Rachmaninov wies mich darauf hin, dass Olivier Messiaen dieses Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern dürfen (am 10. Dezember). Grund genug, endlich einen allgemeinen Thread zu diesem bedeutenden französischen Komponisten zu eröffnen. Einzelne Werke von ihm wurden bereits besprochen, nun aber soll es um den Komponisten Messiaen selbst gehen, der wie alle großen Komponisten einen sehr eigenen Weg ging. Auf seine Biographie möchte ich an dieser Stelle nicht so sehr eingehen, darüber kann man beispielsweise in der Wikipedia, die einen sehr schönen Messiaen-Artikel bereithält, lesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Messiaen).
Als Komponist ist Messiaen eigentlich kein Avantgardist gewesen wie etwa der vier Jahre später geborene und im selben Jahr wie Messiaen verstorbene John Cage. Messiaen führte vielmehr die französische Tradition fort, wie man es z.B. in seinen Liedern (die leider viel zu selten auf dem Programm stehen!) mitverfolgen kann: dort ist der Weg vom Vorbild Ravels und Debussys hin zum eigenen Stil unverkennbar. Ob man den Einfluss seines Lehrers Paul Dukas in seinen Werken finden kann müsste man diskutieren. Messiaen studierte in der Zeit von 1919-1930 am Conservatoire in Paris neben Komposition auch Klavier, Schlagzeug, Orgel und griechische Metrik. In den 30ern war Messiaen eines der Grtündungsmitglieder der "Jeune France", einer Gruppe von Komponisten, von denen mir selber nur André Jolivet bekannt ist, die anderen beiden (Yves Baudrier und Jean-Yves Daniel-Lesur) hingegen nicht (auch hier wären einige Nachfroschungen vielleicht lohnend).
Messiaen war zeitlebens ein frommer Katholik, wovon viele seiner Komposition, allen voran aber sein "Sain Francois d'Assise" (Oper in 8 Bildern) Zeugnis ablegen. Der Glaube war vielleicht seine größte Inspiration. Genau so wichtig waren für ihn (vor allem in den 50er Jahren) Vogelstimmen, die er als begeisterter Ornithologe sammelte und (akribisch!) transkribierte, um sie dann ebenfalls in seine Musik einfließen zu lassen. Eines der aufwändigsten Werke, die sich damit befassen, dürfte sein "Catalogue d'Oiseaux" sein, der fast 80 verschiedene Vogelstimmen verarbeitet.
Ein weiterer wichtiger Wesenszug Messiaens war seine synästhetische Veranlagung: bei Orchesterprobne soll er oftmals Dinge dieser Art gesagt haben: "Maestro, ich hätte diesen Klang hier gerne etwas mehr orange!" Das ist natürlich für jeden, der mit dieser Veranlagung nichts anfangen kann, etwas skurril und schwer nachzuvollziehen, es zeigt aber, wie Messiaen sich Klänge vorgestellt hat. Allerdings benutzte Messiaen durchaus nicht allein sein Ohr, um seine Klänge zu finden: er benutzte sowohl für die Rhythmik als auch für die Skalen (er schrieb durchweg modal, also nicht atonal, aber auch nicht tonal, doch dazu weiter unten) bestimmte Modi, die er teilweise aus der intensiven Beschäftigung mit indischer Musik gewonnen hatte. Berühmt sind seine "nicht umkehrbaren Rhythmen", also solche, die von hinten nach vorn gelesen genau gleich sind wie von vorne nach hinten. Mit Skalen kann man das auch machen, indem man ein festes Prinzip für den Aufbau benutzt wie etwa die Folge Halbton-Ganzton-Halbton-Ganzton etc. Nicht umkehrbar wäre beispielsweise die chromatische Tonleiter oder auch die Ganztonleiter, es gibt aber auch kompliziertere Beispiele. Dieses Material bildete also quasi Messiaens Wegweiser zum Komponieren, den er allerdings auch oft sehr frei benutzte, niemals sklavisch streng. An seinem Skalensystem ist interessant, dass je nach Aufbau sehr komplexe, tonal überhaupt nicht in sich deutbare Klänge wie auch ganz einfache Dur- oder Molldreiklänge vorkommen können. Es ist sehr wichtig, hier zu bedenken, dass in der damaligen Zeit solche Klänge tatsächlich durch ein System gerechtfertigt werden mussten; in der Musik der 50er und 60er-Jahre waren sie praktisch tabu.
Für die Neue Musik war Messiaen von großer Bedeutung, weil er das erste serielle Stück überhaupt komponierte, die Etüde "Modes de valeurs et d'intensitès". Allerdings ist auch dieses Stück ein modal gedachtes, und es war von Messiaen auch überhaupt kein ernst gemeinter musikalischer Versuch (ein Zeitvertreib, recht schnell geschrieben). Dennoch hat dieses Stück ihm wohl zu großem Ruhm bei der jungen Generation verholfen. Als Lehrer ist Messiaens Bedeutung gar nicht hoch genug zu schätzen: seit 1941 unterrichtete Messiaen als Professor am Conservatoire, unter seinen Schülern heute berühmte Leute wie Pierre Boulez, Iannis Xenakis oder Karlheinz Stockhausen.
Messiaen hinterließ ein großes, hochinteressantes Oeuvre. Manche seiner Werke sind tatsächlich zu Klassikern der Moderne geworden, so etwa:
Quatuor pour la fin du temps (für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier, 1941 entstanden und uraufgeführt in einem Kriegsgefangenenlager in Görlitz)
Vingt regards sur l'Enfant-Jésus für Klavier, 1944
Turangalîla-Sinfonie für Klavier, Ondes Martenot und großes Orchester, 1946-48
Mode de valeurs et d'intensités für Klavier, 1949
Réveil des oiseaux für Klavier und Orchester, 1953
Catalogue d'oiseaux für Klavier, 1956-58
Saint François d'Assise, Oper in 8 Bildern, 1975-83, uraufgeführt am 28. November 1983 an der Opéra de Paris (Palais Garnier) mit José van Dam in der Titelrolle
Natürlich ist das nur eine kleine Auswahl besonders bekannter Stücke. Folgende Aufnahmen stehen bei mir im Schrank, die ich durchaus empfehlen kann:
Vingt Regards sur l'Enfant-Jésus, Pierre Laurent Aimard
Quatuor pour la fin du Temps - Eduard Brunner - Trio Fontenay
Réveil des oiseaux - Yvonne Loriod, Hans Rosbaud/SWF Symphony Orchestra Baden-Baden
Über gute Empfehlung für die "Turangalila-Symphonie" und den "Saint Francois" würde ich mich sehr freuen!
Das Schlusswort gebe ich Messiaen selbst:
"Als ein Wesen von Fleisch und Blut wehre ich mich im Namen von Emotion und Empfindung gegen all das, was nichts anderes als interessant und intelligent ist. Ich habe einen Horror vor intelligenten Leuten, die interessante Sachen machen. Wenn ich ins Konzert gehe, dann will ich, daß mir die Tränen kommen; wenn ich nicht weine, bedeutet das: Es war nicht gut." - Interview mit Rudolf Frisius
Rachmaninov (16.08.2008, 14:13): @Satie,
schön das Du den Thread auf meine Anregung hin gestartet hast. Ich selber kenne zu wenig von ihm um dies Fachkundig tuen zu können.
Bisher gab es drei Threads zu Werken von ihm in diesem Forum.
O. Messiaen: Vingt regards sur l'Enfant-Jésus
Olivier Messiaen und seine Vögel
Messiaen - Turangalila Symphonie
Die Threads sind alt, fanden damals wenig Beachtung. Jedoch hat sich das Forum seit dem gewandelt und daher verweise ich nochmals darauf.
Später mehr von mir :thanks
Dr. Schön (16.08.2008, 14:56): Lieber Satie,
Ihr könnt immer alle so schöne und interessante Einführungstexte schreiben. :down
Ich kann leider wieder nicht mehr sagen, als das ich mir die "Turangalila" Sinfonie schon lange einmal anschaffen möchte. Genauso interessiert wäre ich an seiner "Franz von Assisi" Oper. Kommt Zeit, kommt Messiaen.
Gruß Dr. Schön
Rachmaninov (16.08.2008, 18:10): Hinweisen möchte ich auch auf diese Seite, die mir sehr liebevoll gestalltet ist und auf Messiaen's Schaffen eingeht
Cosima (16.08.2008, 18:13): Lieber Satie,
vielen Dank für den informativen Einführungsbeitrag. - Ich habe normalerweise mit moderner Musik nicht so viel am Hute, aber diese Geschichte mit Messiaens Begeisterung für die Ornithologie und die Vogelstimmen-Transkriptionen, die er in seine Werke einfließen ließ, fand ich so spannend, dass ich im Laufe der Zeit immerhin diese beiden Werke kennen gelernt habe. Solch skurrile Vögel (wie Messiaen) interessieren mich immer.
Original von Satie Quatuor pour la fin du temps (für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier, 1941 entstanden und uraufgeführt in einem Kriegsgefangenenlager in Görlitz)
Turangalîla-Sinfonie für Klavier, Ondes Martenot und großes Orchester, 1946-48
Die Turangalîla-Symphonie habe ich mit dem Orchestre de l'Opéra Bastille unter Chung (DG). Ob diese Aufnahme nun besonders gelungen ist oder nicht, kann ich leider nicht sagen – mir gefällt sie. Das andere Werk kenne ich mit dem Trio Fontenay. - Sein Klavierwerk möchte ich natürlich irgendwann noch einmal hören. Neulich hatte ich die Ugorski-Aufnahme in der Hand, konnte mich aber nicht recht entschließen, weil ich den Pianisten nicht so sehr mag.
Zufällig habe ich mir erst vor wenigen Tagen diese Aufnahme mit Boulez zugelegt:
Sie enthält: Chronochromie; Et expecto resurrectionem mortuorum; La Ville d'en haut In der „Epode“ aus Chronochromie entwirft Messiaen mit Vogelgesängen aus Frankreich einen 18-stimmigen Kontrapunkt der Solostreicher, der in seiner Radikalität bei den ersten Aufführungen einen Skandal heraufbeschworen haben soll. (Genaueres ist mir nicht bekannt.)
Originell finde ich die Werke auf der CD schon, auch sehr gut anzuhören. Gleichwohl habe ich die Scheibe heute zum ersten Mal im Player gehabt – für weitere Eindrücke reicht es deshalb noch nicht.
Sympathisches Schlusswort übrigens von Messiaen!
Gruß, Cosima
Rachmaninov (16.08.2008, 18:16): Original von Satie Messiaen hinterließ ein großes, hochinteressantes Oeuvre. Manche seiner Werke sind tatsächlich zu Klassikern der Moderne geworden, so etwa:
Quatuor pour la fin du temps (für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier, 1941 entstanden und uraufgeführt in einem Kriegsgefangenenlager in Görlitz)
Vingt regards sur l'Enfant-Jésus für Klavier, 1944
Das Quartett von Ende der Zeit werde ich mir auf jeden Fall als Aufnahme zulegen. Eventuell die neue Aufnahme des Trio Wanderes. Die Ewigkeit ist ja nicht unbedingt das Ende, so meine ich es einmal als Auffassung Messiaen's gelesen zu haben.
Alleine die Umstände der Entstehung und der Aufführung im Gefangenenlager sind schon sehr beachtlich, aber auch das es überhaupt erlaubt wurde. Man sieht das auch in schweren Zeiten Musik Brücken schlägt.
Die Vingt regards sur l'Enfant-Jésus gehören wohl mit zu den schwierigsten Werken der Klavierliteratur des 20. Jahrhunderts. Vor allem aufgrund der Länge. Ich besitze die sehr gute Aufnahme mit S. Osborne, der auch eine weitere Aufnahme mit Werken für 2 Klaviere von Messiaen veröffentlichte.
Die Aimard Aufnahme ist ja eigentlich pflicht, hat er doch bei Messiaen's Frau Unterricht genommen, sofern ich mich jetzt nicht irre.
EinTon (16.08.2008, 23:25): Hallo!
Mir gefälllt von Messiaen sein Oratorium "La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ" am besten, ich habe es übrigens im Februar jetzt endlich einmal live in Kökn gehört (habe 20 Jahre drauf gewartet).
Beeindruckend ist schon der Anfang mit einer Unzahl von Schlägen auf verschieden gestimmten Gongs und Tamtams.
Sehr schön auch "Des canyons aux étoiles", ein langes Orchesterwerk in dem er Eindrücke u. a. aus kanadischen Canyons verarbeitet hat.
Die oft erwähnte Turangalila-Sinfonie halte ich dagegen für überwertet, das Stück ist mir irgendwo zu plakativ - halt mit viel publikumswirksamer "Action" im Orchester (daher wohl auch der Erfolg dieses Stücks), aber insgesamt vordergründiger als die vorgenannten. Dazu kommen noch einige kitschige, an schlechte Filmmusik gemahnende Passagen, die den Eindruck auch nicht gerade aufwerten.
@Satie: Gibt es irgendwelche Lehrbücher, in denen die Kompositionstechnik von Messiaen detaillierter erklärt wird (nicht zuletzt auch seine Modi, auch mit Notenbeispielen)?
Eine ähnliche Frage hätte ich auch zur "Darmstädter Schule", ich starte dazu gleich einen neuen Thread...
Gruß,
Normann
satie (17.08.2008, 00:44): Original von EinTon
@Satie: Gibt es irgendwelche Lehrbücher, in denen die Kompositionstechnik von Messiaen detaillierter erklärt wird (nicht zuletzt auch seine Modi, auch mit Notenbeispielen)?
Lieber Normann, es gibt einen recht frühen Text von Messiaen selbst, der wenn ich mich rcht erinnere "Technique de mon langage musicale", in dem Messiaen selbst seine Techniken beschreibt, Allerdings ist der Text früh erschienen, und eventuell war vieles erst halbwegs angelegt, was sich erst später als Technik so richtig entwickelte. Ich kenne selber den Text nicht, aber ich denke, es könnte sich lohnen. Auf dieser Seite gibgt es einige Artikel über Messiaen: http://www.oliviermessiaen.org/ Da gibt es auch Briefe etc., unter anderem auch eine recht ausführliche Diskographie. Bilder von "Ondes martenot" sind ebenfalls zu sehen, ein ausführliches Werkverzeichnis und eine Biographie sind ebenfalls enthalten. Die Seite ist hässlich, aber der Inhalt ist sehr gut.
Interessante Bücher:
Variations sur l'inquiétude rythmique: Untersuchungen zur morphologischen und satztechnischen Funktion des Rhythmus bei Olivier Messiaen, Pierre Boulez und Jean Barraqué von Werner Strinz von Lang, Peter Frankfurt (Taschenbuch - März 2003) (mir fehlen nähere Informationen, hört sich aber interessant an. Vielleicht aus der Bibliothek, denn der Schinken kostet ne Stange...)
Ou Topos: Zu Aspekten der Struktur im Werk von Cage und Messiaen von Jakob Ullmann von Pfau-Vlg (Broschüre - Juni 1998) Wie ich den lieben Jakob kenne (ein interessanter Komponist übrigens! ist das Buch gut.
Olivier Messiaen (Musik-Konzepte 28) von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn von edition text + kritik (Broschiert - 1982) Unbedingt empfehlenswert, wie alle Bände dieser Reihe.
die deutsche Übersetzung von Messiaens eigenem Buch: Technik meiner musikalischen Sprache von Olivier Messiaen von Leduc (Broschiert - 1966) Das wäre schon mein allererster Tip wenn es um die Kompositionstechnik geht.
Übrigens gibt es unheimlich viele Analysen von Einzelwerken.
Herzlich, S A T I E
EinTon (17.08.2008, 01:42): Vielen Dank Dir für die Tips!
Original von Satie Übrigens gibt es unheimlich viele Analysen von Einzelwerken.
Kannst Du mir eine Analyse zu einem typischen Klavierwerk empfehlen (ich meine nicht die vielzitierten "Modes de valeurs", eher was aus dem "Catalogue d'oiseaux") Der Grund ist der, das ich mir das dann auch auf dem Keyboard (hab kein Klavier) vorspielen und fürs erste leichter erfassen kann als eine Riesenpartitur.
Ich sehe ferner, dass Du ja nach Aufnahmen des "St. Francois" und der Turangalila-Sinfonie gefragt hast. Ich habe von beiden Werken jeweils eine Aufnahme, daher kann ich da natürlich nicht gut vergleichen. Beim St. Francois ists die der Uraufführung (damals gabs gar keine andere) und bei der Turangalila-Sinfonie ists die da:
mir gefiel sie damals (um 1990) beim schnellen Probehören bei Saturn am besten, aber bei den Reviews kommt sie, wie Du siehst, nicht so gut weg.
BTW.: Ich wollte mir mal die Partitur der "Transfiguration" kaufen, aber die kostet insgesamt 300€, echt! Das war mir dann doch zu teuer...
Jan (16.09.2008, 22:49): Nicht umkehrbar wäre beispielsweise die chromatische Tonleiter oder auch die Ganztonleiter
Hui hui, mein erster Beitrag und gleich muss ich den Klugscheißermodus aktivieren. Tatsächlich ist die Ganztonleiter der erste Modus, Messian hat ihn jedoch selten benutzt, da er nur ein mal transponierbar ist, und er ihm wenig geben würde. Tatsächlich ist dieser Modus auch recht Arm an Möglichkeiten. Neben 3 Tritoni und 2 übermäßgen Dreiklängen gibt es da nicht viel, was man da raus holen könnte. Ganz im Gegensatz zum 2. Modus (den hast du hier schon angegeben, halbton-ganzton-halbton-ganzton), den er wohl am nächsten war und der wirklich eine Fülle von Möglichkeiten bietet.
Gruß JAN
satie (16.09.2008, 23:23): Hallo Jan, willkommen im Forum. Klugscheißerei ist in solchen Fällen durchaus willkommen. Die Beispiele mit chromatischer Tonleiter und Ganztonleiter hatte ich eigentlich nur genommen, um überhaupt ein Beispiel zu bieten. Der musikalische Kenntnisstand ist ja recht unterschiedlich, daher wollte ich hier nicht unbedingt zu sehr ins Detail gehen (das machen ja glücklicherweise andere :D)
Herzlich, S A T I E
EinTon (17.09.2008, 00:18): Einen kleinen Aufsatz zu Messiaens Modi und Rhythmik gibt es hier:
http://www.satzlehre.de/themen.html
Direktlink:
http://www.satzlehre.de/themen/messiaen.pdf
Rachmaninov (09.10.2008, 21:50): Original von Satie Quatuor pour la fin du temps (für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier, 1941 entstanden und uraufgeführt in einem Kriegsgefangenenlager in Görlitz)
Eine sehr originelle Besetzung, aber vor allem die bedrückende Wirkung des Werks machen es ganz bestimmt zu einem der hörenswertesten kammermusikalischen Werken des letzten Jahrhunderts.
Muss unbedingt einmal nachlesen welchen Standpunkt Messiaen zum "Ende der Zeit" hatte. Als religiöser Mensch muss dort für ihn ja nicht zwingend das "Ende" sein.
Und Zeit, das wissen wir ja nun, ist kein unentlicher Strahl, was nicht heisst das ohne Zeit nichts mehr ist. Auch wenn das nur Gläubige (emotional) und Physiker rational wohl verstehen :W
Heike (09.10.2008, 22:58): Hallo Rachmaninov, Muss unbedingt einmal nachlesen welchen Standpunkt Messiaen zum "Ende der Zeit" hatte. Kann man irgendwo online nachlesen? "Quatuor pour la fin du temps" werde ich mir am Samstag live anhören (mit Mitsuko Uchida, die ich bisher auch fast nur vom Namen kenne). Das wäre interessant, über das Werk vorab mehr zu wissen. Hebre
HenningKolf (09.10.2008, 23:45): ein wenig erfährt man
hier
Heike (09.10.2008, 23:47): Oh danke, ich schmökere da gleich mal. Hebre
ab (05.11.2008, 22:49): Das Messiaen-Boxen-Fieber grassiert:
32 CDs bei der DGG-GA; 18 CDs bei Warner; 14 CDs bei der EMI und das Orchesterwerk auf 8 bei Hänssler.
satie (06.11.2008, 23:29): Scheinbar gibt es auch von Decca noch eine solche Box zum 100. Ich konnte bislang nicht viel darüber herausfinden, doch scheint mir die DG-Box, die ja anscheinend wirklich sämtliche Werke enthält doch die überzeugendste. Hat jemand die vollständigen Tracklisten all dieser Boxen gefunden? Dann könnte man immerhin mal sehen, welche Interpreten was spielen. Preislich ist die DG-Box in Ordnung (so ab etwa 80 Euro erhältlich), allerdings wird man sie sicherlich später noch günstiger bekommen. Die EMI-Box ist vom Preis her etwa gleich. Bei Amazon ist zwar die Rückseite der Box abgebildet, aber der Inhalt ist nicht lesbar. Die Warner-Box enthält, wenn ich das richtig erkennen konnte fast nur Kammermusik, über die Interpreten konnte ich hier gar nichts finden. Der Preis ist mir hier zu hoch (neu noch immer über 100 Euro). Die Hänssler-Box ist wie zu erwarten teuer, alle Orchesterwerke wurden vom SWR-Symphonieorchester unter Sylvain Cambreling eingespielt. Da müsste man mal reinhören.
Mich persönlich würden hier vor allem die Aufnahmen interessieren, die noch unter Messiaens wachsamen Ohren entstanden sind. Ich verspreche mir da, wie auch bei der schönen Strawinsky-Box von Sony, am meisten. Bei der DG-Box sind wenigstens einige dieser Aufnahmen dabei, allerdings wird sich hoffentlich noch genaueres zeigen.
Herzlich, S A T I E
Dr. Schön (07.11.2008, 00:49): Original von Satie Ich verspreche mir da, wie auch bei der schönen Strawinsky-Box von Sony, am meisten.
Lohnt die sich? Ich überlege schon seit Monaten ob oder ob nicht, zumal sie bei 2001 nicht allzu teuer ist.
Von diesen Messiaen Boxen lasse ich mir übrigens diese Sylvian Chambreling Box auf Hänssler zu Weihnachten schenken. Wird ja allerorts sehr gelobt und positiv besprochen.
Die DGG Box wäre mir viel zu viel, was ewig nicht gehört wird, gegen die Warner Box hatte ich ähnliche bedenken wie Satie und bei der EMI Box sind mir nicht alle Interpreten geheuer. Daher diese Entscheidung.
Ich werde also nächstes Jahr berichten können.
Gruß Dr. Schön
satie (07.11.2008, 01:27): Original von Dr. Schön Original von Satie Ich verspreche mir da, wie auch bei der schönen Strawinsky-Box von Sony, am meisten.
Lohnt die sich? Ich überlege schon seit Monaten ob oder ob nicht, zumal sie bei 2001 nicht allzu teuer ist.
Von diesen Messiaen Boxen lasse ich mir übrigens diese Sylvian Chambreling Box auf Hänssler zu Weihnachten schenken. Wird ja allerorts sehr gelobt und positiv besprochen.
Die DGG Box wäre mir viel zu viel, was ewig nicht gehört wird, gegen die Warner Box hatte ich ähnliche bedenken wie Satie und bei der EMI Box sind mir nicht alle Interpreten geheuer. Daher diese Entscheidung.
Ich werde also nächstes Jahr berichten können.
Gruß Dr. Schön
Wenn Du die Strawinsky-Box meinst: Ja, die lohnt sich unbedingt! Das war einer der besten Käufe der letzten Zeit, die ich getätigt habe (die war ja auch von Anfang an nie teuer). Natürlich: man muss diese historischen Dokumente mögen, die nicht immer klanglich auf der Höhe sind. Ich finde aber, dass gerade die Aufnahmen, die Strawinsky als Dirigenten zeigen (und das ist alles in der Box drin) allein schon die Anschaffung wert sind. Ich kann diese Box nur wärmstens empfehlen! Übrigens: wie ich gerade gesehen habe, ist dafür der Preis bei Amazon nochmal gesenkt worden, wodurch dort die Box noch günstiger ist als bei Zweitausendeins.
Dr. Schön (07.11.2008, 08:50): Danke für den Tip! Bei dem Amazon Preis konnte man ja gar nicht mehr nein sagen.
ab (12.11.2008, 21:29): Original von ab Das Messiaen-Boxen-Fieber grassiert:
32 CDs bei der DGG-GA; 18 CDs bei Warner; 14 CDs bei der EMI und das Orchesterwerk auf 8 bei Hänssler.
Leif Erikson (20.12.2008, 13:21): Die Messiaen-Box von Brilliant habe ich vorgestern erhalten. Sie ist eine Enttäuschung:
erstens weil die Orgel-CD's die Klaviermusik enthalten und die Klavier-CD's die Orgelmusik, d.h. sie sind falsch bedruckt und stecken in den falschen Hüllen.
zweitens sind die Orgelaufnahmen offenbar direkt von alten verrauschten LP's überspielt statt von den master-Bändern. Klanglich ein Kompromiß.
Zu den Interpretationen kann ich erst später etwas sagen, sie scheinen gut zu sein.
Gruß, Leif.
Leif Erikson (20.12.2008, 18:41): Ich habe die Stravinsky Box auch. Die Eigendirigate erzeugen ein ungeahntes Vertrautheitsgefühl auch bei noch unbekannten Werken. Wenn andere Interpreten sozusagen eine waffenstarrende virtuose Festung bauen, wirken Stravinskys eigene Interpretationen wie ein Besuch bei ihm zu Hause also in einem verständniserleichternden Kontext, ja geradezu selbstverständlich. Sicher nicht so perfekt wie Boulez, aber zum kennen (und lieben) lernen ideal. Den Boulez sollte man sich später aber auch anhören.
Gruß, Leif.
Dr. Schön (20.12.2008, 18:57): Original von Leif Erikson Ich habe die Stravinsky Box auch. Die Eigendirigate erzeugen ein ungeahntes Vertrautheitsgefühl auch bei noch unbekannten Werken. Wenn andere Interpreten sozusagen eine waffenstarrende virtuose Festung bauen, wirken Stravinskys eigene Interpretationen wie ein Besuch bei ihm zu Hause also in einem verständniserleichternden Kontext, ja geradezu selbstverständlich.
Jetzte sind wir Off Topic. Aber ich habe die Box mittlerweile und sehe Strawinskys Dirigat genauso. Man hat gleich soviel Symphatie für den Mann und sein Werk. Hätte ich nicht unbedingt erwartet.
thwinter12 (27.12.2008, 22:23): Hallo allen,
könnte mir jemand von Euch daheim nachsehen, ob bei dieser Box...
Olivier Messiaen "The Works for Orchestra" Sylvain Cambreling u.a. 1999-2008 Hänssler 2008
...u.a. ein deutsches Booklet enthalten ist? Außerdem ob der Umfang des Booklets gegenüber den Einzelaufnahmen reduziert erscheint? :thanks
Servas, Thomas
Heike (23.09.2010, 20:36): @Einton: Messiaen: "La Transfiguration..." hören! Das hast du mir im Chöre-Ranking geschrieben. Nie davon gehört - kannst du ein paar Sätze dazu schreiben und mir eine Aufnahme vorschlagen, in die ich reinhören soll? Es klingt für mich interessant, schon deshalb, weil ich Messians Kammer- und Klaviermusik mag. Heike
EinTon (24.09.2010, 01:44): Also, ich hab ja die von Dorati (laut Edwin Baumgartner angeblich die beste), aber die gibts nur noch zu überteuerten Gebrauchtpreisen...
Ansonsten sollen Cambreling und de Leeuw auch sehr gut sein.
Es handelt sich um ein großes Oratorium für Chor, großes Orchester und 7 Instrumentalsolisten (Klavier, Xylorimba, Marimba, Vibraphon, Flöte, Klarinette, Cello) in 2 X 7 Abschnitten. Schon der Anfang mit einer ganzen Armada aus nacheinander angeschlagenen Gongs und Tamtams und anschließendem auf "atonal" (bzw. Messiaen-modal?) umgebogenen quasi-gregorianischem Gesang ist sehr beeindruckend! :)
Tip.: Auf youtube kann man auch reinhören, allerdings teilweise in schlechter Klangqualität...
Heike (24.09.2010, 19:15): Danke! Ich werde mich mal bei Dussmann umschauen ud reinhören. Heike
EinTon (24.09.2010, 20:32): Original von Heike Dussmann
Dussmann? ?(
Heike (24.09.2010, 20:38): Dussmann, das Berliner Kulturkaufhaus und bekannteste Medienkaufhaus Deutschlands :-) und ein Paradies zum reinhören (wenn nur nicht immer die Hintergrund-Musik so laut wäre) Heike
EinTon (24.09.2010, 20:48): Aachsoo - ich war ganz früher mal bei meinem ersten Berlinbesuch bei WOM (gibts das noch??), da habe ich mir meine erste Gentle-Giant-Platte gekauft... :wink
Heike (26.09.2010, 08:51): Nee, ich glaub WOM ist geschlossen :( Heike
Armin70 (22.11.2010, 08:01): Tipp: Heute Abend überträgt BR-Klassik von 19:05 - 21:00 Uhrvon Olivier Messiaen das Oratorium "La Transfiguration de Notre Seigneur Jesus-Christ".