Ostasiatische Instrumentalisten - reine Virtuosen?

Jeremias (26.03.2006, 10:49):
Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr Musiker-/innen aus Ostasien auf den Markt strömen. Immerhin gewann Yundi Li im jahr 2000 den Warschauer chopin-Wettbewerb. Ich erlebte ihn im vergangenen Jahr in Mülheim, empfand ihn aber als relativ schwach (wobei sein Klavierabend in D'dorf wesentlich besser gewesen sein soll). Lang Lang ist mir seit je her ein Grauen, ein reiner Virtuose, der zwar bei Liszt-Paraphrasen brilliert, der aber bei Mozart-Sonaten oder Intermezzi von Brahms versagt. Wenn ich einmal genauer darüber nachdenke, so gibt es eigentlich nur eine Pianistin, die mir wirklich zusagt, und das ist Mitsuko Uchida. Im Fach Violine sind es mit Midori und Akiko Suwanai dann doch schon zwei, die ich sehr gerne höre. Aber viel mehr fallen mir jetzt nicht ein. Wie ist Eure Meinung zu diesem thema?
Rachmaninov (26.03.2006, 11:03):
Hallo Jeremias,

klasse Thema, sehr interessant.

Deine Einschätzung zu Lang Lang teile ich. Seine Aufnahme des 2. Rachmaninov Klavierkonzerts ist grausam, die Rhapsody ist unterirdisch.
Hatte letztlich auch einmal im TV seinen Carnegie Hall Auftritt gesehen und fand seine Art auch ein wenig "affig". Aber hatte mir gesagt, wenn das sein Art ist und er die Musik so empfindet muss man es halt hin nehmen.

Die Aufnahme mit dem Tchaikovsky und dem Mendelssohn Konzert hatte ich mir kurz angehört (lange vor der Rachmaninov Aufnahme) und da keinerlei Interesse verspührt sie zu kaufen.

Was auch immer ihn dazu gebracht hat seine neue CD "Memory" zu nennen, für einen derart jungen Pianisten ein denkbar ungeschickter Titel.
Verspühre auch nicht das geringste Interesse ihn mit Mozart oder Schumann zu hören. Es gibt locker 2 dutzend lebende und aktive Pianisten, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Er polarisiert sehr stark!

Anders sieht es aus bei den Geigerinnen.
Die von Dir genannte Midori ist sicherlich top. Kenne ihre Bruch / Mendelssohn VC aufnahme mit den Berlinern. Was das Bruch VC angeht das bisher einzige relevante (IMO) neben Heifetz. Mendelssohn ebenfalls stark. Hatte sie auch mal mit einer beeindruckenden Darbietung der Bachschen Violinen Sonaten im TV gesehen! Leider ist sie am "Zwang der Perfektion" fast zerbrochen.

Akiko Suwanai ist großartig! Sie kann sich ohne Probleme mit der westlichen Konkurenz messen. Sie wurde zwar "nur" den zweiten Preis bei Queen Elizabeth Wettbewerb aber in dem Jahr gewann Vadim Repin und da ist der 2. Preis mehr wert als in vielen anderen Jahren der erste. (siehe Skride, deren Dsch VC 1 mich beim hören wenig ansprach!)

Denke es gibt doch einige recht gute Instrumentalisten, die aus dieser Region kommen und die zu beachten sind.

Insgesamt sind wir eh in einer Zeit, in der wir uns in fast allen Instrumentalbereichen einem insg. sehr hohem Niveau erfreuen können.

Was hälst Du von S. Chang?
Rolf Scheiwiller (26.03.2006, 12:01):
Schönen Sonntag zusammen.

Ich möchte eine Koreanerin kurz vorstellen.
Es ist dies die Cellistin Han-na-Chang.
Sie ist noch sehr jung. Erst zwanzig. Aber bereits ganz stark gefragt.
Sie war eine Meisterschülerin von Rostropovich und hat mit Sinopoli die beiden Haydn-Cellokonzerte aufgeführt und auch eingespielt.
Mir gefallen sie sehr.
Makellose Intonation bei ihrer Interpretation sind hervorzuheben.

Nur diese CD gibt es bei mir von dieser Künstlerin.
Gruss.
Rolf.
Cosima (26.03.2006, 13:02):
Original von Rolf Scheiwiller
Ich möchte eine Koreanerin kurz vorstellen.
Es ist dies die Cellistin Han-na-Chang.


Hallo Rolf,

ich habe mir zufällig vor einigen Tagen eine Aufnahme mit Han-Na Chang ausgeliehen. Diese hier mit Prokofiev op. 119 und 125:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/7122514.jpg

Eine wirklich interessante Aufnahme; virtuos, aber mit eigener Handschrift, wie mir scheint. Hurwitz vergibt auf Classics-Today Höchstnoten. Da ich zu den Werken keine Alternativen kenne, kann ich aber schlecht beurteilen, inwiefern das zutrifft. Mir gefällt aber, was ich höre.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.03.2006, 13:10):
Original von Cosima
Hurwitz vergibt auf Classics-Today Höchstnoten.

Ja, und das macht er leider DAUERND! :haha
AcomA (26.03.2006, 13:16):
hallo Sergejewitsch,

es kann natürlich sein, dass hurwitz (wie ich :rofl) nur sachen hört, die höchstnoten verdienen :D

gruß, siamak :)
Cosima (26.03.2006, 13:25):
Original von Rachmaninov
Ja, und das macht er leider DAUERND! :haha

Nö, für Rach2 mit LangLang unter Gergiev vergibt er 2/6... :D

Das find ich nun auch wieder übertrieben.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.03.2006, 13:32):
Sorry,

Akiko Suwanai hat 1990 gewonnen. Da hatte ich was verwechselt ?(
AcomA (26.03.2006, 13:50):
hallo Cosima und Sergejewitsch,

das mit den noten ist ein bischen vergleichbar mit dem eiskunstlauf ! viele faktoren fallen ins gewicht: technik, ausdruck, optik, repertoire. es handelt sich teilweise um objektive und zu einem größeren teil subjektive parameter. wenn jetzt jemand der lang-lang aufnahme mit den rachmaninov-werken unter gergiev 2/6 punkten gibt, so ist das tatsächlich fraglich. wir wissen, das lang lang manualtechnisch sehr stark ist, überdies, dass gergiev ein profunder kenner des russischen repertoires ist. dann kommt noch die DG mit ihrer nicht schlechten tontechnik ! ohne die aufnahme richtig gehört zu haben, würde ich im zehner-system sagen, es müssten wohl mindestens 6/10 punkte sein ! jetzt kann man sagen, dass 6/10 den medienrummel um den pianisten nicht gerechtfertigt !

gruß, siamak :)
Cosima (26.03.2006, 14:11):
Original von AcomA
viele faktoren fallen ins gewicht: technik, ausdruck, optik, repertoire. es handelt sich teilweise um objektive und zu einem größeren teil subjektive parameter.

Hallo Siamak,

zu all dem, was Du aufzählst, kommen aber manchmal wohl auch schlicht persönliche Voreingenommenheiten. Eben dieser Hurwitz scheint Gergiev nicht zu mögen. Für Gergievs Aufnahme des „Sacre“ vergibt er gerade mal 3/5, was ich für einen echten Skandal halte. Schlimmer noch: Er sagt, dass diese Aufnahme niemals auf CD hätte erscheinen dürfen, so schlecht sei sie. Seitdem ist mir Herr Hurwitz sehr unsympathisch. :evil:

Gruß, Cosima
AcomA (26.03.2006, 15:05):
hallo Cosima,

du kannst ja auch richtig böse gucken ! :rofl

gruß, siamak :)
Jeremias (27.03.2006, 09:48):
Zum thema zurück: Natürlich kenne ich auch die Schwestern Sarah und Han-Na Chang. Sie sind nicht schlecht, aber ich greife höchst selten zu ihren Aufnahmen. Mit Sarah habe ich u.a. das Dvorak-Konzert. Sie hat einfach nicht so einen warmen Ton wie Suwanai, Midori oder Faust. Das ganze klingt zu sehr technisch. Von Han-Na habe ich eine CD "The Swan" mit Adagios. Das macht sie doch sehr gut. Als Alternative zu ihrer Prokofieff-CD schlage ich, sofern noch erhältlich, Maisky oder Rostropovich vor.
AcomA (27.03.2006, 15:58):
hallo Jeremias und andere,

nicht vergessen sollte man die 'pioniere' kyung wa chung, violine, und yo yo ma, v'cello. hier würde ich formulieren, dass es sich um gestandene musiker handelt. eben nicht 'nur-virtuosen' !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8640716.jpg http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4613510.jpg

gruß, siamak
Rachmaninov (04.05.2006, 21:10):
@Jeremias,

mittlerweile besitze ich ja nun auch die Uchida Box mit den Schubert-Klavierwerken.
(bei CD4 von 8 bin ich derzeit angekommen)

Das ist sicherlich weit mehr als Virtuosentum was dort geboten wird, auch musiklisch finde ich (bisher) die Aufnahmen sehr überzeugend!

Gruß
satie (04.05.2006, 21:57):
Einer der größten Poeten am Klavier ist bislang nicht erwähnt worden: Fou Tsong. Der einstige Lehrer von Martha Argerich gilt in China als einer der wenigen, die die westliche Musik wirklich verstanden haben. Das mag vollkommen übertrieben sein, ich jedoch erinnere mich immer wieder gerne an ein wunderbares Konzert mit ihm. Er spielte unter anderem die ersten drei Schubert-Impromptus. Er ist ein wenig untergegangen wegen seiner ach so berühmten (zu Recht) Martha Argerich, mit der er auch schon vierhändig im Konzert spielte (noch nicht so lange her). Seine Debussy-Etuden sind grandios.

Satie
nikolaus (05.05.2006, 20:14):
Original von Satie
Einer der größten Poeten am Klavier ist bislang nicht erwähnt worden: Fou Tsong. Der einstige Lehrer von Martha Argerich gilt in China als einer der wenigen, die die westliche Musik wirklich verstanden haben. Das mag vollkommen übertrieben sein, ich jedoch erinnere mich immer wieder gerne an ein wunderbares Konzert mit ihm. Er spielte unter anderem die ersten drei Schubert-Impromptus. Er ist ein wenig untergegangen wegen seiner ach so berühmten (zu Recht) Martha Argerich, mit der er auch schon vierhändig im Konzert spielte (noch nicht so lange her). Seine Debussy-Etuden sind grandios.

Satie

Oh, das ist mir vollkommen neu. Wann und wo hat sie denn bei ihm gelernt, und wie ist die Verbindung entstanden? Kannst du mir mehr Informationen geben?

Besten Dank, Nikolaus.
satie (05.05.2006, 20:23):
Lieber Nikolaus,
ich habe zum Beispiel hier etwas darüber gefunden. Ist ein schönes Interview. Allerdings relativiert hier der Meister seine Lehrerfunktion...

" Doch ernsthaft zu unterrichten begann er in den frühen 80er Jahren. Zu dieser Zeit ging er erstmals wieder in seine Heimat, nach China, um dort zu unterrichten: „Ich habe dort sehr viel unterrichtet. Nun, auch zuvor habe ich schon unterrichtet, aber ich würde es gar nicht als solches bezeichnen. Aber beispielsweise habe ich vor der Wettbewerbsteilnahme von Martha Argerich in Warschau drei Monate lang mit ihr gearbeitet. Aber ich würde das nicht unterrichten nennen.“

http://www.pianonews.de/leseprobeaktuell14.htm
nikolaus (05.05.2006, 20:45):
:thanks Danke, Satie!
Rachmaninov (17.02.2007, 08:42):
Original von Rachmaninov
@Jeremias,

mittlerweile besitze ich ja nun auch die Uchida Box mit den Schubert-Klavierwerken.
(bei CD4 von 8 bin ich derzeit angekommen)

Das ist sicherlich weit mehr als Virtuosentum was dort geboten wird, auch musiklisch finde ich (bisher) die Aufnahmen sehr überzeugend!

Gruß

Gleiches muß ich hier für Uchida's Schumann berichten.

Virtuosentum ist etwas anderes. Ihr Schumann ist weit aus durchdachter und romantischer gespielt als so mancher Europäer dies tut.
Jeremias (26.03.2006, 10:49):
Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr Musiker-/innen aus Ostasien auf den Markt strömen. Immerhin gewann Yundi Li im jahr 2000 den Warschauer chopin-Wettbewerb. Ich erlebte ihn im vergangenen Jahr in Mülheim, empfand ihn aber als relativ schwach (wobei sein Klavierabend in D'dorf wesentlich besser gewesen sein soll). Lang Lang ist mir seit je her ein Grauen, ein reiner Virtuose, der zwar bei Liszt-Paraphrasen brilliert, der aber bei Mozart-Sonaten oder Intermezzi von Brahms versagt. Wenn ich einmal genauer darüber nachdenke, so gibt es eigentlich nur eine Pianistin, die mir wirklich zusagt, und das ist Mitsuko Uchida. Im Fach Violine sind es mit Midori und Akiko Suwanai dann doch schon zwei, die ich sehr gerne höre. Aber viel mehr fallen mir jetzt nicht ein. Wie ist Eure Meinung zu diesem thema?
Rachmaninov (26.03.2006, 11:03):
Hallo Jeremias,

klasse Thema, sehr interessant.

Deine Einschätzung zu Lang Lang teile ich. Seine Aufnahme des 2. Rachmaninov Klavierkonzerts ist grausam, die Rhapsody ist unterirdisch.
Hatte letztlich auch einmal im TV seinen Carnegie Hall Auftritt gesehen und fand seine Art auch ein wenig "affig". Aber hatte mir gesagt, wenn das sein Art ist und er die Musik so empfindet muss man es halt hin nehmen.

Die Aufnahme mit dem Tchaikovsky und dem Mendelssohn Konzert hatte ich mir kurz angehört (lange vor der Rachmaninov Aufnahme) und da keinerlei Interesse verspührt sie zu kaufen.

Was auch immer ihn dazu gebracht hat seine neue CD "Memory" zu nennen, für einen derart jungen Pianisten ein denkbar ungeschickter Titel.
Verspühre auch nicht das geringste Interesse ihn mit Mozart oder Schumann zu hören. Es gibt locker 2 dutzend lebende und aktive Pianisten, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Er polarisiert sehr stark!

Anders sieht es aus bei den Geigerinnen.
Die von Dir genannte Midori ist sicherlich top. Kenne ihre Bruch / Mendelssohn VC aufnahme mit den Berlinern. Was das Bruch VC angeht das bisher einzige relevante (IMO) neben Heifetz. Mendelssohn ebenfalls stark. Hatte sie auch mal mit einer beeindruckenden Darbietung der Bachschen Violinen Sonaten im TV gesehen! Leider ist sie am "Zwang der Perfektion" fast zerbrochen.

Akiko Suwanai ist großartig! Sie kann sich ohne Probleme mit der westlichen Konkurenz messen. Sie wurde zwar "nur" den zweiten Preis bei Queen Elizabeth Wettbewerb aber in dem Jahr gewann Vadim Repin und da ist der 2. Preis mehr wert als in vielen anderen Jahren der erste. (siehe Skride, deren Dsch VC 1 mich beim hören wenig ansprach!)

Denke es gibt doch einige recht gute Instrumentalisten, die aus dieser Region kommen und die zu beachten sind.

Insgesamt sind wir eh in einer Zeit, in der wir uns in fast allen Instrumentalbereichen einem insg. sehr hohem Niveau erfreuen können.

Was hälst Du von S. Chang?
Rolf Scheiwiller (26.03.2006, 12:01):
Schönen Sonntag zusammen.

Ich möchte eine Koreanerin kurz vorstellen.
Es ist dies die Cellistin Han-na-Chang.
Sie ist noch sehr jung. Erst zwanzig. Aber bereits ganz stark gefragt.
Sie war eine Meisterschülerin von Rostropovich und hat mit Sinopoli die beiden Haydn-Cellokonzerte aufgeführt und auch eingespielt.
Mir gefallen sie sehr.
Makellose Intonation bei ihrer Interpretation sind hervorzuheben.

Nur diese CD gibt es bei mir von dieser Künstlerin.
Gruss.
Rolf.
Cosima (26.03.2006, 13:02):
Original von Rolf Scheiwiller
Ich möchte eine Koreanerin kurz vorstellen.
Es ist dies die Cellistin Han-na-Chang.


Hallo Rolf,

ich habe mir zufällig vor einigen Tagen eine Aufnahme mit Han-Na Chang ausgeliehen. Diese hier mit Prokofiev op. 119 und 125:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/7122514.jpg

Eine wirklich interessante Aufnahme; virtuos, aber mit eigener Handschrift, wie mir scheint. Hurwitz vergibt auf Classics-Today Höchstnoten. Da ich zu den Werken keine Alternativen kenne, kann ich aber schlecht beurteilen, inwiefern das zutrifft. Mir gefällt aber, was ich höre.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.03.2006, 13:10):
Original von Cosima
Hurwitz vergibt auf Classics-Today Höchstnoten.

Ja, und das macht er leider DAUERND! :haha
AcomA (26.03.2006, 13:16):
hallo Sergejewitsch,

es kann natürlich sein, dass hurwitz (wie ich :rofl) nur sachen hört, die höchstnoten verdienen :D

gruß, siamak :)
Cosima (26.03.2006, 13:25):
Original von Rachmaninov
Ja, und das macht er leider DAUERND! :haha

Nö, für Rach2 mit LangLang unter Gergiev vergibt er 2/6... :D

Das find ich nun auch wieder übertrieben.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.03.2006, 13:32):
Sorry,

Akiko Suwanai hat 1990 gewonnen. Da hatte ich was verwechselt ?(
AcomA (26.03.2006, 13:50):
hallo Cosima und Sergejewitsch,

das mit den noten ist ein bischen vergleichbar mit dem eiskunstlauf ! viele faktoren fallen ins gewicht: technik, ausdruck, optik, repertoire. es handelt sich teilweise um objektive und zu einem größeren teil subjektive parameter. wenn jetzt jemand der lang-lang aufnahme mit den rachmaninov-werken unter gergiev 2/6 punkten gibt, so ist das tatsächlich fraglich. wir wissen, das lang lang manualtechnisch sehr stark ist, überdies, dass gergiev ein profunder kenner des russischen repertoires ist. dann kommt noch die DG mit ihrer nicht schlechten tontechnik ! ohne die aufnahme richtig gehört zu haben, würde ich im zehner-system sagen, es müssten wohl mindestens 6/10 punkte sein ! jetzt kann man sagen, dass 6/10 den medienrummel um den pianisten nicht gerechtfertigt !

gruß, siamak :)
Cosima (26.03.2006, 14:11):
Original von AcomA
viele faktoren fallen ins gewicht: technik, ausdruck, optik, repertoire. es handelt sich teilweise um objektive und zu einem größeren teil subjektive parameter.

Hallo Siamak,

zu all dem, was Du aufzählst, kommen aber manchmal wohl auch schlicht persönliche Voreingenommenheiten. Eben dieser Hurwitz scheint Gergiev nicht zu mögen. Für Gergievs Aufnahme des „Sacre“ vergibt er gerade mal 3/5, was ich für einen echten Skandal halte. Schlimmer noch: Er sagt, dass diese Aufnahme niemals auf CD hätte erscheinen dürfen, so schlecht sei sie. Seitdem ist mir Herr Hurwitz sehr unsympathisch. :evil:

Gruß, Cosima
AcomA (26.03.2006, 15:05):
hallo Cosima,

du kannst ja auch richtig böse gucken ! :rofl

gruß, siamak :)
Jeremias (27.03.2006, 09:48):
Zum thema zurück: Natürlich kenne ich auch die Schwestern Sarah und Han-Na Chang. Sie sind nicht schlecht, aber ich greife höchst selten zu ihren Aufnahmen. Mit Sarah habe ich u.a. das Dvorak-Konzert. Sie hat einfach nicht so einen warmen Ton wie Suwanai, Midori oder Faust. Das ganze klingt zu sehr technisch. Von Han-Na habe ich eine CD "The Swan" mit Adagios. Das macht sie doch sehr gut. Als Alternative zu ihrer Prokofieff-CD schlage ich, sofern noch erhältlich, Maisky oder Rostropovich vor.
AcomA (27.03.2006, 15:58):
hallo Jeremias und andere,

nicht vergessen sollte man die 'pioniere' kyung wa chung, violine, und yo yo ma, v'cello. hier würde ich formulieren, dass es sich um gestandene musiker handelt. eben nicht 'nur-virtuosen' !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8640716.jpg http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4613510.jpg

gruß, siamak
Rachmaninov (04.05.2006, 21:10):
@Jeremias,

mittlerweile besitze ich ja nun auch die Uchida Box mit den Schubert-Klavierwerken.
(bei CD4 von 8 bin ich derzeit angekommen)

Das ist sicherlich weit mehr als Virtuosentum was dort geboten wird, auch musiklisch finde ich (bisher) die Aufnahmen sehr überzeugend!

Gruß
satie (04.05.2006, 21:57):
Einer der größten Poeten am Klavier ist bislang nicht erwähnt worden: Fou Tsong. Der einstige Lehrer von Martha Argerich gilt in China als einer der wenigen, die die westliche Musik wirklich verstanden haben. Das mag vollkommen übertrieben sein, ich jedoch erinnere mich immer wieder gerne an ein wunderbares Konzert mit ihm. Er spielte unter anderem die ersten drei Schubert-Impromptus. Er ist ein wenig untergegangen wegen seiner ach so berühmten (zu Recht) Martha Argerich, mit der er auch schon vierhändig im Konzert spielte (noch nicht so lange her). Seine Debussy-Etuden sind grandios.

Satie
nikolaus (05.05.2006, 20:14):
Original von Satie
Einer der größten Poeten am Klavier ist bislang nicht erwähnt worden: Fou Tsong. Der einstige Lehrer von Martha Argerich gilt in China als einer der wenigen, die die westliche Musik wirklich verstanden haben. Das mag vollkommen übertrieben sein, ich jedoch erinnere mich immer wieder gerne an ein wunderbares Konzert mit ihm. Er spielte unter anderem die ersten drei Schubert-Impromptus. Er ist ein wenig untergegangen wegen seiner ach so berühmten (zu Recht) Martha Argerich, mit der er auch schon vierhändig im Konzert spielte (noch nicht so lange her). Seine Debussy-Etuden sind grandios.

Satie

Oh, das ist mir vollkommen neu. Wann und wo hat sie denn bei ihm gelernt, und wie ist die Verbindung entstanden? Kannst du mir mehr Informationen geben?

Besten Dank, Nikolaus.
satie (05.05.2006, 20:23):
Lieber Nikolaus,
ich habe zum Beispiel hier etwas darüber gefunden. Ist ein schönes Interview. Allerdings relativiert hier der Meister seine Lehrerfunktion...

" Doch ernsthaft zu unterrichten begann er in den frühen 80er Jahren. Zu dieser Zeit ging er erstmals wieder in seine Heimat, nach China, um dort zu unterrichten: „Ich habe dort sehr viel unterrichtet. Nun, auch zuvor habe ich schon unterrichtet, aber ich würde es gar nicht als solches bezeichnen. Aber beispielsweise habe ich vor der Wettbewerbsteilnahme von Martha Argerich in Warschau drei Monate lang mit ihr gearbeitet. Aber ich würde das nicht unterrichten nennen.“

http://www.pianonews.de/leseprobeaktuell14.htm
nikolaus (05.05.2006, 20:45):
:thanks Danke, Satie!
Rachmaninov (17.02.2007, 08:42):
Original von Rachmaninov
@Jeremias,

mittlerweile besitze ich ja nun auch die Uchida Box mit den Schubert-Klavierwerken.
(bei CD4 von 8 bin ich derzeit angekommen)

Das ist sicherlich weit mehr als Virtuosentum was dort geboten wird, auch musiklisch finde ich (bisher) die Aufnahmen sehr überzeugend!

Gruß

Gleiches muß ich hier für Uchida's Schumann berichten.

Virtuosentum ist etwas anderes. Ihr Schumann ist weit aus durchdachter und romantischer gespielt als so mancher Europäer dies tut.
Rachmaninov (29.07.2008, 18:46):
Eben hörte ich das Ravel Klavierkonzert mit Yundi Li.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947765936.jpg

Lang Lang wird zwar gepuscht, aber der ware Star aus China muss Yundli Li heißen.
Kein reiner Virtuose, der Mann spielt den 2. Satz so was von Feinsinnig, das macht wirklich freude :D
YJ (05.08.2008, 00:06):
Original von Rachmaninov
Eben hörte ich das Ravel Klavierkonzert mit Yundi Li.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947765936.jpg

Lang Lang wird zwar gepuscht, aber der ware Star aus China muss Yundli Li heißen.
Kein reiner Virtuose, der Mann spielt den 2. Satz so was von Feinsinnig, das macht wirklich freude :D

Da stimme ich zu. Jedes Mal, wenn ich in China bin, muss ich mit Schrecken feststellen, wie "unbekannt" Yundi Li doch im Vergleich zu Lang Lang ist; dieser wird einfach ohne Grenzen gepuscht.
Yundi Li schummelt zwar mal gerne auf seinen Aufnahmen (Rigoletto-Paraphrase wäre ein gutes Beispiel), aber trotzdem halte ich ihn für sehr seriös, er hat einen ganz anderen Zugang zur Musik als Lang Lang.

Allgemein kann man sagen, dass ich schon recht viele asiatische Musikstudenten kenne, die nur Wert auf Technik legen und dabei die Musikalität vergessen. Aber in Asien gehört das etwas zur "musikalischen" Erziehung, sprich, es wird auf Technik getrimmt. Allerdings finde ich diese Einstellung schwachsinning. Natürlich ist Technik wichtig und eine gute Technik ist sehr vorteilhaft, aber was bringt mir jede Sauberkeit, wenn man absolut null von Musik versteht? Oder wenn man nur etwas spielt, um seine Technik zu präsentieren und nicht die Musik?