Salomes Tanz - Meine Top 3

Jürgen (01.02.2015, 02:00):
Danke für diesen Saura-Link.

Das ist ein wunderbarer Tanz, knisternde Erotik. Und die Musik ist wesentlich orientalischer als bei Strauss.
Zefira (26.04.2016, 11:35):
Hallo Hosenrolle,
ich kann immer noch die meisten Links nicht sehen, nicht weil ich den Standort Deutschland habe, sondern weil sie gelöscht wurden. Da hilft mir leider keine App ;o)
Kannst Du denn noch alle sehen? Würde mich wundern ...
Wie auch immer, was ich eigentlich sagen wollte: den letzten Link habe ich mir angesehen.
Ich bin mir nicht sicher, ob nicht das ungelenke Herumhampeln der Salome-Darstellerin genau so beabsichtigt ist.
Als Beispiel, beachte mal ihre Bewegungen und vor allem das Mienenspiel ab 3.55. Die Drehung bei 3.55 ist derart unbeholfen, das hätte sogar ich Trampeltier besser gekonnt, das kann nur Absicht sein. Und ihr Gesichtsausdruck wenige Sekunden später, nachdem sie Herodes den Schleier zugeworfen hat, zeigt deutlich, dass sie sich höchst unwohl fühlt.
Es macht ihr keinen Spaß, das ist deutlich zu erkennen.
Ab 8.20 etwa wird es ganz extrem. Sie wirkt wie eine Zwangsprostituierte, die mechanisch das abarbeitet, was man ihr beigebracht hat.
Man müsste wohl die ganze Aufführung gesehen haben, um das richtig interpretieren zu können.

Sehr gut gefällt mir übrigens die musikalische Darbietung - mitreißend, temporeich und strahlend.
pavel (19.05.2015, 18:23):
Die bisherigen Salomes hatten wenigstens eine einigermaßen gute Figur, aber auch Sängerinnen, denen man die Partie auf der Bühne nicht zutraut, haben sie gesungen :cool

https://www.youtube.com/watch?v=3ruCLYzsEHM
Hosenrolle1 (31.01.2015, 11:04):
In diesem Thread möchte ich meine persönlichen Top 3 – Schleiertänze aus der Oper „Salome“ vorstellen, jedoch auch andere Versionen kommentieren, die nichts, oder nur indirekt mit der Oper zu tun haben.

Ich habe mir im Laufe der Zeit viele verschiedene Versionen angesehen, manche gefielen mir sehr gut, manche waren ok, und manche waren ziemlich mies.
Bevor ich diese Auflistung starte, möchte ich allerdings noch ein paar erklärende Worte vorausschicken.

Meine Idealvorstellung einer Salome sieht in etwa so aus wie auf diesem Plattencover:

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/3/48109203Itu.jpg



Es kann natürlich sein dass manch einer das kitschig findet, aber es ist halt eine Geschmackssache. Am liebsten hätte ich auf der Bühne diese erdrückende, dekadente Fin de siècle Stimmung , mit schillernden Farben usw., so wie ich mir das bei Wilde irgendwie vorstelle. Strauss selbst meinte, dass seine Musik hier in „fremdartigen Kadenzen schillert wie Changeant-Seide“, was es doch gut trifft. Das ist natürlich nur mein persönlicher Geschmack, und man kann das natürlich als „kitschig“ oder „hollywoodmäßig“ kritisieren, weil das wohl Stile sind, wie man sie aus alten Hollywoodfilmen aus den 40er oder 50er Jahren kennt, die aber mit der Realität meist nichts zu tun haben.

Ich kann es gleich sagen: ich habe auf YouTube keine einzige Version gefunden, die diesem Ideal annähernd entspricht, sei es vom Bühnenbild, sei es von den Kostümen oder der Salome-Darstellerin her. Und dennoch schreibe ich so eine Liste, weil ich nichts gegen neue Versionen habe, und diese auch interessant sein können. Würde ich strikt alles, was von meiner Idealvorstellung abweicht, verurteilen, gäbe es diesen Thread gar nicht.

Es soll aber bitte hier nicht um meine Idealvorstellung, aber auch nicht um das Regietheater gehen. Mir ist klar, dass manche die von mir vorgestellten Videos nicht gut finden, aus unterschiedlichen Gründen, aber ich rede hier absichtlich nicht über irgendwelche Regiekonzepte oder Hintergründe, sondern einfach nur über den Tanz als eigenständige Nummer – Strauss hat ihn auch komponiert, als er die restliche Partitur bereits beendet hatte.
In manchen Fällen besteht das Video nur aus dem Tanz, in anderen Fällen gibt es längere Videos; da werde ich den Link so schreiben, dass, wenn man drauf klickt, man direkt an der richtigen Stelle landet und nicht erst suchen oder auf eine bestimmte Zeit springen muss.

Na gut, dann fange ich mal an:



Platz 1:


http://youtu.be/fAUTX158uyg?t=1h14m43s


Diese Version gefällt mir von allen momentan am besten. Die Beleuchtung und das Bühnenbild kommen meiner Vorstellung schon recht nahe, es ist kein helles Licht, nichts zu modernes; sie hat, wie ich finde, fast schon ein bisschen etwas Märchenhaftes.

Man hat es hier nicht mit einem klassischen Schleiertanz zu tun, aber der große Vorteil ist, dass er nicht von der Sängerin interpretiert wird, sondern von einer echten Tänzerin, und das sieht man auch deutlich, da sie sich elegant und geschmeidig bewegen kann, und nicht so ungelenk und hakelig, wie man es leider häufiger sieht. Es gibt zwar schon mehrere Stellen, die ich eher unfreiwillig komisch finde, was auch daran liegt, dass oft nicht getanzt, sondern eher „performt“
wird. Aber auch richtig gute Stellen wie diese hier:

http://youtu.be/fAUTX158uyg?t=1h21m51s

Diese Stelle gefällt mir am besten, denn man hat hier nicht das Gefühl, dass die Tänzerin sich zur Musik bewegt, sondern umgekehrt: die Musik bewegt die Tänzerin. Man merkt auch, dass jede Bewegung genau getimt und auf die Musik abgestimmt ist. Das mag vielleicht beim ersten Hören nicht so auffallen, aber wenn man sich die Details in der Musik anhört, jeden neuen Taktanfang, jeden leisen Schlag der kleinen Trommel, die Glissandi-Schübe der Cellis, und dazu die Details in den Bewegungen ansieht, dann hat das schon was. Ich kann mich natürlich irren, aber da habe ich auch das Gefühl, dass der Choreograph sich die Partitur genau angesehen hat. Diese Bewegungen zu dieser Musik finde ich auch wesentlich erotischer als reine Nacktheit (die es in dieser Version übrigens nicht gibt).




Platz 2:


http://www.youtube.com/watch?v=JNgniBjT3RI


Hier handelt es sich um eine Probe, allerdings schon im Opernhaus, mit Kostümen und Bühnenbild, sowie vollem Orchester – ab und zu ruft der Regisseur noch hinein.

Auch diese Version gefällt mir, besonders im Vergleich zu anderen Versionen, sehr gut; abgesehen davon, dass Nicola Beller Carbone eine tolle Figur hat, kann sie sich gut bewegen. Die Choreografie geht m.E. manchmal doch an der Musik vorbei, aber es wird viel mit großen, halbdurchsichtigen Tüchern getanzt, und gegen Ende wird es sogar spannend – die Nacktheit am Ende wird dabei, wie ich finde, recht fantasievoll inszeniert, alles andere als voyeuristisch oder obszön.
Leider gibt es hier keine „Bauchtanz-Einlagen“ wie im Video auf Platz 1, wirklich getanzt wird eigentlich auch nicht, aber dennoch hat diese Version was.




Platz 3:


http://youtu.be/uU1KSILnCAo?t=1h1m29s


Hierbei handelt es sich um eine Aufführung von 1996, die offenbar von einer VHS überspielt wurde, dennoch ist die Qualität absolut in Ordnung.

Die Choreografie des Tanzes finde ich, ganz ehrlich gesagt, nicht wirklich gelungen. Meistens habe ich das Gefühl, dass dem Choreografen nicht wirklich viel eingefallen ist, spannend finde ich ihn nicht,
Der Grund, wieso dieses Video auf Platz 3 landet ist folgender:

Hier gibt es sehr schön und stimmungsvoll ausgeleuchtete Kulissen, die zwar nicht partiturgetreu sind, aber dennoch sehr gut zu der Oper passen (inkl. Fackeln und Zisterne im Boden), die Kostüme gefallen mir, und auch die Salome-Sängerin hat schwarze Haare und sieht recht jung aus. Das Ganze wurde auf einer Freiluft-Bühne aufgeführt, nach Einbruch der Dunkelheit, was sicher auch gut dazu passt, aber ob das jetzt im Freien oder im Opernhaus aufgeführt wird ist dann doch zweitrangig.

(Für das Thema dieses Threads ist es nicht weiter wichtig, aber nebenbei: ich habe überlegt, und denke, dass Strauss diese Oper vielleicht eher für das festlich geschmückte Opernhaus geschrieben hat. Strauss war ein toller Instrumentalist, und er hätte der Salome garantiert eine wundervolle, ausgedehnte Ouvertüre voranstellen können, die das Opernpublikum aus ihrer Wirklichkeit abgeholt und in die orientalische Schwüle einer zeitlich wie geografisch weit entfernten Geschichte entführt hätte. Eine Ouvertüre, die diese Atmosphäre Stück für Stück aufgebaut hätte.
Aber genau das hat Strauss nicht gemacht, so als ob es keine zeitliche und räumliche Distanz zwischen Publikum und der Handlung auf der Bühne geben sollte. Man sitzt also in diesem festlichen Opernhaus, und ist dann ganz plötzlich auf der Geburtstagsfeier von Herodes, ohne dass eine Ouvertüre vorher als eine Art musikalische Zeitmaschine fungiert hätte. Wenn die Oper nun im Freien aufgeführt wird, dann wirkt die Atmosphäre vielleicht schon ein bisschen „orientalisch“ durch den Nachthimmel, den Mond etc.; auf jeden Fall hat man kein Opernhaus, nichts festliches.)






Salome-Tänze, die nicht von Strauss sind


Natürlich gibt es nicht nur die Oper, sondern auch das Theaterstück von Wilde, sowie verschiedene Interpretationen des Tanzes, oder andere Geschichten, in denen er vorkommt. Auch hiervon habe ich mehrere gesehen, werde aber kein Ranking machen, weil ich bis auf eine Ausnahme, die ich gleich als erstes nennen werde, bislang alle recht enttäuschend fand.

Eine ganze Zeit dachte ich, dass mir nur die Strauss-Version des Tanzes gefallen würde, und mir keine andere Musik dazu vorstellen könnte, bis ich diese Version hier gesehen habe:


https://i.ytimg.com/vi/zIoL4SkN2XU/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=zIoL4SkN2XU


Es handelt sich dabei um einen Tanzfilm von 2002 unter der Regie von Carlos Saura.

Zuerst zur Musik: ich finde sie echt gelungen! Es ist ein ganz eigenständiges Stück, keinerlei Anspielungen oder Anleihen bei Strauss. Das Stück beginnt sehr ruhig, mit einem langsamen Rhythmus verschiedener Trommeln (welche Trommeln das sind kann ich leider nicht sagen, aber mich interessiert es!), unterschiedliche Instrumente spielen Soli, und nach und nach steigert sich das Stück, wird schneller, lebhafter, immer mehr Instrumente kommen hinzu, und erst ganz am Ende wird es wild und entfesselt, wo die Musik vorher immer noch irgendwie kontrolliert war. Ich höre das Stück sehr gerne, es hat schöne Melodien, ist sehr rhythmisch, spannend, und es gibt kleine Spielereien, wie etwa das plötzlich stark anschwellende Streicher-Crescendo, das punktgenau aufhört, bis das nächste Soloinstrument weiterspielt.
Und sehr schön finde ich, dass keine elektronischen Instrumente verwendet wurden (zumindest höre ich da keine). Ich höre auf jeden Fall unterschiedliches Schlagwerk, eine akustische Gitarre, Blasinstrumente und Streicher.
Abschließend bleibt noch zu sagen, dass das Stück eine schöne Mischung aus orientalischer Musik und spanischer Flamencomusik ist.

Aber nicht nur musikalisch, auch die Interpretation des Tanzes (durch die Spanierin Aída Gómez) finde ich hier besonders gelungen! In diesem Tanzfilm gibt es keine aufwändigen Kulissen, keine Paläste, Treppen, Fackeln etc., stattdessen stets eine sehr stimmungsvoll ausgeleuchtete Bühne. Und auch beim Schleiertanz sind die Grundbedingungen eigentlich ziemlich einfach: mehrere Leute sitzen in einem großen Kreis, und Salome befindet sich darin und tanzt. Und dennoch wird er zu keinem Zeitpunkt langweilig, sondern bleibt immer spannend und faszinierend! Was das Tanzen angeht habe ich wenig Ahnung, aber wie schon in der Musik gibt es auch optisch eine Mischung aus „Bauchtanz“ (d.h., zumindest erinnern mich manche geschmeidige, fast schlangenartigen Bewegungen daran) und vereinzelt Flamenco-Passagen, wo mit den Schuhen geklopft wird.
Abgesehen davon, dass ich schon die Choreografie gelungen finde, gibt es auch etwas ganz wichtiges, nämlich, dass auch das Spiel mit der Mimik, die ich besonders wichtig finde. Was nützt einem der beste Tanz, wenn das Gesicht dabei abwesend wirkt, oder man das Gefühl hat, dass da nur eine einstudierte Choreografie runtergetanzt wird? Nein, hier wird auch viel mit der Mimik gearbeitet, die Art, wie sie Herodes ansieht, scheint irgendwie ganz zu Salome zu passen: verführerisch, aber auch verschlagen und überlegen.

(Nebenbei, ich habe erst kürzlich auf YouTube ein Video gesehen, wo es um Burlesque-Tänzerinnen ging, und da gab es verschiedene Frauen, die sich um eine Stelle beworben haben. Da wurde dann öfter kritisiert, dass sehr gut getanzt wurde, aber etwas sehr wichtiges fehlte, nämlich das Spiel mit dem Publikum; dass man ins Publikum sieht, die Art, wie man dreinschaut etc. macht erst eine gute Vorführung aus)
Das einzig negative an dieser Version für mich ist, dass die Salome-Darstellerin rein optisch doch weit über 30 ist, was man in manchen Einstellungen auch deutlicher sieht. Das wertet den tollen Tanz keineswegs ab, aber gerade bei einem Tanzfilm, wo es nicht auch auf eine gute Stimme wie in der Oper ankommt, hätte man sicher auch auf eine jüngere (oder jünger aussehende) Tänzerin zurückgreifen können. Aber das ist natürlich Geschmacksfrage. Mich stört nicht das Alter an sich, es geht mir rein um die Illusion. (Wäre fast auch ein Thema für meinen Thread „Physiognomische Differenzen zwischen Rollentypus und Darsteller“.
„Negativ“ finde ich zudem, dass das Stück viel zu kurz dauert – aber das spricht ja FÜR diesen Tanz, nicht dagegen ;)


___

Eine andere Version finde ich ebenfalls unbedingt erwähnenswert, obwohl es sich gar nicht um eine Salome-Verfilmung handelt. Es ist der Film „King of Kings“ von 1961.

https://i.ytimg.com/vi/wsmBR4OE0nk/mqdefault.jpg

http://youtu.be/wsmBR4OE0nk?t=2m12s


In diesem Film gibt es ebenfalls einen Tanz der Salome, zu dem ich auch einiges sagen möchte.
Die Grundvoraussetzungen sind (für meinen Geschmack natürlich) eigentlich vielversprechend: die Kulissen sehen tatsächlich aus wie ein Palast, auch die Kostüme passen sehr gut dazu. Hinzu kommt, dass die Salome-Darstellerin Brigid Bazlen rein optisch für mich eigentlich schon perfekt wäre, und tatsächlich war sie auch erst 17, eventuell sogar 16 Jahre alt. So stelle ich mir eine Salome eigentlich vor.

Und natürlich die tolle Musik von Miklos Rozsa, die aber leider vom Regisseur für den Film gekürzt wurde!

Doch: die Choreografie des Tanzes ist mehr als enttäuschend, ebenso die ungelenke Darbietung desselben, und auch das vorher schon erwähnte Spiel mit der Mimik fehlt vollkommen. Die Interpretation ist für mich zwar kein totaler Verhau, aber ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was Herodes daran gefunden hat!
Dennoch ist diese Version für mich auf jeden Fall erwähnenswert, wegen der wirklich gelungenen Musik sowie den Rahmenbedingungen, die für meinen Geschmack eigentlich fast perfekt sind.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (01.02.2015, 02:30):
Gerne :)

Normalerweise mache ich mir absolut nichts aus Tanzfilmen oder gar Ballett, aber diesen Film konnte ich mir als einzigen ganz ansehen.

Die Musik gefällt mir auch sehr gut!

Aber ich denke, dass Strauss nicht wirklich daran gelegen war, dass sein Schleiertanz völlig orientalisch klingt, dafür ist schon sein Orchester viel zu üppig, und die Instrumente zu "modern". Bei der Strauss-Version habe ich eher das Gefühl, dass das orientalische eher ab und zu durchschimmert (Oboen-Solo zu Beginn, oder wenn Harfen und Celesta die Flöten und Geigen begleiten, wo sie das Verführungsmotiv spielen).



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (03.02.2015, 21:20):
Die Version kenne ich, habe sie mir aber jetzt noch einmal angesehen, um Genaueres darüber sagen zu können.

Lobenswert fand ich, auch wenn ich das Bühnenbild nicht so toll finde, die stimmungsvolle Beleuchtung, das Blau des Hintergrundes, und die Beleuchtung vorne. Ich finde, in so einem Licht (das Stück spielt eigentlich in der Nacht, im hellen Mondschein) kommt die Musik noch viel besser zur Geltung.

Zum Tanz selber: ich finde ihn von vorne bis hinten enttäuschend. Das ist nicht böse gemeint, aber getant wird hier nicht. Die meiste Zeit läuft die Sängerin in großen Bögen in den Hintergrund und wieder nach vorne, oder weht mit einem Tuch in der Luft herum. Auf mich wirkt das Ganze auch ziemlich einstudiert, als ob sie jetzt denkt "Ok, jetzt muss ich mich auf den Boden setzen und mich einmal rollen, dann aufstehen und dorthin gehen".

Vor allem aber habe ich das Gefühl, dass die Bewegungen, die Aktionen auf der Bühne völlig an der Musik vorbei gehen. Die Musik hat ja ihre eigene Dramaturgie, laut, leise, schneller, langsamer, dissonant oder melodiös, zierlich-tänzelnd oder pompös-schmetternd. Von dieser Dramaturgie habe ich im Tanz leider gar nichts bemerkt.

Die Nacktheit am Ende ist aber gut in Szene gesetzt, nicht voyeuristisch oder gar ordinär, und das ist auch lobenswert, dass sie das macht, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn der Tanz gepasst hätte, dann ist die Nacktheit gar nicht so wahnsinnig wichtig :)

Danke für den Hinweis auf jeden Fall, trotz der 240p war da im dunklen Raum und bei Vollbild doch einiges an Stimmung :)

Wie gefällt dir dieser Tanz?

Bei Interesse kannst du mir ja auch andere Versionen zeigen :)



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.02.2015, 21:08):
Hab mir das Dresden-Video gerade angesehen.

Das ist tatsächlich bei weitem schlimmer als das vorige Video, wo zumindest ansatzweise so etwas wie tänzerische Bewegungen zu sehen waren, abgesehen von der atmosphärischen Beleuchtung.

Völlig an der Musik vorbei inszeniert. Ich frage mich, wieso die Musik da überhaupt noch läuft, wo es offenbar eh nur um die Figuren auf der Bühne geht. Aber bitte.

Ja, man muss auch sagen, dass selbst WENN es einen echten Tanz gibt, sicher nicht alle Sängerinnen das gut hinbekommen würden - es gibt ausgebildete Tänzerinnen, und es gibt Sängerinnen, die einen auf jung machen und sich da eher ungelenk verbiegen. Sowas finde ich dann auch unfreiwillig komisch.

Eine Schande ist es, wenn man eine Sängerin hat die auch gut tanzen kann, die Regie das aber nicht ermöglicht. Annemarie Kremer, die von 2011-13 die Salome an der Volksoper Wien sang, meinte in einem Interview, dass sie gerne, weil sie ausgebildete Tänzerin ist, einen Bauchtanz gemacht hätte, in dieser Regiearbeit aber nicht dazu kam. Schade!



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (04.05.2015, 01:23):
Das Jahr 1990 war ein schönes Jahr, an das ich gerne zurückdenke.

Dass nicht alles schön war beweist dieser Tanz von Catherine Malfitano.

https://i.ytimg.com/vi/Ktmvi3JZkxc/mqdefault.jpg

https://youtu.be/Ktmvi3JZkxc?t=1h37s



Was soll man dazu sagen?

Die gesamte Choreografie ist eine einzige Abfolge von Verrenkungen, Zuckungen, und erinnert stellenweise an das Tele-Gym. Manche Bewegungen sind dabei so peinlich, dass ich es vor lauter Fremdschämen nicht mal unfreiwillig lustig finden kann.

Nun war Malfitano zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 42 Jahre, leider sieht sie aber noch wesentlich älter aus, besonders in den Nahaufnahmen erkennt man das deutlich.

Schlimmer noch fand ich ihr von Anfang an durchsichtiges "Kleid", unter dem sie komplett nackt ist, und das einem Einblicke gewährt, die ich echt nicht sehen will ... was etwa auf einem Gemälde a la Moreau fantasievoll wirkt, funktioniert in der Praxis m.E. nur bedingt.
Was bringt es, knapp 10 Minuten lang einen quasi nackten Körper zu zeigen? Wo ist die Spannung, wo die Fantasie?

Schade, denn besonders das Kostüm und der Darsteller des Herodes sind wirklich sehr gut getroffen!





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.05.2015, 16:25):
Eine neue Version, die ich hier zeigen möchte:

https://i.ytimg.com/vi/gJQPAEcQGKk/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=gJQPAEcQGKk



Eine für mich absolut enttäuschende Variante!

In diesem Tanz wird nicht getanzt, sondern (wie leider so häufig auf den Bühnen zu sehen) nur herumgerannt und gerollt und verrenkt.

WENN dann mal ansatzweise getanzt wird, dann aber NIE mit der Musik zusammen, im Rhythmus, sondern völlig dran vorbei.

Nein, hier wird der Tanz zu einer Art Schauspiel, es könnte direkt eine Stummfilmszene sein. Inszenatorisch bietet sie den ebenfalls schon ziemlich ausgelutschten Ansatz, dass Salome ein Missbrauchsopfer von Herodes ist.

Anfangs hat sie eine Kinderpuppe, und Herodes möchte sich ihr (Salome, nicht der Puppe) immer wieder annähern. Dann zieht sie sich ein Ballkleid an, tanzt mit ihm Walzer, um es sich am Ende wieder auszuziehen, während im Hintergrund eine riesige Glühbirne zu sehen ist.

Während des langsamen Walzers, der im Tanz von Strauss vorkommt, tanzen Salome und Herodes tatsächlich einen Walzer, jedoch ohne jedes Taktgefühl. Ob das beabsichtigt war oder nicht - es passt einfach nicht.

Man merkt eigentlich auch, dass sich der Choreograf nur auf bestimmte Punkte in der Musik konzentriert hat, nämlich dann, wenn es laute Tuscher gibt; dann fällt entweder ein Kleid zu Boden oder ähnliches.

Ich meine, wenn schon ein Regisseur und/oder der Choreograph meint, dass Salomes Schleiertanz NUR eine musikalische Befindlichkeitsstudie ist, und kein Tanz mehr, dann sollte doch die Dramaturgie auf der Bühne irgendwie zur Musik passen.
Doch hier kommt es mir so vor, als hätte der Regisseur gesagt: "Ah, jetzt wird die Musik dramatischer, jetzt lasse ich Herodes sich an Salome annähern, jetzt baue ich was mit sexuellem Missbrauch ein", und "So, jetzt ist die Musik etwas fröhlicher, jetzt lasse ich Salome sich Herodes entziehen und weglaufen", usw.

Für mich wirkt das ziemlich plump. Der Tanz besteht ja mehr oder weniger aus mehreren Abschnitten, die fließend ineinander übergehen. Wenn ein Regisseur nun jeden Abschnitt mit einer neuen Szenerie, mit einem neuen Mini-Stück auf der Bühne inszenieren möchte habe ich kein Problem damit, aber dann sollte es doch spannender und besser gemacht sein als einfach nur "Düstere Musik - also düstere Handlung auf der Bühne".


Nach dem ganzen Genörgel aber auch etwas Gutes: die Tonqualität ist wirklich sehr, sehr gut, wenn sie auch nur in 480p vorliegt; besonders die große Trommel habe ich bislang noch in keiner Aufnahme so wuchtig herausgehört, doch auch die Pauken müssen sich da nicht verstecken. Mein Tipp: unbedingt mit Kopfhörer anhören!




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (19.05.2015, 13:48):
Eine neue Version:

https://i.ytimg.com/vi/bL2fGdfG3X0/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=bL2fGdfG3X0



Diese Inszenierung lief auch damals in der Wiener Volksoper.


Was passiert während diesem Tanz nun? Salome steht am Fenster eines Gebäudes im Hintergrund, wirft ein rotes Tuch heraus, verlässt das Gebäude, wird von den herumstehenden Männern kurz bedrängt, wälzt sich mit dem roten Tuch herum, wird wieder bedrängt und ihre Kleidung teilweise in Stücke zerrissen.

Dazwischen kreist Salome ab und zu mit einem Bein in der Luft, a la Seniorengymnastik.

Getanzt wird auch nicht, und Annemarie Kremer, die damals die Salome spielte und in einem Interview zu dieser Stelle der Oper befragt wurde, meinte auch, dass sie es schade findet, dass sie nicht zeigen kann, was sie als studierte Tänzerin draufhat.

Da ist mir die Version im vorigen Post noch lieber, weil da zumindest irgendwas passiert. Aber das hier sind knapp 10 Minuten gähnende, uninspirierte Langeweile. Auch musikalisch nichts Besonderes, keine Überraschungen, sondern durchschnittliche Kost.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (19.05.2015, 19:41):
Auweh, ja, die Verson kenne ich.

In meiner Nummer 1 meines ersten Postings singt die Caballe ebenfalls, dort aber tanzt jemand anderer.

Ich finde es ehrlich gesagt auch keineswegs sexistisch, wenn man auf der Bühne halbwegs passende Rollen sehen möchte, immerhin gilt das ja auch bei Männern: wenn der Max im Freischütz ziemlich beleibt ist und aussieht wie Mitte 40, glaubt man ihm dann, dass er "klimmt wie eine Gemse"? usw. usw.

Danke für den Hinweis :)




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (28.05.2015, 16:28):
1992 sang Maria Ewing die Salome, davon gibt es auch einen Mitschnitt.

https://www.youtube.com/watch?v=x3jF3g4KBbw


Positiv finde ich an dieser Szene nur die stimmungsvolle Beleuchtung. Das Bühnenbild ist zwar recht karg, aber wenigstens gibt es einen Mond, und auch das Kostüm von Herodes ist alles andere als modern.

Dieser Tanz ist für mich stinklangweilig, und da nutzt die Nacktheit am Ende (Respekt an Frau Ewing dafür) auch nichts.

Die ersten 4 ½ Minuten passiert nichts anderes, als dass Salome zweimal in ein großes Tuch eingewickelt wird, das sie sich dann wieder abstreift. Dann wird das Tuch zweimal gespannt, und Salome rollt darauf herum.

Bei der Bewegung bei 3:22, wo Salome ein Tuch als Quasi-Peitsche benutzt, habe ich schmunzeln müssen, weil es so dämlich aussah.

Ansonsten tanzt Salome nicht herum, sondern bewegt hauptsächlich ihre Arme.
Am Ende geht sie um die Zisterne herum und wickelt dabei ein Tuch ein.

Ja, das ist alles sehr verführerisch, sehr erotisch, und Herodes hatte - wenn er nicht schon eingeschlafen ist - sicher auch viel Spaß an dieser Darbietung.

Nein, ernsthaft: was soll das sein? Über Ewing kann man geteilter Meinung sein; ich persönlich finde, dass sie hier eine zu große Ähnlichkeit mit Michael Jackson hat, und ihre permanente starre Mimik lässt mich daran zweifeln, ob Herodes wirklich so großen Gefallen daran findet.
Ein völlig einfallsloser Tanz, bei dem durch langsame Bewegungen Zeit geschindet wird; dazu trägt Salome mehrere Gewänder wie aus Großmutters Klamottenkiste - man kann den Geruch von Stoff und Mottenkugeln direkt riechen.

Es gab und gibt sicher großartige Tanzeinlagen - eine Schande, dass die nie für die Ewigkeit festgehalten wurden und verloren sind, solche Tänze aber konserviert wurden ... vermutlich, weil die Sänger ja berühmt sind.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (06.06.2015, 14:41):
"https://www.youtube.com/watch?v=Xtxm3nVv-7U"



Ich schreibe schnell diesen Bericht hier, weil ich nicht weiß, wie lange der Film noch auf YouTube verfügbar sein wird.

Al Pacino meinte 2013, er möchte Wildes Stück "Salome" verfilmen, er selbst übernahm die Rolle des Herodes.

Ich habe mir den Film angesehen; es geht in diesem Thread nur um die Tänze, deswegen nur ganz kurz - ich fand ihn grottig. Pacino, den ich sonst sehr mag, finde ich sehr schwach, die ganze Ausstattung, die Kostüme, einfach alles gefällt mir nicht. Viele werfen ihm auch vor, dass er sich hier nur selbst präsentieren wollte. Keine Ahnung

Nun aber zum Tanz.

Die Szenerie wird für denselben rot ausgeleuchtet, was ich durchaus stimmungsvoll finde. Aber der Tanz selber ...

Zuerst einmal finde ich, dass er viel zu kurz ist. Er hat keinerlei Dramatik, keine Spannung.

Die Choreografie ist m.E. ebenfalls mehr als enttäuschend. Zu Beginn verhüllt sich Salome kurz mit einem Schleier, lässt diesen dann fallen, um in weiterer Folge nur mehr pseudo-Bauchtanzmäßig mit dem Körper zu zappeln.

Dann fällt plötzlich das Oberteil, und Salome tanz noch kurz mit nacktem Oberkörper weiter, bis sie auf dem Boden zu liegen kommt. Ein richtiger Tanz ist das eigentlich nicht, da kann auch ein halbnackter Körper nichts rausreißen, denn der ist (für mich) nicht so wichtig wie eine gute Dramaturgie.

Was ich wiederum gut fand war, dass man während des Tanzes ab und zu auch Herodias zeigt; das geht mir bei vielen Mitschnitten aus der Oper doch verloren.

Und noch eine Kleinigkeit: ich habe ja schon in einem früheren Beitrag hier erwähnt, dass (zumindest für mich) auch die Mimik sehr wichtig ist. Eine Tänzerin kann noch so gut sein, wenn sie mit dem Gesicht gelangweilt dreinschaut, oder geistig abwesend, dann ist es doch irgendwie langweilig. In diesem Tanz nun gab es eigentlich nur eine Stelle, wo so etwas passiert, nämlich wenn ein Schleier fällt und man Salomes Gesicht darüber sieht, wie sie Herodes anschaut.

Ansonsten findet hier mit dem Gesicht nicht wirklich viel statt.


Aber jetzt noch zur Musik. Da der Tanz leider nur sehr kurz dauert, hat auch die Musik keine Möglichkeit, eine Dramaturgie zu entwickeln. Er beginnt bereits in einem schnelleren Tempo, man hört exotische Klänge, vor allem die Trommeln sind sehr dominant.

Kurz darauf mischen sich rechts die Streicher dazu, links irgendein für mich undefinierbares Instrument, das Tempo wird nochmal schneller - und das wars. Ich bilde mir auch ein, dass in diesen Soundtrack auch ein modernes Schlagzeug eingebaut wurde, trotzdem fand ich ihn (wie auch den Tanz) ziemlich langweilig.

Er beginnt im schnellen Tempo, wird plötzlich noch schneller, und klingt für mich irgendwie synthetisch, kaputtproduziert im Studio, unnötig bombastisch und, so meine ich, statisch. Besonders einfallslos fand ich das immer wieder zu hörende kurze Crescendo des Beckens (das am Schlagzeug :wink)

Ich kann da wirklich nur die Version von Carlos Saura empfehlen, aus meinem ersten Beitrag: kein Bombast, spannende Musik, spannende Dramaturgie, und auch viel Abwechslung.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (12.06.2015, 22:47):
Nun eine relativ aktuelle Version des Tanzes, von 2011.

https://i.ytimg.com/vi/mQsqG8uPDho/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=mQsqG8uPDho



Karita Mattila spielt hier die Salome.

Was soll ich dazu sagen? Nein, nein, nein, nein, nein, NEIN!

Mattila war zum Zeitpunkt der Aufnahme 51 Jahre alt, und ldikó Komlósi, die ihre Mutter Herodias spielt, nur ein Jahr älter.

Optisch funktioniert das einfach nicht. Klar, keine Salome-Darstellerin muss aussehen wie 14 oder 15, aber DAS geht ja wirklich nicht.

Getanzt wird auch hier nicht, und wenn mal kurz die Hüfte geschwungen oder ein Bein hochgestreckt wird, dann sieht das sehr hakelig und unbeholfen aus.

Vom Alter der Salome einmal abgesehen, finde ich auch die Choregrafie hier reichlich einfallslos. Salome geht herum, wird ein paar Mal von zwei Männern in die Höhe gehoben, und entledigt sich dabei ihrer Kleider, einer Art Business-Anzug oder so. Dazwischen macht sie pseudo-verführerische Posen, stellt sich etwa zwischen zwei Stangen, hält diese fest und wirft den Kopf hin und her, wie in einem 80er Jahre Metal-Videoclip.

Für mich ist das alles noch nicht mal unfreiwillig komisch, und da die Darstellerin auch nicht mehr die Jüngste ist, hat das für mich etwas von "Oma wills nochmal wissen".
Nicht böse gemeint, aber ein Jochanaan, der aussieht wie 50, wäre ebenfalls irgendwie daneben, weil die Figur ziemlich jung ist.

Am Ende des "Tanzes" zeigt Mattila ihren nackten Oberkörper, das heißt, sie zeigt ihn, aber man sieht ihn auf der DVD nicht.

Dazu habe ich eine Erklärung gefunden:



The decision not to show the nudity came from Met general manager Peter Gelb, who, the spokesman said, "decided early on that the 'Salome' broadcast would not feature nudity."

Ja, echt schlimm, nackte Brüste! Weg damit!

The spokesman added that the Met markets its HD broadcasts as family-friendly events and that Gelb and the creative team are treating the scene in a way that is sensitive to the artists while still being true to the original piece.

Für mich ein Grund, NIE die Met zu besuchen! Und auch keine weiteren DVDs bzw. BluRays zu kaufen.

"Family-friendly"?? Wenn in einer HUG-Met-Inszenierung eine Hexe lebendig in einem Ofen brät und man ihr dabei zusehen kann, wenn lauter Kinder aufgehängt auf Fleischerhaken in einem Kühlraum hängen, dann ist das ok, aber wenn man für 2 Sekunden nackte Brüste sieht, möchte man die Kinder davor verschonen?

Salome ist keine Kinderoper, so wie das Stück von Wilde auch nicht für Kinder gedacht ist. Und dann kommt da so ein Sittenwächter daher und redet von "family-friendly"?

Bitte nicht falsch verstehen, ich persönlich bin nicht wirklich interessiert an der halbnackten Frau Mattila, aber es geht mir um´s Prinzip.

Zum Vergessen.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (22.04.2016, 12:27):
Hier habe ich eine Version des Teatro Massimo in Palermo, aus dem Jahr 2005. Die Inszenierung stammt von Antonio Calenda, die Salome wird von Janice Baird gespielt.

https://i.ytimg.com/vi/v7gF6fA2tpI/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=v7gF6fA2tpI


Gleich zu Beginn sieht man das volle Bühnenbild, das zwar nicht den Regieanweisungen Wildes entspricht, aber auch keine Verlegung in irgendeine Zeit darstellt. Das Bühnenbild würde wohl auch Joachim Kaiser gefallen, der meinte, dass er es besser findet, dass man Opern nicht in eine andere Zeit verlegt, sondern WENN man sie ändert, sie eher zeitlos und neutraler gestaltet.

Besonders gut gefällt mir, wie stimmungsvoll es ausgeleuchtet ist, was eine unwirkliche, erdrückende Atmosphäre schafft, so wie die Musik von Strauss.

Auch der große Mond im Hintergrund ist ok, ein bisschen störend finde ich aber, dass er während des Tanzes sich langsam verdunkelt, wo die Mondfinsternis eigentlich erst nach der Enthauptung von Jochanaan einsetzt und drohendes Unheil ankündigt.

Umso enttäuschender finde ich die Choreografie des Tanzes selber. Sie besteht hauptsächlich daraus, dass Salome mit ihrem herumweht und von einer Seite zur anderen geht. Irgendeine Form von Dramaturgie oder gar Spannung ist da nicht, weder die Bewegungen noch die Choreografie als Ganzes passen zur Musik.

Bei 4:30 muss die Sängerin sich lasziv auf den Rand der gewaltigen Treppe legen, rutscht dabei aber ab und versucht das zu kaschieren.

Ab 4:50 liegt sie auf dem Rücken und drückt ihr Becken in die Höhe (eine Tanzbewegung, die man öfter in Inszenierungen sieht), doch hier sieht es sehr ungelenk aus, davon abgesehen, dass auch diese Bewegung nicht zur momentanen Musik passt.

Ebenfalls peinlich ist die Choreografie (nicht die Sängerin, die ja nichts dafür kann!) kurz darauf, als Salome liegend die Treppe herunterrollen muss. Soll vermutlich erotisch sein, sieht aber nur eigenartig aus.

Bei 7:00 kommt der einzige gute, kreative Einfall: Herodes gibt Salome sein Weinglas, aus dem sie trinkt. Die Idee finde ich deswegen gut, weil sie a) Herodes frühere Bitte, aus dem Glas zu trinken, wieder aufgreift und b) durchaus berechnend ist, um den Tetrarchen noch mehr anzuheizen, um hinterher zu bekommen, was sie will, und c) weil ich diese Idee noch in keiner anderen Inszenierung gesehen habe.

Danach folgen noch einige ebenfalls ungelenke und unrhythmische Bauchtanzversuche, bevor das Spiel ein langweiliges Ende hat.

Ich gebe der Sängerin da keine Schuld daran, aber es gibt Tänze, die wesentlich fantasievoller und einfallsreicher sind. Dazu muss man auch keine ausgebildete, gelenkige Tänzerin sein. Aber 9 Minuten lang mit Umhängen herumwedeln ist ein bisschen wenig.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.04.2016, 13:05):
https://i.ytimg.com/vi/2O6vwDy4tgE/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=2O6vwDy4tgE


Wieder eine Version, die man in die heutige Zeit verlegt hat, und auch der Tanz ist kein Tanz, sondern eher eine Art Pantomime.

Salome trägt einen langen Mantel und darunter nur einen Unterrock und einen BH, und ist auf dem Oberkörper ordentlich tätowiert.

Der Tanz selbst ist einfallslos und langweilig; mal macht sie Gymnastikübungen mit einem Ball, dann wird sie von zwei Männern in die Höhe gehoben, wo sie posiert, dazwischen dreht sie sich immer wieder einmal herum oder sitzt auf dem Boden.

Beim Walzer-Teil zieht sie sich ein weißes Kleid an und tanzt mit Herodes, der ihr ständig nachtstellt.


Völlig an der Musik vorbei, uninspiriert und langweilg.

(Nebenbei, der Account gehört offenbar der Sängerin selbst - die Kommentar- UND die Bewertungsfunktion sind deaktiviert ... auch steht in der Beschreibung nichts darüber, in welchem Haus unter welchem Dirigenten gespielt wurde)




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.04.2016, 22:03):
https://i.ytimg.com/vi/NgKsxlCNnbA/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=NgKsxlCNnbA


Diese Version ist eine der langweiligsten, die ich bis jetzt gesehen habe, denn hier stimmt für mich überhaupt nichts mehr, und ich kann auch leider nichts loben, und sei es nur ein kurzer Regieeinfall, wie etwa der Schluck aus dem Weinglas in meiner vorletzten Besprechung.

Das Bühnenbild ist schon sehr eigenartig, eine Mischung aus industriell-abstrakt, modern, und dabei doch stark an Videoclips aus den 80er Jahren erinnernd. Ich weiß nicht, von wann diese Aufnahme ist, die Bild- und Tonqualität ist nicht die beste.

Die Salome ist eindeutig zu alt, und der „Tanz“ besteht hier aus seltsamen Verrenkungen und Zuckungen, aus Herumlaufen und Herumgehen, sie geht eine Treppe hoch und legt ein Bein über das Geländer, zieht sich einen Schuh aus, wedelt damit herum und wirft ihn dann den Männern zu. Das alles ist so monoton und langweilig, getanzt wird nicht, die Performance passt nicht zur Musik – mir tun die Musiker leid, die sich im Graben Mühe geben, und ihre Musik dann SO bebildert bekommen …
Die Inszenierung stammt von Harry Kupfer, die Salome wird von Josephine Barstow gespielt, aufgenommen wurde das Ganze, laut Infotext, in der De Nederlandse Opera.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (26.04.2016, 12:48):
Danke erst einmal für deine Kritik!



Original von Zefira
ich kann immer noch die meisten Links nicht sehen, nicht weil ich den Standort Deutschland habe, sondern weil sie gelöscht wurden. Da hilft mir leider keine App ;o)

In manchen Fällen kann es leicht sein, dass das Video inzwischen wieder gelöscht wurde, beim Pacino-Film ist das etwa der Fall. Ich habe schon angesucht, den Thread überarbeiten zu dürfen, damit er übersichtlicher wird, gleichzeitig möchte ich auch, wo ich kann, die Links aktualisieren.


Wie auch immer, was ich eigentlich sagen wollte: den letzten Link habe ich mir angesehen.
Ich bin mir nicht sicher, ob nicht das ungelenke Herumhampeln der Salome-Darstellerin genau so beabsichtigt ist.
Als Beispiel, beachte mal ihre Bewegungen und vor allem das Mienenspiel ab 3.55. Die Drehung bei 3.55 ist derart unbeholfen, das hätte sogar ich Trampeltier besser gekonnt, das kann nur Absicht sein. Und ihr Gesichtsausdruck wenige Sekunden später, nachdem sie Herodes den Schleier zugeworfen hat, zeigt deutlich, dass sie sich höchst unwohl fühlt.
Es macht ihr keinen Spaß, das ist deutlich zu erkennen.
Ab 8.20 etwa wird es ganz extrem. Sie wirkt wie eine Zwangsprostituierte, die mechanisch das abarbeitet, was man ihr beigebracht hat.
Man müsste wohl die ganze Aufführung gesehen haben, um das richtig interpretieren zu können.

Da sprichst du einen guten Punkt an.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal generell deutlich machen, dass ich keineswegs einen klassischen Bauchtanz oder so erwarte.

Mir sind nur folgende Dinge wichtig: Salome ist das ganze Stück über trotzig und macht nicht, was Herodes will. Erst als er ihr verspricht, ihr zu geben was sie möchte, tanzt sie für ihn, um hinterher eben den Kopf zu fordern.

Das sollte ein Regisseur m.E. im Hinterkopf haben: dieser Tanz ist nicht dazu geeignet, irgendwelche psychologischen Ausdeutungen oder Hintergründe zu zeigen, im Gegenteil: die ganze Psychologie steckt in der Musik! Der Tanz selbst ist nur dafür da, Herodes zu erregen, damit dieser hinterher, seinerseits sein Versprechen einlöst.

Ich habe dazu ein Zitat aus meinem "Kaisers Klassik-Kunde"-Thread (Folge 56), wo es heißt:

Er zitiert etwa Brecht, der einmal ein Stück von Moliere einstudierte und sagte: „Man darf ihn nicht verdrehen, verfälschen, schlau ausdeuten, nicht spätere Gesichtspunkte über die seinen stellen. Werke der Tradition haben ihre eigene Skala von Schönheiten und Wahrheiten, die es zu entdecken gilt“.

Der Tanz kann sehr fantasievoll sein, mit der Beleuchtung etc. spielen, es muss keine ausgebildete Tänzerin sein, die da einspringt, er kann tatsächlich klassisch sein, usw., aber mir ist besonders wichtig, dass er der Musik folgt, und nicht an ihr vorbeiläuft, und das tut diese letzte Version aber.

Nur wenn er ansprechend ist, dann ist auch glaubhaft, wieso Herodes begeistert davon ist.

Richard Strauss schrieb zwei Dinge:

Wer einmal im Orient war und die Dezenz der dortigen Frauen beobachtet hat, wird begreifen, dass Salome als keusche Jungfrau, als orientalische Prinzessin nur mit einfachster, vornehmster Gestik gespielt werden darf

Überhaupt muss sich, im Gegensatz zu der allzu aufgeregten Musik, das Spiel der Darsteller auf größte Einfachheit beschränken, besonders Herodes muss sich vor dem herumrennenden Neurastheniker darauf besinnen, dass er, als östlicher Parvenu, seinen römischen Gästen gegenüber bei allen momentanen erotischen Entgleisungen sich stets bemüht, in Nachahmung des größeren Cäsars in Rom Hal tung und Würde zu bewahren. Toben auf und vor der Bühne zugleich - ist zuviel! Das Orchester allein genügt dafür!


Man kann natürlich darüber streiten, ob Strauss mit der ersten Aussage Recht hat, oder ob er vielleicht Wildes Stück falsch interpretiert etc., aber ich denke, dass diese beiden Aussagen schon zeigen, in welche Richtung er dachte, und vor allem DASS er sich etwas dabei gedacht hat.

Wenn die Salome in der letzten Version nun irgendwelche krampfhaften Zuckungen macht, oder unbeholfen herumwirbelt, dann kann das beabsichtigt sein, aber es läuft für mich völlig an der Handlung des Stückes, dieser Szene, vorbei, und eben auch an der Musik.




LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (03.02.2015, 18:46):
Hallo Hosenrolle1,
kürzlich bin ich auf YT auf eine Version gestoßen, die ich richtig gut fand, u.a. weil mir die Darstellerin der Salome sehr gefällt (Erika Sunnegårdh, sie ist allerdings blond und für Dich somit vermutlich nicht wirklich passend :wink) und vor allem weil ich die Idee mit dieser riesigen Konvexlinse, die vermutlich auch an anderen Stellen der Inszenierung eine Rolle spielt, total faszinierend finde:

http://youtu.be/8-MDdzyKbe4

Ich nehme an, Du kennst das Video und vielleicht auch die gesamte Aufführung (von 2010), die 2014 als DVD auf den Markt kam?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51TZGLkTu1L._SL400_.jpg

LG, Rk
Rotkäppchen (05.02.2015, 20:53):
Original von Hosenrolle1
Zum Tanz selber: ich finde ihn von vorne bis hinten enttäuschend. Das ist nicht böse gemeint, aber getant wird hier nicht. Die meiste Zeit läuft die Sängerin in großen Bögen in den Hintergrund und wieder nach vorne, oder weht mit einem Tuch in der Luft herum.
Das hatte ich befürchtet, dass Du das so empfindest :wink. Es stimmt natürlich, dass es kein Tanz im engeren Sinne ist, aber es gibt diese sportlichen Einlagen, die fand ich ganz erfrischend.

Aber um zum Tanz an sich zurückzukommen: Bisher habe ich erst eine Salome live gesehen und das ist sehr lang her. Ich muss sagen, dass der Tanz wirklich das Einzige war, was mir dauerhaft im Gedächtnis geblieben ist -- insofern muss er wohl für mich eine Art Schlüsselszene gewesen sein. Ich kann mich auch erinnern, dass in dieser Inszenierung wirklich getanzt wurde. Seitdem hat es aber eine neue Salome-Inszenierung an der Dresdner Oper gegeben, und da wird überhaupt nicht getanzt und auch sonst ist es alles etwas trist (ein leerer Swimming Pool auf der Bühne und Ähnliches), wie man hier sehen kann: http://youtu.be/VP0K-WrPZAk

LG, Rk
Hosenrolle1 (04.05.2016, 01:44):
Ich habe jetzt (dank an Satie und Cantus Arcticus) diesen Thread generalüberholt, Vorschaubilder eingefügt und die Links, soweit es ging, aktualisiert.

Leider gibt es die Pacino-Version momentan nicht auf YouTube, der von mir angegebene Link steht noch dort, funktioniert aber leider nicht.

Die Maria Ewing-Version funktionierte zuerst nicht, auf der Suche nach einem alternativen Video bin ich nur auf eine kürzere Version des Tanzes gestoßen, die ab dem "Walzer-Teil" beginnt, weswegen ich auf ein Vorschaubild verzichtet habe an dieser Stelle.

Die anderen Links funktionieren alle, von ihnen habe ich auch die Vorschaubilder entnommen.

Ich habe nun (abgesehen von den o.g. beiden Ausnahmen), um den Thread übersichtlicher und einheitlicher zu gestalten, überall Vorschaubilder eingefügt, den jeweiligen YouTube-Link in fett darunter gesetzt.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (16.05.2016, 22:40):
Wer einmal im Orient war und die Dezenz der dortigen Frauen beobachtet hat, wird begreifen, dass Salome als keusche Jungfrau, als orientalische Prinzessin nur mit einfachster, vornehmster Gestik gespielt werden darf

Hallo Hosenrolle,
nachdem ich mir nun endlich eine komplette Salome angesehen habe (auf youtube), verstehe ich dieses Statement überhaupt nicht mehr.
Salomes Text ist grenzenlos exaltiert, warum sollte dann ihr darstellendes Spiel einfach und vornehm sein? Während sie einen toten Kopf küsst? Das kann ich nicht glauben.
Wenn Du eine solche Inszenierung kennst, die ich mir ansehen könnte (iauf youtube), lass es mich wissen. Wäre gespannt.

Grüße von Zefira
Hosenrolle1 (16.05.2016, 23:26):
nachdem ich mir nun endlich eine komplette Salome angesehen habe (auf youtube), verstehe ich dieses Statement überhaupt nicht mehr.Salomes Text ist grenzenlos exaltiert, warum sollte dann ihr darstellendes Spiel einfach und vornehm sein?


Da sprichst du einen sehr guten Punkt an!

Ich denke, es geht darum, dass die Musik sehr psychologisch ist. Erinnerst du dich an die Generalpause, als Jochanaan "Du bist verflucht" ruft? Auf einmal scheppert es im dreifachen fortissimo los, eine brachiale Basstuba schmettert da ein absteigendes Motiv, usw.

Aber wie Strauss selbst meinte, toben vor UND auf der Bühne, das ist zuviel. Viele Sängerinnen müssen während dieser Musik leider herumzucken, sich auf dem Boden wälzen, usw.

Tatsächlich aber schildert diese Musik in erster Linie psychologische Dinge - das Toben im Orchester soll zeigen, wie Salome diese endgültige Zurückweisung trifft.

Nach dieser Stelle, nachdem Jochanaan zurückgeht in sein Gefängnis, kommt ja noch ein Zwischenspiel. Die Musik beruhigt sich plötzlich wieder, um dann kurze, scharfe Blechbläser-Einwürfe zu spielen - Salome fängt sich wieder, und fasst dann einen Entschluss: man hört ein Motiv, das sehr viel später wieder zu hören sein wird, nämlich "Gib mir den Kopf des Jochanaan". Die Musik verrät hier also, dass Salome zu diesem Zeitpunkt diesen Entschluss gefasst hat.

Es gibt, wie du schon richtig sagst, Stellen, wo Salome vom Text her alles andere als vornehm ist. Sie ist da mit einer völlig neuen Lebensweise konfrontiert - jemand widersetzt sich ihr, ist nicht so leicht manipulierbar wie etwa Narraboth, usw. Sie kennt nur diese dekadente Gesellschaft, und sieht in Jochanaan vielleicht eine Art vagen Ausweg? Leider stößt sie dabei auf den Falschen, denn der ist ein fanatischer Prediger, ein frauen- und lustfeindlicher Hanswurst. Zwei Extreme prallen aufeinander.

Aber auch hier denke ich, dass Salome immer noch möglichst vornehm sein wird, denn sie möchte ja zumindest nach außen hin zeigen, wer sie ist.

Hier helfen zwei Dinge: zum einen die schon erwähnte Musik, die viel verrät, aber auch die Art des Gesanges.

Ein schönes Beispiel hat man bei den drei Versuchen Salomes, Jochanaan zu berühren. Beim ersten Versuch ist ihre Gesangslinie noch melodischer, verführerischer, nach der ersten Zurückweisung bleibt ihr Gesang noch recht melodisch, diesmal aber gespickt mit kurzen plötzlichen hohen Tönen, die nicht mehr anmutig sind. Vielleicht ist Salome hier schon drängender, gereizter. Beim dritten Anlauf wird es dann dramatischer und noch drängender, Salome sagt nur mehr "Lass mich, lass mich", von Verführung keine Spur mehr.

Die Oper "Salome" hat also, so wie ich das sehe, die Musik und den Gesang, der über die Figuren viel verrät. Natürlich soll die Prinzessin jetzt nicht ständig stocksteif und hochnäsig dastehen, das nicht. Sie kann durchaus einmal ungeduldiger werden, sich schneller bewegen etc., aber es sollte niemals so ein Gezucke und Gewälze sein, wie man es leider so häufig sieht, schon alleine deswegen nicht, weil die Musik schon so viel beiträgt, dass es nicht auch noch körperliche Verrenkungen braucht, um zu zeigen, wie eine Figur fühlt oder denkt.


Während sie einen toten Kopf küsst? Das kann ich nicht glauben.

Das ist eine Stelle, die leider NIE so gespielt wird, wie sie aufgeschrieben wurde.

Ich möchte ganz kurz die Situation schildern, wie sie in der Partitur steht; bitte versuche sie dir beim lesen irgendwie bildhaft vorzustellen.

Nach der Schlussarie sagt Herodes, dass Salome ein Ungeheuer ist, er fürchtet sich vor den Konsequenzen ... und plötzlich verdunkelt sich der Mond, Herodes bekommt noch mehr Panik, die Bühne wird ganz finster. Aus der Finsternis(!) heraus hören wir Salome singen "Ach, ich habe deinen Mund geküsst, sie sagen dasss die Liebe bitter schmecke, allein was tuts" usw., und nach ihrem letzten Satz bricht der Mond wieder hervor und beleuchtet sie (herrlich untermalt vom lauten Orchester, das Salomes Liebes-Motiv mit einer durch Mark und Bein gehenden Dissonanz spielt!), bevor Herodes den Befehl gibt "Man töte dieses Weib" und Salome von den Wachen unter den Schilden zermalmt wird.

Diese Szene ist so verdammt atmosphärisch, und von Strauss genial in Musik gesetzt worden! Wie der Mond sich verdunkelt, wie die Musik leise wird, wie Salome da mit matter Stimme singt, dass sie ihn geküsst hat .... kurz gesagt, man sieht diesen Kuss gar nicht, da er im Dunkeln stattfindet, was die Szenerie noch grausiger macht.

Leider aber machen Regisseure das genaue Gegenteil: sie zeigen den Kuss, möglichst noch mit Zunge und blutverschmiert.

Ich meine, alleine während ich diese Zeilen schreibe, und daran denke, wie es dunkel ist, Salome da singt und die Streicher dann kurz dieses herrlich gefühlvolle Motiv spielen, bekomme ich Gänsehaut. Nur durch Regieanweisungen!


Wenn Du eine solche Inszenierung kennst, die ich mir ansehen könnte (iauf youtube), lass es mich wissen. Wäre gespannt.

Was für eine Inszenierung genau?





LG,
Hosenrolle1
Zefira (16.05.2016, 23:54):
Ich meinte damit: eine Inszenierung, in der Salome sich äußerlich vornehm und dezent verhält, während sie diesen grauenvollen Text singt.

"Ich will deinen Mund küssen" wiederholt sie achtmal. Wie um Himmelswillen soll man das als "vornehme, keusche Jungfrau" darstellen? Ich versuche mir das vorzustellen, aber es geht nicht. Es handelt sich ja hier nicht um eine Barockoper, wo ständig Text wiederholt wird, sondern es ist quasi eine Oper in Echtzeit.

Ich will aber nicht auf diesem Punkt herumreiten, solange ich die Oper nicht besser kenne.
Hosenrolle1 (17.05.2016, 00:27):
Ich meinte damit: eine Inszenierung, in der Salome sich äußerlich vornehm und dezent verhält, während sie diesen grauenvollen Text singt.

Achso .... meines Wissens gibt es so etwas nicht. Wäre ebenfalls gespannt, ob jemand eine solche Version kennen. Es mag durchaus Versionen geben, wo sie stellenweise so vornehm ist, aber dann doch wieder in groteskes Stummfilm-Gezappel verfällt.

In eigentlich allen Versionen, egal in welcher Zeit, in welchem Ambiente sie spielen, läuft Salome wild herum, fuchtelt, verrenkt sich, wälzt sich, usw.

"Ich will deinen Mund küssen" wiederholt sie achtmal. Wie um Himmelswillen soll man das als "vornehme, keusche Jungfrau" darstellen? Ich versuche mir das vorzustellen, aber es geht nicht.

Naja, ich könnte mir vorstellen, dass sie nach ihm greifen möchte ... was sie ja auch einmal tut, bevor Jochanaan "Zurück!" ruft. Sie wiederholt sich hier ja nur noch, gleichzeitig aber ersticht sich Narraboth nebenher, so dass für einen Augenblick er im Mittelpunkt steht. Kurz darauf beruhigt sich die Musik und Jochanaan beginnt seine sehr melodiöse Erzählung "Er ist in einem Nachen". Während dieser Erzählung schweigt Salome, doch die Streicher spielen hier das "Lass mich deinen Mund küssen"-Motiv erneut.
Als Jochanaan fertig ist, wiederholt Salome ihre Bitte wieder, diesmal wieder etwas leiser, vielleicht so als ob sie es noch einmal im Guten versucht.

Doch nun reicht es Jochanaan - er verflucht sie und geht in seine Zisterne zurück.

Ich denke, man könnte diese ganze Szene vor allem mit Hilfe der Mimik und der Arme, der Hände spielen, mit Versuchen, Jochanaan zu berühren, verzweifelter wirken - aber niemals mit sich herumwälzen und auf den Boden schmeißen.

Es handelt sich ja hier nicht um eine Barockoper, wo ständig Text wiederholt wird, sondern es ist quasi eine Oper in Echtzeit.

Übrigens, das ist auch ein Punkt, den ich an der Oper mag: alles läuft in Echtzeit ab.
Bei aller Meisterschaft von Wagner: Strauss schafft in den ersten vier Takten der Oper (bzw. generell in diesen 1 3/4 Stunden) sofort eine Atmosphäre, eine ganze Zeit, einen ganzen Ort, wofür Wagner Stunden braucht.
Man hört nur diesen Lauf der Clarinette, und das anschließende Streichertremolo (unisono begleitet von den Flöten), und schon ist man 2000 Jahre zurückgereist, in eine schwüle Sommernacht, eine Terrasse, die vom Mondlicht durchflutet ist.

4 Takte.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (02.06.2016, 14:02):
Und natürlich die tolle Musik von Miklos Rozsa, die aber leider vom Regisseur für den Film gekürzt wurde!

Ein "Mini-Traum" ist in Erfüllung gegangen: im ersten Beitrag erwähnte ich ja den Salome-Soundtrack des Films "King of Kings", geschrieben von Miklos Rozsa.

Ich weiß nun mangels genauerer Informationen nicht exakt Bescheid über verschiedene Fassungen, Einspielungen, Kürzungen etc.

Aber soviel ich weiß schrieb Rozsa für den Tanz seine Musik, die dann aber für den Film gekürzt wurde.

Nun gibt es einen Soundtrack, der die im Film gespielte Musik beinhaltet, und einen Bonustrack mit der herausgekürzten restlichen Musik. Das ist zwar löblich, aber leider sind es zwei unterschiedliche Tracks, und der erste Track hat auch ein "offizielles" Ende, und der Bonustrack einen neuen Anfang - sie sind nicht miteinander verbunden, sondern stehen quasi für sich selbst alleine da.

Ich hätte zu gerne einmal den ganzen Tanz in einem Stück ungekürzt gehört - war aber pessimistisch, ob es davon überhaupt eine Aufnahme gibt. Und nun sehe ich: ja, es gibt sie!


https://www.youtube.com/watch?v=_sf6yeWTFAc

Die beiden auf der Soundtrack-CD getrennten Teile gehen nahtlos inenander über, es gibt keinen störenden Bruch zwischendrin.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.07.2016, 13:03):
https://i.ytimg.com/vi/WbmHXaQjj-k/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=WbmHXaQjj-k

Ein über 8 minütiges Salome-Video, es steht nichts von einem Tanz im Titel. Doch es fängt tatsächlich mit dem Tanz an - doch die Freude währt nicht lange, denn tatsächlich sind nur die ersten knapp 1:30 ein Zusammenschnitt der Performance- der Rest zeigt andere Szenen der Oper.

Sehr schade, denn obwohl ich die Kulissen (wenngleich in atmosphärisches Licht getaucht) auch hier schrecklich finde, fand ich die Choreografie recht interessant; interessant genug, dass ich gerne auch den Rest gesehen hätte. Der Choreograf scheint hier auf die Musik gehört zu haben, was für mich immer ein Pluspunkt ist.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.10.2016, 10:51):
https://i.ytimg.com/vi/poWQkqKZBgU/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=poWQkqKZBgU


Eine weitere „Verfilmung“ der Oper, in der die Stimmen vorher aufgenommen wurden, um dann Playback zu singen.

Der Tanz, der bei 55:40 beginnt, ist jedoch gepflegte Langeweile, oder vermutlich das, was man 1960 bei uns erotisch fand. Wenn man sich Burlesque-Tänzerinnen der 50er und 60er Jahre ansieht, wird man feststellen, dass es da wesentlich sinnlicher zur Sache ging – vielleicht ein Makel der damaligen Aufführungen von Opern, dass es da etwas sittsamer zugehen musste?

Maria Kouba tut eigentlich nicht viel mehr, also ein paar Mal mit den Armen in der Luft herum zu wedeln, den Fuß auf dem Boden zu kreisen, und einmal so etwas wie einen Hüftschwung zu probieren, der so holprig rüberkommt, als würde sie gerade zu einem Video mit dem Titel „Bauchtanz für Anfänger“ üben.
Die meiste Zeit verbringt sie ohnehin bei der Zisterne, um die sie bedeutungsschwanger herumschleicht, um sich dann ein paar Tücher auszuziehen und auszusehen wie die „Bezaubernde Jeannie“. Ich werd nicht mehr.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.01.2017, 03:45):
Ich habe nun Al Pacinos Schleiertanz (also nicht ER tanzt, sondern Jessica Chastain) aus seinem Film "Wilde Salome", den ich vor knapp eineinhalb Jahren hier besprach, eine zweite Chance gegeben und ihn mir noch zweimal angesehen. Momentan ist er hier verfügbar: "https://www.youtube.com/watch?v=Xtxm3nVv-7U".

Die meisten Kritikpunkte, die ich damals angeführt habe, gelten leider immer noch: der Tanz ist zu kurz, wirklich getanzt wird auch gar nicht, wenngleich es da deutlich schlechteres gibt im Vergleich, die Choreografie ist uninspiriert und einfallslos.

Meine damalige Kritik, dass mit der Mimik praktisch gar nicht gearbeitet wird, möchte ich ein bisschen korrigieren. Es wird doch mehr damit gemacht, es gibt ab und zu kurze verstohlene Blicke und mehr Mienenspiel, als ich es in Erinnerung hatte. Jedoch kommt das leider viel zu kurz, denn sobald Salome mal in die Kamera schaut (also aus Herodes´ Perspektive), wird sofort weggeschnitten und Pacino eingeblendet. Die Kamera bleibt nie lange auf ihrem Gesicht, stattdessen gibt es viel zu viele Einblendungen von Pacino, der auf ihren Tanz reagiert, bzw. eigentlich nicht reagiert, sondern nur dasitzt. Schade!

Also wie gesagt: immer noch ein zu kurzer, unspektakulärer Tanz, aber doch ein ganz klein wenig besser, als ich es in Erinnerung hatte; leider ist der Schnitt zu hektisch.



LG,
Hosenrolle1