Retrobrain (03.07.2022, 19:52): In der klassischen Musik gibt es bestimmt viele Stücke, in denen die Naturgewalten eine (Haupt-)rolle spielen. Ich würde in diesem Thread gerne einige Beispiele und Empfehlungen zu solchen Stücken sammeln.
Ich fange mit Jon Leifs „Hekla“ an. Die Komposition stellt den Ausbruch des gleichnamigen Vulkans auf Island im Jahr 1949 dar, welchen Leifs selbst miterlebte. Seine Kompostion ist gewaltig, auch in einer Art gewalttätig, ungestüm, überbordend. Die Klangwand, oder eher Klangwoge überrollt den Hörer förmlich.
Außerdem hörte ich gerade den „Geysir“ vom gleichen Komponisten. Das Stück ist eruptiv, aber weniger gewaltig als Hekla.
Alles in allem könnte auch Wagner solche Musik erschaffen haben.
Auch Wasserfälle und ähnliche Naturthemen sind willkommen!
So auch „Niagara Falls“ von Michael Daugherty. Die Musik fängt freundlich und friedlich an, wird zunehmend schneller, Bläser setzen dramatische Akzente, Schlagwerk unterstützt. Wir nähern uns dem majestätischen Wasserfall. Da liegt er vor uns. Trotz Größe hat er auch etwas Mystisches.
Grüsse, Retro :tongue:
Joe Dvorak (04.07.2022, 04:28): Da kommt mir als erstes und aus dem Stehgreif einziges Beispiel die Mount St. Helens Sinfonie von Alan Hovhaness in den Sinn:
Ich fand die Schilderung der truegerischen Idylle davor beeindruckender. Der Ausbruch ist schon arg plakativ. Paukenschlaege, Donnerblech, aufsteigende Blaeserfanfaren, Streicherglissandi und so weiter - wobei mir vorher nicht klar war, dass Vulkane im Marschrhythmus ausbrechen.
Ansonsten muesste die Alpensinfonie von R. Strauss eine Fundgrube sein. Dort gibt es zwar keine Vulkane, aber Wasserfaelle und was sonst noch so in Natur vorkommt und es ist -bei allem Spektakel- in erster Linie eine gut gemachte Komposition. Wenn es richtig fett und maechtig sein soll, dann wuerde ich zu Zubin Mehta mit dem LAPO greifen, das ist die Himalaya-Version.
Sfantu (04.07.2022, 09:13): Eine Nummer kleiner als Vulkane und Erdbeben - vielleicht aber dennoch interessant für Dich? Diese kleine Sammlung nämlich. Was Überflutungen angeht, bieten sich Geschichten um die Arche Noah an: Brittens "Noye's Fludde" oder Donizettis "Il diluvio universale". Meyerbeers "Le prophète" endet zwar nicht mit einer Natur- aber mit einer menschengemachten Katastrophe, nämlich einer Salpeter-Explosion (und das im biederen Münster).
Retrobrain (04.07.2022, 09:46): Hallo Sfantu. Danke für den Link. Es müssen natürlich nicht immer die Unglücke sein. Auch andere Naturereignisse reizen mich. Ich hätte den Titel vielleicht sorgfältiger wählen sollen. ;(
Philidor (04.07.2022, 16:32): Joseph Haydn: Il terremoto (letzter Satz der "Sieben Worte")
Jan Van Karajan (04.07.2022, 17:57): Ich meine mal gelesen zu haben, dass im letzten Akt von Herolds Zampa die Titelfigur in den Krater eines aktiven Vulkans geworfen wird, um ihn für seine Handlungen zu bestrafen. Im weitesten Sinne würde also auch das in diese Reihe passen :) Grüße Jan :hello
Philidor (04.07.2022, 20:13): Alles in allem könnte auch Wagner solche Musik erschaffen haben. In seiner "Götterdämmerung" brennt die Gibichungenhalle erst, dann tritt der Rhein über seine Ufer und überflutet die Halle.
(Will nicht mal jemand eine Ring-Inszenierung machen, bei welcher der Raub des Rheingolds durch die Erfindung des Feuers ersetzt wird und damit der Beginn des anthropogenen Klimawandels anhebt? Dann kommt die Sache mit einer alles verschlingenden Überflutung an sein Ende ...)
Amonasro (05.07.2022, 00:05): Als erstes fällt mir da das kürzlich erst gehörte Oratorium Il diluvio universale von Michelangelo Falvetti ein. In der Sinfonia di tempeste zu Beginn des 3. Teils wird durch das allmähliche hinzutreten der Instrumente von tief nach hoch der steigende Wasserpegel evoziert.
In Rossinis Mosè in Egitto gibt es gleich eine ganze Reihe von Naturereignissen: Sonnenfinsternis, Feuerregen und am Schluss die Teilung des Roten Meeres.
Mit einem Ausbruch des Vesuv enden Daniel Aubers La muette di Portici, Giovanni Pacinis L'ultimo giorno di Pompei und Félicien Davids Herculanum. In Rameaus Les Indes galantes gibt es im Akt "Die Inkas in Peru" einen von einem betrügerischen Priester künstlich hervorgerufenen Vulkanausbruch (wie er das genau macht, erfährt man leider nicht).
Villa-Lobos' symphonische Dichtung Erosão ("Erosion") hat die Entstehung des Amazonas und der Anden durch geologische Prozesse zum Inhalt.
Im 1. Akt von Lullys Proserpine wird ein Fest durch ein Erdbeben unterbrochen, ausgelöst durch die von Zeus unter die Erde verbannten Giganten, die sich vergeblich zu befreien suchen.
Stürme gibt es in der klassischen Musik in unüberschaubarer Anzahl.
Gruß Amonasro :hello
Joe Dvorak (05.07.2022, 03:51): Es müssen natürlich nicht immer die Unglücke sein. Auch andere Naturereignisse reizen mich. Ich hätte den Titel vielleicht sorgfältiger wählen sollen. ;( Du kannst als Themenstarter den Titel nachtraeglich noch aendern.
Das Naturereignis schlechthin ist die Natur selbst, daher darf diese hier nicht fehlen:
Sigmund von Hausegger - Natursymphonie
palestrina (05.07.2022, 10:09): Ich meine mal gelesen zu haben, dass im letzten Akt von Herolds Zampa die Titelfigur in den Krater eines aktiven Vulkans geworfen wird, um ihn für seine Handlungen zu bestrafen. Im weitesten Sinne würde also auch das in diese Reihe passen :) Grüße Jan :hello Es ist nicht so ganz richtig...... :)
.. Camille verschwindet, und an ihrer Stelle erscheint die Marmorstatue Alices, die Zampas Hand ergreift. Blitze durchleuchten das Zimmer. Zampa zieht seinen Dolch, aber er zerbricht am harten Stein. Mit einem Donnerschlag versinkt die Statue und zieht Zampa mit sich in die Tiefe. Gleichzeitig erschreckt sich das Volk über einen Ausbruch des Ätna.
LG palestrina
Jan Van Karajan (05.07.2022, 14:48): Danke für den Hinweis, lieber Palestrina :) . Ich kannte die Oper nur vom Lesen, war mir also nicht mehr ganz sicher. Grüße Jan :hello
Joe Dvorak (07.07.2022, 10:53): Einen hamma noch:
Yann Robin - Vulcano
Ein Rezensent hat das Stueck als Mix zwsichen Varèses Arcana und Free Jazz beschrieben. Mal hoeren...
Joe Dvorak (07.07.2022, 11:07): Und noch ein richtig gewaltiges Naturereignis:
Michelangelo Falvetti - Il Diluvio Universale (Die Sintflut)
Amonasro (07.07.2022, 13:06): Erstaunlich, dass Beethovens 6. Sinfonie Pastorale noch nicht genannt wurde...
In Félicien Davids Ode-symphonie Le désert wird u. a. ein Sandsturm musikalisch dargestellt.
Thematisch ähnlich sind Borodins Steppenskizzen aus Mittelasien.
In Catalanis Oper La Wally werden die Protagonisten von einer Lawine getötet.