Schostakowitsch - Sinfonie Nr. 11 g-moll op.103 - Die Doppelbödige
HenningKolf (19.10.2007, 21:18): Es ist mir ein Anliegen diesen thread zu eröffnen, ist die 11. doch eine meiner Lieblingssinfonien. Jedesmal ein höchst intensives Hörerlebnis. Ein Wechselbad zwischen resignativer Erstarrung und sich entladenden Aggressionen.
Vorausschicken möchte ich, dass ich Partituren nicht lesen kann und Internet- und Literaturquellen mit Höreindrücken kombiniert habe. Ich hoffe , es sind keine gravierenden Fehler entstanden. Übt Nachsicht!
Schostakowitsch komponierte die Sinfonie von Januar bis August 1957. Die Uraufführung fand statt am 30. Oktober 1957 im Moskauer Konservatorium mit dem Staatlichen Sinfonieorchester der UDSSR unter Leitung von Nathan Rachlin anlässlich des 40. Jahrestages der Oktoberrevolution.
Schon angesichts der Uraufführungsumstände wird deutlich, dass Schostakowitsch, 1934 in, für ihn persönlich bedrohliche Züge annehmende, „Ungnade“ gefallen und sich bis zu Stalins Tod immer auf einer schwierigen Gratwanderung befindend, (mal wieder) das Wohlwollen der politischen Führung zurückgewonnen hatte. Jedenfalls ist die 11. Sinfonie ein wichtiger Abschnitt auf diesem Wegstück. Vordergründig entspricht die Sinfonie den Forderungen des sogenannten „Sozialistischen Realismus“ („historisch konkrete Wirklichkeitsdarstellung in ihrer revolutionären Entwicklung“ :J). In der Literatur werden die Sinfonien 11, 12 und 13 gelegentlich als „Revolutionstriptychon“ bezeichnet. Die 11. Sinfonie hat den Untertitel „Das Jahr 1905“, das Jahr des Volksaufstandes gegen Zar Nikolaus II, die 12. Sinfonie trägt den Titel „1917“, in dem das 1905 begonnene zum Ziel geführt wurde. In dieser Lesart stellt die 13. Sinfonie „die Revolution als gegenwärtigen, nicht abgeschlossenen Prozess dar“. Zumindest letzteres eine in meinen Augen kaum nachvollziehbare eindimensionale Sichtweise, aber ich will diesen Aspekt zunächst nicht weiter vertiefen, um die Musik nicht aus den Augen zu verlieren.
Schostakowitschs geniales Komponieren und Taktieren am Abgrund kann man andererseits aber nur nachvollziehen, wenn man seine Biographie und die politischen Zeitumstände eben nicht außer Acht läßt. Nur dann zeigt sich, dass die 11. Sinfonie ein vor subtiler Doppelbödigkeit strotzendes Werk ist und keineswegs nur „linientreu“ und dadurch Freiraum für - andere - Provokationen schaffend, wie oft zu lesen ist.
Die Sinfonie ist in vier Sätze gegliedert, die alle ohne Pause ineinander über gehen
1. Adagio - Untertitel „Der Palastplatz“
Der erste Satz schildert den kalten Schloßplatz als Sinnbild der seelenlosen Obrigkeit mit dem Mittel dissonant und diffus klingender Streicher.
Militärische Klänge (Bläser) und ein dunkles Paukenthema weisen auf die latente Gewaltbereitschaft der Obrigkeit hin. Eingearbeitete Liedzitate versinnbildlichen die Gefühle und Erwartungen des (im Jahre 1905 hungernden und polizeilicher Willkür ausgesetzten) Volkes.
Zu hören sind der christliche Bittgesang „Herr erbarme Dich unser“ und Melodiezitate aus zwei Gefangenenliedern „Gib acht!“ (Flöten) und „Der Arrestant“. Ein Schlüsselvers dieses Liedes lautet „Wie das Gewissen des Tyrannen so finster ist die Nacht“.
Die Versinnbildlichung der seelischen Kälte, der diffusen Drohung, der latenten Gewalt gelingt nach meiner Auffassung Rostropowitsch am Besten. Möglicherweise weil er sich mit breiten, gedehnten Tempi sehr viel Zeit lässt, stellt sich der Eindruck der ewig währenden frostigen Erstarrung beim Hörer besonders gut ein.
2. Allegro. Adagio - Untertitel „Der 9. Januar“
Der konkrete Bezug zum „Blutsonntag“ von St. Petersburg, als der Zar den Petitionszug des Priesters Gapon vor dem Winterpalast niederschießen ließ:
Schostakowitsch verwendet zwei Zitate aus seinem Chorwerk „Zehn Poeme nach Revolutionsgedichten“ (op. 88). In der Vorlage, die gleich eingangs zitiert wird (Holzbläser(?) auf dunkel klingendem Streicherhintergrund) heißt es „Heißa, du unser Väterchen Zar“.
Der Ruf nach dem Herrscher wird mehrmals, teils durch sich überlagernde Instrumentengruppen, wiederholt; man liegt wohl nicht falsch wenn man dies mit zusammenströmenden Menschenmassen assoziiert. Es gesellt sich ein zweites Thema hinzu, „Entblößet die Häupter“ (ebenfalls aus op. 88, Blechbläser(?)). Durch Wiederholungen, An- und Abschwellen der Lautstärke, Überlagerungen verschiedener Instrumentengruppen bekommt die Darstellung der protestierenden Menschen einen sehr fordernden Charakter. Meines Erachtens darf man hier aber auch nicht zu „dick auftragen“, vor allem nicht in Relation zum Nachfolgenden. Sonst wird der Eindruck vermittelt, die staatliche Gewalt wäre Notwehr, was der historischen Vorlage wohl kaum entspricht. Ein wenig geht diese Relation bei Rostropowitsch verloren, wie ich finde.
Durch militärische Trommeleinlagen kündigt sich das drohende Unheil an ( ein Detail, das bei Kondraschin deutlich herausgearbeitet ist, in manch anderer Einspielung weniger). Es fallen Schüsse, durch das Schlagzeug versinnbildllicht. Das Orchester, wenn es denn gut dirigiert ist, intoniert eine Art apokalyptische Höllenfahrt, das Orchester schreit förmlich. Das gelingt auf den mir bekannten Aufnahmen niemandem besser als Kondraschin. Es gibt auch nichts, was diese Stimmungslage besser darstellen könnte als ein sowjetisches Orchester mit dem charakteristischen „rauhen“ Bläserklang. Am Schluss kehrt die Adagio-Musik wieder - „nachzitternde“ Streicherklänge.
3. Adagio - Untertitel „Ewiges Andenken“
Ein von den Bratschen getragener Trauergesang greift die nach meiner Recherche damals überaus bekannte Melodie des Revolutionsliedes „Unsterbliche Opfer“ auf, die sich im Streichersatz fortsetzt. Der Text des zitierten Liedes lautet „Unsterbliche Opfer! Ihr sanket dahin! Wir aber, wir trauern, der Zukunft Geschlecht. Einst aber, wenn Freiheit dem Menschen erstand, dann werden wir künden, wie ihr gelebt, zum höchsten der Menschheit empor nur gestrebt!“ Der Trauergesang wird unter Tonartwechsel zum eindrucksvollen Trauermarsch, „Entblößet die Häupter“ wird nunmehr nicht als Ehrerbietung an den Herrscher, sondern als Andenken an die Toten zitiert. Besonders eindringlich gelingt dieser Satz nach meinem Geschmack Caetani. Bei einem italienischen Orchester verwundert es aber nicht, dass das „Trauern“ besonders eindringlich gelingt. :wink
4. Allegro non troppo - Untertitel „Die Sturmglocke“
Dieser Satz ist es wohl, der Anlass für die größten Auslegungsstreitigkeiten gibt.
Zur „reinen“ Musik:
Zunächst das fluchende Liedzitat „Wütet, Tyrannen“. Eine Pause, mehrfache Wiederholung des Fluches. Dann die Zitierung der Warszawianka, der „polnischen Arbeiter Marseillaise“ („Feindliche Stürme durchtoben die Lüfte“). Diese Musik klingt nach meinem Dafürhalten am Dynamischsten und „Gewalttätigsten bei Caetani und vor allem Kondraschin. Eingeflochten werden Zitate aus Swiridows Operette „Lichtschimmer“ und der „sozialistische Gassenhauer“ - „Brüder zu Sonne“. Dann kehrt die Adagiomusik wieder, „Entblößet die Häupter“ wird zitiert, im Allegro schlägt die Glocke.
Die Sojwetführung war es zufrieden und nahm diesen ungestümen Ausgang als Verheißung der 1917er-Revolution, Schostakowitsch bekam den Leninorden.
Mehrfach habe ich gelesen, dass in der Familie Schostakowitsch ganz andere Befürchtungen die Runde machten. Maxim soll nach der Generalprobe geäußert haben „Mein Gott, dafür werden sie dich aufknüpfen!“ Schostakowitsch soll später geäußert haben, er habe die Wiederholung der Geschichte darstellen wollen, dass sich dem Grunde nach nichts geändert habe und nie ändern werde. Es spricht nach meiner Auffassung vieles dafür, dass dem so ist. Die Warszawianka kann als Hinweis auf Schostakowitschs polnische Herkunft verstanden werden. Seine Vorfahren kämpften 1830/31 gegen die russischen Besatzer, wurden nach Sibirien verbannt. Das Zitat der Operette im Kontext mit „Brüder zur Sonne“ macht eigentlich wenig Sinn, es sei denn, Schostakowitsch wollte den realen Sozialismus als operettenhaft brandmarken. Vor dem Hintergrund, dass die Aufstände von 1953 und 1956 frisch in Erinnerung waren lässt sich die Rückkehr des Adagios als Sinnbild der immer gleich eiskalten Obrigkeit verstehen, die Sturmglocke wird zur Totenglocke. Eine Lesart, die sich Rostropowitsch wie ich finde recht eindeutig, fast plakativ, zu eigen gemacht hat. Die Aufführung in Lemberg im Dezember 1957 wurde von den Bewohnern auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt tatsächlich als Regimekritik verstanden und als solche bejubelt (Lemberg war abwechselnd ukrainisch, polnisch und deutsch gewesen, bevor es 1944 russisch wurde)
Slovak versteht es nicht, mit seinem Orchester Stimmungen zu erzeugen. Alles wirkt inhomogen, wie Stückwerk. Hätte ich keine Vorkenntnisse über die Sinfonie gehabt, hätte sich mir anhand dieser Aufnahme nicht erschlossen, um welches Thema es geht.
Von nun an gilt: Alles recht erfreuliche Einspielungen!
Pletnew und Haitink (das Cover meiner Einspielung sieht anders aus, nicht gefunden) sind vielleicht ein wenig zu unspektakulär. Es könnte frostiger klingen, wo es frostig sein soll und brutaler wo es brutal sein soll. Überspitzt ausgedrückt (aber wirklich sehr überspitzt) klingt es bei Haitink nicht nach Volksaufstand und Gemetzel, sondern nach Hinterhofbandenkrieg. Aber der 3. Satz gefällt mir bei Haitink sehr.
Semjon Bitschkow ist eine gelungene Einspielung geglückt, allerdings hätte auch er noch etwas mehr „loslassen“ können (aber das ist dann schon Klagen auf sehr hohem Niveau).
Die Überraschung schlechthin für mich ist Caetani. Den Orchesternamen assoziiert man ja kaum mit Schostakowitschs Kompositionen. Aber ich finde die Liveaufnahme rundum gelungen. Sogar die italienischen Bläser klingen fast russisch. Ich habe die Einspielung als mp3, meine aber sagen zu können, dass sie auch klanglich überzeugend ist. Ich werde mir aufgrund dieser Erfahrung noch die eine oder andere Schostakowitscheinspielung von Caetani zulegen.
Rostropowitsch ist ein wenig „anders“, was man alleine daran sieht, dass er 18 Minuten mehr benötigt als Kondraschin. Den ersten Satz und den letzten Teil des 4. Satzes finde ich genial (auch wenn letzterer eine recht freie Interpretation der Komposition sein dürfte), den zweiten - jedenfalls vergleichsweise - etwas schwächer. Dieses Martialische, Verzweifelte, Schreiende bekommen die Londoner nicht so überragend zustande. Aber ich möchte diese Aufnahme schon wegen des fantastischen Kopfsatzes nicht missen und höre sie auch sehr oft.
Kondraschin (ich habe hier die derzeit erhältliche Gesamtaufnahme verlinkt, meine alten, teils japanischen Einzelausgaben sehen anders aus) ist der Meister der Stimmungen, besonders wenn es brachial und intensiv wird. Kein Wunder, dass ich ihn gerade was den zweiten Satz betrifft unerreicht finde.
Interesse habe ich schon länger an Aufnahmen von Jäärvi, Ashkenazy (kaum zu bekommen), Roschdestwenski - mal schauen ob ihr dazu etwas sagen könnt.
Klanglich sollte diese hier besonders überzeugend sein, schließlich sind die Leute von Linn Records "audiophil", weiß halt nur nicht, ob die Interpretation die weiteren 11 engl Pfund für den Download rechtfertigt. Vielleicht hat ja jemand aus der Forengemeinde Erfahrung mit dieser CD.
http://www.linnrecords.com/img/album/larger/ckd-247.jpg (Lazarew mit dem RSNO)
Unser admin hatte ja schon geäußert, dass Mrawinski klanglich grenzwertig ist. Schade, wäre ansonsten bestimmt auch eine Bereicherung meiner Sammlung gewesen.
So, jetzt seid ihr dran!
Gruß Henning
Zelenka (21.10.2007, 09:04): Lieber Henning:
Ganz herzlichen Dank für Deine großartige Fadeneröffnung, die ich als Schostakowitsch-Skeptiker und Besitzer nur der Billig-Version von Barshai mit großem Interesse gelesen habe!
Gruß, Zelenka
HenningKolf (21.10.2007, 10:42): @Zelenka
na ja, Dein thread über Schumanns op.54 hat mich dazu gebracht, mir Aufnahmen mit Fleisher und Kissin zu bestellen (hoffentlich rauscht es bei Fleisher nicht zu sehr) und Moravec mit dem DallasSO downzuloaden (Moravecs Spiel gefällt mir sehr sehr gut, "entzückend" ist das Wort welches mir dazu einfällt)...............insofern wäre es nur gerecht, wenn Dich mein thread auch in die Geldausgabe treiben würde :J...obwohl: nachdem was ich bisher gelesen habe, soll Barschai jedenfalls nicht so schlecht sein, dass Deine Skepsis allein von seiner Interpretation herrühren könnte.
aber ich war ja auch kein Schumann-Skeptiker, nur Unwissender
...............je mehr ich mich mit Schostakowitschs Musik beschäftige (Sinfonien und Konzerte), desto interessanter wird es für mich. Ein Leben im Wechselbad der Gefühle, Getriebener der Mächtigen, oft der Verzweiflung nah, aber auch mutig und durch starken Überlebenswillen gekennzeichnet, nicht den bequemen Weg gehend und das eigene Talent dementsprechend nicht einfach verleugnend..........all das führt zu einer sehr vielschichtigen Musik, die verschiedene Lesarten zulässt. Ich finde das ziemlich faszinierend...
Gruß Henning
Cosima (21.10.2007, 11:31): Original von Zelenka ... und Besitzer nur der Billig-Version von Barshai mit großem Interesse gelesen habe!
Ich kann darüber hinaus nur noch mit Jansons aufwarten. Aber diese GA hat ab schon so in Grund und Boden gestampft, dass ich kaum mehr Lust habe, sie überhaupt anzuhören (obwohl die 7. IMO richtig gut ist!).
Beeindruckt bin ich von dem sehr ausführlichen Eröffnungsbeitrag! Spontan legte ich die 11. Symphonie in den Player … um dann doch nach einer Weile wieder abzubrechen… (um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, habe ich gleich danach Schostakowitschs Klaviersonate noch einmal gehört. Das ist Musik nach meinem Geschmack! :)). So recht warm werde ich bislang mit seinen Symphonien leider nicht.
Gruß, Cosima
Cosima (21.10.2007, 14:02): Original von HenningKolf na ja, Dein thread über Schumanns op.54 hat mich dazu gebracht, mir Aufnahmen mit Fleisher und Kissin zu bestellen...
Kurz off-topic: Wie kommst Du beim Schumann eigentlich ausgerechnet auf Kissin? ?(
(Berichte bitte doch mal in Zelenkas Thread von Deinen Eindrücken - danke!)
Gruß, Cosima
Nordolf (21.10.2007, 19:36): Hallo Henning!
Auch von mir einen herzlichen Dank für Deine aufwendige Einführung! :thanks
Schostakowitsch gehört zu meinen wichtigsten Komponisten. Eine Gesamtaufnahme besitze ich allerdings noch nicht. Die Symphonien 4 - 13 habe ich in Einzelaufnahmen.
Die 11. Symphonie ist bei mir mit der Rostropowitsch-Aufnahme vertreten. In die Järvi habe ich mal länger im Laden hineingehört: - es klang alles sehr kraftvoll und überzeugend. Ich fand allerdings beim ersten Hören, das die gleichfalls enthaltene 12. Symphonie gegenüber Haitink etwas abfällt. Der Kauf ist geplant.
Ich liebe diese leise winterliche Melodie, die gleich zu Beginn des 1. Satzes zu hören ist und in verschiedenen Variationen immer wieder in der Symphonie auftaucht. Beeindruckend finde ich auch jene brutale Stelle des 2. Satzes, die die blutige Aktion der Armee illustriert. Was für ein bösartiger hämmernder Marsch! Der kommt sowohl bei Rostropowitsch als auch bei Järvi sehr gut rüber.
Insgesamt transportiert die 11. genau die Elemente, die ich bei Schostakowitsch so schätze: diese winterliche Stimmung, Elemente der Trauer, des Krieges und der Revolution, dieses Aufbäumen gegen das Schicksal, das Historische und Literarische seiner Musik, aber auch die introvertierten leisen meist recht depressiven Stellen. Ich höre in seiner Musik mehr die "epische" und erzählerische Dimension - andere schätzen ja vor allem das Doppelbödige und die Groteske.
Herzliche Grüsse! Jörg
ab (22.10.2007, 09:55): Lieber Henning,
danke für diesen Beitrag zu wohl auch einer meiner Lieblingssinfonien (mit 4., 6., 10. & 14) von Schostakowitsch.
Ich habe die Sinfonie kennengelernt in einer Philips Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Semjon Bitschkow. Dort allerdings hat mich nur der durchwegs fast psychedelische Charakter sehr angesprochen. Seither suchte ich nach einer guten Aufnahme. Und bin durch Glück bald fündig geworden: Stokowski mit dem Houston Orchestra (EMI): Etwas besseres habe ich bislang noch nicht gehört - und kann ich mir auchkaum vorstellen. Auch einen Klangperle der damaligen Aufnahmekunst! http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000002S5Q.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg
Seither habe ich die Aufnahmen nur halbherzig verfolgt. Der letzte Reinfall, den ich hörte, war jedenfalls Jansons überflüssige EMI-Box (auch ich finde, wei Cosima, dort die 7. noch am besten, was wohl auch am St. Peterburger Orchester liegen dürfte; aber selbst die würde ich nicht unbedingt als "richtig gut" bezeichnen)
Von den Dir aufgezählten kenne ich bloß Haitink, Rostropovich und Kondrashin. Zudem kenne ich Roschdéstwenskij und Mravinsky, Neeme Järvi und Barshai (deren GA ich alle über jener von Haintik stellen würde.) Bald hoffe ich, noch Schostkowitsch jun. kennen zu lernen... Was Ashkenazy betrifft, so war dies eine unglaublich schnell gespielte, klanglich recht gute Aufnahme (wenn auch nach Meinem Geschmack zu sehr im Saal positioniert als am Orchesterpult), fast Fiebertanz-mäßig aber eher im verhuschenden Sinne gespielt: eine höchst eigenartige und eigenwillige Interpretation. Letztlich wirkte sie auf mich dennoch zu oberflächlich - so meine Erinnerung an ein intensives Anhören im Geschäft.
ab (22.10.2007, 09:58): Original von Nordolf Schostakowitsch gehört zu meinen wichtigsten Komponisten. Eine Gesamtaufnahme besitze ich allerdings noch nicht. Die Symphonien 4 - 13 habe ich in Einzelaufnahmen.
hallo Jörg,
Als GA würde ich Dir zu Roschdéstwenskij raten, bei der 14. jedenfalls zu der von Yuli Tourovsky bei Chandos, bei der 15. zu Kondrashin. :beer
HenningKolf (22.10.2007, 11:25): Original von ab Lieber Henning,
Und bin durch Glück bald fündig geworden: Stokowski mit dem Houston Orchestra (EMI): Etwas besseres habe ich bislang noch nicht gehört - und kann ich mir auchkaum vorstellen. Auch einen Klangperle der damaligen Aufnahmekunst! http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000002S5Q.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg
na, 5,11 € in den Staaten, 3 € Versand, da habe ich doch gleich mal zugegriffen (dieser Dollarkurs zur Zeit gefällt mir als CD-Käufer ausnehmend gut). Wird zwar wieder 4 oder 6 Wochen dauern, aber egal.
Gruß Henning
ab (22.10.2007, 11:57): Original von HenningKolf da habe ich doch gleich mal zugegriffen
Mögest Du sie nicht nur als ganz vorzügliche Aufnahmen schätzen, sondern sie auch Deinem Geschmack entgegenkommen! :hello
(Nicht verschwiegen sei, dass unser geschätzer Rachmaninov hier im Forum wohl vor längerem auch meiner Empfehlung gefolgt ist - ich hatte aber nicht den Eindruck, dass er sie so sehr schätzen würde wie ich....)
teleton (22.10.2007, 12:17): Hallo Henning,
erst einmal Dank für Deinen TOP-Einstiegsbeitrag, der dieser Sinfonie Nr.11 "Das Jahr 1905" op.103( 1957) wirklich würdig ist.
Seit 2006 besitze ich zwei weitere GA der Schostakowitsch – Sinfonien mit Kyrill Kondraschin (AULOS) und Maxim Schostakowitsch (Supraphon).
Ich möchte hier zunächst auf zwei Aufnahmen eingehen, die mich stark bewegen und an denen sich IMO alle anderen messen müssen: Kondraschin und Roshdestwensky.
:engel Das AULOS-Remastering bei der Kondraschin-Aufnahme, das sei direkt vorab gesagt, ist ein Wunderwerk. Koreanische Tontechniker haben sich dem DSD (Direkt Stream Digital) - Verfahren bedient, die orginalen Mutterbänder der Melodia – Aufnahmen verwendet und ganz neu mit 24Bit remastert. Das Klangergebnis ist umwerfend. Die Aufnahmen haben ein Frische und Brillanz, eine Durchhörbarkeit der sinfonischen Strukturen, die man nach der Eurodisc-LP und dem Melodia-Eurodisc-Remastering nicht für möglich halten würde. Der Klang ist mit besten Digitalaufnahmen vergleichbar. Selbst die klanglisch problematischen Aufnahmen der Sinfonien Nr.4 und 8, die von Aufnahmealter 1962 (4) die Ältesten sind, erhalten eine unglaubliche Frische.
Es wird manchmal von schlechtem Klang bei den Kondraschin-CD-Aufnahmen berichtet. Diese Worte haben mich schon immer verwundert, weil ich die Eurodisc-LP´s besitze und diese waren immer klanglich gute LP´s; das Melodia-Remastering auf CD muß also nicht besonders gewesen sein. :beer Bei diesen AULOS-Kondraschin-CD´s ist das Thema schlecher Klang ein für alle Male abgehakt ! http://i11.ebayimg.com/03/i/01/6a/49/08_1_b.JPG AULOS, 1962-1975, ADD
In den letzten Jahrzehnten habe ich die Sinfonie Nr.11 nur noch in der hochemotionalen Roshdestwensky – CD (Eurodisc 1988 DDD) gehört und war immer voll zufrieden – mein 2.Favorit.
Barschai (Brillant) bringt nicht das volle Potential rüber und Haitink (Decca) ist auch eine gute Wahl, aber auch hier fehlt der explosive Brasssound der Russen. Von den Verrissen der Barshai-GA möchte ich mich klar distanzieren. Zwar ist Barshai nicht überall ganz groß und TOP. Wer isrt das schon ? Seine Interpretation der Nr.12 ist mehr "Dienst nach Vorschrift", wie schon anderernorts geschrieben wurde, aber im großen und ganzen ist die Barshai-GA einer der besten Westaufnahmezyklen gelungen.
Maxim Schostakowitsch (Supraphon) blieb für mich hinter meinen Erwartungen zurück. das Orchester, das Prager SO, bringt nicht die russische Atmosphäre rüber und Maxim bleibt dem Werk einiges an Emotion schuldig. Die LIVE-Aufnahmen klingen für das Aufnahmedatum 2002/2003 ungewönlich mulmig und sind nicht zeitgemäß. Da sind die alten Kondraschin-Aufnahmen auf AULOS klanglich weit weit besser.
Eine weitere Aufnahme mit Stokowsky (RCA), die ab aus Insbruck favorisiert, war nicht schlecht, aber es fehlte die russische Seele - mein Favorit ist es nicht. ab´s positive Worte für die EMI-Klangtechnik kann nicht nachvollziehen. Die Aufnahme war für das Aufnahmejahr 1958 zwar OK, aber klangtechnisch nicht "das gelbe vom Ei". Ich habe diese CD bei EBAY verkauft.
:W Die neue AULOS-CD (REM.2006) hat mir jedoch nach vielen Jahren gezeigt, dass meine erste Aufnahme, die Kondraschin-Aufnahme von 1973 vorzuziehen ist. Mit jetzt noch besserer Klangtechnik und besserer Klarheit der sinfonischen Strukturen als bei Roshdestwensky, entwickelt sich die Sinfonie mit unglaublicher Spannung. Die Fortestellen klingen nicht zugedeckt und die Paukenschläge sind einzeln abzählbar zu hören. Die Glocken im Finale des 4.Satzes sind bei Roshdestwensky, als einziger Kritikpunkt, vom Orchester zugedeckt und deshalb nur schwach hörbar. Bei Kondraschin absolut klar ins Orchestergeschehen eigebettet und erzeugen absoluten Gänsehautfaktor. Roshdestwensky entwickelt das Werk zwar theatralischer und läßt sich auch mehr Zeit, aber die straffe Kondraschin-Interpretation begeistert noch mehr.
:thanks So umwerfend habe ich die Sinfonie Nr.11 noch nie gehört, wie es jetzt die AULOS-Klangtechnik der Melodiya-Aufnahme zuläßt.
Seit dem 17.11.2006 gibt es die Kondraschin-Aufnahmen in einer neuen Melodia-Box in Deutschland; zum ungefähr gleichen Preis wie die AULOS-Box (79,99€ ohne Versand). Das ist die Box die Henning auch abgebildet hat. Nach Informationen aus anderen Foren soll das Melodiya-Remastering von 2006 auch sehr gut und AULOS ebenbürtig sein. http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5169830.jpg Melodia 1962-1975
HenningKolf (22.10.2007, 12:34): hallo Wolfgang, da hast du bestimmt einen eigenen Beitrag aus einem anderen thread oder anderen Forum kopiert, wo ja auch nichts gegen spricht....allerdings möglicherweise beim hineinkopieren den einen oder andren Eingangs/Überleitungssatz verschluckt? Egal, ist ja auch nicht schlimm
also ich habe zwar Kondraschin gesamt, aber Einzelausgaben. Teilweise offensichtlich Japan-Ausgaben, die seinerzeit sehr teuer waren (aber nicht in japan bestellt, weiß jetzt nicht ob ebay, marketplace oder dergl.) Jedenfalls bei der 11 (wie bei vielen) kann ich was den Klang betrifft nicht klagen. Ich würde mir aber - Klang hin oder her - nicht noch eine weitere Kondraschin-Ausgabe zulegen wollen, ich höre die die ich habe ja gerne...mag es mit dem Klang auch besser gehen. Wenn ich mal kostengünstig Roschdestwenski bekomme, werde ich da wohl zugreifen, müsste auch nicht unbedingt eine Gesamtaufnahme sein, mal sehen
Gruß Henning
ach, du hast schon editiert....hatte ich durch Zufall die "unautorisierte Erstfassung" zu lesen bekommen :W
teleton (22.10.2007, 12:56): Hallo Henning,
beim Editieren ist ein Fehler unterlaufen und er wurde schon gepostet bevor er fertig war. Jetzt steht er in seiner Form richtig !
Wenn Du schon einige Kondraschin-Aufnahmen hast, dann ist es OK, denn so schlecht sind die Original-Melodiya-CD´s auch nicht. In meinem Fall war das anders, ich hatte nur alle LP-Ausgaben, die ohnehin verkratzt sind und eine Melodiya-CD mit den Sinfonien Nr.9 und 15. :engel Da war die AULOS-Box ein Himmelsgeschenk für mich.
:W Roshdestwensky´s Aufnahmen solltest Du Dir so nach und anch alle zulegen, die sidn durchweg referenzwürdig. Auch die hier besprochene Sinfonie Nr.11 ist allererste Klasse, aber es gibt gegenüber Kondraschin die klanglichen Einschräkungen, die ich oben im Vorbeitrag erwähnte.
ab (22.10.2007, 13:44): Original von teleton
Eine weitere Aufnahme mit Stokowsky (RCA), war nicht schlecht, aber es fehlte die russische Seele - mein Favorit ist es nicht. ab´s positive Worte für die EMI-Klangtechnik kann nicht nachvollziehen. Die Aufnahme war für das Aufnahmejahr 1958 zwar OK, aber klangtechnisch nicht "das gelbe vom Ei". Ich habe diese CD bei EBAY verkauft.
Natürlich ist ein Orchester aus Houston kein Russisches und tatsächlich kommt ein Barshai (die Einschätzugn von teleton teile ich voll und ganz) trotz Deutsches Orchester "rusischer" rüber, dennoch finde ich, dass hier der Gehalt des Werkes "1905" voll getroffen wird - anders etwa als bei Rostropovich (Teldec) oder Byschkow (Philips) oder gar Jansons (EMI).
Ich schätze offensichtlich die Kalngquaslität für das Jahr anders ein und möchte noch hinzufügen, dass mir persönlich auch das Klangkonzept sehr zusagt.
HenningKolf (22.10.2007, 14:06): Über Rosch brauche ich mir anscheinend keine Gedanken zu machen, weder bei amazon noch bei jpc noch bei russian dvd scheint es etwas zu geben, weder die 11. noch eine GA (wobei ich glaube ich keine Lust habe, 6o oder gar 80 € für eine GA hinzulegen)...mir würde 5, 7, 8, 10, 11 schon reichen...Oder kennt ihr noch sonstige vielversprechende Quellen?
Gruß Henning
ab (22.10.2007, 14:30): Original von HenningKolf Über Rosch brauche ich mir anscheinend keine Gedanken zu machen, weder bei amazon noch bei jpc noch bei russian dvd scheint es etwas zu geben,
Wird sicherlich bald bei Melodiya aufgelegt werden! Warten lohnte sich...
teleton (22.10.2007, 14:34): Hallo Henning,
da hast Du Recht, so hohe Preise sind ! Ich hatte auch bei Kondraschin auch lange gezögert und wollte mir dann die melodiya-Einzel-CD´s aus verschiedenen Quellen zulegen - doch dann kam AULOS :thanks !
Bei Roshdestwensky habe ich mir die Eurodisc-CD´s auch an den verschiedensten Orten einzeln gekauft. Eine davon bei einem Ausflug nach Luxemburg; eiine andere in Venlo.
Ich habe gerade mal im *heifei-Forum (auf Seite 12 im Thread) nachgesehen. da war mal eine Quellenangabe für die GA, aber die funktioniert nicht mehr - es war umständlich in Japan für 45,-EURO mit Kreditkarte.
:beer Keine Sorge, Du solltest Geduld haben - solche CD-Schätze von Melodiya werden bald wieder in Neuauflage aufgelegt. :wink Solange hat man ja noch genug andere Aufnahmen.
Rachmaninov (22.10.2007, 18:56): @Henning,
mit Freude sehe ich, daß Du nicht nur diesen Thread gestartet hast, sondern auch schon reichlich Lob und Resonanz erhalten hast.
Auch von mir ein großes Kompliment nicht nur für die gute Einleitung, sondern auch die sehr persönliche Deutung und Sicht der einzelnen Sätze.
Da ich etwas "knapp an Zeit" bin wird eis mit meiner Antwort noch ein paar Tage dauern .... :I
Nordolf (22.10.2007, 20:00): Hallo ab!
Danke für Deine Empfehlung! Ich werde sie beherzigen und mich zu den Wartenden gesellen.
Herzliche Grüsse! Jörg
Rachmaninov (23.10.2007, 18:05): Original von HenningKolf Es ist mir ein Anliegen diesen thread zu eröffnen, ist die 11. doch eine meiner Lieblingssinfonien. Jedesmal ein höchst intensives Hörerlebnis. Ein Wechselbad zwischen resignativer Erstarrung und sich entladenden Aggressionen.
Genau das ist die Faszination dieser Sinfonie, die mich, bereits vor Henning Ankjündigung erfasst hat!
Die 11. Sinfonie hat den Untertitel „Das Jahr 1905“, das Jahr des Volksaufstandes gegen Zar Nikolaus II, die 12. Sinfonie trägt den Titel „1917“, in dem das 1905 begonnene zum Ziel geführt wurde. In dieser Lesart stellt die 13. Sinfonie „die Revolution als gegenwärtigen, nicht abgeschlossenen Prozess dar“. Zumindest letzteres eine in meinen Augen kaum nachvollziehbare eindimensionale Sichtweise, aber ich will diesen Aspekt zunächst nicht weiter vertiefen, um die Musik nicht aus den Augen zu verlieren.
Wenn ich recht informiert bin, und mir diese ergänzende Anmerkung erlaubt ist, geht es hier vor allem um die Ereignisse am sog, "Petersburger Blutsonntag", der am 22. Januar 1905 (9. Januar nach julianischem Kalender) war.
Schostakowitschs geniales Komponieren und Taktieren am Abgrund kann man andererseits aber nur nachvollziehen, wenn man seine Biographie und die politischen Zeitumstände eben nicht außer Acht läßt. Nur dann zeigt sich, dass die 11. Sinfonie ein vor subtiler Doppelbödigkeit strotzendes Werk ist und keineswegs nur „linientreu“ und dadurch Freiraum für - andere - Provokationen schaffend, wie oft zu lesen ist.
Hier bin ich absolut Deiner Meinung. Schostakowitsch ohne privaten und politischen Kontext kann man kamm erfassen!
HenningKolf (23.10.2007, 18:21): Original von Rachmaninov
Wenn ich recht informiert bin, und mir diese ergänzende Anmerkung erlaubt ist, geht es hier vor allem um die Ereignisse am sog, "Petersburger Blutsonntag", der am 22. Januar 1905 (9. Januar nach julianischem Kalender) war.
ich hatte den Bezug zum Blutsonntag deswegen erst bei Satz Nr. 2 erwähnt, weil ich dachte, dass der Schlossplatz am 7. auch nicht freundlicher war :W
Original von HenningKolf Es ist mir ein Anliegen diesen thread zu eröffnen, ist die 11. doch eine meiner Lieblingssinfonien. Jedesmal ein höchst intensives Hörerlebnis. Ein Wechselbad zwischen resignativer Erstarrung und sich entladenden Aggressionen.
bzw.
Original von Nordolf Ich höre in seiner Musik mehr die "epische" und erzählerische Dimension - andere schätzen ja vor allem das Doppelbödige und die Groteske.
Für mich, nicht nur in der 11. Sinfonie, hat seine sinfonische Musik auch immer noch eine andere Aussage. Die "hoffnung, die stille Hoffnung auf andere Zeiten, auf eine andere Menschheit!" Im kann man dies auch im 4. Satz der 11. Sinfonie durchaus erkennen.
Rachmaninov (23.10.2007, 18:27): Original von HenningKolf Schostakowitsch soll später geäußert haben, er habe die Wiederholung der Geschichte darstellen wollen, dass sich dem Grunde nach nichts geändert habe und nie ändern werde.
Genau dies ist die Faszination und gleichzeitge Tragik seines Schaffens. Das was zu seiner Zeit allgegenwärtig war zieht sich durch die Gesichte wie ein roter Faden. Nur die Art wie sich das Phänomen zeigt ist unterschiedlich. Das "Diabolische" ist wohl uns eigen .... :I
HenningKolf (23.10.2007, 19:22): Original von Rachmaninov
Für mich, nicht nur in der 11. Sinfonie, hat seine sinfonische Musik auch immer noch eine andere Aussage. Die "hoffnung, die stille Hoffnung auf andere Zeiten, auf eine andere Menschheit!" Im kann man dies auch im 4. Satz der 11. Sinfonie durchaus erkennen.
Vielleicht magst Du deshalb die Einspielung von Rostropowitsch nicht so sehr?? Das klingt nicht nach Aufbruch, sondern Resignation in das immer Gleiche im 4. Satz, finde ich jedenfalls......
Gruß Henning
Rachmaninov (23.10.2007, 19:25): Original von HenningKolf Original von Rachmaninov
Für mich, nicht nur in der 11. Sinfonie, hat seine sinfonische Musik auch immer noch eine andere Aussage. Die "hoffnung, die stille Hoffnung auf andere Zeiten, auf eine andere Menschheit!" Im kann man dies auch im 4. Satz der 11. Sinfonie durchaus erkennen.
Vielleicht magst Du deshalb die Einspielung von Rostropowitsch nicht so sehr?? Das klingt nicht nach Aufbruch, sondern Resignation in das immer Gleiche im 4. Satz, finde ich jedenfalls......
Gruß Henning
Was heisst "...." ?? BTW: Ich finde die Rostopowitsch Einspielung nicht schlecht!
Rachmaninov (24.10.2007, 17:38): Hallo,
ich möchte nach und nach auf die einzelnen Sätze etwas genauer eingehen.
1. Satz "Platz vor dem Palast"
Die Sinfonie beginnt gleich mit einem ruhigen, tiefen "Atmen" aller Streicher Gruppen. 1. und 2. Geige, Violen,Violoncelli und die Kontrabässe. Dazu ganz leichte Harfen Klänge, die mich irgendwie immer wieder an einen leichten Schneefall erinnern lassen. Die "Szene" ist ruhig. Dann setzt die Pauke ein , die Streicher spielen diesen langezogenen Klang und die Harfe erklingt . Für mich klingt das nach eine gewissen Bedrohung, eine Gefahr, die aber noch in der Ferne scheint. Dann schweigen die Streicher Trommelwirbel, die Trompete erklingt als Signal! Aufbruch?! Und bei Übergang erklingt einlangezogener Geigenton, die Streicher setzen wieder ein, die Harfe erklingt. Die Streicher klingen etwas unruhiger als zu Beginn. Dann wieder der Einsatz der Pauken , wieder langezogene Streicherklänge, die Harfe erklingt immer wieder und die Pauke endent mit einem langezogenen Ton. Das Horn (?) erkling , Trommeln und Trompeten. Dann wieder die Streicher, pulsierend, unruhig, die Harfe erklingt weiterhin, keine trommeln, oder Trompete mehr Hier steigt für mich die Spannung auf dem Platz, das Böse naht(?). Die Pauken sind wieder zu hören, langezogene Streicherklänge, die sich scheinbar immer mehr in die Länge ziehen während die Pauken näher kommen. Flötenklänge (i.II), unterlegt mit geleigentlichen Pauken , kaum noch Streicher. (KB und Celli) bis dann die TubaTam Tam und die Triangel in Erscheinung tritt und dann erscheinen wiede Paukenklänge und alle Streicher sind wieder aktiv. Paukenklänge, voller Striechereinsatz udn Harfenklänge ] bis dann das Horn wieder einsetzt, die Tuba erklingt, Trommeln, Trompetenklänge, Harfe, Streicher. Immer wieder erklingen die Tuba Klänge und tiefe Kontrabassklänge dóminieren die Streicher! Dann gesellen sich die Fagotte hinzu, fast wieder wie ein Signal, zunächst ohne Streicher, die dann einsetzen bei den langezogenen Klängen der Fagotte. Wieder das Horn, die Tube erklingt wieder, die Trompete, Tam Tam, Harfe, alle Streicher. Alles geht über in ein "Bett" getragen von den Kontrabässen udn Celli, die restlichen Streicher gesellen sich dazu. Düster ist der Platz vor dem Palast. Dann erklingen dominat die Geigen umd dann wieder der Einsatz der Flöte, die nun Unterstützung der Klarinette erhalten um dann erstmalig zu einem großen Zusammenspiel vieler Instrumente zu führen (Flöten, Oboe, english Horn, Klarinetten, Pauken und natürlcih alle Streicher. Dann schweigen die Flöten udn engl. Horn. Die Oboen und Klarinetten gemeinsam mit den Pauken agieren. Später die Trompete wieder, die Tuba. Düstere Klänge der Celli und Kontrabässe, Fagottklänge. Die kurzzeitig alleine zu hören sind. Trommeltöne, Fagott und die ganzen Streicher wieder. Bis dann die Klarinette und Bass-Klarinette einsteigt. Und immer wieder die Harfe. Langezogene Streicherklänge, die dann gänzlich alleine erklingen bis wieder Harfe udn Pauken erklingen und die Streicher wieder diese langezogenen Klänge entwickeln. Fast wie ein Erstarren der Ruhe wirkt das. Trommeln, die Trompete ershceint wieder als Signal , keine Streicher. Das ist fast als würde die Masse auf dem Platz erstarren, wäre bewegungslos und gebannt der da kommenden Ereignisse. Bedrohlich! Die Trompete ist ein deutliches Signal. Ebenfalls wieder Pauken. Ein zaghaftes pulsieren der Streicher setzt ein, ebenso wieder leichte Klänge der Harfe. Bis die Trompeten wieder einsteigen und die Streicher wieder schweigen! Düstere Klänge der Tuba. Tam-Tam Klänge. Der Satz endet mit Trompeten udn langgezogenen Tuba KLängen. Die Streicher (das Volk?) schweigt in der Vorahnung dessen sich nahenden Unheils.
Für mich ist das einfach erdrückend wie Schostakowitshc hier IMO die Streicher als das Volk darstellt, die aus ihrer Ruhe am Anfang in eine verzweifelte Lage geraten, die das drohende Unheil, das immer wieder pulsierend auf sie zu kommt und signaliseirt durch die Pauken naht, angekündgt von den Trompeten. GÄNSEHAUT einfach!!!!!!
Nordolf (27.10.2007, 16:15): Hallo Rachmaninov!
Danke für diese Deine "Schule im Schostakowitsch-Hören"! :thanks Bitte mehr davon! Ich habe den 1. Satz heute auch entlang Deines Textes gehört.
Das, was ich als "Wintermotiv" empfinde, ist genau jenes "Atmen" und Langgezogene der Streicher (begleitet von den Harfen), das Du beschrieben hast. Ich assoziiere damit den Begriff "Schneedecke", weil darin für mich sowohl Kälte als auch Geborgenheit/Ruhe wiederklingen. Dieses Motiv ist im 2. Satz dann an einer Stelle auf der Orgel zu hören. Dadurch gewinnt es einen requiemartigen Charakter und wird zur Vorahnung des Todes. Wenig später bricht ja auch die Gewalt in der Musik aus. Unmittelbar nach dem gewaltigen Marsch erklingt es dann wieder in voller Ruhe mit den Streichern.
Diese Symphonie ist wirklich eine sehr spannende symphonische Dichtung.
Herzliche Grüsse! Jörg
Rachmaninov (27.10.2007, 17:00): Original von Nordolf Hallo Rachmaninov!
Danke für diese Deine "Schule im Schostakowitsch-Hören"! :thanks Bitte mehr davon! Ich habe den 1. Satz heute auch entlang Deines Textes gehört.
@Jörg, danke für die lobenden Worte. Hoffe Du konntest mit meinen Worten wirklich etwas anfangen!
Das, was ich als "Wintermotiv" empfinde, ist genau jenes "Atmen" und Langgezogene der Streicher (begleitet von den Harfen), das Du beschrieben hast. Ich assoziiere damit den Begriff "Schneedecke", weil darin für mich sowohl Kälte als auch Geborgenheit/Ruhe wiederklingen.
Interessant, da ich hier mehr das Volk an sich für mich deute, Du aber auch den frostigen Winter ... im doppelten Sinne!
HenningKolf (27.10.2007, 17:09): interessant dass da jeder anders fühlt...geborgen klingt da für mich nichts, nur Bedrohung und Kälte.......
aber da es ja um einen gefühlten Eindruck geht, gibt es sowieso keine richtigen und falschen Eindrücke..........
Gruß Henning
Rachmaninov (27.10.2007, 17:15): Original von HenningKolf interessant dass da jeder anders fühlt...geborgen klingt da für mich nichts, nur Bedrohung und Kälte.......
aber da es ja um einen gefühlten Eindruck geht, gibt es sowieso keine richtigen und falschen Eindrücke..........
Gruß Henning
@Henning, da hast Du recht! Aber ich denke schon, daß die Streicher das auf dem Platz befindliche Volk symbolisieren können. Allerdings ist eh nicht ganz klar on Schostakowitsch wirklich rein die Ereignisse 1905 vertont hat oder auch 1956 betrachtet in seinem Werk, wie viele auch durchaus zurecht annehmen!
Nordolf (27.10.2007, 18:04): Hallo Rachmaninov und Henning!
Der erste Satz erscheint mir sowieso über weite Strecken wie die Schilderung eines Ortes und einer bestimmten Stimmung (der Palastplatz, Winter). Ein gewisse Ruhe liegt für mich schon in diesem speziellen Streichermotiv. Deswegen bringe ich es auch mit der schneebedeckten Winterlandschaft zusammen. Was mich sofort an Winter denken lässt, kann ich kaum erklären - die Assoziation ist sehr spontan, aber hartnäckig.
@Rachmaninov:
Ja - Du hast mir sehr weitergeholfen... Ich denke, das dieses gründlich analytische Heraushören von Instrumentengruppen ein nächster Schritt für mich ist, um tiefer in ein Werk einzudringen.
Herzliche Grüsse! Jörg
Rachmaninov (27.10.2007, 18:48): Original von Nordolf Hallo Rachmaninov und Henning!
Der erste Satz erscheint mir sowieso über weite Strecken wie die Schilderung eines Ortes und einer bestimmten Stimmung (der Palastplatz, Winter). Ein gewisse Ruhe liegt für mich schon in diesem speziellen Streichermotiv. Deswegen bringe ich es auch mit der schneebedeckten Winterlandschaft zusammen. Was mich sofort an Winter denken lässt, kann ich kaum erklären - die Assoziation ist sehr spontan, aber hartnäckig.
Die Assoziation finde ich völlig verständlich und sie drängt sich durch die Benennung des ersten Satzes nur auch durchaus auf. Letzendlich steht das von mir empfundene Volk ja sicherlich im Schnee, sofern man an die Ereignisse 1905 denken mag.
@Rachmaninov:
Ja - Du hast mir sehr weitergeholfen... Ich denke, das dieses gründlich analytische Heraushören von Instrumentengruppen ein nächster Schritt für mich ist, um tiefer in ein Werk einzudringen.
@Jörg, ich habe mir hier natürlich eine Taschenpartitur zur Hilfe genommen. MIch fasziniert bei Schostakowitsch immer wieder die extrem geschickte Nutzung der speziellen Instrumente im Orchster und vor allem die "Bandbreite" wie er sie nutzt.
Rachmaninov (27.10.2007, 19:00): @Freunde der 11. Sinfonie,
in seinem persönlichen Vorwort zu seiner Aufnahme der 11. Sinfonie spricht Bychkov ebenfalls von..
Die Ereignisse der Revolution in Russland von 1905, die sich 51 Jahre später in Ungar wiederholte..."
Die passt auch zu den Aussagen das sich die Gesichte immer wieder wiederholt...... wenn auch mit einem etwas anderem Gesicht!
Den ersten Satz bezeichnet Bychov als
festgefrorene Paralyse
Rachmaninov (29.10.2007, 17:05): Original von ab
Ich habe die Sinfonie kennengelernt in einer Philips Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Semjon Bitschkow. Dort allerdings hat mich nur der durchwegs fast psychedelische Charakter sehr angesprochen.
@ab,
in der aktuellen FF hat Bychkov sich zu seinen "alten" Schostakowitsch Aufnahmen geäußert. Er schätz selber die neueren mit dem WDR SO hören ein als jene mit den Berlinern!
Rachmaninov (29.10.2007, 17:13): Original von ab Original von teleton
Eine weitere Aufnahme mit Stokowsky (RCA), war nicht schlecht, aber es fehlte die russische Seele - mein Favorit ist es nicht. ab´s positive Worte für die EMI-Klangtechnik kann nicht nachvollziehen. Die Aufnahme war für das Aufnahmejahr 1958 zwar OK, aber klangtechnisch nicht "das gelbe vom Ei". Ich habe diese CD bei EBAY verkauft.
Natürlich ist ein Orchester aus Houston kein Russisches und tatsächlich kommt ein Barshai (die Einschätzugn von teleton teile ich voll und ganz) trotz Deutsches Orchester "rusischer" rüber, dennoch finde ich, dass hier der Gehalt des Werkes "1905" voll getroffen wird - anders etwa als bei Rostropovich (Teldec) oder Byschkow (Philips) oder gar Jansons (EMI).
Ich schätze offensichtlich die Kalngquaslität für das Jahr anders ein und möchte noch hinzufügen, dass mir persönlich auch das Klangkonzept sehr zusagt.
@Teleton, @ab,
ich finde den Klang recht ordentlich, er hat eine gute Dynamik allerdings empfinde ich ihn als etwas glatt und arg digital klingend.
Insgesamt denke ich es ist eine recht ordentliche Aufnahme, aber mir fehlt hier, wie von teleton geschrieben, auch ein wenig die russische Seele. Da ergreift mich der erste Satz bei anderen Aufnahme doch mehr, auch das chaotisch im 2. Satz habe ich schon "gewaltiger" empfunden. Auch die Trauer im dritten Satz habe ich schon tiefer empfunden....
ab (30.10.2007, 11:03): Original von Rachmaninov in der aktuellen FF hat Bychkov sich zu seinen "alten" Schostakowitsch Aufnahmen geäußert. Er schätz selber die neueren mit dem WDR SO hören ein als jene mit den Berlinern!
na, hoffentlich! :D
Rachmaninov (30.10.2007, 20:34): Original von HenningKolf
Semjon Bitschkow ist eine gelungene Einspielung geglückt, allerdings hätte auch er noch etwas mehr „loslassen“ können (aber das ist dann schon Klagen auf sehr hohem Niveau).
@Henning,
die Bychkov Aufnahme möchte ich derzeit nicht missen und wahrscheinlich morgen höre ich sie nochmals in aller Ruhe!
Was genau meinst Du mit "etwas mehr loslassen?"
HenningKolf (30.10.2007, 21:14): Den Vergleich mit Kondraschin...speziell bzgl. des 2. Satzes...keine der mir bekannten Aufnahmen lässt das Orchester verzweifelter aufschreien wie ich finde.(ich würde ja zu gerne Roschdestwenski hören).....aber wie gesagt, das "Klagen auf hohem Niveau" war schon im Wortsinne gemeint, Bitschkow ist gut, keine Frage....
Gruß Henning
Rachmaninov (07.11.2007, 21:43): Eben gehört, die Aufnahme mit Berglund und dem Bournemouth Symphony Orchestra
Da sieht man doch wieder wie wichtig und richtig es ist sich immer wieder untereinander über die Eindrücke auszutauschen.
Warum? Weil teleton wohl doch viel wahres zu Berglund an anderer Stelle schrieb.
Der erste Satz, zwar gefallen mir hier die Streiche, die ja hier auch mit fallendem Schnee verglichen wurde, ganz gut, aber die Trompete, bzw. Bläser im allg. und die Pauken vermitteln mir nicht den Eindruck einer nahenden Bedrohung, der Ruhe vor der Sturm. Die eher langsame "Gangart" verstärkt diesen Eindruck eher noch.
im zweiten Satz geht es durchaus "knackiger" zu, aber im Vergleich zu anderen läßt Berglund es nicht am Abgrund zum Choas langgleiten, wie es bei anderen Aufnahmen durchaus gelingt. Dennoch gelingt im der zweite Satz deutlich besser als der erste Satz. Wobei deutlich die Energie am Ende des Satzes fehlt. Da findet keine "Entladung" statt....
Auch hier "romantische" anmutende Klänge, die aber beim Beginn des Trauerthemas durchaus gefallen können. Allerdings gelingt mir der Stimmungswandel der Trauer in "Aufbruch" deutlich zu sanft!
Auch der Anfang des vierten Satzes ist IMO einfach doch eher brav im Vergleich zu anderen Aufnahmen. Bei Sturm verstehe ich etwas mehr "Attake".
Will die Aufnahme jetzt nicht schlechter machen als sie ist, aber eine packende hochdramatische Aufnahme mit Emotionalität im dritten Satz, die umschlägt, ist das IMO nicht. Da gibt es glücklicherweise doch einige deutlich bessere Alternativen.
ab (07.11.2007, 22:15): Lieger Rachmaninov,
ich meine, nun müsstest Du inzwischen wohl alle Aufnahmen dieser Sinfonie zuhause haben - oder zumindest kennen -, wenn ich mich nicht irre. Ich warte gespannt auf Dein Fazit! :D
Rachmaninov (07.11.2007, 22:17): Original von ab Lieger Rachmaninov,
ich meine, nun müsstest Du inzwischen wohl alle Aufnahmen dieser Sinfonie zuhause haben - oder zumindest kennen -, wenn ich mich nicht irre. Ich warte gespannt auf Dein Fazit! :D
@ab, nun übertreibst Du dann doch ein wenig! Sicherlich mangelt es ein der einen oder anderen, wobei ich zweifel habe ob es noch viel mehr werden. Järvi ggf. noch :wink
ab (07.11.2007, 22:47): Dann halt ein Zwischen-Fazit! :thanks
(Bei Järvi glaube ich, gibts gar keine bei Chandos, sondern nur bei der DG, oder?)
Rachmaninov (08.11.2007, 09:07): Original von ab Dann halt ein Zwischen-Fazit! :thanks
(Bei Järvi glaube ich, gibts gar keine bei Chandos, sondern nur bei der DG, oder?)
@ab,
mir ist lediglich eine Einspielung bei der DG bekannt.
Rachmaninov (15.11.2007, 18:49): Gestern zur späten Stunde lief eine Dokumentation über Leo Trotzki im ZDF. Es wurden auch die Ereignisse von 1905 und die Oktoberrevolution angesprochen. Dabei lief stellenweise die 11. Sinfonie. Gänsehautfeeling :D
Rachmaninov (20.11.2007, 16:41): gestern hörte ich die 11. Sinfonie in der Aufnahme von Haitink.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7947764.jpg (besitze die Box noch mit dem alten Design!)
Muss sagen, rein "handwerklich" kann man Haitink hier nur gratulieren. Alles sauber ausgearbeitet, gut aufgenommen zu einem natürlichen Klangbild führend und gut gespielt von den Musikern. ABER, hier fehlt mir eindeutig das dramatische Erleben in dieser Einspielung, das fehlt es mir im zweiten Satz an Spannung, am "Chaos" ....
Keine schlechte Aufnahme, insgesamt gefällt mir die Box weiterhin sehr gut, aber von der 11. Sinfonie gibt es IMo spannendere Aufnahmen. :wink
teleton (21.11.2007, 09:13): Hallo Rachmaninov,
ich habe mehrere Haitink-Aufnahmen als Decca-Einzel-CD´s. Diese waren meine ersten Schostakowitsch-CD´s. Die Sinfonien Nr.6 und 11 sind dort eine Doppel-CD.
Eigendlich war ich durch die fantastischen Klang der Haitink-Aufnahmen damals immer sehr angetan, denn meine alten Eurodisc-LP´s mit Kondraschin/Swetlanow standen diesen klanglich eindeutig nach.
Aber zu der Sinfonie Nr.11 mit Haitink kann ich Dir zustimmen: Durchweg eine gute Aufnahme, die alleine zufriedenstellen würde, wenn es nicht Roshdestwensky und für mich seit 2006 auch wieder meine alte Kondraschion-Aufnahme gäbe. Diese habe ich in der TOP-Version in meiner AULOS-GA, mit dem genialen DSD-Remastering. :times10 Die Sinfonie Nr.11 mit Kondraschin (AULOS/Melodiya) ist die referenzwürdigste Aufnahme dieser Sinfonie. Packender ist es wohl kaum möglich.
Bei Roshdestwensky ist bei der 11 zu bemängeln, dass einiges im Orchestergewusel untergeht und die Glocken sehr unsauber klingen, sonst auch TOP.
Ich bin gespannt, wie Ashkenazy diese Sinfonie Nr.11 interpretiert !?! :beer Meine Ashkenazy-GA ist zu mir unterwegs. Das es klanglich ein Fest werden wird, darüber habe ich schon einiges gelesen. Ich werde berichten.
Rachmaninov (21.11.2007, 09:36): Original von teleton
Durchweg eine gute Aufnahme, die alleine zufriedenstellen würde, wenn es nicht Roshdestwensky und für mich seit 2006 auch wieder meine alte Kondraschion-Aufnahme gäbe. Diese habe ich in der TOP-Version in meiner AULOS-GA, mit dem genialen DSD-Remastering. :times10 Die Sinfonie Nr.11 mit Kondraschin (AULOS/Melodiya) ist die referenzwürdigste Aufnahme dieser Sinfonie. Packender ist es wohl kaum möglich.
Bei Roshdestwensky ist bei der 11 zu bemängeln, dass einiges im Orchestergewusel untergeht und die Glocken sehr unsauber klingen, sonst auch TOP.
Derzeit stehen bei mir drei Aufnahmen im Focus, Kondrashin, Rozhdestwensky und aus der neueren Zeit die von S. Bychkov. In letzter Zeit habe ich diese aber mehr im Auto gehört. Wenn es die Zeit zuläßt werde ich diese Aufnahmen noch intensiver hören und hier besprechen.
Vorher möchte ich aber noch die genaue Besprechung der Sätze 2-4 hier niederschreiben....
Ich bin gespannt, wie Ashkenazy diese Sinfonie Nr.11 interpretiert !?! :beer Meine Ashkenazy-GA ist zu mir unterwegs. Das es klanglich ein Fest werden wird, darüber habe ich schon einiges gelesen. Ich werde berichten.
Bitte bereichte von dieser Aufnahme! Kannst Du mir per PN die Quelle nennen und was Du gezahlt hast?
ab (21.11.2007, 11:18): Original von teleton Ich bin gespannt, wie Ashkenazy diese Sinfonie Nr.11 interpretiert !?! :beer Meine Ashkenazy-GA ist zu mir unterwegs. Das es klanglich ein Fest werden wird, darüber habe ich schon einiges gelesen. Ich werde berichten.
Wenn es dieselb ist, die es dereinst bei uns bei der DECCA einzleln gab (wobei ich dachte, die käme aus Prag, nicht aus St. Petersburg) dann ist des der schnellste erste Satz, den ich je gehört habe. Dabei habe ich sie nicht als gerast, sondern eher als extrem angespannt in Erinnerung.
Rachmaninov (21.11.2007, 11:40): Original von ab Original von teleton Ich bin gespannt, wie Ashkenazy diese Sinfonie Nr.11 interpretiert !?! :beer Meine Ashkenazy-GA ist zu mir unterwegs. Das es klanglich ein Fest werden wird, darüber habe ich schon einiges gelesen. Ich werde berichten.
Wenn es dieselb ist, die es dereinst bei uns bei der DECCA einzleln gab (wobei ich dachte, die käme aus Prag, nicht aus St. Petersburg) dann ist des der schnellste erste Satz, den ich je gehört habe. Dabei habe ich sie nicht als gerast, sondern eher als extrem angespannt in Erinnerung.
Soweit ich weiss hat Ashkenazy mit verschiedenen Orchstern für Decca Schostakowitsch eingespielt.
Einen "extrem angespannten" ersten Satz stelle ich mir sehr passend vor!
ab (21.11.2007, 11:54): Original von Rachmaninov
Einen "extrem angespannten" ersten Satz stelle ich mir sehr passend vor!
Ich war weniger angetan, dieses Fiebrige schien mir längerwährend irgendwie nicht überzeugend; ganz unabhängig davon, dass ich denke, dass es zum Programm nicht ganz so passt. Klanglich habe ich sie superb in Erinnerung.
die Sinfonien Nr.7 und 11 sind bei Ashkenazy mit dem St-Peterburg Philharmonic Orchestra (früher Leningrader PH). Das er gerdae für diese beiden Kriegsymphonien diesen fantastischen russischen Klangkörper gewählt hat führt zu einem absolut passendem Orchesterklang mit den Russischen Blechbläsern, die immer noch voll da sind (Aufnahme November 1994).
Der erste Satz der Sinfonie Nr.11 gelingt Ashkenazy phänomenal. Er liegt zeitlich gut im Mittelfeld und ist keineswegs zu schnell. Die Atmosphäre, die Ashkenazy aufbaut, kann für das ganze Werk, mit den Spitzenaufnahmen von Kondraschin und Roshdestwensky voll mithalten. Der Satz wird spannend und nie gehetzt aufgebaut, aber auch nicht verschleppt. Hier die Spielzeiten des 1.Satzes als Vergleich: Ashkenazy.........14.33 Kondraschin.......12:30 Roshdestwensky.18:01 Haitink...............15:53 Barshai...............15:27 Maxim Schost......14:21
Roshdestwensky erzeugt mit seinen 18Minuten etwas gespenstisches, das ebenso begeistert. Bei ihm ist besonders in dichten Orchesterpassagen eine etwas schlechte Durchhörbarkeit zu bemängeln (sonst nichts). Die straffere Leseart von Kondraschin und Ashkenazy liegen mir allerdings geschmacklich mehr.
Der 2.Satz mit seinen eruptiven Passagen in der 2.Hälfte mit Pauken/Trommeln ist auf Decca mit Ashkenazy überwältigend. Auch die tiefen Trommeln (die ich bisher so gar nicht kannte) werden einem um die Ohren gehauen, dass man platt ist. Die TOP Decca-Klangtechnik läßt alles ungehindert über die lautsprecher tönen.
:beer So überwältigend geht es bis zum Schluß weiter, sodaß ich diese Aufnahme zu den drei Besten zählen würde: Kondraschin-Roshdestwensky-Ashkenazy
die Aufnahme von S. Bychkov mit dem RSO Köln habe ich nur einige male gehört
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6994826.jpg
Für mich gehört die Aufnahme definitiv in den Bereich der Top Aufnahmen und besticht sowohl durch die Interpretation UND den guten Klang.
Alleine durch einen guten Klang entsteht eine unglaubliche Transparenz der Instrumentierung. Das hilft ungemein umd sowohl der Gehalt der Sinfonie, als auch der Interpretation deutlich zu vermitteln.
Im ersten Satz baut Bychkov mit dem RSO Köln eine ungemeine Spannung auf, die von Jörg angesprochenen Schneeflocken kommen mir da in den Sinn, und die Darstellung des klaten Palastplatzes und die Stimmungsumkehr bzw. das bedrohliche nahen des "Unheils" ist absolut klasse.
Was den zweiten Satz angeht muss ich Henning ein wenig recht geben. Er sprach von "loslassen". Die Eskalation, das chaotische Element würde sichtlich gewinnen würde Bychkov es mehr zulassen. Auf hohem Niveau, aber den Satz habe ich schon erschütternder erlebt. Soll nicht heißen, das keine Dramatik oder Chaos vermittelt wird. Herllich auch hier die saubere Wiedergabe der Instrumentengruppe. Das macht einfach spaß wenn man wirklich sauber die Instrumentierung auch in der Dichte des Werks erkennt.
Der dritte Satz ist stark, grandios die dargestellte Trauer über die Ereignisse unf fantastisch der Stillungswechsel. Brilliant einfach.......
Der vierte Satzist IMO einfach spitze. In keiner anderen Aufnahme hörte ich jemals die Sturmglocke zu klar, so präuise, mit dieser Signalwirkung.
Hier entsteht ohne jeden Zweifel einer der ganz großen Schostakowitschzyklen!
:times10
HenningKolf (06.12.2007, 19:17): Original von ab Lieger Rachmaninov,
ich meine, nun müsstest Du inzwischen wohl alle Aufnahmen dieser Sinfonie zuhause haben - oder zumindest kennen -, wenn ich mich nicht irre. Ich warte gespannt auf Dein Fazit! :D
Ich für meinen Teil warte ja noch darauf, dass sich unser lieber admin die Lazarew-Aufnahme auf dem High-End-Label Linn Records zulegt...(dann brauch ich nicht als erster zu testen, ob die Interpretation halbwegs mit dem High-End-Klang mithalten kann............ :engel)
Henning
ab (25.02.2008, 17:28): Original von Rachmaninov Insgesamt denke ich es ist eine recht ordentliche Aufnahme, aber mir fehlt hier, wie von teleton geschrieben, auch ein wenig die russische Seele. Da ergreift mich der erste Satz bei anderen Aufnahme doch mehr, auch das chaotisch im 2. Satz habe ich schon "gewaltiger" empfunden. Auch die Trauer im dritten Satz habe ich schon tiefer empfunden....
Womöglich hätte ich bei meiner Empfehlung hinzufügen sollen, dass es sich hier um einen etwas distanzierten Ansatz handelt, was - bei mir zumindest - den Eindruck von Eindringlichkeit und Inbrunst eher noch verstärkt, als bei den dramatischeren Interpretation, die vordergründig imposant "gewaltig" oder unmittelbar "ergreifend" wirken mögen.
mittlerweile hörte ich die Aufnahme mit Ashkenazy am Pult mehrfach. Dies war nötog, da ich nicht der größte Ashkenazy Freund bin und es zunächst galt dieses Denkmuster zu beseitigen.
Eins vorweg, die Decca Aufnahme klingt wirklich richtig gut. Und glücklicherweise überzeugt die Aufnahme im gegensatz zu Kitajenko nicht nur mit diesem positiven Aspekt.
Ashkenazy's Aufnahme kann durchaus gefallen und ich kann durchaus verstehen, daß sie für einige zu einer der liebsten Aufnahmen werden kann. Sehr gute Hörbarkeit der Instrumente lädt gerade zu dazu ein dieser Sinfonie zu folgen. Ashkenazy's Ansatz ist kraftvoll aber er läßt das Orchestern nie ganz aus der Hand. Dies mag jene begeistern, die ein ewenig "Kontrolle" durchaus zu schätzen wissen. Mir persönlich gefällt ein wenig mehr Chaos udn Verzeiflung vor allem im Mittelsatz schon ein wenig besser. Da überzeugen michBychkov oder Rozhhedestvensky dann doch mehr. Wobei die Pauken schon irrsinnig implusand sind im zweiten Satz. Da ist der sehr gute Klang klar ein Vorteil.
Aber irgendwie erreicht Ashkenazy halt, für mich, nicht ganz die Dramaturgie, die in diesem, Werk steckt.
Exemplarisch möchte ich da auf den dritten Satz eingehen. Da gelingt es anderen einfach besser aus der Verzweiflung, der Trauer in Erwachen zu Widerstand darzustellen..... Da bleibt mir das Orchester einfach zu sehr an der Oberfläche.
Alles in allem eine richtig gute Aufnahme, der ich aber ander derzeit den Vorzug gebe.
Rachmaninov (25.03.2008, 19:30): Original von HenningKolf Rostropowitsch ist ein wenig „anders“, was man alleine daran sieht, dass er 18 Minuten mehr benötigt als Kondraschin. Den ersten Satz und den letzten Teil des 4. Satzes finde ich genial (auch wenn letzterer eine recht freie Interpretation der Komposition sein dürfte), den zweiten - jedenfalls vergleichsweise - etwas schwächer. Dieses Martialische, Verzweifelte, Schreiende bekommen die Londoner nicht so überragend zustande. Aber ich möchte diese Aufnahme schon wegen des fantastischen Kopfsatzes nicht missen und höre sie auch sehr oft.
@Schostakowitsch-Freunde, @Henning,
Rostropowisch ist ein wenig "anders" schrieb Henning. 20 Minuten nimmt sich Rostropovich alleine für den ersten Satz. Zwar muss ich zugeben, dass es zum Ende des ersten Satzes nicht gänzlich ohne Spannung ausgeht, aber der Satz zieht sich für mich schon teilweise grausig langsam dahin. Zeiten sind nicht alles, aber die Wirkkung ist für mich einfach verfehlt. Die Bläser wirken auf mich schon nicht mehr wie ein Signal, sondern wirken schon fast langatmig gequält.
Dem zweiten Satz kann man zware Spannung abgewinnen, aber die dramatik des 9. Januar's vermitteln mir andere Einspielungen deutlich plastischer und überzeugender.
Auch der dritte Satz, "in Memoriam", der die Trauer über die Ereignisse vermittelt und daher tendenziell durch eine gewisse Langsamkeit getragen wird, überzeugt mich nicht ganz. Dieses Umschlagen der Stimmung von resignativer Trauer in "Aufbruch" überzeugt mich nicht.
Naja, und der vierte Satz ist zwar in gewisser Weise packend, aber die Spannung eines Bychkov's erreicht Rostropovich IMO einfahc nicht. Man höre mal die "Sturmglocke"!
Mir gefällt die Rostropovich-Einspielung. Ich denke, man sollte nicht nur verschiedene, sondern völlig divergierende Sichtweisen zulassen können. Mir fällt das auch immer wieder schwer, gerade bei Schostakowitsch - bei der 8. Symphonie beispielsweise bin ich so sehr von Haitinks Schroffheit und Klangfülle geprägt, das ich nur mühsam einen anderen Zugang, ja auch nur einen anderen Soundcharakter akzeptieren kann. Umgekehrt steht es bei der 7. Symphonie - seit ich Kondrashins "Stahlgewitter"-Version gehört habe, mag mir der gleichmässig fliessende Atem, das vorsichtig Gesteigerte Haitinks bei diesem Werk kaum noch einzuleuchten.
Gerade der 1. Satz ist auf dieser CD wunderbar gelungen - man muss sich eben nur auf die ruhige fast sphärische Stimmung einlassen. Rostropovich tut das mit feiner Hand, kostet die Details aus, erschafft eine schneebedeckte etwas entrückte "Klanglandschaft". Kondrashin rast dagegen so durch den 1. Satz, das er fast zum Prolog degradiert wird. Beim ersten Hören dachte ich da auch einfach nur: "Wie unsensibel!". Später wurde mir klar, das das in Kondrashins Konzept passt, eine vorwärtsdrängende Bewegung zu erschaffen, die Symphonie wie aus einem Guß zu liefern - bei Rostropovich klingt das alles viel aufgefächerter. Die Details werden fasslicher dadurch. Allerdings büßt er an einigen Stellen die Kompaktheit, die unmittelbar packende Spannung Kondrashins ein. Aber so etwas wie der mechanische Marsch der Soldaten im 2. Satz ist bei Rostropovich genauso bedrohlich dargestellt wie bei Kondrashin - trotz des langsameren Tempos. Den letzten Satz finde ich schlicht rundum gelungen. Allerdings kenne ich nun Bychkov nicht...
Rostropovich stand mit dem LSO ein hervorragender Klangkörper zur Verfügung - man sollte das noch mal betonen. Das Schrille, Expressionistische, Aufschreiende zum klingen zu bringen - darin ist allerdings Kondrashin einer der Meister. Das wird man beim Erstgenannten so nicht finden - Henning schrieb es ja bereits in seiner Einleitung.
Diese Symphonie schreit mal wieder nach mehreren Aufnahmen: - Järvi steht schon länger auf dem Wunschzettel und nach allem, was Du schreibst, muss es wohl Bychkov ebenso noch sein.
Wie findest Du eigentlich Gennadi Rozhdestvensky bei der 11.? Hoffentlich wird diese GA der Symphonien irgendwann bei Melodiya zu einem annehmbaren Preis wiederveröffentlicht.
Herzliche Grüsse! Jörg
HenningKolf (25.03.2008, 20:42): Original von Nordolf
Gerade der 1. Satz ist auf dieser CD wunderbar gelungen - man muss sich eben nur auf die ruhige fast sphärische Stimmung einlassen. Rostropovich tut das mit feiner Hand, kostet die Details aus, erschaft eine schneebedeckte etwas entrückte "Klanglandschaft". Kondrashin rast dagegen so durch den 1. Satz, das er fast zum Epilog degradiert wird. Beim ersten Hören dachte ich da auch einfach nur: "Wie unsensibel!". Später wurde mir klar, das das in Kondrashins Konzept passt, eine vorwärtsdrängende Bewegung zu erschaffen, die Symphonie wie aus einem Guß zu liefern - bei Rostropovich klingt das alles viel aufgefächerter. Die Details werden fasslicher dadurch. Allerdings büßt er an einigen Stellen die Kompaktheit, die unmittelbar packende Spannung Kondrashins ein. Aber so etwas wie der mechanische Marsch der Soldaten im 2. Satz ist bei Rostropovich genauso bedrohlich dargestellt wie bei Kondrashin - trotz des langsameren Tempos. Den letzten Satz finde ich schlicht rundum gelungen. Allerdings kenne ich nun Bychkov nicht...
Rostropovich stand mit dem LSO ein hervorragender Klangkörper zur Verfügung - man sollte das noch mal betonen. Das Schrille, Expressionistische, Aufschreiende zum klingen zu bringen - darin ist allerdings Kondrashin einer der Meister. Das wird man beim Erstgenannten so nicht finden .......
:beer
PS: Nicht wirklich billig, aber andererseits für 10 CDs annehmbar
link
mit Versandkosten und Einfuhrabgaben dürfte der Preis bei ca. 45€ liegen. Ich habe bisher 1 mal und nicht sonderlich konzentriert in Roschs 11. hineingehört. Näheres wenn ich mich eingehender damit befasst habe.
Gruß Henning
Nordolf (25.03.2008, 20:49): Sorry - natürlich nicht Epilog, sondern Prolog. Ich habe es oben berichtigt.
Nordolf (25.03.2008, 22:03): Original von HenningKolf
PS: Nicht wirklich billig, aber andererseits für 10 CDs annehmbar
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mit Versandkosten und Einfuhrabgaben dürfte der Preis bei ca. 45€ liegen. Ich habe bisher 1 mal und nicht sonderlich konzentriert in Roschs 11. hineingehört. Näheres wenn ich mich eingehender damit befasst habe.
Gruß Henning
Oh - danke! Das schaue ich mir mal an. Es wäre gut hier etwas zu Rozhdestvensky lesen zu können - schließlich gilt seine Sichtweise ja auch als eine der "klassischen" Schostakowitsch-Interpretationen.
:hello Jörg
teleton (26.03.2008, 10:42): Hallo Nordolf, Rachmaninow und Henning,
wenn wir heute über die Sinfonie Nr.11 schreiben und ich alle Aufnahmen heranziehe die ich habe, dann bleiben für mich Kondraschin - Roshdestwensky und Ashkenazy (als willkommene Neuaufnahme und Ergänzung) stehen.
Die von Rachmaninow zur Ashkenazy-Aufnahme der Sinfonie Nr.11 gemachten Worte kann ich nachvollziehen - eine tolle Aufnahme mit kleinen Abstrichen, aber Super-Sound.
Allen voran bleibt immer noch Kondraschin: Die neue AULOS-CD (REM.2006) hat mir jedoch nach vielen Jahren gezeigt, dass meine erste Aufnahme (die ich schon auf Eurodisc-LP hatte) , die Kondraschin-Aufnahme von 1973 vorzuziehen ist. Mit jetzt noch besserer Klangtechnik und besserer Klarheit der sinfonischen Strukturen als bei Roshdestwensky, entwickelt sich die Sinfonie mit unglaublicher Spannung. Die Fortestellen klingen nicht zugedeckt und die Paukenschläge sind einzeln abzählbar zu hören. Die Glocken im Finale des 4.Satzes sind bei Roshdestwensky, als einziger Kritikpunkt, vom Orchester zugedeckt und deshalb nur schwach hörbar. Bei Kondraschin absolut klar ins Orchestergeschehen eigebettet und erzeugen absoluten Gänsehautfaktor. Roshdestwensky entwickelt das Werk zwar theatralischer und läßt sich auch mehr Zeit, aber die straffe Kondraschin-Interpretation begeistert noch mehr.
:times10 So umwerfend habe ich die Sinfonie Nr.11 noch nie gehört, wie es jetzt die AULOS-Klangtechnik zuläßt.
Das AULOS-Remastering, das sei direkt vorab gesagt, ist ein Wunderwerk. Koreanische Tontechniker haben sich dem DSD (Direkt Stream Digital) - Verfahren bedient, die orginalen Mutterbänder der Melodia – Aufnahmen verwendet und ganz neu mit 24Bit remastert. Das Klangergebnis ist umwerfend. Die Aufnahmen haben ein Frische und Brillanz, eine Durchhörbarkeit der sinfonischen Strukturen, die man nach der Eurodisc-LP und dem Melodia-Eurodisc-Remastering nicht für möglich halten würde. Der Klang ist mit besten Digitalaufnahmen vergleichbar. Selbst die klanglisch problematischen Aufnahmen der Sinfonien Nr.4 und 8, die von Aufnahmealter 1962 (4) die Ältesten sind, erhalten eine unglaubliche Frische.
Es wird manchmal von schlechtem Klang bei den Kondraschin-CD-Aufnahmen berichtet. Diese Worte haben mich schon immer verwundert, weil ich die Eurodisc-LP´s besitze und diese waren immer klanglich TOP-LP´s; das Melodia-Remastering auf CD muß also nicht besonders gewesen sein. Bei diesen AULOS-Kondraschin-CD´s ist das Thema schlecher Klang ein für alle Male abgehakt !
Wenig Begeisterungswürdig ist Rostropowitsch, da er das Werk zu sehr in die Länge zieht und noch entscheidender: Dem Washiington PO fehlt der russische Blaserklang total.
Rachmaninov (26.03.2008, 13:27): @Jörg,
grundsätzlich hast Du natürlich recht. Es sollten immer verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Bei Schostakowitsch gibt es viele, die ihn persönlich kannten und dadurch sicherlich eine spezielle Sicht auf seine Werke haben. Interessanterweise können sich ja viele auf derartige Erfahrungen berufen, was aber zu sehr unterschiedliche Interpretationen führt. Ich schweife aber ab. Auch wenn, wie hier bereits angesprochen Schostakowitsch wohl nicht nur die Ereignisse aus dem Jahr 1905 insgeheim anspricht sondern auch derartiges Unrecht durch die UdSSR später, so hat doch diese Sinfonie eine klare Programatik und jeder Satz eine klare Aussage. Aus diesem Grund habe ich bei der 11. Sinfonie doch eine recht klare Vorstellung über gewisse grundlegende interpretatorische Ansätze. Zwar kann ich Rostropovich nicht unterstellen, dass er diese Grundaussagen nicht berücksichtigt, jedoch sind sich weit weg von meinem Verständnis. Natürlich stimmt es schon das er im ersten Satz diese Atmosphäre der "schneebedeckten" landschaft vermittelt. Aber mir fehlt hier die Unruhe der auf dem Platz vor dem Palast stehenden Menschen und ihre Nöte.
HenningKolf (26.03.2008, 13:51): Original von Rachmaninov Natürlich stimmt es schon das er im ersten Satz diese Atmosphäre der "schneebedeckten" landschaft vermittelt. Aber mir fehlt hier die Unruhe der auf dem Platz vor dem Palast stehenden Menschen und ihre Nöte.
"Vor Angst erstarrt sein", Freudlosikeit, Gefühlskälte sind Dinge, die ich besonders mit Rostropowitsch assoziiere........
EDIT: das hört sich beim nochmaligen Durchlesen recht unbeholfen an: muss natürlich Rostropowitschs Dirigat heißen, Rosto war natürlich ein recht freundlicher, emotionale Wärme ausstrahlender Mensch.....
Rachmaninov (26.03.2008, 19:50): Original von HenningKolf
4. Allegro non troppo - Untertitel „Die Sturmglocke“
Dieser Satz ist es wohl, der Anlass für die größten Auslegungsstreitigkeiten gibt.
......
Die Sojwetführung war es zufrieden und nahm diesen ungestümen Ausgang als Verheißung der 1917er-Revolution, Schostakowitsch bekam den Leninorden.
Mehrfach habe ich gelesen, dass in der Familie Schostakowitsch ganz andere Befürchtungen die Runde machten. Maxim soll nach der Generalprobe geäußert haben „Mein Gott, dafür werden sie dich aufknüpfen!“ Schostakowitsch soll später geäußert haben, er habe die Wiederholung der Geschichte darstellen wollen, dass sich dem Grunde nach nichts geändert habe und nie ändern werde. Es spricht nach meiner Auffassung vieles dafür, dass dem so ist. Die Warszawianka kann als Hinweis auf Schostakowitschs polnische Herkunft verstanden werden. Seine Vorfahren kämpften 1830/31 gegen die russischen Besatzer, wurden nach Sibirien verbannt. Das Zitat der Operette im Kontext mit „Brüder zur Sonne“ macht eigentlich wenig Sinn, es sei denn, Schostakowitsch wollte den realen Sozialismus als operettenhaft brandmarken. Vor dem Hintergrund, dass die Aufstände von 1953 und 1956 frisch in Erinnerung waren lässt sich die Rückkehr des Adagios als Sinnbild der immer gleich eiskalten Obrigkeit verstehen, die Sturmglocke wird zur Totenglocke. Eine Lesart, die sich Rostropowitsch wie ich finde recht eindeutig, fast plakativ, zu eigen gemacht hat. Die Aufführung in Lemberg im Dezember 1957 wurde von den Bewohnern auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt tatsächlich als Regimekritik verstanden und als solche bejubelt (Lemberg war abwechselnd ukrainisch, polnisch und deutsch gewesen, bevor es 1944 russisch wurde)
@Henning,
zur Ergänzung Deiner Ausführung möchte ich folgendes Beitragen. Die 11. Sinfonie wird in verschiedenen Stellen als eine der Werke Schostakowitsch's bezeichnet, die ihm als Dissidenten sehen.
Es finden sich einige Quellen, die dies untermauern:
Lev Lebedinsky points out:
What we heard in this music was not the police firing on the crowd in front of the Winter Palace in 1905, but the Soviet tanks roaring in the streets of Budapest. This was so clear to those "who had ears to listen", that his son, with whom he wasn't in the habit of sharing his deepest thoughts, whispered to Dmitri Dmitriyevich during the dress rehearsal, "Papa, what if they hang you for this?" (Wilson, p. 317; Volkov, St. Petersburg, pp. 461--62.)
Manashir Yakubov confirms that "from its very earliest performances, viewed the symphony as an allegorical reflection of contemporary bloody events in Hungary (1956), where the Soviet Union had acted as 'policeman of Europe' and executioner of a democratic movement." (Yakubov, op. cit., p. 57. Emphasis added.)
Igor Belsky recalls the composer saying, "Don't forget that I wrote that symphony in the aftermath of the Hungarian Uprising." (Wilson, p. 320.)
Irina Shostakovich, the composer's widow, confirms that Shostakovich had the events of the Hungarian Uprising in 1956 "in mind" when he wrote this work. (DSCH Journal 12, p. 72.)
Heike (14.05.2009, 08:34): Nachdem ich die 11.. neulich erstmalig live hörte, möchte ich auch was antworten.
Für mich zeigt sich die in der Überschrift zitierte "Doppelbödigkeit" sowohl inhaltlich, als auch musikalisch.
Zweifellos kann man das Jahr 1905 darin wiederfinden, aber nicht nur. Nur wenige Monate nach dem blutig niedergeschlagenen Ungarnaufstand geschrieben dürfte Dsch da aller Wahrscheinlichkeit nach wohl noch andere Dinge im Kopf gehabt haben. Bestimmende Worte des zitierten Liedes "Gib acht" im 1. Satz sind "Gewissen" und "Gefängnis". "Der Gefangene" ist auch die Überschrift des Liedes zum Flötenmotiv, das ja ziemlich zentral ist. In dieser Zeit kehrten die ersten Freunde Schostakowitschs aus dem Gulag zurück, sie waren meist in sehr schlechtem Zustand. Dieses habe Dsch sehr beschäftigt und die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft nochmal forciert. Der Programmheftautor H. Traber berichtete in der Werkeinführung darüber, dass eine der Rückkehrerinnen, eine Dichterin, in einer Versammlung ihre Bluse geöffnet habe und die Striemen gezeigt habe. Von dem 2000 Zuschauern sei einer ohnmächtig zusammengebrochen: Dsch.
"Der Gefangene" Die Nacht ist finster. Nütze die Minuten. Doch die Mauer des Gefängnisses ist stark. Das Tor ist verschlossen mit zwei eisernen Schlössern"
So muss sich Dsch gefühlt haben in dieser Gesellschaft.
Musikalisch hat mich diese Doppelbödigkeit ganz hingerissen. Das geht schon am Anfang los, das orthodoxe Kyrie wird von falschen Oktaven verfremdet; das eigentlich klare Paukenmotiv, dass später so übermächtig wird, taucht erstmal ganz leise auf, kaum identifizierbar, fast zärtlich. Das erst fanfarenartige Trompetenmotiv wird später zur Klage, demgegenüber wird das Lamento im dritten Satz zum Trauermarsch,. Und wenn man den Schluss ansieht, dann wiederholt sich alles - da sehe ich keine Jubelfreude über die vollendete Revolution, sondern das klagende Lithurgiemotiv taucht wieder auf; die Militärtrommeln künden von der Wiederkehr der Gewalt. Ich finde gerade das Finale großartig und für mich gibt es keinen Zweifel, was Dsch damit sagen wollte; ich kann keine besseren Worte finden als Traber, der schreibt:
"Alles verschlungen in den Sieg des Sozialismus? Der Schluss der Klagewoge lässt daran zweifeln: er entspricht dem Gewalt-Motiv aus der Oper "Lady Macbeth von Mzensk. Der katastrophische Tamtam-Schlag, der das Ganze besiegelt, setzt die Erinnerung an den Anfang der SInfonie frei. Der Kulmination von Gewalt folgt die Erstarrung. Die restliche knappe Hälfte des Finales gehört dem Rückblick auf die ersten beiden Sätze.... die Steigerung mit Themen des zweiten Satzes mündet erneut in das Schlagzeuggewitter.... Die Glocke ... läutet das Paukenmotiv des Anfangs. Der Triumpf der Freiheit klänge anders"
Ein riesiges musikalisches Rondo ist das ganze, und inhaltlich würde ich das - eben wegen dieses Finales - auch so sehen. Es gibt nur Gedenk-Episoden zwischen der Gewalt, aber alles wiederholt sich. Mich hat das Werk ziemlich fassungslos zurückgelassen. Heike
edit: Tippfehler
Rachmaninov (15.05.2009, 19:07): Original von Hebre Nachdem ich die 11.. neulich erstmalig live hörte, möchte ich auch was antworten.
Für mich zeigt sich die in der Überschrift zitierte "Doppelbödigkeit" sowohl inhaltlich, als auch musikalisch.
Zweifellos kann man das Jahr 1905 darin wiederfinden, aber nicht nur. Nur wenige Monate nach dem blutig niedergeschlagenen Ungarnaufstand geschrieben dürfte Schostakowitsch da aller Wahrscheinlichkeit nach wohl noch andere Dinge im Kopf gehabt haben. Bestimmende Worte des zitierten Liedes "Gib acht" im 1. Satz sind "Gewissen" und "Gefängnis". "Der Gefangene" ist auch die Überschrift des Liedes zum Flötenmotiv, das ja ziemlich zentral ist. In dieser Zeit kehrten die ersten Freunde Schostakowitschs aus dem Gulag zurück, sie waren meist in sehr schlechtem Zustand. Dieses habe Schostakowitsch sehr beschäftigt und die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft nochmal forciert. Der Programmheftautor H. Traber berichtete in der Werkeinführung darüber, dass eine der Rückkehrerinnen, eine Dichterin, in einer Versammlung ihre Bluse geöffnet habe und die Striemen gezeigt habe. Von dem 2000 Zuschauern sei einer ohnmächtig zusammengebrochen: Schostakowitsch.
"Der Gefangene" Die Nacht ist finster. Nütze die Minuten. Doch die Mauer des Gefängnisses ist stark. Das Tor ist verschlossen mit zwei eisernen Schlössern"
So muss sich Schostakowitsch gefühlt haben in dieser Gesellschaft.
Musikalisch hat mich diese Doppelbödigkeit ganz hingerissen. Das geht schon am Anfang los, das orthodoxe Kyrie wird von falschen Oktaven verfremdet; das eigentlich klare Paukenmotiv, dass später so übermächtig wird, taucht erstmal ganz leise auf, kaum identifizierbar, fast zärtlich. Das erst fanfarenartige Trompetenmotiv wird später zur Klage, demgegenüber wird das Lamento im dritten Satz zum Trauermarsch,. Und wenn man den Schluss ansieht, dann wiederholt sich alles - da sehe ich keine Jubelfreude über die vollendete Revolution, sondern das klagende Lithurgiemotiv taucht wieder auf; die Militärtrommeln künden von der Wiederkehr der Gewalt. Ich finde gerade das Finale großartig und für mich gibt es keinen Zweifel, was Schostakowitsch damit sagen wollte; ich kann keine besseren Worte finden als Traber, der schreibt:
"Alles verschlungen in den Sieg des Sozialismus? Der Schluss der Klagewoge lässt daran zweifeln: er entspricht dem Gewalt-Motiv aus der Oper "Lady Macbeth von Mzensk. Der katastrophische Tamtam-Schlag, der das Ganze besiegelt, setzt die Erinnerung an den Anfang der SInfonie frei. Der Kulmination von Gewalt folgt die Erstarrung. Die restliche knappe Hälfte des Finales gehört dem Rückblick auf die ersten beiden Sätze.... die Steigerung mit Themen des zweiten Satzes mündet erneut in das Schlagzeuggewitter.... Die Glocke ... läutet das Paukenmotiv des Anfangs. Der Triumpf der Freiheit klänge anders"
Ein riesiges musikalisches Rondo ist das ganze, und inhaltlich würde ich das - eben wegen dieses Finales - auch so sehen. Es gibt nur Gedenk-Episoden zwischen der Gewalt, aber alles wiederholt sich. Mich hat das Werk ziemlich fassungslos zurückgelassen. Heike
edit: Tippfehler
:D
Schön zu lesen das musik die einen selber so sehr begeistert auch andere so ergreift! :W
Heike (15.05.2009, 23:14): Hallo, Schön zu lesen das musik die einen selber so sehr begeistert auch andere so ergreift! Ja, "ergreift" ist ein passendes Wort.
Die hat eine Wucht, diese Sinfonie (und damit meine ich jetzt nichtmal unbedingt die Gewaltausbrüche - wobei - an dem Tag vor dem Konzert, das ich besuchte, gabs dasselbe Programm - und es platzte ein Becken im Finale - kaputt wars - sowas hab ich auch noch ne gehört)... aber mich hat dieses ganze dialektische Sinfoniedrama so fasziniert! Also dieser Schostakowitsch, das ist wirklich die große Entdeckung nach meinem 40. Geburtstag (und der ist ja nun schon 5 Jahre her)!
Ich freu mich sowas von doll auf das Festival im September! Heike