Opernperlen - Momente, die ich einfach liebe

Falstaff (11.04.2017, 00:16):
Dieser Thread soll den Momenten der Oper gewidmet sein, die uns alle faszinieren, die wir lieben, die uns immer wieder berauschen. Jenseits von bestimmten Arien, Duetten, Ensembles. Und es soll auch egal sein, ob es bestimmte sängerische Konstellationen sind oder schlichtweg die Komposition. Postet halt, was ihr liebt.

Ich fange einfach einmal hiermit an:

https://www.youtube.com/watch?v=ZAmjNRWHUGU

Das Rigoletto-Quartett hier aus der Live-Aufnahme mit di Stefano, Callas, Campolinghi, Garcia.

Ich liebe einfach, wie di Stefano hier das Quartett anführt, den Klang seiner Stimme, dieses Singen 'con passione'.

:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 00:23):


https://www.youtube.com/watch?v=djW70KJHMhg

Hier findet man die Schüchter/Schwarzkopf-Arie aus der 'Toten Stadt' von 1952. Eine Aufnahme, die mich immer wieder süchtig macht. Eine Arie für mich immer irgendwie hart am Kitsch vorbei. Oder man singt es halt so wie die Schwarzkopf.

Yehudin Menuhin sagte einmal: 'Es gibt keine Grenze zwischen Süße und Sentimentalität. Man darf sie nur nicht überschreiten.' Und genau auf diesem Grad bewegen sich das Stück und die Schwarzkopf. Aber sie überschreiten die Grenze halt nicht.

:hello Falstaff
Hosenrolle1 (11.04.2017, 00:26):
Jenseits von bestimmten Arien, Duetten, Ensembles.
Das Rigoletto-Quartett hier (...)
Hier findet man die Schüchter/Schwarzkopf-Arie (...)

Wie passt das zusammen? Worum soll es genau gehen? Um gute Opernaufnahmen oder Operngesang?



LG,
Hosenrolle1
Falstaff (11.04.2017, 00:30):
'Mir ist so wunderbar' Das Quartett aus dem Fidelio. Es rührt mich immer wieder zu Tränen, wie alle ihre Träume entfalten. Aneinander vorbei und doch auf wunderbare Weise ineinander verwoben.



https://www.youtube.com/watch?v=A0XmInHfkwk

:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 00:32):
Wie passt das zusammen? Worum soll es genau gehen? Um gute Opernaufnahmen oder Operngesang?
Um das, was ich oben geschrieben habe:

Und es soll auch egal sein, ob es bestimmte sängerische Konstellationen sind oder schlichtweg die Komposition. Postet halt, was ihr liebt.
Es geht hier um all das, was in anderen Threads nicht unbedingt Beachtung findet, finden kann, unabhängig von der Interpretation oder der Komposition. Halt ein wirklicher Gemischtwarenhandel.

LG Falstaff
Hosenrolle1 (11.04.2017, 00:35):
Du hast aber "JENSEITS von bestimmten Arien" etc. geschrieben. Deswegen meine Verwunderung.


LG,
Hosenrolle1
Falstaff (11.04.2017, 00:44):
Du hast aber "JENSEITS von bestimmten Arien" etc. geschrieben. Deswegen meine Verwunderung.
Damit wollte ich nur deutlich machen, dass es nicht um eine bestimmte Arie geht, die wir auch im '.... - und ihre Interpreten'-Thread abhandeln können. Sorry für das unklare Ausdrücken.

LG Falstaff
Hosenrolle1 (11.04.2017, 00:48):
Alles klar.

Ich war auch irritiert, weil im Titel ja "Momente" steht, und ich dachte, vielleicht soll es um bestimmte Ereignisse gehen, a la "Ich war im Jahr XY in der Oper, da ist was lustiges passiert während einer Aufführung" oder so.


LG,
Hosenrolle1
Falstaff (11.04.2017, 00:51):
Ich war auch irritiert, weil im Titel ja "Momente" steht, und ich dachte, vielleicht soll es um bestimmte Ereignisse gehen, a la "Ich war im Jahr XY in der Oper, da ist was lustiges passiert während einer Aufführung" oder so.
Momente, die uns berühren/berührt haben. Das kann ja auch live gewesen sein. Wie gesagt - Gemischtwarenladen.

LG Falstaff
palestrina (11.04.2017, 00:53):
Das schönste Liebesduett das bisher zu meinen Ohren drang ! :saint:



Les Troyens: ♡Nuits d'ivresse et d'extase♡, mit der gloriosen Musik von Berlioz, hier eine wunderschöne Interpretation mit Alagna/Georghiu, als sie noch glücklich waren. ;)

LG palestrina
Falstaff (11.04.2017, 00:56):


Markes Klage in der Version von Alexander Kipnis. Leider finde ich keinen Ausschnitt davon auf YouTube. Aber das ist solch ein Moment, der so viel über einen selber erzählt, über all die Verzweiflungen, die einen immer wieder heimsuchen.

:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 01:05):
Das schönste Liebesduett das bisher zu meinen Ohren drang !
Zwei Dinge fallen mir dazu ein. Einerseits: Schluchz!/Gott, ist das schön! und andererseits: Ich muss mich mehr mit Berlioz beschäftigen. :)

LG Falstaff
Hosenrolle1 (11.04.2017, 01:09):
Ich muss mich mehr mit Berlioz beschäftigen.
Dazu eine gute Lektüre, geschrieben von Berlioz: https://archive.org/details/instrumentations01berl
Sehr aufschlussreich!


LG,
Hosenrolle1
Falstaff (11.04.2017, 01:18):


Schwarzkopf als Arabella. Da komme ich nur in's Schwärmen. Auch eine der Opern, die vielleicht nicht größte Kunst sind, aber die in den richtigen Händen mich völlig entrücken. Und gerade dieser Ausschnitt:

https://www.youtube.com/watch?v=fmUi5LpKtfg

:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 01:21):
Dazu eine gute Lektüre, geschrieben von Berlioz: archive.org/details/instrumentations01berl
Sehr aufschlussreich!
Danke für den Tipp. Aber ich befürchte, das ist zu hoch für mich bzgl. des Musiktechnischen. :)

LG Falstaff
Hosenrolle1 (11.04.2017, 01:28):
Naja, das technische zu den Instrumenten braucht man nicht wirklich, aber speziell über die Verwendung der Instrumente gibt es sehr aufschlussreiche Dinge, die da gesagt werden. Aber es spricht ja nichts dagegen, sich auch in dieser Richtung zu informieren. Hat nicht Schumann gesagt "Es ist des Lernens kein Ende"?

Wenn man das liest, hört man Musik auf jeden Fall einmal anders. (Die Musik natürlich, nicht den Gesang ;) )



LG,
Hosenrolle1
satie (11.04.2017, 09:36):

(Die Musik natürlich, nicht den Gesang )
Wobei der Gesang doch auch zur Musik gehört, oder?
Cavaradossi (11.04.2017, 12:06):
Das schönste Freundschaftsduett, das mir je zu Ohren gekommen ist, ein "Ohrwurm der Extraklasse", zumal in dieser einmaligen Kombination:

das Duett Nadir/Zurga aus Bizets "Die Perlenfischer" mit
Jussi Björling (Tenor) und Robert Merrill (Bariton), in einer Aufnahme vom Januar 1951.
Hosenrolle1 (11.04.2017, 13:10):
Wobei der Gesang doch auch zur Musik gehört, oder?
Ich schrieb ja vor dem Zitat, dass man die Musik nach der Lektüre des Buches anders hören wird. Da es in der Instrumentationslehre eigentlich nur um Musikinstrumente (also gebaute, aus Holz, Messing, etc.) geht, bezieht sich das natürlich auch nur darauf.


LG,
Hosenrolle1
Guenther (11.04.2017, 14:38):
Wenn es um die (wahre) Liebe geht, egal in welcher Form, ist Wolfgang Amadè mein persönlicher Favorit.

Kribbeln im Bauch rufen bei mir diese Opern-Stücke hervor (in der Reihenfolge ihrer Entstehung):

- Traurigkeit ward mir zum Lose (Entführung; Konstanze)
- Hör mein Flehn, o Gott der Liebe (Figaro; Gräfin)
- Il cuore vi dono (Cosi fan tutte; Guglielmo)
- Batti, batti, o bel Masetto (Don Giovanni; Zerlina)
- Ah, perdona al primo affetto (Titus; Annius und Servilia)
- Pa-pa-pa (Zauberflöte; Papageno und Papagena)

Natürlich ohne jeden Anspruch auf auch nur annähernde Vollständigkeit... (verzeih, Amadè, hab bestimmt vieles vergessen zu erwähnen).
:)
Hosenrolle1 (11.04.2017, 18:08):
Wenn es um die (wahre) Liebe geht, egal in welcher Form, ist Wolfgang Amadè mein persönlicher Favorit.
Kann ich gut nachvollziehen :)
Was gefällt dir persönlich dabei am meisten? Die Instrumentierung? Die Melodien? Die Vielschichtigkeit in der Musik?



LG,
Hosenrolle1
Falstaff (11.04.2017, 21:51):
Gänsehaut pur (wie Dieter Bohlen sagen würde :D ) bedeutet auch immer das Carlo-Posa-Duett für mich. V.a. in der Version mit Flaviano Labò und Ettore Bastianini.



:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 22:22):
Tannhäuser, Finale II. Akt. Max Lorenz und sein verzweifeltes 'Erbarm dich mein'.



:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 22:28):


Der berühmte Schrei der Rysanek. Gott, wie hat sie diesen Moment für mich verdorben. Immer will ich ihn hören und auch wieder nicht. Wäre ja doch nur 'ne blasse Kopie. :)

:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 22:39):


Di Stefanos 'È lucevan le stelle' aus der '52iger Aufnahme. Welch ein vokaler Reichtum, welch eine Pianokultur, welch ein Ausdruck! Schmerzvoll schön. Und mit recht gibt es ein 'bis'.

:hello Falstaff
Falstaff (11.04.2017, 22:58):


Unter all den Kostbarkeiten in dieser Aufnahme hier nur zwei davon. Schwarzkopf, wenn sie zickig wie nur irgendwas als Primadonna 'Abstand? Hahaha - eine Welt hoffe ich...' von sich gibt und dann die Seefried und ihr 'Musik ist eine heilige Kunst'.

:hello Falstaff
Guenther (12.04.2017, 10:32):
@Hosenrolle1

Was gefällt dir persönlich dabei am meisten? Die Instrumentierung? Die Melodien? Die Vielschichtigkeit in der Musik?

Ja, genau. Das Klangbild, das sich ergibt (auch mit "Non-period"-Instrumenten).

Ein großartige Interpretation z.B. von "Ah perdona", die ergreift:

https://www.youtube.com/watch?v=NaX__C3Bn_w
Hosenrolle1 (12.04.2017, 10:43):
Ach, mich hätte deine Meinung in Worten mehr interessiert als ein Video :)



LG,
Hosenrolle1
Falstaff (13.04.2017, 00:35):
Eine Stelle, die mich immer wieder tief erschüttert, ist die Begegnung zwischen Elektra und Orest, v.a. ab 'Nein, du sollst mich nicht umarmen...'. Dieser Moment, in dem man sich plötzlich mit all seinen Verwundungen selber erkennt.

Die grandioseste Ausführung dieser Szene, die ich kenne, ist die mit Christa Ludwig und Walter Berry unter Heinrich Hollreiser.



Natürlich hatte die Ludwig nicht das sängerische Potential für eine gesamte Elektra. Dafür besaß sie aber, anders als die gängigen hochdramatischen Elektras die lyrischen Qualitäten, die Ausdrucksfähigkeit und auch die Wärme in der Stimme für diesen speziellen Moment.

:hello Falstaff
Cavaradossi (13.04.2017, 11:38):
Gänsehaut pur (wie Dieter Bohlen sagen würde ) bedeutet auch immer das Carlo-Posa-Duett für mich. V.a. in der Version mit Flaviano Labò und Ettore Bastianini.
Lieber Falstaff,

die Santini-GA habe ich auch und schätze sie sehr, besonders Cossotto, Bastianini (in meinen Ohren der beste Posa überhaupt) und natürlich Boris Christoff.
Für mich ist allerdings Flaviano Labò der größte Schwachpunkt der Aufnahme. Immer wieder sehne ich mir Carlo Bergonzi herbei, der bei Solti in Fischer-Dieskau leider keinen idealen Posa zur Seite hatte. Für mich ist Labò immer zu laut, und mit seinem Timbre kann ich auch nicht warm werden. Deshalb interessiert es mich sehr, was Du an ihm besonders magst.
Auf Tonträger ist er ja sonst recht selten zu hören (es sei denn in Mitschnitten, da bin ich nicht so auf dem laufenden).
LG :hello Cavaradossi
Guenther (13.04.2017, 13:41):
@Hosenrolle1

Ach, mich hätte deine Meinung in Worten mehr interessiert als ein Video :)

Naja, was soll ich da sagen... Wie drückt man aus, warum einem eine Melodie, eine Harmonie gefällt?

Ich könnte nun viel schwadronieren über die parallel laufenden Terzen, Sexten, die Sextsprünge, die verwendeten einfachen Melodieverläufe oder die verwendeten Harmonien. Aber was würde Dir das bringen?

Ich denke, wer das obige Video genossen hat, weiß, was ich meine (oder eben nicht).

Und eine Stelle habe ich noch vergessen, die mir gerade einfiel:

Contessa, perdono! (Figaro)

Einfacher geht es kaum, aber die Wirkung ist durchschlagend!
Hosenrolle1 (13.04.2017, 14:15):
Ich könnte nun viel schwadronieren über die parallel laufenden Terzen, Sexten, die Sextsprünge, die verwendeten einfachen Melodieverläufe oder die verwendeten Harmonien. Aber was würde Dir das bringen?
Mehr als das übliche Kritikerdeutsch, das man so oft liest. ("Herrlich, himmlisch, nicht von dieser Welt, berückend", etc.) :)

Für mich ist das auch kein schwadronieren, denn so kann man noch besser nachvollziehen, was einem gefällt. Manchen sind die Sexten (die Brahms oft benutzt hat und besonders schön klingen!) ziemlich egal, anderen wieder nicht. So erfahre ich gleich dazu, was dir als Hörer genau gefällt, und gleichzeitig gibt´s ein bisschen eine musikalische Beschreibung nebenher.

Und im Gegensatz zu mir bist du ja in der Lage dazu, du KANNST es ja. ;)
Ich liefere auch immer gerne RZ-Angaben und Taktzahlen mit, damit man genau weiß, welche Stellen ich meine, damit es nachprüfbar bleibt.

Was mich nur wundert ist, dass du als Beispiel für (wahre?) Liebe "Contessa, perdono" anführst. Über das Stück gibt es ja Diskussionen, ob Mozart in der Musik nicht ausdrückt, dass dieses perdono nicht ganz ernst gemeint ist, oder keine Gültigkeit hat, und wie wir aus dem weiteren Verlauf der Figaro Geschichte sehen, WIRD er sie wieder betrügen, und sie ihn. Eine einfühlsam vorgebrachte Entschuldigung von jemandem, der "Jagd" auf Jungfrauen macht. Ich würde da nicht von Liebe sprechen ^^



LG,
Hosenrolle1
Guenther (13.04.2017, 20:54):
Dir Gräfin liebt ihn natürlich, nicht (unbedingt) umgekehrt...
;)


Die Antwort ist nämlich:

Più docile io sono,
e dico di sì.


Denk daran, was sie am Anfang des zweiten Aktes singt:

Porgi, amor, qualche ristoro
al mio duolo, a' miei sospir.
O mi rendi il mio tesoro,
o mi lascia almen morir.

(Dritte Zeile! Ich glaube nicht, daß es da nur um Unterhaltszahlungen geht...)

Die von Dir angeführte Sichtweise kenne ich (Harnoncourt, richtig?). Ich teile sie in bezug auf die Contessa nicht.
Den weiteren Verlauf kannte Mozart ja nicht...
Hosenrolle1 (13.04.2017, 21:18):
Die von Dir angeführte Sichtweise kenne ich (Harnoncourt, richtig?).
Nein, das ist meine eigene. Harnoncourt hat in Bezug auf die Figuren, überhaupt auf diese Oper eine andere Meinung, die ich überhaupt nicht teile.

Ich weiß nicht ob es in diesem oder einem anderen Forum war, da wurde über die Musik während dem "Contessa perdono" diskutiert, über bestimmte Motive oder irgendwelche Noten, die irgendwas zu bedeuten hatten. Genau weiß ich es leider nicht mehr.

Ich meine, schau dir den Grafen einmal an. Geht zu allen möglichen Mädchen und Frauen, nützt da seine Macht aus, eigentlich ein Vergewaltiger - und wenn er am Ende blamiert wird, jammert er "Tut mir leid". Das kann ich nicht ernstnehmen, und ich kann mir vorstellen, dass auch Mozarts Musik hier mehr über die Charaktere sagt als diese selbst es tun.

Für mich sind die Figuren aber sowieso allesamt (vielleicht mit Ausnahme von Barbarina und eventuell Cherubino) intrigante Unsympathler. Das Original von Beaumarchais war ja auch GEGEN diese Leute gerichtet, er wollte sie vorführen, und keine lustige Romanze erzählen, wo sich alle am Ende wieder liebhaben. Entsprechende Zitate von ihm habe ich ja schon mal gebracht.

Du hast natürlich Recht, dass Mozart den dritten Teil nicht kannte, und vielleicht wollte er das Stück tatsächlich nicht politisch sein lassen (die Zensur spielt ja auch eine Rolle). Harnoncourt meint auch, dass Mozart wohl kein besonders politischer Mensch war, dass etwa die franz. Revolution, die er erlebt hat, in seinen Briefen nirgends erwähnt wird.
Aber zumindest ein bisschen Kritik ist da schon drin, meine ich.

Wenn die Gräfin so einen Typen ernsthaft lieben sollte, dann sagt das auch etwas über sie aus. "Du treibst es mit allen möglichen Mädchen, notfalls mit Gewalt, ich liebe dich".
Aber im dritten Teil betrügt sie ihn sowieso ebenfalls, die beiden leben da ein bürgerliches Leben, und auch bei Susanna und Figaro ist der graue Alltag eingekehrt, keine große Liebe mehr. Das rück das "Contessa perdono" und den großen Jubel am Ende der Oper schon in ein anderes Licht ^^


Wenn nicht, dann halte ich das für eine Schwäche dieser Oper, denn die ursprüngliche Absicht war eine andere. Liebesgeschichten und Komödien gab es genug.



LG,
Hosenrolle1
Falstaff (14.04.2017, 03:55):
Für mich ist Labò immer zu laut, und mit seinem Timbre kann ich auch nicht warm werden. Deshalb interessiert es mich sehr, was Du an ihm besonders magst.
Lieber Cavaradossi, das mit dem Timbre ist natürlich oftmals schwer zu erklären. Halt die Sache mit der Geschmacksfrage.

Aber, anders als Bergonzi, nehme ich ihm sofort den jugendlich-schwärmerischen, den idealistischen Helden ab. Ich liebe in dieser Partie einfach die geradlinigen, klaren und durchaus auch strahlenden Stimmen.

LG Falstaff
Guenther (14.04.2017, 11:30):
@Hosenrolle1

Ja, irgendwoher kam mir diese Ansicht bekannt vor. Allerdings sprichst Du ja immer vom Grafen, ich dagegen von der Gräfin. Ich kann beim allerbesten Willen in Mozarts Figaro kein Anzeichen erkennen, daß die Gräfin eine potentielle Fremdgeherin ist.

Beim Grafen wird hier natürlich auf das "Recht der ersten Nacht" verwiesen, sofern es das je gegeben hat bzw. in dieser Zeit noch eine Bedeutung hatte.

Selbstverständlich ist diese Oper brisant, und wenn es nicht Kaiser Joseph gewesen wäre, hätte man wohl an eine Komposition gar nicht erst zu denken gewagt...

Und selbstverständlich ist Mozart auch durch die Aufklärung beeinflußt und damit auch politisch. In Schriftstücken, auch Briefen, mußte man allerdings bisweilen aufpassen, denn die Zensurbehörden - durch die Vorgänge in Paris aufgeschreckt - konnten durchaus auch mal Briefe öffnen. Das Nachlaßverzeichnis von Mozart enthält z.B. "gefährliche" Buchtitel nicht. Zu der Zeit war eine Reaktion in vollem Gange. Nur als Beispiel: Van Swietens Absetzung als Präses der Studien- und Bücherzensur-Hofkommission an Mozarts Todestag zeigt, daß hier leitende Staatsbeamte, deren Verbindungen zu Illuminaten und Aufklärern man kannte, kaltgestellt wurden. Zumindest wurde es versucht. Leopold war aus anderem Holz geschnitzt.

Das Ius primae noctis im Figaro ist m.E. eine hochpolitische Anspielung auf Standesunterschiede. Es geht hier nicht nur um kleine Eifersüchteleien zwischen bürgerlichen Ehepaaren...

Mit der Gräfin wird in der Oper ein Gegenpol geschaffen. Ohne weiteres verbündet sie sich mit Menschen des Dienervolkes, um sich ihren Gatten "wiederzuholen". Sie hat keine Berührungsängste. Man höre hierzu einmal das berühmte Brief-Duett zwischen Gräfin und Susanna: Hier gibt es keine Standesunterschiede, beide singen das gleiche, beide verfolgen das gleiche Ziel.

Ein Bezug auf spätere Interpretationen des Sujets ist natürlich unsinnig, insofern kann hier auch keine Schwäche der Oper existieren.

Und welche "andere Absicht" soll denn dahintergesteckt haben?
Hosenrolle1 (14.04.2017, 12:36):
Ja, irgendwoher kam mir diese Ansicht bekannt vor.
Im Gegensatz zu mir interessiert sich Harnoncourt für alle Figuren in dieser Oper und sieht in ihnen nichts wirklich schlechtes, wenn ich ihn richtig verstanden habe. (Das einzige, wo ich seiner Meinung bin, ist das mit den historischen Instrumenten. Ansonsten sehe ich da keine Gemeinsamkeiten).

Ich habe dir übrigens mein Posting rausgesucht, wo ich mehr darauf eingehe: HIER und HIER.

Und HIER habe ich noch ein Posting mit Harnoncourts Aussagen zu diesem Stück.

(Vielleicht magst du dort auch eine Antwort schreiben? :) )


Ich kann beim allerbesten Willen in Mozarts Figaro kein Anzeichen erkennen, daß die Gräfin eine potentielle Fremdgeherin ist.
Das ist schwierig ... viele meinen ja, dass die Gräfin in dieser Oper schon von Cherubino irgendwie angetan ist. Sehr viele Opernregisseure inszenieren das so, und sogar Joachim Kaiser schreibt, leider ohne eine genauere Begründung dafür, dieses:
Und es schmeichelt ihr, hilft ihr wohl ein wenig im seelischen Leid, dass der junge Page Cherubino so für sie schwärmt. Ein Jammer, wie zurückhaltend er bleibt. Susannas Flirten mit dem jungen macht sie durchaus eifersüchtig ...
und Cherubino sei
(...) schlechthin so liebenswert, dass Barbarina bittet, der Graf möge ihr Cherubino zum Manne geben, dass die Gräfin sich seine schwärmerischen Zärtlichkeiten nur zu bereitwillig gefallen lässt, ihm die Tränen trocknend, und dass Susanna, ein wenig eifersüchtig, wohlgefällig an dem Jüngling herumnestelt (...)
Ich bin da aber sehr skeptisch; bis jetzt habe ich noch keine überzeugende Erklärung dafür gelesen.
Aber möglich wäre es, dass Mozart zumindest zeigt, dass die Gräfin anderen Dingen nicht 100%ig abgeneigt ist, dass sie vielleicht in dieser Oper treu ist, aber dennoch ins Wanken geraten KANN, auch wenn sie es hier nicht tut. (Bitte um Gegenbeweise!)

Kaiser schreibt auch, was im dritten Teil passiert ist, wie Cherubino verbannt wird und am Schlachtfeld stirbt, und:
Von alledem wußten Da Ponte und Mozart nichts. Aber bei ihnen begegnen wir Cherubino so feurig, vielgestaltig und trotz aller Eindeutigkeit so erfüllt von unendlichem Sehnen, daß selbst dieses empfindsam-kolportagehafte Schuld- und Liebestod-Ende der Beziehung Gräfin/Cherubino nicht ganz unerahnbar ist.
Auch hier wieder eine bloße Aussage ohne den Versuch irgendeines Beleges.
Was ich umso ärgerlicher finde, weil Kaiser an anderer Stelle genauer hinschaut, wenn er etwa Cherubinos "Voi che sapete" beschreibt, wie hier:
Eine "Sehnsucht" ("un desio"), "die ich nicht erklären kann", zwingt den jungen Mann, so verrät es der Mittelteil seiner Allegro-vivace-Arie aus dem ersten Akt, von Liebe zu reden, und zwar im Wachen und im Träumen. Viermal nacheinander folgt das "un desio". Zuerst (wir sind in B-Dur) als kleine Terz, in schmerzlichem Moll, darauf als große Sext in aufleuchtendem Dur (höher als bis zu diesem G wird die Stimme im Verlauf der Arie nicht geführt). Danach wieder als kleine Mollterz, synkopisch geschärft, und dann noch einmal als große Sext.
Warum deutet er nicht auf diese Weise auf Stellen in den Noten hin, an denen er meint, entsprechende "Aussagen" gefunden zu haben? Er KANN es ja.


Mit der Gräfin wird in der Oper ein Gegenpol geschaffen. Ohne weiteres verbündet sie sich mit Menschen des Dienervolkes
Wobei die Gräfin ja selbst noch bis vor kurzem bürgerlich war, also nur angeheiratet. Ich glaube, dass sie deswegen einen freundschaftlicheren Ton gegenüber Susanna hat. Oder die Szene, wo Figaro den beiden Damen erklärt, welche Pläne er bzgl. des Grafen hat. Er sagt der Gräfin(!) einfach, was diese tun soll, ohne vorher zu fragen. Das ist schon ziemlich frech!


Ein Bezug auf spätere Interpretationen des Sujets ist natürlich unsinnig, insofern kann hier auch keine Schwäche der Oper existieren.
Naja, ich meinte das nicht in Bezug auf den dritten Teil, sondern vielmehr deswegen, weil Mozart die Figuren m.E. zu "sympathisch" darstellt, weil in dieser Oper nicht herauskommt, was Beaumarchais eigentlich wollte.



LG,
Hosenrolle1
Guenther (14.04.2017, 18:59):
Hallo Hosenrolle,

wir beginnen, diesen Thread zu entführen, wie man so schön sagt. Deshalb nur ganz kurz noch abschließend zum Figaro.

Die Idee mit der bürgerlichen Gräfin, der der junge Cherubino gefällt, kommt vor allem im Beaumarchais'schen Stück vor. In "Le Nozze" spielt z.B. die bürgerliche Herkunft der Gräfin keine Rolle mehr. Auch kann ich nicht entdecken, daß die Gräfin sich irgendwie am Cherubino zu schaffen machen möchte. Umgekehrt ist es wohl eher so, daß der Junge ihr schüchtern schöne Augen macht und erst von Susanna dazu gedrängt wird, die Kavatine Voi che sapete zu singen.

Da Ponte hat den Beaumarchais nicht etwa einfach ins Libretto übertragen, sondern ein mehr oder weniger neues Stück angelegt. Er selbst spricht in seinem Vorwort zum Libretto von Nachahmung oder "Auszug" (imitazione, estratto).

Kaiser gut und schön, ich rate aber eher dazu, sich den Stefan Kunze zuzulegen und die Analysen zu Mozarts Opern zu lesen. Er belegt mit vielen Musikbeispielen seine Ansichten, und auch, wenn ich nicht alle teile, so kann man doch wenigstens seinen Gedankengängen im Detail folgen.

Die Rollen in Le Nozzze sind typische Buffa-Rollen, ausgenommen der Cherubino. Das Reizvolle entsteht durch die Verwicklungen, Täuschungen, Zufälle, Überraschungen. Eine ganz wichtige davon ist die "Contessa Perdono"-Szene.

Nachdem die Gräfin ihre Maske fallen läßt, wundern sich die nichteingeweihten Zuschauer, der Graf aber - nun verstehend, daß er hereingelegt wurde - muß sozusagen erstarren. Die Musik markiert hier eine starke Zäsur durch eine Generalpause mit Fermate!

Der Graf bittet um Vergebung (mittels eines Verses), die Gräfin antwortet mit zwei Versen. Danach folgt das ganze Ensemble. Stellvertretend für die Gesellschaft: Ah, tutti contenti, saremo cosi. Die Melodie der Gräfin wird aufgenommen.

Die genauere musikalische Analyse spare ich mir hier, man kann sie bei Kunze nachlesen ("Mozarts Opern", 1984, S. 266ff).

Ich sehe hier keine "vorgeschobene" Verzeihung in dem Sinne, die Gräfin würde nur vorgeblich verzeihen, sich jedoch "hintenrum" mit Cherubino vergnügen...

==

Deine Ansichten bgzgl. der Personen ("schlecht", "unsympathisch") finde ich so abwegig, daß ich darauf nicht eingehen möchte. Sorry... ;)

Da Ponte und Mozart wollten sicher nicht einen neuen Beaumarchais auf die Bühne bringen.
Hosenrolle1 (14.04.2017, 19:35):
wir beginnen, diesen Thread zu entführen, wie man so schön sagt
Deswegen mein Vorschlag, dass du auf meine detaillierteren Ausführungen in den verlinkten Threads antwortest, damit das hier nicht zu OT wird :)

Aber ich werde dir in einem davon eine Antwort auf dein letztes Posting schreiben, ok?

EDIT: Die Antwort darauf habe ich HIER gepostet, um die Diskussion dort fortzusetzen.


LG,
Hosenrolle1
David 1996 (15.04.2017, 20:07):
Ich liebe viele Stellen, vor allem aus den Händel-Opern. Daher nur eine kleine Auswahl ^^

https://www.youtube.com/watch?v=I_z3nftnoyI

https://www.youtube.com/watch?v=HWD8d_YL30o

https://www.youtube.com/watch?v=8rjMS13CgT4

https://www.youtube.com/watch?v=jN6PHgFKBvw
Jürgen (18.04.2017, 21:55):
Hoiho! Hoihohoho! Ihr Gibichsmannen, machet euch auf!




Hagen als Hochzeitsrufer, eine Aufgabe, die er auf seine ganz eigene Art erledigt.
Ein schwarz gefärbter Bass, der die Gibichsmannen zu einer fröhlichen Hochzeit zusammenruft, ohne dabei die Bosheit in seiner Stimme zu verleugnen.
Dieser Drahtseilakt gelingt nur Wenigen. Obendrein gibt es die Textzeile "Schafe aber schlachtet für Fricka, dass gute Ehe sie gebe!",
bei deren letztem Wort den meisten Sängern die Luft ausgeht. Sie retten sich indem sie "gehehehebe" singen.
Auch Josef Greindl, der beherrschende Hagen der 50er Jahre hatte hier seine Schwierigkeiten. Aber dafür klang er richtig böse.
Der Wechselgesang mit dem Chor der Gibichsmannen ist auch deswegen so erfrischend, weil es nach 10 Stunden Nibelungenring der erste Choreinsatz überhaupt ist.
Mein Lieblingsinterpret des Hagen ist jedoch Gottlob Frick. Er hatte das schwarze Timbre, aber auch den langen Atem für obige Szene.

Greindl:
https://www.youtube.com/watch?v=qRJcWQXPGq8

Frick:
https://www.youtube.com/watch?v=JSXLZkOfUHw

Überflüssig, zu erwähnen, dass mich nach Greindl und Frick kein Hagen mehr in dieser Szene zu überzeugen wusste.
Früher war halt alles besser. Aber ich kenne auch nicht alle Aufnahmen.

Grüße
Jürgen
Falstaff (18.04.2017, 23:41):
Überflüssig, zu erwähnen, dass mich nach Greindl und Frick kein Hagen mehr in dieser Szene zu überzeugen wusste.
Früher war halt alles besser. Aber ich kenne auch nicht alle Aufnahmen.
Lieber Jürgen, das sind aber auch zwei, an denen man kaum vorbeikommt. Was hältst du indes von Salminen? Von den Hagens, die ich live erleben konnte, war er für mich mit Sicherheit der derjenige, der noch am ehesten an die beiden heranreichte.

LG Falstaff
Jürgen (19.04.2017, 18:49):
Ich habe mir zwischenzeitlich Salminens Interpretationen angehört:
Unter Janowski 1983: Leider ist das Tempo für meinen Geschmack zu hoch. Gerade der Chor wirkt etwas gehetzt. Aber immerhin kann Salminen die Phrasen sauber zu ende singen.
Unter Sawallisch 1989: Hier stimmt das Tempo m.E.
Unter Levine 1989: Noch etwas langsamer, der arme Hagen.
Grundsätzlich fällt mir bei Salminen auf, dass er die Boshaftigkeit Hagens gut rüberbringen kann. Z.B. bei "rasch seid zur Rache", das klingt er extrem gehässig. Passt prima.
Aber er hält das nicht komplett durch, zwischendurch fällt er ins Lyrische/Liebliche (bzw: Wie Fasolt).

Daher gebe ich Falstaff recht: Salminen ist ganz dicht hinter Greindl/Frick. Ich wäre froh, ihn live gesehen zu haben.

Grüße
Jürgen

P.S: Die Stierhörner sind natürlich bei Solti am beeindruckendsten.
Keith M. C. (20.04.2017, 15:38):
Hallo,

vermutlich wie bei sehr vielen Opernbegeisterten habe ich eine ungezählte Anzahl von Lieblingsstücken.

Herausstellen möchte ich das kurze Vorspiel aus "Das Rheingold". Ein phantastischer, bewegender Anfang eines der größten Opernwerke (Tetralogie) der Musikgeschichte.

Sehr gerne höre ich dieses Vorspiel von den Berliner Philharmonikern unter Karajan von 1967 (veröffentlicht 1968).

Bis dann.
Falstaff (21.04.2017, 00:20):
Die großen Finalszenen in Verdi-Opern, in denen die Solo-Stimmen so wunderbar mit dem Chor verwoben sind.

Traviata - 3. Akt
Don Carlo - Autodafé
Otello - 3. Akt
Macbeth - 1. und 2. Akt
Aida - 2. Akt

:hello Falstaff
Amonasro (22.04.2017, 18:31):
Hallo,

also bei diesem Thema weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Es gibt zu viel, dass man nennen könnte.

Kürzlich bin ich auf diese Perle gestoßen:

https://www.youtube.com/watch?v=MGxrzHf8T5c

Giuseppe Di Stefano und Rosanna Carteri singen das Duett aus dem 2. Akt von Mascagnis Iris. Besser und schöner habe ich das noch nicht gehört, obwohl ich mich durch etliche andere Versionen auf Youtube (auch mit Di Stefano) und meine Gesamtaufnahme mit Domingo/Tokody gehört habe. Das einzige Problem ist, dass Di Stefanos Osaka für einen pädophilen Entführer viel zu sympathisch klingt. Rosanna Carteri kannte ich bisher gar nicht. Die beiden scheinen leider nur dieses Duett zusammen aufgenommen zu haben und keine Gesamtaufnahme.

Gruß Amonasro :hello
Falstaff (22.04.2017, 23:38):
Die beiden scheinen leider nur dieses Duett zusammen aufgenommen zu haben und keine Gesamtaufnahme.
Lieber Amonasro, als GA mit di Stefano kenne ich auch nur die mit Clara Petrella.



Ich befürchte, mit der Carteri, mit der er ansonsten ja doch einige Aufnahmen hinterlassen hat, gibt es speziell diese Oper nicht.

LG Falstaff
Falstaff (22.04.2017, 23:48):
Lieber Amonasro, es ist wohl wirklich nur das Duett aufgenommen worden. Hier finden sich dann sämtliche Aufnahmen dieser Sitzung. Otello, Carmen, Perlenfischer, Faust und eben Iris.



LG Falstaff
Falstaff (23.04.2017, 00:07):
Der 4. Akt von Puccinis Manon Lescaut. Vor allem in dieser Aufnahme:



Wahrlich vokal nicht die beste der Callas-Aufnahmen und auch di Stefano stemmt sich manchmal ziemlich durch die Partie. Aber was beide hier an Dramatik und Wahrhaftigkeit zeigen, ist zum Niederknien und erschüttert mich immer wieder.

:hello Falstaff
Amonasro (23.04.2017, 00:22):
Danke Falstaff für die Recherche. Den Mitschnitt mit Petrella/Di Stefano habe ich in ganzer Länger bei Youtube gefunden. Das Duett mit Carteri finde jedoch nochmal besser. Von Di Stefanos Apri la tua finestra war ich außerdem etwas enttäuscht, das ist mir zu sehr im Dauerforte gesungen.

Gruß Amonasro :hello
Falstaff (23.04.2017, 00:44):
Von Di Stefanos Apri la tua finestra war ich außerdem etwas enttäuscht, das ist mir zu sehr im Dauerforte gesungen.
Lieber Amonasro, das ist richtig und gleichzeitig erstaunlich, konnte selbst der späte di Stefano doch auch anders. Ich habe im Moment Pavarotti, Domingo und Caruso im Ohr. P. klingt mir zu sehr nach neapolitanischer Canzone, aber Domingo (der frühe) und Caruso bieten die Arie schon differenzierter dar.

LG Falstaff
Jürgen (24.04.2017, 19:03):
Hallo,

vermutlich wie bei sehr vielen Opernbegeisterten habe ich eine ungezählte Anzahl von Lieblingsstücken.

Herausstellen möchte ich das kurze Vorspiel aus "Das Rheingold". Ein phantastischer, bewegender Anfang eines der größten Opernwerke (Tetralogie) der Musikgeschichte.

Sehr gerne höre ich dieses Vorspiel von den Berliner Philharmonikern unter Karajan von 1967 (veröffentlicht 1968).

Bis dann.

Womöglich habe ich es schon einmal erwähnt: Das Rheingold-Vorspiel war meine Einstiegsdroge in die Musikwelt Wagners.

Ich war in der 11.Klasse, mein Musiklehrer spielte die Böhmsche Interpretation vom Band. Es hat keine 20 Sekunden gedauert und ich war infiziert.

Am liebsten höre ich es unter Janowski (1980).

Grüße
Jürgen
palestrina (24.04.2017, 20:50):
P. klingt mir zu sehr nach neapolitanischer Canzone

:J :leb :D :) :rofl
So ungern ich das tue über Big P.was schlechtes zu sagen, aber hier Stimme ich stimme ich dir vollkommen zu !

Aber Domingo ist auch nicht mein Fall, und Di Stefano ist, sorry, im Verismo oftmals fehl am Platz! :ignore

Ich bin wahrlich kein Cura Fan, obwohl er gerade im Verismo sehr gut war, habe ihn auch Live gehört, er war immer so draufgängerisch!

So auch hier ...
AD 1996

...hier war Cura begeisternd, so stelle ich mir Verismo vor, nicht der schöne Gesang, sondern Ausdruck!

LG palestrina
palestrina (24.04.2017, 23:42):
Noch eine Duett Perle ...aber nichts für Feministinnen ....



ARABELLA setzt sich und winkt Mandryka, sich zu setzen.
Sie wollen mich heiraten, sagt mein Vater
Ja haben Sie denn eine Ahnung wer wir sind?
Wir sind nicht grad sehr viel, nach dem Maß dieser Welt –
wir laufen halt so mit als etwas zweifelhafte Existenzen!

MANDRYKA.

Ihren Stammbaum, Arabella,
den tragen Sie in Ihr Gesicht geschrieben!
und wenn Ihnen genug ist über einen zu gebieten
der selbst wieder gebietet über viele
so kommen Sie mit mir und sei'n die Herrin!
Sie werden Pfauen weiden auf seidenem Boden
und das wird nicht geschehen daß jemand sich dünkt über Ihnen
es sei denn der König und Kaiser und seine Kaiserin! – aber sonst niemand!

ARABELLA vor sich.

Der Richtige, wenns einen gibt für mich,
der wird auf einmal da sein,
und wird mich anschaun und ich ihn
und keine Winkelzüge werden sein und keine Fragen,
nein, alles hell und offen, wie ein lichter Fluß, auf dem die Sonne blitzt!

MANDRYKA.

So fließt der helle stille Donau mir beim Haus vorbei,
und hat mir dich gebracht! du Allerschönste!

Geheimnisvoll.

Und heute abend noch, vor Schlafenszeit –
wärst du ein Mädchen aus der Dörfer einem meinigen,
du müßtest mir zum Brunnen gehen hinter deines Vaters Haus
und klares Wasser schöpfen einen Becher voll
und mir ihn reichen vor der Schwelle, daß ich dein Verlobter bin vor Gott
und vor den Menschen, meine Allerschönste!

ARABELLA.

So wie Sie sind, so hab ich keinen Menschen je gesehn!
Sie bringen Ihre eigene Lebensluft mit sich
und was nicht Ihnen zugehört, das ist nicht da für Sie.

MANDRYKA.

Darum kann ich erst leben wenn ich etwas Herrliches
erhöhe über mich, und so in dieser Stunde
erhöh ich dich, und wähle dich zu meiner Frau
und wo ich Herr bin, wirst du Herrin sein
und wirst gebieten, wo ich der Gebieter bin!

ARABELLA ganz leise, mit ihm.

<3 Und du wirst mein Gebieter sein und ich dir untertan
dein Haus wird mein Haus sein,
in deinem Grab will ich mit dir begraben sein
so gebe ich mich dir auf Zeit und Ewigkeit. <3 :I


....und NUR in dieser Konstellation :love: Della Casa / London! :love: Das ist nicht wiederholbar!


LG palestrina
Falstaff (25.04.2017, 00:25):


Siciliana, Voi lo sapete, das Duett Turiddu-Santuzza, Intermezzo, Mamma quel vino è generoso. Ach, da sind so viele Opernperlen vorhanden.
Unvergessen, die Erinnerung an Baltsa-Lima in Hamburg. Leidenschaft pur. Vorher liebte ich schon all diese Momente und danach erst recht. :)

:hello Falstaff
Falstaff (25.04.2017, 00:27):
ARABELLA setzt sich und winkt Mandryka, sich zu setzen.
Sie wollen mich heiraten, sagt mein Vater
:down :down :down

Wobei, lieber Palestrina, ich persönlich Schwarzkopf-Metternich gleichwertig neben della Casa-London setzen würde. Aber das ist nun wirklich auch Geschmackssache. :)

LG Falstaff
Falstaff (26.04.2017, 23:38):
Das Finale des 3. Aktes aus der 'Taviata'. Wobei ich da immer die wütende Verzweiflung di Stefanos hören möchte und die leidend und geradezu stoische 'Auferstehung' der Callas. Ein letztes Aufbäumen.



https://www.youtube.com/watch?v=OApOwr0SiAM

LG Falstaff
Falstaff (27.04.2017, 00:11):
Und natürlich aus der selben Aufführung das 'Amami Alfredo' aus dem 2. Akt.

https://www.youtube.com/watch?v=n9v_niyjAs4

:hello Falstaff
Jürgen (27.04.2017, 09:25):
Nachdem ich gestern obiges Duett aus Arabella (und den 2.Akt zuende) gehört hatte,
brauchte ich unbedingt noch etwas härtere Kost:



Richard Strauss: Elektra (Allein! Weh, ganz allein), Solti / Nilsson 1967

Dieses Wehklagen Elektras zählt für mich zu den Opernperlen, an denen ich mich nicht satthören kann.
Allein diese gruseligen Agamemnon-Rufe.... und was Solti dabei aus den Wiener Philharmonikern "herauskitzelt" ist überwältigend.
Da deutet sich musikalisch schon die gesamte Opernhandlung an: Liebesentzug, Demütigung, Hass, Brutalität & Rachsucht

Grüße
Jürgen
palestrina (27.04.2017, 17:54):
ARABELLA setzt sich und winkt Mandryka, sich zu setzen.
Sie wollen mich heiraten, sagt mein Vater
:down :down :down
Wobei, lieber Palestrina, ich persönlich Schwarzkopf-Metternich gleichwertig neben della Casa-London setzen würde. Aber das ist nun wirklich auch Geschmackssache. :)

LG Falstaff
Also für mich liegen da Ozeane und Welten dazwischen, die Schwarzkopf hat überhaupt keine Natürlichkeit in ihrem Singen, das klingt viel zu geziert, und z.T.auch überheblich (damit habe ich mit der Schwarzkopf > einzig wo ich sie voll und ganz akzeptiere ist ihre Marschallin < immer meine Probleme ), aber das Problem dieses Ø fängt schon bei Matačić an, ein uninspieriertes Dirigat, setzt sich bei Schwarzkopf fort und endet bei Metternich, da ist ja Poell besser, ihm geht die Figur des Mandryka ganz daneben, ganz im Gegensatz zu London der den Mandryka sowas von perfekt rüberbringt, in allen seinen Schattierungen :) . Ein hartes Urteil von mir, fürwahr aber ich kann leider damit garnicht anfangen, sorry lieber Falstaff, aber so für dich als Schwarzkopf Fan ein Muss, das verstehe ich natürlich ;) .
Ich frage mich in diesem Zusammenhang, warum hat die Schwarzkopf keine Gesammtaufnahme gemacht?, wahrscheinlich weil sie wusste dass sie gegen die Della Casa nicht ankommt . :ignore

LG palestrina
Falstaff (27.04.2017, 22:38):
die Schwarzkopf hat überhaupt keine Natürlichkeit in ihrem Singen, das klingt viel zu geziert, und z.T.auch überheblich
Lieber Palestrina, da eben beginnt die Geschmacksfrage. Für mich bedeutete die Schwarzkopf nie nur rein gekünsteltes Singen, sondern eben die Fähigkeit, mit ihrem Gesang von einer reinen realitätsbezogenen Darstellung zu abstrahieren und gleichzeitig hoch emotional zu sein. Im 'künstlichen' Ansatz und in seiner Darbietung kippt es sozusagen um und wird zu einem ergreifenden Gefühl.
Ein hartes Urteil von mir, fürwahr aber ich kann leider damit garnicht anfangen, sorry lieber Falstaff, aber so für dich als Schwarzkopf Fan ein Muss, das verstehe ich natürlich
Nicht alles, was die Schwarzkopf gemacht hat, ist für mich ein Muss. Aber dieser Querschnitt mit Sicherheit.
Ich frage mich in diesem Zusammenhang, warum hat die Schwarzkopf keine Gesammtaufnahme gemacht?, wahrscheinlich weil sie wusste dass sie gegen die Della Casa nicht ankommt .
Das musste sie 1954 sicherlich nicht befürchten, da die GA der della Casa erst vier Jahr später entstand und somit keine Konkurrenz auf LP vorlag.

LG Falstaff
palestrina (28.04.2017, 10:47):
Lieber Palestrina, da eben beginnt die Geschmacksfrage. Für mich bedeutete die Schwarzkopf nie nur rein gekünsteltes Singen, sondern eben die Fähigkeit, mit ihrem Gesang von einer reinen realitätsbezogenen Darstellung zu abstrahieren und gleichzeitig hoch emotional zu sein. Im 'künstlichen' Ansatz und in seiner Darbietung kippt es sozusagen um und wird zu einem ergreifenden Gefühl
.
Ich pers. kann das leider überhaupt! nicht nachvollziehen, (hoch emotional, zu einem ergreifenden Gefühl ) , vergleich doch mal die Della Casa mit der Schwarzkopf in der Arabella!
Nicht alles, was die Schwarzkopf gemacht hat, ist für mich ein Muss. Aber dieser Querschnitt mit Sicherheit
.
Diese deine Meinung lieber Falstaff, lasse ich für dich gerne gelten! ;)

Falstaff
Das musste sie 1954 sicherlich nicht befürchten, da die GA der della Casa erst vier Jahr später entstand und somit keine Konkurrenz auf LP vorlag.

Also... der Ø mit der Schwarzkopf entstand Sept./Okt. 1954, die GA Solti Mai/Juni 1957, also 3 Jahre später
aber die Della Casa hat schon im Januar 1953 und April 1954 Szenen eingespielt, also davor!!
Und die Della Casa hatte schon 3 Inszenierungen hinter sich (Zürich, Wien u.München) und zudem im Sept.1953 in London beim Gastspiel der Bayerischen Staatsoper einen riesigen Erfolg, das konnte doch der Schwarzkopf alles nicht entgangen sein?!

LG palestrina
Falstaff (28.04.2017, 22:49):
Ich pers. kann das leider überhaupt! nicht nachvollziehen, (hoch emotional, zu einem ergreifenden Gefühl ) , vergleich doch mal die Della Casa mit der Schwarzkopf in der Arabella!
Jeder, wie er es empfindet, lieber Palestrina. Aber wir stimmen sicherlich da überein, dass die Schwarzkopf einen anderen Ansatz hatte als die della Casa. Und so sehr, wie ich sie liebe, empfinde ich den der Schwarzkopf interessanter.
aber die Della Casa hat schon im Januar 1953 und April 1954 Szenen eingespielt, also davor!!
Szenen eben! Mit einer GA hätten Schwarzkopf/Legge sicherlich zunächst keine Konkurrenz gehabt, v.a. da Mitschnitte von irgendwelchen della Casa-Aufführungen ja nicht vorlagen. Es muss also andere Gründe gehabt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass Legge keinen ausreichenden Markt für eine Arabella-GA sah. Oder vielleicht hatten beide das Gefühl, dass die musikalische Qualität der gesamten Oper nicht ausreichen würde.

LG Falstaff
Falstaff (19.05.2017, 23:26):
Immer wenn es live zum Ende des III. Aktes kam, fing ich innerlich an zu zittern und dachte: Nun lass bloß nicht das Terzett in die Hosen gehen. :) So richtig passierte es dann zum Glück auch nie.

Aber die für mich perfekte Ausführung habe ich noch nicht gefunden. Hier zum Beispiel sind es z.B. die scharfen Töne, die Stich-Randall ganz zum Schluss hinzufügt.



:hello Falstaff