angeregt durch den Karajan-Thread (bei Dirigenen) und weil von der Sinfonie Nr.10 noch kein Thread hier im Klassikforum vorhanden ist, möchte ich auf zunächst die Aufnahmen des Werkes betrachten. :hello Wer sich angesprochen fühlt, kann gerne auf das Werk selbst näher eingehen.
In der Zwischenzeit haben sich von meinem Lieblingskomponisten von der Sinfonie Nr.10 bei mir eine ganze Menge Aufnahmen angesammelt.
Meine Aufnahmen hier in der heutigen Reihenfolge der Gunst:
Kondraschin / Moskauer PH (AULOS/Melodyia, ADD) Roshdestwensky / Moskauer PH (Eurodisc, 1984, DDD) Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR Moskau (Eurodisc - LP) Karajan / Berliner PH (DG, 1967, ADD) Karajan / Berliner PH (DG, 1982, DDD) Ashkenazy / Royal PO (Decca, 1991, DDD) Mrawinsky / Lenigrader PH (Erato, 1976, ADD) Barshai / Kölner RSO (Brillant, DDD) M.Schostakowitsch / Prager SO (Supraphon, 2005, DDD)
:engel Meine letzte Aufnahme, die erst im Juni 2009 neu dazugekommen war, ist die Karajan-Analogaufnahme von DG 1967, die mich sehr beeindruckt hat. Mir war bisher klar, das Karajan mit seiner 1982er-Aufnahme, die ich seit Jahren habe und gerne höre eine der besten Westaufnahmen des Werkes vorgelegt hat. Aufgrund von Besprechungen kompetenter Schostakowitsch-Kenner über Karajan´s 1967er-Aufnahme wurde ich stutzig und hatte sie mir aus USA bestellt (Die DG-CD aus USA und Made in USA war billiger als hier in Deutschland ).
Ich höre nicht gerne die unschönen Worte von "Karajan und geglättet, poliert und Schönklang" und dieser ganze Blödsinn. Aber die Unmittelbarkeit, die Karajan in seiner weitaus unbekannteren Analalogufnahme von DG 1967 an den Tag legt ist einmalig und fabelhaft; wie er den 2.Satz (Lenin) durchpeitscht ist genial und erinnert an Mrawinsky (dort in desolater Klangtechnik), aber bei Karajan mit einer Präzision und Innenspannung - einfach Klasse. Karajan war immer Klangtechnisch sehr interessiert und war natürlich nach Einführung der CD darauf bedacht dieses von ihm hochgeschätze Werk auch digital auf CD zu bannen. In diesem Falle brachte die Neuaufnahme keine Vorteile. :beer Damit ist diese ältere Aufnahme, der sicherlich auch ihre Vorzüge zeigenden DDD-Karajan-Aufnahme von 1982, klar vorzuziehen.
Die Spielzeiten im Vergleich (die hier aber wenig Aussagekraft haben, denn beide sind höchst angemessen): DG 1982......DG 1967 22:30..........21:47 1.Satz 04:09..........04:05 2.Satz 11:38..........11:16 3.Satz 13:03..........13:39 4.Satz
Tangua (09.10.2009, 13:10): Danke für diesen Hinweis.
Die 1982er Aufnahme von Karajan zählt zu meinen Lieblings-Klassikaufnahmen insgesamt (bin keineswegs Karajan-Fan). Und wenn die 1967er noch deutlich besser sein soll, lohnt es sich wohl, sich auf die Suche zu machen...
Rachmaninov (09.10.2009, 17:26): der thread hatte eine Resevierung! :wink
teleton (10.10.2009, 10:17): Hallo tangua,
ja, aber Du brauchst Dich nicht lange auf die Suche zu begeben, denn für 6,-Euro ist die 1967er-Karajan-Aufnahme z.Bsp. bei amazon schon zu haben. Da Dir die 1982er-Aufnahmen ebenfalls voll nachvollziehbar so gut gefällt, ist das eine TOP-Ergänzung für Dich ... und nicht nur für Dich, sondern für alle die an diesem großen Werk interessiert sind.
Hallo Rachmaninow,
es tut mir Leid, das ich das mit der Reservierung zum wiederholten Male übersehen habe. Aber ich finde, wenn ein Thema reserviert wird, dann sollte der Beitrag dazu auch bald erfolgen und nicht andere Klassikforianer monatelang hinhalten und für das Thema blockieren. Wenn ich eine Thema erstelle, dann habe ich ehrlich gesagt bisher noch nie nachgesehen ob es reserviert war. Aus meiner Sicht finde ich das reservieren auch überflüssig, denn jeder kann sich mit einem Beitrag an den Erstersteller anschließen. Da ich zunächst hauptsächlich auf Aufnahmen der Sinfonie Nr.10 beziehe, tut eine weiterer Beitrag über das Werk hier auch keinem weh.
Rachmaninov (10.10.2009, 15:00): Original von teleton
Hallo Rachmaninow,
es tut mir Leid, das ich das mit der Reservierung zum wiederholten Male übersehen habe. Aber ich finde, wenn ein Thema reserviert wird, dann sollte der Beitrag dazu auch bald erfolgen und nicht andere Klassikforianer monatelang hinhalten und für das Thema blockieren. Wenn ich eine Thema erstelle, dann habe ich ehrlich gesagt bisher noch nie nachgesehen ob es reserviert war. Aus meiner Sicht finde ich das reservieren auch überflüssig, denn jeder kann sich mit einem Beitrag an den Erstersteller anschließen. Da ich zunächst hauptsächlich auf Aufnahmen der Sinfonie Nr.10 beziehe, tut eine weiterer Beitrag über das Werk hier auch keinem weh.
Hallo teleton,.
das passt ja auch!
Rachmaninov (06.11.2009, 16:32): hallo,
auf diese aufnahme der 10. sinfonie durch karajan ist teleton bereits eingegangen.
Warum? Es ist zwar faszinierend und typisch karajan was er aus dem Klangkörper rausholt, und es ist eine wahr freude wie er die einzelnen instrumentengruppe ausarbeitet und zum klingen bringt, ABER mir hält ihm gelingt es zu wenig alles zusammen zu halten und gerade das ist bei Schostakowitsch die Schwierigkeit und die wesentliche Kunst.
Heike (07.11.2009, 15:28): Das würde zwar eigentlich ins Klavierforum gehören, aber da es thematisch hierher gehört, frage ich mal hier:
Was haltet ihr eigentlich von der von Dsch arrangierten Version der 10. Sinfonie für Klavier (vierhändig)? Ist auf dieser CD (da das Cover so unerkennbar ist, hier ein Link) http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Dimitri-Schostakowitsch-Pr%E4ludien-Fugen-op-87-Nr-1-24/hnum/9019921
Heike
teleton (08.11.2009, 11:24): Hallo Heike,
eine technisch anständige Aufnahme in der Klavierfassung für vier Hände ist sicher mal minteressant anzuhören. Obwohl ich nicht glaube, dass ich diese sehr oft hören wollte. Die Orchesterfassung eines solchen Werkes ist für mich immer spannender.
Aber bei dem von Dir gezeigten LINK handelt es sich um eine MONO-Aufnahme von 1951. :cool Überlege mal den Unterschied der Möglichkeiten: 1. Du sitzt vor deiner Anlage und hörst die zwei Pianisten in historischer Klangqualität aus der Mitte "fipsen"; rauschen und knacken ggf. dabei.
2. Dann legst Du beispielsweise die höchspannende Kondraschin oder Roshdestwensky--Aufnahme (AULOS oder Eurodisc), in deinen Player und wirst von dem Orchestersound und diesen Interpretationen mitgerissen.
:times10 Für mich steht fest, dass ich meine wertvolle Zeit lieber mit Punkt 2 verbringen möchte !
Heike (08.11.2009, 12:16): Hallo, Die Orchesterfassung eines solchen Werkes ist für mich immer spannender. Das kann ich für mich so grundsätzlich nicht sagen - zum Beispiel bei den Bildern von Mussorgski bevorzuge ich eindeutig die Klavierversion (ja, die ist das Original, aber Ravels Orchsterfassung ist doch trotzdem ein Meisterwerk).
Aber unzweifelhaft ist die Zehnte in der Orchesterfassung so großartig, dass jede noch so gute Klavierfassung da nicht konkurrieren kann und sicher auch nicht will. Da gebe ich dir recht. Aber ich finde die gelungene Klavierfassung durchaus ebenbürtig spannend :-) da bietet sich die Zehnte geradezu dafür an, das Große mal auf das Kleine runterzureduzieren, finde ich. Außerdem fasziniert es mich, dass Dsch da selbst am Klavier saß... da vergesse ich dann mal schnell alles klangtechnische.
Heike
Heike (17.11.2009, 22:33): Karajan-Analogaufnahme von DG 1967 Hallo, Handelt es sich bei dieser Aufnahme um einen live-Mitschnitt eines Konzertes aus Moskau? Aus einem (diesem?) Moskauer Konzert hörte ich heute im Radio den 2. Satz, das war großartig, mit ganz viel drive und sehr drängend gespielt. Heike
Amadé (17.11.2009, 23:00): Original von Hebre Handelt es sich bei dieser Aufnahme um einen live-Mitschnitt eines Konzertes aus Moskau?
Keineswegs, die Aufnahme wurde bereits im Nov. 1966 in der Jesus-Christus-Kirche Berlin (=Tonstudio der DGG) produziert. Meines Wissens war Karajan erst drei Jahre später mit den Berlinern in Moskau.
Gruß Amadé
Heike (17.11.2009, 23:02): Dann muss es ja von dem Moskauer Konzert auch eine CD geben. Die würde mich außerordentlich interessieren, weiß jemand was dazu? Heike
Heike (17.11.2009, 23:05): Da hätt ich ja auch gleich drauf kommen können - rbb hat Musiklisten. Also es wurde diese CD gespielt:
Dimitri Schostakowitsch - Symphonie Nr. 10 e-Moll op. 93 II Allegro Berliner Philharmoniker - Ltg. Herbert von Karajan Live, 29.5.1969 MELODIYA LC 06969 Bestellnr. 1001513
Wo gibts die denn? Heike
Heike (17.11.2009, 23:12): gefunden bei amazon
wohl ganz neu, aber wirklich abartig teuer
P.s. bei jpc für die Hälfte, also die ist dann jetzt gleich meine :-) Heike
teleton (18.11.2009, 09:26): Hallo Heike,
die erste DG-Aufnahme von 1966 ist im Vergleich ebenfalls der Wahnsinn, besonders im 2.Satz Lenin !!! :beer Da hast Du gleich den richtigen Eindruck bei Deiner Hörsitzung mit der späteren Live-Aufnahme aus Moskau gewonnen. Ohne diese LIVE-Aufnahme zu kennen denke ich mal, das er drei Jahre zuvor auf der DG-CD genauso abgegangen ist.
Vergleicht man beide DG-Aufnahmen (1966 und 1982 DDD), so kommt er aber auch bei seiner letzten Aufnahme sehr gut und imposant weg. Von wegen "wenig zusammenhalt"(wie rachmaninov schrieb), da ist in seinen Aufnahmen keine Spur - eher referenzwürdig. :wink Nicht schlechter als die Aufnahmen, die den Maßstab darstellen - Kondraschin, Roshdestwensky und Swetlanow.
maticus (04.01.2010, 14:09): Von mir zwei Empfehlungen, die noch nicht genannt wurden:
Die erste habe ich früher häufig gehört, damals neben Roshdestvensky mein Favorit. Von der zweiten war ich nach hohen Erwartungen beim ersten Hören zunächst enttäuscht, aber das hat sich schnell gelegt. Heute höre ich sie sehr gerne.
:hello maticus
Heike (04.01.2010, 23:18): Hallo maticus und herzlich willkommen, ich freue mich, dass du gleich mit deinem ersten Beitrag den Schostakowitsch-Fanclub hier verstärkst!
Da fällt mir doch gleich auf, dass ich zu der Karajan-CD aus Moskau noch gar nichts geschrieben habe!
Hach das war noch ein Karajan, den man mögen kann! Lebendig, schwungvoll und energisch. Und live. Damals klangen die Philharmoniker spannender als heute und passten auch super zu der Dramatik der 10. Ich finds richtig gut, teilweise sehr rasant, aber präzise.
Heike (P.s. Das Brandenburgische Konzert, das noch drauf ist, das hätten sie meiner Meinung nach auch weglassen können, nee, Karajan und Bach - das passte schon damals nicht!)
Armin70 (05.01.2010, 07:22): Was Schostakowitschs 10. Sinfonie betrifft, so ist folgende Aufnahme mein Favorit:
Ich finde diese Aufnahme gelungen, weil Wigglesworth das Pathetische meidet. Meiner Meinung ist das ein gelungener Wechsel aus gesteigerter Dramatik im 1. Satz, wuchtiger Motorik im 2. und 4. Satz und der Eindringlichkeit, mit der das D-S-C-H-Motiv im 3. Satz herausgearbeitet wird.
Dazu kommt, dass das BBC National Orchestra of Wales auf höchstem Niveau spielt und sich hinter den berühmteren Orchestern aus London, Berlin, Russland oder den USA nicht verstecken muss.
Die ebenfalls auf dieser Doppel-CD aufgenommenen Sinfonien Nr. 5 unf 6 halten das gleiche hohe Niveau und die Klangqualität ist auf dem von BIS gewohnt hohen Level.
Gruß Armin
Rachmaninov (10.01.2010, 09:25): Original von Armin70 Was Schostakowitschs 10. Sinfonie betrifft, so ist folgende Aufnahme mein Favorit:
Ich finde diese Aufnahme gelungen, weil Wigglesworth das Pathetische meidet. Meiner Meinung ist das ein gelungener Wechsel aus gesteigerter Dramatik im 1. Satz, wuchtiger Motorik im 2. und 4. Satz und der Eindringlichkeit, mit der das D-S-C-H-Motiv im 3. Satz herausgearbeitet wird.
Dazu kommt, dass das BBC National Orchestra of Wales auf höchstem Niveau spielt und sich hinter den berühmteren Orchestern aus London, Berlin, Russland oder den USA nicht verstecken muss.
Die ebenfalls auf dieser Doppel-CD aufgenommenen Sinfonien Nr. 5 unf 6 halten das gleiche hohe Niveau und die Klangqualität ist auf dem von BIS gewohnt hohen Level.
Gruß Armin
So unterschiedlich können Empfindungen sein. DIe 5. mit Wiggelsworth kennen ich und finde sie nicht gut. (siehe passenden Thread) Das er bei der 10. etwas besonderes gelietset haben soll kann ich mir kaum vorstellen, da wird auch der gute Klang nichts retten...
Armin70 (10.01.2010, 23:37): Hallo,
gottseidank sind die Geschmäcker verschieden.
Ich hoffe, dass mein folgender Beitrag nicht den Rahmen sprengt aber in der FonoForum-Ausgabe 09/2000 gibt es einen Vergleich von 32 Aufnahmen mit Schostakowitschs 10. Sinfonie von Ingo Harden und ich versuche, kurz zusammenzufassen, was er über die wichtigsten dieser Aufnahmen geschrieben hatte:
- Gewandhausorchester Leipzig; Ltg.: Franz Konwitschny (1954, Berlin Classics 0090422BC): geradliniges Musizieren, manchmal ruppig und zu nüchtern.
- New York Philharmonic; Ltg.: Dimitri Mitropoulos (1954, CBS/Sony 78 231): sehr ästhetisch, Tempokonstanz, besonders gelungen der 1. Satz mit gelungenen Spannungsbögen und sehr eindringlich.
- Leningrader Philharmoniker; Ltg.: Jewegenij Mrawinsky (1955, live aus Prag, Praga/Helikon PR 250 053): gewichtig, pathetisch, intensive mit starkem Ton und kraftvoll gespielt. Insgesamt streng und unerbittlich und viel vom Geist der 1930er und 1940er Jahre geprägt-
- Philharmonia Orchestra; Ltg.: Efrem Kurtz (1955, Testament/Note 1 SBT 1078): makelloses, sauberes, elegantes, geschliffenes und transparentes Orchesterspiel sowie perfekte Klangkontrolle=> lt. FF die abgehobenste und gediegenste Mono-Aufnahme.
- Berliner Philharmoniker; Ltg.: H. v. Karajan (1964, DG 429 716-2): erinnert an Mitropoulos, aber "zu" schöner Streicherklang, feingliedriges Allegretto. 1969 wirkte Karajans Interpretation in Moskau wesentlich "russischer" (1969, Melodija S10 21227 009). 1981 dann digital ist seine drastischste Interpretation (DG, 439 036-2).
- Staatliches Sinfonieorchester der UdSSR; Ltg.: Jewgenij Swetlanow (1965, Eurodisc/BMG 75 743 KK): penibles "wörtliches" musizieren, vorbildliche Orchesterarbeit, die Partitur wird makellos und eindringlich realisiert => Eine Interpretation von zeitlosem Rang.
- Moskauer Philharmoniker; Ltg.: Kyrill Kondrashin (1973, Melodia/BMG 74321 19847): sehr transparentes Orchesterspiel, 2. Satz ist besonders präzise und brilliant, prägnant modellierte Melodiebögen, manchmal aber zu flott als erfüllt aber sehr "strategische" Interpretation.
- Berliner Sinfonie-Orchester; Ltg.: Kurt Sanderling (1977, Berlin Classics 0090182BC): einerseits unspektakulär sachlich aber dennoch klanglich und orchestral absolut überzeugend, deutliche Nachzeichnung der Spannung.
- London Philharmonic Orchestra; Ltg.: Bernard Haitink (1977, Decca 444 430-2): einerseits bemerkenswert durch die Kombination von sauberen Klangrealismus und unsentimental-ernster Sachlichkeit andererseits aber wenig hintergründig und etwas statisch.
- Philharmonia Orchestra; Ltg.: Simon Rattle (1985, EMI, 7 64870 2): feinsinninger Klang, biegsames Legato, sensibles Abphrasieren von Motiven, leider zu langsam besonders in der Durchführung des 1. Satzes.
- Staatliches Sinfonieorchester der UdSSR; Ltg.: Gennadi Roshdestwenskij (1986, BMG 74321 63461 2): problematische Klangqualität, weil zu brilliant, farbig und transparent. Das geht zu lasten der Räumlichkeit und der Tiefe und Kontinuität. Ansonsten steht die Interpretation unverkennbar in der russischen Tradition.
- Saint Louis Symphony Orchestra; Ltg.: Leonard Slatkin (1987, RCA/BMG RC 86597): ausgewogene und sorgsam kalkulierte aber milde klingende und betont gepflegte Aufnahme, zu glatt und schön.
- Scottish National Orchestra; Ltg.: Neeme Järvi (1988, Chandos/Koch CHAN 8630): vorbildlicher Ausgleich zwischen Gewichtigkeit und werktreuer Klarheit, saftiger Klang, sehr temperamentvoll, manchmal aber zu sachlich und unpersönlich.
- London Philharmonic Orchestra; Ltg.: Andrew Litton (1988, Virgin/EMI VC 90784-2): wirkt von Karajan beeinflusst in Bezug auf Geschmeidigkeit und Feinsinn, orchestral hochwertig aber manches wirkt überflüssig absichtsvoll.
- London Symphony Orchestea; Ltg.: Mstislaw Rostropowitsch (1989, Teldec/Warner 9031-74529-2): tief persönlich bekenntnishafte Interpretation, sehr expressiv aber ohne Übertreibung.
- Atlanta Symphony Orchestra; Ltg.: Yoel Levi (1989, Telarc/in-akustik CD-80241): noch langsamer als Rattle, Beginn ist fast im Adagio, allerdings gutes Orchester aber insgesamt klaffen Werk- und Wiedergabe weit auseinander.
- Cleveland Orchestra; Ltg.: Christoph von Dohnanyi (1990, Decca 430 844-2): voll Ausnutzung der dynamischen Bandbreite, eindringliche Nachzeichnung der klanglichen Architektur, der 2. Satz klingt nicht als losgelöstes fetziges Orchesterstück sondern ist bruchlos in den Gesamtablauf der Sinfonie integriert.
- Chicago Symphony Orchestra; Ltg.: Georg Solti (1990, Decca, 433 973-2): frei, fliessend, atmend, locker mit unversieglichem Elan, jedenfalls "unideologisch".
- Royal Concertgebouw Orchestra; Ltg.: Claus Peter Flor (1990, RCA/BMG RD 60448): tadellos ausbalanciert und sehr durchdachte und entwickelte Interpretation besonders im 1. Satz.
- Wiener Symphoniker; Ltg.: Eliahu Inbal (1990, Denon CO 79474): die 4 Sätze entwickeln sich organsich und die Interpretation steht stilistisch zwischen den "sachlichen Russen" und Karajan.
- Philadelphia Orchestra; Ltg.: Mariss Jansons (1994, EMI 5 55232 2): eindrucksvoll straffe und dynamische Attacke, klar definierte Höhepunkte ohne zu vordergründig zu werden, allerdings abfallende Intensität im Finale.
- BBC Welsh Symphony Orchestra; Ltg.: Mark Wigglesworth (1997, BIS/disco-center 500973/74): in den Fußstapfen Rostropowitschs; sehr überzeugend mit natürlich-unforcierter Tongebung, Klangfantasie und weitem Atem.
- Tchaikowsky Orchestra of Mosow Radio; Ltg.: Vladimir Fedoseyev (1998, Relief/helikon CR 991047): nahe verwandt mit Rostropowitsch und steht in einer Linie von Mrawinsky und Swetlanov und macht klar, dass Schostakowitschs Zehnte auch eine stimmungshafte Auslegung verträgt, wenn nicht sogar fordert.
Das Fazit von Ingo Hardens Vergleich ist: "....Bei freier Wahl würde ich am Ende wohl einmal zu Swetlanow oder Dohnanyi greifen, ersatzweise zu Sanderling und Jansons. Aber Rostropowitsch oder Fedoseyev dürften als stilistischer Gegenpol nicht fehlen. Eine schöne Ergänzung wären Solti, und als - nicht nur - historisches Dokument der erste Mrawinsky-Mitschnitt."