Rekonstruktion der Fragmente/Skizzen von Beethovens 6. Klavierkonzert D-Dur
udabonn (07.01.2020, 15:14): Gibt es schon Hörerfahrungen der o.g. Rekonstruktion eines 6. Klavierkonzerts (in der Musikwissenschaft unter dem Kürzel "Hess 15"), an dem Ludwig van Beethoven von Ende 1814 bis Anfang 1815 gearbeitet hat, ohne es zu vollenden, gerade auf CD (Oehms) erschienen mit Sophie-Mayuko Vetter, Hamburger Sinfonikern unter Peter Ruzicka. Der Dirigent hatte das ca. 15 Min.-Stück (1. Satz), von dem ca. 270 m.o.w. zusammenhängende Takte, die komplette Orchester-Exposition und ein großer Teil des ersten Klaviersolos, weitgehend auskomponiert auf 70 Seiten existieren, schon mit Michael Korstick beim Klavierfestival Ruhr 2017 aus der Taufe gehoben. NB: Nicht zu verwechseln mit Beethovens eigenhändiger Klavierbearbeitung des Violinkonzerts, ebenfalls in D-Dur op. 61a, das auch manchmal als 6. KK geführt wird !!!
Werther (07.01.2020, 20:04): Moin!
Hier kannst Du Deine Hörerfahrung machen, wenn auch mit anderen Interpreten:
https://youtu.be/WXYL4GycNZE
Hab mal reingehorcht, und es hat nicht unbedingt Appetit auf mehr gemacht.
Während ihm bei der 10. Sinfonie der Tod die Feder aus der Hand genommen hat, hat Beethoven diese Komposition hier freiwillig aufgegeben.
Ich kann mir auch denken, warum: Mit den Konzerten 4 und 5 kann das nicht mithalten, und ich schätze, Beethoven hat das bemerkt und lieber bessere Ideen weiterverfolgt. Zudem folgt dann 1815 mit den Cellosonaten Op. 102 der Übergang in den Spätstil, in dem die Konzertform keinen Platz mehr findet.
LG, Werther
Cetay (inaktiv) (08.01.2020, 04:03): Ich habe die genannte Aufnahme mit Sophie-Mayuko Vetter und den Hamburger Sinfonikern unter Peter Ruzicka bei Kugou gehört und fand es ganz launig. Allerdings, da stimme ich Werther zu, scheint es nicht recht in seine Zeit zu passen. Beethoven knüpft hier ohrenscheinlich an das andere "6. Klavierkonzert" op. 61 an. Nach der kurzen Orcherstereinleitung klingt die erste Soloklavierpassage doch sehr vertraut und wenn die vorbei ist, wartet man regelrecht darauf, dass das Orchester mit einem Motiv aus op. 61 weitermacht. Und wenn die folgende lange Orchesterpassage vorbei ist, wartet man in der Generalpause auf das 5-tönige aufsteigende Motiv des Soloinstuments aus Opus 61. Auch das Hauptthema daraus klingt an und wird hier in einer Art Erweiterung geboten.
Da ich op. 61 -auch mit Klavier- sehr mag, ist das eine Bereicherung, aber für eine Publikation hätte das wohl, um dem Vorwurf des Selbstplagiats zu entgehen, komplett umgeschrieben werden müssen. Moglicherweise sah sich der gute Louis wirklich auf einem Irrweg und hat es deswegen beiseite gelegt?