Nikolai Karlowitsch Medtner: Werke für Klavier (solo)
Rachmaninov (31.05.2007, 21:40): Als Sohn deutstämmiger Eltern wurde Nikolai Karlowitsch Medtner am 5. Januar 1880 begoren.
Den ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von sechs Jahren von seiner Mutter, dann später durch seinen Onkel (F.C. Goedicke), der auch Professor am Moskauer Konservatorium war. Mit 12 Jahren wurde Medtner dann am Konservatoruim aufgenommen, erhielt Kompositionsunterricht bei Tanejew und Arensky und studierte Klavier bei Papst (Liszt Schüler).
Nach dem Tod von Pabst studierte er in der Klasse von V.I. Safonow weiter und schloß später mit der Goldmedaille ab.
Obwohl eine brilliante Karriere als Pianist möglich gewesen wäre entschloß sich Medtner für das Komponieren und verband das Komponieren und das Klavierspielen in den folgenden jahren.
1915 erhielt er in Moskau eine Proffessur, 1921 verließ er Russland, lebte in Deutschland, tourte durch die USA, und lies sich 1924/25 in paris nieder. Später siedelte er nach England über.
In allen seiner 61 eingetragenen Werke in seinem Werkverzeichnis spielt das Klavier eine Rolle.
Medtners Kompositionen sind in der Harmonik des 19. Jahrhunderts verwurzelt.
Seine Kompositionen unterscheiden sich jedoch von denen eines S. Rachmaninov's.
Medtner's Kompositionen zeigen eine sehr eigene Handschrift, auch wenn natürlich Parallele zu Rachmaninov, der einer seiner Freunde war, zu erkennen sind. Alleine die Verbindung über Arensky bedingt dies.
So sind seine Kompositionen voller Rhythmen und Kontrastrhythem zwischen linker / rechter Hand oder Pianist zu Orchester wie bei den Konzerten.
In diesem Thread geht es um Medtners Werke für das Klavier (solo).
Anbei eine Übersicht zu Medtner's Schaffen auf diesem Gebiet:
zahlreiche Zyklen von "Märchen" "Vergessene Weisen", 3 Zyklen op.38, 39 und 40 (1918-22) 4 Novellen op.17 (1908/09) 4 Lyrische Fragmente op.23 (1910/11) etliche Einzelstücke
Vielen dürfte zumindestens die Sonata-Reminescenza aus der Vergessene Weisen Op.38 bekannt sein oder die Klaviersonate Op.22
Werde hier versuchen nach und nach die Klavierwerke zu besprechen.
Außerdem, wie sonst auch immer, bin ich natürlich interessiert welche Aufnahmen ihr kennt und schätzt. Vielleicht kennt einer ja sogar die Aufnahmen von Medtmner selbst!?
Rachmaninov (11.06.2007, 12:08): M.A. Hamelin gegenüber habe ich durchaus berechtigte Bedenken, allerdings muss man in einem Thread über Medtner's Klavierwerk seine Aufnahme einfach nennen.
An einigen Stellen könnte sein Spiel romantischer sein, allerdings ginge dies wohl auf Kosten der Darstellung der Virtuosen Passagen in Medtner's Musik. Nicht das ich Hamelin unterstellen will bewußt derart zu spielen, es ist eh nicht "seine" Spielweise, jeoch gelingt gerade durch diesen nicht übertriebenen "romantisierten" Ansatz eine sehr gelungene Gesamtaufnahme Medtner's Klavierwerk, die IMO sicherlich in Betracht gezogen werden sollte, wenn man sich mit dem Schaffen Medtner's auseinandersetzen will!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8694577.jpg
Interpretation: 9 Klang: 8-9
Rachmaninov (13.06.2007, 14:35): Hallo,
wer sich bei Medtner weniger auskennt kann einen Eindruck der Sonata Tragica auf der HP von Yevgeny Sudbin finden.
Siehe hier
Jeremias (15.06.2007, 23:30): Ich habe den Weg zu Medtner v.a. über die Sonata Remeniscenca gefunden, ein sehr melancholisches Werk, wie oftmals bei Medtner. Kissin hat sie einst fabelhaft interpretiert :)
Rachmaninov (16.06.2007, 11:41): Original von Jeremias Ich habe den Weg zu Medtner v.a. über die Sonata Remeniscenca gefunden, ein sehr melancholisches Werk, wie oftmals bei Medtner. Kissin hat sie einst fabelhaft interpretiert :)
@Jeremias,
die Remeniscenca ist auch für mich das Werk, das den Zugang zu Medtner's Schaffen ebnete. Die Kissin Aufnahme besitze ich ebenfalls. Allerdings ist sie mir nicht als so fabelhaft in Erinnerung.
die klaviersonaten medtners sind kostbarkeiten der spätromantik. der klaviersatz ist äußerst dicht, ja manchmal erdrückend. medtner verwendet viel kontrapunktik. überdies ist der einfallsreichtum an melodien scheinbar unerschöpflich. die einspielung hamelins ist eine pianistische orgie. dieser pianist blüht meistens da auf, wo man vor lauter bäumen den wald nicht mehr sieht. bei der darstellung einer mozartsonate z.b. scheint er ratlos. aber hier vollbringt er ware wunder. es ist nicht nur die technische omnipotenz, sondern der sonore anschlag und das ausgeklügelte klangempfinden. unter seinen händen 'atmet' die musik medtners, und als zuhörer gerät man in einen wahren 'sauerstoff'-rausch. ich kann es nicht besser ausdrücken. im vergleich zu vielen späteren hyperion-aufnahmen ist der klavierklang hier noch sehr direkt und nicht 'gesoftet' aufgenommen.
ich habe vor etwa 2 jahren die gesamteinspielung mit hamelin meinem alten freund und kollegen gegeben. er schrieb mir extra einen brief, der immer noch im booklet liegt: 'lieber herr kollege a. ! haben sie besonderen dank für diese einmalige, superwertvolle disc, mit der musik eines offensichtlichen einzelkämpfers und musikfanatikers. es ist erstaunlich, fast unglaublich, wie m.a. hamelin sein instrument (ein sehr gutes) und diese nicht nur technisch schwierige musik mit leichtigkeit beherrscht...' dieser einer meiner besten freunde (spielte seit der frühesten kindheit klavier, kannte nahezu die komplette literatur) lebt nicht mehr.
die sonata reminiscenza (aus den vergessenen weisen op. 38) ragt mit ihrer sehnsuchtsvollen melodik und harmonik hervor. erstmalig hörte ich sie mit dem berühmten live-mitschnitt emil gilels'.
natürlich ragt die Sonata reminiscenza a-moll op.38/1 in gewisser weise aus dem Schaffen Mdtner's als "Prunkstücke" heraus, allerdings darf man Medtner Schaffen im Bereich nicht auf diese eine reduzieren. Immerhin hat er 14 Sonaten geschrieben und stellt damit wohl neben Scriabin einen der bedeutensten Schöpfer dieser Gerne im letzen Jahrhundert dar.
Das dies nicht nur rein quantitativ so ist beweisen die Sonaten auch inhaltlich.
Derzeit höre ich mit Begeisterung Mdtner's erste Sonate f-moll op.5 aus den Jahren 1902/03.
Auch wenn man in gewisser Weise noch den jungen Mdtner hört so glänzt diese fast 32 minütige Sonate doch bereits mit einem großen Bogen aus russische romantischem Kompnistenherz und Pianistischer Virtuosentum. Hier zeigt sich ein ganz klar, Medtner stammt nicht nur aus der russischen Tradition als Komponist, sondern hier zeigt sich auch, daß er als hervorragender Pianist auch sehr anspruchsvolle Werke für SEIN Instrument schrieb.
Die Sonate besteht aus 4 Sätzen, der erste, und sogleich längste, greift immer wieder ein Kernthema auf und stellt dies immer wieder neu vor.
Kraftvolle Spannung zieht sich durch die gesamte Sonate, gepaart mit brillianten anspruchsvollen Passagen.
Bisher kenne ich nur die Aufnahme von M.A. Hamelin, die wirklich kalsse ist! Etwas mehr "Schmelz" würde noch die Wirkung verstärken, aber Hamelin gelingt hier ein brilliantes Klavierspiel.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8694577.jpg
HenningKolf (19.11.2007, 16:57): obwohl nicht gerade "Klavierexperte", habe sogar ich eine Aufnahme mit Medtners Kompositionen nämlich diese hier:
darauf enthalten sind op.38-1, 42-1, 48-1, 54-3, 26-3, 51-1, 31-2 u. 3, 34-2, 22
gefällt mir sehr gut, ich habe gar nicht das Bedürfnis einen anderen Interpreten auszuprobieren, eher den Gedanken mit Tozer den Komponisten noch ein wenig näher kennenzulernen.
Wie schätzt ihr Tozer im Vergleich zu Hamelin ein??
Gruß Henning
Rachmaninov (19.11.2007, 21:23): Original von HenningKolf obwohl nicht gerade "Klavierexperte", habe sogar ich eine Aufnahme mit Medtners Kompositionen nämlich diese hier:
darauf enthalten sind op.38-1, 42-1, 48-1, 54-3, 26-3, 51-1, 31-2 u. 3, 34-2, 22
gefällt mir sehr gut, ich habe gar nicht das Bedürfnis einen anderen Interpreten auszuprobieren, eher den Gedanken mit Tozer den Komponisten noch ein wenig näher kennenzulernen.
Wie schätzt ihr Tozer im Vergleich zu Hamelin ein??
Gruß Henning
Tozer dürftest Du hier wohl deutlich günstiger finden! (ab 16.11.2007 auf dem Markt!)
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6750499.jpg
HenningKolf (19.11.2007, 21:38): :thanks
HenningKolf (19.11.2007, 21:46): Original von HenningKolf :thanks
Die Überprüfung auf der Brilliant - Seite hat dann leider ergeben, dass die Box doch keinen billigen Weg zu Tozer eröffnet..Eine CD teilen sich Tozer, Beresowski und Milne, die 6 anderen CDs füllt Milne alleine..........
:I Gruss Henning
Rachmaninov (19.11.2007, 21:48): Kenne Tozer zwar nicht, aber ich glaube er kommt er weder an Demidenko noch an Hamelin "ran"!
HenningKolf (19.11.2007, 22:00): immerhin einminütige Hörschnipsel in
WMA Lossless Qualität
gibt es hier. In MP3 - Qualität kann man bei Chandos in alle Aufnahmen von Tozer hineinhören
Henning
ab (19.11.2007, 23:46): Original von Rachmaninov Kenne Tozer zwar nicht, aber ich glaube er kommt er weder an Demidenko noch an Hamelin "ran"!
Bei Gramophone sind seine Chandos-Aufnahmen alle sehr gut besprochen worden. Hier Ausschnitte davor:
No praise could be high enough for Geoffrey Tozer’s formidable undertaking. Playing throughout with an enviable strength, grace and subtlety and with an unfailingly beautiful sonority, he is more than equal to every occasion.
Tozer’s verbal descriptions of each sonata join affectionate tributes from Vladimir Horowitz, Gary Graffman, Eugene Istomin and Marc-Andre Hamelin; a starry reminder that “the least appreciated of the Russian twentieth-century Romantic Triumvirate, grouped with Rachmaninov and Scriabin” is at last achieving his true status and attention.
True, he can’t quite match Hamelin’s awesome gift for distilling complex textures with uncanny clarity, but his dramatic, naturally paced performance lies convincingly between Hamelin’s propulsive account and Demidenko’s intense, emotionally laden reading.
With Tozer, Hamelin, Demidenko and Hamish Milne, Medtner has been richly served in recent years, and this warmly recorded disc is yet another to be treasured.'
Nordolf (20.11.2007, 02:10): Original von Rachmaninov Kenne Tozer zwar nicht, aber ich glaube er kommt er weder an Demidenko noch an Hamelin "ran"!
Hallo Rachmaninov,
ich kenne Tozer von seinen Aufnahmen der Klavierkonzerte mit Järvi bei Chandos. Sorry - aber ich finde ihn bei Medtner besser als Hamelin. Hamelin spielt immer diesen hellen auf Brillianz polierten Pollini-Ton, der bei dem Russen nichts zu suchen hat. Das klingt toll und prägnant, ist aber an den introvertierten Kompositionen Medtners vorbeigespielt. Mir ist der dunkle Tozer tausendmal lieber. Hamelin mag noch so sehr einen technischen Vorsprung haben. Aber ist es wirklich so? - immerhin hat Tozer sich ganz persönlich auf Medtner spezialisiert.
:hello Jörg
Rachmaninov (20.11.2007, 06:44): @Jörg,
es ist zwar richtig das Hamelin eher den brillianten Klavierton verkörpert, aber das war auch der Grund warum er keine :times10 von mir bekommen hat. Es ist aber so, daß die russischen Komponisten / Pianisten wie Rachmaninov und Schostakowitsch eher ebenso "hart" gespielt haben. Wie es bei Medtner war weiß ich nicht, kenne seine Aufnahmen leider nicht. Auch sollte man nicht vergessen, daß es sich nicht um rein russisch romantische Werke handelt, sondern auch brilliante Werke für das Klavier.
Also Alternative besitze ich Adam Fellegi.
Allerdings würde ich eine Gesamtaufnahme Medtner's mit Sudbin, nach der grandiosen Aufnahme des ersten Konzerts und dem Hörbeispiel oben, sehr begrüßen :hello
Aber wenn ich Dich richtig verstehe besitzt Du von Tozer "nur" die Konzerte und Hamelin auch nicht speziell bei Medtner, oder? Bei Hamelin kann man sich sicherlich "streiten". Und im Halein Thread habe ich mich auch zu einigen Aufnahmen von ihm kritisch geäußert. :D
ab (20.11.2007, 11:34): Kennt denn nun jemand die Aufnahmen Milnes hier im Forum? Wie sind die?
Gramophone schrieb dazu etwas folgendes:
Hamish Milne's deeply considered performance holds its own against the main competitors, and the sound is superb
Once scorned and neglected, Medtner's strange and recondite genius is now richly served on record. And it is no exaggeration to say that without Hamish Milne's pioneering example, and his enviably sensitive and lucid mastery, Medtner's star might well have remained dim and obscure. His ongoing cycle for CRD began, unbelievably, over 20 years ago. Some things are worth waiting for and, despite formidable competition from Marc-Andre Hamelin, Geoffrey Tozer and some less comprehensive but searingly intense offerings from Nikolai Demidenko (Hyperion, 9/93), Hamish Milne's performances have a special, deeply considered quality.
Nordolf (20.11.2007, 16:57): Hallo Rachmaninov!
Original von Rachmaninov @Jörg,
es ist zwar richtig das Hamelin eher den brillianten Klavierton verkörpert, aber das war auch der Grund warum er keine :times10 von mir bekommen hat. Es ist aber so, daß die russischen Komponisten / Pianisten wie Rachmaninov und Schostakowitsch eher ebenso "hart" gespielt haben. Wie es bei Medtner war weiß ich nicht, kenne seine Aufnahmen leider nicht. Auch sollte man nicht vergessen, daß es sich nicht um rein russisch romantische Werke handelt, sondern auch brilliante Werke für das Klavier.
Da hast Du natürlich recht. Ich nehme auch explizit den Begriff "poliert" zurück. Hamelin und Pollini sind großartige Pianisten. Ich finde ihren Stil interessant. Aber bei Medtner brauche ich schon etwas Schmelz. Nächstes Jahr werde ich mir eine Hamelin-Medtner-CD zulegen. Vielleicht ändern sich meine Eindrücke, die ich ja nur vom Reinhören habe.
Aber wenn ich Dich richtig verstehe besitzt Du von Tozer "nur" die Konzerte und Hamelin auch nicht speziell bei Medtner, oder? Bei Hamelin kann man sich sicherlich "streiten". Und im Halein Thread habe ich mich auch zu einigen Aufnahmen von ihm kritisch geäußert. :D
Auf der Doppel-CD mit Tozer/Järvi befindet sich ebenfalls die Sonate-Ballade, welche ich großartig von Tozer interpretiert finde. Es ist eben ein warmer und atmosphärischer Zugang.
Herzliche Grüsse! Jörg
Rachmaninov (20.11.2007, 17:10): Original von Nordolf Da hast Du natürlich recht. Ich nehme auch explizit den Begriff "poliert" zurück. Hamelin und Pollini sind großartige Pianisten. Ich finde ihren Stil interessant. Aber bei Medtner brauche ich schon etwas Schmelz. Nächstes Jahr werde ich mir eine Hamelin-Medtner-CD zulegen. Vielleicht ändern sich meine Eindrücke, die ich ja nur vom Reinhören habe.
@Jörg, ich verstehe sehr genau Deine Sicht. Ein, sagen wir hoch differenziertes und brilliantes Klavierspiel wirkt oftmals eher "farblos" und vermittelt eher einen unemotionalen Eindruck. Man erwartet irgendwo bei Medtner einen gewissen Schmelz, der in der Reminiscenza sicherlich gefordert ist! Aber Medtner verbindet halt 2 Aspekte, diesen Emotionalenanspruch aber AUCH die Virtuose "Note"!
Cosima (24.11.2007, 15:51): Original von Nordolf Aber bei Medtner brauche ich schon etwas Schmelz.
Lieber Jörg,
ich suche bei Medtner überhaupt nicht nach „Schmelz“. Ich meine sogar, dass er hier störend wäre. Nur weil Musik harmonisch und melodisch ist, muss sie nicht automatisch gefühlsselig und schwelgerisch gespielt werden. Ich meine, dass Hamelin genau das Vornehme und Verhaltene der Kompositionen Medtner trifft. Besser geht das IMO nicht zu spielen, besonders die Vergessenen Weisen und die Sonata reminiscenza sind fantastisch interpretiert – fernab von aufpolierter Brillanz. Im Gegenteil: Ganz nobel, voller Zartheit und Zurückhaltung!
Hamelin über Medtner in einem Interview vom Nov. 2007; seine Antwort auf die Frage: Warum ist Medtner so wenig bekannt?
Es ist sehr vornehme, aristokratische Musik, die nicht so einen unmittelbaren Zug hat wie Rachmaninoff. Rachmaninoff geht direkt auf den Hörer zu. Der Hörer aber muß auf Medtner zugehen. Dafür gewinnen seine Stücke mit wiederholtem Hören unablässig. Medtners harmonische Sprache ist gewissermaßen reservierter. Er hat sehr früh seinen Stil gefunden. Die ersten vier Opera sind noch ein wenig auf der Suche, doch schon ab dem Opus 5, der ersten Sonate, ist es unverkennbar Medtner. Im Spätwerk nimmt dann die kontrapunktische Komplexität beträchtlich zu. Doch die harmonische Sprache und melodische Erfindung haben sich nicht grundsätzlich verändert. Am liebsten mag ich seine ,Sonata reminiscenza’. Die hat etwas sehr Persönliches, Intimes, womit ich mich stark identifizieren kann. Dabei fand ich das Stück zunächst langweilig, nirgendwohin führend. Die Struktur erschloß sich mir nicht so recht. Nach einer Woche aber konnte ich es nicht mehr entbehren. Es war wie eine Droge! Ich brauchte mit einem Mal täglich meinen Schuß ,Sonata reminiscenza‘! Medtners melodische Begabung ist weniger offenkundig als diejenige Rachmaninoffs. Es ist eine verhaltenere Art der Verführung. Die Integration der Themen in die Gesamtform ist absolut stimmig. Man könnte eigentlich nichts verändern. Ich habe mich entschieden, alle Sonaten aufzunehmen, da ich von allen überzeugt bin. Rachmaninoff und Medtner hielten jeder den anderen für den bedeutendsten Komponisten der Zeit. Beide waren fundamentale Anti-Modernisten. Medtner hielt sich einen unglaublichen Vorrat an unbenutzten melodischen Einfällen. Er schrieb ständig neue Ideen nieder, und Rachmaninoff fragte immer mal: ,Du hast doch nichts dagegen, daß ich mir eine von Dir ausleihe?‘
HenningKolf (24.11.2007, 21:43): Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich. Dann ist es natürlich schwierig zu vergleichen. Ich z.B. finde, dass Tozer nicht gefühlsselig spielt, aber wie sich Tozer zu Hamelin, Demidenko, Milne etc. verhält, kann man sich - auch dann natürlich nur ungefähr - erst vorstellen, wenn jemand bereits verglichen hat und dann über seine Empfindungen berichtet. Wenn jemand sich berufen fühlt, möge er dies bitte mitteilen, Medtner gefällt mir gut und ich würde mir gerne noch etwas mehr Repertoire anschaffen. Einen Blick über Tozers "Klavierkante" hinaus würde ich allerdings nur dann wagen, wenn ich abschätzen kann, was mich im Vergleich erwartet...euch trau ich doch viel mehr als gramophone :W
Henning
Rachmaninov (25.11.2007, 12:17): Original von HenningKolf Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich.
Da liegst Du falsch!
Kenne Hamelin, Demidenko und Fellegi.
Seinerzeit hatte ich den Thread wenig verfolgt, da die Resonanz, anders als heute, gering war. :leb
HenningKolf (25.11.2007, 12:23): @ Rachmaninov
könntest Dir ja eigentlich was von Tozer und Milne zulegen und ausführlich vergleichen
:D :D :D :D :W
Cosima (25.11.2007, 12:32): Original von HenningKolf Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich.
Ich kenne Medtner-Aufnahmen von Hamelin, Tozer, Scherbakov, Demidenko und Berezovsky.
Wenn jemand sich berufen fühlt...
Ich fühle mich nicht berufen… Meine Empfindungen müssen eh nicht mit Deinen übereinstimmen. Für mich ist bei Medtner Hamelin die Nr. 1. Aber falls jemand generell Probleme mit Hamelins Klavierspiel hat – aus welchen Gründen auch immer – wird es eh schwierig, ihm diese großartige Aufnahme nahe zu bringen.
Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (25.11.2007, 12:43): Original von Cosima Original von HenningKolf Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich.
Ich kenne Medtner-Aufnahmen von Hamelin, Tozer, Scherbakov, Demidenko und Berezovsky.
Wenn jemand sich berufen fühlt...
Mir fällt auch E. Wild und Berezovsky vergesen zu haben, und vor allem E. Gilels :ignore
Ich fühle mich nicht berufen… Meine Empfindungen müssen eh nicht mit Deinen übereinstimmen. Für mich ist bei Medtner Hamelin die Nr. 1. Aber falls jemand generell Probleme mit Hamelins Klavierspiel hat – aus welchen Gründen auch immer – wird es eh schwierig, ihm diese großartige Aufnahme nahe zu bringen.
Gruß, Cosima :)
Über Hamelin kann man streiten, einiges ist aber einfach mal weltklasse! Manchen grausig! Aber da im passenden Thread !
HenningKolf (25.11.2007, 12:44): Original von Cosima
Meine Empfindungen müssen eh nicht mit Deinen übereinstimmen. Für mich ist bei Medtner Hamelin die Nr. 1. Aber falls jemand generell Probleme mit Hamelins Klavierspiel hat – aus welchen Gründen auch immer – wird es eh schwierig, ihm diese großartige Aufnahme nahe zu bringen.
Gruß, Cosima :)
Also dann würde Tozer, den ich kenne, im Vergleich zu Hamelin in Deinen Ohren gefühlsselig sein? Das wäre ja schon eine Aussage, aufgrund der ich Hamelin ein wenig besser einschätzen könnte. Oder bezieht sich das auf einen der anderen Pianisten, die ich mit Medtner ebenso wenig kenne?
Es geht ja nicht um Übereinstimmung oder Überzeugung... mir jedenfalls nur um Möglichkeiten der Einschätzung ohne dass ich nun gleich wieder in einen Kaufrausch verfalle und alles selber durchhöre
Gruß Henning
Cosima (25.11.2007, 12:51): Original von HenningKolf Also dann würde Tozer, den ich kenne, im Vergleich zu Hamelin in Deinen Ohren gefühlsselig sein?
Nein, habe ich so nie gesagt. Den "Schmelz" brachte Jörg ins Spiel, weil er ihn bei Hamelin vermisst... oder so ähnlich. Ich setzte daraufhin "Schmelz" mit "Gefühlsseligkeit" gleich, ohne aber Bezug zu nehmen auf Tozer. Ich sprach nur allgemein davon, dass es bei Medtner nicht vorwiegend Gefühl/Schmelz braucht (siehe Interview mit Hamelin). Sei's drum... Ich empfinde Tozer im Vergleich zu Hamelin als "blass". Aber auch das ist Geschmackssache...
Gruß, Cosima
HenningKolf (25.11.2007, 13:03): :thanks
für die Erläuterung
Henning
Nordolf (25.11.2007, 18:31): Hallo liebe Cosima!
Original von Cosima
ich suche bei Medtner überhaupt nicht nach „Schmelz“. Ich meine sogar, dass er hier störend wäre. Nur weil Musik harmonisch und melodisch ist, muss sie nicht automatisch gefühlsselig und schwelgerisch gespielt werden. Ich meine, dass Hamelin genau das Vornehme und Verhaltene der Kompositionen Medtner trifft. Besser geht das IMO nicht zu spielen, besonders die Vergessenen Weisen und die Sonata reminiscenza sind fantastisch interpretiert – fernab von aufpolierter Brillanz. Im Gegenteil: Ganz nobel, voller Zartheit und Zurückhaltung!
Schwelgerisch ist Tozer nicht unbedingt, aber er trifft die romantische und introvertierte Seite der Medtner-Kompositionen sehr gut. Sein dunkler Ton gefällt mir einfach - aber vielleicht ist es genau das, was Du als blass empfindest. Spätestens im Januar werden sich die "Vergessenen Weisen" mit Tozer und Hamelin in meiner Sammlung befinden. Dann kann ich mich fundierter äußern, als es mein Reinhören bisher zulässt.
Herzliche Grüsse! Jörg
Cosima (25.11.2007, 19:37): Original von Nordolf Sein dunkler Ton gefällt mir einfach - aber vielleicht ist es genau das, was Du als blass empfindest.
Lieber Jörg,
ich habe mir beide Aufnahmen der Sonata reminiscenza heute noch einmal angehört. Mit „blass“ meine ich nicht den Klavierton Tozers, das war etwas vage von mir formuliert. Lass es mich so ausdrücken: Wenn ich Hamelin mit Medtner höre, dann habe ich den Eindruck von etwas ganz Neuem und Eigenständigem. Er verkörpert genau den Charakter der Werke Medtners, den er in dem o.g. Interview beschrieb. Man muss auf das Werk zugehen, so hinreißend introvertiert und nobel interpretiert er es.
Tozer hat einen sehr schönen Ton, in der Tat eher etwas romantisch. Aber: Hier habe ich das Gefühl, es könnte sich auch um eine Komposition Rachmaninovs handeln, weshalb mein Eindruck eher „blass“ bleibt. Die Interpretation ist emotionaler, aber das ist IMO genau ihr Manko. Medtner in seiner Eigenständigkeit wird dadurch für mich weniger greifbar und erlebbar. Im Umkehrschluss zu oben: Die Interpretation lässt weniger Raum, um auf das Werk zuzugehen.
(Ähnlich verhält es sich mit Chopin und Skrjabin. Skrjabins frühe Werke weisen auf Chopin, er wurde ja zunächst durch Chopin und Liszt inspiriert. Und doch hat Skrjabin eine ganz eigene Klangsprache, die dadurch verlieren würde, wenn man seine Werke wie Chopin-Kompositionen spielen würde.)
Ich hoffe, ich habe mich nun verständlicher ausgedrückt. Ich bin sehr gespannt auf Deine Eindrücke im Januar, fürchte aber fast, dass Dir Hamelin nicht liegen wird.
Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (29.11.2007, 20:38): Die Sonate in f-moll op. 5 habe ich nun mittlerweile mehrfach gehört. Sowohl Hamelin (Hyperian) als auch Adam Fellegi (Marco Polo) http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8694577.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5321953.jpg
Op.5 war Medtner's erste veröffentlichte Sonate. IMO kann man diese Sonate nicht mit all zu viel Schmelz spielen. Im Booklet von Hyperian wird von "spirituelle Kampf gesprochen". Da passt kein Schmelz.
Hamelin sowie Fellehi spielen eher virtuos aös verklärt romantisch, wobei Hamelin den brillianteren, klarerer Klavierton hat und einfach eine klasse für sich ist bei den scnleler Läufen. Fellegi hat auch, das fällt bei einem der Kernthemen des ersten Satzes auf, eine Angewohntheit mit den Tempi zu spielen, was mich nicht gänglich überzeugt. Insg. empfinde ich bei op.5 Hamelin überzeugender. Die Fellegi Aufnahme ist aber sicherlich eine gut.
-
Nächstes Beschäftigungsfeld werden die Sonaten Triade op.11
ab (03.12.2007, 09:24): Neu auch etwas von Herrn Severin von von Eckardstein (MDG), jedoch hier wenig empfohlen.
http://www.rondomagazin.de/kritiken/1340.jpg
ab (09.12.2007, 14:15): Die mit Milne, nun billig zusammengefasst, kennt immer noch niemand? :B
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6750499.jpg
Rachmaninov (30.01.2008, 06:57): Im Interview der aktuellen Piano News hat Berezovsky sie u.A. klar zu den Werken Medtner's bekannt. Vor allem die Vielfältigkeit dieser Musik begeistert ihn. Da bin ich seiner Meinung. Erfreulicherweise spielt er das gesamte Klavierwerk Medtner's ein.
Ein Zyklus der spannend werden dürfte :D
Rachmaninov (31.05.2007, 21:40): Als Sohn deutstämmiger Eltern wurde Nikolai Karlowitsch Medtner am 5. Januar 1880 begoren.
Den ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von sechs Jahren von seiner Mutter, dann später durch seinen Onkel (F.C. Goedicke), der auch Professor am Moskauer Konservatorium war. Mit 12 Jahren wurde Medtner dann am Konservatoruim aufgenommen, erhielt Kompositionsunterricht bei Tanejew und Arensky und studierte Klavier bei Papst (Liszt Schüler).
Nach dem Tod von Pabst studierte er in der Klasse von V.I. Safonow weiter und schloß später mit der Goldmedaille ab.
Obwohl eine brilliante Karriere als Pianist möglich gewesen wäre entschloß sich Medtner für das Komponieren und verband das Komponieren und das Klavierspielen in den folgenden jahren.
1915 erhielt er in Moskau eine Proffessur, 1921 verließ er Russland, lebte in Deutschland, tourte durch die USA, und lies sich 1924/25 in paris nieder. Später siedelte er nach England über.
In allen seiner 61 eingetragenen Werke in seinem Werkverzeichnis spielt das Klavier eine Rolle.
Medtners Kompositionen sind in der Harmonik des 19. Jahrhunderts verwurzelt.
Seine Kompositionen unterscheiden sich jedoch von denen eines S. Rachmaninov's.
Medtner's Kompositionen zeigen eine sehr eigene Handschrift, auch wenn natürlich Parallele zu Rachmaninov, der einer seiner Freunde war, zu erkennen sind. Alleine die Verbindung über Arensky bedingt dies.
So sind seine Kompositionen voller Rhythmen und Kontrastrhythem zwischen linker / rechter Hand oder Pianist zu Orchester wie bei den Konzerten.
In diesem Thread geht es um Medtners Werke für das Klavier (solo).
Anbei eine Übersicht zu Medtner's Schaffen auf diesem Gebiet:
zahlreiche Zyklen von "Märchen" "Vergessene Weisen", 3 Zyklen op.38, 39 und 40 (1918-22) 4 Novellen op.17 (1908/09) 4 Lyrische Fragmente op.23 (1910/11) etliche Einzelstücke
Vielen dürfte zumindestens die Sonata-Reminescenza aus der Vergessene Weisen Op.38 bekannt sein oder die Klaviersonate Op.22
Werde hier versuchen nach und nach die Klavierwerke zu besprechen.
Außerdem, wie sonst auch immer, bin ich natürlich interessiert welche Aufnahmen ihr kennt und schätzt. Vielleicht kennt einer ja sogar die Aufnahmen von Medtmner selbst!?
Rachmaninov (11.06.2007, 12:08): M.A. Hamelin gegenüber habe ich durchaus berechtigte Bedenken, allerdings muss man in einem Thread über Medtner's Klavierwerk seine Aufnahme einfach nennen.
An einigen Stellen könnte sein Spiel romantischer sein, allerdings ginge dies wohl auf Kosten der Darstellung der Virtuosen Passagen in Medtner's Musik. Nicht das ich Hamelin unterstellen will bewußt derart zu spielen, es ist eh nicht "seine" Spielweise, jeoch gelingt gerade durch diesen nicht übertriebenen "romantisierten" Ansatz eine sehr gelungene Gesamtaufnahme Medtner's Klavierwerk, die IMO sicherlich in Betracht gezogen werden sollte, wenn man sich mit dem Schaffen Medtner's auseinandersetzen will!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8694577.jpg
Interpretation: 9 Klang: 8-9
Rachmaninov (13.06.2007, 14:35): Hallo,
wer sich bei Medtner weniger auskennt kann einen Eindruck der Sonata Tragica auf der HP von Yevgeny Sudbin finden.
Siehe hier
Jeremias (15.06.2007, 23:30): Ich habe den Weg zu Medtner v.a. über die Sonata Remeniscenca gefunden, ein sehr melancholisches Werk, wie oftmals bei Medtner. Kissin hat sie einst fabelhaft interpretiert :)
Rachmaninov (16.06.2007, 11:41): Original von Jeremias Ich habe den Weg zu Medtner v.a. über die Sonata Remeniscenca gefunden, ein sehr melancholisches Werk, wie oftmals bei Medtner. Kissin hat sie einst fabelhaft interpretiert :)
@Jeremias,
die Remeniscenca ist auch für mich das Werk, das den Zugang zu Medtner's Schaffen ebnete. Die Kissin Aufnahme besitze ich ebenfalls. Allerdings ist sie mir nicht als so fabelhaft in Erinnerung.
die klaviersonaten medtners sind kostbarkeiten der spätromantik. der klaviersatz ist äußerst dicht, ja manchmal erdrückend. medtner verwendet viel kontrapunktik. überdies ist der einfallsreichtum an melodien scheinbar unerschöpflich. die einspielung hamelins ist eine pianistische orgie. dieser pianist blüht meistens da auf, wo man vor lauter bäumen den wald nicht mehr sieht. bei der darstellung einer mozartsonate z.b. scheint er ratlos. aber hier vollbringt er ware wunder. es ist nicht nur die technische omnipotenz, sondern der sonore anschlag und das ausgeklügelte klangempfinden. unter seinen händen 'atmet' die musik medtners, und als zuhörer gerät man in einen wahren 'sauerstoff'-rausch. ich kann es nicht besser ausdrücken. im vergleich zu vielen späteren hyperion-aufnahmen ist der klavierklang hier noch sehr direkt und nicht 'gesoftet' aufgenommen.
ich habe vor etwa 2 jahren die gesamteinspielung mit hamelin meinem alten freund und kollegen gegeben. er schrieb mir extra einen brief, der immer noch im booklet liegt: 'lieber herr kollege a. ! haben sie besonderen dank für diese einmalige, superwertvolle disc, mit der musik eines offensichtlichen einzelkämpfers und musikfanatikers. es ist erstaunlich, fast unglaublich, wie m.a. hamelin sein instrument (ein sehr gutes) und diese nicht nur technisch schwierige musik mit leichtigkeit beherrscht...' dieser einer meiner besten freunde (spielte seit der frühesten kindheit klavier, kannte nahezu die komplette literatur) lebt nicht mehr.
die sonata reminiscenza (aus den vergessenen weisen op. 38) ragt mit ihrer sehnsuchtsvollen melodik und harmonik hervor. erstmalig hörte ich sie mit dem berühmten live-mitschnitt emil gilels'.
natürlich ragt die Sonata reminiscenza a-moll op.38/1 in gewisser weise aus dem Schaffen Mdtner's als "Prunkstücke" heraus, allerdings darf man Medtner Schaffen im Bereich nicht auf diese eine reduzieren. Immerhin hat er 14 Sonaten geschrieben und stellt damit wohl neben Scriabin einen der bedeutensten Schöpfer dieser Gerne im letzen Jahrhundert dar.
Das dies nicht nur rein quantitativ so ist beweisen die Sonaten auch inhaltlich.
Derzeit höre ich mit Begeisterung Mdtner's erste Sonate f-moll op.5 aus den Jahren 1902/03.
Auch wenn man in gewisser Weise noch den jungen Mdtner hört so glänzt diese fast 32 minütige Sonate doch bereits mit einem großen Bogen aus russische romantischem Kompnistenherz und Pianistischer Virtuosentum. Hier zeigt sich ein ganz klar, Medtner stammt nicht nur aus der russischen Tradition als Komponist, sondern hier zeigt sich auch, daß er als hervorragender Pianist auch sehr anspruchsvolle Werke für SEIN Instrument schrieb.
Die Sonate besteht aus 4 Sätzen, der erste, und sogleich längste, greift immer wieder ein Kernthema auf und stellt dies immer wieder neu vor.
Kraftvolle Spannung zieht sich durch die gesamte Sonate, gepaart mit brillianten anspruchsvollen Passagen.
Bisher kenne ich nur die Aufnahme von M.A. Hamelin, die wirklich kalsse ist! Etwas mehr "Schmelz" würde noch die Wirkung verstärken, aber Hamelin gelingt hier ein brilliantes Klavierspiel.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8694577.jpg
HenningKolf (19.11.2007, 16:57): obwohl nicht gerade "Klavierexperte", habe sogar ich eine Aufnahme mit Medtners Kompositionen nämlich diese hier:
darauf enthalten sind op.38-1, 42-1, 48-1, 54-3, 26-3, 51-1, 31-2 u. 3, 34-2, 22
gefällt mir sehr gut, ich habe gar nicht das Bedürfnis einen anderen Interpreten auszuprobieren, eher den Gedanken mit Tozer den Komponisten noch ein wenig näher kennenzulernen.
Wie schätzt ihr Tozer im Vergleich zu Hamelin ein??
Gruß Henning
Rachmaninov (19.11.2007, 21:23): Original von HenningKolf obwohl nicht gerade "Klavierexperte", habe sogar ich eine Aufnahme mit Medtners Kompositionen nämlich diese hier:
darauf enthalten sind op.38-1, 42-1, 48-1, 54-3, 26-3, 51-1, 31-2 u. 3, 34-2, 22
gefällt mir sehr gut, ich habe gar nicht das Bedürfnis einen anderen Interpreten auszuprobieren, eher den Gedanken mit Tozer den Komponisten noch ein wenig näher kennenzulernen.
Wie schätzt ihr Tozer im Vergleich zu Hamelin ein??
Gruß Henning
Tozer dürftest Du hier wohl deutlich günstiger finden! (ab 16.11.2007 auf dem Markt!)
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6750499.jpg
HenningKolf (19.11.2007, 21:38): :thanks
HenningKolf (19.11.2007, 21:46): Original von HenningKolf :thanks
Die Überprüfung auf der Brilliant - Seite hat dann leider ergeben, dass die Box doch keinen billigen Weg zu Tozer eröffnet..Eine CD teilen sich Tozer, Beresowski und Milne, die 6 anderen CDs füllt Milne alleine..........
:I Gruss Henning
Rachmaninov (19.11.2007, 21:48): Kenne Tozer zwar nicht, aber ich glaube er kommt er weder an Demidenko noch an Hamelin "ran"!
HenningKolf (19.11.2007, 22:00): immerhin einminütige Hörschnipsel in
WMA Lossless Qualität
gibt es hier. In MP3 - Qualität kann man bei Chandos in alle Aufnahmen von Tozer hineinhören
Henning
ab (19.11.2007, 23:46): Original von Rachmaninov Kenne Tozer zwar nicht, aber ich glaube er kommt er weder an Demidenko noch an Hamelin "ran"!
Bei Gramophone sind seine Chandos-Aufnahmen alle sehr gut besprochen worden. Hier Ausschnitte davor:
No praise could be high enough for Geoffrey Tozer’s formidable undertaking. Playing throughout with an enviable strength, grace and subtlety and with an unfailingly beautiful sonority, he is more than equal to every occasion.
Tozer’s verbal descriptions of each sonata join affectionate tributes from Vladimir Horowitz, Gary Graffman, Eugene Istomin and Marc-Andre Hamelin; a starry reminder that “the least appreciated of the Russian twentieth-century Romantic Triumvirate, grouped with Rachmaninov and Scriabin” is at last achieving his true status and attention.
True, he can’t quite match Hamelin’s awesome gift for distilling complex textures with uncanny clarity, but his dramatic, naturally paced performance lies convincingly between Hamelin’s propulsive account and Demidenko’s intense, emotionally laden reading.
With Tozer, Hamelin, Demidenko and Hamish Milne, Medtner has been richly served in recent years, and this warmly recorded disc is yet another to be treasured.'
Nordolf (20.11.2007, 02:10): Original von Rachmaninov Kenne Tozer zwar nicht, aber ich glaube er kommt er weder an Demidenko noch an Hamelin "ran"!
Hallo Rachmaninov,
ich kenne Tozer von seinen Aufnahmen der Klavierkonzerte mit Järvi bei Chandos. Sorry - aber ich finde ihn bei Medtner besser als Hamelin. Hamelin spielt immer diesen hellen auf Brillianz polierten Pollini-Ton, der bei dem Russen nichts zu suchen hat. Das klingt toll und prägnant, ist aber an den introvertierten Kompositionen Medtners vorbeigespielt. Mir ist der dunkle Tozer tausendmal lieber. Hamelin mag noch so sehr einen technischen Vorsprung haben. Aber ist es wirklich so? - immerhin hat Tozer sich ganz persönlich auf Medtner spezialisiert.
:hello Jörg
Rachmaninov (20.11.2007, 06:44): @Jörg,
es ist zwar richtig das Hamelin eher den brillianten Klavierton verkörpert, aber das war auch der Grund warum er keine :times10 von mir bekommen hat. Es ist aber so, daß die russischen Komponisten / Pianisten wie Rachmaninov und Schostakowitsch eher ebenso "hart" gespielt haben. Wie es bei Medtner war weiß ich nicht, kenne seine Aufnahmen leider nicht. Auch sollte man nicht vergessen, daß es sich nicht um rein russisch romantische Werke handelt, sondern auch brilliante Werke für das Klavier.
Also Alternative besitze ich Adam Fellegi.
Allerdings würde ich eine Gesamtaufnahme Medtner's mit Sudbin, nach der grandiosen Aufnahme des ersten Konzerts und dem Hörbeispiel oben, sehr begrüßen :hello
Aber wenn ich Dich richtig verstehe besitzt Du von Tozer "nur" die Konzerte und Hamelin auch nicht speziell bei Medtner, oder? Bei Hamelin kann man sich sicherlich "streiten". Und im Halein Thread habe ich mich auch zu einigen Aufnahmen von ihm kritisch geäußert. :D
ab (20.11.2007, 11:34): Kennt denn nun jemand die Aufnahmen Milnes hier im Forum? Wie sind die?
Gramophone schrieb dazu etwas folgendes:
Hamish Milne's deeply considered performance holds its own against the main competitors, and the sound is superb
Once scorned and neglected, Medtner's strange and recondite genius is now richly served on record. And it is no exaggeration to say that without Hamish Milne's pioneering example, and his enviably sensitive and lucid mastery, Medtner's star might well have remained dim and obscure. His ongoing cycle for CRD began, unbelievably, over 20 years ago. Some things are worth waiting for and, despite formidable competition from Marc-Andre Hamelin, Geoffrey Tozer and some less comprehensive but searingly intense offerings from Nikolai Demidenko (Hyperion, 9/93), Hamish Milne's performances have a special, deeply considered quality.
Nordolf (20.11.2007, 16:57): Hallo Rachmaninov!
Original von Rachmaninov @Jörg,
es ist zwar richtig das Hamelin eher den brillianten Klavierton verkörpert, aber das war auch der Grund warum er keine :times10 von mir bekommen hat. Es ist aber so, daß die russischen Komponisten / Pianisten wie Rachmaninov und Schostakowitsch eher ebenso "hart" gespielt haben. Wie es bei Medtner war weiß ich nicht, kenne seine Aufnahmen leider nicht. Auch sollte man nicht vergessen, daß es sich nicht um rein russisch romantische Werke handelt, sondern auch brilliante Werke für das Klavier.
Da hast Du natürlich recht. Ich nehme auch explizit den Begriff "poliert" zurück. Hamelin und Pollini sind großartige Pianisten. Ich finde ihren Stil interessant. Aber bei Medtner brauche ich schon etwas Schmelz. Nächstes Jahr werde ich mir eine Hamelin-Medtner-CD zulegen. Vielleicht ändern sich meine Eindrücke, die ich ja nur vom Reinhören habe.
Aber wenn ich Dich richtig verstehe besitzt Du von Tozer "nur" die Konzerte und Hamelin auch nicht speziell bei Medtner, oder? Bei Hamelin kann man sich sicherlich "streiten". Und im Halein Thread habe ich mich auch zu einigen Aufnahmen von ihm kritisch geäußert. :D
Auf der Doppel-CD mit Tozer/Järvi befindet sich ebenfalls die Sonate-Ballade, welche ich großartig von Tozer interpretiert finde. Es ist eben ein warmer und atmosphärischer Zugang.
Herzliche Grüsse! Jörg
Rachmaninov (20.11.2007, 17:10): Original von Nordolf Da hast Du natürlich recht. Ich nehme auch explizit den Begriff "poliert" zurück. Hamelin und Pollini sind großartige Pianisten. Ich finde ihren Stil interessant. Aber bei Medtner brauche ich schon etwas Schmelz. Nächstes Jahr werde ich mir eine Hamelin-Medtner-CD zulegen. Vielleicht ändern sich meine Eindrücke, die ich ja nur vom Reinhören habe.
@Jörg, ich verstehe sehr genau Deine Sicht. Ein, sagen wir hoch differenziertes und brilliantes Klavierspiel wirkt oftmals eher "farblos" und vermittelt eher einen unemotionalen Eindruck. Man erwartet irgendwo bei Medtner einen gewissen Schmelz, der in der Reminiscenza sicherlich gefordert ist! Aber Medtner verbindet halt 2 Aspekte, diesen Emotionalenanspruch aber AUCH die Virtuose "Note"!
Cosima (24.11.2007, 15:51): Original von Nordolf Aber bei Medtner brauche ich schon etwas Schmelz.
Lieber Jörg,
ich suche bei Medtner überhaupt nicht nach „Schmelz“. Ich meine sogar, dass er hier störend wäre. Nur weil Musik harmonisch und melodisch ist, muss sie nicht automatisch gefühlsselig und schwelgerisch gespielt werden. Ich meine, dass Hamelin genau das Vornehme und Verhaltene der Kompositionen Medtner trifft. Besser geht das IMO nicht zu spielen, besonders die Vergessenen Weisen und die Sonata reminiscenza sind fantastisch interpretiert – fernab von aufpolierter Brillanz. Im Gegenteil: Ganz nobel, voller Zartheit und Zurückhaltung!
Hamelin über Medtner in einem Interview vom Nov. 2007; seine Antwort auf die Frage: Warum ist Medtner so wenig bekannt?
Es ist sehr vornehme, aristokratische Musik, die nicht so einen unmittelbaren Zug hat wie Rachmaninoff. Rachmaninoff geht direkt auf den Hörer zu. Der Hörer aber muß auf Medtner zugehen. Dafür gewinnen seine Stücke mit wiederholtem Hören unablässig. Medtners harmonische Sprache ist gewissermaßen reservierter. Er hat sehr früh seinen Stil gefunden. Die ersten vier Opera sind noch ein wenig auf der Suche, doch schon ab dem Opus 5, der ersten Sonate, ist es unverkennbar Medtner. Im Spätwerk nimmt dann die kontrapunktische Komplexität beträchtlich zu. Doch die harmonische Sprache und melodische Erfindung haben sich nicht grundsätzlich verändert. Am liebsten mag ich seine ,Sonata reminiscenza’. Die hat etwas sehr Persönliches, Intimes, womit ich mich stark identifizieren kann. Dabei fand ich das Stück zunächst langweilig, nirgendwohin führend. Die Struktur erschloß sich mir nicht so recht. Nach einer Woche aber konnte ich es nicht mehr entbehren. Es war wie eine Droge! Ich brauchte mit einem Mal täglich meinen Schuß ,Sonata reminiscenza‘! Medtners melodische Begabung ist weniger offenkundig als diejenige Rachmaninoffs. Es ist eine verhaltenere Art der Verführung. Die Integration der Themen in die Gesamtform ist absolut stimmig. Man könnte eigentlich nichts verändern. Ich habe mich entschieden, alle Sonaten aufzunehmen, da ich von allen überzeugt bin. Rachmaninoff und Medtner hielten jeder den anderen für den bedeutendsten Komponisten der Zeit. Beide waren fundamentale Anti-Modernisten. Medtner hielt sich einen unglaublichen Vorrat an unbenutzten melodischen Einfällen. Er schrieb ständig neue Ideen nieder, und Rachmaninoff fragte immer mal: ,Du hast doch nichts dagegen, daß ich mir eine von Dir ausleihe?‘
HenningKolf (24.11.2007, 21:43): Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich. Dann ist es natürlich schwierig zu vergleichen. Ich z.B. finde, dass Tozer nicht gefühlsselig spielt, aber wie sich Tozer zu Hamelin, Demidenko, Milne etc. verhält, kann man sich - auch dann natürlich nur ungefähr - erst vorstellen, wenn jemand bereits verglichen hat und dann über seine Empfindungen berichtet. Wenn jemand sich berufen fühlt, möge er dies bitte mitteilen, Medtner gefällt mir gut und ich würde mir gerne noch etwas mehr Repertoire anschaffen. Einen Blick über Tozers "Klavierkante" hinaus würde ich allerdings nur dann wagen, wenn ich abschätzen kann, was mich im Vergleich erwartet...euch trau ich doch viel mehr als gramophone :W
Henning
Rachmaninov (25.11.2007, 12:17): Original von HenningKolf Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich.
Da liegst Du falsch!
Kenne Hamelin, Demidenko und Fellegi.
Seinerzeit hatte ich den Thread wenig verfolgt, da die Resonanz, anders als heute, gering war. :leb
HenningKolf (25.11.2007, 12:23): @ Rachmaninov
könntest Dir ja eigentlich was von Tozer und Milne zulegen und ausführlich vergleichen
:D :D :D :D :W
Cosima (25.11.2007, 12:32): Original von HenningKolf Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich.
Ich kenne Medtner-Aufnahmen von Hamelin, Tozer, Scherbakov, Demidenko und Berezovsky.
Wenn jemand sich berufen fühlt...
Ich fühle mich nicht berufen… Meine Empfindungen müssen eh nicht mit Deinen übereinstimmen. Für mich ist bei Medtner Hamelin die Nr. 1. Aber falls jemand generell Probleme mit Hamelins Klavierspiel hat – aus welchen Gründen auch immer – wird es eh schwierig, ihm diese großartige Aufnahme nahe zu bringen.
Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (25.11.2007, 12:43): Original von Cosima Original von HenningKolf Ich habe den Faden noch mal überflogen und mir scheint es fast, als wenn jeder der hier schreibt nur von einem der Interpreten Medtnereinspielungen kennt, oder irre ich mich.
Ich kenne Medtner-Aufnahmen von Hamelin, Tozer, Scherbakov, Demidenko und Berezovsky.
Wenn jemand sich berufen fühlt...
Mir fällt auch E. Wild und Berezovsky vergesen zu haben, und vor allem E. Gilels :ignore
Ich fühle mich nicht berufen… Meine Empfindungen müssen eh nicht mit Deinen übereinstimmen. Für mich ist bei Medtner Hamelin die Nr. 1. Aber falls jemand generell Probleme mit Hamelins Klavierspiel hat – aus welchen Gründen auch immer – wird es eh schwierig, ihm diese großartige Aufnahme nahe zu bringen.
Gruß, Cosima :)
Über Hamelin kann man streiten, einiges ist aber einfach mal weltklasse! Manchen grausig! Aber da im passenden Thread !
HenningKolf (25.11.2007, 12:44): Original von Cosima
Meine Empfindungen müssen eh nicht mit Deinen übereinstimmen. Für mich ist bei Medtner Hamelin die Nr. 1. Aber falls jemand generell Probleme mit Hamelins Klavierspiel hat – aus welchen Gründen auch immer – wird es eh schwierig, ihm diese großartige Aufnahme nahe zu bringen.
Gruß, Cosima :)
Also dann würde Tozer, den ich kenne, im Vergleich zu Hamelin in Deinen Ohren gefühlsselig sein? Das wäre ja schon eine Aussage, aufgrund der ich Hamelin ein wenig besser einschätzen könnte. Oder bezieht sich das auf einen der anderen Pianisten, die ich mit Medtner ebenso wenig kenne?
Es geht ja nicht um Übereinstimmung oder Überzeugung... mir jedenfalls nur um Möglichkeiten der Einschätzung ohne dass ich nun gleich wieder in einen Kaufrausch verfalle und alles selber durchhöre
Gruß Henning
Cosima (25.11.2007, 12:51): Original von HenningKolf Also dann würde Tozer, den ich kenne, im Vergleich zu Hamelin in Deinen Ohren gefühlsselig sein?
Nein, habe ich so nie gesagt. Den "Schmelz" brachte Jörg ins Spiel, weil er ihn bei Hamelin vermisst... oder so ähnlich. Ich setzte daraufhin "Schmelz" mit "Gefühlsseligkeit" gleich, ohne aber Bezug zu nehmen auf Tozer. Ich sprach nur allgemein davon, dass es bei Medtner nicht vorwiegend Gefühl/Schmelz braucht (siehe Interview mit Hamelin). Sei's drum... Ich empfinde Tozer im Vergleich zu Hamelin als "blass". Aber auch das ist Geschmackssache...
Gruß, Cosima
HenningKolf (25.11.2007, 13:03): :thanks
für die Erläuterung
Henning
Nordolf (25.11.2007, 18:31): Hallo liebe Cosima!
Original von Cosima
ich suche bei Medtner überhaupt nicht nach „Schmelz“. Ich meine sogar, dass er hier störend wäre. Nur weil Musik harmonisch und melodisch ist, muss sie nicht automatisch gefühlsselig und schwelgerisch gespielt werden. Ich meine, dass Hamelin genau das Vornehme und Verhaltene der Kompositionen Medtner trifft. Besser geht das IMO nicht zu spielen, besonders die Vergessenen Weisen und die Sonata reminiscenza sind fantastisch interpretiert – fernab von aufpolierter Brillanz. Im Gegenteil: Ganz nobel, voller Zartheit und Zurückhaltung!
Schwelgerisch ist Tozer nicht unbedingt, aber er trifft die romantische und introvertierte Seite der Medtner-Kompositionen sehr gut. Sein dunkler Ton gefällt mir einfach - aber vielleicht ist es genau das, was Du als blass empfindest. Spätestens im Januar werden sich die "Vergessenen Weisen" mit Tozer und Hamelin in meiner Sammlung befinden. Dann kann ich mich fundierter äußern, als es mein Reinhören bisher zulässt.
Herzliche Grüsse! Jörg
Cosima (25.11.2007, 19:37): Original von Nordolf Sein dunkler Ton gefällt mir einfach - aber vielleicht ist es genau das, was Du als blass empfindest.
Lieber Jörg,
ich habe mir beide Aufnahmen der Sonata reminiscenza heute noch einmal angehört. Mit „blass“ meine ich nicht den Klavierton Tozers, das war etwas vage von mir formuliert. Lass es mich so ausdrücken: Wenn ich Hamelin mit Medtner höre, dann habe ich den Eindruck von etwas ganz Neuem und Eigenständigem. Er verkörpert genau den Charakter der Werke Medtners, den er in dem o.g. Interview beschrieb. Man muss auf das Werk zugehen, so hinreißend introvertiert und nobel interpretiert er es.
Tozer hat einen sehr schönen Ton, in der Tat eher etwas romantisch. Aber: Hier habe ich das Gefühl, es könnte sich auch um eine Komposition Rachmaninovs handeln, weshalb mein Eindruck eher „blass“ bleibt. Die Interpretation ist emotionaler, aber das ist IMO genau ihr Manko. Medtner in seiner Eigenständigkeit wird dadurch für mich weniger greifbar und erlebbar. Im Umkehrschluss zu oben: Die Interpretation lässt weniger Raum, um auf das Werk zuzugehen.
(Ähnlich verhält es sich mit Chopin und Skrjabin. Skrjabins frühe Werke weisen auf Chopin, er wurde ja zunächst durch Chopin und Liszt inspiriert. Und doch hat Skrjabin eine ganz eigene Klangsprache, die dadurch verlieren würde, wenn man seine Werke wie Chopin-Kompositionen spielen würde.)
Ich hoffe, ich habe mich nun verständlicher ausgedrückt. Ich bin sehr gespannt auf Deine Eindrücke im Januar, fürchte aber fast, dass Dir Hamelin nicht liegen wird.
Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (29.11.2007, 20:38): Die Sonate in f-moll op. 5 habe ich nun mittlerweile mehrfach gehört. Sowohl Hamelin (Hyperian) als auch Adam Fellegi (Marco Polo) http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8694577.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5321953.jpg
Op.5 war Medtner's erste veröffentlichte Sonate. IMO kann man diese Sonate nicht mit all zu viel Schmelz spielen. Im Booklet von Hyperian wird von "spirituelle Kampf gesprochen". Da passt kein Schmelz.
Hamelin sowie Fellehi spielen eher virtuos aös verklärt romantisch, wobei Hamelin den brillianteren, klarerer Klavierton hat und einfach eine klasse für sich ist bei den scnleler Läufen. Fellegi hat auch, das fällt bei einem der Kernthemen des ersten Satzes auf, eine Angewohntheit mit den Tempi zu spielen, was mich nicht gänglich überzeugt. Insg. empfinde ich bei op.5 Hamelin überzeugender. Die Fellegi Aufnahme ist aber sicherlich eine gut.
-
Nächstes Beschäftigungsfeld werden die Sonaten Triade op.11
ab (03.12.2007, 09:24): Neu auch etwas von Herrn Severin von von Eckardstein (MDG), jedoch hier wenig empfohlen.
http://www.rondomagazin.de/kritiken/1340.jpg
ab (09.12.2007, 14:15): Die mit Milne, nun billig zusammengefasst, kennt immer noch niemand? :B
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6750499.jpg
Rachmaninov (30.01.2008, 06:57): Im Interview der aktuellen Piano News hat Berezovsky sie u.A. klar zu den Werken Medtner's bekannt. Vor allem die Vielfältigkeit dieser Musik begeistert ihn. Da bin ich seiner Meinung. Erfreulicherweise spielt er das gesamte Klavierwerk Medtner's ein.
Ein Zyklus der spannend werden dürfte :D
ab (25.02.2008, 15:41): Original von ab Neu auch etwas von Herrn Severin von von Eckardstein (MDG), jedoch hier wenig empfohlen.
http://www.rondomagazin.de/kritiken/1340.jpg
Hier dafür gelobt. :W
ab (15.12.2008, 09:58): Eine Neuaufnahme gilt es zu verzeichnen: Ekaterina Derzhavina beim Label Edition Phoenix.
Zumindestens zeigt diese Aufnahme mit op.11 und op.38-39 ein breites Spektrum Medtner's Schaffen. Aber ob es eine Alternative zu Hamelin sein kann? wird?
Mal gespannt!
ab (09.02.2009, 10:22): Habe soeben entdeckt, dass es drei CDs gibt, auf denen Medtner selbst seine Werke eingespielt hat, nämlich folgende:
NICOLAS MEDTNER The complete solo recordings Vol.1
Medtner plays his music with the same commanding authority that Rachmaninov imparted to his. Volume 1 The unpublished 1930-31 Columbia recordings MEDTNER Märchen (Skazka/Fairy Tales) in e, Op.14/2; in b, Op.20/2; in A, Op.51/3 (3 versions); in f sharp, Op.51/5; in b flat, Op.20/1; in f, Op.26/3; in E flat, Op.26/2; in a, Op.51/2, in c, Op.8/1. Novelle in G, Op.17/1; Canzona matinata, Op.39/4; Danza festiva, Op.38/3; Danza jubilosa, Op.40/4; Hymn in praise of toil, Op.49/1 BEETHOVEN Appassionata Sonata (HMV 1946)
"The complete solo piano recordings of Nicolas Medtner, Volume 1" must count as one of the most important records of the year, if not the decade, not simply as a document of historical significance but also for its sheer musical worth, and the indispensable interpretative insight it offers into the composer's music. IPQ (UK) http://www.aprrecordings.co.uk/apr2/px/APR5546.jpg
NICOLAS MEDTNER The complete solo recordings Vol.2
Volume 2 The 1936 & 1946 HMV recordings MEDTNER Märchen (Skazka/Fairy Tales) in e, Op.14/2; in b, Op.20/2; in A, Op.51/3; in b flat, Op.20/1; in E flat, Op.26/2; in f, Op.26/3; in a, Op.51/2, in e, Op.34/2; in a, Op.34/3. Novelle in G, Op.17/1; Danza festiva, Op.38/3; Arabesque in g, Op.7/3. Danza jubilosa, Op.40/4; Improvisation, Op.31/1 also previously unpublished recording of Violin Sonata 1 (with Cecilia Hansen)
...Medtner’s wonderful pianism. How at ease he seems in the studio, producing a deep, burnished tone in playing of great linear clarity. With the highest standards of presentation transfers this is an obvious five-star issue. Classic CD (UK) http://www.aprrecordings.co.uk/apr2/px/APR5547.jpg
NICOLAS MEDTNER The complete solo recordings Vol.3
Volume 3 The 1947 HMV recordings MEDTNER Canzona matinata Op 39/4; Sonata Tragica Op 39/5; Arabesque Op 7/2 Sonata Ballada Op 27; Hymn in Praise of Toil Op 49/1*; Novelle Op 17/2* Skazka Op 51/1; Skazka Op 26/3; Primavera Op 38/3* *previously unpublished http://www.aprrecordings.co.uk/apr2/px/APR5548.jpg