ab (29.01.2009, 21:17): Aus gegebenen Anlass, soll dieser Faden der Kammermusik Robert Schumanns gewidmet sein. Die Anzahl seiner Werke ist überschaubar:
1829 Klavierquartett c-Moll 1839 Sketches für 2 Streichquartette (verloren) vor 1842 Trio (Material später in Op. 88 verarbeitet) 1842 Streichquartett Nr.1 in a-Moll, Op. 41/1 1842 Streichquartett Nr.2 in F-Dur, Op. 41/2 1842 Streichquartett Nr.3 in A-Dur, Op. 41/3 1842 Klavierquintett Es-Dur, Op. 44 1842 Klavierquartett Es-Dur, Op. 47 1842 Fantasiestücke für pf, vn, vc, Op. 88 1843 Andante & Variations für 2 pfs, 2 vcs, hn 1845 Studien. 6 Stücke in canonischer Form op.56 (arr. Th. Kirchner) Klaviertrio 1847 Klaviertrio Nr.1 in d-Moll, Op. 63 1847 Klaviertrio Nr.2 in F-Dur, Op. 80 1849 3 Romanzen, Op. 94 (ob, pf) 1849 5 Stücke im Volkston, Op. 102 (vc, pf) 1849 Adagio & Allegro in Ab, Op. 70 (Horn, pf) 1849 Fantasiestücke, Op. 73 (cl, pf) 1849 Märchenbilder, Op. 113 (vo, pf) 1851 Klaviertrio Nr.3 in g-Moll, Op. 110 1851 Violinsonate Nr.1 in a-Moll, Op. 105 1851 Violinsonate Nr.2 in d-Moll, Op. 121 1852 "FAE" Sonata (vn, pf) 2. & 3. Satz (1. Satz Dietrich, 3. Satz Brahms) 1853 Märchenerzählungen für pf, cl, vo, Op. 132 1853 Violinsonate Nr.3 a-moll op. posth.
Was gefällt euch besonders gut? Welche Aufnahmen schätzt ihr besonders?
ab (29.01.2009, 21:36): Meine Lieblingseinspielung der Violinsonaten stammt vom Label Berlin Classics und ist von Peter Rösel mit Chr. Funke. Leider aber haben sie nur die ersten beiden Sonaten eingespielt. Sie gefällt mir deshalb so gut, weil hier das introvertierte Moment Schumann besonders eingefangen zu sein scheint. Wer also Kammermusik eher intim schätzt, eher vom sozusagen lyrischen Liedgesang kommend, und nicht unbedingt (wie eigentlich üblich) in höchster Expressivität und Impulsivität haben möchte, sollte sich diese einmal unbedingt anhören. Sehr gut hat mir auch die ganz unten genannten aus der Alpha-Serie gefallen. Im Forum hier wurde die neue mit Carolin Widman und Denes Varjon bei ECM hoch gelobt. (Der gehörte Ausschnitt im Radio war mir leider zu kurz, um in das Loblie einzustimmen.)
Wie schon oft in Foren geäußert, bin ich ein ergebener Fan der Klaviertrios in der Einspielung vom Altenberg Trio Wien. Diese haben vor allem nicht nur die üblichen Trios, sondern das Gesamtwerk incl. dem op.56 eingespielt. Dies ist ein Ensemble, bei dem die Streicher nicht gegen das Klavier ankämpfen müssen, sondern der Pianist einen Klang zu erzeugen versteht, der den Streicherklang einbindet. I’m lovin’ it! (Wer überbordernde Expressivität will, wird wohl nicht an dem Konzert mit Richter, Gutman und Kagan bei LiveClassics herumkommen.)
Die Streichquartette betreffend kann ich auch nichts mehr als das Hagen Quartett loben (während ich persönlich deren Klavierquintett mit Pual Gulda lässlich finde). Allerdings gibts inzwischen auch gute Alternativ-Einspielungen, die den Vorteil haben, auf einem Silberling auszukommen: Das Zehtmair Quartett! Aber selbst das Quatuor Renoir ist überraschend gut.
Das Klavierquintett betreffend finde ich nach wie vor jene des Juilliard String Quartets mit Leonard Bernstein hinreißend, auch wenn bereits der dritte Satz wie ein Finalsatz auf Leben und Tod musiziert wird, so dass mir die weitere Folge jedes Mal aufs neue fast schon seltsam anmutet.
Bei den Werken für Violoncello & Klavier habe ich noch nichts restloses überzeugendes gefunden (bei jenen Instrumenten, die man selbst gelernt hat, ist man wohl noch einmal mehr kritisch als eh schon sonst...) Ich empfehle jedenfalls die Sony-CD mit dem Cellokonzert mit Casals, weil dies zum einen überwältigend gut in seiner (so seltenen) frühromantischen Interpretation ist und zum anderen dort eine ganz ausgezeichnete Einspielung der 5 Stücke im Volkston drauf ist. Inzwischen gibts sogar das Cellokonzert op. 129 in einer Version für Cello & Streichquartett, eingespielt vom Amira Quartet Streichquartett mit Andreas Heinig und billig bei hANDm Records zu bekommen.
Als Kammermusik mit Oboe finde ich überwältigend schön die Philips-CD von Holliger und Brendel (den ich bei Schumann mag, weil sein völlig leuchtfreier Anschlag, mir bei diesem Komponist wegen seiner Schattenhaftigkeit durchaus zusagt).
Unbedingt aufmerksam machen möchte ich auf eine Serie das Labels Alpha: Unter dem Name: Klavierwerke & Kammermusik reift eine Gesamteinspielung um den vorzüglichen Pianisten Eric Le Sage heran. Da tauchen weitere Namen auf die von Francois Leleux, Paul Meyer, Jean-Guihen Queyras, Antoine Tamesitt über Bruno Schneider, bis Gordan Nikolitch reichen. Sprich: die crème de la crème Frankreichs in Sachen Musikalität. Bravo!
Nun seid aber ihr dran... :hello
Gerion (29.01.2009, 23:31): An anderer Stelle schrieb ich eben, dass das Quintett op. 44 eines meiner liebsten Stücke ist. Ich habe es in dieser Einspielung kennen- und lieben gelernt: http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028946317921.jpg
Eine, wie ich finde, sehr musikalische, singende, warmherzige Aufnahme!
Jetzt besitze ich seit kurzem die Einspielung der Hagens, weitere werden wohl bald folgen. Dann werde ich mal einen laienhaften "Hörvergleich" schreiben.
Kann mir jemand einen Hinweis geben, wo ich günstig an eine (Taschen)Partitur des Stückes kommen kann?
kreisler (29.01.2009, 23:41): Ich kenne bei diesem Werk das Beaux Arts Trio.
Ich mag diese Aufnahme, weil ich damit das Werk kennengelernt habe. Ich habe diese CD aber noch nie mit einer anderen Einspielung verglichen.
kreisler
Gerion (29.01.2009, 23:47): Nachtrag: Die Frage nach der Partitur hat sich erledigt, es gibt eine günstige Eulenberg-Studienpartitur, die ich mir nun bestellt habe.
ab (30.01.2009, 09:27): für jene, die es interessiert, habe ich inzwischen im Netz noch eine genauere Aufstellung der Schumannschen Kammermusk gefunden, die vom schumann-portal.de stammt und die ich hier nicht vorenthalten möchte:
1. Klavierqu. c-Moll op. V (1828/29) (Anh. E 1), Fragm. (Schluß von Satz 1 verloren, linke Hand des Kl. zum großen Tl. nicht notiert), hrsg. von W. Boetticher, Wilhelmshaven 1979 (Edition äußerst mangelhaft); textkrit. hrsg. von J. Draheim, i.Vorb.
2. Klavierqu. H-Dur (1831/32?) (Anh. E 2), Anfang, in: H. Kohlhase 1979, Bd. 3, 13-16 (s. Lit. VI.4.)
3. 2 StrQu. D, Es (1839) (Anh. D 2), Anfänge, in: H. Kohlhase 1979, Bd. 3, 17f.
4. Andante con Variazioni B-Dur für 2 Kl., 2 Vc. und Hr. (1842) (hrsg. von Joh. Brahms, 1893, AGA XIV,1; RSA II/3) (als op. 46 in der Fassung für 2 Kl. ohne Begl., 1843; s. C.III.)
5. 3 StrQu. a, F, A op. 41 (1842), Stimmen Lpz. 1843, Br&H; Part. ebd. 1849 (gewidmet F. Mendelssohn Bartholdy); 2hd. Kl.A. vom Komp. (1853), D-B N.Mus.ms.153 (AGA IV,1; RSA II/1)
11. Adagio u. Allegro (urspr. Titel Romanze und Allegro) As-Dur für Hr./V./Vc. und Kl. op. 70 (1849), Lpz. 1849, Kistner (AGA V,8; RSA II/3)
12. 10 Fantasiestücke (urspr. Titel Soiréestücke) a, A, A für Klar./V./Vc. und Kl. op. 73 (1849), Kassel 1849, Luckhardt (AGA V,9; RSA II/3)
13. Drei Romanzen a, A, a für Ob./Klar./V. und Kl. op. 94 (1849), Bonn 1851, Simrock (AGA V,13; RSA II/3)
14. Fünf Stücke im Volkston a, F, a, D, a für Vc./V. und Kl. op. 102 (1849), Kassel 15 1851, Luckhardt (gewidmet Andreas Grabau) (AGA V,14; RSA II/3)
15. Sonate a-Moll für Kl. und V. op. 105 (1851), Lpz. 1852, Hofmeister (AGA V,10; RSA II/2/3, 2001)
16. Klaviertrio Nr. 3 g-Moll op. 110 (1851), Lpz. 1852, Br&H (gewidmet N. Wilh. Gade) (AGA V,5; RSA II/2/2)
17. 20 Mährchen-Bilder. Vier Stücke d, F, d, D für Va./V. und Kl. op. 113 (1851), Kassel 1852, Luckhardt (gewidmet Wilhelm Joseph von Wasielewski) (AGA V,12; RSA II/3)
18. 2. grosse Sonate d-Moll für V. und Kl. op. 121 (1851), Lpz. 1853, Br&H (gewidmet F. David) (AGA V,11; RSA II/2/3, 2001)
19. 5 Romanzen für Vc./V. und Kl. (1853) (Anh. E 7) (1893 von Cl. Schumann vernichtet)
20. Sonate a-Moll für V. und Kl. ('F-A-E') (1853) (nur 2. und 4. Satz – Intermezzo und Finale - von Schumann , 1. und 3. von Albert Dietrich und Joh. Brahms), hrsg. von E. Valentin/O. Kobin, Magdeburg 1935 (Edition sehr mangelhaft); rev. NA von J. Draheim, Wilhelmshaven 1999
21. 3. Sonate a-Moll für V. und Kl. WoO 2 (1853) (4 Sätze, darunter die beiden, die Schumann für die 'F-A-E'-Sonate geschrieben hatte), hrsg. von O. W. Neighbour, L./Mz. 1956 (Edition mangelhaft) (RSA II/2/3, 2001)
22. Mährchenerzählungen. Vier Stücke B, g, G, B für Klar./V., Va. und Kl. op. 132 (1853), Lpz. 1854, Br&H (gewidmet Albert Dietrich) (AGA V,7; RSA II/3)
Die eingangs erwähnte Klaviertriobearbeitung durch Kirchner stammt von folgendem Pedal-Flügel-Werk:
Studien für den Pedal-Flügel. Sechs Stücke in canonischer Form. Auch für das Pianoforte zu 3 oder 4 Händen C, a, E, As, h, H op. 56 (1845), Lpz. 1845, Whistling (gewidmet Johann Gottfried Kuntsch) (AGA VII,27; RSA III/3)
rosa (25.05.2010, 19:50): Original von ab
Unbedingt aufmerksam machen möchte ich auf eine Serie das Labels Alpha: Unter dem Name: Klavierwerke & Kammermusik reift eine Gesamteinspielung um den vorzüglichen Pianisten Eric Le Sage heran. Da tauchen weitere Namen auf die von Francois Leleux, Paul Meyer, Jean-Guihen Queyras, Antoine Tamesitt über Bruno Schneider, bis Gordan Nikolitch reichen. Sprich: die crème de la crème Frankreichs in Sachen Musikalität. Bravo!
Nun seid aber ihr dran... :hello
ab, ich möchte hinzufügen "Bravissimo"! Grossartig sowieso die Idee: Kombination von Klavier- und Kammermusik, die sich gegenseitig befruchten. Im neuen FONOFORUM 6/2010 ist ein sehr schönes Interview mit Monsieur Le Sage erschienen, wo er viel Preis gibt von seinem Verständnis des Verhältnisses von Kammermusik und Klaviermusik. "Nur Klavier spielen" ist ihm auch zu einsam, sagt er. Verständlich bei so einem Mammutprojekt. Interview ist übrigens zu lang, um es im Bahnhofsbuchladen zwischen zwei Zügen zu lesen :P