Heike (08.04.2009, 22:35): Rachmaninov komponierte insgesamt 24 Preludes, sie gehören zu opus 3, 23 und 32. Opus 3 in cis moll ist bestimmt das bekannteste.
Ich habe einige der Preludes mal live von einem ganz ganz jungen Pianisten gehört - nachdem er eine Scarlatti-Sonate sehr schön auswendig spielte und dabei aber gegen Ende einen ganz ganz bösen Blackout hatte (die Passage zweimal wiederholt und immer noch nicht die Fortsetzung gefunden, dann abgebrochen). Nach einer Pause fing er mit Rachmaninov an, auch auswendig, und er legte wirklich alles rein, und ich hab mich in diese Preludes verliebt dabei.
Die meisten der Preludes sind länger und auch komplexer als Chopins Preludes. Ich mag diese geballte Energie, gepaart mit russischer Sehnsucht heute genauso gern wie Chopins Vorgänger.
Diese Aufnahme hatte ich (Alexis Weissenberg)
Diese habe ich mir unlängst bei 2001 gekauft:
Gefallen tun mir beide, die mir altbekannte vielleicht noch einen Tick besser, aber auch bei der neuen finde ich da ganz schöne Details, etwas unaufgeregt, aber auch schön.
Heike
Rachmaninov (09.04.2009, 11:54): Hallo Hebre,
schön das Du diesen Thread gestartet hast. Rachmaninov's Preludes mag ich auch, immer mal wieder, sehr geren.
Was die Preludes aus op.3 angeht wird sie ja immer wieder in Gesamtaufnahmen der Preludes gespielt, jedoch finde ich, dass sie eher in gesammten Zyklus -Morceaux de fantaisie- op.3 zur Geltung kommt.
Mit viel Vorfreude erwarte ich die Veröffentlichung der Preludes durch den Pianisten S. Osborne bei Hyperion.
Natürlich hoch interessat sind Rachmaninov's eigenen Aufnahmen einiger Preludes!
Die von Dir angesprochene Aufnahme von A. Weissenberg ist eine meiner ersten Aufnahmen der preludes gewesen und hat mich viele Jahre begeistert. Sein unbendiger Drang z.B. bei op.23 #5 ist einfach gewaltig. In dieser Hinsicht nicht unähnlich der Rachmaninov Einspielung, wobei mir Rachmaninov doch insg. vielleicht noch souveräner erscheint und mehr aus der Sicht des Komponisten spielt....
Diesen Thread werde ich jedenfalls zum Anlass nehmen und meine zahlreichen Aufnahmen wieder mal hören und hier vorstellen :hello
ab (09.04.2009, 13:40): Die Préludes mag ich auch sehr gerne, bin geradezu perplex, dass hier im Forum noch kein eigener Faden dazu besteht, denn ich habe über die Jahre hinweg dazu bereits wiederholt meine Meinung kundgetan, offensichtlich an verschiedenen Stellen.
Meine Lieblingsaufnahmen aus musikalischer Sicht sind hier nach wie vor die von Marta Deyanova (Nimbus) und Dame Moura Lympany (Erato, inzwischen billig bei Apex), noch lange vor den Ausschnitten von meinem sonst so heißgeliebten Sviatoslav Richter (Regis).
Bei Deyanova handelt es sich leider um eine Aufnahme im Saalkonzept, so dass der Hall des Aufnahmeortes im Schlösschen von Nimbus einiges weniger deutlich hervortreten lässt. Bei Lympanyi hingegen ist man besonders nah mit den Mikrophonen an das Instrument herangefahren.
Ich finde es äußerst interessant, dass ich bei diesen Werken Interpetationen von Pianistinnen jenen von ihren männlichen Kollegen vorziehe!
Jedenfalls kennen sollte man die Konzertaufnahme von op. 3, opp. 23/2, 5, 10 sowie op. 32/11 von Emil Gilels, die er am Weihnachtstag 1977 gespielt hat. Das ist eine im eigentlichen Wortsinne gewaltige Aufnahmen, die einem gleichsam zurück in den Sessel drückt, als würde man mit einem Raumschiff abheben. Die gab es einst bei Russian Revelation (RV10033) und ist inzwischen, (durch Prozessoren klanglich verschlechtert) auch in der Brilliant Classics-Box (92615) des Historic Russian Archives gelandet. http://www.jpc.de/image/w150/front/0/5028421926155.jpg
Kann mir jemand sagen, ob bei der Weissenberg-Aufnahmen, mit der ich schon lange liebäugle, die oben abgebildete Neuasugabe bei esprit klanglich "verschlimmbessert" worden ist gegenüber der früheren unter RCA unter diesem Cover unten? Danke!
Heike (10.04.2009, 08:42): Kann mir jemand sagen, ob bei der Weissenberg-Aufnahmen, mit der ich schon lange liebäugle, die oben abgebildete Neuasugabe bei esprit klanglich "verschlimmbessert" worden ist gegenüber der früheren unter RCA unter diesem Cover unten? Danke! esprit ist dig. remastered - wie groß der Unterschied ist kann ich dir leider mangels Vergleich nicht sagen Heike
Rachmaninov (13.04.2009, 12:50): Satie schireb im Thread über Rachmaninov als Pianist:
Original von Satie
Vor allem bei den Preludes ist auffällig, dass er sich gerne einige kleine Freiheiten genommen hat (z.b. eine Verlängerung des Schlusses um ein-zwei weitere Oktaven oder ähnliches, z.B. im g-moll Prelude). Diese Freiheiten sind übrigens romantisches Erbe, Liszt beispielsweise hat Chopins Walzer laut eigenen Aussagen beliebig verziert beim Spielen, und es ist anzunehmen, dass so etwas gerade bei den eher einfachen Kleinformen Usus war. Wenn der Komponist selber spielt, ist es ohnehin legitim.
Es gibt ja sehr viele Aufnahmen der Preludes aber op.23 #5 angeht nliegt ja eine Aufnahme Rachmaninov's vor und ich mag behaupten, dass man diese kennen muss. Sie offenbart nicht nur Rachmaninov's pianistische Fähigkeiten sondern zeigt seine ganz besondere Sicht dieser Preludes. Und diese Sicht hört man in dieser Form heute wohl von keinem Pianisten in der Art. Wie melodisch Rachmaninov "singt" und vor allem diese Rhytmik und Spannung die er aufbaut. Wirklich ergreifend. Vor allem diese Fähigkeit immer weiter den Ausdruck und das Tempo zu steigern, als gäbe es kaum ein Ende im Spannungsbogen. Raffiniert!
Sicherlich die legitime Freiheit des Pianisten inbegriffen.
Heike (13.04.2009, 13:21): Hallo rachmaninov, Es gibt ja sehr viele Aufnahmen der Preludes aber op.23 #5 angeht nliegt ja eine Aufnahme Rachmaninov's vor kannst du mal bitte das cover posten, ich finde die CD nicht. Danke, Heike
Rachmaninov (13.04.2009, 13:26): Original von Hebre Hallo rachmaninov, Es gibt ja sehr viele Aufnahmen der Preludes aber op.23 #5 angeht nliegt ja eine Aufnahme Rachmaninov's vor kannst du mal bitte das cover posten, ich finde die CD nicht. Danke, Heike
Nach dreimaligem Hören nun kann ich von ganzem Herzen auch diese neue CD empfehlen. Ohne jeden Kitsch, aber mit viel Seele, hier klug und klar; dort ganz sanft und zart klingen diese melancholischen Stücke lange nach. Da merkt man, dass der das auch empfindet und nicht nur perfekt runterspielt. Heike
AcomA (11.07.2009, 23:40): Hallo,
Steven Osborne habe ich vor einigen Jahren in Düsseldorf mit einer Auswahl der Preludes live erlebt. Grandiose Präsentation ! So wie Heike es beschreibt. Nun meine ersten Erfahrungen machte ich mit Einzeldarbietungen durch Horowitz und Sviatoslav Richter, natürlich großes rachmaninow-Spiel.
Dann die solide Einspielung Vladimir Ashkenazys. Die gesamteinspielung von Alexis Weissenberg ist sehr intuitiv und vehement jedoch mit etwas undifferenzierter Formulierung. Die Auswahl des jungen Andreij Gavrilov ist zu sportiv.
Die gesamteinspielung von Boris Berezowsky ist exzellent, könnte aber aufnahmetechnisch besser gelingen. Der Gipfel ist für mich immer noch die damalige Einspielung einer Auswahl aus op. 23 und 32 incl. dem cis-moll op. 3 nr. 2 durch lazar berman bei der DG !