Fairy Queen (06.05.2010, 17:58): In Lille findet das alljährliche Piano-Festival diesmal unter dem Motto "Russland" statt. Heute konnte ich endlich ein Programm ergattern und die eingeladenen Pianisten sind u.A.: Paul Badura-Skoda, Aldo Ciccolini, Jean-Philippe Collard, Till Fellner, Claire Marie Le Guay, Konstantin Livschitz, Alexei Lubimov, Nikolai Luganski etc etc Auf dem Programm stehen sehr viel russische Werke, darnter auch wenig Gespielstes wie z.B. Invention, Chaconne, Musical Toys von Sofia Gubaidulina, Preludes von Chostakovitch, Unmengen Moussorski, Prokofiev, Rachnmaninov, Stravinski und mir unbekannte Komponisten wie Miaskovski, Balakirev oder Yusupov. Es gibt aber dazwischen auch Schumann, Debussy und Beethoven. Bei Interesse gibts weitere Infos auf konkrete Nachfrage.
F.Q.
Lienbe Gamameh, ich habe auch ein detailliertes Programm für dich mitgenommen, falls ich es dir per Post schicken soll, schicke bitte Adresse per Mail. :hello
Gamaheh (06.05.2010, 20:34): Liebe Fairy,
das ist furchtbar nett von Dir, aber ich habe schon am 21.4. Karten bestellt (nachdem ich den elektronischen Infobrief vom ONL erhalten hatte) und sie zwei Tage später schon bekommen - s. hier; an dem Tag dazwischen fand ich schon das gedruckte Programm in meinem Briefkasten ! Wirklich, die Franzosen ... Ich muß schon sagen, daß sich die frais de dossier, die die Franzosen immer gerne erheben, so irgendwie rechtfertigen.
Übrigens fahre ich jetzt doch schon am Freitag hin, auch wenn ich keine Karten für den Tag habe - ich hoffe, sie an Ort und Stelle zu bekommen.
Beste Grüße, Gamaheh
Fairy Queen (07.05.2010, 15:16): Na da bin ich aber beruhigt! Am Anfang gab es das Programm nämlich erst auf den letzten Drücker- so haben sie nun doch etwas dazugelernt. Was sie nciht gelernt haben, ist leider, ihr Programm mit der Opéra de Lille zu koordinieren. ich kann nâmlich quasi nicht zum Pianofestival kommen, weil ich gleichzeitig im Opernabo bin und Sonntag leider zu einer grossen Familenfeier ausserhalb der Stadt. Bis auf ein oder zwei Recitälchen am Samstag und hoffentlich ein Crepe und einen Cidre in Deiner Gesellschaft, liebe Gamameh, wird das dieses Jahr leider ncihts werden. :I Umso mehr sind wir alle auf dienen Bericht angewiesen.
F.Q.
Gamaheh (19.05.2010, 15:38): Hier spielt auch einer der Finalisten des Concours Reine Elisabeth, Denis Kozhukhin, und zwar bei freiem Eintritt folgendes Programm:
ANTONIO SOLER QUATRE SONATES ROBERT SCHUMANN SONATE N°2, OP.22 SERGE PROKOFIEV SONATE N°5, OP.38 MILY BALAKIREV ISLAMEY, FANTAISIE ORIENTALE
Bis dahin werden wir wissen, wie weit er gekommen ist.
Grüße, Gamaheh
Heike (30.05.2010, 08:29): Er hat gewonnen :-) Heiek
Gamaheh (04.06.2010, 15:13): "Denis Kozhukhin et Anatol Ugorski ayant été contraints d'annuler sont remplacés par Alexei Volodine"
Das hatte ich mir schon fast gedacht, nachdem ich bei den Preisträgerkonzerten des Wettbewerbs gesehen hatte, daß er am selben Tag woanders spielt ... Kennt jemand hier Alexei Volodine?
Grüße, Gamaheh
Leachim (04.06.2010, 20:26): Original von Gamaheh .. Kennt jemand hier Alexei Volodine?
Grüße, Gamaheh
Na ja liebe Gamaheh, seine Biographie (neu scheint er nicht zu sein) ist hier zu lesen: http://www.eas-musikmanagement.de/index.php/de/biovolodin
lg Michael
Fairy Queen (13.06.2010, 22:51): Das Pianofestival Lille ging heute abend mit einem fulminanten Rachmaninov Nr. 3 mit Nikolai Lugansky und dem Orchestre National de Lille unter Jean-Claude Casadesus zu Ende. Lugansky ist ohne Zweifel ein Ausnahmepianist und hat den Saal mit über 2000 zuhörern zum Toben gebracht. was natürlich auch an dem serh publikumswirksamen Werk liegt. Ausser dass ich das Orchester stellenweise etwas zu wuchtig fand hat mir dieses Live-Erlebnis ebenfalls mächtig imponiert. Obschon ich gestern zu seinem Chopin Recital serh unterschiedliche Meinungen gehört habe, von technisch perfekt aber ohne Emotion bis phantastsich gut, muss ich sagen, dass er seinen Ruf als Star des festivals nciht umsonst hat :down :down :down Ich habe leider nur vier Konzerte besuchen können, weil ich noch opernkarten, Besuch und eine Einladung hatte. Gamameh hat viel mehr gesehen und wird hoffentlich noch berichten wenn sie von der Reise zurück ist- wir hatten serh nette Treffen und haben zusammen Badura-Skoda, Plamena Mangova und Lugansky gehört udn Crepes gefuttert. Die Bulgarin Plamena Mangova ist ein Phänomen für sich. Zweite Preisträgerin beim Concours Reine Elisabeth hat sie gestern abend das 4. Rachmaninov Klavierkonzert mit dem ONL (diesmal unter Paul Manin) gegeben und die Präsenz ist erschlagend. Vom Format eienr echten Walküre mit wallender Blondmähne und auf silbernen Stilettos die kaum das Gewicht tragen können, füllt sie den gesamten Klavierstuhl aus und hat eine unglaubliche Kraft und Energie an de Tag gelegt. dass sei auch gazn andere Töne drauf hat als Rach. 4 hat sie beim einer sehr sensible und zart gespielten Chopin-Zugabe bewiesen- diese Dame sollte man unbedingt im Auge behalten! Begeistert hat mich auch ein junger Chinese namens Duanduan Hao, der ein Solorecitall mit Chopin Sonate NR 2, Tchaikovski Les saisons, Scriabine etude N.12 op 8 und Liszt Sonate in h-moll gab. Das war nciht nur technisch einwandfrei gespielt sondern auch musikalisch vom Feinsten und weit über sein alter hinausreichend. Er hatte dann den Humor, als Zugabe ein aregentinisches Stück zu spielen, da die argentinische Fussballmannschaft gerade zugange war. Enttäuscht war ich dagegen von Paul Badura-Skoda, der m.E. den Zeitpunkt zum Aufhören verpasst hat. Er hat ein Schumann Programm angeboten: Kinderszenen, Carneval op 9 und Symphonische Etüden op 13. die ersten beiden Werke kenne ich recht gut und konnte da auch vergleichen. Er hat auswendig gespielt, was in seinem hohen Alter wahrlich eine Leistung ist, aber entsprechend gross war auch die Anzahl der Verspieler und falschen Noten. Das hätte mich noch nichtmal so serh gestört, wenn ich die musikalische Aussage wirklich hâtte geniessen können, was aber leider nciht der Fall war. Ich sass sehr weit vorne und stand fast das ganze Konzert unter Stress, weil ich das Gefühl hatte, der arme Mann sei überfordert und mich kein bisschen entspannen konnte. Meiner Freundin neben mir ging es genauso, aber das war evtl ein Übertragungsproblem, denn Gamameh, die weit oben sass, hat das anders empfunden.
Wie auch immer: es ist einfach ein Glück, ein so hochkarätiges Festival vor der Haustür zu haben und ich freue mich schon auf nächstes Jahr und hoffe, da dann noch mehr davon profitieren zu kônnen.
Pianoselige Grüsse von Fairy Queen
Gamaheh (23.06.2010, 01:53): Liebe Fairy und alle anderen,
ich bin zurück und berichte dann im "Gestern im Konzert"-Faden.
Nocturne Grüße, Gamaheh
Fairy Queen (19.05.2011, 11:00): In Lille gibt es deises Jahr wieder ,vom 17.-19.6. das Pianiofestival, diesmal ganz im Zeichen von Franz Liszt. Es gibt nicht nur die bekannten Liszt-Klavier-Renner sondern auch Transkriptionen der Beethoven-Symphonien 5,6 und 9, der Wanderer-Phantasie etc. Neben Liszt gibt es auch etliche andere Kompositionen zu hören und viel Jazz, aber der Jubilar steht eindeutig im Vordergrund. Was die Pianisten betrifft: es kommen u.A. Hélène Grimaud, Brigitte Engerer,Philippe Bianconi, Boris Berezovsky, Andreas Haeflinger,, David Greilsammer usw usw
Das Programm ist nachzusehen über: "http://www.lillepianosfestival.fr/avril_2011/lille_pianos_festival.html"
Ich bin in jedem Fall Samstag und Sonntag dabei und freue mich schon, neue Facetten dieses Komponisten zu entdecken, den ich schon allein wegen seiner unglaublichen literarisch/musikalischen Kultur sehr schâtze.
Falls jemand zufällig da sein sollte; kann/er sie gerne Kontakt aufnehmen.
F.Q.
Fairy Queen (20.06.2011, 09:00): Ein kleines Streflicht vom diesjährigen Pianofestival, das ich wegen grosser beruflicher Anspannung leider nur partiell besuchen konnte. Ich habe erst am Samstagabend mit einem Recital von Tamara Stefanovich begonnen. Auf dem Programm standen Bach, Liszt, Bartok und Ligeti. Mir unbekannte Stücke, die ich mit grossem Interesse und ganz unbefangen hören konnte. Liszts Variationen zur Bach-Kantate "Weinen, Klagen" waren für mich ein Höhepunkt des gesamten Wochenendes. Da ich die Sopranarie gut kenne, konnte ich die Modernitât dieser Transkription auch beim ersten Hôren gut erfassen. Obschon nicht der ganz grosse Liszt-Fan hat mich dieses Stück Musik aufgewûhlt. Die beiden Zugaben waren ebenso von Ligeti wie die virtuosen Etüden im Programm: ein Walzer, der aus wenigen Takten bestand und eine Pantomime ganz ohne Musik. Stefanovich zeigte damit eine gute Portion Humor, die der eher intellektuellen Spielweise und ihrer grossen Ernsthaftigkeit guttat. Sie ist bar jeder Divenhaftigkeit und hat mich als Musikerin sehr beeindruckt.
Dasselbe kann ich von Hélène Grimaud sagen, sicherlich ein Star des Festivals, die abends im ausverkauften Nouveau siècle, einer riesigen Konzerthalle, ein Recial gab. Mozart a-moll sonate KV 310, Alban Bergs Sonate opus 1, Liszts h-moll Sonate und Bartoks rumänsiche Tänze. Ihr Mozart hat mir nciht sonderlich gefallen, zumindest der erste Satz klang mehr nach Beethoven und war für mich zu wuchtig und dramatisch gespielt. Was den Berg angeht, konnte ich dem Werk njcht sehr viel abgewinnen und mûsste das mindestesn noch mehrfach hôren. Überwâltigend war die h-moll Sonate von Liszt, ein monumentales Werk von 35 Minuten Dauer, das extreme pianistische Anforderungen stellt. Die Zerrissenheit und Effekthascherei, die mich bei Liszt manchmal stören, sind in diesem Werk irrelevant, da strukturell (durch thematische Arbeit) zusammengehalten. im Capriccio- kulturforum gibt es einen grossen und serh guten Thread zu dieser Sonate, den ich interessierten empfehle. Ich habe nicht so recht verstanden warum Grimaud nach dieser gigantischen Vorstellung noch den Bartok gespielt hat, so gut der ihr auch anstand, aber für mich ist nach diesem Liszt als hörer ncihts mehr drin. Das muss man doch erstmal verdauen! Grimaud hat ihre Reputation verdient, sie spielt mit einer Leichtigkeit, Spontanieitât und Natürlichkeit, dass es eien wahre Wonne ist. dazu tritt sie wie das nette Mädel von nebenan auf udn ist genau wie Tamara Stefanovich frei von jedem Klavier-Diven -Getue.
Fortsetzung folgt.
Gamameh war ebenfalls in lLlle, hat aber andere Konzerte besucht als ich. Unsere Zeiten waren so kontrâr dass wir es diesmal nicht geschafft haben, uns zu treffen. Es wâre schôin, wenn sie von dem berichten würde, was ich nicht gehört habe Pianoselige Grûsse
F.Q.
Fairy Queen (20.06.2011, 13:37): Gestern morgen bot sich ein Ereignis besonderer Art: Klavierbegleitung zum Stummfilm. Lotte Reinigers Scherenschnittfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" aus dem Jahr 1926 au Grossleinwand wurde von Alain Baents live am Klavier begleitet. ic hkann dazu nur ein Wort sagen: zauberhaft!!!!! Der Zeichentrickfilm unserer Gross-oder Urgrosseltern. Ich musste abwechselnd an Else Lasker Schüler denken, deren Gedichte und Verkleidungen dem Geist dieses Mârchens entsprechen und an meinen Grossvater, der zu dieser Zeit als Pianist in Kinos spielte. Es waren sehr viele Kinder im Konzertsaal so wie dann auch am nachmittag wo es ein Konzert mit Rezitation gab. Musik von Bela Bartok(Mikrokosmos), György Kurtag(Jatekok) und Tibor Harsanyi mit dem Pianisten Kim van den Brempt und dem Ensemble Musiques nouvelles unter der Leitung von Jean-Paul Dessy:eine Vertonung des Märchens vom Tapferen Schneiderlein der Brüder Grimm. Mir hat es serh gefallen, mich so in Märchenwelten entführen zu lassen und all das mit moderner bzw zeitgenôssischer Musik. Die funktioniert auch für Kleinkinder, das ist schon erstaunlich bei all den Vorurteilen von Schwer-Hörbarkeit. abends wurde es dann wieder ganz klassisch. Francesco Piemontesi gab eien kostproben virtuosen Pianistentums und spielte allein die Transkription von Beethovens Pastorale von Liszt vor ausverkauftem Saal. Und im Anschluss mit dem Orchestre National unter J.C. Casadesus die wandererphantasie von Schubert, transkribiert von Liszt fûr Orchester und Klavier Auch wenn man wie ich nicht so ganz vom Sinn und Zweck der Trnaskriptionen ûberzeugt ist, war das doch hohes kûnstlerisches Niveau und ein neuer Blick auf diese beiden Werke.
Mehr konnte ich diesmal leider nicht sehen bzw hören. Von den tollen jazzangeboten habe ich traurigerweise nichts wahrnehmen kônnen. Nächstes Jahr findet das Festival vom 8.-10. 6. statt und das Thema ist frz. Musik. Fûr Freunde der Klaviermusik ein echter Höhepunkt, zumal sich auch die Eintrittspreise sehr in Grenzen halten. 14 euros fûr Helene Grimaud- dagegen kann man ncihts sagen!