Rolf Scheiwiller (06.04.2006, 15:38): Nicht Mozart allein hinterliess sein berühmtes, legendenumwobenes Werk, das Requiem. Nein, auch weniger bekannte Totenmessen wurden von andern Komponisten immer wieder geschrieben. Hier soll nur über weniger populäre etwas gesagt werden. Also nicht die monumentalen von Verdi, Berlioz . Sondern Kompositionen die wir selten im Konzertsaal, oder in der Kirche hören.
Luigi Cherubini schuf zwei äusserst klangmächtige Werke. Das eine zu seiner eigenen Beerdigung. Für Männerchor, ohne Solostimmen. Und das grandiose, riesige für grossen, gemischten Chor. Auch ohne Soloparts. Riccardo Muti hat beide mit Londoner Kräften kongenial eingespielt. Bis heute konkurrenzlos. Referenzeinspielungen noch für lange Zeit.
Eine grosse, dramatische Totenmesse schrieb auch Dvorak. Anton Bruckner schrieb sein Requiem in jungen Jahren. Es hat noch nicht seine ganz persönliche Sprache. Nicht der Bruckner der späteren Jahre. Dann zwei französische Komponisten. Wunderbare, melodiöse, tröstliche Musik, ohne Schrecken, sind die beiden Messen von Faure und M. Durufle.
Was haltet Ihr von dieser Art Musik ? Kann Euch diese Musik über Alltagssorgen hinweghelfen ? Oder das Gegenteil , Aengste auslösen ?
Gruss. Rolf.
Rachmaninov (06.04.2006, 17:00): Original von Rolf Scheiwiller Was haltet Ihr von dieser Art Musik ? Kann Euch diese Musik über Alltagssorgen hinweghelfen ? Oder das Gegenteil , Aengste auslösen ?
@Rolf,
sehr schönes Thema und fast Gedankenübertragung.
Ca. 30 min, vorher hatte ich mir diese Aufnahmen bestellt:
Das Faure Requiem kenne und schätze ich seit geraumer Zeit in der Aufnahme von Herreweghe. Allerdings suchte ich auch eine Aufnahme des Durufle Requiems.
Um Deine Fragen zu beantworten: Von Zeit zu Zeit höre ich gerne einmal ein solches Requiem. Mozarts Requiem ist schließlich eins der Werke welche mich der klassischen Musik näher gebracht haben.
Sie hilft mir weder über alttägliche Sorgen hinweg, versetzt mich aber auch nicht in irgendwelche Zustände der Angst.
Finde es einfach ergreifen welche wunderbare Musik Komponisten aus ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben bzw. Tod geschaffen haben.
Neben dem Faure Requiem höre ich auch öfters einmal das Brahms Requiem.
Carola (07.04.2006, 22:48): Neben den populären Requiems (ist das der richtige Plural?) von Mozart und Brahms kenne ich nur noch das von Fauré, das für mein Gefühl wenig nach einem "klassischen" Requiem klingt, dazu ist es zu schön, zu wenig dramatisch, zu friedlich.
Fauré selbst soll dazu gesagt haben: "Man behauptet, mein Requiem bringe nicht den Schrecken des Todes zum Ausdruck,..." Aber so fühle ich nun einmal den Tod; weniger ein schmerzlicher Übergang, sondern eine friedliche Erlösung, die Sehnsucht nach dem Glück des Jenseits". Zitat aus dem Booklet meiner Aufnahme
Mir persönlich macht es keine Angst, eine Totenmesse zu hören. Ich vergesse oder verdränge es aber auch nicht beim Hören.
Mit Gruß von Carola
Cosima (14.04.2006, 09:09): Hallo allerseits,
ich höre so gut wie nie Requien (@ Carola: "Requiems" als Plural ist wohl richtiger, mir aber weniger geläufig), aber an dem heutigen Karfreitag passt es ja. Als erstes lernte ich das Berlioz-Requiem unter Inbal kennen, dann nur noch "Ein Deutsches Requiem" von Brahms (Gardiner). Beides waren sog. Pflichtkäufe, um den Horizont zu erweitern.
Vielleicht bin ich zu wenig religiös, als dass sie mich sonderlich berührt hätten; mir fehlt einfach der persönliche Bezug. Anders verhält es sich bei Brittens "War Requiem". In diesem Werk ist der lateinische Text der "Missa pro defunctis" durchsetzt mit englischsprachigen Gedichten von Wilfred Owen. Dadurch handelt es sich bei diesem Requiem nicht vorrangig um einen Ausdruck von Frömmigkeit, sondern vor allem um ein modernes Bekenntniswerk des Pazifisten Britten. Diese Herangehensweise erleichtert mir den Zugang – ich bin ja auch eher ein "Friedenstäubchen" :engel .
Dieser Wilfried Owen (geb. 1893, gefallen 1918) muss ein ganz beachtlicher Mensch gewesen sein! 1917 erlitt er, der sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte, einen schweren Schock, den er zu verarbeiten suchte, indem er seine grausigen Kriegserlebnisse in Gedichtform niederschrieb. Das Erstaunliche sind die Weitsicht und Einsicht Owens. Dieser Mensch, der durch tiefstes Leid gegangen war und damit allen Grund für Hass und Wut auf den "Feind" gehabt hätte, lehnte sich in seinen Texten gegen den konventionellen Patriotismus seiner Zeit auf. Er wollte warnen und der Öffentlichkeit die Augen darüber öffnen, dass aus dem einstigen Befreiungskampf längst ein aggressiver Eroberungskrieg geworden war. Er erkannte, dass die von offizieller Seite entworfenen Feindbilder nicht der Wahrheit entsprachen, die Soldaten auf beiden Seiten somit Opfer waren, weil Krieg nur der falsche Weg sein kann. Seine Konsequenz daraus:
"Ich schreibe nicht über Helden, ich schreibe auch nicht über Heldentaten, Vaterländer, Ruhm und Ehre, Macht, Könige und Königreiche... nur über den Krieg. Am wenigsten geht es mir um Dichtung. Mein Thema ist Krieg, und das Leid, das der Krieg hervorbringt. Die Lyrik liegt im Leiden... das einzige, was ein Dichter heute tun kann, ist warnen, deshalb muss ein wahrer Dichter wahrhaftig sein".
Das War Requiem ist groß angelegt, aber in einer leicht verständlichen Tonsprache verfasst. Es ist weniger bombastisch als nachdenklich stimmend.
Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund. Ich erkannte dich in dieser Dunkelheit, denn mit diesem finsteren Blick durchbohrtest du mich auch gestern, als du zustießt und tötetest. Ich parierte, aber meine Hände waren unwillig und kalt…
… und dann folgt dieses herzzerreißende:
Lass uns nun schlafen….
Das ist eine Gänsehautstelle in diesem insgesamt sehr berührenden Werk!
Ich kenne nur die Aufnahme, die Britten selber leitete. Ich kann sie sehr empfehlen! Sie ist ja derzeit zu einem günstigen Preis erhältlich, das Cover sieht jetzt so aus (mir gefällt die Schlichtheit sehr gut):
http://www.wom.de/image/cover/front/0/5975921.jpg
Ich wünsche einen friedlichen Feiertag!
Cosima
Rolf Scheiwiller (14.04.2006, 10:42): Tag Cosima. Zum obigen Requiem von Britten kann ich sagen, dass dieses Cover immer schon, seit LP - Zeiten verwendet wurde. Ich sah mal eine Aufführung aus Coventry. Mt Sängern aus den ehemals verfeindeten Staaten, Deutschland, England und der Ehem. Sowjetunion. Aber nur im TV.
Diese Aufnahme mit Britten, die du jetzt hörtest, wurde NIE erreicht , und schon gar nicht übertroffen. Auch nicht von Gardiner, dessen Einspielung, mit einem norddeutschen Orchester ich auch habe. Viele Grüsse. R.
martin (16.04.2006, 18:42): Ich kenne genau vier Requien.
Das von Mozart, was ich aber nicht sonderlich mag. Brahms deutsches Requiem mag ich dagegen sehr. Faures Requiem ist sehr schön, es ist tröstliche Musik. Dann noch das sehr eindrucksvolle von Berlioz.
Das War Requiem von Britten möchte ich mal kennenlernen, das steht ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste. Ach ganz vergessen, den Durufle, den Rolf anspricht, kenne ich auch, allerdings nur aus einer Aufführung, die sicher nicht Weltklasse war und mal in einer kleineren Hamburger Kirche gegeben wurde. Mir ist diese Aufführung angenehm in Erinnerung geblieben ohne daß sie mich zwingend dazu anregte, mir dieses Werk auf CD zuzulegen.
Gruß Martin
Mime (21.04.2006, 14:00): Sir Andrew Lloyd Webber hat anläßlich des Todes von seinem Vater ein Requiem geschrieben,welches sehr modern anmutet,aber musikalisch einiges zu bieten hat.Ein kräftig männliches "Ossana in Excelcis" sowie ein von zartem Knabensopran gehauchtes "Pie Jesu" wechseln sich mit Chorpassagen höchsten Schwierigkeitsgrades ab. Ein abwechslungsreicher Leckerbissen für all Diejenigen,die Mozart,Verdi,Fauré usw.schon häufig gehört haben.
Rolf Scheiwiller (21.04.2006, 14:08): Original von Mime Sir Andrew Lloyd Webber hat anläßlich des Todes von seinem Vater ein Requiem geschrieben,welches sehr modern anmutet,aber musikalisch einiges zu bieten hat.Ein kräftig männliches "Ossana in Excelcis" sowie ein von zartem Knabensopran gehauchtes "Pie Jesu" wechseln sich mit Chorpassagen höchsten Schwierigkeitsgrades ab. Ein abwechslungsreicher Leckerbissen für all Diejenigen,die Mozart,Verdi,Fauré usw.schon häufig gehört haben.
Hallo Mime. Kennen wir ! Du meinst die Aufnahme mit Domingo unter der Leitung von Lorin Maazel ?
Deine Meinung zu diesem Werk von Webber trifft zu.
Gruss. R.
Jascha Horenstein (04.05.2006, 20:01): Dem möchte ich die Aufnahme des c-moll Requiems durch Arturo Toscanini entgegenhalten. Ich wundere mich, daß wiederum hier, wie bei Klassikakzente dieser große Mann keine Fürsprecher findet. Andernorts wurde sogar schon von komplettem Vergessen gesprochen.
diese Aufnahme hab ich gemeint.Sarah Brightman (Sopran) sollte auch als Solistin erwähnt werden.Sie singt wunderschön beseelt,aber nicht so süßlich wie in ihren Musicalaufnahmen.
Gerion (19.05.2006, 21:50): Hallo,
dieser Thread ist zwar nun schon eine Weile "angestaubt", aber - heute kam das Fauré-Requiem, das ich mal probeweise bei JPC mitbestellt hatte. Es war ein Schuss ins Blaue, daher eine preisgünstige und vielleicht nicht die beste Einspielung, aber immerhin:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5081958.jpg
(Bild von der jpc-Homepage)
Ich muss einfach ein paar Zeilen dazu schreiben - ich bin überwältigt. So eine Leichtigkeit, Helligkeit, Freundlichkeit! So viel Ausdruck, solch eine warme, intensive Darstellung! Fauré hat in diesem Werk genau den Gott getroffen, wie ich ihn sehe, wie er sich uns durch Jesus geschenkt hat. Einen warmen, gütigen Gott. Ich bin absolut überwältigt von dieser Musik...
Gamaheh (14.06.2006, 22:33): Hallo Carola,
das wußte ich nicht, daß Fauré das über sein Requiem gesagt hat, aber das genau war mein Gefühl. Als ich noch eine Stimme hate und Mitglied eines Chores war, haben wir das mal gesungen, und die Sehnsucht nach dem Tod war für mich so spürbar, daß ich einen Massenselbstmord der Chormitglieder befürchtete! Hiervon habe ich keine Aufnahme, aber ich erinnere es sehr gut.
Das Mozart-Requiem haben wir auch gesungen, und das finde ich nach wie vor grandios! Dazu kann ich aber nichts sagen. Meine empfohlenen Aufnahmen sind die mit der Academy of Ancient Music unter Christopher Hogwood (allerdings nicht die konventionelle Form) und die der New Yorker Symphoniker (glaube ich) unter Bruno Walter (1956 oder so).
Das Brahms-Requiem, das wir ebenfalls gesungen haben, ist für mich ein zutiefst religiöses Werk, obwohl Brahms ja nicht aggressiv religiös war (ich auch nicht). Die schönste Aufnahme, die ich kenne, ist die mit dem Orchestre de la Suisse Romande unter Ernest Ansermet. Ich bin aber nur sehr selten in der Stimmung, sie zu hören.
Aber das sind ja wohl doch eher nicht die Requiems, die gemeint waren ...
Was den Plural betrifft, so denke ich, daß "Requiems" gebräuchlich ist. "Requiem" ist ja der Akkusativ Singular von "requies" ("requiem aeternam dona eis, domine" - "Gib ihnen ewige Ruhe , Herr", das im lateinischen Plural (Nominativ oder Akkusativ) theoretisch "requietes" lauten würde (glaube ich, aber ich weiß nicht, ob es das im Plural gibt), aber das sagt ja kein Mensch. Es ist wie "Quempas", das aus einem + einem abgehackten Wort aus einem Satz heraus besteht, wie will man da einen Plural bilden?
Grüße, Gamaheh
Carola (14.06.2006, 23:10): Original von Gamaheh Hallo Carola,
Was den Plural betrifft, so denke ich, daß "Requiems" gebräuchlich ist. "Requiem" ist ja der Akkusativ Singular von "requies" ("requiem aeternam dona eis, domine" - "Gib ihnen ewige Ruhe , Herr", das im lateinischen Plural (Nominativ oder Akkusativ) theoretisch "requietes" lauten würde (glaube ich, aber ich weiß nicht, ob es das im Plural gibt), aber das sagt ja kein Mensch. Es ist wie "Quempas", das aus einem + einem abgehackten Wort aus einem Satz heraus besteht, wie will man da einen Plural bilden?
Grüße, Gamaheh
Hallo Gamaheh,
so ganz kann ich Deiner Erklärung nicht folgen, aber es ist immer ein schönes Gefühl, irgendwie recht gehabt zu haben. :D
Zum Brahms-Requiem gibt es übrigens einen eigenen Faden, eine Seite zurück.. Ich weiß nicht wie das geht mit dem Verlinken. Aber Du wirst es schon finden...
Mit Gruß von Carola
Gamaheh (15.06.2006, 21:35): Hallo Carola,
ich meinte nur, daß es eigentlich keinen "korrekten" Plural gibt, da ja "Requiem" nur das erste Wort des lateinischen Textes ist, und zudem als Teil eines Satzes gebeugt, etwa so, als wenn man von "Ewigen Friedens" reden würde, nur fällt es nicht so auf, da es fremdsprachlich ist.
Den Brahms-Requiem-Faden habe ich gefunden, danke!
Grüße, Gamaheh
Little_Swan (28.12.2007, 17:26): Kennt irgendjemand von euch das Rutter-Requiem? Bevor ich es gesungen habe, wusste ich nicht einmal, wer John Rutter überhaupt ist. Für alle, denen es genauso geht: eine Bildungslücke ist es eher nicht. John Rutter ist ein zeitgenössischer englischer Komponist, der relativ unbekannt ist und hauptsächlich geistliche Vokalwerke schreibt. In seinem Requiem vertonte er sowohl die für Requien typische Texte ("Requiem Aeternam", das "Sanctus" als Mittelstück...), als auch altenglische Gebete. Es besteht aus sieben einzelnen Stücken, die brückenförmig aufgebaut sind. Dem ersten Teil "Requiem Aeternam" steht die Nr.7 "Sanctus" gegenüber, Nr.2 und Nr.6 sind die altenglischen Gebete, Nr.3 ein "Pie Jesu" als Gegenstück zu Nr. 5 "Agnus Dei" und in der Mitte ein "Sanctus". Anders als vielleicht andere Stücke dieser Form vermittelt es Trost und Frieden. Engelsgleiche und unwahrscheinlich überirdisch wirkende Klänge dominieren das Werk ohne dabei aufdringlich oder gar unpassend zu wirken. Rutter verwendet Elemente der Gregorianik und Romantik und lehnt sich an das Faure-Requiem an, hat aber auch keine Scheu davor, experimentellere Melodieverläufe einzubauen, die an Jazz und Musical erinnern. Aufnahmen gibt, soviel ich weiß, sehr wenige. Wer ein absolut autenthisches Stückchen Musik hören will, sollte sich die Originalaufnahme besorgen: die "Cambridge Singers" mit der "City of London Sinfonia", dirigiert vom Komponisten selbst.
Mime (29.12.2007, 10:12): Hallo kleiner Schwan,
John Rutter (* 1945) hat sein Requiem 1985 geschrieben. Es beinhaltet neben den klassischen Sätzen auch englische Choräle. Die Sätze sind bezeichnet:
1. Requiem aeternam 2. Out of the deep 3. Pie Jesu 4. Sanctus 5. Agnus Die 6. The Lord is my shepherd 7. Lux aeterna
Ob das Werk sich behaupten wird, müssen die nachfolgenden Generationen entscheiden. Meine Favoriten in diesem Genre sind:
Requiem (Mozart) Messa da Requiem (Verdi) Requiem (Michael Haydn) Requiem (Rossini) Officium Defunctorum (Tomás Luis de Victoria) Grande Messe des Morts (Berlioz) Requiem (Duruflé) Requiem (DvoYák) Requiem (Fauré) Requiem (Webber) sowie die Werke mit anderem Text: Musikalische Exequien (Schütz) Ein deutsches Requiem (Brahms) War Requiem (Britten)
:hello
Little_Swan (30.12.2007, 12:32): Hallo Mime!
Hast du Rutters Requiem selbst schon gesungen oder bist du einfach ein Freund geistlicher Vokalmusik? Es ist ja eigentlich mehr eine Art Liebhaberstück und ohne unseren Kantor hätte ich es wohl nie kennengelernt. Wenn du eine Aufnahme hast, würde mich interessieren, welche genau dir am besten gefällt. Bevorzugst du die "normale" (siehe oben) oder gefallen dir die besser, bei denen die Sopransoloparts durch einen Knaben ersetzt werden?
Liebe Grüße, Lea
Mime (31.12.2007, 12:01): Hallo Lea,
ich kenne nur die von dir erwähnte Aufnahme mit den Cambridge Singers. Die allerdings ist erste Sahne. Falls du noch hörenswerte Aufnahmen des Werkes kennst, würden mich diese auch interessieren. Ich mache gerne Interpretationsvergleiche.
Mit den Knabensopranen ist es so eine Sache. Oft sind die Burschen so nervös, dass sie eine Aufführung schmeissen können. Hab das schon beim Webber-Requiem erlebt. Dann lieber eine ausgebildete Sopranistin mit warmer, fliessender Stimme.
:hello
Alles Gute für 2008!
Little_Swan (02.01.2008, 22:12): Hallo Mime!
Habe beim Herumstöbern noch folgende Aufnahme von Naxos gefunden:
Requiem von Brown (Künstler), Choir of Clare College, Timothy Brown , und John Rutter (Komponist) von Naxos (Audio CD - 2003) Neu kaufen: EUR 6,95
... ich kenne sie aber nicht. Es gibt wohl irgendwo auch noch ein paar Einspielungen, bei denen die Frauenstimme durch einen Knabensopran ersetzt wird, im Internet finde ich die aber nirgendwo. Frage mal in meinem Chor nach, sobald die Proben wieder losgehen, da hat die sicher irgendjemand.
Bis dann, Lea
Rolf Scheiwiller (06.04.2006, 15:38): Nicht Mozart allein hinterliess sein berühmtes, legendenumwobenes Werk, das Requiem. Nein, auch weniger bekannte Totenmessen wurden von andern Komponisten immer wieder geschrieben. Hier soll nur über weniger populäre etwas gesagt werden. Also nicht die monumentalen von Verdi, Berlioz . Sondern Kompositionen die wir selten im Konzertsaal, oder in der Kirche hören.
Luigi Cherubini schuf zwei äusserst klangmächtige Werke. Das eine zu seiner eigenen Beerdigung. Für Männerchor, ohne Solostimmen. Und das grandiose, riesige für grossen, gemischten Chor. Auch ohne Soloparts. Riccardo Muti hat beide mit Londoner Kräften kongenial eingespielt. Bis heute konkurrenzlos. Referenzeinspielungen noch für lange Zeit.
Eine grosse, dramatische Totenmesse schrieb auch Dvorak. Anton Bruckner schrieb sein Requiem in jungen Jahren. Es hat noch nicht seine ganz persönliche Sprache. Nicht der Bruckner der späteren Jahre. Dann zwei französische Komponisten. Wunderbare, melodiöse, tröstliche Musik, ohne Schrecken, sind die beiden Messen von Faure und M. Durufle.
Was haltet Ihr von dieser Art Musik ? Kann Euch diese Musik über Alltagssorgen hinweghelfen ? Oder das Gegenteil , Aengste auslösen ?
Gruss. Rolf.
Rachmaninov (06.04.2006, 17:00): Original von Rolf Scheiwiller Was haltet Ihr von dieser Art Musik ? Kann Euch diese Musik über Alltagssorgen hinweghelfen ? Oder das Gegenteil , Aengste auslösen ?
@Rolf,
sehr schönes Thema und fast Gedankenübertragung.
Ca. 30 min, vorher hatte ich mir diese Aufnahmen bestellt:
Das Faure Requiem kenne und schätze ich seit geraumer Zeit in der Aufnahme von Herreweghe. Allerdings suchte ich auch eine Aufnahme des Durufle Requiems.
Um Deine Fragen zu beantworten: Von Zeit zu Zeit höre ich gerne einmal ein solches Requiem. Mozarts Requiem ist schließlich eins der Werke welche mich der klassischen Musik näher gebracht haben.
Sie hilft mir weder über alttägliche Sorgen hinweg, versetzt mich aber auch nicht in irgendwelche Zustände der Angst.
Finde es einfach ergreifen welche wunderbare Musik Komponisten aus ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben bzw. Tod geschaffen haben.
Neben dem Faure Requiem höre ich auch öfters einmal das Brahms Requiem.
Carola (07.04.2006, 22:48): Neben den populären Requiems (ist das der richtige Plural?) von Mozart und Brahms kenne ich nur noch das von Fauré, das für mein Gefühl wenig nach einem "klassischen" Requiem klingt, dazu ist es zu schön, zu wenig dramatisch, zu friedlich.
Fauré selbst soll dazu gesagt haben: "Man behauptet, mein Requiem bringe nicht den Schrecken des Todes zum Ausdruck,..." Aber so fühle ich nun einmal den Tod; weniger ein schmerzlicher Übergang, sondern eine friedliche Erlösung, die Sehnsucht nach dem Glück des Jenseits". Zitat aus dem Booklet meiner Aufnahme
Mir persönlich macht es keine Angst, eine Totenmesse zu hören. Ich vergesse oder verdränge es aber auch nicht beim Hören.
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (20.04.2006, 22:43): Original von Rolf Scheiwiller Dann zwei französische Komponisten. Wunderbare, melodiöse, tröstliche Musik, ohne Schrecken, sind die beiden Messen von Faure und M. Durufle.
@Rolf,
heute kam die bestellte CD mit dem Durufle Requiem.
Ersteinmal seit langer Zeit hatte ich die Freude ein mir gänzlich neues Werk zu hören. Dazu noch, so mein erster Eindrcuk, ein wie von Dir beschrieben melodiöses und tröstliches Requiem.
Werde ich in den nächsten Tagen sicherlich noch intensiver hören :cool
satie (20.04.2006, 23:14): Der Vollständigkeit halber sei noch das Requiem von György Ligeti genannt. Übrigens: das kürzeste Requiem, welches ich kenne wurde von Daniel Seel geschrieben. Es hat eine Aufführungsdauer von: 5 Sekunden.
Jascha Horenstein (04.05.2006, 20:01): Dem möchte ich die Aufnahme des c-moll Requiems durch Arturo Toscanini entgegenhalten. Ich wundere mich, daß wiederum hier, wie bei Klassikakzente dieser große Mann keine Fürsprecher findet. Andernorts wurde sogar schon von komplettem Vergessen gesprochen.
diese Aufnahme hab ich gemeint.Sarah Brightman (Sopran) sollte auch als Solistin erwähnt werden.Sie singt wunderschön beseelt,aber nicht so süßlich wie in ihren Musicalaufnahmen.
Gerion (19.05.2006, 21:50): Hallo,
dieser Thread ist zwar nun schon eine Weile "angestaubt", aber - heute kam das Fauré-Requiem, das ich mal probeweise bei JPC mitbestellt hatte. Es war ein Schuss ins Blaue, daher eine preisgünstige und vielleicht nicht die beste Einspielung, aber immerhin:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5081958.jpg
(Bild von der jpc-Homepage)
Ich muss einfach ein paar Zeilen dazu schreiben - ich bin überwältigt. So eine Leichtigkeit, Helligkeit, Freundlichkeit! So viel Ausdruck, solch eine warme, intensive Darstellung! Fauré hat in diesem Werk genau den Gott getroffen, wie ich ihn sehe, wie er sich uns durch Jesus geschenkt hat. Einen warmen, gütigen Gott. Ich bin absolut überwältigt von dieser Musik...
Gamaheh (14.06.2006, 22:33): Hallo Carola,
das wußte ich nicht, daß Fauré das über sein Requiem gesagt hat, aber das genau war mein Gefühl. Als ich noch eine Stimme hate und Mitglied eines Chores war, haben wir das mal gesungen, und die Sehnsucht nach dem Tod war für mich so spürbar, daß ich einen Massenselbstmord der Chormitglieder befürchtete! Hiervon habe ich keine Aufnahme, aber ich erinnere es sehr gut.
Das Mozart-Requiem haben wir auch gesungen, und das finde ich nach wie vor grandios! Dazu kann ich aber nichts sagen. Meine empfohlenen Aufnahmen sind die mit der Academy of Ancient Music unter Christopher Hogwood (allerdings nicht die konventionelle Form) und die der New Yorker Symphoniker (glaube ich) unter Bruno Walter (1956 oder so).
Das Brahms-Requiem, das wir ebenfalls gesungen haben, ist für mich ein zutiefst religiöses Werk, obwohl Brahms ja nicht aggressiv religiös war (ich auch nicht). Die schönste Aufnahme, die ich kenne, ist die mit dem Orchestre de la Suisse Romande unter Ernest Ansermet. Ich bin aber nur sehr selten in der Stimmung, sie zu hören.
Aber das sind ja wohl doch eher nicht die Requiems, die gemeint waren ...
Was den Plural betrifft, so denke ich, daß "Requiems" gebräuchlich ist. "Requiem" ist ja der Akkusativ Singular von "requies" ("requiem aeternam dona eis, domine" - "Gib ihnen ewige Ruhe , Herr", das im lateinischen Plural (Nominativ oder Akkusativ) theoretisch "requietes" lauten würde (glaube ich, aber ich weiß nicht, ob es das im Plural gibt), aber das sagt ja kein Mensch. Es ist wie "Quempas", das aus einem + einem abgehackten Wort aus einem Satz heraus besteht, wie will man da einen Plural bilden?
Grüße, Gamaheh
Carola (14.06.2006, 23:10): Original von Gamaheh Hallo Carola,
Was den Plural betrifft, so denke ich, daß "Requiems" gebräuchlich ist. "Requiem" ist ja der Akkusativ Singular von "requies" ("requiem aeternam dona eis, domine" - "Gib ihnen ewige Ruhe , Herr", das im lateinischen Plural (Nominativ oder Akkusativ) theoretisch "requietes" lauten würde (glaube ich, aber ich weiß nicht, ob es das im Plural gibt), aber das sagt ja kein Mensch. Es ist wie "Quempas", das aus einem + einem abgehackten Wort aus einem Satz heraus besteht, wie will man da einen Plural bilden?
Grüße, Gamaheh
Hallo Gamaheh,
so ganz kann ich Deiner Erklärung nicht folgen, aber es ist immer ein schönes Gefühl, irgendwie recht gehabt zu haben. :D
Zum Brahms-Requiem gibt es übrigens einen eigenen Faden, eine Seite zurück.. Ich weiß nicht wie das geht mit dem Verlinken. Aber Du wirst es schon finden...
Mit Gruß von Carola
Gamaheh (15.06.2006, 21:35): Hallo Carola,
ich meinte nur, daß es eigentlich keinen "korrekten" Plural gibt, da ja "Requiem" nur das erste Wort des lateinischen Textes ist, und zudem als Teil eines Satzes gebeugt, etwa so, als wenn man von "Ewigen Friedens" reden würde, nur fällt es nicht so auf, da es fremdsprachlich ist.
Den Brahms-Requiem-Faden habe ich gefunden, danke!
Grüße, Gamaheh
Little_Swan (28.12.2007, 17:26): Kennt irgendjemand von euch das Rutter-Requiem? Bevor ich es gesungen habe, wusste ich nicht einmal, wer John Rutter überhaupt ist. Für alle, denen es genauso geht: eine Bildungslücke ist es eher nicht. John Rutter ist ein zeitgenössischer englischer Komponist, der relativ unbekannt ist und hauptsächlich geistliche Vokalwerke schreibt. In seinem Requiem vertonte er sowohl die für Requien typische Texte ("Requiem Aeternam", das "Sanctus" als Mittelstück...), als auch altenglische Gebete. Es besteht aus sieben einzelnen Stücken, die brückenförmig aufgebaut sind. Dem ersten Teil "Requiem Aeternam" steht die Nr.7 "Sanctus" gegenüber, Nr.2 und Nr.6 sind die altenglischen Gebete, Nr.3 ein "Pie Jesu" als Gegenstück zu Nr. 5 "Agnus Dei" und in der Mitte ein "Sanctus". Anders als vielleicht andere Stücke dieser Form vermittelt es Trost und Frieden. Engelsgleiche und unwahrscheinlich überirdisch wirkende Klänge dominieren das Werk ohne dabei aufdringlich oder gar unpassend zu wirken. Rutter verwendet Elemente der Gregorianik und Romantik und lehnt sich an das Faure-Requiem an, hat aber auch keine Scheu davor, experimentellere Melodieverläufe einzubauen, die an Jazz und Musical erinnern. Aufnahmen gibt, soviel ich weiß, sehr wenige. Wer ein absolut autenthisches Stückchen Musik hören will, sollte sich die Originalaufnahme besorgen: die "Cambridge Singers" mit der "City of London Sinfonia", dirigiert vom Komponisten selbst.
Mime (29.12.2007, 10:12): Hallo kleiner Schwan,
John Rutter (* 1945) hat sein Requiem 1985 geschrieben. Es beinhaltet neben den klassischen Sätzen auch englische Choräle. Die Sätze sind bezeichnet:
1. Requiem aeternam 2. Out of the deep 3. Pie Jesu 4. Sanctus 5. Agnus Die 6. The Lord is my shepherd 7. Lux aeterna
Ob das Werk sich behaupten wird, müssen die nachfolgenden Generationen entscheiden. Meine Favoriten in diesem Genre sind:
Requiem (Mozart) Messa da Requiem (Verdi) Requiem (Michael Haydn) Requiem (Rossini) Officium Defunctorum (Tomás Luis de Victoria) Grande Messe des Morts (Berlioz) Requiem (Duruflé) Requiem (DvoYák) Requiem (Fauré) Requiem (Webber) sowie die Werke mit anderem Text: Musikalische Exequien (Schütz) Ein deutsches Requiem (Brahms) War Requiem (Britten)
:hello
Little_Swan (30.12.2007, 12:32): Hallo Mime!
Hast du Rutters Requiem selbst schon gesungen oder bist du einfach ein Freund geistlicher Vokalmusik? Es ist ja eigentlich mehr eine Art Liebhaberstück und ohne unseren Kantor hätte ich es wohl nie kennengelernt. Wenn du eine Aufnahme hast, würde mich interessieren, welche genau dir am besten gefällt. Bevorzugst du die "normale" (siehe oben) oder gefallen dir die besser, bei denen die Sopransoloparts durch einen Knaben ersetzt werden?
Liebe Grüße, Lea
Mime (31.12.2007, 12:01): Hallo Lea,
ich kenne nur die von dir erwähnte Aufnahme mit den Cambridge Singers. Die allerdings ist erste Sahne. Falls du noch hörenswerte Aufnahmen des Werkes kennst, würden mich diese auch interessieren. Ich mache gerne Interpretationsvergleiche.
Mit den Knabensopranen ist es so eine Sache. Oft sind die Burschen so nervös, dass sie eine Aufführung schmeissen können. Hab das schon beim Webber-Requiem erlebt. Dann lieber eine ausgebildete Sopranistin mit warmer, fliessender Stimme.
:hello
Alles Gute für 2008!
Little_Swan (02.01.2008, 22:12): Hallo Mime!
Habe beim Herumstöbern noch folgende Aufnahme von Naxos gefunden:
Requiem von Brown (Künstler), Choir of Clare College, Timothy Brown , und John Rutter (Komponist) von Naxos (Audio CD - 2003) Neu kaufen: EUR 6,95
... ich kenne sie aber nicht. Es gibt wohl irgendwo auch noch ein paar Einspielungen, bei denen die Frauenstimme durch einen Knabensopran ersetzt wird, im Internet finde ich die aber nirgendwo. Frage mal in meinem Chor nach, sobald die Proben wieder losgehen, da hat die sicher irgendjemand.
Bis dann, Lea
Jeremias (14.11.2008, 16:53): Für mich (neu) entdeckt:
Michael Haydn: Die Verbindung zwischen den Chorwerken des Barocks und Mozart. Eine exemplarische Aufnahme bietet Hyperion:
Solitaire (15.11.2008, 07:57): Ist ja lustig: ich habe das Requiem von Rutter am Wochenende zweimal gesungen. SEHR schöne Musik, angenehm zu singen. Ein bißchen hat mir aber schon der Aspekt des Schreckens gefehlt mit dem Tod und Sterben nunmal verbunden sind: kein Dies Irae, kein Rex Tremendae, kein Confutatis. Stattdessen eine Vertonung von "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" (bei Rutter "Out of the deep have I called unto Thee oh Lord" ). nud eien Vertonnug des 23. Psalms. Aber gut, wenn das Rutters Sicht auf die letzten Dinge ist, wer bin ich, daß ich ihm Vorhaltungen mache :D Wie gesagt: die Musik ist wirklich sehr schön, das "Lux Aeterna" am Schluß geradezu überirdisch.
Sarastro (25.12.2008, 12:57): Das Label Capriccio hat im Michael-Haydn-Jahr 2006 ein Requiem in c-Moll als Ersteinspielung einer bisher angeblich unbekannten Komposition des Meisters herausgebracht:
(Kammerchor Cantemus, Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein, unter Werner Ehrhardt)
Als Wiederentdecker des Werkes wird ein Herr Olaf Krone bedankt, von dem auch die Texte im Booklet (mit der Überschrift „Ein unbekanntes Salzburger Requiem“) stammen. Ein neugieriges Herumsuchen im Netz ergab nun zu meiner Überraschung bald, daß die von Krone als selbstverständlich hingestellte Zuweisung an Michael Haydn offenbar schlichtweg falsch ist und auf mangelnder Recherche beruht: hier, da und dort.
Demnach ist bereits 1999 von Petrus Eder nachgewiesen worden, daß das als MH 559 gezählte Werk in Wahrheit von einem gewissen (mir völlig unbekannten) Benediktinermönch namens Georg Pasterwiz (1730 - 1803) stammt. Auch handelt es sich hier nicht um eine „Weltpremiere“, da es schon eine ältere Einspielung aus dem Jahr 1998 gibt. Nichtsdestoweniger haben wir es hier mit einer durchaus bemerkens- und hörenswerten Komposition in einer insgesamt überzeugenden Einspielung, wenngleich ohne den Introitus, zu tun. Man sollte von Vorurteilen nicht abhalten lassen; es ist im Gegenteil wieder einmal erstaunlich, welch gute, Respekt verdienende Musik ganz unbekannte Komponisten des 18. Jahrhunderts manchmal schrieben! (Ironie des Schicksals freilich, daß ich, der ich Michael Haydns Requiems immer noch nicht kenne, meine Bekanntschaft ahnungslos ausgerechnet mit diesem - einem Weihnachtsgeschenk - beginnen wollte). Aber immerhin enthält die CD auch zwei echte Werke des Meisters (Missa Sancti Joannis Nepomuceni und Te Deum in D).
Eigentlich wollte ich speziell für das Requiem von Gabriel Fauré ein eigenes Thema erstellen, habe dann jedoch im letzten Moment bemerkt, dass besagtes Werk schon hier Erwähnung gefunden hat. :D Ich bin übrigens über meinen Gesangslehrer mit diesem schönen Stück in Kontakt gekommen. Ich singe nämlich Bariton und habe mich einmal an das wunderschöne, lyrische "Libera me"-Solo herangetastet. Mein Lehrer berichtete mir, dass dieses Solo, ja, eigentlich das gesamte Requiem, zu seinen persönlichen Favoriten zählt. Es ist aber auch so was von schön!
Normalerweise habe ich immer gewisse Ressintements gegenüber dem Genre "Requiem" gehegt, da alle sonstigen Requien, in die ich zuvor hineingehört hatte (z.B. Brahms: "Ein Deutsches Requiem") auf mich äußerst düster, und sogar ein wenig bedrohlich wirkten. Anders Faurés Requiem: Es soll laut ihm keine Angst vor dem Tod verdeutlichen, sondern "glückliche Befreiung", die uns durch den Tod bevorsteht. Kritiker hatten ihm diesen Punkt oft angekreidet, da er ihrer Meinung nach nicht zur traditionellen Requiemform gehört, aber, manche Leute haben immer etwas auszusetzen, oder? :D Mir jedenfalls gefallen die deutlichen Hoffnungsschimmer dieses Werkes sehr gut, die immer wieder dezent durchblitzen.
Ich besitze übrigens folgende Aufnahme von diesem Opus:
http://iclassics.com/images/local/300/1673E.jpg
Was denkt ihr über dieses Werk der "Ruhe", wie "Requiem" aus dem Lateinischen übersetzt heißt?
Da ich zu diesem Werk auch einen eigenen Thread eröffnet habe, wäre es schön, wenn ihr eure Gedanken vielleicht dort, anstatt hier, einfügen könntet. Bin schon sehr gepannt!
Liebe Grüße, Jan! :)
Rachmaninov (14.04.2009, 17:57): Original von Papageno Hallo, liebe Mitforianer!
Eigentlich wollte ich speziell für das Requiem von Gabriel Fauré ein eigenes Thema erstellen, habe dann jedoch im letzten Moment bemerkt, dass besagtes Werk schon hier Erwähnung gefunden hat. :D
@Jan,
aus meiner Sicht wäre ein Thread über das Werk dennoch sinnvoll! :engel :engel
Papageno (14.04.2009, 19:18): Hallo, Rachmaninov!
Da du mich in meiner anfänglichen Idee, für Faurés Requiem doch einen seperaten Thread zu eröffnen, so freundlich bestärkt hast, werde ich dem umgehend nachkommen! Ich werde meinen Beitrag in diesem Thread dann noch darauf Bezug nehmend editieren.
Liebe Grüße, Jan! :)
Sully (12.08.2011, 17:44): Hallo,
ich habe diesen Thread erst jetzt entdeckt - ich hoffe er ist noch aktuell.
Antoine Reicha wurde am 26. Februar 1770 in Prag; er starb 28. Mai 1836 in Paris). Er war ein böhmischer Komponist, Musikpädagoge und Flötist, der seine wesentlichen künstlerischen Erfolge in Paris feierte.
Antoine Reicha schrieb 1806 in Wien sein.... Requiem for Solosits, Chorus & Orchestra.
Prague Philharmonic Chorus, Dvorák Chamber Orchestra, cond. Lubomír Mátl Anna Barova Alto, Venceslava Hruba-Freiberger Soprano, Ludek Vele Bass, Jaroslav Tvrzsky Organ, Vladimir Dolezal Tenor. Sung in Greek and Latin. Aufgenommen 1994
Für mich ein gelungenes Werk, dass ziemlich unbekannt sein dürfte.
Gruss Sully
Amadé (12.08.2011, 21:18): Original von Sully .....ein gelungenes Werk, dass ziemlich unbekannt sein dürfte.
Das scheint so, von einem Requiem Anton Reichas habe ich noch nie was gehört, kann aber noch werden. Stutzig macht mich Dein Statement, dass auch griechisch gesungen wird, bisher kenne ich nur lateinisch gesungene R.
Gruß Amadé
Sully (12.08.2011, 22:34): Hallo Amade, den Hinweis, dass in Griechisch und Latein gesungen wird, fand ich hier.... http://www.arkivmusic.com/classical/album.jsp;jsessionid=79DED1184E737EB5DD6D3A77E14CA6E9?album_id=109043
Wahrscheinlich kennst Du dieses Requiem auch nicht. Alemdar Karamanov (*1934-2007, Ukraine) Simferopol
Karamanov - Requiem for soloists, chorus and orchestra (1971) rec. 2006 Über die Interpreten kann ich nicht sagen - kann leider kein Russich. Mein Kommetar: Ein Genuß. Den Link zum downloaden kannst Du haben - über PN.
Gruss Sully
Amadé (13.08.2011, 11:34): Hallo Sully,
der Komponist Karamanov ist mir auch völlig unbekannt. Ich weiß nicht recht, ob mir ein russisch gesungenes Requiem zusagt.
Gruß Amadé
Nordolf (14.08.2011, 18:54): Ich höre gerade das Requiem eines Komponisten, den ich sehr schätze:
Requiem h-Moll op. 50 für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester (1927)
Sopran: Marietta Zumbült / Bariton: Mario Hoff George Alexander Albrecht / Thüringisches Kammerorchester Weimar Dombergchor Erfurt Philharmonischer Chor Weimar 2003
1. Requiem und Kyrie (12'04) 2. Dies Irae (13'31) 3. Domine Jesu (8'15) 4. Sanctus und Benedictus (13'14) 5. Agnus Dei (13'02)
Diese Aufnahme ist für die ausführenden Künstler sozusagen ein thüringisches "Heimspiel". Richard Wetz verbrachte den Großteil seines Lebens in seiner Heimatstadt Erfurt. Er gab an, nur im eigenen Heim überhaupt komponieren zu können. Sein Stil ist ganz der Tradition des ausgehenden 19. Jahrhunderts verpflichtet - insbesondere Bruckner war ein großer Einfluß auf ihn. Trotzdem reizte er in manchen seiner Werke - und auch im "Requiem" - die Grenzen der Tonalität recht weit aus. Den immer wieder genannten ganz eigenen, introvertierten Ton in seiner Musik kann ich nur bestätigen: - trotz aller Epik und Monumentalität klingt ein ganz zurückgezogenes, nach Innen gerichtetes Moment in seiner Musik mit. Wetz' Weltsicht war wohl auch wesentlich von pessimistischen, durch Schopenhauer-Lektüre geprägten Ideen beinflußt.
Das Requiem hält sich nicht an die praktischen Erfordernisse einer liturgischen Aufführung. Dem Orchester wird sehr viel Raum gelassen. Die Texte sind nach persönlichen Vorlieben des Komponisten ausgewählt: - so lässt er beispielsweise im "Dies Irae" eine Strophe wie "zu den Schafen" einfach weg oder im "Domine Jesu" die heilsgeschichtlichen Bezüge auf Abraham. Den stellenweise sehnsüchtig-flehenden Ausdruck des Requiems erreicht Wetz über verschiedene musikalische Mittel: - etwa wenn er leise in einem 3/4 Takt spielen lässt, um mächtig im 4/4 Takt zu enden oder im "Kyrie", dem "Sanctus" und dem "Agnus Dei" den Chor dissonant aufschreien lässt. Über weite Strecken herrschen aber sehr warme, fließende Stellen vor: - oft melancholisch-resignativ, dann aber wieder friedlich und lichtdurchflutet. Zu ausgeprägt majestätisch-triumphalen Stellen kommt es nicht. Die Feierlichkeit der Musik trägt einen introvertierten, manchmal auch stark mystizistischen Charakter, z.B. das "Sanctus" gefolgt von einem Orchesterzwischenspiel mit dunkel dräuenden Streicherklängen. Das "Benedictus" darf nach einem geheimnisvollen Beginn in lichten, hochromantischen Farben erstrahlen.
Mir gefällt diese persönliche Note des Requiems besonders gut. Es befindet sich damit in der Nähe von Brahms' "Deutschem Requiem". Bei Wetz wird allerdings in Latein gesungen.
Herzliche Grüße! Jörg
Klingsor (15.08.2011, 14:46): Original von Rolf Scheiwiller
Was haltet Ihr von dieser Art Musik ? Kann Euch diese Musik über Alltagssorgen hinweghelfen ?
Ich kann nicht beurteilen, ob ich als nicht religiöser Mensch möglicherweise etwas anderes empfinde, wenn ich ein Requiem höre, als Menschen mit Glauben, aber grundsätzlich empfinde ich die beiden, die ich bis jetzt gehört habe (Verdi und Mozart) als universell berührend. Sie helfen mir vielleicht nicht über Sorgen hinweg, schenken mir persönlich keinen Trost, aber dennoch wirken sie ungemein auf mich, ohne das ich direkt benennen könnte inwiefern genau.
Verdis Requiem hat für mich etwas Erhabenes.
Mozarts Requiem verströmt für mich dunkel-melancholisch Berauschendes und das im ersten Teil stets Dräuende imponiert mir immer wieder. Meine liebste Aufnahme ist die unter Riccardo Muti (EMI)
Ich habe gelesen, dass strittig ist wie weit Mozart das Stück zu Ende gebracht hat und wieviel von seinem Schüler vervollständigt wurde...ich las es, ehe ich die Musik zum ersten Mal hörte und sogleich fiel mir ab dem "Lacrimosa" ein Gefälle in der Quälität auf...Liegt das daran, dass ich durch die Informationen nicht mehr unvoreingenommen war oder geht es anderen Leuten genauso oder ähnlich?
Jeremias (28.05.2012, 10:29): Was übrigens kaum jemand weiss ist, dass auch Franz von Suppé, eher bekannt für die leichte, heutere Muse, ein tiefgehendes Requiem schrieb!
Maurice inaktiv (16.03.2013, 11:30): Ich freue mich,dass hier die Werke von Richard Wetz (der auch drei wunderbare große Sinfonien geschrieben hat-siehe CPO bei JPC) und Franz von Suppé erwähnt werden.
Das Reicha-Requiem ist günstig zu erwerben bei Amazon,das wäre durchaus was für die Raritätensammler.
Rutters Requiem von Naxos soll rech gut geworden sein,habe ich mal gelesen.
Ich möchte hier kurz noch ein paar "Exoten" erwähnen.Da ich aber Fachmann für Gesang bin,kann ich nicht gerade viel zur Qualität der Werke sagen.
1. Francois-Joseph Gossec : Requiem Apex Cond.: Louis Devos
"Eine gelunge,spannungsträchtige Einspielung des singulären Werks" (Fono-Forum , 11/1988)
2. Karl Ditters von Dittersdorf : Geistliche Musik ( u.a. Requiem c-moll) Regensburger Domspatzen Consortium musicum München Cond.: Georg Ratzinger
3. Sir Charles Stanford : Requiem / Naxos RTE Ohilharmonic Choir & RTE National Symphony Orchestra of Ireland Con.: Adrian Leaper
"Gekonnte und leidenschaftliche Darbietungen (Gramophone) "Interpretation : gut Klang : sehr gut (BBC Music Magazine , 03/2005)
4. Joseph Martin Kraus : Requiem für Soli,Chor&Orchester / CPO La Stagione Frankfurt Cond.: Michael Schneider
"Den Musikern und Sängern gelingt es unter der Leitung von M.Sch. auf sehr subtile Weise das Interessante,Schöne,Unkonventionelle,Er- staunliche im Detail hörbar zu machen. (Klassik.com 09/200)
Mehr vermag ich dazu nicht zu schreiben,aber vielleicht kennt jemand die Werke hier und weiß mehr davon zu berichten.
VG,Maurice
palestrina (17.08.2013, 20:48): Verdi , REQUIEM
Erstmal , Verdis Requiem ist hier ja sehr unterrepräsentiert , schade ! Auf Wunsch von Nikolaus , werde ich hier ein paar Worte verlieren zu der neuen Einspielung mit Daniel Barenboim! http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947852452.jpg
Das ist eine rundum gelungene Einspielung, Orchester ,Chor und die Sängerriege Spitzenmäßig ! Die Krone der Sänger gebührt A. Harteros, ein sehr schön gesungenes "Libera me ". J.Kaufmann, singt das "Ingemisco "sehr ausgewogen mit sehr schöner Tongebung ! E.Garancia im "Liber scriptus " einfach wundervoll expressiev im Ausdruck und das Duett Sopran/ Mezzo im "Recordare " da mischen sich beide Stimmen aufs trefflichste ! Im "Tuba mirum " und "Confutatis" singt mit sehr geschmeidiger Stimme R.Pape , und das Orchester und der Chor tun ihr übriges ! GRANDIOS ! Das Orchester ist ein Opern Orchester,ist dieses Requiem nicht eine Oper !?!?!?! :D Und somit für mich auch sehr Emotional, nicht so auf Schönklang getrimmt ! Barenboim bringt diese Emotion voll rüber ! Der Chor der Scala wie immer ganz hervorragend , Chorus Master , Bruno Casoni . Für mich ist diesesRequiem ein Highlight , und das beste seit langer Zeit ! :down
LG palestrina
nikolaus (17.08.2013, 21:46): Danke!
Nikolaus :hello
nikolaus (18.08.2013, 23:01): Auf medici.tv kann man noch den Mitschnitt einer Aufführung beim diesjährigen Verbier Festival sehen und hören.
Es ist eine sehr intensive, drängende Interpretation mit eher raschen Tempi und einem erbarmungslosen Dies irae.
Es spielen und singen das Verbier Festiva Orchester und der Coro del Teatro Regio di Torino unter Gian Andrea Noseda ungemein engagiert.
Unter den hervorragenden Solisten mit Daniela Barcellona, Piotr Beczala und vor allem Ildar Abdrazakov kommt die Sopranistin Maria Agresta meinem Ideal dieser Partie sehr, sehr nahe. Sie verfügt über einen wunderschönen klaren, eher schlanken Sopran, der sich dennoch gegen Chor und Orchester durchsetzen kann - erstaunlich.
Nikolaus.
Hörbert (21.08.2013, 16:57): Hallo!
Nicht nur Verdi ist in diesem schon etwas älteren Tread etwas unterrepräsentiert, auch das großartige Requiem von Hector Berlioz findet keine Erwähnung. (oder habe ich´s bloß überlesen?)
Auch als komplett areligiöser Mensch kann ich die musikalische Pracht sakraler Werke würdigen, gerade Requiems und Oratorien gehören auch heute noch zu den ergreifensten Werken für Stimmen die geschrieben werden, -man denke nur an Pendereckys "Dies irae" von 1967, Ligetis "Requiem" oder Klaus Hubers "Inwendig voller Figur"
MFG Günther
Sfantu (10.01.2024, 22:01): Eher selten werden Requien Teil meiner Hörprogramme. Heute und auch kurz vor dem Jahreswechsel schon lief Silvestrovs Totenmesse bei mir. Auslöser zur Entstehung war der unerwartete Tod der Frau des Komponisten, Larissa Bondarenko, 1996. Tiefschwarz und kristallklar ist der Grundcharakter des Werkes, sind die Klangereignisse. Sparsam die Motive, kaum ausgearbeitete Melodielinien. Selbst der Messetext wird meist nur schlaglichtartig angerissen um dann abrupt zu verstummen - so, als hätten die Sänger ihre Parts "vergessen". Wiederkehrende Elemente sind (dezente) Sturm-Abschnitte mit Holzbläsern und Geigen als Blitze und Synthesizer mit Klavier, tiefen Glocken und Tamtam als Donner sowie eine Art Engelsmusik, welche das Werk auch abschließt. Diese besteht aus vom Synthesizer nachempfundenen Glasharmonika-Klängen. Fremdkörper gewissermaßen stellen der 4. und 5. von 7 Sätzen dar: ein Largo, bestehend aus einem zuvor von Silvestrov geschriebenen Lied auf Auszüge aus "Der Traum" des ukrainischen Nationaldichters Taras Tschewtschenko...
Welt, leb wohl, leb wohl, Du harte Undankbare Erde! Meinem schweren Kummer will Ich in den Wolken bergen.
Ukraine, arme Witwe. Witwe ohne Scherflein. Dir kehr ich durch die Wolken, Will mit Deinen Dörflein
Zwiesprach pflegen ganz im Stillen. Rat mir bei Dir holen. Als Tau herniedertröpfeln In der Nacht verstohlen.
...und auf Agnus dei-Textfetzen gespielte Versatzstücke von Mozart-Beinahe-Zitaten: es scheinen Arien oder Violinkonzert-Bruchstücke auf und werden mit den Messetext-Sequenzen überblendet (wieso oder weshalb, bleibt unklar). Dies wie überhaupt weite Teile des gesamten Werkes tönen traumverloren, abgründig, schattenhaft - manchmal ein wenig nach Filmmusik. Das Tschewtschenko-Poem singt ein Solo-Tenor auf Ukrainisch, ab der zweiten Strophe zusammen mit einem Solo-Sopran (beide ragen in dieser Aufnahme kaum aus dem Gesamtklang hervor, bleiben recht verhalten) während der restliche Chor Vokalisen dazu anstimmt. Ansonsten bleiben die Texte in Latein.
Düster und feierlich schreibt Silvestrov diesen Abgesang.
Valentin Silvestrov
Requiem für Larissa
Nationalchor der Ukraine "Dumka", Nationales Sinfonieorchester der Ukraine - Wolodymyr Sirenko (CD, ECM, 2009)