Rigoletto in Mantua

Rideamus (08.09.2010, 12:19):
Ich würde gerne dieses Thema aus dem großen Zoo der TV-Übertragungen herauslösen, denn dieses Programm scheint mir in vielfacher Hinsicht - leider nicht nur in positiver - exemplarisch zu sein. Vielleicht kann ein Moderator die diesbezüglichen Postings aus diesem Thead (http://www.das-klassikforum.de/board.php?boardid=21http://www.das-klassikforum.de/board.php?boardid=2) hier hinüber schaufeln.

Ich habe in jenem Thread schon angesprochen, dass ich die krampfhafte Verfilmung an den vermeintlichen Originalschauplätzen für ausgemachten Schwachsinn halte, dessen Bewunderung nur die Apologeten der angeblichen Werktreue entlarvt. Bekanntlich ist die Vorlage des Werkes Victor Hugos Versdrama TRIBOULET, das am Hofe des (erzhässlichen) Frauenhelden qua Titel, Francois I, in Paris spielt. Verdi und Piave wurden erst von der Zensur gewzwungen, den Schauplatz in ein eher mythisches Mantua zu verlegen. Diesen Ort jetzt als Originalschauplatz des Dramas auszugeben, entspricht ungefähr einem angeblichen Dokumentarfilm über den Mord an einem englischen Gouverneur in Boston während eines Maskenballs - oder eben dem sagenhaften Sprung von der Engelsburg in den Tiber.

Bei der Besichtigung der gesamten Aufführung hat sich diese Befürchtung bestätigt. Die Hersteller des Films haben zwar recht adäquate Kulissen für das Drama an sich gefunden, aber authentisch wirkten nur die Beschwernisse der Produktion, die man überall bemerkte, von der schweißtreibenden Hitze der Scheinwerfer bei den Aufnahmen bis hin zu den Regengüssen, die vor allem Grigolo immer wieder in Richtung seiner Partner absonderte. Vielleicht sind sie bei Live-Aufnahmen schwer zu vermeiden, aber warum solche Anstrengungen machen, wenn doch der eklatante Widerspruch zwischen dem Kunstwerk Oper, das ja auch ein wissentliches Element des Künstlichen, nämlich der Abstraktion der Gefühle mit sich bringt, und dem unsinnigerweise behaupteten Realismus im Detail aus jeder Enstellung gellt? Was hat man von den Live-Problemen, wenn der visuelle Anschein in jeder Einstellung deutlich dagegen spricht, dass hier eine echte Live-Aufführung vor Publikum stattfindet?

Das ist allerdings auch ein Faktor in der Qualität des Films, die mir in den bisherigen Beiträgen in drei Foren etwas kurz kam, nämlich der filmischen. Tatsächlich hat der versierte Filmregisseur Marco Bellocchio (Salto nel vuoto; La Cina e vicina) die Charaktere der Geschichte besser erfasst und zu zeichnen gewusst als die meisten Theaterregisseure. Unterstützt von dem meisterhaften Kameramann Vittorio Storaro (APOCALYPSE NOW u.v.a.), schuf er teilweise großartige Bildsequenzen, die zum Glück in den meisten Hauptdarstellern (Grigolo ausgenommen, bei dem nur die Optik in das Konzept passte) adäquate Verkörperungen fanden. Gab es je eine bessere Maddalena im Film? Mit (auch musikalisch) so albernen Szenen wie dem Entführungschor konnte auch Bellocchio nichts anfangen, aber ich kenne keine Inszenierung, in der er glaubhaft über die Rampe kommt, auch nicht die ansonsten vorbildliche von Ponnelle. Vor allem Placido Domingo und Ruggero Raimondi wussten ihre mittlerweile eklatanten stimmlichen Defizite großartig durch schauspielerischen Einsatz zu überspielen, wenn auch nicht zu kompensieren. Visuell war die Aufführung also in der Tat ein lohnendes Erlebnis, wenigstens solange die mäßigen musikalischen Leistungen gerade in den eigentlich großartigen längeren Stücken wie den Duetten zwischen Rogoletto und seiner Tochter nicht doch große Langeweile aufkommen ließen.

Womit wir bei der Hauptschwäche der Aufführung wären, die bei einer Oper leider den Kern ausmacht: der Musik. Ich kann angesichts meiner sehr bescheidenen Erwartungen an ein solches "Ereignis" nicht sagen, dass ich enttäuscht wurde, denn da hat mich schon Mehtas TOSCA in der Engelsburg vorgewarnt. Mehtas Orchesterleitung war, wie fast immer bei solchen Monsterprogrammen, auf die er abonniert zu sein scheint, nicht wirklich schlecht, aber arg pauschal und wenig bemerkenswert - im Positiven wie im Negativen. Grigolo entsprach in angenehmer Weise dem Konzept des jugendlichen Leichtsinnigen - allerdings nur vom Aussehen her. Sobald es an die Stimmgestaltung ging, blieb er blass, wenn er nicht gar unangenehm ins Greinen verfiel, wie bei "Ella mi fu rapita". Unter den Hautpersonen war er für mich eindeutig die größte Schwachstelle.

Über die Fehlbesetzung Placido Domingos wurde schon genug gesagt. Ich habe an einem anderen Ort seinen Mut bewundert, sich im hohen Alter und angesichts des Verblassens seines einst eindrucksvollen Tenors ein neues Repertoire zu erobern, statt immer wieder das alte auf einträglichen Gastauftritten abzunudeln. Ich stehe dazu, dass er in mir seiner heutigen Form als Rigoletto in Mantua lieber ist denn als zu alten Duca in Mantua. Das heißt aber nicht, dass ich ihn gut beraten finde, denn die Tessitur der Rigoletto ist eine ganz andere als die des SIMON BOCCANEGRA, die, zugegeben, schon ein Grenzfall war. Den hat er aber für meine Begriffe sehr beeindruckend bewältigt - und zwar in jeder Station von Berlin bis Madrid überzeugender. Dem Rigoletto fehlte aber leider alles, denn da ist ein nachgerade stentorhafter Bariton Pflicht, etwa in dem verschenkten "Vendetta"-Duett. Als verkappte Tenorarie funktioniert auch das "Cortigiani! nicht, so gut Domingo es auch gestaltet. So ruinierte er fast alle Glanznummern des TItelhelden, und nicht alles lässt sich durch eine - zugegeben beeindruckende - Darstellung kompensieren -auch nicht, wenn man ihm die Gegenüberstellung mit einem beeindruckenden Monterone erspart.

Bleibt die TV-Debütantin Julia Novikova. Sie war zweifellos die höchst bewundernswerte Einäugige unter (stimmlich) Blinden, aber die allgemeine Begeisterung kann ich nicht teilen. Sie erinnerte mich zwar an meinen damaligen Schwarm Gianna d'Angelo in der Rolle, aber der musste ich damals nicht zusehen. Leider bewies ihre Darbietung, wie undankbar die Rolle für eine weniger als virtuose Singschauspielerin ist. Da war mir eine (weniger rein singende) Ileana Cotrubas live doch um Einiges lieber, und wenn ich sie mit der vergleichsweise überwältigenden TV-Darstellung einer anderen Königin der Nacht, nämlich Diana Damrau, vergleiche, dann brachte sie mir über eine nahezu perfekte Gesangsleistung hinaus zu wenig, das mich wirklich beeindrucken konnte.

Darin war sie das genaue Gegenteil von Ruggero Raimondi, dessen Schauspielkunst zu loben nur bedeuten würde, viele früher verdiente Lobpreisungen zu wiederholen. Allerdings braucht gerade der Sparafucile ein sattes Organ um seine beabsichtigte Wirkung zu entfalten, und da fehlt Raimondi inzwischen doch einiges.

Kurz gefasst: ein Film, den anzusehen sich allemal lohnt, ggf. auch zum wiederholten Male, aber anhören muss man ihn nicht unbedingt. Nach seiner Besichtigung ist jedenfalls meine Bewunderung für den musikalischen Teil des Dresdner RIGOLETTO mit Damrau und Lukic, aber auch Florez um einiges angestiegen.

:hello Rideamus
Honoria Lucasta (08.09.2010, 14:18):
Lieber Rideamus,

hab den allerherzlichsten Dank für diese umfassende und sehr kompetente Würdigung eines Medienereignisses, das wahrlich ein gerüttelt' Maß an Licht und Schatten brachte. Du hast völlig zu Recht auf die sehr gute Leistung von Regisseur und Kameramann hingewiesen, und ich erlaube mir, dazu auch noch einmal die Lichtregie bzw. die Beleuchtung zu erwähnen; ich denke, so ein Mammutunternehmen so differenziert wie vorliegend zu beleuchten, ist auch ein großes Verdienst des Technikers. Als ganz kleines Beispiel sei erwähnt, wie im 1. Akt Rigoletto bei "Dienstantritt" im Herzogspalast sehr hell beleuchtet wird und in der Masse der Höflinge geradezu als Lichtgestalt herausragt; in dem Moment, in dem er den Grafen Ceprano verhöhnt und sich sozusagen gemein macht mit der ihn umgebenden Camarilla, erscheint er so dunkel-rothäutig wie sie: Dokumentation eines Sündenfalls.

Im übrigen denke ich, daß jeder, der diese Produktion gesehen hat, wohl unterschiedlich duldsam mit den nachlassenden stimmlichen Leistungen alternder Sangesgrößen umgeht. Meine Fähigkeit dazu ist gerade bei meinen Hausgöttern Domingo und Raimondi überdurchscnittlich stark ausgeprägt; ich fürchte, bei anderen Veteranen und ähnlichen Experimenten würde ich diesen guten Willen nicht im selben Maße aufzubringen in der Lage sein. Von daher schult die Diskussion in allen drei Foren doch ein wenig selbstkritische Reflexion und die Fähigkeit zum begründeten Urteil.

Grüße!

Honoria
Severina (08.09.2010, 14:24):
Lieber Rideamus,
danke, dass Du diesen Thread gestartet hast, denn ich finde auch, dass dieser "Rigoletto" einer eingehenderen Betrachtung wert ist.
Was den musikalischen Teil betrifft, stimmen wir fast überein, bloß dass ich im Unterschied zu Dir bei Julia Novikova sehr wohl auch gestalterische Qualitäten bemerkte. Der Vergleich mit Dresden hinkt meiner Meinung nach, weil dort ein ganz anderes, modernes Regiekonzept zu Grunde lag, das es Diana Damrau gestattete, aus der Gilda weit mehr herauszuholen als das unbedarfte und unschuldige Mädchen, wie sie üblicherweise angelegt wird.
Aber welche Möglichkeiten siehst Du in diesem Mantuaner Historienschinken für eine Gilda, außer herzzerreißend zu singen und lieb und nett zu wirken? Mich hat die Mimik von Frau Nemikova durchaus überzeugt, da spielte sich sehr viel ab im Unterschied zu Grigolo, der alles mit dem gleichen Ausdruck sang - was auch für den vokalen Teil gilt.
Überhaupt kann ich nach dieser Übertragung das "Grigolo hier, Grigolo dort" der letzten Zeit absolut nicht nachvollziehen. Dass er von manchen ernsthaft als Villazónnachfolger gehandelt wird, muss wohl an massiven Hörproblemen liegen :ignore. Dazu fehlt ihm so ziemlich alles, vor allem das einzigartige Timbre und das Charisma des Mexikaners. Ich habe z.B. das "Questa o quella" selten so beiläufig, unsinnlich und uninteressant gehört, außerdem flatterte da die Stimme ganz grauenhaft - oder lag das an der Übertragung? Denn die Tonqualität war ziemlich bescheiden, gemessen am technischen Aufwand, den man betrieben hat. Im 2. und 3. Akt fand ich Grigolo dann stimmlich besser, darstellerisch blieb er nach wie vor alles schuldig. Er hätte einen Regisseur gebraucht, der ihm erklärt, was und wer dieser Duca eigentlich ist. Grigolo nahm ich nicht einmal den Herzensbrecher wirklich ab. Dass Gilda ihm auf den Leim geht, ist klar, aber dass Maddalena - noch dazu eine derart sinnliche wie diese - die doch wahrlich genügend Vergleichsmöglichkeiten hat, derart auf dieses unreife Bürscherl abfährt, glaube ich nie und nimmer. Die erotische Sogwirkung bei "Bella figlia dell'amore" war kaum zu spüren, und das ist einemeiner "Knieschnackelstellen" in dieser Oper. Bei Domingo - volle Übereinstimmung! Ich fand seinen Simone wie schon erwähnt sehr beeindruckend und hatte nie so wie beim Rigoletto das Gefühl, da vergewaltigt jemand eine Rolle, die nie und nimmer die seine ist. Was mir besonders negativ auffiel, war Domingos Kurzatmigkeit, die vielleicht noch eine Nachwirkung seiner schweren Erkrankung ist. (obwohl, bei seinem Simone ist mir das nicht aufgefallen!) Er schaffte es einfach nicht, die langen Phrasen auf einem Atem durchzusingen, und diese deutlich hörbaren Zäsuren in der Gesangslinie störten mich sehr.

Wo ich gar nicht mit Dir übereinstimme, ist der filmischen Aspekt. Ich fragte mich nämlich die ganze Zeit, wozu man einen Filmregisseur verpflichtet, wenn dann so jämmerlich wenig dabei herauskommt. Mir schien vielmehr, dass sich Marco Bellocchio auf die Routine der alten Haudegen Domingo und Raimondi verließ und das übrige Ensemble nett darum herum arrangierte. Zum Chor fiel ihm nicht mehr ein, als dass er im Sturmschritt dem jeweiligen Hauptakteur - einmal der Duca, dann wieder Rigoletto - nacheilte, was wohl bedrohlich wirken sollte, auf mich aber nur lächerlich. Besonders lächerlich fand ich gleich die Anfangsszene, als sämtliche Damen des Hofes sich dem Duca an den Hals warfen und von ihren Männern eingefangen werden mussten. Ehrlich, ich musste an ein Popkonzert denken, wenn die Fans mit verzücktem Gesichtsausdruck ihre Arme zur Bühne emporrecken, um ihrem Idol möglichst nahe zu sein. Sollte diese Analogie vom Regisseur beabsicht gewesen sein, kann ich nur sagen "Thema verfehlt!"
Es gelang Bellocchio in meinen Augen auch überhaupt nicht, den Palozze del Te wirkungsvoll einzubeziehen, denn ich glaubte keinen Augenblick, dass der Duca und seine Hofgesellschaft diese Räume wirklich bewohnten, sie wirkten eher wie Museumsbesucher, die dazu abgehalten werden, nur ja nichts zu berühren und zu beschädigen.
Und ehrlich: Das Schlussbild unseres uralten WSO-Rigoletto ist wesentlich stimmungsvoller - wenn man schon auf traditionelle Inszenierungen steht - als dieses hier. Neu war mir auch, dass ein Auftragskiller wie Sparafucile eine ganze Burg sein Eigen nennt - die Geschäfte müssen gut gehen!

So, das waren einmal fürs Erste meine Eindrücke!

lg Severina :hello
Rideamus (08.09.2010, 16:41):
Liebe Honoria, liebe Sevi,

schön, dass Ihr so ausführlich in dieen Dialog einsteigt. Honoria gibt mir eigentlich die bste Vorlage um Severina wirkungsvoll zu widersprechen, was das Filmische angeht, denn in der Tat ist ihr Lob für den Kameramann Vittorio Storaro, (der Kameramann ist nämlich für die Lichtführung verantwortlich und weniger für die Kadrierung der Bilder, wie man allgemein denkt) sehr gut beobachtet und argumentiert. Das widerspricht nicht Severinas Verurteilung des in der Tat krampfhaft vorsichtigen Umgangs mit den kostbaren Kulissen, der allein schon ein gewichtiges Argument gegen den Irrwitz der "authentischen" Lokalität wäre. Wie soll da eine authentische Atmosphäre entstehen, wenn überall die unsichtbaren Kordel mit den Schildern "Nicht berühren" hängen? Ich könnte mir vorstellen, dass eine bessere Kadrierung des Palazzo del Te an so banalen Dingen wie Satellitenschalen scheiterte, die es auch in Mantua überall gibt. Wie gesagt: für mich beginnt der Unsinn mit der behaupteten Authentizität, die genau das Gegenteil bewirkte. Ob der in der Tat katastrophale Ton des zuständigen RAI-Tonmannes auch damit zu tun hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber die Klangsuppe, die aus den Mikrophonen gefiltert wurde, hätte auch bessere musikalische Leistungen an den Rand des Erträglichen geschubst.

Dazu kommt ein in der Tat sehr konventionelles Regiekonzept Bellocchios, der sich ganz darauf beschränkte, das Libretto zu illustrieren statt zu interpretieren. Das muss bei einem Werk, das seine emotionalen Konstellationen so plastisch und nachvollziehbar darstellt, aber nicht unbedingt falsch sein. Gerade die (leider wirklich nicht ganz wie beabsichtigt geglückten) Groupieszenen, die Severina moniert, kamen mir im Ansatz durchaus stimmig vor, denn das Angenehme an der Konzeption des Herzogs, der Grigolo allenfalls von Assehen und Alter her gewachsen war, war das Bild eines verantwortungslosen, weil noch extrem jugendlichen Heißsporns. Er ist eine Art Popidol, das sich nicht darum kümmert, was er an Scherbenhaufen hinterlässt, aber eben nicht, wie bei Ponnelle, zynisch und bösartig ist. Ich finde beide Lesarten legitim, zumal wenn beide Regisseure auf ihre Art konsequent sind, und das ist Bellocchio nicht weniger als Ponnelle.

Der hatte übrigens auch so seine Probleme mit der Darstellung der Gilda (bei ihm Edita Gruberova, die nicht nur im Wortsinne blass war, obwohl sie ähnlich gut sang wie Novikova. Sevi hat Recht, wenn sie Novikovas Darstellung wegen Bellocchios Konzept in Schutz nimmt, aber es ist nun einmal konsequent, dass sich das naive, völlig unwissende Mädchen Hals über Kopf verliebt ohne nachzudenken (die Schlaueste ist Gilda wohl in keiner Interpretation) und allzu viel Gedankenblässe zu zeigen. Das hat sie hervorragend getan, aber es befriedigt mich dennoch nicht. Ich brauche mir nur vorstellen, wie sich eine Nathalie Dessay auch in diesem Konzept bewegt hätte (oder Cotrubas in einer ähnlichen Kobnzeption neben Kostas Paskalis bewegt hat) um die potenziellen Qualitätsunterschiede zu sehen. Novikova hat sich in das Konzept gefügt, ansonsten aber vor allem sehr gut gesungen, was gerade in dieser Rolle die wesentliche Miete ist. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass sie mir nicht gefiel, sondern nur, dass ich nicht so begeistert sein konnte wie andere. Offenbar muss ich JUlia Novikova noch in anderen Rollen sehen, was ich gerne tun werde, bevor ich mir ein endgültigeres Urteil über sie bilde.

Bei den Männern sind wir uns ja weitgehend einig, leider in der Tat auch, was Domingos Kurzatmigkeit betrifft, von der ich auch hoffe, dass sie eine Frage der Tagesform und des Stresses unter den besonderen Produktionsbedingungen war, denn da lagen in der Tat Welten zwischen dieser Leistung und der des Baritons Boccanegra, die nichts mit dem Klang seines Organs zu tun haben.

:hello Rideamus
Severina (08.09.2010, 18:28):
Meine Lieben,
ich werde mir den "Rigoletto" heute Abend noch einmal zu Gemüte führen und diesmal meinen Fokus weniger auf die Stimmen legen wie beim ersten Mal, sondern auf Regie und speziell Kameraführung, vielleicht kann ich dann mein harsches Urteil ja in dem einen und anderen Punkt revidieren.
Ich habe eben ein grundsätzliches Problem damit, im Duca nicht mehr als einen windigen Casanova zu sehen, der sich halt nimmt, was sich ihm im speziellen Fall mehr als willig anbietet. Wenn sich die Damen des Hofes ihm so an den Hals werfen wie bei Bellocchio, trifft ihn nicht die geringste Schuld am Schicksal von Monterones Tochter. Wenn ich aber das Libretto richtig interpretiere, kann man bestenfalls der Gräfin Ceprano eine gewisse Bereitwilligkeit zugestehen, die Avancen des Duca zu erwidern, ansonsten wendet er die Machtmittel des Potentaten an, der über jedem Gesetz steht, weil er selbst das Gesetz ist. Eine Inszenierung, die diesen Aspekt völlig ausklammert, kann mich nie und nimmer überzeugen.

Was Julia Novikova betrifft, so gilt für sie das gleiche, was ich von so mancher Sängerin sage, die ich nur via Medien gehört habe: Klingt super, ob sie's auch wirklich ist, weiß ich erst, wenn ich sie live erlebt habe. (In Abwandlung eines bekannten Zitats: Ich misstraue prinzipiell jedem Tonträger, den ich nicht selbst manipuliert habe! :wink) Aber da die Novikova ab dieser Saison zum Ensemble der WSO gehört, werde ich genügend Gelegenheiten haben, meinen positiven Eindruck an der Wirklichkeit zu messen. Ich werde Euch dann berichten!

lg Sevi :hello
Severina (09.09.2010, 00:19):
So, ich bin mit dem zweiten Durchgang fertig und muss vorerst einmal konstatieren, dass auf meinem großen Bildschirm in Wien mit den besseren Lautsprechern einiges doch eindrucksvoller wirkt als auf dem sehr kleinen Gerät in der Provinz, wo ich die Übertragung am Wochenende verfolgt habe.
Eine grundlegende Neubewertung muss ich allerdings nicht vornehmen, denn meine Einwände gegen die sehr konventionelle Regie, die es vor allem nicht vermochte, dem Duca ein wirkliches Profil zu verleihen, bleiben bestehen.
Ich stimme Honoria zu, dass Beleuchter/Kameramann einen sehr guten Job gemacht und einige Szenen wirklich atmosphärisch dicht gestaltet haben, so z.B. die Unterredung Rigoletto-Sparafucile im 1. Akt.
Im letzten ging aber nach meinem Dafürhalten einiges daneben, denn es ist doch absurd, dass sich der Duca bis auf einen Meter dem vergitterten Fenster nähert, durch das ihn Gilda und Rigoletto beobachten, ohne sie zu sehen. Sie schauen sich doch direkt in die Augen! Wenig später steht Gilda in der vom Blitz hell erleuchteten Fensteröffnung, und wieder nimmt niemand von ihr Notiz! Gerade hier hätte das Medium Film doch genügend Möglichkeiten geboten, die man auf der Opernbühne nicht so leicht schaffen kann, um dieses Versteckspiel glaubhaft umzusetzen.
Ein so harmoses Gewitter, wie es Zubin Mehta hier entfacht, habe ich auch noch nie gehört. Eine "notte di mistero" stelle ich mir jedenfalls ein bisschen anders vor.

Vittorio Grigolo kommt heute eine Spur besser weg, denn die extrem unruhige Stimmführung, die ich ihm beim ersten Mal vorgeworfen habe, liegt wohl wirklich an den unzulänglichen Lautsprechern meines alten "Provinzfernsehers". Aber sein Timbre reißt mich immer noch nicht vom Stuhl, ist mir viel zu unsinnlich für den Duca, was mir besonders im letzten Akt schmerzlich bewusst wurde. Nein, immer noch kein Knieschnackeln :wink !

Ich sage es nur ungern, weil ich unseren Placi doch so mag, aber bei ihm verstärkte sich mein negativer Eindruck eher noch. Speziell die große Vater-Tochter-Szene im 2. Akt überzeugte mich überhaupt nicht, weil Domingo zwar den liebevoll-besorgten Vater, nicht aber die Verzweiflung und Wut rüberbrachte, die in ein vor Mordlust glühendes "Vendetta!" münden müssten. Das muss richtig knallen, ebenso wie das "No!" auf Gildas flehentliches Bitten, den Geliebten zu verschonen. Bei beiden Stellen müsste es einem kalt über den Rücken rieseln, und auf diesen Effekt wartete ich vergeblich. Nein, in dieser Szene ist nach wie vor Leo Nucci das Non-plus-Ultra aller noch "amtierenden" Hofnarren, weil er auch die richtige Mischung zwischen Mitgefühl, Ekel vor der (wahrscheinlich) entehrten Tochter und ohnmächtige Wut auf den skrupellosen Verführer in seine Stimme und sein Spiel legen kann. Diese Ambivalenz der Gefühle fehlt mir bei Domingo ein wenig. Das ist nicht das nuancierte Spiel, das man von ihm gewohnt ist, ganz offensichtlich ist er zu sehr damit beschäftigt, diese Szene stimmlich zu bewältigt und stößt damit hörbar an seine Grenzen.

lg Severina :hello
miranda (09.09.2010, 00:48):
Die kritische Diskussion zu diesem Thema hat mich motiviert, mir die Inszenierung via ZDF-Mediathek anzuschauen, da mir die Originalausstrahlung zu spät lief.
Obwohl ich also nicht allzu hohe Erwartungen hatte, war ich vor allem von Domingo tief enttäuscht. Nicht nur musikalisch, sondern auch darstellerisch konnte er die Rolle in keiner Weise ausfüllen: Rigoletto ist ein entstelltes, gequältes und andere quälendes Wesen, und Domingo mit seiner (durch den meist unsichtbaren Buckel kaum beeinträchtigten) noblen Erscheinung dominiert die unscheinbaren Höflinge, anstelle als verachteter Außenseiter in Szene zu treten. Am Schlimmsten fand ich die Entführung am Ende des 1.Aktes - ein so unbeholfenes und unglaubwürdiges Chargieren muss bei einem so aufwendigen Unternehmen doch verstimmen.
Leider haben mich der Herzog und Gilda genauso wenig überzeugt, wenn sie auch hübsch anzusehen waren. Beide blieben extrem eindimensional, er nur der oberflächliche Verführer, ohne die Gewalttätigkeit des absolutistischen Fürsten, sie nur das liebende Mädchen, die das Verzweifelte, Selbstmörderische in ihrer Liebe nicht glaubhaft machen kann. Man darf gar nicht daran denken, was Maria Callas aus dieser Rolle gemacht hat.
Ich stimme Rideamus zu, was die Unsinnigkeit der Originalschauplätze in dieser Oper betrifft. Paradoxerweise wirkten Sänger und Chor in der Palastumgebung weniger zu Hause als in einer Bühnenkulisse. Dafür konnten ein paar stimmungsvolle Außenaufnahmen wie die nächtliche Bootsfahrt nicht wirklich entschädigen.
Allerdings gibt es Produktionen, bei denen ich die Originalschauplätze durchaus stimmig und inspirierend fand, z.B. eine Inszenierung der Verkauften Braut in einem mährischen Dorf (mit Kollo und Stratas).
Leider ist sie nicht auf DVD erhältlich.
Nun, hoffentlich gibt es bald wieder eine begeisternde Opernproduktion im Fernsehen!
Rideamus (09.09.2010, 11:39):
Da ich festgestellt habe, dass ich offenbar nur noch den Film Ponnelles zum Vergleich präsent habe, habe ich mal in meine Aufnahme der MET mit Cornell MacNeill, Ileana Cotrubas und Domingo als Herzog hinein gesehen.

Danach bin ich geneigt, Severina deutlich mehr Recht zu geben. Cornell MacNeil ist auch nicht der beste aller Rigolettos (im Vergleich etwa zu Capecchi, Cappuccilli oder gar Gobbi), aber dennoch Welten besser als Domingo, während dieser eigentlich (es war 1977) genau den leichtfertigen, aber nicht ganz gewissenlosen Herzog gab, den Grigolo nach Bellocchios Konzept wohl hätte verkörpern und singen sollen. Ileana Cotrubas dagegen bestätigt mich in meinem - wahrlich nicht negativen - Urteil über Novikova. Auch sie hat in John Dexters konventioneller, aber sorgfältiger Personenregie nur das engelhafte Mädchen zu geben, aber wie viel mehr Seele strahlt sie doch aus!



Da auch Levine, ganz im Gegensatz zu Mehta, in Hochform ist, ist das vielleicht die derzeit beste DVD der Oper, und sehr preisgünstig ist sie derzeit auch, aber bevor ich mich endgültig festlege, muss ich meine Vergleichsmöglichkeiten aktualisieren. So will ich mir zumindest
Nucci und Lukic werde ich mir danach auch noch einmal ansehen, und auch John Rawnsley in dem grandiosen RIGOLETTO der ENO soll hier keinesfalls vergessen werden, denn die Regie des letzteren ist vielleicht die bemerkenswerteste von allen. Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema, obwohl diese Modernisierung weit näher am Original ist als die vermeintlich authentische Kulisse von Mantua.



Jedenfalls gibt es wirklich keinen Grund, sich angesichts solcher Vergleichsmöglichkeiten dem Hype über das angebliche Medienereignis in Mantua anzuschließen.

:hello Rideamus
Honoria Lucasta (09.09.2010, 13:22):
Und so vergleichen wir alle ein bißchen weiter....

Ich hatte mir heute morgen, um mal einen nicht mehr ganz so präsenten Rigoletto vorurteilsfrei anzuhören, ein paar Ausschnitte mit Josef Metternich (aus der Edition "Oper auf Deutsch") zu Gemüte geführt. Es fällt auf, wie markant seine Höhe ist - natürlich kann ich das nur von der CD aus beurteilen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß ihm das obere Register auch nur im Ansatz so viel körperliche Mühe gemacht hat wie Domingo. Das Rache-Finale des 2. Aktes zerhackt er allerdings genau wie dieser durch deutliches Atemholen an ungünstigen Stellen (Aufnahmen unter Fricsay, Schüchter, Rossi) - mglw. ist das aber auch der schwierigste Teil.

An den älteren Rundfunkaufnahmen nerven mich durchgehend die Gildas, die alle den Charakter einer ätherischen Sylphide verströmen: dünnstimmig, mit aufgesetzt-unschuldigem Glockenklang - das gilt für alle, heißen sie nun Streich, Köth, Coertse oder sonstwie. Ein klein wenig Leben muß doch auch Gilda haben, oder?

Meine diversen Nucci-Rigolettos schaue ich mir auch noch einmal an, aber nicht heute...

Eilige Grüße!

Honoria
Waldi (31.12.2010, 11:04):
Meine Lieben,

Gestern liefen wieder alle drei Teile im ZDF Theater-Kanal, während wir den Schlaf unserer Enkel zu beaufsichtigen hatten. Leider habe ich den Anfang versäumt, aber als ich durch Zufall mich plötzlich im ersten Akt fand, war der bereits auf meinen Lippen wartende Fluch über das scheußliche Fernsehprogramm natürlich gebannt.
Trotzdem ist das für mich kein "Rigoletto", der mich vor Begeisterung aufspringen läßt. Weder Inszenierung noch Bildregie konnten mich ungeachtet diverser effektvoller Momente wirklich überzeugen. Ich fand es langweilig, hauptsächlich Kopf-Schulter-Ausschnitte zu sehen, noch dazu, weil man alle die aus Distanz nicht wahrnehmbaren unangenehmen Details mitbekommt (fallende Schweißtropfen, Spuckfontänen usw.); der Gilda in der Schlußszene direkt in Gaumen und Nasenlöcher zu blicken, mutete auch nicht gerade erhebend an. Die Protagonisten hätten unter einer besseren Leitung wohl mehr anzubieten gehabt als engagiertes, aber relativ gleichförmiges Konventionsverhalten. Ausnehmen möchte ich da nur die Maddalena Nino Surguladzes, die vokal, optisch und schauspielerisch keinen Wunsch offen ließ. Domingo ist zwar kein richtiger Rigoletto, aber auch mit eingeschränkten Stimmitteln und in unpassenden Partien bleibt er ein Erlebnis; der Mann ist einfach ein Phänomen und verströmt auch hier eine sympathische Aura, die nicht unbedingt werkgerecht ist, aber die viel verzeihen läßt. Vittorio Grigolo scheint mir ein Versprechen für die Zukunft, falls er sich nicht verheizen läßt und seine Karriere klug aufbaut. Natürlich hat er nicht die mitreißende Ausstrahlung eines Pavarotti, aber er sieht gut aus und man nimmt ihm den unreifen, genußsüchtigen, aber eigentlich nicht bösen und gegenüber Gilda wirklich liebesfähigen Teenie durchaus ab. Singen tut er ganz gut, obwohl ihn von der Spitze noch viel trennt.
Ähnlich geht es mir mit Julia Novikova. Ein großes Talent, sehr beachtlich, aber klarerweise noch nicht fertig. Mit der Gilda kommt sie, so schien es mir, zudem im Moment schon an ihre Grenzen. Sie soll also aufpassen, damit wir noch weiterhin viel Freude durch sie erleben können. Ruggero Raimondo hätte den Sparafucile lieber ausschlagen sollen. So wie Domingo beeindruckt er nach wie vor, aber das ist nicht mehr seine Partie.
Zubin Mehta dirigierte eher weich und bedächtig, angenehm ins Ohr gehend, aber den dramatischen Gehalt für mein Gefühl zu sehr vernachlässigend. Ein bißchen zu sehr ästhetiserend quasi, obwohl gut anzuhören.
Insgesamt war das natürlich ein "Rigoletto", den man durchaus genießen kann, der aber an Ponnelle bei weitem nicht heranreicht. Und was den Schauplatz betrifft, kann ich Rideamus nur vollkommen beipflichten. Das blieb im Geschmäcklerischen.

Liebe Grüße
Waldi
Rideamus (14.08.2012, 17:26):
Hier ein RIGOLETTO am Originalschauplatz, also nicht in Mantua, sondern in einem Opernhaus:

Ich habe die Aufnahme zwar selbst noch nicht ganz gesehen, aber falls jemand eine Erinnerung braucht, wieviel eine gute Regie und ein sorgfältiger Dirigent für eine Wiederbelebung selbst der abgenutztesten Oper ausmachen können, dann empfehle ich, sich einmal David McVicars londoner Inszenierung am Royal Opera House, Covent Garden, anzusehen. Am 17. April des Jahrfes lief sie in Kinosälen in aller Welt, und eben habe ich entdeckt, dass man sie (wer weiß, wie lange noch? auf YouTube ansehen kann, und zwar hier: http://www.youtube.com/watch?v=9n2f7gMFRxE und hier: http://www.youtube.com/watch?v=WJw56c17uOE.

McVicars Inszenierung gehört zu den drastischsten, die ich je gesehen habe, ist aber auch eine der besten. Hier die Besetzung:

Rigoletto: Dimitri Platanias;
Gilda: Ekaterina Siurina;
Herzog von Mantua: Vittorio Grigolo;
Matteo Borsa: Pablo Bemsch;
Graf Ceprano: Jihoon Kim;
Gräfin Ceprano: Susana Gaspar;
Marullo: ZhengZhong Zhou;
Graf Monterone: Gianfranco Montresor;
Giovanna: Elizabeth Sikora;
Page: Andrea Hazell;
Höfling: Nigel Cliffe;
Maddalena: Christine Rice.
Royal Opera Chorus. Orchestra of the Royal Opera House.
Dirigent: John Eliot Gardiner.
Regie: David McVicar

Hoffentlich gibt es sie in bester Qualität eines Tages auch auf DVD in guter Qualität und mit Untertiteln, aber bis dahin gibt dieser Link zumindest einen ordentlichen Eindruck davon, warum sich das lohnt

:hello Rideamus
Severina (14.08.2012, 17:49):
Lieber Rideamus,

diese Produktion vom ROH 1996 gibt es bereits auf DVD, allerdings in der Besetzung mit Marcelo Alvarez, Christine Schäfer und Paolo Gavanelli. Ich glaube also kaum, dass die ein zweites Mal herauskommt, außer es gibt bei BBC einen heißen Grigolo-Fan :wink (Oder gibt es inzwischen eine neue McVikar-Inszenierung? Das kann ich nicht glauben!)

Du wirst Dich also leider mit Deinem Link zufrieden geben müssen! (Vielleicht kommt es ja auch einmal auf einem TV-Sender!)

lg Sevi :hello
stiffelio (14.08.2012, 18:13):
Liebe Rigoletto-Fans,

der RIGOLETTO ist (noch) nicht "meine" Oper, an DVDs hab ich nur den Film von Ponelle mit Pavarotti.
Aber beim oberflächlichen Reinschnuppern hat mich an dieser Produktion aus Parma das Zusammenspiel zwischen Machaidze und Nucci ziemlich beeindruckt (Rideamus, du kennst sie meines Wissens schon):
http://www.youtube.com/watch?v=wGyQAvpIdkY und
http://www.youtube.com/watch?v=HfYWPJuoesY

VG, stiffelio
Rideamus (15.08.2012, 09:46):
Original von Severina
Lieber Rideamus,

diese Produktion vom ROH 1996 gibt es bereits auf DVD, allerdings in der Besetzung mit Marcelo Alvarez, Christine Schäfer und Paolo Gavanelli. Ich glaube also kaum, dass die ein zweites Mal herauskommt, außer es gibt bei BBC einen heißen Grigolo-Fan :wink (Oder gibt es inzwischen eine neue McVikar-Inszenierung? Das kann ich nicht glauben!)

Du wirst Dich also leider mit Deinem Link zufrieden geben müssen! (Vielleicht kommt es ja auch einmal auf einem TV-Sender!)

lg Sevi :hello

Liebe Sevi,

Du hast natürlich vollkommen Recht, und ich bin fast versucht zu sagen:leider. Nach meinen bisherigen Eindrücken ist hier nämlich das schwächere Frühere der Verhinderer des Besseren. Ich hatte die DVD von Edward Downes bislang nicht, weswegen sie mir nicht auffiel, als ich auf den Upload hinwies. Ich werde die beiden aber demnächst mal vergleichen, denn gerade bei den vielen RIGOLETTOs allein auf DVD ist das sicher sinnvoll. Die von stiffelio erwähnte Zürcher Aufnahme wird da sicher eine sehr positive Rolle spielen.

Jedenfalls ist diese Verdopplung einer Inszenierung ein Grund mehr, sich die Aufführung in dem Upload sehr gut einzuprägen.

:hello Rideamus
Severina (15.08.2012, 10:36):
Lieber Rideamus,

dieser Kummer plagt mich bei so mancher DVD, dass ich viel darum gäbe, hätte man erst bei der zweiten Serie mit geänderter Besetzung mitgeschnitten..... Irgendetwas stört auf den meisten Aufnahmen, deshalb befinden sich unter meinen ca.200 DVDs sicher keine 10, die ich als absolut optimal empfinde, wo ich also keine Rolle wüsste, die man besser hätte besetzen können. (Von ganz winzigen Nebenrollen abgesehen!)

lg Sevi :hello
Rideamus (15.08.2012, 11:02):
Nun ja, warum sollte es bei Live-DVDs besser gehen als bei Studio-cds? Wieviele "perfekte" Aufnahmen gibt es denn auf Tonträgern - trotz der Jahrzehnte an Vorsprung?

Ich werde noch ausführlicher in die beiden Aufnahmen hinein sehen, aber mein erster Eindruck hat sich schon recht verfestigt:

Die neue Aufnahme punktet ganz klar bei Grigolo, der, nicht nur gegenüber dem stets steifen Alvarez, mindestens einen der besten Herzöge gibt, und bei Gardiner, der die Partitur viel differenzierter aufhellt als Edward Downes, der mich ja schon beim STIFFELIO (da gegenüber Gardelli) etwas enttäuscht hat. Dabei kann ich allerdings nur schwer sagen, wie weit Gardiner auch durch eine bessere Tontechnik der neueren Aufnahme unterstützt wurde.

Die alte Aufnahme punktet dagegen kräftig bei dem superben Rigoletto von Paolo Gavanelli und der Gilda von Christine Schäfer. Wie schade, dass man nicht beide Aufnahmen mischen kann, denn die Inszenierung wurde sehr gut aufgefrischt, ist in manchen Details sogar etwas subtiler, was ihr gut tut.

Aber warum soll man - neben ein paar anderen - nicht beide haben oder kennen wollen? Es soll ja sogar Leute geben, die sich mit viel Freude dieselbe Inszenierung sogar in derselben Besetzung mehrfach anhören :W , zumal, wenn sie so gelungen ist wie diese.

:hello Rideamus
Fairy Queen (16.08.2012, 07:21):
Danke für den Link un dals Fan für Mc Vicar nochmal mehr. Leider ist mein Computer nach der ersten halben Stunde dauernd abgestürzt- irgendwas ging da nciht und auch Bild und ton waren nicht synchron. aber egal; einen ersten Eindruck hab ich gewonnen und ich glaube, dass das eine hervorragende Rogoletto-Aufführung war. Grigolo fand ich genauso gut wie ihr, er überzeugt einfahc als Rollenportrât und ich mag auch die Stimme, Der Rigoletto ist ein echtes Kaliber und ich denke man kann diese role druchaus so anlegen und vo nder Gilda hab ich leider so gut wie nichts gehört, aber diese rolle ist für mich schwer zu besetzen, da sie gleichzeitig zerbrechliich und mädchenhaft aber im Duett mit Herzog und Vater eine satte Mittellage und Standfestigkeit braucht. Den Verdi-sopranen geht es ja oft so und da iwird ncihts geschenkt. Für mich gehört der Rigoletto jedenfalls zu meinen Lieblingsopern und ich ahbe mal in der Provinz und leider mit ziemlich überforderten sängern eine tolle inszenierung gesehen, wo das Bühnenbild der Palzoo Ducale in Mantua war. die anfangsszene als Orgie darzustellen, halte ich fûr serh angemessen- an den Renaissancehöfen war man ja keineswegs zimperlich und das stellt die Handlung gleich in den irihtigen Zusammenhang und gibt dem Charakter des Herzogs Kontur.
Liebe Grüsse in alle Himmelsrichtungen
F.Q.
Severina (16.08.2012, 11:08):
Original von Rideamus

Es soll ja sogar Leute geben, die sich mit viel Freude dieselbe Inszenierung sogar in derselben Besetzung mehrfach anhören :W , :hello Rideamus

:W :W :W :W :W :W :W

DAS wäre nicht das Problem (Also dass ich die erste Version bereits besitze!), ich habe nur leider ein Problem mit Grigolo :( Im Mantua-Rigoletto hat er mir überhaupt nicht gefallen (s.o.), und eigentlich hat er das noch nie getan, weder bei TV-Übertragungen noch auf seiner CD, die ich besitze. Mich erreicht diese Stimme einfach nicht, und seine Manirismen erleichten es mir auch nicht gerade, zu einem Grigolo-Fan zu werden.
Also jetzt noch einmal Geld für eine DVD ausgeben mit einer Inszenierung, die ich bereits kenne, und einem Tenor, der mich vielleicht ein wenig mehr von sich überzeugt als bisher, eher aber nicht?
Wenn ich meine lange Wunschliste anschaue.....

lg Sevi :hello
Rideamus (16.08.2012, 11:36):
Genau für einen solchen Fall ist YouTube doch ideal!

Es kostet nichts, und man kann sich in Ruhe ein Bild machen.

Davon abgesehen, gibt es diese Version ja in der Tat gar nicht zu kaufen - leider.

:hello Rideamus

PS: ich war auch kein Fan von Grigolo, denn weder sein Pariosser Rodolfo noch sein Mantovani-Duca haben mich vom Hocker gerissen, aber in dieser Inszenierung hat er genau das richtige Umfeld, und gegen den erschütternd unbeweglichen und erst recht unerotischen Marcelo Alvarez macht er zumindest die von Inszenierung und Werk behauptete Faszination des Herzogs glaubhaft.