Sergey Schepkin - Mehr als ein reiner Bach-Spezialist!

Rachmaninov (25.09.2007, 18:22):
Hallo Forianer,

heute möchte ich nochmal einen neuen Beitrag starten, auch wenn mir klar ist, dass er sehr speziell ist und ggf. wenig Resonanz erzeut.

Der in St. Petersburg geborene Pianist Schepkin studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt, an dem der den Abschluss "summa cum laude" 1985 erhielt. Zu seinen Lehrern gehörten Alexandra Zhukovsky und Grigory Sokolov.

1990 zog er in die USA, lebte dort zunächst in Bosten, zog dann in diesem Jahr nach Pittsburgh. In beiden Städten arbeitet Schepkin als Professor.

http://www.bach-cantatas.com/Pic-Bio/Schepkin-Sergey-03.jpg

Ein besonderen Schwerpunkt in seiner Diskographie findet sich bei den Werken J.S. Bach's.

Zahlreiche seiner Aufnahmen wurden international gewürdigt.

So schriebe z.B.


an artist of uncommon, almost singular capability and integrity... synthesizes the most diverse approaches and insights ... absolutely phenomenal."
Quelle: Boston Globe


oder


"a formidable Bach pianist . . . plays with the passion and drama of a young Glenn Gould." "No one who loves Bach can afford not to listen to these performances,"
Quelle: New York Times


Den Vergleich mit G. Gould kann ich nur bedingt akzeptieren!
IMO ist sein Klavierspiel zwar nicht weniger Leidenschaftlich, allerdings hat Schepkin eine ganz andere Technik als G.G.

Wie auch immer, seine Goldberg Variationen gehören, nicht nur für mich, zu den Meilensteinen der verfügbaren Diskographie, die nicht gerade "überschaubar" ist.

http://www.ongaku-records.com/Sergey%20Pics/SergeyL.jpg


...his recording of the First Book of Bach's Well-Tempered Clavier as one of the best ever made, along with those of Edwin Fischer and Sviatoslav Richter, ....
Quelle: The International Piano magazine


Für mich persönlich sind seine Aufnahmen des WTK I und II die besten Aufnahmen, die ich überhaupt kenne. Hörproben

http://www.ongaku-records.com/WTC1_Pics/WTC1M.gif
http://www.ongaku-records.com/WTC2_Pics/WTC2M.jpg


Zahlreiche weitere Kommentare zu seinen Aufnahmen finden sich hier

Für mich ist Schepkin jedenfalls einer, vielleicht DER, großartigste "Bach-Pianist" unserer Zeit :W

Stellen sich nunmehr 3 Fragen:

1) Was charakterisiert sein Spiel?

2) Wie sind seine weiteren Bach-Aufnahmen?

3) Warum ist er KEIN reiner Bach-Spezialist?

Auf die gestellten Fragen gehe ich nach und nach ein :engel
nikolaus (25.09.2007, 21:01):
Original von Rachmaninov

Stellen sich nunmehr 3 Fragen:

1) Was charakterisiert sein Spiel?

2) Wie sind seine weiteren Bach-Aufnahmen?

3) Warum ist er KEIN reiner Bach-Spezialist?

Auf die gestellten Fragen gehe ich nach und nach ein :engel

Ein dramaturgisches Meisterstück! :down

Jetzt bin ich dermassen neugierig geworden, dass ich es kaum erwarten kann, wie es weitergeht...
Gerade die erste Frage lag mir schon beim Lesen deines Beitrags auf der Zunge, aber ich werde mich gedulden.

Auf jeden Fall werde ich bei nächster Gelegenheit in die Goldbergvariationen 'reinhören, da ich eine Alternative zu meiner - im Moment für mich etwas langweiligen - A.Schiff-Aufnahme suche.

Freue mich auf deine Antworten zu deinen Fragen!

Nikolaus.
Cosima (25.09.2007, 21:55):
Ich habe es noch nicht geschafft, etwas von diesem Pianisten zu hören. Er steht schon länger auf meiner "Reinhör"-Liste.

...his recording of the First Book of Bach's Well-Tempered Clavier as one of the best ever made, along with those of Edwin Fischer and Sviatoslav Richter, ....
Quelle: The International Piano magazine

Wenn Schepkin bei Bachs WTK mit Richter und Fischer verglichen werden kann, dann wäre er bestimmt auch interessant für mich. :)

Gruß, Cosima
Rachmaninov (25.09.2007, 22:00):
Original von Cosima
Ich habe es noch nicht geschafft, etwas von diesem Pianisten zu hören. Er steht schon länger auf meiner "Reinhör"-Liste.

...his recording of the First Book of Bach's Well-Tempered Clavier as one of the best ever made, along with those of Edwin Fischer and Sviatoslav Richter, ....
Quelle: The International Piano magazine

Wenn Schepkin bei Bachs WTK mit Richter und Fischer verglichen werden kann, dann wäre er bestimmt auch interessant für mich. :)

Gruß, Cosima

Du kannst ja in die Hörproben reinhören! BTW: Er wird nicht mit ihnen verglichen, sondern auf eine Stufe gestellt ....... :D
Cosima (25.09.2007, 22:10):

Du kannst ja in die Hörproben reinhören! BTW: Er wird nicht mit ihnen verglichen, sondern auf eine Stufe gestellt

Naja, um auf diese Stufe zu gelangen, muss aber vorher der eine oder andere Vergleich stattgefunden haben. - Und dass ich in die Hörproben reinhören kann, ist mir eh klar. Du willst Dich wohl um die Beantwortung Deiner selbst gestellten Fragen drücken? :haha

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.09.2007, 08:48):
Original von Cosima

Du kannst ja in die Hörproben reinhören! BTW: Er wird nicht mit ihnen verglichen, sondern auf eine Stufe gestellt

Naja, um auf diese Stufe zu gelangen, muss aber vorher der eine oder andere Vergleich stattgefunden haben.

@Cosima,
ich gehe davon aus, daß die Personen, die zitiert habe, diesen Vergleich durchgeführt haben.
Rachmaninov (26.09.2007, 09:21):
So, nun zur ersten Frage:

Was charakterisiert sein Spiel?

Schepkin spielt technisch auf allem höchsten Niveau.
Was auch nicht anderes zu erwarten ist bei seiner
Leistung an einem russischen Konservatorium, vor
allem wenn man einen Grigory Sokolov als Lehrer haben durfte.

Faszinierend bei Schepkin ist, das aus einem Mikrokosmos, mit
einer Anschlagskultur und Technik, die es ihm erlaubt jeden
einzelnen Anschlag zu variieren und zu gestallten, ein Universum
wird, in dem die Komposition als gesamtheitliches Werk erklingt und
dabei noch voller Emotion wirkt und somit MUSIK entsteht.

Es gibt einige Pianisten, denen gelingt es Bach auf technisch
hohem Niveau zu spielen, aber dann wirkt es auf mich langweilig.
Oder aber mit Hingabe, Leidenschaft, dann aber meist sehr eigen.

Bei keinem anderen Pianisten habe ich jemals erlebt, dass die
Komposition Bach's derart auf nahezu 2 Ebenen, also Note für Note,
und andererseits als Ganzes, so gestaltet wird. Das ist eine
Synthese, die jede Bach Aufnahme Schepkin's zu einer Meisterleistung
werden lässt.
AcomA (26.09.2007, 18:40):
lieber Sergejewitsch,

natürlich habe ich mitbekommen, dass du die interpretationen des obigen pianisten hoch einschätzt. ich habe mir deine links mit den hörproben angehört. er ist IMO ein exzellent ausgebildeter pianist. dennoch klingen die proben sehr mechanistisch mit diesem typisch russischen non-legato in hohem tempo !

IMO spielt ivo janssen sehr viel klüger und mit einem immens sonorem anschlag und einer vollendeten phrasierung, mit großen bögen und großem atem. vielleicht solltest du dir mal hörproben mit ihm anhören.

gruß, siamak :)
Rachmaninov (26.09.2007, 18:46):
Original von AcomA
lieber Sergejewitsch,

natürlich habe ich mitbekommen, dass du die interpretationen des obigen pianisten hoch einschätzt. ich habe mir deine links mit den hörproben angehört. er ist IMO ein exzellent ausgebildeter pianist. dennoch klingen die proben sehr mechanistisch mit diesem typisch russischen non-legato in hohem tempo !

gruß, siamak :)

@Siamak,
danke für den Hinweis, aber mir scheint Du hast leider nur das gehört was du "sehr mechanistisch" bezeichnest!
Wenn das rein mechanistisch ist spielen Sokolov und Polline ebenfalls "mechanistisch"!
Walter (27.09.2007, 07:46):
Original von AcomA
lieber Sergejewitsch,

natürlich habe ich mitbekommen, dass du die interpretationen des obigen pianisten hoch einschätzt. ich habe mir deine links mit den hörproben angehört. er ist IMO ein exzellent ausgebildeter pianist. dennoch klingen die proben sehr mechanistisch mit diesem typisch russischen non-legato in hohem tempo !




Hallo Siamak,

da ich einige Aufnahmen von Schepkin besitze (und mit Begeisterung höre) kann ich Dir versichern, dass gerade das nicht zutrifft. Im Gegensatz zu einigen Anderen ist sein Bach weit weg von mechanistisch. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Hörproben nicht aussagefähig sind. Eine CD des WTK lohnt sich!

Gruß,
AcomA (27.09.2007, 17:23):
lieber Sergejewitsch, lieber Walter,

wahrscheinlich habe ich mit den links pech gehabt. aber ich muss mich entscheiden, was weitere käufe angeht. und da habe ich mich entschieden, weitere bach-CDs mit ivo janssen zu besorgen. da muss ich auf schepkin verzichten. man kann nicht alles haben. leider.

gruß, siamak :)
Cosima (28.09.2007, 13:15):
Original von Walter
Im Gegensatz zu einigen Anderen ist sein Bach weit weg von mechanistisch.


Lieber Walter,

an wen genau denkst Du bei den "einigen Anderen"?

Danke und Gruß,
Cosima
Walter (30.09.2007, 18:56):
Original von Cosima
Original von Walter
Im Gegensatz zu einigen Anderen ist sein Bach weit weg von mechanistisch.


Lieber Walter,

an wen genau denkst Du bei den "einigen Anderen"?

Danke und Gruß,
Cosima

Auch wenn ich mir jetzt Schläge einfange - beim WTK ist mir der Glenn Gould so ein Vertreter den ich nur in kleinen Dosen ertrage. Unter anderem wegen seines Versuchs das Klavier wie ein Hammerklavier klingen zu lassen.

Gruß,
Rachmaninov (25.09.2007, 18:22):
Hallo Forianer,

heute möchte ich nochmal einen neuen Beitrag starten, auch wenn mir klar ist, dass er sehr speziell ist und ggf. wenig Resonanz erzeut.

Der in St. Petersburg geborene Pianist Schepkin studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt, an dem der den Abschluss "summa cum laude" 1985 erhielt. Zu seinen Lehrern gehörten Alexandra Zhukovsky und Grigory Sokolov.

1990 zog er in die USA, lebte dort zunächst in Bosten, zog dann in diesem Jahr nach Pittsburgh. In beiden Städten arbeitet Schepkin als Professor.

http://www.bach-cantatas.com/Pic-Bio/Schepkin-Sergey-03.jpg

Ein besonderen Schwerpunkt in seiner Diskographie findet sich bei den Werken J.S. Bach's.

Zahlreiche seiner Aufnahmen wurden international gewürdigt.

So schriebe z.B.


an artist of uncommon, almost singular capability and integrity... synthesizes the most diverse approaches and insights ... absolutely phenomenal."
Quelle: Boston Globe


oder


"a formidable Bach pianist . . . plays with the passion and drama of a young Glenn Gould." "No one who loves Bach can afford not to listen to these performances,"
Quelle: New York Times


Den Vergleich mit G. Gould kann ich nur bedingt akzeptieren!
IMO ist sein Klavierspiel zwar nicht weniger Leidenschaftlich, allerdings hat Schepkin eine ganz andere Technik als G.G.

Wie auch immer, seine Goldberg Variationen gehören, nicht nur für mich, zu den Meilensteinen der verfügbaren Diskographie, die nicht gerade "überschaubar" ist.

http://www.ongaku-records.com/Sergey%20Pics/SergeyL.jpg


...his recording of the First Book of Bach's Well-Tempered Clavier as one of the best ever made, along with those of Edwin Fischer and Sviatoslav Richter, ....
Quelle: The International Piano magazine


Für mich persönlich sind seine Aufnahmen des WTK I und II die besten Aufnahmen, die ich überhaupt kenne. Hörproben

http://www.ongaku-records.com/WTC1_Pics/WTC1M.gif
http://www.ongaku-records.com/WTC2_Pics/WTC2M.jpg


Zahlreiche weitere Kommentare zu seinen Aufnahmen finden sich hier

Für mich ist Schepkin jedenfalls einer, vielleicht DER, großartigste "Bach-Pianist" unserer Zeit :W

Stellen sich nunmehr 3 Fragen:

1) Was charakterisiert sein Spiel?

2) Wie sind seine weiteren Bach-Aufnahmen?

3) Warum ist er KEIN reiner Bach-Spezialist?

Auf die gestellten Fragen gehe ich nach und nach ein :engel
nikolaus (25.09.2007, 21:01):
Original von Rachmaninov

Stellen sich nunmehr 3 Fragen:

1) Was charakterisiert sein Spiel?

2) Wie sind seine weiteren Bach-Aufnahmen?

3) Warum ist er KEIN reiner Bach-Spezialist?

Auf die gestellten Fragen gehe ich nach und nach ein :engel

Ein dramaturgisches Meisterstück! :down

Jetzt bin ich dermassen neugierig geworden, dass ich es kaum erwarten kann, wie es weitergeht...
Gerade die erste Frage lag mir schon beim Lesen deines Beitrags auf der Zunge, aber ich werde mich gedulden.

Auf jeden Fall werde ich bei nächster Gelegenheit in die Goldbergvariationen 'reinhören, da ich eine Alternative zu meiner - im Moment für mich etwas langweiligen - A.Schiff-Aufnahme suche.

Freue mich auf deine Antworten zu deinen Fragen!

Nikolaus.
Cosima (25.09.2007, 21:55):
Ich habe es noch nicht geschafft, etwas von diesem Pianisten zu hören. Er steht schon länger auf meiner "Reinhör"-Liste.

...his recording of the First Book of Bach's Well-Tempered Clavier as one of the best ever made, along with those of Edwin Fischer and Sviatoslav Richter, ....
Quelle: The International Piano magazine

Wenn Schepkin bei Bachs WTK mit Richter und Fischer verglichen werden kann, dann wäre er bestimmt auch interessant für mich. :)

Gruß, Cosima
Rachmaninov (25.09.2007, 22:00):
Original von Cosima
Ich habe es noch nicht geschafft, etwas von diesem Pianisten zu hören. Er steht schon länger auf meiner "Reinhör"-Liste.

...his recording of the First Book of Bach's Well-Tempered Clavier as one of the best ever made, along with those of Edwin Fischer and Sviatoslav Richter, ....
Quelle: The International Piano magazine

Wenn Schepkin bei Bachs WTK mit Richter und Fischer verglichen werden kann, dann wäre er bestimmt auch interessant für mich. :)

Gruß, Cosima

Du kannst ja in die Hörproben reinhören! BTW: Er wird nicht mit ihnen verglichen, sondern auf eine Stufe gestellt ....... :D
Cosima (25.09.2007, 22:10):

Du kannst ja in die Hörproben reinhören! BTW: Er wird nicht mit ihnen verglichen, sondern auf eine Stufe gestellt

Naja, um auf diese Stufe zu gelangen, muss aber vorher der eine oder andere Vergleich stattgefunden haben. - Und dass ich in die Hörproben reinhören kann, ist mir eh klar. Du willst Dich wohl um die Beantwortung Deiner selbst gestellten Fragen drücken? :haha

Gruß, Cosima
Rachmaninov (26.09.2007, 08:48):
Original von Cosima

Du kannst ja in die Hörproben reinhören! BTW: Er wird nicht mit ihnen verglichen, sondern auf eine Stufe gestellt

Naja, um auf diese Stufe zu gelangen, muss aber vorher der eine oder andere Vergleich stattgefunden haben.

@Cosima,
ich gehe davon aus, daß die Personen, die zitiert habe, diesen Vergleich durchgeführt haben.
Rachmaninov (26.09.2007, 09:21):
So, nun zur ersten Frage:

Was charakterisiert sein Spiel?

Schepkin spielt technisch auf allem höchsten Niveau.
Was auch nicht anderes zu erwarten ist bei seiner
Leistung an einem russischen Konservatorium, vor
allem wenn man einen Grigory Sokolov als Lehrer haben durfte.

Faszinierend bei Schepkin ist, das aus einem Mikrokosmos, mit
einer Anschlagskultur und Technik, die es ihm erlaubt jeden
einzelnen Anschlag zu variieren und zu gestallten, ein Universum
wird, in dem die Komposition als gesamtheitliches Werk erklingt und
dabei noch voller Emotion wirkt und somit MUSIK entsteht.

Es gibt einige Pianisten, denen gelingt es Bach auf technisch
hohem Niveau zu spielen, aber dann wirkt es auf mich langweilig.
Oder aber mit Hingabe, Leidenschaft, dann aber meist sehr eigen.

Bei keinem anderen Pianisten habe ich jemals erlebt, dass die
Komposition Bach's derart auf nahezu 2 Ebenen, also Note für Note,
und andererseits als Ganzes, so gestaltet wird. Das ist eine
Synthese, die jede Bach Aufnahme Schepkin's zu einer Meisterleistung
werden lässt.
AcomA (26.09.2007, 18:40):
lieber Sergejewitsch,

natürlich habe ich mitbekommen, dass du die interpretationen des obigen pianisten hoch einschätzt. ich habe mir deine links mit den hörproben angehört. er ist IMO ein exzellent ausgebildeter pianist. dennoch klingen die proben sehr mechanistisch mit diesem typisch russischen non-legato in hohem tempo !

IMO spielt ivo janssen sehr viel klüger und mit einem immens sonorem anschlag und einer vollendeten phrasierung, mit großen bögen und großem atem. vielleicht solltest du dir mal hörproben mit ihm anhören.

gruß, siamak :)
Rachmaninov (26.09.2007, 18:46):
Original von AcomA
lieber Sergejewitsch,

natürlich habe ich mitbekommen, dass du die interpretationen des obigen pianisten hoch einschätzt. ich habe mir deine links mit den hörproben angehört. er ist IMO ein exzellent ausgebildeter pianist. dennoch klingen die proben sehr mechanistisch mit diesem typisch russischen non-legato in hohem tempo !

gruß, siamak :)

@Siamak,
danke für den Hinweis, aber mir scheint Du hast leider nur das gehört was du "sehr mechanistisch" bezeichnest!
Wenn das rein mechanistisch ist spielen Sokolov und Polline ebenfalls "mechanistisch"!
Walter (27.09.2007, 07:46):
Original von AcomA
lieber Sergejewitsch,

natürlich habe ich mitbekommen, dass du die interpretationen des obigen pianisten hoch einschätzt. ich habe mir deine links mit den hörproben angehört. er ist IMO ein exzellent ausgebildeter pianist. dennoch klingen die proben sehr mechanistisch mit diesem typisch russischen non-legato in hohem tempo !




Hallo Siamak,

da ich einige Aufnahmen von Schepkin besitze (und mit Begeisterung höre) kann ich Dir versichern, dass gerade das nicht zutrifft. Im Gegensatz zu einigen Anderen ist sein Bach weit weg von mechanistisch. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Hörproben nicht aussagefähig sind. Eine CD des WTK lohnt sich!

Gruß,
AcomA (27.09.2007, 17:23):
lieber Sergejewitsch, lieber Walter,

wahrscheinlich habe ich mit den links pech gehabt. aber ich muss mich entscheiden, was weitere käufe angeht. und da habe ich mich entschieden, weitere bach-CDs mit ivo janssen zu besorgen. da muss ich auf schepkin verzichten. man kann nicht alles haben. leider.

gruß, siamak :)
Cosima (28.09.2007, 13:15):
Original von Walter
Im Gegensatz zu einigen Anderen ist sein Bach weit weg von mechanistisch.


Lieber Walter,

an wen genau denkst Du bei den "einigen Anderen"?

Danke und Gruß,
Cosima
Walter (30.09.2007, 18:56):
Original von Cosima
Original von Walter
Im Gegensatz zu einigen Anderen ist sein Bach weit weg von mechanistisch.


Lieber Walter,

an wen genau denkst Du bei den "einigen Anderen"?

Danke und Gruß,
Cosima

Auch wenn ich mir jetzt Schläge einfange - beim WTK ist mir der Glenn Gould so ein Vertreter den ich nur in kleinen Dosen ertrage. Unter anderem wegen seines Versuchs das Klavier wie ein Hammerklavier klingen zu lassen.

Gruß,
thwinter12 (14.10.2010, 21:05):
Original von thwinter12 aus "Was höre ich gerade jetzt - 2010? (07.10.2010)
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
"The Well-Tempered Clavier 2"
Sergey Schepkin, 1998-99
Ongaku, 2000 (2CDs)

Ich will Bach von keinem Anderen mehr hören... :downOriginal von ab (11.10.2010)
Seit Jahren diese Lobpreisungen von Dir: Finden sich irgendwo Soundschnitzel von Schepkin zum Anhören?!
:hello
Werter ab,

"seit Jahren" ist nun aber stark übertrieben. :D Erst im Vorjahr machte mich Richard mit diesem Posting auf ihn aufmerksam:
Original von Rachmaninov aus "der Olymp der Pianisten" (01.09.2009)
S. Schepkin, weil er für mich State of the Art in Sachen Bachspiel darstellt. GBV, WTK I/II und für seine großartige Aufnahme der „Bilder einer Ausstellung“. Und weil er nicht bei einem der großen Labels ist.
Aber Du hast recht, Soundschnipsel zu seinen Einspielungen sind auf den ersten Blick nicht so einfach auszumachen.

Seit Monaten gehören Schepkins Aufnahmen zu meinen meistgehörtesten CDs und für mich ist es unverständlich, dass er bei seinen pianistischen Fähigkeiten in den deutschsprachigen Klassikforen mit Beiträgen so derart unterrepräsentiert ist. Nachfolgend daher gleich im entsprechenden Thread einige Verweise zu "Proben" seines Könnens und vielleicht auch ein paar Worte zu den Bestellmöglichkeiten seiner Aufnahmen, denn dafür dass er nur auf kleinen Labels einspielt sind seine CDs gar nicht mal so schwierig zu bekommen und auch nicht teuer... :wink


1) Auf dem Label "Ongaku Records" veröffentliche Schepkin in der 2. Hälfte der 1990er Jahre sein Debütalbum mit Bachs „Goldberg-Variationen, BWV 988“, danach folgten 2 EinzelCDs mit den „6 Partiten, BWV 825-830“ inkl. der „Ouvertüre nach Französischer Art, BWV 831“ und den „Duetten, BWV 802-805“ sowie 2 DoppelCDs „Das Wohltemperierte Klavier - Teil 1 & 2, BWV 846-893“.

Auf die Schnelle fand ich Soundschnipsel von allen diesen Alben unter http://www.cdbaby.com/Artist/SergeySchepkin

Zur Beschaffung sei angemerkt, dass der gesamte "Ongaku-Bestand" über Amazon.COM bestellbar ist: $15,99 pro EinzelCD und je $22,99 für die beiden WTKs zuzügl. Versand (vielleicht weiß Richard ja weitere Bestellmöglichkeiten zu den Schepkin-CDs!?)





2) Seine beiden neueren Einspielungen erschienen auf "Northern Flowers (NF)" mit 1. Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ und sechs Präludien von Rachmaninov, als auch 2. Klavierwerken von Bach. Diese sind sogar hier und hier bei JPC zu beziehen inkl. Soundschnipsel (EUR 15,99 pro EinzelCD)



3) Die Debussy-Platte (veröffentlicht beim Label "Centaur") findet sich anhör- und bestellbar sowohl hier bei JPC als auch hier bei Amazon.COM.




An Schepkins Spiel fasziniert mich vor allem, dass auch bei sehr rasch gewählten Tempi eine glasklare Durchhörbarkeit besteht und mit einem außergewöhnlichen Rhythmusgefühl "tanzt" er sich förmlich auf den Klaviertasten durch die Werke Bachs. Seine fein abgestufte Differenzierung im Anschlag schält eine Fülle an Details aus den dargebotenen Werken und diese Eigenschaft rundet für mich das Gesamtbild eines genialen Pianisten ab. Sein Spiel wirkt aber nie gekünstelt, sondern ist gekennzeichnet durch eine merkbar ernsthafte Auseinandersetzung mit dem kompositorischen Material und einfach unbändiger Freude am Klavierspiel, die sich auf den Hörer überträgt.

Die von Richard im Threadtitel gemachte Feststellung, Schepkin sei mehr als nur ein reiner Bachspezialist , unterstütze ich voll und ganz. Seine IMO überragenden Leistungen bei der Interpretation von Werken Debussys, Mussorgskys und Rachmaninov belegen dies. Man braucht sich auch nur sein umfangreiches Repertoire hier auf seiner Homepage anzuschauen.


Abschließend noch einige kurze "hingeworfene" Eindrücke zu seinen Aufnahmen:

-) Schon ab der 1. Goldberg-Variation setzt bei ihm ein wahres Feuerwerk an pianistischem Können ein. Abwechslungsreicher als bei ihm habe ich dieses Werk noch nie gehört. Siehe die obigen Soundschnipsel: vor allem die Variationen Nr. 5, 14, 17, 23, 26 & 28 sind der Hammer!

-) Die Allemande aus der „Partita Nr. 4“ wirkt bei ihm wie eine spontan erdachte und verträumte Improvisation - so gespielt vielleicht mein Lieblingsklavierstück von Bach...

-) Im 1. Satz des „Italienischen Konzerts“ gibt es zwei Triller, die sich bei ihm schon fast wie ein durchgängiger Ton anhören - man meint dabei kurzzeitig abzuheben: Wahnsinnsmoment!

-) "Die Hütte auf Hühnerfüßen (Baba-Yaga)" aus Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" donnert er mit einer derartigen Gewalt in die Tasten, dass man Angst bekommt der Flügel könne jeden Moment bersten.

-) Derzeit höre ich am liebsten seine Aufnahme des WTK 2. Die beiden WTKs kommen vielleicht beim ersten Hören im Vergleich zu den Goldberg-Variationen und den Partiten bei den Tempi vergleichsweise "bieder" daher, wer sich aber auf Schepkins Interpretation einlässt, kann den Respekt spüren, den er vor diesem Mammut-Werk Bachs hat und ihm mit seiner Einspielung auch zollt. Er läßt sich bei dieser und jener Fuge traumwandlerisch Zeit, wenn es angebracht ist, oder "hämmert" in einem hypnotischen Rhythmus dieses oder jenes Präludium in die Klaviertasten, dass man am liebsten aufspringen und mittanzen möchte.


Beginnen würde ich am besten mit seiner jüngsten Bach-CD erschienen auf "Northern Flowers (NF)": Eingeleitet wird die Aufnahme durch das Werk "Capriccio sopra la lontananza del suo fratello dilettissimo, BWV 992" (= "Capriccio über die Abreise des sehr beliebten Bruders"), danach versucht er sich ein zweites Mal an der "Partita Nr. 6" und IMO gelingt ihm eine noch stärkere Interpretation als 1995. Abgeschlossen wird das Ganze mit der für mich grandiosesten - weil rhythmisch am mitreißendsten - Einspielung des "Italienischen Konzerts", die ich kenne. Dann als nächstes vielleicht die "Goldberg-Variationen" aus den USA einschiffen lassen, aber ich denke nach der ersten CD wird das "Schepkin-Virus“ sowieso schon grassieren. :D

Wer sich seine Aufnahmen leistet, bekommt Klavierspiel zu Gehör, welches man/frau überraschen und niemals vergessen wird!
Servas, :hello
Thomas
Heike (15.10.2010, 08:58):
Ich werde immer neugieriger auf Schepkin, der Name ist mir schon mehrmals positiv begegnet und nach den Beschreibungen könnte mir der durchaus gefallen. Irgendwann muss ich mir doch mal Zeit nehmen und bei Dussmann forschen und hören gehen.
Heike