Schubert Klaviersonaten in Gesamtaufnahmen

Amadé (10.12.2010, 20:13):
Liebe Forianerinnen und Forianer,
wenn Schuberts Klaviersonaten erwähnt werden, denken wir meistens nur an die drei letzten, wobei das B-dur-Werk innerhalb der Trias noch einen Sonderplatz einnimmt. Nachdem Svjatoslav Richters Studioeinspielung mit ihrem extrem langsam gespielten Satz 1973 auf den Markt kam, schien ein Ruck die Pianistenzunft erfasst zu haben, (fast) alle beschäftigten sich nun mit diesem außergewöhnlichen Werk und nahmen es auf, meine Sammlung ist inzwischen auch auf 80 CDs/LPs angeschwollen, Konzertmitschnitte nicht einmal mitgezählt. Neben der Beschäftigung mit den letzten drei Sonaten treten die restlichen, es kommen da auch fast 20 zusammen, stark in den Hintergrund. In den letzten Jahren nehmen sich manche Klavierspieler auch der G-dur Sonate D.894 an, wegen ihres Kopfsatzes auch „Fantasie-Sonate“ genannt. Die sogenannte „Gasteiner-Sonate“ D-dur D.850 wurde einst wunderschön von Clifford Curzon gespielt. In zeitlicher Nähe entstand auch die letzte der drei Klaviersonaten in a-moll, D.845, immer wieder von Kempff gespielt, auch Richter, Gulda, Lupu und Brendel führ(t)en sie in ihrem Repertoire. Die beiden anderen Sonaten in derselben Tonart a-moll sind bemerkens- und hörenswert: D.537 und bekannter D.784. Juwelen sind die „kleine“ A-dur-Sonate D.664, die einst Grigory Sokolov beim Klavierfestival in Essen berückend in den Raum stellte, sowie das Fragment f-moll D.625, Wilhelm Kempff hat hier eine zwingende Aufnahme hinterlassen. Damit habe ich ein für Schubert typisches Phänomen angesprochen, dass der Fragmente, das sich allerdings nicht nur auf Klaviersonaten beschränkt, das bekannteste ist die unvollendete Sinfonie h-moll. Bei den Klaviersonaten sind es meist einzelne Sonatensätze: D. 571, D. 613, D.655 (Fragment), die C-dur Sonate D.840 hat es bereits auf zwei Sätze gebracht, es gibt Versuche einer Komplettierung, Svjatoslav Richter hat sie gespielt.
Hier soll nun ein Überblick über die bis jetzt veröffentlichten Gesamteinspielungen gegeben werden, im einzelnen handelt es sich um die Sonaten E-dur D.157, C-dur D.279, E-dur D.459, a-moll D.537, As-dur D.557, e-moll D.566, Es-dur D.568, H-dur D.575, f-moll D.625, A-dur D.664, a-moll D.784, C-dur D.840, a-moll D.845, D-dur D.850, G-dur D.894, c-moll D.958, A-dur D.959 und B-dur D.960.

Wilhelm Kempff DGG 1964-69 7 CDs
Dieter Zechlin Berlin classics 1970-76 8 CDs, + weitere Werke
Gilbert Schuchter Tudor ~ 1970 12 CDs + Impromptus, Fantasien, Tänze
Walter Klien Vox 1971-73 6 CDs
Anton Kuerti Analekta 1984 7 CDs + D.899, 935, 780
Georges Pludermacher Transart 1988 8 CDs + D.935, 780
Michel Dalberto Denon/Brilliant 1989-95 14 CDs + weitere Werke
Christian Zacharias EMI 1992-93 5 CDs
Andras Schiff Decca 1992-93 7 CDs
Michael Endres Capriccio 1993-95 6 CDs
Paul Badura-Skoda Arcana 1991-96 8 CDs + Fragmente, Hammerflügel
Malcolm Bilson Hungaroton 1994-98 7 CDs ab D.279, Hammerflügel
Alain Planès HMF 1995-2002 7 CDs
+ ???

Unvollständige Zyklen:

Alfred Brendel Decca-eloquenz 1971-97 7 CDs ab D.664 + D.537, 575 + weitere Werke
Alfred Brendel Philips 1982-88 7 CDs ab D.784 + weitere Werke
Massimiliano Damarini Arts 1991-99 6 CDs: D.279, 568, 625, 664, 784, 845, 894, 959, 960
Alan Marks Nimbus 1994 6 CDs, ab D.537
Uchida Philips 1996-97 8 CDs, ohne D.157, 279, 459, 557, 566 + D.899, 935, 780
John Damgaard Scandinavian classics P 2002 5 CDs, ab D.537

Im Entstehen:

Gerhard Oppitz hänssler ab 2007 Bisher 5 CDs erschienen: D.157, 566, 575, 845, 894, 959, 960 + D.780, 935, 946


Gruß Amadé
Sfantu (15.12.2010, 00:04):
Ergänzung zu den inkompletten Zyklen:

E-dur D 459, a-moll D 537, Es-dur D 568, H-dur D 575, A-dur D 664, a-moll D 784, a-moll D 845, D-dur D 850, G-dur D 894 "Fantasia", c-moll D 958, A-dur D 959, B-dur D 960.

Ingrid Haebler, auf 7 LPs bei Philips, ca. 1970
daniel5993 (15.12.2010, 00:24):
Original von Sfantu
Ergänzung zu den inkompletten Zyklen:

E-dur D 459, a-moll D 537, Es-dur D 568, H-dur D 575, A-dur D 664, a-moll D 784, a-moll D 845, D-dur D 850, G-dur D 894 "Fantasia", c-moll D 958, A-dur D 959, B-dur D 960.

Ingrid Haebler, auf 7 LPs bei Philips, ca. 1970
Hast du diese Box etwa auf Platte? :S
Amadé (15.12.2010, 20:27):
@ sfantu

Richtig, Haebler, die habe ich glatt vergessen. Sie scheint auch auf dem Plattenmarkt weitgehend vergessen zu sein.

Gruß Amadé
Rachmaninov (15.12.2010, 20:30):
Original von Amadé


Unvollständige Zyklen:

Alfred Brendel Decca-eloquenz 1971-97 7 CDs ab D.664 + D.537, 575 + weitere Werke
Alfred Brendel Philips 1982-88 7 CDs ab D.784 + weitere Werke
Massimiliano Damarini Arts 1991-99 6 CDs: D.279, 568, 625, 664, 784, 845, 894, 959, 960
Alan Marks Nimbus 1994 6 CDs, ab D.537
Uchida Philips 1996-97 8 CDs, ohne D.157, 279, 459, 557, 566 + D.899, 935, 780
John Damgaard Scandinavian classics P 2002 5 CDs, ab D.537

Im Entstehen:

Gerhard Oppitz hänssler ab 2007 Bisher 5 CDs erschienen: D.157, 566, 575, 845, 894, 959, 960 + D.780, 935, 946


Gruß Amadé

Wo beginnen den bei dir unvollständige Zyklen im gegensatz zu einzelnen Aufnahmen von Sonaten. Stichwort: R. Lupu: D. 157, 557, 664, 784, 845, 894, 958-960;
Rachmaninov (14.10.2011, 16:26):
Aktuelle Stand bei Oppitz:

Vol. 6 veröffentlicht, 3 weitere lt. HP seines Labels angekündigt!
Rachmaninov (22.10.2011, 11:18):
Hallo,

in den letzten Tagen habe ich die Sonate D960 und D959, letztere nur teilweise, aus der entstehenden Gesamtaufnahme von Gerhard Oppitz gehört.

Kennt jemnd die Aufnahme?

Mir erscheint Oppitz sehr "eigenwillig" in seiner Darstellung.

Außerdem entspricht das was ich hörte gar nicht meinem Schubert Bild.
Amadé (22.10.2011, 20:21):
Lieber Rach,
ich sehe, dass ich letztes Jahr :down eine Frage von Dir übersehen habe, jetzt will ich dies noch nachholen. :down Unter vollständigen Zyklen verstehe ich, wenn die Sonaten E-dur D.157, C-dur D.279, E-dur D.459, a-moll D.537, As-dur D.557, e-moll D.566, Es-dur D.568, H-dur D.575, f-moll D.625, A-dur D.664, a-moll D.784, C-dur D.840, a-moll D.845, D-dur D.850, G-dur D.894, c-moll D.958, A-dur D.959 und B-dur D.960 dabei sind, auch wenn einige Sonaten, wie z.B. die von mir geliebte f-moll D.625, Fragmente sind.

Jetzt zu DEiner neuen Frage: Oppitz ist gut, jedoch nicht aufregend, nicht elektrisierend, nicht nervös. Wenn man das in einer der Sonaten sucht, sollte man etwa zu Schnabel oder Serkin greifen.

Gruß Amadé
Wooster (23.10.2011, 09:49):
In der Zacharias-Box (EMI), die ich habe, ist die erste enthaltene Sonate D 537, auch die "Reliquie" D 840 ist nicht enthalten. Gemäß den strengen Bestimmungen ganz oben, wäre also keine Vollständigkeit gegeben. (Oder hat man hier für die Wiederveröffentlichung einiges weggelassen?)
Amadé (23.10.2011, 12:13):
Original von Wooster
In der Zacharias-Box (EMI), die ich habe, ist die erste enthaltene Sonate D 537, auch die "Reliquie" D 840 ist nicht enthalten. Gemäß den strengen Bestimmungen ganz oben, wäre also keine Vollständigkeit gegeben.

Stimmt,
ich besitze nicht die Box sondern begnüge mich noch mit den "alten" CDs, aber auch diese beginnen erst mit D.537 und D.840 fehlt. Da habe ich falsch rechergiert. :down :down :down

Also: Christian Zacharias wird "herabgestuft" in Unvollständige Zyklen.
Danke für den Tipp

Einen schönen Sonntag wünscht Amadé