Samson Francois

Cosima (22.03.2006, 15:37):
Samson Francois (1924-1970)

Zu Lebzeiten ist dieses Enfant terrible – außer in Frankreich und bei einer kleinen Fan-Gemeinde – nicht sehr populär geworden. Sein Werdegang gleicht dem vieler anderer Klavier spielender Wunderkinder: Erster Unterricht mit 5 Jahren, angeregt durch Alfred Cortot dann die Absolvierung von Studien in Paris, sehr schnell darauf Siege bei vielen nationalen und internationalen Wettbewerben, dann schließlich Schüler bei Marguerite Long. Nach dem 2. Weltkrieg folgten Tourneen durch Europa und die Vereinigten Staaten.

Samson Francois, der ungestüme, launische und freiheitsliebende Poet am Klavier, hatte jedoch das Pech, dass sich der Geschmack des Publikums nach dem 2. Weltkrieg plötzlich änderte – sein romantischer Stil und seine Eigenwilligkeit waren nicht länger gefragt.

Erst in den letzten Jahren sind Aufnahmen dieses Pianisten wieder populärer geworden – wie ich meine mit Recht!

Samson Francois – schon der Name klingt wie Musik, und dass er nicht nur ein interessanter Künstler, sondern auch ein hübscher Kerl war, verdeutlicht diese Cover-Abbildung :)

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000255EZ.03.LZZZZZZZ.jpg

Was haltet Ihr von diesem Exzentriker, der kaum ein Blatt vor den Mund nahm und sich einige künstlerische Freiheiten erlaubte, die seinerzeit wohl nicht dem Zeitgeschmack entsprachen?

Gruß, Cosima
Ganong (22.03.2006, 17:02):
Liebe Cosima ,
Samson Francois war sicherlich einer der interessantesten Pianisten , weil er sich nir in eine einheitliches Schema pressen liess . Sein Kosename "Scarbo" nach Ravels Gaspard de la Nuit kommt nicht von ungefähr .
Die von Dir auf dem Foto gezeigten Mazurken haben als Gesamtaufnahme wohl nur in der Einspielung durch Arthur Rubinstein einen ebenbürtigen Interpreten dieser herrlichen Miniaturen .
Zu seinen absoluten interpretatorischen Höhepunkten zählt sicherlich das f-Moll-Klavierkonzert von Frédéric Chopin ( EMI ) . Dass vorzügliche Booklet von Bryce Morrison beschreibt subtil das Wesen und die immense künstlerische Tiefe von Samson Francois .
Dass er immer mehr Alkohol etc. zu sich nahm und sich selbst physisch und psychisch zugrunde gerichtet hat , ist eine subjektive Tragödie der Einsamkeit des grossen Solisten .
Beispiele ähnlicher Art gibt es mehrere : Lass uns nur an Sofronitzky denken .
Viele Grüsse , Ganong
Rachmaninov (22.03.2006, 22:37):
@Cosima und Ganong,

Samson Francois hat bisher noch keinen Platz in meinem CD Regal!
Wie mir scheint wohl ein Fehler.

Bei Gelegenheit werde ich mir wohl die hier angesprochenen Chopin Aufnahmen einmal genauer anhören. Oder vielleicht noch warten, da EMI ja so gerne an Brillant Classix abverkauft :ignore
AcomA (23.03.2006, 12:00):
hallo,

das, was ich mit s. francois kenne, liegt interpretatorisch und manualtechnisch weit über dem internationalen standard. wie Cosima und Ganong es formulierten, etwas ganz besonderes. unten abgebildete doppel-cd kann ich bedingungslos empfehlen.

schumann - klavierkonzert a-moll op.54 (orchestre national de la radiodiff. francaise/p. kletzki, 1958)

liszt - klavierkonzerte nr.1 und 2 (philharmonia orch./c. silvestri, 1960)

prokofiev - klavierkonzerte nr.3 und 5 (philharmonia orch./w. rowicki, 1963)

prokofiev - sonate nr.7 b-dur op.83 (1961)

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005A9OF.03.LZZZZZZZ.jpg

es fällt ubiquitär eine modernekonzeption hinsichtlich klangempfinden und rhythmisch-straffer gangart auf. das ganze unterliegt dann noch einer franz.-eleganten verfeinerung. IMO trifft francois alle hier gebotenen werke exzellent. das schumann-konzert wird sehr fein musiziert. es hält auch dem lipatti-vergleich stand ! die liszt-konzerte werden nicht bedenkenlos heruntergerast sondern sorgfältig konstruiert. die 7.sonate hält russischen interpretationsmaßstäben stand. das 5. konzert wird s. richter ebenbürtig dargeboten.

gruß, siamak :engel
Cosima (25.03.2006, 11:28):
Original von AcomA
das 5. konzert wird s. richter ebenbürtig dargeboten.


Diese Aufnahme von Francois muss ich mir also dringend zulegen! Danke für den Hinweis, Siamak.

Auf Samson Francois wurde ich aufmerksam, als ich nach weiteren Aufnahme der 2. Klaviersonate von Chopin (siehe obige Abbildung) suchte. Die Mazurken, aber auch die Sonaten sind fantastisch und sehr interessant interpretiert – wie Ganong schon schrieb.

Eine weitere unbedingt erwähnenswerte Chopin-CD ist jene mit Aufnahmen der Etüden op. 10 und 25 (EMI 1959). Francois’ Debussy wurde ja auch sehr gelobt… da gibt es noch viel zu entdecken für mich.

Gruß, Cosima
Cosima (17.04.2006, 21:40):
Weil ich gerade etwas daraus höre, möchte ich auf die 8-CD-Box aus der Reihe „Les Introuvables“ hinweisen.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000026HXV.01.MZZZZZZZ.jpg

Ich habe zunächst nur quergehört, mich dann auf das 5. Prokofjew-Konzert gestürzt, über das Siamak sagte, dass es Richters Aufnahme ebenbürtig sei. Und ich muss sagen, dass ich wirklich überrascht bin! Francois hat nicht diese wilde Entschlossenheit eines Richter, aber er setzt fast ebenso scharfe Akzente und klingt insgesamt eleganter. Alles andere hat Siamak bereits ausgeführt.

Die Box enthält sämtliche oben von Siamak aufgeführten Klavierkonzerte, auch die 7. Prokofjew-Sonate. Darüber hinaus die zwei Chopin-Konzerte, die Papillons, die 3. Sonate von Skriabin, kleinere Werke von Mozart, Hindemith, Franck, Fauré, eine Eigenkomposition Francois’ usw.

Ich habe die 8 CDs für knapp 25,00 Euro über amazon-marketplace kaufen können. Nach den ersten Eindrücken meine ich, dass sich die Investition gelohnt hat.

Gruß, Cosima
Jascha Horenstein (17.04.2006, 22:51):
Seine Ballades sind für mich der absolute Höhepunkt an Chopin-Einspielungen. Ein großer Musiker.
Cosima (18.04.2006, 22:44):
Original von nubar
Vor einiger Zeit las ich aber eine Biographie über Skjabin, die noch aus sowjetischer Zeit (1987) stammt, in der Francois' Einspielung der 3.Sonate ...

Hallo nubar,

das ist ulkig. Während ich gerade Deinen Beitrag lese (danke für die Zusatzinfos zu Francois – ich konnte kaum etwas finden), höre ich die 3. Skriabin-Sonate. Mangels Alternativen (ich kenne sie ansonsten nur mit Bulva), kann ich mir natürlich kein wirkliches Urteil erlauben, aber mir gefällt ausgesprochen gut, was ich da höre!

Diese Introuvables-Box hat sich für mich wirklich bereits als kleines Juwel entpuppt! Ich suche noch nach Worten, um Francois' Stil zum umschreiben, Du triffst es mit "interpretierte immer sehr frei" m.E. sehr gut.

Gruß, Cosima
Zelenka (23.04.2006, 19:29):
Original von Ganong
2. Die Frage w e r sollte in oder gar auf den virtuellen Olymp der Pianisten , also in den "Pantheon" wenn du so möchtest , ist eine heikle Frage .
Matthias Kornemann ( damals RONDO ), mit dem ich jahrelang umfangreich korrespondiert habe , meinte der Platz auf dem Olymp gebühre Arrau eher als Horowitz .
Kormenan schrieb dann von der "Hauptallee" , wo sich alle Grossen befänden und den "Nebenalleen" . Er hat dies leider nie weiter ausgeführt oder gar vervollständigt .
Kwoon , "Piano Wizard", hat sich leider auf seine 10 Ganz Grossen , die "A-Pinaisten" , festgelegt , dann die B - Pianisten aufgeführt und die C - Gruppe angehängt . Die ist natürlich unsinnig , wenn jemand wie er sich sein subjektiv abschliessendes Bild über einen Künstler nicht gemacht hat . Daher ist seine Listenaufbereitung schlecht . Er braucht auch viel zu lange . Und die frage , ob diese Superlativspiel und / oder Rankings überhaupt Sinn machen , möchte ich doch eher bestreiten .

Gäbe es in Frankreich ( oder in einer pianistischen Europaliga oder gar weltweit ) solche Haupt - und Nebenalleen , einen Pantheon ( dieses Bild von Dir finde ich das überzeugenste , so hätte Samson Francois sicher in Frankreich neben Marguerite Long oder Cortot und Yves Nat , wie Monique Haas einen bevorzugten Platz verdient .
Aber : Vielleicht will ja nicht jeder Pianist neben seinem früheren Rivalen "ruhen" .
Beste Grüsse , Frank

Mein Kandidat für einen zentralen Aufenthaltsort im Pantheon: siehe links (Avatar). Herzlichen Dank für Deine interessanten Ausführungen! Schreibt Kornemann noch irgendwo eigentlich?

Gruß,

Zelenka
Ganong (24.04.2006, 15:21):
Lieber Zelenk a,
er hat kurzfristig für das magazin "hi-fi" Journal etwas geschrieben über Gieseking .
dann ist er plötzlich "verstummt" . Er arbeitete an einer Berlinder Musikschule ( über Joahnnes Brahms , dessen Spätwerk er sehr liebte ).
Rezensionen : Sind mir keine mehr bekannt geworden.
Suche im Internet : erfolglos .
Pseudonym : hat es nie gegeben
Klavierabend mit Ivan Moravec in Bad liipspringe : Nu rMKs vater wird erwähnt .
Sein mentor : Herr Wolfgang Halder , München , hat auf Anfrag enicht reagiert , nachdem er bi szu Kornemanns Ausscheiden und kurz danch sehr rührig war .

Ich hate Mattjhias Kornemnn mehrere Projekte( keines wurde realisiert ) vorgeschlagen . Er war zumindest bei zweien feuer und Flamme . Aber dann foklgte nicht smehr . das eine war ein Pianistenbuch über aktuelle Pianisten und das zweite ein CD-Führer ( Klaviermusik; keine Opern etc. ) .
Beste Grüsse , Frank
Zelenka (24.04.2006, 15:52):
Original von Ganong
Lieber Zelenk a,
er hat kurzfristig für das magazin "hi-fi" Journal etwas geschrieben über Gieseking .
dann ist er plötzlich "verstummt" . Er arbeitete an einer Berlinder Musikschule ( über Joahnnes Brahms , dessen Spätwerk er sehr liebte ).
Rezensionen : Sind mir keine mehr bekannt geworden.
Suche im Internet : erfolglos .
Pseudonym : hat es nie gegeben
Klavierabend mit Ivan Moravec in Bad liipspringe : Nu rMKs vater wird erwähnt .
Sein mentor : Herr Wolfgang Halder , München , hat auf Anfrag enicht reagiert , nachdem er bi szu Kornemanns Ausscheiden und kurz danch sehr rührig war .

Ich hate Mattjhias Kornemnn mehrere Projekte( keines wurde realisiert ) vorgeschlagen . Er war zumindest bei zweien feuer und Flamme . Aber dann foklgte nicht smehr . das eine war ein Pianistenbuch über aktuelle Pianisten und das zweite ein CD-Führer ( Klaviermusik; keine Opern etc. ) .
Beste Grüsse , Frank

Lieber Frank:

Ich lese Deine Zeilen mit einigem Bedauern (und einem Dankeschön natürlich). Da ist der (Fach-) Öffentlichkeit doch ein großes Talent verlorengegangen. Er hätte weiter etwas Leben in eine Szene bringen können, die z.B. von den etwas pompös-langweiligen Kaiser, Cossé etc. dominiert wird. Aber wohl nicht zu ändern.

Gruß,

Zelenka
Ganong (24.04.2006, 18:48):
Lieber Zelenka ,
ich erinner emich noch genau , dass Matthia Kornemann und ich ca. 2000 / 2002 über die Klaviersonaten Beethovens korrespondiert haben .
MK ( dies war meine von ihm akzeptierte Abkürzung ) schrieb damals den gesamten text für Buchbinders Betthoven - Zyklus ( Sonaten 9 , den er in mehreren Städten gespielt hat , u.a. in Düsseldorf und Bonn . Ob in Köln , das weiss ich nicht mehr , weil gleichzeitig Buchbinders a l t e Aufnahmen im WDr teilweise gesendet worden sind .
Das Textheft sollte ursprünglich , was sonst , von Kaiser verfasst werden . Er war aber selbst den nicht verarmten Sponsoren wohl zu teuer .
Ich teile Deine Meinung bzgl. der unangemessenen Überrepräsenntation von Herrn Kaiser ( mein früherer Musiklehrer Herr Molsberger hat einige Jahre mit J. Kaiser studiert ). Im Gespräch war herr Kaiser 1994 nicht so übel . Und ein verstorbener Freund von mir , ein ausgebildeter Konzertpinaist , rief Kaiser in München privat an , un , welch eine Überraschung , der sonst sehr narzisstische JK war überfreundlich . Kaisers Pianistenbuch ist 2004 (!) in völlig unveränderter Auflage nochmals erschienen . Das ist schon ein persönliches Armutszeugnis - auch für die Redaktiion der 'Süddeutschen Zeitung' - . Auch Peter Cossé ist für mich ein ständiges Ärgernis . Karl Schumann gehört noch zu den ewigen Platzhirschen . was mich mit am meisten wunderte ist , dass Michel Glotz , der Freund und langjährige Manager von Alexis Weissenberg , ausgerechnet kaiser in seinen Lebenserinnerungen ganz positiv erwähnt .Monsieur Glotz muss da Fakten verwwechselt haben !
in der "Kritikerszene" herrschen mafiöse Zustände . denke nur an die süffisante Allmacht von Jürgen Kesting ( Callas , gobbi , ein häppchen Taddei . das war es . ) .
Die F.A.Z. ist auch nicht besser . Selbst die hochgejubelte Julia Spinola hat in ihrer letzten Opernrezension für die FAZ ein kurzes letztes Kapitelchen den Sängerinnen und Sängern gewidnet . Ansonsten small talk un d langatmige "Einleitung" . Schrecklich .
Ei n Pianiasten - Buch mit Matthias Kornemenn und bezogen auf Klaviersolo - Musik wäre sicherlich ein Hit geworden . es gibt dazu nichts . Vor allem waren wir uns einig , dass nach einer zusammenfassenden Sicht über die Paianisten der Vergangenbheit ,nur aktive und lebende Künstler vorgestellt werden sollten . Das ist Stoff gebug .
In dem hochglänzenden Blatt "Image Hi-Fi2 , so der richtige Titel , ist MK dann auch bald "verschwunden" . dafür hat der Chefrezensent sich wenige (!) Platten mit Liszts h-Moll-Sonat ezur "besprechung" vorgenommen . Grausam .
ich werd eDir seine Berliner Adresse mitteilen , ich habe sie in den Bänden unserer früheren Korrespondenz .
Beste Grüsse , Frank
Ganong (24.04.2006, 20:05):
Lieber Rachmaninov ,
im Grunde hast Du recht .
Zu unserer Entschuldigung sei der hinweis gestattet , dass Joachim Kaiser v o r seinem Buch über wenige Pianisten im WDR bereits Samson Francois praktisch "ausgesperrt" hat . Und Matthias Kornemann hat in seine wneigen Zeilen über Samson Francois leider auch nicht den ihm gebührenden Zugang gefunden , den S.F. verdient gehabt hätte .
Francois war ein sehr eigenwilliger Schumanninterpret , was ihn allrding sehrt ! Er spielte sehr viele Werke , auch von Chopin oder Ravel , "gene den Strich" . Die sverleiht vielen seiner Aufnahmen einen besonderen Reiz .

und da hier im Forum Chopin Werke anhand seiner beiden Klavierkonzerte wegen der Orchestrierung schlechtgeschrieben werden , muss ich gerade bei Samson Francois auf desen Interpretation
des f-Moll-Konzertes hinweisen . Eine überragende Interpretation !
Grüsse , Frank
Rachmaninov (22.03.2006, 22:37):
@Cosima und Ganong,

Samson Francois hat bisher noch keinen Platz in meinem CD Regal!
Wie mir scheint wohl ein Fehler.

Bei Gelegenheit werde ich mir wohl die hier angesprochenen Chopin Aufnahmen einmal genauer anhören. Oder vielleicht noch warten, da EMI ja so gerne an Brillant Classix abverkauft :ignore
Cosima (18.04.2006, 16:33):
Original von Jascha Horenstein
Seine Ballades sind für mich der absolute Höhepunkt an Chopin-Einspielungen. Ein großer Musiker.

Die habe ich leider noch nicht gehört, aber sein Chopin (Klaviersonaten Nr. 2 und 3, Mazurken, Etüden) ist wirklich faszinierend. Die Prokofjew-Konzerte und die Sonate habe ich jetzt durchgehört. Auch davon bin ich begeistert! Siamak hat das Besondere seines Klavierspiels sehr schön umrissen. Für meinen Geschmack klingt das alles sehr feinsinnig aber mit Temperament dargeboten!

Gruß, Cosima
nubar (18.04.2006, 21:50):
Ein Hallo an alle Leser und Forenmitglieder,

Francois habe ich zum ersten Mal vor ca. 3 Jahren entdeckt mit seiner Aufnahme der Ravelkonzerte und des Gaspard de la Nuit. Dies sind sehr schöne und persönliche Instrumentationen der Werke, wenn es auch immer noch einer bessere Aufnahme gibt. Trotzdem ein sehr hohes Niveau. Es gibt einige Schwierigkeiten zwischen dem Pianisten auf der einen Seite und dem Orchesteer und Dirigenten auf der anderen Seite. Francois hatte nie eine feste Interpretation und interpretierte immer sehr frei.

Dann kaufte ich mir die Chopin-Konzerte und war sehr angetan. Deshalb auch von mir eine dicke Empfehlung!

Momentan denke ich an die Erweiterung meiner spärlichen Chopin-Platten, wobei Francois als Cortot-Schüler neben Vasary, Anievas und Pollini zu den Favoriten gehört.
Allgemein gilt ja Francois als besonderer Spezialist für Chopin, Debussy und Ravel. Vor einiger Zeit las ich aber eine Biographie über Skjabin, die noch aus sowjetischer Zeit (1987) stammt, in der Francois' Einspielung der 3.Sonate neben Gould und Horowitz als die Referenzaufnahmen westlicher Pianisten geführt wird. Skrjabin-Spezialisten wie Ashkenazy, Laredo und Szidon blieben unerwähnt, naja und Taubs Aufnahmen waren noch nicht geboren. Das spricht sehr für Francois!!

Mit freundlichem Gruß
nubar
Jeremias (23.04.2006, 13:36):
Ich habe bzgl. Francois ein sehr zwiespältiges gefühl. Auf der einen Seite gehört er gewiss zu den großen Pianisten des 20. Jahrhunderts, andererseits greife ich eigentlich nie zu seinen Aufnahmen. Geht es Euch ähnlich? Bei ihm habe ich immer das problem, dass ich das Gefühl habe, er spielt moderne Musik, gleichwohl, ob es sich um Chopin, Beethoven oder Ravel handelt, ja nahezu als wäre das einzelne Werk erst gerade geschrieben worden.
Zelenka (23.04.2006, 14:33):
Original von Jeremias
Ich habe bzgl. Francois ein sehr zwiespältiges gefühl. Auf der einen Seite gehört er gewiss zu den großen Pianisten des 20. Jahrhunderts, andererseits greife ich eigentlich nie zu seinen Aufnahmen. Geht es Euch ähnlich? Bei ihm habe ich immer das problem, dass ich das Gefühl habe, er spielt moderne Musik, gleichwohl, ob es sich um Chopin, Beethoven oder Ravel handelt, ja nahezu als wäre das einzelne Werk erst gerade geschrieben worden.

Lieber Jeremias:

Es geht mir wohl ähnlich wie Dir, und ich besitze in der Folge nicht einmal Aufnahmen von Francois. Sicher eine starke, eigenwillige Persönlichkeit, die sich aber meiner Meinung nach zu stark vor das jeweilige Werk drängelt. Das kann alles sehr interessant sein, und in Frankreich gehört er ja in den Pantheon. Im leisetreterischen englischen "Gramophone" wird er hingegen eher als Freak geführt ...

Gruß,

Zelenka
Cosima (23.04.2006, 15:01):
Ja, ich kann mir vorstellen, dass es auf Dauer etwas anstrengend wird, ihm zuzuhören, weil er oft vor allem sich selber inszeniert. Er wirkt etwas unberechenbar, so als improvisiere er ständig. Aber mir gefällt das in den meisten Fällen, weil ich den Klang seines Klavierspiels und sein feinsinniges Temperament sehr mag.

Übrigens soll er trotz all seiner provokanten Aussprüche („Auf dem Klavier spielen, wie grässlich! Klavier spielen!“) ein charmanter und freundlicher Mann gewesen sein. Ich mag solche Freaks. :)

Gruß, Cosima
Ganong (23.04.2006, 17:51):
Lieber Jeremias ,
wen Du das Booklet von Bryce Morrison zu der interpretation von Chopins f-Moll-Klavierkonzert liest , dann hat Du möglicherweise einen guten , richtigen Einstieg in seine Kunst ( EMI ) .
Seine Interpretationne sind nie stromlinienförmig , am Zeitgeist orietiert . das hebt ihn wahrlich aus der Pianistenszene heraus .
Dass Francois in seinem Privatleben so zerbroche ist , bleibt ein Lebensschicksal , das uns alle treffen kann .
Viele Grüsse , Frank
Ganong (23.04.2006, 17:55):
Lieber Zelenka ,
leider ist bis heut ekein einiziger Musiker im "Pantheon" .
Die Kämpfe dafür , vor allem für Berlioz , gehen jetzt schon über 40 Jahre in der Grande Nation .
Und über "Gramophone" unter James Jolly als Chef brauchen wir wohl kein Wort zu verschwenden . Die Hefte werden bunter in der Aufmachung , aber unendlich inhaltsärmer ( wie auch FonoForum , RONDO und andere ) .
Grüsse , Frank
Zelenka (23.04.2006, 18:17):
Original von Ganong
Lieber Zelenka ,
leider ist bis heut ekein einiziger Musiker im "Pantheon" .
Die Kämpfe dafür , vor allem für Berlioz , gehen jetzt schon über 40 Jahre in der Grande Nation .
Und über "Gramophone" unter James Jolly als Chef brauchen wir wohl kein Wort zu verschwenden . Die Hefte werden bunter in der Aufmachung , aber unendlich inhaltsärmer ( wie auch FonoForum , RONDO und andere ) .
Grüsse , Frank

Lieber Frank:

Ich meinte wirklich nicht das realexistierende Pantheon in Paris, sondern ein virtuelles, einen Pianistenolymp eben. Ich hätte wohl besser nicht "Pantheon" gebrauchen sollen. - Ja, die Fachpresse ... In der französischen wird ab und zu noch Tacheles geredet. Immer besser, seine eigene Meinung zu bilden.

Beste Grüße,

Zelenka
Ganong (23.04.2006, 18:52):
Lieber Zelenk a,
eine interessante Anmerkung .
1. den Riesenstreit in der französischen Politik und ( Fach - ) Presse gibt es ja tatsächlich . Und er wird mit grösster Schärfe geführt . Es macht Spass , die zu verfolgen , weil wir verfolgen können , wie bleibend die Leistungen grosser Musiker geblieben sind , aber wie schnell wechselnd die Meinungen der Politiker, dieser vor allem , in dieser Frage sind .
Ich bin sicher, die starke Bernadette Chirac hätte dies durchgesetzt ( ihr Monsieur le Président hat leider immer ganz andere Ziele verfolgt . Und mein Favorit unter den französischen Präsidenten . der hochintellektuelle M. Francois Mitterand , war zu Beginn (!) seiner Präsidentschaft schon krebskrank und nicht so sehr musikliebend gewesen . )
2. Die Frage w e r sollte in oder gar auf den virtuellen Olymp der Pianisten , also in den "Pantheon" wenn du so möchtest , ist eine heikle Frage .
Matthias Kornemann ( damals RONDO ), mit dem ich jahrelang umfangreich korrespondiert habe , meinte der Platz auf dem Olymp gebühre Arrau eher als Horowitz .
Kormenan schrieb dann von der "Hauptallee" , wo sich alle Grossen befänden und den "Nebenalleen" . Er hat dies leider nie weiter ausgeführt oder gar vervollständigt .
Kwoon , "Piano Wizard", hat sich leider auf seine 10 Ganz Grossen , die "A-Pinaisten" , festgelegt , dann die B - Pianisten aufgeführt und die C - Gruppe angehängt . Die ist natürlich unsinnig , wenn jemand wie er sich sein subjektiv abschliessendes Bild über einen Künstler nicht gemacht hat . Daher ist seine Listenaufbereitung schlecht . Er braucht auch viel zu lange . Und die frage , ob diese Superlativspiel und / oder Rankings überhaupt Sinn machen , möchte ich doch eher bestreiten .

Gäbe es in Frankreich ( oder in einer pianistischen Europaliga oder gar weltweit ) solche Haupt - und Nebenalleen , einen Pantheon ( dieses Bild von Dir finde ich das überzeugenste , so hätte Samson Francois sicher in Frankreich neben Marguerite Long oder Cortot und Yves Nat , wie Monique Haas einen bevorzugten Platz verdient .
Aber : Vielleicht will ja nicht jeder Pianist neben seinem früheren Rivalen "ruhen" .
Beste Grüsse , Frank
Rachmaninov (24.04.2006, 18:54):
Hallo Frank und Zelenka.
Topic ist hier
> Samson Francois :wink

Wäre euche Thema nicht einen eigenen Thread wert?
Sonst wird es "unübersichtlich" :engel
Zelenka (24.04.2006, 19:17):
Original von Rachmaninov
Hallo Frank und Zelenka.
Topic ist hier
> Samson Francois :wink

Wäre euche Thema nicht einen eigenen Thread wert?
Sonst wird es "unübersichtlich" :engel

Lieber Rachmaninov:

Du hast recht, wir haben uns hier sehr weit vom seligen Samson entfernt.

:(, Zelenka
Zelenka (24.04.2006, 19:25):
Lieber Frank:

Trotz der ersten gelben Karte, möchte ich Dir noch schnell für Deine Bemerkungen danken. Buchbinders Beethoven-Zyklus habe ich damals in Düsseldorf gehört, aber ich kann mich an kein Textheft von MK mehr erinnern. Das Buchprojekt klingt wirklich interessant. Jammerschade, daß es das Buch nicht gibt. - Und die Kritikermafien und Platzhirsche hat es wohl schon immer gegeben ...

Beste Grüße,

Zelenka