Geboren: * 7. Mai 1840 in Kamsko-Wotkinski Sawod Gestorben: † 6. November 1893 in Sankt Petersburg
Peter Iljitsch Tschaikowsky - Symphonie Nr. 1 "Winterträume" in g-Moll, op 13
Tschaikowskys erste Symphonie entstand 1866 und wurde erstmals am 3. Februar 1868 unter der Leitung von Nikolai Rubinstein vollständig aufgeführt.
Viel mehr kann ich schon nicht über diese Symphonie berrichten. Warum ich trotzdem diesen Thread gestartet habe, ohne viel erzählen zu können ist, dass ich diese Symphonie liebe, wie kaum eine andere! Selten wirkt eine Symphonie so deutlich auf mich ein! Selten gefallen mir alle vier Sätze einer Symphonie gleich. Ich kann mit Stolz sagen: ES IST MEINE SYMPHONIE! Dieser Romantisch-tragische, Herzzerreißende Geist, der durch diese Symphonie streicht ist umwerfend. Und dann dieser zweite Satz :engel, von Ihm geht mit seinen sehnsüchtigen, wehmütigen Themen, eine ganz besondere, heilende Kraft aus. Schöner kann man wohl kaum einen "langsamen" Satz komponieren, so über alles erhaben. Oh, jetzt hab ich doch einen Lieblingssatz. Dieser Satz könnte auch gut "Sommerträume" heißen. Die zweiten Geigen klingen wie Grillen, hinter den Hauptthemen.........
Wenn jemand an dieser Stelle über mehr Hintergrundwissen, über mehr Material rund um die Symphonie verfügt, bitte ich Ihn das einzubringen. Es würd mich interessieren, zumal mich schon etwas aufregt, dass selbst in der Bibliothek in so manchem Musikbewanderten Buch, NUR die Symphonien 4-6 aufgeführt werden. Sind es doch AUCH die Symphonien 1-3, die etwas zu sagen haben, manchmal sogar direkter, deutlicher als die Reiferen der Sechs vom russischen Symphoniker.
Irgendwoher ist bei mir immer dieser Satz, der einmal über Tschakowsky geäußert wurde steckengeblieben
"Er offenbarte uns die tief(e) romantische, russische Seele"
Wenn dieses Zitat auf eine Symphonie zielt, dann doch auf diese, seine erste, oder nicht?!
Ich besitze leider nur eine Aufnahme: http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5099708798727.jpg
Symphonie Nr. 1 "Winterträume" Aufgenommen in der Philharmonic Hall, New York, am 20. Oktober 1970
Satz 1: Allegro tranquillo 11'54 Satz 2: Adagio cantabile ma non tanto 12'15 Satz 3: Scherzo. Allegro scherzando giocoso 8'26 Satz 4: Finale. Andante lugubre Allegro maestoso - Allegro vivo 12'50
Und woher vermute (weiß) ich, dass ich auch in anderen Einspielungen, nicht die Leidenschaft spühren werde, wie hier? :D Weil dort nicht Lennys Schwenkarm über diesem Werk wedelt. Nein, jetzt mal im ernst, oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass nach Lenny, keiner mehr derart begeistern konnte. Ein bisschen wirds ich nicht nur die "russische" Seele sein, die hier dem Hörer offenbart wird, sondern auch ein Stück von Lennys Seele baumelt in dieser Aufnahme mit.
Habe in den letzen Wochen stark darn gedacht die Gesamtaufnahme der Symphonien unter Claudio Abbado zu kaufen. Sie Ist allerdings sehr teuer und auf meine Anfrage in "Hilfe bei Neuanschaffungen" konnte mir niemand Auskunft geben. Da ich in nächster Zeit auch keine Möglichkeit habe Probe zu hören, wäre es nett, wenn jemand, der sowieso gerade die Möglichkeit hat Probezuhören oder wie auch immer......., eventuell auch mal bei Abbado reinhören könnte und hier vielleicht ein Paar Worte dazu verliert.
??? Mich würd interessieren, welche Wirkung diese Symphonie auf euch hat? ??? Gefällt Sie den Forianern? ??? Teilt Ihr mitunter meine Liebe zu diesem Werk? !!! Bitte ergänzt, was zu ergänzen ist! !!! Natürlich interessiert mich euer Favorit
Von mir bekommt sie :times10 möglichen Punkten
Grüße Daniel :hello
Rachmaninov (05.06.2008, 18:09): @Lieber Daniel,
es ist schön zu lesen wie sehr Du Dich hier für das Werk von Tschaikowsky begeisterst und diesen Thread startest. Nun, mein bBeitrag ist eher gering, um nicht zu sagen, eigentlich keiner.
Tchaikovsky's 6. Sinfonie wurde ja von ihm als sein bedeutenstes Werk angesehen und er verstarb nach diesem persönlichen "Requiem" (?) ... Leider konnte mich diese Sinfonie nicht so recht begeistern und so habe ich mich mit seinem sinfonischen Schaffen nicht weiter beschäftigt. Übrigens auch nicht mit seinem Klavierwerk.
Aber irgendwas muss ja nun dran sein am Mythos Tchaikovsky .....
Jedenfalls laß ich erst die Tage die "Aussage Schostakowitsch's", daß Nikol Rimsky-Korssakoff erst befreit komponieren konnte als Tchaikovsky verstorben war...
So, jetzt bin ich aber gespannt an postings, die näher am Thema sind :D
daniel5993 (05.06.2008, 20:19): Guten Abend Rach,
Dank dir Rach, für deinen Beitrag! Das Wetter ist wohl für die geringen Forenbesuche unserer Mitglieder schuld.
Gegenüber der 6. Symphonie Tschaikowskiy, ist die erste weit durchsichtiger. Es gibt Themen, Melodien, die jeden Satz für sich deutlich ausmachen. Die 6. ist weit komplizierter und meiner Meinung nach auch nicht gerade der Beste Einstieg in die Symphoniewelt Tschaikowskys. Hier in der ersten ist Tschaikowsky noch freigibieger mit Melodien, welche einen schnell gefangen nehmen und die man so schnell auch nicht wieder los wird "Ohrwürmer" und doch ist verblüffend, dass ich dieses Werk doch immer wieder neu hören kann, ohne dessen überdrüssig zu werden. Vielleicht versuchst du es ja eines Tages doch noch einmal. Übrigens, wo du Tschaikowskys Klavierwerke angesprochen hast, auf einer alten Schallplatte (Rückseite) befand sich mal ein begeisterter Bericht, eines Mannes der schwärmend über die "immernoch wenig beachtete" Klavierwelt Tschaikowskys berichtete. Auch ich kenne in dieser Richtung noch nichts. Aber durch diese innige Beschreibung dieses "Jemand" ists doch im Hinterkopf geblieben. Und wer weiß ? Eines tages............
Grüße Daniel
daniel5993 (06.06.2008, 12:55): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028945951829.jpg Symphonien Nr. 1-3 Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan 1966
Die Hörschnippsel bei JPC vermittelten mir eine sehr schöne Aufnahme der ersten unter der Karajanfuchtel. Der Anfangssatz kam mir zwar ein wenig gehetzt vor, aber der Rest war sehr überzeugend! Hab mich jetzt (als zweitaufnahme) für die von Karajan entschieden.
Gruß Daniel
Gamaheh (06.06.2008, 15:27): Lieber Daniel,
leider kann ich auch nichts beisteuern, weil es schon so sehr lange her ist, daß ich Tschaikowskys Symphonien gehört habe; davon habe ich - glaube ich - die erste zuletzt kennengelernt, obwohl ich mir nicht sicher bin, daß ich eine zweite oder dritte überhaupt kenne ... Ich muß mal nachsehen! Die anderen hört man ja gelegentlich im Konzert. Ich muß gestehen, daß ich seinerzeit am liebsten die "Manfred"-Symphonie mochte. Aber Deine Vorliebe kann ich auch durchaus nachvollziehen.
Tschaikowskys erstes Klavierkonzert kennst Du doch sicherlich? Er hat auch einige sehr schöne Kammermusikwerke mit Klavier geschrieben.
Leider gilt Tschaikowsky bei vielen als "primitiver" Musikgeschmack, was vielleicht daran liegt, daß seine Musik ungeheuer populär ist und zu allem Überfluß auch zu seinen Lebzeiten war und er - im Gegensatz zu manchen anderen - sehr gut davon leben konnte. Aber mir ist das wurst, ich gebe sogar zu, daß ich Beethovens Chorfantasie mag!
Grüße, Gamaheh
daniel5993 (06.06.2008, 16:04): Hallo Gamaheh,
Danke für dein Beitrag!
Original von Gamaheh Ich muß gestehen, daß ich seinerzeit am liebsten die "Manfred"-Symphonie mochte.
Die kenne ich wiederum (noch) nicht.
Original von Gamaheh Tschaikowskys erstes Klavierkonzert kennst Du doch sicherlich? Er hat auch einige sehr schöne Kammermusikwerke mit Klavier geschrieben.
Ja, ich hab sein erstes Klavierkonzert schon mal gehört, aber "verinnerlicht" habe ich noch keines seiner KK. Wenn ich ein hoffentlich langes Leben habe, werde ich auch bei Zeiten auf seine Kammermusik zurrückkommen. Aber zur zeit hat sooo vieles andere Priorität, wie z.B seine Symphonien :wink
Original von Gamaheh Aber mir ist das wurst, ich gebe sogar zu, daß ich Beethovens Chorfantasie mag!
Ich mag die Chorfantasie auch sehr! Hab vor Zeiten dazu einen Thread gestartet. :cool
Ich wünsche dir, dass du eines Tages bei deinen Konzertbesuchen auf die 1. Symphonie von Tschaikowski triffst. Dieser Thread kann solange warten :wink
Grüße Daniel
Nordolf (06.06.2008, 19:17): Hallo Daniel!
Die 1. Symphonie ist ein wunderbares romantisches Werk. Mir persönlich scheint sie von der Stimmung her mit Schumanns Vierter eng verwandt - aber eben in russischer "Gestimmtheit". Tschaikowsky hat hier einige russische Volkslieder direkt oder in Anlehnung verarbeitet: z.B. den "Gesang der Wolgaschiffer" oder "Der Garten blüht auf". Sie zeigt Tschaikowsky schon früh als genialen Melodienerfinder- und finder.
Sie gehört zu den Symphonien, die sehr visuell angelegt sind. Nicht nur, das der Komponist das Werk als "Winterträume" bezeichnete, auch die ersten zwei Sätze tragen Überschriften: 1. Traum von einer Winterreise und 2. Land der Öde, Land der Nebel. Das Visuelle ist hier allerdings in typisch romantischer Manier ins Innere des Träumers verlegt. Die winterlichen Naturlandschaften werden als seelische auf den Menschen bezogene Landschaften erlebt: - im "Nebel" verschmelzen beide miteinander.
Tschaikowsky stand zur Zeit der Arbeit an der Symphonie unter starkem seelischen Druck. Dieser war zu einem großen Teil selbst geschaffen, hing aber auch mit gesellschaftlichen Erwartungen zusammen, denen er glaubte, genügen zu müssen. Trotz seiner Homosexualität versuchte er sich für Frauen zu interessieren, und schrieb dem Vater von Heiratsplänen. Diese verkrampfte Anpassungsdisziplin endete dann später in einem Suzidversuch.
Die Symphonie enstand fast ausschließlich nachts. Sein Bruder Modest hat die seelische Verfassung Tschaikowskys beim Komponieren der 1. Symphonie so beschrieben:
"Nicht eine einzige seiner Kompositionen hat ihm soviel Mühe und soviel Qual gekostet wie gerade diese Symphonie... Ende Juni kam es zu schrecklichen, nervösen Anfällen. Der herbeigerufene Arzt konstatierte, das Peter Iljitsch nur 'um einen Schritt vom Wahnsinn' entfernt und daß die Lage verzweifelt sei. Die Krankheit äußerte sich hauptsächlich und am fürchterlichsten darin, daß Peter Iljitsch von Halluzinationen und von einem beklemmenden Angstgefühl verfolgt wurde... Nach jener Symphonie ist nicht eine einzige Note seiner Kompositionen nachts entstanden."
Herzliche Grüsse! Jörg
daniel5993 (06.06.2008, 20:03): Guten Abend Jörg,
Danke für deinen Beitrag!
Schön, dass du dieses Werk kennst und schätzt! Ich dachte schon allein auf weiter Flur zu stehen. Auch schön, dass du etwas Geschichte ums Werk mitgebracht hast! Ich hab überall nachgeschaut, wo ich Möglichkeiten gesehen habe etwas über z.B die Entstehung dieses Werk herauszufinden. Kein Erfolg!
Wenn ich an den zweiten Satz denke und darüber was Tschaikowskis Bruder über die Entstehung der Symphonie sagte, wird mir auch klar, warum doch ein gewisser "düsterer Schleier" über diesem Werk hängt. Es wurden unter anderem die Gesellschaftlichen Erwartung gegenüber Tschaikowski und seiner ersten Symphonie angesprochen. Ich hab mal einen Einfühlsamen Bericht über Johannes Brahms gelesen und seinem jahrelangen, nein, jahrzehntelangem Kampf, an seiner ersten Symphonie um den Erwartungen an die Gesellschaft, nach dem Großen Ludwig van Beethoven gerecht zu werden. Damit war er wohl nicht der einzige.
Grüße Daniel
teleton (07.06.2008, 11:52): Hallo Daniel,
die Tschaikowsky: Sinfonie Nr.1 - Winterträume schätze ich schon sit den 80er-Jahren. Nachdem ich die "Hauptsinfonien 4-6" höchst erfolgreich in Karajan´s DG-Aufnahmen der 60er-jahre kennen und schätzen gelertnt hatte, wollte ich auch seine fühen Sinfonien Nr.1-3 kennenlernen. Ich griff dazu gewohnheitsgemäß zu einem Interpreten aus dem Herkunftsland, weil ich damit immer die Besten Erfahrungen gemacht habe (es sollte also hier eine russische Aufnahme sein), Hier km dann die Schallplattenmarke Eurodisc in Frage: * Jewgenij Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR Moskau (Eurodisc). Das ich mit Swetlanow wiedereinmal den bestmöglichen Einstieg hatte, sollte ich erst viele Jahre später feststellen.
Später habe ich noch eine ganzte Reihe weiterer Aufnahmen gehört (u.a. Yuri Ahronowitsch = technisch schlechte Aufnahme, Stein - Bamberger Sinfoniker; u.a.....). davon haben mich dann auf CD nur zwei Aufnahmen wirklich begeistert: * Karajan / Berliner PH (DG 1979) Da Karajan für mich zu den wirklichen Größen als Tschaikowsky-Dirigenten gehört, war mir klar, das er auch bei den ersten Sinfonien nicht danebenliegt. Dies fand ich nach dem Kauf der Tschaikowsky-Sinfonien - GA (DG) bestätigt und hatte dann auch weitere Interpretationsvergleiche aus seinem 70er-jahre-Zyklus der Sinfonien Nr.4-6 zur Verfügung, denn mein Tschaikowsky-Erstkontakt sind die fabelhaften 60er-Jahre - Aufnahmen (DG) -- nebenbei: die EMI-Aufnahmen mit ihm sind klanglich daneben, also für mich indiskutabel. Karajan versteht es die jugendlichen Schwächen der Kompositionen zu überspielen und zaubert perfekte Frühwerke - für mich sehr gelungene und spannende Interpretatiomen der Sinfonien Nr. 1-3. Klanglich ist die Aufnahmeauch fabelhaft und natürlich von DG eingefangen. Damait hat sie bei mir schonmal einen dicken Pluspunkt verdient, denn ein früherer Fehlkauf (Ahronowitsch) stellte sich als lausiges MONO heraus. Daran konnte ich keine Hörspaß empfinden.
Du schreibst in deinem Beitrag Karajan 1966. Da unterliegst Du einem Irrtum. Ich habe soeben das Textheft der Karajan-GA geholt. Hier die Aufnahmeedaten: Sinfonien Nr.1-3 (1-2/1979)
diese Sinfonien wurden von Karajan nur einmal eingespielt. Sinfonie Nr.4 und 6 (5 und 12/1976), Sinfonie Nr.5 (10/1975), alle ADD; also noch bester Analogsound.
Wegen der zahlreichen Einschätzungen in Klassikforen zu Bernstein, habe ich mir 2006 auch die *** Bernstein/New Yorker PH als GA (SONY) gekauft, die Du auch hast (CBS 1970) ......... :times10 mein Eindruck zu Bernsteins Interpretation Sinfonie Nr.1 Wintertrüme war überwältigend. Bisher die erste Aufnahme die an Swetlanows´s refenerenzwürdiger Aufnahme anknüpft (wenn auch mit ganz anderen Mitteln). Ich habe nach dem Kauf in 2006 an anderer Stelle geschrieben, das es meine neue Lieblingsaufnahme der Winterträume ist. Ich müßte diesen Eindruck anhand der Aufnahmen mit Swetlanow, Karajan und Bernstein heute nochmal überprüfen, denn ich habe das Werk lange nicht mehr gehört. Da jetzt der Sommer ansteht, kann dies ggf. nach etwas dauern, denn die Winterträume habe ich immer gerne zum Winter gehört.
Klanglich ist die Sinfonie Nr.1 mit Lenny in New York gut gelungen und macht "Hörspaß ohne Ende". Leider ist diese GA klanglich sehr uneinheitlich - es sind Aufnahmen dabei die die Aufschrift der SONY-Box klar erkennen lassen: COLUMBIA LEGENDS.
daniel5993 (07.06.2008, 13:32): Original von teleton Du schreibst in deinem Beitrag Karajan 1966. Da unterliegst Du einem Irrtum. Ich habe soeben das Textheft der Karajan-GA geholt. Hier die Aufnahmeedaten: Sinfonien Nr.1-3 (1-2/1979)
diese Sinfonien wurden von Karajan nur einmal eingespielt. Sinfonie Nr.4 und 6 (5 und 12/1976), Sinfonie Nr.5 (10/1975), alle ADD; also noch bester Analogsound.
Hallo Wolfgang,
Die Jahreszahl 1966 fand ich bei JPC in der CD-Beschreibung zu den Symphonien 1-3. Dort sind aber schon öffter Fehlangaben gemacht worden!
Gruß Daniel
Amadé (07.06.2008, 21:13): Hallo Daniel,
es freut auch mich, dass es hier im Forum Musikfreunde gibt, die in Sachen Tschaikowsky nicht immer nur die letzten drei Sinfonien beachten und lieben, sondern auch den Erstlinge zumindest gelegentlich ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Als zu Beginn der 70er Jahre die DGG ihre ersten Aufnahmen in den USA mit dem Boston Symphony Orchestra machte, durfte ein damals zumindest in Europa wenig bekannter junger Dirigent Tschaikowskys 1. in die Rillen bannen: Michael Tilson Thomas. Ich kenne die Aufnahme leider nicht, sie scheint auch im Augenblick vergriffen zu sein. Von den frühen Sinfonien schätze ich Dorati (Mercury), Markevitch (Philips) und Svetlanov (BMG-Melodya).
Neben der 1. Sinfonie möchte ich aber auch auf die beiden folgenden hinweisen, die auch wie die erste einen Beinamen haben: Nr.2 c-moll op 17 "Kleinrussische" Nr.3 D-dur op.29 "Polnische"
Von den ersten dreien gefällt mir die 2. am besten. Von dieser sind auch die meisten Aufnahmen erstellt worden. Ich habe nicht nachgesehen, ob hier ein eigener Thread besteht, wenn nicht, sollte er in Erwägung gezogen werden.
Herzliche Grüße Bernd
daniel5993 (07.06.2008, 23:02): Original von Amadé
Neben der 1. Sinfonie möchte ich aber auch auf die beiden folgenden hinweisen, die auch wie die erste einen Beinamen haben: Nr.2 c-moll op 17 "Kleinrussische" Nr.3 D-dur op.29 "Polnische"
Guten Abend Bernd,
Die 2. Symphonie höre ich auch gern! Der dritten habe ich mich noch garnicht zugewand.
Grüße Daniel
Zelenka (08.06.2008, 07:39): Original von Amadé Als zu Beginn der 70er Jahre die DGG ihre ersten Aufnahmen in den USA mit dem Boston Symphony Orchestra machte, durfte ein damals zumindest in Europa wenig bekannter junger Dirigent Tschaikowskys 1. in die Rillen bannen: Michael Tilson Thomas. Ich kenne die Aufnahme leider nicht, sie scheint auch im Augenblick vergriffen zu sein.
MTT's Aufnahme gibt es immer noch auf einem DG Original, in welcher Form ich sie auch besitze:
daniel5993 (09.06.2008, 00:02): Original von Zelenka http://ecx.images-amazon.com/images/I/413AB0C388L._SL500_AA240_.jpg
Ein Cover, welches die Symphonie eindrücklich beschreibt!
Oh, wie ich doch manchen Tages diese schöne große Langspielplatte vermisse , mit Ihren großen (oft beeindruckenden) Abbildungen und den (meist) schönen Beschreibungen des jeweiligen Werkes, auf der Rückseite, groß und übersichtlich. (Man muss nicht minutenlang an den Booklets zerren, bis die CD-Halterung sie freigibt....) Dieses Geräusch, wenn die Nadel auf die Platte aufsetzt und nebenher das lebendige Atmen der Platte (welches mich nie störte). Ja, die Platte hatte auch viele Vorteile!
So, habe mich letztens an die Aufnahme mit Vladimir Fedoseyev herangewagt, eine Aufnahme, welche mir beim Probehören (JPC-Schnippsel) recht gut gefiel. Was mich jedoch zu hause erwartete, war eine schlecht aufgenommene (recht dunkel und dumpfe) Aufnahme und zum anderen eine manchmal, z.B im ersten Satz unheimlich langezogene und Spannungsarme Interpretation dieser ersten Symphonie von Tschaikowski, meiner inzwischen Lieblingssymphonie. Meiner Meinung nach nicht Konkurenzfähig, schon garnicht mit der Sony-Aufnahme unter Bernstein, welche Anfang der 60er Jahre entstand und Klanglich dieser Aufnahme hier unter Fedoseyev, aufgenommen 1998, überlegen ist. Diesmal habe ich erfahren,
1. dass solch eine Interpretation & Klangqualität ein Werk weniger genießbar machen kann. 2. dass man sich bei den JPC-Schnippsel ordentlich VER-hören kann 3. dass ich wieder einmal mehr zu schätzen weiß, was Leonard Bernstein Anfang der sechziger auf die Beine gestellt hat, eine Interpretation voller Spannung und Feuer, eine Interpretation, die NIE langweilig wird und einen in Ihren Bann zieht.
Die von mir ebenfalls bestellte Aufnahme unter Tilson Thomas (weiter oben schon "vorgestellt", so habe ich erfahren, ist nicht mehr lieferbar, auch nicht unter den Amazon "Unterhändlern" :I (Für diese Information ließ man mich 1,5 Monate warten) Ich meine eine FRECHHEIT!
Letzte Woche ist diese Symphonie unter der Fuchtel Karajans bei mir zu Hause angekommen, mal sehen was diese an Überraschung birgt?! http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028945951829.jpg
Grüße Daniel
teleton (22.08.2008, 15:30): Hallo daniel,
da bin ich mal gespannt auf Deine Neurteilkung der Karajan - Aufnahmen (DG 1079), die ich ja schon vor Monaten erwähnte und seit Jahren schätze.
Große und äußerst positive Überraschung war, genau wie bei Dir Bernstein (SONY), die mich ebenfalls überwältigt hat. Das ist aber auch genau die richtige Gefühlsmusik, die für Bernstein mit seiner Emotionalität genau an der richtigen Adresse ist.
Das Fedossejew eine weniger begeistermde Aufnahme ist, habe ich auch mit Interesse gelesen. Gerade dieser Dirigent ist ansonsten für solches russische Repertoire TOP. Höre Dir mal Strawinsky´s Sacre (JVC-CD) an, das ist der Wahnsinn. Das die Klangqualität dieser 1998er-Aufnahme der Winterträume schlechter ist als Bernstein´s CBS-Aufnahme ist schon verwunderlich - wer weis wo die wieder ausgegraben wurde (bei BRILLANT gibt es auch solche Negativbeispiele). *** Es ist aber eine Erscheinung die ich beobachtet habe, das oft neuere russische Aufnahmen einfach nicht mehr den BISS von damals haben und an die alten aus den 60er-70er-Jahren nicht herankommen, als es diese Werke auf dem Label Eurodisc auf LP gab - - - das waren noch Glanzzeiten der russischen Orchesterkultur mit Dirigenten wie Mrawinsky (der leider oft klanglich schlecht eingefangen wurde), Kondraschin, Roshdestwensky, Swetlanow, Kitaenko und auch Fedossejew.
daniel5993 (22.08.2008, 18:38): Original von teleton
*** Es ist aber eine Erscheinung die ich beobachtet habe, das oft neuere russische Aufnahmen einfach nicht mehr den BISS von damals haben und an die alten aus den 60er-70er-Jahren nicht herankommen, als es diese Werke auf dem Label Eurodisc auf LP gab - - - das waren noch Glanzzeiten der russischen Orchesterkultur mit Dirigenten wie Mrawinsky (der leider oft klanglich schlecht eingefangen wurde), Kondraschin, Roshdestwensky, Swetlanow, Kitaenko und auch Fedossejew.
Hallo Wolfgang,
Auf Svetlanov hat Amade oben ja schon hingewiesen, aber ich habe keine Symphonie Nr. 1 unter ihm im Handel erblickt!
Zu Karajan geb ich demnächst meinen Senf ab.
Grüße Daniel :hello
Amadé (22.08.2008, 19:17): Original von Daniel Auf Svetlanov hat Amade oben ja schon hingewiesen, aber ich habe keine Symphonie Nr. 1 unter ihm im Handel erblickt!
Doch Daniel, letztes Wochenende wurden alle 6 mit Svetlanov bei ebay angeboten.
Gruß Amadé
daniel5993 (22.08.2008, 21:13): Original von Amadé Original von Daniel Auf Svetlanov hat Amade oben ja schon hingewiesen, aber ich habe keine Symphonie Nr. 1 unter ihm im Handel erblickt!
Doch Daniel, letztes Wochenende wurden alle 6 mit Svetlanov bei ebay angeboten.
Gruß Amadé
Guten Abend Amade,
Mit Ebay habe ich, auch was CD'S angeht superschlechte Erfahrungen! Werde mich immer mal wieder nach Neuware umsehen....
Grüße Daniel
Amadé (22.08.2008, 23:40): Lieber Daniel,
dann kann ich Dir nur raten zu sparen, andere Wünsche zurückzustellen und diese noch lieferbare Box anzusteuern:
daniel5993 (23.08.2008, 10:01): Danke Amade für deine Hilfe!
Dafür müsst ich allerdings wirklich alle anderen Wünsche fallen lassen und sparen....! Würdest du die anderen Symphonien von Tschaikowski aus dieser Box auch als "eher" herrausragend empfehlen? Wenn ich nur im Sinn hätte diese Überteure Box wegen der ersten Symphonie zu kaufen wäre das glaub ich ganz schön dumm. Habe nämlich für etwas über 20 € (Neu) nur die Symphonie Nr. 1 mit Svetlanov und dem USSR Symphonie Orchestra bei amazon entdeckt. Ich gehe mal davon aus, dass das dieselbe Aufnahme ist. Mit diesem Cover...
satie (25.08.2008, 01:19): Lieber Daniel, ich habe mir jetzt, nach langer Zeit Tschaikowskis Erste mal wieder angehört. Zuletzt habe ich sie ungefähr vor 14 Jahren gehört, im Konzert, wo sie mir keinen bleibenden Eindruck vermitteln konnte. Um es vorweg zu nehmen: auch diesmal kann ich mich für die Winterträume nicht recht erwärmen... Zwar zeigt das Werk die für mich grundsätzlich positiven Eigenschaften eines Erstlingswerks, eine ungeheure Lust am experimentieren mit Registern und Farben, aber auch ein gewisses mangelndes Geschick an der großen Form (das man eventuell aber durch eine gute Interpretation auch teilweise retten kann). Dieses Phänomen fällt mir auch bei Sibelius auf, dessen erste Symphonie noch eine Brüchigkeit aufweist, die auf eine gewisse Weise reizvoll ist, aber eben auch als Mangel erscheinen kann. Mich persönlich enttäuscht hier bei Tschaikowski insbesondere das Scherzo, welches die bei Tschaikowski öfter vorkommenden kleinen Phrasenwiederholungen elend vorführt. Aber nun gut, schwer zu sagen, was genau sich der Komponist bei diesem Satz gedacht hat. Mir scheint das jedenfalls auch kein eigentliches Scherzo zu sein (mit diesem elegischen Seitenthema in den Celli vor allem). Auch instrumentatorisch ist zwar schon eine Menge los, aber es ist nicht ausgereift (zum Beispiel diese Streichermelodien, die dann ein aufgesetztes Holzbläser-Ensemble als Begleitung erhalten...irgendwie klingt das eigenartig). Der letzte Satz beginnt auch mit diesen Wiederholungen, die mir nicht so plausibel erscheinen. Ist das Emphase? Oder macht er das nur, damit es regelmäßig wirkt? Auch scheinen mir hier die Holzbläser über dieser Streicherkantilene wie ein erzwungener kontrapunktischer Versuch, der gar nicht nötig wäre. Dann die dreimalige Motivwiederholung in den tiefen Streichern, bevor der Anlauf ins schnelle Tempo kommt. Hier muss die Interpretation retten, was mir nicht schlüssig scheint. Schöner wäre, wenn die musikalische Struktur selbst die Logik liefern würde. Aber gut, das kann man sicherlich auch ganz anders empfinden. Selbst der Schluss scheint mir wie angehängt, eine doch recht schematische Kadenz. Trotzdem: die Qualität liegt in den Farben der ersten Sätze (die mir weit stärker scheinen als das Scherzo und der Finalsatz), auch gibt es instrumentatorisch dort sehr schöne Stellen. Meiner Ansicht nach aber fehlte Tschaikowski noch das Vermögen, die ganze Symphonie wirklich als ein Werk zu konzipieren. Die zweite und die dritte Symphonie erscheinen mir dagegen schon viel durchdachter. Aber ich kann schon verstehen, dass man in der ersten auch so etwas wie den Drang nach der Gestaltung spürt und gerade diesen schätzt. Mir liegt sie nicht, weil mir einfach doch die Konsistenz fehlt (zumindest dann stört mich das, wenn ich nicht die Einzelmomente hören möchte oder kann, aus welchen Gründen auch immer). Wirklich qualifiziert könnte ich mich allerdings auch erst äußern, wenn ich mehr über das Werk wüsste und die Partitur vor mir hätte.
Herzlich, S A T I E
Poztupimi (25.08.2008, 19:16): Original von daniel5993
Die von mir ebenfalls bestellte Aufnahme unter Tilson Thomas (weiter oben schon "vorgestellt", so habe ich erfahren, ist nicht mehr lieferbar, auch nicht unter den Amazon "Unterhändlern" :I (Für diese Information ließ man mich 1,5 Monate warten) Ich meine eine FRECHHEIT!
Grüße Daniel
Schau mal hier!
Gruß, Wolfgang
daniel5993 (25.08.2008, 20:02): Original von Poztupimi Original von daniel5993
Die von mir ebenfalls bestellte Aufnahme unter Tilson Thomas (weiter oben schon "vorgestellt", so habe ich erfahren, ist nicht mehr lieferbar, auch nicht unter den Amazon "Unterhändlern" :I (Für diese Information ließ man mich 1,5 Monate warten) Ich meine eine FRECHHEIT!
Grüße Daniel
Schau mal hier!
Gruß, Wolfgang
Hallo Wolfgang,
Dank dir! Bei ch___marche_24 hatte ich die CD bestellt und dann wurde mir mitgeteilt, dass sie nicht mehr lieferbar sei. Aber: Kein Grund es nicht nocheinmal unter einem anderen Händler zu probieren!
Zwar zeigt das Werk die für mich grundsätzlich positiven Eigenschaften eines Erstlingswerks, eine ungeheure Lust am experimentieren mit Registern und Farben, aber auch ein gewisses mangelndes Geschick an der großen Form (das man eventuell aber durch eine gute Interpretation auch teilweise retten kann).
Recht haste! Es ist zwar keine Pathetique (großräumig Gedacht), aber diese unerhörte Direktheit, diese Energie welche von dieser Symphonie ausgeht, begeistert mich so. Und dann kommen wir schon zur Interpretation: Mein Tipp heißt Bernstein, Bernstein, Bernstein. Einmal, Ende 1970 nahm er diese Symphonie für SONY auf und wie ich oben schon einmal geschrieben habe, ists bisher "nur" diese Interpretation, welche Feuer besitzt und in meinen Augen auch die "große Form", welche deiner Meinung nach die Interpretation retten kann. Inzwischen habe ich auch die erste mit Karajan gehört, welche mich zwar durch das schnelle Tempo oft iritiert und dadurch auch oft diese hoch aufgepuschte Spannung nimmt, wie es bei Lenny der Fall war. Dennoch gefiel mir Karajan weit besser als Fedoseyev.
Viel wird sich wohl auch nicht bei deinen Eindrücken ändern, wenn du Lennys Erbe gehört hast, aber ich denk du wirst bestimmt erkennen, dass Bernstein etwas schönes Großes mit seiner Aufnahme geschaffen hat, welche dich an eine große Form, wie du sie suchst, erinnern könnte! Hier hört man eindrucksvoll, was aus einem solchen Anfangswerk geschaffen werden kann!
Grüße Daniel
Poztupimi (25.08.2008, 21:10): Original von daniel5993
Dank dir! Bei ch___marche_24 hatte ich die CD bestellt und dann wurde mir mitgeteilt, dass sie nicht mehr lieferbar sei. Aber: Kein Grund es nicht nocheinmal unter einem anderen Händler zu probieren!
Grüße Daniel
Lieber Daniel,
denke ich auch. Letztens habe ich mich noch darüber geärgert, daß ich die Schneiderhan/Seemann-Aufnahme der Brahms-Violinsonaten nicht zum Normalpreis im Mediamarkt gekauft habe und sie jetzt bei amz...de für über 30€ (und deutlich mehr) angeboten wird. Und dann habe ich sie bei amaz in den USA gefunden, neu und mit Porto für zusammen knapp 11€ :D
Ich denke, Du wirst MTT noch bekommen.
Gruß, Wolfgang
Dr. Schön (17.09.2008, 14:25): http://ecx.images-amazon.com/images/I/61S6RMWJKKL._SL500_AA240_.gif
Ich höre sie gerade auch mal wieder. Naja, ich halt ein Frühwerk. Die ersten Sätze fließen schön für sich hin und das Finale bleibt ein wenig ziellos. Swetlanow macht seine Sache sehr gut. Wirklich alles was sich bietet, wird zur Erzeugung von Spannung verwendet, ohne, dass es aufgesetzt oder zu sehr über sich hinausgeholfen anmutet. Auch gibt es hier ein paar klangliche und farbige Reize, die ganz nett sind und späteres ein wenig ankündigen.
Hübsch anzuhören.
Dr. Schön
teleton (24.10.2008, 12:12): Hallo Dr. Schön und daniel,
die von Dir gezeigte Swetlanow-Aufnahme (Melodiya) habe ich "nur" als Eurodisc-LP von den Sinfonien Nr.1-3.
Eigendlich höre ich kaum noch Schallplatten, aber einen Fundus der Raritäten (ca.150Stück) habe ich dennoch behalten. :down Gestern habe ich im Hobbyraum diese Swetlanow-Aufnahme (nach Jahrzehnten) wiedergehört. Was Du in deinem Beitrag schreibst halte ich für untertrieben (von wegen hübsch anzuhören). :engel Die Interpretation ist einfach perfekt und bis auf das letzte ausgereizt. Die Atmosphäre ist einmalig und wird durch das relativ hallige Klangbild des Staatlichen SO der UDSSR erezeugt. Spannung pur und genau wie Du auch treffend schreibst: Swetlanow macht seine Sache sehr gut. Wirklich alles was sich bietet, wird zur Erzeugung von Spannung verwendet, ohne, dass es aufgesetzt oder zu sehr über sich hinausgeholfen anmutet.
Ich habe danach meine Bernstein-Aufnahme (SONY) gehört, die daniel und ich gleichermaßen hoch schätzen. Das ist Emotion pur, genau wie Swetlanow. Auch fabelhaft, aber die russische Atmosphäre und die phänomenalen Blechbläser - ja, das können tatsächlich nur die Russen.
:hello Dr.Schön Wie sieht es mit der Klangqualität der Melodiya-Cd´s aus ? Meine 3 LP´s mit Swetlanow haben so manchen Knacker und sind auch klanglich nicht so rein, wie meine CD-Aufnahmen mit Bernstein und Karajan. Haben die ein brauchbares Remastering (ist bei den russischen CD´s ja oft ein Problem) ?
Dr. Schön (24.10.2008, 12:29): Hallo teleton,
ich habe die oben abgebildete Doppel CD, die ich für klanglich brauchbar halte. Schönes und natürliches Klangbild. Allerdings ist diese Ausgabe out of print.
Bei jpc gibt es sie als 6 Einzel CDs.
Nett und hübsch sind bei mir übrigens nicht ganz so negativ belegt, wie das vielleicht klingen mag
Dr. Schön
daniel5993 (24.10.2008, 14:15): Hallo,
Um es noch einmal aus meiner Sicht auf den Punkt zu bringen. Ich besitze mehrere Aufnahmen dieser Symphionie und bisher höre ich nur bei Bernstein dieses Feuer, die Kraft, die von dieser Symphonie ausgeht. Eine Einzigartige Aufnahme, wirklich eine geballte Kraft. :down :down :down
Habe die Svetlanov Aufnahme immer noch nicht, werde aber wohl auch nicht dran vorbeikommen, nach diesen vielen Empfehlungen von teleton, Amade usw.
Grüße Daniel
Moderato assai (29.03.2025, 13:54): Da komme ich leider mit meinem Vergleich der diversen bis heute vorliegenden Einspielungen der 1. Sinfonie Tschaikowskys, genannt "Winterträume", fast unglaubliche 17 Jahre zu spät und außerdem ist der Winter nun für diese Saison entgültig vorbei, jetzt da bald wieder die Sommerzeit ihr Zepter schwingt. Vielleicht interessiert es aber doch noch jemand, ob Svetlanov immer noch ungefährdet die Diskographie anführt. Es gibt übrigens vier verschiedene Aufnahmen Swetlanows, die sich nicht unerheblich von einander unterscheiden.
Hier geht es zur in eine gewisse Reihenfolge gebrachte Liste:
Joe Dvorak (30.03.2025, 04:15): Zu deiner Frage nach der Übersetzung des Volkslieds "Распашу ли я млада, младешенка", das im Seitenthema des 4. Satzes verwendet wird, hier ein Vorschlag: Soll ich, die junge zarte Maid, den Acker pflügen?
"Распашу ли я“ → "Soll ich pflügen?“ - Direkte Übersetzung des Verbs "распахать" (pflügen) mit dem Fragepartikel "ли" ("soll ich?“ oder "will/werde ich?").
"млада, младешенка“ → "die junge zarte Maid“ - "млада": "jung“ (archaisch/poetisch für eine junge Frau). - "младешенка": Diminutivform, die Zärtlichkeit und Jugend betont → "zarte Maid“ ("Maid“ als lyrisches/volkstümliches Wort für "Jungfrau“ - alternativ: "das junge, zarte Mädchen").
Das Objekt "den Acker“ (das Feld) wird hinzugefügt, da "pflügen“ im Russischen kontextuell auf das Feld verweist. Das macht es im Deutschen klarer. Die Wiederholung ("млада, младешенка" → "junge zarte Maid") behält den volkstümlichen, rhythmischen Klang bei.
Joe Dvorak (30.03.2025, 06:22): Ach ja, zum Werk und zur Interpretation. Ich höre es gelegentlich wegen der von Satie genannten Qualitäten und nicht mehr als gelegentlich wegen der von Satie genannten Macken. Wer es spielt, wenn es gespielt wird, ist ein No-Brainer, ich meine, eine Kein-Hirn-benötigt-Entscheidung, wie immer wenn Golovánov (Golowanow) etwas eingespielt hat.
Moderato assai (30.03.2025, 11:16): Zu deiner Frage nach der Übersetzung des Volkslieds "Распашу ли я млада, младешенка", das im Seitenthema des 4. Satzes verwendet wird, hier ein Vorschlag: Soll ich, die junge zarte Maid, den Acker pflügen? Ganz herzlichen Dank für Deine erklärende Übersetzung. Ich habe sie gerne in meinen Text eingefügt, sieht man doch daran auch die Grenzen des Google-Übersetzers und die Fragwürdigkeit von Quellen, die man selbst nicht überprüfen kann. Ich würde gerne meine Quelle angeben, wie siehst Du das? Und wenn ja, welchen Namen darf ich nutzen? Wer es spielt, wenn es gespielt wird, ist ein No-Brainer, ich meine, eine Kein-Hirn-benötigt-Entscheidung, wie immer wenn Golovánov (Golowanow) etwas eingespielt hat. Das kann man sicher so sehen, denn diese Einspielung hat einzigartige Qualitäten. Ich überreiche gerne einen bunten Strauß statt nur einer roten Rose. Dann kann sich jeder die für sich schönste Blume herausnehmen.
Sfantu (26.04.2025, 20:23): Ich danke Moderato assai für die wiederholten Hörimpulse allerorten!
Und so gönnte ich meinen Ohren und meinem Gemüt endlich auch mal wieder Tschaikowskijs Erste. Ich mochte sie von Anfang an. Was heißt "Anfang"? Seit Ende der 80er, als ich sie mit der Jansons-Einspielung kennenlernte. Dies war für einige Jahre die einzige Aufnahme in meiner Sammlung bevor ich in meinem Hör-und Sammelverhalten von der Breite auch in die Tiefe ging. So kamen mit der Zeit bis heute 5 Versionen zusammen:
Die Osloer Philharmoniker mit Jansons prägten zwar mein Erkunden und Erleben dieses Werks. Sie verloren mit der Zeit aber etwas von ihrem Nimbus. Ihre gewisse Noblesse und Zurückhaltung steht dem Werk zwar nicht schlecht zu Gesicht. Es kamen mit jedem weiteren Neuzugang aber andere Facetten zum Vorschein, die jeweils mehr überzeugten. Ich strebe nicht nach der einen, perfekten Darbietung. Jede Neue kann trotz nicht erreichter Perfektion ihren eigenen Charme besitzen. Die Charakterisierungen der beschriebenen Aufnahmen finde ich aufschlußreich und kann sie allesamt nachvollziehen. Beeindruckt hat mich die generöse Deluxe-Version mit den Wienern und Maazel. Fedossejew überzeugt mich trotz der erwähnten Mängel momentan am meisten. Die etwas behäbige Art paßt für mein Empfinden gut zu diesem Werk. Die Pauke am Ende des Scherzos: ja - sie sticht plastisch hervor. Und ja - sie bleibt zu laut bis zum Schluß. Zwar kann ich es nicht begründen - aber ich mag das irgendwie. Es bringt eine andere Farbe hinein.
Noch nicht erwähnt wurde folgende Einspielung (ebenfalls Teil einer Gesamtaufnahme):
Orquesta Sinfónica del Estado de México - Enrique Bátiz (CD, LUZAM, 1997)
Adagio tranquillo 10'59 Adagio cantabile ma non tanto 9'52 Scherzo. Allegro scherzando e giocoso 6'30 Finale. Andante lugubre - Allegro maestoso 11'46
Das Wichtigste vorab: Es wird mit Verve und Herzblut musiziert. Diese Faktoren wiegen schwerer als die Minuspunkte. Weshalb diese Tschaikowskij-Totale auch ihren Platz in meiner Sammlung behalten wird. Welches sind nun die (freilich mehr oder weniger subjektiv erlebten) Minuspunkte?
- Es wird etwas hemdsärmelig, quasi rough and ready musiziert (denkbar weit entfernt von bspw. Jansons) - Bátiz geht gern recht frei mit der Tempogestaltung um - häufig unter der Prämisse: lauter gleich schneller - In der Ersten sind mit Ausnahme des zweiten Satzes fast alle Tempi für meinen Geschmack zu straff - Der Klang ist nicht ausgesprochen natürlich jedoch mit proportionaler Dynamik - Liegt es an der Aufnahmequalität oder sind die hohen Streicher schwächer besetzt? Ihnen fehlt es an Schmelz und Wärme
Meine Präferenz der (nummerierten) Tschaikowskij-Sinfonien: 2, 3, 1, 4. Und mit gehörigem Abstand: 5, 6
Moderato assai (29.04.2025, 14:38): Vielen Dank für die schöne Beschreibung dieser mir noch unbekannten Einspielung. Enrique Batiz hat ja eine zeitlang, vor allem Ende der 80er sehr viele Einspielungen aufgenommen. In Deutschland ist er hingegen nie so richtig bekannt oder gar populär geworden.
Verstehe ich deine Präferenz richtig, dass die Zweite deine Favoritin ist und du dir die Sechste am wenigsten gerne zu Gemüte führst? Ich denke, wenn man eine Umfrage machen würde, käme möglicherweise als Resultat die umgekehrte Reihenfolge dabei heraus. Wenn mich jemand fragen würde, hätte ich Schwierigkeiten mich festzulegen. 1,2,4,5, und 6 lägen wohl gemeinsam auf dem ersten Platz, gefolgt von der Nr. 3. Wahrscheinlich nur, weil ich die "Polnische" nicht richtig kenne. Von der liegen mir auch nur relativ wenige Aufnahmen vor.
Sfantu (29.04.2025, 18:44): Nummer 2 am liebsten, die Nummern 5 und 6 (oder wahlweise 6 und 5) am wenigsten gern - ja, es ist so gemeint wie geschrieben. Aus der Pathétique kann ich mir den 3., marschartigen Satz gelegentlich anhören. Ansonsten aber: ein Vollbad in Sentiment und Selbstmitleid, das ich nur schwer verdauen kann. Die Fünfte in ihrer distanzlosen Melodienseligkeit machte mir immer schon auf ähnliche Weise Mühe. Vergleichbar mit großen Teilen des Schwanensees. Am ehesten kann ich dort die Nationaltänze genießen. Die großen, bekannten, zu Tode gespielten Themen haben etwas Aufdringliches, Indezentes, das sie dergestalt Teil der Popkultur werden ließ.
Sfantu (29.04.2025, 18:46): ...Was per se nicht schlimm ist. Bei mir löst es halt Unverträglichkeiten / Resistenzen aus.
Andréjo (29.04.2025, 19:41): Du wirst lachen - oder auch nicht - aber mir geht es genauso!
Wobei Tschaikowsky das wahrscheinlich wirklich nicht verdient hat - ganz pauschal gesagt.
Wenn ich ihn hören will, was nicht gar so häufig der Fall ist, dann eher eine der frühen Sinfonien - die Winterträume mag ich - oder das zweite Klavierkonzert. Oder das Klaviertrio.
Joe Dvorak (30.04.2025, 07:30): Ob jemand lacht oder nicht - als erklärter Popmusikversteher setze ich natürlich die Sechste, vor allem wenn ihre vermeintliche Larmoyanz1 von Celibidache exorziert wird oder der junge Maazel wie ein Besessener auf sie eindrischt, damit es einen Grund zum Mitleiden gibt, vor die Fünfte, vor allem wenn ihre vermeintliche Melodieseligkeit von Celibidache exorziert wird, und vor die ebenso reißerische Vierte, vor allem wenn sie ganz unreißerisch von Marriner interpretiert wird. Die Erste folgt mit Abstand, der Rest wurde vom Besenwagen aufgelesen.
1 Ein furchtbar gestelztes Wort, wie ich finde, aber ich wollte mal wissen, wie es sich anfühlt, so etwas zu tippen. Das gleiche Spiel habe ich einst mit dem Wort "stringent" gemacht und seitdem rutscht es mir immer wieder über die Tastatur.
Andréjo (30.04.2025, 13:29): Die Stimmungen können sehr unterschiedlich sein. Menschlich quasi. "Larmoyanz" und "stringent" verwende ich selten, "quasi" muss wieder abgewöhnt werden.