Neujahrskonzert 2008

karajan (30.12.2007, 17:43):



Hallo Forianer

Wie jedes Jahr am 01.01. leiten die Wiener Philharmoniker das Neue Jahr ein mit dem Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein. Seit vielen vielen Jahren schaue ich mir immer das Neujahrskonzert an. Mal sehen was uns dieses Jahr erwartet denn zum ersten mal haben die Philharmoniker den französischen Dirigent Georges Prêtre eingeladen das bekannteste Konzert der Welt zu leiten.
Prètre wird folgende Werke dirigieren!
Programm Neujahrskonzert 2008
1. Teil:
Johann Strauß Sohn "Napoleon-Marsch", op. 156
Johann Strauß "Dorfschwalben aus Österreich", Walzer op. 164
Joseph Strauß "Laxenburger Polka", op. 60
Johann Strauß Vater "Pariser Walzer"
Johann Strauß Vater "Versailler Galopp"
Johann Strauß Sohn "Orpheus-Quadrille", op. 236
Joseph Hellmesberger jun. "Kleiner Anzeiger", Galopp op. 4

Teil 2:
Johann Strauß Sohn Ouvertüre zu "Indigo und die vierzig Räuber"
Johann Strauß Sohn "Freut euch des Lebens", Walzer op. 340
Johann Strauß Sohn "Bluette", Polka française op. 271
Johann Strauß Sohn "Tritsch-Tratsch", Polka schnell op. 214
Joseph Lanner "Hofballtänze", Walzer op. 161
Joseph Strauß "Die Libelle", Polka mazur op. 204
Johann Strauß Sohn "Russischer Marsch", op. 426
Johann Strauß Sohn "Die Pariserin", Polka française op. 238
Johann Strauß Vater "Chineser-Galopp", op. 20
Johann Strauß Sohn "Kaiserwalzer", op. 437
Johann Strauß Sohn "Die Bajadere", Polka schnell op. 351


In der Vergangenheit gab es großartige Konzerte aber auch Konzerte die einem nicht besonders gefallen haben.
Für mich waren die großen Neujahrskonzerte mit Kleiber und natürlich Karajan. Auch Metha konnte Stimmung machen. Selbst Ozawa hat ein gutes Konzert abgeliefert. Dagegen hat mir der Auftritt von Harnoncourt-Maazel nicht zugesagt. Muti hat sich am Anfang schwer getan aber dann doch überzeugt. Harnoncourts 2 Auftritte waren für mich die schlechtesten Neujahrskonzerte der Geschichte und ich hoffe die Philharmoniker laden ihn nicht mehr ein. Allein sein steifes Auftreten war erschreckend musikalisch ohne Esprit und Gefühl. Der Donauwalzer war kalt und trocken.

Wie ist das bei euch schaut ihr das Konzert an und was sagt ihr dazu. Gab es bei euch Highlights die ihr nicht vergesst.
Für mich gehört das Konzert einfach zu Neujahr dazu auch wenn es aus Wien kommt.

Liebe Grüße
KARAJAN
Amadé (30.12.2007, 20:30):
Lieber Karajan,

der neue Faden "Neujahrskonzerte" liegt nahe. Leider kann ich Deine Begeisterung für die Wiener Neujahrskonzerte nicht teilen.
Vor vielen Jahren habe ich sie auch regelmäßig im Fernsehen "miterlebt", bis die Veranstaltungen mir dann über wurden. Für mich ist da zu viel drumrum, es geht weniger um die Musik, die mit viel Aplomb inszeniert wird, die beiden Konzerte mit Carlos Kleiber bilden da vielleicht eine Ausnahme.
Am meisten ärgert mich die öffentliche Hinrichtung eines Juwels der Strauß-Dynastie, des Radetzky-Marsches, ohne dass ein Maestro das Publikum daran hindert, nein im Gegenteil, er gibt ihm noch das Zeichen zum Todesstoß! Erschütternd! Mittlerweile ahmen weniger bekannte Dirigenten deutscher Kulturorchester diesem dummen Brauch nach, um sich beim Publikum anzubiedern.
Wer jemals dieses Meisterwerk in der kongenialen Interpretation von Ferenc Fricsay mit seinem Berliner Radio-Symphonie-Orchester gehört hat, weiß wovon ich spreche.
Ouvertüren, Walzer, Polkas von Strauß höre ich sehr gern, dann aber lieber von der Schallplatte. Da gibt es viele gute Aufnahmen, neben dem schon genannten Fricsay u.a. B.Walter, F.Reiner, J.Horenstein, R.Kempe, C.Krauss und auch Karajan.

Mit diesen persönlichen Anmerkungen möchte ich Dir jedoch Deine Freunde an der Veranstaltung nicht vermiesen, man kann vieles auch anders sehen.

Alles Gute für's neue Jahr.
Amadé
Cetay (inaktiv) (31.12.2007, 09:43):
Was mich an diesen Konzerten stört, ist das Repertoire. Da kann dirigieren wer will, auf Dauer ist mir das einfach zuviel Tschingdarassabum. Nur weil alle eine dicken Kopf haben, braucht man doch nicht nur das Unterhaltsamste, das die "ernste" Musik zu bieten hat, aus der Schublade zu ziehen.
Dass es auch anders geht, zeigen die Württemberger Philharmoniker bei ihren Neujahrskonzerten. Da gibt es zwar auch den unvermeidlichen Kaiserwalzer, aber eben auch eine Uraufführung von Ferran Cruixent, ein Schlagzeugkonzert von Paul Creston, Saties Parade und Ravels La Valse. Und mit Rücksicht auf die Köpfe des Publikums hat man es gleich in die 2. Januarwoche gelegt. :D
Mime (31.12.2007, 11:47):
Also, mein Ding ist diese Walzer-Polka-Galopp-Anhäufung beim Neujahrskonzert auch nicht. Das wäre m.E. eher ein Faschingsprogramm.

Ich höre lieber das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker, da hat die klassische Musik wenigstens den Stellenwert, der ihr gebührt.
cellodil (31.12.2007, 13:08):
Im Fernsehen habe ich - offen gestanden - noch nie ein Neujahrskonzert angehört (schäm). Dafür besuche ich seit Jahren und mit großem Vergnügen die Dinner for one-hafte Konzertveranstaltung im örtlichen Opernhaus am Neujahrstag mit Stehgeiger, betagtem Staatsschauspieler als manisch charmeversprühendem und vor sich (mehr oder weniger erheiternd) hinwitzelnden Conferencier. Ein probates Mittel gegen Schwindelgefühle und aufkommendem Unwohlsein angesichts des in der Türe stehenden ungewissen neuen Jahres...

Also: Ich lach' mich jedes Mal schlapp und mag dieses Kuriosum des Konzertbetriebs einfach ... alles Walzer, Polka und - jawohl! - auch Mitmachgelegenheit fürs Publikum.

Liebe Grüße und Euch allen einen guten Rutsch in ein gesundes und glückliches 2008

Sabine
satie (31.12.2007, 14:48):
Sehr off-topic und noch viel mehr Geschmackssache, aber irgendwie finde ich das hier her gehörend als wohl aussagekräftigste Stellungnahme meiner unbedeutenden Wenigkeit:

Sissi und der Kaiser Franz gehen auf dem Markt flanieren. Da kommen sie an einem Stand mit diversen Eiern vorbei. Der Kaiser, dumm wie bei inzestuösem Adel nicht anders zu erwarten, kennt kaum welche und fragt also den Verkäufer: "Sagens a mal, wos san denn dös für Eier?"
Verkäufer: "Ah, gehns, Herr Kaiser, dös san doch Hühnereier."
Franz: "Host ghört, Sissi? Köstlich, köstlich, Hühnereier!!"
Wenig später fragt Franz wieder: "Und wos san denn dös für Eier?"
Verkäufer:"Dös san Enteneier, Herr Kaiser."
Franz:"Sissi, host ghört? Enteneier! Köstlich, köstlich!!"
Da sieht der Kaiser noch ganz große Eier und fragt:
"Jööööh...wos san denn dös für große Eier???"
Verläufer: "No, die san vom Strauss."
Franz: "Sissi, host ghört, köstlich, köstlich!!! Jo mei, der Walzerkönig!"

Aber mal ganz im Ernst: viel mehr als gehobene Unterhaltungsmusik ist das nun mal nicht, und als solche muss sie auch betrachtet werden - solide gemachte Unterhaltung. Da ich am Neujahrstag ohnehin im Koma liege für gewöhnlich, ist es mir besonders recht, wenn die ganzen Produkte der Strauss-Lanner-K.-U.-K.-Hofwalzerei-Betriebe gerade an diesem Tag aufs Andre-Rieu-süchtige Publikum losgefeuert werden. Interpretatorische Fragen scheinen mir da recht überflüssig oder höchstens von der Art "wollns dös Scherzl, dös is schee gnusprig, ned wia beim Harnoncourt".
Es geht hier doch nicht darum, ob man in den guten Chateau Lafitte Zucker streut oder nicht, sondern nur darum, ob man die Limonade gern besonders süß hat oder nicht. Und mal Limonade ist doch auch ok, bei mir und meiner miesen Konstitution würden mir irgendwann halt die Beißer verfaulen.

Nein, nein, wems gefällt, der möge sich nicht beirren lassen! Jedem das seine.

N juten Rutsch, wie wir hier sagen und Sturzhelm nicht vergessen!

Euer
S A T I E
Küss die Hand, gschamster Diener
Rachmaninov (31.12.2007, 16:22):
Muss ehrlich gestehen mich interessiert diese Veranstalltung eher nicht!
cellodil (31.12.2007, 16:50):
Original von Satie
Da ich am Neujahrstag ohnehin im Koma liege für gewöhnlich, ist es mir besonders recht, wenn die ganzen Produkte der Strauss-Lanner-K.-U.-K.-Hofwalzerei-Betriebe gerade an diesem Tag aufs Andre-Rieu-süchtige Publikum losgefeuert werden.

Mein lieber Satie,

ich gehe mal (um des lieben Forumfriedens) davon aus, dass Du dabei nur an mich gedacht hast, oder????

:haha

Original von Satie
Es geht hier doch nicht darum, ob man in den guten Chateau Lafitte Zucker streut oder nicht, sondern nur darum, ob man die Limonade gern besonders süß hat oder nicht. Und mal Limonade ist doch auch ok, bei mir und meiner miesen Konstitution würden mir irgendwann halt die Beißer verfaulen.

... und das wäre doch sehr bedauerlich. Falls Dir's doch mal nach einer Karies-Attacke sein sollte: Ich zeig' Dir gerne mal meine André-Rieu-Sammlung...

:J

Original von Satie
N juten Rutsch, wie wir hier sagen und Sturzhelm nicht vergessen!


Das wünsche ich Dir auch, damit Du auch im neuen Jahr noch kraftvoll zubeißen kannst...

Herzliche Grüße

Sabine
satie (31.12.2007, 20:14):
Meine liebe Sabine,
kurz vor dem Fall ins Koma:
natürlich habe ich nur an Dich gedacht, denn Du bist ja berühmt berüchtigt mit Deiner Sammlung von Rieu. Es ist wohl auch nur der Neid, der da aus mir gesprochen hat, denn der hat die besseren Zähne als ich (was auch erklärt, warum der unbeschadet immer das Zeug dudeln kann) und außerdem hat er auch mehr Haare als ich (da bin ich ja ganz allergisch gegen).
Aber gut: wenn Du mir Deine Rieu-Sammlung zeigst, zeig ich Dir dafür meine James-Last-Narbe, die mir mein Onkel zugefügt hat in meiner Kindheit. Für den ist ja Rieu schon zu intellektuell und zu "hochtrabend". Aber immerhin, ich weiß ja, wie das mit dem enden wird: schiefer Hals und verdrehtes rechtes Handgelenk, den Kieferkrampf nicht zu vergessen, außerdem die Unfähigkeit auf mehr als 3 zu zählen (fürn Marsch reichen ja 2)...da bin ich ja froh, wenn ich im Alter nur einen Tinnitus habe.
Oha, jetzt muss ich aber langsam die Platte mit Händels Feuerwerksmusik raussuchen um damit Metallica von den Nachbarn zu überdröhnen. Danach vielleicht noch etwas Rieu...

Herzlichst

S A T I E
satie (31.12.2007, 20:22):
http://www.laut.de/bilder/wortlaut/artists/r/rieu_andre/defimage1.jpghttp://www.star-channel.de/images/groups/andre-rieu.jpg
http://lr-hellas.snn.gr/images/andrerieu.jpghttp://hitparade.ch/cdimg/andre_rieu-the_second_waltz_s.jpg

http://www.vittoriociurlia.com/rieu.jpg
daniel5993 (31.12.2007, 22:24):
Guten Abend Satie,

Aber mal ganz im Ernst: viel mehr als gehobene Unterhaltungsmusik ist das nun mal nicht, und als solche muss sie auch betrachtet werden - solide gemachte Unterhaltung.

Ein Stück seh ich das auch so, allerdings denk ich, das z.B die Fledermausouvertüre, welche so manches mal auf einem Neujahrskonzert gespielt wird, bei weitem keine solide Unterhaltungsmusik ist! Ebenso der Kaiserwalzer! Das sind schon kleine Meisterwerke.

Bis nächstes Jahr
Gruß
Daniel
cellodil (01.01.2008, 04:53):
Mein lieber Satie,

hoffe mal, dass Du mittlerweile glücklich komatierst (heißt das so?) und ansonsten gut ins neue Jahr hineingerutscht bist. Auf die Last-Narbe wäre ich selbstverständlich schon sehr neugierig - und noch neugieriger auf die damit verbundene Onkel-Geschichte...

Wegen der Zähne... vielleicht hilft der Rat meiner Zahnarzt-Freundin in Sachen Limonadenkonsum. Kann man trinken, meint sie, aber keinesfalls unmittelbar danach die Zähne putzen, weil das die Beißerchen mittelfristig zerbröselt (Säure + Zucker)... Also nicht gleich das aufkeimende Rieu-Unwohlsein mit der Bürste bekämpfen, erst noch tapfer ein bis zwei Stündchen warten (bis es richtig eklig wird) und dann darfst Du wahrscheinlich auch die Ohrstöpsel wieder rausnehmen... Naja. Bin vielleicht doch nicht mehr so wach. Aber das Jahr ist ja noch jung. Ich erklär's Dir dann mal bei einem Plättchen Rieu...

Herzliche Grüße und a very, very happy New Year :beer

Sabine
cellodil (01.01.2008, 04:55):
P.S.

Ganz entzückend das.

http://lr-hellas.snn.gr/images/andrerieu.jpg

Ist das gleich das Gegenmittel?
manrico (01.01.2008, 19:34):
Liebe Leute!

Zuerst einmal Prosit Neujahr!!
Jetzt muss ich einmal als einer der wenigen Österreicher und (so glaube ich zumindest) einziger waschechter Wiener zum Thema "Neujahrskonzert" Stellung nehmen und ein paar Irrtümer beseitigen.
Der Wiener Walzer ist nicht einfach nur Musik, das ist Wiener Lebensgefühl!!! In Österreich ist es selbstverständlich, dass zum Jahreswechsel nach dem Läuten der Pummerin der Donauwalzer gespielt wird und dass alle dazu tanzen, egal, ob man auf der Strasse ist, auf einer Wiese, im Tiefschnee, im Lokal, zu Hause oder sonst irgendwo - da heisst's einfach "Alles Walzer!" - und irgendwer hat immer ein Radio mit. Ich könnte mir einen Jahreswechsel ohne Donauwalzer einfach nicht vorstellen. Die Frage, ob das nun gehobene Unterhaltungsmusik oder klassische Musik oder ich weiss nicht was ist, stellt sich mir ja nicht einmal im Traum - der Donauwalzer ist einfach die inoffizielle österreichische Bundeshymne. Und bei Hymnen fragt man nicht nach, in welche Kategorie Musik das fällt. Im Fasching gibt's in Wien praktisch jeden Tag zumindest einen Ball, an Wochenenden oft 4 bis 5 Bälle pro Tag - jede Schule, jeder Berufsstand, jede Parteifraktion hat ihren eigenen Ball (Zuckerbäckerball, Ball der Fleischermeister, Kaffeesiederball, Ball der Jungmaler, Ball der burgenländischen Kroaten in Wien,.....und Dutzende andere mehr), manche davon sind schon Wochen im Vorhinein ausverkauft und die Karten sind nicht immer billig. Dazu kommen noch Privatbälle. Beinahe jeder Ball wird mit der Fächerpolonaise, einer Einlage, die meistens irgendeine vertanzte Ouverture, Polka oder ähnliches ist, und einem Walzer eröffnet. Insofern ist das nur natürlich, dass wir Wiener das Jahr mit Walzern und Polkas begrüssen. Und es ist daher nie und nimmer nur irgendein Faschingskonzert !!!!! Undenkbar!!

Ach, ja, und der Schmierenkomödiant Andre Rieu hat nix, aber auch schon gar nix, mit diesem Lebensgefühl zu tun. Dazwischen liegen Universen! Es ist natürlich fraglich, ob sich so ur(g)eigenstes Wiener Lebensgefühl in alle Welt transportieren lässt und auch dort verstanden wird, aber es ist halt unser "Prosit Neujahr" an die Welt.
Begonnen hat die Geschichte ja damit, dass Willy Boskowsky in guter alter Stehgeiger-Manier dieses Konzert dirigiert hat. Und da war's wurscht, wie lange es dauert und wie viele Zugaben gespielt werden. Dass die ganze Geschichte zur Stardirigentenshowparade mit genormter Spieldauer ausgeartet ist, gefällt mir auch nicht, aber das ist der Tribut an die Zeit.

Also, Prosit 2008 aus Wien


Werner

P.S. ad Satie: Sisi war nicht mit Kaiser Franz sondern mit Franz Joseph verheiratet!
satie (01.01.2008, 20:53):
Lieber Werner,
den Joseph hatte ich mir einfach sparen wollen, schreibfaul wie ich bin...
Ich will betonen, dass ich in meiner leider Gottes häufig all zu spontanen Art vielleicht nicht hingeschrieben habe : ACHTUNG ÜBERTREIBUNG, SATIRE, SPASS, SCHERZ, NICHT ERNST NEHMEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dennoch: was Du schreibst, charakterisiert ja gerade den Unterhaltungsmusik-Aspekt dieser Musik, Lebensgefühl hin oder her. Und warum dann Karneval als etwas hinstellen, was nicht auch ein solches Lebensgefühl ausdrückt? Das ist eine der wenigen Gelegenheiten (und längst nicht mehr nur für die Rheinländer) wo man sich maskieren darf, gewisse Tabus sein lassen kann, über die Stränge schlagen darf. Die Musik, die damit im Zusammenhang steht ist aber immer Unterhaltungsmusik (zugegeben: bei unserem Karneval fällt es mir schwer, das Gedudel überhaupt noch als Musik zu bezeichnen...).
Das ist doch auch gar nicht schlimm! Ich habe ja nirgends geschrieben, dass Unterhaltungsmusik etwas schlechtes sei, und Wien mag ich nebenbei bemerkt sehr gern und auch die Wiener mit ihrem sehr eigenen Humor. Ich hatte nur gewisse Mühe damit, dass man da über Interpretation spricht und das alles auf eine Stufe stellt, die ich nicht angemessen fand.
A propos Nationalhymne: die Hymne von Haydn ist nichts anderes als ein slowenisches Volkslied, lediglich harmonisert und mit neuem Text versehen. Nationalhymnen sind Massenmusik, und insofern passen da die Walzer auch hinein. Um Unterhaltungsmusik zu bewerten, muss man auf dem Terrain der Unterhaltungsmusik bleiben, das ist doch völlig klar. Dass es wichtige Berührungspunkte und Überschneidungen zwischen U- und E-Musik stets gab und gibt, ist ebenfalls nichts neues: eben habe ich gelesen, dass das Wiener Institut für Strauss-Forschung und das Schönberg-Center gemeinsam ein Symposium zu eben diesem Thema veranstalten, was sehr interessant und gut ist.
Ich werde weder hingehen und brüllen: ihr Wiener, hört endlich auf mit eurem Strauss, noch werde ich den Italienern ihren Nabucco-Chor verbieten (letzterer ist ja ebenfalls zur Hymne mutiert). Ich werde aber die Musik von Strauss definitiv als Unterhaltungsmusik einstufen, im guten wie im schlechten Sinn. Dass ich etwas gegen Rieu habe, ist wohl hoffentlich aus meinen vorigen Beiträgen ersichtlich geworden.

Jetzt aber genug.

Herzlich,
S A T I E
cellodil (01.01.2008, 23:25):
Original von Satie
Dass ich etwas gegen Rieu habe, ist wohl hoffentlich aus meinen vorigen Beiträgen ersichtlich geworden.


Lieber Satie,

wie bitte??? Willst Du etwa damit sagen, dass Dich meine Rieu-Sammlung gar nicht interessiert???

Das ist natürlich bitter....

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Was macht das Koma? Schon überwunden????
satie (02.01.2008, 00:14):
Aber Sabine,
bei Dir würde mich sogar noch die KRONKORKENSAMMLUNG interessieren. Na gut, ich gebe zu, es geht dann doch nicht um die Sammlung...aber eigentlich hätte das unter uns bleiben müssen...
Wäre das Koma überwunden...würde ich dann so schreiben? Oh Gott, das bedeutet, es macht gar keinen Unterschied! Da muss ich mal gleich noch ein Bier holen gehen. Willst Du den Kronkorken haben?
Also, dazu passend könnte man doch jetzt den Delirienwalzer unter Rieu einlegen, damit das hier kein Tritsch-Tratsch-Polka-Thread bleibt. Dazu ein paar Wiener Bonbons, Wein, Weib und Gesang, damit die Geschichten aus dem Wienerwald etwas versüßt werden. Mit ein paar Rosen aus dem Süden warten wir dann, bis wir die Frühlingsstimmen hören und das Wiener Blut zu wallen beginnt.
Warum hört man eigentlich die folgenden Walzer vom Strauss Schani so selten?


* Lava-ströme op. 74 (1850)
* Mephistos Höllenrufe op. 101 (1851)
* Nachtfalter op. 157 (1855)
* Man lebt nur einmal! op. 167 (1855)
* Karnevalsbotschafter op. 270 (1862)
* Leitartikel op. 273 (1863)
* Morgenblätter op. 279 (1863)
* Studentenlust op. 285 (1864)
* Feuilleton op. 293 (1865)
* Bürgersinn op. 295 (1865)
* Flugschriften op. 300 (1865)
* Telegramme op. 318 (1867)
* Die Publicisten op. 321 (1868)
* Illustrationen op. 331 (1869)
* Bei uns Z'haus op. 361 (1873)
* Donauweibchen op. 427 (1887)
* Rathausball-Tänze op. 438 (1890)
* Klug Gretelein op. 462 (1895)

Vor allem diejenigen, die mit dem Post- und Verlagswesen zu tun haben, würden mich interessieren. Heute wären die Titel noch seltsamer, da würde man wie folgt ersetzen müssen:

* Nachtfalter op. 157 (1855)
-->Prostituierte

* Man lebt nur einmal! op. 167 (1855)
-->Anti-Reinkarnations-Walzer

* Karnevalsbotschafter op. 270 (1862)
-->Wollemernroilasse?

* Morgenblätter op. 279 (1863)
-->Dope in the Morning

* Studentenlust op. 285 (1864)
-->Geilheit der arbeitsscheuen Schmarotzer

* Flugschriften op. 300 (1865)
--> Flyer

* Telegramme op. 318 (1867)
-->E-Mails

Übrigens gibt es von Strauss Sohn ja auch eine Reinkarnation! Eben gelesen:
"Zur Zeit ist
Uriella mit dem am 29. August 1940 geborenen Eberhard Eicke, der den Ordensnamen
Icordo trägt ihrem angeblich vierten Ehemann verheiratet. Er sieht sich als Reinkarnation
von Johann Strauß und Josef von Ägypten sieht, was heißt, dass er ihre Seelen
verkörpert. Icordo ist als Sprecher, Geistheiler und musikalischer Leiter von
Fiat Lux tätig. Ihr erster Ehemann war der Maschinenbaufabrikant Bertschinger.
Nach seinem Tod heiratete Uriella Kurt Warter, einen ehemaligen römisch-katholischen
Priester aus Hausen / Baden-Württemberg, der bis zu seinem Unfalltod 1988 unter
seinem Ordensnamen Uriello, Uriellas Offenbarungen verbreitete. Uriellas Ehemänner
spielen grundsätzlich nur die zweite Geige in ihren Ehen."

Der letzte Satz ist in dieser Verbindung eine besonders hübsche Stilblüte.

Ich frage mich allerdings, wie man nun Strauß und Josef von Ägypten unter einen Hut bringen kann?!? Obwohl: über Josef gibts wieder ein Musical von Lloyd Webber UND sogar eine Disney-Verfilmung. Geht also doch.
Darauf jetzt einen Schluck, dann will ich auch diesen armen, harmlosen Thread wieder in Ruhe lassen, ich Brutalo, ich...

Herzliche Grüße,
S A T I E
daniel5993 (02.01.2008, 00:34):
___________________________________________________________________________
:engelAlso ich fand dieses Neujahrskonzert einfach nur KLASSE ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !
:engelPretre und die Wiener waren hervorragend.
:engelDer Kaiserwalzer war hervorragend
:engel Das waren für mich ein paar wirklich wertvolle Stunden
___________________________________________________________________________
Wirklich schön !

Gruß
D :engela :engeln :engeli :engele :engell
Cetay (inaktiv) (02.01.2008, 07:38):
Original von Satie
Heute wären die Titel noch seltsamer, da würde man wie folgt ersetzen müssen:

* Nachtfalter op. 157 (1855)
-->Prostituierte

* Man lebt nur einmal! op. 167 (1855)
-->Anti-Reinkarnations-Walzer

* Karnevalsbotschafter op. 270 (1862)
-->Wollemernroilasse?

* Morgenblätter op. 279 (1863)
-->Dope in the Morning

* Studentenlust op. 285 (1864)
-->Geilheit der arbeitsscheuen Schmarotzer

* Flugschriften op. 300 (1865)
--> Flyer

* Telegramme op. 318 (1867)
-->E-Mails



:J :rofl :J
karajan (02.01.2008, 07:59):
Hallo Florianer

Ich habe das Konzert von Anfang bis zum Ende gehört. Abgesehen ob das drum herum einem gefällt oder nicht für mich zählte die Interpretation das Orchester und der Dirigent.
Ich glaube dieses Jahr haben die Philharmoniker eine gute Entscheidung getroffen bei der Wahl des Dirigenten. Pretre war übrigens vom Alter her der älteste Dirigent der jemals das Neujahrskonzert dirigiert hat. Jedenfalls war er nicht unsympatisch sondern sehr lustig und guter Laune. Das habe ich ihm garnicht zugetraut. Schon erstaunlich trotz seines hohen Alters was er da vollbracht hat. Hut ab da können sich manche seiner Vorgänger ein Beispiel nehmen.
Auch die Musik fand ich gut ausgewählt, Pretre dirigierte ohne Noten er hatte die Werke auswendig gelernt. Da knüfte er an den großen Karajan an der ja auch immer ohne Noten dirigierte.
Sein Musikalischer Witz mit dem Fußball und der Pfeife war eine schöne Einlage und kam bei Publikum gut an. Sollte der Dirigent weiterhin so fit bleiben dürfen ihn die Philharmoniker gerne wieder zu diesem Konzert einladen. Ohne Frage 1000 mal interessanter und schöner als die Vorstellung Harnoncourts bei seinen Gott sei Dank nur 2 Konzerten. Hoffentlich bleibt es auch dabei!
2009 ist Maestro Barenboim von den Philharmonikern eingeladen das Konzert zu dirigieren. Mal sehen was er daraus macht, ich traue ihm das aber voll zu.
Wünsche euch allen nochmals Alles Gute für 2008 Gesundheit und Erfolg!
Gruß Karajan
karajan (02.01.2008, 08:45):
Original von manrico
Liebe Leute!

Zuerst einmal Prosit Neujahr!!
Jetzt muss ich einmal als einer der wenigen Österreicher und (so glaube ich zumindest) einziger waschechter Wiener zum Thema "Neujahrskonzert" Stellung nehmen und ein paar Irrtümer beseitigen.
Der Wiener Walzer ist nicht einfach nur Musik, das ist Wiener Lebensgefühl!!! In Österreich ist es selbstverständlich, dass zum Jahreswechsel nach dem Läuten der Pummerin der Donauwalzer gespielt wird und dass alle dazu tanzen, egal, ob man auf der Strasse ist, auf einer Wiese, im Tiefschnee, im Lokal, zu Hause oder sonst irgendwo - da heisst's einfach "Alles Walzer!" - und irgendwer hat immer ein Radio mit. Ich könnte mir einen Jahreswechsel ohne Donauwalzer einfach nicht vorstellen. Die Frage, ob das nun gehobene Unterhaltungsmusik oder klassische Musik oder ich weiss nicht was ist, stellt sich mir ja nicht einmal im Traum - der Donauwalzer ist einfach die inoffizielle österreichische Bundeshymne. Und bei Hymnen fragt man nicht nach, in welche Kategorie Musik das fällt. Im Fasching gibt's in Wien praktisch jeden Tag zumindest einen Ball, an Wochenenden oft 4 bis 5 Bälle pro Tag - jede Schule, jeder Berufsstand, jede Parteifraktion hat ihren eigenen Ball (Zuckerbäckerball, Ball der Fleischermeister, Kaffeesiederball, Ball der Jungmaler, Ball der burgenländischen Kroaten in Wien,.....und Dutzende andere mehr), manche davon sind schon Wochen im Vorhinein ausverkauft und die Karten sind nicht immer billig. Dazu kommen noch Privatbälle. Beinahe jeder Ball wird mit der Fächerpolonaise, einer Einlage, die meistens irgendeine vertanzte Ouverture, Polka oder ähnliches ist, und einem Walzer eröffnet. Insofern ist das nur natürlich, dass wir Wiener das Jahr mit Walzern und Polkas begrüssen. Und es ist daher nie und nimmer nur irgendein Faschingskonzert !!!!! Undenkbar!!

Ach, ja, und der Schmierenkomödiant Andre Rieu hat nix, aber auch schon gar nix, mit diesem Lebensgefühl zu tun. Dazwischen liegen Universen! Es ist natürlich fraglich, ob sich so ur(g)eigenstes Wiener Lebensgefühl in alle Welt transportieren lässt und auch dort verstanden wird, aber es ist halt unser "Prosit Neujahr" an die Welt.
Begonnen hat die Geschichte ja damit, dass Willy Boskowsky in guter alter Stehgeiger-Manier dieses Konzert dirigiert hat. Und da war's wurscht, wie lange es dauert und wie viele Zugaben gespielt werden. Dass die ganze Geschichte zur Stardirigentenshowparade mit genormter Spieldauer ausgeartet ist, gefällt mir auch nicht, aber das ist der Tribut an die Zeit.

Also, Prosit 2008 aus Wien


Werner

P.S. ad Satie: Sisi war nicht mit Kaiser Franz sondern mit Franz Joseph verheiratet!

Hallo Manrico

Ich wünsche dir auch Alles Gute für das Neue Jahr Gesundheit, Glück und Zufriedenheit!
Ich als nicht Österreicher muß dir voll zustimmen das die Musik von Strauss und Co keinesfalls nur Faschingsmusik ist. Den Donauwalzer zb. höre ich im Jahr sehr oft genauso wie der Kaiserwalzer und die anderen Kompositionen der Strauss Dynastie. Ich kann mich noch sehr gut an den Konzertmeister Boskowsky errinnern wie er mit Geige Jahrelang die Neujahrskonzerte geleitet hat. Maazel wollte ihn teilweise ersetzten denn er spielte auch oft die Violine aber das ist ihm nicht so gelungen. Wie auch als Amerikaner gegen den Wiener Boskowsky der war unschlagbar. Die zwei Kleiber Konzerte waren Kunst von feinsten leider hat Sony bei den Aufnahmen versagt absolute Katastrophe was da die Tontechniker gemacht haben. Trotz Krankheit hat Karajan ein absolutes Highlight vollbracht zwar totalanders als seine Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern. Karajan spielte sehr breit ruhig und trotzdem voll Esprit. Immer wieder schön die DVD zusehen und zu hören.
Pretre hat mir auch echt gut gefallen und es ist wünschenswert wenn er noch mal eingeladen wird.
Gruß von der Ostsee
Karajan
Jeremias (02.01.2008, 11:14):
Auch von mir auch an dieser Stelle Prosit Neujahr :beer

Ich habe mir selbstverständlich die Senioren-Veranstaltung gestern angesehen und fand sie erschreckend schwach, gleich auf einer Stufe mit Harnoncourt! Alles lieblos dahin gefiedelt, langweilig wie generell bei französischen Interpreten. Mein Vater schwärmte gleich wieder von den alten Boskovski-Zeiten....

Mein Wunschkandidat für das kommende Jahr: Gustavo Dudamel! Hat jemand sein Silvesterkonzert aus Caracas auf ARTE gesehen? SO stelle ich mir ein Neujahrsbeginn vor!
teleton (02.01.2008, 13:21):
Hallo Jeremias,

ich finde Du tust George Pretre unrecht, wenn Du ihn so verurteilst.

Obwohl nicht unbedingt "meine Musik" (Auf CD würde ich dieses Programm nie hören !!!), hat mir das Neujahrskonzert gut gefallen.

Dies ist klar auf den hervorragenden Dirigenten George Pretre zurückzuführen, der sein Können wiedermal bei seinem Neujahrskonzert 2008 zeigte.
Mit wenigen aber bestimmten Gesten spornte er die Wiener PH zu Bestleistungen an.
Da wurden selbst Werke, die man sonst nie hören würde zum Ereignis.
Damit Zustimmung an Daniel.

Auch den Pausenfilm mit seinen schönen Landschaften fand ich dieses mal wieder ganz gut, aber nicht so gelungen wie letztes Jahr.
Weniger gefallen hat mir diesesmal dabei die starke Personenverbundenheit (ich hätte lieber noch mehr österreichische Landschaften gesehen als Hausmeister von Konzertsäälen) und noch weniger die Hinweise auf Fussball (ich bin kein Fan).
___________________

Zum Silvesterkonzert aus Venezuela mit Gustavo Dudamel
meine vollste Zustimmung an Jeremias.
Das haben wir bei unserer Familiensilvesterfeier auch eingeschaltet und mitgeschnitten.
Ich habe bevor ich Deinen Beitrag gelesen hatte dazu einen eignenen Thread erstellt.
Rachmaninov (02.01.2008, 14:15):
Eben sah ich bilder auf denen das Orchester mit Schals der Ö-Nationalmannschaft wedelte.
Was soll so etwas? Will man sich den A.Rieu Klamauk anpassen?

X(
manrico (02.01.2008, 16:05):
Lieber Satie!

Puhhh, dein Beitrag rettet meinen Tag!

Ich habe schon ernsthaft geglaubt, dass du den Geige malträtierenden Moonboot mit den Philharmonikern gleichsetzt. Das wäre tatsächlich ein Stich ins goldene Wiener Herz!!

Lieber Karajan!
Auch dir alles Gute im neuen Jahr. ich finde auch, dass die Kleiberkonzerte zu den allerfeinsten gehören. Er hat so richtig verstanden, was ein Walzerrhythmus ist. Über das Pretre-konzert kann ich noch nix sagen, ich bin erst beim Donauwalzer aus dem Bett gekommen, hab aber dann in diversen Zusammenschnitten unter anderem die Geschichte mit den Schals gesehen.
Das wird natürlich Wasser auf Saties Mühlen sein, aber irgendwie erinnert mich das schon an die Fledermaus (Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist). Und die Österreicher glauben doch allen Ernstes, sie könnten bei der Euro was gewinnen. Selten so gelacht (Ich möchte hier nur an das 9:0 Debakel gegen Spanien und die 1:0 Niederlage gegen die Faröer - Inseln erinnern! Jawohl, es ist möglich, dass man gegen die übermächtigen Faröer bloß ein Tor kassiert!). Insofern also doch Klamauk und Unterhaltung mit Musik rundherum. Aber die hat ja Gott sei Dank überwogen.

Liebe Grüße


Werner
nikolaus (02.01.2008, 17:14):
Original von Jeremias

Mein Wunschkandidat für das kommende Jahr: Gustavo Dudamel! Hat jemand sein Silvesterkonzert aus Caracas auf ARTE gesehen? SO stelle ich mir ein Neujahrsbeginn vor!

Daran habe ich auch gleich gedacht. Wie wohl die immer etwas steif dort sitzenden Japaner/innen reagieren würden (vielleicht kreischend in Ohnmacht fallen?)
Dann hätte auch das Mitklatschen seinen Sinn (vorrausgesetzt die Zuschauer beherrschen den Samba-Rhythmus :leb

Ich fände es toll :D

Nikolaus.
ab (02.01.2008, 22:13):
Allen auf von mir ein gutes neues Jahr!

Ich teile unseres Karajans Einschätzung zum diesjährigen Neujahrskonzert, und nicht nur zu diesem (auch wenn ich Jansons ähnlich enttäuschend fand wie die Harnoncourt-Tiefpunkte). Ein sehr erfreuliches und erfreuendes Neujahrskonzert mit sehr eigener Interpretation; auch wenn es mir persönlich an tänzerischem Schmiss gefehlt hat.
karajan (03.01.2008, 17:19):
Ich bin mal einige Pressemitteilungen über das Neujahrskonzert durchgegangen, und muss sagen die Presse hat das Konzert auch positiv bewertet. Oftmals werden solche Konzerte in der Presse stark zerrissen aber das scheint diesmal nicht der Fall zu sein.
Wie sollte auch das Konzert war in Ordnung und hat gefallen.

Gruß Karajan
Poztupimi (05.01.2008, 21:31):
Gerade läuft bei mir im TV die Wiederholung des Konzerts.

Also, der Wiener Walzer und ich, wir werden wahrlich keine Freunde. Und jetzt wird getanzt. Gut, da das Orchester - außer einer Harfinistin - eh' nur aus Männern zu bestehen scheint (korrigiert mich, wenn ich da falsch liege), und und ich den selig lächelnden Dirigenten auch nicht permanent im Großformat sehen muß, sicher nicht völlig übel - aber Ballett ist eigentlich auch nicht so mein Ding. Aber wie gesagt, nicht so meine Musik. Und ich fürchte, musikalische Vergleiche kann ich nicht anstellen, da dies meine erste Begegnung mit dieser jährlich sich wiederholenden Veranstaltung ist - woraus zu erahnen sein könnte, daß ich ach keine der bisherigen Konzerte auf CD oder LP besitze.

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (05.01.2008, 21:55):
Hallo Poztupimi,

Ich habe zwei Frauen gezählt. Irgendwo in der zweiten Geige relativ weit hinten (soweit ich mich erinnern kann) saß noch so eine mit langen dunkelblonden Haaren, aber sonst war das Orchester nur mit Männern bestückt. Den Frauenanteil in Prozent habe ich nicht ausgerechnet, aber er ist wohl so niedrig, dass ich aus Wut über diese Ungerechtigkeit fast an die Decke gehe. :S

Lea
Poztupimi (05.01.2008, 22:11):
Hallo Lea,

Original von Little_Swan
Hallo Poztupimi,

Ich habe zwei Frauen gezählt. Irgendwo in der zweiten Geige relativ weit hinten (soweit ich mich erinnern kann) saß noch so eine mit langen dunkelblonden Haaren, aber sonst war das Orchester nur mit Männern bestückt. Den Frauenanteil in Prozent habe ich nicht ausgerechnet, aber er ist wohl so niedrig, dass ich aus Wut über diese Ungerechtigkeit fast an die Decke gehe. :S

Lea

stimmt, inzwischen habe ich auch noch eine entdeckt. Und ganz erstaunlich, ab und zu, wenn sie nicht mehr spielen sondern nach Beendigung des jeweiligen Stückes aufstehen, also ab und zu lächelt der eine oder andere der Herren auch schon mal. Ansonsten überrascht für mich die Diskrepanz zwischen - möglicherweise - beschwingt-fröhlicher Musik und die professionellen Ernsthaftigkeit der Musiker. Aber wenn ich Neujahr hätte arbeiten müssen - und Arbeit ist es ja immerhin für sie -, wäre ich sicher auch nicht fröhlich gewesen. Wie anders habe ich da die Musikerinnen und Musiker der Berliner Philharmoniker bei meinem bisher einzigen Besuch ihres Abschlußkonzertes in der Waldbühne in Erinnerung.

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (05.01.2008, 22:20):
Lieber Wolfgang!

Pretre lächelt eigentlich oft. Wer weiß, vielleicht kann der das nicht mal mehr kontrollieren. Er war zwar sicher mal ein interessanter Mensch und Musiker, aber das Gehabe von wegen "wie erstaunlich, dass er das Orchester mit so schlichten, innigen Bewegungen so sicher führt" finde ich albern. Die Wiener sind ein Spitzenorchester, die spielen immer sehr gut, auch wenn ein Seniler vor ihnen mit den Armen herumwedelt.

Grüßle, Lea
Poztupimi (05.01.2008, 22:33):
Liebe Lea,

während die zweite Zugabe läuft - nach diesem tollen Fußball-Scherz -:
speziell zu Beginn hatte ich so das Gefühl, als ob hier zwei - das Orchester und der Dirigent - jeder für sich agieren. Pretre denkt und fühlt die Musik, tänzelt sie mit. Und das Orchester spielt das, was es immer schon spielt, wie es das immer schon spielt - was ich natürlich nicht beurteilen kann, mangels Erfahrung - und wie es das auch in Zukunft unter anderen Dirigenten spielen wird. Und da habe ich mir mal wieder gesagt, daß die Hauptarbeite sicher doch während der Proben geleistet wurde. Und dann können es alle und wissen wie es geht.

Viele Grüße,
Wolfgang
nikolaus (05.01.2008, 23:47):
Original von Little_Swan
Hallo Poztupimi,

Ich habe zwei Frauen gezählt. Irgendwo in der zweiten Geige relativ weit hinten (soweit ich mich erinnern kann) saß noch so eine mit langen dunkelblonden Haaren, aber sonst war das Orchester nur mit Männern bestückt. Den Frauenanteil in Prozent habe ich nicht ausgerechnet, aber er ist wohl so niedrig, dass ich aus Wut über diese Ungerechtigkeit fast an die Decke gehe. :S

Lea

Hallo Lea!

Sieh es mal positiv: früher gab es gar keine Musikerinnen in diesem Orchester und selbst die Harfenistin haben sie hinter dem Blumenschmuck versteckt :ignore - da ist es ja jetzt ein wahnsinniger Fortschritt...
Die Arroganz der Wiener gegenüber Frauen ist unbeschreiblich, und ich verstehe nicht, wieso sich das bisher nicht geändert hat...

Solidarische Grüße, Nikolaus.
Little_Swan (06.01.2008, 12:46):
Hallo Nikolaus!

In der Tat, es ist schon unfair, vor allem weil wir Frauen garantiert keine schlechteren Musikerinnen sind.
Allerdings: bei Andre Rieu (habe ich nur 5 min angeschaut, nicht dass du irgendwie denkst, mir würde sowas gefallen...) am 31. war fast die ganze 1. und 2. Geige mit Frauen bestückt - in albernen, pastellfarbenen Tüllkleidchen und einem Ausschnitt, bei dem man mehr gesehen hat, als man vielleicht wollte. Ich könnte mich in so einem Fummel nicht auf die Musik konzentrieren, weil ich die ganze Zeit Angst hätte, mir würde der Ausschnitt noch mehr verrutschen. Ist das besser?

Viele Grüße, Lea

P.S. Nett, so eine Bemerkung mal von einem Mann zu hören. Danke!
nikolaus (06.01.2008, 12:54):
Original von Little_Swan
- in albernen, pastellfarbenen Tüllkleidchen und einem Ausschnitt, bei dem man mehr gesehen hat, als man vielleicht wollte. Ich könnte mich in so einem Fummel nicht auf die Musik konzentrieren, weil ich die ganze Zeit Angst hätte, mir würde der Ausschnitt noch mehr verrutschen.

:J

Original von Little_Swan
Ist das besser?

Nee, sicher nicht!

Original von Little_Swan
P.S. Nett, so eine Bemerkung mal von einem Mann zu hören. Danke!

Keine Ursache!!

Gruß, Nikolaus.
satie (06.01.2008, 13:53):
Liebe Lea,
ich könnte Dir so manche Geschichte von den Berliner Philharmonikern (aus erster Hand) erzählen, die weit erschütternder sind. Wie es jetzt mit Rattle ist, kann ich nicht sagen, aber ich kannte sowohl eine Violinistin als auch die damalige Assistentin von Abbado. Der Anstand verbietet es mir, hier näher darauf einzugehen. Jedenfalls kann man sagen, dass die Wiener mit ihrem Quotenproblem dagegen sympatisch sind. Was nichts daran ändert, dass Frauen immer noch benachteiligt sind. Allerdings frage ich mich manchmal, ob Dinge wie eine Quotenregelung oder spezielle Subventionen etc. nicht mitunter das Gegenteil dessen erreichen, was man sich wünschen würde (nämlich tatsächliche Gleichberechtigung). Manchmal scheint es mir, als ob Frauen dadurch einen Status erlangen wie ihn eben Randgruppen haben (Behinderte, ethnische Minderheiten etc.), statt dass es dazu führt, wirklich auf der selben Ebene zu stehen wie die Männer. Ich hatte diese Erfahrung besonders in der Schweiz mit der Förderung von Komponistinnen gemacht. Etliche konnten jedes Jahr ein Stipendium bekommen, im Grunde war es aber egal, welche künstlerischen Qualitäten vorhanden waren (natürlich ist das jetzt sehr pauschal formuliert, nur um zu illustrieren). Hier halte ich es für einen Fehler, die künstlerischen Kriterien nicht eben so ernst zu nehmen wie die Frage des Geschlechts (ein Mittelweg wäre wie üblich besser). Dennoch verstehe ich natürlich, dass man zunächst lediglich Plattformen und Institutionen bilden muss, die eben Frauen unterstützen. Sind meine Bedenken verständlich?
Ich wünschte mir wirklich, dass sich die Situation weiter ändert und die Geschlechterfrage endlich gar kein Thema mehr ist. Es gibt gegenwärtig so viele großartige Instrumentalistinnen, dass ich nicht verstehen kann, dass es immer noch patriarchalische Orchester, Verbände etc. gibt. Und warum um alles in der Welt sehen wir immer noch so gut wie nie eine Dirigentin am Pult? Ich vermute archaische Strukturen, anders ist mir das alles nicht erklärbar.

Herzlich,
S A T I E
satie (06.01.2008, 14:03):
Die Thematik hatte ich auch hier angesprochen (auf meine typisch unernste Art):
http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=560
Little_Swan (06.01.2008, 17:09):
Lieber Satie!

Ich stimme dir voll und ganz zu. Auch mir sind einige Berichte über die Berliner zur Zeit Karajans zu Ohren gekommen was Frauenfeindlichkeit betrifft.
Die einzige, bei der er wohl eine Ausnahme machte, war A-S Mutter.
Natürlich kann man nicht einfach sagen: "Wir schmeißen die Hälfte der Männer raus und stellen Frauen ein!", aber es ist nicht gerecht, wenn eine Frau besser vorgespielt hat und trotzdem ein Mann genommen wird, nur weil er in die Weltanschauung von Karajan & Co passt.
Vielleicht erinnerst du dich daran (war wohl vor meiner Zeit, wurde mir so erzählt), dass Frauen bei den Berlinern mal gefordert haben, alle Bewerber sollten zur Chancengleichheit hinter einem Vorhang spielen und hinterher ein totaler Zirkus gemacht wurde, weil die sozusagen "blinde" Jury eine Frau zu den Trompetern holte.

Hier ging es ja eigentlich um's Neujahrskonzert, also werde ich nicht weiter vom Thema ablenken, wollte das aber noch kurz erwähnen.

Alles Liebe, Lea
karajan (08.01.2008, 21:48):
Original von Little_Swan
Lieber Satie!

Ich stimme dir voll und ganz zu. Auch mir sind einige Berichte über die Berliner zur Zeit Karajans zu Ohren gekommen was Frauenfeindlichkeit betrifft.
Die einzige, bei der er wohl eine Ausnahme machte, war A-S Mutter.
Natürlich kann man nicht einfach sagen: "Wir schmeißen die Hälfte der Männer raus und stellen Frauen ein!", aber es ist nicht gerecht, wenn eine Frau besser vorgespielt hat und trotzdem ein Mann genommen wird, nur weil er in die Weltanschauung von Karajan & Co passt.
Vielleicht erinnerst du dich daran (war wohl vor meiner Zeit, wurde mir so erzählt), dass Frauen bei den Berlinern mal gefordert haben, alle Bewerber sollten zur Chancengleichheit hinter einem Vorhang spielen und hinterher ein totaler Zirkus gemacht wurde, weil die sozusagen "blinde" Jury eine Frau zu den Trompetern holte.

Hier ging es ja eigentlich um's Neujahrskonzert, also werde ich nicht weiter vom Thema ablenken, wollte das aber noch kurz erwähnen.

Alles Liebe, Lea

Das die Berliner Philharmoniker Frauen eher ablehnen ist bekannt, aber bitte lasst Karajan aus dem Spiel. Karajan war keineswegs Frauenfeindlich aber das Orchester. Fall Sabine Meyer da kam es zum Streit Karajan wollte sie aber das Orchester lehnte sie ab.
Gruß Karajan
Cosima (11.01.2008, 19:06):
Mir hat das diesjährige Wiener Neujahrskonzert sehr gut gefallen: Elegante, leichte Interpretationen, von einem sympathischen Georges Pretre charmant und unaufdringlich dirigiert. Auf CD muss ich die Aufnahme nicht unbedingt haben, aber als Zuschauerin und Zuhörerin am TV-Bildschirm hatte ich viel Freude.

Gruß, Cosima
karajan (30.12.2007, 17:43):



Hallo Forianer

Wie jedes Jahr am 01.01. leiten die Wiener Philharmoniker das Neue Jahr ein mit dem Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein. Seit vielen vielen Jahren schaue ich mir immer das Neujahrskonzert an. Mal sehen was uns dieses Jahr erwartet denn zum ersten mal haben die Philharmoniker den französischen Dirigent Georges Prêtre eingeladen das bekannteste Konzert der Welt zu leiten.
Prètre wird folgende Werke dirigieren!
Programm Neujahrskonzert 2008
1. Teil:
Johann Strauß Sohn "Napoleon-Marsch", op. 156
Johann Strauß "Dorfschwalben aus Österreich", Walzer op. 164
Joseph Strauß "Laxenburger Polka", op. 60
Johann Strauß Vater "Pariser Walzer"
Johann Strauß Vater "Versailler Galopp"
Johann Strauß Sohn "Orpheus-Quadrille", op. 236
Joseph Hellmesberger jun. "Kleiner Anzeiger", Galopp op. 4

Teil 2:
Johann Strauß Sohn Ouvertüre zu "Indigo und die vierzig Räuber"
Johann Strauß Sohn "Freut euch des Lebens", Walzer op. 340
Johann Strauß Sohn "Bluette", Polka française op. 271
Johann Strauß Sohn "Tritsch-Tratsch", Polka schnell op. 214
Joseph Lanner "Hofballtänze", Walzer op. 161
Joseph Strauß "Die Libelle", Polka mazur op. 204
Johann Strauß Sohn "Russischer Marsch", op. 426
Johann Strauß Sohn "Die Pariserin", Polka française op. 238
Johann Strauß Vater "Chineser-Galopp", op. 20
Johann Strauß Sohn "Kaiserwalzer", op. 437
Johann Strauß Sohn "Die Bajadere", Polka schnell op. 351


In der Vergangenheit gab es großartige Konzerte aber auch Konzerte die einem nicht besonders gefallen haben.
Für mich waren die großen Neujahrskonzerte mit Kleiber und natürlich Karajan. Auch Metha konnte Stimmung machen. Selbst Ozawa hat ein gutes Konzert abgeliefert. Dagegen hat mir der Auftritt von Harnoncourt-Maazel nicht zugesagt. Muti hat sich am Anfang schwer getan aber dann doch überzeugt. Harnoncourts 2 Auftritte waren für mich die schlechtesten Neujahrskonzerte der Geschichte und ich hoffe die Philharmoniker laden ihn nicht mehr ein. Allein sein steifes Auftreten war erschreckend musikalisch ohne Esprit und Gefühl. Der Donauwalzer war kalt und trocken.

Wie ist das bei euch schaut ihr das Konzert an und was sagt ihr dazu. Gab es bei euch Highlights die ihr nicht vergesst.
Für mich gehört das Konzert einfach zu Neujahr dazu auch wenn es aus Wien kommt.

Liebe Grüße
KARAJAN
Amadé (30.12.2007, 20:30):
Lieber Karajan,

der neue Faden "Neujahrskonzerte" liegt nahe. Leider kann ich Deine Begeisterung für die Wiener Neujahrskonzerte nicht teilen.
Vor vielen Jahren habe ich sie auch regelmäßig im Fernsehen "miterlebt", bis die Veranstaltungen mir dann über wurden. Für mich ist da zu viel drumrum, es geht weniger um die Musik, die mit viel Aplomb inszeniert wird, die beiden Konzerte mit Carlos Kleiber bilden da vielleicht eine Ausnahme.
Am meisten ärgert mich die öffentliche Hinrichtung eines Juwels der Strauß-Dynastie, des Radetzky-Marsches, ohne dass ein Maestro das Publikum daran hindert, nein im Gegenteil, er gibt ihm noch das Zeichen zum Todesstoß! Erschütternd! Mittlerweile ahmen weniger bekannte Dirigenten deutscher Kulturorchester diesem dummen Brauch nach, um sich beim Publikum anzubiedern.
Wer jemals dieses Meisterwerk in der kongenialen Interpretation von Ferenc Fricsay mit seinem Berliner Radio-Symphonie-Orchester gehört hat, weiß wovon ich spreche.
Ouvertüren, Walzer, Polkas von Strauß höre ich sehr gern, dann aber lieber von der Schallplatte. Da gibt es viele gute Aufnahmen, neben dem schon genannten Fricsay u.a. B.Walter, F.Reiner, J.Horenstein, R.Kempe, C.Krauss und auch Karajan.

Mit diesen persönlichen Anmerkungen möchte ich Dir jedoch Deine Freunde an der Veranstaltung nicht vermiesen, man kann vieles auch anders sehen.

Alles Gute für's neue Jahr.
Amadé
Cetay (inaktiv) (31.12.2007, 09:43):
Was mich an diesen Konzerten stört, ist das Repertoire. Da kann dirigieren wer will, auf Dauer ist mir das einfach zuviel Tschingdarassabum. Nur weil alle eine dicken Kopf haben, braucht man doch nicht nur das Unterhaltsamste, das die "ernste" Musik zu bieten hat, aus der Schublade zu ziehen.
Dass es auch anders geht, zeigen die Württemberger Philharmoniker bei ihren Neujahrskonzerten. Da gibt es zwar auch den unvermeidlichen Kaiserwalzer, aber eben auch eine Uraufführung von Ferran Cruixent, ein Schlagzeugkonzert von Paul Creston, Saties Parade und Ravels La Valse. Und mit Rücksicht auf die Köpfe des Publikums hat man es gleich in die 2. Januarwoche gelegt. :D
Mime (31.12.2007, 11:47):
Also, mein Ding ist diese Walzer-Polka-Galopp-Anhäufung beim Neujahrskonzert auch nicht. Das wäre m.E. eher ein Faschingsprogramm.

Ich höre lieber das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker, da hat die klassische Musik wenigstens den Stellenwert, der ihr gebührt.
cellodil (31.12.2007, 13:08):
Im Fernsehen habe ich - offen gestanden - noch nie ein Neujahrskonzert angehört (schäm). Dafür besuche ich seit Jahren und mit großem Vergnügen die Dinner for one-hafte Konzertveranstaltung im örtlichen Opernhaus am Neujahrstag mit Stehgeiger, betagtem Staatsschauspieler als manisch charmeversprühendem und vor sich (mehr oder weniger erheiternd) hinwitzelnden Conferencier. Ein probates Mittel gegen Schwindelgefühle und aufkommendem Unwohlsein angesichts des in der Türe stehenden ungewissen neuen Jahres...

Also: Ich lach' mich jedes Mal schlapp und mag dieses Kuriosum des Konzertbetriebs einfach ... alles Walzer, Polka und - jawohl! - auch Mitmachgelegenheit fürs Publikum.

Liebe Grüße und Euch allen einen guten Rutsch in ein gesundes und glückliches 2008

Sabine
satie (31.12.2007, 14:48):
Sehr off-topic und noch viel mehr Geschmackssache, aber irgendwie finde ich das hier her gehörend als wohl aussagekräftigste Stellungnahme meiner unbedeutenden Wenigkeit:

Sissi und der Kaiser Franz gehen auf dem Markt flanieren. Da kommen sie an einem Stand mit diversen Eiern vorbei. Der Kaiser, dumm wie bei inzestuösem Adel nicht anders zu erwarten, kennt kaum welche und fragt also den Verkäufer: "Sagens a mal, wos san denn dös für Eier?"
Verkäufer: "Ah, gehns, Herr Kaiser, dös san doch Hühnereier."
Franz: "Host ghört, Sissi? Köstlich, köstlich, Hühnereier!!"
Wenig später fragt Franz wieder: "Und wos san denn dös für Eier?"
Verkäufer:"Dös san Enteneier, Herr Kaiser."
Franz:"Sissi, host ghört? Enteneier! Köstlich, köstlich!!"
Da sieht der Kaiser noch ganz große Eier und fragt:
"Jööööh...wos san denn dös für große Eier???"
Verläufer: "No, die san vom Strauss."
Franz: "Sissi, host ghört, köstlich, köstlich!!! Jo mei, der Walzerkönig!"

Aber mal ganz im Ernst: viel mehr als gehobene Unterhaltungsmusik ist das nun mal nicht, und als solche muss sie auch betrachtet werden - solide gemachte Unterhaltung. Da ich am Neujahrstag ohnehin im Koma liege für gewöhnlich, ist es mir besonders recht, wenn die ganzen Produkte der Strauss-Lanner-K.-U.-K.-Hofwalzerei-Betriebe gerade an diesem Tag aufs Andre-Rieu-süchtige Publikum losgefeuert werden. Interpretatorische Fragen scheinen mir da recht überflüssig oder höchstens von der Art "wollns dös Scherzl, dös is schee gnusprig, ned wia beim Harnoncourt".
Es geht hier doch nicht darum, ob man in den guten Chateau Lafitte Zucker streut oder nicht, sondern nur darum, ob man die Limonade gern besonders süß hat oder nicht. Und mal Limonade ist doch auch ok, bei mir und meiner miesen Konstitution würden mir irgendwann halt die Beißer verfaulen.

Nein, nein, wems gefällt, der möge sich nicht beirren lassen! Jedem das seine.

N juten Rutsch, wie wir hier sagen und Sturzhelm nicht vergessen!

Euer
S A T I E
Küss die Hand, gschamster Diener
Rachmaninov (31.12.2007, 16:22):
Muss ehrlich gestehen mich interessiert diese Veranstalltung eher nicht!
cellodil (31.12.2007, 16:50):
Original von Satie
Da ich am Neujahrstag ohnehin im Koma liege für gewöhnlich, ist es mir besonders recht, wenn die ganzen Produkte der Strauss-Lanner-K.-U.-K.-Hofwalzerei-Betriebe gerade an diesem Tag aufs Andre-Rieu-süchtige Publikum losgefeuert werden.

Mein lieber Satie,

ich gehe mal (um des lieben Forumfriedens) davon aus, dass Du dabei nur an mich gedacht hast, oder????

:haha

Original von Satie
Es geht hier doch nicht darum, ob man in den guten Chateau Lafitte Zucker streut oder nicht, sondern nur darum, ob man die Limonade gern besonders süß hat oder nicht. Und mal Limonade ist doch auch ok, bei mir und meiner miesen Konstitution würden mir irgendwann halt die Beißer verfaulen.

... und das wäre doch sehr bedauerlich. Falls Dir's doch mal nach einer Karies-Attacke sein sollte: Ich zeig' Dir gerne mal meine André-Rieu-Sammlung...

:J

Original von Satie
N juten Rutsch, wie wir hier sagen und Sturzhelm nicht vergessen!


Das wünsche ich Dir auch, damit Du auch im neuen Jahr noch kraftvoll zubeißen kannst...

Herzliche Grüße

Sabine
satie (31.12.2007, 20:14):
Meine liebe Sabine,
kurz vor dem Fall ins Koma:
natürlich habe ich nur an Dich gedacht, denn Du bist ja berühmt berüchtigt mit Deiner Sammlung von Rieu. Es ist wohl auch nur der Neid, der da aus mir gesprochen hat, denn der hat die besseren Zähne als ich (was auch erklärt, warum der unbeschadet immer das Zeug dudeln kann) und außerdem hat er auch mehr Haare als ich (da bin ich ja ganz allergisch gegen).
Aber gut: wenn Du mir Deine Rieu-Sammlung zeigst, zeig ich Dir dafür meine James-Last-Narbe, die mir mein Onkel zugefügt hat in meiner Kindheit. Für den ist ja Rieu schon zu intellektuell und zu "hochtrabend". Aber immerhin, ich weiß ja, wie das mit dem enden wird: schiefer Hals und verdrehtes rechtes Handgelenk, den Kieferkrampf nicht zu vergessen, außerdem die Unfähigkeit auf mehr als 3 zu zählen (fürn Marsch reichen ja 2)...da bin ich ja froh, wenn ich im Alter nur einen Tinnitus habe.
Oha, jetzt muss ich aber langsam die Platte mit Händels Feuerwerksmusik raussuchen um damit Metallica von den Nachbarn zu überdröhnen. Danach vielleicht noch etwas Rieu...

Herzlichst

S A T I E
satie (31.12.2007, 20:22):
http://www.laut.de/bilder/wortlaut/artists/r/rieu_andre/defimage1.jpghttp://www.star-channel.de/images/groups/andre-rieu.jpg
http://lr-hellas.snn.gr/images/andrerieu.jpghttp://hitparade.ch/cdimg/andre_rieu-the_second_waltz_s.jpg

http://www.vittoriociurlia.com/rieu.jpg
daniel5993 (31.12.2007, 22:24):
Guten Abend Satie,

Aber mal ganz im Ernst: viel mehr als gehobene Unterhaltungsmusik ist das nun mal nicht, und als solche muss sie auch betrachtet werden - solide gemachte Unterhaltung.

Ein Stück seh ich das auch so, allerdings denk ich, das z.B die Fledermausouvertüre, welche so manches mal auf einem Neujahrskonzert gespielt wird, bei weitem keine solide Unterhaltungsmusik ist! Ebenso der Kaiserwalzer! Das sind schon kleine Meisterwerke.

Bis nächstes Jahr
Gruß
Daniel
cellodil (01.01.2008, 04:53):
Mein lieber Satie,

hoffe mal, dass Du mittlerweile glücklich komatierst (heißt das so?) und ansonsten gut ins neue Jahr hineingerutscht bist. Auf die Last-Narbe wäre ich selbstverständlich schon sehr neugierig - und noch neugieriger auf die damit verbundene Onkel-Geschichte...

Wegen der Zähne... vielleicht hilft der Rat meiner Zahnarzt-Freundin in Sachen Limonadenkonsum. Kann man trinken, meint sie, aber keinesfalls unmittelbar danach die Zähne putzen, weil das die Beißerchen mittelfristig zerbröselt (Säure + Zucker)... Also nicht gleich das aufkeimende Rieu-Unwohlsein mit der Bürste bekämpfen, erst noch tapfer ein bis zwei Stündchen warten (bis es richtig eklig wird) und dann darfst Du wahrscheinlich auch die Ohrstöpsel wieder rausnehmen... Naja. Bin vielleicht doch nicht mehr so wach. Aber das Jahr ist ja noch jung. Ich erklär's Dir dann mal bei einem Plättchen Rieu...

Herzliche Grüße und a very, very happy New Year :beer

Sabine
cellodil (01.01.2008, 04:55):
P.S.

Ganz entzückend das.

http://lr-hellas.snn.gr/images/andrerieu.jpg

Ist das gleich das Gegenmittel?
manrico (01.01.2008, 19:34):
Liebe Leute!

Zuerst einmal Prosit Neujahr!!
Jetzt muss ich einmal als einer der wenigen Österreicher und (so glaube ich zumindest) einziger waschechter Wiener zum Thema "Neujahrskonzert" Stellung nehmen und ein paar Irrtümer beseitigen.
Der Wiener Walzer ist nicht einfach nur Musik, das ist Wiener Lebensgefühl!!! In Österreich ist es selbstverständlich, dass zum Jahreswechsel nach dem Läuten der Pummerin der Donauwalzer gespielt wird und dass alle dazu tanzen, egal, ob man auf der Strasse ist, auf einer Wiese, im Tiefschnee, im Lokal, zu Hause oder sonst irgendwo - da heisst's einfach "Alles Walzer!" - und irgendwer hat immer ein Radio mit. Ich könnte mir einen Jahreswechsel ohne Donauwalzer einfach nicht vorstellen. Die Frage, ob das nun gehobene Unterhaltungsmusik oder klassische Musik oder ich weiss nicht was ist, stellt sich mir ja nicht einmal im Traum - der Donauwalzer ist einfach die inoffizielle österreichische Bundeshymne. Und bei Hymnen fragt man nicht nach, in welche Kategorie Musik das fällt. Im Fasching gibt's in Wien praktisch jeden Tag zumindest einen Ball, an Wochenenden oft 4 bis 5 Bälle pro Tag - jede Schule, jeder Berufsstand, jede Parteifraktion hat ihren eigenen Ball (Zuckerbäckerball, Ball der Fleischermeister, Kaffeesiederball, Ball der Jungmaler, Ball der burgenländischen Kroaten in Wien,.....und Dutzende andere mehr), manche davon sind schon Wochen im Vorhinein ausverkauft und die Karten sind nicht immer billig. Dazu kommen noch Privatbälle. Beinahe jeder Ball wird mit der Fächerpolonaise, einer Einlage, die meistens irgendeine vertanzte Ouverture, Polka oder ähnliches ist, und einem Walzer eröffnet. Insofern ist das nur natürlich, dass wir Wiener das Jahr mit Walzern und Polkas begrüssen. Und es ist daher nie und nimmer nur irgendein Faschingskonzert !!!!! Undenkbar!!

Ach, ja, und der Schmierenkomödiant Andre Rieu hat nix, aber auch schon gar nix, mit diesem Lebensgefühl zu tun. Dazwischen liegen Universen! Es ist natürlich fraglich, ob sich so ur(g)eigenstes Wiener Lebensgefühl in alle Welt transportieren lässt und auch dort verstanden wird, aber es ist halt unser "Prosit Neujahr" an die Welt.
Begonnen hat die Geschichte ja damit, dass Willy Boskowsky in guter alter Stehgeiger-Manier dieses Konzert dirigiert hat. Und da war's wurscht, wie lange es dauert und wie viele Zugaben gespielt werden. Dass die ganze Geschichte zur Stardirigentenshowparade mit genormter Spieldauer ausgeartet ist, gefällt mir auch nicht, aber das ist der Tribut an die Zeit.

Also, Prosit 2008 aus Wien


Werner

P.S. ad Satie: Sisi war nicht mit Kaiser Franz sondern mit Franz Joseph verheiratet!
satie (01.01.2008, 20:53):
Lieber Werner,
den Joseph hatte ich mir einfach sparen wollen, schreibfaul wie ich bin...
Ich will betonen, dass ich in meiner leider Gottes häufig all zu spontanen Art vielleicht nicht hingeschrieben habe : ACHTUNG ÜBERTREIBUNG, SATIRE, SPASS, SCHERZ, NICHT ERNST NEHMEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dennoch: was Du schreibst, charakterisiert ja gerade den Unterhaltungsmusik-Aspekt dieser Musik, Lebensgefühl hin oder her. Und warum dann Karneval als etwas hinstellen, was nicht auch ein solches Lebensgefühl ausdrückt? Das ist eine der wenigen Gelegenheiten (und längst nicht mehr nur für die Rheinländer) wo man sich maskieren darf, gewisse Tabus sein lassen kann, über die Stränge schlagen darf. Die Musik, die damit im Zusammenhang steht ist aber immer Unterhaltungsmusik (zugegeben: bei unserem Karneval fällt es mir schwer, das Gedudel überhaupt noch als Musik zu bezeichnen...).
Das ist doch auch gar nicht schlimm! Ich habe ja nirgends geschrieben, dass Unterhaltungsmusik etwas schlechtes sei, und Wien mag ich nebenbei bemerkt sehr gern und auch die Wiener mit ihrem sehr eigenen Humor. Ich hatte nur gewisse Mühe damit, dass man da über Interpretation spricht und das alles auf eine Stufe stellt, die ich nicht angemessen fand.
A propos Nationalhymne: die Hymne von Haydn ist nichts anderes als ein slowenisches Volkslied, lediglich harmonisert und mit neuem Text versehen. Nationalhymnen sind Massenmusik, und insofern passen da die Walzer auch hinein. Um Unterhaltungsmusik zu bewerten, muss man auf dem Terrain der Unterhaltungsmusik bleiben, das ist doch völlig klar. Dass es wichtige Berührungspunkte und Überschneidungen zwischen U- und E-Musik stets gab und gibt, ist ebenfalls nichts neues: eben habe ich gelesen, dass das Wiener Institut für Strauss-Forschung und das Schönberg-Center gemeinsam ein Symposium zu eben diesem Thema veranstalten, was sehr interessant und gut ist.
Ich werde weder hingehen und brüllen: ihr Wiener, hört endlich auf mit eurem Strauss, noch werde ich den Italienern ihren Nabucco-Chor verbieten (letzterer ist ja ebenfalls zur Hymne mutiert). Ich werde aber die Musik von Strauss definitiv als Unterhaltungsmusik einstufen, im guten wie im schlechten Sinn. Dass ich etwas gegen Rieu habe, ist wohl hoffentlich aus meinen vorigen Beiträgen ersichtlich geworden.

Jetzt aber genug.

Herzlich,
S A T I E
cellodil (01.01.2008, 23:25):
Original von Satie
Dass ich etwas gegen Rieu habe, ist wohl hoffentlich aus meinen vorigen Beiträgen ersichtlich geworden.


Lieber Satie,

wie bitte??? Willst Du etwa damit sagen, dass Dich meine Rieu-Sammlung gar nicht interessiert???

Das ist natürlich bitter....

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Was macht das Koma? Schon überwunden????
satie (02.01.2008, 00:14):
Aber Sabine,
bei Dir würde mich sogar noch die KRONKORKENSAMMLUNG interessieren. Na gut, ich gebe zu, es geht dann doch nicht um die Sammlung...aber eigentlich hätte das unter uns bleiben müssen...
Wäre das Koma überwunden...würde ich dann so schreiben? Oh Gott, das bedeutet, es macht gar keinen Unterschied! Da muss ich mal gleich noch ein Bier holen gehen. Willst Du den Kronkorken haben?
Also, dazu passend könnte man doch jetzt den Delirienwalzer unter Rieu einlegen, damit das hier kein Tritsch-Tratsch-Polka-Thread bleibt. Dazu ein paar Wiener Bonbons, Wein, Weib und Gesang, damit die Geschichten aus dem Wienerwald etwas versüßt werden. Mit ein paar Rosen aus dem Süden warten wir dann, bis wir die Frühlingsstimmen hören und das Wiener Blut zu wallen beginnt.
Warum hört man eigentlich die folgenden Walzer vom Strauss Schani so selten?


* Lava-ströme op. 74 (1850)
* Mephistos Höllenrufe op. 101 (1851)
* Nachtfalter op. 157 (1855)
* Man lebt nur einmal! op. 167 (1855)
* Karnevalsbotschafter op. 270 (1862)
* Leitartikel op. 273 (1863)
* Morgenblätter op. 279 (1863)
* Studentenlust op. 285 (1864)
* Feuilleton op. 293 (1865)
* Bürgersinn op. 295 (1865)
* Flugschriften op. 300 (1865)
* Telegramme op. 318 (1867)
* Die Publicisten op. 321 (1868)
* Illustrationen op. 331 (1869)
* Bei uns Z'haus op. 361 (1873)
* Donauweibchen op. 427 (1887)
* Rathausball-Tänze op. 438 (1890)
* Klug Gretelein op. 462 (1895)

Vor allem diejenigen, die mit dem Post- und Verlagswesen zu tun haben, würden mich interessieren. Heute wären die Titel noch seltsamer, da würde man wie folgt ersetzen müssen:

* Nachtfalter op. 157 (1855)
-->Prostituierte

* Man lebt nur einmal! op. 167 (1855)
-->Anti-Reinkarnations-Walzer

* Karnevalsbotschafter op. 270 (1862)
-->Wollemernroilasse?

* Morgenblätter op. 279 (1863)
-->Dope in the Morning

* Studentenlust op. 285 (1864)
-->Geilheit der arbeitsscheuen Schmarotzer

* Flugschriften op. 300 (1865)
--> Flyer

* Telegramme op. 318 (1867)
-->E-Mails

Übrigens gibt es von Strauss Sohn ja auch eine Reinkarnation! Eben gelesen:
"Zur Zeit ist
Uriella mit dem am 29. August 1940 geborenen Eberhard Eicke, der den Ordensnamen
Icordo trägt ihrem angeblich vierten Ehemann verheiratet. Er sieht sich als Reinkarnation
von Johann Strauß und Josef von Ägypten sieht, was heißt, dass er ihre Seelen
verkörpert. Icordo ist als Sprecher, Geistheiler und musikalischer Leiter von
Fiat Lux tätig. Ihr erster Ehemann war der Maschinenbaufabrikant Bertschinger.
Nach seinem Tod heiratete Uriella Kurt Warter, einen ehemaligen römisch-katholischen
Priester aus Hausen / Baden-Württemberg, der bis zu seinem Unfalltod 1988 unter
seinem Ordensnamen Uriello, Uriellas Offenbarungen verbreitete. Uriellas Ehemänner
spielen grundsätzlich nur die zweite Geige in ihren Ehen."

Der letzte Satz ist in dieser Verbindung eine besonders hübsche Stilblüte.

Ich frage mich allerdings, wie man nun Strauß und Josef von Ägypten unter einen Hut bringen kann?!? Obwohl: über Josef gibts wieder ein Musical von Lloyd Webber UND sogar eine Disney-Verfilmung. Geht also doch.
Darauf jetzt einen Schluck, dann will ich auch diesen armen, harmlosen Thread wieder in Ruhe lassen, ich Brutalo, ich...

Herzliche Grüße,
S A T I E
daniel5993 (02.01.2008, 00:34):
___________________________________________________________________________
:engelAlso ich fand dieses Neujahrskonzert einfach nur KLASSE ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !
:engelPretre und die Wiener waren hervorragend.
:engelDer Kaiserwalzer war hervorragend
:engel Das waren für mich ein paar wirklich wertvolle Stunden
___________________________________________________________________________
Wirklich schön !

Gruß
D :engela :engeln :engeli :engele :engell
Cetay (inaktiv) (02.01.2008, 07:38):
Original von Satie
Heute wären die Titel noch seltsamer, da würde man wie folgt ersetzen müssen:

* Nachtfalter op. 157 (1855)
-->Prostituierte

* Man lebt nur einmal! op. 167 (1855)
-->Anti-Reinkarnations-Walzer

* Karnevalsbotschafter op. 270 (1862)
-->Wollemernroilasse?

* Morgenblätter op. 279 (1863)
-->Dope in the Morning

* Studentenlust op. 285 (1864)
-->Geilheit der arbeitsscheuen Schmarotzer

* Flugschriften op. 300 (1865)
--> Flyer

* Telegramme op. 318 (1867)
-->E-Mails



:J :rofl :J
karajan (02.01.2008, 07:59):
Hallo Florianer

Ich habe das Konzert von Anfang bis zum Ende gehört. Abgesehen ob das drum herum einem gefällt oder nicht für mich zählte die Interpretation das Orchester und der Dirigent.
Ich glaube dieses Jahr haben die Philharmoniker eine gute Entscheidung getroffen bei der Wahl des Dirigenten. Pretre war übrigens vom Alter her der älteste Dirigent der jemals das Neujahrskonzert dirigiert hat. Jedenfalls war er nicht unsympatisch sondern sehr lustig und guter Laune. Das habe ich ihm garnicht zugetraut. Schon erstaunlich trotz seines hohen Alters was er da vollbracht hat. Hut ab da können sich manche seiner Vorgänger ein Beispiel nehmen.
Auch die Musik fand ich gut ausgewählt, Pretre dirigierte ohne Noten er hatte die Werke auswendig gelernt. Da knüfte er an den großen Karajan an der ja auch immer ohne Noten dirigierte.
Sein Musikalischer Witz mit dem Fußball und der Pfeife war eine schöne Einlage und kam bei Publikum gut an. Sollte der Dirigent weiterhin so fit bleiben dürfen ihn die Philharmoniker gerne wieder zu diesem Konzert einladen. Ohne Frage 1000 mal interessanter und schöner als die Vorstellung Harnoncourts bei seinen Gott sei Dank nur 2 Konzerten. Hoffentlich bleibt es auch dabei!
2009 ist Maestro Barenboim von den Philharmonikern eingeladen das Konzert zu dirigieren. Mal sehen was er daraus macht, ich traue ihm das aber voll zu.
Wünsche euch allen nochmals Alles Gute für 2008 Gesundheit und Erfolg!
Gruß Karajan
karajan (02.01.2008, 08:45):
Original von manrico
Liebe Leute!

Zuerst einmal Prosit Neujahr!!
Jetzt muss ich einmal als einer der wenigen Österreicher und (so glaube ich zumindest) einziger waschechter Wiener zum Thema "Neujahrskonzert" Stellung nehmen und ein paar Irrtümer beseitigen.
Der Wiener Walzer ist nicht einfach nur Musik, das ist Wiener Lebensgefühl!!! In Österreich ist es selbstverständlich, dass zum Jahreswechsel nach dem Läuten der Pummerin der Donauwalzer gespielt wird und dass alle dazu tanzen, egal, ob man auf der Strasse ist, auf einer Wiese, im Tiefschnee, im Lokal, zu Hause oder sonst irgendwo - da heisst's einfach "Alles Walzer!" - und irgendwer hat immer ein Radio mit. Ich könnte mir einen Jahreswechsel ohne Donauwalzer einfach nicht vorstellen. Die Frage, ob das nun gehobene Unterhaltungsmusik oder klassische Musik oder ich weiss nicht was ist, stellt sich mir ja nicht einmal im Traum - der Donauwalzer ist einfach die inoffizielle österreichische Bundeshymne. Und bei Hymnen fragt man nicht nach, in welche Kategorie Musik das fällt. Im Fasching gibt's in Wien praktisch jeden Tag zumindest einen Ball, an Wochenenden oft 4 bis 5 Bälle pro Tag - jede Schule, jeder Berufsstand, jede Parteifraktion hat ihren eigenen Ball (Zuckerbäckerball, Ball der Fleischermeister, Kaffeesiederball, Ball der Jungmaler, Ball der burgenländischen Kroaten in Wien,.....und Dutzende andere mehr), manche davon sind schon Wochen im Vorhinein ausverkauft und die Karten sind nicht immer billig. Dazu kommen noch Privatbälle. Beinahe jeder Ball wird mit der Fächerpolonaise, einer Einlage, die meistens irgendeine vertanzte Ouverture, Polka oder ähnliches ist, und einem Walzer eröffnet. Insofern ist das nur natürlich, dass wir Wiener das Jahr mit Walzern und Polkas begrüssen. Und es ist daher nie und nimmer nur irgendein Faschingskonzert !!!!! Undenkbar!!

Ach, ja, und der Schmierenkomödiant Andre Rieu hat nix, aber auch schon gar nix, mit diesem Lebensgefühl zu tun. Dazwischen liegen Universen! Es ist natürlich fraglich, ob sich so ur(g)eigenstes Wiener Lebensgefühl in alle Welt transportieren lässt und auch dort verstanden wird, aber es ist halt unser "Prosit Neujahr" an die Welt.
Begonnen hat die Geschichte ja damit, dass Willy Boskowsky in guter alter Stehgeiger-Manier dieses Konzert dirigiert hat. Und da war's wurscht, wie lange es dauert und wie viele Zugaben gespielt werden. Dass die ganze Geschichte zur Stardirigentenshowparade mit genormter Spieldauer ausgeartet ist, gefällt mir auch nicht, aber das ist der Tribut an die Zeit.

Also, Prosit 2008 aus Wien


Werner

P.S. ad Satie: Sisi war nicht mit Kaiser Franz sondern mit Franz Joseph verheiratet!

Hallo Manrico

Ich wünsche dir auch Alles Gute für das Neue Jahr Gesundheit, Glück und Zufriedenheit!
Ich als nicht Österreicher muß dir voll zustimmen das die Musik von Strauss und Co keinesfalls nur Faschingsmusik ist. Den Donauwalzer zb. höre ich im Jahr sehr oft genauso wie der Kaiserwalzer und die anderen Kompositionen der Strauss Dynastie. Ich kann mich noch sehr gut an den Konzertmeister Boskowsky errinnern wie er mit Geige Jahrelang die Neujahrskonzerte geleitet hat. Maazel wollte ihn teilweise ersetzten denn er spielte auch oft die Violine aber das ist ihm nicht so gelungen. Wie auch als Amerikaner gegen den Wiener Boskowsky der war unschlagbar. Die zwei Kleiber Konzerte waren Kunst von feinsten leider hat Sony bei den Aufnahmen versagt absolute Katastrophe was da die Tontechniker gemacht haben. Trotz Krankheit hat Karajan ein absolutes Highlight vollbracht zwar totalanders als seine Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern. Karajan spielte sehr breit ruhig und trotzdem voll Esprit. Immer wieder schön die DVD zusehen und zu hören.
Pretre hat mir auch echt gut gefallen und es ist wünschenswert wenn er noch mal eingeladen wird.
Gruß von der Ostsee
Karajan
Jeremias (02.01.2008, 11:14):
Auch von mir auch an dieser Stelle Prosit Neujahr :beer

Ich habe mir selbstverständlich die Senioren-Veranstaltung gestern angesehen und fand sie erschreckend schwach, gleich auf einer Stufe mit Harnoncourt! Alles lieblos dahin gefiedelt, langweilig wie generell bei französischen Interpreten. Mein Vater schwärmte gleich wieder von den alten Boskovski-Zeiten....

Mein Wunschkandidat für das kommende Jahr: Gustavo Dudamel! Hat jemand sein Silvesterkonzert aus Caracas auf ARTE gesehen? SO stelle ich mir ein Neujahrsbeginn vor!
teleton (02.01.2008, 13:21):
Hallo Jeremias,

ich finde Du tust George Pretre unrecht, wenn Du ihn so verurteilst.

Obwohl nicht unbedingt "meine Musik" (Auf CD würde ich dieses Programm nie hören !!!), hat mir das Neujahrskonzert gut gefallen.

Dies ist klar auf den hervorragenden Dirigenten George Pretre zurückzuführen, der sein Können wiedermal bei seinem Neujahrskonzert 2008 zeigte.
Mit wenigen aber bestimmten Gesten spornte er die Wiener PH zu Bestleistungen an.
Da wurden selbst Werke, die man sonst nie hören würde zum Ereignis.
Damit Zustimmung an Daniel.

Auch den Pausenfilm mit seinen schönen Landschaften fand ich dieses mal wieder ganz gut, aber nicht so gelungen wie letztes Jahr.
Weniger gefallen hat mir diesesmal dabei die starke Personenverbundenheit (ich hätte lieber noch mehr österreichische Landschaften gesehen als Hausmeister von Konzertsäälen) und noch weniger die Hinweise auf Fussball (ich bin kein Fan).
___________________

Zum Silvesterkonzert aus Venezuela mit Gustavo Dudamel
meine vollste Zustimmung an Jeremias.
Das haben wir bei unserer Familiensilvesterfeier auch eingeschaltet und mitgeschnitten.
Ich habe bevor ich Deinen Beitrag gelesen hatte dazu einen eignenen Thread erstellt.
Rachmaninov (02.01.2008, 14:15):
Eben sah ich bilder auf denen das Orchester mit Schals der Ö-Nationalmannschaft wedelte.
Was soll so etwas? Will man sich den A.Rieu Klamauk anpassen?

X(
manrico (02.01.2008, 16:05):
Lieber Satie!

Puhhh, dein Beitrag rettet meinen Tag!

Ich habe schon ernsthaft geglaubt, dass du den Geige malträtierenden Moonboot mit den Philharmonikern gleichsetzt. Das wäre tatsächlich ein Stich ins goldene Wiener Herz!!

Lieber Karajan!
Auch dir alles Gute im neuen Jahr. ich finde auch, dass die Kleiberkonzerte zu den allerfeinsten gehören. Er hat so richtig verstanden, was ein Walzerrhythmus ist. Über das Pretre-konzert kann ich noch nix sagen, ich bin erst beim Donauwalzer aus dem Bett gekommen, hab aber dann in diversen Zusammenschnitten unter anderem die Geschichte mit den Schals gesehen.
Das wird natürlich Wasser auf Saties Mühlen sein, aber irgendwie erinnert mich das schon an die Fledermaus (Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist). Und die Österreicher glauben doch allen Ernstes, sie könnten bei der Euro was gewinnen. Selten so gelacht (Ich möchte hier nur an das 9:0 Debakel gegen Spanien und die 1:0 Niederlage gegen die Faröer - Inseln erinnern! Jawohl, es ist möglich, dass man gegen die übermächtigen Faröer bloß ein Tor kassiert!). Insofern also doch Klamauk und Unterhaltung mit Musik rundherum. Aber die hat ja Gott sei Dank überwogen.

Liebe Grüße


Werner
nikolaus (02.01.2008, 17:14):
Original von Jeremias

Mein Wunschkandidat für das kommende Jahr: Gustavo Dudamel! Hat jemand sein Silvesterkonzert aus Caracas auf ARTE gesehen? SO stelle ich mir ein Neujahrsbeginn vor!

Daran habe ich auch gleich gedacht. Wie wohl die immer etwas steif dort sitzenden Japaner/innen reagieren würden (vielleicht kreischend in Ohnmacht fallen?)
Dann hätte auch das Mitklatschen seinen Sinn (vorrausgesetzt die Zuschauer beherrschen den Samba-Rhythmus :leb

Ich fände es toll :D

Nikolaus.
ab (02.01.2008, 22:13):
Allen auf von mir ein gutes neues Jahr!

Ich teile unseres Karajans Einschätzung zum diesjährigen Neujahrskonzert, und nicht nur zu diesem (auch wenn ich Jansons ähnlich enttäuschend fand wie die Harnoncourt-Tiefpunkte). Ein sehr erfreuliches und erfreuendes Neujahrskonzert mit sehr eigener Interpretation; auch wenn es mir persönlich an tänzerischem Schmiss gefehlt hat.
karajan (03.01.2008, 17:19):
Ich bin mal einige Pressemitteilungen über das Neujahrskonzert durchgegangen, und muss sagen die Presse hat das Konzert auch positiv bewertet. Oftmals werden solche Konzerte in der Presse stark zerrissen aber das scheint diesmal nicht der Fall zu sein.
Wie sollte auch das Konzert war in Ordnung und hat gefallen.

Gruß Karajan
Poztupimi (05.01.2008, 21:31):
Gerade läuft bei mir im TV die Wiederholung des Konzerts.

Also, der Wiener Walzer und ich, wir werden wahrlich keine Freunde. Und jetzt wird getanzt. Gut, da das Orchester - außer einer Harfinistin - eh' nur aus Männern zu bestehen scheint (korrigiert mich, wenn ich da falsch liege), und und ich den selig lächelnden Dirigenten auch nicht permanent im Großformat sehen muß, sicher nicht völlig übel - aber Ballett ist eigentlich auch nicht so mein Ding. Aber wie gesagt, nicht so meine Musik. Und ich fürchte, musikalische Vergleiche kann ich nicht anstellen, da dies meine erste Begegnung mit dieser jährlich sich wiederholenden Veranstaltung ist - woraus zu erahnen sein könnte, daß ich ach keine der bisherigen Konzerte auf CD oder LP besitze.

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (05.01.2008, 21:55):
Hallo Poztupimi,

Ich habe zwei Frauen gezählt. Irgendwo in der zweiten Geige relativ weit hinten (soweit ich mich erinnern kann) saß noch so eine mit langen dunkelblonden Haaren, aber sonst war das Orchester nur mit Männern bestückt. Den Frauenanteil in Prozent habe ich nicht ausgerechnet, aber er ist wohl so niedrig, dass ich aus Wut über diese Ungerechtigkeit fast an die Decke gehe. :S

Lea
Poztupimi (05.01.2008, 22:11):
Hallo Lea,

Original von Little_Swan
Hallo Poztupimi,

Ich habe zwei Frauen gezählt. Irgendwo in der zweiten Geige relativ weit hinten (soweit ich mich erinnern kann) saß noch so eine mit langen dunkelblonden Haaren, aber sonst war das Orchester nur mit Männern bestückt. Den Frauenanteil in Prozent habe ich nicht ausgerechnet, aber er ist wohl so niedrig, dass ich aus Wut über diese Ungerechtigkeit fast an die Decke gehe. :S

Lea

stimmt, inzwischen habe ich auch noch eine entdeckt. Und ganz erstaunlich, ab und zu, wenn sie nicht mehr spielen sondern nach Beendigung des jeweiligen Stückes aufstehen, also ab und zu lächelt der eine oder andere der Herren auch schon mal. Ansonsten überrascht für mich die Diskrepanz zwischen - möglicherweise - beschwingt-fröhlicher Musik und die professionellen Ernsthaftigkeit der Musiker. Aber wenn ich Neujahr hätte arbeiten müssen - und Arbeit ist es ja immerhin für sie -, wäre ich sicher auch nicht fröhlich gewesen. Wie anders habe ich da die Musikerinnen und Musiker der Berliner Philharmoniker bei meinem bisher einzigen Besuch ihres Abschlußkonzertes in der Waldbühne in Erinnerung.

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (05.01.2008, 22:20):
Lieber Wolfgang!

Pretre lächelt eigentlich oft. Wer weiß, vielleicht kann der das nicht mal mehr kontrollieren. Er war zwar sicher mal ein interessanter Mensch und Musiker, aber das Gehabe von wegen "wie erstaunlich, dass er das Orchester mit so schlichten, innigen Bewegungen so sicher führt" finde ich albern. Die Wiener sind ein Spitzenorchester, die spielen immer sehr gut, auch wenn ein Seniler vor ihnen mit den Armen herumwedelt.

Grüßle, Lea
Poztupimi (05.01.2008, 22:33):
Liebe Lea,

während die zweite Zugabe läuft - nach diesem tollen Fußball-Scherz -:
speziell zu Beginn hatte ich so das Gefühl, als ob hier zwei - das Orchester und der Dirigent - jeder für sich agieren. Pretre denkt und fühlt die Musik, tänzelt sie mit. Und das Orchester spielt das, was es immer schon spielt, wie es das immer schon spielt - was ich natürlich nicht beurteilen kann, mangels Erfahrung - und wie es das auch in Zukunft unter anderen Dirigenten spielen wird. Und da habe ich mir mal wieder gesagt, daß die Hauptarbeite sicher doch während der Proben geleistet wurde. Und dann können es alle und wissen wie es geht.

Viele Grüße,
Wolfgang
nikolaus (05.01.2008, 23:47):
Original von Little_Swan
Hallo Poztupimi,

Ich habe zwei Frauen gezählt. Irgendwo in der zweiten Geige relativ weit hinten (soweit ich mich erinnern kann) saß noch so eine mit langen dunkelblonden Haaren, aber sonst war das Orchester nur mit Männern bestückt. Den Frauenanteil in Prozent habe ich nicht ausgerechnet, aber er ist wohl so niedrig, dass ich aus Wut über diese Ungerechtigkeit fast an die Decke gehe. :S

Lea

Hallo Lea!

Sieh es mal positiv: früher gab es gar keine Musikerinnen in diesem Orchester und selbst die Harfenistin haben sie hinter dem Blumenschmuck versteckt :ignore - da ist es ja jetzt ein wahnsinniger Fortschritt...
Die Arroganz der Wiener gegenüber Frauen ist unbeschreiblich, und ich verstehe nicht, wieso sich das bisher nicht geändert hat...

Solidarische Grüße, Nikolaus.
Little_Swan (06.01.2008, 12:46):
Hallo Nikolaus!

In der Tat, es ist schon unfair, vor allem weil wir Frauen garantiert keine schlechteren Musikerinnen sind.
Allerdings: bei Andre Rieu (habe ich nur 5 min angeschaut, nicht dass du irgendwie denkst, mir würde sowas gefallen...) am 31. war fast die ganze 1. und 2. Geige mit Frauen bestückt - in albernen, pastellfarbenen Tüllkleidchen und einem Ausschnitt, bei dem man mehr gesehen hat, als man vielleicht wollte. Ich könnte mich in so einem Fummel nicht auf die Musik konzentrieren, weil ich die ganze Zeit Angst hätte, mir würde der Ausschnitt noch mehr verrutschen. Ist das besser?

Viele Grüße, Lea

P.S. Nett, so eine Bemerkung mal von einem Mann zu hören. Danke!
nikolaus (06.01.2008, 12:54):
Original von Little_Swan
- in albernen, pastellfarbenen Tüllkleidchen und einem Ausschnitt, bei dem man mehr gesehen hat, als man vielleicht wollte. Ich könnte mich in so einem Fummel nicht auf die Musik konzentrieren, weil ich die ganze Zeit Angst hätte, mir würde der Ausschnitt noch mehr verrutschen.

:J

Original von Little_Swan
Ist das besser?

Nee, sicher nicht!

Original von Little_Swan
P.S. Nett, so eine Bemerkung mal von einem Mann zu hören. Danke!

Keine Ursache!!

Gruß, Nikolaus.
satie (06.01.2008, 13:53):
Liebe Lea,
ich könnte Dir so manche Geschichte von den Berliner Philharmonikern (aus erster Hand) erzählen, die weit erschütternder sind. Wie es jetzt mit Rattle ist, kann ich nicht sagen, aber ich kannte sowohl eine Violinistin als auch die damalige Assistentin von Abbado. Der Anstand verbietet es mir, hier näher darauf einzugehen. Jedenfalls kann man sagen, dass die Wiener mit ihrem Quotenproblem dagegen sympatisch sind. Was nichts daran ändert, dass Frauen immer noch benachteiligt sind. Allerdings frage ich mich manchmal, ob Dinge wie eine Quotenregelung oder spezielle Subventionen etc. nicht mitunter das Gegenteil dessen erreichen, was man sich wünschen würde (nämlich tatsächliche Gleichberechtigung). Manchmal scheint es mir, als ob Frauen dadurch einen Status erlangen wie ihn eben Randgruppen haben (Behinderte, ethnische Minderheiten etc.), statt dass es dazu führt, wirklich auf der selben Ebene zu stehen wie die Männer. Ich hatte diese Erfahrung besonders in der Schweiz mit der Förderung von Komponistinnen gemacht. Etliche konnten jedes Jahr ein Stipendium bekommen, im Grunde war es aber egal, welche künstlerischen Qualitäten vorhanden waren (natürlich ist das jetzt sehr pauschal formuliert, nur um zu illustrieren). Hier halte ich es für einen Fehler, die künstlerischen Kriterien nicht eben so ernst zu nehmen wie die Frage des Geschlechts (ein Mittelweg wäre wie üblich besser). Dennoch verstehe ich natürlich, dass man zunächst lediglich Plattformen und Institutionen bilden muss, die eben Frauen unterstützen. Sind meine Bedenken verständlich?
Ich wünschte mir wirklich, dass sich die Situation weiter ändert und die Geschlechterfrage endlich gar kein Thema mehr ist. Es gibt gegenwärtig so viele großartige Instrumentalistinnen, dass ich nicht verstehen kann, dass es immer noch patriarchalische Orchester, Verbände etc. gibt. Und warum um alles in der Welt sehen wir immer noch so gut wie nie eine Dirigentin am Pult? Ich vermute archaische Strukturen, anders ist mir das alles nicht erklärbar.

Herzlich,
S A T I E
satie (06.01.2008, 14:03):
Die Thematik hatte ich auch hier angesprochen (auf meine typisch unernste Art):
http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=560
Little_Swan (06.01.2008, 17:09):
Lieber Satie!

Ich stimme dir voll und ganz zu. Auch mir sind einige Berichte über die Berliner zur Zeit Karajans zu Ohren gekommen was Frauenfeindlichkeit betrifft.
Die einzige, bei der er wohl eine Ausnahme machte, war A-S Mutter.
Natürlich kann man nicht einfach sagen: "Wir schmeißen die Hälfte der Männer raus und stellen Frauen ein!", aber es ist nicht gerecht, wenn eine Frau besser vorgespielt hat und trotzdem ein Mann genommen wird, nur weil er in die Weltanschauung von Karajan & Co passt.
Vielleicht erinnerst du dich daran (war wohl vor meiner Zeit, wurde mir so erzählt), dass Frauen bei den Berlinern mal gefordert haben, alle Bewerber sollten zur Chancengleichheit hinter einem Vorhang spielen und hinterher ein totaler Zirkus gemacht wurde, weil die sozusagen "blinde" Jury eine Frau zu den Trompetern holte.

Hier ging es ja eigentlich um's Neujahrskonzert, also werde ich nicht weiter vom Thema ablenken, wollte das aber noch kurz erwähnen.

Alles Liebe, Lea
karajan (08.01.2008, 21:48):
Original von Little_Swan
Lieber Satie!

Ich stimme dir voll und ganz zu. Auch mir sind einige Berichte über die Berliner zur Zeit Karajans zu Ohren gekommen was Frauenfeindlichkeit betrifft.
Die einzige, bei der er wohl eine Ausnahme machte, war A-S Mutter.
Natürlich kann man nicht einfach sagen: "Wir schmeißen die Hälfte der Männer raus und stellen Frauen ein!", aber es ist nicht gerecht, wenn eine Frau besser vorgespielt hat und trotzdem ein Mann genommen wird, nur weil er in die Weltanschauung von Karajan & Co passt.
Vielleicht erinnerst du dich daran (war wohl vor meiner Zeit, wurde mir so erzählt), dass Frauen bei den Berlinern mal gefordert haben, alle Bewerber sollten zur Chancengleichheit hinter einem Vorhang spielen und hinterher ein totaler Zirkus gemacht wurde, weil die sozusagen "blinde" Jury eine Frau zu den Trompetern holte.

Hier ging es ja eigentlich um's Neujahrskonzert, also werde ich nicht weiter vom Thema ablenken, wollte das aber noch kurz erwähnen.

Alles Liebe, Lea

Das die Berliner Philharmoniker Frauen eher ablehnen ist bekannt, aber bitte lasst Karajan aus dem Spiel. Karajan war keineswegs Frauenfeindlich aber das Orchester. Fall Sabine Meyer da kam es zum Streit Karajan wollte sie aber das Orchester lehnte sie ab.
Gruß Karajan
Cosima (11.01.2008, 19:06):
Mir hat das diesjährige Wiener Neujahrskonzert sehr gut gefallen: Elegante, leichte Interpretationen, von einem sympathischen Georges Pretre charmant und unaufdringlich dirigiert. Auf CD muss ich die Aufnahme nicht unbedingt haben, aber als Zuschauerin und Zuhörerin am TV-Bildschirm hatte ich viel Freude.

Gruß, Cosima