nachdem wir die Gesamtaufnahmen der Schubrt - Sinfonien bereits in einem eigenen Thread besprochen haben, möchte ich für die meistgespielten Schubert- Werken und seinen größten Meisterwerken, den Sinfonien Nr. 8 "Unvollendete"(1822) und Nr. 9 "Die goße C-Dur" (zwischen 1825 und 1828) einen eigenen Beitrag eröffnen.
Ein Jammer das Schubert seine Große C-Dur nie selber gehört hat und diese erst nach seinem Tode aufgeführt wurde. Das er sie vor seinem Tode 1928 noch nzum Abschluß brachte, ist ein Glücksfall, für den wir nicht dankbar genaug sein könnten. Wenn man sich dieses vollendete reife Werk anschaut, dann kann nur ein Fragezeichen bleiben, was danach hätte kommen können.
Das man mit einer Einspielung nicht auskommt, das habe ich erst diese Woche wieder erfahren. Durch daniels Einwände zur von mir nach wie vor hochgeschätzten Karajan-Aufnahme (DG 1965/69) entstand eine Diskussion. Er überließ mir dankenswerter Weise seine Eloquence-CD mit Karl Böhm, die ich ausgezeichnet finde.
Darum möchte ich nun zu drei lohnenswerten Einspielungen dieser Schubrt-Werke kommen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8361095.jpg Berliner PH, Karl Böhm DG, 1966 (Nr.8), 1963(Nr.9), ADD
Die Wahl der Tempi bei Böhm ist sehr glücklich gewählt und kein bischen zu langsam, wie ich erst (durch daniels Worte) angenommen hatte. Böhm entwickelt eine spannende Interpretation mit Liebe zum Detail, das die Berliner PH in höchster Klangkultur darbieten. Es ist fraglich ob die Wiener PH das genauso hinbekommen hätten, das Wienerische der Werke (was das auch immer sein mag - ich habe das an anderer Stelle gelesen) zum klingen zu bringen. An Dramatik läßt er es in beiden Sinfonien nicht fehlen. Die Unvollendte wird nirgendwo verschleppt und wird angemessen mit beiden Sätzen je 11,5Minuten dargeboten. In der großen C-Dur läßt Böhm keine Langeweile aufkommen (wie viele andere Dirigenten). Einzig der 1.Satz, der bei Böhm 14:27 dauert ist mir ein wenig zu langsam geraten. Da finde ich den strafferen Zugriff von Karajan (DG 1969) mit 12:42 und Szell (SONY1957) mit 13:29 doch noch angemessener. Der Rest ist höchste Klangkultur und reinster Schubert.
Karajans EMI-Aufnahmen (1977/78) der Sinfonien Nr.8 und 9 ( aus meiner GA) habe ich mir auch noch einmal zum Vergleich herangezogen. Die EMI-Aufnahmen aus der GA klingen nicht so frisch, wie es das Aufnahmedatum vermuten läßt. Hinzu kommt, das Karajans einstiges Feuer seiner früheren DG-Aufnahmen (1963/69) nicht mehr in dem Maße vorhanden ist, wie ich es mir wünschen würde. Karajan ist in den Sätzen Nr.8 (2.Satz) und Nr.9 (2.-4.Satz) behäbiger geworden und läßt Schubert (wohlmöglich wienerischer) spielen. Das Packende von einst ist nicht mehr so vorhanden. Damit möchte ich diese Aufnahmen nicht schmälern, sie sind für sich gesehen auch gut-sehr gut. Das daniel gerade diese von mir geschätzten DG-Aufnahmen nicht so positiv einschätzt liegt sicher an Böhms Detailarbeit und Klangkultur, die er gewohnt ist. Was Dramatik und Feuer anbetrifft, steht Karajan (DG1963/69) Böhm nicht nach. :beer Höre ich da Schubert anders ? Die Klangqualität der Böhm-Aufnahmen (DG) ist sehr gut. Die Elequence-CD´s haben die Aufschrift AMSI und sind DolbySurround-fähig (dies sehe ich nicht als Nachteil, denn der Klang ist sehr frisch und relativ rauschfrei). Trotzdes Aufnahmedatums 1963 und 1966 sind diese besser als karajans EMI-Aufnahmen 1977 (die aber ebenfalls in neuem Remastering vorliegen, wie ich im Therad zur GA bereits erwähnte).
Eine weitere Glanzaufnahme, die in allen Punkten Schubert gerecht wird und fern jeder Langeweile ist der dramatische, straffe und präzise Zugriff durch George Szell: http://ecx.images-amazon.com/images/I/414VPQJ4D9L._AA240_.jpg Cleveland Orchestra/Szell SONY, 1960 (Nr.8);1957(Nr.9), ADD
:times10 Dies ist neben Böhm (DG) und Karajan (DG) meine Lieblingsaufnahme der Sinfonien Nr.8 und 9 geblieben. Auch hier hat in dieser neuen SONY-Ausgabe (mit unangemessenem Cover (soll modern sein)) das neuere Remastering für eine TOP-Durchhörbarkeit Szells akribischer Detailarbeit gesorgt und ist besser als die alte Ausgabe bei SONY-Essentals.
bei meinen ganzen Schubert - Vorlieben mit Böhm - Szell - Karajan habe ich ganz Bernstein vergessen.
Seine Interpretation mit den New Yorker PH habe ich auf einer CBS-Platte mit der Sinfonie Nr.5 gekoppelt. Dies ist eine der ergreifensten Aufnahmen der Unvollendeten, voller Dramatik und Schmerz.
Bernsteins Aufnahme der Sinfonie Nr.9 kenne ich gar nicht.
Da ich in den letzten zwei Jahren nach meinen zahlreichen SONY-Bernstein-Anschaffungen mit seinen New Yorlker PH noch nie enttäuscht worden bin, habe ich mir nun diese CD bestellt um seine Schubert 9 auch kennenzulernen und die ergreifende Unvollendete in bester Klangqualität zu haben. ((Laut Kritik soll das Remastering in dieser Bernstein-CENTURY-Ausgabe fabelhaft sein.))
Die Spielzeiten sehen auch sehr vielversprechend aus: 13:27 - 15:13 - 10:06 - 10:07
:hello Ich werde berichten.
Zelenka (26.03.2008, 17:26): Lieber Wolfgang:
Ein wenig bin ich verdutzt, was diesen Faden angeht: Aufnahmen der letzten beiden Schubert-Symphonien und ihre Cover haben wir uns doch schon im Faden zu den Gesamtausgaben gezeigt. Nötig gewesen wäre doch eher ein Eingehen auf die Musik selbst. Ich verstehe auch nicht, warum die beiden letzten Symphonien hier zusammen behandelt werden, jede von ihnen ist einen eigenen Faden wert. Außerdem sah ich eben noch im Mitgliederbereich, daß die Neunte reserviert war und ist.
Gruß, Zelenka
teleton (27.03.2008, 10:48): Lieber Zelenka,
Du hast sicher recht, dass man die beiden Sinfonien Nr.8 und 9, die ich beide für die größten Schubert-Meisterwerke halte, und die sich auch deutlich von den restlichen Sinfonien abheben, einen eigenen Faden wert wären. Im anderen Schubert-Thread ging es um die Schubert-Sinfonien-Gesamtaufnahmen. Da würde die Bernstein-, oder Szell-Aufnahme im Prinzip gar nicht rein passen, weil von beiden Dirigenten nicht alle Sinfonien vorliegen.
Für mich ergeben bei Sinfonien/Meisterwerke aber eine Einheit. Sie sind auch meist auf einer CD zu finden. Folglich habe ich diese beiden Sinfonien in einem Faden zusammengefügt. Ausschlag gegeben hat die Diskuission mit daniel über die Karajan-Aufnahmen auf DG und seine mit Recht (wie ich jetzt voll nachvollziehen kann) gegebene Vorliebe für die Böhm-Aufnahmen (DG).
Daher ist der Schwerpunkt meiner Ausführungen auch auf verschiedene Aufnahmen der Sinfonien Nr. 8 und 9 gerichtet.
:beer Ich würde mich freuen in diesem Faden in weiteren Beiträgen noch so einiges über die Sinfonien Nr.8 und 9 zu lesen. Das ist genau so interessant wie weitere Beiträge über Eindrücke zu verschiedenen Interpreationen beider Sinfonien.
daniel5993 (27.03.2008, 13:48): Hallo Wolfgang:
Ich hatte mir die 9 Symphonie Schubert für einen Extrathread vorreserviert und habe die letzten Wochen ausgiebig die Neunte gehört und verglichen. In meinem jetzigen Urlaub wollt ich mich eigentlich hinsetzten und meine Eindrücke in Worte fassen und einen Einzelthread nur zur Neunten eröffnen. Diesem bist du leider zuvorgekommen. Aber Es ist nunmal passiert! Im Hinterzimmer des Forums, im Mitgliederbereich, stehen die Vorreservierungen der Mitglieder für bestimmte Werke. Das nächste mal einfach vorher reinsehen, was bereits reserviert ist.
Gruß Daniel
Rachmaninov (27.03.2008, 15:40): @Daniel, Du solltest Deinen Thread dennoch starten. Diese kann dann "angehängt" werden oder die Kommentare zu Sinfonie 9 dort ergänzt werden
daniel5993 (27.03.2008, 22:11): Original von Rachmaninov @Daniel, Du solltest Deinen Thread dennoch starten. Diese kann dann "angehängt" werden oder die Kommentare zu Sinfonie 9 dort ergänzt werden
OK
teleton (28.03.2008, 09:29): Hallo daniel,
ja, ich habe es jetzt auch gesehen, das Du das Thema Schubert 9 vorreserviert hattest. Mir war gar nicht bekannt das diese Option des Vorreservierens besteht. Ich sehe dort nächstens nach.
Dann wollen wir diesen Faden mehr der Unvollendeten widmen, nachdem Du Deinen spezielen Faden für die Sinfonie Nr.9 gestartet hast.
Wie Du mir mitteilst, hast Du noch nicht in die Szell-SONY-Aufnahme der Sinfonien Nr. 8 und 9 reingehört. :hello Ich bin gespannt auf deine Eindrücke !
die Bernstein-SONY-CD ist gestern eingetroffen. Somit stand gleich Schubert 8 und 9 an.
Zunächst meine langjähige Favoritenaufnahme (SONY 1963) der Unvollendeten, die ich bisher nur auf CBS-LP hatte, und die hier klanglich nochmal zugelegt hat.
Klanglich noch besser dann die Bernstein-Aufnahme (SONY 1967) der Großen C-Dur, deren 20Bit-Remastering Digitalaufnahmenqualitäten aufweist. Ich kann inzwischen daniels Meinung gut nachvollziehen, warum er die Bernstein-Aufnahme nicht so hoch einschätzt wie Böhm. Bernstein geht scheinbbar über viele Details, die bei Böhm (auch durch das langsamere Tempo) fast total selbstverständlich rüber kommen hinweg. Wer das Werk jedoch kennt, hört diese Details bei genauem hinhören aber auch bei Bernstein.
Beim Hören gefiel mir Bernstein von Satz zu Satz besser: Der erste Satz fängt ziemlich ruhig an, während sich bei Karajan hier schon etwas sagenhaftes andeutet, was einen erwartet, hier noch relative Ruhe. Was dann folgt ist schön durchdacht und hat Energie. Im Finale sind einige Details unterbelichtet und anders gedeutet, als Böhm, Karajan und Szell (hört sich jetzt in Worten schlimmer an als es ist): 13:27Min.
Der zweite Satz hat wunderschöne Momente und Bernstein läßt es auch nicht an Durcchschlagskraft missen (wo erforderlich), doch ist mir der Satz mit 15:13Min etwas zu ausgewalzt. Da ist mir Böhm mit 13:53Min angemessener, Szell mit 13:36 sympatischer und Karajan mit 12:16 perfekt.
Der dritte Satz Scherzo gerlingt Bernstein perfekt mit allem Feuer den er braucht. Die NewYorker Ph sind auch hier bestens disponiert: 10:06.
Genau wie beim vieten Satz, der mit Bernstein total zum Fußwippen anregt und absolut mitreißt: 10:07. Was auffällt ist, das Bernstein das Werk nicht mit der Strenge interprtiert wie Szell und die dramatischen Stellen, wie eine Parodie auf Beethoven klingen. Das dramatische Motiv bääää bääää bääää bääää vor dem Schlußfinale hat bei Bernstein ein anderes Timbre und enthält im Orchestergesamtklang mehr Blechbläser. Dadurch klingt es nicht ganz so dramatisch und streng... packend bleibt es damit und Power hat es trotzdem. :beer Fazit: Viele Worte die sich Stellenweise schlimmer anhören als es gemeint ist. Eine weitere TOP-Aufnahme mit der alleine man auf ewig zurieden sein könnte. Ich glaube wenn ich Bernstein zuerst gehört hätte, hätte ich keine andere Aufnahme mehr gelten lassen. Sie hat prägende Eigenschaften. So hat die 9 bei mir einen anderen Weg beschritten, der auch nicht schlecht war.
daniel5993 (04.04.2008, 19:00): Hallo teleton
Zur Neunten Symphonie habe ich einen extra Thread eröffnet! Wäre die ausführliche Erklärung über die Neunte mit Lenny dort nicht richtig aufgehoben ?
Gruß Daniel :hello
teleton (06.04.2008, 11:26): Hallo daniel,
ja, aber auf dieser CD mit Lenny geht es um die Sinfonien Nr.8 und 9, wenn ich auch über die Sinfonie Nr.9 hier mehr geschrieben habe, weil die Aufnahme für mich NEU war. :D Erbsenzählerei !
:hello Aber ich antworte Dir auf Deinen Wunsch auch dort in deinem Thread.
daniel5993 (10.04.2008, 10:20): Original von teleton Hallo daniel,
ja, aber auf dieser CD mit Lenny geht es um die Sinfonien Nr.8 und 9, wenn ich auch über die Sinfonie Nr.9 hier mehr geschrieben habe, weil die Aufnahme für mich NEU war. :D Erbsenzählerei !
:hello Aber ich antworte Dir auf Deinen Wunsch auch dort in deinem Thread.
Hallo Wolfgang,
Es erschien mir wichtig, da du auf die Neunte mit Lenny doch recht genau eingegangen bist.
Danke! :beer
Gruß Daniel
kreisler (03.04.2009, 08:33): darf ich diesen Thread jetzt alleine für die Unvollendete nützen? schließlich hat sie, als das Meisterwerk Schuberts (auch wenn diese Bezeichnung noch viel zu gering ist) wahrlich einen eigenen Thread verdient.
Ich weiß nicht, vielleicht wurde sie ja schon anderswo (bei den Schubert-Gesamtaufnahmen oder so ?() besprochen , wenn nicht, dann ist das jedenfalls eine Lücke :D
Das ist für mich eine der wenigen perfekten Aufnahmen. Der Gesamteindruck, den diese Aufnahme ausübt, ist einfach phänomenal. Und das kann er nur dadurch sein, dass Kleiber unglaublich detailliert arbeitet.
Aber es ist nicht nur das: Er gestaltet die Musik dermaßen, dass sie immer präsent ist. Es gibt bei ihm auch nichts Aufgesetztes wie das schon manchmal bei Bernstein und Karajan (die sicher zu recht schon gennant wurden) der Fall ist.
Kurzum: Für mich, musizieren in Vollendung :engel
lg kreisler
teleton (04.04.2009, 10:29): Hallo Kreisler,
Du bist ja "der" Kleiber-Fan und deshalb darf auch Schibert nicht in Deiner Sammlung fehlen. Das er eine famose Unvollendete abliefert will ich Dir gerne glauben - es gibt aber auch massig andere Aufnahmen, die einem hohen Anspruch genügen. Doch ist dies auch wieder so eine Repertoirefrage bei Kleiber.
Dieses große Meisterwerk Unvollendete wird von unendlich vielen Dirigenten angeboten. Da hat man bald eine Aufnahme gefunden, die einem liegt - ein Griff zu Kleiber wäre dann (zumindest bei mir) noch Zufall.
Meine Favoriten für die Unvollendete sind Szell (SONY) - straff - ohne sentimenatitäten, Präzision in Vollendung, Gänsehautfaktor pur bei mir.
Bernstein (SONY) - ähnlich Szell, ausdrucksstark, emotional an den richtigen Stellen, wunderbare New Yorker PH.
Karajan (DG) - das Beethoven-Vorbild scheint bei Karajan immer durch, deshalb schätze ich auch alle 9Schubert-Sinfonien mit Karajan; die 8te ist Dramatisch und die BPO spielen wunderbar mitreissend.
Böhm (DG) - großer Schubert voller Dramatik. An diese CD kam ich durch die Empfehlung von daniel - nochmals Danke !
Pollux (04.04.2009, 12:41): Mein Favorit für die beiden Sinfonien ist ebenfalls Szell, und im Grunde bräuchte ich für den Rest meines Lebens keine andere Einspielung dieser Werke mehr. Die Unvollendete unter Kleiber finde ich nicht besser oder schlechter, nur anders. Müsste ich mich für eine dieser Aufnahmen entscheiden, würde ich das Los entscheiden lassen.
Gestern habe ich diese CD gehört, die in einem amerikanischen Klassik-Forum mehrfach über den grünen Klee gelobt wird, bei mir aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Kennt hier jemand die Sinopoli-Einspielung? Ich muss die CD demnächst nochmal hören. Jedenfalls kann ich die Lobeshymnen jenseits des Atlantiks derzeit nicht nachvollziehen.
kreisler (04.04.2009, 14:02): Hallo teleton!
Bernstein und Böhm kann ich mir bei Schubert sehr gut vorstellen!
Und ich werde mir wohl irgendwann noch eine Schubert CD von einem der beiden kaufen, auch wenn ich Kleiber so gerne mag. Böhm´s Unvollendete hab ich sogar auf Schallplatte, fällt mir gerade ein. :beer die gefällt mir auch recht gut!
Karajan hat mich mit seiner (wohl früheren) Emi-Aufnahme der 8. Symphonie ziemlich enttäuscht. Vielleicht ist die späte ja besser, aber irgendwie finde ich Schubert und Karajan passen einfach irgendwie nicht zusammen.
Und dann habe ich ja auch noch Günter Wand in der Schubert-GA. Seine 8. Symphonie fand ich nicht schlecht, aber etwas zu objektiv. Ich bin halt Kleibers Stil gewöhnt.
@pollux
die Sinopoli-Einspielung kenne ich leider überhaupt nicht und kann nichts dazu sagen ?(
Original von Pollux Die Unvollendete unter Kleiber finde ich nicht besser oder schlechter, nur anders. Müsste ich mich für eine dieser Aufnahmen entscheiden, würde ich das Los entscheiden lassen.
Was würdest du denn sagen, ist der Unterschied zwischen Szell und Kleiber? Natürlich - zwei ziemlich unterschiedliche Musiker. Aber wenn Szell "straff und ohne Sentimentalitäten" spielt, geht da nicht etwas von dem spezifisch "schubertschem" - ich will sagen, das freudig-und-gleichzeitig-melanchonische, private, lediglich der Musik verpflichtete und irgendwie auch bisschen "österreichische" - der Musik verloren?
(Ok, besser konnte ich das jetzt leider nicht beschreiben :( :D)
Ich kann nur wieder betonen, das Kleiber dies alles - gepaart mit musikalischer Perfektion - in sich trägt, oder nicht?:)
Viele Grüße, Kreisler
Pollux (04.04.2009, 15:48): Ich habe jetzt nochmals konzentriert die Sinopoli-CD laut mit Kopfhörern gehört und zum Vergleich anschließend Kleibers Unvollendete sowie Szells Interpretation der C-Dur-Symphonie.
Kleibers Interpretation hat mir wieder einmal mehrere Gänsehäute beschert! Großartiger Streicherklang, ebenso großartige Holzbläser, prägnante Tuttischläge und überhaupt ein wunderbar räumlicher, satter Klang der ganzen Aufnahme. Die Erschütterungen und die dramatischen Ereignisse der Partitur im Wechselspiel mit der Melodienseeligkeit werden kongenial umgesetzt.
Im Vergleich dazu klingt die Sinopoli-Einspielung mit den Dresdnern seltsam kraft- und farblos. Während ich bei Kleiber ständig gebannt dem weiteren Fortgang der Ereignisse entgegenfiebere, klingt es bei Sinopoli wie die Nacherzählung eines längst vergangenen Dramas, das uns im Grunde nichts mehr angeht und uns deshalb auch nicht mehr emotional zu rühren vermag. Pauken wie mit Wattebäuschchen gepolstert, unterbelichtete Holzbläser, ein irgendwie verhangener Gesamtklang - so fließt die Sinfonie dahin, zäh und spannungslos.
Ähnlich deutlich fällt der Vergleich der C-Dur-Interpretationen aus. Während Szells rhythmischer Drive die lange Sinfonie stets unter Hochspannung hält, habe ich Mühe, der Sinopoli-Einspielung bis zum Ende zu lauschen. Oder, um es "in der Sprache der heutigen Zeit" (Jeff Lebowski aka The Dude) zu sagen: bei Szell geht wahnsinnig diem Post ab, während es bei Sinopoli so klingt, als wuchte er einen LKW, der nur auf drei Pötten läuft, die Kasseler Berge hinauf.
@Kreisler, den Unvollendete-Hörvergleich Kleiber/Szell hole ich bei Gelegenheit nach und berichte dann. In meiner Erinnerung sind beide Aufnahmen gleich stark und überzeugend. Aber mein Schubert-Bedarf ist für heute erstmal gedeckt.
kreisler (04.04.2009, 16:59): Danke für den Vergleich mit Sinopoli. Eins weiß ich: Diese CD werde ich mir sicher erstmal nicht kaufen :D
Und bei Kleiber sind wir ja anscheinend d´accord :beer
lg kreisler
pyrrhon (04.04.2009, 22:49): Original von kreisler Karajan hat mich mit seiner (wohl früheren) Emi-Aufnahme der 8. Symphonie ziemlich enttäuscht. Vielleicht ist die späte ja besser, aber irgendwie finde ich Schubert und Karajan passen einfach irgendwie nicht zusammen.
Vorhin habe ich Karajans Aufnahme der Unvollendeten aus der Gesamtaufnahme der Schubert-Symphonien gehört. Ich werde irgendwie mit Karajan nicht warm. Ich kann nicht sagen, dass die Aufnahme schlecht ist, aber sie reisst mich auch nicht vom Hocker. Eigentlich kann ich das von sehr vielen Karajan-Aufnahmen sagen, die ich kenne, aber das ist natürlich nur mein subjektiver Geschmack und soll bitte nicht als Werturteil verstanden werden. Sein Verständnis von Perfektion, die durchaus der damaligen Mode entsprach, ist irgendwie nicht mein Verständnis, wie Musik klingen soll. Mir fehlen die Ecken und Kanten.
kreisler (05.04.2009, 00:20): Mir geht es ähnlich mit Karajan wie dir. Wobei mir eher anstatt den "Ecken und Kanten" der musikalische Ausdruck etwas fehlt. Es gibt aber einige Werke (besonders der moderneren Musik), die ich umbedingt so perfekt hören will, auch was den "Klang" angeht. Deshalb schätze ich dann Karajan doch wieder, wenn er auch niemals ein Lieblingsdirigent von mir werden würde.
Naja, darum soll es hier ja eigentlich gar nicht gehen.
Viele grüße, Kreisler
teleton (25.04.2012, 10:30): Original von pyrrhon Vorhin habe ich Karajans Aufnahme der Unvollendeten aus der Gesamtaufnahme der Schubert-Symphonien gehört. Ich werde irgendwie mit Karajan nicht warm. Ich kann nicht sagen, dass die Aufnahme schlecht ist, aber sie reisst mich auch nicht vom Hocker. Eigentlich kann ich das von sehr vielen Karajan-Aufnahmen sagen, die ich kenne, aber das ist natürlich nur mein subjektiver Geschmack und soll bitte nicht als Werturteil verstanden werden. Sein Verständnis von Perfektion, die durchaus der damaligen Mode entsprach, ist irgendwie nicht mein Verständnis, wie Musik klingen soll. Mir fehlen die Ecken und Kanten.
Auch wenn es bereits drei Jahre her ist, so möchte ich heute auf den Irrtum seinerzeit eingehen: Pyrrohon bezog sich in seiner Wertung auf die Karajan-Aufnahme bei EMI. Der Irrtum besteht darin, dass Kreisler diese für Karajan´s Frühere hielt.
Die EMI-Aufnahme ist die Spätere mit den Berliner PH von 1976 und die ist tatsächlich abgeklärter, etwas altermilder und hat bei weitem nicht die wilde Ausdrauckskraft wie die frühere DG-Aufnahme mit den Berliner PH von 1965/9 (beide Sinfonien Nr. 8 und 9 betreffend).
Die DG-Aufnahme polarisiert und hat in der Klssikwelt die unterschiedlichsten Beurteilungen. OK, Karajan ist wirklich im Vergleich zu anderen extreem; er beachtet keine Wdh-Zeichen, die Tempi sind weit flotter. Aber gerade bei der Sinfonie Nr. 9 finde ich "das Austreiben der himmlichen Länegn" absolut angebracht. :beer Die Einen hassen sie , die anderen lieben sie. Ich finde diese DG-CD genial - der Hammer !
Spätere Aufnahme, bei der Karajan alle Schubert - Sinfonien aufnahm: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51iUnUGp6qL._SL500_AA300_.jpg EMI, 1976, ADD
!!! Die Einzel-CD-Ausgabe wurde von EMI 1996 neu remastert und klingt weit besser als die ersten EMI-Ausgaben und auch als die Schubert-GA-Ausgabe, die ich vorher hatte und verkauft habe. Ich habe jetzt die Schubert - Sinfonien mit Karajan (EMI) in der abgebildeten KARAJAN-Edition-Serie.