Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

Nordolf (19.04.2006, 20:08):
Hallo liebe Klassikfreunde!

Ich führe mich mal in diesem Forum mit einer meiner schon fast als Droge zu bezeichnenden musikalischen „Hauptmahlzeiten“ ein: :hello – der sechsten Symphonie in a-Moll von Gustav Mahler.


Sie wurde von dem Komponisten zwischen 1903 und 1904 erschaffen und zuerst mit dem Beinamen „Die Tragische“ versehen. Mahler hielt sich hier eng an die klassische Symphonieform (Allegro-Scherzo-Andante-Allegro), beschritt aber inhaltlich radikal andere Wege. Das Finale brachte in der herkömmlichen klassischen Form die Verbindung der antagonistischen Themen und Kräfte, die die Symphonie bestimmten. Bei Mahler aber gibt es keine harmonische Lösung. Die Symphonie endet in verzweifeltem Pessismismus. Drei Hammerschläge besiegeln das Schicksal des symphonischen „Helden“. Den letzten Schlag strich Mahler bereits nach der Uraufführung. Ob er abergläubische Motive dafür hatte oder ob er der Symphonie ihre konsequente Endgültigkeit nehmen wollte oder ob beides eine Rolle spielte, wird sich wohl nie ganz klären lassen. Fakt ist, das ihn kurz nach Beendigung des Werkes drei Schicksalsschläge trafen: der Tod der vierjährigen Tochter Maria, der Verlust seines Amtes als Direktor der Wiener Hofoper und die Diagnose einer Herzkrankheit bei ihm selbst. Insofern erscheint die Sechste tatsächlich als Prophetie seiner eigenen Biographie.

Aber nicht nur Bezug auf Mahlers Leben mutet die Sechste prophetisch an: In ihrer dämonischen Unerbittlichkeit und ihrer kämpferischen Tragik erinnert sie an Stimmung der kommenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Mahler ahnte die Gewitterwolken, die am Horizont seiner Zeit aufstiegen.

Der Beginn der Symphonie ist von unerbitterlicher Militanz. Eine strikte Marschrhythmik reißt den Hörer mit sich fort und versetzt ihn in den Strudel des Schicksals. Leidenschaftliche Dramatik intensiviert den strengen Rhythmus bis zum Climax. Kontrastiert wird dieser Sturm durch eine elegische D-Dur Melodie und einen ruhigen Part, in dem friedlich läutende Kuhglocken ein bizarres Gegengewicht zur kriegerischen Stimmung des sonstigen musikalischen Geschehens bilden. Für Mahler symbolisierten sie die letzten irdischen Laute, die an das Ohr desjenigen dringen, der die Einsamkeit der Bergspitzen besteigt.

Bizarr ist auch das nachfolgende Scherzo (nach Mahlers Anweisungen kann hier alternativ das Andante folgen). Der Marschrythmus des ersten Satzes hat sich in einen lebhaften Tanz verwandelt, dem die Agression des Marsches noch untergründig anhaftet. Dadurch erhält die Musik einen dämonischen, ja boshaften Anstrich. Es ist, als würde hier das menschliche alltägliche Treiben dargestellt, das Schicksal und Tod zu vergessen sucht, ihm aber letztlich - spätestens am Ende jedes Lebens - nicht entrinnen kann. So ist das Verhängnis auch im Leben ständig präsent. Danach erklingen optimistischere Klänge in F-Dur, aber das Scherzo endet in einem seltsam gespenstischen Klang, der an ein Wimmern erinnert (gespielt auf einer Klarinette).

Das Andante transportiert dagegen eine sehr nostalgische Stimmung, die vor allem von Streichern getragen wird. Mahler wollte hier vielleicht seine Kinder porträtieren - so wie der strenge Marsch des ersten Satzes ihn selbst darstellen könnte und die D-Dur-Melodie seine Frau Alma. Das Scherzo wäre dann die Welt, in der er und seine Familie lebten. Das Andante nimmt im Verlauf einen immer trunkneren und schwankenderen Charakter an. Schließlich verglimmt die Musik.

Dem Finale gab Mahler eine geradezu monströse Länge, die in den heutigen Aufnahmen eine Spielzeit von fast einer halben Stunde aufweist. Der Held des Finales wird von drei Schicksalsschlägen getroffen, deren letzter ihn niederstreckt. Drei Hammerschläge erklangen ursprünglich in der Uraufführung des Jahres 1906. Nach dem Willen Mahlers sollten sie kurz und trocken klingen - wie der Schlag einer Axt. Die Marschrhythmik taucht auch in diesem Satz auf, um jedesmal zu einem Endpunkt geführt zu werden, der dann aber immer wieder zurückgenohmen und weitergeführt wird.

Mich persönlich erinnert die Symphonie an die herbe Unausweichlichkeit des Todes. Der Tod erscheint hier aber nicht in der Farbe des schmelzend-erlösenden Liebestodes wie in Wagners „Tristan und Isolde“, sondern in einem ehernen expressionistischen Schwarz-Weiß, sozusagen in Form einer Dürerischen „Ritter, Tod und Teufel“-Manifestation.

Ich besitze die Symphonie in folgenden Versionen:

Leonard Bernstein / New York Philharmonic 1967
Georg Solti / Chicago Symphony Orchestra 1970
Kirill Kondrashin / Leningrad Philharmonic Orchestra 1978
Leonard Bernstein / Wiener Philharmoniker 1988
Simon Rattle / City Of Birmingham Symphony Orchestra 1989
Vladimir Fedosseyev / Tchaikovsky Symphony Orchestra Of Radio Moscow 2001
Mariss Jansons / London Symphony Orchestra 2002

Wenn der Beitrag auf Resonanz stoßen sollte, kann ich ja noch was dazu sagen.


Was sind also eure Lieblingseinspielungen?

Was liebt ihr an dieser Symphonie - oder umgekehrt: was stösst Euch ab an ihr?

Herzliche Grüße!
Nordolf
Cosima (20.04.2006, 16:20):
Hallo Nordolf,

Mahlers 6. ist für mich so ein wuchtiger, düsterer Brocken, dass ich sie nur in kleinen Dosen genießen kann. Nein, ich kann nicht sagen, dass ich sie besonders mag. Insofern besitze ich auch nur zwei Einspielungen, nämlich unter Solti und Mitropoulos. Sofern ich mich recht erinnere, liegt mir der Solti mehr.

Aber Respekt für Deinen tollen Einführungsbeitrag! :)

Gruß, Cosima
Ganong (20.04.2006, 16:54):
Lieber Nordolf ,
ein grossartiger Einführungstext . Kompliment !
Meine bdiden Aufnahmen sind die durch Mitropoulos ( EMI ) un d Solti .
Die alte berntsein - Aufnahme wäre mir , müsste ich mich entscheiden , lieber als die Wiener Interpretation .

Viele Grüsse , Frank
martin (21.04.2006, 13:03):
Lieber Tangua,

ich habe den Karajan auch wirklich lange nicht mehr gehört. Im Vergleich zum Abravanel fiel mir auf, daß es beim Abravanel weniger wuchtig, weniger brutal klang und das mir das im ersten Satz viel besser gefiel. Ich glaube, das Bizarre des Scherzos kam beim Karajan auch nicht so raus. Eigentlich müßte ich aber noch mal einen großen Hörvergleich starten, um meine damaligen Höreindrücke zu überprüfen.

Ich hatte vom Karajan mal eine Liveaufnahme, die ich mir aus dem Rundfunk mitgeschnitten hatte. Die fand ich besser. Von der CD Einspielung war ich enttäuscht. Niedermachen will ich den Karajan nicht, aber ich glaube, es gibt besseres.

Gruß Martin
martin (24.04.2006, 15:13):
Lieber Nordolf,

nun habe ich gerade vor zwei Tagen Mahlers 6. mit Abravanel noch mal gehört. Ich denke, das war ein Fehler. Jedenfalls machte das auf mich keinen so großen Eindruck, aber das liegt mit Sicherheit auch daran, daß ich diese Sinfonie einfach zu häufig gehört habe.

Einmal habe ich übrigens auch einen Film gesehen, der die 6. Sinfonie sozusagen "verfilmte". Das fand ich ein sehr eindrucksvolles Experiment! Mir ist sowas noch nie begegnet, daß man eine Sinfonie mit Bildern versucht zu interpretieren. Da tauchten verschiedene Bilder auf: Das eines Schiffes daß in die Ferne segelte, merkwürdige Gestalten, sich im Winde blähende weiße Laken, natürlich auch Todessymbole, ich glaube am Ende erreichte das Schiff eine felsenartige Insel. Sollte dieser Film mal wieder auftauchen, schau ihn Dir mal an! Natürlich war dies ein "Stummfilm". Ich bin normalerweise kein Freund von Experimenten, aber dieses hat mich schon beeindruckt.

Wiegesagt: Ich weiß nicht wie gut die Abravaneleinspielung ist. Sicher ist sie fern aller Übertreibungen, mit vernünftigen Tempi, aber vielleicht gibt es ja auch besseres. "Hysterisch" ist sie jedenfalls keinesfalls. Bekommen bekommt man diese Interpretationen z.Z. glaube ich nur bei A*azon. Es ist jedoch jederzeit möglich, daß sie auch anderswo auftauchen.

Gruß Martin
Rachmaninov (30.04.2006, 20:04):
@Nordolf, Mahlerfreunde,

inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!

Also, ich kann Nordolf verstehen wie diese Sinfonie zu einer Art Droge für ihn werden kann. Ein packendes Werk, auch wenn ich mit Sicherheit nach dem ersten intensivem Höreindruck wahrscheinlich nicht einmal annähernd "begreiffen" habe was da auf mich "einprasselt"!

Dennoch hatte ich sie mir zunächst einmal "einfach so" angehört ohne nochmals die Einleitung zu diesem Thread zu lesen.
Wahrscheinlich werde ich dies auch noch 2-3 mal so machen und dann nochmals genauer lesen um etwas mehr zu "begreifen" .........
Orfeo (01.05.2006, 02:06):
Hallo,

möchte hier die Aufnahmen von Horenstein, Mitropoulos und Szell empfehlen. Solti ist mir im letzten Satz zu überflächlich soundvernarrt.
martin (01.05.2006, 20:21):
Original von Rachmaninov
@Nordolf, Mahlerfreunde,

inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!



Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe MTT mit der 6. Sinfonie mal life erlebt. Das war auf einem London Trip und es spielten die Londoner Sinfoniker, dessen Chefdirigent er damals wohl war. Hat mir gut gefallen! Und die Karten waren nicht teuer.

Gruß Martin
Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 08:55):
Guten Morgen Nordolf.

An die Unausweichlichkeit des Todes erinnert mich eher sein " Lied von der Erde ".

Die 6. ist so schwer zu begreifen. Kein Wunder, dass sie auch beim Konzertpublikum es schwer hat.
Von allen seinen Werken , ist mir die 8. und eben die 6. am wenigsten geläufig.

Aufnahmen hab ich mit Bernstein DGG

Abbado DGG

Karajan DGG

Inbal DENON

Gruss.
R.
Nordolf (20.04.2006, 15:14):
Guten Tag Rolf

An die Unausweichlichkeit des Todes erinnert mich eher sein " Lied von der Erde ".


Ja, das "Lied" hat auch etwas davon... Da ist die Stimmung allerdings – zumindest beim letzten Satz "Der Abschied" – eher resignativ, eben abschiednehmend. Etwas ähnliches empfinde ich auch beim Schlussadagio der Neunten.
In der sechsten liegt durch den Marsch, der ja in 3 von den 4 Sätzen mehr oder weniger präsent ist, eine heroische Stimmung. Also – im "Lied" ein alter Mann, der Abschied vom Leben nimmt, in der Sechsten ein Ritter, der im Kampf fällt. Das sind natürlich sehr subjektive Eindrücke.
Bei Fedosseyevs gradliniger Interpretation hört man die kämpferischen Elemente der Symphonie besonders deutlich.

Die 6. ist so schwer zu begreifen. Kein Wunder, dass sie auch beim Konzertpublikum es schwer hat.
Von allen seinen Werken , ist mir die 8. und eben die 6. am wenigsten geläufig.

Ja, das Publikum hat sich lange Zeit mit der Sechsten schwer getan. Und selbst ein Mahler-Enthusiast wie Bruno Walter wollte sie nicht dirigieren.
Mir liegt sie aber gerade wegen ihrer Herbheit besonders gut. Und auch wegen dem eindrucksvollen Wechsel von agressiven und lyrischen Stellen.

Die Achte ist so was wie das Gegenstück der Sechsten – hier das "kosmische" Unheil, dort die "kosmische" Freude. Was macht Dir eigentlich den Zugang zur Sechsten und Achten so schwer?
Ich liebe alles von Mahler, von den Symphonien bis zu den Liederzyklen – nur mit der Vierten habe ich manchmal meine Schwierigkeiten.

Aufnahmen hab ich mit Bernstein DGG

Abbado DGG

Karajan DGG

Inbal DENON

Die Bernstein-Aufnahme bei DGG ist meine Lieblingsaufnahme :down – emotional glühend, teils recht zerrissen und modern gespielt, mit ausladenden Tempi, aber immer auf den Punkt gebracht. Dazu kommen noch die alte Bernstein SONY und Solti DECCA. Die alte Bernstein eignet sich wohl am ehesten als Erstanschaffung – sie vereint Expressivität, Gefühlsüberschwang mit einer gewissen Geradlinigkeit und effektvollem Spiel. Die DGG-Aufnahme ist da doch kantiger. Kantig und effektvoll kommt Solti rüber – gerade durch die grellen Bläser des CSO wirkt sie besonders brutal.

Mit Abaddo habe ich ein ähnliches Problem wie mit Boulez und Chailly. Das klang nach dem ersten Reinhören für mich zu distanziert, zu abgeklärt und trifft gerade bei Mahler eben nicht das Herz dieser Musik. Andererseits will ich ja kein Dogmatiker werden – gerade über Abaddo habe ich viel Gutes gelesen und er soll ganz neue Seiten der Symphonie hörbar machen.

Die CDs von Inbal und Karajan kenne ich überhaupt nicht.
Gibt’s eine von Deinen Aufnahmen, die Du am liebsten hörst?

Herzliche Grüße!
Nordolf
Nordolf (20.04.2006, 20:30):
Hallo Cosima!

Mahlers 6. ist für mich so ein wuchtiger, düsterer Brocken, dass ich sie nur in kleinen Dosen genießen kann.


Ahh, schade.. aber das ist wohl genau der Grund, warum ich sie so liebe. Ich lasse mich gern von Musik erschlagen (bin insoweit wohl ein typischer "Wagnerianer"). Und für düstere oder melancholische Musik habe ich sowieso ein Faible... Wagners "Götterdämmerung", Schumanns Klavierkonzert, Tschaikowskys Sechste, Brahms Vierte, Rimsky-Korsakows Zweite, Schönbergs "Gurre-Lieder", Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate, die "Elektra" von Strauss, Rachmaninoffs zweite Symphonie und die Klavierkonzerte, Schoecks "Elegie", Arvo Pärts "Lamentate", Ligettis "Lux Eterna"... und eben Mahler... all dies gehört zu meiner Lieblingsmusik.

Insofern besitze ich auch nur zwei Einspielungen, nämlich unter Solti und Mitropoulos. Sofern ich mich recht erinnere, liegt mir der Solti mehr.

Solti ist eine Hammer-Einspielung. Mitropoulos habe ich leider noch nicht. Seine meisten Einspielungen sind in Mono. Zum Haare raufen – so ein toller Künstler! Aber ich werde mir seine Einspielung demnächst kaufen – Mono hin oder her...

Aber Respekt für Deinen tollen Einführungsbeitrag!

Danke schön! :)

Herzliche Grüße!
Nordolf
Nordolf (20.04.2006, 20:33):
Hallo Frank,

ein grossartiger Einführungstext . Kompliment !

Auch Dir – vielen Dank! :)

Meine bdiden Aufnahmen sind die durch Mitropoulos ( EMI ) un d Solti .

Solti – absolut intensiv und mitreissend! Mitropoulos muss ich mir endlich mal kaufen...

Die alte berntsein - Aufnahme wäre mir , müsste ich mich entscheiden , lieber als die Wiener Interpretation .

Naja – für den Anfang ist die Alte auch besser. In der Wiener Aufnahme dirigiert Bernstein außerordentlich eigen und modern. Es liegen Welten zwischen seiner früheren Aufnahme mit den New Yorkern und der neueren mit den Wienern. Das ist bei weitem nicht bei allen Mahler-Interpretationen Bernsteins so. Irgendwas muss sich da in seiner Auffassung geändert haben. Nun macht aber genau die seltsam exzentrische Interpretation mit den Wienern diese Einspielung zu meinem Lieblings-Mahler-Werk überhaupt. Einerseits gefühlvoll romantisch, andererseits verdammt zerrissen und drastisch.

Herzliche Grüsse!
Nordolf
martin (20.04.2006, 20:57):
Lieber Nortolf,

ich schließe mich dem Kompliment für Deinen sehr schönen Einführungstext an.

Ich besitze drei Einspielungen der 6.: Szell, Abravanel, Karajan

Ich habe diese Sinfonie lange nicht mehr gehört, was aber vielleicht auch daran liegt, daß ich sie in meiner Jugend wirklich sehr oft gehört habe.

Schon in meiner Jugend hatte sie für mich ein bißchen den Beinamen "die Psychoanalytische". Nun halte ich gar nicht viel von der Psychoanalyse, womit sie aber für mich diesen Beinamen erhielt, war dieses Gefühl des Abgründigen, dieses Gefühl unbewußter, unterbewußter Katastrophen. Deshalb faszinierte mich diese Sinfonie, sie war für mich immer eines der faszinierendsten Werke der Sinfonik. So faszinierend wie etwa Kafka in der Literatur, so faszinierend ist diese 6. Sinfonie.

Von den Einspielungen, die ich habe schätze ich den Karajan nicht mehr, den Abravanel finde ich gut, aber das Orchester stößt wohl gelegentlich an seine Grenzen, den Szell müßte ich mal wieder hören.

Gruß Martin
Tangua (21.04.2006, 09:50):
"Wuchtiger, düsterer Brocken" trifft es, finde ich, ziemlich gut - ich habe die 6. auch lange nicht mehr gehört... :ignore
Ich besitze die Einspielungen von Bernstein (Sony) und Szell (natürlich mit dem Cleveland O.) und habe Szells Einspielung als die bessere in Erinnerung (wie gesagt - lange nicht mehr gehört...), wahrscheinlich, weil seine straffere, geradlinigere Herangehensweise der Symphonie zu einer etwas besseren Zugänglichkeit verhilft. Ich muss aber beide Aufnahmen demnächst mal wieder hören.
Die Aufnahme Karajans wurde in diesem Thread mehrfach erwähnt, aber nicht gelobt - kann vielleicht einer der Besitzer etwas dazu sagen? Und da es sowohl seine 6. als auch seine 5. zurzeit sehr günstig als DG-Originals gibt: Kennt jemand vielleicht auch noch diese 5. (auch wenn's eigentlich nicht zu diesem Thread gehört) und kann sie kurz charakterisieren?
Nordolf (24.04.2006, 00:58):
Hallo Martin!

Ich besitze drei Einspielungen der 6.: Szell, Abravanel, Karajan

Du hattest im Mahler-Thread ja schon mal was zu Deinen Jugenderinnerungen bezüglich der Abravanel-LP-Aufnahmen geschrieben. Natürlich hast Du mich damit neugierig gemacht. Gibt’s die Sechste von Abravanel auf CD? Wenn ja – auf welchem Label ist sie erschienen?

Schon in meiner Jugend hatte sie für mich ein bißchen den Beinamen "die Psychoanalytische". Nun halte ich gar nicht viel von der Psychoanalyse, womit sie aber für mich diesen Beinamen erhielt, war dieses Gefühl des Abgründigen, dieses Gefühl unbewußter, unterbewußter Katastrophen. Deshalb faszinierte mich diese Sinfonie, sie war für mich immer eines der faszinierendsten Werke der Sinfonik. So faszinierend wie etwa Kafka in der Literatur, so faszinierend ist diese 6. Sinfonie.

So einen ähnlichen Zugang habe ich auch zu dieser Symphonie. Für mich zählen die psychoanalytischen Modelle gleichfalls nicht zu meinen Favoriten – sie setzen nämlich ein reichlich eingleisiges Menschenbild vorraus. Aber ich verstehe, was Du meinst – das Gefühl des Abgründigen und der mehr geahnten als gewußten Katastrophe... Das passt sehr gut. Kafka passt auch wunderbar. In manchen hell klingenden Tönen der Symphonie entsteht der Eindruck, als würden irgendwelche unheilvollen Kräfte hämisch über den kämpfenden Menschen lachen... Das Ausweglose, dunkel Bedrohliche – hier ist es in Töne gegossen worden. Ein bißchen wie in Kafkas fragmentarischer Erzählung „Der Bau“, wo ein Tier erzählt, wie es seine Wohnung im Erdreich baut und dabei von einem Feind bedroht wird, von dem nie klar wird, woher er kommt...

Diese hysterisch-bedrohliche Atmosphäre vermittelt auch die tolle Einspielung von Kondrashin. Kondrashin rast mit einem Tempo durch die Symphonie, das mir Hören und Sehen vergeht. Die Bläser jammern und wimmern, was das Zeug hält. Den dritten Hammerschlag gibt’s hier zwar nicht zu hören, aber dafür klingt der Paukenschlag an dieser Stelle dermassen dumpf und schlussmachend... puuhh.. Bestimmt nichts für Leute, denen die Symphonie schon in den gradlinig-analytischen Einspielungen zu emotional ist...

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7249574.jpg

Herzliche Grüße!
Nordolf
Rachmaninov (30.04.2006, 20:04):
@Nordolf, Mahlerfreunde,

inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!

Also, ich kann Nordolf verstehen wie diese Sinfonie zu einer Art Droge für ihn werden kann. Ein packendes Werk, auch wenn ich mit Sicherheit nach dem ersten intensivem Höreindruck wahrscheinlich nicht einmal annähernd "begreiffen" habe was da auf mich "einprasselt"!

Dennoch hatte ich sie mir zunächst einmal "einfach so" angehört ohne nochmals die Einleitung zu diesem Thread zu lesen.
Wahrscheinlich werde ich dies auch noch 2-3 mal so machen und dann nochmals genauer lesen um etwas mehr zu "begreifen" .........
Orfeo (01.05.2006, 02:06):
Hallo,

möchte hier die Aufnahmen von Horenstein, Mitropoulos und Szell empfehlen. Solti ist mir im letzten Satz zu überflächlich soundvernarrt.
martin (01.05.2006, 20:21):
Original von Rachmaninov
@Nordolf, Mahlerfreunde,

inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!



Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe MTT mit der 6. Sinfonie mal life erlebt. Das war auf einem London Trip und es spielten die Londoner Sinfoniker, dessen Chefdirigent er damals wohl war. Hat mir gut gefallen! Und die Karten waren nicht teuer.

Gruß Martin
uhlmann (16.04.2008, 13:16):
dieser thread will mal wach geküsst werden.

ich möchte hier auf eine aufnahme hinweisen, die ich für eine der außergewöhnlichsten in der gesamten mahler-diskographie halte: die sechste unter sir john barbirolli.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094636528526.jpg

hin und wieder gibt es aufnahmen, die eine so außergewöhnliche sicht auf ein wohlbekanntes werk offenbaren, dass man glaubt, es völlig neu zu hören, es noch nie "richtig" gehört zu haben. mit barbirollis aufnahme von mahlers sechster erging es mir so: es war eines der intensivsten hörerlebnisse, an die ich mich erinnern kann, ein ganz großes aha-erlebnis.

keine interpretation der sechsten, die ich kenne, ist so düster wie jene von barbirolli, keine zeigt die ausweglosigkeit dieser musik mit solchem nachdruck und mit solch nachtschwarzer inbrunst. schon vom ersten takt an ist hier völlig klar, dass unser held scheitern wird, er hat keine chance. selbst in den scheinbar ruhigen passagen des andantes und im vermeintlich fröhlichen trio schwingt bei barbirolli immer die tragische seite ganz unmittelbar mit. und die wucht und unerbittlichkeit, mit der barbirolli die ecksätze vor uns ausbreitet, findet sich in dieser intensität bei keiner anderen interpretation.

dass dieser ansatz nicht jedermanns sache ist, versteht sich von selbst; wer solti schon für extrem hält, wird mit barbirolli wohl keine rechte freude haben. wer sich jedoch darauf einläßt, erlebt eine der intensivsten und persönlichsten interpretationen, die ich kenne. das ist ganz große kunst.
p.s.: auf musicweb gibt es von tony duggan einen lesenswerten "survey" der mahler-symphonien mit detaillierten besprechungen von vielen bekannten und weniger bekannten aufnahmen, u.a. auch barbirollis sechste: http://www.musicweb-international.com/Mahler/index.html
teleton (17.04.2008, 12:14):
Hallo Uhlmann,

wenn men deinen Beitrag ließt, müßte man sich ja unbedingt die Barbirolli-Aufnahme kaufen.

Nein, Solti (Decca) ist mit keinesweg zu extreem sondern bietet die Sinfonie Nr.6 in ihrer Dramatik und den knallharten Ausbrüchen genau so, wie ich es mir vorstelle.
:engel Durch Solti gehört die Sinfonie Nr.6 zu meiner Lieblings-Mahler-Sinfonie.
Ich kann mir nur schwer vorstellen, das es noch einer besser machen könnte.
:wink Und wenn doch, ist da wieder ein Haken bei der Klangqualität, die beí Solti jedenfalls aufs allerhöchtse vorbildlich ist.
Kann es noch besser gehen ???


Ich habe die Sechste auch in meinen GA mit Bernstein (SONY) und Chailly (Decca).
Während Bernstein mit seiner emotionalen Grundstimmung noch ganz gut weg kommt, so kann Chalílly´s "geplänkel" hier nicht viel ausrichten. An anderer Stelle hat mal ein Forumskollege ganz passend geschrieben: "Chailly - weder Fisch noch Fleisch !"

Ich bin nun nicht der große Mahler-Fan, der Mahler wöchentlich auf dem Hörprogramm hat und daher wer weis wie viele Vergleichsaufnahmen braucht (trotzdem habe ich drei GA, weil der Preis heiss war).
:times10 Von daher kann ich mich besten Gewissens auf Solti (Decca) berufen.
HenningKolf (17.04.2008, 16:50):
Original von uhlmann
dieser thread will mal wach geküsst werden.

ich möchte hier auf eine aufnahme hinweisen, die ich für eine der außergewöhnlichsten in der gesamten mahler-diskographie halte: die sechste unter sir john barbirolli.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094636528526.jpg

hin und wieder gibt es aufnahmen, die eine so außergewöhnliche sicht auf ein wohlbekanntes werk offenbaren, dass man glaubt, es völlig neu zu hören, es noch nie "richtig" gehört zu haben. mit barbirollis aufnahme von mahlers sechster erging es mir so: es war eines der intensivsten hörerlebnisse, an die ich mich erinnern kann, ein ganz großes aha-erlebnis.

keine interpretation der sechsten, die ich kenne, ist so düster wie jene von barbirolli, keine zeigt die ausweglosigkeit dieser musik mit solchem nachdruck und mit solch nachtschwarzer inbrunst. schon vom ersten takt an ist hier völlig klar, dass unser held scheitern wird, er hat keine chance. selbst in den scheinbar ruhigen passagen des andantes und im vermeintlich fröhlichen trio schwingt bei barbirolli immer die tragische seite ganz unmittelbar mit. und die wucht und unerbittlichkeit, mit der barbirolli die ecksätze vor uns ausbreitet, findet sich in dieser intensität bei keiner anderen interpretation.

dass dieser ansatz nicht jedermanns sache ist, versteht sich von selbst; wer solti schon für extrem hält, wird mit barbirolli wohl keine rechte freude haben. wer sich jedoch darauf einläßt, erlebt eine der intensivsten und persönlichsten interpretationen, die ich kenne. das ist ganz große kunst.
p.s.: auf musicweb gibt es von tony duggan einen lesenswerten "survey" der mahler-symphonien mit detaillierten besprechungen von vielen bekannten und weniger bekannten aufnahmen, u.a. auch barbirollis sechste: http://www.musicweb-international.com/Mahler/index.html


Grüß Dich, Uhlmann


dass viele Mahlers 6. als schwer zugänglich empfinden kann ich eher nicht nachvollziehen - jedenfalls finde ich die Sinfonie ungeheuer spannend und emotional bewegend und deshalb handelt es sich um die Sinfonie, die mir aus Mahlers Gesamtwerk zunächst zusagte, Gefallen an den übrigen Sinfonien fand ich erst später. Ich besitze nicht wenige Einspielungen, unter anderem auch die von Solti, die ich sehr gut, aber keineswegs in welcher Richtung auch immer als extrem empfinde. Barbirolli kenne ich allerdings nicht. Um einen Eindruck zu bekommen, würde mich interessieren, ob Du die Aufnahmen von Mitropoulos (extrem düster) und Kondraschin (auswegloser und verzweifelter kann ich es mir kaum vorstellen, rasend schnell) kennst und wie Du Barbirolli im Vergleich dazu siehst. Da ich zwar nicht so audiophil wie Teleton bin, aber andererseits mit historischem Klang wenig anfangen kann, würde mich auch interessieren, von wann die Barbirolli-Einspielung stammt.

Danke,
Henning
Rachmaninov (17.04.2008, 18:41):
Original von Nordolf
Mit Abaddo habe ich ein ähnliches Problem wie mit Boulez und Chailly. Das klang nach dem ersten Reinhören für mich zu distanziert, zu abgeklärt und trifft gerade bei Mahler eben nicht das Herz dieser Musik. Andererseits will ich ja kein Dogmatiker werden – gerade über Abaddo habe ich viel Gutes gelesen und er soll ganz neue Seiten der Symphonie hörbar machen.

@Jörg,

einen ähnlichen Eindruck hatte ich gestern beim Hören der abbado Aufnahme auch. Irgendwie ein proffessionells Orchster, daß was was es zu tun hat. Aber wie DU schreibst abgeklärt.

Werde die Aufnahme allerdings nochmals intensiver hören aufgrund der von Dir angesprochenen pos. Berichte.

Hast Du Dich mit der Aufnahme nochmals beschäftigt?
Amadé (17.04.2008, 20:32):
@ Uhlmann, Henning u.a.

Von Barbirolli besitze ich zwei Aufnahmen der 6., einmal die angesprochene mit dem New Philharmonia-Orchestra (1967)
sowie ein Konzertmitschnitt aus Berlin mit dem Berliner Philharmonischen Orchester vom 13.Jan 1966 vor 3 Jahren von Testament vorgelegt. Das Cover ließ sich leider nicht hochladen.

Fragt mich bitte nicht, worin die Unterschiede liegen. Ich habe beide noch nicht direkt verglichen, kann aber sagen, dass mir beide ausnehmend gut gefallen. Barbirolli galt in seiner letzten Lebensdekate zurecht als Instuition in Sachen Mahler. M.W. hat er im Studio nur die 5.,6. und 9. (BPH) eingespielt, größer, aber immer überschaubar, ist die Anzahl der Konzertmitschnitte, bei Testament, BBCL, Living Stage u.a.

Grüße Amadé
Nordolf (17.04.2008, 20:56):
Original von Rachmaninov

@Jörg,

einen ähnlichen Eindruck hatte ich gestern beim Hören der abbado Aufnahme auch. Irgendwie ein proffessionells Orchster, daß was was es zu tun hat. Aber wie DU schreibst abgeklärt.

Werde die Aufnahme allerdings nochmals intensiver hören aufgrund der von Dir angesprochenen pos. Berichte.

Hast Du Dich mit der Aufnahme nochmals beschäftigt?


Hallo Rachmaninov,

ich habe mir Abaddo damals dann doch nicht gekauft - es ist gewiss keine schlechte Aufnahme, aber mir eben zu nüchtern. Für Hörer denen Bernstein zu emotional (und in der DGG-Aufnahme dann richtggehend bekenntnishaft), Solti zu kantig-schroff oder Kondrashin zu "aufschreiend" ist, würde ich eher den Mittelweg eines Jansons mit dem LSO oder Tilson-Thomas in San Francisco empfehlen. Sie musizieren mit warmer Anteilnahme und zupackend, betonen aber das Emotionale oder das Herb-Strenge der Musik nicht so sehr wie die Erstgenannten. Die Tilson-Thomas-Aufnahme ist leider etwas höhenlastig geraten.

Ich will noch mal ein Wörtchen für Soltis Decca-Aufnahme mit dem CSO einlegen. Solti geht die Symphonie mit einer beeindruckenden Konsequenz an: - ein knalliges Tempo mit Druck, scharfe Konturen in den Harmonien und ein greller dominanter Bläsersound. Seine Interpretation lässt jede Wärme außen vor - "Mitleid" mit dem symphonischen Helden gibt es hier nicht. Diese Kälte ist aber meilenweit von Nüchternheit entfernt: - es ist eher ein unerbittlicher, unbestechlicher Blick auf die dunklen Seiten des Lebens. Und den letzten Hammerschlag hören wir hier mit einer wunderbaren Wucht. Letztlich erscheint sie mir - obwohl ich Bernstein und Kondrashin genauso gerne mag - insgesamt gesehen als Referenzeinspielung. Es passt einfach alles - vor allem die Wahl der Tempi überzeugt mich. Das vollmundige Klangbild tut ein übriges.

Barbirolli kenne ich nicht - was uhlmann schreibt, macht mich jedoch neugierig...

Herzliche Grüsse!
Jörg
Cetay (inaktiv) (18.04.2008, 08:51):
Original von teleton
:wink Und wenn doch, ist da wieder ein Haken bei der Klangqualität, die beí Solti jedenfalls aufs allerhöchtse vorbildlich ist.
Kann es noch besser gehen ???


Ich finde es geht einiges noch besser.
Man kann die "Tragik" in der Partitur auch ohne hysterische Überartikulationen wie am Beginn des 1. Satzes oder zwischen den beiden ersten Hammerschlägen im 4. Satz, hörbar machen. Ich habe bei Solti das Gefühl, hier will einer mit aller Gewalt das, was laut Mahler nicht in den Noten steht, dem Werk von außen aufpfropfen. Im Interpretationsvergleich heißt es dann, dass niemand die Tragik, Düsterness, Verzweiflung, etc. schwärzer dargestellt hätte. Ich finde diesen einseitigen Ansatz einfach nur hochgradig ermüdend. Ich möchte Mahler auch farbig und auch stimmungsreich hören - erst dadurch kommt die Tragik im Kontrast richtig zur Wirkung.

Mahler war auch ein hervorragender Orchestrator und es gibt in der 6. einige (schön-)klangliche Finessen, über die Solti einfach hinwegspielt. Auf Kosten des brachialen Ansatzes werden viele Details geopfert, die man z.B. bei Yoel Levis röntgenographischen Dirigat (und dank der Telarc-Klangingenieure) hören kann. Was mich sehr wundert, ist, dass die Werktreue-Fraktion im Falle Solti eine grobe Abweichung von der Partitur -wodurch die gesamte Aussage des Werks verzerrt wird- stillschweigend hinnimmt.

Ich halte den Ansatz von Solti für grundverkehrt. Für mich liegt eine große Interpretation dann vor, wenn ich das Gefühl habe, der Dirigent holt die Tragik aus den Noten heraus. Bei Solti hört es sich für mich so an, als ob er sie hineinlegt.
HenningKolf (18.04.2008, 09:24):
@Dox

Da Solti im Vergleich über mehrere Jahrzehnte nun beileibe nicht der Extremist ist (als Solti erschien war Mitropolous schon wieder vergessen, Haitink kurz zuvor erschienen und Melodyia LPs waren seinerzeit wohl eher etwas für "Spezialisten") und z.B. Klemperer und der große Mahler-Dirigent Walter immer Vorbehalte gegen die 6. hatten, weil diese zu pessimistisch und negativ sei, wäre es schon hilfreich, wenn Du erläutern könntest, warum Levi das spielt, was Mahler sich vorgestellt hat und Solti nicht, wobei ich zudem zweifel habe, dass sich die Frage der Akzentuierung und wie "klangschön" man spielen möge, so ohne weiteres aus der Partitur ergibt.
Hinzu kommt, dass mein Lieblingsdirigent Szell, der nun wirklich nicht dafür bekannt ist, seine Auffassungen über die der Komponisten zu stellen, in meinen Ohren jedenfalls näher bei Solti denn bei vielen anderen ist.

Gruß
Henning
uhlmann (18.04.2008, 09:25):
hallo dox,

über deinen solti-verriss wird sich teleton aber gar nicht freuen... :wink

aber mal ehrlich: so hysterisch ist er auch wieder nicht. sein ansatz ist halt immer etwas "fahrig", sehr auf dramatische kontraste aus. er läßt es auch in anderen symphonien richtig knallen, in der sechsten kommt das vielleicht aufgrund des werks noch stärker heraus. manchmal ist das wirklich etwas ermüdend, aber im großen und ganzen finde ich soltis mahler schon recht gut gelungen (besser jedenfalls, als sein bruckner).

auch ich möchte, wie du, mahler "farbig und stimmungsreich" hören, nur dann greife ich eben eher zu einer anderen symphonie als der sechsten. die ist vom werk her einfach düster, ich denke schon, dass mahler das so beabsichtigt hat. dirigenten vorzuwerfen, sie legen da etwas hinein, was nicht drinnen ist, halte ich im falle der sechsten für nicht zulässig. jeder sieht es eben ein wenig anders.

barbirolli ist noch düsterer als solti. nicht so "hysterisch" vielleicht, aber noch dunkler und tragischer. ich persönlich mag das. wie ich schon geschrieben habe, kann ich mir gut vorstellen, dass dieser ansatz nicht jedermanns sache ist. barbirollis sicht ist schon sehr persönlich. doch davon leben viele große interpretationen - sie heben sich von der masse ab, zeigen vielleicht auch einen völlig eigenen blick auf ein werk. das kann man mögen oder auch nicht.

levi kenne ich nicht, jedoch viele andere "mittelmäßige" aufnahmen (u.a. abbado, boulez, chailly, inbal, kubelik, neumann, rattle,...), die höre ich auch immer wieder mal gerne. wenn ich aber nach einer zeit wieder zu barbirolli greife, bin ich mir jedes mal sicher, dass es nur so wirklich "richtig" ist.
Cetay (inaktiv) (18.04.2008, 10:31):
@Henning, uhlmann

Oha, da waren meine Finger langsamer als mein Gehirn.

Der Satz "Was mich sehr wundert, ist, dass die Werktreue-Fraktion im Falle Solti eine grobe Abweichung von der Partitur -wodurch die gesamte Aussage des Werks verzerrt wird- stillschweigend hinnimmt." bezieht sich nicht auf den vorhergehenden Abschnitt sondern nur auf den zusätzlichen Hammerschlag, den Solti spielen läßt (aber davon habe ich nichts geschrieben...) Ich wollte keineswegs den Eindruck erwecken, ich halte das, was Levi macht, im Sinne der Werktreue für richtiger - so etwas gibt es von mir als Befürworter der interpretatorischen Freiheit nie zu hören.
Cetay (inaktiv) (18.04.2008, 11:20):
Original von uhlmann
hallo dox,

über deinen solti-verriss wird sich teleton aber gar nicht freuen... :wink

aber mal ehrlich: so hysterisch ist er auch wieder nicht. sein ansatz ist halt immer etwas "fahrig", sehr auf dramatische kontraste aus. er läßt es auch in anderen symphonien richtig knallen, in der sechsten kommt das vielleicht aufgrund des werks noch stärker heraus. manchmal ist das wirklich etwas ermüdend, aber im großen und ganzen finde ich soltis mahler schon recht gut gelungen (besser jedenfalls, als sein bruckner).

Ein Veriss sollte das nicht sein, eher eine kritische Ergänzung zu den allerorts zu lesenden Lobeshymnen.
Ich finde "fahrig" einen sehr guten Ausdruck für die Phrasierung, dazu würde ich noch "derb" und "bewußt fahl" addieren. Das mag zum Charakter des Werks passen, ist aber m.E. zu extremisitisch um als Überreferenz durchzugehen.

Original von uhlmann
auch ich möchte, wie du, mahler "farbig und stimmungsreich" hören, nur dann greife ich eben eher zu einer anderen symphonie als der sechsten. die ist vom werk her einfach düster, ich denke schon, dass mahler das so beabsichtigt hat. dirigenten vorzuwerfen, sie legen da etwas hinein, was nicht drinnen ist, halte ich im falle der sechsten für nicht zulässig. jeder sieht es eben ein wenig anders.

Ich greife auch lieber zur Dritten (auch auf Telarc mit Lopez-Cobos :times10)
Wie oben gesagt, ich wollte kein Hineininterpretieren unterstellen - jeder macht das, weil eben das Entscheidende nicht in den Noten steht. Die Frage ist: klingt es aufgesetzt (so empfinde ich es bei Solti) oder organisch (so empfinde ich es bei Levi).

Original von uhlmann
doch davon leben viele große interpretationen - sie heben sich von der masse ab, zeigen vielleicht auch einen völlig eigenen blick auf ein werk. das kann man mögen oder auch nicht.

:beer

Original von uhlmann
levi kenne ich nicht, jedoch viele andere "mittelmäßige" aufnahmen (u.a. abbado, boulez, chailly, inbal, kubelik, neumann, rattle,...), die höre ich auch immer wieder mal gerne. wenn ich aber nach einer zeit wieder zu barbirolli greife, bin ich mir jedes mal sicher, dass es nur so wirklich "richtig" ist.
Und das ist letzlich das, worauf es ankommt. Wenn du als Hörer dieses Gefühl vermittelt bekommst, dann ist es auch genau die richtige Aufnahme und dann gibt es auch kaum einen Weg das Anderen zu vermitteln - außer eben zu sagen, dass es richtig klingt.
Nordolf (18.04.2008, 12:39):
Hallo Dox!

Der Satz "Was mich sehr wundert, ist, dass die Werktreue-Fraktion im Falle Solti eine grobe Abweichung von der Partitur -wodurch die gesamte Aussage des Werks verzerrt wird- stillschweigend hinnimmt." bezieht sich nicht auf den vorhergehenden Abschnitt sondern nur auf den zusätzlichen Hammerschlag, den Solti spielen läßt (aber davon habe ich nichts geschrieben...)

Wenn man den dritten Hammerschlag spielen lässt, ist das nur eine Abweichung von der Partitur in ihrer späteren Fassung. Mahlers ursprünglicher Intention entspricht dieser Hammerschlag allerdings vollauf: - er liess ihn erst nach der Uraufführung entfernen (siehe meinen Eingangstext). O-Ton Mahler: "Der Held, der drei Schicksalsschläge bekommt, von denen ihn der dritte fällt, wie ein Baum."
Und wieso sollte es gegen die "Werktreue" gerichtet sein, wenn man die Urfassung bevorzugt? Dann dürfte man ja auch bspw. die Bruckner-Symphonien nur noch in der letzten Fassung spielen...

In diesem Zusammenhang scheint mir eine Aussage Mahlers interessant, die Otto Klemperer überliefert hat (Klemperer / Heyworth "Gespräche mit Klemperer", S. Fischer Verlag 1974). Klemperer arbeitete ja zeitweise mit dem Komponisten während Mahlers Dirigiertätigkeit zusammen. So erzählt Klemperer: "Er war nie fertig mit der Partitur, während der Proben machte er kleine Änderungen. (...) Er war nie zufrieden. Er wollte immer mehr Klarheit, mehr Klangfarbe, mehr dynamischen Kontrast. Während einer Probe zur Achten Symphonie drehte er sich einmal um und sagte zu uns im Saal: 'Falls nach meinem Tode irgend etwas nicht richtig klingt, ändern Sie es. Sie haben nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, das zu tun.'" (S. 49)

Ich möchte Mahler auch farbig und auch stimmungsreich hören - erst dadurch kommt die Tragik im Kontrast richtig zur Wirkung.

Ich kann Soltis Einspielung eigentlich nicht so bar aller Klangfarbe empfinden. Was Klarheit, dynamischen Kontrast und Tempiwahl betrifft, erscheint sie mir als vorbildlich. Detailarm interpretiert Solti nun gerade nicht - wenn auch gewiss nicht analytisch und mit "Röntgenblick", sondern um einen großen Bogen und Kompaktheit bemüht. Ich würde sie jederzeit als Erstanschaffung der Sechsten empfehlen (außer man hat grundsätzlich etwas gehen einen harten und druckvollen Angang).
Du solltest auf jeden Fall die Kondrashin-Einspielung mit den ehemaligen Leningradern meiden. Hier wird (anders als bei Solti) tatsächlich wenig Wert auf die Klangfarbe gelegt - die rhythmische Prägnanz steht im Vordergrund. Das Aufschreiende, Schrille der Symphonie wird teils bis an die Grenze getrieben. Das Wimmern und Kreischen der Blechbläser - besonders im 4. Satz - erzeugt eine ziemlich hysterische Stimmung.

Herzliche Grüsse!
Jörg
Cetay (inaktiv) (18.04.2008, 16:16):
Original von Nordolf
Hallo Dox!

Der Satz "Was mich sehr wundert, ist, dass die Werktreue-Fraktion im Falle Solti eine grobe Abweichung von der Partitur -wodurch die gesamte Aussage des Werks verzerrt wird- stillschweigend hinnimmt." bezieht sich nicht auf den vorhergehenden Abschnitt sondern nur auf den zusätzlichen Hammerschlag, den Solti spielen läßt (aber davon habe ich nichts geschrieben...)

Wenn man den dritten Hammerschlag spielen lässt, ist das nur eine Abweichung von der Partitur in ihrer späteren Fassung. Mahlers ursprünglicher Intention entspricht dieser Hammerschlag allerdings vollauf: - er liess ihn erst nach der Uraufführung entfernen (siehe meinen Eingangstext). O-Ton Mahler: "Der Held, der drei Schicksalsschläge bekommt, von denen ihn der dritte fällt, wie ein Baum."


Man kann in einem Klassikforum noch etwas lernen. Ich war bisher der Überzeugung, Mahler hätte den 3. Hammerschlag erst gar nicht veröffentlicht, damit lag ich wohl falsch. In dem Fall sind auch beide Fassungen legitim, wobei ich dabei bleibe, dass das Weglassen des 3. Schlages die gesamte Aussage des Werks verändert: Es ist formal-strukturell zwingend, dass der 3. Schlag kommen muss - er bleibt aber aus, der "Held" ist scheinbar nochmal davon gekommen, aber das täuscht, denn es gibt ja noch den Schluss, der aufzeigt, dass das Entrinnen immer ein vorläufiges bleibt.
Wotan (18.04.2008, 23:18):
Mahlers 6te ist wohl die Sinfonie von Mahler, mit der ich mich am längsten und intensivsten beschäftigt habe und die mich nach wie vor fasziniert und zu fesseln vermag. Folglich habe ich auch einiges an Einspielungen im Schrank stehen:
Berliner Philharmoniker - Claudio Abbado
New York Philharmonic Orchestra - Leonard Bernstein
Wiener Philharmoniker - Leonard Bernstein
Wiener Philharmoniker - Pierre Boulez
Berliner Philharmoniker - Herbert von Karajan
Leningrad Philharmonic Orchestra - Kirill Kondrashin
Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle
City of Birmingham Symphony Orchestra - Sir Simon Rattle
Chicago Symphony Orchestra - Sir Georg Solti

Wirklich einen Favoriten zu bestimmen vermag ich nicht. Lennys Wiener Aufnahme und Kondrashins Aufnahme wären es aber wohl, wenn ich mich entscheiden müsste. Rattle oder Boulez sind höchst interessante Alternativen, wenngleich sie mich nicht in der Art und Weise packen, wie es ein emotionaler Bernstein tut.

Eine weitere Aufnahme auf die ich alle noch liebend gerne aufmerksam machen möchte ist eine sehr aktuelle, die sich erst gestern zu den anderen gesellt hat, mich aber beim ersten hören bereits überzeugt hat:
Das London Symphony Orchestra unter Valery Gergiev. Neben einem herausragenden Klang eine sehr gute Interpretation, wie ich finde. Allen voran das Adagio ist sehr gelungen. Mal sehen, wie weit diese Aufnahme nach mehrmaligen hören bestehen kann, aber der erste Eindruck war sehr gut und macht Freude auf den restlichen, noch folgenden Mahlerzyklus von Gergiev.

MfG
Wotan
Wotan (20.04.2008, 10:16):
Ich wurde freundlichst darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht das Adagio sondern das Andante meinte (kommt davon wenn man anfängt schneller zu tippen als du denken). Vielleicht schreib ich in Zukunft einfach "der Satz der langsamer ist als die andern" :J

MfG
Wotan
ab (19.11.2009, 14:38):
Irgendwie hat sich in diesem Faden seit eineinhalb Jahren nichts mehr getan.

Dabei gibts zahlreiche Neuaufnahmen oder zumindest -ausgaben zu verzeichen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

John Barbirolli, New Philharmonia Orchestra, live Aufgust 1967 (Testament) - (weil ich davon ausgehe, dass es sich bei der EMI-Aufanhme um eine Studioproduktion handelt; stimmt das?)

Klaus Tennstedt, London PO, 1983 live im Konzert vier Monate nach seiner Studioproduktion aufgenommen (LPO)

Gabriel Feltz, Stuttgarter Philharmoniker, 2008 (DreyerGaido)

Jonathan Darlington, Duisburger Philharmoniker, (Accousence)

David Zinman, Tonhalle-Orchester Zürich (RCA)

Bernard Haitink, live mit dem Chicago SO, 2007 (CSO)

Valery Gergiev, live mit dem London SO, 2007 ( LSO)

Fedossoeyev, Tschaikowsky SO von Radio Moskau, 2001 (Relief)

Benjamin Zander, Iván Fischer, Maris Jansons aus London und aus dem Concertgebouw, Haitink mit dem Französischen Nationalorchester, Tilson Thomas, Herbig aus Saarbrücken, Michael Gielen, Eschenbach, Luisi etc. sind alle noch nicht hier besprochen worden.

Eine Aufnahme mit Nott steht noch aus...

Habt ihr hier irgendwelche Hörerfahrungen?

:hello
Wotan (19.11.2009, 15:00):
Wie oben bereits erwähnt finde ich die Aufnahme von Gergiev sehr gelungen. Ebenfalls an Neuerwerbungen muss ich Zander erwähnen, der ebenfalls eine großartige Aufnahme vorlegt, v.a. da er beide Fassungen des letzten Satzes spielt, was durchaus interessant ist. Ebenfalls bei ihm zu erwähnen sind die Hammerschläge, die ich nie besser gehört habe (oder auch gewaltiger, wie man will).
Jürgen (19.11.2009, 15:49):
Original von ab

Benjamin Zander, Iván Fischer, Maris Jansons aus London und aus dem Concertgebouw, Haitink mit dem Französischen Nationalorchester, Tilson Thomas, Herbig aus Saarbrücken, Michael Gielen, Eschenbach, Luisi etc. sind alle noch nicht hier besprochen worden.



Besprechung würde ich es nennen wollen, aber ich habe die Aufnahme mit Eschenbach schon gehört und war nicht sonderlich angetan.

Aus dem Thread: Heute neu gekauft, 2008
Original von Jürgen
Original von Jürgenhttp://ecx.images-amazon.com/images/I/412E3GzdYIL._SS400_.jpg
Mittlerweile habe ich auch den Mahler/Eschenbach gehört.
Wahrscheinlich werde ich das nicht noch einmal tun.
Solch einen weichgespülten, spannungsarmen Mahler mag ich nicht hören.


Ich höre sie gerade zum zweiten mal und bleibe bei meinem Urteil.

Grüße
Jürgen
Amadé (19.11.2009, 17:18):
Original von ab
John Barbirolli, New Philharmonia Orchestra, live Aufgust 1967 (Testament) - (weil ich davon ausgehe, dass es sich bei der EMI-Aufanhme um eine Studioproduktion handelt; stimmt das?)

EMI Barbirolli wurde im Sudio aufgenommen, Ersrveröffentlichung auf 1 1/2 LP.
Die anderen kenne ich noch nicht.
Gruß Amadé
ab (19.11.2009, 18:15):
Danke!
ab (21.03.2012, 20:33):
Lang, lang ist es her, dass in diesem Faden etwas geschrieben wurde. Nun war bei uns im Konzert Gabriel Feltz mit seinen Stuttgarter Philharmoniker zu Gast und im Zuge dessen habe ich mich durch den ersten Satz in verschiedensten Aufnahmen durchgehört. Weil ich gebeten worden bin, dazu ein paar Zeilen zu schreiben, komme ich hiermit dem gerne nach. Leider, so muss ich sagen, reicht meine Zeit nicht für mehr, als rein subjektive Eindrücke zu schildern. Ich betone auch, dass ich hier mich ausschließlich dem ersten Satz zugewendet habe, so dass weder ein Gesamteindruck noch der von anderen Sätzen hier von mir mit berücksichtigt wurde. Auch muss ich sagen, dass ich etliche der Aufnahmen bloß als Livestream aus dem Internet hören konnte und damit das Urteil wesentlich geprägt sein kann von der Datenreduktion sowie dem mäßigen Wandler und bescheidenen Kopfhörer. Meinen ersten Höreindruck habe ich dann durch zumindest ein weitres Durchhören noch einmal überprüft (bis auf eine einzige Aufnahme, ratet welche ;-), manche habe ich öfters mit einigen zeitlichen Abständen wieder gehört.
Die folgende Abfolge ist zufällig und entspricht keiner Reihung meiner Wertschätzung.


John Barbirolli / New Philharmonia Orchestra (21:14) – Sehr langsam, dadurch eine intensive Binnenspannung durch einen breiten Ton, der mich fast an den „Bachstrich“ der Prä-Alte-Musik-Bewegung-Ära erinnert, am Rand zum Schleppenden (diesseits, nicht jenseits), wodurch es durchaus etwas „Tragisches“ vom Ausdruck her bekommt: Ein Abgesang à la Tod in Venedig, Barbirollis Hang zur Pathetik liegt mir persönlich nicht nahe, leider (ich kann Uhlmanns Begeisterung verstehen). Klangfarbig für mich abwechslungslos in einer Wurst, überhaupt sind Kontraste alle im Gesamtklang sublimiert, wie manche Musikwissenschaftler manchmal gerne sagen. Der Schlusston klingt auf mich nicht am Punkt. Dennoch: Sehr gut durchgearbeitet, und insbesondere sehr klangwarm, wie es heute selten geworden ist.

Eduard Flipse / Rotterdam Philharmonic Orchestra (18:58) (1955) – für die Zeit ein ganz beachtlicher Aufführungsmitschnitt. Erstaunlich plastisch, luftig und durchörbar diese Monoaufnahme! Interpreterisch bereitet er mir aber keinerlei neuen Einsichten.

Dmitri Mitropulous / New York PO (17:52) (1955) – ein feuriger Hexenkessel, wie in Ritt durch die Walpurgisnacht. Mit umbarmherzigen drängendem, vorwärtsmarschierendem Schritt. Nach zwei Drittel ist dann aber etwas der Dampf draußen, finde ich. Die Streicher klingen gepresst und der Klang der Aufnahme lässt leider vieles nur erahnen. Das Ende sitzt perfekt. Alles in allem wie aus einem Guss.

Rafael Kubelik / Symphonie-Orchester Des Bayerische Rundfunks (21:07) – Hier kommt mir die Assoziation: eine zornige Interpretation. Die vielleicht Mitropulous’ ähnlichste Interpretation, allerdings mit kurzen Ruhemomenten (wo etwa Boulez hingegen einen Choral sucht). Ich kann damit nicht wirklich etwas anfangen.

Georg Solti / Chicago PO (21:09) – als wäre hier Mitropulous sein Vorbild gewesen, geht’s bei Solti richtig zur Sache, allerdings ohne das Überhitzte und mit mehr Sinn für Klangfüllenarbeit (wenn’ nicht bloß der Technik geschuldet sein sollte) und Strauss’sche Farbeffekten. Mir ist Solti hier persönlich zu sehr an der Ausdrucksoberfläche und auf Dauer strengt mich es an, das Ende sitzt nicht ganz so am Punkt. Dennoch: Zu Recht eine der ganz berühmten Aufnahmen, natürlich auch wegen der Leistung der Aufnahmeleitung. Die Unterschiede in der Satzlänge erklärt sich daraus, dann die zuvor genannten Aufnahmen die Wiederholung der Exposition weglassen.

Simon Rattle / Birmingham PO (25:36) – Schöne Orchesterkultur, den ausgedünnte Klang hatte ich immer der Aufnahmetechnik und dem Saal zugeschrieben, bis ich das Birmingham Symphony Orchestra dann im Konzert bei uns erlebte und staunen musst, dass es tatsächlich so hell spielt. Auf mich wirkt Rattles Interpretation abschnittshaft zusammengestückelt. Strukturell kommt es mir so vor, als ob er eine Linie sucht, die dann durch ausperlende Girlanden, meist im Holz, ausmäandern. Mir kommen da immer Assoziationen einerseits von fin de sciècle und anderseits von Polnischem Impressionismus auf, die ich bei Mahler beide nicht hören mag. Höhepunkte kommen mir künstlich zelebriert vor. Irgendwie scheint mir die ganze Chose nicht recht in Schwung zu kommen, wodurch es vom Ausdruck her für mich in die Tradition von Barbirolli eines Abgesangs gerät. Der Schluss überzeugt mich. Dennoch: Eine Aufnahme, die mich nicht in den Bann zu ziehen vermag.

Neeme Järvi / Royal Scottish National Orchestra (20:01) – Die sinnlichste aller mir bekannten Interpretationen. Mahler einmal ganz anders. Die Schotten ackern brav. Mahler sozusagen als Salomes exaltierter Schleierrausch ;-)

David Zinman / Tonhallen Qrchester Zürich (23:50) – Da sind einzelne schöne Abschnitte, mancher Übergang ist gut durchgearbeitet. Alles im allem aber hält die Spannung nicht durchgängig durch, sind Artikulation in den Streichern nicht immer übereinstimmend und die Abstimmung zwischen den Instrumentengruppen ebenso. Alles eher auf Schönklang getrimmt. Hier höre ich zwar mehr zu als bei Rattle, aber für mich ist das so wie diese belanglosen Kinofilme, wo man schon am nächsten Tag vergessen hat, worum es ging. Von diesem durchwegs passablen Zyklus fand ich bislang bloß die Sinfonie Nr. 1 richtig zusagend.

Christoph Dohnanyi / The Cleveland Orchestra (23:09) – Für mich fließt da alles dahin wie ein breiter Strom kurz vor der Mündung ins Meer. Auf mich klingt das alles irgendwie unentschieden. Wer gerne auf Kontraste und Gegensätze verzichtet und gerne den schlanken Klang amerikanischen Blechs liebt, ist hier wohl gut bedient.

Antonio Pappano / Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia (24:33) – Erstaunlich dass das ein Konzertmitschnitt ist, erstaunlich dass hier ein italienisches Orchester mit so hoher Spielkultur und schönem Streicherklang erklingt. Erstaunlich, welche Probenarbeit hier zur Verfügung gestanden haben muss, um diese Sinfonie so durchgearbeitet realisieren zu können! Die hohe Spannung ist ob des langsamen Tempos umso mehr ein Ereignis. Faszinierend der weich-warme Italienische Klang gepaart mit einem solchen Biss. Schön der Abwechslungsreichtum. Faszinierend das Gespür Pappanos für Wirkung, ohne plump zu wirken. Eine sehr hörenswerte CD! Doppelbödigen Mahler hört man hier aber nicht.

Daniele Gatti / L'orchestre National De France (23:36) – das wackelt es hinten und vorne in der Intonation, dem Zusammenspiel, der Artikulation usw. usf. Ein Herr der willkürlichen Intuition, scheints...

Seiji Ozawa / Boston Symphony Orchestra (23:40) - Das ist für mich die überraschendste interpretatorische Entdeckung: Hier wurde sehr viel mit Dynamik und An- und Entspannung gearbeitet. Die Dramatik zeigt für mich hier eine doppelbödige Welt, die unter extremer Spannungen zu zerbersten droht. Toll. Klanglich leider eine Spur dumpf.

Bernhard Haitink / Berliner Philharmoniker (22:53) – auf mich klingt diese Interpretation äußerst unruhig, ein Sturm wie aber ohne Richtung wirkt das auf mich. Auch ruhige Stellen lassen keine Entspannung zu und so strengt das extrem an. Durch durchwegs breiten Klang bekomme ich noch mehr den Eindruck von Masse statt Klasse, auch wenn sich, immerhin, nichts Schleppendes einstellt.

Vaclav Neumann / Czech Philharmonic Orchestra (22:02) – eine sehr federnde, musikantische und streicherbetonte Interpretation, die trotz des höheren Tempos nie gehetzt klingt. Bei besserer Orchesterkultur wäre diese Aufnahme ein durchaus schöner Ansatz, der die volksmusikalischen Wurzen bloßlegt. Die älteren Aufnahmen Neumanns aus Leipzig schätze ich persönlich deutlich mehr als jene aus Prag: ein Jammer dass dieser Zyklus mit dem Gewandhausorchester nicht zu Ende gebracht wurde, weil Neumann wegen des Einmarsches der Russen im Prag sofort zurückgekehrt ist.

Pierre Boulez / Wiener Philharmoniker (23:07) – Tja, so wie mir bei Bruckner von anderen Orchestern als den Wiener Philharmoniker gespielt immer etwas Essenzielles am Klang fehlt, so finde ich diesen bei Mahler stets eine Spur zu viel. Und das auch bei Boulez, der mit seinen viel genannten „noblen“ Interpretationen ja eh allen Pathos herausnimmt. Das werden unterschiedliche Charaktere und Stimmungen farblich herausgearbeitet; aber mir geht das hier auf Kosten eines Zusammenhalts. (Wie großartig finde ich dafür Boulez’ Finale dieser Mahler- Sinfonie!)

Claudio Abbado / Chicago PO (23:35) - Stets aufs Neue überrascht mich, dass bei diesem älteren Zyklus kein Mahler in jener erotischen Sinnlichkeit erklingt, wie Abbado die Französischen Impressionistischen interpretiert hatte. Hier werde ich nicht recht warm, bis dann um die Minute 16 dann eine packende Dramatik entfacht wird, die mich umhauen könnte. Das ist typisch für diesen Zyklus, einzelne Stellen geraten grandios. (Besonders mag ich das Adagio der 10.!)

Claudio Abbado / Berliner Philharmoniker (22:48) - hier wird deutlich genauer die Motive minutiös herausgearbeitet. Das Orchester wirkt wie ein großes Schlachtross, das dahinströmt.

Leonard Bernstein / Berliner Philharmoniker (23:10) – bissig, dramatisch, spannungsreich, genau am Punkt, weniger bernsstein-pathetisch als anderer Mahler von ihm aus Wien. Durchwegs musikalisch und atmend. Für mich ganz eine Welt aus Klang erschaffend: Zu Recht einer der berühmten Mahler-Zyklen.

Riccardo Chailly / The Amsterdam Concertgebouw Orchestra (25:35) – Sehr langsam, aber ohne diese intensive Binnenspannung eines Barbirollis. Ich finde die Balance der Instrumentengruppen nicht wirklich ausgewogen. Die dynamische Gestaltung empfinde ich unausgegoren. Enttäuschend.

Eliahu Inbal / Radiosymphonieorchester Frankfurt (24:24) – für mich eine Aufnahme der „goldenen Mitte“. Sie reißt mich zwar nicht mit, umso mehr höre ich hier gerne zu. Da ist mir nicht zu viel und nichts zuwenig. Auch das raumtiefe Klangkonzept von Denon mag ich gerne.

Giuseppe Sinopoli / The Philharmonia Orchestra (15:10) – unglaublich sorgfältig und mit Liebe scheint mit das ausgeleuchtet. Mir kommt das nicht wie ein aufgehetzter Ritt vor, sondern wie ein Totentanz. Der Biss weicht dadurch etwas Traurigem, aber ohne pathetischem „Abgesang à la Tod in Venedig“. Alles klangfärbig abwechslungsreich. Erklängen doch nur die Streicher etwas schöner! Ich kenne keine Aufnahme, bei der mehr Augenmerk auf die individuellen Klangfarbmomente um ihrer selbst willen gelegt würde.

Herbert von Karajan / Berliner Philharmoniker (22:22) – meine Lieblingsaufnahme mit der Sorgfalt wie ich sie bei Sinopoli schätze, aber mit der Dramatik wie sie bei Solti mitreißt, aber ohne unterschiedslos (und daher ermüdendem) Biss, einer beispiellosen Orchesterkultur ohne Wiener Weichheit, unterschiedliche Charaktere und Stimmungen, aber ohne dass das hier auf Kosten eines Zusammenhalts gehen würde, Klangfülle, ohne dass es schwerfällig werden würde und immer wieder Klangfarbauskostungen, die mir zu Herzen gehen. Nachdem mir Mahler 9, 5 und 4 von Karajan nie zusagten, war ich umso mehr verblüfft, als ich das erste Mal diese Aufnahme zu hören bekam und mir meine Sorge, endlich einmal eine mich zufriedenstellende Version Mahlers 6. zu finden, mit einem Schlag nahm, und das auch noch bei diesem Klangschmaus!
Agravain (22.03.2012, 07:52):
Lieber ab, ein sehr verdienstvoller Beitrag, wie ich meine. :times10

Ein kleiner Kommentar muss aber sein:

Original von ab Leonard Bernstein / Berliner Philharmoniker (23:10)


Wie bist Du in den Besitz dieser Aufahme gekommen? :D

Original von ab Giuseppe Sinopoli / The Philharmonia Orchestra (15:10)

Ganz so flott ist der Giuseppe nicht. Er braucht schon 25:10.

Original von abHerbert von Karajan / Berliner Philharmoniker (22:22) – meine Lieblingsaufnahme :beer

:hello Agravain
ab (29.03.2012, 22:06):
Original von Agravain
Lieber ab, ein sehr verdienstvoller Beitrag, wie ich meine. :times10

Ein kleiner Kommentar muss aber sein:

Original von ab Leonard Bernstein / Berliner Philharmoniker (23:10)


Wie bist Du in den Besitz dieser Aufahme gekommen? :D

Original von ab Giuseppe Sinopoli / The Philharmonia Orchestra (15:10)

Ganz so flott ist der Giuseppe nicht. Er braucht schon 25:10.

Original von abHerbert von Karajan / Berliner Philharmoniker (22:22) – meine Lieblingsaufnahme :beer

:hello Agravain

Danke für diese Korrekturen, das sind tatächlich Fehler meinerseits: Natürlich ist Bernsteins Aufnahme aus Wien, den in Berlin stand er ja nur ein einziges Mal am Pult - und da mit Mahlers 9.; und Sinopoli ist um 10 min. langsamer... Sorry
:hello

A propos Gabriel Feltz mit seinen Stuttgarter Philharmoniker: Den zweiten Satz hat er so "schattenhaft" genommen, dass ich ganz fasziniert war, eine Mahler 6. sozusagen ganz aus dem Geiste der Mahler 7. zu vernehemen; bis ich dann zuhause nachgesehen und erfahren habe, dass die beiden Schatten-Sätze der 7. zeitgleich bereits mit diesem Satz der 6. Sinfonie vorab entstanden sind. Ich kenne keine einzige Aufnahme, wo das so deutlich hervorgebracht worden wäre, wie bei diesem Konzert (die Aufnahme Feltz' kenn ich leider nicht...): bravo!
Nordolf (21.05.2012, 18:32):
Hallo ab!

Auch von mir noch mal vielen Dank für Deinen spannenden Vergleich!

Aufgrund Deiner Beschreibungen habe ich einige Aufnahmen in meine Wunschliste aufgenommen:

Original von ab

John Barbirolli / New Philharmonia Orchestra (21:14) – Sehr langsam, dadurch eine intensive Binnenspannung durch einen breiten Ton, der mich fast an den „Bachstrich“ der Prä-Alte-Musik-Bewegung-Ära erinnert, am Rand zum Schleppenden (diesseits, nicht jenseits), wodurch es durchaus etwas „Tragisches“ vom Ausdruck her bekommt: Ein Abgesang à la Tod in Venedig, Barbirollis Hang zur Pathetik liegt mir persönlich nicht nahe, leider (ich kann Uhlmanns Begeisterung verstehen). Klangfarbig für mich abwechslungslos in einer Wurst, überhaupt sind Kontraste alle im Gesamtklang sublimiert, wie manche Musikwissenschaftler manchmal gerne sagen. Der Schlusston klingt auf mich nicht am Punkt. Dennoch: Sehr gut durchgearbeitet, und insbesondere sehr klangwarm, wie es heute selten geworden ist.

Steht schon seit der Empfehlung von uhlmann drauf...

Dmitri Mitropulous / New York PO (17:52) (1955) – ein feuriger Hexenkessel, wie in Ritt durch die Walpurgisnacht. Mit umbarmherzigen drängendem, vorwärtsmarschierendem Schritt. Nach zwei Drittel ist dann aber etwas der Dampf draußen, finde ich. Die Streicher klingen gepresst und der Klang der Aufnahme lässt leider vieles nur erahnen. Das Ende sitzt perfekt. Alles in allem wie aus einem Guss.

Dieser Klassiker wird aller Orten empfohlen.

Rafael Kubelik / Symphonie-Orchester Des Bayerische Rundfunks (21:07) – Hier kommt mir die Assoziation: eine zornige Interpretation. Die vielleicht Mitropulous’ ähnlichste Interpretation, allerdings mit kurzen Ruhemomenten (wo etwa Boulez hingegen einen Choral sucht). Ich kann damit nicht wirklich etwas anfangen.

Zornig - ah ja, sehr gut...

Neeme Järvi / Royal Scottish National Orchestra (20:01) – Die sinnlichste aller mir bekannten Interpretationen. Mahler einmal ganz anders. Die Schotten ackern brav. Mahler sozusagen als Salomes exaltierter Schleierrausch ;-)

Klangsinnlich - genauso große Bejahung von meiner Seite...

Christoph Dohnanyi / The Cleveland Orchestra (23:09) – Für mich fließt da alles dahin wie ein breiter Strom kurz vor der Mündung ins Meer. Auf mich klingt das alles irgendwie unentschieden. Wer gerne auf Kontraste und Gegensätze verzichtet und gerne den schlanken Klang amerikanischen Blechs liebt, ist hier wohl gut bedient.

Dohnanyis Dirigierstil liegt mir im allgemeinen sehr. Die Doppel-CD mit der Fünften und Sechsten ist derzeit leider nur schwer erreichbar.

Bernhard Haitink / Berliner Philharmoniker (22:53) – auf mich klingt diese Interpretation äußerst unruhig, ein Sturm wie aber ohne Richtung wirkt das auf mich. Auch ruhige Stellen lassen keine Entspannung zu und so strengt das extrem an. Durch durchwegs breiten Klang bekomme ich noch mehr den Eindruck von Masse statt Klasse, auch wenn sich, immerhin, nichts Schleppendes einstellt.

Die Symphonie darf für mich gerne sehr breit und unruhig genommen werden. Verschleppte Zerdehnungen wie bei Rattle gehen hingegen gar nicht, da sie der Musik ihre Einprägsamkeit nehmen.

Herbert von Karajan / Berliner Philharmoniker (22:22) – meine Lieblingsaufnahme mit der Sorgfalt wie ich sie bei Sinopoli schätze, aber mit der Dramatik wie sie bei Solti mitreißt, aber ohne unterschiedslos (und daher ermüdendem) Biss, einer beispiellosen Orchesterkultur ohne Wiener Weichheit, unterschiedliche Charaktere und Stimmungen, aber ohne dass das hier auf Kosten eines Zusammenhalts gehen würde, Klangfülle, ohne dass es schwerfällig werden würde und immer wieder Klangfarbauskostungen, die mir zu Herzen gehen. Nachdem mir Mahler 9, 5 und 4 von Karajan nie zusagten, war ich umso mehr verblüfft, als ich das erste Mal diese Aufnahme zu hören bekam und mir meine Sorge, endlich einmal eine mich zufriedenstellende Version Mahlers 6. zu finden, mit einem Schlag nahm, und das auch noch bei diesem Klangschmaus!

Diese Karajan-Empfehlung überrascht mich etwas - obwohl ich Karajan sehr schätze, hatte ich doch einige Vorbehalte, ob ihm Mahler liegen könnte. Die eben gehörten Klangschnipsel aus dieser CD klingen zumindest sehr füllig. Das wird dann wohl meine nächste Anschaffung der Sechsten...

Herzliche Grüße!
Jörg