ab (17.09.2009, 09:49): Das Musikstück La Valse: Poème choréographique ist ein Walzer von Maurice Ravel, entstanden in den Jahren 1919 bis 1920, wobei Ideen bis auf 1906 zurückgehen. Ravel greift Elemente des Wiener Walzers auf und weitet sie mit den Mitteln impressionistischer Harmonik und Rhythmik aus. Uraufgeführt in Paris am 12 Dezember 1920. Es war ein Balletauftragswerk von Sergei Diaghilev, der sie allerdings für keine seiner Choreographien nutzte.
Gestern frage Teleton nach der "ultimative" Aufnahme, und das hat mich angeregt, verschiedene Aufnahmen anzuhören, soweit ich sie im Internet gefunden haben. Hier ein paar kurze Eindrücke.
Jahni Mardjani und das Georgische Festspielorchester (13:15). Das ist eine Interpretation, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Anhören! http://graphics.musicme.com/jpg343/u5099705723623.jpg
André Cluytens (11:47), war insofern einfach einer der größten Interpretationen dieses Repertoires, weil bei ihm alles frei und spontan musiziert wirkt. http://graphics.musicme.com/jpg343/0077776789729.jpg
Pierre Boulez' La Valse aus New York (13:01) hat mir bedeutend mehr Vergnügen bereitet als seine spätere DG Aufnahme aus Berlin (13:43), bei der mir da der Begriff „Futurismus“ in den Sinn kommt (keine Ahnung, warum) irgendwie sehr doppelbödig (Michael Haneke hätte womöglich seine Freude daran). Eigentlich unglaublich diese erste Aufnahme, hätte ich Boulez nie zugetraut. Unbedingt anzuhören, nicht nur für Freunden analytischer Durchdringung! Das wirkt auch sensationell einheitlich, während die Berliner Aufnahme irgendwie spannungsbogenfrei auf mich wirkt. http://graphics.musicme.com/jpg343/u5099704596020.jpg http://graphics.musicme.com/jpg343/u0028944705720.jpg
Herbert von Karajan, vermutlich aus Paris (14:09), legt eine fast Berlioz’sche unterschwellig brodelnde Interpretation hin. Nie lässt er wirklich opulent schwelgend, sondern karikiert dies grandios klanglich düster und mit scheidendem Blech (soweit per Internet einschätzbar). Ungewohnt aggressiv und wild dramatisch dieser Karajan. Das „danse macabre“ zum Schluss kommt bei ihm deutlich rüber. Ich bin beeindruckt! http://graphics.musicme.com/jpg343/u0724347685927.jpg
Jean Martinon (12:35) finde ich insofern vorzüglich, weil das Parodierende hier ausgezeichnet zum Vorschein kommt, das Ende fast schon sarkastisch, wirklich ein „danse macabre“. Wäre ich ein Diagilev, würde ich zum Ballet wohl gerade diese Aufnahme auswählen. Dennoch aus persönlichen Geschmacksgründen nicht mein Favorit. http://graphics.musicme.com/jpg343/u0724382613220.jpg
Günther Herbig (14:00) legt in Berlin eine Interpretation hin, die mich mehr schon an Straussens Schleiertanz der Salome erinnert. Einmal ganz etwas anderes. Das sollte man einmal gehört haben! Ich finde es überzeugend. http://graphics.musicme.com/jpg343/0782124925321.jpg
Charles Dutoit (12:09), Teletons Favorit, ist klanglich sehr durchsichtig eingefangen, letztlich wirkt sie für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche. Womöglich aber könnte man ihm das als eine Interpretation im Sinne der „Roaring 20th“ zugute halten. http://graphics.musicme.com/jpg343/u0028945860527.jpg
Seji Ozawa aus Bosten (12:00) wirkt auf mich am wienerwalzerischsten, ohne deshalb sentimental zu werden. Ich hatte eigentlich von ihm eigentlich nicht nur den wahrlich exzessive ausgereizten dance macabre zum Schluss erwartet, sondern bereits zuvor imposanter Zugepacke. Sehr gut umgesetzt, aber irgendwie finde ich sie nicht richtig zusammenhängend einheitlich. http://graphics.musicme.com/jpg343/u0028947417224.jpg
Claudio Abbados La valse (12:27) ist durchaus sexy im Sinne des fièn de siecle interpretiert. Stimmig, wie ich finde. http://graphics.musicme.com/jpg343/u8888880002182.jpg
Charles Münch (RCA) (11:09), wohl aus Bosten, legt eine unglaublich satte, tänzerische, ja fast wienerische Interpretation hin. http://graphics.musicme.com/jpg343/0743218460425.jpg
Leonard Bernstein (13:11), irgendwie sentimental, wie ein Spätromantiker, womöglich gelegentlich fast schon etwas besoffen wirkend. Gar nicht meins. http://graphics.musicme.com/jpg343/u5099706056522.jpg
Zackig dieser Michel Plasson (12:34), fast schon preussisch. Ich finde es entbehrlich. http://graphics.musicme.com/jpg343/u0077774764827.jpg
Edoardo Mata (12:25) wirkt auf mich hauptsächlich nur laut. http://graphics.musicme.com/jpg343/u0743217424626.jpg
Lorin Maazel finde ich völlig lässlich, ja geradezu schrecklich unerträglich, und die aus Wien (13:21) noch unerträglicher in Süßlichkeit als die aus Paris (13:00), nichts für mich, das kann ich mir nicht einmal im Ganzen anhören. http://graphics.musicme.com/jpg343/0090266860029.jpg http://graphics.musicme.com/jpg343/5099706424420.jpg
Auch Kurt Masur (13:25) ist eine der Aufnahmen, die ich lieber nicht gehört hätte. http://graphics.musicme.com/jpg343/0825646959495.jpg
teleton (17.09.2009, 11:10): Hallo ab,
Danke für deine gute Übersicht von 17 verschiedenen Aufnahmen. Da ist wirklich alles dabei um jetzt auszuwählen.
Es zeigt mir, das ein Kollege wohl Recht hatte, als er mir mal vor vielen Jahren sagte, das er die Ozawa-Ravel-CD insgesamt langweilig findet. Das war auch der Grund weshalb ich diese nie erworben habe. Gerade bei Ozawa hätte ich, genau wie Du, mehr erwartet. Ich denke die DG-CD brauche ich tatsächlich nicht.
Es ist bekannt, das ich ein großer Bernstein-Fan bin; aber Ravel ist wirklich nicht Bernsteins Welt - diese CD hatte ich mal besessen und bald wieder abgestoßen. LaValse war absolut daneben.
Das Cluytens eine hervorragende Aufnahme dirigierte habe ich auch an anderer Stelle erfahren.
Beinahe lustig was an Masur wieder so schrecklich war ? Überraschend, das auch Maazel danebenliegt ! Karajan, ja, der ist sicher auch interessant.
Deiner Liste möchte ich noch zwei Namen hinzufügen: 1. Barenboim / Orchestre de Paris (DG) habe ich vor kurzem erworben. Er zelebriert in 13:14 und legt insgesamt ein detailreiches Bild von LaValse vor, das am Schluß auch emotional nicht zu kurz kommt. Eine insgesamt gute aber nicht sehr gute Interpretation.
2. Ansermet / Orchester de la Suisse Romande (Decca); diese Aufnahme kenne ich noch nicht, aber aus Erfahrung mit anderen französischen Werken könnte das die Aufnahme sein. Die Spielzeit beträgt 13:09. Er zelebriert aber am Anfang nicht wie Barenboim und wird dann zum extatischen Schluß schneller, nein - er kostet die Schlußextase im gleichen Tempo wie vorher aus "Die Katastrophe in Zeitlupe", wie ich an anderer Stelle von einem Klassikkenner erfahren habe.... Ja , die Aufnahme muß ich haben !
HenningKolf (17.09.2009, 18:59): Von den hier vorgestellten Aufnahmen kenne ich Munch, Martinon, Cluytens, Boulez (Berliner) und Bernstein, wobei ich außer Boulez und Bernstein alle Aufnahmen schätze.
Ausserdem hat der Dirigent meiner Lieblings-Fantastique auch einen ganz hervorragenden Ravel hinbekommen
http://ecx.images-amazon.com/images/I/415SFC1SARL._SL500_AA240_.jpg (Hier ist eine Mehr-CD Box abgebildet, ein vernünftiges Bild meiner EinzelCD habe ich nicht gefunden)
Da ich mich seit längerem auf dem Klaviertrip befinde, höre ich die Fassung für Klavierduo sehr gerne und oft, und zwar in dieser Aufnahme
Die Version für Soloklavier gefällt mir weniger, wobei ich unschlüssig bin, ob es an der Komposition oder an dem Interpreten der Aufnahme, die ich habe
liegt, der wohl das rechte Pedal zu sehr einsetzt (? - oder liegt es doch daran, dass die "HighEnd"-Firma Linn nur suboptimal aufgenommen hat?)
Gruß Henning
teleton (18.09.2009, 10:52): Hallo Henning,
die von Dir genannte Aufnahme mit Freire/Argerich ist wirklich der Wahnsinn. Diese würde ich bereits als die Ultimative Aufnahme in der Zwei-Klavierefassung bezeichnen. Ich besitze diese Aufnahme als DVD. Die Steigerung der Beiden optisch mitverfolgen zu können hat auch etwas, das ich nicht missen möchte.
*** Klar, die Fassung für einen Pianisten hört sich etwas dünner an - aber meine Klavier-Aufnahme mit Michel Beroff (EMI) finde ich auch sehr ansprechend und pianistisch ausgefeilt.
Als ich diese CD bekam, dachte ich auch das hier die Orchesterfassung mit Maazel geboten wird (auf die man ja nach ab´s Meinung verzichten kann; aber es gibt auch gegenteilige Kritiken, die Maazel eine referenzwürdige Interpretation bei Ravel insgesamt bescheinigen) - aber hier mitnichten - es ist auf dieser CD die Klavierfassung mit Beroff !
HenningKolf (18.09.2009, 16:04): @ Wolfgang
Dass der optische Eindruck bei Argerich/Freire in den Bann zieht kann ich mir bestens vorstellen. (Die Covergestaltung der EMI CD ist freundlich ausgedrückt verwirrend btw.)
Gruß Henning
ab (21.09.2009, 08:41): Original von HenningKolf Von den hier vorgestellten Aufnahmen kenne ich Munch, Martinon, Cluytens, Boulez (Berliner) und Bernstein, wobei ich außer Boulez und Bernstein alle Aufnahmen schätze.
Ausserdem hat der Dirigent meiner Lieblings-Fantastique auch einen ganz hervorragenden Ravel hinbekommen
Herzlichen Dank für diesen Hinweis! Paray, den ich irrtümlich für einen Amerikaner gehalten hatte, kannte ich bloß des Coversehens nach. Das könnte sich bei mir als eine wahre Entdeckung herausstellen. Ich bin schwer beeindruckt!
Wirklich, wie Du schreibst, ganz hervorragend! Durch seine agogische Gestaltung wirkt es mir wie bei Cluytens frei und spontan musiziert, aber irgendwie wirkt es bei ihm nicht nur höchst konzentriert sondern auch vielseitiger, hier ist Wienerisches genauso, höchst sarkastisch, zu hören wie eine gewisse Aggressivität, die mir fast schon so wirkt, als ahnte er bereits, dass so etwas wie eine bohrend rhythmische "Maschinenmusik" in der Luft liegt. Sein dynamischer Aufbau wirkt (so laut datenreduziertem Computerstream) genauso wie seine außergewöhnlich langen Bögen höchst ausgeglichen und alles durchsichtig räumlich. Sein tendentiell rhythmisierender Zugang, der so etwas wie einen durchziehenden Takt hineinzubringen suggteriert (der Agogik zum Trotz), überzeugt mich sehr und gefällt mir auch persönlich gut, wo ich doch sonst mehr die ruhenden Interpretationen solchen dramatischen vorziehe. Vermutlich hat das auch damit zu tun, dass auf mich seine dramatische Anspannung nicht rastlos wirkt. Trotz seiner 11:40 wirkt er auf mich subjektiv deutlich langsamer (wohingegen Cluyten mit 11:47 deutlich rascher wirkt)! Der typische Klang dieses Labels weckt zudem in mir den Drang, diese Box auf meinen Wunschzettel zu setzen.
:thanks
HenningKolf (22.09.2009, 10:24): Schade, dass auf dieser Box offenbar(?) die Symphonie Fantastique nicht enthalten ist.
Paray scheint mir völlig vergessen, in Schreibers "Große Dirigenten" taucht er noch nicht einmal im Nebensatz oder als Fußnote auf. Vielleicht, weil man meint, dass in den USA außer von den "Big Five", zu denen die Detroiter nicht gehören, nichts Herausragendes zustande gebracht wurde.
:hello
teleton (28.09.2009, 13:17): Hallo Ravel-Freunde,
durch fachkundige Empfehlung zweier Klassikkenner bin ich auf die beriets angesprochene Ansermet-Aufnahme gekommen. Damit habe ich das gefunden, was ich was ich annähernd als Ultimative Aufnahme von La Valse gesucht habe.
Ich habe mir die La Valse-Stereo-Aufnahme (Spielzeit 12:54) auf der abgebildeten CD preiswert zugelegt und habe noch den Vorzug darauf eine der von mir geschätztesten Aufnahmen von Debussy´s La Mer jetzt auch auf CD zu haben.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/512H6AWJJ1L._SL500_AA240_.jpg Orchester de la Suisse Romanse, Ansermet Decca, 1963(Ravel); 1957 (Debussy), ADD
Der unromantische, nichtwienerische Ansatz ist offenbar genau das, was sich Ravel gewünscht hat und hier von Ansermet umgesetzt wird. Wie kein anderer nimmt er das Werk auseinander, gestaltet Klangfarben, stufenlose Übergänge klingen ausgefeilt modern und sind gegenüber anderen Interpretationen hier auch hörbar. Die Klangqualität der 1963er-Aufnahme ist besonders in den tiefen Frequenzen sehr ansprechend, indem Große Trommel und Pauken sehr direkt rüberkommen. Die Schlußapotheose ist hervorragend gut gelungen - Gänsehaut garantiert - Wahnsinn. Für mein persönliches Rhythmusgefühl kann diese aber auch gerne etwas schneller sein, wie bei Dutoit, die alles andere als oberflächlich (gem. ab) ist.
Diese La valse-Aufnahme zeigt in ihrer Art wie das Werk bei Ansermet seziert wird, parallelen zu seiner Orfeo-Aufnahme der Honegger-Sinfonie Nr.3 mit dem SO des Bayerischen RF von 1964. Die ist so ganz anders als seine "normale" TOP-Interpretation mit dem schweizer Orchester.
ab (29.09.2009, 10:42): Freut mich ungemein, wenn jemande seine "annähernd ultimative Aufnahme" findet! (Mir selbst ist bislang leider die Begeisterung für Ansermet verschlossen geblieben, obwohl ich es oft wieder und wieder versuche.)
Ich wollte noch von zwei meiner alten Aufnahmen nachtragen:
Die vom September 1980, die Jean Fournet (dessen Dirigat ich ja bei den Franzosen besonders mag, wie wiederholt in diesem Forum erwähnt) in seinen späten Jahren mit dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, das damals neu gegründet (und alles anders als hochwertig) war, gemacht hat. Er hat sich damals die Zeit von 12:25 gelassen. http://images.alibris.com/cover/l92656povjc.jpg
Suchte man nach einer sozusagen dekonstruierenden Aufnahme, wird man genau hier fündig: Analytisch sezierend werden hier Brüche markiert, tempowechsel vorgenommen, mal wangerisches Gebrodel mit einer unecht wirkenden sarkastischen Süßlichkeit konterkarriert, Berlioz'sches Grauen findet sich genauso wie Maschienenmechanik, fast zornig mutet diese Musik hier an. Wohl gemerkt, dies ist jetzt nicht ironisch zu verstehen und ein bloß postiver Ausdruck für etwas, dass Forunet missglückt sei, sondern das ist wirklich sein Konzept und insofern, soweit ich bislang Aufnahmen gehört habe, einzigartig! La valse als uneinheitliches Gebilde! Dies ist jedenfalls die unbequemste Aufnahme die ich je gehört habe! Genial? Folge ich aber meinem Geschmack, kann ich nicht das beste Wort daran lassen: Von allen seinen Aufnahmen für Denon (mit der Niederländischen Radiophilharmonie oder aber aus Tokyo) , von Chausson, Fauré, Debussy, Chabrier, Bizet, Berlioz, Franck, Saint-Saëns bis Dukas, finden ich sein La Valse sehr unbefriedigend. (Womöglich aber komme ich nur deshalb zu diesem Urteil, weil ich nicht die Partitur studiert habe. Vielleicht steht das ja alles genau darinnen, worüber die anderen bloß hinwegbügeln?)
Ebenfalls bei Denon ist die Aufnahme von Eliahu Inbal mit dem Französischen Nationalorchester entstanden, aufgenommen im Mai 1987 (inzwischen auch bei Brilliant Classics in einer Box veröffentlicht worden). Auch er nimmt mit 12:30 ein durchschnittliches Tempo. http://ecx.images-amazon.com/images/I/51ES66DB96L._SL500_AA240_.jpg
Genau umgekehrt wie Fournet finde ich gerade diese La Valse als vielleicht seine geglückteste Aufnahme, die ich von ihm (von Mahler über Ravel bis Bizet und Beethoven oder Schostakowitsch) kenne. Jeder Moment wirkt auf mich spannend interessant. Da ist nichts genießerisch, das Parodistiche kommt mir hier exemplarisch vor. Ravel aus der Zeit, aus der auch Bartók und Stravinksy hervorgegangen ist.
:hello
teleton (03.10.2009, 10:58): Noch ein La Valse !
Weil ich von Abbado´s Aufnahme Daphnis und Chloe, gekoppelt mit Valses nobles... so begeistert bin (mit Abstand die beste Aufnahme von Daphnis) und man nur positiven Kritiken für Abbado ließt, habe ich mir die 3CD-DG-Box Ravel-Orchesterwerke zugelegt.
Mit diesen TRIO-CD´s mit Abbado und dem LSO hat man wirklich die größte Freude, weil man gerade die Werke die weniger gespielt werden, wie Valse nobles et sentimentales , Sheherazade, Ma mere l'oye, Une barque sur l'ocean, Le Tombeau de Couperin und ganz besonders Daphnis et Chloe, kaum irgendwo besser hören kann. :engel Beste DG-Klangtechnik macht die Sache dann noch zum absoluten Leckerbissen.
Leider sind gerade die Werke, wo es zupackender zugehen kann, wie Alborada del gracioso , Rhapsody espagnole, ja und La Valse, die auch bei Abbado von höchstem Niveu gespielt werden, nicht ganz so mitreissend und zupackend interpretiert, wie man es von mitreissenderen Aufnahmen her gewohnt ist.
La Valse ist mit Abbado feinsinnig ausgehört. Im ersten Abschnitt passiert nichts aussergewöhnliches, das Werk wirkt wie der Bolero immer weiter anschwellend, und dann beschließt er das Werk in einer zügigen Schußapotheose. Alles sehr präzise und fein durchhörbar. Es ist alles TOP gespielt und Abbado bietet auch einen fetzigen Schluß. Aber der Funke will nicht so recht überspringen; die Ecken und Kanten des Werkes wirken mir zu geglättet. Die Pauken und große Trommel sind quasi im Orchesterklang integriert und lassen die Schlußkatastrophe zu harmlos wirken. :thanks Man höre meine hocherfreuliche Neuerwerbung Ansermet von letzter Woche dagegen an. Da wird der Hörer gleich am Anfang gepackt; wo die Pauken einsetzen (auch im ersten Abschnitt kündigt sich bereits Hochspannung an), da werden sie auch ausgespielt, die große Trommel ist angemessen präsent - da wird der Wahnsinn hörbar gemacht.