donner gerührt, richtig beleidigt...und das wohl zu Recht.
Aber ich habe nichts gesagt, die Zuhörer, welche interessiert waren, hat das ja genauso gestört und ich bin es mittlerweile müde, mich auf der Bühne aufzuregen.
Zum Glück können Blicke ja töten, in Japan hatte ich mal direkt in der ersten Reihe eine ältere Dame vor mir, welche Loriot-mäßig ständig Ihre Handtasche auf und zu machte, mit dem entsprechenden Klicken.
Ich habe Sie einfach mehrere Minuten durchdringend angesehen, während ich spielte. Das hat Sie zwar nicht mitbekommen, die Handtasche war interessanter, aber Ihre Sitznachbarn haben es mitbekommen und Sie darauf aufmerksam gemacht.........Ich fand das lustig, und in Japan kann man sich ansonsten wirklich nicht beschweren, denn von der Ruhe und Konzentration her sind die Japaner ein Traumpublikum.
Der Schuss kann auch nach hinten losgehen:
Vor vielen Jahren habe ich mit einem unserer Regisseure Rezitationsabende gegeben, d.h. ,er hat rezitiert und ich dazu Celloliert.
Bei einem Auftritt klingelt plötzlich vernehmlich ein Handy. Der Regisseur bricht sofort ab und schaut tadelnd in's Publikum. Alle sind wie versteinert......Da besinnt er sich, packt in SEINE Tasche und fummelt SEIN Handy heraus, denn DAS war es.......Superpeinlich.......
Ein anderer Höhepunkt war eine WDR- Direktübertragung meines Orchesters. Keine Ahnung mehr, welches Werk es war, aber es fing mit Bläsern alleine an. Im 2.Rang saß eine anscheinend instabile Dame, welche nach kurzer Zeit deutlich vernehmlich anfing, "Ich will Geigenmusik hören" zu sagen. Als Dauerwiederholung und immer lauter werdend.
Wie gesagt, es war 'ne Live- Übertragung, und unser Intendant ist aufgesprungen, in den 2.Rang gelaufen, und hat diese Dame regelrecht hinausgeschliffen. Denn diese wehrte sich standhaft dagegen, den Saal zu verlassen.
Eigenartigerweise fanden nicht wenige Konzertbesucher das Verhalten unseres Intendanten unmöglich. Ich verstehe das bis heute nicht, denn diese Trulla hat fast unseren Auftritt ruiniert.
Im Laufe der Jahre ist es schon ganz gut, wenn man sich eine dickere Haut zulegt.
Eine der wenigen Dinge, welche ich mir noch erlaube, ist, wenn Opernbesucher vor der Vorstellung sich im Zuschauerraum hinter das Dirigentenpult stellen und anfangen, mit Fingern auf die Musiker zu zeigen. Das sind meistens männliche Vertreter, welche sich meistens auch in einer gewisse Feldherrenpose dort hinstellen und einen anglotzen beim Einspielen. Ich meine nicht, interessiert runterzuschauen, das geht in Ordnung. Ich meine anglotzen und mit dem Finger auf einen zeigen.
In solchen Fällen bitte ich diese Herren dann darum, noch Erdnüsse in den Graben zu werfen, denn ich fühle mich dann wie im Zoo, aber auf der anderen Seite.
Schlussendlich ist es so, daß man sich als Interpret nicht soooo wichtig nehmen sollte. Natürlich, man ist schon irgendwie wichtig und es ist immer wieder eine Herausforderung, ein Publikum für sich zu gewinnen.
Das ist schon ein großer Stress.
Aber man sollte vorsichtig sein, denn man weiß nie, inwieweit Abbrüche und Ausfälle auf der Bühne auf jene wirken, welche sich im Prinzip genauso gestört fühlen und welche auch mit dem Musiker auf der Bühne leiden. Abbrechen und Ausfälle kommen ganz schnell als arrogant und überheblich rüber beim Publikum. Man macht die ganze Sache u.U. nur schlimmer und verscherzt sich Sympathien.
Vor einem Vierteljahrhundert habe ich Pinchas Zukerman in Spanien erlebt, wie er minutenlang vor versammelten Publikum herumschimpfte, man solle die Fernsehkameras ausmachen.
Er hatte sicherlich recht, Kameras und Tonaufnahmen, welche nicht genehmigt sind, machen einen Musiker auf der Bühne schon wütend.
Unglücklicherweise ist aber der zeternde Zukerman meine einzige Erinnerung an diesen Abend, irgendwie war das abstoßend. Er hat dann gespielt wie ein Gott, aber das war mir dann irgendwie egal.
Egal, ob er im Recht war oder nicht, sein Eindruck auf mich war damals furchtbar. Das meine ich, wenn ich sage, der Schuss kann nach hinten losgehen.
:hello Michael
P.S. bei solch langen Texten editiere ich natürlich herum.....Was soll ich machen, damit dies nicht unten angezeigt wird? Habe nun 23 mal editiert und die Rechtschreibfhelr, wlche noch da sind, dürfen behaltne werden........ :J :beer
P.P.S. Das allerpeinlichste, was Husten angeht, ist mir selber passiert: Und zwar beim Anfang von "Urlicht" in Mahlers 2. Sinfonie.
Ich bekam AUF der Bühne eine Brüllhustenattacke erster Kajüte und mußte schlussendlich von der Bühne abgehen. WÄHREND des Konzertes....... Seitdem habe ich wesentlich mehr Verständnis für Huster aus dem Publikum, denn ich habe damals selber den Urlicht-Satz völlig ruiniert durch mein Husten.....
Oft ist ein Publikumshusten auch ein gutes Zeichen: Und zwar dann, wenn bei völliger Stille ein gewisser emotionaler Höhepunkt eines Werkes erreicht wurde.
Wenn dieser Höhepunkt dann geklappt hat, dann darf man sich freuen, wenn es laute Huster im Publikum gibt. Denn dies ist ein Zeichen für die Anspannung, welche man erreicht hat. Das Husten ist dann ein Zeichen für die Abspannung danach und völlig normal.
Severina (14.05.2010, 23:57): Lieber Micha, ich finde das sehr interessant, was Du aus der Warte eines Betroffenen schreibst! Wenn man das als ausübender Musiker wirklich so genau mitbekommt, bewundere ich Euren Langmut. Ich bin ja eher cholerisch veranlagt :wink und zucke schon als Zuschauerin aus, wenn in meiner Umgebung jemand Lärm macht, wäre ich an Deiner Stelle, stünde ich wohl öfter in den Schlagzeilen..... :cool Ich habe auch keine Skrupel, in der Pause die Störer zur Rede zu stellen oder einem Sitznachbarn, der sanft entschlummert und mich mit seinen Atemgeräuschen nervt, meinen Ellbogen in die Flanke zu bohren :D
lg Severina :engel
PS: Die Anzeige des Edierens kriegst Du hier nicht weg, aber mich stört das nicht, im Gegenteil.
Agravain (15.05.2010, 09:13): Ich entsinne mich an einen Konzertabend in der Kulturmetropole Braunschweig. Ein großer, in Wolfsburg ansässiger Autokonzern bezahlt alle paar Jahre sehr viel Geld dafür, dass hochrangige Künstler in die dortige Stadthalle kommen, um dort vor dem Autokonzert nahe stehenden Publikum, das in großen Teilen wenig Ahnung von Musik, aber immerhin doch die Karten verehrt bekommen hat, aufzuspielen. In jenem Jahr waren es die New Yorker Philharmoniker, Lorin Maazel und Gil Shaham, die mit Mahler 5 und Sibelius' Violinkonzert im Gepäck angereist waren. Begonnen wurde mit Sibelius. Nach dem ersten Satz, quasi noch im letzten Ton: frenetischer Jubel. Wow, da hat eine die Violine bedient, muss der Phaeton unter den Fidlern sein. Dann wartete Maazel, damit sich wieder Ruhe und Konzentration (auch beim Publikum) einstellen konnte. Und nun das Phänomen: die Konzentrationspause dauerte dem Ungewohnten Konzertgänger an sich wohl zu lange (in Braunschweig brauchen wir nicht so lange, um uns zu konzentrieren), auf einmal erhebt sich, Maazel hob gerade an, den Satz beginnen zu lassen, erneut frenetischer Beifall a là "go Lorin go, go Gil go". Und was passiert: Maazel dreht sich um, zeigt ein leicht miesepetriges Gesicht und - wie sagt's Goethe - "schüttelt das Haupt" angesichts eines solchen Unsinns. Ich (nicht klatschend) wäre gern kollektiv und in bester Don-Giovanni-Manier im Abgrund versunken. :hello Agravain
Gamaheh (15.05.2010, 11:06): Lieber Michael,
vielen Dank für Deine Bemerkungen "aus dem Mund des Pferdes" und die Anekdoten.
Original von Michael Schlechtriem Aber man sollte vorsichtig sein, denn man weiß nie, inwieweit Abbrüche und Ausfälle auf der Bühne auf jene wirken, welche sich im Prinzip genauso gestört fühlen und welche auch mit dem Musiker auf der Bühne leiden. Abbrechen und Ausfälle kommen ganz schnell als arrogant und überheblich rüber beim Publikum. Man macht die ganze Sache u.U. nur schlimmer und verscherzt sich Sympathien. Ja, das glaube ich bestimmt, siehe z.B. hier.
P.S. bei solch langen Texten editiere ich natürlich herum.....Was soll ich machen, damit dies nicht unten angezeigt wird? Du kannst den Text erstmal in einem externen Text-Editor schreiben (am besten gleich mit den entsprechenden Steuerzeichen), dort korrekturlesen und dann in den hiesigen Editor kopieren.
Ich bekam AUF der Bühne eine Brüllhustenattacke erster Kajüte und mußte schlussendlich von der Bühne abgehen. WÄHREND des Konzertes....... Seitdem habe ich wesentlich mehr Verständnis für Huster aus dem Publikum, denn ich habe damals selber den Urlicht-Satz völlig ruiniert durch mein Husten..... Ja, das gibt es - ich habe es auch schon erlebt. Obwohl ich gut vorbereitet in jedes Konzert gehe, habe ich auch schon mal einen Krampfhusten bekommen, den zu unterdrücken mich eine derartige Konzentration gekostet hat, daß ich sicher einen hochroten Kopf bekommen habe und leider die Musik in den Minuten völlig an mir vorbeigegangen ist. Ich denke, niemand hustet mit Absicht, und die wenigsten aus Ignoranz. Meist ist es den Urhebern selbst am peinlichsten. Ich war sogar kürzlich mal in einem Konzert, wo ich mir nicht ganz sicher war, daß das penetrante Husten und das Türenschlagen beim Verlassen des Saals während des Konzerts nicht Teil der Komposition waren - aber das gehört in einen anderen Faden.
Grundsätzlich habe ich weniger Verständnis für Leute - seien es Musiker oder Mitglieder des Publikums - die sich so wichtig nehmen, daß sie sich bemüßigt fühlen, andere zu maßregeln. Das kann auch leicht nach hinten losgehen und Leute aus dem Konzertsaal vertreiben, die vielleicht (noch) nicht die gleiche Konzerterfahrung haben wie andere und sie so auch nie erwerben werden. Auch das trägt leider dazu bei, der klasssischen Musik den Ruch des Elitären zu geben (wofür sie selbst nichts kann). Womit ich nicht im geringsten andeuten will, daß ich es begrüße, wenn sich im Konzertsaal ein beliebiges Verhalten ausbreitet.
Oft ist ein Publikumshusten auch ein gutes Zeichen: Und zwar dann, wenn bei völliger Stille ein gewisser emotionaler Höhepunkt eines Werkes erreicht wurde. Wenn dieser Höhepunkt dann geklappt hat, dann darf man sich freuen, wenn es laute Huster im Publikum gibt. Danke für diese Bemerkung ! Das glaube ich auch, und auch das Husten zwischen einzelnen Sätzen finde ich eher amüsant, zeigt es doch für mich eine rühende, wohlgemeinte Absicht, prophylaktisch sein Hustenpotential zu erschöpfen.
Beste Grüße, Gamaheh
ab (15.05.2010, 13:43): Original von Michael Schlechtriem Vor ein paar Wochen hat hier in Münster ein Paar während eines sehr leisen Werkes von Mompou den Saal verlassen.Ich war während des Spielens wie vom Donner gerührt, richtig beleidigt...und das wohl zu Recht.
Es könnte aber ja auch sein, dass der Zuhörer einer "Brüllhustenattacke erster Kajüte" zuvorkommen wollte...
Ich selbst wollt einmal demonstrativ aufstehen und hinausgehen, nämlich als Beckmann in der Leipziger Thomaskirche drei Cello-Solosuiten von Bach ruinierte. Selbst bei der ersten Suite war er schon allein technisch völlig überfordert, um vom Musikalischen gar nicht zu reden. Leider saßen wir so weit innerhalb einer langen Kirchenbank, dass wir es dann doch nicht fertig brachte und unsäglich bis zur Pause leiden mussten. Auschlag gab auch, dass es eine Benefinzveranstaltung zugunsten von Obdachlosen war und dass es sichtlich anderen Zuhörenden, die sonst womöglich nie Klassik hören, gefallen zu haben schien.
:hello
Michael Schlechtriem (15.05.2010, 13:49): nämlich als Beckmann in der Leipziger Thomaskirche drei Cello-Solosuiten von Bach ruinierte. Ah ja, der Herr Beckmann aus Düsseldorf. Nennt sich selber "Deutschlands erfolgreichster Cellist" ...........
Unglaublich, was für ein Selbstbewußtsein bei nicht vorhandenem Können.
Dann lieber den Obdachlosen gleich auf der Strasse etwas spenden.........
Auf den Plakaten steht immer groß: "Beckmann spielt Cello" . Warum klebt nicht mal einer einen Zettel mit der Frage "Warum? " drunter.........? :hello
ab (15.05.2010, 13:51): :rofl
Severina (15.05.2010, 14:21): Original von Gamaheh Ich denke, niemand hustet mit Absicht, und die wenigsten aus Ignoranz. Meist ist es den Urhebern selbst am peinlichsten. Ich war sogar kürzlich mal in einem Konzert, wo ich mir nicht ganz sicher war, daß das penetrante Husten und das Türenschlagen beim Verlassen des Saals während des Konzerts nicht Teil der Komposition waren - aber das gehört in einen anderen Faden.
Grundsätzlich habe ich weniger Verständnis für Leute - seien es Musiker oder Mitglieder des Publikums - die sich so wichtig nehmen, daß sie sich bemüßigt fühlen, andere zu maßregeln. Das kann auch leicht nach hinten losgehen und Leute aus dem Konzertsaal vertreiben, die vielleicht (noch) nicht die gleiche Konzerterfahrung haben wie andere und sie so auch nie erwerben werden. Auch das trägt leider dazu bei, der klasssischen Musik den Ruch des Elitären zu geben (wofür sie selbst nichts kann). Womit ich nicht im geringsten andeuten will, daß ich es begrüße, wenn sich im Konzertsaal ein beliebiges Verhalten ausbreitet.
[Beste Grüße, Gamaheh
Liebe Gamaheh,
das sehe ich leider anders, denn ich bin der Meinung, dass ein Großteil der Husterei sehr wohl unterdrückt werden könnte. Damit meine ich jetzt nicht einen akuten Anfall von Reizhusten, wie er Dir passiert ist, sondern diese ziemlich gedankenlosen Huster, meist nur ein Sich-frei-Räuspern, womit man locker bis zur nächsten Pause warten könnte. Oder wie erklärst Du Dir das Phänomen, dass der Erste, der nach einer längeren Ruhephase hustet, eine richtige Lawine von Nachhustern auslöst?? Also entweder, ich muss husten, dann aber sofort, oder eben nicht. Der zweite Absatz ist wohl auf mich gemünzt. Nun, ich kann Dir versichern, dass ich mich absolut nicht wichtig nehme, wohl aber die Musik und die ausübenden Künstler. Und richtiges Benehmen hat absolut nichts mit "elitär" zu tun, abgesehen davon, dass ich auch klassische Musik keineswegs als "elitär" empfinde. Ich putze auch niemanden runter, sondern ersuche z.B. höflich, ob man vielleicht ein ständig klimperndes Armband (Ja, das kann einen speziell in einem LA, wenn jedes Umblättern damit verbunden ist, rasend machen) nicht bitte ablegen könnte. Meistens ernte ich dann dankbare Blicke und Kommentare von den anderen Umsitzenden. Wenn man Leute darauf nicht aufmerksam macht, werden sie die "Konzerterfahrung", die Du oben ansprichst, wohl kaum erwerben. Im Klartext: Wenn der Dame ihr kllimperndes Armband wichtiger ist als das Konzert, soll sie lieber ins Kino gehen, Ihr "Verlust" als Konzertbesucherin wäre wirklich zu verschmerzen. Weiß Du, ich gehe derart oft in die Oper oder in Konzerte, und da kommen Dir so unglaubliche Dinge unter, dass meine Toleranzschwelle im Laufe der letzten Jahrzehnte tatsächlich sehr niedrig geworden ist. Und wie ich oben schon schrieb: Man kann gegen Husten etwas tun, der berühmte Wollschal z.B. dämpft jeden Anfall auf eine tolerierbare Lautstärke.
lg Severina :hello
Honoria Lucasta (15.05.2010, 16:26): Beim Husten bin ich mir nie sicher, ob nicht, wie oben schon beschrieben, ein Huster alle anderen psychologisch auslöst - dagegen wird wohl nichts zu machen sein. Ich bin einmal aus einer Aufführung in der Berliner Staatsoper in das Foyer entschwunden, weil ich meine Bronchitis auch mit Bonbons, Schal und eisernem Willen nicht mehr in den Griff bekam... Was mich allerdings fast noch mehr stört, sind Leute, die nicht stillsitzen können; leider sind es meist Jugendliche, die das nicht schaffen, sondern immer wieder hin- und herrutschen. Wenn ich selbst auf der Bühne stehe, kann mich das in den Wahnsinn treiben! Meist hilft nur, den Missetäter mit Blicken so zu fixieren, daß er es irgendwann merkt und aufhört, aber leider klappt das nicht immer.
Grüße!
Honoria
Christian Neumann (15.05.2010, 20:33): Original von Severina ich bin der Meinung, dass ein Großteil der Husterei sehr wohl unterdrückt werden könnte. Damit meine ich jetzt nicht einen akuten Anfall von Reizhusten, wie er Dir passiert ist, sondern diese ziemlich gedankenlosen Huster, meist nur ein Sich-frei-Räuspern, womit man locker bis zur nächsten Pause warten könnte.
Der zweite Absatz ist wohl auf mich gemünzt. Nun, ich kann Dir versichern, dass ich mich absolut nicht wichtig nehme, wohl aber die Musik und die ausübenden Künstler. Das unterschreibe ich mal so.
Was ich auffällig finde: Man kann mit derselben Zusammenstellung von Leuten im Konzert sein, oder aber in der Bahn, im Stadion, in der Schlange beim Einkaufen - und nur beim Konzert wird gehustet. Dieser Eindruck bestätigt sich immer wieder, aber erklären kann ich ihn mir nicht.
Original von ab Ich selbst wollt einmal demonstrativ aufstehen und hinausgehen, nämlich als Beckmann in der Leipziger Thomaskirche drei Cello-Solosuiten von Bach ruinierte. Das erinnert mich an ein anderes merkwürdiges Thema: "die Selbstverständlichkeit des Klatschens". Ich bin schon erstaunt, geradezu finster angeguckt worden, weil ich nach dem Konzert nicht klatschte. Dass ich das Dargebotene vielleicht nicht so gelungen fand, dass es Applaus verdiente, schien meinen Mithörern partout nicht in den Sinn zu kommen. Ihre Blicke sagten: "Klatschen ist doch selbstverständlich!" Ich möchte sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die Reaktion des Publikums gar nichts mehr mit der Qualität der Vorstellung zu tun hat.
Das nur mal als themenabweichender Gedankengang. :)
ab (16.05.2010, 08:58): Original von Christian Neumann Original von ab Ich selbst wollt einmal demonstrativ aufstehen und hinausgehen, nämlich als Beckmann in der Leipziger Thomaskirche drei Cello-Solosuiten von Bach ruinierte. Das erinnert mich an ein anderes merkwürdiges Thema: "die Selbstverständlichkeit des Klatschens". Ich bin schon erstaunt, geradezu finster angeguckt worden, weil ich nach dem Konzert nicht klatschte. Dass ich das Dargebotene vielleicht nicht so gelungen fand, dass es Applaus verdiente, schien meinen Mithörern partout nicht in den Sinn zu kommen. Ihre Blicke sagten: "Klatschen ist doch selbstverständlich!" Ich möchte sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die Reaktion des Publikums gar nichts mehr mit der Qualität der Vorstellung zu tun hat.
Das nur mal als themenabweichender Gedankengang. :)
Noch stärker ist es bei standing ovations. Wenn alle aufstehen und man als einziger sitzen bleibt. Das benötigte Selbstvertrauen muss umso stärker sein als man sich geradezu kein vorkommt. :hello
Cetay (inaktiv) (16.05.2010, 09:54): Original von ab Original von Christian Neumann Original von ab Ich selbst wollt einmal demonstrativ aufstehen und hinausgehen, nämlich als Beckmann in der Leipziger Thomaskirche drei Cello-Solosuiten von Bach ruinierte. Das erinnert mich an ein anderes merkwürdiges Thema: "die Selbstverständlichkeit des Klatschens". Ich bin schon erstaunt, geradezu finster angeguckt worden, weil ich nach dem Konzert nicht klatschte. Dass ich das Dargebotene vielleicht nicht so gelungen fand, dass es Applaus verdiente, schien meinen Mithörern partout nicht in den Sinn zu kommen. Ihre Blicke sagten: "Klatschen ist doch selbstverständlich!" Ich möchte sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die Reaktion des Publikums gar nichts mehr mit der Qualität der Vorstellung zu tun hat.
Das nur mal als themenabweichender Gedankengang. :)
Noch stärker ist es bei standing ovations. Wenn alle aufstehen und man als einziger sitzen bleibt. Das benötigte Selbstvertrauen muss umso stärker sein als man sich geradezu kein vorkommt. :hello
Ich hab das mal andersherum erlebt. :ignore
ab (16.05.2010, 10:39): Original von Cetay
Ich hab das mal andersherum erlebt. :ignore
Eine solche Erfahrung fehlt mir noch :hello
Gamaheh (16.05.2010, 11:08): Original von ab Original von Cetay
Ich hab das mal andersherum erlebt. :ignore
Eine solche Erfahrung fehlt mir noch :hello Ich habe sie mal in einer katholischen Kirche gemacht, wohin man mich mitgenommen hatte - war mir damals sehr peinlich ...
Cetay (inaktiv) (20.05.2010, 17:28): Thematisch hierher passt eine Legende, über die ich gestern gelesen habe. In Indien ist es schon immer Sitte, dass das Publikum seiner Freude auch während des Konzerts lautstark Ausdruck verleiht. Allerdings war das bald zur reinen Selbst-Darstellung des eigenen Kunstsachverstandes verkommen. Einem Kaiser, der auch ein führender Musiker war, ging dieses aufgeblasene Getue so gegen den Strich, dass er einmal vor einem Konzert ankündigte, jeden, der es wagen würde, seine Darbietung zu stören, sofort mit dem Tod zu bestrafen. Während des Konzerts herrschte Totenstille, bis ein Zuschauer vor lauter Verzückung aufsprang und losschrie. Der Kaiser unterbrach sein Spiel sofort und ließ den Störenfried unter den mitleidigen Blicken des Publikums auf die Bühne führen. Er umarmte ihn vor lauter Freude darüber, einen echten Kunstliebhaber zu teffen, und schenkte ihm seine Glückskette.
Gamaheh (22.05.2010, 13:26): Nun habe ich endlich eine Geschichte von Rachmaninow wiedergefunden; das Zitat stammt aus einem Brief an Nikolai Medtner vom Dezember 1931 (soweit ich ausmachen kann):
"I’ve played (the Op. 42 variations) about fifteen times, but of these fifteen performances, only one was good. The others were sloppy. I can’t play my own compositions! And it’s so boring! Not once have I played these all in continuity. I was guided by the coughing of the audience. Whenever the coughing would increase, I would skip the next variation. Whenever there was no coughing, I would play them in proper order. In one concert, I don’t remember where, some small town, the coughing was so violent that I played only ten variations (out of twenty). My best record was set in New York, where I played 8 variations. However, I hope that you will play all of them, and won't ‘cough’." Quelle
Es geht um Rachmaninows Corelli-Variationen - kennt sie jemand? (Ich habe nur mal eine einzelne als Zugabe nach der Paganini-Rhapsodie gehört.)
Grüße, Gamaheh
nikolaus (22.05.2010, 15:34): Original von Gamaheh
Es geht um Rachmaninows Corelli-Variationen - kennt sie jemand? (Ich habe nur mal eine einzelne als Zugabe nach der Paganini-Rhapsodie gehört.)
Grüße, Gamaheh
Ja, ich höre sie sehr gerne, wenn auch selten. Das liegt daran, dass meine Aufnahme die von Dir nicht so geschätzte Hélène Grimaud vorneweg das 2. Klavierkonzert von Rachmaninov spielt, dass ich inzwischen in der Aufnahme von Zimerman und Andsnes vorziehe.
Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (03.06.2010, 09:53): Eine originelle Idee, um mit störendem Handy-Klingeln im Publikum umzugehen:
"Marc-André Hamelin plays his composition "Valse Irritation". He transcribed the Nokia ringtone. He is known to play it in concerts when he hears a cellphone go off."
Grüße, Gamaheh
P.S.: Hier gibt es auch die Noten. Wen es interessiert: Offenbar handelt es sich ursprünglich um eine Komposition für Gitarre solo ("Gran vals") von Francisco Tárrega (1852 - 1909), die Nokia 1993 gekauft hat. Hier noch eine auf dieses Thema komponierte Fuge, die "Nokia Fuge".
Ulrica (03.06.2010, 12:55): Original von Severina
Liebe Ulrica, was mich da interessieren würde, ob das nur für eine Opernaufführung gilt oder auch für einen LA oder Arienkonzert? Bei einer Oper kann ich mir schon denken, dass die Störgeräusche von unten durch das doch dominantere Orchester weitgehend kaschiert werden und man durch das Bühnengeschehen auch genügend abgelenkt ist, aber bei einem intimen Liederabend müssen einen Sänger die Hustkaskaden im Zuschauerraum doch tierisch nerven.
Liebe Severina,
zunächst bitte ich, meine späte Reaktion zu entschuldigen. ich habe einen neuen PC und hatte so einige Schwierigkeiten mit dem "Umzug" darauf.
Nein, es stört in der Tat nicht. Vielleicht liegt das daran, dass ich, wenn ich auftrete, in einem zuvor konziperten Arbeitsgang drinstecke, der abläuft, egal, was drumrum passiert. Die Huster sind viel zu weit weg, sie kommen mir physisch nicht in die Quere. Die raumverteilung (die Bühne gehört dem Pianisten, ev. Mitakteuren und vor allem mir :D) ist dadurch nicht tangiert.
Auch wenn es anders wirkt, aber während des Auftritt verschwendet man die wenigsten oder am besten gar keinen Gedanken mehr daran, wie sich das jetzt anhört oder ob ein gestörter bzw. missratener Ton dabei gewesen sein könnte. Es geht nur darum, die geprobten Abläufe mit den Mitagierenden (bin ich mit dem Klavier/Orchester zusammen?), und stimmt die körperliche Einstellung (Körpergefühl bei der Tonerzeugung mit dem geprobten überein?) zu steuern und gegenüber den Proben noch die bestmögliche Intensität hineinzulegen.
Ergo: Der ganze Vorgang beschäftigt einen so stark, dass räumlich entferntere Geschehnisse gar nicht richtig durchdringen. Das klingt jetzt alles sehr unromantisch, denn es ist Arbeit, auch wenn es Spass macht.
LG :hello Ulrica
Bert (29.09.2010, 20:14): Von Vaclav Hudecek, damals ein tschechisches Talent und Schüler von David Oistrach, habe ich gelesen, daß er bei einem Konzert (Tschaikowsky: VK in D-dur, Op. 35) im Publikum ein junges Paar beobachtete, das sich bei den ersten Tönen der Canzonetta an den Händen faßte, und er, Hudecek, setzte seine Geige in den lieblichsten Ton und spielte diesen Satz für die beiden Verliebten.
Die Quelle weiß ich nicht mehr, es sind schon so 30 Jahre her...
Gruß, Bert
satie (30.09.2010, 22:19): Original von Gamaheh
Es geht um Rachmaninows Corelli-Variationen - kennt sie jemand? (Ich habe nur mal eine einzelne als Zugabe nach der Paganini-Rhapsodie gehört.)
Grüße, Gamaheh
Tatsächlich wusste es Rachmaninov wohl nicht besser, aber das Thema ist überhaupt nicht von Corelli, sondern viel älterer Herkunft. Es ist die Folia (auch Follia oder "Folies d'espagne"), übersetzbar mit "Wahnsinn", eine der am häufigsten benutzten Ostinato-Bassformen für Variationen überhaupt. Der Grund, warum man das nicht mehr so kennt, ist der, dass man die Folia im Barock zwar gerne als Variationsgegenstand nutzte, danach aber nicht mehr (angesehen vielleicht von Salieris Variationen für Orchester). Corellis eigene Variationen für die Violine sind mit die bekanntesten, er benutzt die Folia zusammen mit einem Thema, welches recht früh eine enge Verknüpfung mit der Bass- und Harmoniefolge eingeht und später in der Musikgeschichte fast immer so benutzt wird. Man muss nur mal die Variationen von Vivaldi und die von Marin Marais anhören und mit denen von Corelli vergleichen, dann fällt das doch sehr deutlich auf. Das Problem der Folia ist, dass sie als harmonisches Modell sehr geschlossen und knapp ist und daher nicht für große romantische Ergüsse geeignet ist (zumindets nicht ohne Abwandlung). Vielleicht mochte deshalb das Publikum die Variationen von Rachmaninov nicht so sehr, die eher das modernistische Moment auszudrücken scheinen als die große Emotion. Und dafür ist die modal geprägte Folia durchaus geeignet. Das Folia-Harmoniemodell ist immer d-Moll / A-Dur / d-Moll / C-Dur / F-Dur / C-Dur /d-Moll / A-Dur und dann bei der Wiederholung mit Auflösung nach d-Moll zurück (oder natürlich entsprechend transponiert in anderen Tonarten). Aber vorsichtig: wenn man sich zu lange damit befasst, wird man wirklich wahnsinnig...ich habe mittlerweile so viele Folia-Kompositionen gesammelt, dass ich nicht mehr weiß wohin damit...ach ja: in der spanischen Rhapsodie von Liszt gibt es auch eine Folia-Stelle, fällt mir gerade noch ein.
Herzlich,
S A T I E
EinTon (13.10.2010, 03:03): Original von Satie ach ja: in der spanischen Rhapsodie von Liszt gibt es auch eine Folia-Stelle, fällt mir gerade noch ein.
Herzlich,
S A T I E
Und auch in der 5. von Beethoven (2. Satz - die as-moll-Stelle ziemlich gegen Ende). Auch das zweite Thema des ersten Satzes des 5. Klavierkonzerts weist am Anfang (wenn es in es-moll erscheint) harmonisch starke Ahnlichkeiten mit dem Folia-Thema auf.
satie (13.10.2010, 16:22): Yepp! Hallo Normann, mein Guter! Danke für den Hinweis. und noch was: Conquest of Paradise von Vangelis ist ein Beispiel jüngerer Zeit für die Folia. :hello
satie (13.10.2010, 16:38): Mir fällt zu dem Thema Musiker und Publikum noch etwas ganz anderes ein. Es gab in den 60ern einige Beispiele für Kompositionen, die versuchten, das Publikum in die Aufführung mit einzubeziehen. Das ist natürlich auch beim berühmten 4 Minuten 33 Sekunden von John Cage, das wir hier bitte nicht diskutieren müssen.Uebrigens: Sorry, ich habe seit kurzem einen Mac mit Schweizer Tastatur und finde einige Zeichen noch nicht, unter anderem das grosse ü oder das SZ, also seid bitte nachsichtig...). Einige mir bekannte Beispiele sind von Dieter Schnebel, einem der wenigen der alten Garde, die ich persönlich kennenlernen durfte. Concert sans Orchestre ist für einen Pianisten und Publikum, und der Musiker muss ständig auf erwartete Geräusche aus dem Publikum reagieren und aber auch diese herausfordern durch nur vage notierte Aktionen. àhnlich ist die Komposition "réactions".
Da generell solcherlei Konzeptstücke später an Reiz verloren und das Publikum natürlich ziemlich unberechnebar ist, hat man solche Versuche dann nicht mehr fortgeführt, obwohl die Idee meiner Ansicht nach nicht uninteressant ist. Und ich korrigiere: ein junger Komponist namens Bill Dietz hatte vor nicht so langer Zeit ein Stück gemacht, das daraus bestand, das Publikum während der Pause des Konzerts aufzunehmen und in der zweiten Hälfte sich selbst präsentiert zu werden. Ich hatte an dem Abend allerdings was anderes zu tun....