Schubert - "Die schöne Müllerin"

Cosima (29.08.2008, 14:21):
Gestern Nacht lief im Radio Schuberts „Die schöne Müllerin“. Obgleich schon im Halbschlaf, war ich plötzlich hellwach. Das sind ja ganz entzückende Lieder! Ich kannte sie bis gestern gar nicht, weil ich bislang an Liedern kein Interesse hatte (außer der „Winterreise“ – die finde ich großartig!). Leider weiß ich nicht, welche Interpreten mitwirkten, aber die männliche Gesangsstimme war nicht unangenehm, die Klavierbegleitung war sehr prägnant.

Um einen kleinen Überblick über Schuberts Liedschaffen zu erhalten, habe ich mir heute die Brilliant-Box „Great Schubert Singers“ zugelegt. „Die schöne Müllerin“ ist darauf mit Peter Schreier und Walter Olbertz vertreten. Schreiers Stimme mag ich gern hören, die Klavierbegleitung könnte ich mir aber noch besser vorstellen.

Welche Aufnahmen würdet Ihr empfehlen, bei denen Gesangsstimme und Klavier gleichermaßen gut besetzt sind?

Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn jemand zu dem Lieder-Zyklus an sich etwas beitragen würde. Für mich ist das ja Neuland…

Danke und Gruß,
Cosima
satie (29.08.2008, 15:21):
Also ganz spontan würde ich Wunderlich empfehlen ( mit Giesen), da wird immerhin ein wenig Textausdeutung gemacht und Wunderlich singt einfach wunderlich schön (allen Unkenrufen zum Trotz). Es gibt übrigens eine vielleicht eher kurios wirkende Fassung mit Stimme und Gitarre. Ich weiß allerdings weder, ob Schubert selbst das sogar bearbeitet hatte, noch ob die Aufnahme, die ich damals gehört hatte (gute 20 Jahre her) mit Wunderlich war, obwohl ich es vermute.

Dann würde ich auch guten Gewissens Prégardien/ Gees empfehlen. Ich habe die Aufnahme erst seit kurzem, mir gefällt sie sehr gut (die mit ihm und Staier habe ich noch nicht gehört).

Herzlich,
S A T I E
Cosima (29.08.2008, 15:57):
Ich konnte herausfinden, welche Aufnahme ich letzte Nacht gehört habe. Es waren Michael Schopper (Bariton) und Wolfgang Brunner (Hammerflügel). Ich habe eben noch einmal hineingehört. Schreier gefällt mir deutlich besser als Schopper, aber die Begleitung durch Wolfgang Brunner finde ich spritziger und markanter als jene durch Walter Olbertz, wahrscheinlich bedingt durch das verwendete Instrument. Optimal sind aber m.E. beide nicht. Nun ist mir schon klar, dass bei Liedern der Gesang das Wichtigste ist, aber ich achte automatisch auch auf das Klavier bzw. das begleitende Instrument. Ich hätte also gerne eine Aufnahme, bei der beide Parts richtig gut besetzt sind. Gibt es so etwas? Wie ist das bei Wunderlich und Prégardien?

Gruß, Cosima
Tranquillo (29.08.2008, 16:48):
Original von Cosima
Das sind ja ganz entzückende Lieder! Ich kannte sie bis gestern gar nicht, weil ich bislang an Liedern kein Interesse hatte (außer der „Winterreise“ – die finde ich großartig!).
In der "Schönen Müllerin" spielt sich ein ähnliches Drama ab wie in der Winterreise - es geht um eine unglückliche Liebe, die hier sogar im Selbstmord endet. Das letzte Lied ("Des Baches Wiegenlied") mag sich entzückend anhören, aber genau das ist eigentlich das Grausige daran: Der Bach singt dem Müllerburschen, der sich in ihn gestürzt hat und ertrunken ist, ein Wiegenlied.

Die anfangs noch hoffnungsvolle Stimmung kippt schon in "Tränenregen" um. Das Motiv des Klaviervorspiels, das inniges Zusammensein ausdrückt ("Wir saßen so traulich zusammen...") wendet sich zum Schluss des Liedes in ein fahles Moll, und der Hörer ahnt schon, dass das Ganze nicht gut ausgehen wird, auch wenn das nächste Lied ("Mein!") noch überwiegend optimistisch daherkommt.

Das Drama, das Doppelbödige und die tiefen seelischen Abgründe müssen für mich in einer Interpretation hörbar sein. Wenn die Lieder einfach nur "entzückend" klingen, ist mir das entschieden zu wenig, und deswegen finde ich die Interpretation von Fischer-Dieskau/Moore sehr gelungen. (Moore hat übrigens ein sehr lesenswertes Buch über Schuberts Liederzyklen geschrieben, in dem er jedes einzelne Lied mit Notenbeispielen analysiert.)

Viele Grüsse
Andreas
Cosima (29.08.2008, 17:09):
Original von Tranquillo
Das Drama, das Doppelbödige und die tiefen seelischen Abgründe müssen für mich in einer Interpretation hörbar sein. Wenn die Lieder einfach nur "entzückend" klingen, ist mir das entschieden zu wenig, und deswegen finde ich die Interpretation von Fischer-Dieskau/Moore sehr gelungen.

Lieber Andreas,

danke für Deine Anmerkungen. „Entzückend“ bezog sich natürlich nicht auf den Gehalt des Zyklus’ (wie gesagt: für mich ist das Neuland), sondern sollte Ausdruck meiner plötzlichen Begeisterung für das Schubert’sche Liedgut an sich sein.

Fischer-Dieskau singt auf meiner CD-Box auch einige Lieder. Ich muss erst einmal hören, ob mir dieser Sänger überhaupt zusagt, werde Deinen Hinweis aber im Hinterkopf behalten.

Gruß, Cosima
Amadé (29.08.2008, 20:56):
Hallo Cosima,

die Beschäftigung mit Schuberts erstem Liederzyklus lohnt sich, er ist anders aber keineswegs schlechter als die Winterreise. Es gibt eine Fülle von Einspielungen, ich empfehle Dir für den Anfang die bereits von Satie erwähnte CD mit Wunderlich und Giesen am Klavier,
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028944745221.jpg

sehr gelungen auch die alten Aufnahmen mit Schiötz und Moore

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0717281902939.jpg

sowie mit Julius Patzak, der den Zyklus zweimal aufgenommen hat, mit Raucheisen

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0717281931281.jpg

und Walter Klien.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/3830257450092.jpg


@ Satie

Eine Aufnahme Wunderlichs mit Gitarre ist mir nicht bekannt, jedoch eine mir Peter Schreier und Konrad Ragossnig, die augenblicklich für wenig Geld angeboten wird:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0782124328221.jpg

sowie eine mit Olle Persson, Mats Bergström beim Label Caprice, die ich jedoch nicht kenne.

Grüße Amadé
Cosima (30.08.2008, 12:36):
Hallo allerseits!

Gestern habe ich mich noch mit Hilfe des Schubert-Musikführers (Dürr/Feil) bzgl. Überlieferung, Text usw. der „Müllerin“ schlau gemacht. Ich denke, ich muss das nicht zusammenfassen, da wahrscheinlich eh den meisten von Euch bekannt. Der Zyklus begeistert mich inzwischen mindestens ebenso sehr wie die „Winterreise“! Das Thema hat mir keine Ruhe gelassen, so dass ich mich heute im Laden durch einige Interpretationen der „Schönen Müllerin“ gehört habe. Ich muss und möchte mich natürlich noch eingehender mit der Thematik beschäftigen, hier aber meine ersten Eindrücke:

Fischer-Dieskau konnte ich nur schwerlich ertragen mit seinem „Betroffenheitspathos“; siehe hierzu auch den Artikel: Kritische Anmerkungen zur Interpretation der „Schönen Müllerin“.
Ich fürchte, sein Gesang liegt mir (zumindest bei Schubert) generell nicht so sehr – auch die anderen 16 Lieder, die ich gestern noch hörte, mochten mich nicht überzeugen.

Wunderlich / Giesen ist wohl eine Kultaufnahme, sie hat mir dennoch nicht zusagt: Wunderlichs Zugang empfinde ich als unangemessen, da viel zu opernhaft. Giesen als Begleiter wirkte etwas fade auf mich.

Die frühere Wunderlich-Aufnahme aus 1957 mit Stolze, die in dem o.g. Artikel als „naiv, unprätentiös“ (im positiven Sinne!) bezeichnet wird, gefällt mir weitaus besser – zumindest was Wunderlich angeht. Wunderlichs „bloß gut gesungene“ Aufnahme gibt m.E. dem Werk tatsächlich „mehr Raum“ für eigene Assoziationen, sie berührt mich in ihrer Schlichtheit auch sehr. Allerdings hätte ich mir einen anderen Begleiter als Kurt Heinz Stolze gewünscht, der mir recht lustlos wirkt. Leider noch unmotivierter als Giesen, aber Wunderlichs Zugang macht für mich den Unterschied: hier klingt er schon eher so, wie ich mir einen Schubert-Liedsänger vorstelle – jedenfalls nicht wie ein Opernsänger. Optimal finde ich die Interpretation nicht, aber Wunderlich hatte zudem eine so herrlich klingende Stimme, dass ich nicht widerstehen konnte. Jedenfalls habe ich die Aufnahme gekauft und bereits mit Freude gehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41f6ZDB9FTL._SL500_AA240_.jpg

Prégardien in der jüngeren Aufnahme mit Gees nehme ich den Müllerburschen nicht ab. Zudem kommt seine Eindringlichkeit bei mir als Aufdringlichkeit an. Die ältere Aufnahme mit Staier kommt meiner Vorstellung schon näher, aber hier bin ich unsicher, ich müsste sie im Ganzen hören.

Aksel Schiötz / Gerald Moore fand ich interessant, konnte mich aber letztlich nicht mit der Stimme anfreunden. Julius Patzak konnte ich nur per Hörschnipsel über das Internet hören. Nein, gefällt mir auch nicht.

Schlussendlich habe ich aber doch noch „meine Müllerin“ gefunden – hoffe ich zumindest. Ich besitze ja schon die Aufnahme mit Peter Schreier / Walter Olbertz. Heute stieß ich auf Schreier / András Schiff. Ich denke, dass Schiff inspirierter als Olbertz spielt, bei Schreier habe ich – aus der Erinnerung heraus – keine prägnanten Unterschiede feststellen können. Das ist die Aufnahme:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41N2275NC5L._SL500_AA240_.jpg

Da ich jedoch die weiterhin enthaltene „Winterreise“ mit Schreier bereits in der (m.E. großartigen!) Aufnahme mit Sviatoslav Richter habe, entschied ich mich, diese günstigere Einzel-CD zu bestellen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/613NF2VV24L._SL500_AA240_.gif

Nun freue ich mich auf einen Vergleich der beiden Aufnahmen.

Mich würde natürlich weiterhin interessieren, welche Aufnahmen Ihr bevorzugt und warum. Was der Zyklus Euch bedeutet, wie Ihr ihn im Vergleich zur „Winterreise“ einschätzt etc.

Gruß, Cosima
Tranquillo (30.08.2008, 14:10):
Original von Cosima
Fischer-Dieskau konnte ich nur schwerlich ertragen mit seinem „Betroffenheitspathos“; siehe hierzu auch den Artikel: Kritische Anmerkungen zur Interpretation der „Schönen Müllerin“.
Ich fürchte, sein Gesang liegt mir (zumindest bei Schubert) generell nicht so sehr – auch die anderen 16 Lieder, die ich gestern noch hörte, mochten mich nicht überzeugen.
Hallo Cosima,

Fischer-Dieskau und Moore haben die "Schöne Müllerin" mehrfach aufgenommen - welche Aufnahme hast Du gehört? Ich bezog mich oben auf diese Aufnahme aus dem Jahr 1961, die ich schon zu LP-Zeiten in meiner Sammlung hatte:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724356690721.jpg

Ob man einen Sänger "erträgt" oder nicht, hängt natürlich stark vom persönlichen Geschmack ab - jeder muss letztlich für sich selbst herausfinden, was ihm zusagt, und genau das hast Du ja auch getan. Eins muss man Dir lassen: Wenn Dich ein Werk "gepackt" hat, dann machst Du keine halben Sachen!

Viele Grüsse
Andreas
Cosima (30.08.2008, 15:37):
Ja, Andreas, das ist die Aufnahme. - Von Schuberts Werken lasse ich mich gerne „packen“, er ist schon lange einer meiner Lieblings-Komponisten.

Ich möchte noch einmal an Zelenkas Beitrag von Anfang 2008 erinnern:

Im Januar-Heft des Diapason ging es in "Le point sur ..." um Schuberts "Die schöne Müllerin" und ihre besten Aufnahmen:

Zum Einstieg werden Prégardien/Staier (DHM) und Fischer-Dieskau/Moore (EMI, 1951) empfohlen, als moderne Referenzaufnahme werden Güra/Schultsz (HM Musique d'abord)) namhaft gemacht. Legendär seien Patzak und Raucheisen (Preiser), die ich leider nicht kenne, zur Vertiefung solle man zu Trekel/Pohl (Oehms) und Fassbaender/Reimann (DG) greifen. Die Empfehlung der Güra-Aufnahme kann ich nur unterstützen, sie ist auch noch dazu sehr billig zu haben.

Roman Trekel ist nichts für mich, das höre ich gleich. Prégardien/Staier muss ich mir tatsächlich einmal in Ruhe und zur Gänze anhören. Interessant könnte aber noch Werner Güra sein:

FonoForum 1 / 2001: "Der vor allem in der oberen Mittellage schön abgerundete Tenor Werner Güras verkörpert ein Stimmideal, das weniger auf Klangfülle und charakteristisches Timbre setzt als auf vokale Variabilität und Wendigkeit der Interpretation."

Es gibt noch viel zu hören…

Gruß, Cosima
satie (30.08.2008, 16:11):
Ich habe mit Güra zwar nur den "Schwanengesang", kann mir aber vorstellen, dass er auch eine sehr schöne Müllerin ( :J) aufgenommen hat.
Gamaheh (01.09.2008, 00:38):
Liebe Cosima und die anderen,

Die schöne Müllerin war immer mein Liebling unter den Schubert-Liederzyklen, den ich jederzeit hören kann – insbesondere für die heiteren Stimmungen. Ich kenne sie seit langer, langer Zeit. „Groß geworden“ bin ich mit der Aufnahme von Hermann Prey und Leonard Hokanson (aus der Prey-Liededition mt ca. 30 Platten vom Minnesang bis zu zeitgenössischen Liedern, Philips, Anfang der 70er Jahre).

Welche meine Lieblingsaufnahme ist – da brauche ich nicht zu überlegen: die mit Hermann Prey und Philippe Bianconi (Denon, 1985, leider sehr schwer zu bekommen). Als ich die hörte, sprang sofort der Funke zum zweitenmal über (ich hörte sie allerdings sehr konzentriert, da ich eigentlich Schumanns Kerner-Lieder mit Prey und Hokanson erwartete – ein wenig, wie wenn man einen Schluck aus der Tasse nimmt, Tee erwartend, und dann ist es Kaffee). Hier ist für mich die perfekte Synthese zwischen Gesang und Klavier gegeben – eigentlich singen beide.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/6121g2FBhoL._SL500_AA240_.jpg

Außerdem habe ich die Aufnahmen mit Fischer-Dieskau/Moore, Schreier/Olbertz (denen ich nichts abgewinnen kann – Schreier und Fischer-Dieskau sowieso nicht, weder hier noch sonstwo), Wunderlich/Giesen, Schiøtz/Moore, Lotte Lehmann/Paul Ulanowski (die beiden letzteren kann ich auch sehr gut hören).

Ich habe sie eine Weile nicht gehört, aber sie ist mir ungeheuer präsent. Ich habe den Zyklus immer für Variationen zum Thema „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht ...“ gehalten (hier wird aber keine Blume befragt, sondern der Bach: „, Sag, Bächlein, liebt sie mich?“), und ich würde mich nur schwerlich von etwas anderem überzeugen lassen. „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“: immer abwechselnd heiß und kalt, „Die liebe Farbe“, „Die böse Farbe“ (Grün). Das ganze ist voll von Hyperbole: „Ich schnitt es gern in jede Rinde ein, ich grüb es gern in jeden Kieselstein, ich möcht es säen auf jedes frische Beet, mit Kressensamen, der es schnell verrät, auf jeden weißen Zettel möcht’ ich’s schreiben – Dein ist mein Herz usw.“ – ich denke immer an die ungelenken Inschriften auf Wänden, Brückenpfeilern usw. abenteuerlichen Orten, wo der Name der Liebsten aufgesprüht ist (bzw. umgekehrt denke ich an die Schöne Müllerin, wenn ich sowas sehe); „Hätt’ ich tausend Arme zu rühren...“; „Bächlein, laßt eur’ Rauschen sein“ usw. (die Welt soll stillstehen, „die geliebte Müllerin ist mein!“ Dann kommt der Rivale, der böse Jäger, der es auf das Rehlein (die Müllerin) abgesehen hat – aus der Traum, Desillusionierung, und Hyperbole andersherum: Wo ein treues Herze in Liebe vergeht, da welken die Lilien auf jedem Beet“! Selbstmord – komm! – vielleicht im Sinne von „wenn ich die nicht krieg, mach ich mich tot“. Eine ganz gewöhnliche Geschichte (wer hat sie nicht erlebt? – natürlich wird es im Moment selbst tragisch erlebt), und wer den Sinn für Humor, die exquisite Beobachtungsgabe und die (Selbst-)Ironie von Wilhelm Müller (derselbe Dichter wie der der Winterreise) kennt, kann es meiner Meinung nach schwerlich anders sehen. Lest mal den Text genau, seht Euch dabei im Spiegel an, und wartet ab, ob Ihr ernst bleiben könnt.

Gute Ruh
wünscht Gamaheh
ab (01.09.2008, 01:39):
Wie immer bei den Schubert-Zyklen, möchte ich auch bei der Schönen Müllerin auf die Aufnahme mit Ernst Haefliger mit Herrn Daehler auf dem Hammerklavier aufmerksam machen. (Claves)

Haefliger ist sozusagen der lyrische Antipode zu Wunderlich (dessen Aufnahme ich leider gleich wie Cosima empfinde).

Ein Altersaufnahme, die man kennen sollte :engel
(Übertroffen nur von deren Winterreise-Aufnahme beim selben Label)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61KA5K63J1L._SS500_.jpg
Jürgen (01.09.2008, 09:19):
Original von Gamaheh
Die schöne Müllerin war immer mein Liebling unter den Schubert-Liederzyklen, den ich jederzeit hören kann – insbesondere für die heiteren Stimmungen. .........
Welche meine Lieblingsaufnahme ist – da brauche ich nicht zu überlegen: die mit Hermann Prey und Philippe Bianconi (Denon, 1985, leider sehr schwer zu bekommen).


Hallo Gamaheh,

bei der Müllerin stimmen wir weitgehend überein. Ich mag zwar auch die Winterreise, habe dort Hotter/Raucheisen und diese Interpretation ist so dermaßen melancholisch düster, dass ich sie nur selten hören kann.
Die Müllerin ist etwas abwechslungsreicher, auch wenn die Thematik nicht weniger pessimistisch ist als bei der Winterreise.


Auch bei den Interpretationen habe wir einen ähnlichen Geschmack.
Prey/Bianconi rangiert bei mir ganz vorne.
Ich habe diese Aufnahme, weil zu Beginn der CD-Ära Label mit gutem Klang wie z.B. Denon hoch im Kurs waren.
Daher habe ich mir in den 80ern sehr viel Denon zugelegt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/6121g2FBhoL._SL500_AA240_.jpg


Schiotz/Moore ist hervorragend, aber doch so historisch im Klang, dass ich sie nicht so oft höre (1945, glaube ich):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0717281902939.jpg


Gesanglich ist natürlich Wunderlich/Giesen Referenz, wobei mir Prey einfach empfundener, reifer vorträgt.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028944745221.jpg


Grüße
Jürgen
Cosima (01.09.2008, 21:47):
Hallo allerseits...

... und danke für die zahlreichen Hinweise!

Prey/Bianconi ist ja leider derzeit nicht lieferbar - ich hätte zumindest gerne mal reingehört.

In die Haefliger-Aufnahme von "Das Lied von der Erde" habe ich eben per Internet kurz reingehört (eine Schubert-Aufnahme habe ich mit Hörschnippseln nicht finden können), um mir zumindest einen kleinen Eindruck vom Klang der Stimme zu verschaffen. Klingt mir auf jeden Fall nicht unangenehm. Ich habe jedoch das Gefühl bzw. die Vorstellung (wegen des Müllerburschen), dass die Stimme eher jung als alt klingen sollte. Ich weiß nicht, ob eine "Altersaufnahme" mir hier behagen würde. Ebenso fände ich eine Frauenstimme fehl am Platze.

Gruß, Cosima
Cosima (02.09.2008, 17:59):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/613NF2VV24L._SL500_AA240_.gif

Nein, das ist leider auch nicht „meine Müllerin“ (ich bin nur froh, dass sie so günstig war, sonst würde ich mich nun etwas ärgern ob meines falschen ersten Eindrucks). Schreiers Stimme klingt m.E. „verbrauchter“, weniger frisch als in der früheren Aufnahme mit Olbertz aus 1974. Insgesamt nicht ganz schlecht, aber auch nicht empfehlenswert. - Ich werde es nun doch vielleicht mit Prégardien/Staier versuchen.

Gruß, Cosima
ab (04.09.2008, 20:53):
Gerade im Radio einen ganz ausgezeichneten Liederabend von der Schubertiade gehört mit Michael Schade und Melcom Martineau gehört. Ich sehe nun, dass es die Schöne Müllerin von ihnen gibt. Hat die wer schon von euch gehört? Das dürfte ein ganz heißer Tipp sein, vermute ich mal nach der Zugabe gerade eben. - der Pianist ist sowieso bereits eine Extraklasse für sich.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EC0HS4QHL._SS500_.jpg
ab (04.09.2008, 20:56):
Original von Cosima
http://ecx.images-amazon.com/images/I/613NF2VV24L._SL500_AA240_.gif

Nein, das ist leider auch nicht „meine Müllerin“

Schreier/Schiffs Beethoven-Lieder aber finde ich besser als die aus seinen jüngeren Jahren mit Walter Olbertz! (Schreiers Gitarren-Aufnahme kenne ich leider auch nicht, wurde mir aber als noch intimer als mit Klavier und als ausgezeichnet empfohlen.)
Mime (05.09.2008, 18:05):
Liebe Freunde des Schubertschen Liedschaffens,

zahlreiche Aufnahmen der "Schönen Müllerin" wurden schon genannt. Wunderlichs frühe (1957) und späte (1965) Interpretation des Zyklus miteinander zu vergleichen hat für mich einen besonderen Reiz, zeigt sie doch die Stimme dieses begnadeten Künstlers am Anfang und gegen Ende seiner kurzen Sängerlaufbahn. Die Aufnahme mit H.Giesen ist die reifere, zu Wunderlichs Naturell paßt dagegen die mit K.-H. Stolze besser.

Ähnliches gilt auch für Dietrich Fischer-Dieskaus mir bekannte 6 schöne Müllerinnen von 1951 bis 1991, dessen frühe Aufnahmen mit Gerald Moore, etwa von 1951 und 1961 viel natürlicher interpretiert wurden als alle späteren, die mit teilweise nicht vom Komponisten Schubert stammenden melodischen Veränderungen ver(un)ziert sind. Bei den späten Aufnahmen von DFD habe ich den Eindruck, der Sänger will uns mehr sagen, als das Werk hergibt. Diese Art von Über-Interpretation paßt zumindest zu diesem Werk nicht, trifft auch nicht meinen Geschmack. Doch das ist ohnehin Ansichtssache.

Mir bedeutende Müllerin-Aufnahmen sind noch: Hermann Prey/L.Hokansson (1971); Rudolf Schock/G.Moore (1958); Christian Gerhaher/G.Huber (2003); Gérard Souzay/ D.Baldwin (1964); Walther Ludwig/M.Raucheisen (1952).

Nichts anfangen kann ich mit der kalten Stimme von Ian Bostridge, mit dem Altus von Kowalski und mit den Schreier-Interpretationen dieses Werkes, die mich samt und sonders nicht berühren.

PS: The Schubert Institute (UK) listet derzeit 168 verschiedene Aufnahmen von D795 auf.

:hello
Cosima (05.09.2008, 21:04):
Original von ab
Schreier/Schiffs Beethoven-Lieder aber finde ich besser als die aus seinen jüngeren Jahren mit Walter Olbertz! (Schreiers Gitarren-Aufnahme kenne ich leider auch nicht, wurde mir aber als noch intimer als mit Klavier und als ausgezeichnet empfohlen.)

Mir gefällt die spätere Aufnahme mit Schiff gar nicht gut. Das Weinerliche in Schreiers Stimme finde ich unangenehm, in der Höhe klingt er zudem irgendwie "beengt". In der Aufnahme mit Olbertz hatte er diesen greinenden Unterton noch nicht, ich empfinde sie insgesamt als frischer und wohlklingender.
Cosima (05.09.2008, 21:12):
Original von Mime
Mir bedeutende Müllerin-Aufnahmen sind noch: Hermann Prey/L.Hokansson (1971); Rudolf Schock/G.Moore (1958); Christian Gerhaher/G.Huber (2003); Gérard Souzay/ D.Baldwin (1964); Walther Ludwig/M.Raucheisen (1952).


Gerhaher habe ich auch noch auf meiner Liste. Souzays Stimme finde ich wunderschön, allerdings stört mich ein wenig sein Akzent bei diesen Liedern (grundsätzlich finde ich den Akzent aber reizend!).

Inzwischen habe ich noch die Aufnahme mit Werner Güra / Jan Schultsz gehört. Sie gefällt mir ausgesprochen gut, genauso gut wie Prégardien / Staier und Wunderlich / Stolze (der freilich eine Sonderstellung einnimmt, weil ich seine Interpretation gar nicht mal so schätze, aber seine Stimme einfach zum Niederknien schön ist).

Was ist denn das für eine Aufnahme mit Fischer-Dieskau / Moore aus 1951? Ich habe nur in jene aus 1961 (EMI-GROC) reingehört. Ich denke, dass der frühe Fischer-Dieskau mir besser liegen könnte. Wo ist die 51-er Aufnahme denn erschienen?

Gruß, Cosima
Mime (05.09.2008, 22:11):
Original von Cosima
Was ist denn das für eine Aufnahme mit Fischer-Dieskau / Moore aus 1951? Ich habe nur in jene aus 1961 (EMI-GROC) reingehört. Ich denke, dass der frühe Fischer-Dieskau mir besser liegen könnte. Wo ist die 51-er Aufnahme denn erschienen?
Gruß, Cosima


Die 1951-er Aufnahme stammt aus den EMI-Studios London und ist ein kleines Juwel. :hello
Amadé (05.09.2008, 23:55):
Liebe Cosima,

es handelt sich hier um die erste Schallplattenaufnahme Fischer-Diskaus vom Okt. 1951 bei EMI. Für die FD-Diskokraphie unverzichtbar.

Gruß Amadé
Cosima (06.09.2008, 08:20):
Lieber Amadé,

ja, ich meine, das hätte ich bei meinen Recherchen auch irgendwo gelesen. Gleichwohl konnte ich trotz intensiver Suche nicht herausfinden, ob die Aufnahme derzeit auf CD erhältlich ist. Evtl. nicht als Einzel-CD sondern als Bestandteil einer der diversen Box-Sets? Ich habe in verschiedene Aufnahmen des jüngeren Fischer-Dieskau hineingehört: er hatte eine tolle, sehr ausdrucksstarke Stimme, klang aber m.E. natürlicher, betonte noch nicht so stark über. Derzeit liebäugele ich mit seiner frühen Schwanengesang-Aufnahme (EMI). Aber das wird - hoffentlich noch - ein anderes Thema.

Gruß, Cosima
ab (06.09.2008, 11:04):
Original von Cosima
Original von ab
Schreier/Schiffs Beethoven-Lieder aber finde ich besser als die aus seinen jüngeren Jahren mit Walter Olbertz!

Mir gefällt die spätere Aufnahme mit Schiff gar nicht gut. Das Weinerliche in Schreiers Stimme finde ich unangenehm, in der Höhe klingt er zudem irgendwie "beengt". In der Aufnahme mit Olbertz hatte er diesen greinenden Unterton noch nicht, ich empfinde sie insgesamt als frischer und wohlklingender.

Diesbezüglich hast Du leider wirklich recht; aber das Klavier betreffend finde ich, liegen Welten zwischen Schiff Interpretation und Olbertz Begleitung und außerdem finde ich vom vergeistigten Ausdruck her Schreier späten Ansatz trefflicher.

(Ganz allgemein finde ich Beethovens Lieder höchst heikel und Schreier hat sie zumindest gemeistert)

:hello
Cosima (06.09.2008, 12:54):
Original von ab
Diesbezüglich hast Du leider wirklich recht; aber das Klavier betreffend finde ich, liegen Welten zwischen Schiff Interpretation und Olbertz Begleitung und außerdem finde ich vom vergeistigten Ausdruck her Schreier späten Ansatz trefflicher.

(Ganz allgemein finde ich Beethovens Lieder höchst heikel und Schreier hat sie zumindest gemeistert)


Du meinst Schubert, nicht wahr!? :W
Schiff am Klavier gefällt mir zwar auch besser als Olbertz, gleichwohl könnte er hier und da noch etwas mehr aus sich herausgehen. Ich habe Schreier nun ein paar Mal in der späteren Einspielung gehört - er klingt in meinen Ohren wie ein alter Mann, obwohl er zum Zeitpunkt der Aufnahme ja "erst" 56 Jahre alt war. M.E. passt diese "alte" Stimme nicht zu dem Liederzyklus. Was den Ausdruck angeht, da würde ich Dir zustimmen.

Die Stimme des jungen Fritz Wunderlich passt hervorragend (wenngleich es ein wenig am Ausdruck mangelt), auch Werner Güra klingt eher jugendlich (und ausdrucksvoll). Deshalb würde ich zu gerne die 51-er Aufnahme des jungen Fischer-Dieskau hören!

Gruß, Cosima
ab (06.09.2008, 14:40):
Original von Cosima

Du meinst Schubert, nicht wahr!? :W


Nein, hier waren ich off topic bei den Beethoven Lieder mit Schreier/Schiff vs. Schreir/Olbertz.

Schreier schätze ich sonst (nur) sehr mit der Dichterliebe von Schumann, weil er mE die Heinesche Ironie trifft. Schon beim heiß geliebten Liederkreis op. 39 sagt er mir aber nicht mehr zu.

Auf Schreier mit Schubert kann ich persönlich getrost verzichten, gleich aus welcher Epoche seiner Gesangskunst.
:hello
Jimi (08.09.2008, 19:50):
Hallo zusammen,

durch diesen Thread angeregt habe ich meine "Müllerinnen" nach längere Zeit mal wieder rausgekramt.
Im Booklet der Wunderlich/Giesen - Cd sind mir zwei, wie ich finde, etwas widersprüchliche Aussagen aufgefallen:

Hätte er länger gelebt, wären seine Liedinterpretationen wahrscheinlich noch tiefgründiger geworden,und er hätte vielleicht zu noch intimeren Nuancen und dynamischen Schattierungen gefunden. Wir dürfen nicht vergessen, daß er erst 35 war und nicht mit reiferen Künstlern verglichen wer den sollte. Stimmlich stand er aber ohne Zweifel schon im Zenith.
Heinz Wildhagen

In diesem Umkreis sind auch die darstellerischen Schwierigkeiten der 20 Müller-Lieder zu sehen. Unverfälschte Gefühle, gleichsam naturbelassene Romantik in Wald und Flur erheischen ein hohes Maß an Ursprünglichkeit und Natürlichkeit der vokalen Diktion. Zugleich handelt es sich hier aber auch um eine Dimension von Kunst und Kunstfertigkeit, in der die wechselnden Perspektiven einer Wander- und Seelenfahrt als Spiegelungen innerer Erregtheit darzubieten, ja gleichsam abzubilden sind. Fritz Wunderlich — um es ein wenig derb zu sagen — hatte das Zeug zum Sänger des Volkes, zum Wandergesellen einer dem Vernehmen nach seelenvolleren Ara des Liebens und Leidens, er verstand aber auch das feinsinnige Modulieren, die ätherische Wendung knapp an der Grenze akustischer Wahrnehmnung.
Peter Cossè


Das "hohe Maß an Ursprünglichkeit und Natürlichkeit der vokalen Diktion" wie es Peter Cossè ausdrückt, ist sicherlich Wunderlich's Stärke und darin wird er imo auch von keinem anderen Interpreten übertroffen.
Was aber die beiden(von mir) hervorgehobenen Passagen angeht bin ich ganz der Meinung von Heinz Wildhagen, dem Tonmeister der Aufnahme, der übrigens mit Wunderlich befreundet war.
Ätherischen Wendungen knapp an der Grenze akustischer Wahrnehmung habe ich auf dieser Aufnahme dagegen nicht entdecken können.

Ich bin auf eure Meinungen dazu gespannt.

:hello Jimi
Cosima (08.09.2008, 20:37):
Hallo Jimi,

bezieht sich der 2. Satz nicht eher auf die stimmtechnische Seite des Gesangs? Dann würde er passen zu dem Satz aus dem oberen Abschnitt: „Stimmlich stand er aber ohne Zweifel schon im Zenith.“

Auf das Klavierspiel übertragen: Jemand kann sehr feinsinnig akzentuieren, trotzdem bekommt man nicht das Gefühl einer „tiefgründigen“ Interpretation. Ich denke hier an so manche Horowitz-Aufnahme.

Ich kenne die Giesen-Aufnahme nicht komplett, habe nur Ausschnitte im Laden gehört, aber „ein hohes Maß an Ursprünglichkeit und Natürlichkeit“ würde ich eher der jüngeren Aufnahme mit Stolze am Klavier bescheinigen.

Es könnte aber auch sein, dass sich Peter Cossè gar nicht insgesamt auf die Wunderlich-Giesen-Aufnahme bezieht, sondern allgemein noch etwas zu Wunderlich sagen wollte, denn er schreibt ja „er verstand aber auch“ (also vielleicht über die Interpretation der „Müllerin“ hinaus…)

Gruß, Cosima
ab (08.09.2008, 21:04):
Original von Jimi

Ich bin auf eure Meinungen dazu gespannt.

:hello Jimi

Irgendwo sah ich einmal eine Fimaufnahme (womöglich aber auch nur ein plastischer Hör-Mitschnitt aus dem Studio beim Proben ??), wo Giesen mit Wunderlich Schubert probt: Alles, aber auch wirklich alles an der Gestaltung scheint er da vom Pianisten angesagt bekommen zu haben.

Wer weiß mehr, was das für Bild- oder Tondokumente waren?
Jimi (10.09.2008, 22:06):
Hallo Cosima und ab,

Original von Cosima

Es könnte aber auch sein, dass sich Peter Cossè gar nicht insgesamt auf die Wunderlich-Giesen-Aufnahme bezieht, sondern allgemein noch etwas zu Wunderlich sagen wollte, denn er schreibt ja „er verstand aber auch“ (also vielleicht über die Interpretation der „Müllerin“ hinaus…)

Gruß, Cosima

@ Cosima

du hast Recht, es ist dem Text nicht zu entnehmen ob Peter Cossè sich konkret auf die Müllerin bezieht oder ob event. auch andere Wunderlichaufnahmen gemeint sind.
Wenn dem so sein sollte sind die Wunderlich Experten gefragt: Welche sind die Wunderlich Aufnahmen mit "Ätherischen Wendungen knapp an der Grenze akustischer Wahrnehmung ". Mir fällt spontan eigentlich nur der Schlußteil der Dichterliebe in der Liveaufnahme von 1966(Edinburgh) ein,der in Frage kommen könnte. Die Aufnahmen war allerdings zu dem Zeitpunkt als Peter Cossè den Text verfasst hat noch nicht erhältlich, also hat er die wahrscheinlich nicht gemeint.

Original von ab

Irgendwo sah ich einmal eine Fimaufnahme (womöglich aber auch nur ein plastischer Hör-Mitschnitt aus dem Studio beim Proben ??), wo Giesen mit Wunderlich Schubert probt: Alles, aber auch wirklich alles an der Gestaltung scheint er da vom Pianisten angesagt bekommen zu haben.

Wer weiß mehr, was das für Bild- oder Tondokumente waren?
@ab

Wunderlich ist ja, ich glaube auf die Empfehlung von Hermann Prey, von sich aus zu Giesen gegangen um mit Ihm an seinen Liedinterpretationen zu arbeiten, weil er damit eben zu diesem Zeitpunkt damit selbst nicht zufrieden war. Dann ist es ja ganz normal dass er auf die Ratschläge von Giesen hört und so von der Zusammenarbeit mit einem Künstler profitiert der im Bereich Lied schon schon viel mehr Erfahrung hatte als er selbst.

In die Probenausschnitte kannst du hier reinhören( Track 77).

:hello Jimi
Cosima (21.09.2008, 13:12):
Original von Cosima
Fischer-Dieskau konnte ich nur schwerlich ertragen mit seinem „Betroffenheitspathos“; .... Ich fürchte, sein Gesang liegt mir (zumindest bei Schubert) generell nicht so sehr – auch die anderen 16 Lieder, die ich gestern noch hörte, mochten mich nicht überzeugen.

Was schert mich mein Geschreibsel von gestern? :D

Kaum 3 Wochen später bin ich – für mich selber kaum fassbar – zu einer glühenden FiDi-Verehrerin geworden. Zu meiner Entschuldigung (was obiges Zitat anbelangt) kann ich sagen, dass ich erstens mit Vorurteilen behaftet in die „Müllerin“ hineingehört hatte (inzwischen habe ich die Aufnahme bestellt, werde sie also bald zur Gänze hören können). Und zweitens handelt es sich bei den „16 anderen Liedern“ um Spät-Aufnahmen, denen ich nach wie vor nicht sehr viel abgewinnen kann. - Ich brauchte zudem etwas Zeit, um mich an sein spezielles Timbre zu gewöhnen. Inzwischen hat sich auch hier meine Einstellung gewandelt - ich höre seine Stimme (vor allem die der frühen und eher mittleren Periode) sehr gerne.

Das musste ich eben richtig stellen.

Gruß, Cosima
Cosima (27.09.2008, 18:55):
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0724356690721.jpg

Ich mache es kurz: Das ist „meine Müllerin“! Sie ist perfekt!

Was kann man noch über diesen wundervollen Sänger sagen, was andere – und viel kompetentere – Menschen nicht bereits besser gesagt hätten? Gerald Moore schreibt in seiner Autobiographie „Bin ich zu laut?“ in seinem Kapitel über Fischer-Dieskau (das zur ungefähr gleichen Zeit wie diese „Müllerin“ entstand):

„Es genügt nicht festzustellen, dass seine Stimme wundervoll, seine Technik unglaublich und er dadurch fähig ist, alles, was er will, auszuführen. Auch seine makellose Diktion und die vollkommene Verschmelzung von Wort und Ton in seinem Gesang sind nicht allein ausschlaggebend. Besitzt er Temperament? Im Überfluss. Leidenschaftliche Liebe zur Musik? Natürlich. Aber auch andere große Sänger sind mit diesen Tugenden ausgestattet. Wenn ich die Schlussformel für Fischer-Dieskaus Überlegenheit, die ihn vor jedem anderen Sänger auszeichnet, finden müsste, würde ich mit einem Wort sagen: Rhythmus. Dieser ist der Lebenssaft der Musik, und Fischer-Dieskau ist ein Meister des Rhythmus.“

In der letzten Zeit habe ich mich sehr intensiv mit diesem Sänger auseinandergesetzt. Neben seinen herrlichen Schubert-, Schumann- und Beethoven-Liedern möchte ich besonders die Bach-Kantaten („Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ und „Ich habe genug“) hervorheben, die mir ganz unerwartete Hörerlebnisse beschert haben. Bis dahin war ich überhaupt nicht interessiert an diesen Bach-Werken, aber was der junge Fischer-Dieskau im Jahre 1951 (erscheinen auf DG) unter der Leitung von Karl Ristenpart hier geleistet hat, klingt so berührend und wahrhaftig, dass mir der Atem stockte!

Fischer-Dieskau ist meine persönliche Entdeckung des Jahres. Das letzte (und einzige) Mal, als ich von einem Künstler so sehr begeistert war, handelte es sich um Sviatoslav Richter. Der Pianist und der Sänger haben für mich etwas sehr Wichtiges gemeinsam: Beide machen sie beseelte Musik.

Gruß, Cosima
Tranquillo (27.09.2008, 20:20):
Original von Cosima
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0724356690721.jpg

Ich mache es kurz: Das ist „meine Müllerin“! Sie ist perfekt!
Liebe Cosima,

da sind wir uns einig - ich hatte in diesem Thread vor knapp einem Monat folgendes geschrieben:

Original von Tranquillo
Fischer-Dieskau und Moore haben die "Schöne Müllerin" mehrfach aufgenommen - welche Aufnahme hast Du gehört? Ich bezog mich oben auf diese Aufnahme aus dem Jahr 1961, die ich schon zu LP-Zeiten in meiner Sammlung hatte:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724356690721.jpg


Viele Grüsse
Andreas
Cosima (27.09.2008, 20:34):
Original von Tranquillo
da sind wir uns einig - ich hatte in diesem Thread vor knapp einem Monat folgendes geschrieben:


Lieber Andreas,

ich weiß das noch sehr genau. Jedoch habe ich diesen Monat gebraucht, um mich erstens mit dem Liedergesang überhaupt und zweitens mit Fischer-Dieskau speziell anzufreunden. Aber wie unschwer aus meinen Beiträgen der letzten Zeit herauszulesen ist: Inzwischen bin ich wahrscheinlich eine der glühendsten Anhängerinnen des Sängers überhaupt. :wink Man muss halt eigene Eindrücke und Erfahrungen sammeln; aber wenn mich etwas wirklich begeistert, dann bin ich sehr hartnäckig.

Gruß, Cosima
Florin (12.03.2013, 22:00):
Guten Tag,

Letztes Jahr habe ich das Lied als musikalische Gattung richtig entdeckt (bin 17) und mag besonders alle Lieder der Winterreise, viele aus dem Zyklus Die schöne Müllerin, außerdem "Der Zwerg (Schubert), Der König in Thule (wahlweise Schubert oder Zelter), Um Mitternacht (Wolf/Mörike), Erlkönig (Schubert oder Loewe), Totentanz und Hr. Oluf (Loewe), Die junge Nonne (Schubert), Von ewiger Liebe (Brahms), Schwesterlein (Brahms), Gretchen am Spinnrade (Schubert), Leise flehen meine Lieder (Schubert).
Favorisierte Interpreten sind Fischer-Dieskau (natürlich!), Hermann Prey, Christa Ludwig, Wunderlich und Schreier sowie G. Janowitz, K. Te Kanawa und Edda Moser (wobei die letzten drei leider vergleichsweise wenig Liedrepertoire aufgenommen haben).
Falls jemand ähnliche Lieder kennt oder Tipps hinsichtlich Interpreten hat, wäre ich sehr dankbar. Überdies würde mich interessieren, ob jemand halbwegs bekannte Vertonungen von Stefan George - Gedichten kennt bzw. ob solche Vertonungen überhaupt existieren.
Vielen Dank.
Amadé (13.03.2013, 09:39):
Guten Morgen Florin und ein herzliches Willkommen hier im Klassikforum.

Ich kann jetzt nicht auf alle Deine Äußerungen eingehen, was Janowitz angeht, möchte ich darauf hinweisen, dass sie zusammen mit Irwin Gage eine große an Anzahl der bekanntesten Schubert-Lieder eingespielt hat, siehe hier:


das waren früher mal 5 LPs, heute zusammengefasst zu 2 Doppel-CDs:



Einen großen Überblick über Schubert Lieder gibt die Gesamtausgabe von hyperion, bei der pro CD ein anderer Interpret eingesetzt ist, die Leitung hat die Pianist Graham Johnson, jede CD ist einzeln erhältlich. Desgleichen gibt es auch von Schumann beim selben Label.

George-Gedichte sind mehrmals vertont worden, am bekanntesten ist "Das Buch der hängenden Gärten", wovon es eine Anzahl von Aufnahmen gibt, z.B: diese:




Bei einschlägigen Händlern wie JPC oder amazon solltest Dubei Bedarf mal nachschauen.

Gruß Amadé
ab (13.03.2013, 14:57):
Original von Amadé
George-Gedichte sind mehrmals vertont worden, am bekanntesten ist "Das Buch der hängenden Gärten", wovon es eine Anzahl von Aufnahmen gibt, z.B: diese:




Hallo Florin, auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Klassikforum!

ich habe leider erst zu Studienzeiten zum Liedgesang gefunden, es war eine große Offenbarung für mich und hat mich in meiner emontionalen Entwicklung unendlich bereichert: Viel Freude beim Entecken!

Hier ist es zwar off topic, aber doch: Diesen Schöberg-Zyklus halte ich für einen der schönesten Liederzyklen überhaupt, die jemals komponiert worden sind, und diese abgebildete mit dem großartigen Klavierspiel von Gage ist nach wie vor meine Lieblings-Einspielung. :times10

Was Schubert betrifft, so freut es mich sehr, zu diesem Anlass wieder einmal auf die Alterseinspielungen von Ernst Haeffliger zusammen mit Ehwald Daehler am Hammerklavier hinzuweisen, deren Einspielungen bei Claves mich seit dieser ersten Zeit immer wieder zutiefs berühren, wie vom Ausdruck her keine andere Einspielung. Früher gabs die ganze 4-CD-Box billiger bei Zweitausendeins wie heute die Einzel-CD :I

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61I24iKiygL._SL500_AA300_.jpg

Was Schubert betrifft: Gerade Die junge Nonne oder das Gretchen solltest du Dir unbedingt einmal höchstsinnlich von Elly Ameling anhören (Philips)! Sagenhaft ist der Erlkönig von Bryn Terfel mit einem unüberbietbaren Melcom Martineau (DGG). Hörenswertvoll anders ist die Winterreise von einer Frau gesungen: Christa Ludwig mit James Levin (DGG) hat das hochdramatisch geschmäht statt lyrisch weltabgewand getan, auch Christine Schäfer, mit Eric Schneider fahl-modern, oder - mehr Sprechgesang - Natasa Mirkovic-de Ro mit Matthias Loibner knochenerschütternd mit Drehleier begleitet (Raumklang)!

Ebenfalls off-topic: Den Liederkreis op. 39 von Schumann, wobei ich besonders die viel beschumpfene Alterseinspielung von DiFiDi mit Brendel liebe (Philips), unerlässlich Schumanns Dichterliebe mit Fritz Wunderlich (Orfeo, live aus Salzburg), Brahms' Vier ernste Gesänge mit DiFiDi und Jörg Demus (DGG), die Mozart-Lieder im Elly Ameling und Baldwin (Philips), Grieg-Lieder mit Anne Sofie von Otter mit Bengt Forsberg (DGG) sowie Karen Vourc'H mit Susan Manoff: "Till Solveig..." heißt die CD (Aparte)

Was Stefan George betrifft:
Anton Webern:
- Op. 4, Fünf Lieder zu Gedichten von Stefan George (1908–1909)
- Op. 3, Fünf Lieder aus Der Siebente Ring (1908–1909)
höreswert etwa von Oelze & Schneider (DGG, neuerdings auch bei Newton Classics)


:hello
abendroth (13.03.2013, 19:27):
Hallo Florin & willkommen auf dem Forum,
zunächst möchte ich Dir, wie schon ab, unbedingt Schumanns Liederkreis op. 39 ans Herz legen. Hier ist Schumanns Verwandschaft mit Schubert recht gross. Ich liebe ihn über alles in der Aufnahme mit Marijan Lipovcek, aber ich fürchte, die gibt es nicht mehr. Der Pianist ist hier Graham Johnson, ich möchte nicht beurteilen, wie er als Liedbegleiter einzuschätzen ist, aber seine Einführungsexte zu den Liedern im jeweiligen booklet sind Spitzenklasse. Bei hyperion gibt's ja inzwischen alle Schubertlieder mit Graham Johnson in einer Box - ich hoffe, dass da die ursprünglichern Begleittexte mit dabei sind.

Unbedingt solltest Du auch die Winterreise in der 'komponierten Interpretation' von Hans Zender kennen lernen. (Es gibt eine Aufnahme mit Zender selbst, und eine mit Cambreling. Bei Zender singt Blochwitz die unveränderte Gesangsstimme.)

Und als Sänger von Schubertliedern möchte ich Dir auch Wolfgang Holzmair empfehlen.
freundliche Grüsse
Abendroth
palestrina (13.03.2013, 20:29):
Hallo Florin auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum !

Wie ab schon richtig feststellt , die Box mit Elly Ameling ist sehr zu empfehlen !
Zu der schönen Muellerin kann ich dir sagen , aus der Vielzahl von Aufnahmen
stechen heraus(für mich),
Jonas Kaufmann
Ian Bostridge mit Mitsuko Uchida
Und vor allem Eric Tappy mit einem sehr schönen Ausdruck in der Stimme
Und dann noch Michael Schade mit Rudolf Buchbinder am Klavier, außergewöhnlich
Eindrucksvoll !

LG palestrina
Florin (15.03.2013, 22:00):
Vielen Dank an alle für die Willkommensgrüße!

Morgen wird Christa Ludwig 85. Übermorgen soll zu ihren Ehren eine Matinee in der Wiener Staatsoper stattfinden. Ich hoffe, dass dieses Ereignis in Bild oder Ton festgehalten oder zumindest darüber berichtet wird.
Ich gratuliere schon einmal einer der für mich bedeutendsten Liedinterpretinnen, die sich 1994 würdevoll von der Bühne verabschiedet und uns seither mit Comebacks oder Auftritten als 80-Jährige verschont hat, was besonders im Vergleich mit Kolleginnen stilvoll wirkt (um einen Namen zu nennen: Montserrat Caballé.)
Ich denke, würdevoll kann man im Alter um die 75 oder 80 vielleicht als Pop - oder Jazz-Sänger auftreten, aber nicht als klassischer Sänger/in.
Was meint ihr dazu? Gibt es eine/n Sänger/in, von dem/der ihr glaubt, dass er oder sie bis in ein hohes Alter stimmlich stark war? Viele behaupten das von Prey und wenn ich mir die Live-Aufnahme seiner Winterreise in Bad Urach von 1997 anhöre, bin ich geneigt, ihnen Recht zu geben.

@ Amadé

Vielen Dank für die CD-Tipps mit Janowitz. Ich kenne sie bisher nur als Solistin neben Walter Berry, Christa Ludwig und Peter Schreier in einer Aufnahme von Mozarts Requiem unter Böhm (von 1971 glaube ich). Alle vier Solisten in dieser Aufnahme sind großartig. Sonst kenne ich von Janowitz als Liedinterpretin wenig, ihr "König in Thule" ist aber grandios, meine Lieblingsaufnahme dieses Liedes neben der von C. Ludwig.
Besonders dankbar bin ich aber für die Hinweise auf George-Vertonungen, das "Buch der hängenden Gärten" ist schon bestellt!

@ ab

Danke, die Freude beim Entdecken habe ich. Die ganz großen bekannten Lieder wie den Erlkönig und wenige andere kannte ich schon sehr lange. Vor ein paar Jahren hat ein Lehrer eine Vertonung des Hölty-Gedichts Die Mainacht vorgespielt und ziemlich lange über Wunderlich referiert, der Interpret dieser Version war.
Die Schwester dieses Lehrers hat auch - wie ich erst später erfahren habe - bei Christa Ludwig studiert. Was ihn von mir unterscheidet ist seine Antipathie DiFiDi gegenüber: Angeblich zu selbstdarstellerisch und deklamatorisch bzw. übertrieben psychologisierend in seiner Vortragsart.
DiFiDi war es aber, durch den ich das Lied erst richtig entdeckt habe. Anlass war leider sein Tod im Mai.
Elly Ameling kenne ich, wenn auch nicht gut. Terfel ist mir schon seit Jahren bekannt durch seine sporadischen Kooperationen mit Shirley Bassey.
Zur Winterreise mit C. Ludwig und Parsons: Fantastisch. Ich bin seit einigen Monaten stolzer Besitzer der DVD und kann Joachim Kaiser getrost zustimmen, der in seiner leider eingestellten Videokolumne Ludwigs Winterreise als würdiges Pendant zu DiFiDis Winterreise-Aufnahmen pries.
Danke auch für die anderen Empfehlungen hinsichtlich George.


@ abenroth

Die komponierte Version von Zender ist sehr hörenswert.
Bisher kannte ich nur eine komponierte Version von Yukikazu Suzuki, die von Prey kurz vor seinem Tod phänomenal gesungen wurde (auch auf YouTube zu finden).
Vielen Dank, auch für die anderen Tipps zu Holzmair und Schumanns Liederkreis opus 39!

@ palestrina

Danke für die Empfehlungen! Der einzige der genannten Künstler, der mir genauer als nur namentlich bekannt ist, ist Bostridge.
Ich kenne wunderbare Aufnahmen mit ihm, beispielsweise von Schuberts "Der Zwerg". Stimmlich gefällt er mir auch in der Winterreise nicht schlecht, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass seine Aussprache (die präziser und richtiger ist als vieles, was ich so im Alltag oder in der Schule höre) den doch sehr hohen Ansprüchen, die das Lied als Gattung stellt, nicht ganz genügt.
Außerdem existiert auf Youtube eine recht aktuelle Version (2012) von Bostridges Winterreise (mit Julius Drake als Pianist), in der er stimmlich auf mich enttäuschend wirkte. Dass Sänger mit dem Alter meistens stimmlich nicht besser werden, ist verständlich, aber für sein Alter von noch nicht einmal 50 Jahren fand ich diese Version erschreckend schwach. Dermota, der ja als Tenor zu Bostridge vergleichbar ist, war bei seiner Aufnahme der Winterreise älter (glaube ich zumindest) und klingt in der Aufnahme sehr frisch und kontrolliert.
Vielen Dank auch für die anderen genannten Namen, ich werde nach Aufnahmen mit den vorgeschlagenen Sängern suchen!
Severina (16.03.2013, 00:21):
Lieber Florin,
auch von mir ein herzliches Willkommen! Schön, dass ein Freund des Kunstliedes zu uns gefunden hat!

Ich möchte ergänzend zu den schon genannten noch einige Lieblinge von mir anführen:

Christian Gerhaher - momentan meine Nummer 1 bei Schubert und Schumann! (Von ihm ist eigentlich alles empfehlenswert!)

Adrian Eröd mit der "Winterreise"

Thomas Hampson, Winterreise (Ist auch ein heißer Tipp, falls Du Dich für amerikanisches Liedgut interessieren solltest!)

Thomas Quasthoff, Winterreise u.a.

Simon Keenlyside, Dichterliebe u.a. (Ist zwar Brite, aber mit perfekter deutscher Diktion und vor allem perfektem Ausdruck - der Mann weiß bei jeder Silbe, was er singt!)

Die genannten Künstler haben auch andere Zyklen/Lieder aufgenommen, klicke Dich einfach durch und schau, wie es bei Dir ankmmt.

Viel Spaß!

lg Severina :hello
stiffelio (16.03.2013, 14:34):
Hallo Florin,

gleichfalls willkommen!
Im Unterforum "Sänger" habe ich im Pape-Thread gerade einen YT-Link zu einem Konzert mit Schubert-und Schumann-Liedern eingestellt.
Da ist z.B. auch "Leise flehen meine Lieder" (ab 3:10 Minuten) dabei. Pape ist kein typischer Liedersänger, aber mir gefällt seine Interpretation trotzdem sehr gut.

VG, stiffelio
Florin (18.03.2013, 21:07):
@ stiffelio

Vielen Dank für diesen Tipp. Die Interpretation gefällt mir gut, ebenso wie die von Fischer-Dieskau und Bryn Terfel. Wer aus Funk und Fernsehen bekannte, jedoch hörbar nur laienhaft musizierende Sänger "Leise flehen meine Lieder" singen hören möchte, kann ja gerne auf Youtube nach der Sendung zu Harald Schmidts 50. Geburtstag 2007 suchen, in der Herbert Feuerstein, Ingolf Lück, Elke Heidenreich und Mariele Millowitsch dieses Lied vortragen.

@ severina

Vielen Dank für die Empfehlungen. Hampson und Quasthoff kenne ich natürlich ebenso wie ihre Versionen der Winterreise sehr gut! Ich hoffe, dass ich in Deine Tipps in den nächsten Tagen einmal reinhören kann, dann werde ich dazu mehr schreiben.

Was die Winterreise angeht, habe ich vor kurzem einen weiteren Interpreten gefunden, der mir sehr gefällt: Timothy Sharp (Bariton).

Hier ein Ausschnitt der gestrigen Matineé in Wien zu Ehren Christa Ludwigs, der es auf Youtube geschafft hat:

http://www.youtube.com/watch?v=x-YPXJHPIgw

(Laudator ist Thomas Quasthoff)
palestrina (16.04.2015, 14:58):
Nach über 2 Jahren erwecke ich den Thread mal wieder aus dem Dornröschen Schlaf ....

Gestern kam ich zu dieser Aufnahme .....

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BKACJcEtL._SY350_.jpg

und ich war so begeistert , weil J.Gilchrist (Tenor) als Engländer in perfektem deutsch singt und seine Interpretation einem eine wunderbar neue Sichtweise der Lieder zeigt , gefühlvoll , sensibel in einigen Liedern mit fasst zerbrechlicher Stimme singt , die beiden letzten Lieder in einem unglaublich zarten piano !
Jetzt noch den Prolog und den Epilog zur Müllerin , ich weiß nicht ob es jeder kennt ...

Der Dichter, als Prolog.

Ich lad’ euch, schöne Damen, kluge Herrn,
Und die ihr hört und schaut was Gutes gern,
Zu einem funkelnagelneuen Spiel
Im allerfunkelnagelneusten Styl;
Schlicht ausgedrechselt, kunstlos zugestutzt,
Mit edler deutscher Rohheit aufgeputzt,
Keck wie ein Bursch im Stadtsoldatenstrauß,
Dazu wohl auch ein wenig fromm für’s Haus:
Das mag genug mir zur Empfehlung sein,
Wem die behagt, der trete nur herein.
Erhoffe, weil es grad’ ist Winterzeit,
Thut euch ein Stündlein hier im Grün nicht Leid;
Denn wißt es nur, dass heut’ in meinem Lied
Der Lenz mit allen seinen Blumen blüht.
Im Freien geht die freie Handlung vor,
In reiner Luft, weit von der Städte Thor,
Durch Wald und Feld, in Gründen, auf den Höhn;
Und was nur in vier Wänden darf geschehn,
Das schaut ihr halb durch’s offne Fenster an,
So ist der Kunst und euch genug gethan.
Doch wenn ihr nach des Spiels Personen fragt,
So kann ich euch, den Musen sei’s geklagt,
Nur präsentiren recht und ächt,
Das ist ein junger blonder Müllersknecht.
Denn, ob der Bach zuletzt ein Wort auch spricht,
So wird ein Bach deshalb Person noch nicht.
Drum nehmt nur heut’ das Monodram vorlieb:
Wer mehr giebt, als er hat, der heißt ein Dieb.
Auch ist dafür die Scene reich geziert,
Mit grünem Sammet unten tapeziert,
Der ist mit tausend Blumen bunt gestickt,
Und Weg und Steg darüber ausgedrückt.
Die Sonne strahlt von oben hell herein
Und bricht in Thau und Thränen ihren Schein,
Und auch der Mond blickt aus der Wolken Flor
Schwermüthig, wie’s die Mode will, hervor.
Den Hintergrund umkränzt ein hoher Wald,
Der Hund schlägt an, das muntre Jagdhorn schallt;
Hier stürzt vom schroffen Fels der junge Quell
Und fließt im Thal als Bächlein silberhell;
Das Mühlrad braust, die Werke klappern drein,
Man hört die Vöglein kaum im nahen Hain.
Drum denkt, wenn euch zu rauh manch Liedchen klingt,
Daß das Lokal es also mit sich bringt.
Doch, was das Schönste bei den Rädern ist,
Das wird euch sagen mein Monodramist;
Verrieth’ ich’s euch, verdürb’ ich ihm das Spiel:
Gehabt euch wohl und amüsirt euch viel!

Epilog folgt .....
palestrina (16.04.2015, 15:22):
Epilog.....

Der Dichter, als Epilog.

Weil gern man schließt mit einer runden Zahl,
Tret’ ich noch einmal in den vollen Saal,
Als letztes, fünf und zwanzigstes Gedicht,
Als Epilog, der gern das Klügste spricht.
Doch pfuschte mir der Bach in’s Handwerk schon
Mit seiner Leichenred’ im nassen Ton.
Aus solchem hohlen Wasserorgelschall
Zieht Jeder selbst sich besser die Moral;
Ich geb’ es auf, und lasse diesen Zwist,
Weil Widerspruch nicht meines Amtes ist.
So hab’ ich denn nichts lieber hier zu thun,
Als euch zum Schluß zu wünschen, wohl zu ruhn.
Wir blasen unsre Sonn’ und Sternlein aus —
Nun findet euch im Dunkel gut nach Haus,
Und wollt ihr träumen einen leichten Traum,
So denkt an Mühlenrad und Wasserschaum,
Wenn ihr die Augen schließt zu langer Nacht,
Bis es den Kopf zum Drehen euch gebracht.
Und wer ein Mädchen führt an seiner Hand,
Der bitte scheidend um ein Liebespfand,
Und giebt sie heute, was sie oft versagt,
So sei des treuen Müllers treu gedacht
Bei jedem Händedruck, bei jedem Kuß,
Bei jedem heißen Herzensüberfluß:
Geb’ ihm die Liebe für sein kurzes Leid
In eurem Busen lange Seligkeit!

Meiner Meinung nach gehört das zu jeder Einspielung dazu !
Die einzig mir bekannte Aufnahme ist jene von Ion Bostridge gesprochen von FiDi !

LG palestrina