Amonasro (20.10.2020, 19:17): Maometto II (teilweise auch als Maometto Secondo ausgeschrieben) existiert in mindestens 3 authentische Fassungen: das italienische Original (Uraufführung Neapel 1820), eine Neufassung in italienischer Sprache (Venedig 1822) und als französische grand-opéra mit dem Titel Le siège de corinthe (Paris 1826). Zudem gibt es noch diverse Mischfassungen, meist unter dem Titel L’assedio di Corinto. Hier soll es zunächst um die erste Fassung gehen.
Personen:
Paolo Erisso, venezianischer Statthalter von Negroponte, früherer Statthalter von Korinth (Tenor) Anna Erisso, seine Tochter (Sopran) Calbo, venezianischer General (Alt) Condulmiero, venezianischer General (Tenor) Maometto II., osmanischer Sultan (Bass) Selimo, Vertrauter Maomettos (Tenor)
Handlung:
1. Akt: 1470. Der osmanische Sultan Maometto II. belagert die venezianische Kolonie Negroponte. Der venezianische Gouverneur Paolo Erisso will seine Tochter Anna mit dem General Calbo verheiraten; diese offenbart ihm jedoch, sich in Korinth in einen gewissen „Uberto“ verliebt zu haben. Der echte Uberto war zu dieser Zeit jedoch mit Erisso in Venedig, sie muss also einem Betrüger aufgesessen sein. Als die Osmanen in die Stadt eindringen, gibt Erisso Anna einen Dolch, mit dem sie sich erstechen soll, sollte sie in die Hand des Feindes fallen. Als Erisso und Calbo gefangen genommen und mit Folter bedroht werden, erkennt Anna in Maometto „Uberto“ und bittet ihn erfolgreich um die Freilassung der beiden.
2. Akt: Maometto führt Anna in sein Lager, wo sie seinen Heiratsantrag zurückweist. Bevor Maometto seine Truppen zum Angriff gegen die Zitadelle der Stadt führt, übergibt er Anna als Zeichen seines Vertrauens das große Reichssiegel. In den Katakomben betet Erisso am Grab seiner Frau und beklagt den vermeintlichen Verrat seiner Tochter, Calbo ist dagegen von Annas Unschuld überzeugt. Als Anna erscheint, will Erisso sie zunächst verstoßen; sie übergiebt ihm daraufhin Maomettos Siegel und türkische Kleidung, womit er und Calbo unerkannt zur Zitadelle gelangen können. Um nicht erkannt zu werden, müssen sie jedoch Anna zurück- und damit dem sicheren Tod überlassen. Auf Annas Wunsch vermählt Erisso sie mit Calbo, ehe die drei für immer Abschied nehmen. Von fliehenden Frauen erfährt Anna, dass es Erisso und Calbo gelungen ist, zur Zitadelle zu gelangen, und der türkische Angriff zurückgeschlagen wurde. Als die Osmanen in das Gewölbe strömen, um Rache für Annas Verrat zu nehmen, ersticht sie sich über dem Grab ihrer Mutter.
Ähnlich wie bei Otello, stammt das Libretto nicht von einem der damaligen Berufslibrettisten, sondern von einem neapolitanischen Adligen: Cesare della Valle, Duca di Ventignano. Rossini bat della Valle um ein Libretto nach dessen noch unvollendetem Drama Anna Erizo, was schließlich dazu führte, dass das Libretto noch vor seiner literarischen Vorlage uraufgeführt wurde. Das Libretto ist relativ unkonventionell, Soloarien nehmen sowohl in Anzahl als auch Länge nur einen kleinen Raum ein; die dramatischen Höhepunkte sind als Ensembles, hauptsächlich Terzette, gestaltet. Die Handlung zählt mit dem Selbstmord am Schluss zu den dramatischsten in Rossinis Œuvre und zu den ganz wenigen mit tragischem Ausgang. Die aristotelischen Einheiten werden streng eingehalten. Die Oper trägt zwar den Titel Maometto, die Hauptfigur ist aber ganz klar Anna. Zudem steht in keinem anderen Werk Rossinis der Konflikt zwischen Vater und Tochter so sehr im Zentrum wie hier.
Mehmet II., Paolo Erizzo und (Alvise) Calbo sind historisch belegte Personen. Erizzo, der von Mehmet II. zu Tode gefoltert wurde, galt in Italien noch Jahrhunderte später als Märtyrer und viele sehr legendenhafte Darstellungen seines Todes waren im Umlauf (so soll Mehmet ihn wegen eines alten Versprechens, seinen Kopf zu schonen, lebendig zersägt haben). Seine Tochter Anna ist dagegen fiktiv.
1. Introduktion Al tuo cenno, Erisso (Erisso, Condulmiero, Calbo, Chor) 2. Kavatine Ah che invan su questo ciglio (Anna) 3. Terzettone Ohimè, qual fulmine (Anna, Erisso, Calbo, Chor) 4. Chor & Kavatine Sorgete, in sì bel giorno (Maometto) 5. Finale I Giusto ciel, che strazio è questo! (Erisso, Calbo, Maometto, Selimo, Anna, Chor) 6. Chor È follia sul fior degli anni 7. Duett Anna, tu piangi? (Maometto, Anna) 8. Arie All’invito generoso (Maometto, Chor) 9. Arie Non temer, d’un basso affetto (Calbo) 10. Terzettino In questi estremi istanti (Erisso, Calbo, Anna) 11. Finale II Alfin compiuta è una metà dell’opra (Anna, Maometto, Chor)
Der erste Akt besteht aus mehreren großangelegten blockartigen Einheiten. Es gibt keine Ouvertüre, das Werk beginnt mit einer als Terzett gestalteten Introduktion, in der im Kriegsrat debattiert wird, ob man sich ergeben oder weiterkämpfen soll. Die verhalten gesungene, feierliche Melodie des Eröffnungschorus macht nach Erissos Entscheidung, den Kampf fortzusetzen, einem kriegerischen Marsch Platz. Annas Kavatine ist sehr schlicht, einsätzig ohne Cabaletta. Das dominierende Stück des 1. Akts ist das von Rossini scherzhaft mit „Terzettone“ (im englischen Wikipedia-Artikel charmant als „big fat trio“ übersetzt) überschriebene Stück: ein Terzett monumentalen Ausmaßes (867 Takte, Spieldauer von fast 30 Minuten). Das handlungsreiche Terzettone beinhaltet dabei Kanonenschüsse aus dem Off, den Abgang von zwei Personen, einen Szenenwechsel und ein eingeschobenes Gebet mit Chor. Mit dem Auftritt Maomettos ändert sich die Stimmung grundlegend. Waren die bisherigen Szenen von dem drohenden Unheil überschattet, klingt Maomettos unbeschwerte Auftrittsarie zwar martialisch, aber auch optimistisch und im Vergleich geradezu fröhlich. In diesem Zusammenhang ist auch die Szenenanweisung interessant: Während die vorangegangenen Szenen sämtlich bei Nacht stattfinden sollen, fällt der erste Auftritt Maomettos mit dem Sonnenaufgang zusammen. Der der Arie vorangehende Chor der osmanischen Soldaten ist vom Schlagwerk dominiert; ein Effekt, der Maometto und seine Soldaten auch bei ihren anderen Auftritten begleitet und wohl in der Tadition der Janitschenmusik steht, wie man sie z. B. auch bei Mozart findet. Maomettos Arie im 2. Akt geht ein von Trommeln auf der Bühne gespielter Marsch voraus. Dadurch unterscheiden sich die „osmanischen Szenen“ klanglich deutlich von den „venezianischen Szenen“. Das Finale I ist wie immer bei Rossini sehr ausgedehnt, aber kürzer als das Terzettone. Erwähnenswert ist vor allem das Terzett für Erisso, Calbo und Maometto, mit dem das Finale beginnt.
Der zweite Akt beginnt mit einem exotisch klingenden Frauenchor und ist das einzige ungebrochen fröhliche Stück der Oper. Das Duett von Maometto und Anna ist das formal konservativste Stück der Oper, endet aber mit einer mitreißenden Cabaletta und wirft auf den ansonsten negativ dargestellten Eroberer ein etwas sympathischeres Licht. Nach dem Duett öffnet sich die Szene sowohl visuell als auch akustisch: Die Rückwand des Zeltes wird aufgezogen und gibt den Blick auf die umkämpfte Stadt frei, die Banda (hauptsächlich Trommeln) spielt einen Marsch. Maomettos Arie schließt an die martialische Attitüde seines ersten Auftritts an. Die durchgehend orchesterbegleiteten Rezitative sind verglichen mit früheren Rossini-Opern sehr interessant, insbesondere in der Szene in den Katakomben, die mit einem düsteren Vorspiel und einem langen musikalisch durchgeformten Rezitativ für Erisso beginnt, ehe dann Calbo seine schöne, aber konservative Arie singt. Sowohl bei Erissos kurzem Gebet am Grab seiner Frau als auch bei Annas Schwur an diesem Grab, keine Verräterin zu sein, wird das Rezitativ durch sehr schöne lyrische Melodien unterbrochen. Die lange Schlussszene wird ganz von Anna und dem Chor dominiert. Maometto tritt nur gegen Ende kurz auf. Bei Annas letzten Worten wird im Orchester ein Motiv wiederholt, dass bereits im Terzettone zu hören war, als Erisso Anna den Dolch übergab. Der schockierte Chor nach Annas Selbstmord klingt fast wie aus einer Messe und gibt dem Werk einen sanften Ausklang.
Die geringe Personenanzahl, der klare Handlungsverlauf und die Konzeption in großen musikalischen Einheiten mit wenigen Rezitativen, was dem Werk einen fast durchkomponierten Charakter verleiht, machen aus dieser Oper ein packendes Drama. Ich zähle sie daher zu Rossinis besten Werken.
Gruß Amonasro :hello
Amonasro (20.10.2020, 19:21): Aufnahmen:
Paolo Erisso - Ernesto Palacio Anna Erisso - June Anderson Calbo - Margarita Zimmermann Maometto II. - Samuel Ramey Condulmiero/Selimo - Laurence Dale
Ambrosian Opera Chorus Philharmonia Orchestra, Claudio Scimone 1885
Paolo Erisso - Mert Süngü Anna Erisso - Elisa Balbo Calbo - Victoria Yarovaya Maometto II. - Mirco Palazzi Condulmiero/Selimo - Patrick Kabongo Mubenga
Camerata Bach Choir, Poznan Virtuosi Brunenses, Antonio Fogliani Live vom Rossini Festival Bad Wildbad 2017
Die Scimone-Aufnahme ist eine Studioaufnahme mit guter Tonqualität, einem herausragenden Maometto von Samuel Ramey und guter Besetzung der übrigen Rollen. June Anderson singt Anna zwar durchaus klangschön, aber relativ monoton mit wenig Ausdruck.
Die Naxos-Aufnahme ist eine Live-Aufnahme mit entsprechenden Bühnen- und Publikumsgeräuschen. Die Musik klingt unter Fogliani lebendiger und kontrastreicher als unter Scimone. Die Besetzung ist gut (insbesondere Mert Süngü), allerdings klingt Elisa Balbo als Anna angestrengt und etwas überfordert, Palazzi reicht nicht an Ramey heran, sodass ich unterm Strich eher zur Scimone-Aufnahme raten würde.
Gruß Amonasro :hello
Amonasro (20.10.2020, 19:25): Die zweite Fassung für Venedig enthält folgende Änderungen:
- eine neue Ouvertüre, - Annas Kavatine ist durch einen Chor aus Ermione ersetzt, - der erste Abschnitt des Terzettone ist mit Condulmiero zu einem Quartett erweitert und als eigene Nummer vom restlichen Terzettone abgetrennt, - Condulmiero wird von einem Bass statt Tenor gesungen, - das Terzettino im 2. Akt ist durch ein Terzett für Maometto, Erisso und Calbo ersetzt, in dem die beiden Seiten sich zum Kampf herausfordern, - das tragische Ende ist durch einen glücklichen Ausgang ersetzt. Nach der Niederlage der Osmanen singt Anna das Schlussrondò aus La donna del lago: Tanti affetti.
Die meisten dieser Änderungen sind darauf ausgerichtet, das Werk stärker an die Opernkonventionen anzupassen und verwässern den ursprünglichen Entwurf. Ich halte diese Fassung daher für schlechter als die Erstfassung. Die Ouvertüre ist wie immer bei Rossini ein Glanzstück und verwendet sogar verschiedene Motive aus der Oper. Das lieto fine wirkt aufgesetzt und zerstört die Wirkung des ansonsten so ernsten Werks. Allerdings sah sich Rossini auch in anderen Fällen, z. B. Otello, gezwungen, ein Happy End nachträglich hinzuzufügen. Das neue Terzett im 2. Akt ist nicht schlecht, aber die gegenseitigen Drohungen der Kriegsgegner haben nicht die Emotionalität des ursprünglich hier stehenden Terzettino, in dem Calbo und Anna am Grab ihrer Mutter vermählt werden und sich dann in dem Wissen trennen, sich nie wieder zu sehen. In der Aufwertung Condulmieros sehe ich keinen Sinn, handelt es sich doch um eine reine Nebenfigur, die am privaten Konflikt der Protagonisten keinen Anteil hat.
Paolo Erisso - Massimilliano Barbolini Anna Erisso - Luisa Islam-Ali-Zade Calbo - Anna-Rita Gemmabella Condulmiero - Antonio de Gobbi Maometto - Denis Sedov Selimo - Cesare Ruta
Czech Philharmonic Choir, Brno Czech Chamber Soloists, Brad Cohen Live vom Rossini-Festival Bad Wildbad 2002
Diese Aufnahme finde ich sehr gelungen; insbesondere wegen Luisa Islam-Ali-Zades, die die Rolle der Anna dramatischer gestaltet als Balbo oder Anderson, finde ich sie sogar besser als die spätere Wildbad-Aufnahme der Erstfassung. Leider ist es die Venedig-Fassung.
Es existiert noch eine DVD aus Venedig, die ebenfalls diese Fassung verwendet und zumindest auf dem Papier eine erstklassige Besetzung (Mironov, Giannattasio, Gemmabella, Regazzo) hat, zu der ich aber nichts sagen kann:
Gruß Amonasro :hello
Amonasro (20.10.2020, 19:30): Für Paris 1826 überarbeitete Rossini Maometto II zu Le siège de Corinthe. Das Werk wurde zu drei Akten erweitert, mehrere neue Nebenfiguren eingefügt und manche Szenen ganz neu komponiert. Das neue Libretto stammt von Luigi Balocchi und Alexandre Soumet.
Personen:
Cléomène, Gouverneur von Korinth (Tenor) entspricht Paolo Erisso Pamyra, seine Tochter (Sopran) entspricht Anna Néoclès, junger griechischer Offizier (Tenor) entspricht Calbo Mahomet II., osmanischer Sultan (Bass) entspricht Maometto Adraste, Vertrauter Cléomènes (Tenor) Hièros, alter Grabwächter (Bass) entspricht Condulmiero Ismène, Vertraute Pamyras (Mezzosopran) Omar, Vertrauter Mahomets (Tenor) entspricht Selimo
Die Handlung der Oper ist vom Negroponte 1470 nach Konrinth 1458 verschoben. Grund war, dass man bewusst an der internationalen Anteilnahme, die damals dem griechischen Unabhängigkeitskrieg (1821-1829) zuteil wurde, partizipieren wollte und eine venezianische Kolonie dafür nicht recht taugte. Die Oper erhielt eine neue Ouvertüre, die aus Versatzstücken aus Bianca e Falliero und Mayrs Atalia zusammengesetzt ist. Der erste Akt ist im wesentlichen eine gekürzte Version der 1. Akts von Maometto II und folgt dem Original inhaltlich weitestgehend: Die für Venedig gestrichene Kavatine Annas fehlt auch hier. Das Terzettone ist auf etwa ein Drittel seines ursprünglichen Umfangs zusammengekürzt, das darin enthaltene Gebet Giusto ciel, in tal periglio wurde allerdings dafür der Schlussszene vorangestellt. Die Kürzung des Terzettone führt dazu, dass der persönliche Konflikt, in den Pamyra durch die Heiratspläne des Vaters gerät, nur sehr knapp behandelt wird. Das zweite Bild beginnt direkt mit dem Auftritt Mahomets. Von Maomettos Auftrittsarie ist dabei nur die Cabaletta in die französische Fassung übernommen worden. Der ursprüngliche 2. Akt ist hier auf 2 Akte aufgeteilt und dementsprechend erheblich erweitert: In den zweiten Akt, der dem 1. Bild des 2. Akts von Maometto II entspricht, sind ein Solo für Pamyras Vertraute Ismène und ein Ballett eingefügt. Die Arie Mahomets ist gestrichen und durch ein längeres Finale ersetzt, an dem auch der in Mahomets Lager gelangte Néoclès, den Pamyra als ihren Bruder ausgibt, teilnimmt. Den Rahmen dies Finales bildet die unterbrochene Hochzeitszeremonie für Mahomet und Pamyra. Der dritte Akt entspricht dem 2. Bild des 2. Akts von Maometto II. Das lange Rezitativ Erissos ist gestrichen, die Arie Non temer durch ein aus dem Off gesungenes Gebet des Chors und eine neue sehr eindrucksvolle Arie für Néoclès ersetzt: Grand Dieu, faut-il qu’un peuple mit zahlreichen Spitzentönen bis zum hohen D. Während Calbos Arie der Frage nach Annas Unschuld, also dem privaten Konflikt, galt, ist Neoclès’ Arie ein Gebet, in dem er die Bereitschaft ausdrückt, sein Schicksal anzunehmen, auch wenn dies der Untergang sein sollte. Der Schwerpunkt wird hier also vom privaten zum kollektiven Konflikt verschoben. Die Versöhnung von Vater und Tochter verläuft schneller und ohne Siegelübergabe oder Schwur vor dem Grab. Nach dem wieder eingesetzten Terzettino aus der Erstfassung (in dem jetzt ebenfalls nicht mehr da private, sondern das kollektive Schicksal besungen wird) folgt eine ganz neue Szene, in der Hièros die Kriegsfahnen segnet und an den Nationalstolz der Griechen appelliert, indem er an die Schlacht bei den Thermopylen in den Perserkriegen erinnert. Der Schluss der Oper wurde dahin geändert, dass nicht nur Anna, sondern alle Frauen sich kollektiv das Leben nehmen und so den in dieser Version siegreichen Osmanen entziehen, während im Hintergrund die Stadt in Flammen aufgeht. Dieses Ende nimmt bereits eine sehr ähnliche Szene in Berlioz Les Troyens vorweg. Eine entscheidene Handlungsänderung ist, dass Pamyra von Mahomet kein Siegel bekommen hat, und daher keinen Verrat begeht. Ihr Tod ist nicht Folge des Verrats, sondern sie ist am Ende nur eines von vielen Opfern des Krieges.
Musikalische Struktur:
1. Introduktion Ta noble voix, Seigneur (Cléomène, Néoclès, Hièros, Chor) 2. Terzett Disgrâce horrible! (Néoclès, Cléomène, Pamyra, Chor) 3. Marsch & Chor La flamme rapide 4. Arie La gloire et la fortune (Mahomet, Chor) 5. Finale I Nous avons triomphé (Pamyra, Ismène, Cléomène, Omar, Mahomet, Chor) 6. Arie Du séjour de la lumière (Pamyra, Chor) 7. Duett Que-vois je! (Mahomet, Pamyra) & Chor La fête d’Hyménée 8. Ballade L'hymene lui donne (Ismène, Chor) 9. Hymne Divin prophète (Chor) 10. Ballett & Finale II Il est son frère (Mahomet, Pamyra, Néoclès, Omar, Ismène, Chor) 11. Prière O toi que je révère (Chor) 12. Arie Grand Dieu, faut-il qu'un peuple (Néoclès) 13. Terzett Céleste providence! (Néoclès, Cléomène, Pamyra) 14. Szene & Chor Fermez-vous tous vos cœurs (Hièros, Cléomène, Néoclès, Pamyra, Adraste, Ismène, Chor) 15. Prière Juste ciel (Pamyra, Chor) 16. Finale III Mais quels accents se font entendre (Pamyra, Ismène, Mahomet, Chor)
Die neukomponierten Stücke sind alle hervorragend und lohnen allein schon das Kennenlernen, auch wenn sie dramaturgisch nicht immer notwendig sind. Die Änderung von Calbo/Néoclès vom Alt zum Tenor gibt den zahlreichen Ensembles einen anderen Klang, aber meines Erachtens nicht zum Besseren. Durch den kleinteiligeren Aufbau geht zudem der monumentale Eindruck des Originals etwas verloren. Dafür wurden die virtuosen Verzierungen reduziert, der Gesang ist schlichter und stärker an den Worten orientiert. Durch die Änderungen im 3. Akt steht nun nicht mehr das persönliche Schicksal der Protagonistin, sondern das eines Kolektivs im Vordergrund. Wie in den späteren Opern Meyerbeers dient der historische Konflikt nicht mehr nur als Folie für die private Tragödie. Insgesamt gefällt mir die erste Fassung des Maometto etwas besser, allerdings unterscheidet sich Le siège de Corinthe so stark von Maometto II, das man ruhig beide Versionen haben kann. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Gruß Amonasro :hello
Amonasro (20.10.2020, 19:34):
Mahomet II. - Lorenzo Regazzo Pamyra - Majella Cullagh Cléomène - Marc Sala Néoclès - Michael Spyres Hièros - Matthieu Lécroart Adraste - Gustavo Quaresma Ramos Omar - Marc Filippo Romano Ismène - Silvia Beltrami
Camerata Bach Choir, Poznan Virtuosi Brunenses, Jean-Luc Tingaud Live vom Rossini-Festival Bad Wildbad 2010
Eine fast ideale Aufnahme. Lorenzo Regazzo ist ein imposanter Mahomet, der sowohl den Krieger als auch den Liebenden überzeugend verkörpert. Michael Spyres meistert die stratosphärischen Höhen seiner Arie problemlos. Einzig Majella Cullagh hat eine nicht gerade klangschöne Stimme und einige scharfe Spitzentöne, überzeugt dafür mit dramatischer Gestaltung. Marc Sala hat eine schöne Stimme, die allerdings nicht immer gut von Spyres unterscheidbar ist. Verglichen mit der Aufnahme von 2017 gibt es weniger Bühnengeräusche und Tingaud bietet mit den Virtuosi brunensis eine schwungvolle, leidenschaftliche Interpretation - Rossini wie er sein soll.
Quellen:
Richard Osborne: Rossini - His life and works Booklets zu den Naxos-Aufnahmen Wikipedia
Gruß Amonasro :hello
palestrina (21.10.2020, 11:12): Eine fast ideale Aufnahme. Lorenzo Regazzo ist ein imposanter Mahomet, der sowohl den Krieger als auch den Liebenden überzeugend verkörpert. Michael Spyres meistert die stratosphärischen Höhen seiner Arie problemlos. Einzig Majella Cullagh hat eine nicht gerade klangschöne Stimme und einige scharfe Spitzentöne, überzeugt dafür mit dramatischer Gestaltung. Marc Sala hat eine schöne Stimme, die allerdings nicht immer gut von Spyres unterscheidbar ist. Verglichen mit der Aufnahme von 2017 gibt es weniger Bühnengeräusche und Tingaud bietet mit den Virtuosi brunensis eine schwungvolle, leidenschaftliche Interpretation - Rossini wie er sein soll. Lieber Amonasro, dem Stimme ich vollends zu!
Bei dieser Aufführung in Bad Wildbad, war es meine erste Begegnung mit Michael Spyres, danach gb es noch ein paar Begegnungen am gleichen Ort.