Ouvertüre Solennelle "1812" op. 49

daniel5993 (24.06.2009, 13:16):
Sehr geehrte Forianer,

http://www.christmasmagazine.com/img/spirit/tschaikowsky.jpg
Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893)

Ouvertüre Solennelle "1812" op. 49

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Berezyna.jpg

Komponiert: 1882
Länge: ca. 16 Minuten

Ein Choral eröffnet das Werk, Klänge die einem orthodoxischen Kirchenlied gleich sind, liegt mir aber selbst nicht auf der Zunge. Es ist eigenartig feierlich und doch todernst. Es ist die Wiedergabe dieses Liedes, welches die Russen in Ihren Gottesdiensten erklingen ließen, als sie sich in den Gotteshäusern zusammenfanden, kurz nachdem die Franzosen an der Spitze Napoleon, den Russen den Krieg erklärten. Die Stimmung von damals lässt sich in diesem Anfangschoral sehr gut nachvollziehen. 600.000 Russische Soldaten standen knapp 700.000 französischen Soldaten gegenüber. Im Frühling 1982 komponierte Tschaikowsky diese Auftragskomposition. In diesem Werk findet man sich auf dem Schlachtfeld wieder. Die Kirche bekommt den Anfang, dann wechseln sich Themen zu den Nationalhymnen der Russen, sowie der Franzosen ab und gegen Ende rundet es in ein einziges Schlachtgetümmel. Es schallen die Siegerglocken von Marschähnlicher Musik begleitet, es rumst, blitzt und es fallen Ohrenbetäubende (man höre den DGG-Bernstein) Kanonenschüsse.
Ein Textausschnitt aus Wikipedia schildert den Verlauf der Ouvertüre treffend.

„Ein Thema der marschierenden Armeen folgt, ausgeführt durch die Hörner. Die französische Marseillaise spiegelt die anfänglichen französischen Siege im Krieg und die Besetzung von Moskau im September 1812 wider. Das russische Volkstanzthema gedenkt der Schlacht, die Napoleons Nachhut schlägt. Der Rückzug von Moskau im Oktober 1812 wird durch ein langes Diminuendo (Leiserwerden) ausgedrückt. Die folgenden Kanonenschüsse sollen die militärischen Angriffe der russischen Artillerie auf die französischen Flanken darstellen. Mit Glockengeläut und der musikalischen Darstellung eines Feuerwerks wird schließlich der Sieg und die Befreiung von der französischen Besatzung gefeiert. Unter den Kanonen und Hörnern hört man die russische Zarenhymne von Alexei Lwow: Gott erhalte den Zar. Die russische Hymne wird im Kontrapunkt zur vorher gehörten Marseillaise geführt.“

Um einfach nur Zahlen zu nennen (welche umstritten sind): Auf den Schlachtfeldern kamen umgerechnet 300.000 Franzosen um. 100.000 kamen in russische Gefangenschaft. Auf seitens der Russen konnte ich nur rausfinden, dass etwa 850.000 Soldaten und größtenteils Zivilisten diesem Krieg und den dadurch resultierenden Seuchen und Hungersnöten zum Opfer fielen. Der eisige Winter tat sein übriges. Eine Zahl die sich nicht in Worte fassen lässt. Die hässliche Fratze des Krieges, das viele Leid, überall Tod und Verderben. Man kann es wie ich meine am Anfang der Symphonie hören.

Dieses Werk ist angesichts der musikalisch-ergreifenden Wiedergabe und Erinnerung an dieses Geschehen von 1812 ein musikalisch-geschichtliches Meisterwerk! Kennengelernt habe ich dieses Werk vor über 2 Jahren. Damals übermittelte mir ein Forianer eine CD, in dem diese Ouvertüre unter Herbert von Karajan gespielt wurde. Aus Erinnerung weiß ich noch, dass mich das Werk nicht auf Anhieb begeistern konnte. Es kam nach und nach.

Ich darf folgende Aufnahmen mein Eigen nennen:

Berliner Philharmoniker / Herbert von Karajan / DGG / 1967
Montreal Symphonie Orchestra / Charles Dutoit / Decca / 1985
New Yorker Philharmoniker / Leonard Bernstein / Sony / 1962
Israel Philharmonic Orchestra / Leonard Bernstein / DGG / 1985


Steht’s kommt jetzt bei den gemeinsamen traditionellen Klassikstunden mit meinem Vater die Frage auf: „Wie wärs mit der Ouvertüre zu 1812 von Peter I. Tschaikowsky?“ Darauf sage ich nur Karajan, Bernstein, „der andere Bernstein“, Dutoit“ ??? . Die Antwort kommt dann immer prompt: Der Grammophon-Bernstein !!!

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947767046.jpghttp://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028943998321.jpg

Und zurecht! Zwar lässt Bernstein den Choral zu Anfang des Werkes nicht selbst zu Wort kommen, sondern überlässt dem Orchester deren Part und zaubert aus dem Orchestergraben eine eindringlich erklingende, ja ergreifende Darstellung dieses Orthodoxischen Liedes, bei diesem hören man sich unweigerlich in der Geschichte versetzt fühlt. Damit aber nur der Anfang. Bei Bester Klangqualität wuchtet Bernstein, wie von Ihm gewohnt durch das Werk. Kein anderer, nicht mal Karajan, oder Bernsteins alte Sony-Aufnahme werden dem Spektakel gerecht, welches Lenny und das Israel Philharmonic Orchestra hier aufziehen. Hier haben mich die Kanonenschüsse so manches mal gehörig erschreckt, echter, gewaltiger als bei den anderen. Es wäre wieder ein Fall für den „von diesen CD’s trenne ich mich nie“-Thread. Wenn ich eine Interpretation empfehlen darf, dann diese!

Hier ein Einblick dieses Werkes auf Youtube:
Seiji Ozawa dirigiert die Berliner Philharmoniker bei der "Ouvertüre 1812" Part 1
Seiji Ozawa dirigiert die Berliner Philharmoniker bei der "Ouvertüre 1812" Part 2

Ich liebe dieses Werk von ganzem Herzen und werde nicht Müde es zu hören :down :down :down

Ich weiß bereits, das manche Forianer diesem Werk ganz anders gegenüberstehen und wiederrum andere, welche diesem Werk bei passender Stimmung positiv gegenüberstehen.


??? Was liebt Ihr, die Ihr diese Komposition weniger schätzt, an diesem Werk nicht

??? Und Ihr, die Ihr diese Komposition gerne habt, was gefällt euch an diesem Werk

!!! Und Ihr, die Ihr dieses Werk nicht kennt: KAUFEN und euch hier darüber auslassen! :wink

Grüße
Daniel
Wotan (24.06.2009, 16:29):
Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Tchaikovsky selbst das Werk als "Krawallmusik" bezeichnet haben soll...kanns aber nicht belegen. Einerseits kann man ihm auch zustimmen, andererseits macht gerade das das Werk auch so schön wie ich finde.
Ich habe folgende Einspielungen:

New York Philharmonic Orchestra - Leonard Bernstein, 1984
Kirov Orchestra - Valery Gergiev
Philharmonia Orchestra - Herbert von Karajan, 1958
Philadelphia Orchestra - Riccardo Muti
Russian National Orchestra - Mikhail Pletnev

Auch wenn ich alle Einspielungen gelungen finde ist mein Favorit Gergiev, der wuchtig und lyrisch zugleich ist und auch für mich einen Deut besser ist als Bernstein.

https://shop.dg-literatur.de/cover/P0028947387329_1.jpg
Pollux (26.06.2009, 11:01):
Krawallmusik ist ein Euphemismus. Das ist das widerlichste Stück klassischer Musik, welches ich je das Missvergnügen hatte, zu hören. So tief ist Tschaikowsky zum Glück nur einmal gesunken. Dass man sich beim Abhören gewisser Einspielungen sogar die Boxen ruinieren kann ist nur gerecht. :D
Jürgen (26.06.2009, 16:12):
Meine erste:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61rHZIlXaVL._SL500_AA240_.jpg

Kunzel 1978

dann habe ich noch Dorati 1958
und ich glaube Barenboim aus den 80ern

Was gefällt mir nicht? Insbesondere die letzten Minuten, da reitet T. lustlos auf wenigen Akkorden rum, nur um dem Gebimmel eine Bühne zu bereiten. In der vorletzten Minute habe ich gezählt, da spielt das Orchester eine Akkord nicht weniger als 14 mal hintereinander. Da bin ich mehr als satt.
Es gab aber auch Zeiten, da habe ich es gerne gehört.

Es gibt allerdings ein Stück von T., das ich noch weniger mag. Und das ist Cappricio Italien. Daran ist aber nicht der Komponist schuld, sondern irgend so ein Schlagerfuzzi, der darauf Bianca reimte. Es tut mir selbst leid, aber das (sicherlich gute) Stück ist für immer und ewig verhunzt. :I

Grüße
Jürgen
daniel5993 (26.06.2009, 19:54):
Original von Wotan
New York Philharmonic Orchestra - Leonard Bernstein, 1984


Guten Abend Wotan,

Danke für deinen Beitrag! Gergiev habe ich eh auf meiner Liste gehabt, jedoch anderen den Vorzug gegeben. Wenn ich die Aufnahme mit Ihm und dem Kirov Orchestra gehört habe, werd ich hier noch drauf eingehen.
Diese Aufnahme "White Nights" gibts jetzt bei der eloquence-Reihe und sieht so aus:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028948018475.jpg

Wie ich deiner Auflistung oben entnehme, hat Leonard Bernstein, 1984 mit den New Yorker Philharmonikern die Ouvertüre „1812“ aufgenommen?! Ist das ein „Gedankenfehler“? Denn von dieser Zusammensetzung habe ich noch nichts gehört.

Grüße
Daniel
daniel5993 (26.06.2009, 20:55):
Guten Abend Jürgen,

auch dir sei Dank für deinen Bericht!

Original von Jürgen
Es gab aber auch Zeiten, da habe ich es gerne gehört.
:D

Ganz besonders das Ende liebe ich, da wird alles noch einmal aufgefahren, alles durcheinander und dann die Glocken und die letzten wuchtigen Schläge, Herrlich! Ich meine mich zu erinnern, dass du das Glockengeläut am Ende auch am Liebsten hattest .:D

Original von Jürgen
Es gibt allerdings ein Stück von T., das ich noch weniger mag. Und das ist Cappricio Italien. Daran ist aber nicht der Komponist schuld, sondern irgend so ein Schlagerfuzzi, der darauf Bianca reimte. Es tut mir selbst leid, aber das (sicherlich gute) Stück ist für immer und ewig verhunzt. :I
Das ist wirklich ärgerlich! Tod diesen Verhunzernhttp://www.smilies.4-user.de/include/Wut/smilie_wut_071.gif
Wenn man von Tschaikowsky spricht, spricht man in erster Linie vom Cappricio Italien :I.

Grüße
Daniel
daniel5993 (26.06.2009, 20:57):
Original von Pollux
Krawallmusik ist ein Euphemismus. Das ist das widerlichste Stück klassischer Musik, welches ich je das Missvergnügen hatte, zu hören. So tief ist Tschaikowsky zum Glück nur einmal gesunken. Dass man sich beim Abhören gewisser Einspielungen sogar die Boxen ruinieren kann ist nur gerecht. :D

Solch eine "Stellungnahme" hätt man sich auch sparen können :ignore
teleton (27.06.2009, 13:00):
Hallo daniel,

deinen Beitrag zur Ouvertüre 1812 habe ich erst heute gelesen. Ich höre die 1812 auch hin und wieder mal ganz gerne und habe mehr Aufnahmen als ich brauche, weil die eben auf vieln Tschaikowsky-CD´s mit drauf ist.
Ich finde pollux Beitrag auch nicht gerade "sexy" um es gelinde auszudrücken.

Die von Jürgen genanten Aufnahmen mit Kunzel (TELARC) und Dorati / Mineapolis SO (MERCURY) habe ich unter anderen auch. Es sind beide die Spectakulärsten, weil hier echte Kanonen und Musketen (genau nach Tschaikowsky´s Partitur) abgefeuert werden.
Während Kunzel eigendlich nur der Nachahmer der Super-Dorati-Aufnahme ist und auf dieses Spectacel ausgerichtet ist, muß ich sagen das Dorati für mich eindeutig vorzuziehen ist.
Ich hatte die Dorati-Mercury - LP schon in den 80er-Jahren und war damals hin und weg von diesem Sound (das Cover war das gleiche wie heute die CD). Dorati weis das Werk mit großer Spannung zu interpretieren. :down Der Streichersond hat einen Schmelz, der unwiederbringlich ist. Genau den von Jürgen monierten 14maligen (ich habe nicht gezählt) Akkord kommt bei Dorati mit einer großartigen steigernden Gestaltung bis zum Ausbruch.
:times10Die CD-Aufbereitung ist bei Mercury genail gut gelungen und besser als die LP; für mich bringt der digitale Kunzel, der sich ja meistens solcher "Orchestral Spectacular"-Music widtmet keine Vorzüge.

Auch Beethoven´s Wellingtons Sieg auf der CD (und LP) ist bei Dorati TOP eingespielt (bei Kunzel aber auch angemessen).

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61JBBW7SSRL._SL500_AA240_.gif
Mercury, 1958, ADD


:( - - - Eine lausige Aufnahme der 1912 ist übrigens Dutoit (Decca), der die Kanonen mit synthetischen Klängen künstlich aufbereitet.


*** Weitere Aufnahmen, die alle ohne echte Kanonenschüsse ( dann mit Paukenunterstützung ) kommen sind:
Swetlanow / Staatlicher SO der UDSSR Moskau (Eurodisc) - Superinterpretation mit Emotion und Spannung.

Karajan / Berliner PH (DG) - Karajan hat noch den DonKosackenChor zu bieten - diese Version ist bei vielen Klassikhörern sehr beliebt. Ich finde es nicht insgesamt schlecht, kann aber auf den Chor verzichten.

Dorati / Detroit SO (Decca) - das Dorati ein TOP-Tschaikowsky-Dirigent ist kommt auch bei seiner neueren Aufnahme voll zur Geltung - hier ohne die Kanonen. Die Aufnahme ist auf der Decca-Doppel-CD mit den Sinfonischen Dichtungen Tschaikowsky´s gekoppelt.

Bernstein / New Yorker PH (SONY) - in meiner Sinfonien - GA ist diese auch enthalten. Ich finde eine dem Werk angemessene normal gute Interpretation, an der es nichts auszusetzen gibt. Interessant das er laut daniel in Israel sogar besser war - ich kenne diese nicht.

:beer Aber ich liebe und schätze nunmal Dorati auf Mercury - an diese kommt IMO keine heran.
daniel5993 (27.06.2009, 14:38):
:helloHallo Wolfgang!

Original von teleton
Bernstein / New Yorker PH (SONY) - in meiner Sinfonien - GA ist diese auch enthalten. Ich finde eine dem Werk angemessene normal gute Interpretation, an der es nichts auszusetzen gibt. Interessant das er laut daniel in Israel sogar besser war - ich kenne diese nicht.

Um Welten besser !!!

Die New Yorker-Bernstein Aufnahme wirkt in meinen Ohren auch nicht mehr als durchschnittlich. Wo du die Kanonenschüsse angesprochen hast.... Ich habs zwar schon betont, tue dies aber gern immer wieder: Ein Ohrenschmaus, das geht durch Mark und Bein. Bei Dutoit und Karajan muss man sich diese (Kanonenschüsse) an der richtigen Stelle dazudenken, so leise sind diese im Vergleich.

Grüße
Daniel
Wotan (28.06.2009, 22:18):
Die Bernstein Einspielung von '84 ist natürlich die mit dem Israel Philharmonic. Ich hab da einen kleinen Fehler gemacht, weil die Sinfonien in der DGG-Box mit den New Yorkern eingespielt wurden. Sorry for that.
Hab mittlerweile auch gesehen, dass die Gergie "White Nights" Collection bei eloquence erhältlich ist. Preislich dann sicher erschwinglicher, wenngleich ich persönlich das Cover natürlich weniger ansprechend finde. :D
daniel5993 (29.06.2009, 00:58):
Original von Wotan
Die Bernstein Einspielung von '84 ist natürlich die mit dem Israel Philharmonic. Ich hab da einen kleinen Fehler gemacht, weil die Sinfonien in der DGG-Box mit den New Yorkern eingespielt wurden. Sorry for that.
Hab mittlerweile auch gesehen, dass die Gergie "White Nights" Collection bei eloquence erhältlich ist. Preislich dann sicher erschwinglicher, wenngleich ich persönlich das Cover natürlich weniger ansprechend finde. :D

Ich habe mich nur wegen des Covers gegen die eloquence-Ausgabe entschieden. Jedoch habe ich noch wieder eine andere ausgewählt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61EC8FPPMNL._SL500_AA240_.jpg

Das Programm ist größtenteils anders, aber 1812 ist drauf und darauf kommts an.


Grüße
Daniel


PS: Das Auge hört mit :ignore
Wotan (16.11.2009, 23:18):
Möchte den Faden hier wieder mal aufgreifen, da ich kürzlich die Neuaufnahme von Gergiev erworben habe:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/515mZjBIe8L._SL500_AA240_.jpg
Klangtechnisch toll, Interpretation finde ich auch gut, leider wird sie trotzdem hinter nahezu allen Aufnahmen der Ouvertüre zurückbleiben, denn die Kanonenschläge am Ende hört man nur, wenn man genau hinhört. Beim ersten hören kam es mir vor, wie ein schlechter Witz. Und ohne diese Schläge ist es nun mal nicht das gleiche. Ansonsten finde ich die Einspielung aber trotzdem gelungen und vor allem das Restprogramm der CD ist toll. Die Moskau Kantate, der Coronation March und die Festival Ouverture on the Danish National Anthem sind allesamt Werke von Tchaikovsky, die ich vorher nicht kannte. Der Marche Slave bleibt etwas blass, aber bei solchen Compilations ist immer irgendwas auszusetzen.
Jürgen (17.11.2009, 09:18):
Original von teleton
Die von Jürgen genanten Aufnahmen mit Kunzel (TELARC) und Dorati / Mineapolis SO (MERCURY) habe ich unter anderen auch. Es sind beide die Spectakulärsten, weil hier echte Kanonen und Musketen (genau nach Tschaikowsky´s Partitur) abgefeuert werden.


Wie teleton hier sagte, verwenden Kunzel und Dorati echte historische Kanonen, worauf die meisten anderen Einspielungen verzichten. Und das hat sicherlich einen guten Grund: Es ist aufwändig und damit teuer.
Ich war mal bei einer Freiluftveranstaltung, bei der historische Kanonen und Mörser abgeschossen worden sind. Das sind schon riesen Druckwellen. Man war gut beraten, Ohrstöpsel zu tragen, auch wenn man 50 Meter entfernt stand. Wenn man so etwas sauber aufnehmen will, kann man sicherlich keine normalen Studiomikrophone verwenden. Ich bin zwar kein Tontechniker, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie dabei schaden nehmen könnten.

Kurzum, diesen Aufwand kann man nur betreiben, wenn man sicher sein kann, dass der Markt ein Interesse daran hat.
Zu Doratis Zeiten (seine Aufnahme entstand 1958) war die Markteinführung der Stereo-LP im vollen Gange.
Bei Kunzel (1978) entstanden die ersten brauchbaren Digitalaufnahmen und die Einführung der CD stand bevor.
1958 war ich noch nicht dabei, aber die Kunzel CDs sind in den 80ern weggegangen wie warme Semmel.

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die ausführenden Musiker mehr Wert auf ihre eigene Leistung legen und weniger auf die Soundeffekte.


Grüße
Jürgen
Hosenrolle1 (04.05.2015, 16:13):
Original von Jürgen
Es gibt allerdings ein Stück von T., das ich noch weniger mag. Und das ist Cappricio Italien. Daran ist aber nicht der Komponist schuld, sondern irgend so ein Schlagerfuzzi, der darauf Bianca reimte. Es tut mir selbst leid, aber das (sicherlich gute) Stück ist für immer und ewig verhunzt. :I

Auweh, jetzt weiß ich, woran mich diese Melodie immer erinnert hat!

Aber ich mag das Stück trotzdem noch gerne, schon wie diese Melodie (eigentlich ein fieser Ohrwurm) durch den tiefen Wechselbass eingeleitet wird. (Obwohl ich diese plötzlichen schwirrenden Läufe der Geigen nicht so ganz nachvollziehen kann, meiner Meinung nach bremsen die diesen pulsierenden Rhythmus etwas aus.




LG,
Hosenrolle1