Puccini: Il Trittico

Jürgen (14.05.2009, 10:39):
Gestern hörte ich Suor Angelica aus meiner jüngsten Neuanschaffung:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61QApSE4mZL._SL500_AA240_.jpg

Sie dauert nur ca. 50 Minuten, daher hörte ich sie komplett, was ich bisher -glaube ich- erst einmal vor Jahren in einer anderen Aufnahme gemacht habe.
Seither habe ich sie vernachlässigt, ja sogar gering geschätzt, was eine eklatante Fehleinschätzung war, wie ich gestern feststellen musste.
Dieser Einakter ist, obwohl bar jeglicher Männerstimmen, wunderbar lyrisch, dramatisch und sehr gefühlvoll, ein echtes Kleinod.


Da ich zu dieser Oper mit der Suchfunktion kaum etwas gefunden habe, ausser die Erwähnung in Neuerscheinungen oder Neu gekauft, tippe ich mal, dass es vielen von Euch ähnlich geht wie mir bislang.

Deswegen also der neue Faden "Il Trittico".

Il Tabarro, Die Oper Puccinis, die dem Verismo am nächsten kommt
Suor Angelica, die unauffälligste
Gianni Schicchi, Die Komödie mit der Arie "O mio babbino caro", die wohl jeder kennt


Ich beginne mal mit Suor Angelica, eben weil ich sie gestern hörte.

Ich zitiere hier mal die Handlung aus einer Beschreibung der Darmstädter Theatersaison 2001 / 2002:

Original des Darmstädter Theater
Schwester Angelica lebt seit sieben Jahren in einem Nonnenkloster. Während der von einer rigiden Äbtissin bestimmte Alltag der Nonnen gezeigt wird - unmotivitiertes Lachen wird genauso bestraft wie die Freude an Blumen oder eine Verspätung - wird hoher Besuch gemeldet. Sofort vermutet Schwester Angelica, dass der Besuch ihr gelte, und zeigt sich plötzlich sehr aufgeregt. Die Mitschwestern bedauern sie, da sie offensichtlich gegen ihren Willen vor Jahren hier eintrat und jede ihr Unglück ahnt. Der Besuch in Gestalt einer alten Tante bringt jedoch keine frohe Botschaft. Es geht um den Verzicht auf ihr Erbe, da ihre Schwester trotz der schweren Verfehlung von Angelica - sie hatte ein uneheliches Kind zur Welt gebracht - einen Mann gefunden habe. Als Schwester Angelika drängend und nun ohne Zurückhaltung die Tante nach dem Wohlergehen ihres Sohnes fragt, den sie nur einmal sehen durfte, teilt diese ihr kalt mit, dass er vor zwei Jahren an einer Krankheit gestorben sei. Schwester Angelica bricht zusammen und unterschreibt den Erbverzicht. Anschließend macht sie sich ihre Pflanzenkenntnisse zu Nutze und vergiftet sich. Noch im Sterben erkennt sie die schwere Sünde des Selbstmordes und befiehlt sich der Gnade der Heiligen Mutter an.

Den deutschen Text kan man hier nachlesen.

In den einleitenden 15-20 Minuten wird der Klosteralltag geschildert, musikalisch zwischen meditativ und mädchenhaft heiter angesiedelt. Obwohl von der Handlung her wenig passiert, ausser dass z.B. Angelicas Kräuterkunde erwähnt wird (was später wichtig ist), ist es nicht langweilig, da Puccini Chor, Fernchor, Alt und Sopran fein ausbalanciert.

Der Besuch der Fürstin, Angelicas Tante, ist der dramatische Höhepunkt. Hier erfährt man wichtige Informationen aus Angelicas Vergangenheit und erlebt, wie die Fürstin Angelicas Schuldgefühle zum eigenen Vorteil gnadenlos forciert. Was Angelica aber viel mehr interessiert als das weltliche Erbe, ist das Wohlergehen ihres Kindes. Als ihre Tante eher gelangweilt preisgibt, dass das Kind vor 2 Jahren gestorben ist, bricht für Angelica die Lebensstütze weg.

Die letzte viertel Stunde (Angelica wieder allein) bietet wunderbare Musik. Es fängt an mit Angelicas Trauerarie "Senza Mamma" (Ohne Mutter musste das Kind sterben), bei der mir die Tränen in den Augen standen. Danach brauht sie sich einen Gifttrunk (schön ruhiges Intermezzo) trinkt und erkennt zuletzt, dass sie durch die Todsünde Selbstmord nicht in den Himmel kommen kann, um mit ihrem Kind vereint zu sein.
Von der Mutter Gottes erfleht sie Vergebung und ein Engelschor deutet den positiven Bescheid an.

Soweit

Jürgen
Solitaire (15.05.2009, 11:28):
Danke für diese Einführung. Ich muß zugeben, daß ich das Werk bisher nie gehört habe und vom Trittico tatsächlich nur „O mio babbino caro“ kenne. Das ist natürlich sträflich und muß dringend anders werden.
Wer hat denn in deiner Aufnahme gesungen?
Um nicht immer bei den gleichen Sängern zu landen (und das heißt in meinem Fal bei Sopranen meist Maria Callas :) ) interessiert mich, ob es wohl eine Aufnahme mit Angela Gheorghiu gibt, die ich sehr schätze.
Jürgen (15.05.2009, 12:17):
In meiner Aufnahme singt Renata Tebaldi die Hauptrolle.

Das Einzelcover des Trittico ist hier, ein Cover der Suor Angelica einzeln habe ich nicht gefunden.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947576259.jpg


Ich habe ausserdem folgende Box:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NBBK4H9ZL._SL500_AA240_.jpg

Il Tabarro (Scotto, Domingo, Wixell, New PO, Maazel / 1977)
Suor Angelica (Scotto, Horne, Cotrubas, New PO, Maazel / 1977)
Gianni Schicchi (Gobbi, Cotrubas, Domingo, London SO, Maazel / 1977)

Hier gefiel mir die Schwester aber nicht so gut.

Mit Maria Callas habe ich nur die Arie "Senza Mamma" auf ihrem Album
Puccini - Arias, Serafin 1954 bzw. in der Callas-Studio-Kiste. Ich höre sie gerade: :down
Eine Gesamtaufnahme mit ihr habe ich nicht ergoogeln können.

Mit Angela Gheorghiu kenne ich keine Aufnahme. Es gibt zwar diese hier:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/618R9ENQJEL._SL500_AA240_.gif
Da singt sie aber nicht die Angelica.

Grüße
Jürgen