Placido Domingo

Solitaire (19.12.2008, 18:23):
Opernfans meiner Generation kennen zwei Sorten Sänger:
die erste Sorte sind Lieblingssänger, bei denen man genau weiß, wann und wo man sie zum erstenmal gehört hat.

Beispiel: Sommer 2005.
Ich sitze an einem Sonntagvormittag vor dem Fernseher. In der Glotze ein Hintergrundbericht über die Probenarbeit zur Salzburger Neuinszenierung von "La Traviata", die am Abend übertragen werden soll. Auf der Probenbühne tummelt sich ein hyperaktiver Mensch, hüpft rum wie weiland Rumpelstilzchen und macht Witze. Ich finde ihn ganz lustig.
Dann tut der Hyperaktive den Mund auf und singt Alfredos Stretta aus dem 2. Akt. Das ist der Moment, in dem ich mich rettungslos und für alle Ewigkeit in die Stimme von Rolando Villazón verliebe.
Dies ist die eine Sorte Sänger.

Die andere Sorte Sänger heißt Placido Domingo.

Ich kann mich nicht erinnern, daß es Placido Domingo jemals nicht gegeben hätte, denn Placido Domingo hat schon gesungen als ich noch gar nicht auf der Welt war, Placido Domingo hat vermutlich schon Noah und seiner Familie mit seinen Arien die Zeit auf der Arche vertrieben und so, wie es im Augenblick aussieht, wird er noch singen, wenn ich schon bei den Würmern bin. Zeit, ihm eine Lobhudelei zu widmen!
Sie sind zwar überall an anderer Stelle im Netz nachzulesen, dennoch auch hier ein paar Zahlen: Placido Domingo wurde am 21. Januar 1941 in Madrid geboren. Seine Eltern waren Leiter und Sänger eines Zarzuela-Theaters.
1949 ging er mit seiner Familie nach Mexiko, wo er auch seine musikalische Ausbildung erhielt. Mit 20 Jahren debütierte Domingo in der Rolle des Alfredo in "La Traviata" auf der Opernbühne. 1962 ging er mit seiner jungen Frau nach Israel, wo beide ein Engagement in der Hebräischen Nationaloper in Tel Aviv annahmen.
Im Januar 1966 debütierte er im Grand Teatro del Liceu in Barcelona. Ein Jahr später gab er in der Wiener Staatsoper sein Debüt als Don Carlo.
Weitere Stationen:
1968 „Adriana Lecouvreur“ in New York
1970 “La Gioconda” in Madrid
1971 “Tosca” in London
etc. etc., etc.
Einem größeren Publikum, das nicht unbedingt zu den klassichen Operngängern gehörte wurde er selbstverständlich als als einer der „drei Tenöre“ bekannt. Wenn ich heute diesen ersten Auftritt anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 1990 noch einmal sehe, habe ich stets den Eindruck, daß er von geradezu bezaubernder Unschuld war und noch nicht allzu viel mit dem zu tun hatte, was später folgte. Aber Domingo war zwar einer von drei Tenören, aber er war mehr als nur das. (Was auf die beiden anderen im Übrigen auch zutrifft. )

Das Repertoire des Sängers umfasst unglaubliche 119, nach anderen Angaben sogar 134 Rollen. So oder so: dies ist aller Wahrscheinlichkeit nach mehr, als bei jedem anderen Tenor der Musikgeschichte. Dieser Mann hat so ziemlich alles gesungen, was es auf der Bühne zu singen gibt. Donizetti, Rossini, Verdi, Puccini, Mozart, in seinen späteren Jahren auch Richard Wagner. Er hat die Zarzuela außerhalb Spaniens bekannt und populär gemacht.
Domingo galt in den 80gern Jahren als der wohl beste Hoffmann den man auf einer Opernbühne erleben konnte, er war der Alfredo den ich in meiner allerersten "Traviata" gesehen habe. Es war eine Live-Übertragung aus der MET in New York mit der wunderbaren Ileana Cotrubas als Violetta. Meine erste selbstgekaufte Opernschallplatte war dann auch eine Studioeinspielung dieser Oper in der gleichen Bestzung. Er war der erste "Don Carlos" den ich gehört habe (und ich habe bis heute keinen besseren gehört, zumindest was die stimmliche Leistung angeht). Giuseppe Verdi muß geahnt haben, daß es eines Tages Placido Domingo geben würde als er "Otello" geschrieben hat, denn niemand hat diese Rolle so gesungen wie er. Im Jahr 2007 hat Domingo in der Wiener Staatsoper sein 40jähriges Bühnenjubiläum gefeiert (jaja, eigentlich sind es ein paar Jahre mehr, wir wissen ja: 1961, aber Stichtag war wohlsein Debüt in Wien 1967)). Mit Placido ist es also wie mit Helmuth Rahn: keiner kommt an ihm vorbei. Oder, wie Jürgen Kesting es nennt: er ist der Marathon-Mann der Oper. Er hat eine Reihe sehr schöner Opernfilme gedreht, die man nur empfehlen kann:

"Der Bajazzo" mit Teresa Stratas als Nedda

"La Traviata" ebenfalls mit der Stratas als Violetta, er gibt einen optisch schon etwas in die Jahre gekommenen Alfredo (was an der furchtbaren Barttracht liegt...) und es gibt ein paar ärgerliche musikalische Striche, aber stimmlich ist er großartig und die Stratas bricht einem trotz gewisser Patzer bei den Koloraturen schlicht das Herz.

"Otello", der anfängt wie ein Film mit Errol Flynn oder wie "Fluch der Karibik": ein Segelschiff im Sturm und ein mutiger Captain (Domingo) der alle rettet. :J

"Carmen" mit Julia Migenes in der Titelrolle. Da zeigt er sehr eindrucksvoll, wozu spanische Männer fähig sind, wenn man sie zu sehr reizt... :cool

1993 gründete er den Opernwettbewerb Operalia, der es sich zum Ziel gestzt hat, junge Talente zu entdecken und zu fördern. So hat Domingo u.a. José Cura und Rolando Villazón gefördert. Das letzterer ihn geradezu leidenschaftlich verehrt und von ihm nie anders als von „Maestro Domingo“ spricht, ist all überall zu lesen und zu hören.
Er soll, heißt es, das ihm von Domingo angebotene "Du" abgelehnt haben, weil er sich nicht vorstellen konnte, diesen "Gott der Oper" (O-Ton R.V.) zu duzen. So sind sie, die Künstler. :D


Domingo ist auch heute noch immer wieder als Sänger zu hören. Natürlich hört man der Stimme an, daß sie keinem 35jährigen gehört, dennoch:
wer nach mehr als 40 Jahren auf der Bühne noch SO singt, hat in seinem musikalischen Leben vermutlich nicht sehr viel falsch gemacht.
Neben seiner Tätigkeit als Sänger hat Domingo sich bereits sehr früh mit dem dirigieren beschäftigt, tatsächlich wollte er ursprünglich Dirigent werden. Heute ist Placido Domingo Generaldirektor der Opernhäuser von Los Angeles und Washington D.C.

Placido Domingo besitzt eine dunkel gefärbte Tenorstimme, die manchmal ein bißchen wie eine Baritonstimme klingt. Tatsächlich hat er zu Beginn seiner Laufbahn Bariton gesungen. Ich persönlich mag solche Stimmen sehr. Domingo hatte m.E. das Glück, in einer Zeit seine Karriere zu beginnen, als das heute allgemein beliebte verheizen begabter Sänger und schöner Stimmen noch nicht so gang und gäbe war. Will sagen: er hatte Zeit, zu wachsen und sein unglaubliches Repertoire langsam und klug auszubauen ohne daß ihm ständig verführerische, aber fatale Rollenangebote gemacht wurden. Ich habe manchmal den Eindruck, daß Zeit etwas ist, das heutigen jungen Sängern oft verweigert wird. Ein Opernfan aus einem anderen Opernforum hat einmal geschrieben, er bezweifle, aus eben diesem Grund, daß irgendeiner der heute gefeierten jungen Tenöre, so begabt und wundervoll sie jetzt auch sein mögen, sein 40jähriges Bühnenjubiläum erleben wird. Da könnte was dran sein. Auf der anderen Seite: 40jährige Bühnenjubiläen bei Sängern SIND selten.
In diesem Sinne: auf die nächsten 40 Jahre. :down


Zur Zeit singt Domingo in Valcencia in Glucks „Iphigenie

Klick
Cetay (inaktiv) (03.01.2009, 14:02):
Liebe Solitaire,
diesen Faden habe ich bislang übersehen, weil ich nicht allzuoft bei den Sängern hereinschaue. Auch wenn ich wenig beizutragen habe, will ich dir auf jeden Fall ein Kompliment dazu machen:
http://www.smileygarden.de/smilie/Schilder/interessant.gif
Meine einzige Begnung mit Domingo war der Tristan, den ich mir mal angehört habe, als ich glaubte, ich könnte zu Wagner einen Zugang finden. Der Name Pappano am Dirigentenpult verschaffte hier etwas Hoffnung, nachdem die Knas, Böhms und Soltis diese Musik nicht für mich aufschließen konnten. Ich muss aber eingestehen, dass es Domingo war, der diese Aufnahme zum no go machte. Wahrscheinlich kann niemand Wagner so singen, als dass ich was damit anfangen könnte, aber das ist ein anderes Thema.
Heike (10.01.2009, 23:32):
Ich hab den Beitrag auch schon mehrmals gelesen und sag einfach mal merci.

Vor ein paar Wochen hab ich den Kritiker Kesting in der Dt. Oper Berlin gehört, er plauderte über Tenöre und las aus seinem neuen Buch (das war übrigens eine tolle Veranstaltung, der Herr Kesting war super sympathisch und was Stimmen angeht die Kompetenz in Person). Zu Domingo sagte er sinngemäß: Vor der Erfindung der Schallplatte klang jeder Tenor anders. Nach der Erfindung der Schallplatte hätten alle Tenöre dieser Welt versucht, so zu klingen wie Domingo.....

Was soll man dazu noch sagen? Er ist schon eine Klasse für sich.
Heike
Jimi (11.01.2009, 13:05):
Original von Hebre

Zu Domingo sagte er sinngemäß: Vor der Erfindung der Schallplatte klang jeder Tenor anders. Nach der Erfindung der Schallplatte hätten alle Tenöre dieser Welt versucht, so zu klingen wie Domingo.....

Heike

Hallo Heike,

also ich war ja nicht dabei, aber ich ich kann mir unmöglich vorstellen dass die Aussage so gemeint war.
Ich denke er hat Caruso und nicht Domingo gemeint, bez. in diesem Zusammenhang Domingo als Bsp. für einen Sänger genannt, der versucht hat wie Caruso zu klingen.
Das passt dann auch besser zu der Erfindung der Schallplatte, denn es waren ja die ersten Carusoaufnahmen von 1902 die das Grammophon populär machten und auch ältere(und zu dem Zeitpunkt noch bekanntere) Sänger wie Tamagno oder Adelina Patti dazu brachten Ihre ersten Aufnahmen zu machen.
Obwohl schon einige Jahre früher Aufnahmen von Opernsängern entstanden sind, waren die Aufnahmen von Caruso die ersten die eine weitere Verbreitung fanden, und so natürlich auch Stilbildend für andere Tenöre wirkten die sonst nicht in der Lage gewesen wären Caruso zu hören.

@Solitaire, auch von mir vielen Dank für diesen schönen informativen Beitrag zu Domingo.


:hello Jimi
Heike (11.01.2009, 13:26):
Hallo Jimi,
du hast völlig recht, er sagte es über Caruso. War wohl etwas spät gestern!
Heike
Jimi (11.01.2009, 14:35):
Hallo Heike,

ich war mir nicht sicher ob ich die Aussage aus einem Buch oder der Fernsehserie über Tenöre der Schellackzeit(mit Kommentaren von Kesting)kannte, jetzt habe ich es doch noch gefunden:


Jürgen Kesting: Die großen Sänger Band 1 Seite 11:

Der Komponist Sydney Homer notierte in seinen 1939 veröffentlichten Erinnerungen (My Wife And I):
"Bevor Caruso kam, war ich nie einer Stimme begegnet, die der seinen auch nur entfernt ähnelte. Nach Ihm habe ich Stimme um Stimme gehört - große und kleine, hoch liegende und tiefe Stimmen - , die sich seiner Stimme, oft gewaltsam, anzugleichen versuchten."
Seinen Nachfolger orientierten sich insbesondere am dunklen, baritonalen Klang seiner Stimme. Durch das oft rohe Heraufpressen der Bruststimme in die Höhe beraubten viele Tenöre - Mario del Monaco, Giuseppe di Stefano und auch Placido Domingo - ihre Stimmen der Leichtigkeit, der Geschmeidigkeit und der Extensionsfähigkeit in den höchsten Lagen.



:hello Jimi
Solitaire (13.02.2009, 14:09):
Wenn DAS kein Ritterschlag ist:


:rofl :rofl
Honoria Lucasta (21.01.2010, 10:03):
Heute feiert der Meister Geburtstag:

Ad multos annos, Placido Domingo!

Grüße!

Honoria
Honoria Lucasta (01.02.2010, 08:13):
Kürzlich stieß ich auf diese CD, die für kleines Geld bei den üblichen Versendern zu erwerben ist:
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947760863.jpg

Domingo hat mit dieser Aufnahme wohl gewartet, bis von Pavarotti zu dem Thema definitv nichts mehr kam - Big P.s Aufnahmen dieser Canzonen datieren ja aus den 70ern und frühen 80ern, die Domingo-Aufnahme ist von 2005.

Am besten gelingen die nicht-mundartlichen Lieder wie Mamma, Canzone proibita, auch das von Placi jr. geschriebene Lied. Bei den neapolitanischen Werken merkt man halt doch ein bißchen, daß die Aussprache gelernt und nicht angeboren ist - wobei auf diesem Feld wahrscheinlich niemand an Giuseppe di Stefano herankommt.

Stimmlich ist manches doch schon ein wenig ertrotzt (Catari), aber auf einem Niveau, das viele andere Tenöre immer noch vor Neid erblassen ließe - also: wenn man sich was Nettes von Domingo zur Abrundung der eigenen Sammlung gönnen möchte, ist diese CD nicht die schlechteste Wahl.

Grüße!

Honoria
Severina (01.02.2010, 12:25):
Original von Honoria Lucasta
Heute feiert der Meister Geburtstag:

Ad multos annos, Placido Domingo!

Grüße!

Honoria

Das erinnert mich an Placis (angeblich...)50. Geburtstag, den er in Wien feierte und zu dem der Fußbalfreak nur einen Wunsch hatte: Ein Fußballmatch!
Also ging in der Kurhalle Oberlaa die Gaudipartie zweier Mannschaften, die sich aus Sängern, Schauspielern, Kabarettisten, aber auch einigen Profis zusammensetzte, u.a. der von Domingo heiß verehrte (warum auch immer...) Hans Krankl, über die Bühne. Natürlich sorgten alle dafür, dass Placi zu seinen Torschüssen kam :D
Am Ende erlosch das Licht in der Halle, eine überdimensionale Torte mit 50 brennenden Kerzen wurden hereingerollt, alle sangen "Happy birthday, dear Placi" und er bekam die Ehrenmitgliedschaft des Kranklvereins FC Rapid überreicht. Darüber freute er sich wie ein kleines Kind, wahrscheinlich mehr als über so manchen Musikpreis.
Im Gegenzug lud Domingo dann Hans Krankl in die Oper ein, und die gequälte Miene, mit der der Goleador dieses Danaergeschenk durchlitt, werde ich auch nie vergessen.
Sorry für diesen nostalgischen Erguss, aber Honoria hat mir das eben wieder ins Gedächtnis gerufen!
lg Severina :hello
Honoria Lucasta (23.02.2010, 10:56):
Im Moment sollten wir dem Verehrten mal gute Besserung wünschen:

http://www.codexflores.ch/nachrichten_ind2.php?art=6931

Operation nach langandauernden Bauchschmerzen als Präventivmaßnahme hört sich nicht wirklich ermutigend an.

Grüße!

Honoria
Severina (23.02.2010, 13:22):
Au weia, hoffentlich nichts wirklich Ernstes! Da bin ich ja froh, dass ich doch nicht für Zürich gebucht habe, denn ein wenig hatte ich mit diesem Simone geliebäugelt!
Alle Gute, Placi!!!

lg Severina :hello
Severina (09.10.2010, 18:29):
Eben lief auf ARTE das wunderbare Porträt "Placido Domingo - meine schönsten Rollen", wo er seine Gedanken zu den Charakteren, die er auf der Bühne am liebsten verkörpert hat, darlegt. Was für ein großartiger Künstler! Ich habe es beinahe ein wenig vergessen, seit er in Wien nicht mehr so präsent ist, aber diese Sendung hat sie wieder geweckt, die Erinnerung an die vielen Sternstunden, die wir "unserem Platschi" verdanken. Was mir an Domingo neben seinen wohl unbestreitbaren Qualitäten als Sänger und Darsteller so imponiert, ist seine Bereitschaft, sich auf immer Neues einzulassen, in seinem Alter immer noch neue Rollen zu lernen, anstatt mit ein paar alt bewährten hausieren und damit auf Nummer sicher zu gehen, wie das viele Kollegen von ihm schon in weit jüngeren Jahren getan haben.
Domingos Neugierde ist immer noch ungebrochen. Leider lockt sie ihn auch auf Wege, auf denen ich ihn weniger gerne sehe, siehe das in meinen Augen (und Ohren....) missglückte Rigoletto-Experiment aus Mantua.
Dafür freue ich mich auf "Il Postino" im Dezember im ThadW!

lg Severina :hello

PS: Und weil Solitaire in ihrem Eingangsbeitrag auf die Beziehung Domino-Villazón verwiesen hat: Es ist wirklich verblüffend, wie ähnlich die beiden Stimmen oft klingen, wobei ich natürlich den jüngeren Domingo und Rolando at his best meine, also seine Einspielungen vor 2007!
Severina (15.12.2010, 12:57):
Und er ist doch ein Tenor!!! Eindrucksvoll bestätigt hat das unser Placi gestern imThadW als Dichter Pablo Neruda in Catans "Il Postino" - eine großartige Leistung des beinahe 70jährigen, an dessen Stimme die Jahre scheinbar spurlos vorüber gegangen sind. Klar fällt ihm nicht alles so leicht wie vor 30 Jahren, aber dank seiner Technik meistert er auch die Passagen, wo die Leichtigkeit des Singens nicht mehr so selbstverständlich ist. Da Catan ihm die Rolle quasi in die Kehle komponiert hat, gibt es davon aber nicht allzu viele.
Und ich kenne eigentlich keinen Tenor dieses Alters, dessen Stimme noch so ruhig fließt, ohne jedes Tremolo.
lg Sevi :hello
Solitaire (15.12.2010, 13:08):
Gibt es Grund zur Annahme, daß wir das eventuell eines Tages auf DVD oder CD genießen dürfen?
Wäre toll!
Severina (15.12.2010, 13:30):
Original von Solitaire
Gibt es Grund zur Annahme, daß wir das eventuell eines Tages auf DVD oder CD genießen dürfen?
Wäre toll!

Das könnte durchaus sein, denn gestern ortete ich einige Kameras. Sollte es eine DVD werden, verdrücke ich wirklich einige Tränlein, weil Villazón nicht wie ursprünglich geplant den Mario gesungen hat.
lg Sevi :hello
Solitaire (15.12.2010, 13:36):
Ja, daran habe ich auch schon gedacht...
Es hat nicht sollen sein, aber es wäre wohl auch ZU schön gewesen... :(
Severina (15.12.2010, 14:11):
Zur Info, weil es zwei PN-Anfragen gibt: Meine Gesamtrezension steht in "Berichte aus dem ThadW", nicht unter "Gestern in der Oper", wo sie offensichtlich vergeblich gesucht wurde!

lg Sevi :hello
Fides (16.12.2010, 09:41):
Ich habe einen Audio-Mitschnitt der Premiere in LA...und es wird wohl von dort auch eine DVD geben!
Plácido Domingo ist und bleibt ein PHÄNOMEN...und singt absolut großartig...und wie er Pablo neruda quasi inkarniert...GENIAL!

LG
Fides :down
Solitaire (29.02.2012, 07:27):
Habe gerade gelesen, daß Domingo in der kommenden Spielzeit in der MET Germont père in der Willy Decker Inszenierung singt. Muß das sein? :ignore
Fides (29.02.2012, 07:57):
Liebe Solitaire,
NA KLAR!!!!! :J :J :J
Solitaire (29.02.2012, 08:55):
Naja, vielleicht hört man ja wie es wird. "Rigoletto" war ja offenbar ein Lebenstraum, und auch wenn es kein Jahrhundert-Rigoletto war, sei es ihm gegönnt daß er sich den Traum erfüllen konnte. Als Boccanegra hat mir Place sogar ausgesprochen gut gefallen. Singen kann er m.E. jedenfalls immer noch und Ausstrahlung hat er für fünf, als mal sehen.
Fides (29.02.2012, 09:44):
Liebe Solitaire,
ich bin der grundsätzlichen Auffassung...und verteidige sie auch mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln...,dass nicht der Fan" oder das Publikum entscheidet, was ein Sänger/In zu singen oder nicht zu singen hat...das entscheidet ausschließlich er oder sie...und danach beurteilt das Publikum/der Fan wie es war...ob es gefällt, überzeugt, nervt etc.???

Ob der jeweilige Sänger in der Lage ist realistisch die eigenen Möglichkeiten einzuschätzen, ist das Risiko, das er trägt...aber "Verbote" darf es nicht geben, grundsätzlich nicht!!!

Lg
Fides :hello
Honoria Lucasta (29.02.2012, 10:51):
Ihr Lieben alle,

auf den Germont Père von Domingo bin ich ausgesprochen gespannt - seitdem ich Thomas Hampson in der Rolle gesehen habe (leider nur auf DVD) und in Kenntnis der großen Leistungen der Milnes, Nucci, Bruson, Diaz etc. ist der 2 Alkt der Traviata für mich einer der spannendsten der gesamten Opernliteratur. Man darf erwarten, daß der großartige Singschauspiler Domingo auch hier -wie bei Rigoletto und Boccanegra- neue Aspekte herausarbeiten wird. Ob das stimmlich immer ganz befriedigend sein wird, kann bezweifelt werden, daß es eine hochinteressante Darstellung sein wird, wohl nicht.

Grüße von der Insel!

Honoria
Severina (03.03.2012, 17:14):
Original von Fides
Liebe Solitaire,
ich bin der grundsätzlichen Auffassung...und verteidige sie auch mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln...,dass nicht der Fan" oder das Publikum entscheidet, was ein Sänger/In zu singen oder nicht zu singen hat...das entscheidet ausschließlich er oder sie...und danach beurteilt das Publikum/der Fan wie es war...ob es gefällt, überzeugt, nervt etc.???

Ob der jeweilige Sänger in der Lage ist realistisch die eigenen Möglichkeiten einzuschätzen, ist das Risiko, das er trägt...aber "Verbote" darf es nicht geben, grundsätzlich nicht!!!

Lg
Fides :hello

Nun, genauso läuft es ja auch, oder? Zumindest mir ist kein Fall bekannt, dass sich ein Sänger von seinen Fans eine Rolle ausreden ließ oder gar davon abgehalten worden wäre, sie zu singen. Dass man sich im Vorfeld seine Gedanken dazu macht, darf aber auch nicht verboten sein!

Was den Giorgio Germont betrifft, kann ich mir da Domingo sogar sehr gut vorstellen. Sein Rigoletto war für mich eine große Enttäuschung (Zur stimmlichen Überforderung kam noch ein sehr indifferentes Rollenporträt), den Simone fand ich OK, aber auf den alten Germont freue ich mich!

lg Severina :hello
Fides (05.03.2012, 11:38):
Hallo Severina,
"im Vorfeld Gedanken machen"..naja...bei vielen Leuten klingt das bereits nach selbstgerechtem Verdikt und genau dagegen bin ich halt allergisch. Da ist es auch egal welche/n Sänger/In es betrifft.

Lg
Fides :hello
Solitaire (05.03.2012, 14:25):
Hallo Fides!
Aber meinst du nicht, daß es etwas ganz Normales ist, das man sich überlegt, ob diese oder jene Rolle für XYZ passt/zu früh/zu spät/besser nie etc. kommt ?
Ich finde es eigentlich normal, das man im stillen Kämmerlein "Juchu!" oder "Oh! Mein! Gott!" denkt.
Ich muß schließlich auch damit leben, das Leute von mir denken "Wie kann sie nur?" oder, wenn's gut läuft, "Toll! Würde ich auch gerne!" auch wenn's dabei nicht ums Singen geht :J

Zu Domingo: ich glaube ja nun nicht, daß es im Opernkino übertragen wird, denn immerhin läuft (lief?) die Decker-Traviata ja in dieser Saison bei den Kinoübertragungen. Aber natürlich bin ich auch neugierig.
Heike (14.11.2012, 13:13):
http://www.jpc.de/image/w220/front/0/0887254498827.jpg

"legendäre Songs aus Pop, Chanson und Film"
Wohl eher was für eingefleischte Domingo-Fans.
Allegra (05.03.2013, 22:25):
Ah, Domingo ... ich bin ja quasi mit ihm aufgewachsen, er hat, dank meiner Eltern, mein ganzes musikalisch geprägtes Leben begleitet.

Ein einziges Mal habe ich ihn tatsächlich life erlebt: In Taipeh auf Taiwan, während meines Auslandsstudiums 1988. Es herrschte tage-, nein wochenlang helle Aufregung unter den Chinesen, und nicht nur den Musikstudenten. Als dann endlich bekannt wurde, wann und wo die Karten zu haben sind, habe ich sage und schreibe fast zwei Tage und eine Nacht auf der Straße in einer langen Reihe vor der Kasse zugebracht. Eine Stimmung schöner als auf dem Jahrmarkt!
Das Konzert später wies eine ähnlich begeisterte Atmosphäre auf. Eines der schönsten Erlebnisse, die ich hatte.
Falstaff (05.05.2017, 23:58):
Angeregt durch den Chenier-Thread hatte ich das Gefühl, ich müsste diesen Faden hier einmal wiederbeleben. Handelt es sich doch um einen der Tenöre, der die letzten Jahrzehnte maßgeblich die Klassikszene beherrscht hat.

Ich habe Domingo noch mehrfach in Hamburg erleben können. Rodolfo, Alfredo, Samson, Otello und Siegmund. Meine Opernjahre begannen leider erst, als er nicht mehr ständig in Hamburg sang. Und meine Güte, es war immer mit harter Arbeit im Vorwege verbunden. Die ganze Nacht und den halben Tag anstehen und dann das Zittern, dass man noch eine bezahlbare Karte bekam.

Und das Ergebnis? Das war rein stimmlich gesehen nicht immer das Gelbe vom Ei, jedenfalls nicht von Beginn an. Aber ich erinnere mich an einen der Otellos. Akt I und II zitterte man, aber dann hatte er sich 'warmgesungen' und der Rest war schichtweg großartig.
Wie er ja übrigens immer als Bühnenpersönlichkeit, sozusagen als Gesamtpaket, überwältigend war.

Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich kein absoluter Domingo-Fan bin. Aber ich verneige mich geradezu vor der Gesamtleistung, vor dieser unendlich langen Karriere, vor diesem Singen und Interpretieren auf immer hohem und höchstem Niveau.

Genau wie Fischer-Dieskau ist wahrlich nicht alles, was er sang gleich gut. Wie kann es auch. Aber eigentlich ist man mit ihm immer auf einer relativ sicheren Seite. Totale Abstürze gibt es nicht viele verglichen mit der Gesamtzahl seiner Einspielungen. Und alleine das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung.

Schaue ich in mein CD-Regal habe ich erstaunlicherweise doch recht wenige Aufnahmen mit ihm. Einige Live-Sachen und dann v.a. den Otello mit Levine, einige Recitals. Diese Auswahl entspricht in keiner Weise seiner Bedeutung. Da werde ich wohl noch nachlegen müssen. ^^

:hello Falstaff