R. Strauss, H. von Hofmannsthal: Elektra

Billy Budd (22.08.2013, 22:57):
DATEN:
Musik: Richard Strauss (1864-1949)
Libretto: Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)
Uraufführung: 25. Jänner 1909 in Dresden

Spieldauer:100-105 Minuten (keine Pause)
Ort und Zeit: Mykene, mehrere Jahre nach Ende des Trojanischen Krieges

Literaturvorlage: Elektra von Sophokles.


DRAMATIS PERSONAE (steht wirklich so im Reclam-Heft):

Klytämnestra, Herrscherin Mykenes - Mezzosopran
Elektra (Laodike), ihre ältere Tochter - Sopran
Chrysothemis, Klytämnestras jüngere Tochter - Sopran
Aegisth, Klytämnestras zweiter Gemahl - Tenor
Orest, Klytämnestras Sohn - Bariton
Der Pfleger des Orest - Bass
Die Vertraute - Sopran
Die Schleppträgerin - Sopran
Ein junger Diener - Tenor
Ein alter Diener - Bass
Die Aufseherin - Sopran
Erste Magd - Alt
Zweite Magd - Mezzosopran
Dritte Magd - Mezzosopran
Vierte Magd - Sopran
Fünfte Magd - Sopran
6 Dienerinnen - Chorsänger.


INHALTSANGABE:

Vorgeschichte:
Als Agamemnon in den Trojanischen Krieg zog, opferte er Iphigenie, eine seiner Töchter, um von Artemis günstigen Wind zu erbitten (dies wird in der Oper nicht – wohl aber im Sophokles-Drama – erwähnt!), was ihm seine Frau Klytämnestra nie verziehen hat. Kurz nach seiner Heimkehr erschlug sie ihn mit Aegisth – Agamemnons Cousin! – im Bad. Nun herrscht das Mörderpaar in Mykene und behandelt Agamemnons Töchter Elektra und Chrysothemis wie Gefangene; Agamemnons Sohn Orest wurde von Elektra rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Einziger Akt:
Gleich die ersten drei Akkorde (mit dem Agamemnon-Motiv) stürzen die Zuhörer in die Handlung: Einige Mägde verspotten Elektra („Dass die Königin solch einen Dämon frei in Haus und Hof sein Wesen treiben lässt.“, „Setzt man ihr nicht den Napf mit Essen zu den Hunden? Hast Du den Herrn nie sie schlagen sehn?“). Eine („ganz jung“) ergreift für sie („mit zitternder erregter Stimme“) Partei („Ich will vor ihr mich niederwerfen und die Füße ihr küssen.“, „Es gibt nichts auf der Welt, das königlicher ist als sie.“), weswegen sie von den anderen geschlagen wird.
Elektra tritt auf und klagt erst um ihren toten Vater, dessen Rächung mittlerweile ihr einziger Lebenszweck ist („Wo bist Du, Vater? Hast Du nicht die Kraft, Dein Angesicht herauf zu mir zu schleppen?“, „Ich will Dich sehn, lass mich heute nicht allein! Nur so wie gestern, wie ein Schatten, dort im Mauerwinkel, zeig Dich Deinem Kind!“) und prophezeit anschließend die Vision der Rache, die sich am Ende der Oper in furchtbarer Weise erfüllen wird („Von den Sternen stürzt alle Zeit herab, so wird das Blut aus hundert Kehlen stürzen auf Dein Grab.“, „Wir schlachten Dir die Rosse, die im Hause sind, wir treiben sie vor dem Grab zusammen, und sie ahnen den Tod und wiehern in die Todesluft und sterben.“, „Dein Sohn Orest und Diene Töchter, wir drei, wenn alles dies vollbracht und Purpurgezelte aufgerichtet sind, vom Dunst des Blutes, den die Sonne nach sich zieht, dann tanzen wir.“, „Über Leichen hin werd ich das Knie hochheben Schritt für Schritt.“).
Nach diesem ungeheuerlichen Gesang, der bei den Zuhörern in der Regel einen Puls nahe 200 verursacht, tritt Chrysothemis auf, die zwar wie Elektra unter der derzeitigen Situation leidet, aber für ihre ältere Schwester kein Verständnis aufbringen kann. Nach einer Warnung („Sie werfen Dich in einen Turm, wo Du von Sonn und Mond das Licht nicht sehen wirst.“) fleht sie Elektra an, sich endlich mit den Mördern auszusöhnen und klagt schließlich ihr Leid („Ich habe solche Angst, mir zittern die Knie bei Tag und Nacht, mir ist die Kehle wie zugeschnürt, ich kann nicht einmal weinen, wie Stein ist alles.“, „Eh ich sterbe, will ich auch leben! Kinder will ich haben, bevor mein Leib verwelkt, und wärs ein Bauer, dem sie mich geben; Kinder will ich ihm gebären und mit meinem Leib sie wärmen in kalten Nächten, wenn der Sturm die Hütte zusammenschüttelt!“, „Frauen, die ich schlank gekannt hab, sind schwer von Segen, mühn sich zum Brunnen, heben kaum die Eimer, und auf einmal sind sie entbunden ihrer Last, kommen zum Brunnen wieder und aus ihnen selber quillt süßer Trank und säugend hängt ein Leben an ihnen, und die Kinder werden groß.“, „Ich bin ein Weib und will ein Weiberschicksal!“ – Dieser sehr hoch gelegene und stets gegen das volle Orchester ankämpfende Gesang ist eine echte Herausforderung für jede Sängerin und zerreißt den Zuhörern regelmäßig das Herz.).
Plötzlich sind aus dem Palast laute Geräusche zu vernehmen, die sich als der Opferzug Klytämnestras herausstellen. Chrysothemis fleht Elektra an: „Stell Dich ihr heut nicht in den Weg: Sie schickt Tod aus jedem Blick. Sie hat geträumt.“, „Ich hab es von den Mägden gehört, sie sagen, dass sie von Orest, von Orest geträumt hat, dass sie geschrien hat aus ihrem Schlaf, wie einer schreit, den man erwürgt.“. Die Angesprochene aber entgegnet: „Ich habe eine Lust, mit meiner Mutter zu reden wie noch nie!“. Chrysothemis läuft verzweifelt davon („Ich wills nicht hören.“).
Die folgende Szene – eine der packendsten der gesamten Opernliteratur – schildert in unheimlicher Weise die Seelenabgründe von Mutter und Tochter: Die von Alpträumen geplagte Klytämnestra verkündet: „O Götter, warum liegt ihr so auf mir? Warum verwüstet ihr mich so? Warum muss meine Kraft in mir gelähmt sein? Warum bin ich lebendigen Leibes wie ein wüstes Gefild und diese Nessel wächst aus mir heraus, und ich hab nicht die Kraft zu jäten!“. Klytämnestra verlangt, ihre Diener mögen sie alleine lassen und beinahe kommt es zu einer Annäherung mit ihrer Tochter. Auf die Offenbarung „Ich habe keine guten Nächte. Weißt Du kein Mittel gegen Träume?“, „Es ist so fürchterlich, dass meine Seele sich wünscht, erhängt zu sein.“, entgegnet Elektra geheimnisvoll, nur das „rechte Blutopfer“ sei vonnöten. Klytämnestra versteht die Antwort nicht richtig zu deuten, sodass Elektra, die zuerst mit der Königin Katz und Maus spielt („Lässt Du den Bruder nicht nach Hause, Mutter?“ – „Von ihm zu reden, hab ich Dir verboten.“ – „So hast Du Furcht vor ihm?“ – „Wie?“ – „Es heißt, er stammelt, liegt im Hofe bei den Hunden und weiß nicht Mensch und Tier zu unterscheiden.“ – „Das Kind war ganz gesund.“ – „Ich schickte viel Gold und wieder Gold, sie sollten ihn gut halten als ein Königskind.“ – „Du lügst! Du schicktest Gold, damit sie ihn erwürgen!“ – „Wer sagt Dir das?“ – „Ich sehs an Deinen Augen. Allein an Deinem Zittern seh ich auch, dass er noch lebt. Dass Du bei Tag und Nacht an nichts denkst als an ihn. Dass Dir das Herz verdorrt vor Grauen, weil Du weißt: Er kommt.“), deutlich werden muss: „Was bluten muss? Dein eigenes Genick, wenn Dich der Jäger abgefangen hat!“, „Und ich steh da und seh Dich endlich sterben! Dann träumst Du nicht mehr, dann brauche ich nicht mehr zu träumen, und wer dann noch lebt, der jauchzt und kann sich seines Lebens freun!“.
Nachdem die Königin durch die detaillierte Schilderung ihrer Ermordung wehrlos erstarrt ist, flüstert ihr eine Dienerin etwas ins Ohr, wodurch sie in grässliches Gelächter ausbricht. Elektra kennt sich nicht aus („Worüber freut sich das Weib?“), bis ihr ihre Schwester heulend zuruft: „Orest ist tot!“, „Die Fremden standen an der Wand, die Fremden, die hergeschickt sind, es zu melden: zwei, ein Alter und ein Junger.“, „Gestorben dort in fremdem Land. Von seinen Pferden erschlagen und geschleift.“. Elektra will das nicht glauben: „Es ist nicht wahr!“.
Hier kommt ein genialer dramaturgischer Kunstgriff zum Einsatz, der das literarische Genie Hofmannsthals unter Beweis stellt: Ein Diener eilt herbei und ruft einem anderen zu: „Gesattelt soll werden, und so rasch als möglich, hörst Du! Ein Gaul, ein Maultier, oder meinetwegen auch eine Kuh, nur rasch!“, „Weil ich hinaus muss aufs Feld, den Herren holen, weil ich ihm Botschaft zu bringen habe, große Botschaft, wichtig genug, um eine Eurer Mähren zu Tod zu reiten.“. Nach dieser kurzen Szene, die auch das Verhältnis zwischen junger, Aegisth-treuer und alter, Agamemnon-treuer Dienerschaft illustriert, ist Elektra vom Tode des Bruders überzeugt. Sie beschwört ihre Schwester: „Nun müssen Du und ich hingehn und das Weib und ihren Mann erschlagen.“, die sich aber nicht überreden lässt, weg läuft und deswegen von Elektra verflucht wird.
Nun macht sich Elektra selbst daran, das Beil, mit dem ihr Vater erschlagen wurde, auszugraben. Derweilen tritt ein Fremder hinzu, der sich später als Orest entpuppen wird, der selbst die Nachricht von seinem Ableben ausstreuen ließ, um das Mörderpaar in Sicherheit zu wiegen. Noch gibt er sich als Bote aus und es entspinnt sich ein Dialog: „Ich und noch einer, der mit mir ist, wir haben einen Auftrag an die Frau. Wir sind an sie geschickt, weil wir bezeugen können, dass ihr Sohn Orest gestorben ist vor unsern Augen, denn ihn erschlugen seine eignen Pferde. Ich war so alt wie er und sein Gefährte bei Tag und Nacht.“. An den Klagen Elektras („Kannst Du nicht die Botschaft austrompeten dort, wo sie sich freun!“, „Du lebst, und er, der besser war als Du und edler tausendmal, und tausendmal so wichtig, dass er lebte, er ist hin!“) stellt er fest: „Du musst verwandtes Blut zu denen sein, die starben: Agamemnon und Orest!“ und erfährt sogleich die Identität seines Gegenübers. Er ist entsetzt, seine Schwester so verwahrlost zu sehen („So haben sie Dich darben lassen oder – sie haben Dich geschlagen?“, „Was haben sie gemacht mit deinen Nächten! Furchtbar sind Deine Augen!“, „Hohl sind Deine Wangen!“) und gibt sich ihr zu erkennen („Der alte, finstre Diener stürzt, gefolgt von drei andern Dienern, aus dem Hof lautlos herein, wirft sich vor Orest nieder, küsst seine Füße, die andern Orests Hände und den Saum seines Gewandes.“): „Die Hunde auf dem Hof erkennen mich, und meine Schwester nicht?“.
Nach Elektras Schrei: „Orest!“ erklingt ein enorm ausdrucksstarkes Orchesterzwischenspiel, das die Gefühle der Geschwister treffend widerspiegelt und ungeachtet seiner Kürze (knapp über einer Minute) meine absolute Lieblingsstelle dieses Musikdramas ist. Darauf folgt ein Monolog, der für jede Sängerin der Elektra eine große Schwierigkeit ist, da nach einer guten Stunde extremsten Singens plötzlich zarter Lyrismus verlangt wird (und deshalb geht er auch in Aufführungen meistens in die Hose): „Oh lass deine Augen mich sehn! Traumbild, mir geschenktes Traumbild, schöner als alle Träume. Hehres, unbegreifliches, erhabenes Gesicht, oh bleib bei mir!“, „Nein, Du sollst mich nicht umarmen! Tritt weg, ich schäme mich vor Dir. Ich weiß nicht, wie Du mich ansiehst. Ich bin nur mehr der Leichnam Deiner Schwester, mein armes Kind. Ich weiß, es schaudert Dich vor mir. Und war doch eines Königs Tochter! Ich glaube, ich war schön: Wenn ich die Lampe ausblies vor meinem Spiegel, fühlt ich es mit keuschem Schauer.“, „Ich habe alles, was ich war, hingeben müssen. Meine Scham hab ich geopfert.“, „Was schaust Du ängstlich um Dich? Sprich zu mir! Sprich doch! Du zitterst ja am ganzen Leib!“. Orest entgegnet: „Lass zittern diesen Leib. Er ahnt, welchen Weg ich ihn führe.“, „Die Götter werden da sein, mir zu helfen.“. Orests Pfleger mahnt zur Eile und betritt mit ihm den Palast. Gleich darauf vernimmt man die grässlichen Todesschreie Klytämnestras.
Die Mägde und Chrysothemis eilen herbei; sie vermuten „Mörder im Haus“, können aber ob der Dunkelheit nichts erkennen. Aber nachdem sie den von ihnen gefürchteten („Wenn er uns findet und wenn im Hause was geschehen ist, lässt er uns töten.“), keppelnden („He! Lichter! Lichter! Ist niemand da, zu leuchten? Rührt sich keiner von allen diesen Schuften? Kann das Volk mir keine Zucht annehmen!“) Aegisth gewahrt haben, nehmen sie Reißaus.
Diesem kommt Elektra, die das einzige Licht hält, nun auffällig devot entgegen und leuchtet ihm mit geheuchelter Freundlichkeit, bis er seinen Mördern in die Hände fällt.
Nach dieser Gewaltorgie erklingen die fesselndsten Momente dieser Oper: Chrysothemis kommt freudestrahlend herausgelaufen und verkündet: „Elektra! Schwester! Komm mit uns! O komm mit uns! Es ist der Bruder drin im Haus! Es ist Orest, der es getan hat! Komm! Er steht im Vorsaal, alle sind um ihn und küssen seine Füße; alle, die Aegisth von Herzen hassten, haben sich geworfen auf die andern, überall in allen Höfen liegen Tote; alle, die leben, sind mit Blut bespritzt und haben selbst Wunden, und doch strahlen alle, alle umarmen sich und jauchzen, tausend Fackeln sind angezündet. Hörst Du nicht, so hörst Du denn nicht?“.
Elektras Lebenszweck ist erfüllt. Sie entgegnet: „Ob ich nicht höre? Ob ich die Musik nicht höre? Sie kommt doch aus mir.“, „Ich kann nicht, der Ozean, der ungeheure, der zwanzigfache Ozean begräbt mir jedes Glied mit seiner Wucht, ich kann mich nicht heben!“.
Derzeit befindet sich Chrysothemis noch im Glück mit ihren beiden Geschwistern: „Es fängt ein Leben für Dich und mich und alle Menschen an.“, „Liebe fließt über uns wie Öl und Myrrhen. Liebe ist alles! Wer kann leben ohne Liebe?“.
Elektra beginnt zu tanzen und steigert sich in höchste Ekstase („Schweig und tanze! Alle müssen herbei! Hier schließt Euch an! Ich trage die Last des Glückes und ich tanze vor Euch her. Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins: schweigen und tanzen!“ – Hier reiht das Orchester alle leitmotivischen Tanzmotive der Oper in enormer Steigerung zu einem wahnsinnigen, gewaltigen Walzer aneinander.). Am Punkt der extremsten Spannung zerschmettert das markant emporstrebende Todesmotiv Elektra und die Zuhörer.
Die letzten Worte gehören allerdings Chrysothemis: Durch ihre „Orest!“-Rufe, die in Dur gesetzt sind, wird angedeutet, dass das Leben dennoch weitergehen wird. Das rasche Fallen des Vorhangs lässt die Zuhörer mit dem schaurig-eisigen Gefühl enormer ungelöster Spannung zurück.

Wie in Salome, so ist auch in Elektra die Detailfülle enorm. Auch hier ist der Zuhörer mit den ersten Anhörungen völlig überfordert. Der Erfolg dieser Oper gründet sich in erster Linie auf die zupackende Dramatik, die man sofort – auch als unerfahrener Opernbesucher – am eigenen Leibe verspürt. Nur wenige wissen jedoch um die herrlichen Melodien in diesem Werk. Da jede dieser „schönen“ Stellen nur einmal gebracht wird, bedarf es nämlich vieler Auführungen und intensiven Textstudiums, um alle Schönheiten des Werkes zu entdecken. Derjenige, der sich nicht abschrecken lässt und die Mühe auf sich nimmt, wird sich dem Banne dieser Oper ein Leben lang nicht mehr entziehen können.

DER „ELEKTRA-KOMPLEX“ IN DER PSYCHOLOGIE:

Carl Gustav Jung (1875-1961): Enorm starke Bindung einer Frau an ihren Vater, gleichzeitig Feindseligkeit gegenüber ihrer Mutter; Gegenstück zum Ödipus-Komplex (bekanntlich tötete Ödipus unwissentlich seinen Vater und nahm seine Mutter zur Frau, mit der er Inzest betrieb).


LITERATUR:

Primärliteratur:
Hofmannsthal, Hugo von: Elektra (Reclam 2007; ISBN 3-15-018113-3)

Sekundärliteratur:
Sophokles: Elektra (Griechisch/Deutsch), übersetzt von Kurt Steinmann, mit einem Nachwort von Markus Janka (Reclam 2013; ISBN 3-15-019022-7).

Billy :hello
EDIT: Schriftsatz der wichtigsten Personen gefettet.
stiffelio (24.08.2013, 20:55):
Lieber Billy,

leider kann ich dir keine Antwort mit auch nur entfernt ähnlicher Sachkunde schreiben, weil die ELEKTRA zu den Opern gehört zu der ich noch keinen Zugang gefunden habe. Das wird vermutlich noch kommen, braucht aber seine Zeit.
Ich habe aber kürzlich in der Arte Mediathek eine ELEKTRA, inszeniert von Chereau mit Herlitzius in der Hauptrolle gesehen, die ich schon sehr beeindruckend fand. Kennst du die auch?

VG, stiffelio
Billy Budd (24.08.2013, 21:04):
Liebe Stiffelio,
die Elektra ist mittlerweile meine absolute Lieblingsoper, aber das hat auch seine Zeit gedauert. Also keine Eile!
Nein, diese Aufzeichnung habe ich leider nicht gesehen. Was hat Dir denn gefallen (und was nicht)?
Billy :hello
palestrina (24.08.2013, 21:58):
Hallo Billy Budd !

Welche Aufnahmen hast du denn gehört ?

LG palestrina
stiffelio (24.08.2013, 22:22):
Original von Billy Budd
Nein, diese Aufzeichnung habe ich leider nicht gesehen. Was hat Dir denn gefallen (und was nicht)?

Gefallen hat mir die Konzentration der (äußerlich eher schlicht gestalteten) Inszenierung auf das Psychodrama. Nicht gefallen bzw. für mich ZU gut umgesetzt fand ich das, was du sehr gut oben beschrieben hast: "lässt die Zuhörer mit dem schaurig-eisigen Gefühl enormer ungelöster Spannung zurück". Also eher ein prinzipielles Problem mit der Oper.
Meines Wissens ist diese Inszenierung noch einige Tage in der Mediathek vorhanden: "http://liveweb.arte.tv/de/video/Elektra_Richard_Strauss_Festival_Aix_en_Provence_Esa-Pekka_Salonen_Patrice_Chereau/"

VG, stiffelio
Billy Budd (25.08.2013, 00:33):
Original von stiffelio
Original von Billy Budd
Nein, diese Aufzeichnung habe ich leider nicht gesehen. Was hat Dir denn gefallen (und was nicht)?

Gefallen hat mir die Konzentration der (äußerlich eher schlicht gestalteten) Inszenierung auf das Psychodrama. Nicht gefallen bzw. für mich ZU gut umgesetzt fand ich das, was du sehr gut oben beschrieben hast: "lässt die Zuhörer mit dem schaurig-eisigen Gefühl enormer ungelöster Spannung zurück". Also eher ein prinzipielles Problem mit der Oper.
Meines Wissens ist diese Inszenierung noch einige Tage in der Mediathek vorhanden: "http://liveweb.arte.tv/de/video/Elektra_Richard_Strauss_Festival_Aix_en_Provence_Esa-Pekka_Salonen_Patrice_Chereau/"

VG, stiffelio
DANKE für diesen tollen Link! Gibts dazu auch irgendwo eine Besetzungsliste (ich hab auf die Schnelle keine gefunden)?
Adrianne Pieczonka als Chrysothemis habe ich allerdings sofort erkannt. :cool Sie singt das ganz wunderbar, auch wenn sie an manchen Stellen ein bisschen unsicher wird, was aber mit weiteren Auftritten sicher vergehen wird (EDIT: war ja ihr Rollendebüt, wie ich gerade gelesen hab).
Waltraud Meier finde ich als Chrysothemis zwar nicht wirklich schlecht, aber sie hat nicht die richtige Stimme dafür (gut, die hat die Wiener Stamm-Klytämnestra - Baltsa - auch nicht).

Man kann den Link nur mehr zwei Tage abrufen, aber ich werde ihn morgen (also eigentlich heute) oder übermorgen (morgen) aufnehmen.

Ich kann schon verstehen, was Dich daran stört. Mein Tipp: Hör Dir - wenn Du willst - nur die "schönen" Stellen nochmals an: Chrysothemis' Kinderwunsch-Solostelle (nach Elektras Auftrittsmonolog) und ihre kleine Jubelarie nach der Ermordung des Aegisth - gibt es schönere Musik?
Billy :hello
Billy Budd (25.08.2013, 00:36):
Original von palestrina
Hallo Billy Budd !

Welche Aufnahmen hast du denn gehört ?

LG palestrina
Wenige. Ich kenne die Oper hauptsächlich von Life-Erlebnissen (achtmal) und Youtube-Links.
Auf CD habe ich aber die Bychkov-Aufnahme mit Polaski, Schwanewilms und Grundheber (den Rest der Besetzung weiß ich nicht auswendig).
Billy :hello
palestrina (01.09.2013, 07:28):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/716QLVSCHOL._SY600_.jpg

http:// Diese Aufnahme ist die allerbeste Elektra die ich kenne .Ich möchte gerne Cetays Meinung lesen !Was die Jones da rüberbringt ist ganz große Kunst, die expressivität und die vielen Nuancen in der Stimme , einfach unglaublich !Und die Rysanek als Klytämnestra aller erste Sahne , mit einem Todesschrei den man nicht vergisst ! Nicht zu vergessen Anne Evans Chrysothemis !Was man da am Ende an Begeisterungsstürmen hört ist wahrlich nicht in Worte zu fassen !LG palestrina

LG palestrina

Habe den Beitrag jetzt hierher kopiert , hatte ihn versehentlich bei Eben gehört gepostet !
Billy Budd (01.09.2013, 11:15):
Hallo,
ohne diese Aufnahme zu kennen: Die Jones halte ich als Elektra nicht leicht aus, weil sie viele Töne nicht genau singt.
Meine Lieblings-Elektren sind Marton, DeVol und Bjoner.
Billy :hello
stiffelio (02.09.2013, 18:31):
Original von Billy Budd
DANKE für diesen tollen Link! Gibts dazu auch irgendwo eine Besetzungsliste (ich hab auf die Schnelle keine gefunden)?


Hallo Billy,

hier die Besetzungsliste, soweit ich sie auf Operatoday ergoogeln konnte:

Elektra: Evelyn Herlitzius; Klytämnestra: Waltraud Meier; Chrysothemis: Adrianne Pieczonka; Orest: Mikhail Petrenko; Aegisth: Tom Randle; Der Pfleger des Orest: Franz Mazura; Ein junger Diener: Florian Hoffmann; Ein alter Diener: Sir Donald McIntyre; Die Aufseherin/Die Vertraute: Renate Behle; Erste Magd: Bonita Hyman; Zweite Magd/Die Schleppträgerin: Andrea Hill; Dritte Magd: Silvia Hablowetz; Vierte Magd: Marie-Eve Munger; Fünfte Magd: Roberta Alexander. Coro Gulbenkian. The Orchestre de Paris conducted by Esa-Pekka Salonen. Mise en scène: Patrice Chéreau; Scenery: Richard Peduzzi; Lighting: Dominique Bruguière; Costumes: Caroline de Vivaise. The Grand Théâtre de Provence, Aix-en-Provence, July 19, 2013.

Nach Angabe von Arte ist der Link übrigens noch 19 Tage aktiv.
VG, stiffelio
Billy Budd (02.09.2013, 18:45):
Danke für die Liste!
Billy :hello
Florestan (08.09.2013, 09:53):
Hallo zusammen!

Nach einer kleinen Erholungspause möchte ich mich wieder in die Diskussion einschalten.
Vor 5 Jahren wurde an der Deutschen Oper Berlin ein interessantes Experiment gewagt, indem die damalige Intendantin Kirsten Harms, die Elektra mit der Oper Cassandra von Vittorio Gnecci kombinierte. In der Cassandra wird die Vorgeschichte der Elektra, also die Rückkehr des Agamemnon und seine Ermordung durch Klytemnästra und Ägisth geschildert. Cassandra ist seine Kriegsbeute, und dazu verdammt, immer alles genau voraussagen zu können, obgleich ihr nie geglaubt wird. So weissagt sie sowohl das Ende des Agamemnon wie auch das der Klytemnästra.
Die Aufführung hatte also gleich zwei Vorzüge: zum einen, das ein vergessenes Werk wiederbelebt wurde, und zum anderen die sinnvolle Verknüpfung dieser beiden Werke.
Von der Cassandra gibt es leider nur diese eine Aufnahme:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51I2pghfdeL.jpg

Da Gnecci seine Oper 1905 uraufgeführt hatte (unter Toscanini), gab es einige Schlauberger, die Strauss Plagiaterie vorwerfen wollten. Man muss aber schon sehr akribisch suchen, wenn man Gemeinsamkeiten entdecken möchte. Aber das ist ganz und gar irrelevant. Die Musik hat natürlich nicht die Durchschlagskraft eines Strauss, der hier ja zu ganz grosser Form aufgelaufen ist. Aber es ist dennoch durchaus hörenswert, und es wäre schön, wenn andere Opernhäuser dem Beispiel aus Berlin folgen würden.

Zum Thema Tonaufzeichnungen der Elektra noch dieses:

Die Rysanek als Klytemnästra war wirklich optimal. Ich habe sie in Salzburg unter Maazel in dieser Rolle erlebt (mit Hildegard Behrens als Elektra), und es war einer ihrer letzten Auftritte. Die zentrale Szene mit Elektra war mit sehr wenig Licht inszeniert, und ich konnte sie häufig nur durch das glitzern ihrer vielen Edelsteine erkennen. Aber die Präsenz war dennoch einmalig, von der gesanglichen Leistung ganz zu schweigen. Insbesondere an der Stelle wo ihr Elektra eröffnet, sie töten zu wollen, und später als sie die fingierte Nachricht vom Tode des Orest erhält, mit dem folgenden hysterischen Lachen, werde ich nie vergessen. Hier liefert Strauss einen Vorgeschmack auf den Expressionismus der 20er Jahre, obwohl er diesen Stil nicht weiterverfolgt hat.
Insofern herzlichen Dank an Palestrina für den Tipp, den ich gleich in eine Bestellung umsetzen werde.
Nicht vergessen sollten wir die Aufnahme mit Birgit Nilsson

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dT5jBxdGL.jpg

Anders als bei der Salome passt die dramatische Stimme der Sängerin hier besser zur Rolle. Auch die anderen Rollen sind sehr gut besetzt, und Solti mit den Wiener Philharmonikern ist auch First Class.

Und dann ist da ja auch noch der Strauss-Experte Karl Böhm, der in Sachen des Meisters eigentlich immer zur ersten Wahl gehört.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61ZV1S13GAL.gif

Sicher hat der ein oder andere noch Beiträge zu seiner Lieblingseinspielung, auf die ich sehr gespannt bin.

Einen schönen Sonntag wünscht Florestan
palestrina (08.09.2013, 11:52):
Hallo zusammen !

Die Gnecchi Oper lohnt allemal gehört zu werden !!!!!!!

Also nochmal, trotz der Einwände von Billy Budd, die Jones ist eine ganz hervorragende Elektra !
Wo gegen ich die Marton nicht in die großen Elektra Sängerinnen einreihen kann, habe sie auch Live gehört ! ?(
Die Nilsson habe ich ebenfalls Live in FFM gehört , fantastisch, aber der Star der damaligen Zeit in
Frankfurt 70ziger, war Daniza Mastilovic SENSATIONELL :down, was diese Sängerin an Dramatik
herübergebracht hat ist mir unvergessen !

Zuerst ein Schmankerl, Schauspiel und Oper in einer Box:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/217PFZWFHTL._SY200_.jpg

Das Schauspiel mit Maria Becker als Elektra und Maria Wimmer als Klytämnestra.
Und die Oper mit Inge Borkh als Elektra, Margarete Klose als Klytämnestra und Ferdinand Franz als Orest . 1953 vom HR . Die Borkh ist Elektra !!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51tJls8950L._SY600_.jpg

Nochmals Inge Borkh, 3 Jahre später in Salzburg unter Mitropoulos .
Unter den Mägden man lese und staune , Marilyn Horne, Sieglinde Wagner und Kerstin Meyer !

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41QB73N4DDL._SY400_.jpg

Sieben Jahre später in Wien, mit Karajan A.Varnay als Elektra (nicht ganz mein Fall) aaaaber ,
Martha Mödl als Klytämnestra das ist verdammt gut , und der Orest mit E.Waechter !!!!

Und dann noch eine meiner Favoriten ,

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51wRfyt3uKL._SY600_.jpg
München 1977

Ursula Schröder-Feinen, die manchem noch ein Begriff sein dürfte, eine ganz , ganz besondere Elektra , viele
meinten sie war zum Strauss singen geboren !
Live in Düsseldorf gesehen , als Elektra und Der Frau in FROSCH !

Und dann gibt es noch eine, zu der ich kein Cover finde!
Ute Vinzing als Elektra, Maureen Forrester als Klytämnestra :down , Leony Rysanek als Chrysothemis ,
ein Ereignis diese GA . Live Théâtre des Champs-Élysées 14.1.84 Rodolphe Produktions .

LG palestrina
Florestan (08.09.2013, 12:38):
Original von palestrina



Wo gegen ich die Marton nicht in die großen Elektra Sängerinnen einreihen kann, habe sie auch Live gehört ! ?(

Ursula Schröder-Feinen, die manchem noch ein Begriff sein dürfte, eine ganz , ganz besondere Elektra , viele
meinten sie war zum Strauss singen geboren !

LG palestrina

Also ich fand die Eva Marton schon recht gut, als ich sie vor Jahren in Duisburg hörte. Rein stimmlich ist sie dieser Partie auch in jedem Fall gewachsen gewesen.
Ursula Schröder-Feinen war meine erste Elektra (Hamburg 1974). Die Klytemnästra sang damals Astrid Varnay und am Pult stand der damalige GMD Horst Stein. Leider habe ich diese Aufführung nicht mehr so im Gedächtnis. Aber meine Erinnerung an diesen Abend war immer recht positiv.

LG Florestan
palestrina (08.09.2013, 13:40):
Original von Florestan

Rein stimmlich ist sie dieser Partie auch in jedem Fall gewachsen gewesen.

LG Florestan

Da gebe ich dir allerdings recht, aber im Ausdruck fehlte ihr einiges an Nuancen !
Ich hatte auch die GA mit ihr, und ich kann mich noch erinnern das mich das nicht ganz befriedigt hat,
speziell die Orest Szene !
Stimmlich können das viele , aber was hängen bleibt , ist wichtiger ! :cool
Die letzte die ich Live gesehen und gehört habe , was Susan Bullock hier in FFM , Na ja !?!?!?
Auch nicht das gelbe vom Ei ?(

LG palestrina
stiffelio (21.09.2013, 17:42):
Original von stiffelio

Elektra: Evelyn Herlitzius; Klytämnestra: Waltraud Meier; Chrysothemis: Adrianne Pieczonka; Orest: Mikhail Petrenko; Aegisth: Tom Randle; Der Pfleger des Orest: Franz Mazura; Ein junger Diener: Florian Hoffmann; Ein alter Diener: Sir Donald McIntyre; Die Aufseherin/Die Vertraute: Renate Behle; Erste Magd: Bonita Hyman; Zweite Magd/Die Schleppträgerin: Andrea Hill; Dritte Magd: Silvia Hablowetz; Vierte Magd: Marie-Eve Munger; Fünfte Magd: Roberta Alexander. Coro Gulbenkian. The Orchestre de Paris conducted by Esa-Pekka Salonen. Mise en scène: Patrice Chéreau; Scenery: Richard Peduzzi; Lighting: Dominique Bruguière; Costumes: Caroline de Vivaise. The Grand Théâtre de Provence, Aix-en-Provence, July 19, 2013.

Nach Angabe von Arte ist der Link übrigens noch 19 Tage aktiv.

Auf Arte ist der Link inzwischen gelöscht, aber man kann diese Aufzeichnung jetzt auf YT finden: "http://www.youtube.com/watch?v=-rwlK09LddA"

VG, stiffelio