ich habe Schuberts 3. und 5., mehrere Aufnahmen der 8. (E. und C. Kleiber, Szell, Toscanini) und der 9. Sinfonie (Furtwängler, Szell). Da fehlt der Rest. Ich plane, die Lücken mit einer Gesamtaufnahme zu stopfen.
Immerseel wurde an anderer Stelle bereits genannt. Die beste Wahl? Oder gibt es andere, bessere Alternativen?
(Oder doch lieber Einzelaufnahmen?)
Vielen Dank und Gruß, Cosima
Zelenka (09.09.2007, 08:54): Liebe Cosima:
Van Immerseel dürfte hier nicht die beste Wahl sein. Wenn es eine Gesamtausgabe sein soll, dann lassen sich Löcher in Deinen Beständen recht billig und insgesamt sehr gut mit diesen Boxen stopfen:
- Goodman, THe Hanover Band, Nimbus, jetzt Brilliant
- Barenboim, Berl. Phi., CBS
- Muti, Wiener. Ph, EMI, jetzt Brilliant
- Immerseel, Anima Eterna, Sony
- Keitel, Putbus Festival O., Arte Nova
- Halasz, versch.Orch. Naxos
- Nott, Bamberger Symphoniker, Tudor
In dieser Auflistung gibt es ein Spitzenquartett: Sawallisch, Wand, Davis, Blomstedt.
Wenn es eine Gesamt-Aufnahme sein soll, plädiere ich unbedingt für die mit Herbert Blomstedt und der Staatskapelle Dresden, sie ist zur Zeit auch preisgünstig zu erwerben, Zelenka hat sie schon oben genannt.
Mit der Staatskapelle Dresden habe ich gute Erfahrungen gemacht. Die Mozart-Sinfonien unter Davis gefallen mir z.B. sehr gut.
Blomstedt oder Davis also. Der Preis sollte hier nicht ausschlaggebend sein, weil Davis über marketplace fast ebenso günstig zu erhalten ist.
Da wahrscheinlich die letzten beiden Sinfonien die interessantesten sind, würde ich meine Wahl vielleicht davon abhängig machen, welcher dieser Dirigenten sie Eurer Meinung nach „besser“ interpretierte. In einer Rezension auf amazon las ich eben, dass sich Blomstedt mit der 8. und 9. eher im „oberen Mittelfeld“ bewegen soll. Könnt Ihr das bestätigen? Und wie würdet Ihr Davis hier einschätzen?
Danke und Gruß, Cosima
Amadé (09.09.2007, 12:05): Liebe Cosima,
zur Unvollendeten gibt es eine fast neue Web-Seite in meiner homepage. Die früheren Sinfonien sind aber auch satzweise sehr interessant. Ich würde nach und nach auch mal dort reinhören, z.B. 3. D-dur mit Vater Erich Kleiber und dem Kölner RSO,viel geformter als die hochgelobte DG-Aufnahme seines Sohnes Carlos, die mir weniger gefällt. Oder die 4., was hat die für einen Schlusssatz! Auch hier gefällt mir Blomstedt sehr gut.
GRuß Bernd
ab (09.09.2007, 12:40): Liebe Cosima,
ich empfehle wärmstens: Kertesz, Wiener Ph., Decca!
Schubert (und Bruckner) ohne Philharmonikerklang ist immer eine Einbuße - doch dies ist sicher noch der geringst Grund für mein Anpreisen dieser Box!
Solltes Du auf Einzelaufnahmen setzten wollen, höre Dir doch unbedingt - trotz Kleibers, Szell, Toscanini - auch noch die mit Harnoncourt :down :down :down und dem Concertgebouw an (aber ja nicht versehentlich den frühen, öden Mitschnitt mit den Wiener Symphonikern erwischen!) .
Ich teile die Einschätzung Zelenkas, dass Immerseel hier nicht die beste Wahl ist.
Zelenka (09.09.2007, 13:09): Original von Cosima
Da wahrscheinlich die letzten beiden Sinfonien die interessantesten sind, würde ich meine Wahl vielleicht davon abhängig machen, welcher dieser Dirigenten sie Eurer Meinung nach „besser“ interpretierte. In einer Rezension auf amazon las ich eben, dass sich Blomstedt mit der 8. und 9. eher im „oberen Mittelfeld“ bewegen soll. Könnt Ihr das bestätigen? Und wie würdet Ihr Davis hier einschätzen?
Danke und Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Blomstedt und Davis bewegen sich beide mit den letzten beiden Symphonien wenigstens im unteren Spitzenfeld. Davis ist vielleicht in der 9. ein wenig zu zurückhaltend, um nicht zu sagen lahm. Da müßten etwas mehr Dynamik und mehr Tempo kommen, gerade im Finale, das Harnoncourt sehr schön hinbekommt. Harnoncourt ist, entgegen ab (pardon!), vielleicht insgesamt aber nicht so großartig.
Gruß, Zelenka
Poztupimi (09.09.2007, 13:13): Original von ab Liebe Cosima,
ich empfehle wärmstens: Kertesz, Wiener Ph., Decca!
Ich teile die Einschätzung Zelenkas, dass Immerseel hier nicht die beste Wahl ist.
Lieber ab,
diese Aufnahme habe ich letzte Woche als LP-Box mit einer kleinen Sammlung weiterer LPsübernommen und bisher lediglich die 4. und 5 gehört. Während mir die 5 eigentlich ganz gut gefallen hat, fand ich die 4 doch etwas - wie soll ich sagen - dick aufgetragen. Aber das mag daran liegen, daß ich nicht immer den großen Orchesterklang bevorzuge. Aber ich hatte bisher auch immer mal mit dem Gedanken gespielt, mir die Box zuzulegen, um einen kompletten Zyklus zu besitzen. Also kann ich jetzt so nach und nach mal alle hören. Und dann mal sehen, ob der für mich gemischte Eindruck erhalten bleibt oder ich dem immer wieder geäußerten Lob bzw. der Begeisterung folgen kann.
@Cosima
ob konservativ, schal oder hausbacken, dazu ist mein bisheriger Höreindruck doch noch zu kurz. Vielleicht schaffe ich es ja mal, sie beim weiteren Hören mit den Einzelaufnahmen, die ich sonst so besitze, zu vergleichen und dann dazu was zu schreiben.
Viele Grüße, Wolfgang
Cosima (09.09.2007, 14:19): Original von ab ich empfehle wärmstens: Kertesz, Wiener Ph., Decca!
Schubert (und Bruckner) ohne Philharmonikerklang ist immer eine Einbuße - doch dies ist sicher noch der geringst Grund für mein Anpreisen dieser Box!
Ja, das ist auch ein Argument…
Ich überlege gerade, wie ich Schubert am liebsten hören mag. Die Wiener Philharmoniker unter Carlos Kleiber finde ich schon sehr gut (gerade läuft die „Unvollendete“). Also vielleicht doch die Gesamtaufnahme mit Kertész? Ich glaube, dass Schubert ein großer Orchesterklang zugute kommt. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn hier etwas „dick aufgetragen“ wird (wie Wolfgang schrieb) bzw. wuchtig / dramatisch gespielt wird.
Andererseits spielt die Staatskapelle Dresden unter Davis sehr klangschön. Hier habe ich nochmals in die „Prager“ kurz reingehört. Aber Mozart ist eben auch nicht Schubert…
Bei Harnoncourt bin ich generell etwas skeptisch. Eigentlich hörte ich noch nichts von ihm, was mir wirklich rundum gefallen hätte.
Ich fürchte, es wird mir nichts anderes übrig bleiben, als im Laden in alle drei Gesamtaufnahmen reinzuhören.
Danke und Gruß, Cosima
Amadé (09.09.2007, 16:26): Hallo Forianer,
bei der Empfehlung der Wiener Philharmoniker sollte man auch auf die Wiener Oboe hinweisen. Diese ist bekanntlich sehr hell - auch wenn in den letzten Jahren ihr Klang etwas eingedunkelt ist. Im 2. Satz spielt die Oboe zweimal abwechselnd mit der Klarinette ein längeres Solo. Das klingt viel schöner mit einem pastoser, wärmer klingenden Instrument, wie es z. B. in Deutschland Verwendung findet. Ihr solltet diese Stelle mal mit einer Aufnahme der Wiener Philharmoniker und die eines deutschen Orchesters vergleichen. Ich persönlich finde den Unterschied enorm.
Anderseits lässt sich jedoch einwenden, dass Schubert ein Wiener war. Aber wir wissen nicht, wie er zu Entwicklung von Instrumenten, außer dem KLavier, stand.
Gruß Bernd
Zelenka (09.09.2007, 17:52): Original von Amadé bei der Empfehlung der Wiener Philharmoniker sollte man auch auf die Wiener Oboe hinweisen. Diese ist bekanntlich sehr hell - auch wenn in den letzten Jahren ihr Klang etwas eingedunkelt ist.
Mit Erstaunen sah ich, daß es eine "Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe" gibt mit eigener Website hier. Es gibt dort sogar ein Forum nur zur Wiener Oboe ...
Ein Zitat aus dem "Journal der Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe" (10/2001), das belegt, daß die Wiener Oboe ursprünglich aus Dresden stammt und zu Schuberts Zeiten keinesfalls in Gebrauch war:
"Es ist ja interessant, dass die Wiener Oboe eigentlich aus der Dresdner Werkstatt (Carl) Golde (+ 1873) von Herrn Baumgärtel nach Wien (1880) gebracht wurde."
Gruß, Zelenka
Wotan (10.09.2007, 09:14): Hallo,
wie seht ihr Schuberts 9te in der Einspielung von Sir Simon Rattle mit den Berlinern?
MfG Wotan
ab (10.09.2007, 11:46): Original von Zelenka Harnoncourt ist, entgegen ab (pardon!), vielleicht insgesamt aber nicht so großartig
Pardon ist nicht nötig, denn ich bezog mich auch nicht auf die Große Sinfonie in C und schon gar nicht auf die GA, sondern nur auf die Unvollendete.
Bei der Großen überzeugten mich Furtwängler und Kertesz bislang am meisten. Interessant war einmal ein Konzertmitschnitt, den es ganz kurz bei der DG mit Gardiner gab: der schaffte es, dem Orchester seine Klangfülle auszutreiben und auf Schlankheit zu trimmen (aber in nur in dieser Hinsicht interessant). Rattle mit den Berlinern fand ich ganz schrecklich! Womöglich tue ich ihm unrecht... Gibt es eigentlich einen Große C-Dur Sinfonie mit Fritz Busch?!!!
Um noch einmal auf Harnoncourts Unvollendete mit dem Concertgebow zu kommen: Es lohnt sich, diese einmal mit der von Furtwängeler zu vergleichen! Ich war völlig überrascht über den eigentlich ähnlichen Duktus in der Musik. Harnoncourt hat natürlich das originale Notenmaterial studiert und macht die erforderliche Terassendynamik, erlaubt sich nicht die agogischen Freiheiten und außerdem betont er ntürlich den Pharasenanfang, was zwar etwas stehender, aber mehr klassich denn romantischen wirkt. Dass er schlanker spielt, braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Die GA-Frage betreffend ist bei Kertesz natürlich zu sagen, dass sie aus Ende der 60er und Anfang der 70er stammt. (Da ist noch nichts von HIP zu finden.) Am wenigsten dort gefällt mir übrigens die Unvollendete, am Besten die Große ich C.
Zelenka (10.09.2007, 12:56): Original von ab Original von Zelenka Harnoncourt ist, entgegen ab (pardon!), vielleicht insgesamt aber nicht so großartig
Pardon ist nicht nötig, denn ich bezog mich auch nicht auf die Große Sinfonie in C und schon gar nicht auf die GA, sondern nur auf die Unvollendete.
Um noch einmal auf Harnoncourts Unvollendete mit dem Concertgebow zu kommen: Es lohnt sich, diese einmal mit der von Furtwängeler zu vergleichen! Ich war völlig überrascht über den eigentlich ähnlichen Duktus in der Musik. Harnoncourt hat natürlich das originale Notenmaterial studiert und macht die erforderliche Terassendynamik, erlaubt sich nicht die agogischen Freiheiten und außerdem betont er ntürlich den Pharasenanfang, was zwar etwas stehender, aber mehr klassich denn romantischen wirkt. Dass er schlanker spielt, braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Lieber ab:
Tut mir leid, ich hatte Dich mißverstanden. - Was Harnoncourts Unvollendete mit dem Concertgebouw angeht, kann ich Dir ohne weiteres zustimmen. Man sollte sie kennen!
Gruß, Zelenka
Amadé (10.09.2007, 15:15): @ ab
Ja, tatsächlich, ein Mitschnitt mit dem Dänischen RSO, das mit Fritz BUsch jahrzehntelang verbunden war. Leider wurden damal nur 3 Sätze auf die CD gebrannt, der vierte ist/war verschollen, deshalb hatte die CD auch keine Chance.
Gruß Amadé
Cosima (10.09.2007, 16:45): Nun macht Ihr mich doch neugierig auf Harnoncourt und seine Unvollendete! Diese hier, nicht wahr?!
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4940876.jpg
Für 5,99 Euro würde ich das Wagnis eingehen, trotz meiner Harnoncourt-Vorbehalte.
Gruß, Cosima
Zelenka (10.09.2007, 16:51): Original von Cosima Nun macht Ihr mich doch neugierig auf Harnoncourt und seine Unvollendete! Diese hier, nicht wahr?!
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4940876.jpg
Für 5,99 Euro würde ich das Wagnis eingehen, trotz meiner Harnoncourt-Vorbehalte.
Gruß, Cosima
Genau diese mit dem Concertgebouw! Und manchmal zahlt man noch weniger ...
Gruß, Zelenka
ab (11.09.2007, 09:12): Original von Zelenka Genau diese mit dem Concertgebouw! Und manchmal zahlt man noch weniger ...
Leider mit der fünten Sinfonie statt mit der ersten und zweiten gepaart.
Zelenka (11.09.2007, 18:27): Original von ab Original von Zelenka Genau diese mit dem Concertgebouw! Und manchmal zahlt man noch weniger ...
Leider mit der fünten Sinfonie statt mit der ersten und zweiten gepaart.
Die Paarung mit der 1. und 2. Symphonie sehe ich nicht angeboten. Vielleicht kauft man am besten für um die EUR 20 gleich Harnoncourts ganzen wenig sonnigen Schubert-Zyklus.
Gruß, Zelenka
ab (11.09.2007, 21:09): Original von Zelenka Vielleicht kauft man am besten für um die EUR 20 gleich Harnoncourts ganzen wenig sonnigen Schubert-Zyklus.
ich würde es nicht mehr tun...
Cosima (29.09.2007, 19:35): An ab und Zelenka:
Leider kann ich Eure Begeisterung für die Harnoncourt-Aufnahme nicht teilen. Ich habe sie nun mehrmals gehört, heute auch noch einmal mit allen vorhandenen Aufnahmen verglichen. Was die Unvollendete angeht, bleibt es dabei: Szell ist mit deutlichem Vorsprung vor C. Kleiber mein derzeitiger Favorit.
Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich bei Harnoncourt stört. Sie ist mir vielleicht zu trocken und nüchtern, ohne schönen Spielfluss und Spannung. Ich mag aber generell Harnoncourts Aufnahmen nicht so sehr, sie klingen mir immer etwas kalkuliert.
Inzwischen habe ich mich übrigens für die Colin Davis-GA entschieden, ohne vorher reinzuhören. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Orchester und dem Dirigenten gemacht, der Preis ist auch in Ordnung – da kann also kaum etwas schief gehen. - Ich werde berichten...
Gruß, Cosima
nikolaus (29.09.2007, 20:32): Original von Cosima
Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich bei Harnoncourt stört. Sie ist mir vielleicht zu trocken und nüchtern, ohne schönen Spielfluss und Spannung. Ich mag aber generell Harnoncourts Aufnahmen nicht so sehr, sie klingen mir immer etwas kalkuliert.
Gruß, Cosima
Entschuldigung, wenn ich mich einmische. Aber mich würde interessieren: spürst du gar keine Leidenschaft in Harnoncourts Musik? Ich gehöre sicher nicht zu den Harnoncourt-Hörigen, aber dennoch schätze ich beim ihm eine Art von Emotionalität. Dieses Wort widerspricht jetzt total deiner Einschätzung, deshalb frage ich.
Herzliche Grüße, Nikolaus.
Cosima (30.09.2007, 10:02): Lieber Nikolaus,
das ist IMO schon eine gute Aufnahme, gleichwohl mag ich sie nicht. Die Herausarbeitung der Details ist interessant und lässt aufhorchen, aber m.E. wirken durch diese Akzentuierung die Sätze in sich nicht mehr so recht geschlossen (wobei sich das grundsätzlich ja nicht ausschließen muss). Das meinte ich, als ich den Spielfluss ansprach. Mir fehlt bei aller Präzision ein wenig der „große Atem“, das Geschlossene. Als leidenschaftlich oder emotional würde ich die Aufnahme nicht bezeichnen, im Gegenteil: Ich empfinde sie - bei aller Dramatik, die ich eben als kalkuliert empfinde - eher als akademisch.
Das muss alles nicht stimmen, vielleicht steht mir meine Voreingenommenheit bzgl. Harnoncourt einfach im Wege. Auf mich wirken seine Aufnahmen häufig harsch und unschön (etwa im Sinne von unästhetisch), weshalb ich ihn eigentlich meide.
Gruß, Cosima :)
nikolaus (30.09.2007, 10:17): Danke, Cosima.
Jetzt habe ich verstanden, was du meinst und kann es teilweise auch nachvollziehen.
von der Schubert-Aufnahme muit Karajan (EMI) hat bisher noch keiner geschreben. Sie wurde lediglich bei der Aufzählung der GA genannt.
:) Karajan bietet eine sehr in die Tiefe gehende Interpretation der Schubert-Sinfonien, die das Vorbild Beethoven nicht vernachlässigt und deutlich spüren läßt. Nachdem ich die GA hatte war für mich klar, dass ich keine andere Aufnahme mehr brauche. - außer den Sinfonien Nr.8 und 9 mit Szell (SONY) als Einzel-CD. Aber auch hier steht Karajan ihm in Tiefe und Dramatik kaum nach.
Die Sinfonie Nr.9 mit Karajan (DG) ist eine Interpretation aus Chrom und Stahl, die wird vielen nicht gefallen, da Karajan auch die "himlischen Länen" sportlich verkürzt (keine Beachtung der Wiederholungszeichen). Ich bin warcheinlich einer der wenigen, dem dies allerdings gefällt, da mir dies deutlich angenehemr ist, al die Jochum-Aufnahme mit der ich diese Sinfonie Nr.9 kennenlernte und die mir dort zu langatmig war. Erst mit Karajan konnte ich an dem Werk gefallen finden.
Die EMI-Aufnahmen sind derzeit in zwei Doppel-CD´s eingeteilt. Ich habe noch die EMI-4CD-Box, die nicht mehr im Handel ist.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2937009.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2613446.jpg Karajan / Berliner PH EMI, 1975-1977, ADD
ab (08.10.2007, 11:01): Original von Cosima
m.E. wirken durch diese Akzentuierung die Sätze in sich nicht mehr so recht geschlossen (wobei sich das grundsätzlich ja nicht ausschließen muss). Das meinte ich, als ich den Spielfluss ansprach. Mir fehlt bei aller Präzision ein wenig der „große Atem“, das Geschlossene. Als leidenschaftlich oder emotional würde ich die Aufnahme nicht bezeichnen, im Gegenteil: Ich empfinde sie - bei aller Dramatik, die ich eben als kalkuliert empfinde - eher als akademisch.
Das muss alles nicht stimmen, vielleicht steht mir meine Voreingenommenheit bzgl. Harnoncourt einfach im Wege. Auf mich wirken seine Aufnahmen häufig harsch und unschön (etwa im Sinne von unästhetisch), weshalb ich ihn eigentlich meide.
Liebe Cosima,
es tut mir leid, dass sich meine Empfehlung für Dich als Fehlkauf entpuppt hat. Gegen Geschmack lässt sich natürlich nichts argumentativ vorbringen. Ich gebe nur zu Bedenken, dass womöglich ein anderer Blickpunkt ein anderes Hörerlebnis vermittel könnte...
Ich selbst finde diese Aufnahme ganz besonders geschlossen, finde einen "großen Atem", finde sie als höchst emotional und alles andere als akademisch. Dies scheint allem dem, was Du schreibst, zu widersprechen. Und wenn dem so wäre, hieße das, dass sich (zumindest) einer von uns beiden irren muss. Das entgegen aber nehme ich nicht an, dass wir uns widersprechen (müssen); aber das Impliziert dann die Annahme, dass wir mit allen diese genannten Dinge uns auf unterscheidliche Aspekte beziehen.
Ich weiß, dass Dir der "Spielfluss" so wichtig ist. Spielfluss kann aber unterschiedlich ausfallen: Er kann entweder vorwärtsdrängend sein, gleichsam romantisch ("Dort wo ich nicht bin, da ist das Glück."); er kann gleichsam poetisch, klassisch stehend in Ruhe gehalten werden; oder aber der Fluß ist zurückgewandt, gleichsam lyrisch forschend nach innern gerichtet. Ich vermute, dass Du mit "Spielfluss" etwas in erster genannter Hinsicht meinst, was ich auch daraus schließe, dass Du gerne dramatische und kräftige Itnerpretationen à la frühen Richter schätzt, wo dies hervorstechend ist.
Hört man hingegen Harnoncourt nicht in Erwartung eines solchen vorwärtsdrängenden Flusses, was oft mit Betonung der Pharsenenden und einem Drang auf das hintere , später Folgende verbunden ist, sondern eher so wie die deutsche Sprache, die ihre Betonung auf dem Satzanfang (der zweiten Silbe) hat, dann ergibt sich ein ganz anderer Musikfluss. Und genau sein solcher ist bei Harnoncourt gegeben. Aus Sicht des vorwärtsdrängenden Spielflusses hat dies oft bloß den Anschein als wäre die Musik stehend. Aber so, wie man bei den berühmten Vexierbilder wie dem Hase/Ente: http://www.optikveit.de/opt_t/bilder/hase_ente.jpg entweder eine Ente oder aber einen Hasen sehen kann, so erschließt sich der Spielfluss ganz anders, wenn man die Beachtung dem "klassischen", zweiten von mir geannnten Spielfluss schenkt. Hier ergibt sich eine "großer Atem" eher in Hinblick auf ein tiefes Luftholen als (wie beim Laufen) auf ein flacheres, schnelles zusammenhängendes Atmen. Das ist ein völlig anderer Fluss - und hängt - wie man leicht bei Selbstbeobachtung bemerken kann - mit ganz anderen Emotionen zusammen. Die dabei notwendigen Enspannungsmomente fehlen hingegen beim vorwärtsdrängenden Fluss. Dies heißt aber nicht, dass der "Zusammenhang" fehlt, sondern es ist nur ein ganz anderer Zusammenhang.
Mich würde sehr interessieren, ob sich Dir in einer solchen anderen Höreinstellung womöglich die Harnoncoursche Interpretation anders und neu erschließt. (Was natürlich nicht heißt, dass sie dadurch Deinem Geschmack auf einmal mehr entspricht...)
Szell kenne ich überigens leider nicht. C.Kleiber, der den vorwärtsdrängenden Spielfluss hat, mag ich persönlich weniger als zB Abbado mit dem Europäischem Kammerorchester.
Cosima (08.10.2007, 17:03): Lieber ab,
das sind interessante Einwände. Gib mir ein wenig Zeit – ich werde Deine Beobachtungen für mich überprüfen.
Ich vermute, dass Du mit "Spielfluss" etwas in erster genannter Hinsicht meinst, was ich auch daraus schließe, dass Du gerne dramatische und kräftige Itnerpretationen à la frühen Richter schätzt, wo dies hervorstechend ist.
Zum Vergleich: Welche Pianisten mit welchem Werk würdest Du den anderen Spielfluss-Varianten zuordnen? Wäre Koroliov solch ein Beispiel?
Gruß, Cosima
ab (08.10.2007, 17:27): Original von Cosima Lieber ab,
das sind interessante Einwände. Gib mir ein wenig Zeit – ich werde Deine Beobachtungen für mich überprüfen.
Ich vermute, dass Du mit "Spielfluss" etwas in erster genannter Hinsicht meinst, was ich auch daraus schließe, dass Du gerne dramatische und kräftige Itnerpretationen à la frühen Richter schätzt, wo dies hervorstechend ist.
Zum Vergleich: Welche Pianisten mit welchem Werk würdest Du den anderen Spielfluss-Varianten zuordnen? Wäre Koroliov solch ein Beispiel?
Gruß, Cosima
Koroliov ist eher der rückwärtsgewandte, also der dritte von mir genannte, Typus.
Der Unterschied zwischen rückwärtsgewand und vorwärtsdrängend im Musikfluss entspricht beim Musikausdruck oft dem, was man lyrisch vs. dramatisch nennt.
anderes Bild zu verwenden) ähnlich wie mit dem Tanzen: Lässt man einmal die völlig unrhythmischen beiseite, so gibt es unter den rhythmisch Tanzenden den sportlichen Typus (womöglich Ausdauertyp?), immer fast etwas dem Takt fast voraus, den Typus der Tänzerin, die akurat im Zentrum des Takt (vermutlich weniger auf die Bewegung als auf die Musik konzentriert?) sowie den (vermutlich der körperbewegunsauskostenden?) Typus derjenigen, die ganz leicht verschleppend sind. Der Vorwärtsdrängende und die Rückwärtsgewandte passen beim Tanzen besser zusammen als einer von beiden mit einem akurat Mittigen, wo es immer zu leichten Unstimmigkeiten kommt. Profitänzer drillen sich immer zum sportlichen Typus, scheint mir zumindest als Laie.]
Cosima (08.10.2007, 17:35): Original von ab Koroliov ist eher der rückwärtsgewandte, also der dritte von mir genannte, Typus.
Ja, das deckt sich mit meinem Eindruck, z.B. jüngst bei seiner 2. Schostakowitsch-Sonate. Dennoch habe ich bei ihm stets das Gefühl des Geschlossenen. Ich weiß nun aber besser, wie Du es meinst und werde den Harnoncourt noch einmal unter diesen Gesichtspunkten anhören.
Vom Tanzen habe ich überhaupt keine Ahnung, so dass bei Deinem Vergleich leider mein Vorstellungsvermögen streikt.
Gruß, Cosima
ab (08.10.2007, 18:07): Original von Cosima Vom Tanzen habe ich überhaupt keine Ahnung, so dass bei Deinem Vergleich leider mein Vorstellungsvermögen streikt.
Ja, der Tanz wie das Musizieren ist eine Ausdrucksmöglichkeit, die im Alltag langsam verkümmert... :P
sorry, ein weiteres Bild habe ich gerade nicht zur Hand.
nikolaus (08.10.2007, 20:43): Original von ab Original von Cosima Vom Tanzen habe ich überhaupt keine Ahnung, so dass bei Deinem Vergleich leider mein Vorstellungsvermögen streikt.
Ja, der Tanz wie das Musizieren ist eine Ausdrucksmöglichkeit, die im Alltag langsam verkümmert... :P
sorry, ein weiteres Bild habe ich gerade nicht zur Hand.
Schön bemerkt! Ich finde das ehrlich gesagt zum :I (das Bild passt doch!!)
Nikolaus.
Zelenka (09.10.2007, 17:24): Original von Cosima An ab und Zelenka:
Leider kann ich Eure Begeisterung für die Harnoncourt-Aufnahme nicht teilen. Ich habe sie nun mehrmals gehört, heute auch noch einmal mit allen vorhandenen Aufnahmen verglichen. Was die Unvollendete angeht, bleibt es dabei: Szell ist mit deutlichem Vorsprung vor C. Kleiber mein derzeitiger Favorit.
Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich bei Harnoncourt stört. Sie ist mir vielleicht zu trocken und nüchtern, ohne schönen Spielfluss und Spannung. Ich mag aber generell Harnoncourts Aufnahmen nicht so sehr, sie klingen mir immer etwas kalkuliert.
Inzwischen habe ich mich übrigens für die Colin Davis-GA entschieden, ohne vorher reinzuhören. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Orchester und dem Dirigenten gemacht, der Preis ist auch in Ordnung – da kann also kaum etwas schief gehen. - Ich werde berichten...
Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Ich weiß nicht recht, ob wir unbedingt mit verschiedenen Arten von Spielflüssen operieren müssen oder mit Hasen und Enten: Harnoncourt geht einen sehr eigenen Weg, um nicht zu sagen einen eigenartigen Weg, den ich schon sehr interessant finde und als unbedingt hörenswert erachte. Harnoncourt ist zuweilen abrupt und beruft sich dabei auf Schuberts Manuskript. Das typische Schubertsche Fließen wird also bewußt immer wieder ein wenig unterbrochen. Ganz ähnlich wie Furtwängler akzentuiert Harnoncourt zuweilen sehr kräftig, ab hat schon auf die Parallele hingewiesen. Möglicherweise störend ist auch eine gewisse Überbetonung der Bläser aller Couleur auf Kosten der Streicher, die in der Harnoncourt-GA allgemein eher ein wenig stiefmütterlich behandelt werden. Allgemein kommt in dieser "Unvollendeten" eine sicher ganz gewollte Kälte und Düsternis hinzu, auch eine gewisse Monumentalität - letzteres wieder ähnlich wie bei Furtwängler. Harnoncourts symphonischer Schubert ist eben nicht sonnigen Gemüts und harmlos ...
Gruß, Zelenka
Cosima (15.10.2007, 19:47): Lieber ab,
ich habe die Harnoncourt-Aufnahme noch ein paar Mal gehört. Du könntest recht haben mit dem, was Du hier schriebst….
Hört man hingegen Harnoncourt nicht in Erwartung eines solchen vorwärtsdrängenden Flusses, was oft mit Betonung der Pharsenenden und einem Drang auf das hintere , später Folgende verbunden ist, sondern eher so wie die deutsche Sprache, die ihre Betonung auf dem Satzanfang (der zweiten Silbe) hat, dann ergibt sich ein ganz anderer Musikfluss.
... aber leider kann ich – was mein Gefühl angeht – Deinen Ausführungen nicht folgen. Deine Hinweise würden schon erklären, warum mich die Interpretation irritiert und warum ich den Spielfluss und die Spannung vermisse. Aber das sagt momentan nur mein Kopf – Gefühl und Verstand wollen sich in diesem Punkt nicht die Hand reichen. (Aber vielleicht hängt dies auch nur mit der ungewohnten Perspektive zusammen.)
Inzwischen habe ich auch Sir Colin Davis mit seinem Schubert gehört. Ich meine, dass es sich um eine solide und stimmige GA handelt.
Gruß, Cosima
karajan (17.10.2007, 22:00): Original von teleton Hallo Schubert-Freunde,
von der Schubert-Aufnahme muit Karajan (EMI) hat bisher noch keiner geschreben. Sie wurde lediglich bei der Aufzählung der GA genannt.
:) Karajan bietet eine sehr in die Tiefe gehende Interpretation der Schubert-Sinfonien, die das Vorbild Beethoven nicht vernachlässigt und deutlich spüren läßt. Nachdem ich die GA hatte war für mich klar, dass ich keine andere Aufnahme mehr brauche. - außer den Sinfonien Nr.8 und 9 mit Szell (SONY) als Einzel-CD. Aber auch hier steht Karajan ihm in Tiefe und Dramatik kaum nach.
Die Sinfonie Nr.9 mit Karajan (DG) ist eine Interpretation aus Chrom und Stahl, die wird vielen nicht gefallen, da Karajan auch die "himlischen Länen" sportlich verkürzt (keine Beachtung der Wiederholungszeichen). Ich bin warcheinlich einer der wenigen, dem dies allerdings gefällt, da mir dies deutlich angenehemr ist, al die Jochum-Aufnahme mit der ich diese Sinfonie Nr.9 kennenlernte und die mir dort zu langatmig war. Erst mit Karajan konnte ich an dem Werk gefallen finden.
Die EMI-Aufnahmen sind derzeit in zwei Doppel-CD´s eingeteilt. Ich habe noch die EMI-4CD-Box, die nicht mehr im Handel ist.
Karajan / Berliner PH EMI, 1975-1977, ADD
Hallo Teleton
Deine Ausführung kann ich bestätigen denn Karajan hat einen guten Schubert hinterlassen. Auf diese Einspielung kann er stolz zurückschauen. Wenn man bedenkt das der Maestro selber sagte Schubert würde ihm nicht so liegen aber das Spiegelt sich nicht in den Aufnahmen wieder. Mir gefällt auch die Aufnahme der DGG jetzt wieder erschienen mit dem legendären Cover.
Komischer Weise hat Karajan in Konzerten nur die 8+9 Symphonie gespielt. Die anderen Symphonien niemals im Konzert. Insgesamt gab er 74 Konzerte mit Werken von Schubert das erste mal 1937 in Aachen das letzte im Februar 1989 in New York mit den Wiener Philharmonikern.
Ich höre die EMI GA auch sehr gerne habe sie auch wie du als 4er CD Box in der Karajan Edition.
LG Karajan
teleton (18.10.2007, 08:49): Hallo Karajan,
ich dachte schon nach meinem Beitrag zu den Schubert-Sinfonien mit Karajan (EMI und DG) stehe ich ganz alleine da, denn es kamen keine Antworten.
Die DG-Aufnahme der Sinfonie Nr.9 ist wirklich exrem, im Vergleich zu anderen Interpretationen, aber mir gefällt es einfach so einfach wie Dir sehr gut. Das Werk bekommt so einen spannenden Gestus, den ich bei anderen einfach nie wieder gefunden habe - Außnahme Szell (SONY), die ähnlich straff interpretiert ist.
Karajan ist bei der späteren EMI-Aufnahme der Sinfonie Nr.9 dann auch wesentlich "gemäßigter" geworden, aber auch sehr gut und dem Schubert -Vorbild Beethoven verpflichtet, was ich an der EMI-GA so bewundere.
Ich habe die alte DG-CD-Ausgabe aus der Karajan-Edition: http://ecx.images-amazon.com/images/I/61SN4R8GCML._AA240_.gif
Eine Wahnsinns-Scheibe, die bei bei einem Amazon-Anbieter für irrwitzige 3,90€ zu haben ist. Dort habe ich diese Rezension von einem Kunden gelesen, die sehr interessant ist (hier als Auszug): Das gilt in besonderer Hinsicht in bezug auf Schuberts Große C-dur-Symphonie (Nr. 9), während die "Unvollendete" eher unspektakulär, aber korrekt und klangschön gespielt wird, wenn man von der Mißachtung aller Wiederholungszeichen des Komponisten einmal absehen will. Wenn man die C-dur-Symphonie in Karajans Version hört, ist man irritiert und ratlos. Das herrliche Werk rast am Hörer vorüber wie "Lützows wilde Jagd". Hier kann man nur das schier atemberaubende Spiel der Berliner Philharmoniker bestaunen, alles andere bleibt völlig an der Oberfläche. Wem am großartigen Spiel und einer beinahe artistischen Glanzleistung eines Spitzenorchesters gelegen ist, der sollte zu dieser Aufnahme greifen, wem es aber um Schuberts letzte Symphonie geht, dem dürfte sie entbehrlich sein. Die Klangtechnik ist in beiden Fällen gut; es handelt sich um Aufnahmen von 1964 (Nr. 8) und 1968 (Nr. 9) .
In diesen Zeilen stecken nicht nur positive Worte, aber sei es drum. Die Aufnahme ist höchstinteressant.
Cosima (08.09.2007, 14:40): Hallo allerseits,
ich habe Schuberts 3. und 5., mehrere Aufnahmen der 8. (E. und C. Kleiber, Szell, Toscanini) und der 9. Sinfonie (Furtwängler, Szell). Da fehlt der Rest. Ich plane, die Lücken mit einer Gesamtaufnahme zu stopfen.
Immerseel wurde an anderer Stelle bereits genannt. Die beste Wahl? Oder gibt es andere, bessere Alternativen?
(Oder doch lieber Einzelaufnahmen?)
Vielen Dank und Gruß, Cosima
Zelenka (09.09.2007, 08:54): Liebe Cosima:
Van Immerseel dürfte hier nicht die beste Wahl sein. Wenn es eine Gesamtausgabe sein soll, dann lassen sich Löcher in Deinen Beständen recht billig und insgesamt sehr gut mit diesen Boxen stopfen:
- Goodman, THe Hanover Band, Nimbus, jetzt Brilliant
- Barenboim, Berl. Phi., CBS
- Muti, Wiener. Ph, EMI, jetzt Brilliant
- Immerseel, Anima Eterna, Sony
- Keitel, Putbus Festival O., Arte Nova
- Halasz, versch.Orch. Naxos
- Nott, Bamberger Symphoniker, Tudor
In dieser Auflistung gibt es ein Spitzenquartett: Sawallisch, Wand, Davis, Blomstedt.
Wenn es eine Gesamt-Aufnahme sein soll, plädiere ich unbedingt für die mit Herbert Blomstedt und der Staatskapelle Dresden, sie ist zur Zeit auch preisgünstig zu erwerben, Zelenka hat sie schon oben genannt.
Mit der Staatskapelle Dresden habe ich gute Erfahrungen gemacht. Die Mozart-Sinfonien unter Davis gefallen mir z.B. sehr gut.
Blomstedt oder Davis also. Der Preis sollte hier nicht ausschlaggebend sein, weil Davis über marketplace fast ebenso günstig zu erhalten ist.
Da wahrscheinlich die letzten beiden Sinfonien die interessantesten sind, würde ich meine Wahl vielleicht davon abhängig machen, welcher dieser Dirigenten sie Eurer Meinung nach „besser“ interpretierte. In einer Rezension auf amazon las ich eben, dass sich Blomstedt mit der 8. und 9. eher im „oberen Mittelfeld“ bewegen soll. Könnt Ihr das bestätigen? Und wie würdet Ihr Davis hier einschätzen?
Danke und Gruß, Cosima
Amadé (09.09.2007, 12:05): Liebe Cosima,
zur Unvollendeten gibt es eine fast neue Web-Seite in meiner homepage. Die früheren Sinfonien sind aber auch satzweise sehr interessant. Ich würde nach und nach auch mal dort reinhören, z.B. 3. D-dur mit Vater Erich Kleiber und dem Kölner RSO,viel geformter als die hochgelobte DG-Aufnahme seines Sohnes Carlos, die mir weniger gefällt. Oder die 4., was hat die für einen Schlusssatz! Auch hier gefällt mir Blomstedt sehr gut.
GRuß Bernd
ab (09.09.2007, 12:40): Liebe Cosima,
ich empfehle wärmstens: Kertesz, Wiener Ph., Decca!
Schubert (und Bruckner) ohne Philharmonikerklang ist immer eine Einbuße - doch dies ist sicher noch der geringst Grund für mein Anpreisen dieser Box!
Solltes Du auf Einzelaufnahmen setzten wollen, höre Dir doch unbedingt - trotz Kleibers, Szell, Toscanini - auch noch die mit Harnoncourt :down :down :down und dem Concertgebouw an (aber ja nicht versehentlich den frühen, öden Mitschnitt mit den Wiener Symphonikern erwischen!) .
Ich teile die Einschätzung Zelenkas, dass Immerseel hier nicht die beste Wahl ist.
Zelenka (09.09.2007, 13:09): Original von Cosima
Da wahrscheinlich die letzten beiden Sinfonien die interessantesten sind, würde ich meine Wahl vielleicht davon abhängig machen, welcher dieser Dirigenten sie Eurer Meinung nach „besser“ interpretierte. In einer Rezension auf amazon las ich eben, dass sich Blomstedt mit der 8. und 9. eher im „oberen Mittelfeld“ bewegen soll. Könnt Ihr das bestätigen? Und wie würdet Ihr Davis hier einschätzen?
Danke und Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Blomstedt und Davis bewegen sich beide mit den letzten beiden Symphonien wenigstens im unteren Spitzenfeld. Davis ist vielleicht in der 9. ein wenig zu zurückhaltend, um nicht zu sagen lahm. Da müßten etwas mehr Dynamik und mehr Tempo kommen, gerade im Finale, das Harnoncourt sehr schön hinbekommt. Harnoncourt ist, entgegen ab (pardon!), vielleicht insgesamt aber nicht so großartig.
Gruß, Zelenka
Poztupimi (09.09.2007, 13:13): Original von ab Liebe Cosima,
ich empfehle wärmstens: Kertesz, Wiener Ph., Decca!
Ich teile die Einschätzung Zelenkas, dass Immerseel hier nicht die beste Wahl ist.
Lieber ab,
diese Aufnahme habe ich letzte Woche als LP-Box mit einer kleinen Sammlung weiterer LPsübernommen und bisher lediglich die 4. und 5 gehört. Während mir die 5 eigentlich ganz gut gefallen hat, fand ich die 4 doch etwas - wie soll ich sagen - dick aufgetragen. Aber das mag daran liegen, daß ich nicht immer den großen Orchesterklang bevorzuge. Aber ich hatte bisher auch immer mal mit dem Gedanken gespielt, mir die Box zuzulegen, um einen kompletten Zyklus zu besitzen. Also kann ich jetzt so nach und nach mal alle hören. Und dann mal sehen, ob der für mich gemischte Eindruck erhalten bleibt oder ich dem immer wieder geäußerten Lob bzw. der Begeisterung folgen kann.
@Cosima
ob konservativ, schal oder hausbacken, dazu ist mein bisheriger Höreindruck doch noch zu kurz. Vielleicht schaffe ich es ja mal, sie beim weiteren Hören mit den Einzelaufnahmen, die ich sonst so besitze, zu vergleichen und dann dazu was zu schreiben.
Viele Grüße, Wolfgang
Cosima (09.09.2007, 14:19): Original von ab ich empfehle wärmstens: Kertesz, Wiener Ph., Decca!
Schubert (und Bruckner) ohne Philharmonikerklang ist immer eine Einbuße - doch dies ist sicher noch der geringst Grund für mein Anpreisen dieser Box!
Ja, das ist auch ein Argument…
Ich überlege gerade, wie ich Schubert am liebsten hören mag. Die Wiener Philharmoniker unter Carlos Kleiber finde ich schon sehr gut (gerade läuft die „Unvollendete“). Also vielleicht doch die Gesamtaufnahme mit Kertész? Ich glaube, dass Schubert ein großer Orchesterklang zugute kommt. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn hier etwas „dick aufgetragen“ wird (wie Wolfgang schrieb) bzw. wuchtig / dramatisch gespielt wird.
Andererseits spielt die Staatskapelle Dresden unter Davis sehr klangschön. Hier habe ich nochmals in die „Prager“ kurz reingehört. Aber Mozart ist eben auch nicht Schubert…
Bei Harnoncourt bin ich generell etwas skeptisch. Eigentlich hörte ich noch nichts von ihm, was mir wirklich rundum gefallen hätte.
Ich fürchte, es wird mir nichts anderes übrig bleiben, als im Laden in alle drei Gesamtaufnahmen reinzuhören.
Danke und Gruß, Cosima
Amadé (09.09.2007, 16:26): Hallo Forianer,
bei der Empfehlung der Wiener Philharmoniker sollte man auch auf die Wiener Oboe hinweisen. Diese ist bekanntlich sehr hell - auch wenn in den letzten Jahren ihr Klang etwas eingedunkelt ist. Im 2. Satz spielt die Oboe zweimal abwechselnd mit der Klarinette ein längeres Solo. Das klingt viel schöner mit einem pastoser, wärmer klingenden Instrument, wie es z. B. in Deutschland Verwendung findet. Ihr solltet diese Stelle mal mit einer Aufnahme der Wiener Philharmoniker und die eines deutschen Orchesters vergleichen. Ich persönlich finde den Unterschied enorm.
Anderseits lässt sich jedoch einwenden, dass Schubert ein Wiener war. Aber wir wissen nicht, wie er zu Entwicklung von Instrumenten, außer dem KLavier, stand.
Gruß Bernd
Zelenka (09.09.2007, 17:52): Original von Amadé bei der Empfehlung der Wiener Philharmoniker sollte man auch auf die Wiener Oboe hinweisen. Diese ist bekanntlich sehr hell - auch wenn in den letzten Jahren ihr Klang etwas eingedunkelt ist.
Mit Erstaunen sah ich, daß es eine "Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe" gibt mit eigener Website hier. Es gibt dort sogar ein Forum nur zur Wiener Oboe ...
Ein Zitat aus dem "Journal der Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe" (10/2001), das belegt, daß die Wiener Oboe ursprünglich aus Dresden stammt und zu Schuberts Zeiten keinesfalls in Gebrauch war:
"Es ist ja interessant, dass die Wiener Oboe eigentlich aus der Dresdner Werkstatt (Carl) Golde (+ 1873) von Herrn Baumgärtel nach Wien (1880) gebracht wurde."
Gruß, Zelenka
Wotan (10.09.2007, 09:14): Hallo,
wie seht ihr Schuberts 9te in der Einspielung von Sir Simon Rattle mit den Berlinern?
MfG Wotan
ab (10.09.2007, 11:46): Original von Zelenka Harnoncourt ist, entgegen ab (pardon!), vielleicht insgesamt aber nicht so großartig
Pardon ist nicht nötig, denn ich bezog mich auch nicht auf die Große Sinfonie in C und schon gar nicht auf die GA, sondern nur auf die Unvollendete.
Bei der Großen überzeugten mich Furtwängler und Kertesz bislang am meisten. Interessant war einmal ein Konzertmitschnitt, den es ganz kurz bei der DG mit Gardiner gab: der schaffte es, dem Orchester seine Klangfülle auszutreiben und auf Schlankheit zu trimmen (aber in nur in dieser Hinsicht interessant). Rattle mit den Berlinern fand ich ganz schrecklich! Womöglich tue ich ihm unrecht... Gibt es eigentlich einen Große C-Dur Sinfonie mit Fritz Busch?!!!
Um noch einmal auf Harnoncourts Unvollendete mit dem Concertgebow zu kommen: Es lohnt sich, diese einmal mit der von Furtwängeler zu vergleichen! Ich war völlig überrascht über den eigentlich ähnlichen Duktus in der Musik. Harnoncourt hat natürlich das originale Notenmaterial studiert und macht die erforderliche Terassendynamik, erlaubt sich nicht die agogischen Freiheiten und außerdem betont er ntürlich den Pharasenanfang, was zwar etwas stehender, aber mehr klassich denn romantischen wirkt. Dass er schlanker spielt, braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Die GA-Frage betreffend ist bei Kertesz natürlich zu sagen, dass sie aus Ende der 60er und Anfang der 70er stammt. (Da ist noch nichts von HIP zu finden.) Am wenigsten dort gefällt mir übrigens die Unvollendete, am Besten die Große ich C.
Zelenka (10.09.2007, 12:56): Original von ab Original von Zelenka Harnoncourt ist, entgegen ab (pardon!), vielleicht insgesamt aber nicht so großartig
Pardon ist nicht nötig, denn ich bezog mich auch nicht auf die Große Sinfonie in C und schon gar nicht auf die GA, sondern nur auf die Unvollendete.
Um noch einmal auf Harnoncourts Unvollendete mit dem Concertgebow zu kommen: Es lohnt sich, diese einmal mit der von Furtwängeler zu vergleichen! Ich war völlig überrascht über den eigentlich ähnlichen Duktus in der Musik. Harnoncourt hat natürlich das originale Notenmaterial studiert und macht die erforderliche Terassendynamik, erlaubt sich nicht die agogischen Freiheiten und außerdem betont er ntürlich den Pharasenanfang, was zwar etwas stehender, aber mehr klassich denn romantischen wirkt. Dass er schlanker spielt, braucht wohl nicht gesagt zu werden.
Lieber ab:
Tut mir leid, ich hatte Dich mißverstanden. - Was Harnoncourts Unvollendete mit dem Concertgebouw angeht, kann ich Dir ohne weiteres zustimmen. Man sollte sie kennen!
Gruß, Zelenka
Amadé (10.09.2007, 15:15): @ ab
Ja, tatsächlich, ein Mitschnitt mit dem Dänischen RSO, das mit Fritz BUsch jahrzehntelang verbunden war. Leider wurden damal nur 3 Sätze auf die CD gebrannt, der vierte ist/war verschollen, deshalb hatte die CD auch keine Chance.
Gruß Amadé
Cosima (10.09.2007, 16:45): Nun macht Ihr mich doch neugierig auf Harnoncourt und seine Unvollendete! Diese hier, nicht wahr?!
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4940876.jpg
Für 5,99 Euro würde ich das Wagnis eingehen, trotz meiner Harnoncourt-Vorbehalte.
Gruß, Cosima
Zelenka (10.09.2007, 16:51): Original von Cosima Nun macht Ihr mich doch neugierig auf Harnoncourt und seine Unvollendete! Diese hier, nicht wahr?!
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4940876.jpg
Für 5,99 Euro würde ich das Wagnis eingehen, trotz meiner Harnoncourt-Vorbehalte.
Gruß, Cosima
Genau diese mit dem Concertgebouw! Und manchmal zahlt man noch weniger ...
Gruß, Zelenka
ab (11.09.2007, 09:12): Original von Zelenka Genau diese mit dem Concertgebouw! Und manchmal zahlt man noch weniger ...
Leider mit der fünten Sinfonie statt mit der ersten und zweiten gepaart.
Zelenka (11.09.2007, 18:27): Original von ab Original von Zelenka Genau diese mit dem Concertgebouw! Und manchmal zahlt man noch weniger ...
Leider mit der fünten Sinfonie statt mit der ersten und zweiten gepaart.
Die Paarung mit der 1. und 2. Symphonie sehe ich nicht angeboten. Vielleicht kauft man am besten für um die EUR 20 gleich Harnoncourts ganzen wenig sonnigen Schubert-Zyklus.
Gruß, Zelenka
ab (11.09.2007, 21:09): Original von Zelenka Vielleicht kauft man am besten für um die EUR 20 gleich Harnoncourts ganzen wenig sonnigen Schubert-Zyklus.
ich würde es nicht mehr tun...
Cosima (29.09.2007, 19:35): An ab und Zelenka:
Leider kann ich Eure Begeisterung für die Harnoncourt-Aufnahme nicht teilen. Ich habe sie nun mehrmals gehört, heute auch noch einmal mit allen vorhandenen Aufnahmen verglichen. Was die Unvollendete angeht, bleibt es dabei: Szell ist mit deutlichem Vorsprung vor C. Kleiber mein derzeitiger Favorit.
Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich bei Harnoncourt stört. Sie ist mir vielleicht zu trocken und nüchtern, ohne schönen Spielfluss und Spannung. Ich mag aber generell Harnoncourts Aufnahmen nicht so sehr, sie klingen mir immer etwas kalkuliert.
Inzwischen habe ich mich übrigens für die Colin Davis-GA entschieden, ohne vorher reinzuhören. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Orchester und dem Dirigenten gemacht, der Preis ist auch in Ordnung – da kann also kaum etwas schief gehen. - Ich werde berichten...
Gruß, Cosima
nikolaus (29.09.2007, 20:32): Original von Cosima
Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich bei Harnoncourt stört. Sie ist mir vielleicht zu trocken und nüchtern, ohne schönen Spielfluss und Spannung. Ich mag aber generell Harnoncourts Aufnahmen nicht so sehr, sie klingen mir immer etwas kalkuliert.
Gruß, Cosima
Entschuldigung, wenn ich mich einmische. Aber mich würde interessieren: spürst du gar keine Leidenschaft in Harnoncourts Musik? Ich gehöre sicher nicht zu den Harnoncourt-Hörigen, aber dennoch schätze ich beim ihm eine Art von Emotionalität. Dieses Wort widerspricht jetzt total deiner Einschätzung, deshalb frage ich.
Herzliche Grüße, Nikolaus.
Cosima (30.09.2007, 10:02): Lieber Nikolaus,
das ist IMO schon eine gute Aufnahme, gleichwohl mag ich sie nicht. Die Herausarbeitung der Details ist interessant und lässt aufhorchen, aber m.E. wirken durch diese Akzentuierung die Sätze in sich nicht mehr so recht geschlossen (wobei sich das grundsätzlich ja nicht ausschließen muss). Das meinte ich, als ich den Spielfluss ansprach. Mir fehlt bei aller Präzision ein wenig der „große Atem“, das Geschlossene. Als leidenschaftlich oder emotional würde ich die Aufnahme nicht bezeichnen, im Gegenteil: Ich empfinde sie - bei aller Dramatik, die ich eben als kalkuliert empfinde - eher als akademisch.
Das muss alles nicht stimmen, vielleicht steht mir meine Voreingenommenheit bzgl. Harnoncourt einfach im Wege. Auf mich wirken seine Aufnahmen häufig harsch und unschön (etwa im Sinne von unästhetisch), weshalb ich ihn eigentlich meide.
Gruß, Cosima :)
nikolaus (30.09.2007, 10:17): Danke, Cosima.
Jetzt habe ich verstanden, was du meinst und kann es teilweise auch nachvollziehen.
von der Schubert-Aufnahme muit Karajan (EMI) hat bisher noch keiner geschreben. Sie wurde lediglich bei der Aufzählung der GA genannt.
:) Karajan bietet eine sehr in die Tiefe gehende Interpretation der Schubert-Sinfonien, die das Vorbild Beethoven nicht vernachlässigt und deutlich spüren läßt. Nachdem ich die GA hatte war für mich klar, dass ich keine andere Aufnahme mehr brauche. - außer den Sinfonien Nr.8 und 9 mit Szell (SONY) als Einzel-CD. Aber auch hier steht Karajan ihm in Tiefe und Dramatik kaum nach.
Die Sinfonie Nr.9 mit Karajan (DG) ist eine Interpretation aus Chrom und Stahl, die wird vielen nicht gefallen, da Karajan auch die "himlischen Länen" sportlich verkürzt (keine Beachtung der Wiederholungszeichen). Ich bin warcheinlich einer der wenigen, dem dies allerdings gefällt, da mir dies deutlich angenehemr ist, al die Jochum-Aufnahme mit der ich diese Sinfonie Nr.9 kennenlernte und die mir dort zu langatmig war. Erst mit Karajan konnte ich an dem Werk gefallen finden.
Die EMI-Aufnahmen sind derzeit in zwei Doppel-CD´s eingeteilt. Ich habe noch die EMI-4CD-Box, die nicht mehr im Handel ist.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2937009.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2613446.jpg Karajan / Berliner PH EMI, 1975-1977, ADD
ab (08.10.2007, 11:01): Original von Cosima
m.E. wirken durch diese Akzentuierung die Sätze in sich nicht mehr so recht geschlossen (wobei sich das grundsätzlich ja nicht ausschließen muss). Das meinte ich, als ich den Spielfluss ansprach. Mir fehlt bei aller Präzision ein wenig der „große Atem“, das Geschlossene. Als leidenschaftlich oder emotional würde ich die Aufnahme nicht bezeichnen, im Gegenteil: Ich empfinde sie - bei aller Dramatik, die ich eben als kalkuliert empfinde - eher als akademisch.
Das muss alles nicht stimmen, vielleicht steht mir meine Voreingenommenheit bzgl. Harnoncourt einfach im Wege. Auf mich wirken seine Aufnahmen häufig harsch und unschön (etwa im Sinne von unästhetisch), weshalb ich ihn eigentlich meide.
Liebe Cosima,
es tut mir leid, dass sich meine Empfehlung für Dich als Fehlkauf entpuppt hat. Gegen Geschmack lässt sich natürlich nichts argumentativ vorbringen. Ich gebe nur zu Bedenken, dass womöglich ein anderer Blickpunkt ein anderes Hörerlebnis vermittel könnte...
Ich selbst finde diese Aufnahme ganz besonders geschlossen, finde einen "großen Atem", finde sie als höchst emotional und alles andere als akademisch. Dies scheint allem dem, was Du schreibst, zu widersprechen. Und wenn dem so wäre, hieße das, dass sich (zumindest) einer von uns beiden irren muss. Das entgegen aber nehme ich nicht an, dass wir uns widersprechen (müssen); aber das Impliziert dann die Annahme, dass wir mit allen diese genannten Dinge uns auf unterscheidliche Aspekte beziehen.
Ich weiß, dass Dir der "Spielfluss" so wichtig ist. Spielfluss kann aber unterschiedlich ausfallen: Er kann entweder vorwärtsdrängend sein, gleichsam romantisch ("Dort wo ich nicht bin, da ist das Glück."); er kann gleichsam poetisch, klassisch stehend in Ruhe gehalten werden; oder aber der Fluß ist zurückgewandt, gleichsam lyrisch forschend nach innern gerichtet. Ich vermute, dass Du mit "Spielfluss" etwas in erster genannter Hinsicht meinst, was ich auch daraus schließe, dass Du gerne dramatische und kräftige Itnerpretationen à la frühen Richter schätzt, wo dies hervorstechend ist.
Hört man hingegen Harnoncourt nicht in Erwartung eines solchen vorwärtsdrängenden Flusses, was oft mit Betonung der Pharsenenden und einem Drang auf das hintere , später Folgende verbunden ist, sondern eher so wie die deutsche Sprache, die ihre Betonung auf dem Satzanfang (der zweiten Silbe) hat, dann ergibt sich ein ganz anderer Musikfluss. Und genau sein solcher ist bei Harnoncourt gegeben. Aus Sicht des vorwärtsdrängenden Spielflusses hat dies oft bloß den Anschein als wäre die Musik stehend. Aber so, wie man bei den berühmten Vexierbilder wie dem Hase/Ente: http://www.optikveit.de/opt_t/bilder/hase_ente.jpg entweder eine Ente oder aber einen Hasen sehen kann, so erschließt sich der Spielfluss ganz anders, wenn man die Beachtung dem "klassischen", zweiten von mir geannnten Spielfluss schenkt. Hier ergibt sich eine "großer Atem" eher in Hinblick auf ein tiefes Luftholen als (wie beim Laufen) auf ein flacheres, schnelles zusammenhängendes Atmen. Das ist ein völlig anderer Fluss - und hängt - wie man leicht bei Selbstbeobachtung bemerken kann - mit ganz anderen Emotionen zusammen. Die dabei notwendigen Enspannungsmomente fehlen hingegen beim vorwärtsdrängenden Fluss. Dies heißt aber nicht, dass der "Zusammenhang" fehlt, sondern es ist nur ein ganz anderer Zusammenhang.
Mich würde sehr interessieren, ob sich Dir in einer solchen anderen Höreinstellung womöglich die Harnoncoursche Interpretation anders und neu erschließt. (Was natürlich nicht heißt, dass sie dadurch Deinem Geschmack auf einmal mehr entspricht...)
Szell kenne ich überigens leider nicht. C.Kleiber, der den vorwärtsdrängenden Spielfluss hat, mag ich persönlich weniger als zB Abbado mit dem Europäischem Kammerorchester.
Cosima (08.10.2007, 17:03): Lieber ab,
das sind interessante Einwände. Gib mir ein wenig Zeit – ich werde Deine Beobachtungen für mich überprüfen.
Ich vermute, dass Du mit "Spielfluss" etwas in erster genannter Hinsicht meinst, was ich auch daraus schließe, dass Du gerne dramatische und kräftige Itnerpretationen à la frühen Richter schätzt, wo dies hervorstechend ist.
Zum Vergleich: Welche Pianisten mit welchem Werk würdest Du den anderen Spielfluss-Varianten zuordnen? Wäre Koroliov solch ein Beispiel?
Gruß, Cosima
ab (08.10.2007, 17:27): Original von Cosima Lieber ab,
das sind interessante Einwände. Gib mir ein wenig Zeit – ich werde Deine Beobachtungen für mich überprüfen.
Ich vermute, dass Du mit "Spielfluss" etwas in erster genannter Hinsicht meinst, was ich auch daraus schließe, dass Du gerne dramatische und kräftige Itnerpretationen à la frühen Richter schätzt, wo dies hervorstechend ist.
Zum Vergleich: Welche Pianisten mit welchem Werk würdest Du den anderen Spielfluss-Varianten zuordnen? Wäre Koroliov solch ein Beispiel?
Gruß, Cosima
Koroliov ist eher der rückwärtsgewandte, also der dritte von mir genannte, Typus.
Der Unterschied zwischen rückwärtsgewand und vorwärtsdrängend im Musikfluss entspricht beim Musikausdruck oft dem, was man lyrisch vs. dramatisch nennt.
anderes Bild zu verwenden) ähnlich wie mit dem Tanzen: Lässt man einmal die völlig unrhythmischen beiseite, so gibt es unter den rhythmisch Tanzenden den sportlichen Typus (womöglich Ausdauertyp?), immer fast etwas dem Takt fast voraus, den Typus der Tänzerin, die akurat im Zentrum des Takt (vermutlich weniger auf die Bewegung als auf die Musik konzentriert?) sowie den (vermutlich der körperbewegunsauskostenden?) Typus derjenigen, die ganz leicht verschleppend sind. Der Vorwärtsdrängende und die Rückwärtsgewandte passen beim Tanzen besser zusammen als einer von beiden mit einem akurat Mittigen, wo es immer zu leichten Unstimmigkeiten kommt. Profitänzer drillen sich immer zum sportlichen Typus, scheint mir zumindest als Laie.]
Cosima (08.10.2007, 17:35): Original von ab Koroliov ist eher der rückwärtsgewandte, also der dritte von mir genannte, Typus.
Ja, das deckt sich mit meinem Eindruck, z.B. jüngst bei seiner 2. Schostakowitsch-Sonate. Dennoch habe ich bei ihm stets das Gefühl des Geschlossenen. Ich weiß nun aber besser, wie Du es meinst und werde den Harnoncourt noch einmal unter diesen Gesichtspunkten anhören.
Vom Tanzen habe ich überhaupt keine Ahnung, so dass bei Deinem Vergleich leider mein Vorstellungsvermögen streikt.
Gruß, Cosima
ab (08.10.2007, 18:07): Original von Cosima Vom Tanzen habe ich überhaupt keine Ahnung, so dass bei Deinem Vergleich leider mein Vorstellungsvermögen streikt.
Ja, der Tanz wie das Musizieren ist eine Ausdrucksmöglichkeit, die im Alltag langsam verkümmert... :P
sorry, ein weiteres Bild habe ich gerade nicht zur Hand.
nikolaus (08.10.2007, 20:43): Original von ab Original von Cosima Vom Tanzen habe ich überhaupt keine Ahnung, so dass bei Deinem Vergleich leider mein Vorstellungsvermögen streikt.
Ja, der Tanz wie das Musizieren ist eine Ausdrucksmöglichkeit, die im Alltag langsam verkümmert... :P
sorry, ein weiteres Bild habe ich gerade nicht zur Hand.
Schön bemerkt! Ich finde das ehrlich gesagt zum :I (das Bild passt doch!!)
Nikolaus.
Zelenka (09.10.2007, 17:24): Original von Cosima An ab und Zelenka:
Leider kann ich Eure Begeisterung für die Harnoncourt-Aufnahme nicht teilen. Ich habe sie nun mehrmals gehört, heute auch noch einmal mit allen vorhandenen Aufnahmen verglichen. Was die Unvollendete angeht, bleibt es dabei: Szell ist mit deutlichem Vorsprung vor C. Kleiber mein derzeitiger Favorit.
Ich kann nicht einmal genau sagen, was mich bei Harnoncourt stört. Sie ist mir vielleicht zu trocken und nüchtern, ohne schönen Spielfluss und Spannung. Ich mag aber generell Harnoncourts Aufnahmen nicht so sehr, sie klingen mir immer etwas kalkuliert.
Inzwischen habe ich mich übrigens für die Colin Davis-GA entschieden, ohne vorher reinzuhören. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Orchester und dem Dirigenten gemacht, der Preis ist auch in Ordnung – da kann also kaum etwas schief gehen. - Ich werde berichten...
Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Ich weiß nicht recht, ob wir unbedingt mit verschiedenen Arten von Spielflüssen operieren müssen oder mit Hasen und Enten: Harnoncourt geht einen sehr eigenen Weg, um nicht zu sagen einen eigenartigen Weg, den ich schon sehr interessant finde und als unbedingt hörenswert erachte. Harnoncourt ist zuweilen abrupt und beruft sich dabei auf Schuberts Manuskript. Das typische Schubertsche Fließen wird also bewußt immer wieder ein wenig unterbrochen. Ganz ähnlich wie Furtwängler akzentuiert Harnoncourt zuweilen sehr kräftig, ab hat schon auf die Parallele hingewiesen. Möglicherweise störend ist auch eine gewisse Überbetonung der Bläser aller Couleur auf Kosten der Streicher, die in der Harnoncourt-GA allgemein eher ein wenig stiefmütterlich behandelt werden. Allgemein kommt in dieser "Unvollendeten" eine sicher ganz gewollte Kälte und Düsternis hinzu, auch eine gewisse Monumentalität - letzteres wieder ähnlich wie bei Furtwängler. Harnoncourts symphonischer Schubert ist eben nicht sonnigen Gemüts und harmlos ...
Gruß, Zelenka
Cosima (15.10.2007, 19:47): Lieber ab,
ich habe die Harnoncourt-Aufnahme noch ein paar Mal gehört. Du könntest recht haben mit dem, was Du hier schriebst….
Hört man hingegen Harnoncourt nicht in Erwartung eines solchen vorwärtsdrängenden Flusses, was oft mit Betonung der Pharsenenden und einem Drang auf das hintere , später Folgende verbunden ist, sondern eher so wie die deutsche Sprache, die ihre Betonung auf dem Satzanfang (der zweiten Silbe) hat, dann ergibt sich ein ganz anderer Musikfluss.
... aber leider kann ich – was mein Gefühl angeht – Deinen Ausführungen nicht folgen. Deine Hinweise würden schon erklären, warum mich die Interpretation irritiert und warum ich den Spielfluss und die Spannung vermisse. Aber das sagt momentan nur mein Kopf – Gefühl und Verstand wollen sich in diesem Punkt nicht die Hand reichen. (Aber vielleicht hängt dies auch nur mit der ungewohnten Perspektive zusammen.)
Inzwischen habe ich auch Sir Colin Davis mit seinem Schubert gehört. Ich meine, dass es sich um eine solide und stimmige GA handelt.
Gruß, Cosima
karajan (17.10.2007, 22:00): Original von teleton Hallo Schubert-Freunde,
von der Schubert-Aufnahme muit Karajan (EMI) hat bisher noch keiner geschreben. Sie wurde lediglich bei der Aufzählung der GA genannt.
:) Karajan bietet eine sehr in die Tiefe gehende Interpretation der Schubert-Sinfonien, die das Vorbild Beethoven nicht vernachlässigt und deutlich spüren läßt. Nachdem ich die GA hatte war für mich klar, dass ich keine andere Aufnahme mehr brauche. - außer den Sinfonien Nr.8 und 9 mit Szell (SONY) als Einzel-CD. Aber auch hier steht Karajan ihm in Tiefe und Dramatik kaum nach.
Die Sinfonie Nr.9 mit Karajan (DG) ist eine Interpretation aus Chrom und Stahl, die wird vielen nicht gefallen, da Karajan auch die "himlischen Länen" sportlich verkürzt (keine Beachtung der Wiederholungszeichen). Ich bin warcheinlich einer der wenigen, dem dies allerdings gefällt, da mir dies deutlich angenehemr ist, al die Jochum-Aufnahme mit der ich diese Sinfonie Nr.9 kennenlernte und die mir dort zu langatmig war. Erst mit Karajan konnte ich an dem Werk gefallen finden.
Die EMI-Aufnahmen sind derzeit in zwei Doppel-CD´s eingeteilt. Ich habe noch die EMI-4CD-Box, die nicht mehr im Handel ist.
Karajan / Berliner PH EMI, 1975-1977, ADD
Hallo Teleton
Deine Ausführung kann ich bestätigen denn Karajan hat einen guten Schubert hinterlassen. Auf diese Einspielung kann er stolz zurückschauen. Wenn man bedenkt das der Maestro selber sagte Schubert würde ihm nicht so liegen aber das Spiegelt sich nicht in den Aufnahmen wieder. Mir gefällt auch die Aufnahme der DGG jetzt wieder erschienen mit dem legendären Cover.
Komischer Weise hat Karajan in Konzerten nur die 8+9 Symphonie gespielt. Die anderen Symphonien niemals im Konzert. Insgesamt gab er 74 Konzerte mit Werken von Schubert das erste mal 1937 in Aachen das letzte im Februar 1989 in New York mit den Wiener Philharmonikern.
Ich höre die EMI GA auch sehr gerne habe sie auch wie du als 4er CD Box in der Karajan Edition.
LG Karajan
teleton (18.10.2007, 08:49): Hallo Karajan,
ich dachte schon nach meinem Beitrag zu den Schubert-Sinfonien mit Karajan (EMI und DG) stehe ich ganz alleine da, denn es kamen keine Antworten.
Die DG-Aufnahme der Sinfonie Nr.9 ist wirklich exrem, im Vergleich zu anderen Interpretationen, aber mir gefällt es einfach so einfach wie Dir sehr gut. Das Werk bekommt so einen spannenden Gestus, den ich bei anderen einfach nie wieder gefunden habe - Außnahme Szell (SONY), die ähnlich straff interpretiert ist.
Karajan ist bei der späteren EMI-Aufnahme der Sinfonie Nr.9 dann auch wesentlich "gemäßigter" geworden, aber auch sehr gut und dem Schubert -Vorbild Beethoven verpflichtet, was ich an der EMI-GA so bewundere.
Ich habe die alte DG-CD-Ausgabe aus der Karajan-Edition: http://ecx.images-amazon.com/images/I/61SN4R8GCML._AA240_.gif
Eine Wahnsinns-Scheibe, die bei bei einem Amazon-Anbieter für irrwitzige 3,90€ zu haben ist. Dort habe ich diese Rezension von einem Kunden gelesen, die sehr interessant ist (hier als Auszug): Das gilt in besonderer Hinsicht in bezug auf Schuberts Große C-dur-Symphonie (Nr. 9), während die "Unvollendete" eher unspektakulär, aber korrekt und klangschön gespielt wird, wenn man von der Mißachtung aller Wiederholungszeichen des Komponisten einmal absehen will. Wenn man die C-dur-Symphonie in Karajans Version hört, ist man irritiert und ratlos. Das herrliche Werk rast am Hörer vorüber wie "Lützows wilde Jagd". Hier kann man nur das schier atemberaubende Spiel der Berliner Philharmoniker bestaunen, alles andere bleibt völlig an der Oberfläche. Wem am großartigen Spiel und einer beinahe artistischen Glanzleistung eines Spitzenorchesters gelegen ist, der sollte zu dieser Aufnahme greifen, wem es aber um Schuberts letzte Symphonie geht, dem dürfte sie entbehrlich sein. Die Klangtechnik ist in beiden Fällen gut; es handelt sich um Aufnahmen von 1964 (Nr. 8) und 1968 (Nr. 9) .
In diesen Zeilen stecken nicht nur positive Worte, aber sei es drum. Die Aufnahme ist höchstinteressant.
daniel5993 (12.03.2008, 21:22): Original von teleton Original von daniel5993 Gerade, als ich sah, dass Tranquillo Dvoraks 9 unter Karajan hörte, fiel mir doch sogleich die nächste TOP-Aufnahme dieses Dirigenten ein.
Dvoraks 9 unter Herbert von Karajan, 1964 Neben der Sony-Einspielung Bernstein's die für mich frischeste und auch dramatischte Neunte. Ja, einem Feuerwerk gleichkommend. :J
Eine Aufnahme, welche ich von Karajan weniger bis garnicht schätze ist: http://ecx.images-amazon.com/images/I/61SN4R8GCML._AA240_.gif Schubert Symphonie Nr.8 (1965) Schubert Symphonie Nr.9 (1969)
Ohne den nötigen Biss, ohne Herz, die Höhepunkte erschreckend schwach herrausgearbeitet. Prädikat: Langweilig :A
Hallo Daniel,
interessant, dass Du bei Dvork 9 mit Karajan von einer TOP-Aufnahme sprichst. Zahlreiche Kritiken scheinen eher eine mittelmäßige Aufnahme anzudeuten. Sicher ein Grund weshalb ich mich nie für Karajan´s Dvorak interessiert habe. Bei mir waren bei der Dvorak 9 meine CD´s mit Kondraschin, Maazel, Dohnanyi, Szell immer abolut zufreidenstellend und seit 2007 Bernstein (SONY), der den Wahnsinngipfelpunkt setzt. Damit volle Zustimmung (wie sollte es da auch anders sein) zu Bernstein.
Nicht zustimmen kann ich Dir bei Schubert 8 und 9 mit Karajan (DG). Diese DG-Platte (die später auch auf CD gekauft wurde) hat mich für Schubert 9 bekehrt. (Ich denke Dein Unmut bezieht sich auf die Sinfonie Nr.9 ?) Ich hatte zuerst Jochum und fand die Sinfonie Nr.9 recht langatmig und eher langweilig konzipiert - mit ihren "Himmlischen Längen" konnte Jochum mich nicht reizen. Erst als ich diese von Dir geschmähte Karajan-Aufnahme hörte war ich hin und weg, wie spannend Karajan seinen Job erledigt - keine Spur mehr von Langatmigkeit - die triebt er in dieser Interpretation dem Werk gehörig aus ! Es wird in vielen Kritiken bemängelt, das Karajan nicht die Wioederholungszeichen beachtet. Ich finde es gut, den diese führen für mein Empfinden zu der von mir empfundenen Langatmigkeit.
Auch die Unvollendete (DG) finde ich mit Karajan, den ich für einen hervorragenden Schubert-Dirigenten halte phänomenal gut.
Ich habe auch als einzige GA der Schubert Sinfonien die Karajan - Aufnahmen auf EMI komplett. Hier ist er bei der Sinf.Nr.9 etwas bedächtiger als auf der DG-Aufnahme, aber ebenfalls TOP. Bei Karajan ist das Schubert-Vorbild Beethoven jederzeit präsent und deshalb schätze ich die EMI-GA aller Schubert - Sinfonien sehr. Ich möchte gar keine andere besitzen !
Die EMI-Karajan-Aufnahmen gibt es derzeit als Einzel-CD´s aus dieser abgebildeten Serie zu bestellen. Noch vor einiger Zeit waren s zwei EMI-Doppel CD´s. Meine EMI-GA (4CD) ist derzeit nicht greifbar.
OT: Bei Schubert 8 und 9 ist mein Favorit Szell (SONY), der wie Karajan das Beethoven-Vorbild betont und der Nr.9 die Längen austreibt.
Guten Abend Wolfgang (teleton),
interessant, dass Du bei Dvork 9 mit Karajan von einer TOP-Aufnahme sprichst. Zahlreiche Kritiken scheinen eher eine mittelmäßige Aufnahme anzudeuten. Sicher ein Grund weshalb ich mich nie für Karajan´s Dvorak interessiert habe.
Vor schlechten Kririken würd ich mich nicht von dieser Aufnahme wegdrängen lassen. Nimm dies als eine Empfehlung von mir, da nach Bernsteins Feuerwerk (für mich) gleich danach Karajan kommt :D
Nicht zustimmen kann ich Dir bei Schubert 8 und 9 mit Karajan (DG).
Nein, auch die 8 unter Karajan sagt zu wenig aus, zu wenig stärke, intänsität, einfach zu lasch. Oder ich bin bei Schubert verwöhnt?!
Meine Lieblingsaufnahmen sind: Karl Böhm, DGG, Schubert 8 + 9, 1963, Berliner Philharmoniker Wilhelm Furtwängler, DGG, Schubert 9, Berliner Philharmoniker, 1952 Dicht gefolgt von Bernsteins Sony-Aufnahme.
Man höre diese ungeheure Dramatik, diese ungeheure Spannung, bei Karl Böhms Interpretation von Schubert 8 + 9. Allerbestes Beispiel: Satz 1 der Unvollendeten. Diese tänzelden Anfangstakte, geladen bis zum Anschlag.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947130727.jpg Symphonien Nr. 1-9, Berlin PO, Karl Böhm, 1962-1972
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028945793221.jpg Oder auch als Günstige Einzel-CD, "nur" Symphonie 8 + 9
Überhaupt klingt Böhms Schubert über alles erhaben: Böhm nimmt langsamere Tempi, ein wenig in die Breite gezogen, ein schwerwiegender Schubert, fern von Leichtigkeit, von überschwang, eher Tragisch. Der Gesamteindruck ist, dass hier ein würdevoller Schubert gespielt wird. Diese Interpretation kommt aus dem Herzen!
Nein! Bei Karajan höre ich kein Feuer, kaum Spannung, dort spühre ich keine völlige Hingabe der Musiker, des gesamten Orchesters. Kein Funke der Überspringt :( Aber vielleicht höre ich Schubert nur gern anders?!
Ich möchte gar keine andere besitzen ! Das ist traurig! :ignore Mein Rat wäre: Investiere nur 5,99 (eloquence - Reihe) in die Schubert Symphonien unter Karl Böhm. Diese 5,99. Oder besser noch, ich hab die Gesamtaufnahme, brauche daher die Eloquence - CD - Ausgabe nicht mehr. Ich überlasse sie dir gern!
Gruß Daniel
teleton (13.03.2008, 10:46): Hallo daniel,
Du hast recht, dass man bei schlechten Kritiken von Karajan-Aufnahmen vorsichtig sein sollte und sich lieber sein eigenes Urteil bilden sollte. Aber bei Dvorak hatten sich eben andere Prioritäten entwickelt, die fulminant mit bernstein endeten. Jetzt bin ich aber auch auf Karajan gespannt
:cool :D muß ich haben.
Ich bin nun icht der Riesen Schubert-Fan. Aber die Unvollendete lag mir schon immer am Herzen. Bezüglich der Bernstein-Aufnahme (CBS), die ich mit Nr.5+8 auf einer CBS-LP habe, kann ich Dir zustimmen - das war immer meine Lieblings-Unvollendete.
Das Karajan bei seinen Aufnahmen (DG und EMI) der Unvollenten da soweit von Berny entfernt ist, empfinde ich nicht so krass wie Du.
Und die Karajan Nr.9 (DG) gefällt mir durch die ungewöhnliche und völlig andere kurzweilige Sichtweise, als bei anderen Dirignten üblich, nunmal sehr gut - wie in Chrom und Stahl.
:thanks Gerne nehme ich aber Deine empfehlenden Hinweise auf Böhm zu seiner CD der Sinfonien Nr.8 und 9 (DG) auf. Die interessiert mich nun brennend, weil Du von "ungeheuerer Dramatik, geladen bis zum Anschlag" schreibst ! Mein Satz "Ich möchte gar keine andere besitzen !" bezieht sich auf die Schubert-Sinfonien - GA mit Karajan. Mit der bin ich voll zufrieden.
Bei Nr.8 und 9 schiele ich gerne auf die Konkurenz. Ich möchte Dir da meinerseits Szell (SONY) stark ans Herz legen.
daniel5993 (13.03.2008, 11:26): Guten Tag Wolfgang,
Jetzt bin ich aber auch auf Karajan gespannt
:cool :D muß ich haben. Sehr schön! Diese Aufnahme war eine meiner ersten, auf LP. Hab das Bild noch vor mir. Die Freiheitsstatue war drauf und dahinter ein Sonnenuntergang. Schon das Cover war genial. :wink
Aber die Unvollendete lag mir schon immer am Herzen. Bezüglich der Bernstein-Aufnahme (CBS), die ich mit Nr.5+8 auf einer CBS-LP habe, kann ich Dir zustimmen - das war immer meine Lieblings-Unvollendete.
Ich hab die CD mit Symphonie 8 und 9, wo ich beim Kauf großen Wert drauf gelegt hatte.
Ich möchte Dir da meinerseits Szell (SONY) stark ans Herz legen.
Die Zeit für Szell wird bei mir noch kommen. Hab die Aufnahme aber schon ins Auge gefasst http://ecx.images-amazon.com/images/I/51W22ST09SL._AA240_.jpg
Bitte schreib mal im Dvorak Thread "Aus der Neuen Welt", wie du Karajans Aufnahme gefunden hast. Ich nehm mir gleich mal Zeit und hör sie wieder.
Gruß Daniel :beer
uhlmann (13.03.2008, 14:46): ich höre seit einiger zeit mit großer freude die gesamtaufnahme mit dem orchestra of the 18th century unter frans brüggen. es handelt sich dabei um live-aufnahmen aus den frühen 90ern (1990-1996).
stärke dieser ga sind die frühen und mittleren symphonien (bis zur sechsten), die brüggen mit seinem hervorragenden orchester sprudelnd frisch und mit unerhörtem drive und elan rüberbringt. in diesen werken offenbaren sich die stärken von brüggens ansatz am deutlichsten: eher straffe tempi, spritziges orchesterspiel und gute durchhörbarkeit. besonders beeindruckend und für ein originalklang-ensemble ungewöhnlich ist der sehr gediegende und elegante orchester-sound, etwa im vergleich zu goodmans eher rustikal klingender hanover band.
auch die "große c-dur" kann gefallen. brüggen nimmt sie recht beschwingt und luftig leicht, was vor allem im andante sehr gut paßt. sicher ist das keine aufnahme für jedermann, denn es fehlt hier etwas die sonst übliche wucht. dafür findet man kaum eine besser strukturierte und durchhörbarere interpretation. schwachpunkt dieser ga ist die unvollednete, die leider zerdehnt und spannungsarm wirkt. da gibt es deutlich bessere alternativen.
bleibt als resumee: eine für originalklang-hörer sehr erfreuliche box. definitiv empfehlenswert.
ab (13.03.2008, 15:05): Pflegt Brüggen auch hier seinen eher spannungsfreien, entspannten, eher undramatischen Musizierstil? :hello
uhlmann (13.03.2008, 16:46): Original von ab Pflegt Brüggen auch hier seinen eher spannungsfreien, entspannten, eher undramatischen Musizierstil? :hello
brüggen musiziert schubert sehr natürlich, ich habe selten das gefühl, hier interpretiert einer. alles entsteht irgendwie organisch, ganz von selbst. "entspannt" könnte man das nennen, von mir aus auch "eher undramatisch", aber "spannungsfrei" sicher nicht. man nehme zb. die fünfte, die kommt direkt forsch daher, da ist ordentlich pfeffer dahinter. der stil passt imo gut zu schubert.
teleton (23.03.2008, 12:24): Hallo Karajan,
ein Wichtiger Hinweis zur Schubert-Sinfonien - GA mit Karajan (EMI):
Ich höre die EMI GA auch sehr gerne habe sie auch wie du als 4er CD Box in der Karajan Edition. Wir sprechen jetzt nur über die EMI-Karajan-GA auf vier CD´s. Sie habe ich in einer EMI-Box (wie Du).
Diese Aufnahmen wurden bei EMI später neu remastert, weil sie für das Aufnmahmedatum 1977 etwas mulmig klingen.
Die von mir abgebildete neue EMI - Version auf zwei Doppel-CD´s ist zudem (wie vorher meine LP-Ausgabe) um die Rosamunde-Ouvertüre, Ballettmusik 1 und 2 erweitert, die Karajan sehr spannend und fetzig interpretiert. Diese sind durch das neue Remastering klanglich wesentlich natürlicher und klarer geworden, wie ich mich zufällig in der Verwandschaft überzeugen konnte (denn wegen der fehlenden Rosamunde-Musik habe ich mir diese ausgeliehen :wink damit ich sie dann auch habe).
Dieser Umstand ist mir jetzt beim Vergleichshören mit der hervorragenden Böhm-Aufnahme der Sinfonien Nr.8 und 9 (DG-Eloquence), die mir daniel überlassen hat, aufgefallen.
Selbst diese Böhm - Aufnahmen von Nr.8 (DG1966) und Nr.9 (DG1963) klingen besser als die EMI-Aufnahmen 1977/78 in der 4CD-GA-Box. Da wir das Thema GA verlassen, schreibe ich dazu mehr in einem neuen Schubert-Thread zu den Sinfonien Nr.8 und 9.
:thanks Danke an daniel: Dazu später mehr im neuen Thread
- :leb Jetzt wird Ostern gefeiert - meine Tochter geht jetzt Ostereier suchen und ich halte dies Kameratechnisch fest !
kreisler (16.02.2009, 19:07): Eine Frage in die Runde:
Wer kennt eine herrausragende Interpretation der 5. Symphonie?
(die wenns geht am besten nicht mit den zwei späten Symphonien (da hab ich mit C.Kleiber und Furtwängler bereits meine Ideale gefunden), sondern etwa mit der 4. oder 1./2./6 gekoppelt ist?)
Schon schwer genug, aber es sollte halt noch dazu eine wirklich gut gelungene Aufnahme sein; Die 5. gehört zu meinen Lieblingssymphonien. Und der Muti von meiner "Mutti":D in der GA ist mir zu oberflächlich. Ich habe keine solche Cd gefunden.
Oder wäre es einfacher etwas mehr zu investieren und sich eine zweite GA anzuschaffen?
schonmal Danke im Vorraus, Kreisler
Poztupimi (16.02.2009, 22:32): Lieber Kreisler,
Muti kenne ich – trotz der günstigen Brilliant-Box – immer noch nicht, da habe ich also keine Vergleichsmöglichkeiten. In meinen Regalen findet sich u.a. die 5. mit Anima Aeterna unter Immerseel (+1 & 3) sowie mit dem Orchestra of the 18th Century unter Brüggen (+2 & 3). Mir gefallen beide inzwischen sehr gut, da aber nach meinem Eindruck gerade Immerseel und Brüggen auch hier im Forum durchaus kontrovers gesehen werden, solltest Du vielleicht mal sehen, ob die beiden GA nicht am Rathausplatz vorrätig sind (einzeln teilweise wohl nur noch gebraucht bei Amazon zu erhalten oder manchmal bei ebay). Eine relativ junge Aufnahme ist die mit den Bamberger Symphonikern unter Nott (+6.). Die kenne ich nicht, aber die der 1,3 & 7 in dieser Kombination lege ich immer wieder ein. Und ich meine mich auch an wohlwollende Kritiken in der Presse für seinen Zyklus zu erinnern.
Viel Erfolg bei der Suche, Wolfgang
kreisler (16.02.2009, 23:13): Dann schon mal vielen Dank für diese Hinweise :thanks
Die Nott CD´s habe ich schon gesehen, aber der Name sagte mir überhaupt nichts. :) Immerseel ist vielleicht ganz interessant?
Im Grunde habe ich nichts gegen HIP (ich kenne einfach wenige CD´s in dieser Richtung), bin mir da aber immer nicht ganz sicher, was gut ist, und was nur so naja. Die frühen Symphonien muss man aber natürlich sehr "leicht" spielen, keine Frage.
Des Interesses halber: Kennst du auch ältere, "romantische" Aufnahmen?
Grüße von Kreisler
Dr. Schön (17.02.2009, 07:25): Original von Amadeus Kreisler Wer kennt eine herrausragende Interpretation der 5. Symphonie?
Das große Problem dabei ist die Kopplung, weil auch meine Empfehlung mit einer 8ten gekoppelt ist:
Aber neben Einspielungen aus Gesammtaufnahmen, gefällt mir diese Bruno Walter Aufnahme bisher am besten. Gewichtige, aber nie zu schwere Darstellungen beider Symphonien. Walter's Stil ist manchmal schwer zu beschreiben. Desto weiter man zurückgeht, desto flotter, geradzu klassizistischer werden seine Aufnahmen. Später dann neigt er stärker zur Weichzeichnung bzw. betont stärker die lyrische Seite, was aber auch nicht heißt, er würde das konstruktive völlig vernachlässigen. Da es sich um Aufnahmen von 1960/1958 handelt, trifft hier eher letzteres zu, was mir bei seinem Schubert aber gefällt.
Noch lieber allerdings mag ich die frühen Schubert Sinfonien in den Einspielungen durch Herbert Blomstedt, dessen Gesammtaufnahme, hier schon manchmal genannt wurde:
Da wird recht straff zugepackt und viele Details herausgeholt. Gerade die frühen Sinfonien erfahren dadurch eine Aufwertung und andere Einspielungen die ich bis dato kannte, wirkten im Vergleich fast etwas altbacken. Blomstedts 9te finde ich hingegen nicht vollkommen geglückt (eine von 8), aber bei dem Preis kann ich hier wirklich nur raten etwaige Vorbehalte gegen einen womöglichen Kappellmeister über Bord zu werfen und zuzugreifen. :engel
teleton (17.02.2009, 10:56): Hallo Amadeus,
Du hast ja jetzt schon einige Empfehlungen erhalten. Warum soll man sich nicht noch eine GA der Schubert - Sinfonien zulegen um Vergleiche zu ziehen ? Denn bei dem (ansonsten nicht aber hier) Langweiler Muti wäre es bei Dir von nöten.
Blomstedt finde ich von Dr.Schön eine gute Empfehlung. Dieser Empfehlung würde ich auch nachkommen, wenn ich die Karajan - GA (EMI) nicht schon hätte. Ich bereichtet bereits 2007, das mich diese voll zufriedenstellt.
Du fragst nach einer herausragenden Aufnahme der Sinfonie Nr.5: Meine erste Aufnahme, damals auf CBS-LP war Berstein/New Yorker PH (CBS), die mit der Sinfonie Nr.8 gekopplet war. Beides sind Aufnahmen die bei mir einen höchst nachhaltigen Eindruck von großer Aussagekraft und Musikalität hinterlassen haben.
:engel Ich war letztes Jahr wieder sehr erfreut die Sinfonie Nr.8 mit Bernstein nach dem Kauf der SONY-CD zusammen mit der Nr.9 wiederzuhören. Die CBS-LP (mit 5+8) habe ich auch noch ! :beer Sie gehört zu meinen behaltenen LP-Raritäten.
:D :D :D Jetzt ein wahrer Witz aus meiner Jugend, den ich Euch nicht vorenthalten möchte: Mich hat damals gestört, das bei der Sinfonie Nr.5 keine Pauken Verwendung finden und konnte mir diese aber gut vorstellen. So machte ich mit der Bernstein - LP eine Tonbandaufnahme und fügte mit meiner Trommel (die ich auf Paukenhöhe stimmte) die Pauken fetzig hinzu. Eine schubertsche Blasphemie, die mich aber heute immer zum schmunzeln bringt, wenn ich an meine Jugendsünde denke.
kreisler (17.02.2009, 16:10): Danke, für die vielen Anregungen. Bei GA scheint Blomstedt ja fast die beste Wahl. Eigentlich wollte ich mir keine GA zulegen, da in den meisten die "großen Symphonien" nich so gut gelungen sind. Bei den niedrigen Preisen fällt das aber nicht so sehr ins Gewicht, dass man nur Einzelaufnahmen Kaufen müsste.
Grüße Kreisler
Poztupimi (17.02.2009, 18:41): Original von Amadeus Kreisler Dann schon mal vielen Dank für diese Hinweise :thanks
Die Nott CD´s habe ich schon gesehen, aber der Name sagte mir überhaupt nichts. :) Immerseel ist vielleicht ganz interessant?
Im Grunde habe ich nichts gegen HIP (ich kenne einfach wenige CD´s in dieser Richtung), bin mir da aber immer nicht ganz sicher, was gut ist, und was nur so naja. Die frühen Symphonien muss man aber natürlich sehr "leicht" spielen, keine Frage.
Des Interesses halber: Kennst du auch ältere, "romantische" Aufnahmen?
Grüße von Kreisler
Lieber Kreisler,
außer den oben genannten habe ich noch die eine oder andere Aufnahme mit Schuberts 5ter im Regal stehen:
Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks / Günter Wand (seine letzte Aufnahme, gekoppelt mit Bruckners 4ter) Wiener Philharmoniker / István Kertész (1-9, LPs) Camerata Academica des Mozarteums Salzburg / Sándor Végh (+6, 8 & 9) NBC Symphony Orchestra / Arturo Toscanini (+8 & 9) Berliner Philharmoniker / Karl Böhm (+8, LP) Israel Philharmonic Orchestra / Georg Solti (The First Recordings)
Ich ziehe ja vielfach einen schlankeren Orchesterklang vor, und da entspricht eigentlich nur Végh meinen Vorstellungen, wobei ich Kertesz soweit ich mich erinnere bei der 5. ganz ok fand (die anderen habe ich nach dem entäuschenden Eindruck, den die 4. auf mich gemacht hat, noch garnicht gehört). Böhm und Wand (läuft gerade) sind mir zu schwergewichtig, Toscanini habe ich erst einmal gehört und kann ebenso wie zum Solti nur noch wenig sagen, der Eindruck war wohl nicht so nachhaltig. Vielleicht nutze ich die Gelegenheit und höre sie so nach und nach noch mal durch.
Ich liebäugle immer noch mir der GA von Davis (Staatskapelle Dresden) und der unter Blomstedt (vielleicht wenn ich mit meinem Haydn-Symphonien durch bin).
Grüße, Wolfgang
kreisler (17.02.2009, 19:11): Na, das sind ja noch einige Aufnahmen! :B
Böhm schätze ich als Mozart-Dirigenten sehr, und könnte ihn mir auch ganz gut bei Schubert vorstellen. Du sagst er wäre sehr schwergewichtig? Habe ich bei ihm sonst kaum dieses Gefühl. Wenn ich mich nicht irre gibt es da auch eine GA bei DGG?
Kreisler
und nochmal danke für die ganzen Antworten hier :wink
ab (17.02.2009, 19:24): Ich empfehle sehr die bereits genannte mit den Wiener Philharmonikern unter István Kertész bei der Decca. (Bis auf die Unvollendete wahrlich ein großer Wurf!) Sehr schön wienerisch dieses Einspielungen! :engel
Da kann mir "Zäpfelkern" Blomstedt gerne gestohlen bleiben :ignore
Ein Jammer, dass dieser Dirigent so jung verstorben ist (im Jordan ertrunken). :hello
nikolaus (17.02.2009, 20:55): Original von teleton ... So machte ich mit der Bernstein - LP eine Tonbandaufnahme und fügte mit meiner Trommel (die ich auf Paukenhöhe stimmte) die Pauken fetzig hinzu.
Oh, ist die noch erhältlich? (Vielleicht ja doch Referenzsstatus, wer weiss!!)
Nikolaus. :J
teleton (18.02.2009, 10:57): Original von nikolaus Original von teleton ... So machte ich mit der Bernstein - LP eine Tonbandaufnahme und fügte mit meiner Trommel (die ich auf Paukenhöhe stimmte) die Pauken fetzig hinzu.
Oh, ist die noch erhältlich? (Vielleicht ja doch Referenzsstatus, wer weiss!!)
Nikolaus. :J
Hallo Nikolaus,
ja, das Tonband habe ich noch - aber es kann nicht für die Öffentlichkeit freigegeben werden. :D Das ist nur etwas für mich, als Pauken-Fan !
*** Aber die dazugehörige Original-Aufnahme der Schubert-Sinfonie Nr. 5 mit Bernstein / New Yorker PH kann ich nur jedem ans Herz legen. In ihrer frischen Ausstrahlung habe ich nie wieder etwas besseres besessen. Auch die CD´s mit den Sinfonien Nr.8 und 9 sind ganz große tief empfundene Interpretationen. Sie klingen auf jeden Fall sinfonisch, das Beethoven - Vorbild wahrend und sind keinesfalls auf kammermusikalische Schlkankheit gemäß Poztupimi´s intentionen angelegt.
Insofern mag ich für meinen Geschmack auch lieber die Sichtweise der Karajan-Aufnahmen und Böhm-Aufnahmen, die das Beethoven-Vorbild eindeutiger darlegen, als Aufnahmen, die Richtung HIP gehen.
OT und an ab: Zu Herbert Blomstedt Ich verstehe nicht was Du nimmer an Herbert Blomstedt auszusetzen hast ??? Das ist doch ein nobler Orchestererzieher, der immer "den goldenen Weg Mitte" mit einer detailreichen Darstellung und nicht ohne Spannung geht. Ich kenne keine Aufnahme von Blomstedt, die ich total schlecht finden würde: Hindemith, Nielsen, Sibelius, Beethoven (bes.Nr.8) alles OK. Da er dann auch noch hauptsächlich bei Decca angesiedelt ist, geht es auch klanglich bei ihm immer voll in Ordnung.
Wooster (18.02.2009, 17:31): Mag die 5. nicht besonders, aber Davis/Dresden (RCA) ist m.E. insgesamt sehr empfehlenswert. Der großartige Sound der "Wunderharfe" (Strauss) ist sehr schön eingefangen, interpretatorisch "middle of the road". Blomstedts kenne ich nicht. Böhm ist m.E. meistens langweilig, aber das sehen viele anders...
Wooster
Poztupimi (18.02.2009, 21:41): Original von Amadeus Kreisler Na, das sind ja noch einige Aufnahmen! :B
Böhm schätze ich als Mozart-Dirigenten sehr, und könnte ihn mir auch ganz gut bei Schubert vorstellen. Du sagst er wäre sehr schwergewichtig? Habe ich bei ihm sonst kaum dieses Gefühl. Wenn ich mich nicht irre gibt es da auch eine GA bei DGG?
Kreisler
und nochmal danke für die ganzen Antworten hier :wink
Die 5. läuft gerade noch einmal gerade auf meinem Plattenspieler. Was ich meine ist, daß mir insbesondere die Streicher zu viel Gewicht haben, was vielleicht dadurch bedingt ist, daß dort mögl. die voll besetzten Philharmoniker aufspielen (kann jemand was dazu sagen, vielleicht konnten sie ja auch einen derartig üppigen Klang mit nicht mehr Leuten erzeugen als Brüggen oder Immerseel). Auch wenn Brüggen und Immerseel keine Minibesetzungen aufspielen lassen, kommt mir der Klang doch eben leichter vor (kann ich irgendwie nicht besser umschreiben), was ich zumindest bei Mozart, Haydn oder auch Schubert vorziehe.
Grüße, Wolfgang
kreisler (19.02.2009, 22:52): Was diesen Klang (kleine Besetzung - große Besetzung?) angeht, ist das sicher auch etwas Geschmackssache. Aber Böhm wurde mir auch schon von Amadé abgeraten. Scheint ja wirklich etwas zu "breit" zu sein.
Ich habe mir interessehalber einmal die Cd von Günter Wand mit seinem letzten Konzert und Interwiev ausgeliehen. Diese 5. gefällt mir ganz außerordetlich! Kann jemand etwas zu seiner GA sagen? Würde mich mal interessieren...
Dr. Schön (20.02.2009, 06:20): Ich habe 3 einzele CDs aus seinem Kölner Schuber Zyklus (3,4,6,8,9) und ich mag diese sehr gerne. Man merkt das hart geprobt wurde, denn sie sind sehr perfekt ausbalanciert und phrasiert. Wand finde ich eigentlich nahezu immer ganz wunderbar, mit der Einschränkung einer gewissen manchmal etwas trockenen Nüchternheit.
Von Böhms Schubert habe ich irgendwann auch mal was gehört, aber es ist nichts hängen geblieben.
Das ist diese Aufnahme nicht? Ich habe das Gefühl, das könnte der Schubert sein, den ich suche... Wie gesagt, seine 5. hat mich überzeugt. Vielleicht ist diese Nüchternheit gar nicht so schlecht, um sich nicht auf eine Interpretationsweise festlegen zu müssen, sondern alleine um das Werk zur Geltung zu bringen. Allerdings spüre ich schon bei ihm eine Art "brucknerische Größe und besonders Wärme" (weiß nicht ob ihr versteht was ich meine).
Ich habe mal beim Ludwig Beck (in München) in die gelobte Blomstedt GA reingehört. Natürlich kann ich aus dem letzten Satz der 4. und dem Anfang der 5. kein schlussendliches Fazit über die GA ziehen, aber sehr wohl, wie ich meine, auf seinen Schubert schließen. Gleich mal vorweg: Sein Stil gefällt mir nicht besonders.
Die Interpretationen mögen oberflächlich auch musikalisch ganz richtig sein. Er hat sich sicher mit der Partitur auseinandergesetzt und auch die Phrasierung ist wohl historisch "richtig". Für mich klingt das aber zu sehr "musikantisch" und weniger nach feinem, stilvollen Dirigieren.
Die ersten Takte der 5. Symphonie (aus denen auch die Durchführung "schöpft") müssen feinsinniger Dirigiert werden. Wichtig: Man muss leise in die Symphonie hineingeleitet werden und gleichzeitig muss aber der Dirigent zeigen, dass die Musik vollkommen da ist. Das erreicht man wohl am besten durch ein gewisses "gespanntes Piano" (Beispiel: Anfang der 8. bei C. Kleiber). Das erfordert höchste Konzentration bei allen Beteiligten, (die der Hörer auch sicher spüren wird!)
Ok ,jetzt aber nicht sagen: "So, Einleitungstakte; nun das erste Thema, bitteschön..." Nein, alles muss organisch aus dem nächsten herausfließen. Überhaupt kann dieser Satz noch schneller gespielt werden. Man muss dieses Thema so natürlich wie möglich spielen, sonst passt das nicht mit der "wunderbaren Naivität" zusammen. Immer nur leicht den Taktanfang betonen und keine großen Gesten machen. (Gilt für den ganzen Satz). Besonders gestört haben mich bei Blomstedt die, wie ich finde, sehr herausgearbeiteten Bässe, die ja gewissermaßen gleich am Anfang humorvoll imitieren. in solchen Fällen fehlt mir einfach die Abgeklärtheit und das Empfinden, was am besten passt. Diese Bässe beispielsweise würden viel besser klingen, wenn sie leichter gespielt, aber dadurch etwas spitz einen Kontrast bilden würden.
Das sind furchtbar kleine Details, ich weiß. Aber sehr gute Aufnahmen liegen besonders im Detail. Allerdings: "Detailliert" nicht in dem Sinne, das alles besonders hervorgehoben wird, sondern dass alles in der Probe besprochen wurde und dann aber bei der Aufnahme nur "Detail" bleibt.
Gewiss sind das Ideale von mir bei Schubertsymphonien, die ich auch selber nie am Dirigentenpult herüberbringen könnte. Ich stütze mich da auf C. Kleiber der mit Schuberts 3. eine solche Interpretation geliefert hat. Von seiner Unvollendeten ganz zu schweigen.
lg kreisler
Dr. Schön (20.02.2009, 19:34): Original von Amadeus Kreisler Das ist diese Aufnahme nicht? Ich habe das Gefühl, das könnte der Schubert sein, den ich suche...
Ja, es ist diese und ich denke Du machst damit nichts falsch, wirst auch das wonach Du suchst eher finden. "Stilvoll" passt auch zu Günter Wand, zu seiner sich falsche Bescheidenheit versagenden etwas nüchteren Herangehensweise.
Blomstedt, da hast Du recht und ich hätte es vielleicht dazu schreiben sollen, ist kein Mann für's schön gestalltete Detail, das Gefühlige und auch kein großer Interpret (wenn man das so nennen möchte).
Auf der anderen Seite ist er sehr akurat, setzt die Werke genau um, langweilt nicht, hat exakte Vorstellungen, die er umgesetzt bekommt und hat darin eine gewisse Klasse. Zumal er mir damit langfristiger gefällt, als ich es anfangs selbst vermutet hätte.
kreisler (20.02.2009, 20:09): Ja, da bringst du es so ziemlich auf den Punkt.
Ich bin halt mit diesen großen Interpreten aufgewachsen, die aber zugegebenermaßen nicht immer richtig liegen, besonders was Werktreue - auch im Sinn von HIP und dergleichen - angeht.
Und ich will auch gar nicht Blomstedts Fähigkeiten, die du aufzählst, in Frage stellen. Aber um eine Aufnahme wirklich zu lieben reicht es da bei mir nicht.
Übrigens: Ich habe die Wand GA gerade eben gekauft, :leb und bin froh, das du meinst, dass ich da richtig liege. Zwar gebraucht, aber ich denke 21€ ist ein guter Preis.
Viele Grüße Kreisler
Amadé (20.11.2012, 20:02): Eine neue Gesamtaufnahme wird soeben angeboten:
live-Aufnahmen aus dem Wiener Konzerthaus vom März dieses Jahres.
In BR-Klassik gestern Abend lobte Friedemann Leipold vor allem die Interpretationen der frühen Sinfonien, die tatsächlich als Jugendwerke, nicht aus der Rückschau des Alters, gespielt würden. Auch die Unvollendete bekam viel Lob, dagegen falle die letzte C-dur-Sinfonie etwas ab. Die Musikbeispiele bestätigten den Eindruck.
GRuß Amadé
Wooster (20.11.2012, 21:02): Aus wessen "Rückschau des Alters" könnte man die Schubert-Sinfonien spielen wollen? Dem des Dirigenten? Bei Komposition der "späten" Sinfonien war Schubert Mitte 20 bzw. um die 30 (je nachdem, ob man die große C-Dur auf 1825 oder 1828 datiert)...
Amadé (21.11.2012, 09:18): Original von Wooster Aus wessen "Rückschau des Alters" könnte man die Schubert-Sinfonien spielen wollen? Dem des Dirigenten? Bei Komposition der "späten" Sinfonien war Schubert Mitte 20 bzw. um die 30 (je nachdem, ob man die große C-Dur auf 1825 oder 1828 datiert)...
Natürlich des Dirigenten, sonst macht das doch keinen Sinn. Als vor mehr als 50 Jahren die Gesamt-Aufnahme der Schubert-Sinfonien mit Böhm erschien, lobte die Fachwelt die Interpretationen gerade der frühen Sinfonien als eine Großtat, die Kassette wurde dann auch mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Man ignorierte dabei die bereits als Einzelaufnahmen auf dem Markt befindlichen Sinfonien mit Beecham, Beinum, Klemperer, Markevitch und Rundfunkaufnahmen mit Erich Kleiber (3. WDR und 5. SDR und NDR) u.a.. Inzwischen hat sich der Blick auf die Jungendsinfonien geändert, nicht nur wegen der HIP-Bewegung. Der sonst so fortschrittliche David Zinman bleibt in seiner Neuaufnahme mit dem Tonhalle Orchester Zürich hinter seinem sonstigen Niveau zurück, es läuft zu glatt, ohne das Besondere herauszukitzeln.
Gruß Amadé
Maurice inaktiv (14.03.2013, 20:06): Mir scheint,dass ein Dirigent entweder die frühen Sinfonien gut hinbekommt oder nur die späten.Liege ich da richtig mit meiner Einschätzung?
Ich besitze Wand,Roy Goodman,Harnoncourt,Sir Colin Davis und die Box mit den Rekonstruktionen mit Sir Neville Marriner.Marriner musiziert mir fast immer sehr "sonnig",aber durch die die Rekonstruktionen sehe ich diese Einspielung besser als vielleicht die Fangemeinde hier.
Davis hat ein fantastisches Orchester und auch klangtechnisch ist diese GA ein Höhepunkt hier bei Schubert.l
An Harnoncourt gefällt mir,dass er sich immer intensiv mit den Werken beschäftigt,und so oftmals zu Ergebnissen kommt,die teilweise gewöhnungsbedürftig sind.
Karajan mochte Schubert nicht,musste aber hier den Plattenfirmen Tribut zollen und jeweils bei EMI und der DG eine Gesamteinspielung vorlegen.Und genau so klingt es bei der DG auch.Schnell drüber-fertig.Das Ergebnis ist dann entsprechend langweilig.Nur die "Große" hatte er hin und wieder auch live gespielt,vermutlich,weil sie besser in seine Vorstellungen passte.
Eine interessante Einspielung ist jene von Naxos unter Halasz.Insgesamt gesehen ist das natürlich nicht dolle,aber die frühen Sinfonien Nr.1&2 werden hier so gespielt,wie man es vielleicht machen sollte: Als frühe Jugendwerke,frisch und zügig gespielt-Werke,die stilsitisch zwischen der Klassik und der frühen Romantik stehen....
VG,Maurice
teleton (17.03.2013, 12:25): Hallo Maurice,
Ich habe heute Deine guten und nachvollziehbaren Rezensionen zu den Brahms - Bruckner - Sinfonien gelesen.
Jetzt geht es um Schubert. Ich habe besonders bei Harnoncourt (WARNER) auch die Erfahrung gemacht, dass dort die frühen Sinfonien Nr. 1- 6 wirklich gut zurecht kommt. Mit hohem Einfühlungsvermögen und zudem mit dem angemessnen Feuer lässt er diese rüber kommen. Einzig die 4.Sätze der Sinfonien Nr.2,4,und 6 geraten ihm zu lang ausgewalzt. Die Sinfonien Nr. 8 und 9 gehören zum langweiligsten, was mit von Schubert je in den CD-Player gekommen ist. :beer Da lobe ich mir Karajan(DG) und Kertesz (Decca) ...
* Deinen Abschnitt zu Karajan habe ich mit Absicht nicht zitiert, weil ich diesen nicht für zitatwürdig halte. Ich bin ohnehin der Meinung, dass man einen Zyklus nie so ganz als Ganzes betrachten sollte, sondern die Einzelaufnahmen der werke betrachten sollte.
Mir gefallen die Karajan-Aufnahmen (EMI) insgesamt gut. Da kann überhaupt keine Rede von sein, dass Karajan Schubert nicht mag (welch ein Hohn ! ) Die GA ist von hoher Dramatik, das Vorbild Beethoven deutlich durchscheinen lassend, geprägt. Die Sinfonien Nr.3, 6, 8 und 9 könnte ich mir kaum besser vorstellen. Die inzentiert Karajan deutlich dramatischer und weniger langweilig, als seine Kollegen. :engel Bei den Sinfonien Nr.8 und 9 sind es aber die Aufnahmen (DG, 1964 und 1968, ADD) die mich durch noch mehr Biss und Kurzweiligkeit noch mehr überzeugen, als die späteren in der EMI-GA.
* Vor kurzem hat die Dvorak-Sinfonien _GA mit Kertesz bei mir grosse Freude wegen der fabelhaften Int ausgelöst. Da Kertesz wegen seines Badeunfalls leider sehr früh verstorben ist, habe ich mich entschlossen weiteres von Kertesz kenne zu lerenen - dazu gehören die Brahms-Sinfonien (mit den Serenaden 1 +2), die Bruckner 4 und auch die GA der Schubert-Sinfonien mit den Wiener PH. Inzwischen habe ich fast alle Werke der Box durchgehört und meine grosse positive Überraschung (wie bei Dvorak) finde ich ich auch hier wieder. Absolut glänzend was dieser grosse Vollblutmusiker Kertesz hier abblieferte. Der Sinfonie Nr.9 hatte ich an anderer Stelle bereits karajansches Format bescheinigt (auch wenn einige die Karajan-Schubert 9 auf DG wegen ihrem exponierten straffen Zugriff gar nicht mögen). Ich hätte auch szellsches Format schreiben können, denn das hätte es auch getroffen, denn alle Drei haben gemeinsam, das die Längen der Sinfonie nicht zu sehr strapaziert wird und das werk durch die straffe Int viel kurzweiliger wirkt - ich find es so Megaklasse ! *** Szell gehört nach Karajan (DG) zu meinem zweiten Favoriten für die Sinfonien Nr. 8 und 9.
Bei Kertesz habe ich auch keinesfalls das Gefühl, das er bei den frühen Sinfonien besser oder schlechter zurecht käme, als bei den beiden Späten. Das iust eine grossartige von dramatischer Spannweite getragende GA, die sich auch klanglich in gewohnten analogen decca-Sound bestens sehen und hören lassen kann. Einzig die Sinfonie Nr.3 hätte noch mehr "schmackes" vertragen können; eben genau so wie dies Karajan bereits von den ersten Takten an in seiner EMI-Aufnahme macht.
Ich habe vor einiger zeit im TV eine DOKU über George Pretre gesehen. Da war ein hochdramatischer Ausschnitt von Schubert Sinf.Nr.3-Anfang gezeigt worden - absolute Gänsehaut. Nur bei Karajan (EMI) habe ich diesen dramatischen Anfang ähnlich packend wiedergehört - alles andere empfinde ich bei seinen Kollegen als softgesäusel.
Die Abb zu der Kertesz-GA liefere ich im folgenden Beitrag.
teleton (17.03.2013, 12:45): Hier die im Vorbeitrag versprochene Abb der Kertesz-GA,die neben den Sinfonien auch Neuland für mich beinhaltetete - die Ouvertüren "Des Teufels lustschloss" und "Fierabras" sind wunderbare Stücke, von denen man bisher viel zu wenig wahrgenommen hat.
Ausserdem ist die Ouvertüre im italienischen Stil D591 enthalten , die ich bereits aus der TOP-Karajan - GA (EMI) kenne.
Zur Karajan _GA: Diese habe ich bereits als Anfangsausstattung für Schubert als LP-Box besessen; später dann in der EMI-GA-Version auf CD gekauft.
:times10 Heute habe ich aber diese Aufnahmen in wesentlich besser und natürlich klingenden und neu remasterten Einzelausgaben (auf 4 Einzel-CD) aus der Karajan Edition bei EMI. Ich bilde jetzt hier nur mal eine CD (von 4) aus dieser Serie ab. :beer Der klangliche Unterschied zu den früheren Ausgaben auf LP und CD ist frapant !
Es gibt diese in dieser TOP 20Bit-Remasterten Version aber auch als 4CD-Box: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51PaQSZqpJL._SL500_AA300_.jpg EMI, 1976, ADD
Maurice inaktiv (17.03.2013, 13:11): Ich möchte zum Thema "Karajan und Schubert" nur mal erwähnen,dass man das,was ich gesagt habe,in Stresemanns Buch über Karajan so nachlesen kann.
Deshalb gehe ich davon aus,dass es zunächst mal richtig ist.Ich kenne von Karajan nur seine Neunte,welche Aufnahme es war,kann ich heute nicht mehr sagen.MIR hat sie nicht gefallen,das weiß ich noch.
So ergeht es mir auch mit seinen Schumann-Einspielungen.Bei und mit Karajan scheiden sich die Geister.
Die Neunte dürfte wohl bei Wand in den besten Händen gewesen sein....
Ich kann bei mir zuhause auch oftmals nicht mehr die Aufnahmen vergleichen,da ich ein sehr eigenes System des Sammelns und Wiederverkaufens habe,um nicht meine Sammlung in die Garage umzulagern....
Bei Karajan sehe ich Richard Strauss,Bruckner,Tschaikowsky weitaus eher land.Man sollte aber auch seine Aufnahme von 1949,als er auch einmal eine Sinfonie von Balakierev einspielte,nicht vergessen.
Auch seine Aufnahmen der Zweiten Wiener Schule schätze ich sehr.Mahlers Fünfte finde ICH auch sehr schön,seinen Dvorak sehe ich wiederum kritischer.
Seinen Brahms muss man lieben,hier ist er unschlagbar,trotz durchaus harter Konkurrenz wie Wand,Sir Colin Davis oder auch Mackerras und Harnoncourt.
Bei Wagner,Mendelssohn oder Grieg scheiden sich wieder die Geister.Von Bach oder Haydn ganz abgesehen.Seinen Mozart kenne ich nicht,da muss ich die Klappe halten.
Man könnte bei Harnoncourt jetzt auch so verfahren.Auch bei ihm scheiden sich die Geister in vielen Einspielungen.
Ich tue mir generell etwas schwer mit den Einspielungen der großen alten Dirigenten.Da ist mir oftmals zu viel Schwulst mit drin,auf den ich gut verzichten kann.Klemperer dagegen finde ich oftmals genial.Seinen Bruckner,Strauss oder Wagner würde ich immer wieder hören.Einige andere Komponisten unter ihm ebenso.
Maurice inaktiv (12.05.2013, 13:53): nach sehr langem Nachdenken habe ich den Davis-Zyklus und auch den Harnoncourt abgegeben.Dads ist mir dieses Mal extrem schwer gefallen,aber da ich noch Wand,Roy Goodman und Sir Neville Marriner habe,sehe ich nicht das nicht so tragisch an.
Heute habe ich mir Abbado mit dem Chamber Orchestra of Europe bestellt.Hier wurde leider wenig davon geschrieben,aber da er bei Beethoven,Mahler und der Zweiten Wiener Schule ein bekannt gutes Gespür hat für diese Musik,könnte ich hier die richtige Wahl getroffen haben.
Beim hauseigenen Label ist jetzt die GA der Schubertsinfonien mit Maazel und dem SOdBayerischen Rundfunks erschienen. Wer einen nicht-HIP Schubert mit relativ grossem Orchester sucht, der sollte diese Live Aufnahmen, die vor ca. 10 Jahren entstanden, durchaus in Erwägung ziehen. Die frz. Zeitschrift Classica (Nachfolger von 'Le Monde de la Musique') zögert nicht die Aufnahme als (mögliche) neue Referenz zu bezeichnen. Auf dem beigefügten 'Trailer' hört man einen grossartig gespielten Schlussatz der 4. Sinfonie.
Cantus Arcticus (15.05.2013, 13:27): Ich verfolge gerade den Zinman Schubert-Zyklus mit dem Tonhalle-Orchester hier in Zürich:
Maurice inaktiv (16.05.2013, 13:57): Ich verfolge gerade den Zinman Schubert-Zyklus mit dem Tonhalle-Orchester hier in Zürich
Ich hoffe,dass er Schubert nicht so runterhetzt wie Schumann.Denn das fand ich nicht wirklich mehr so prickelnd.Sein Beethoven fand ich ihn trotz einiger mir nicht so gefallende Stellen doch frisch und mitreißend.
VG,Maurice
Cantus Arcticus (17.05.2013, 10:05): Original von Maurice André Ich verfolge gerade den Zinman Schubert-Zyklus mit dem Tonhalle-Orchester hier in Zürich
Ich hoffe,dass er Schubert nicht so runterhetzt wie Schumann.Denn das fand ich nicht wirklich mehr so prickelnd.Sein Beethoven fand ich ihn trotz einiger mir nicht so gefallende Stellen doch frisch und mitreißend.
VG,Maurice
Nein, zum Glück nicht. Diese Aufnahmen hier stellen schon eher den Temporekord in Sachen Schubert dar:
Bei mir landen sein Beethoven, sein Schuhmann oder eben auch diese Schubert GA immer wieder in der zweiten Reihe.... Ich kann mich nie so richtig erwärmen für seine Interpretationen.
Grüsse :hello Stefan
Maurice inaktiv (17.05.2013, 10:28): Bei mir landen sein Beethoven, sein Schuhmann oder eben auch diese Schubert GA immer wieder in der zweiten Reihe.... Ich kann mich nie so richtig erwärmen für seine Interpretationen.
Ich fand seinen Schubert lange sehr interessant,aber mit der Zeit hat es mich nicht mehr so mitgerissen.Jetzt habe ich ihn verkauft und gegen den Abbado-Zyklus eingetauscht.Auf den warte ich aber noch.
Bei Schumann und Beethoven muss ich sagen,dass er mir HIER viel besser gefällt.Auch hier warte ich auf seinen Brahms noch.Die Klavierkonzerte fand ich sehr schön,aber mit Klavierkonzerten tue ich mich schwer.
Seine Dvorak-Sachen sind sehr unterschiedlich.Die Symphonischen Dichtungen und Slawische Tänze gefallen mir sehr gut,siene Sinfonien weniger.
Sein Smetana ist vielleicht von SEINER Sichtweise geschlossen und verständlich,aber mir einfach zu langsam und leider auch spannungsarm.
Seinem Bruckner wiederum,kann ich recht gut folgen,obwohl ich da natürlich Wand-verwöhnt bin.
Diese HIP-Produktion scheint sorgfältig erarbeitet zu sein, entsprechend überzeugend fallen die Interpretationen der einzelnen Sinfonien aus. Eine der besten auf dem Plattenmarkt.
Gruß Amadé
satie (16.12.2015, 18:11): Ich habe gerade mit Entsetzen gesehen, dass ich noch nicht wusste, dass es eine GA mit Immerseel / Anima Eterna gibt, seit Ende 2012. Wie konnte mir das als Fan passieren!? Wurde die hier schon genannt? Wie ist sie? Ich werde sie mir garantiert demnächst anhören. Manacorda könnte auch was sein für mich, danke für den Tipp!
Herzliche Grüße Satie
abendroth (16.12.2015, 23:52): Hallo Satie, van Immerseel hat alle Schubertsinfonien schon 1997 (!) mit Anima Aeterna aufgenommen, nämlich bei Sony. Ich vermute dass die Neuausgabe mit der 1997-er identisch ist. Hätte van Immerseel sie ein zweites mal aufgenommen, wäre mir das wahrscheinlich aufgefallen. mit freundlichen Grüssen Joachim
abendroth (16.12.2015, 23:57): Hab mich noch einmal vergewissert: die Aufnahmen sind von 1996/97, ursprünglich Sony.
Hosenrolle1 (16.12.2015, 23:59): Hier habe ich eine Discography von van Immerseel gefunden, vielleicht ist da was Brauchbares dabei:
satie (17.12.2015, 00:08): Hm, wenn die Diskografie stimmt, sind die 8. und die 6. Zuerst eingespielt worden, 1997, die anderen dann 2003. Da in der GA die 8. und die 6. die erste Scheibe bilden, wird es sich tatsächlich um eine Neuauflage handeln. Hab inzwischen hineingehört in die Unvollendete (fand ich gut, aber nicht herausragend) und in die 5., die ich neben der Unvollendeten am besten kenne. Die 5. gefällt mir mit Immerseel sehr gut.
Warum by the way schafft es kaum einer, den Anfang der Unvollendeten wie einen synkopierten Dreivierteltakt klingen zu lassen? Es klingt fast immer wie ein 6/8... erst beim Seitenthema wird der Dreier erkennbar. Ob Schubert das so gemeint hat? ?(
Hosenrolle1 (17.12.2015, 00:19): Das hier ist die 2012 erschienene Version vom Label "Zig Zag Territories".
satie (17.12.2015, 00:22): Jetzt rhab ich angefangen, in Manacordas Schubert reinzuhören. In der Tat eine grandiose Aufnahme voller Energie. Toll! Ich kann Amadé nur beipflichten. Erst wird jetzt Immerseel durchgehört, dann Manacorda. Bin sehr gespannt!
Cetay (18.02.2022, 07:45):
Fuer HIPster koennte die Neuenspielung mit dem L'Orfeo Barockorchester unter der Leitung von Michi Gaigg interessant sein. Mitgeliefert werden alle Fragmente, soweit sie von Schubert selbst fertiggestellt wurden. Vervollstaendigungen und Orchestrierungen von zweiter Hand wurden nicht beruecksichtigt. Dafuer wurden fruehe Fragmente, die vor und nach der ersten Sinfonie entstanden, mit aufgenommen. Als speziellen Service fuer @palestrina liefere ich noch die Info, dass bei der 9. (Grosse C-Dur) alle Wiederholungen gespielt werden.
Ich habe die Unvollendete ganz und sonst einzelne Saetze gehoert. Rhythmisch stark akzentuiert, grobdynamisch wuchtig, die Blaeser im Mix bevorzugt. Mit geht es damit wie mit vielen modernen 'knalligen' Interpretationen. Ich sitze sofort in Hab Acht Stellung, denke die ersten drei Minuten lang: Wow! ... und ertappe mich irgendwann spaeter dabei, dass die Gedanken abgeschweift sind. Ich komme mit "runderen" Ansaetzen, wie dem von Marrnier deutlich besser zurecht.
Maurice inaktiv (18.02.2022, 09:02): Ich komme mit "runderen" Ansaetzen, wie dem von Marrnier deutlich besser zurecht. Dann dürfte Dir auch Sir Colin Davis liegen, vermute ich mal. Der hat einen feinen Schubert abgeliefert damals.