OPERN von russischen Komponisten

Rolf Scheiwiller (02.04.2006, 13:48):
Nicht nur Opern aus dem Land des Belcanto,auch russische Bühnenwerke sind mir seit vielen Jahren ein Grund zur Freude.
Es gibt ja herrliche Werke mit mächtigen, bassgewaltigen Chören !

Auch wenn für viele die Sprache ein Hindernis sein mag, würde ich ungern auf einige dieser Choropern verzichten.

Folgende Opern stehen bei mir im Regal :


Der Jahrmarkt von Sorotschinzy

Boris Godunov

Chowantschina

alle von Mussorgsky .



Prinz Igor , von Borodin.


Lady Macbeth, fast identisch mit:

Katarina Ismailowa 1 Oper, 2 Versionen. Schostakovich.



Die Verlobung im Kloster

Der feurige Engel

Die Liebe zu den drei Orangen

Krieg und Frieden , alle von S. Prokofiev.



Ivan Sussanin ( Ein Leben für den Zaren ) von Gliinka.



sowie die Einspielungen die der jungverstorbene Emil Tchakarov für SONY dirigierte.



Die Oper welche S. Rachmaninov schrieb, Aleko, kenne ich nur dem Namen nach.



Tschaikovskis Opern sind natürlich viel bekannter,sie sind jedoch nicht vergleichbar mit obigen Choropern.

Eugen Onegin

Pique Dame


Von diesen schaue ich mir auch hin und wieder gerne die DVD Aufnahmen an.



Was habt ihr für Vorlieben , wenn es russisch klingen soll ?


Gruss.
Rolf.
Rachmaninov (15.04.2006, 13:16):
Original von Rolf Scheiwiller
Die Oper welche S. Rachmaninov schrieb, Aleko, kenne ich nur dem Namen nach.


Rolf,
Rachmaninov musste ihm Rahmen seiner Ausbildung zum Komponisten mind. eine Oper komponieren um den Abschluß am Konservatorium zu erhalten.
Soweit mir bekannt stellte er sie jedoch erst nach dem eigentlichen Abschluß fertig, obwohl die Fertigstellung dieser Oper Bedingung für den vorzeitigen Abschluß (1 Jahr) des Studiums war.
sune_manninen (15.04.2006, 15:22):
Original von Rolf Scheiwiller
Ja wo sind denn die Freunde der russischen Oper ?!
Sune, Du hättest doch sicher viel zu erzählen !


Dieser Anfrage werde ich mich nicht verschließen, doch : "Wie fang' ich nach der Regel an?" Vielleicht am besten damit, wie ich zur russischen Oper fand.

Anfangs so gut wie gar nicht, obwohl ich ziemlich früh solche Stücke wie Eugen Onegin, Boris Godunow, Chowanschtschina und auch Ruslan und Ludmila hörte. Doch diese Stücke bzw. deren Interpretationen zwangen mich einfach nicht, mich näher mit diesem Bereich zu befassen.

Der Umschwung kam 1989 mit einem Gastspiel der damaligen Kirow-Oper (also dem heutigen Mariinsky-Theater) beim Schleswig-Holstein Musik Festival, wo mich der authentische Klang "umwarf" und ich "Blut leckte". Mit authentisch meine ich den Klang der Stimmen, aber auch die vollblütige musikalische Gestaltung durch den mir bis dato total unbekannten Valery Gergiev.

In der Zeit seit diesem Umschwung habe ich mich so sehr mit russischer Oper beschäftigt, daß es mir schwer fällt, Vorlieben zu nennen. Natürlich gehören Onegin, Pique Dame, Boris und wohl auch Chowanschtschina zum Pflichtbestand, aber durch Gergiev war ich gezwungen, mich auch mit Randwerken zu befassen, und siehe da : Ich entdeckte Perlen! Z.B. Prokofiews Der feurige Engel, aber auch dessen Verlobung im Kloster, von seinem Mammutwerk Krieg und Frieden ganz zu schweigen. Von Rimsky-Korsakow habe ich inzwischen fast alle Opern in Mitschnitten und bin begeistert von diesem Komponisten - nicht nur von Kitesh, das ich für eines der Meisterwerke der Opernliteratur halte, sondern auch vom Goldenen Hahn oder von seiner Zarenbraut. Auch Tschaikowsky hat nicht nur Onegin oder Pique Dame komponiert; auch mit solchen Werken wie Opritschnik, Pantöffelchen oder Zauberin lohnt es sich zu beschäftigen.

Und dann erst die Werke der Komponisten aus der Ukraine, aus Georgien, aus Aserbaidschan. Es gibt vieles zu entdecken, wenn man sich erst einmal darauf einläßt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß mich eine Interpretation, sei sie orchestraler oder vokaler Natur, umso mehr anspricht bzw reizt, wenn sie "russisch" ist. Ganz abgesehen von der Sprache macht für mich der Klang "russischer" Stimmen den Unterschied aus. Ein Boris klingt dort eben anders als von Hans Hotter, Josef Greindl, Gottlob Frick oder Kurt Moll? Wie sagt doch die Marschallin im Rosenkavalier? "Doch in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied."

In diesem Sinne freue ich mich schon auf eine ergiebige Diskussion.

Sune
Wotan (19.04.2006, 18:28):
Hallo,

ich habe auch durch Gergiev die russischen Opern entdeckt und sie auch lieben gelernt. Tchaikowskys "Mazeppa" ist meiner Meinung nach eine der großartigsten Opern überhaupt! Auch die vielen unbekannteren Werke wie, der schon angesprochene, "feurige Engel" oder auch "Der Spieler" von Prokofiev sind grandiose Stücke.

MfG
Marco
sune_manninen (21.04.2006, 21:42):
Original von Rolf Scheiwiller
Ich wusste noch so halb, dass von früher eine entschärfte MELODYA Version im Umlauf war. Aber die hab ich nie gesehen.


Lieber Rolf,

die Katerina Ismailova-Aufnahme besitze ich in einer Chant du Monde-Pressung. Falls Du an ihr interessiert bist, hier ein Tip : Google doch mal nach RussianDVD; dort gibt es sie m.E. noch zu bestellen.

Wenn es von hier aus richtig mitbekommen habe, gab es in Zürich einen kleinen Aufstand, als Fedoseyev es wagte, die angeblich "nicht korrekte" Zweitfassung zu dirigieren, die DSch unter Druck bzw. aus Opportunitätsgründen abgefaßt haben soll. Dazu eine kleine Bemerkung :

1995 gastierte in Savonlinna das Mariinsky-Theater unter Gergiev und führte nicht Lady Macbeth, sondern Katerina Ismailova auf. Die inzwischen verstorbene Regisseurin Irina Molostova, die noch mit dem Komponisten zusammengearbeitet hatte, hatte unter Hinweis auf DSchs Willen auf dieser Fassung bestanden. Mir kamen damals Zweifel, ob dies tatsächlich sein eigener Wille gewesen sei, doch der Briefwechsel zwischen ihm und seinem Freund Isaak Glikman belehrte mich eines Besseren. Danach war DSch tatsächlich nicht mit der Erstfassung zufrieden.

Ich habe beide Versionen sowohl auf der Bühne gesehen und auf CDs gehört und finde Lady Macbeth aufregender, ungewöhnlicher, auch wenn ich Katerina Ismailova - wenn es die Erstfassung nicht gäbe - für ein aufführungswürdiges Stück halte.

Ich halte es wie das Mariinsky-Theater. Das hat beide Fassungen im Repertoire!

Schöne Grüße

Sune
Engelbert (26.04.2006, 10:11):
Liebe Forianer,

Ich bin ebenfalls ein großer Freund der russischen Oper und habe eigentlich alles in meiner Sammlung, was auf Tonträger greifbar ist. Auch weniger geläufigen Titel der Komponisten Dargomijsky, Gretschaninow,Tanejew, Paliaschwili und Arensky sind in meiner Sammlung zu finden. Nicht zu vergessen, die Komponisten der
Vor-Glinka-Zeit wie: Paschkewitsch, Bortnyansky und Fomin.

Eine besondere Zuneigung hege ich zu den russischen Komponisten
der Moderne. Zu den drei Großen - Prokofieff, Strawinsky und Schostakowitsch - muss ich weiter nichts erwähnen.

Aber wusstet Ihr, daß Dmitri Kabalewski, der Freund von Schostakowitsch, die hinreißende Oper "Colas Breugnon" komponiert hat. Er huldigt keiner Ideologie, sondern hält sich an die Dichtung von Romain Rolland und erzählt die Geschichte des Holzschnitzers Colas, der mit seinem Herzog zusammenrasselt und zweier temperamentvoller Frauen. Tonträger ist allerdings eine alte LP des Labels Columbia/Melodia, Textbuch mit russisch/englischem Libretto.

Als nächstes wäre der 1930 geborene Nikolai Karetnikow zu nennen.
Seine Oper erzählt die Story von Till Eilenspiegel. Dabei hält er sich aber nicht an den deutschen Schalk, sondern nimmt die Dichtung des flämischen Literaten Charles de Coster zum Vorwurf seines Librettos.
CD über die "harmoina mundi France" Zu Kabalewski stand der Komponist in heftiger Oppsition, zum Regime ebenfalls.

Rodin Schtschredin, geb. 1932, ist durch sein Ballett "Anna Karenina" dem Musikfreund ein Begriff, seine Oper "Tote Seelen" dagegen kaum bekannt. Das Romanfragment von Nikolai Gogol, in dem ein Kreditschieber verulkt wird, hat der Komponist gestrafft und selbst ein Libretto daraus gemacht. Das Bolschoi Theater unter Temirkanow hat seine Produktion auf CD umgelegt.

Dann gibt es den Alfred Schnittke (geb. 1934), den alle kennen.
Seine "Historia von D. Johann Fausten" wurde 1995 an der Hamburger Staatsoper in deutscher Sprache uraufgeführt. CD bei RCA zu bekommen.

Alexei Rybnikows Rockoper "Juno und Avos" erlebte in den frühen
achtziger Jahren seine spektakuläre Uraufführung an einem Moskauer Musical-Theater. Bei den Titelfiguren handelt es sich nicht um ein zerstrittenes Liebespaar aus der Antike, sondern es ist der Name eines
Ocean-Liners. Das Steckalbum von Melodia findet sich nur noch in den Antiquariaten. Die Musik ist sehr originell und eine Antwort auf die westlichen Musicals.

Ich hege eine Vorliebe für Literaturopern, weil sie in der Regel auch ein anspruchsvolles Libretto garantieren. Es soll auch eine Oper "Der stille Don" geben, aber da habe ich bisher keine Spur gefunden.

Ich bin neu bei Das Klassik Forum und stelle mich mit meinem ersten Artikel hiermit vor

Engelbert
:engel
Rachmaninov (26.04.2006, 10:31):
Original von Engelbert
Ich bin neu bei Das Klassik Forum und stelle mich mit meinem ersten Artikel hiermit vor

Engelbert
:engel

@Engelbert,

willkommen im Forum und glückwunsch zu so einem tollen ersten Beitrag :hello
Holger S. (26.04.2006, 12:48):
Original von Engelbert
Es soll auch eine Oper "Der stille Don" geben, aber da habe ich bisher keine Spur gefunden.

Guten Tag Engelbert,

die Oper "Der stille Don" ist von Iwan Dserschinski (1909-1978). Eine Aufnahme davon ist mir allerdings nicht bekannt. Offenbar sind lediglich zwei kurze Arien daraus mal auf CD erhältlich gewesen (siehe hier).

Ich selbst bin zwar ein großer Freund der russischen Musik, für Opern interessiere ich mich indes kaum. Vokalmusik ist generell nicht so mein Fall, ich höre viel lieber Sinfonien, Konzert, Kammermusik, Klaviermusik etc. So habe ich zwar eine umfangreiche Sammlung mit Musik aus Russland und der Sowjetunion, die weit über das Standardrepertoire hinausreicht, eine Oper ist aber nicht dabei. Die Ouvertüre von Colas Breugnon habe ich aber auf einer Chandos-CD, und die Suite auf einer Naxos-CD. In der Tat ein herrliches Stück, aber Kabalewski ist ohnehin ein bemerkenswerter Komponist.

Viele Grüße
Holger
Engelbert (27.04.2006, 05:37):



Hallo Holger,

Vielen Dank für Deine wertvolle Information. Ich denke, dass es eine Frage der Zeit ist, dass auch "Der stille Don" eingespielt wird. Bei meinen russischen Sängerporträts habe ich nochmals nachgeschaut.
Es sind viele seltenen Namen darunter wie: Gretschaninov, Dargomischky, Khrennikow und Napravnik, aber den Dserschinksky habe ich nicht dabei.

Von Schostakowitsch hatte ich letzthin eine Ballettmusik erworben, dessen Titel "Der Bolzen" lautet. Hast Du die Möglichkeit das russische Wort für "Bolzen" nachzuschlagen, um es in Lautschrift wiederzugeben. Es handelt sich um ein abendfüllendes Ballett, welches die Tätigkeit in einem Fertigungsbetrieb und die Mitflieder der russischen Gesellschaft beschreibt. Der Komponist hat sich später von dem Ballett distanziert, aber Roshdestwensky hat es hervorgeholt und in Stockholm eingespielt. Schostakowitsch hat die einzelnen Auftritte phantasirevoll mit Einfällen bedacht, sich aber bei der Orchestrierung wenig Mühe gegeben. Stellenweise artet das ganze in eine "Kchammermusikchalische Kchostbarkeit" aus. Es kam zu einer einzigen Uraufführung und wurde dann durch ein Ballett von Ludwig Minkus abgelöst.

Das Sängerporträt von Daniil Shtoda, bei DELOS erschienen und bei JPC
zu haben, enthält 23 Musiknummern und ausführliches Textheft.

Viele Grüße

Engelbert
:engel
Holger S. (27.04.2006, 08:35):
Hallo Engelbert!

Ich muss gleich sagen, ich kann kein Wort Russisch und habe mir lediglich die kyrillische Schrift halbwegs beigebracht, sodass ich wenigstens kyrillische Namen einigermaßen lesen kann. Anhand der Schostakowitsch-Biographie von Krzysztof Meyer konnte ich feststellen, dass "Bolzen" auf Russisch "Bolt" heißt. Die kyrillische Schreibung lautet wie folgt: siehe hier. (Leider kann man hier offensichtlich keine kyrillischen Buchstaben eingeben.)

Schostakowitschs Ballett kenne ich den Namen nach, eine Einspielung habe ich davon (noch) nicht. Chrennikow kenne ich natürlich, wie auch Gretschaninow (die Sinfonien wurden bei Chandos veröffentlicht). Dargomyschski soll für die Entwicklung der nationalrussischen Oper eine wichtige Rolle gespielt haben. Naprawnik kenne ich wirklich nur dem Namen nach.

Viele Grüße
Holger
Engelbert (27.04.2006, 10:51):
Hallo Holger,

Vielen Dank für die russische Übersetzung.

Mein Avatar hatte sich zu Dir verlaufen, oder ein kleiner Gag des Administrators. Entschuldigung!

LG
Engelbert
Rachmaninov (27.04.2006, 10:54):
Original von Engelbert
Hallo Holger,

Vielen Dank für die russische Übersetzung.

Mein Avatar hatte sich zu Dir verlaufen, oder ein kleiner Gag des Administrators. Entschuldigung!

LG
Engelbert

Ich bitte gnädigst um Entschuldigung und gestehe öffentlich einen Fehler gemacht zu haben....... :engel

Aber die Korrektur folgt heute noch :J
Engelbert (27.04.2006, 18:23):
Ach, lieber Rachmaninoff, so schlimm war es doch gar nicht.

:engel
Rolf Scheiwiller (02.04.2006, 13:48):
Nicht nur Opern aus dem Land des Belcanto,auch russische Bühnenwerke sind mir seit vielen Jahren ein Grund zur Freude.
Es gibt ja herrliche Werke mit mächtigen, bassgewaltigen Chören !

Auch wenn für viele die Sprache ein Hindernis sein mag, würde ich ungern auf einige dieser Choropern verzichten.

Folgende Opern stehen bei mir im Regal :


Der Jahrmarkt von Sorotschinzy

Boris Godunov

Chowantschina

alle von Mussorgsky .



Prinz Igor , von Borodin.


Lady Macbeth, fast identisch mit:

Katarina Ismailowa 1 Oper, 2 Versionen. Schostakovich.



Die Verlobung im Kloster

Der feurige Engel

Die Liebe zu den drei Orangen

Krieg und Frieden , alle von S. Prokofiev.



Ivan Sussanin ( Ein Leben für den Zaren ) von Gliinka.



sowie die Einspielungen die der jungverstorbene Emil Tchakarov für SONY dirigierte.



Die Oper welche S. Rachmaninov schrieb, Aleko, kenne ich nur dem Namen nach.



Tschaikovskis Opern sind natürlich viel bekannter,sie sind jedoch nicht vergleichbar mit obigen Choropern.

Eugen Onegin

Pique Dame


Von diesen schaue ich mir auch hin und wieder gerne die DVD Aufnahmen an.



Was habt ihr für Vorlieben , wenn es russisch klingen soll ?


Gruss.
Rolf.
Rolf Scheiwiller (15.04.2006, 10:55):
Ja wo sind denn die Freunde der russischen Oper ?!

Sune, Du hättest doch sicher viel zu erzählen !

Ich kann doch nicht der einzige sein.

Liebt niemand den so herrlichen Chorklang russischer Stimmen ?

Fragen über Fragen.

Aber " Kommt Zeit, kommt Rat".

In diesem Sinne.

R.
Cosima (15.04.2006, 11:07):
Hallo Rolf,

ja, es ist schade, dass so gar keine Resonanz auf diesen schönen Thread erfolgt. Ich selber kann leider auch nichts beisteuern. Außer ein paar Opern-Einspielungen unter Gergiev kenne ich hier gar nichts. Auf den „Feurigen Engel“ kamen wir ja schon im anderen Thread – das ist ein grandioses Werk, das auch Opern-Muffel überzeugen dürfte. „Pique Dame“ fand ich auch faszinierend. Dann noch „Die Zarenbraut“ vom Rimsky-Korsakov, die nach meiner absolut laienhaften Einschätzung mit Hvorostovsky und der Borodina gut besetzt zu sein scheint – zumindest höre ich diese Stimmen sehr gern.

Mit all dem Rest habe ich mich noch gar nicht intensiv auseinander gesetzt. Ich kann nur so viel sagen: Wenn überhaupt Oper, dann kommen vor allem russische für mich in Frage! Das hängt eben mit dem typisch russischen Klang der Stimmen und Chöre zusammen. Wobei ich nicht einmal klar definieren kann, was „typisch russisch“ ist – hier fehlt mir einfach die Erfahrung.

Viele Grüße,
Cosima
Jimi (17.04.2006, 17:51):
Hallo zusammen, hallo Rolf,

ich komm ja kaum nach zu „deinen“ Opernthreads etwas zu schreiben. Geschweige denn zu anderen Themen.

Zum Thema russische Oper muss ich sagen, dass ich auf diesem Gebiet noch ziemlich wenig gehört habe, ich bin einfach noch nicht dazu gekommen mich damit zu beschäftigen.
Eigentlich komisch wo ich doch mit russischer Chormusik aufgewachsen bin. Mein Vater hat selbst in einen Chor gesungen und war leidenschaftlicher Fan des Don Kosaken Chors. Bevor der Chor Ende der 70er aufgelöst wurde, hab ich ihn noch live hören können. Ich war wohl so 12-13 Jahre alt, war ein einmaliges Erlebnis.

Zurück zu den Opern. Ich kenne eigentlich nur die folgenden von Gesamteinspielungen:

Prinz Igor , von Borodin,

Boris Gudunow, von Mussorgsky,

Ruslan und Ludmila, von Glinka,

sonst nur noch einzelne Arien z.b. von Nicolai Gedda.

Eine Empfehlung habe ich allerdings. Wer keine „Angst“ vor historischen Aufnahmen hat sollte sich folgende Cd von Feodor Chaliapin anhören:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00006RHPA.01.LZZZZZZZ.jpg

U.a.Boris Abschied und Tod live aus dem Covent Garden(1928). Muss man gehört haben um es zu glauben.

Für Ratschläge zum Kauf weiterer Gesamtaufnahmen auch auf DVD bin ich dankbar.

Viele Grüße,
Jimi
Rolf Scheiwiller (19.04.2006, 13:27):
Hallo Jimi.

Ich hab noch eine DVD von " Pique Dame " mit Gergiev aus dem Kirov Theater.

1992. Eine schöne, traditionelle Aufführung, wie ich sie liebe. Prachtvolle Bühnenbilder. Erstklassige Sänger- und Dirigentenleistungen. Keine Experimente !
.

Gergiev sieht auf dieser DVD sehr adrett und gepflegt aus. Nicht so wie heute mit Stoppelbart.

Sowie auch auf DVD die berühmte Aufführung der " Chowantschina " aus der Wiener Staatsoper. Von Abbado geleitet.

Vom" Boris " gibt es eine hervorragende, konzertante Einspielung aus der Berliner Philharmonie mit Abbado. Auf SONY.

Dann hab ich auf DVD eine überwältigend luxuriöse Aufnahme des " Nussknacker ", auch aus dem Marijnsky - Theater. Ich hab noch drei DVD von diesem Meisterwerk, aber keine erreicht diesen einsamen Rang. Nicht von Gergiev geleitet. Auf PHILIPS.

Von Eugen Onegin hab ich mehrere DVDs. Auch eine aus dem " Bolschoi - Theater. "
Typisch russische Inszenierung. Aber ohne Plüsch und ohne Kitsch.

Gruss.
Rolf.
sune_manninen (20.04.2006, 11:13):
Hallo,

ein reizvolles Werk ist auch Prokofiews "Die Verlobung im Kloster", das auf DVD und CD vorliegt. Ich empfehle hier die DVD, da es eine ganz reizende Inszenierung ist und man visuell einen besseren Eindruck der Oper bekommt als nur via CD. Zu der damals noch nicht so hochgepushten Anna Netrebko gesellt sich - typisch für das Mariinsky-Theater - ein echtes Ensemble. Es macht Spaß, zuzusehen und -zuhören!

Mit Ausnahme des Feurigen Engels, dessen Realisierung für die damalige Zeit ungewöhnlich war, geben die übrigens DVDs nicht den heutigen Stand der Inszenierungen an diesem Opernhaus wieder. Wenn man Ruslan, Sadko, Igor, Chowanschtschina oder Mazeppa sieht, könnte man den (falschen) Eindruck bekommen, es gebe hier nur verstaubte Plüsch-Inszenierungen. Gergiev ist es jedoch gelungen, das Haus in punkto Inszenierungen zum Westen hin zu öffnen, und zwar nicht nur im "westlichen" Repertoire wie z.B. Wagner, sondern auch bei "heimischen" Opern wie Leben für den Zaren oder Zarenbraut, die eine ungewöhnliche szenische Realisierung erfahren haben.

Zwei der besten Ensemble-Leistungen liegen leider nicht auf CDs vor, die beiden Schostakowitsch-Opern Lady Macbeth von Macbeth und Die Nase. Im Falle der Lady M gibt es jedoch eine ganz ausgezeichnete Einspielung durch Mstislav Rostropovich, die er der reichlich unidiomatisch ausgefallenen unter Chung bei weitem vorziehen würde.

Schöne Grüße

Sune
Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 11:26):
Guten Tag Sune.
Diese beiden Opern Schostakovichs habe ich seit Jahren.
Aber die Rostropowitsch Einspielung mit seiner Frau und Gedda ist ja die zahme Version. " Katarina Ismailova ".
Und die aus der " Bastille " die " Lady Macbeth ". Klarer Unterschied .
EINE Oper, zwei Versionen.
Gruss.
R.
sune_manninen (20.04.2006, 21:24):
Original von Rolf Scheiwiller
Aber die Rostropowitsch Einspielung mit seiner Frau und Gedda ist ja die zahme Version. " Katarina Ismailova ".
Und die aus der " Bastille " die " Lady Macbeth ". Klarer Unterschied .
EINE Oper, zwei Versionen.


Lieber Rolf!

Entschuldige bitte, daß ich Dir widerspreche, aber in beiden Fällen handelt es sich um dieselbe Version, nämlich um Lady Macbeth von Msensk. Ich vermute, dies müßte auch aus dem Booklet hervorgehen.
Laß es mich bitte wissen, wenn/falls ich mich irre!

Sune
Rolf Scheiwiller (21.04.2006, 06:57):
Original von sune_manninen
Original von Rolf Scheiwiller
Aber die Rostropowitsch Einspielung mit seiner Frau und Gedda ist ja die zahme Version. " Katarina Ismailova ".
Und die aus der " Bastille " die " Lady Macbeth ". Klarer Unterschied .
EINE Oper, zwei Versionen.


Lieber Rolf!

Entschuldige bitte, daß ich Dir widerspreche, aber in beiden Fällen handelt es sich um dieselbe Version, nämlich um Lady Macbeth von Msensk. Ich vermute, dies müßte auch aus dem Booklet hervorgehen.
Laß es mich bitte wissen, wenn/falls ich mich irre!

Sune

Guten Morgen Sune.

DU hast völlig recht !
Bis heute morgen war ich der Meinung, dass ich beide Versionen besitze !
Suchte dann die EMI Aufnahme ( sind im Haus verteilt ! ) und tatsächlich, auch auf der EMI Einspielung steht " Lady Macbeth... ".
Ich wusste noch so halb, dass von früher eine entschärfte MELODYA Version im Umlauf war. Aber die hab ich nie gesehen.

Freundliche Grüsse.
Rolf.
Engelbert (26.04.2006, 10:11):
Liebe Forianer,

Ich bin ebenfalls ein großer Freund der russischen Oper und habe eigentlich alles in meiner Sammlung, was auf Tonträger greifbar ist. Auch weniger geläufigen Titel der Komponisten Dargomijsky, Gretschaninow,Tanejew, Paliaschwili und Arensky sind in meiner Sammlung zu finden. Nicht zu vergessen, die Komponisten der
Vor-Glinka-Zeit wie: Paschkewitsch, Bortnyansky und Fomin.

Eine besondere Zuneigung hege ich zu den russischen Komponisten
der Moderne. Zu den drei Großen - Prokofieff, Strawinsky und Schostakowitsch - muss ich weiter nichts erwähnen.

Aber wusstet Ihr, daß Dmitri Kabalewski, der Freund von Schostakowitsch, die hinreißende Oper "Colas Breugnon" komponiert hat. Er huldigt keiner Ideologie, sondern hält sich an die Dichtung von Romain Rolland und erzählt die Geschichte des Holzschnitzers Colas, der mit seinem Herzog zusammenrasselt und zweier temperamentvoller Frauen. Tonträger ist allerdings eine alte LP des Labels Columbia/Melodia, Textbuch mit russisch/englischem Libretto.

Als nächstes wäre der 1930 geborene Nikolai Karetnikow zu nennen.
Seine Oper erzählt die Story von Till Eilenspiegel. Dabei hält er sich aber nicht an den deutschen Schalk, sondern nimmt die Dichtung des flämischen Literaten Charles de Coster zum Vorwurf seines Librettos.
CD über die "harmoina mundi France" Zu Kabalewski stand der Komponist in heftiger Oppsition, zum Regime ebenfalls.

Rodin Schtschredin, geb. 1932, ist durch sein Ballett "Anna Karenina" dem Musikfreund ein Begriff, seine Oper "Tote Seelen" dagegen kaum bekannt. Das Romanfragment von Nikolai Gogol, in dem ein Kreditschieber verulkt wird, hat der Komponist gestrafft und selbst ein Libretto daraus gemacht. Das Bolschoi Theater unter Temirkanow hat seine Produktion auf CD umgelegt.

Dann gibt es den Alfred Schnittke (geb. 1934), den alle kennen.
Seine "Historia von D. Johann Fausten" wurde 1995 an der Hamburger Staatsoper in deutscher Sprache uraufgeführt. CD bei RCA zu bekommen.

Alexei Rybnikows Rockoper "Juno und Avos" erlebte in den frühen
achtziger Jahren seine spektakuläre Uraufführung an einem Moskauer Musical-Theater. Bei den Titelfiguren handelt es sich nicht um ein zerstrittenes Liebespaar aus der Antike, sondern es ist der Name eines
Ocean-Liners. Das Steckalbum von Melodia findet sich nur noch in den Antiquariaten. Die Musik ist sehr originell und eine Antwort auf die westlichen Musicals.

Ich hege eine Vorliebe für Literaturopern, weil sie in der Regel auch ein anspruchsvolles Libretto garantieren. Es soll auch eine Oper "Der stille Don" geben, aber da habe ich bisher keine Spur gefunden.

Ich bin neu bei Das Klassik Forum und stelle mich mit meinem ersten Artikel hiermit vor

Engelbert
:engel
Rachmaninov (26.04.2006, 10:31):
Original von Engelbert
Ich bin neu bei Das Klassik Forum und stelle mich mit meinem ersten Artikel hiermit vor

Engelbert
:engel

@Engelbert,

willkommen im Forum und glückwunsch zu so einem tollen ersten Beitrag :hello
Holger S. (26.04.2006, 12:48):
Original von Engelbert
Es soll auch eine Oper "Der stille Don" geben, aber da habe ich bisher keine Spur gefunden.

Guten Tag Engelbert,

die Oper "Der stille Don" ist von Iwan Dserschinski (1909-1978). Eine Aufnahme davon ist mir allerdings nicht bekannt. Offenbar sind lediglich zwei kurze Arien daraus mal auf CD erhältlich gewesen (siehe hier).

Ich selbst bin zwar ein großer Freund der russischen Musik, für Opern interessiere ich mich indes kaum. Vokalmusik ist generell nicht so mein Fall, ich höre viel lieber Sinfonien, Konzert, Kammermusik, Klaviermusik etc. So habe ich zwar eine umfangreiche Sammlung mit Musik aus Russland und der Sowjetunion, die weit über das Standardrepertoire hinausreicht, eine Oper ist aber nicht dabei. Die Ouvertüre von Colas Breugnon habe ich aber auf einer Chandos-CD, und die Suite auf einer Naxos-CD. In der Tat ein herrliches Stück, aber Kabalewski ist ohnehin ein bemerkenswerter Komponist.

Viele Grüße
Holger
Engelbert (27.04.2006, 05:37):



Hallo Holger,

Vielen Dank für Deine wertvolle Information. Ich denke, dass es eine Frage der Zeit ist, dass auch "Der stille Don" eingespielt wird. Bei meinen russischen Sängerporträts habe ich nochmals nachgeschaut.
Es sind viele seltenen Namen darunter wie: Gretschaninov, Dargomischky, Khrennikow und Napravnik, aber den Dserschinksky habe ich nicht dabei.

Von Schostakowitsch hatte ich letzthin eine Ballettmusik erworben, dessen Titel "Der Bolzen" lautet. Hast Du die Möglichkeit das russische Wort für "Bolzen" nachzuschlagen, um es in Lautschrift wiederzugeben. Es handelt sich um ein abendfüllendes Ballett, welches die Tätigkeit in einem Fertigungsbetrieb und die Mitflieder der russischen Gesellschaft beschreibt. Der Komponist hat sich später von dem Ballett distanziert, aber Roshdestwensky hat es hervorgeholt und in Stockholm eingespielt. Schostakowitsch hat die einzelnen Auftritte phantasirevoll mit Einfällen bedacht, sich aber bei der Orchestrierung wenig Mühe gegeben. Stellenweise artet das ganze in eine "Kchammermusikchalische Kchostbarkeit" aus. Es kam zu einer einzigen Uraufführung und wurde dann durch ein Ballett von Ludwig Minkus abgelöst.

Das Sängerporträt von Daniil Shtoda, bei DELOS erschienen und bei JPC
zu haben, enthält 23 Musiknummern und ausführliches Textheft.

Viele Grüße

Engelbert
:engel
Holger S. (27.04.2006, 08:35):
Hallo Engelbert!

Ich muss gleich sagen, ich kann kein Wort Russisch und habe mir lediglich die kyrillische Schrift halbwegs beigebracht, sodass ich wenigstens kyrillische Namen einigermaßen lesen kann. Anhand der Schostakowitsch-Biographie von Krzysztof Meyer konnte ich feststellen, dass "Bolzen" auf Russisch "Bolt" heißt. Die kyrillische Schreibung lautet wie folgt: siehe hier. (Leider kann man hier offensichtlich keine kyrillischen Buchstaben eingeben.)

Schostakowitschs Ballett kenne ich den Namen nach, eine Einspielung habe ich davon (noch) nicht. Chrennikow kenne ich natürlich, wie auch Gretschaninow (die Sinfonien wurden bei Chandos veröffentlicht). Dargomyschski soll für die Entwicklung der nationalrussischen Oper eine wichtige Rolle gespielt haben. Naprawnik kenne ich wirklich nur dem Namen nach.

Viele Grüße
Holger
Engelbert (27.04.2006, 10:51):
Hallo Holger,

Vielen Dank für die russische Übersetzung.

Mein Avatar hatte sich zu Dir verlaufen, oder ein kleiner Gag des Administrators. Entschuldigung!

LG
Engelbert
Rachmaninov (27.04.2006, 10:54):
Original von Engelbert
Hallo Holger,

Vielen Dank für die russische Übersetzung.

Mein Avatar hatte sich zu Dir verlaufen, oder ein kleiner Gag des Administrators. Entschuldigung!

LG
Engelbert

Ich bitte gnädigst um Entschuldigung und gestehe öffentlich einen Fehler gemacht zu haben....... :engel

Aber die Korrektur folgt heute noch :J
Engelbert (27.04.2006, 18:23):
Ach, lieber Rachmaninoff, so schlimm war es doch gar nicht.

:engel
Agravain (28.05.2011, 22:27):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51t8XmzlChL._SL500_AA300_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/515ILIHiqBL._SL500_AA300_.jpg

Ivan Susanin: Boris Christoff
Antonida: Teresa Stich-Randall
Bogdan: Nicolai Gedda
Wanja: Milada Bugarinovich

Choeurs de l’Opera de Balgrade
Orchestre de l’Association des Concerts Lamoureux

Igor Markevitch

(1957)

What’s in a name? Das ist nicht nur für Shakespeares Juliet eine zentrale Frage, auch für die erste Oper Michael Glinkas spielt diese Frage keine unerhebliche Rolle. Auf den oben gezeigten Coverbildchen wird deutlich: eine Oper, eine Aufnahme, zwei Namen. Nutzt die ursprüngliche EMI-Produktion den „Ein Leben für den Zaren“, so heißt sie bei Line „Ivan Susanin“. Der andere Titel taucht lediglich in Klammern als Untertitel auf. Also was denn nun?

Laut Lyubov Tsarevskaya und Isabelle de Khegel war es wohl so, dass Glinka in einem Gespräch mit dem Dichter Wassili Schukowski davon berichtete, dass er eine Oper echt russischen Sujets komponieren wolle und einen Stoff suche. Schukowski schlug den Ivan Susanin-Stoff vor, was Glinka freudig aufnahm. Die Oper erhielt den Arbeitstitel „Ivan Susanin“. Kurz vor der Petersburger Premiere am 27. November 1836 wurde die Oper auf Bitten von Zar Nikolaj I. in „Ein Leben für den Zaren“ umbenannt, woraufhin dieser die ihm geltende Widmung des Werkes annahm.

Nach der Revolution 1917 verschwand der "zaristische" Held Susanin und mit ihm Glinkas Oper erst einmal von der Bildfläche. Zwischen 1836 und 1916 war sie rund 800 Mal gespielt worden. Doch Mitte der 30er Jahre kam es langsam und stetig zu einer Rehabilitation des heldenhaften Susanin, und zwar weil er als Identifikationsfigur benötigt wurde. So erstaunt es kaum, dass es am 21. Februar 1939 zu einer Wierderauferstehung des Werkes im Bolshoi-Theater kam. Doch freilich ist hier entscheidendes anders, wurde doch das ursprünglich von Baron Jegor von Rosen verfasste Libretto durch ein neues aus der Feder Sergej Gorodeckijs ersetzt, das jeglichen Hinweis auf die Tatsache, dass sich der Protagonist Ivan Susanin, der ja nun ein Held der Arbeiter- und Bauernklasse sein musste, für den Zaren opfert tilgte. Wie uns der DDR-Musikwissenschaftler Richard Petzold in seiner Einführung zu dem längst vergriffenen Reclam-Opernbuch „Iwan Ssussanin“ erklärt, war das ein ganz natürlicher Vorgang, denn die „Gegenwart hat den tieferen Sinn der historischen Vorgänge in dem Text zu Glinkas Oper deutlicher werden lassen. S. Gorodezki hat unter diesem Gesichtpunkt eine neue Textfassung hergestellt, .“ Die Umdichtung sei gleichsam notwendig, da „unsere Gegenwart den patriotischen Iddengehalt deutlicher herausarbeitete, indem Iwans Sorge und Selbstaufopferung nicht mehr dem Gutsherren Michail Romanow gilt, sondern dem Volkshelden Minin. Selbstverständlich führt die Oper jetzt auch den Titel ‚Iwan Ssussanin’“.

Hüstel.

Nach Zerfall der Sowjetunion wurde die Oper wieder sowohl unter ihrem eigentlichen Titel als auch unter Verwendung des ursprünglichen Librettos gespielt.

Empfiehlt der Agravain also eine inhaltlich durch das sowjetische Regime verhunzte Opernaufnahme?
Der auf dem Line-Cover erscheindende Titel deutet ja förmlich darauf hin.
Nun, dass ist eine von vielen falschen Angaben, die hier auftauchen.

Markevitch nutzte bei der 1957 entstandenen Produktion die Rimsky-Korsakow/Glasunow-Ausgabe der Oper mitsamt des dort genutzen ursprünglichen Textes. Somit handelt es sich in keiner Form um „Ivan Susanin“, sondern eindeutig um „Ein Leben für den Zaren“ – wie es auch die ursprüngliche EMI-Ausgabe ganz deutlich machte. Hinzu kommt, dass es sich mitnichten, wie es bei Line heißt, um einen Aufführungsmittschnitt handelt, sondern um eine Studioproduktion, die auch nicht in französischer Spache eingespielt wurde, wie es uns die Rückseite des Covers einreden möchte, sondern auf Russisch. Ferner fehlt jeglicher Hinweis auf den Chor.

Sieht man von diesem Stuss einmal ab, so kann sich der Opernliebhaber freuen, die seit Ewigkeiten vergriffene EMI-Aufnahme, die bis zum heutigen Tage wohl die beste der vorliegenden Einspielungen genannt werden darf, für ’n Appel und ’n Ei in die persönliche Sammlung integrieren zu können.

Glänzend ist erst einmal die Besetzung. Boris Christoff überzeugt als patriotischer Bauer Ivan Susanin durchweg, wobei er besonders in den Akten drei und vier durch intensive Charakerzeichnung glänzt. Das ist kein wirklich eleganter Gesang, den man hier zu hören bekommt. Aber Christoff zeichnet ja auch einen einfachen Mann aus dem Volke, der sich zu ungeahnter Größe aufschwingt. Die große Abschiedsszene zum Ende des vierten Aktes ist ein Paradebeispiel seiner Gestaltungskunst.

Teresa Stich-Randall gibt eine durch und durch mädchenhafte, unschuldige, ja geradezu süße (nicht süßliche!) Antonida. Herrlich gelingt ihr besonders die Klage im dritten Akt. Bisweilen ist an ihrer Darstellung bemängelt worden, sie sei zu wenig „russisch“ (Lionel Salter in Gramophone). Ich persönlich finde das zum einen aufgrund der schlichten Schönheit ihrer Interpretation nicht allzu problematisch, zum anderen muss man zugeben, dass Glinka hier zwar erstmals Elemente russischer Volksmusik in einer Oper unterbringt, dass diese aber gleichzeitig noch deutlich vom Einfluss Rossinis und Donizettis und Bellinis zeugt. Ein „Boris Godunow“ ist das Werk noch nicht. Insofern finde ich Stich-Rendalls Hang zum Belcanto gar nicht so unpassend.

Ebenso passend ist die Besetzung des jungen und heldenhaften Bogdan Sobinin mit dem jungen Nicolai Gedda. Klarer Klang, leichte Spitzentöne, schöne Stimmführung, sinnfällige Textgestaltung. Ganz besonders gut gelingt ihm die Paradearie zu Beginn des vierten Aktes. Was möchte man da mehr?

Die einzige kritische Besetzung ist Melanie Bugarinovic, deren voluminöser Mezzo nun tatsächlich russisch klingt, der aber für den Knaben Wanja nicht so recht passen will. Das klingt einfach zu dick, zu schwerfällig, zu sehr nach recht als schlecht in Würde gealterter Sängerin.

Eine ausgesprochen umfangreiche Aufgabe hat in Glinkas Oper (wie in Folge dann so oft in der russischen Oper) der Chor. Lionel Salter spricht in seiner Besprechung der Aufnahme zurecht davon, der Chor sei der eigentliche zweite Hauptdarsteller. Der hier zum Einsatz kommende Chor der Oper Belgrad ist für die unterschiedlichen sich ihm stellenden Aufgaben bestens ausgerüstet und liefert eine insgesamt ganz ausgezeichnete Leistung ab.

Ähnliches gilt für das Orchestre de Lamoureux, das unter seinem Chefdirigenten Markevitch eine mehr als akzeptable Leitung abliefert. Flexibel, weitgehend durchsichtig, die Sänger ökonomisch begleitend und unterstützend, dabei aber doch immer auch selbstbewusst gestaltend. Schön gelingt der Polenakt, der ja im Grunde nichts anderes ist als eine Aneinanderreihung von unterschiedlichen Tänzen. Sicher, das Blech ist bisweilen etwas brachial, das Holz etwas spitz, aber insgesamt klingt das sehr ordentlich. Hier wäre eventuell durch ein sauberes Remastering noch einiges zu verbessern.
Igor Markevitchs Zugriff ist gewohnt straff, wobei er doch auch immer ein sicheres Gespür für die lyrischen Passagen des Werkes hat, sodass nichts trotz des dramatischen Vorwärtsdrängens seines Dirigates gehetzt wirkt. Im Gegenteil, die Klage der Antonida, der langsame Abschnitt der Szene Wanjas oder der große Monolog Susanins werden als Ruhepunkte innerhalb des dramatischen Ablaufes gekonnt inszieniert. Es entsteht so ein ausgesprochen schlüssiges Bild, das nicht einen Moment lang ohne innere Spannung bleibt.

Mein Wunsch wäre, dass die EMI diese Aufnahme wieder auflegt und sie mit einem vernüfnftigen Booklet und dem Libretto versieht.

:hello Agravain