Oper als 'Einstiegsdroge'

Falstaff (17.03.2018, 00:41):
Ich habe ein kleines Problem.

Regelmäßig treffe ich mich mit Freunden, zum, wie ich es nenne, 'Sinfonikertreffen'. Dort hören wir 'blind' Stücke der klassischen Musik ohne das uns das Werk oder der jeweilige Interpret vorher genannt werden. Wie allerdings die Bezeichnung dieses Treffens schon deutlich macht, handelt es sich v.a. um Freunde der Instrumentalmusik, v.a. der ab Beethoven bis in die direkte Gegenwart. Das Opernfähnchen halte eigentlich nur ich hoch.

Nun ergab es sich, das bei unserem letzten Treffen (ich präsentierte dabei u.a. das Finale 2. Akt 'Meistersinger') an mich der Wunsch heran getragen wurde, ich möchte doch einmal einen ganzen Abend gestalten und dabei eine gesamte Oper mit allen Hintergründen vorstellen, d.h. Entstehung, Quellen, Handlung, musikalischen Beispielen, Vergleichen etc.

Und hier nun mein Problem. Was nehme ich???? Einerseits will ich sie nicht abschrecken, andererseits auch nicht langweilen, sondern versuchen sie von Oper und Gesang zu begeistern. Die ganze Runde ist eben auch durchaus anspruchsvoll. Da gibt es literarisch Interessierte, einen Komponisten, einen Philosophen, einen Dirigenten, eine aktive Chorsängerin (allerdings nur Oratorien) und mich als Operndeppen. Natürlich habe ich Ideen, aber eigentlich schwanke ich ständig hin und her. Die 'Bohème' oder die 'Traviata' als Einstiegsdroge finde ich eigentlich hervorragend, aber ich befürchte, der musikalische Gehalt wird sie womöglich abschrecken. 'Fidelio', 'Elektra', 'Giovanni', 'Meistersinger' waren meine Favoriten. Wobei ich nun auch noch 'Faust Verdammnis' oder 'Cavalleria Rusticana' (das nächste Treffen findet am Wochenende nach Ostern statt) heranziehen würde.

Aber ich bin mir weiterhin absolut nicht sicher. Es soll packen und trotzdem alle 'Geschmäcker' (s.o.) befriedigen und letztlich will ich überzeugen und nicht abschrecken oder bestehende Vorurteile vertiefen.

Habt ihr noch irgendeine Idee? Fällt euch spontan etwas ein? Voraussetzung ist einfach: vielschichtige Handlung, anspruchsvolle Musik, mitreißend und süchtig machender Gesang. Nicht mehr, nicht weniger. ^^

Ich wäre für jeden Hinweis dankbar.

:hello Falstaff
Waldi (17.03.2018, 08:25):
Wenn das "Zielpublikum" so heterogen und seine Interessen so verschieden sind, dann würde ich eher mit einer Oper beginnen, die logisch nicht so leicht (oder gar nicht) zu entschlüsseln ist: "Die Zauberflöte". Natürlich spielt da meine subjektive Erfahrung herein. Mehr als Lortzing und Rossini, mit denen ich ältere Erfahrungen hatte, ist Mozart dafür verantwortlich, daß ich - dem Himmel Dank! - zum Opernnarren geworden bin.
Guenther (17.03.2018, 11:06):
Das ist eine sehr gute Frage!

Welche "klassische" Musik hört Ihr denn sonst so? Und: Soll auch der Entertainment-Teil nicht zu kurz kommen? Wie lang soll die Einführung sein, wie lang die Musik, wie lang die Nachbesprechung?

Eher komische Oper oder eher "Seria"? Eher Barock oder eher Klassik oder eher Romantik?

Ansonsten könnte ich neben der Zauberflöte als Einstieg auch sehr gut den Figaro (Mozart) empfehlen: Immerhin sind die Melodien bestens bekannt, so daß "repetita placent" zum Zuge kommen dürfte.
Cetay (inaktiv) (17.03.2018, 19:50):
Als bekennender Opernmuffel muss ich diejenige vorschlagen, die selbst bei mir immer wieder den Weg in die Lautsprecher findet: Bela Bartok; Herzog Blaubarts Burg. Die ist auch nicht so fürchterlich lang und die literarisch Interessierten und Philosophen dürften damit gut bedient sein.
Amonasro (17.03.2018, 23:29):
Wenn es der Meistersinger-Ausschnitt war, der das Interesse an der Oper hervorgerufen hat, wäre es doch naheliegend damit weiterzumachen.

Gruß Amonasro :hello
Falstaff (18.03.2018, 00:58):
Zunächst ganz herzlichen Dank für eure Tipps.

So wie ich die Gruppe kenne, wäre sogar der Bartok eine gute Wahl, weil dieser Komponist extrem gerne gehört wird. Allerdings (noch) nicht ganz so sehr von mir. :)

Ich hatte 5 Opern zu Auswahl gestellt. Elektra 2x, Fidelio 2x, Meistersinger 2x, Carmen 0x und Traviata 1x. Das half mir also auch nicht weiter. Deshalb tendiere ich zu einer völlig anderen Oper. Blaubart oder auch die Cavalleria wären schön kurz, Giovanni dagegen so unendlich reichhaltig, aber auch entsprechend länger.

Zum Glück habe ich noch drei Wochen Zeit. :D

:hello Falstaff
Sfantu (18.03.2018, 23:34):
Werter Sir John,

das klingt tatsächlich nach einer verzwickten Aufgabe...nur - allen recht machen wird man es eh nicht können. Deine Vorauswahl enthält mit Carmen & der Traviata immerhin Kandidatinnen, die mit Ohrwürmern aufwarten, die jeder kennt. Den Giovanni & die Meistersinger fände ich ebenfalls zu lang.

Könnte ein Werk unserer Zunge die Hürden niedrig halten? Dann führte mein erster Gedanke entweder zu Tiefland: eine packende Story im Gewand eines deutschen Verismo, nicht zu lang, mit einer Portion Symbolik & Naturphilosophie & einer klugen, wirkungsvollen Dramaturgie.

Oder tatsächlich zum Schreifritz. Aufgrund seiner aggressiv betriebenen Dauerpräsenz in unserem Forum ist man fast geneigt, Weber grundsätzlich zu meiden. Allein - die zu Dialog & Kritik unfähige Propaganda eines einzelnen sollte den posthum wehrlosen CMvW nicht per se in Misskredit bringen. Belangloses & Geniales kennzeichnen sein Gesamtwerk ebenso wie diese Oper selbst. Lässt man aber den etwas einfältigen Jungfernkranz-Chor oder den Ännchen-Part etwas im Hintergrund, dann treten hier doch so einige Trouvaillen zu Tage, die ich zu den einsamen Höhepunkten der Gattung rechne: den zündenden Viktoria-Chor, Maxens & Kaspars Arien & mit der Wolfsschlucht-Szene eine gute Viertelstunde pure Gänsehaut-Dramatik, die (Carlos Kleibers Aufnahme vorausgesetzt) für mich zu den Einsame-Insel-Momenten der
gesamten Operngeschichte zählt.

Soll es eher etwas Moderneres sein, zögere ich nicht, Peter Grimes zu empfehlen. Ein (vergleichsweise) Neutöner mit einem Stück, das packt & unter die Haut geht! An Jon Vickers in der Titelrolle (unter Colin Davis auf Philips) führt hier aus meiner Sicht nichts vorbei.

Wie auch immer du dich entscheidest - ich beneide dich um eine solche Runde an Enthusiasten, mit denen man so etwas gemeinsam erleben kann!!!
Falstaff (19.03.2018, 00:05):
Aufgrund seiner aggressiv betriebenen Dauerpräsenz in unserem Forum ist man fast geneigt, Weber grundsätzlich zu meiden.
:rofl :rofl :rofl

Lieber Sfantu, Tiefland ist ein wunderbarer Tipp. Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Werde ich mal verinnerlichen. ;)
Auch Peter Grimes ist nachdenkenswert, v.a. weil Britten in der Runde eigentlich immer gut ankommt. (Und bei mir sowieso.)

An den 'Schreifritz' hatte ich auch sofort gedacht. Eine Oper, die ich trotz des obigen Zitates weiterhin unendlich liebe. Erst gestern hörte ich die Janowitz aus der Kleiber-Aufnahme nochmal und dachte, wer da nicht zum Opern-Fan wird, dem ist auch nicht mehr zu helfen. ^^

Zudem gibt es neben Kleiber jun. ja auch noch den Senior, dann Keilberth und Furtwängler. Alles Dirigenten, die dort sehr anerkannt sind. Die Verstörung hielte sich also in Grenzen. :D

Oh je, oh je, ich merke, die Entscheidung wird nicht einfacher.

LG Falstaff
Sfantu (20.03.2018, 22:29):
Ich bitte um Entschuldigung für meine verbale Entgleisung. Das ist normalerweise nicht mein Stil.

LG, Sfantu
Hörbert (25.03.2018, 12:09):
Hallo!

Deine ursprüngliche (Vor-)Auswahl finde ich eigentlich gar nicht so schlecht, daraus würde ich die "Carmen" nehmen, eingängige temperamentvolle Musik, tolle Arien und leicht genug für Einsteiger.

Zu überlegen wäre allenfalls noch ob du nicht gleich den Video-Mitschnitt einer Aufführung präsentiertst da gerade für Opern-Anfänger die Musik ohne das Bild nur eine habe Sache darstellt und erstmal das Verständnis deutlich erschwert.

MFG Günther
Falstaff (27.03.2018, 00:17):
Lieber Günther,

die Carmen hatte ich damals vorgeschlagen, aber so richtig sprang niemand darauf an. Leider!!!

An DvD's hatte ich auch schon gedacht. Da meine Sammlung diesbezüglich aber mehr als überschaubar ist (ich schaue eigentlich nie Opern auf DvD), würde ich deshalb eher zum Giovanni tendieren. Den habe ich sogar 2x als Film. ^^

Natürlich ist er verdammt lang, bietet ja aber inhaltlich so unendlich viel Möglichkeiten.

Ansonsten kämen rein von den DvD's bei mir nur noch Rosenkavalier, Holländer oder Zar und Zimmermann in Betracht. Rosenkavalier hätte dann wiederum den Vorteil, dass ich auch das Hörbuch des reinen Textes habe. Aber ich kenne die Meinung der anderen zu Strauss jenseits von Elektra und Salome. ;(

LG Falstaff
Cetay (inaktiv) (29.03.2018, 16:03):
An den 'Schreifritz' hatte ich auch sofort gedacht. Eine Oper, die ich trotz des obigen Zitates weiterhin unendlich liebe. Erst gestern hörte ich die Janowitz aus der Kleiber-Aufnahme nochmal und dachte, wer da nicht zum Opern-Fan wird, dem ist auch nicht mehr zu helfen. ^^
Da es unwahrscheinlich ist, dass die Leitungen im Alter länger werden, liegt wahrscheinlich an den sich lösenden Verbindungen, jedenfalls habe ich eine ganze Weile gebraucht, bis ich geschnallt habe, was der Schreifritz ist. Ich lasse mir ja gerne helfen und so habe ich mir das gestern gegeben. Ich kann schon verstehen, warum es heißt, CMvW würde auf Wagner vorausweisen, nur ist das für mich überhaupt nichts positives - deshalb zuckte in den ersten Minuten der Finger mehrmals Richtung "Stop"-Icon. Als diese kritische Anfangsphase überwunden war, fand ich es eigentlich ganz unterhaltsam und bin bis zum Schluss dabeigeblieben. Zum Opern-Fan werde ich allerdings nicht, insofern bin ich wohl wirklich ein hoffnungsloser Fall. ^^
satie (29.03.2018, 23:16):
Willkommen im Club der hoffnungslosen Fälle! Ich bin genau so einer auch...
Falstaff (29.03.2018, 23:22):
Als diese kritische Anfangsphase überwunden war, fand ich es eigentlich ganz unterhaltsam und bin bis zum Schluss dabeigeblieben.
Na, es gibt Schlimmeres als den Schreifritz. :D

Gemeint war aber eigentlich nur die 2. Arie der Agathe mit der Janowitz. Da hättest du dir ordentlich 'was ersparen können. ;)

LG Falstaff
Falstaff (29.03.2018, 23:23):
Willkommen im Club der hoffnungslosen Fälle! Ich bin genau so einer auch...
Naja, für euch muss es auch ein Reservat geben. :D

LG Falstaff
Hörbert (30.03.2018, 09:03):
Hallo!


...würde ich deshalb eher zum Giovanni tendieren....


Hmm, M.E. wie viele Mozart Opern für Anfänger zu unübersichtlich und -denke ich mal-, auch zu "klassisch". Eine Oper wie "Carmen" hat für das ungeübtere Ohr die mitreißenderen Themen und ist gesanglich gesehen für ungeübte auch moderater.
....Holländer oder Zar und Zimmermann....


Auch hier finde ich das "Material" nicht unbedingt Opern-Newcomer geeignet.


Die letzte Antwort gibt natürlich immer das Experiment, aber ich habe gelernt hier sehr vorsichtig vorzugehen und biete eher Werke wie z.B. Peer Gynt von Werner Egk, eben Carmen oder auch Paul Hindemiths Cardillac an, -notfalls auch noch Carl Orffs Antigonae wobei letztere schon eher grenzwertiges "Material" darstellt.


Das Thema ist und bleibt schwierig und eine Patentlösung gibt es hier nicht aber wenn schon Wagner dann doch eher den Tristan odeer die Walküre.


Der Rosenkavalier kämme aus deiner Video-Vorauswahl für mich als einzige Oper in Betracht aber R. Strauß ist leider eine recht orpulente Sache die Anfängern möglicherweise nicht so recht liegt.


MFG Günther
Falstaff (02.04.2018, 01:31):
Lieber Günther, es ist schon toll, wie viele von euch sich Gedanken machen. Ganz großen Dank an euch alle.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob Mozart für die Runde zu 'klassisch' ist. Bis auf einen mögen ihn alle, halt nur jenseits der Oper. Grundsätzlich denke ich, dass man wohl nur zum Opern-aficionado wird, wenn es einen richtig im Bauch trifft. Von daher ist die 'Bohème' vielleicht die beste Einstiegsdroge. Allerdings sind die Mitglieder der Runde musikalisch recht anspruchsvoll. Und von daher will auch die intellektuelle Seite gefüttert werden.

An die Carmen hatte ich auch gedacht, sie auch als Vorschlag eingebracht. Allerdings traf dies auf keinerlei Gegenliebe, weshalb ich davon Abstand genommen habe.

'Peer Gynt' oder 'Cardillac' kenne ich selber viel zu wenig, hätte also Probleme sie überzeugend darzubieten. Zudem habe ich keine Aufnahmen davon.

'Tristan' ist natürlich auch bei mir immer wieder 1. Wahl. Da gehe ich nochmal in mich.

Der 'Rosenkavalier' hat traumhafte Stellen (die ich teilweise schon vorgestellt habe), aber dazwischen empfinde ich ihn selber als durchaus langatmig. Ich müsste ihn dann eher als 'Großen Querschnitt' präsentieren. Aber eigentlich denke ich, dass ich nach und nach bei den jeweiligen Treffen die anderen 'Highlights' separat vorstellen werde.

Der 'Giovanni' hat eben nicht nur die unglaubliche Musik, sondern auch die geradezu unauslotbare Figurenkonstellation, die auch ins Philosophische und Religiöse gehenden Deutungsmöglichkeiten. Er ist halt nur verdammt lang und vielleicht hat auch die Musik für diese Hörer nicht genug sinnliche Qualitäten. Da muss ich nochmal nachdenken. Ich hab ja noch bis Samstag Zeit. :)

LG Falstaff
palestrina (02.04.2018, 14:41):
Lieber Falstaff, meiner bescheidenen Meinung nach machst du dir das Leben der Auswahl viel zu schwer, auweia die sind so intellektuell da kann man das nicht bringen, ach und ein paar mögen keinen Mozart, der mag das nicht da kann ich das nicht bringen, der andere mag jenes nicht usw.!
Wenn sie mal ne Oper hören wollen dann gehe doch von dir aus, und suche aus was dir gefällt!
Meine erste Oper die ich in meinem damaligen Klassik Zirkel vorstellte und erklärte, die waren auch zu 90% keine Opernfreunde, war Glucks Orfeo ed Euridice in zwei verschiedenen Fassungen franz. u.ital. das hat unglaublich gut gefallen!

Aber du entscheidest ;) !
Du musst dich ja auch noch etwas vorbereiten! Oder!?

LG palestrina
Johann Sebastian Bach (02.04.2018, 17:25):
Mein Vorschlag: Mozart - "Zauberflöte", Serail" oder "Figaro" - da kann man nichts falsch machen.
palestrina (02.04.2018, 19:44):
Mein Vorschlag: Mozart - "Zauberflöte", Serail" oder "Figaro" - da kann man nichts falsch machen.
Oh doch, wenn man keinen Mozart mag! :D

LG palestrina
Johann Sebastian Bach (03.04.2018, 10:10):
Mein Vorschlag: Mozart - "Zauberflöte", Serail" oder "Figaro" - da kann man nichts falsch machen.
Oh doch, wenn man keinen Mozart mag! :D
LG palestrina
Wer Mozart nicht mag, für den ist eh keine Hoffnung mehr auf Erden ... :D
palestrina (03.04.2018, 10:18):
Mein Vorschlag: Mozart - "Zauberflöte", Serail" oder "Figaro" - da kann man nichts falsch machen.
Oh doch, wenn man keinen Mozart mag! :D LG palestrina
Wer Mozart nicht mag, für den ist eh keine Hoffnung mehr auf Erden ... :D
Hallo JSB, das würde ich aber so nicht sagen, bei dir, also beim J.S.Bach trifft das auf jedenfall zu :) gelle!
EinTon (04.04.2018, 00:37):
Grundsätzlich denke ich, dass man wohl nur zum Opern-aficionado wird, wenn es einen richtig im Bauch trifft.


Kleine Anmerkung: Wenn Du an gefällige, melodienselige, Arien etc. denkst (die scheinen mir speziell bei den Italienern des 19. Jahrhunderts recht präsent zu sein) , werden die nicht unbedingt jeden "in den Bauch treffen" sondern können - je nachdem wie dein Publikum so aufgestellt ist - auch Abneigung hervorrufen - ich zB mag diesen Stil (den ich zugegebenermaßen eher vom Querhören kenne) jedenfalls nicht besonders. Vom angeblich so schwer zugänglichen Tristan war ich hingegen sofort begeistert.
Amonasro (04.04.2018, 19:29):
Für welche Opern sich jemand begeistern kann wird man nur schwer voraussehen können. Dass es gleich um 4* Personen geht, macht es nicht einfacher. Am Sinnvollsten finde ich da palestrinas Vorschlag, eine deiner Lieblingsopern zu nehmen. Wenn man selbst von etwas überzeugt ist, kann man es auch besser verkaufen.

Anstatt einer langen Oper wie Don Giovanni oder Carmen (von Wagner ganz zu schweigen), könnte man natürlich auch zwei möglichst verschiedene Kurzopern nehmen.
An die Carmen hatte ich auch gedacht, sie auch als Vorschlag eingebracht. Allerdings traf dies auf keinerlei Gegenliebe, weshalb ich davon Abstand genommen habe
Warum wurde Carmen abgelehnt? Kennen die Beteiligten Carmen schon? Damit könnte man die Auswahl vielleicht etwas eingrenzen.

Gruß Amonasro :hello

* Hier habe ich mich verlesen, es geht anscheinend um mehr als 4 Personen.
Johann Sebastian Bach (04.04.2018, 19:58):
Für welche Opern sich jemand begeistern kann wird man nur schwer voraussehen können.
Ja und nein, denke ich, man will das Wort vom Kanon nicht in den Mund nehmen und das muss man auch nicht; aber es gibt doch einfach Opern, die entweder allen zumindest ein wenig gefallen und nur abgelehnt werden, wenn sie auf absolute Verächter treffen. Ich lasse mal die Barockoper außen vor, auch Wagner und Verdi oder Belcanto und Verismo und natürlich auch die Moderne; aber man kann mir nicht erzählen, dass Gluck, Mozart oder CMvWeber ernstlich abgelehnt würden. Wenn doch, so ist jede weitere Mission müßig.
Waldi (04.04.2018, 22:02):
Gluck ist sicher nicht jedermanns Sache, meine Frau mag Mozart nicht immer, Weber aber schon. Die Geschmäcker sind eben sehr verschieden. Da wir die Leute, die es zu gewinnen gilt , nicht kennen, tappen wir natürlich irgendwie im Nebel.
Man kann ja als Einstieg irgendeinen Ohrwurm versuchen. Und wenn der nicht ankommt, dann muß man eben etwas anderes probieren. "Try and error" ist nicht unbedingt die schlechteste Methode. Sie erfordert nur Geduld - vom Offerierenden ebenso wie von den Zuhörern. Lieber Falstaff, hupf einfach ins kalte Wasser! Vielleicht ist es gar nicht kalt!
Johann Sebastian Bach (04.04.2018, 22:26):
Ich denke, mit Schützens Dafne macht man vielleicht am Wenigsten falsch. 8)
Falstaff (05.04.2018, 01:15):
Ganz herzlichen Dank für all die tollen Ratschläge.

Es ist wirklich ein Sprung ins kalte Wasser. 8-10 völlig konträr hörende Klassikfans, die mit Oper nicht unbedingt viel am Hut haben. Der eine so, der andere so. Vom Dritten bis Zehnten ganz zu schweigen. ;)

Ich habe mich jetzt für eine meiner absoluten Lieblingsopern entschieden. Nicht unbedingt kurz, aber man kann ja auch die kürzere Fassung nehmen: Don Carlos.

Italienisches Melos, Inhalt mit vielen Ansatzpunkten zum Diskutieren, musikalisch interessanter bis anspruchsvoller und traumhaft schöne Stellen.

Und wem es nicht gefällt, der ist sowieso für die Oper verloren. :D

Mal sehe, wie es läuft. Ich werde auf jeden Fall berichten.

LG Falstaff
Johann Sebastian Bach (05.04.2018, 10:03):

Und wem es nicht gefällt, der ist sowieso für die Oper verloren. :D
Oh je, mit Verdi würde man mich verjagen und zwar für immer! :D
satie (05.04.2018, 10:38):
Und wem es nicht gefällt, der ist sowieso für die Oper verloren. :D
Oh je, mit Verdi würde man mich verjagen und zwar für immer! :D
Mir hat man es durchaus tatsächlich mit Verdi verdorben...ein Kindheitstrauma, irreparabel. Aber ich zähle als Nicht-Opernliebhaber ohnehin nicht... Es gab eine Zeit, da hatte ich durchaus öfters Opern gehört, und vielleicht ist ja daraus eher eine Empfehlung für Nicht-Opernhörer/Kenner abzuleiten. Die erste Oper, die mir gefallen hat, damals als ich so 12 oder 13 war, war "Hoffmanns Erzählungen", die ich immer noch für extrem eingängig halte. Dann "La Bohème", überhaupt: wenn schon so richtiges Opernschaumbad, dann Puccini, finde ich. Verismo hin oder her: das ist schmelzend ohne Ende. Meine Lieblinge sind allerdings bis heute - und da werden nun die Opernliebhaber wahrscheinlich versteinern, wenn sie sowas hören - die beiden kurzen Meisterwerke von Maurice Ravel, "Lènfant et les sortilèges" und v.a. "L`heure espagnole". Und dann gibt es da noch jenes Werk, welches die meisten eh nicht als Oper akzeptieren dürften: "Neither" von Morton Feldman.
Und wenn man sich gar nicht entscheiden kann: Europeras von Cage! Da sind etliche Opern drin...für jeden Geschmack etwas, allerdings gleichzeitig...
Johann Sebastian Bach (05.04.2018, 11:38):
Und wem es nicht gefällt, der ist sowieso für die Oper verloren. :D
Oh je, mit Verdi würde man mich verjagen und zwar für immer! :D
Mir hat man es durchaus tatsächlich mit Verdi verdorben...ein Kindheitstrauma, irreparabel.
Ich habe mich immer wieder gemüht, aber ich kann mit Verdi nichts anfangen und das liegt nicht daran, dass ich Wagner liebe. Der ganze Grundgestus, die Art der Musik; das alles stößt mich ab. Ich komme von Gluck, Mozart, Weber, Wagner, Debussy, Strauss, Korngold, Pfitzner her.
palestrina (05.04.2018, 14:35):
Da kann man nur drauf antworten, da haste was verpasst!! :haha

>Das alles stößt mich ab< Wie soll man das den verstehen, ich verstehe es nicht, ich kann sagen, ich mag diese Musik nicht, aber als abstoßend kenne ich keine Musik!

LG palestrina
Falstaff (06.04.2018, 23:03):
Da kann man nur drauf antworten, da haste was verpasst!!
In der Tat. Gibt's keinen Smiley für "in Ohnmacht fallen"? ^^

Aber Scherz beiseite. Ich bin ja nun quasi hemmungsloser Wagnerianer und auch Puccini liebe ich sehr (wunderbare Musik beim Bügeln :D ), um nur einmal die beiden wichtigsten mehr-oder-weniger-Zeitgenossen zu nennen, aber bei Verdi ist doch immer spürbar, nicht nur die Liebe zum Melos, sondern auch die Liebe zu den Figuren. Nie verrät er sie, quält sie oder macht sich über sie lustig, egal was für Abgründe sich in ihnen offenbaren. Er zeigt diese Tiefe im Menschen, aber er erhebt sich nie über die handelnde Personen. Und damit ist er für mich der menschlichste der wichtigen Opernkomponisten seiner Zeit.

Und jemand, der am Ende dieses Eintauchens in menschliche Abgründe noch einen 'Falstaff' zustande bringt, kann nicht ganz schlecht gewesen sein. ;)

:hello Falstaff
EinTon (06.04.2018, 23:31):
In der Tat. Gibt's keinen Smiley für "in Ohnmacht fallen"? ^^

Hier zB :-) :
Falstaff (06.04.2018, 23:50):
Also, ich finde ihn in meiner Liste nicht. Aber ich würde ihn sofort verdoppeln. ^^
Sfantu (07.04.2018, 00:02):
Werter Sir John,

wenn nicht schon heute, so steigen, denke ich, spätestens morgen (Samstag) Abend Deine/eure Stunden der Wahrheit. Solltest Du immer noch schwanken & für exogene Geistesblitze empfänglich sein, so sei Dir Verdis "Ballo in Maschera" ans Herz gelegt. In diesem Werk konzentrieren sich für mich wie in einem Brennspiegel alle Kern-Qualitäten Verdis: eine packende Story, elektrisierende Themen & Rhythmen, dazu der auf Verknappung & Engführung setzende mittlere Verdi...unwiderstehlich!!!

Wie auch immer - ich denke für uns alle zu sprechen, wenn ich unvergessliche Stunden wünsche & um ausführliche (& aussagekräftige) Schilderung dieses Abends bitte...

:hello Sfantu
Johann Sebastian Bach (07.04.2018, 08:14):
Also mir wird bei Verdi geradezu körperlich schlecht. Welche Oper auch immer, diese Art der musikalischen Affekte, der Melosfärbung und besonders der Rhythmik macht mich ganz meschugge. Und das war schon immer so.
Amonasro (07.04.2018, 14:25):
In diesem Werk konzentrieren sich für mich wie in einem Brennspiegel alle Kern-Qualitäten Verdis: eine packende Story, elektrisierende Themen & Rhythmen, dazu der auf Verknappung & Engführung setzende mittlere Verdi...unwiderstehlich!!!
Nicht zu vergessen die für Verdi einzigartige Vermischung von komischen und ernsten Elementen. Anders als bei Verdis anderem Versuch in diese Richtung (forza) findet komisches und tragisches nicht nacheinander, sondern geichzeitig statt, besonders wirkungsvoll in Riccardos È scherzo od è follia.

Aber Don Carlos ist sicher eine ebenso gute Wahl.

Gruß Amonasro :hello
Falstaff (08.04.2018, 03:16):
So, der Abend ist gelaufen und ich hätte so gerne berichtet. Aber leider war die Runde diesmal auf drei Teilnehmer zusammengeschrumpft, Krankheiten, berufliche Verpflichtungen etc, so dass wir die ganze Sache auf den nächsten Termin verschoben haben. Stattdessen gab es Beethoven, Sibelius, Hindemith und Hartmann. :D

Also wohl noch drei Wochen Zeit. Aber der 'Carlos' steht eigentlich fest. Obwohl mich der 'Ballo' auch durchaus reizt. Nein, nein, es bleibt beim 'Carlos'.

:hello Falstaff
Johann Sebastian Bach (08.04.2018, 18:09):
Beethoven, Sibelius, Hindemith und Hartmann
Und was jeweils? Besonders von den beiden letzteren, zwei Lieblingen von mir.
EinTon (08.04.2018, 21:19):
Also, ich finde ihn in meiner Liste nicht. Aber ich würde ihn sofort verdoppeln. ^^
Der Smilie (auf den beziehst Du Dich doch?) ist von "extern", aber vielleicht kann Satie ihn ja einbinden.

Adresse: https://www.smiliesuche.de/smileys/ohnmacht/ohnmacht-smilies-0001.gif ^^
Falstaff (08.04.2018, 21:56):
Und was jeweils? Besonders von den beiden letzteren, zwei Lieblingen von mir.
Wir mussten ja alle improvisieren, da das eigentliche Vorhaben ja noch nicht stattfand.
Es begann mit dem 3. KK von Beethoven (Rubinstein/Toscanini), dann erneut Beethoven mit dem ursprünglich für die Waldstein-Sonate vorgesehenen langsamen Satz (Pletnev), dann Hindemith mit Ausschnitten aus 'Mathis' (Hermann, Rossmanith unter Albrecht), Hartmann 1. Sinfonie (Procter, Bour) und von Sibelius das VK unter Kamu mit Miriam Fried. Und dann musst ich leider los. :)

LG Falstaff
Johann Sebastian Bach (09.04.2018, 10:04):
Danke dir, sehr viele unterschiedliche Sachen; für einen Abend reichlich, um alles zu verarbeiten.
Falstaff (04.06.2018, 00:07):
Gestern nun war es endlich so weit. Die Runde war fast vollständig besucht und ich fing an, den 'Carlos' vorzustellen. Immerhin habe ich Akt I bis III geschafft. Das Stück ist doch verdammt lang. Ich hätte wohl doch lieber eine kürzere Oper nehmen sollen.

Musikalisch finde ich ja, dass nach in Akt IV vor allem, aber auch im V. dann die Highlights kommen. Von daher kann ich über die Wirkung dieser Musik noch nichts sagen. Das kommt erst, höchstwahrscheinlich, in drei Wochen.

Insgesamt war es jetzt nicht der Brüller. Opernferne Menschen durch solch eine Vorstellung zu überzeugen ist wohl doch ziemlich ausgeschlossen. Lag vielleicht auch an meiner Art der Vorstellung. Ich hab halt einiges über die Komposition und ihre Entstehung erzählt, einiges über den historischen Hintergrund und ganz viel zur Musik und die eben auch gespielt. Das kam durchaus an, aber 'hin und weg' waren sie nun nicht. Erst der III.Akt, 1. Bild (Gartenszene) fing dann an, sie zu begeistern.

Aber vielleicht hatte ich auch zu viel erwartet. Wenn Leute eigentlich so gar nichts mit Operngesang am Hut haben, kann sie vielleicht nur ein packendes Live-Erlebnis bekehren. Alles andere bleibt eine Krücke.

Aber mal sehen, wie die letzten beiden Akte ankommen. Ich denke ja nach wie vor, wer als Musikinteressierter bei der großen Philipp-Arie oder der der Elisabetta, gesungen von der Callas 1958 nicht 'dahinschmelzt', bei der fundamentalen Menschlichkeit, die sich darin ausdrückt, der ist für Oper schlichtweg verloren. :S

Benutzt habe ich übrigens Santini (2. Aufnahme), Giulini (Studio) und HvK (live in Salzburg). Dazu noch Carreras und Alain Vanzo als Vergleich.

:hello Falstaff
Dr.CI (22.03.2019, 20:19):
Hallo!
Ich bin neu hier. Meine Geliebte hat mich relativ rezent in die Opernwelt eingeführt. Richtig um mich geschehen ist es aber mit Richie Wagners Tannhäuser. Ich/wir hören die gesamte Oper seit Monaten mindestens 1x pro Woche haha. Also ich würde dieses Meisterwerk wärmstens als Einstiegsdroge empfehlen! :)

TOLLES Forum auf den ersten Blick!

Freut mich.

Bis bald!
Christian
satie (22.03.2019, 20:24):
Hallo Christian und willkommen im Forum!
Freue mich auf interessante Beiträge!

Herzliche Grüße
Satie
Guenther (23.03.2019, 09:40):
Hallo Dr. Christian,

welcome to the Club! :)

Hallo!
Ich bin neu hier. Meine Geliebte hat mich relativ rezent in die Opernwelt eingeführt. Richtig um mich geschehen ist es
"Rezent" oder "dezent"?
;)