Ranking: Die schönsten Operntode

Heike (14.03.2010, 21:10):
Ich sag euch mal den Hintergrund der Frage: Am 10.4. gibts in Berlin die Lange Nacht der Opern und Theater - ich stöbere gerade in der Programmbroschüre und lese bei der Komischen Oper im Programm: "Die schönsten Operntode " werden zu Gehör gebracht.

Nun kann ich da leider nicht hingehen und habe so überlegt, was die da wohl auf die Bühne bringen werden. aber jetzt mal ganz subjektiv, passend zum Spielzimmer in die Runde gefragt: Was sind für euch die 5 "schönsten" bzw. beeindruckendsten Operntode???

(ich bin schon mal vorab gespannt, ob auch Männer sich unter den Toten einfinden)
Heike
nikolaus (14.03.2010, 21:12):
Dann will ich doch direkt mal anfangen:

Natürlich Toscas Sprung von der Engelsburg (vor allem wenn sie von dem Sprungtuch oder was auch immer hinter der Kulisse steht, um sie aufzufangen, wieder sichtbar hochschnellt... Das hat irgendeine bekannte Opernsängerin der alten Schule mal erzählt...).

Nikolaus :hello

Ach, es sollen ja fünf sein, also weiter, mit dem Ranking nehme ich es aber nicht so genau:

2) Rodrigo in Don Carlos in der Pariser Inszenierung mit Thomas Hampson :I

3) Werther, natürlich!

4) Violetta, natürlich!

5) Mimi, natürlich!
Armin70 (14.03.2010, 21:17):
Auch nicht von schlechten Eltern ist Lulus grausames Ende als sie von Jack-the-Ripper bestialisch abgemurkst wird.

Ach so, es sollen ja 5 sein. Also dann noch:

Kata Kabanova
Madame Butterfly
Carmen
Elektra
Heike (14.03.2010, 21:19):
es müssen ja keine 5 sein, jeder nenne halt seine 1- max. 5 Favoriten, also nur zu!
Heike

P.s. mein Favorit, so ganz spontan, wäre übrigens Isolde (Tristan und Isolde - Richard Wagner)
Fairy Queen (14.03.2010, 21:35):
Heute morgen sieht das wieder anders aus. 5 reichen definitiv nicht. Ich trenne jetzt nach Männern und Frauen,' weil die einfach anders sterben) und hoffe, dass Heike mich nicht deswegen aus dem Thread verbannt.....

Frauen:

Dido (Purcell) "When i am laid" Für mich ist diese Dido zwar nciht als Liebende aber doch als sterbende ergreifender als die Berloz Dido

Lakmé bei Delibes "Tu m'a donné les plus beau rêve" Leider kennt man aus dieser Oper nur Glöckchenarie und Blumenduett, aber die Sterbeszene ist hinreissend

Manon (Massenet) :I :I :I die Puccini Manon lässt mich ebenfalls kalt

Blanche in "Les dialogues des Carmelites" (Poulenc) Der Schlusschoral, der immer dünner wird, weil eine Nonne nach der anderen guillotiniert wird und am Ende Blanche die ihre Todesangst überwindet, das geht mir durch Mark und Bein

Violetta (Verdi) Dazu muss man wohl ncihts weiter sagen: "Addio dell passato" und "Parigi o cara" sprechen für sich

Männer:

Romeo bei Bellini "I Capuleti ed i Montecchi" Diese Stimmkreuzungen im Schlussduett und seine Arie vorher "Deh tu bell'anima", da sterb ich gleich mit!

Werther von Massenet natürlich, vor allem wenn es Jonas Kaufmann oder Rolando Villazon

La morte di Seneca Seneca aus "L'Incoronazione di Poppea" von Monteverdi der Männerchor dazu ist der Hammer!

Romeo bei Gounod Nicht ganz so ergreifend wie bei Bellini aber beinahe

Lenski in Eugen Onegin "Kuda, kuda " ist einfach zu schön!
Severina (14.03.2010, 22:50):
Schwierig, der Tod ist auf der Opernbühne ziemlich inflationär, aber ich versuch's mal:

1. Werther (besonders, wenn er Rolando Villazón heißt)

2. Marquis Posa (Ja, Thomas Hampsons "Io morro...." steht auch bei mir ganz weit vorne!)

3. Manon (Aber die Massenet'sche, nicht die von Puccini, deren Tod berührt mich komischerweise kaum)

4. Edgardo (Lucia di Lammermoor) - die abgrundtiefe Verzweiflung, mit der er sich erdolcht

4. Romeo et Juliette - kann man schöner sterben?????

lg Severina :hello
Rideamus (14.03.2010, 23:34):
Hmm, Severinas Liste gefällt mir schon mal ganz gut und unter puren Qualitätsaspekten noch besser als meine (die Nummer 1 natürlich ausgenommen), aber ich will von einem Operntod richtig mitgenommen werden, und das klappt bei mir am besten mit einer Prise Kitsch, zum Beispiel bei (ab Position 2)

1. Les Troyens (natürlich) keine stirbt so mitreißend wie die andere Dido

2. Un ballo in maschera Und ob es ergreifend sterbende Männer gibt: seit ich ihn erstmals von Jan Peerce unter Toscanini gesungen gehört habe, finde ich Riccardos Tod sogar noch ergreifender als den von Gilda oder Violetta

3. The Yeomen of the Guard Vielleicht gar nicht so seltsam, dass der Tod in einer Komödie besonders ergreifend ist, aber wie unvorbereitet und dennoch konsequent Gilbert & Sullivan am Schluss den Spaßmacher Point sterben lassen, weil er seine Liebste an einen Anderen verlor, das haut mich immer wieder um - auch, weil es so lakonisch geschieht und gar nicht ausgewalzt wird.

4. Thais Richtig. Ein Massenet muss dabei sein, aber die Sterbeszene der Thais finde ich noch ergreifender als die genannten von Manon und Werther.

5. West Side Story Der dritte Mann dieser Liste ist ein Verwandter von Romeo, nämlich Tony. Als Teenager habe ich in dem Film dermaßen viel Rotz und Wasser geheult, dass ich lügen würde, wenn ich diesen Eindruck jetzt in meiner Top-Liste verschwiege.

Bei der Limitierung ist leider Hänsel und Gretel über Bord gegangen - die einzige Sterbeszene, bei der ich nicht nur als Kind stets jubiliert habe.

:hello Rideamus
Jürgen (15.03.2010, 14:16):
Ich greife mal auf, was schon genannt wurde:

Isolde
Hexe (aus H & G)


Und füge noch hinzu:

Suor Angelica
Hunding
Siegfried (insbes. wenn der Trauermarsch dazuzählt)



Grüße
Jürgen
Honoria Lucasta (15.03.2010, 15:03):
Hier mein Ranking:

1. Andrea Chenier - hier sterben mehr oder weniger freiwillig passenderweise gleich beide Protagonisten, der Dichter und die Adelige (Idealbesetzung: Domingo für Andrea Chenier, die Maddalena von Anna Tomowa-Sintow)
2. Ernani - auch hier läßt die an der Stelle spärliche Regieanweisung der Partitur Raum für einen Doppelselbstmord, indem Ernani den von Silva angebotenen Dolch verwendet und Elvira das Gift (idealerweise, damit auch die Galerie noch was davon hat, in einem giftgelben Fläschchen enthalten, dessen Inhalt sie dann herunterstürzt) - sofort sinkt auch sie halb entseelt zu Boden und haucht nur noch die letzten paar Takte (Idealbesetzung: Ernani wieder Domingo, dazu taugt jede Elvira, so lange sie nicht Mirella Freni heißt)
3. Maria Stuarda - von solch einem Chor wie dort im letzten Akt an die Schwelle des Schafotts geleitet zu werden muß wohl tun (Idealbesetzung für die Maria Stuart: Janet Baker?)
4. Aida und Radames hauchen beide ihr Leben in der Pyramide aus ("Es hat der Stein sich über mir geschlossen...") und singen "O terra addio" so berückend, daß man ein Tränchen wegwischt, auch wenn die Handlung davor auf mich eher pathetisch als emotional berührend wirkt (vor allem, weil meine Sympathie immer mehr der Amneris gehört: Mezzosoprane müssen zusammenhalten :J) - Idealbesetzung Pavarotti und Maria Chiara
5. Otello - kein erweiterter Selbstmord im Sinne des StGB, aber je nach Inszenierung schon in die Richtung gehend - Otello war in dem Moment verloren, in dem er Iago traf, diesen Bösesten der Schurken. Hier darf wieder Domingo singen, diesmal, wenn's nicht anders geht, zusammen mit Frau Freni oder meinetwegen auch mit Leontyne Price.

Grüße!

Honoria
Solitaire (18.03.2010, 09:15):
Platz 1: Violetta Valery. Was soll ich sagen...wenn die Violinen einsetzen ist es regelmäßig um mich geschehen. :I

Platz 2: Aida und Radamès. Schöner, friedvoller und (ob der Tatsache eines Erstickungs- oder Hungertodes) unrealistischer geht es nicht mehr.

Platz 3: Antonia in „Hoffmanns Erzählungen“ wenn ich bereits das Terzett Mirakel-Antonia-Stimme der Mutter zur Sterbeszene zählen darf. Für mich ist das eine Szene die, richtig inszeniert, gespielt und gesungen fast an Don Giovannis Höllenfahrt heranreicht

Platz 4: Don Giovanni. Wie sagt Christoph Thielemann? „Als ob man in einem Rennwagen sitzt, der mit 250 Sachen vor die Wand brettert“ Wo er recht hat...

Platz 5: Carmen. Ich weiß nicht, ob „schön“ das richtige Wort ist, aber wenn da die richtigen Leute am Werk sind kann einen das schon mal an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen...Mein Lieblings- Don José in dieser Szene ist und bleibt Neil Shicoff, obgleich mich auch Rolando Villazón in der Berliner Carmen das gruseln gelehrt hat. Beiden möchte ich nicht im dunkeln begegnen :B. „Meine“ Carmen: Agnes Baltsa.


Und natürlich all die anderen, die ich hier jetzt nicht erwähnen darf: Simon Boccanegra, Werther, Posa!!!!!, Romeo und Juliette etc.etc.etc.
Nur fünf ist echt gemein! :wink
Solitaire (18.03.2010, 11:40):
Original von Fairy Queen


Blanche in "Les dialogues des Carmelites" (Poulenc) Der Schlusschoral, der immer dünner wird, weil eine Nonne nach der anderen guillotiniert wird und am Ende Blanche die ihre Todesangst überwindet, das geht mir durch Mark und Bein


Hallo Fairy,
kannst du mir eine gute Aufnahme, oder noch lieber eine DVD empfehlen? mich interessiert diese Oper schon lange.
Fairy Queen (18.03.2010, 12:11):
Liebe Solitaria, leider nciht, ich habe nur einen Fernsehmitschnitt aus Hamburg, den mir Peter vor langer Zeit gemacht hatte. Ob's den auf DVD gibt weiss ich nciht. Eien tolle Aufführung, da gefriert am Ende das Blut in den Adern. Du brauchst unbedingt eine DVD , anders geht das nicht. Cd reicht nicht.
Ich werde am 8.4. das Ganze live in München erleben und bin riesengespannt- berichte euch dann!

F.Q.

Den Don Giovann ihab ich übrigens glatt vergessen, leider kann ich jetzt oben nicht mehr editieren. Ja, da gehts geradewegs in die Hölle und wer Dante gelesen hat, weiss , was da auf ihn wartet. allerdings kann ich dankend auf das lächerliche Schlussensemble danach verzichten- was soll diese Moralapostelei? Wer die weglässt, hat bei mir gleich Punktgewinn als Regisseur.
Solitaire (18.03.2010, 12:18):
Okay,danke. Es gibt offenbar nur eine DVD, zumindest bei jpc und amazon:
Klick. Die wird es dann wohl früher oder später werden müssen.

Naja, das 2. Giovanni-Finale KANN man ja auch ironisch inszenieren, etwas moralinsauer ist es schon.
Die werden sich ohnehin noch alle wundern wie langweilig ihr Leben plötzlich ist... :haha :wink
Rideamus (18.03.2010, 13:19):
Original von Solitaire
Okay,danke. Es gibt offenbar nur eine DVD, zumindest bei jpc und amazon:
Klick. Die wird es dann wohl früher oder später werden müssen.



Oh nein, es gibt noch eine andere, die auch ihre Meriten hat:


Wegen Patricia Petibon, die aber nicht die entscheidende Rolle hat, würde ich dennoch die aus Strasbourg nehmen, wenn Du aber die andere günstig bekommen solltest, wäre das auch kein Fehlkauf. Die Mailänder Aufnahme hat zwar mit Muti den unsensibleren Dirigenten, aber die (noch) bessere Inszenierung Robert Carsens und ebenfalls eine hervorragende Besetzung.

:hello Rideamus
Severina (18.03.2010, 13:56):
Als Fan von Robert Carsen empfehle ich natürlich in erster Line die Mailänder DVD, musikalisch bin ich ganz bei Rideamus, da hat auch die Strassburger ihre Vorzüge!
lg Severina :hello
Solitaire (18.03.2010, 15:28):
Hallo Rideamus!
Vielen Dank für den Hinweis! Wieso habe ich Blödmann das übersehen?
Vor nahezu 20 Jahren habe ich den Spielfilm mit Jeanne Moreau gesehen (der im Deutschen den etwas kitschigen Titel „Opfergang einer Nonne“ trägt), der mich sehr beeindruckt hat.
Mal sehen, welche DVD es nun wird. Patricia Petibon ist natürlich ein gewaltiges Argument...
Bert (29.09.2010, 20:37):
Rusalkas Prinz (Dvorak)
Brünnhilde - ihr Sprung ins Feuer bis zum Vorhang (Wagner)
Isolde (Wagner)
Lenski; sein Abschied vom Leben "Kuda kuda vy udalilis..." (Tschaikowsky)
miranda (05.11.2010, 13:19):
Eine schwere Wahl - wo doch an ergreifenden Toden in der Oper wahrlich kein Mangel herrscht...

Meine Favoriten:

1. Cavaradossi+Tosca in "Tosca" (von "E lucevan le stelle" bis Schluss)
2. Andrea+Maddalena in "Andrea Chenier"
3. Mimi in "La Boheme" (von der Rückkehr Mimis an)
4. Posa in "Don Carlos"
5. Der Prinz in "Rusalka" und (gleichauf) Werther in "Werther"

Die letzte Position ist ein bisschen gemogelt, aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden...
Zdenka Waldner (17.07.2012, 22:18):
die meisten wurden zwar schon genannt, aber

1) Antonia in Hoffmann: Schon alleine wenn ich dran denke, wie sie noch ein letztes Mal das chanson d'amour singt, mit dem letzten triller langsam hinsinkt und hoffmann am ende mit seinem unglaublich wehmütigen, herzzerreißenden "Antoniiiaaaaaaa" den akt schließt, fange ich schon fast an zu weinen. als ichs live gesehen habe, habe ich tatsächlich geweint. alllerdings hatte ich auch das glück, eine hervorragende inszenierung zu sehen

2) toscaaa :)

3) mimi-ebenfalls wieder rudolfos "mimi...mimi!" am ende :I :I

4) euridice (gluck) - in diesem fall fast eher noch die "che faro"-arie danach

5) muss ich noch überlegen :)

alles liebe
zdenka
Hyacinth (17.07.2012, 23:27):
Senta Aus welchem Grund genau, kann ich jetzt gar nicht sagen, aber mich faszniert ihr Mut oder auch Wahnsinn, wie mans nimmt, jedes Mal.


Antonia singend möchte ich auch sterben.

Liu da muss ich jedes Mal weinen.

Carmen vor allem mit Elina Garanca - Gänsehaut!

gilt eigentlich nicht, weil es nicht im Libretto steht: Eboli in der Wiener Kowitschny Inszenierung vom französischen Don Carlos

Hyacinth :hello
Zdenka Waldner (18.07.2012, 08:18):
Original von Hyacinth
Carmen vor allem mit Elina Garanca - Gänsehaut!

oh gott ja!!! :D
stiffelio (29.07.2012, 13:40):
Das ist doch klar:

Simon Boccanegra!!!(wenn er Thomas Hampson heisst)

Wie um Himmels willen kommt es, dass Simon erst ein einziges Mal (von Solitaire) im Nebensatz genannt wurde??
So möchte ich sterben: vielleicht nicht unbedingt vergiftet :wink, aber in den Armen meines Kindes, mit dem Namen des/r Geliebten auf den Lippen und obendrein noch versöhnt mit meinen Gegnern.
Und nie, niemals, never ever hat das ein anderer so hinreißend gesungen wie Thomas Hampson in der Inszenierung von Peter Stein :down
trotz Domingo, Cappuccilli, Milnes etc.

Ich muss als nächstes unbedingt einen Thread zum Simon Boccanegra aufmachen... :D

VG, stiffelio
Rideamus (29.07.2012, 13:48):
Original von stiffelio


Ich muss als nächstes unbedingt einen Thread zum Simon Boccanegra aufmachen... :D

VG, stiffelio

Tu das bitte, denn mit Deiner NOminierung der Oper für diesen Thread bin ich mehr als einverstanden. Ich werde dann gerne mitmachen und mich für Cappucilli einsetzen - vor allem in der überragenden Tonaufnahme Abbados mit Freni und Carreras. Aber auch der TV-Mitschnitt
der Inszenierung Giorgio Strehlers mit - leider nur fast - derselben Besetzung kann da mithalten.

Womit nichts gegen Hampsons superbe Leistung gesagt sein soll. Aber das wird jetzt schon OT.

:hello Rideamus
Teresa Cellini (14.09.2012, 21:01):
Für mich nicht die schönsten Operntode, da gibt es für mich zu viele, aber stattdessen einige Sterbeszenen, die sehr schon bzw. ergreifend, aber weniger bekannt sind:

Die Sterbeszene von Ghino Degli Armieri, des negativen Tenorhelden aus "Pia de Tolomei" von Gaetano Donizeitt. Musikalisch viel interessanter als die doch eher konventionelle Sterbeszene der Titelheldin und inhaltlich um eingies abgründiiger, wenn hier dem Sterbenden die Vergebung verweigert wird.

Nicht unbedingt abgründig, aber ebenfalls sehr schön: diie in die Aria di Finale der "Caterina Cornaro" (wieder Gaetano Donizetti) eingebettete Sterbeszene von Lusignano.

Die Sterbeszene der Selica in "L'Africaine".

"Mireille" von Charles Gounod hat gleich zwei wunderbare Todesszenen: neben der Schlussszene, die sozusagen eine "Himmelfahrt" für die Protagonistin ist (und daher wohl nicht so einfach umsetzbar) gibt es noch die düstere nächtliche "Gerichtsszene", wo Ourrias in den Fluten der Rhone sein Ende findet. (Ebenfalls von der szenischen Umsetzung nicht gerade einfach, aber musikalisch großartig.)

Beim den Frühwerken von Giuseppe Verdi möchte ich an "I Lombardi alla prima crociata" erinnern, obwohl auch für die szenische Umsetzung wegen der sakralen Elemente Kitschgefahr besteht. Aber das Terzett, wo Oronte stiirbt, ist wirklich schön und dazu kommt noch die lange Einleitung des Violinsolos. Allerdings wenn Pagano im musikalisch weniger interessanten Finale seinen Bruder um Vergebung bittet, kann das bei entsprechend eindringlicher Interpretation auch sehr ergreifend sein.

Und zuletzt: der 5. Akt von "Les Huguenottes" von Giacomo Meyerbeer, der leider fast immer gekürzt (oder weniger freundlich: verstümmelt wird). Grauenvoller wurde wohl auf der Opernbühne selten gemordet.
_____________

PS: Bezüglich "Ernani" wurde die Vorlage von Victor Hugo verkürzt: Dort lässt Silva Ernani die Wahl zwischen Gift und Dolch nicht ohne Grund und eigentlich perverser, da Silva sich ebenfalls umbringt. Durchaus "ehrenhaft" und "großzügig" überlässt er Ernani den Vortritt beim Sterben und auch die Wahl seines Todes. Nachdem sich Ernani vergiftet hat, erdolcht er sich.
Amonasro (05.01.2013, 22:41):
1. Platz: Simon Boccanegra!!

2. Platz: Liu (Turandot)

3. Platz: Rodrigo, Marquis von Posa (Don Carlo, italienisch!!)

4. Platz: Marguerite (Gounod)

5. Platz: Edgardo di Ravenswood (Lucia di Lammermoor)

Eigentlich stehen für mich nur 1. bis 4. fest. Edgardo habe ich mehr spontan gewählt. Es gab noch andere Favoriten.

Gruß Amonasro
Hyacinth (05.01.2013, 23:43):
Oja, Liu, das unschuldige Opfer, und Posa, der für seine Ideale stirbt.
Simon Boccanegra berührt mich irgendwie nicht so, vielleicht weil ich mich in meinem Alter noch nicht mit der ganzen verlorenen-Tochter-Problematik identifizieren kann.

Eindrucksvoll finde ich auch:

-Suor Angelica (eine der packendesten Opern, die ich je gesehen habe)
-Werther (mit ihm kann ich mich viel mehr identifizieren als mit einem 50- bis 60-Jährigen)
-Dido (Dido and Aeneas)

Hyacinth :hello
Amonasro (06.01.2013, 19:42):
Naja, beim Simon Boccanegra berührt mich auch weniger die verlorene-Tochter-Problematik als die Musik und die Todesszenerie an sich; vor allem wenn Simone im Tod den Namen seiner vor über 25 Jahren verstorbenen Geliebten sagt (wird in manchen Inszenierungen auch als auf die Tochter bezogen interpretiert).

Gruß Amonasro