Rachmaninov (04.05.2006, 18:07): Während seiner ungemein produktiven Zeit in Dresden besuchte Rachmaninov auch Leipzig, wo er bei einem Besuch in einer Gemäldegalerie das Lieblingsthema des Malers Arnold Böcklins >Die Toteninsel> sah.
Arnold Böcklin (1827 - 1901): Die Toteninsel, 1883, Öl auf Holz, 80 x 150 cm
Bis zu seinem Tode 1901 malte Böcklin dieses Motiv immer wieder, so daß es heute noch 6 Versionen gibt, von denen eine in Leipzig aufbewahrt wird.
Vorlage für das Gemälde ist die sog. Ponzagruppe bei Neapel. Eine vulkanische Inselgruppe in der Nähe von Capri.
Das Gemälde zeigt in düsteren Farben wirde ein kleines Boot gezeigt, in dem langsam eine schlanke weißgekleidete gestalt auf einen Inselberg zurudert. Auf der Insel befinden sich antike Bauwerke und Zypressen lassen sich erkennen.
Zurück zu Rachmaninov. Durch den Besuch der Galerie entdeckte Rachmaninov die Malerei, neben der Literatur, als eine Quelle künstlerischer Inspiration. Und ich mag es behaupten, eine Quelle, die ihn zu einer Meisterleistung "trieb".
Sicherlich war auch eine gewisse "Seelenverwandtschaft" ziwschen Maler und Komponist vorhanden. Sind doch beide Lebensläufe durch "Rückschläge" geprägt.
Die für die Komposition entscheidende Vorlage 3 schuf Böcklin 1880 im Alter von 53 Jahren!
laut RachmaniovÄs eigenen Aussagen kam ihm der Gedanke zu dieser Komposition nachdem er im Mai 1907 in Paris ein schwarz-weiss Foto gesehen habe!
Klanglich ist das Werk in drei "Ebenen" aufgeteilt!
Das Meer - die Insel - der Tod
Für mich grandios wie Rachmaninov es schafft "Stille und Schweigen" musikalisch umzusetzten, stellt Musik doch eigentlich das gegenteil von Still dar :down
Die Uraufführung erfolgte am 18. April 1909 in Moskau und das Werk wurde Nicolas von Struve gewidmet.
Schon der in 5/8 Takt stehende "Lento" in -Moll Beginn mit Streicher, Harfe, Horn, Bassklarinette und Englischemhorn lässt einen unwillkürlich an einen ruhigen Wellengang an einem Ufer denken.
Tangua (04.05.2006, 22:16): Und - gibt's Empfehlungen? Ich habe die Toteninsel in einer Einspielung von Sir A. Davis mit dem Royal Stockholm PO - sicher keine berühmte Einspielung, aber mir gefällt sie ganz gut. Aber vielleicht gibt es bessere?
Ganong (05.05.2006, 17:12): Lieber Rachmaninov ,
mich bewegt (!) die Frage welche Interpretationne es als s e h r empfehlenswerte gibt und welche man auf keinen Fall kaufen sollte . Danke für die Antwort .
Grüsse , Frank
Wotan (05.05.2006, 19:03): Hallo,
ich hab mal auf den Salzburger Festspielen eine beeindruckende Interpretation der "Toteninsel" von Gergiev gehört. Hat mir sehr gut gefallen das Stück (das Bild ist, nebenbei bemerkt, auch toll!). Soweit ich weiß, gibt es den Gergiev aber nicht auf CD. hab ansonsten auch keine Einspielung von der Insel.
MfG Marco
Zelenka (05.05.2006, 19:17): Solange hier nicht die Empfehlungen prasseln, kopiere ich mich selbst aus "Was höre ich gerade" hier hinein:
-- Zitat: Original von Jascha Horenstein @Zelenka: Deine Meinung zu Koussevitzky? Seine Mussorgsky Einspielungen finde ich hervorragend. Minimalistisch und verständig.
"Mit meiner Entschuldigung für die etwas späte Reaktion: Die Aufnahme von Koussevitzky ist unbedingt hörenswert und unmittelbar beeindruckend, auch wenn sie natürlich (1945) eher low-fi ist. K. gelingt es, das Stück wirklich in einer großen Bewegung zu spielen, eben ohne daß es, wie öfter bei anderen Dirigenten (Pletnev z.B.), fast oder tatsächlich in Einzelepisoden zerfällt (Dies Irae etc.) und der lange Atem fehlt. Kennt jemand die Victor-Aufnahme unter der Leitung des Komponisten (1929)?"
Meine Vergleichsmöglichkeiten sind allerdings sehr, sehr beschränkt, ich kenne nur noch die Versionen von Pletnev (DG) und Dutoit (!) (Decca). Von Ashkenazy (Decca) habe ich Positives gelesen, von Colin Davis (Finlandia) eher Übles (unidiomatisch, safety first).
Gruß,
Zelenka
Rachmaninov (05.05.2006, 19:51): Besitze selber "nur" drei Aufnahmen der Toteninsel:
- Pletnev / DG
- Batiz / Royal Philharmoic Orchestra / Naxos
- F. Reiner / Chicago Symphony / RCA
Werde sie all nochmal gezielt hören und berichten!
R
Cosima (05.05.2006, 22:31): Mir liegen vor:
Royal Philharmonic Orchestra – Bátiz Mariinsky-Orchester – Gergiev (Live-Mitschnitt aus 2005) Boston Symphony Orchestra – Koussewitzkij LSO – Previn Russian State Symphony Orchestra - Polyanskij
Und in der Reihenfolge höre ich die Toteninsel auch am liebsten. Ich höre russische Musik gerne mit einem Orchester, das etwas körniger und spröder klingt. Bátiz liefert für mich die spannendste Interpretation, sehr düster und differenziert. Gergiev macht seine Sache sehr gut; emotional und mitreißend. Koussewitzkij schlägt die Konkurrenz zeitlich um einige Minuten, er lässt sehr straff spielen, wobei einige Details für meinen Geschmack zu sehr untergehen. Trotzdem eine sehr interessante Alternative, auch wenn die Klangqualität miserabel ist. Previn ist nicht schlecht, das LSO besitzt aber eben nicht diese Rauheit. Ganz abgeschlagen ist für mich Polyanskij, obwohl man meinen könnte, dass gerade ein russisches Orchester hier zur Höchstform auflaufen müsste. Ich finde diese Einspielung eher langweilig.
Gruß, Cosima
Wotan (06.05.2006, 19:12): Original von Cosima
Mariinsky-Orchester – Gergiev (Live-Mitschnitt aus 2005)
Hi Cosima,
ich wusste ja gar nicht, dass es die "Toteninsel" von Gergiev als Live-Mitschnitt gibt.
MfG Marco
AcomA (06.05.2006, 20:53): hallo,
IMO gehört dieses werk zu denjenigen rachmaninovs, welche eine gewisse 'schwülstigkeit' und schwere mit sich tragen. daher gewinnt diese schöpfung durch eine mehr oder weniger transparente und 'straight forward'-interpretation. also genau der duktus, den fritz reiner immer verfolgte. interessant auch die kopplung anderer werke, die einen bezug zum tod haben, wie die wunderschöne 'pavane pour une infante défunte' ravels (obgleich nicht im direkten bezug) und den lisztschen paraphrasen über 'dies irae', dem totentanz.
chicago symphony orchestra unter fritz reiner
RCA victor, ADD, aufn. 1956-59, living stereo-reihe
Cosima (06.05.2006, 21:09): Original von Wotan ich wusste ja gar nicht, dass es die "Toteninsel" von Gergiev als Live-Mitschnitt gibt.
Gibt es offiziell auch gar nicht. :)
Gruß, Cosima
Cosima (06.05.2006, 21:14): Original von AcomA IMO gehört dieses werk zu denjenigen rachmaninovs, welche eine gewisse 'schwülstigkeit' und schwere mit sich tragen. daher gewinnt diese schöpfung durch eine mehr oder weniger transparente und 'straight forward'-interpretation. also genau der duktus, den fritz reiner immer verfolgte. i
Lieber Siamak,
ich kenne zwar diese Aufnahme unter Reiner nicht, aber ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass er genau diese „Schwülstigkeit“ oder auch bombastische, aber eher oberflächliche Klangpracht ins Spiel bringt. Das Werk selber halte ich überhaupt nicht für schwülstig. Höre Dir doch einmal die Bátiz-Aufnahme an, sie ist ja günstig zu bekommen. Die ist wirklich düster und beklemmend.
Gruß, Cosima :)
embe (07.05.2006, 00:47): Hallo, gerade neu eingetroffen und mit Freude gehört. Vladimir Jurowski dirigiert das London Philharmonic Orch. eine SACD vom LPO Label. Eine sehr gute Live Aufnahme wie ich finde. Ferner sind die Sym. Tänze mit drauf...aber noch nicht angehört :( Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. :wink
Meine anderen Inseln: Svetlanow auf Melodya, schneidende Trompeten! Previn bei Emi Ashkenazy Decca, sehr voluminöser Klang... Horenstein Chesky, lange Zeit mein Favorit, hier hört man die Pauken sehr deutlich *rudern*. Und natürlich Reiner RCA, den ich aber nicht schwülstig empfinde... da wäre Ormandy wohl eher zu nennen :tongue:
Gruß embe
Rachmaninov (07.05.2006, 09:34): Hallo,
die Fritz Reiner Aufnahme würde ich auch nicht als schwülstig bezeichnen, aber sie "leidet" aus meiner Sciht ein wenig unter einem etwas "satten" Klangbild, wie es Reiner typisch, ist. Er zeichnet mit etwas breitem Pinsel die Feinheiten der Musik nach. Sicherlich eine gute Aufnahme, aber nicht die absolute Spitze!
R
Cosima (07.05.2006, 09:56): Original von Rachmaninov die Fritz Reiner Aufnahme würde ich auch nicht als schwülstig bezeichnen, aber sie "leidet" aus meiner Sciht ein wenig unter einem etwas "satten" Klangbild, wie es Reiner typisch, ist.
Ja, so meinte ich es auch. Ich griff die Bezeichnung "schwülstig" (in Bezug auf das Werk, was ich aber auch verneinen würde) von Siamak auf, obgleich sie nicht ganz treffend ist. Wie ich bereits schrieb: Ich ziehe hier sprödere und körnigere Klangbilder unbedingt vor!
Gruß, Cosima
Rachmaninov (07.05.2006, 10:03): Original von Cosima Original von Rachmaninov die Fritz Reiner Aufnahme würde ich auch nicht als schwülstig bezeichnen, aber sie "leidet" aus meiner Sciht ein wenig unter einem etwas "satten" Klangbild, wie es Reiner typisch, ist.
Ja, so meinte ich es auch. Ich griff die Bezeichnung "schwülstig" (in Bezug auf das Werk, was ich aber auch verneinen würde) von Siamak auf, obgleich sie nicht ganz treffend ist. Wie ich bereits schrieb: Ich ziehe hier sprödere und körnigere Klangbilder unbedingt vor!
Gruß, Cosima
Man hört dies bereits ganz am Anfang. Irgendwie klingt das seichte "Plätschern" des Wassers schon irgendwie eher nach hohen Wellen :engel
Ganong (08.05.2006, 17:11): Ich empfehle noch vor der Aufnahme von Fritz Reiner die durch
Jascha Horenstein ( gekoppelt mit dem "Rach-2" mit Earl Wild ) u n d Lorin Maazel ; Berliner Philharmoniker ( 1962 ) ( gekoppelt mit der 2. Symphonie ) . Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (13.05.2006, 11:33): Original von Cosima
Royal Philharmonic Orchestra – Bátiz
Und in der Reihenfolge höre ich die Toteninsel auch am liebsten. Ich höre russische Musik gerne mit einem Orchester, das etwas körniger und spröder klingt. Bátiz liefert für mich die spannendste Interpretation, sehr düster und differenziert.
@Cosima,
was die Batiz Aufnahme angeht kann ich mich Dir nur 100%ig anschließen.
Mir gefällt die Aufnahme ebenfalls sehr gut und zum Naxos Preis eh ein Schnäppchen bei der tollen Interpretation. :down
Rachmaninov (29.05.2006, 19:40): trotz der sehr guten batiz Aufnahme ist für mich die Top-Aufnahme in meinem Bestand die von M. Pletnev mit dem Russian National Orchestra.
Für mich bringt keine die Stimmung und die "bildliche" Darstellung so rüber wie dieses "Gespann"
Tangua (04.06.2006, 15:00): Die Batiz-Aufnahme war eine sehr gute Empfehlung - sie ist dann doch erheblich besser als meine Davis-Aufnahme!!!
Rachmaninov (04.05.2006, 18:07): Während seiner ungemein produktiven Zeit in Dresden besuchte Rachmaninov auch Leipzig, wo er bei einem Besuch in einer Gemäldegalerie das Lieblingsthema des Malers Arnold Böcklins >Die Toteninsel> sah.
Arnold Böcklin (1827 - 1901): Die Toteninsel, 1883, Öl auf Holz, 80 x 150 cm
Bis zu seinem Tode 1901 malte Böcklin dieses Motiv immer wieder, so daß es heute noch 6 Versionen gibt, von denen eine in Leipzig aufbewahrt wird.
Vorlage für das Gemälde ist die sog. Ponzagruppe bei Neapel. Eine vulkanische Inselgruppe in der Nähe von Capri.
Das Gemälde zeigt in düsteren Farben wirde ein kleines Boot gezeigt, in dem langsam eine schlanke weißgekleidete gestalt auf einen Inselberg zurudert. Auf der Insel befinden sich antike Bauwerke und Zypressen lassen sich erkennen.
Zurück zu Rachmaninov. Durch den Besuch der Galerie entdeckte Rachmaninov die Malerei, neben der Literatur, als eine Quelle künstlerischer Inspiration. Und ich mag es behaupten, eine Quelle, die ihn zu einer Meisterleistung "trieb".
Sicherlich war auch eine gewisse "Seelenverwandtschaft" ziwschen Maler und Komponist vorhanden. Sind doch beide Lebensläufe durch "Rückschläge" geprägt.
Die für die Komposition entscheidende Vorlage 3 schuf Böcklin 1880 im Alter von 53 Jahren!
laut RachmaniovÄs eigenen Aussagen kam ihm der Gedanke zu dieser Komposition nachdem er im Mai 1907 in Paris ein schwarz-weiss Foto gesehen habe!
Klanglich ist das Werk in drei "Ebenen" aufgeteilt!
Das Meer - die Insel - der Tod
Für mich grandios wie Rachmaninov es schafft "Stille und Schweigen" musikalisch umzusetzten, stellt Musik doch eigentlich das gegenteil von Still dar :down
Die Uraufführung erfolgte am 18. April 1909 in Moskau und das Werk wurde Nicolas von Struve gewidmet.
Schon der in 5/8 Takt stehende "Lento" in -Moll Beginn mit Streicher, Harfe, Horn, Bassklarinette und Englischemhorn lässt einen unwillkürlich an einen ruhigen Wellengang an einem Ufer denken.
Tangua (04.05.2006, 22:16): Und - gibt's Empfehlungen? Ich habe die Toteninsel in einer Einspielung von Sir A. Davis mit dem Royal Stockholm PO - sicher keine berühmte Einspielung, aber mir gefällt sie ganz gut. Aber vielleicht gibt es bessere?
Ganong (05.05.2006, 17:12): Lieber Rachmaninov ,
mich bewegt (!) die Frage welche Interpretationne es als s e h r empfehlenswerte gibt und welche man auf keinen Fall kaufen sollte . Danke für die Antwort .
Grüsse , Frank
Wotan (05.05.2006, 19:03): Hallo,
ich hab mal auf den Salzburger Festspielen eine beeindruckende Interpretation der "Toteninsel" von Gergiev gehört. Hat mir sehr gut gefallen das Stück (das Bild ist, nebenbei bemerkt, auch toll!). Soweit ich weiß, gibt es den Gergiev aber nicht auf CD. hab ansonsten auch keine Einspielung von der Insel.
MfG Marco
Zelenka (05.05.2006, 19:17): Solange hier nicht die Empfehlungen prasseln, kopiere ich mich selbst aus "Was höre ich gerade" hier hinein:
-- Zitat: Original von Jascha Horenstein @Zelenka: Deine Meinung zu Koussevitzky? Seine Mussorgsky Einspielungen finde ich hervorragend. Minimalistisch und verständig.
"Mit meiner Entschuldigung für die etwas späte Reaktion: Die Aufnahme von Koussevitzky ist unbedingt hörenswert und unmittelbar beeindruckend, auch wenn sie natürlich (1945) eher low-fi ist. K. gelingt es, das Stück wirklich in einer großen Bewegung zu spielen, eben ohne daß es, wie öfter bei anderen Dirigenten (Pletnev z.B.), fast oder tatsächlich in Einzelepisoden zerfällt (Dies Irae etc.) und der lange Atem fehlt. Kennt jemand die Victor-Aufnahme unter der Leitung des Komponisten (1929)?"
Meine Vergleichsmöglichkeiten sind allerdings sehr, sehr beschränkt, ich kenne nur noch die Versionen von Pletnev (DG) und Dutoit (!) (Decca). Von Ashkenazy (Decca) habe ich Positives gelesen, von Colin Davis (Finlandia) eher Übles (unidiomatisch, safety first).
Gruß,
Zelenka
Rachmaninov (05.05.2006, 19:51): Besitze selber "nur" drei Aufnahmen der Toteninsel:
- Pletnev / DG
- Batiz / Royal Philharmoic Orchestra / Naxos
- F. Reiner / Chicago Symphony / RCA
Werde sie all nochmal gezielt hören und berichten!
R
Cosima (05.05.2006, 22:31): Mir liegen vor:
Royal Philharmonic Orchestra – Bátiz Mariinsky-Orchester – Gergiev (Live-Mitschnitt aus 2005) Boston Symphony Orchestra – Koussewitzkij LSO – Previn Russian State Symphony Orchestra - Polyanskij
Und in der Reihenfolge höre ich die Toteninsel auch am liebsten. Ich höre russische Musik gerne mit einem Orchester, das etwas körniger und spröder klingt. Bátiz liefert für mich die spannendste Interpretation, sehr düster und differenziert. Gergiev macht seine Sache sehr gut; emotional und mitreißend. Koussewitzkij schlägt die Konkurrenz zeitlich um einige Minuten, er lässt sehr straff spielen, wobei einige Details für meinen Geschmack zu sehr untergehen. Trotzdem eine sehr interessante Alternative, auch wenn die Klangqualität miserabel ist. Previn ist nicht schlecht, das LSO besitzt aber eben nicht diese Rauheit. Ganz abgeschlagen ist für mich Polyanskij, obwohl man meinen könnte, dass gerade ein russisches Orchester hier zur Höchstform auflaufen müsste. Ich finde diese Einspielung eher langweilig.
Gruß, Cosima
Wotan (06.05.2006, 19:12): Original von Cosima
Mariinsky-Orchester – Gergiev (Live-Mitschnitt aus 2005)
Hi Cosima,
ich wusste ja gar nicht, dass es die "Toteninsel" von Gergiev als Live-Mitschnitt gibt.
MfG Marco
AcomA (06.05.2006, 20:53): hallo,
IMO gehört dieses werk zu denjenigen rachmaninovs, welche eine gewisse 'schwülstigkeit' und schwere mit sich tragen. daher gewinnt diese schöpfung durch eine mehr oder weniger transparente und 'straight forward'-interpretation. also genau der duktus, den fritz reiner immer verfolgte. interessant auch die kopplung anderer werke, die einen bezug zum tod haben, wie die wunderschöne 'pavane pour une infante défunte' ravels (obgleich nicht im direkten bezug) und den lisztschen paraphrasen über 'dies irae', dem totentanz.
chicago symphony orchestra unter fritz reiner
RCA victor, ADD, aufn. 1956-59, living stereo-reihe
Cosima (06.05.2006, 21:09): Original von Wotan ich wusste ja gar nicht, dass es die "Toteninsel" von Gergiev als Live-Mitschnitt gibt.
Gibt es offiziell auch gar nicht. :)
Gruß, Cosima
Cosima (06.05.2006, 21:14): Original von AcomA IMO gehört dieses werk zu denjenigen rachmaninovs, welche eine gewisse 'schwülstigkeit' und schwere mit sich tragen. daher gewinnt diese schöpfung durch eine mehr oder weniger transparente und 'straight forward'-interpretation. also genau der duktus, den fritz reiner immer verfolgte. i
Lieber Siamak,
ich kenne zwar diese Aufnahme unter Reiner nicht, aber ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass er genau diese „Schwülstigkeit“ oder auch bombastische, aber eher oberflächliche Klangpracht ins Spiel bringt. Das Werk selber halte ich überhaupt nicht für schwülstig. Höre Dir doch einmal die Bátiz-Aufnahme an, sie ist ja günstig zu bekommen. Die ist wirklich düster und beklemmend.
Gruß, Cosima :)
embe (07.05.2006, 00:47): Hallo, gerade neu eingetroffen und mit Freude gehört. Vladimir Jurowski dirigiert das London Philharmonic Orch. eine SACD vom LPO Label. Eine sehr gute Live Aufnahme wie ich finde. Ferner sind die Sym. Tänze mit drauf...aber noch nicht angehört :( Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. :wink
Meine anderen Inseln: Svetlanow auf Melodya, schneidende Trompeten! Previn bei Emi Ashkenazy Decca, sehr voluminöser Klang... Horenstein Chesky, lange Zeit mein Favorit, hier hört man die Pauken sehr deutlich *rudern*. Und natürlich Reiner RCA, den ich aber nicht schwülstig empfinde... da wäre Ormandy wohl eher zu nennen :tongue:
Gruß embe
Rachmaninov (07.05.2006, 09:34): Hallo,
die Fritz Reiner Aufnahme würde ich auch nicht als schwülstig bezeichnen, aber sie "leidet" aus meiner Sciht ein wenig unter einem etwas "satten" Klangbild, wie es Reiner typisch, ist. Er zeichnet mit etwas breitem Pinsel die Feinheiten der Musik nach. Sicherlich eine gute Aufnahme, aber nicht die absolute Spitze!
R
Cosima (07.05.2006, 09:56): Original von Rachmaninov die Fritz Reiner Aufnahme würde ich auch nicht als schwülstig bezeichnen, aber sie "leidet" aus meiner Sciht ein wenig unter einem etwas "satten" Klangbild, wie es Reiner typisch, ist.
Ja, so meinte ich es auch. Ich griff die Bezeichnung "schwülstig" (in Bezug auf das Werk, was ich aber auch verneinen würde) von Siamak auf, obgleich sie nicht ganz treffend ist. Wie ich bereits schrieb: Ich ziehe hier sprödere und körnigere Klangbilder unbedingt vor!
Gruß, Cosima
Rachmaninov (07.05.2006, 10:03): Original von Cosima Original von Rachmaninov die Fritz Reiner Aufnahme würde ich auch nicht als schwülstig bezeichnen, aber sie "leidet" aus meiner Sciht ein wenig unter einem etwas "satten" Klangbild, wie es Reiner typisch, ist.
Ja, so meinte ich es auch. Ich griff die Bezeichnung "schwülstig" (in Bezug auf das Werk, was ich aber auch verneinen würde) von Siamak auf, obgleich sie nicht ganz treffend ist. Wie ich bereits schrieb: Ich ziehe hier sprödere und körnigere Klangbilder unbedingt vor!
Gruß, Cosima
Man hört dies bereits ganz am Anfang. Irgendwie klingt das seichte "Plätschern" des Wassers schon irgendwie eher nach hohen Wellen :engel
Ganong (08.05.2006, 17:11): Ich empfehle noch vor der Aufnahme von Fritz Reiner die durch
Jascha Horenstein ( gekoppelt mit dem "Rach-2" mit Earl Wild ) u n d Lorin Maazel ; Berliner Philharmoniker ( 1962 ) ( gekoppelt mit der 2. Symphonie ) . Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (13.05.2006, 11:33): Original von Cosima
Royal Philharmonic Orchestra – Bátiz
Und in der Reihenfolge höre ich die Toteninsel auch am liebsten. Ich höre russische Musik gerne mit einem Orchester, das etwas körniger und spröder klingt. Bátiz liefert für mich die spannendste Interpretation, sehr düster und differenziert.
@Cosima,
was die Batiz Aufnahme angeht kann ich mich Dir nur 100%ig anschließen.
Mir gefällt die Aufnahme ebenfalls sehr gut und zum Naxos Preis eh ein Schnäppchen bei der tollen Interpretation. :down
Rachmaninov (29.05.2006, 19:40): trotz der sehr guten batiz Aufnahme ist für mich die Top-Aufnahme in meinem Bestand die von M. Pletnev mit dem Russian National Orchestra.
Für mich bringt keine die Stimmung und die "bildliche" Darstellung so rüber wie dieses "Gespann"
Tangua (04.06.2006, 15:00): Die Batiz-Aufnahme war eine sehr gute Empfehlung - sie ist dann doch erheblich besser als meine Davis-Aufnahme!!!
teleton (07.10.2010, 10:58): Beim durchblättern nach der Suche eines ganz anderen Komponisten fand ich heute diesen Thread vor.
Rachmaninoffs Toteninsel, das interessiert mich immer sehr. Nach der spitzenmäßigen Batiz-Aufnahme (Naxos), die totz des gerade für Batiz ungewöhnlich langsamen Tempos überzeugt und der ebenfalls guten mit Pletnev (DG) , finde ich aber keinen Beitrag der den unwerfenstem Dirigenten für dieses Repertoire nennt: Jewgenij Swetlanow
Swetlanow hat zwei Aufnahmen gemacht: Die alte Melodiya-Aufnahme von 1968, der ich genau wie die Sinfonischen Tänze aus dieser Aufnahmezeit den größten Biss zusprechen möchte. Diese Aufnahme liegt zusammen mit den Sinfonien in verschiedenen Labels bei Melodiya und MOSCOW STUDIO ARCIVES vor. 2. Eine LIVE-Aufnahme von 1995, die in der WARNER-Serie auf CD vorliegt und auch technisch sehr gut klingt.
Keiner schafft es diese unheimliche Stimmung besser und mit eindrucksvoileren Entladungen zu präsentieren als Swetlanow. das Gleiche gilt für die Sinfonischen Tänze op.45.
OT: Die Sinfonie Nr.3 bei WARNER, 1995 halte ich nicht für empfehlenswert. Hier kann Swetlanow nicht loslassen, gefällt sich in überromatisierenden Exzessen und zieht das Werk fürchterlich in die Länge. Hier gefällt mir die straffe unsentimentale Maazel-Aufnahme (DG) immer noch am besten.
Maazels DG-Aufnahme der Toteninsel ist auch nicht übel, aber an Batiz und Swetlanow kommt er stimmungsmäßig nicht in dem Maße heran. (Deshalb war meine Verwunderung umso größer über Swetlanows Entgleisung bei der Dritten auf Warner. Die Melodia-Aufnahme von 1966 ist dagegen wie Feuer und Wasser; aber mir immer noch zu auswalzend.)
Armin70 (07.10.2010, 22:33): Original von teleton Keiner schafft es diese unheimliche Stimmung besser und mit eindrucksvoileren Entladungen zu präsentieren als Swetlanow. das Gleiche gilt für die Sinfonischen Tänze op.45.
Hallo teleton, das klingt so, als kennst Du alle Aufnahmen der Toteninsel und der Sinfonischen Tänze, um so eine Aussage machen zu können...?
OT: Die Sinfonie Nr.3 bei WARNER, 1995 halte ich nicht für empfehlenswert. Hier kann Swetlanow nicht loslassen, gefällt sich in überromatisierenden Exzessen und zieht das Werk fürchterlich in die Länge. Hier gefällt mir die straffe unsentimentale Maazel-Aufnahme (DG) immer noch am besten.
Mit Maazels Rachmaninov-Interpretationen kann ich nichts anfangen, weil mir da zu glatt und oberflächlich gespielt wird. Erst als ich mir Pletnevs Aufnahmen von Rachmaninovs Orchesterwerken (DG) anhörte, fand ich Zugang und Gefallen an dieser Musik.
Wobei auch diese Aufnahme der 3. Sinfonie und der Sinfonischen Tänze meiner Meinung nach sehr gut ist, weil hier sehr farbig, transparent und virtuos gespielt wird:
teleton (08.10.2010, 14:36): Hallo Armin,
ich kenne sehr viele Aufnahmen der Toteninsel und meine schon mir eine disbezügliche Aussage über Swetlanow erlauben zu können. Denn bestimmte Dirigenten kann man sehr gut einschätzen; auch wenn man die jeweilige Aufnahme nicht kennt.
Das Dutoit zum Beispiel sehr farbig, transparent und virtuos durch das fabelhafte Philadelphia Orchester ist, dem kann ich zustimmen. Aber die rechte Emotionalität (wie bei Swetlanow gegeben) bleibt dann bei ihm doch mehrfach auf der Strecke. Das zeigen bereits die Spielzeiten (bei op.45 voll im Rahmen) bei der Dritten mit 15:53 - 12:32 - 12:23 bereits viel zu ausgewalzt.
Ich gebe dir recht, das die Maazel-Aufnahmen (DG) der Rachmaninoff-Werke nicht in jedem Falle das gelbe vom Ei sind. Aber während die Sinfonie Nr.1 IMO bei ihm ganz daneben, ist die Nr.2 gut und voll akzeptabel gelungen, die Sinfonie Nr.3 aber genau so perfekt, schnörkellos, unsentimental und gar nicht oberflächlich und in dem Zeitrahmen, den ich bei diesem Werk schätze = 12:20 - 11:23 - 11.45 ! Die Toteninsel sehe ich mit Maazel auch mehr auf der gelungenen Seite.
Die CD mit der Sinfonie Nr.3 steht wegen den dort enthaltenen Sinf.Tänzen mit Pletnev (DG) auf meinem Wunschzettel: soll TOP sein... Ich habe die Sinfonie Nr.1 + Die Toteninsel mit Pletnev (DG). Eine Aufnahme die mich wegen fehlender Extase zumindest bei der Sinf.Nr.1 nicht 100% glücklich macht, aber bei der Toteninsel zufriedenstellt. :wink Eine Leihgabe aus dem Schumann-Haus Bonn-Endenich ! Leider haben die nur diese eine CD mit Pletnev.
Eine wirklich erwähnenswerte Aufnahme habe ich noch vergessen: Ashkenazy / Concertgebow Orchestra Amsterdam (Decca) Hier habe ich alle Sinfonien (incl.Jugendsinfonie), glänzende Sinfonische Tänze und eine fabelhafteToteninsel vorliegen.
Aber wenn ich von allem wählen müsste: :times10 Jewgenij Swetlanow
Armin70 (08.10.2010, 16:30): Hallo teleton,
auf die Spielzeiten von Aufnahmen kommt es mir gar nicht so an, denn ob ein Werk schnell oder langsam gespielt wird, sagt erst einmal relativ wenig bis gar nichts aus. Letztlich kommt es auf die Idee und das Konzept des Interpreten an, ob man sich wirklich mit Werk und Komponist auseinandergesetzt hat und ob das bei der Interpretation auch rüber kommt aber ich will das jetzt nicht weiter ausführen, weil das wohl ein Grundsatzdiskussion ist.
Bei Rachmaninovs Konzerten und Orchesterwerken gefallen mir persönlich solche Aufnahmen besser, die etwas nüchterner an die Werke herangehen, denn es tut meiner Meinung dieser Musik, die sowieso schon sehr leidenschaftlich und auch effektvoll ist, nicht gut, wenn man mit einer glutvollen Interpretation "dem Affen Zucker" gibt. Aus diesem Gund gefallen mir Pletnev und Dutoit bei den Orchesterwerken bzw. Ashkenazy/Haitink bei den Klavierkonzerten ganz gut.
Letztlich sind die Geschmäcker gottseidank verschieden.