Feeigkeiten (25.02.2022, 17:51): Hallo zusammen! Ich bin grad dabei, mich in Musiktheorie einzufuchsen, und hätte nicht gedacht, dass das Thema zu umfangreich und schwierig ist - aber es macht unwahrscheinlich viel Spaß! Nun zu meiner Frage, und bitte nicht böse sein, denn ich weiß, dass das eine totale Anfängerfrage ist: Wenn ZUM BEISPIEL Mozart (Haydn, Brahms etc) eine Sinfonie ZUM BEISPIEL in d-Moll (e-Dur, f-Moll etc) geschrieben hat, kann man die auch ZUM BEISPIEL in c-Dur (b-Moll, g-Dur etc) aufführen?
satie (25.02.2022, 21:37): Hallo Feeigkeiten, Keine Sorge, die Frage ist gar nicht doof. Grundsätzlich kann man Stücke von einer Tonart in eine andere Transponieren. Gängig ist das zum Beispiel bei Liedern von Schubert. Wenn nämlich statt einem Tenor ein Bariton das selbe Stück singen will, passt der Tonumfang nicht unbedingt und dann muss ein Stück angepasst werden. Man würde hier sagen, daß ist in Ordnung, weil nichts substanziell verändert wird. Allerdings kann sich die Stimmung eines Stücks durchaus ändern dadurch. Was man nicht macht im Normalfall ist, ein Stück, das in Dur steht nach Moll ändern oder umgekehrt. Der Charakter würde sich extrem verändern. Das wäre höchstens in einer Parodie möglich, zum Beispiel bei Igudesman und Joo, wenn sie den Türkischen Marsch lieber in "orientalischen Dur" spielen wollen.
Bei Werken anderer Besetzung wie einer Symphonie kann man die Tonart zwar theoretisch ändern, aber in der Regel sind die Stücke so komponiert, dass zum Beispiel darauf geachtet wird, dass alles den Instrumenten gemäß gesetzt ist, also so, dass es gut spielbar ist. Wenn man die Tonart ändern würde, wäre das wahrscheinlich nicht mehr der Fall. Wenn man beispielsweise ein Stück in A-Dur für Streicher hat, dann ist das viel besser spielbar als dasselbe Stück in As-Dur, weil die Stimmung der Instrumente den Kreuztonarten mehr entgegenkommt.
Das ist alles sehr vereinfacht, aber vielleicht könnte das etwas Klarheit bringen.
Herzliche Grüße Satie
Andréjo (25.02.2022, 23:42): In der ersten Sinfonie von Gustav Mahler erscheint die bekannte Melodie vom Meister/ Bruder Jakob in Moll statt in Dur. Hör's Dir mal an - solltest Du die Musik nicht ohnehin längst kennen - das bringt Dir vielleicht allein durch den Höreindruck ein Aha-Erlebnis.
Was Mahler hier beabsichtigt hat, geht schon in Richtung Parodie, Brechung einer überkommenen Hörerwartung.
Bei Werken anderer Besetzung wie einer Symphonie kann man die Tonart zwar theoretisch ändern, aber in der Regel sind die Stücke so komponiert, dass zum Beispiel darauf geachtet wird, dass alles den Instrumenten gemäß gesetzt ist, also so, dass es gut spielbar ist. Wenn man die Tonart ändern würde, wäre das wahrscheinlich nicht mehr der Fall. Wenn man beispielsweise ein Stück in A-Dur für Streicher hat, dann ist das viel besser spielbar als dasselbe Stück in As-Dur, weil die Stimmung der Instrumente den Kreuztonarten mehr entgegenkommt.
Herzliche Grüße Satie Nicht nur ist es (oft) so gesetzt, dass es gut spielbar ist, teilweise würde sich bei Änderungen der Tonart das Problem ergeben, dass der Tonumfang mancher Instrumente überschritten wird. Bspw. gibt es praktisch kein Stück, dass die leere G-Saite der Geigen nicht benutzt. Wenn man dieses Stück nun um einen Ton nach unten transponieren würde, also z.B. von D-Dur nach C-Dur, wäre die Geigenstimme nicht mal mehr theoretisch spielbar.
Achja: Herzlich willkommen im Forum! Und hier gilt grundsätzlich, dass jede Frage erlaubt ist :)
Cetay (26.02.2022, 00:33): Hallo Feeigkeiten,
Herzlich Willkommen in diesem kleinen, aber feinen Forum. Keine Sorge, hier gibt es Mitglieder, die das Thema Musiktheorie nach der Schule zu den Akten gelegt haben und ein Instrument nur anfassen, wenn garantiert niemand in Hoerweite ist. Und selbst solche Dummies (ein Vertreter dieser Gruppe schreibt gerade diesen Beitrag) wagen es ab und an, einem Berufskomponisten kritische Fragen zu stellen.
Grundsätzlich kann man Stücke von einer Tonart in eine andere Transponieren. (...) Man würde hier sagen, daß ist in Ordnung, weil nichts substanziell verändert wird. Allerdings kann sich die Stimmung eines Stücks durchaus ändern dadurch. Das regt sich leiser Widerspruch. Wegen der temperierten Stimmung (der Instrumente) sind die Frequenzverhaeltnisse der Intervalle immer gleich, egal in welcher Tonart ein Stueck notiert ist. Es gibt in temperierter Stimmung (der Instrumente) keine inhaerente Tonartencharakteristik, weswegen sich die Stimmung (Atmosphaere) bei einer Transposition nicht aendern sollte. Sollte sie das doch tun, dann liegt es daran, dass das Stueck hoeher oder tiefer erklingt - das hat aber afaik nichts mit der Tonart zu tun. Beispiel: Wenn ich ein Stueck von C-Dur nach D-Dur transponiere, dann klingt es um eine Sekunde = 9/8 hoeher. Wenn ich nun den Kammerton von a = 440 Hz auf a = 8/9 x 440 Hz = 391 Hz aendere, dann klingt es jetzt in D-Dur genau gleich, wie zuvor in C-Dur. Oder liege ich da voellig daneben?
Feeigkeiten (26.02.2022, 03:23): Wouw, das ist ja eine super herzliche Begrüßung! Das erlebt man tatsächlich nicht oft. Die meisten Fachbegriffe, wie zB Transponieren, habe ich tatsächlich auf dem Zettel; den Rest ergoogle ich mir. Das mit Bruder Jakob und Mahler habe ich tatsächlich herausgehört. Hab dazu auch was bei Wikipedia gefunden, dass der das als Trauermarsch umgewandelt hat. Total interessant. Das ist ein total schönes Hobby, und ich bemerke wirklich, dass ich damit 45 Jahre, bin jetzt 52, zu spät angefangen habe. Wenn man noch dazu so, wie bei Euch, an die Hand genommen wird, macht es dreimal so viel Spaß. Vielen Dank für Eure Hilfe!
satie (26.02.2022, 09:23): Hallo Feeigkeiten,
Herzlich Willkommen in diesem kleinen, aber feinen Forum. Keine Sorge, hier gibt es Mitglieder, die das Thema Musiktheorie nach der Schule zu den Akten gelegt haben und ein Instrument nur anfassen, wenn garantiert niemand in Hoerweite ist. Und selbst solche Dummies (ein Vertreter dieser Gruppe schreibt gerade diesen Beitrag) wagen es ab und an, einem Berufskomponisten kritische Fragen zu stellen.
Grundsätzlich kann man Stücke von einer Tonart in eine andere Transponieren. (...) Man würde hier sagen, daß ist in Ordnung, weil nichts substanziell verändert wird. Allerdings kann sich die Stimmung eines Stücks durchaus ändern dadurch. Das regt sich leiser Widerspruch. Wegen der temperierten Stimmung (der Instrumente) sind die Frequenzverhaeltnisse der Intervalle immer gleich, egal in welcher Tonart ein Stueck notiert ist. Es gibt in temperierter Stimmung (der Instrumente) keine inhaerente Tonartencharakteristik, weswegen sich die Stimmung (Atmosphaere) bei einer Transposition nicht aendern sollte. Sollte sie das doch tun, dann liegt es daran, dass das Stueck hoeher oder tiefer erklingt - das hat aber afaik nichts mit der Tonart zu tun.Beispiel: Wenn ich ein Stueck von C-Dur nach D-Dur transponiere, dann klingt es um eine Sekunde = 9/8 hoeher. Wenn ich nun den Kammerton von a = 440 Hz auf a = 8/9 x 440 Hz = 391 Hz aendere, dann klingt es jetzt in D-Dur genau gleich, wie zuvor in C-Dur. Oder liege ich da voellig daneben? Mit Stimmung meine ich nicht die Temperatur, sondern die Stimmung im Sinn des Charakters, oder vielleicht besser, der Beleuchtung. Ein Beispiel sei das Impromptu in Ges-Dur von Schubert, das in alten Ausgaben gerne alternativ in G-Dur abgedruckt wurde wegen der leichteren Lesbarkeit. Das Stück klingt aber erkennbar heller in G, so meine ich zumindest, und es geht ein Teil der Intimität verloren. Dass aber theoretisch beliebig transponiert werden kann stimmt schon. Ich schrieb deswegen theoretisch. Ich wollte mich auch vielleicht etwas unangebracht einfach ausdrücken, da ich angesichts der Frage nicht wusste, von wieviel Wissen ich ausgehen kann.
Herzliche Grüße Satie
Guenther (26.02.2022, 09:54): Hallo Feeigkeiten,
willkommen im Klassikforum! :)
Deine Frage ist sehr berechtigt, und insbesondere Satie hat das Wichtigste dazu ja auch gesagt. Du fragtest ja nach der *Aufführung* einer klassischen Sinfonie in einer anderen Tonart. Dazu ist das Problem halt die "Praxis", d.h. die Notation bzw. die Spielbarkeit der Orchesterstimmen für die klassischen Instrumente ist auf die Original-Tonart "optimiert". Dazu hat ja auch Nicolas Aine einiges gesagt.
Grundsätzlich muß man auch die geschichtliche Entwicklung berücksichtigen. Du wirst Dich bei weiterer Beschäftigung auch einmal mit verschiedenen Instrumentenstimmungen beschäftigen (reine Stimmung, temperierte Stimmung, gleichstufige Stimmung etc.).
Die heute gebräuchliche (in der Klassik auch überwiegend schon gebräuchliche) Stimmung ist die "gleichstufige". D.h. abweichend von den tatsächlichen ("reinen") Intervallen, die sich aus ganzzahligen Brüchen oder Vielfachen der Frequenzen ergeben würden, stimmt man das Instrument so, daß die Intervalle in jeder Tonart an jeder Stelle der Tonleiter praktisch gleich groß ("gleichstufig") sind.
Das war womöglich das, worauf Satie und Cetay hier bezug nehmen. Cetay meinte möglicherweise diese Instrumentenstimmung, die ein technischer Begriff ist, während Satie die Stimmung meint, die im Hörer durch die Klangfarben, die Tonhöhen etc. entsteht, also mehr einen emotionalen, rezeptorischen Begriff.
Man könnte nun meinen, da in allen Tonarten durch die gleichstufige Stimmung die gleichen Intervalle vorhanden sind, daß dann die Rezeption auch immer gleich sein müßte. Dieser Meinung kann man durchaus sein, es gibt aber auch andere Ansichten.
Hier ist z.B. ein interessanter Artikel zu Tonarten bei Mozart:
https://mozartstonarten.wordpress.com/
Ich zitiere einmal nur den letzten Satz:
Will man aus der besprochenen sechstönigen Motivstruktur auf das Ganze schließen, scheint bei dieser Geschichte wiederum die Bindung bestimmter Momente des Tonsatzes an spezifische Tonarten eine nicht unwesentliche Rolle gespielt zu haben. Der Autor ist sich auch nicht sicher, schließt aber die Möglichkeit nicht aus, daß hier musikalisches Material an eine Tonart gebunden sein könnte, und dies mit voller Absicht des Komponisten.
Relativiert wird das Ganze allerdings, wenn man bedenkt, daß die Klassik in bezug auf Instrumentenstimmungen eine Art Übergangszeit spielt; denn die absoluten Tonhöhen waren nicht überall auf der Welt gleich. Z.T. waren sie von Stadt zu Stadt verschieden, d.h. der "Kammerton" hatte vielleicht in Wien eine Höhe von 430Hz, in Paris vielleicht von 434Hz (nur Beispiele).
Dazu schreibt der Autor: Angesichts Mozarts äußerst akkuraten absoluten Gehörs sowie phänomenalen musikalischen Gedächtnisses scheint es durchaus plausibel, dass eine tonartengebundene musikalische Vorstellung für die Etablierung einer anhaltenden ›komponisteneigenen‹ Verbindung zwischen Tonart undmusikalischem Material verantwortlich sein könnte. (...), allerdings scheint sich dieser Befund in eine Reihe von mehreren tonartabhängigen Elementen in Mozarts Werken einzufügen. (...) Diese Erklärung wird durch das Durcheinander der absoluten Tonhöhen und der Stimmungssysteme in Mozarts musikalischem Umfeld (Mozart und seine Zeitgenossen waren bekanntlich mit Fluktuationen der absoluten Tonhöhe je nach Stadt und verwendeten Instrumenten konfrontiert) zwar herausgefordert, nicht aber grundsätzlich in Frage gestellt.
Und er zitiert Gloede:
Vermöge seines absoluten Gehörs hat Mozart seine musikalischen Einfälle zweifellos nicht in einem abstrakten Tonraum, sondern vielmehr jeweils in einer konkreten Tonart konzipiert, und auch sein Gedächtnis wird in entsprechender Weise gearbeitet haben. (Gloede 1993, 40f.)
Ein "heißes" Thema... :)
Cetay (26.02.2022, 11:50): Das war womöglich das, worauf Satie und Cetay hier bezug nehmen. Cetay meinte möglicherweise diese Instrumentenstimmung, die ein technischer Begriff ist, während Satie die Stimmung meint, die im Hörer durch die Klangfarben, die Tonhöhen etc. entsteht, also mehr einen emotionalen, rezeptorischen Begriff Ich meinte beide. Maximal verkuerzt: Weil die Instrumentenstimmung gleichstufig ist, ist die rezeptorische Stimmung unabhaengig von der Tonart. G-Dur klingt sicher lichter als Ges-Dur, aber genau den gleichen Effekt koennte man durch entsprechende Anhebung des Kammertons erreichen. Das ist afaik ununterscheidbar und damit nicht in der Tonart begruendet.
Andréjo (26.02.2022, 12:04): Zwischendurch mal ein Dankeschön an Euch Spezialisten - Cetay, Guenther, Nicolas Aine und Satie. Da lerne ich auch an Theoretischem dazu, der ich ja keinerlei Musik je über das Hobby hinaus studiert habe (und erst recht nicht Physik oder Mathe). Sternchen braucht Ihr in Eurem Alter ja nicht mehr - war ein Scherz, das mit dem Alter, nicht schlagen ...
(Ein bisschen was weiß ich sogar von den naturwissenschaftlichen Hintergründen zum Thema, aber nicht viel und ich könnte es nur schwer vermitteln.)
:A :D :) Wolfgang
Andréjo (26.02.2022, 12:13): Da hab ich auch eine Frage, die mir hier wahrscheinlich schneller beantwortet werden kann, als ich es selbst herausfinde.
Alte-Musik-Ensembles setzen den Kammerton bisweilen auf 415 fest. Es gibt ein Ensemble, welches sich sogar so nennt. Dort. wo meine ordentliche Stereoanlage steht, steht auch mein Klavier von 1995. Dort hatte ich den Eindruck von etwa einem Viertelton Unterschied. Leicht möglich, dass auch der neue Kasten mal wieder gestimmt werden sollte. Der alte Kasten von um 1900 steht im Wohnzimmer, wird hin und wieder zum Klimpern benutzt, ist eher Möbelstück, da recht hübsch anzusehen, aber im Detail verdorben und auch kaum mehr hochzustimmen, wie mir der Klavierstimmer schon vor über zwanzig Jahren gesagt hat.
Tendenziell verstimmt ist der Kasten um etwa einen "echten" halben Ton. Was würde das in Hertzchen beim Kammerton a' ungefähr bedeuten?
:hello Wolfgang
Guenther (26.02.2022, 14:15): Wie heißt es in der "Feuerzangenbowle": Da stellen mer uns janz dumm...
... und suchen im Internet nach den "Frequenzen der gleichstufigen Stimmung". Z.B. bei Wikipedia:
Du siehst, daß der Kammerton a' (Nr. 49 in gelb) hier mit der Frequenz von 440 Hz angegeben wird. Ein halber Ton tiefer wäre dann das gis'/as' (Nr. 48). Die Frequenz kannst Du ja selbst ablesen.
Zu den Stimmungen noch ein Wort: Das ist eine never ending story. Es gab in der "guten alten Zeit" durchaus mehr als eine Stimmung zu einer Zeit an einem Ort. Man unterschied z.B. zwischen Kammer(musik)-Ton und Chor-Ton (auch Kirchenton oder Orgelton genannt). Einige alte Orgeln sind bis heute auf ihrer alten Stimmung, und das konnte durchaus auch mal 415 Hz oder ein anderer Wert sein.
Umgekehrt konnten "Kammertöne" auch mal höher gestimmt sein als heute. Wer da Interesse dran hat, kann mal einen ganz kleinen Überblick hier bekommen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Orgelton
Zitat:
Zum anderen dienten seine Orgeln zur Begleitung des Gemeindegesangs und erfüllten eine liturgische Funktion. Ein Einsatz mit anderen Instrumenten war in der Regel nicht vorgesehen. Leipziger Orgeln waren zu Zeiten Johann Sebastian Bachs auf etwa 465 Hz gestimmt.
Heute würde man denken, das sei ein "grausliches Durcheinander", aber damals kam ein durchschnittlicher Musiker eher kaum über seine Stadtgrenze hinaus, und es war eigentlich "wurscht", wie Orgeln und Instrumente gestimmt waren...
Guenther (26.02.2022, 14:18): @Cetay
Das mit der absoluten Tonhöhe stimmt, aber eben nur zum Teil, was die "emotionale Stimmung" betrifft. Denn diese wird nicht allein von der Frequenz, sondern vor allem auch von der Klangfarbe, der Melodie, dem Tempo, etc. bestimmt.
Generell aber ist es schon so, daß tiefe Frequenzen (Stimme) eher beruhigend sind, höhere eher "anregend". Ich sage immer: Wenn man wissen will, wie eine Musik wirken kann, sing sie!
Die menschliche Stimme ist ein hervorragender Indikator von Stimmungen.
Andréjo (26.02.2022, 17:33): @ Guenther: Danke Dir für den Link!
Leicht möglich, dass ich so was geahnt habe. Ein Klavierstimmer für das neue Klavier war auch schon lange nicht mehr zu Besuch. Leider müsste ich mir erst wieder einen suchen, denn die Leute gehen halt auch in Ruhestand ... Andererseits ist im Moment (leider irgendwie) niemand an der Hand, der wie früher öfters Violine, Flöte, sogar Trompete spielt. Einmal weggezogen, einmal keine Zeit mehr (hin und wieder haben wir aber Kontakt), einmal leider verstorben, was mich sehr betrübt ...
:P Insofern aktuell ein sekundäres Problem für mich. Hab dann halt ein OPI-Gerät
mein vorletzter Schulleiter konnte den einen Musiklehrer nicht leiden und hat von daher immer von einem "Gerät" gesprochen. :P
:) Wolfgang
Sfantu (26.02.2022, 17:49): Hallo Feeigkeiten,
nachträglich ein herzliches Willkommen auch von mir! Ich wollte zuerst den Wissenden den Vortritt lassen und kann mich Andréjos Dank nur anschließen: man liest und lernt. Schön, daß Dein erster Beitrag gleich mit einer so interessanten Frage aufwartet. Ich hoffe, es folgen noch viele Weitere.
Herzliche Grüße, Sfantu
@Andréjo
bis jetzt hatte ich immer einen Klavierstimmer von einem Piano-Haus kommen lassen. Für ein entsprechendes Salaire, versteht sich. Weiß inzwischen aber auch, daß manche ausübende Musiker das (vermutlich) genauso gut und (vermutlich) günstiger tun. Werde daher fürs nächste Mal in Musikschulen oder am Konservatorium etwas ans schwarze Brett pinnen bzw. versuchen, die passende Mundpropaganda zu lancieren.
Andréjo (26.02.2022, 23:49): @ Sfantu:
So teuer war der freischaffende Klavierstimmer nicht, aber halt auch schon locker sechzig. Vorher hatte ich einen anderen, mit dem ich auch sehr zufrieden war und der mir nach Besichtigung des abgewirtschafteten Bamberger Steingräber zu meinem Bayreuther Steingräber 130 verholfen hat. Dort gibt es die durchaus renommierte Firma nach wie vor, in Bamberg längst nicht mehr. Aber fünfzehn Jahre später oder so wollte er nur noch dort oder in der Nähe arbeiten, wo sich sein Geschäft befindet (oder eher befand, glaube ich). Und das ist über 50 Kilometer entfernt.
Wie gesagt: Wenn man nur für sich spielt (und das leider auch nicht mehr so häufig wie einst), kommt es auf einen korrekten Kammerton nicht an. Insgesamt scheint mir das "Gerät" aber nicht sonderlich verstimmt. Gefallen hat mir sein Klang im Rahmen der Möglichkeiten eines größeren Pianino immer.
Mal schauen ...
Ebenfalls beste Grüße,
Wolfgang
Sfantu (27.02.2022, 10:09): @Andréjo
danke für Deine Preiseinschätzung. Hatte Mitte der 90er bereits jeweils 120,- Mark gezahlt. So gesehen klingen die gut 60 Euro, knapp 30 Jahre später, recht fair. Hier in der CH wird sowas auf jeden Fall immer gleich 3stellig. Habe ein Carl Mand-Pianino von 1911 in Kirsche mit schwarzgerahmten Intarsien und einer Klaviatur aus heute (zurecht) verbotenem Material. Es hat ein rundes, bronzenes Timbre und hätte eigentlich einen fähigeren Spieler als mich verdient. Aber ja - auch für mich gilt: der perfekte a`= 440 Hz-Pitch ist nicht überlebenswichtig.
Viele Grüße, Sfantu
Andréjo (27.02.2022, 11:04): :D :)
130 ist die Höhe des Pianinos. Relativ hoch also, es geht meines Wissens in der Norm bis 138.
Genau weiß ich nicht mehr, was jeweils so an den Klavierstimmer in bar und zuletzt, glaube ich, per Überweisung abgegeben wurde. Könnte ich vielleicht sogar noch nachsehen, da abgeheftet. Ich empfand es als unproblematisch. Heute würde ich aber vermutlich überall deutlich mehr als 60 Euro zahlen müssen. Ob die Schweiz da in der Tendenz teurer ist? Naja, wahrscheinlich schon.
Dein Klavier stelle ich mir sehenswert vor, Meister Sfantu.
Und was die Fähigkeiten anbelangt: Einst - vor gut vierzig Jahren - war ich sehr zufrieden mit mir; subjektiv einigermaßen ausreichendes Geklimper von Chopin-Balladen, Bilder einer Ausstellung, Rhapsody in blue, Wandererfantasie ... heute fehlen einfach die Technik und Geläufigkeit radikal, so dass ich versuche, langsame Sätze von Beethoven mit ein wenig Ausdruck zu spielen. :P :haha
Man müsste halt intensiv üben, wie ich es - bei für mich einfacheren Sachen zweifellos - im Zusammenspiel mit Trompete oder Chor in einer lokalen Öffentlichkeit getan habe, bis vor vielleicht zehn Jahren. Jetzt reizt mich das Üben leider nicht mehr wirklich. Vielleicht leider, vielleicht wurscht. Man kann nicht alles haben. Klaviermusik hören ist einfacher . Die Klaviersonaten von Skrjabin lese ich gerne mit und besitze ich in einem Dutzend Einspielungen. Spielen konnte ich sie NATÜRLICH nie auch nur annähernd.
:hello Wolfgang
Philidor (27.02.2022, 16:47): Weil die Instrumentenstimmung gleichstufig ist, ist die rezeptorische Stimmung unabhaengig von der Tonart. G-Dur klingt sicher lichter als Ges-Dur, Schwieriges Thema. Für einen Synthesizer mag das stimmen.
Karajan ließ seine Berliner nicht deswegen höher gestimmt spielen als andere Orchester, um der "Oberste" zu sein, sondern weil die höhere auf die Saiten der Streichinstrumente wirkende Zugkraft eine größere Brillanz bewirkt.
Genauso sind in G-Dur für die Blechbläser halt andere Töne ohne Drücken eines Ventils erzeugbar als in Ges-Dur, was durch die Verlängerung des Rohres eben doch einen subtilen Unterschied der Klangfarbe bewirkt. Bei den Streichern kommen andere Töne für das Spielen auf leeren Saiten in Frage.
Völlig klar wird es bei der menschlichen Stimme, und in der Einleitungsfrage geht es ja um Mahler 2. Einfach mal einen halben Millimeter aus den Stimmlippen rausschnippeln ist halt nicht. Genau den gleichen Effekt koennte man durch entsprechende Anhebung des Kammertons erreichen. Das ist afaik ununterscheidbar und damit nicht in der Tonart begruendet. Siehe oben - das Anheben des Kammertons hat eben Ausiwrkungen.
Ganz zu schweigen davon, dass mit einer Tonart (zumindest noch bei Mahler) eben bestimmte Konnotationen einher gehen, ob diese nun rational begründbar sind oder nicht. Mahler 2 in c-Moll ist etwas anderes (Beethoven op. 13, op. 67, Brahms Sinf 1) als in h-Moll (Schubert D 759, Bach Messe, ...)