Orchestral Spectacular

Zelenka (20.04.2006, 17:45):
Auch in der Zelenkaschen Sammlung finden sich Spektakel, u.a. der bei Telarc viel vertretene Erich Kunzel, der sich mit seinem Cincinnati Pops Orchestra auf dieses Repertoire spezialisiert hat:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003CUY.01.LZZZZZZZ.jpg

Die üblichen Verdächtigen sind zahlreich vertreten: der sattsam abgenudelte Säbeltanz von Khachaturian, Espana, Slawischer Marsch, der Ritt der Walküren etc. Lauter Ohrwürmer in bester Tonqualität zum mittlerweile kleinen Preis. Ab und zu macht es Spaß reinzuhören. Nur eben nicht zu oft. Genau wie man nicht zuviele Schokoladentrüffel auf einmal verzehren sollte.

Gruß,

Zelenka
Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 07:48):
Guten Morgen zusammen.


ORCHESTRAL FIREWORKS !



Immer wieder schufen Komponisten neben ihren grossen Schöpfungen sogenannte Auftragswerke, damit sie überhaupt zu leben hatten.

Wir dürfen darüber nicht richten. Heutzutage müssten wir, wenn wir an ihrer Stelle wären, wahrscheinlich ebenso handeln.

Die allermeisten dieser Stücke verlangen dem Orchester sehr grosse Virtuosität ab. Nur von den besten Orchestern können diese sogenannten Gelegenheitswerke perfekt gebracht werden.

Beethoven wurde und wird noch immer wegen seinem " Wellingtons Victory " kritisiert. Und doch war er gerade wegen diesem Stück lange Zeit weitherum bekannt geworden.

Oder Tschaikovsky. Wie wird sein so fröhliches, effektvolles " Capriccio italien " belächelt, und noch schlimmeres. Oder sein " Slawischer Marsch ".


Die grössten und bedeutendsten Orchester und Dirigenten hatten und haben diese Showstücke immer im Programm. Von den zahllosen Einspielungen gar nicht zu reden ! ( Ormandy. Reiner, Karajan, Muti usw. ).



Chatschaturians " Säbeltanz " muss man gehört haben. Oder Aaron Coplands " Fanfare for the Common Man ".

Berlioz " Ungarischer Marsch " Und noch viele andere dieser brillanten Orchesterstücke werden immer wieder aufgenommen. Für Lautsprechertests eignen sich diese Werke ganz besonders ideal.

Ich geniesse diese Kompositionen immer wieder gerne. Ueber sehr gute Lautsprecher oder Kopfhörer ist der Klangrausch dieser Stücke am gewaltigsten. Sicher, der tatsächliche Wert ist niemals mit den Hauptschöpfungen der Meister vergleichbar. Aber sie sind auch nicht vom Komponisten loszulösen.

Wie ist Eure Meinung zu den kleinen Nebenwerken ?

Sollte man sie ignorieren ? Oder haben sie trotzdem ein Lebensrecht ?


Rolf.
satie (20.04.2006, 08:52):
Zunächst:

Immer wieder schufen Komponisten neben ihren grossen Schöpfungen sogenannte Auftragswerke, damit sie überhaupt zu leben hatten.

Wir dürfen darüber nicht richten. Heutzutage müssten wir, wenn wir an ihrer Stelle wären, wahrscheinlich ebenso handeln.

Dazu muss ich etwas sagen. Komponist ist ein Beruf wie jeder andere auch. Es ist übertrieben, hier das Schöpferische als eine Art von allem Weltlichen losgelöste Tätigkeit zu sehen, die allein den Musenkuss und ein ruhiges Plätzchen zum Niederschreiben benötigt. Was ist denn mit Haydn? Der hat ja praktisch nur Auftragswerke geschrieben. Würde man dann auch sagen müssen, das seien nur Nebenwerke?
Ich frage bewusst etwas provokativ. Ich denke, Rolf, so hattest Du das schon nicht gemeint. Aber: wer sagt denn, was ein Nebenwerk und was ein großes Werk ist? Für die meisten Amerikaner ist etwa die Fanfare for the Common Man eines der größten Exempel amerikanischer Musikgeschichte, und das nicht einmal zu unrecht. Das wollte ich einfach angesprochen haben. Ich verstehe aber sehr wohl, worauf dieser Thread eigentlich hinaus will und möchte keineswegs mit diesen spitzfindigen Bemerkungen hinderlich sein.

Es sei mir vergeben

Satie
Cosima (20.04.2006, 15:42):
Wenn schon Klangrausch, dann am liebsten russisch! Es gibt von Gergiev eine CD mit dem bezeichnenden Titel „Russian Spectacular“, enthalten sind die von Dir angesprochenen Werke „Slawischer Marsch“, Capriccio italien“ etc.

Hin und wieder bade ich ganz gerne in solchen Klangmassen, Gergiev hat m.E. ein gutes Händchen für diese Art von Musik. Zu häufig mag ich das nicht hören, aber selbstverständlich haben auch diese Kompositionen ihre Berechtigung, schließlich sind sie nicht grundlos so beliebt. Ich höre ja auch gerne die Schaustückchen eines Franz Liszt. :engel Populär und eingängig bedeutet ja nicht gleichzeitig, dass etwas schlecht sein muss.

Gruß, Cosima